2018
Gerd Kujoth
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Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Der natürliche, noch geistlose Mensch ……........................ 4
2. Wie kann ein Mensch erkennen, ob er noch in der
Welt steht? ………………………………………………… 6
3. Die erste Stufe der Wiedergeburt des Geistes …………….. 7
4. Die zweite Stufe der Wiedergeburt des Geistes …………... 9
5. Die dritte Stufe der Wiedergeburt des Geistes ……………. 12
6. Die vierte Stufe der Wiedergeburt des Geistes …………… 15
7. Die fünfte Stufe der Wiedergeburt des Geistes …………… 17
8. Die sechste Stufe der Wiedergeburt des Geistes ………….. 20
9. Die siebte Stufe der Wiedergeburt des Geistes …………… 23
10. Beschreibung eines völlig
Wiedergeborenen im Geiste …... 27
11. Wie weit bin ich in der
geistigen Wiedergeburt
vorangekommen? ………………………………………….. 30
12. Können wir das Erreichen der
vollen Wiedergeburt
beschleunigen? ……………………………………………. 34
Die drei Grade der inneren Lebensvollendung
oder
Die sieben Stufen der
Wiedergeburt des Geistes
1. Der natürliche, noch geistlose Mensch
Ein jeder Mensch, der zur inneren
Lebensvollendung oder Vollkommenheit gelangen will, wie der Vater im Himmel
vollkommen ist, (Math. 5,48) muss drei Grade durchlaufen, oder er muss sieben
Stufen hinaufsteigen, um bis zur vollen Wiedergeburt des Geistes zu gelangen.
Aber bevor sich ein Mensch aufmacht, die erste Stufe zu ersteigen, ist er noch
der an der Welt hängende, materielle Naturmensch, dessen Geist noch in seiner Umhüllung
eingeschlossen ist. (JJ 299,8-9) Seine Seele ist noch wüst und leer, und in der
Tiefe seines Herzens ist es noch finster, (1.Mose 1,2) weil es angefüllt ist
mit allerlei weltlichen Interessen. (1.GEJ 157,4) Die Freuden des weltlichen
Lebens bedeuten ihm noch alles, und wenn er sie nicht haben kann, so wird er
unzufrieden und setzt alles daran, sie zu bekommen. Die Gaumenfreuden bedeuten
ihm noch sehr viel, und er isst und trinkt alles, was seinem Gaumen behagt, oft
ohne Maß und ohne sich darum zu kümmern, ob diese Nahrung von Gott für den Menschen
vorgesehen ist oder nicht. Auch die sexuellen Freuden bedeuten ihm noch sehr
viel und er lebt sie aus, ohne sich darum zu kümmern, zu welchem Zweck und in
welcher Ordnung die Sexualität von Gott eingerichtet worden ist. Er jagt auch
dem Geld und den materiellen Besitztümern nach, und er hat eine große Freude,
wenn er diese erlangen kann. Solch ein Mensch, wie er sich noch so lebensblind
und unreif in der Welt bewegt, gleicht einem Weizenkorn, dessen Pflanzengeist
noch im Keimhülschen ruht, weil es noch nicht ins fruchtbare Erdreich gelegt
wurde. (8.GEJ 135,2)
Im
natürlichen, weltlichen Menschen ruht sein Geist noch unerweckt
in seinem Herzen. Er ist in einem winzigen Bläschen, das sich in seinem
Seelenherzen befindet, eingeschlossen. Dieses Bläschen besteht aus einer
siebenfachen geistigen Hülle. – Was sind das für Hüllen? – Diese Hüllen sind
Untugenden, mit denen ein jeder Mensch mehr oder weniger geboren wird und
heißen: Selbstsucht, Hochmut, Neid, Zorn, Genusssucht, Wollust und Trägheit zum
geistigen Fortschreiten. Solange ein Mensch nicht darangeht, diese Untugenden
in sich zu bekämpfen, werden die Hüllen nicht abgebaut und der Geist kann nicht
heraustreten und zu wachsen beginnen.
Bei
solch einem Menschen schwebt der Geist Gottes noch über den Wassern seiner
schlechten Erkenntnisse, denn noch konnte dieser nicht in die Tiefe des Herzens
eindringen, damit es dort Licht werde. Seine Erkenntnisse bestehen bis jetzt
nur aus angelernten und einstudierten weltlichen Dingen und Erfahrungen, aber
der Geist Gottes ist bestrebt, ihn zu göttlichen Erkenntnissen zu führen.
(1.GEJ 157,4)
Jesus
sagt: „Der natürliche, noch geistlose
Mensch aber ist Materie in ihrem Gerichte, und sein Naturleben ist ihm vom
Geiste Gottes aus nur als ein Mittel gegeben, dass er sich durch dasselbe das
wahre, geistige Leben in sich erwecken kann, so er will.“ (7.GEJ 55,10)
2. Wie kann ein Mensch erkennen, ob er noch in der
Welt steht?
Der natürliche, noch geistlose
Mensch fühlt sich so, als sei er selbst der materielle Fleischleib. Er kann
wohl den Glauben haben, dass er eine Seele und einen Geist besitzt, aber er
fühlt sie nicht in sich, sondern er fühlt sich als der Fleischleib, weil seine
Seele noch zu sehr mit dem Fleisch verbunden ist. Er hat auch zumeist keine
klare Vorstellung davon, was Seele und Geist sind, und dass es den Geist zu
erwecken gilt.
Wie
kann nun ein Mensch erkennen, ob er sich noch in diesem Zustand befindet? – Er
erkennt es daran, dass er noch den Tod seines Leibes fürchtet. Er kann wohl,
wenn er sich über die jenseitigen Verhältnisse ein Wissen erworben hat, verstandesmäßig
bekennen, dass er den Tod nicht fürchtet, aber wenn er sich in einer stillen
Stunde seinen leiblichen Tod vorstellt, so fühlt er die Furcht vor ihm.
„Wer noch irgendeine große Furcht vor dem Tode des
Leibes hat“, sagt Jesus, „dessen Seele steht noch in einem starken Verbande mit dem Fleische und
in einem äußerst schwachen mit dem Geiste; denn eine große Liebe zum Leben auf
dieser Welt ist ein sicheres Kennzeichen, dass die Seele sich noch sehr wenig bekümmert
hat um das ewige Leben ihres Geistes in ihr.“ (2.GEJ 226,2)
Ein
weiteres Zeichen, dass eine Seele die Hüllen ihres Geistes noch nicht abgebaut
hat, besteht darin, dass ein Mensch nicht an Gott und an ein Weiterleben nach
dem Tode glauben kann oder zumindest Zweifel daran hat. Auch das liegt daran,
dass die Seele noch zu sehr mit ihrem Fleische verbunden ist. Glaubt zwar ein
Mensch an Gott und an das Weiterleben nach dem Tode, möchte aber Beweise dafür
haben, ob sich auch alles so verhält, woran er einen schwachen Glauben hat, so
ist das ebenfalls ein Zeichen, dass sein Geist noch nicht aus seiner Hülle
herausgetreten ist.
„Solange dein Verstand einen Beweis verlangt“, sagt Jesus, „um
eine Lehre oder Offenbarung anzunehmen, so lange auch ist der Geist wie ein
Gefangener im finstern Gefängnisse. Und da es ihn hungert und dürstet (nach
Beweisen), schreit er nach Nahrung, die
ihm durch Beweise (aber nur) wie
spärliche Brosamen erteilt werden. Durch diese kann er aber nie zu jener Kraft
gelangen, vermöge welcher er sich von seinen (Geistes-) Fesseln befreien könnte.
Nimmt aber der Verstand des Herzens frei, ohne Beweise
etwas an, da zeigt das Herz sogleich seine freie Kraft, die in den Geist
übergeht und ihn frei macht. Ist aber der Geist frei, dann ist alles frei im
Menschen: die Liebe, das Licht und das Schauen! Da braucht es dann keines
Beweises für die Wahrheit mehr, denn da ist der freie Geist selbst die klarste
und vollste Wahrheit aller Wahrheit.“ (BM 162,10-11)
3. Die erste Stufe der Wiedergeburt des Geistes
Die erste Stufe der Wiedergeburt des
Geistes entspricht dem Einlegen eines Weizenkorns in das fruchtbare Erdreich.
(8.GEJ 137,2) Entsprechend beim Menschen führt nun die Seele dem noch
eingeschlossenen Geist erstmals etwas Nahrung zu. Aufrichtigkeit und
Ehrlichkeit nach seinem Glauben zu leben zeichnet den Menschen der ersten Stufe
aus. (SH Seite 12)
„Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht“. (1.Mose 1,3) Licht wird es im Menschen, wenn der
Mensch anfängt, das Wort Gottes bewusst anzunehmen und fest an Gott und an ein
Weiterleben nach dem Tode zu glauben. (1.GEJ 157,5) Er hat seine Sünden bereut
und Buße getan. Er will nun Gottes Wege gehen und hütet sich vor großen Sünden.
