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Jakob Böhme Von der Menschwerdung Jesu Christi Vorwort
In dem Bewußtsein, im Anbruch einer neuen
Menschheitsepoche zu stehen, ist Jakob Böhme mit seinen Schriften vor seine Zeit
hingetreten. Das wird schon in seiner »Aurora oder Morgenröte im Aufgang«
deutlich, wenngleich das dort Ausgesprochene noch der Klärung bedurfte. Der
Autor dieses Fragment gebliebenen Buches meinte zunächst, nur sich selbst
»zum Memorial« geschrieben zu haben. Um so überraschter war er, als er
beobachtete, daß seine z.T. umfangreichen Buchmanuskripte sowie die davon
gefertigten Abschriften seiner Freunde immer größere Kreise zogen. »Der Mensch ist zu dem Ende in das magische Reich
dieser Welt erschaffen worden, daß er dasselbe Mysterium offenbare und die
Wunder ans Licht und in Formen nach der ewigen Weisheit bringe. Dieses Wort aus dem 3. Teil des vorliegenden Buches
»Von der Menschwerdung Jesu Christi« läßt deutlich hervortreten, welche
Aufgabe Böhme dem Menschen zuweist. Es geht ihm immer wieder darum, die damit
verknüpfte Erkenntnisverpflichtung bewußt zu machen und darüber hinaus die
Kreativität des menschlichen Willens anzuregen. Von daher gesehen ist das
Buch nicht allein eine Beschreibung der Menschwerdung Christi. Der Mensch
selbst ist gemeint. Er ist noch nicht fertig. Die Menschwerdung des Menschen
ist im Gang. Sie gilt es auf dem Weg einer inneren Entwicklung
voranzubringen. So stellt sich der vorliegende Band in die Reihe der
ausgewählten Schriften hinein, die mit »Aurora« und »Christosophia« eröffnet
worden ist (vgl. die Literaturhinweise am Schluß). Es versteht sich, daß die
bisher angewandten editorischen Gesichtspunkte vollständiger, auf der Basis
zuverlässiger Vorlagen — d.h. der Gesamtausgabe von 1730 — gebotenen und
kommentierten Texte auch hier in Anwendung kommen. Das Buch gehört in die Hand derer, die mit Jakob Böhme
wissen: »… es tuts kein Lernen, sondern Geborenwerden.« (1-4,19). Schwarzenbruck bei Nürnberg, Ostern 1991, Gerhard Wehr * *
* Erster Teil - WIE DAS EWIGE WORT SEI MENSCH WORDEN
1. Kapitel -
Daß die Person Christi ohne göttliche Erleuchtung nicht könne erkannt werden Die Menschwerdung Jesu Christi und die Menschwerdung
des Menschen — das ist das große Thema, das Jakob Bohme mit dem ersten
Kapitel dieser dreiteiligen Schrift anschlagt, ein Thema in Variationen.
Damit ist — wie so oft bei Böhme — der Blick auf das gerichtet, das werden
soll. Der Görlitzer Meister will nicht in sich ruhende, auf sich beruhende
oder gar abgeschlossene Tatbestande beschreiben. Er meint die Dynamik der
Veränderung, die in und am Menschen zu geschehen hat. Gleich eingangs (1,1-3) stellt er ein wichtiges
Erkenntnisprinzip heraus. Die »weltwitzige« Vernunft, das heißt, die
unverwandelte Weise des menschlichen Erkennens, ist nicht in der Lage, in die
Bezirke des Mysteriums einzudringen Das Endliche erfaßt nicht das Ewige. Bei
ihr muß die Wandlung beginnen. Wahre Theosophie und Anthroposophie, eben
Weisheit von Gott und vom Menschen, werden nicht durch »Fleisch und Blut«
begriffen oder begründet (1,2). Es bedarf der Erleuchtung durch das
»göttliche Licht«. Böhme teilt damit eine Einsicht des Apostels Paulus
(1.Kor.2,14): Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist
ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen. Durch willkürliche Berufung
auf die Schrift der biblischen Überlieferung (1,3) läßt sich diese innere
Erleuchtung nicht ersetzen. An dieser Stelle läßt der Autor seine Kritik an
denen durch blicken, die als protestantische Theologen wohl die Bibel im
Munde führen, die Bibel als alleinige Quelle der Offenbarung rühmen, jedoch
ohne Gottes Geist, ohne spirituelle Eigenerfahrung und daher erkenntnislos
von göttlichen Geheimnissen reden. Das dem Alltagsbewußtsein fremd und entfernt Scheinende
wird indessen dem nach und nach vertraut, der sich »täglich und stündlich«
(1,4) ins Wesen der Menschwerdung vertieft. Für Böhme ist diese Menschwerdung
offensichtlich eine die Erkenntnis vertiefende, das Leben erneuernde
Gegenwart. Aus ihr heraus haben wir sein Zeugnis anzunehmen. Es ist das »hohe
Geheimnis«, das der Autor zum Gegenstand seines Buches von den ersten
Abschnitten an zu machen gedenkt. Es ist der Geisteslehrer und der Seelenführer, der
darin zu Wort kommt. Als solcher hat er nicht nur die Resultate seines
eigenen Schauens mitzuteilen, sondern gleichzeitig den Suchenden, Fragenden,
