Gott allein die Ehre!
Worte Gottes durch Johannes Tennhardt anno 1708
Oh ihr Menschen, bedenket,
erwäget, wie euer ganzes Leben beschaffen sei! Wir wollen den heiligsten, ja
wirklich von allen den heiligsten Zeitabschnitt aus eurem Leben in Betracht
ziehen. Denn alle Zeit, die ihr Menschen auf der Erde zubringet, die verdirbt,
mit Ausnahme derjenigen Zeit, die ihr eurem Gott zur Ehre lebt. Ohne Zweifel
nun glaubt ihr, dass, so oft ihr das Gebet des Herrn betet, dieses zur Ehre
Gottes geschehe.
,Lasset uns erforschen und
erfahren, wie ihr Mich verehret!', spricht der Herr der Heerscharen.
Ihr fanget an und sprechet: Unser
Vater, der du bist in den Himmeln!
Der Himmel und Meine Wohnung ist
in einem zerknirschten und zerschlagenen Herzen, wie kann es dann sein, dass
eure Herzen Meine Himmel sind, solange noch, der Arge, die Sünde, Laster und
alle Untugenden in ihnen wohnen?
Erforschet euch um Meiner Liebe
willen, die Ich noch zu euch habe, ob nicht der böse Geist der Lügenhaftigkeit
noch eure Herzen bewohne, ob ihr nicht in Unwahrheit, wäre es auch nur die so
allgemeine Not- und Ehrenlüge, oder der Falschheit gegen euren Nächsten (in
welchem Mein Bild lebt) euch öfters bedienet! Erforschet euch, sage Ich, ob
nicht Wollust, Welt- oder Geldliebe in euch herrsche, euch nicht die
Begierlichkeit gefesselt halte, dieses oder jenes noch zu haben oder zu
genießen?
Gestehet euch ein, wie wenig ihr
bisher darangesetzt habet, die bösen Neigungen und Begierden, die in euerem
Herzen sich regen, zu töten! Prüfet euch, ob nicht der Teufel des Zornes in
euch wohne! Prüfet euch, ob ihr nicht von übermäßiger Sorge für euch und die
eurigen befangen seid! Werdet euch selbst gewiss, ob nicht Selbstliebe,
Ehrgeiz, Eigenwilligkeit in euch die Oberhand habe! Werdet inne, sage Ich, ob
nicht Unruhe, Zuchtlosigkeit, Eigensinn euer Gemüt beherrsche! Wie könnet ihr
in Wahrheit sagen: Unser Vater, der Du bist in den Himmeln? Oh, welche arge
Unwahrheit, die ihr da begehet!
Meine Kinder lassen sich von
Meinem Geiste leiten. Meine Kinder halten Meine Gebote und tun Meinen Willen,
in dem sie Mich von ganzem Herzen und ganzer Seele und den armen Nächsten wie
sich selbst lieben. Meine Kinder lieben ihre Feinde sogar, segnen die, die
ihnen fluchen und beten für ihre Widersacher. Meine Kinder nehmen alles gleich
liebsam von Mir hin; seien es auch Kreuz oder Schmach und Verachtung, Trübsal,
oder was irgend ihnen begegnet, sie sind damit zufrieden und nehmen es aus der
Hand Meiner Liebe an, wohl wissend, dass ihnen alles zu Gutem dienen werde.
Meine Kinder haben ihr Fleisch gekreuzigt mit seinen bösen Lüsten und
Begierden, haben sich verleugnet und nehmen ihr Kreuz auf sich und folgen Mir
nach in der Entsagung und Wiedergeburt.
Meine Kinder stellen sich nicht
mehr der Welt gleich, weder im Tun noch Unterlassen. Meine Kinder hören Meine
Stimme in ihren Herzen und folgen Mir; meine Kinder glauben an Mich, vertrauen
Mir und fürchten Mich, sind stets aufmerksam auf die Stimme des Vaters in
ihnen, und wenn sie ein Gebot von Mir hören, so befolgen sie es mit Freude.
Siehe, das sind Meine Kinder,
Meine Schafe! Die können in Wahrheit sagen: Unser Vater, der Du in dem Himmel,
nämlich in unserem gläubigen Herzen bist.
Ändert also eure Gesinnungen, tut
Buße und bekehret euch zu Mir; wo nicht, so rufet den als Vater an, dem ihr als
Knechte gehorchet! Ich will nicht weiter von euch lügenhaft und lästerlich
angerufen sein. Euer Sagen, Vater, Vater' ist vor Mir ein Gräuel. Wenn ihr
beten wollet, so betet oder sprechet die Wahrheit.