Damit hat die Seele ihren Geist gerüttelt und ihm gewissermaßen gesagt: „Wach
auf!“
„Von dem Augenblick an“, sagt Jesus, „wo sich ein Sünder, der
sich bisher mit Liebe in allerhand Sinnlichkeiten stürzte, durch den Willen aufrafft,
um seine böse Liebe zu vernichten, kann in ebendemselben Maße die wahre Liebe
einziehen und wirken.“ (11.GEJ 26,3)
„Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott
das Licht von der Finsternis.“ (1.Mose
1,4) Während der Mensch vorher nur das für wahr hielt, was er sehen, messen und
anfassen konnte, so ist nun sein Licht der Glaubenserkenntnis geschieden von
seiner irdischen Verstandesbildung. (1.GEJ 157,6)
Der
Mensch der ersten Stufe vertritt seinen Glauben aber noch mit Heftigkeit und
Unduldsamkeit gegenüber Andersgläubigen und meint, andere Anschauungen
bekämpfen zu müssen. Er hängt noch sehr am Buchstaben und kann den Geist noch
nicht erfassen. Er ist noch lau, träge und kalten Herzens. Von den großen
Kämpfen der Selbstüberwindung will er noch nichts wissen. Er hat das materiell
Weltliche noch lange nicht vollständig überwunden, und er erkennt es auch
nicht, wovon er sich noch lösen muss. Er meint, Gott und der Natur miteinander
dienen und leben zu können. Er sucht seine Lust und Freude noch in den
natürlichen Dingen und ist deshalb noch mit der Welt verflochten. Die Ehren und
Annehmlichkeiten der Welt sind ihm noch sehr willkommen. Er hält sich selbst
für einen ehrsamen und rechtlichen Menschen und meint, seine Lebensweise sei in
Ordnung. Weil er keine großen Sünden begeht, ist er mit seinem Zustand
zufrieden, aber sein Herz und seine Gedanken sind noch ungereinigt. Er kümmert
sich nicht weiter um ein innigeres Leben und meint, dass ihm Gott sehr geneigt
sei. Gar leicht fällt er wieder in größere Sünden zurück. (Nach DNF)
„Es ist für den“, sagt Jesus, „dessen Herz voll von
allerlei weltlichen Dingen ist, freilich wohl schwer, sich von ihnen zu
reinigen; aber ein fester Wille ist ein tüchtiger Arbeiter und macht das, was
dir heute noch unmöglich dünkt, für morgen leicht und für noch weiterhin immer
leichter und leichter ausführbar.“ (10.GEJ 98,9)
„Und (Gott) nannte das Licht Tag und die Finsternis
Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“ (1.Mose 1,5) Alle
göttliche Erkenntnis ist wie das Licht des Tages, und alle Verstandesweisheit ist wie die Finsternis
der Nacht. Des Menschen natürlich weltlicher Zustand ist wie der Abend mit
seinem abnehmenden Licht, denn strebt der Mensch mit seinem Verstand nach
irdisch weltlichen Dingen, so wird das göttliche Licht der Liebe und des
geistigen Lebens in seinem Herzen immer schwächer. Aber das rechte Licht von
Gott her, im Herzen des Menschen angezündet, ist wie der Morgen mit seinem
zunehmenden Licht. So wird aus dem abendlichen und dem darauf folgenden
morgendlichen Zustand im Menschen sein erster, wahrer geistiger Lebenstag.
(1.GEJ 157,7-17)
4. Die zweite Stufe der Wiedergeburt des Geistes
Die zweite Stufe entspricht dem
Zustand des Weizenkornes, wenn es ein paar Tage in der fruchtbaren Erde liegt.
Da fängt das den Keim umgebende Korn zu verwesen an und geht als Nahrung und
Stärkung in den Keimgeist über. (9.GEJ 100,7) Dadurch dehnt sich im Keim der
Pflanzengeist aus und zersprengt sein kleines Hülschen. (8.GEJ 135,13) Beim
Menschen fängt nun sein weltliches Wesen an abzusterben. Dadurch bekommt sein
Geist Nahrung und fängt zu wachsen an. Der Geist im Menschen ist nun aufgewacht
und zerreißt seine Hülle. Es zeichnet den Menschen der zweiten Stufe aus, dass
er seinem Nächsten wirkliche Gerechtigkeit widerfahren lassen will. (SH Seite
16)
Der
Mensch erkennt nun, dass er noch in manchem nicht dem Bild eines wahren
Christen entspricht. Er möchte nun den Weg zu Gott weitergehen und macht sich
auf mit einem tapferen, festen Gemüte. Seine Unduldsamkeit gegenüber Andersgläubigen
hat sich gemildert. Er kommt zum Bewusstsein seiner Pflicht gegenüber den
Nächsten und erkennt, dass bestehende Spannungen in seiner eigenen Brust
gesucht werden müssen. Er gibt seine Fehler zu und beginnt sich zu überwinden,
seine Natur zu bezwingen und der Welt den Rücken zu kehren, aber dazu bedarf es
von Seiten des Menschen einer großen Willensanstrengung.
„Die Erreichung des Reiches Gottes braucht nun
Gewalt“, sagt Jesus. „Die es haben wollen, müssen es mit Gewalt ordentlich an sich reißen;
die das nicht tun werden, die werden es auch schwerlich hier auf Erden schon
vollkommen in ihren lebendigen Besitz bekommen.“ (7.GEJ 126,13)
Der
Mensch fängt nun an, sich selbst zu erkennen, doch wird sich die Selbsterkenntnis
in den höheren Stufen noch vertiefen. Er erkennt nun, welche Schwächen,
Gewohnheiten, Gelüste und arge Leidenschaften ihn noch gefangenhalten.
Dann muss er den festen Willen fassen und sich gerade in diesen Schwächen
selbst verleugnen. (JJ 299,10-11) Das fällt ihm nicht so leicht, denn der
Mensch wird immer wieder versucht durch die unlauteren Naturgeister, die aus
seinem Fleisch in die Seele aufsteigen und sie verunreinigen. (7.GEJ 155,2)
„Der Wille zur Sünde“, sagt Jesus, „findet im Menschen stets
eine große Unterstützung und zwar in den Anreizungen und Leidenschaften seines
Fleisches; aber für den Willen zum Guten findet er in seinem Fleische gar keine
Unterstützung, sondern allein im Glauben an einen wahren Gott, und besonders in
der Liebe zu Ihm, und dazu auch in der Hoffnung, dass die von Gott ihm gemachten
Verheißungen in volle Erfüllung gehen werden.“ (7.GEJ 155,5)
Der
Mensch beginnt nun zuzunehmen am inneren Leben, steht aber noch in der Gefahr,
nachzulassen und zu erschlaffen des strengeren Lebens und der von Gott aus
härteren Prüfungen wegen. Noch möchte er die Kreuze abschütteln, die Gott ihm
auferlegt, und er erkennt noch nicht, dass diese ihn auf dem Weg zur geistigen
Wiedergeburt weiterbringen sollen. Er fühlt sich zu schwach und meint, solch
ein Leben nicht ertragen zu können. (Nach DNF)
Doch
Jesus muntert diesen Menschen auf und sagt: „Ziehe
du den alten, materiellen Adamsmenschen aus und ziehe den neuen aus Mir an, so
wird dann der innere Mensch in dir schon von sich selbst heraus ebenso tätig
werden wie der Geist im Keime“ (des Weizenkorns).
„Deine weltlichen Begierden und Gelüste, die im
Fleische toben und wüten, unterjoche du mit deinem freien Willen, und trachte
nach dem Reiche Gottes in dir nach der euch allen nur schon zu klar bekannten
Weise, so hast du dadurch den alten Menschen ausgezogen und einen neuen angezogen.“
(9.GEJ 100,7+9)
Damit
der Mensch nicht nachlässt, und das Wasser des Verstandeslichtes sich nicht in
das Wasser des Gotteslichtes ergießt und es verunreinigt, weil es für das Gotteslicht
keine Beweise gibt und dann der Verstand das Gotteslicht verwirft, so spricht
Gott: „Es werde eine Feste zwischen den
Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern.“ (1.Mose 1,6)
Die Feste ist der feste Glaube, der einem Felsen gleicht.
„Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter
der Feste von dem Wasser über der Feste.“ (1.Mose 1,7) Wenn im Menschen solche Feste gestellt ist und der Glaube
mächtiger und mächtiger wird, so begibt sich dann der Weltverstand unter die
Herrschaft des Glaubens, und der Mensch glaubt fest an das Gotteslicht. Das
sind dann die Wasser unter und die Wasser über der Feste.
„Und Gott nannte die Feste Himmel.“ (1.Mose 1,8) Die Feste ist der eigentliche Himmel im
Menschenherzen und entspricht einem festen lebendigen Glauben. „Da ward aus Abend und Morgen der andere
Tag.“ (1.Mose 1,8) Aus des Menschen Abend und seinem stets heller werdenden
Morgen entsteht der andere und schon bei weitem hellere Tag. (1.GEJ 158,1-5)
5. Die dritte Stufe der Wiedergeburt des Geistes
Auf der dritten Stufe überwindet der
Mensch Hass und Lieblosigkeit und handelt mehr und mehr nach dem Willen Gottes.
Dieses Handeln entspricht dem belebenden Regen, wodurch der Lebensgeist in die
Seele des Weizenkornes, die im Fleische des Kornes ruht, überzugehen bewogen
wird. (8.GEJ 137,3) Beim Menschen tritt sein Geist aus seiner Hülle heraus,
wächst weiter und fängt an, sich in der Seele auszubreiten. Aber er ist noch so
klein wie ein Embryo im Mutterleibe.