um die geistliche Reifung bemühten Menschen Führung und Geleit zu bieten, wie
er es vornehmlich in den Schriften seiner Christosophia
und in seinen Theosophischen
Sendbriefen unternommen hat. Und so, wie er sich einst seinen Erstling Aurora oder Morgenröte im Aufgang selbst
zum »Memorial« schrieb, so legte er nun seinem inzwischen größer gewordenen
Leserkreis dieses Buch als ein ähnliches Memorial — etwa Meditationsbuch —
vor. Um nun seinem Thema gerecht zu werden, muß der
Verfasser »die Ursachen erwägen« (1,5), die zur Menschwerdung Gottes geführt
haben. Er begreift ja sein Schreiben als eine »Übung des Glaubens« (1,4). Der
Exerzitiencharakter ist damit von vornherein sichtbar gemacht. Danach wird
sich der Leser einst wie heute zu richten haben. Nun stößt Böhme auf eine unerhörte Paradoxie: Er, der
»unveränderliche Gott ist doch worden, was er nicht war«. Was nun folgt
(1,6ff.), ist eine Variation des theosophisch-kosmosophischen Bildes, das wir
bereits von der Aurora her kennen
und das er dann in seinem zweiten Werk Von
den drei Prinzipien weiter entfaltet hat. Es ist der Aufweis der
ungeheuren Dynamik, die in Gestalt der drei Prinzipien in der Gotteswelt
regiert. Es sind dies die Prinzipien des grimmigen Feuers, des sänftigenden
Lichts und des dritten Prinzips. Dieses entspricht dem Geist, der »von
Ewigkeit in der ewigen Natur des Vaters Eigenschaft verborgen gestanden«
(1,10) ist, der zur Offenbarung drängt und der sich schließlich im Spiegel
der göttlichen Weisheit — Böhme spricht immer wieder von der »Jungfrau der
Weisheit« — manifestiert. In diesem Weisheitsspiegel schaut sich die Gottheit
selbst. 2. Kapitel -
Offenbarung der Gottheit Das zweite Kapitel hebt damit an, daß es Einblick in
den Werdeprozeß der Schöpfung zu geben sucht. Das Feuer als Inbegriff des
ersten, das Licht als Manifestation des zweiten Prinzips werden zu
»Gebärerinnen« (2,4). Ihnen liegt ein »Modell« (Urbild) zugrunde, wodurch
Übersinnlich-Unanschauliches anschaubar wird. Kapitel 2,2 macht deutlich,
welcher Art diese prägende Form — Böhme mag bei »Model« an die von der
Backstube her bekannte Form gedacht haben — ist, wenn gesagt wird, »daß die
Ewigkeit in einer immerwährenden Magia stehet«. Gemeint ist ein
Geheimniszustand; gemeint ist der Bereich der Urbilder, die über der
Stoffeswelt (Sulphur, Mercurius) stehen und in diese herabwirken. Und wenn Böhme von dem »Lüstern« (Gelüsten) und von dem
»Begehren der Liebe« spricht, so ist auf den energetisch dynamischen Aspekt
abgehoben. Eine wesentliche Erkenntnis spricht aus 2,3, wonach das Bild von
Mensch und Engel dadurch ist, daß es »in Gottes Weisheit« erschaut wurde. Wie
Gottes Weisheit sie sieht, so sind sie gestaltet. Menschliches Sein ist
aufgehoben im Schauen Gottes, in dem, wie Gott auf den Menschen blickt. Eine
solche Wendung lädt dazu ein, bedacht und erwogen zu werden. Entsprechendes
gilt von der dunklen Seite der Wirklichkeit. Vom Grund und »Ungrund« her spricht das göttliche
Schöpferwort »Verbum Fiat« sein »Es werde! «Damit tut sich der Wille des
Vatergottes in Taten kund (2,5). Es ist der von Böhme an vielen Stellen
hervorgehobene »begehrende Wille zur Kreatur und zur Offenbarung der
Gottheit«, hinter den keine menschliche Spekulation zurückzugreifen vermag. Um so mehr »haben wir Macht«, von der Schöpfung zu
reden. Das ist der dem Menschen anvertraute Bereich. Hier wirken sich die schöpferischen
Qualitäten und die sieben Naturgeister (2,6) aus. Wichtig ist für Böhme, daß
sie — etwa analog zu der unteren Siebenheit im kabbalistischen Sefirot Baum —
nicht aus irdischer Materie gewoben sind, sondern »aus Gottes Essenz«, als
Emanationen oder »Ausflüsse« der Gottheit selbst. Hier sei vermerkt, wie
dieser Aspekt in der christlichen Kabbala, namentlich bei dem großen
schwäbischen Böhme-Schüler des 18. Jahrhunderts, Friedrich Christoph
Oetinger* eine wichtige Rolle spielt. *) Gerhard
Wehr: Die deutsche Mystik, O. W. Barth Verlag, München 1988, S. 287 ff. Weitere Erwägungen sind dem tragischen Fall gewidmet,
der gemäß Böhmes Überzeugung vor dem menschlichen Sündenfall auf der
übersinnlichen Ebene stattfand, als sich der Lichtengel »König Luzifer« dem
»Licht der Majestät« widersetzte und damit eine »feindliche Anzündung« (2,8)
erzeugte, deren Folgen in den Kreaturreichen abzulesen sind. Die Antwort
Gottes auf das so eingetretene Unheil, das Böhme in seinen Schriften mehrfach