Der Teufel ist der Vater aller
Lügner, aller Hochmütigen, aller Zornigen, aller Wollüstigen, aller
Unzüchtigen, aller Hurer und Ehebrecher, aller Geizigen, aller Welt-, Geld- und
Selbstsüchtigen, aller Unenthaltsamen, Fresser und Säufer, aller Flucher und
Schmäher. Ja, der Teufel ist ein Vater aller Ungehorsamen, Gottlosen und
Götzendiener, aller Laster und Verbrechen - aller derer, welcher Teil sein wird
in dem Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennt.
Euer Sagen „Vater, Vater"
wird euch nichts helfen an jenem großen Gerichtstage. Darum reiniget euch, tut
weg euer Böses und ungerechtes Wesen vor Meinen Augen und seid barmherzig gegen
euren Nächsten! Dann kommet zu Mir und rufet Mich an in der Not, und Ich werde
euch erretten aus Unglück, Angst und Trübsalen.
Weiter sprechet ihr: Geheiligt
werde Dein Name!
Wie wird denn Mein Name
geheiligt, wenn ihr ein unheiliges Leben führet, gottloses, unzüchtiges,
heuchlerisches, schmeichelhaftes, eitles, unnützes Zeug aus eurem Munde gehen lasset
und davon euer Geschwätz machet?
Darum sage Ich euch: Prüfet euch,
wo Verlangen oder Seufzen bei euch sei, dass Mein Name, der an sich heilig,
heilig, heilig ist, von euch und um euch euretwillen geheiligt werde! Wo ist
irgend Angelegentlichkeit vorhanden, zur Verehrung Meines Namens beizutragen?
Wer hat auch nur einige Sorge dafür? Wo finden wir Unterredungen, die hierauf
Bezug haben? Wo wird eigentlich Meines Namens Ehre gesucht? Eure Ehre, die vom
Argen ist, suchet ihr; dieser jaget ihr nach; um die laufet ihr und eilet.
Darnach trachtet, dahin arbeitet ihr, dass ihr von der Welt für alles Ehre
haben möget, was ihr tut oder unterlasset. Merkt doch, dass ohne Meinen Geist
Mein Name nicht kann geheiligt werden, ihr selbst müsst zuerst geheiligt sein,
bevor Meinem Namen das von euch widerfahren kann. Wie kann das Unheilige das
Allerheiligste heiligen?
Wer also in Wahrheit beten will:
Geheiligt werde Dein Name - der sorge zuerst, wie er ein heiliges Leben führen
möge! Ihr könnet aber keineswegs heilig leben ohne Meinen heiligen Geist. Mein
Geist wohnet nicht in einem den Sünden ergebenen Leibe. Soll nun Mein Name von
euch geheiligt werden, so müsst ihr voraus euch reinigen lassen durch die
heilsame Gnade von allen Sünden und um Meinen Geist bitten, flehen, ihn suchen
und im Anhalten unermüdlich verharren. Habt ihr dann Meinen Geist empfangen, so
kann und wird er euch lehren, wie ihr in Wahrheit beten könnet: Geheiligt werde
Dein Name! Ja, er wird ein ernstliches inniges Verlangen nach Heiligung Meines
Namens in euch erwecken: ja, ihr werdet trachten und euch Mühe geben, dass Mein
Name im mindesten nicht mehr von euch durch unnütze Reden oder durch das, was
ihr sonst tut oder unterlasset, gemein gemacht werde. Solange ihr nun das in
euch nicht findet, sind eure Gebete nichts als Lügen und Gräuel vor Mir.
Darum untersuchet euch und
durchforschet eure Herzen, wie ihr gesinnt seid! Denn die wahren Anbeter rufen
den Vater im Geist und in der Wahrheit an, in dem sie von Herzen und aus dem
Verlangen einer innigen Liebe sprechen: Geheiligt werde Dein Name!
Und dann weiter: Es komme Dein
Reich!
Mit deinem Munde sagst du: Dein
Reich, komme!', aber aus des Satans Reiche willst du nicht austreten.
Verleugnung und das arme Leben Meines Sohnes, die stehen dir nicht an. Du
meinest, wenn du nur ins Reich Gottes kommest, nachdem du gestorben bist, so
mögest du hier des Reiches der Welt genießen, deiner Bequemlichkeit nach
eigenem Willen und Gefallen pflegen, in Weichheit, Niedlichkeit und
Vergnügungen, wie es dem alten Adam zusagt, dahinleben. So betet denn dein
Mund; aber dein Herz weigert sich, seine alte gewohnte Weise zu ändern. Darum
gehe in dich, und ändere deinen Sinn! Siehe, Ich komme bald und Mein Sohn mit
Mir, dir den Lohn deiner Weichlichkeit und Bequemlichkeit zu geben.