„Wenn dein Geist in dir wach wird“, sagt Johannes, „so
wirst du seine Stimme wie lichte Gedanken in deinem Herzen vernehmen. Diese
musst du wohl anhören und dich danach in deiner ganzen Lebenssphäre richten, so
wirst du dadurch deinem eigenen Geiste einen stets größeren Wirkungsraum
verschaffen; also wird der Geist wachsen in dir bis zur männlichen Größe und
wird durchdringen deine ganze Seele und mit ihr dein ganzes materielles Wesen.“
(4.GEJ 76,10)
Erst
hier hat der Mensch die rechte Straße betreten, den Weg, der zu Gott führt. Er
erkennt nun mehr und mehr den Willen Gottes und erkennt, dass er noch weit von
der Vollkommenheit entfernt ist. Er streitet nicht mehr um die Wahrheit,
sondern versucht, den andern zu verstehen, anstatt ihn zu bekämpfen. Der Geist
brüderlicher Duldung hat gesiegt und es ist ihm nun bewusst, dass jeder nach
der Kraft seiner Erkenntnis glauben darf, was er für richtig hält. Er vergibt
nun allen, die ihm im Leben mit Hass, Neid und Bosheit begegneten und sucht den
Schaden wieder gutzumachen, den er anderen zufügte. (SH Seite 20) Er will
seinen eigenen Willen aufgeben und nach dem Willen Gottes handeln. Aber noch
ist sein eigener Wille längst nicht völlig tot, denn es gibt noch oft
Rückfälle. Er will nun seine immer noch weitgehend materielle Natur bekämpfen
und alle Unreinheiten aus seiner Seele schaffen. Er trennt sich wohl schon von
manchem Weltlichen, wodurch seine Seele sich schon mehr von der Materie ihres
Fleisches isoliert, doch hat er das heimliche Wünschen der Natur und ihr
listiges Begehren noch nicht von Grund aus erkannt und abgeschnitten. (Nach
DNF)
Jesus
sagt: „So da jemand im allgemeinen zwar
wohl nach Meiner Lehre ganz ernstlich leben und handeln, aber so geheim bei
sich doch auch noch in seine alten Gewohnheiten verfallen wird, ja, da wird er
diesseits auch nicht die völlige Wiedergeburt der Seele im Geiste erlangen
können und wird sich‘s am Ende in aller Demut und Geduld schon müssen gefallen
lassen, so er beim Scheiden mit noch manchen Leiden zu kämpfen haben wird. Denn
da werden die Leiden das Feuer sein, durch das des Menschen Lebensgold von gar
manchen Schlacken gereinigt wird; denn etwas geistig Unreines kann in den
Himmel nicht eingehen, was so viel gesagt haben will als: Der reine Geist aus
Gott kann sich nicht eher völlig einen mit der Seele, als bis diese alles der
Materie und ihrem Gerichte Angehörige völlig aus sich für immer verbannt hat.“ (8.GEJ
82,10)
Das
sexuelle Verlangen hat er zwar zum großen Teil überwunden, aber er gerät immer
noch leicht in Versuchung und wenn es sich um einen Mann handelt, so schaut er
noch gerne jungen hübschen Frauen nach. (3.Hi. Seite 213,1) Das Essen und Trinken
genießt er noch sehr gerne. Auch hat er noch eine Lust daran, aus den
Zeitungen, dem Fernsehen oder dem Internet zu erfahren, was da alles in der
Welt geschieht, und macht dabei nicht selten einen Parteigänger, wünscht seiner
Partei den Sieg und der ihm widrigen die Niederlage. Wird seine Partei
geschlagen, so ärgert er sich, denn er bringt es noch nicht fertig, Freunde und
Feinde mit gleicher Liebe zu umfangen. (3.Hi. Seite 214,2) Noch urteilt er über
diese und jene Länder und über die Großen der Welt und sagt: Diese haben Recht
und jene haben Unrecht und überlässt nicht alles ganz allein dem Herrn. (3.Hi.
Seite 448,3) Auch ärgert er sich noch über der Menschen Ungerechtigkeit und
Falschheit (3.Hi. Seite 214,3) und macht sich noch so manches Mal Sorgen um
weltliche Dinge.
„Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem
Himmel an besondere Örter, dass man das Trockene sehe. Und es geschah also.
Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung
der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,9-10)
Der
Mensch sieht nun, dass sich das Wahre oder „das
Wasser unter dem Himmel“ bewähren muss, aber es ist da in ihm noch keine
rechte Ordnung und er ist darum auch noch für keine rechte Tat entschieden.
Gott hilft nun dem Menschen weiter, indem Er das Wasser an besondere Örter
sammelt. Diese werden Meer genannt und sind die Gesamtheit seiner Erkenntnisse.
Es kommt nun zu einer Ordnung und Klarheit seiner Erkenntnisse, aus der die
Liebe oder das Trockene, als ein Früchte zu tragen fähiges Erdreich hervorgeht.
„Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und
Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art
Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es
geschah also.“ (1.Mose 1,11)
Nach
solchem Gebote von Gott im Herzen bekommt der Mensch einen festen Willen, Kraft
und Mut und legt nun Hand ans Werk. Seine rechten Erkenntnisse erheben sich als
regenschwere Wolken über das geordnete Meer, ziehen über die trockene Erde und
befeuchten sie. Und der in die Erde gelegte Same der Erkenntnis geht auf und
fängt an zu grünen.
„Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich
besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und
ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und
Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose
1,12)
So
wie der Same, wenn er in die Erde gelegt wird, bald aufgeht und eine vielfältige
Frucht bringt, ebenso wirken die rechten Erkenntnisse des Menschen, so sie ins
lebensvolle Erdreich des Herzens gelegt werden. Die rechte Erkenntnis wird zuerst
im Herzen zur Tat, und aus dieser Tat gehen dann allerlei äußere Werke hervor.
Das sind die Gräser und Kräuter mit Samen und die fruchtbaren Bäume.
Da
ward aus Abend und Morgen der dritte Tag in der Bildung des Herzens und des
geistigen Menschen im Menschen. (1.GEJ 158,6-16)
6. Die vierte Stufe der Wiedergeburt des Geistes
Die vierte Stufe entspricht dem
Zustand, in dem der Lebensgeist in der Seele des Weizenkorns tätig zu werden
beginnt und die Nährwurzeln ins Erdreich der Gotteskraft schlägt. Die Wurzeln
saugen dann gierig die Gotteskraft ein und treiben den Lebenshalm aus dem
Erdreich nach oben zum Gotteslichte empor. (8.GEJ 137,3) Der Weizenhalm ist nun
unter der Einwirkung des Sonnenlichtes über dem Boden der Erde bis etwa eine
Spanne hoch gewachsen, aber von einer Fruchtähre ist noch nichts zu merken.
(9.GEJ 100,1) In der vierten Stufe zeichnet sich der Mensch durch unbedingten
Gehorsam, Festigkeit und Treue gegenüber dem Willen Gottes aus. (SH Seite 26)
Der
Mensch lernt, seine eigenen Wünsche zu verleugnen und den weltlichen
Obrigkeiten, sei es dem Vorgesetzten am Arbeitsplatz oder dem Staat, denen er unterstellt
ist, und der geistlichen Obrigkeit, solange er deren Glaubens ist, vollen Gehorsam
zu leisten, außer, wenn sie etwas Widergöttliches anordnen sollten. Durch das
Handeln des Menschen nach dem Willen Gottes, hat sein eigener Geist, der nun herangewachsen
ist, die immer noch zum halben Teile materielle Seele zu bearbeiten angefangen
und breitet sich in ihr immer mehr aus. (8.GEJ 136,9) Der Mensch ist nun soweit
fortgeschritten, dass der neue Geist aus Gott (oder der Geistfunke) seine Hülle
sprengt und aus ihr heraustritt.
Der
Mensch sieht nun ein, wie eigenwillig er war, denn er tat so manches, ohne sich
darum zu kümmern, ob seine beabsichtigte Tat auch dem Willen Gottes entsprach.
(11.GEJ 51,9) Er hat nun die Weltlust zum großen Teil
überwunden, seine Natur streng und tapfer angegriffen und übt sich darin Tag
und Nacht. Gott lässt nun zur Stärkung des inneren Menschen dann und wann eine
Versuchung über ihn kommen, denn der Mensch ist nun bestrebt, die kleinsten
Begehren seiner Natur mit aller Macht zu überwinden und unter die Herrschaft
seines Geistes zu bringen. Er hadert nicht mehr mit Gott und der Widerwille
gegen Gottes Führungen ist überwunden. Das erfordert viel Selbstverleugnung, Geduld,
Sanftmut und vollste Ergebung in den Willen Gottes. (3.GEJ 1120,7) Er sucht nur
Seinem Willen zu dienen, sei es äußerlich in Liebeswerken oder innerlich im
stillen Einkehren in sich Selbst.
„Wer Gott, als die reinste Liebe, suchen und finden
will“, sagt Jesus, „der muss Ihn auch in der reinsten Liebe im eigenen Herzen, an der
keine noch so geringfügig scheinende schmutzige Weltliebe klebt, suchen; und
sucht er Ihn also, so wird er Ihn auch allersicherst finden.“ (10.GEJ 98,4)
Der
Mensch muss nun in seine Lebenstiefen gehen durch die wahre Demut, durch die
Geduld, Sanftmut, durch die wahre Liebe zum Nächsten und durch die rechte
Barmherzigkeit. Er muss alles, was er von der Welt hat, bis auf den letzten
Heller der Welt zurückgeben, also auch die hochmütig machenden Wissenschaften
seines Kopfes, sonst wird es mit der Wiedergeburt und Krafttaufe seines Geistes
ganz entsetzlich schmal aussehen. (Ste. 30,13)
Noch
ist er unstetig, aber er bleibt doch immer öfter in dem gelassenen Zustande und
erträgt meistens willig das Leid, das über ihn kommt. Er ist auch bestrebt, seine
Reizbarkeit zu beherrschen. (11.GEJ 47,6) Aber ab und zu, obwohl er sich davor
zu hüten sucht, steigen noch Untugenden in ihm auf und er wird ärgerlich oder
ungeduldig oder mürrisch, traurig, verzagt oder kleinmütig. Auch bekommt er
leicht einen geistigen Hochmut, weil er meint, der Welt weitgehend entsagt zu
haben. Er erkennt diesen Hochmut bei sich selbst noch nicht und dünkt sich so
weise, dass er niemandes Rat noch Hilfe bedarf.
Der
Mensch genießt nun schon manchen Trost und erquickende Süßigkeit von Gott und
ist begierig, noch mehr davon zu empfangen. Daran hängt er noch mit großer
Eigenliebe und ist diesem Verlangen noch nicht völlig abgestorben. In diesen
Dingen mangelt es ihm noch an der gänzlichen Vollkommenheit. (Nach DNF)
„Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des
Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und
Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf Erden.
Und es geschah also.
Des
Menschen Himmel ist der aus der rechten Erkenntnis und der rechten Liebe
hervorgegangene lebendige Glaube. Die Feste des Himmels ist nun der aus dem lebendigen
Glauben hervorgegangene feste Wille, nach der göttlichen Ordnung zu handeln. Die Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre bedeuten,
dass nun der Mensch in allen Erscheinungen und Ereignissen, die sich bei ihm
und anderen und auf der ganzen Welt ereignen, die göttliche Liebe, Weisheit und
Gnade erkennt.
Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht,
das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch
Sterne.
Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie
schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht
und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,14-18)
Nun
ist im Menschen am vierten Tag das große Licht oder der neue, göttliche
Liebefunke aufgegangen und regiert den geistigen Lebenstag. Das kleine Licht
ist die Seele, die vom großen Licht ihren Schein erhält und die Nacht oder das
Naturmäßige des Menschen regiert. Das heißt: Die Seele kann durch den Gottesgeist
das Göttliche erschauen und der Gottesgeist durch die umgestaltete Seele das
Naturmäßige. Die Sterne sind die zahllosen nützlichen Erkenntnisse in allen
einzelnen Dingen, die aus der göttlichen Erkenntnis kommen und deshalb auch an
die Himmelsfeste gestellt sind. (1.GEJ 160-161)
7. Die fünfte Stufe der Wiedergeburt des Geistes
In der fünften Stufe ist der Halm
bis zur Ähre gediehen und bildet sich nun im reinen Sonnenlicht bis zur Blüte
aus. (8.GEJ 137,4) Beim Wachsen des Halmes bilden sich bis zu sieben Ringe, die
jedes Mal einen immer feineren Saft durchlassen, so dass nur der allerfeinste,
ätherische Saft bis zur Ähre gelangt. (2.GEJ 216,7-10)
Was
bedeuten nun die Ringe? „Die Ringe, die
der Geist zieht“, sagt Jesus, „sind (beim
Menschen) die Demütigungen der Seele. Ist
der letzte einmal gezogen, dann entwickelt sich der Geist endlich von selbst
und nimmt alles ihm Verwandte aus der Seele in sich auf, konsolidiert sich und
nimmt am Ende die ganze Seele, und was im Leibe mit der Seele verwandt war, in
sich auf und ist dann für ewig völlig unzerstörbar.“ (2.GEJ 217,7)
Durch
die Demütigungen, die Gott über den Menschen kommen lässt, wird er bereit, sich
unter alle seine Brüder herabzusetzen. Es macht ihm dann Freude, allen zu
dienen nach seiner Fähigkeit, denn wahrhaft göttlich großen Geistes ist nur
derjenige, der sich unter alle menschliche Kreatur herabzuwürdigen vermag!
(2.GEJ 76,4)
Die
letzten Reste seelischer Unreinheiten werden von Gott durch das Feuer des
Leidens herausgeschafft, und er erträgt die seelischen und körperlichen Leiden,
die über ihn kommen, mit der größten Geduld. (SH Seite 32)
„Wer sonach“, sagt Jesus, „durch den festen und
lebendigen Glauben, durch die Liebe zu Gott und zum Nächsten und durch die ungezweifelte Hoffnung alle die argen Leidenschaften seines
Fleisches bekämpfen kann und sonach völlig Herr über sich wird“, (7.GEJ 155,6) „so
dringt der Geist Gottes schon auch insoweit in seine Seele, inwieweit diese in
der Beachtung der Gebote Gottes und im Glauben an den einen Gott und in der
Liebe zu Ihm und zum Nächsten vorwärtsgedrungen ist,“ (7.GEJ 55,10) „und befindet sich eben dadurch, dass er
vollkommen Herr über sich geworden ist, auch schon im ersten Grade der wahren,
inneren Lebensvollendung, (oder auf der fünften Stufe der Wiedergeburt des
Geistes,) obwohl es da noch zu öfteren Malen an allerlei Versuchungen keinen Mangel haben
wird, die ihn zur Begehung einer oder der andern leichten Sünde reizen werden.“
(7.GEJ 155,6)
Die
Seele ist nun so rein geworden, dass ihr Geist sie ganz durchdringt, aber auch
der Geist aus Gott ist schon zum Teil in die Seele eingedrungen. Das ist die Wiedergeburt
der Seele in ihrem Geiste und entspricht dem Weisheitshimmel.
Der
Mensch hat sich nun so völlig Gott ergeben, dass Er mit ihm tun kann, was Er
will, in Zeit und Ewigkeit. Alle zeitlichen, natürlichen Dinge lässt er
gänzlich um Gottes willen los und verleugnet sich darin Gott zu Ehren. Er hat
sich aller seiner zeitlichen Mittel und Güter entledigt oder er besitzt sie,
dass ihm gar nichts daran liegt, indem er sie Gott übergeben hat, dem sie auch
gehören. (Nach DNF) Alle äußere, zeremonielle Frömmigkeit hat er abgelegt
zugunsten der inneren Verbindung mit Gott. Er sucht keine Ehre für sich, freut
sich aber neidlos über das Glück und die Ehre seines Nächsten. Er macht keinen
Unterschied mehr zwischen Freund und Feind, zwischen Angehörigen seines Volkes
und denen eines anderen und lässt sich nicht mehr bewegen von Sympathie und
Antipathie. Es ist keine Spur von Selbstsucht und Lieblosigkeit mehr in ihm zu
finden und kein Rest von Eitelkeit und Weltsinn.
„Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit
webenden und lebendigen Tieren, und Gevögel fliege
auf Erden unter der Feste des Himmels.
Und Gott schuf große Walfische und allerlei Getier,
dass da lebt und webt, davon das Wasser sich erregte, ein jegliches nach seiner
Art, und allerlei gefiedertes Gevögel, ein jegliches
nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,20-21)
Die
Erschaffung der gesamten Tierwelt und endlich des Menschen selbst bezeichnet
die volle Lebendigwerdung und sichere Realisierung alles
dessen, was der Mensch in seinem naturmäßigen Teile in sich fasst.
Das
Meer und all das Gewässer, als die Gesamtheit der Erkenntnisse der Seele,
werden voll Lebens. Mit den Walfischen und anderen Fischen wird angedeutet,
dass der Mensch in seinem nun rein göttlichen Lichte die zahllose und endlos
mannigfache Fülle der schöpferischen Ideen und Formen erschaut.
Auch
die lichtdurchflutete Luft des Menschen, als der lebendige Glaube, wird voll
lebendiger Vögel. Das heißt: Er erkennt nun rein Himmlisches und er fühlt in
sich seine göttlichen Abkunft. (1.GEJ 162,1-2)
„Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und
mehrt euch und erfüllt das Wasser im Meer; und das Gefieder mehre sich auf
Erden.“ (1.Mose 1,22)
Was
aus Gott hervorgeht und von Ihm gesegnet wird, vermehrt sich bis ins Unendliche.
So werden auch die schöpferischen Ideen des Menschen von der Gottesliebe
befruchtet, mehren sich und erfüllen schließlich das ganze Meer. Und der lebendige,
liebtätige Glaube dringt immer mehr in die himmlischen Geheimnisse des Wortes
Gottes ein, denn der Geist erforscht selbst die Tiefen der Gottheit.
8. Die sechste Stufe der Wiedergeburt des Geistes
In der sechsten Stufe zeigt sich die
Fruchtähre und sie fängt an, sich zu entfalten und reif zu werden. (8.GEJ
136,8) Dasselbe geschieht beim Menschen, wenn sein Gottesgeist bis zur vollen
Größe emporgewachsen ist. Die Seele des Menschen ist nun völlig gereinigt und
fängt an, durch die Liebe des Geistes ganz entzündet, in den Geist überzugehen
und alle ihre immer noch mit der Materie verwandte Substanz in die rein
geistige Essenz umzugestalten. (8.GEJ 136,10) In dieser Stufe hat des Menschen
Verantwortungsgefühl für die von Gott übernommenen Aufgaben den höchsten Grad
erreicht. (SH Seite 40)
„Versteht er (der Mensch) nun auch“, sagt
Jesus, „mit allen seinen Sinnen dahin
einen festen Bund zu schließen, dass sie (die Seele) sich von allen irdischen Anreizungen abwenden und sich pur dem rein
geistigen Wesen zukehren (kann), so
ist das schon ein sicheres und lebenslichtvolles Zeichen, dass der innere Geist
aus Gott die Seele ganz durchdrungen hat, und der Mensch befindet sich da im
zweiten Grade der inneren, wahren Lebensvollendung“ (oder der sechsten
Stufe der Wiedergeburt des Geistes, die dem Liebeweisheitshimmel entspricht.)
„In diesem Grade ist dem Menschen auch jene Stärke und
Lebensfreiheit eigen geworden, dass er, weil er in seiner Seele ganz erfüllt
ist mit dem Willen Gottes und nach demselben handeln kann, keine Sünde je mehr
begehen kann; denn da er selbst rein geworden ist, so ist ihm auch alles rein.“
(7.GEJ 155,7-8)
Der
Mensch empfängt nun von Gott eine besondere Gnade. Er fasst den festen Vorsatz,
nicht mehr aus eigenem Willen und Leben etwas zu tun, zu wissen und zu wirken.
Aber noch ist sein eigener Wille nicht völlig tot und er gebraucht die große
göttliche Gnade auf eigene Weise. In diesen Dingen lässt er Gott nicht wirken,
was, wo und mit wem Er will. Dieser kleine Eigenwille ist aber so verborgen in
ihm, dass er es selbst noch nicht erkannt und somit auch noch nicht von Grund
aus abgelegt hat. (Nach DNF)
„Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige
Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein
jegliches nach seiner Art. Und es geschah also.
Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches
nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach
seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,24-25)
Die
lebendigen Tiere, die nun ein jegliches nach seiner Art die Erde hervorbringt,
sind die in der Seele erwachten heiligen Triebe und Begierden, Tugenden und
guten Neigungen. Das Verlangen nach dem himmlischen Vater, ist die grundlegendste
aller Begierden und dem Nächsten zu dienen, der heiligste aller Triebe.
„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild,
das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel
unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles
Gewürm, das auf Erden kriecht.“ (1.Mose
1,26)
Durch
die Erschaffung des ersten Menschen wird die Erreichung seiner Vollkommenheit
dargestellt. Der vollendete Mensch ist nun ein kleines Abbild Gottes und hat
dieselben Eigenschaften wie Gott. Er beherrscht nun die in ihm erschauten schöpferischen
Ideen und Formen, die himmlische Erkenntnis, die erwachten heiligen Triebe und
guten Neigungen und seine ganze umgestaltete Seele.
„Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde
Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.“ (1.Mose 1,27)
Im
vollendeten Menschen entspricht der Mann der Gottesliebe und das Weib der
göttlichen Weisheit.
„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid
fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde.“ (1.Mose 1,28)
Des
Menschen Wahrheit wird von seiner Liebe zu Gott befruchtet, und das Gute und
Wahre wächst ins Unermessliche und soll die Seele erfüllen.
„Und macht sie euch untertan und herrscht über die
Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das
auf Erden kriecht.“ (1.Mose
1,28)
Es
beherrscht nun der Mensch alle Eigenschaften der Seele und wirkt mit den
schöpferischen Ideen, den himmlischen Erkenntnissen und den heiligen Trieben im
Verein mit dem göttlichen Willen.
„Und Gott sprach: Seht da, ich habe euch gegeben
allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare
Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise.“ (1.Mose 1,29)
Jesus
sagte, dass es Seine Speise ist, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hat.