beklagt, ist eine Bewegung des Herzens Gottes: Christus wird Mensch. Dieser
Akt der göttlichen Zuwendung bedeutet einerseits die Heimholung des
gefallenen Menschenbildes in seinen ursprünglichen Zustand. Andererseits
gründet darin eine Erneuerung seines Erkenntnislebens und -vermögens
(2,11f.). Verborgenes wird offenbar, das Geheimnis erschließt sich. Böhme spricht von der »Einernte«. Es steht wohl vor ihm
das Bild, wie er es vom bäuerlichen Elternhaus in Altseidenberg her aus
unmittelbarer Anschauung kennt: Was unter Sonne und Regen gereift ist, das
wird endlich heimgeholt. Der Bauer sammelt den Ertrag seines Mühens, aber
auch das Geschenk seines Schöpfers mit der Ernte ein. Und eben dieses Bild
ist für den Görlitzer Meister eschatologisch-endzeitlich gefüllt. Ihm wird
der große Ernst der Stunde bewußt. »Die Tenne soll gefegt werden«, eine
biblische Metapher, besagt, daß der Prozeß in ein zweites Stadium tritt, wenn
— nämlich beim Dreschen — die Spreu vom Weizen gesondert wird. Prophetisches
Bewußtsein artikuliert sich: »Der Tag bricht an!« (2,12). Es ist der Tag,
dessen »Morgenröte« emporsteigt! Und angesichts dieses Tages überblickt Böhme (2,13f.)
den Schicksalsgang des Menschen, seinen Weg vom Urstand im Licht zur
Aufspaltung in die Zweiheit der Geschlechter. Freilich, und daran hält Böhme
konsequent fest: »die edle Seele« ist dem Menschen trotz Trennung und
Sündenfall geblieben. Um dieser Tatsache willen war die Menschwerdung Christi
gerechtfertigt. Der Mensch ist mehr, als er erscheint. Darüber läßt Böhme
keinen Zweifel aufkommen. 3. Kapitel -
Die Pforte der Schöpfung des Menschen Sich »mit Gott zu ergötzen« (zu erfreuen), das ist ein
bewegendes Motiv für Böhmes Schreiben und Publizieren (3,1). Aus diesem
Bewegtwerden heraus setzt er zu einer Darstellung des Prozesses der Selbstoffenbarung
und der Schöpfung an: Der in allen drei Prinzipien erschaffene Mensch nimmt
seinen Ausgang aus diesem Vorgang der Selbstoffenbarung Gottes. Was nun die
göttliche Welt hervorgebracht hat und was bis in die »finstere Qual(ität)«
herabgestiegen ist, das bedurfte jener endlichen Heimholung (Kap. 2), dank
der Menschwerdung Christi. Stehen am Anfang der Betätigung des »begehrenden
Willens« nur die beiden einander polar entgegengesetzten Prinzipien von Feuer
und Wasser, so ist es Luzifer (3,11), dessen Aktivität den Verfestigungs- und
Materialisationsprozeß der Schöpfung mitbewirkt. Damit tritt das dritte
Prinzip in Erscheinung, nämlich in der Entfaltung der irdischen Welt als
einer »Leiblichkeit«. Dahin tendiert der Selbstoffenbarungswille Gottes. Oetinger
bringt diese Einsicht in seinem 1776 veröffentlichen Spätwerk Biblisches und
Emblematisches Wörterbuch auf den klassischen Nenner: »Leiblichkeit ist das
Ende der Werke Gottes.« Der schwäbische Theosoph bezieht sich dabei nicht
allein auf Böhme, sondern, wie er ausdrücklich vermerkt, auf das 20. Kapitel
der Johannes-Offenbarung, wo von der Stadt des himmlischen Jerusalem die Rede
ist. Eine wesentliche Aussage ist zweifellos die (3,12), daß
der Mensch die Stelle Luzifers eingenommen habe, Grund genug, den Angriffen
des Widergöttlichen ausgesetzt zu sein. Das Widergöttliche enthüllt sich
darin als ein Widermenschliches. Der Mensch selbst — Böhme leitet das Wort
von »Mesch« und von »mischen« ab (3,13) — wird zu einem Mischwesen, zu einem
Bürger zweier Welten, der inneren und der äußeren Welt. Von daher also leitet
er das Werden des Menschenwesens ab (3,14 f), wobei er daran festhält, daß
auch die menschliche Leiblichkeit paradiesischer Abkunft sei und nicht etwa
das Mängelprodukt eines bösen Weltschöpfers. Durch Vermittlung der drei
Prinzipien ist der Mensch sowohl mit dem trinitarischen Gott als auch mit der
dreigliedrigen Schöpfung verwoben. Eine Sonderstellung nimmt die Seele ein. Ihretwegen
wurde Gott Mensch, weil sie »ein Feuerauge oder ein Feuerspiegel« (3,21)
Gottes ist. Deshalb kann und darf sie nicht verlorengehen. Schließlich ist der Mensch als Träger des Geistes
dieser Welt (3,23) dazu ersehen, die Schöpfung erkennend und handelnd,
verwandelnd zu ergreifen. An vielen Stellen, so auch hier, spielt Böhme auf
die androgyne, männlich-weibliche Urgestalt an. Sie ist Ausdruck seiner
ursprünglichen Ganzheit und Majestät. Innere und äußere, die spirituelle und
die materielle Wesensseite gehören aufs innigste zusammen. Böhme ist damit
weit entfernt von einer dualistischen Aufspaltung der anthropologischen