Denn Ich sage dir, wer du auch
seiest, solange du noch in Ruhe, ohne äußere oder innere Anfechtung deinen
Beruf und Stand innehaben kannst und von den Weltmenschen gefeiert wirst,
solange ist in dir noch Satans Reich. Daher kann Ich Mein Reich in dir nicht
aufrichten, wie gerne Ich es auch wollte; denn du hinderst Mich mit deinem, der
Eigenliebe und dem Eigenwillen ergebenen Leben.
Betrachte doch die fünf törichten
Jungfrauen und den Jüngling, der Meine Gebote gehalten hatte von seiner Jugend
an, wofür Ich ihn auch lieben musste; die aber doch die wahre Verleugnung nicht
eingehen, noch ihre Gesinnungen gänzlich ändern wollten, deswegen Ich Mein
Reich der Gnade in ihnen nicht eigentlich feststellen konnte, indem ihr eigener
Wille mir den Zutritt zum Herzen nicht immer auftat! Obschon Ich von Zeit zu
Zeit anklopfe, wurde Mir doch nicht jedes Mal geöffnet. Darum standen jenen
auch die Türen zum Reiche der Herrlichkeit nicht offen. Obwohl sie Mich
kannten, so erkannten sie Mich doch nicht recht nach dem inneren Menschen, und
deswegen erkannte Ich sie auch nicht.
Darum erforsche dich, lieber
Mensch, der du irgend es hörst, damit du desto geringer seiest, je höher du
bist. Gehe hin und lies Mein armes Leben, betrachte es recht und nimm es ins Gemüt
auf; vergleiche es mit deinem Leben, und du wirst bald finden, ob Ich in dir
lebe und Mein Reich in dir habe. Wenn du noch von aller Welt geehrt und geliebt
wirst und über Titel und Ehren dich freust, da du doch ihrer nicht bedarfst, so
bist du der Welt und noch des Argen Gefangener.
Ich bezeuge dir, wenn du dich
nicht änderst und in die Verleugnung eingehst, so dass Ich Mein Reich in dieser
Zeitlichkeit in dir aufrichten kann, so wirst du keineswegs nach dem Tode in
Mein Reich der Herrlichkeit kommen. Wie Ich dich finde, so richte Ich dich.
Nimmst du das Reich der Gnade nicht an und lässest es in dieser Zeit in dir
aufgehen, so musst du auch das Reich, der Herrlichkeit missen in der Ewigkeit.
Lass dich nicht länger vom Satan verblenden! Fliehe, fliehe seine Gewalt! Mich
suche, nach Mir verlange und bessere dich in allen Stücken! Durch den freien
Willen kannst du alles wenden, kannst in Mein Reich der Gnade eingehen.
Ergreife das Kreuz und bitte um Vergebung deiner Sünden und es wird sich gleich
zeigen, welches Reich du noch in dir finden wirst.
Wenn Mein Reich in dir ist,
glaube Mir, so wirst du verachtet, verlacht und angefochten werden von der
Welt. Du liebst Mich allein und kümmerst dich weder um Ehre, noch um Geld und
Gut, auch nicht um Kreuz und Trübsal oder Schmerzen, denn du kennest Den, der
in deinem Herzen wohnt.
Wenn Mein Reich in dir ist,
lieber Mensch, glaube Mir, so wirst du Meine süße Liebe in dir empfinden und in
der Tat rein werden von allen deinen Sünden. Ist Mein Reich in dir, glaube Mir,
so bin Ich nicht stumm, noch zu schweigen gewohnt, sondern rede mit dir und
zeige dir fleißig den Willen des Vaters an. Meine Schafe hören Meine Stimme,
und sie folgen Mir, und Ich gebe ihnen das ewige Leben; ja sie haben das ewige
Leben bereits in sich.