(Joh. 4,34) So ist der Entschluss, nach dem erkannten Willen Gottes zu handeln,
die Speise des vollendeten Menschen. Das Kraut, das sich besamt, zeigt an, dass
der Wille Gottes zuerst im Herzen zur Tat wird, und die Bäume, die sich besamen
sind die vollbrachten Taten der Gottes- und Nächstenliebe.
„Und allem Getier auf Erden und allen Vögeln unter dem
Himmel und allem Gewürm, das da lebt auf Erden, dass sie allerlei grünes Kraut
essen. Und es geschah also.“ (1.Mose
1,30)
Die
Speise des Getiers, also die Speise der heiligen Triebe, der guten Neigungen,
der schöpferischen Ideen und der Erkenntnis der himmlischen Geheimnisse ist das
Wort Gottes. Da dieses noch nicht in die Tat umgesetzt ist, so ist das Wort
Gottes ein grünes Kraut, das noch keinen Samen hat.
„Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und
siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.“ (1.Mose 1,31)
Jetzt
heißt es zum ersten Mal „sehr gut“, weil nun der Mensch vollendet ist. Zum
letzten Mal heißt es: „Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag“, weil das
nun der letzte abendliche Zustand im Menschen war.
9. Die siebte Stufe der Wiedergeburt des Geistes
In der siebten Stufe ist die
Fruchtähre völlig reif geworden. (8.GEJ 137,5) Der Halm ist vertrocknet, weil
alle Lebenskraft der Pflanze in den Keimgeist übergegangen ist. (2.GEJ 217,9)
Beim Menschen sind nun seine eigenen Interessen ganz vertrocknet, und sein
ganzes Interesse ist in die Liebe zu Gott übergegangen. In diesem Zustande wird
der Mensch ganz ins Licht gehoben und einigt sich mit dem Geiste der Liebe
Gottes. Er fängt an, vom Licht ernährt zu werden mit stets helleren und ewig
festen und unwandelbaren Wahrheiten. Je mehr Nahrung er aus den Himmeln erhält,
desto weniger nimmt seine vergeistigte Seele Nahrung von der seelisch-materiell
substantiellen Sphäre an. (8.GEJ 136,11) In der siebten Stufe ist der Mensch
völlig eins mit Gott geworden. (SH Seite 43)
„Der vollendete Mensch weiß wohl“, sagt Jesus, „dass
er nun als ein mächtiger Herr der ganzen Natur ohne Sünde tun kann, was er nur
immer will, aber dennoch seine Willenskraft und Macht demütig und sanftmütig im
Zaume hält und bei jedem seinem Tun und Lassen aus der pursten Liebe zu Gott
nicht eher etwas tut, als bis er unmittelbar von Gott aus dazu beordert wird, –
was eben für den vollendeten Herrn der Natur auch noch eine recht starke
Aufgabe ist, weil er in seiner vollen Weisheit allzeit erkennt, dass er nach
dem in ihm selbst wohnenden Willen aus Gott nur recht handeln kann.“ (7.GEJ
155,12)
Wenn
ein vollendeter Mensch noch mehr in die Tiefe geht, so erkennt er es auch, dass
zwischen dem in ihm wohnenden Willen Gottes, nach dem er nie eine Sünde begehen
kann und dem besonderen Willen Gottes, der aus tiefer gehenden Gründen etwas
anderes will, noch ein großer Unterschied besteht. So er nun seinen allgemeinen
göttlichen Willen ganz dem besonderen Willen Gottes vollkommen unterordnet und
nur dann aus eigener Kraft etwas tut, wenn er dazu unmittelbar von Gott aufgefordert
wird, so ist er zur innersten und allerhöchsten Lebensvollendung gelangt,
welche die Lebensvollendung im dritten Grade oder die siebte Stufe der
Wiedergeburt des Geistes ist. Der Mensch hat nun die volle Wiedergeburt des
Geistes durch den Geist der Barmherzigkeit erreicht (7.GEJ 20,7) und ist mit
Feuer getauft worden. Er steht nun im Stande der vollen Gotteskindschaft, was
dem Liebehimmel entspricht, sieht den Himmel offen und kann mit aller
Geisterwelt in den lichtesten und lebendigsten Verkehr treten. (8.GEJ 136,13)
„Wer diese erlangt“, sagt Jesus, „der ist auch völlig eins
mit Gott und besitzt gleich Gott die höchste Macht und Gewalt über alles im Himmel
und auf Erden, und niemand kann sie ihm ewig mehr nehmen, weil er vollkommen
eins mit Gott ist.“ (7.GEJ 155,13-14)
Wie
ein neuer Tag aus der Nacht durch die Lichtkraft der Sonne neu geboren wird, so
wird auch der Mensch durch die Kraft des Wortes Gottes und aus dem durch die
stets steigende Liebe zu Gott und zum Nächsten geistig wiedergeboren, denn darin
besteht die geistige Wiedergeburt, dass der Mensch Gott stets mehr und mehr erkennt
und sonach auch stets mehr und mehr liebt. Hat es ein Mensch in seinem Herzen
zu einer wahren Liebesglut gebracht, so geht in ihm der Gottesgeist gleich der
Morgensonne auf und im Menschen ist es vollkommen Tag geworden.
Jesus
sagt: „Wer sich den Willen Gottes durch
die Haltung der Gebote zu eigen gemacht hat, der hat sich auch zu eigen gemacht
die göttliche Macht und die göttliche Freiheit und hat den Zustand der wahren
Wiedergeburt des Geistes erreicht und ist als ein wahres Kind Gottes so
vollkommen wie der Vater im Himmel Selbst.“ (7.GEJ 54,12)
„Und werdet ihr euch in diesem Zustande befinden, dann
werdet auch ihr schon zum Voraus Bürger des neuen Jerusalems sein.“ (7.GEJ 54,13)
Im
Zustand der vollen Gotteskindschaft, wie er im neuen Jerusalem des obersten
Himmels besteht, herrscht die vollste Freiheit. (2.RB 286,8) Für ein volles Gotteskind
ist es keine starke Aufgabe mehr, seinen sonderheitlichen
Willen dem alleinigen und eigensten Willen Gottes unterzuordnen, denn da ist
der Wille Gottes auch der Wille des vollendeten Gotteskindes, weil Seele und
Geist völlig eins mit dem Liebegeist Gottes sind.
Jesus
sagt zu Robert Blum, als er sich im obersten Liebehimmel befindet: „Hier kannst du tun, was du nur immer
willst, und es ist alles recht getan. Denn es kommt niemand hierher als nur ein
solcher, der seinen irdischen Weltwillen ganz aus sich hinausgeschafft und
dafür für ewig den Meinen in sich vollkommen aufgenommen hat. Da du solches
getan hast, bist du hier und kannst unmöglich etwas anderes wollen, als was Ich
Selbst will. Nun aber besteht nirgends und niemals eine höhere und vollkommenere
Freiheit, als wie da ist die Meines eigenen Willens. Da du diesen nun völlig
inne hast, wie solltest du da bei irgendeinem Handeln beschränkt sein können?“ (2.RB 288,1)
Petrus
bestätigt das und sagt: „Von einer
Einförmigkeit der Tätigkeit ist in den Himmeln nie die Rede, überall herrscht
freieste, mannigfaltigste Abwechslung. Wozu jemand Lust hat, mit dem
beschäftigt er sich, solange es ihm Freude und Seligkeit bereitet. Freut ihn
dann irgendeine Beschäftigung nicht mehr sehr, hat er sogleich eine große
Auswahl vor sich und kann sich wählen, was er nur immer will. Das wird doch
Freiheit in Übergenüge abgeben?“
Sagt
Robert: „Bei Gott ja! Das heiße ich ein
freies Leben! O Erde, von solch grenzenloser Freiheit hat dir wohl sicher nie etwas
geträumt!“ (2.RB 288,12-13)
Die
vollste göttliche Freiheit ist die allerhöchste Seligkeit einer vollendeten
Seele, die mit dem himmlischen Vater durch die Liebe völlig vereint, sich im
neuen Jerusalem des höchsten Himmels befindet. (7.GEJ 67,4) Doch eine Art
Seligkeit wird in Ewigkeit stets gesteigert werden.
„In solchem Zustande“, sagt Jesus, „ist aber ein
Mensch dann auch ganz vollendet und kann in der Wesenheit nicht noch mehr
vollendet werden; nur im Erkennen und im steten Vollkommenerwerden
in der reinsten Liebe und Weisheit der Himmel und ihrer die ganze Unendlichkeit
ordnenden, regierenden und führenden Macht ist ein stetes Zunehmen in Ewigkeit
und dadurch auch die Erreichung einer stets höheren Seligkeit als Folge der
stets höheren Liebe, Weisheit und Macht zu gewärtigen.“ (4.GEJ 54,14)
Die
Ausbildung der Seele bis zur Wiedergeburt des Geistes kann schon im Leibe
erfolgen, doch das erreichen auf Erden nur höchst wenige, aber kurz nach dem
Leibestode recht viele. Erfolgt die ganze Ausbildung einer Seele erst im
Jenseits, so dauert sie um vieles länger und kann dennoch den ganz allerhöchsten
Grad nie erreichen, als wenn sie schon diesseits im Leibe erfolgt wäre. Das hat
darin seinen Grund, weil ein auf Erden schon vollends geistig Wiedergeborener
dann auch nahezu alles Fleisch vergeistigen kann, das dann für ewig ein mit
Seele und Geist vollends vereintes Wesen bildet. (5.GEJ 184,8) Das ist auf
Erden nur bei wenigen erfolgt, unter denen
sich Henoch, Elias, Maria und einige andere befanden.
Bei ihnen durchdrang die große Liebe ihrer Seele zu Gott und den Nächsten ihr
Fleisch und vergeistigte es. Wenn das auf Erden auch nur höchst wenige
erreichen, so sollte aber doch wenigstens
die halbe Wiedergeburt erlangt werden, bevor ein Mensch ins Jenseits abgerufen
wird, damit er in der geistigen Welt nicht zu lange auf einem Fleck stehen
bleibt oder gar abwärts rutscht, sondern rasche Fortschritte machen kann. (JS
Seite 104,9)
„Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen
Heer.“ (1.Mose 2,1) Das heißt: Also ward
vollendet der innere und äußere Mensch.