Wirklichkeit. Und das ist auch der Grund, weshalb ihm soviel daran liegt,
dieses zerstörte Urbild wiederhergestellt zu sehen. 4. Kapitel -
Von dem paradeisischen Wesen Wie ist es denn möglich, den Zugang zum verlorenen
Paradeis aufs neue zu eröffnen? Mit dieser Frage, die Böhme in der
Solidarität mit den »armen Evas-Kindern« stellt, setzt er im 4. Kapitel seine
Betrachtungen fort. Dabei ist ihm von vornherein klar, daß es nicht um einen
Akt der Selbstbefreiung des Menschen gehen kann, sondern um den des »rechten
Türhüters«, der den Schlüssel hat, »aufzuschließen« (4,2). Das bedeutet freilich nicht Verzicht auf das eigene
Tun. Es ist vielmehr die Voraussetzung des Menschen, seine alte Seinsweise
und Bewußtseinsart aufzugeben. Sie ist ihrerseits Voraussetzung der
Wiedergeburt. Im gleichen Zusammenhang ist es Böhme darum zu tun, eine
Menschenkunde zu begründen, die dem Geistursprung und der Bestimmung des
Menschen gerecht wird (4,6). Und weil Böhme eine innere Beziehung zwischen Mensch
und Materie, namentlich mit der »metallischen Tinktur«, das heißt der
Wesenheit des Metallischen, sieht, deshalb ist sein knapper Hinweis auf die
Voraussetzung der »neuen Wiedergeburt in Christo« auch für das alchymistische
Laborieren von großer Bedeutung. Wiedergeburt und Naturerkennen
korrespondieren demnach miteinander (4,10 f). Es ist nicht gleichgültig, in
welcher Gesinnung, vor allem in welcher geistig-seelischen Verfassung und
Reife, der Mensch an die Natur herantritt — in deutlichem Unterschied zur
»voraussetzungslosen« Naturwissenschaft. Alchymie erschöpft sich demnach
nicht im Hantieren mit Stoffen und Apparaturen. Stoffesumwandlung und
Selbstverwandlung gehören zusammen. Entsprechendes gilt von dem Wesen der Nahrung (4,12 f),
die einerseits einen natürlichen, andererseits einen übernatürlichen Aspekt
an sich hat, zumal Gott und Welt, Zeit und Ewigkeit »in sich wie
verschlungen« scheinen (4,14). Hier taucht der Begriff des »himmlischen
Kraftleibes« (4,15) als einer Substantialität auf, die als Wesensausdruck der
überzeitlichen Abkunft des Menschen zu gelten hat. Diese Substantialität
hängt aufs engste mit einer Moralität zusammen, die Abkehr vom Alten Adam und
neues »Geborenwerden« in sich schließt. 5. Kapitel -
Vom Fall des Menschen Wer sich in die Böhme-Lektüre vertieft, der findet bald
heraus, daß es der Eigenart seines Denkens und Darstellens entspricht, nicht
etwa einen geradlinigen Gedankenfortschritt anzustreben. Sein Denken
vollzieht sich in Kreisen und in der Art von Spiralen. Er kehrt daher zu
bereits Gesagtem zurück, umkreist das Gemeinte, formuliert neu und regt
dadurch den Leser zu einem tieferen Erfassen an. Das 5. Kapitel, in dem der Autor die Gründe der
Menschwerdung nochmals aufzudecken sucht, folgt dieser Zirkelstruktur.
Bereits Bekanntes wird neu in Worte und Gleichnisse gekleidet. Eine innere
Notwendigkeit besteht darin, daß der zu schildernde Werdeprozeß selbst einem
Zirkel folgt, wie es in dem großen Abschnitt 5,4 auf die treffende Formel
gebracht ist: »Wenn der Anfang das Ende erreichet, daß das Letzte das Erste
tritt, so ist alles vollbracht und ganz. « Der Kreis schließt sich — dies ist
eine kosmologische, eine anthropologische und selbst eine
literarisch-kompositionelle Tatsache. Inhalt und Aussageform bilden eine
Einheit. Auf diese Kreisbewegung hat sich der Leser einzustellen. Böhme arbeitet vielfach mit Entsprechungen. Ein
Beispiel dafür ist der Abschnitt 5‚6, in dem die innere Korrespondenz
zwischen Altem und Neuem Testament hervorgehoben ist, manchmal — z.B. bei der
Versuchung Adams — sogar in der Weise, daß der Autor vom neutestamentlichen
Bericht ins Alte Testament zurückprojiziert. In unserem Zusammenhang geht es
darum, zu zeigen, wie das Schicksal des menschlichen Falles mit der Beziehung
des Menschen zu sich selbst, zur Welt und zu Gott zu tun hat (5,7 ff). Das
Essen und das Zeugen des Menschen sind in gleicher Weise davon betroffen. Der
Abstieg besteht darin, daß der Mensch den Bereich des göttlichen Geistes
verläßt und in den eintritt, der durch den »Sternen- und Elementen-Geist«
(5,9) beherrscht wird. Dann nimmt das Geschehen seinen Lauf, das
Menschengeschick (Zweiheit der Geschlechter) und Heilsgeschehen (Christus als
der »Schlangentreter«) aufeinander bezieht. Böhme hat hin und wieder das Bedürfnis, auf den
Einspruch der »Vernunft« — gemeint ist jedoch der irdisch-rationale Verstand!