Ist Mein Reich in dir, glaube Mir
und vertraue Meinen Worten, so bin Ich nicht unsichtbar, sondern du kannst Mich
sehen, schauen, zuerst in Meinem niedrigen Stande der Selbstentäußerung nach,
der heiligen Einfalt und hierauf nach der Macht, Herrschaft, Gewalt, Ehre und
Stärke. Dann wirst du Meine Werke bewundern, die Ich in dir habe, und wie Ich
dich mit Meiner Gegenwart im Gemüte ergötzen werde, ja dir überdies den neuen
Namen geben werde, den außer dir niemand weiß. Ja, auch die Engel hörest du dann
mit ihren holden Stimmen in deiner Seele Gott besingen, in lieblichen Weisen
ihn loben und preisen. Auch deine Fehler, wenn du in diesem oder jenem Stück
geirret hast, werde Ich dir selbst anzeigen und Mein Geist lehret dich wahrhaft
demütig sein und dich ganz Meinem Willen ergeben.
Siehe, lieber Mensch, Ich kann
nicht länger schweigen: Wenn du dergleichen Zeichen nicht in dir findest,
glaube Mir, so stehest du in großer Gefahr. Darum ruhe nicht! Bitte, flehe,
seufze mit innigem größten Verlangen! Ach sei nicht eher zufrieden, bis du
empfindest, dass Mein Reich in dir errichtet ist! Stirb daher dir selbst ab,
damit Ich Meine Herrschaft in dir haben mög. Dann werde Ich bewirken, dass die
dürre Erde in dir fruchtbar werde und das verborgene Weizenkorn in deinem
Gemüte Wurzeln treibe; denn es kann nicht eher keimen, bis es von Mir mit
göttlichem Lebenswasser wird begossen sein. So wird es grünen und wachsen und
endlich zur vollkommenen Pflanze werden, denn es ist nun in eine neue Erde
gebracht, und die alte ist vergangen. Nun wirst du dich aufgenommen sehen mit
deinen Bitten und deiner Lobpreisung bei Meinem und deinem Vater in der Höhe,
und wirst auch sehen Mein Reich mit Macht und Gewalt nahen. Denn die, welche
ihm Gewalt antun, die reißen es an sich, das glaube fest, so wirst du nun
wahrhaft und nicht mehr aus trügerischem Munde betend sprechen: Es komme Dein
Reich! Es geschehe Dein Wille auf Erden wie im Himmel!
Wie nämlich das Vorige aus lügenhaftem
und lästerlichem Munde hervorging, so gehet es auch, wo nichts schlimmer, mit
dieser Bitte.
Dein Wunsch sagt: Dein Wille
geschehe! Dein Herz sagt: Mein Wille geschehe! In deinem ganzen Leben tust
du nach deinem und nicht nach Meinem Willen. Du meinest, genug zu tun, wenn du
stehest und betest: Dein Wille geschehe! Das reicht keineswegs aus; du musst
Meinen Willen vollbringen, ja vollbringen, wenn du glücklich zu werden
begehrst, und wenn du wünschest, dass deine Bitten Mir angenehm seien, so musst
du töten deinen Willen und dem Meinigen dich hingeben und alles als von Meiner
Hand annehmen, was dir Leides widerfährt von allen irdischen und nichtirdischen
Kreaturen. Sei nicht mürrisch und zänkisch, sondern tue nach Meinem Willen!
Dann werde Ich dir das ewige Leben geben und in dem Leben, das du jetzt lebst,
wirst du nicht nur wahrhaft bitten können: Es geschehe Dein Wille auf Erden wie
im Himmel! sondern du wirst auch fröhlich und mit Freuden Meinen Willen tun und
nach Meinen Geboten wandeln untadelhaft und unscheltbar; ja du wirst oft und
viel innerlich und äußerlich mich loben, preisen, ehren und verkünden, wie die
Engel im Himmel es tun.
Oh lieber Mensch, siehe, wie Ich
dich in deinen Bitten finde, ist das nicht ein Gräuel und große, abscheuliche
Sünde, weil du dich vom Teufel verführen lässt, nach seinem Willen lebst und
handelst und dann überdies noch vor Mich hinzutreten und zu sagen wagst: Dein
Wille geschehe! Und wenn Ich dann zuweilen deinen Willen hindere, dass er
minder geschehe, so kannst du das gar nicht ertragen, sondern widerstrebest und
dir ist sehr zum Leidwesen, dass es nicht immer nach deinem Willen gehen soll.
Siehe, solchergestalt finde Ich
dich in deinem Beten. Muss Ich nicht klagen und sprechen: Die Menschen wollen
sich durch Meinen Geist nicht zurechtweisen lassen, darum werde Ich bald kommen
und dann Meinen Willen ein Genüge machen, so dass sie es durch und durch fühlen
werden. Dazu spreche Ich: Amen.
Du fährst fort zu beten: Unser
täglich Brot gib uns heute!