„Und also vollendete Gott am siebenten Tage seine
Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die
er machte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, darum dass er
an demselben geruht hatte von allen seinen Werken, die Gott schuf und machte.“ (1.Mose 2,2-3)
Der
siebte Tag ist der lebendige Tag des Herrn im Menschen, den er fortwährend mehr
erkennen und durch alle seine Handlungen heiligen soll. Das ist der ewige
Lebenstag, der kein Ende mehr hat und der wahre Sabbat oder Ruhetag im
Menschen, denn die inneren Kämpfe haben aufgehört, und des Menschen Seele ruht
in Gott. Das ist die volle Neu- oder Wiedergeburt des Geistes Gottes in der
Menschenseele, (7.GEJ 1,4-5) die nun völlig eins mit dem Geist aus Gott ist – dem
Gott im Menschen – womit sie auch eins mit Gott geworden ist.
10. Beschreibung eines völlig
Wiedergeborenen im Geiste
Woran können wir einen völlig
geistig Wiedergeborenen erkennen? Es folgt nun aus dem Buch „Die neun Felsen“
ein Auszug, wie ein Mensch, der sich auf der obersten Stufe befindet, beschrieben
wird:
Solch
ein Mensch hat sich Gott so völlig ergeben und gelassen, dass ihm alles im
Innersten wohlgefällt, was Gott mit ihm und mit allen Dingen tut. Gibt Er ihm,
so lässt er es gut sein; nimmt Er ihm, so lässt er es gut sein und steht so
über allen Dingen. Er hat sich selbst im Innersten verloren und aller Kreatur,
und alles, was je geschaffen wurde in Zeit und Ewigkeit. Blut und Mark sind in
ihm völlig verdorrt. (Hiermit wird ein Mensch verstanden, der von seinen
weltlichen Gelüsten und Begierden abgestorben ist. 3.Hi. Seite 233,2) Dafür hat
Gott ihn mit so unaussprechlich großer Liebe erfüllt, dass es aus ihm leuchten
muss, doch das weiß er selbst nicht und begehrt es auch nicht zu wissen. Er
lebt in dieser Sache in einem Unwissen und hat sich so einfältig und lauter zum
Glauben gewendet, dass er weder begehrt, noch sucht etwas zu wissen, denn er
hält sich für unwürdig. Er hält sich auch für unwürdig aller göttlichen,
verborgenen, trostreichen Geschenke und verlangt dieselben auch nicht. Sendet
ihm Gott eine vergnügende Erquickung, so erschrickt er mehr darüber, als wenn
Er ihn darben ließe, denn er begehrt nichts, als dem Bilde Christi einfältig im
Glauben nachzufolgen. Er liebt und sucht und begehrt keine tröstliche Ergötzung
und scheut mehr süß als sauer, denn er liebt das Kreuz, dessen läuternde Kraft
er kennt.
Er
hat keinen anderen Wunsch, als dass die Ehre Gottes vollbracht werde und sonst
nichts. Er fürchtet weder Hölle, noch Hades, noch Feinde, weder Tod noch Leben;
alle Furcht hat ihn verlassen, außer dass es ihm vorkommt, er folge dem Bilde
Christi nicht so nach, wie er es gerne möchte und schuldig wäre. Er ist so
demütig, dass er sich selbst und alle seine Werke, die er je getan hat, für
völlig nichts achtet. Er stellt sich unter alle menschliche Kreatur und will
sich mit niemand vergleichen, weder in Zeit noch in Ewigkeit. Er hat alle
Menschen lieb in Gott, und wen Gott liebt, den liebt auch er. Er ist der Welt
im Innersten abgestorben und alles Wirken der eigenen Vernunft hat in ihm
aufgehört. Er ist es, der Gott liebt und Ihn meint mit all seinem Tun und
Lassen. Sich selbst aber meint, noch liebt er nicht, noch sucht er irgend das
Seine oder sich selbst in Zeit und Ewigkeit.
Durch
diesen Menschen sind die Feinde des göttlichen Lebens gefahren mit allen
Anfechtungen, die jemand erdenken mag; wovon ein Teil über menschliche Weise
und Sinne geht; und er hat keinen anderen Willen, als, wollte Gott dieselben wieder
gegen ihn senden, sie mit Freuden zu empfangen. Alle Leiden, die Gott ihm sandte,
hat er erduldet; und gäbe ihm Gott dieses Kreuz wieder, er wollte es gerne empfangen,
denn sein Herr und Gott ist mit dem Kreuz vorangegangen. Er begehrt nur diesen
Weg zu gehen und keinen anderen bis an seinen Tod.
Solche
Menschen sind der Welt unbekannt, aber die Welt ist ihnen wohlbekannt. Sie sind
die rechtgläubigen Menschen, die wahren Anbeter, die den Vater anbeten im Geist
und in der Wahrheit. Einer von diesen Menschen ist Gott teurer, lieber und
werter und der Christenheit nützlicher denn tausend andere Menschen, die aus
ihrer eigenen Weise leben. Wie wenige dieser Menschen auch sind, so lässt Gott
doch die Christenheit auf ihnen stehen, und wo sie nicht wären, da ließe Gott
die Christenheit untergehen. Er gäbe alsobald dem
Teufel Gewalt, die Welt mit seiner Verführungskunst nach unten zu ziehen. Wäre
einem dieser Menschen die ganze Christenheit anbefohlen, er würde sie viel
besser regieren mit aller Ordnung als es sonst irgendjemand vermöchte, und es
wäre ihm auch leicht, solches zu tun; aber obgleich der Heilige Geist in ihnen
ist, werden sie dennoch unterdrückt, für nichts geachtet und verspottet. Träte
einer dieser edlen Menschen auf und wollte den Leuten raten in weltlichen und
geistlichen Sachen, sie machten es zu einem Spott und achteten ihn für einen Toren.
Gott
aber hat diese Menschen so unsäglich lieb, dass, wenn es geschähe, dass einer
dieser Menschen allein Gott um eine Sache bäte und alle Christenheit in dieser
Zeit bäte miteinander wider die Sache, so erhörte Gott lieber diesen Menschen
allein, als eine ganze Christenheit miteinander. Die allerkleinste Freude, die
sie in Gott haben, geht weit über alle Freuden dieser Welt und ob sie auch alle
in einer Stunde beisammen wären. Auch wird ihnen zuweilen ein kleiner Blick in
den Ursprung allen Seins geschenkt, woran sie dann merken, dass sie ein inneres
Leuchten besitzen. Haben sie daran noch etwas Selbstgefallen und widerstehen
dem nicht, so können sie auch wieder fallen, solange sie sich im Fleische auf
der Erde befinden.
Wen
sieht man aber in dieser Zeit eine große Begierde danach zu haben, diesen Weg
zu Gott zu gehen? Ja, wenn die Menschen es durch ihre Glaubenserkenntnis haben
könnten und nach ihrem Willen, dann gäbe es viele dieser Menschen. Wenn Gott
Menschen fände, die nach Seinem Willen handeln würden, so würde Er ihnen jederzeit
Seine Gnade schenken. Die jetzigen Menschen suchen alle das Ihre und lieben die
Gabe. Diesen wird die Gabe Gottes nicht zuteil. Darum erlangen die Menschen
wenig besondere Gnade, denn sie sind derselben nicht empfänglich, weil sie
nicht in sich gehen mit einem tapferen, kühnen Gemüt und mit einer rechten,
demütigen Selbstverleugnung und Unterwerfung unter den Willen Gottes. Wo aber
solch ein Mensch wäre, der es täte, in dem wäre Gott jetzt bereiter als je,
gute Dinge zu wirken. (Nach DNF)
„Seht nun“, sagt
Jesus, „welche Mühe, Langmut und
große Geduld es Mich allezeit kostet, aus Tausenden kaum einen erlösen zu
können, und wie oft werden selbst von einem solchen Meine Bemühungen verkannt,
verachtet, geflucht und mit Füßen getreten, – und seht, doch lasse Ich nie ab,
euch beständig zuzurufen: Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen
seid, Ich will euch alle erquicken!“ (3.Hi. Seite 16,23)
11. Wie weit bin ich in der geistigen Wiedergeburt
vorangekommen?
Es wird sich sicher mancher fragen:
„Wie weit bin ich in der geistigen Wiedergeburt schon vorangekommen? – Wie kann
ich es erfahren, auf welcher Stufe ich stehe? – Wie kann ich erfahren, ob meine
Seele schon eins geworden ist mit ihrem Geiste oder gar mit dem Geiste Gottes
in ihr?“
Jesus
sagt: „Das erfährt er (ein Mensch) aus sich überaus leicht! Wenn du in dir
keinen Hochmut, keinen unnötigen Ehrgeiz, keine Ruhmsucht, keinen Neid, keine
Hab- und Glanzsucht, keine Eigenliebe, aber dafür desto mehr Liebe zum Nächsten
und zu Gott lebendig und wahr fühlen wirst und es dir eine wahre, dich tief
rührende Herzensfreude machen wird, dein ganzes Hab und Gut im Notfalle an arme
und sehr notleidende Brüder und Schwestern verteilt zu haben, ja, wenn du ein
ordentliches Leid in deinem Herzen fühlen wirst, irgendeinem Armen nicht helfen
zu können, wenn dir Gott alles und die ganze Erde mit allen ihren Schätzen und
Schätzen nichts sein werden, dann ist deine Seele schon völlig eins mit dem
Geiste Gottes in ihr, hat das vollkommene, ewige Leben erreicht, ist weise und
wo nötig durch ihr pures Wollen wundertatkräftig!“ (5.GEJ 51,4)
Es
darf aber niemand glauben, sogleich schon eins mit dem Geiste Gottes zu sein,
wenn jemand sein ganzes Vermögen an die Armen verteilt hätte, doch dabei von
sich denken würde: „Herr! Wie ich
barmherzig war, also sei auch Du barmherzig gegen mich!“ Wer so denkt, dem
fehlt noch ziemlich viel vom Reiche Gottes und ist noch nicht eins mit Gott,
weil er Ihm noch billige Bedingungen vorschreiben will. Auch wenn er sagt: „Ich habe getan, und ich habe gegeben!“
so ist er noch ferne von dem, der da spricht: „Ich bin allzeit ein fauler und unnützer Knecht gewesen!“ (Luk.