— zu antworten — sei es, weil er den Widerspruch seiner Kritiker nicht
wortlos hinnehmen will, sei es, weil er eigener Skepsis zu begegnen sucht
(5,11 ff). So läßt er den Leser an dem Spruch und Widerspruch teilhaben, der
in ihm laut wird. Dieses Ringen zielt darauf hin, die »tote Vernunft« zu
beleben, ihr die angeborene Blindheit zu nehmen, damit sie »recht mit
magischen Augen« (5,13) zu sehen vermöge, nämlich als ein »liebes suchendes
Gemüte«, das den Lichtspuren Gottes nachdenkt (5,15) und das dabei der
Dynamik des Feuer-Prinzips gewahr wird, das allem Sein zugrundeliegt. Und in
diesem seinem eigenen Suchen sieht sich der Schauende mit dem
»Magisch-Ungründlichen« — In begriff des »begehrenden Willens« — konfrontiert
(5,17). Dieser Wille ist es, der alles Seiende ins Werden und Wesen ruft. Das größte Ereignis, zugleich das »größte Geheimnis«
der Taten Gottes, ist der Mensch, insofern Urstand, Fall und Wiederbringung
(durch den »Wiedergebärer« Christus) die wichtigsten Stadien seines Weges
darstellen (5,23). Und was in seinem Buch Von
der Gnadenwahl* mit großer Eindringlichkeit gesagt ist, gilt auch hier:
Gott will, daß allen Menschen zu ewigem Heil geholfen werde; der Mensch ist
seinerseits frei, dieses Heil zu ergreifen; — »bist du doch dein selbst
eigener Macher« (5,25). Daraus resultiert der Appell zu einer ziel- und
zuchtvollen Lebensführung: »Es ist ein jeder Mensch sein eigener Gott und
auch sein eigener Teufel . . .« (5,26). * Jakob Böhme:
Von der
Gnadenwahl. Kommentierte
Neuausgabe. Insel Verlag, Frankfurt 1995 (it 1738). 6. Kapitel -
Von Adams Schlafe Die von Böhme immer wieder mit Erschütterung und Trauer
festgestellte Tatsache ist die des tragischen Falles, den der biblische
Mythos als den Sündenfall des Menschen so eindrücklich ins Bild gesetzt hat.
Der Mensch kommt eigentlich erst dadurch auf dem irdischen Plan an, auf der
Ebene des »dritten Prinzips«, und damit im Bereich der vier Elemente. Mit
ihnen ist er jedoch nicht identisch (6,2). Sein wahres Wesen ist verborgen.
Eine wichtige anthropologisch-christosophische Aussage ist zweifellos die,
daß »der teure Name Jesu« Wesensbestandteil Adams war, herausgeboren aus der
»Jungfrau der Weisheit Gottes« (6,2). Wieder begegnen wir einer typologischen Entsprechung,
die bereits vom paulinischen Römerbrief her bekannt ist: Christus ist der
zweite Adam. Daher entspricht für Böhme dem Schlaf Adams der dreitägige Todesschlaf
Christi, wo durch die innere Korrespondenz erneut unterstrichen werden soll.
Auf diese Tatsache mag sich der stützen, der sich mit der Lebensmacht Christi
verbindet (6,3). Diese Lebensmacht Christi ist dem Menschen
»eingebildet«, das heißt mit dem Wesenskern des Menschen verschmolzen. (Böhme
sagt »Jesus«, wenn er den gegenwärtigen Christusgeist meint.) Sie verbürgt
die Wiederherstellung der verlorenen Ganzheit. Damit ist im besonderen jene
Ganzheit gemeint, die verloren ging, die im Schlafe Adams zur Ausgestaltung
Evas und damit zur Aufspaltung des einen Menschen in die Zweiheit der
Geschlechter geführt hat (6,6 f.). Damit ist das für Böhme wichtige Thema des
Androgyn-Problems aufgeworfen. Aus dem Zusammenhang wird deutlich, wie eben
diese Wiederherstellung der männlich-weiblichen Ganzheit (Androgynie) die
»Menschwerdung Jesu Christi« zur Voraussetzung hat. Anthropologie und
Christologie sind somit aufs engste miteinander verwoben.* *) Gerhard Wehr: Der Urmensch und der Mensch der Zukunft. Das Androgynproblem im Lichte der Anthroposophie Rudolf Steiners.
Verlag Die Kommenden, Freiburg. 2. erg. Aufl. i979, ders.: Heilige Hochzeit.