Mein eigentliches Brot aber
verlangst du nicht, sondern das irdische, zeitliche; um dieses bittest du,
dafür bist du besorgt. Um es zu verlangen, läufst und rennst du, schaffest und
wachest; nach dem schnaubest du und lässt dir's sauer werden früh und spät.
Seinethalber bist du dem Geize ergeben; um es zu kriegen, ringest und kämpfest
du, rechtest und fechtest.
Aber Meines himmlischen Brotes
magst du nicht. Du hältst wohl etwa dafür, Christus sei hie und da im Brote und
Weine. Oh lieber Mensch, du wirst vom Teufel und von Menschen betrogen werden.
Habe Ich dir nicht gesagt, wenn
sie sagen werden hier ist Christus, dort ist Christus, so sollt ihr ihnen nicht
glauben. Warum folgest du Mir nicht? Suche mich in deinem Herzen, in deiner
Seele, da wirst du Mich finden, da werde Ich dich speisen und laben; ja du
wirst Meinen Sohn, den Ich dir wiedergebäre, zum Brote haben. Er vermag deine
Seele zu speisen, zu sättigen und zu vergnügen. Christus will Speise sein und
einzig die Seele nähren, nicht den alten adamitischen Leib; der muss
untergehen. Tötet eure Glieder, die auf Erden sind, und bald werdet ihr es
besser haben; ja ihr werdet Mich erkennen und im Herzen Vater nennen lernen,
und dann will Ich euch Mein Brot geben, welches das wahrhafte Leben ist. Habe
Ich euch nicht also befohlen und gesagt: Ihr sollet nicht sorgen und was werden
wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns bekleiden? Nach solchem
allem trachten die Heiden. Aber indem ihr nicht gehorchet, kehret ihr alles um;
was Ich will, das wollet ihr nicht, und was Ich nicht will, das wollet ihr.
Glaubet Mir, Ich stehe vor eines
jeden Herzens Türe und klopfe an. Wer Mir nun auftut, zu dem werde Ich eingehen
und Abendmahl mit ihm halten und er mit Mir. Aber ihr lasset Mich stehen und
klopfen und niemand will Mich hören. Eure Ohren sind ganz abgewendet von Mir,
der Welt und dem Satan zu, diesen gehorchet ihr. Merket euch aber, dass dieses
nicht immer sofort gehen wird, sondern die Zeit wird kommen, dass auch ihr
stehen und klopfen werdet, sprechend: Herr, Herr, tue uns auf, denn wir haben
alle Vierteljahre vor Dir gesessen und getrunken und du hast uns auf der
Strasse, in jenem steinernen Hause, gelehrt. Ich aber werde sagen: Ich kenne
euch nicht, woher ihr seid. Sprechet eure Lehrer um Hilfe an, denen ihr eure
Seelen übergeben und anvertrauet habt! Dann werdet ihr mit ihnen heulen und
zähneknirschen und euer Teil wird sein in dem Pfuhle, der mit Feuer und
Schwefel brennt.
Wer Ohren hat zu hören, der höre,
was der Geist den Gemeinen sagt! Der Erdenmensch ist irdisch, fleischlich und
tierisch, sorget und bittet um das zeitliche Brot, welches das leibliche Leben
erhält und nährt, ja rufet und schreiet wie ein hungriges Vieh darnach. Der
Geistmensch aber ist geistlich, himmlisch und göttlich, dieser verlangt geistiges,
himmlisches und göttliches Brot von Mir, wie es ihm denn auch von Mir als eben
solchem gegeben wird und durch dieses hat er das ewige Leben und wird ewig
nicht hungern und dürsten. Denn das irdische Brot wird auch ungebeten den Juden
und Heiden gegeben, wie sollte Ich es nicht Meinen Kindern geben?
Ach, wenn sie nur erst nach den
himmlischen Dingen streben, dann würde ihnen das Irdische alles beigefügt
werden, so viel ihnen in dieser Zeit nötig wäre und gut täte. Aber das ist eben
der Gräuel, Spott und Schande, wozu Ich ihnen bin, die sich nach Mir Christen
nennen, dass sie Mich, das ewige, höchste, einzige, wahre Gut und Seelenbrot
verachten und verwerfen, ja so weit gehen, dass sie Mich verfolgen und hingegen
in ihrem Gebete flehen und verlangen nach dem vergänglichen Brote. So wird
ihnen gegeben, dass sie ihren Teil und ihren Lohn dahin haben, indem sie beten:
Unser täglich Brot gib uns heute, da doch manche schon so viel haben, dass sie
es in tausend Jahren nicht verzehren würden.