17,10)
Der
Ärmste unter den Menschen ist immer Jesus oder die Liebeskraft des eigenen
Herzens. Diese muss zuerst reichlich mit der Liebe zu Jesus beschenkt werden,
wenn eine andere Beschenkung nach außen einen Wert haben soll. Jesus muss die
ganze Liebe des Herzens ausmachen; dann erst kann ein Mensch aus dieser Liebe
wahrhaft Verdienstliches zum ewigen Leben wirken, weil das Verdienstliche
allein Jesus zukommt. Wir aber bleiben bloß reine Konsumenten Seiner Liebe,
Gnade und Erbarmung.
Wer
dann in sich lebendig bekennt und spricht: „Herr,
mein Gott und Vater! Ich bin in allem nichts, wie auch alle Menschen vor Dir
gar nichts sind, sondern Du allein bist Alles in Allem!“, der ist der
Wiedergeburt des Geistes nahe. (Ste. 30,14-16)
Jesus
sagt: „Es wird oft so manchem gar nicht
vieles fehlen von der vollen Besitznahme des Gottesreiches in seiner Seele, und
dennoch wird er es nicht einnehmen, weil er sich zu wenig prüft und nicht acht
darauf hat, was etwa noch Irdisches an seiner Seele klebt. Wird er sich aber
sorgfältiger prüfen, so wird er bald finden, dass er entweder noch sehr empfindlich
ist und ihn gar bald eine Kleinigkeit beleidigt… Sowie ihr aber darob noch so eine Art kleinen Grolles in euch merket und
werdet auf den Menschen bitter und unfreundlich, so ist das noch eine Folge
eines kleinen, in eurer Seele verborgenen Hochmutes, der allein noch lange gut
genügt, die Vereinigung eurer Seelen mit Meinem Lichtgeiste in euch zu
verhindern.“ (5.GEJ 125,4+6)
Alles
hängt davon ab, wie ernstlich und eifrig ein Mensch durch die Demut und durch
die Liebe zu Gott und zum Nächsten seinen Geist und den Geist aus Gott freigemacht
hat. (EM 51,16)
Wenn
ein Mensch sich demütigt, sich als der Geringste unter den Geringen fühlt, aber
ohne dies mit dem Munde oder in Gedanken zu bekennen, sondern sich nur im
Herzen so fühlt, dann wächst der Gottesgeist schnell heran.
Wenn
ein Mensch sich demütigt, sich als der Geringste unter den Geringen fühlt und
dies nicht mit dem Mund oder in Gedanken bekennt, sondern sich im Herzen so
fühlt, dann wächst der Gottesgeist schnell heran.
Der
Gottesgeist macht auch gewaltige Fortschritte in seinem Wachstum durch die
uneigennützige Nächstenliebe, wenn ein Mensch auf etwas verzichtet, was er für
sich selbst wollte, so dass er um des Nächsten willen seiner selbst ganz
vergisst. Durch die Liebe zum Nächsten geht dann die Seele immer mehr in die
lebendiger werdende Liebe zu Gott über, und in dem Maße wird auch der
Gottesgeist immer tätiger in der Seele und breitet sich in ihr immer mehr aus.
Nun
wird vielleicht mancher denken: „Da fehlt mir noch so manches bis zur vollen Wiedergeburt
des Geistes; wie lange dauert es denn
noch, bis ich die Wiedergeburt im Geiste erreicht habe?“
Jesus
antwortet darauf: „Geistige Arbeiten und
geistige Wege werden nicht nach Stunden und Ellen gemessen, sondern pur nach
der Kraft des Willens, Glaubens und der Liebe zu Gott und zum Nächsten.
Wer sich auf einmal so weit selbst verleugnen könnte,
von aller Welt ganz abzulassen, seine Schätze – im rechten Maße – nur den Armen
widmete aus purer Liebe zu Gott, und kein Wesen triebe mit dem Fleische der Weiber, der würde
wahrlich in einer kürzesten Zeit schon als vollendet dastehen! Wer aber
offenbar eine längere Zeit dazu vonnöten hat, um sich von allen irdischen
Schlacken und Anhängseln zu reinigen, bei dem muss der allerbeseligendste
Zustand der wahren geistigen Vollendung auch länger auf sich warten lassen.“ (7.GEJ 223,3-4)
„Gott wird die Einung der Seele mit dem Geiste aus Ihm
freilich wohl nicht mit Seiner Allmacht erzwingen, aber Er wird des Menschen
Herz stets mehr erleuchten und es erfüllen mit wahrer Weisheit aus den Himmeln,
und der Mensch wird dadurch geistig wachsen und kräftiger werden und wird alle
Hindernisse, die sich ihm zu seiner größeren Probung noch irgendwo in den Weg
stellen könnten, stets leichter und zuversichtlicher überwinden.
Je mehr Liebe ein Mensch aber zu Gott und zum Nächsten
in sich wird lebendig zu fühlen anfangen, und je barmherziger er in seinem Gemüte
wird, desto größer und stärker ist auch schon der Geist Gottes in seiner Seele
geworden. Denn die Liebe zu Gott und daraus zum Nächsten ist ja eben der Geist
Gottes in der Seele des Menschen. Wie diese zunimmt und wächst, also auch der
Geist Gottes in ihr. Ist am Ende der ganze Mensch zur reinen und
allerwohltätigsten Liebe geworden, so ist auch schon die völlige Einung der
Seele mit dem Geiste aus Gott erfolgt, und der Mensch hat für ewig das von Gott
ihm gestellte allerhöchste Ziel des Lebens erreicht.
Wird die Seele durch ihr freies Wollen ganz ähnlich
der Liebe des Geistes aus Gott, so ist es dann ja auch klar, dass sie mit dem
Geiste aus Gott in ihr eins wird. Wird sie aber das, dann ist sie auch
vollendet. Nun, dafür aber lässt sich keine genaue Zeit bestimmen, sondern das
muss der Seele ihr eigenes Gefühl sagen und anzeigen.“ (7.GEJ 223,9-10+12)
12. Können wir das Erreichen der vollen Wiedergeburt
beschleunigen?
Vielleicht fragt sich jetzt jemand:
„Wie kann ich schneller die Wiedergeburt des Geistes erreichen?“ Dazu gibt uns
Johannes, der Jünger der Liebe, ein bemerkenswertes Beispiel.
Er
fordert uns auf, unsere Schritte zu beschleunigen, wodurch wir eher ans Ziel
kommen, denn nicht nur der Leib kann seine Schritte verzögern oder
beschleunigen, sondern auch der Geist. Wie aber verzögert der Geist seine
Schritte und wie beschleunigt er sie?
Wie
wir wissen, besteht das Fortschreiten des Geistes nicht in einem stets mehr und
mehr Weiserwerden, sondern nur in einem stets mehr
und mehr mit Liebe zu Jesus Erfülltwerden. Wie sollen
wir es aber anfangen, dass wir schneller zur Liebefülle zum Herrn gelangen?
Sicher,
wir haben alle schon viel Liebe zu Jesus, aber wenn wir gefragt werden, wie es
um unsere Vollkommenheit steht, so können die meisten von uns doch nichts
anderes sagen, als wie uns Johannes die folgenden Worte in den Mund legt:
„Was unsere geistige Vervollkommnung betrifft, so wird
es der liebe Gott wissen, was es damit etwa für eine Bewandtnis hat. Wir halten
Seine Gebote so viel, als es uns nur immer möglich ist; wir beobachten alle anderen
Regeln, wir halten die tägliche Sabbatsruhe und beten
viel zu Gott dem Herrn und bitten Ihn auch zu jeder Zeit um die baldmöglichste
Vollendung unseres Geistes. Aber dessen ungeachtet gewahren wir nur kaum
merkliche Fortschritte, und wenn wir nicht sehr auf uns achtgeben, so kommt es
uns noch überdies vor, als hätte unser Geist nicht nur keinen Fortschritt,
sondern eher einen Rückschritt gemacht, so dass wir uns darüber schon so
manchmal ganz leisen Zweifeln überlassen und uns so heimlich gedacht haben:
Entweder sind wir für solch einen geistigen Fortschritt gar nicht berufen oder
die ganze Behauptung von der Vervollkommnung des Geistes ist wenigstens im
irdischen Leben nichts anderes als eine fromme Fabel oder doch wenigstens eine
Hypothese.“ (2.GS 54,6)
Johannes
macht uns klar, dass dies bei den Menschen auf der Erde die gewöhnliche Antwort
auf die Frage über den zögerlichen Fortschritt des Geistes ist. Es gab aber
auch Menschen auf der Erde, die alles daran setzten, die geistige Wiedergeburt
zu erreichen. Der Hauptmann Kornelius z.B. war solch ein Mensch, denn über ihn
kam der Geist Gottes eher, als er vom Petrus getauft wurde. Wie aber haben
diese Menschen das geschafft? Wer es dem Kornelius nachmachen will, für den ist
es von der größten Wichtigkeit, zu erfahren, wie er es anstellen kann,
schneller ans Ziel zu kommen.
Das
Beispiel, das uns Johannes erzählt, handelt vom Erlernen der Musik. Da sollen
in einer größeren Stadt viele Schüler das Violinspielen erlernen. Begabt sind alle,
aber wie viele der Schüler werden wirklich hervorragende Künstler oder Virtuosen
werden? – Johannes meint: „Aus zehn Jahrgängen vielleicht einer oder zwei!“ –
Woran liegt das? – Das wird uns sofort klar, wenn uns Johannes einen Einblick
in die verschiedenen Studierzimmer der Musikschüler gewährt.
Im
ersten Haus schläft der Schüler recht sanft und hübsch weit weg von seinem
Instrumente. Wird er wohl ein Künstler? – Johannes meint: „Im Schlafe lernt man die Kunst nicht.“ Im zweiten Haus zieht sich
der Schüler gerade an, um vom schönen Tage zu profitieren und einen kleinen
Landausflug zu machen. Wird er wohl ein Künstler? – Johannes meint: „Auf den Straßen, am Felde und im Walde
lernt man die Kunst nicht.“ Im dritten Haus sitzt ein Schüler bei seinem
Instrumente und übt gähnend seine Aufgabe. Wird er wohl ein Künstler? –
Johannes meint: „Für die Kunst ist ein
gähnender Eifer zu gering.“ Im Haus Nr. 4 ist gar kein Schüler anzutreffen,
und die liederlich durcheinander liegenden Musikalien geben einen hinreichenden
Beweis vom Eifer unseres Schülers. Wird etwa aus diesem ein Künstler herauswachsen?