Kösel Verlag München 1986. Das Hervorgehen der Eva aus der Seite des schlafenden
Adam und die Seitenwunde des gekreuzigten Jesus entsprechen einander; Adam
wurde dadurch wieder »heil« (6,8). Damit ist das Mysterium der menschlichen
Geschlechtlichkeit berührt. Böhme ist sich der die Einzelperson
transzendierenden Triebkraft wohl bewußt. Gleichzeitig weiß er auch um das
Unvermögen der Sexualität, den Geschlechterzwiespalt auf Dauer zu überbrücken
(6,10 f.). Dennoch ist »die Tinktur (des Geschlechtlichen) ein ewig Wesen«
(6,12). Und eben darin gründet der qualitative Unterschied menschlicher und
tierischer Sexualität. Ein anderer, bei Böhme immer wieder behandelter Aspekt
ist schließlich der der Jungfräulichkeit (6,14 ff). Dabei ist sein Blick
primär auf das Mysterium der Jungfräulichkeit gerichtet, die durch die
Jungfrau Sophia, die »Weisheit Gottes«, repräsentiert wird. Jungfräulich ist
derjenige, der an dieser Gottesweisheit teilhat oder der sie — durch die
Christuseinwohnung — wieder erlangt. Sie ist die kostbare »Perle«, von der
das Evangelium im Gleichnis spricht. 7. Kapitel -
Vom verheißenen Weibessamen und Schlangentreter Böhme setzt in den folgenden Kapiteln seine
typologische Deutung fort, indem er das alttestamentliche Bild vom Verlust
der ursprünglichen Gottebenbildlichkeit des Menschen durch das des Heiles,
das Christus gebracht hat, ergänzt (7,1 ff). Nochmals greift Böhme das Thema
der Geschlechtlichkeit auf, wenn er (7,5ff.) der verlorenen inneren
Weiblichkeit die äußere der »bösen widerwärtigen irdischen Frau«
gegenüberstellt. Dabei kommt es ihm, wie wir im 6. Kapitel gesehen haben,
weniger darauf an, die menschliche Geschlechtlichkeit als solche zu
diffamieren, als die Tragweite des Verlustes sichtbar zu machen. Böhme will —
im deutlichen Gegensatz zu manchen seiner Epigonen — die Freude der
geschlechtlichen Erfüllung offensichtlich nicht in Frage stellen, »da doch ja
etwas vom Paradeis (darin) ist« (7,6). Und so wie Mose als Repräsentant des alttestamentlichen
Opferwesens auftrat, so erfüllte Christus diese Verheißung durch die
Hinopferung seines eigenen Lebens — Böhme mag dabei an die Kultustheologie
gedacht haben, die der neutestamentliche Hebräerbrief entfaltet hat. Was im 6. Kapitel zur Geschlechter-Metaphysik gesagt
ist, findet 7,13 ff. seine Ergänzung. Man wird das zum Verhältnis von Mann
und Frau Gesagte nicht als Ausfluß eines verengt-patriarchalischen Denkens ansehen
sollen, da Böhme das Urbild der männlich-weiblichen Ganzheit im Blick behält:
»Das Weib gehöret in den Mann«, und nur der Mensch als »männliche Jungfrau«,
also nicht als Mann oder als Frau, erlangt das Reich Gottes. Das Gebot, der
Mann möge sein Weib lieben als seinen »Rosengarten«, mag über manches
Zeitbedingte in der Einschätzung der Frau bei Böhme hinwegsehen lassen … 8. und 9.
Kapitel - Von der Jungfrauen Maria Auf den ersten Blick mag es verwundern, daß der
Protestant auch und gerade die »Jungfrau Maria« zum Gegenstand seiner
Betrachtung macht. Andererseits liegt Böhmes Bedeutung darin, daß er eben
solchen traditionellen Vorbehalten zum Trotz die Bedeutung Mariens und des
Weiblichen im Heilsgeschehen viel stärker zur Geltung bringt, als es aus dem
Protestantismus heraus zu erwarten ist. Dabei ist Maria nicht etwa mit der
Jungfrau Sophia identisch. Maria ist eher das menschliche Instrument, durch das
Jesus als Träger »beider Tinkturen« der Menschheit zum Heil geschenkt werden
kann, und zwar mit der Wirkung, daß er »vollkommen wie Adam« sei (8,3 ff). So
gesehen wird »der erste Mensch« (Adam) wieder lebendig. Dieser
Vermittlertätigkeit wegen stuft Böhme Maria »hoch« ein (8,5), jedoch ohne sie
zur »Göttin« zu machen oder einem hypertrophen Marienkultus das Wort zu
reden. Vor einem derartigen Mißverständnis ist Böhme
geschützt, weil er die alles umgreifende »Bewegung« des Wortes, die aus den
Tiefen der Gottheit kommt, im Blick behält. In dieser Bewegung wendet sich
Gott der erlösungsbedürftigen Menschheit zu: »Die Gottheit hat gelüstert,
Fleisch und Blut zu werden.« Auch dieses sich Herabneigen — die Theologie
spricht von der Kondeszendenz Gottes — bedarf einer Absicherung. Für Böhme
ist klar, daß der sich manifestierende Gott, obwohl er sich ganz und nicht