Sehet, ihr vom Argen betrogene
und verblendete Menschen, wie und was ihr bittet! Ob es nicht besser wäre zu
schweigen, als so zu bitten, dass ihr nicht selig werden könnet. Lebt denn der
Mensch allein vom irdischen Brote und nicht vielmehr von jedem Worte, das durch
den Mund Gottes gehet? Weil also niemand auf die Weise, wie es sich geziemt, um
das rechte Brot, um das innerliche Wort bittet oder nach ihm ringend und
kämpfend trachtet, so höret und habt ihr nicht auch nur etwas von diesem Wort
oder Brot, wovon ihr das ewige Leben für eure Seelen empfangen könntet. Wer
Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den ungläubigen, unwiedergeborenen
Christen sagt, die nur den Namen haben, innerlich aber faul und Heuchler sind.
Ein Tier, eine Bestie, wenn sie hat, was sie verschlinge, ist ruhig und
schweigt, ihr aber nicht. Oh Gräuel!
Du betest weiter: Und vergib
uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern!
Oh armer Mensch! Wie oder was
bittest du hier? Sollst du nicht zuvor bedenken, ob du Mein Schüler und
Nachfolger seiest? Ob du alles Widerwärtige als aus Meiner Hand annehmest, was
dir von irgendwelchen Menschen zustößt? Ob du alles verzeihest, nachlassest und
vergessest, was sie dir getan oder nicht getan haben.
Du bittest, dass Ich dir deine
Schuld erlasse, gleichwie du deinem Schuldner nachlassest, wie lassest du ihm
denn nach? Schlecht genug. Du wünschest, dass ihn der Teufel hole, dass er die
schwere Not kriege, dass er plötzlich dahinfahre, dass ihn Gott strafe, dass
ihm dieses und jenes begegne; du sprichst es wohl gar aus, dass ihn Donner und
das Wetter erschlagen, dass er ewig verdammt sein möge. Siehe und erwäge es
recht: So vergibst du deinen Schuldnern! Und du bittest gleichwohl, dass dir
auf solche Art vergeben werde. Wie auch die besten Christen oder die sich fromm
zu sein dünken, sagen: Vergeben will ich schon, aber vergessen kann ich es ihm
doch nicht?
Oh, weder kalt noch warm bist du! Dass du doch kalt oder warm wärest!
Ändere deinen Willen oder Ich muss dich ausspeien.
Wärest du Mein Schüler oder Mein
Kind, ein wahrhaft gläubiger Christ, du würdest dich wohl freuen, wenn Ich dir
durch Menschen helfe, deine Feinde, den Eigenwillen, die eigene Ehre, die
Eigenliebe und den ganzen alten Adam zu unterdrücken und zu töten. Ständest du
in der wahren Verleugnung, so würdest du zufrieden sein, durch wen oder auf
welche Art Ich dir dein Geld und Gut nähme; ja du würdest deine Feinde lieben,
weil sie dir zur Hilfe sind im Streite gegen deine ewigen Feinde und in der
Befreiung von den ewigen Banden. Ja, du würdest die dir Fluchenden segnen und
indem sie dich beleidigen für sie beten und sprechen: Vater, vergib ihnen, denn
sie wissen nicht, was sie tun. Offenbare ihnen den inwohnenden Geist, der sie
zu solchem treibt und befreie sie von den Feinden ihrer Seelen. Gib ihnen
Deinen heiligen Geist und treibe sie durch Deinen heiligen Geist!
Aber deinen Schuldnern so zu
vergeben weigerst du dich und bittest das gleiche von Mir. Bedenke, was du
bittest und verlangst! Ist es damit nicht, als ob du sprächest: Mit Wissen
werde ich diesem Menschen, der mich so und so beleidigt hat, nicht vergeben,
also vergib auch mir nicht! Ich verwünsche und verdamme diesen, will demnach
lieber, dass Du mich auch verfluchest und verdammest, eher als dass ich nach
Deinem Willen handeln und leben will. Lieber möchte ich ewig verdammt sein, als
dass ich Dir gehorche und Deinem Willen gemäß meinen Schuldner vergebe.
Siehe, du vom Argen betrogener
und verblendeter Mensch, so betest und sprichst du: Und vergib uns unsere
Schulden, wie auch wir unsern Schuldnern vergeben!
Und führe uns nicht in
Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!
Ich versuche niemanden zum Bösen.
Mit dem Munde sprechet ihr: Führe uns nicht in Versuchung! Durch all euer Leben
und euer Tun aber rennet ihr mit größter Angelegentlichkeit in die Versuchung
hinein.