– Johannes meint: „Da könnte eher das
ganze Instrument zu Gold werden, als der Schüler zu einem Künstler.“ Im
nächsten Haus übt ja einer der Schüler. Aber seine Augen sind voll Tränen, denn
er ist von seinem Vater, der sich’s für seinen Sohn viel kosten lässt, soeben
dazu geprügelt worden. Wird aus diesem ein Künstler? – Johannes meint: „Aus der geprügelten Liebe zur Kunst wird
nicht sehr viel Künstlerschaft zum Vorschein kommen.“
Auch
in weiteren Häusern sieht es nicht viel anders aus. – Aber halt! – In einem ganz
unansehnlichen Haus lernt ein Kind einer ärmlichen Familie die Musik. Der Knabe
hat an diesem Tage schon acht Stunden geübt; aber abends will ihn der Vater,
des Knaben Gesundheit wegen, auf einen kleinen Spaziergang mitnehmen. Aber der
Knabe möchte am liebsten gar nicht mit, drückt sein Instrument an sein Herz und
liebkost es, als wäre es sein größter Lebensfreund! Nur mit großer Überredung
von Seiten des Vaters trennt sich unser Kunstjünger mit Tränen in den Augen von
seiner Violine und spricht: Du mein teuerstes Kleinod! In kurzer Zeit komme ich
zurück und gehöre wieder ganz dir an! Johannes fragt nun: „Wird aus diesem ein Künstler?“ – Ja, dieser Jünger wird sicher ein
großer Künstler. Hört euch nur seine Töne an, die er in kurzer Zeit auf seinem
Instrumente zu spielen gelernt hat, und ihr werdet sagen: „Ach, das sind Wundertöne!“ Dieser hat schon den rechten Lehrmeister
in seiner Brust, und dieser lehrt ihn, alles der Kunst zum Opfer zu bringen,
denn er findet nirgends ein größeres Vergnügen, als eben in seiner zu
erlernenden Musik.
Alle
früheren Musikschüler sollten wohl auch die Kunst erlernen, aber sie hatten
keine Liebe zu ihr und werden es deshalb ohne diesen Meister auch nie weit bringen.
Warum aber hatten sie keine Liebe? – Weil sie zu allerlei anderen Interessen
Liebe hatten! In diesen anderen Interessen wollten sie sich nicht selbst verleugnen
und der Liebe zur Musik ein Opfer bringen. Deshalb werden sie, solange sie nicht umkehren, es
auch im Violinspielen nicht zur Meisterschaft bringen.
An diesem
Beispiel mit dem Üben des Violinspielens wird uns das
tägliche Üben der Sabbatruhe dargestellt, das Versenken in die Liebe zu Gott,
wie es uns Jesus in der Kundgabe „Das aber ist der kürzeste Weg zur
Wiedergeburt“ empfohlen hat. Wer also schneller zur vollen Wiedergeburt des
Geistes gelangen will, der übe die Sabbatruhe zur Erweckung der Liebe zu Gott
so fleißig, wie der Knabe aus dem ärmlichen Hause. Wer das aber nicht will, der
kann wohl auch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen, aber er wird längere Zeit
dazu vonnöten haben. Aber es kann niemand die geistige Wiedergeburt erreichen,
der nicht die Weltinteressen aufgegeben will. Dazu gibt uns Johannes die Regel:
Je mehr Weltinteressen, desto weniger geistigen Fortschrittes; je weniger Weltinteressen,
desto beschleunigter die Fortschritte des Geistes. Mit gar keinen
Weltinteressen aber kann ein jeder Mensch schon in kurzer Zeit als vollendet
dastehen. (7.GEJ 223,3-4)
Zum
reichen Jüngling sprach Jesus: „Gib alles
hintan und folge Mir nach, so wirst du dir einen Schatz im Himmel bereiten“,
oder mit andern Worten: Gib alle anderen Interessen auf und vereine all dein
Streben auf einen Punkt, auf Jesus, dem himmlische Vater, so wirst du bald die
Vollendung deines Geistes erlangen! Wer diesem Rufe nicht so folgt, wie wir es
von den Aposteln wissen, wie diese dem Herrn auf den ersten Ruf gefolgt sind,
der muss es sich denn auch gefallen lassen, dass bei ihm die Vollendung seines
Geistes auf sich warten lässt. (2.GS 54,4-18)
Es
bleibt nun nur noch übrig, auf das letzte Hindernis zur Erreichung der geistigen
Wiedergeburt einzugehen. Da hat jemand mit allem Eifer und gerechter Liebe der
Wiedergeburt des Geistes nachgestrebt. Er „weiß
es“, sagt Jesus, „dass die Liebe zu
Gott und zum Nächsten dazu der einzige und alleinige Weg ist. Er hält nun alle
Gebote Gottes streng, liebt in seinem Herzen nach Möglichkeit Gott, erweist
allen nach seinen guten Kräften nur Gutes und unterstützt die Armut reichlich,
und wo er einen wahrhaft Gottesweisen weiß, begibt er sich zu ihm, unterstützt
ihn reichlich und macht sich ihn zum Freunde.“ (5.GEJ 160,2)
Dieser
Mensch hat nun jahrelang hindurch alles getan, um die Wiedergeburt des Geistes
zu erreichen, aber sie erfolgte dennoch nicht. Er steht nach zwanzig Jahren
noch immer auf demselben Fleck, auf dem er angefangen hat, danach zu leben und
zu streben. Er merkte bei sich wohl dann und wann lichte Momente, die wie Blitze
aufleuchteten, aber sie gingen jedes Mal rasch vorüber und hatten keinen
Bestand. Nun fängt er an, die ganze Sache von der geistigen Wiedergeburt für
eine fromme Fabel zu halten, verwirft alles, gibt auch die Übung der Versenkung
in Gott auf und lebt zwar ein ordentliches, aber doch weltliches Leben weiter.
Nun
stellt sich die Frage: „Was hat dieser recht ehrlich strebende Mensch unbeachtet
gelassen, dass er nicht zur Wiedergeburt des Geistes gelangen konnte?“
„Eben darum“, sagt Jesus, „weil er alles Gute nur
darum tat, um sie (die Wiedergeburt) zu
erreichen! Wer Gott und den Nächsten eines anderen Motives wegen als Gott um
Gottes und den Nächsten um des Nächsten willen liebt, der kommt nicht zur völligen
Wiedergeburt, weil diese ein allerunmittelbarster Verband zwischen Gott und dem
Menschen ist.
Durch ein solches Motiv setzt der Mensch stets eine
wenn auch noch so dünne, aber dennoch das geistige Licht nicht durchlassende
Scheidewand zwischen sich und Gott und kann darum nicht völlig eins werden mit
dem Geiste Gottes. Solange aber diese Einung nicht vor sich geht, kann von der
völligen Wiedergeburt keine Rede sein.
Ich sage es dir: Es muss aus der Seele jede Art
irgendeines Eigennutzes weichen, und der Mensch muss als vollkommen frei
dastehen, sodann erst kann er das Höchste erreichen!“ (5.GEJ 160,1-7)
Diese
Ausarbeitung ist nicht dafür da, um sich mit anderen zu vergleichen und von
sich zu meinen, schon weiter als andere zu sein. Sie ist erst recht nicht dafür
da, seinem Nächsten verlauten zu lassen, dass man schon weiter als er wäre. Es
darf aber ein jeder für sich
beurteilen, auf welcher Stufe er steht, so dass sie ihm eine Hilfe sein kann,
zu erkennen, wo es bei ihm noch mangelt und was noch zu tun bleibt, um zur
vollen Wiedergeburt des Geistes zu gelangen.
Quellenverzeichnis
GEJ Das große Evangelium
Johannes, Jakob Lorber,
10
Bände, 1981-1986
11.GEJ Das große Evangelium
Johannes, Leopold Engel, 1987
JJ Die Jugend Jesu,
Jakob Lorber, 1996
GS Die geistige Sonne,
Jakob Lorber, 2 Bände, 1955, 1956
RB Von der Hölle bis zum
Himmel, (Robert Blum),
J. Lorber, 2 Bände, 1963
BM Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
Hi. Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935, 1993
Ste. Schrifttexterklärungen,
Jakob Lorber, 1985
JS Jenseits der
Schwelle, Jakob Lorber, 1990
Alle: Lorber Verlag, 74321 Bietigheim-Bissingen
Hindenburgstr.
5
DNF Die neun Felsen,
Privatdruck nach Pfarrer Lämmert’s
Ausgabe von 1850
SH Sieben Himmelsstufen,
Urgemeinde Verlag,
Wiesbaden-Schierstein,
1958
Weitere Hefte sind mit folgenden Themen erhältlich:
Die große Bedeutung der Neuoffenbarung
Was ist Wahrheit?
Die Reinkarnationslehre im neuen Licht
Die Erlösung und die Liebtätigkeit
Das ganze Wesen des Menschen, Geist, Seele und Leib
Die Selbstgestaltung als Weg zur Gotteskindschaft
Wer sich selbst verleugnet, überwindet die Welt
Die Demut, das Grundfundament allen Lebens
Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu?
Das Geheimnis der Person Jesu
Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus
Der Sohn Gottes und das Geheimnis der Erlösung
Die Erweckung der Liebe zu Gott
Die Liebe zum Nächsten ist gleich der Liebe zu Gott
Die Wiedergeburt des Geistes
Die drei Grade der inneren Lebensvollendung
Wo kam das Böse ursprünglich her?
Die Marien- und Heiligenverehrung im Lichte der Neuoffenbarung
Der Tod des Leibes und das Weiterleben der Seele, Heft 1, 2 und 3
Die Kraft des Gebets
Die Kraft des Segnens
Durch Heilmeditation an Seele und Leib gesund werden
Was können wir tun?
Die Entwicklung und Stellung der Erde
Die Entstehung und Bedeutung des Mondes
Das Wesen der Sonne
Naturrätsel der Erde