etwa nur partiell gibt, Geist bleibt (8,8). Böhme ist demnach nicht bereit,
einem nivellierenden Pantheismus (deus sive natura) zu folgen. Für Böhme ist alles Fragen nach Gott immer auch mit dem
Mysterium des Menschen verknüpft. Seine Theosophie mündet ein in
Anthroposophie (Weisheit vom Menschen) gemäß 9,1. Das Zeitliche, Leibliche
»hängt« am Ewigen, Geistigen (9,7). Dahin, zur völligen Integration mit
seinem Urstand, soll der Mensch gelangen. Anthropologisch-spirituell gesehen
ist es die Wiederherstellung der »Jungfrauschaft« (9,9) Nun kommt es immer
auch entscheidend, mitentscheidend, darauf an, daß der »Seelengeist«,
bisweilen auch »Willengeist« genannt, bereit ist, sich in das neue Sein
»hineinzubegeben« (9,12). Daß der Mensch auf Christus hin angelegt sei, »ehe
der Welt Grund gelegt ward« (9,13), wird mehrfach hervorgehoben. Daher ist
die Freude für den überschwenglich groß, der in, mit und durch Christus das
verlorene Wesensbild als seine innere Weiblichkeit empfängt und sich mit ihr
zu neuer Vollmenschlichkeit vermählt (9,25). Böhme zögert nicht, seine Freude
darüber mitschwingen zu lassen. 10. Kapitel -
Von der Geburt Jesu Christi Was Adam auf dem Wege einer magischen
Selbstschwängerung und -zeugung hervorbringen sollte, jedoch nicht vermochte
(10,1-5), das wurde der Jungfrau Maria aufgetragen und von ihr erfüllt. Dabei
war es »die himmlische, göttliche Wesenheit« Christi, die zur Arznei der
»irdischen, halbertöteten« Wesenheit des Menschen wurde. Das unausdeutbare Mysterium aber liegt darin, daß
einerseits ein »vollkommener Mensch« Gestalt annahm, andererseits Christi
Gottheit davon unangetastet blieb (10,9). Und dieser Christus — gemäß Luthers
Kleinem Katechismus »wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch
wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren« — ging den Weg der
totalen Menschwerdung, um den Menschen auf eben diese Weise einer natürlichen
Abkunft und Geburt aus dem Bereich des Irdisch-Vergänglichen herauszuführen. Man sieht, wie sehr Böhme in zentralen,
christologischen Aussagen an den Inhalten des kirchlichen Dogmas festhält.
Besondere Beachtung verdient zweifellos jene Deutung, in der er (10,12) die
irdisch-kosmische Tatsache der Christuserscheinung zu verdeutlichen sucht:
»Also hat die Erde Christi Blut empfangen« — eine Kommunion planetarischen
Ausmaßes, ein alchymistisch-sakramentaler Akt, der einer spirituellen
Kraftmitteilung gleichkommt! Des Todes Tod wird Ereignis, Ereignis wird der
Lebensimpuls des kosmischen Christus. Es war im besonderen Rudolf Steiner,
der im Rahmen seiner esoterischen Lehrmitteilungen diesen Aspekt des
Christusimpulses zu Geltung gebracht hat.* *) Vgl. hierzu
Gerhard Wehr: Rudolf
Steiner. 2. erw.
Auflage 1987. Kösel Verlag München. 11. Kapitel -
Von der Nutzbarkeit Das ist das unauslöschbare Siegel menschlicher
Existenz: in Adam erstorben, dem Tode verfallen zu sein (11,1). Doch es ist
nur der eine Anfang einer Tatsachenkette. Der andere beginnt mit der
Menschwerdung Jesu Christi. Zwei Elemente bestimmen auch die menschliche Seele:
einmal als Ausgeburt aus der »ewigen Essenz des Geistes Gottes« und als
Träger des Lebens (11,3), zum andern als Objekt des sie infizierenden Teufels
(11,4). Sie ist das Schlachtfeld, auf dem die »zwei Reiche« miteinander im
Streit liegen (11,6). Sie ist aber auch die Stätte, an der sich Gott und
Mensch vereinigen. Wenn Böhme in diesem Zusammenhang (11,8) darauf hinweist,
Glaube sei »nicht historisch«, so will er damit hervorheben, daß es beim
christlichen Glauben nicht etwa um eine belanglose Historie, um das
Für-wahr-Halten einer alten Geschichte gehe, sondern vielmehr um eine
geist-konkrete Teilhabe des Menschen an dem Wesen Gottes: »Die schöne Blume und Bildnis (unseres Urstandes) soll
aus dem verderbten Acker wachsen ...« (11,9). 12. Kapitel -
Von der reinen Jungfrauschaft Immer wieder umkreist Jakob Böhme das Ideenbild des
Jung fräulichen. Es ist für ihn Urbild, Sehnsucht und Zielbild auf dem Wege
der menschlich-menschheitl:ichen Ganzwerdung. Dabei stellt sich der »äußeren
Vernunft« die Frage nach dem Wie dieses Integrationsvorgangs. Und hier ist
von Belang, daß Böhme nicht etwa einer rigorosen, geschlechtlichen
Enthaltsamkeit das Wort redet, wie wir es bei seinen geistigen Nachfahren