Jeder will gerne geehrt und
geliebt sein von der Welt. Jeder haschet nach Geld, nach Besitz und nach guten
Tagen für das verderbte Fleisch. Jeder will essen und trinken, was seinem
Gaumen wohl schmeckt. Ja jeder gibt seinem Leibe nach und sorget für ihn in
Weichheit und Zärtlichkeit, damit der alte Adam bei Kräften bleibe, wodurch
dann alle bösen Regungen und Begierden stark und mächtig werden, so dass sie
euch auf alle Art und Weise versuchen.
So sind denn die Bitten
lügenhaft. Wenn ihr in der Tat ein recht ernstliches Verlangen nach einem
solchen Stande hättet, dass Ich euch nicht gänzlich in die Versuchung des
Teufels oder des alten Adams solle hingleiten lassen, so würdet ihr wahrlich
anfangen, euch zu verleugnen und den alten Menschen durch Enthaltsamkeit,
Wachen, Fasten und andere strenge Übungen zu töten, wie an eurer Stelle schon
bei der heiligen Taufe angelobt worden ist, damit so der neue Mensch Tag für
Tag in euch wachsen könnte und euch in der Versuchung bewahre, ja euch von
allem Übel erlösete, wie ihr weiter, obwohl gleichfalls mit heuchlerischem und
lügenhaftem Munde betet.
Reichtum ist für die Ungläubigen
und Gottlosen ein sehr großes Übel und ein Hindernis am Reiche Gottes. Doch
verlangen sie alle darnach, obschon sie mit dem Munde sprechen: Erlöse uns von
dem Übel!
Die arme Nachfolge Meines Sohnes
in der Demut und Niedrigkeit erlöset von allem Übel und führt zum ewigen Gute
und schaffet ein immer dauerndes Heil. Dieses gefällt niemandem, dieses
verlangt niemand und dennoch rufen sie überlaut: Erlöse uns von dem Übel!
Dieser mein Sohn ging einher arm
und unscheinbar, und wozu: um den Teufel gefangen zu nehmen. Wenn ihr von
diesem und allem Bösen erlöset zu werden wünschet und verlangt, so erwählet die
Verleugnung und ergreifet das arme Leben Jesu! Tötet eure Glieder, die auf
Erden sind, nämlich die Eigenliebe, den Eigenwillen, die Eigenehre, alle
irdischen und vergänglichen Begierden und schlimmen Regungen samt den Dingen,
die zeitlich, sind! Saget ab aller Bequemlichkeit, Weichlichkeit und
Wohlbehagen! Widerstrebet dem Teufel und er wird von euch fliehen - das Übel
aller Übel. Wenn ihr also Sünden und Untugenden meiden und Übeltaten von euch
treiben werdet, so will Ich euch gerne zu Hilfe kommen und euch von allem Bösen
und Übel befreien. Das aber verlanget ihr nicht für diese Zeit, sondern nur
nach dem Tode in der Ewigkeit. In dieser Zeit begehret ihr dem Argen, der Welt
und eurem eigenen Fleisch und Blute zu dienen und das vergängliche zeitliche
Gut, das euch der Teufel zeigt und anbietet, mit den andern auch anzunehmen und
zu genießen und auf solche Art hier in einem, freilich nicht dauernden
Paradiese zu sitzen und erst nach eurem Tode wollet ihr Mir dienen.
Ich sage euch aber: Wer Mir in
dieser Zeit nicht dient, dem wird es auch in der Zukunft übel gehen und er wird
seinen Lohn bekommen. Du musst durch Armut, Entsagung, Kreuz und Trübsal in
Mein Reich eingehen und nicht durch Weichlichkeit und Eigenwillen. Wem dieses
nicht gefällt, wer sich weigert, Mir in der Selbstverleugnung nachzufolgen, wie
Ich den Weg gezeigt habe, und selbst gegangen bin, der lasse Mich auch
unangegangen mit lästerlichen, falschen Lügengeplärre, dass er sage oder bitte:
Erlöse uns vom Übel!
Denn wer verlangt solches Gebet
von euch, oh ungläubige Christen, die ihr bloß den Namen habet? Meinen Schülern
und Nachfolgern, nicht aber euch habe Ich es gelehrt. Wer sich selbst, der Welt
und dem Teufel dient, der mag auch (wie ihr wirklich tut) sich selbst, die Welt
und den Teufel allein anrufen. Ich will nicht mehr aus so trügerischem Munde
von euch angerufen werden, denn euer Gebet, eure Sonn- und Festtage sind
nichts; ihr seid vor Mir ein Gräuel mit allem eurem Gottesdienste, spricht der
Herr der Heerscharen.
Wie es sich nun mit dem ganzem
Gebete verhält, so auch mit seinem Beschlusse, wenn mit gefräßigem,
trunkliebendem, lügnerischem abgöttischem und unzüchtigem Munde gesagt wird:
Dein ist das Reich - da doch der Satan noch in dir herrschet, so sehr, dass der
Beste noch die armselige Ausflucht hat: Wir sind schwache Menschen. Oh, so
sprechen nicht die Meinigen (die wahrhaft Glaubenden), sondern: Ich bin kräftig
und mächtig und kann alles durch Ihn, der in mir ist, Sein Reich in mir hat und
mir Stärke verleiht. Mein Glaube ist der Sieg, der Welt, Sünde, Tod. Teufel,
Fleisch und Blut überwindet.
Oh Gottlose und Ungläubige! Ihr
habet Meinen Geist bisher niemals empfangen und erkannt, wie kräftig und mächtig
er in den Meinigen ist. Wie sollet ihr denn in Wahrheit sagen können: Dein
ist die Kraft, da ihr von Meiner Kraft in euch nichts wisset? Meine Kraft
ist mächtig in den Schwachen, die da glauben. Erkennet, dass ihr noch nicht
einmal schwache Glaubende seid, weil ihr bekennen müsset: Wir wohl
unterrichteten Leute sind schwache Menschen - da ihr doch sehr stark sein
solltet, dass ihr könnet den Schwachen stärken und aufrichten mit Kraft und
Trost, womit ihr selbst getröstet und gekräftigt seid. Ist das nicht Schmach
und Spott. dass ihr wähnet Mein Geist sei schwach und dem Teufel größere Gewalt
und Macht zuschreibet? Wie möget ihr denn in Wahrheit sprechen: Dein ist die
Kraft und endlich: Dein die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen?
Ich aber kann zu keiner Herrlichkeit
in euch gelangen, weil ihr nach dem Fleische in Begierlichkeit und bösen
Regungen und nicht nach dem Geiste wandelt, wodurch ihr Meine Herrschaft in
euch verachtet und nicht erzittert, Meine Herrlichkeit in euch zu lästern.
Darum sind eure Bitten eitle Unwahrheiten. Der Teufel ist ein Vater aller
Lügen, des Kinder ihr seid, dem ihr folget, dem ihr dienet und euer Herz
ergebet, während ihr Mir nur euere lügenden Worte gebt.
Seht ihr nun, wie euer bestes und
heiligstes Viertelstündlein beschaffen ist, wenn ihr im Beten begriffen seid?
Wie meinet ihr? Wie wird es sein, wenn Ich euer ganzes Leben, eure Umstände und
Handlungen euch vor Augen stellen werde? Meinet ihr noch immer, dass ihr wohl
bestehen werdet? Oh geistleere, fleischliche Menschen, ändert noch, ja ändert,
so spricht der Herr der Heerscharen, euren Sinn! Sehet das Reich Gottes ist
euch sehr nahe gekommen. Ach, wollet ihr nun schlafen und ruhen? Ja, schlafet
noch ein wenig, schlummert noch, ruhet noch eine Weile und alles Übel wird über
euch hereinbrechen.
Wachet, wachet auf, und stehet
auf aus dem Schlafe der Sicherheit! Siehe, der Bräutigam kommt! Gehet aus, Ihm
entgegen, und nehmet eure Lampen! Aber freilich: Wo habt ihr das Öl? Werdet ihr
es nun erst beim Krämer kaufen? Siehe, Ich sage Euch: Die geistlichen Händler
und Krämer haben selbst kein Geistesöl in ihren Lampen; dieselben sind
ausgelöscht und haben kein Licht mehr, daher kommen nicht gute, sondern böse
Werke zum Vorschein. Totes Wasser verkaufen sie euch für Lebensöl, tötende
Buchstaben für das lebendige Wort Gottes, versprechen euch Freiheit und sind
selbst Sklaven der Sünde und Beute des Argen, Kinder des Verderbens, falsche
Propheten und des Baals Priester.
Aber siehe, der da kommen soll,
wird bald kommen; schon ist Er auf dem Wege. Wer Ohren hat zu hören, der höre,
was der Geist allen Gemeinen sagt: Siehe, Ich komme bald und Mein Lohn mit Mir!
Ach, komm doch Herr Jesu! Amen.
[zurück]