Gichtel, Wirz und anderen antreffen. Eher geht es ihm darum, die Fixierung
auf die nur sexuell gefärbte Liebe um der Ganzwerdung »in dem einigen Bilde«
(12,3) willen zu überwinden. Böhme rechnet mit der Wiederherstellung der »reinen
Liebe aus dem Hl. Geist«, die durch die »Entzündung« Luzifers an die »irdische,
verderbte Sucht« gekettet wurde, »eingeschlossen in die verderbte Irdigkeit«
(12,7). Dieser Tatbestand ist für Böhme Anlaß genug, ein weiteres Mal die
Notwendigkeit der Reaktivierung der »im Tod eingeschlossenen Jungfrauschaft«
zu erläutern (12,10 ff.), ausgehend von der Bewegung der Gottheit bis hin zur
Einführung des »neuen Bildnisses«, damit »Gott und Mensch ewig eine Person«
seien (12,13). Alles liegt nun daran, daß diese Menschwerdung Christi nicht
allein in Maria, sondern in jedem einzelnen geschehe (12,14 ff). In seinem
berühmten Cherubinischen Wandersmann hat Böhmes schlesischer Landsmann, der
»Angelus Silesius« Johann Scheffler dieser Einsicht und Forderung Ausdruck
verliehen, als er dort (I,61 f.) die klassischen Zweizeiler formte: Wird Christus tausendmal zu
Bethlehem geboren Und nicht in dir, du bleibst
noch ewiglich verloren. Das Kreuz von Golgatha kann
dich nicht von dem Bösen, Wo es nicht auch in dir wird
aufgericht‘, erlösen.* *) Angelus
Silesius: Der Himmel ist in dir. (Klassiker der Meditation). Ausgewählt und
eingeleitet von Gerhard Wehr. Benziger Verlag Zürich 1982 (Neuauflage). Glaube und Wiedergeburt hat Böhme an vielen Stellen
durch Vergleiche und Metaphern veranschaulicht, die dem Bereich des
Wachstümlichen entnommen sind: Da ist die Rede vom Ausgrünen, Aufblühen,
Emporwachsen: »... so wächset die schöne Lilie aus, nicht allein ein Geist,
sondern das jungfräuliche Bild wird aus dem Tode ins Leben geboren« (12,20).
Dieses Bild von der Lilien, die »über Berg und Tal« in allen Landen blüht,
wird schließlich zum Symbol erhoben, stellt doch Böhme der gleichzeitigen
rosenkreuzerischen Generalreformation im Zeichen von Kreuz und Rose diese
seine herbeigesehnte Reformation im Zeichen der Lilie gegenüber: »Das neue
Leben sollte aus dem Tode grünen« — das ist Meditationsbild und Programm in
einem. Von daher gewinnt Böhme ein neues Existenzverständnis, »denn in
Christi Geist werden wir wiedergeboren« (12,21). Bemerkenswert, daß der alte
Adam »nicht so ganz und gar« weggeworfen werden müsse (12,22). Auch darin
walten Gesetzmäßigkeiten des organischen Werdens, die freilich über sich
hinausweisen und eben dadurch symbolischen Rang erreichen. Ins Zentrum der Christusmystik lenken schließlich die
Abschnitte (12,22 ff) ein, wo das Werk und der Weg Christi als ein Wirken und
als ein Gehen mit Christus und in Christus gedeutet wird. 13. Kapitel -
Vom zweifachen Menschen Böhme läßt keinen Zweifel darüber aufkommen, daß das
Christusereignis — Christus als der andere, der neue Adam — die Basis einer
neuen Erkenntnis und einer neuen Wertordnung darstellt. Es macht daher auf
den seiner Sendung durchaus bewußten Görlitzer Meister derjenige keinerlei
Eindruck, der zwar über »Kunst und Forschen« verfügt, das
theologisch-wissenschaftliche Rüstzeug beherrscht, ohne jedoch selbst von der
Lebenstatsache des Christus ergriffen und verändert zu sein (13,1 ff.).
Deshalb Böhmes leidenschaftliches Plädoyer für die Geistesträger und wider
die beamteten »Geistbinder«. Der »Steinhaufe« kirchlicher Institution vermag
den Tempel, der allein der Christus ist, nicht zu ersetzen (13,3). Aus eigener leidvoller Erfahrung spricht der Autor dort
(13,7 und 13,11), wo er von dem »Streit« berichtet, der in dem Augenblick
beginnt, in dem der Prozeß des »Ausgrünens« anfängt. Ungeachtet dessen, ja
gerade mitten im Streit und unter »Stürmen« (13,11), wächst »der edle
Lilienzweig« des inneren Menschen (13,8), vor ihm ist der »Tag der
Wiederbringung«, das heißt der Wiederherstellung des gestürzten
Menschenbildes. »Menschwerdung« (13,9) ist für Böhme demnach nicht allein ein
christologischer Tatbestand, sondern ein spirituell-anthropologischer, ein
auf den Menschen selbst bezogener. Der Christusprozeß ist sein Prozeß. Hat sich das Bild vom Menschen als eines Bürgers zweier
Welten eingeprägt, so weist der trinitarische Denker Böhme daraufhin, daß der
Mensch im Grunde ein Bürger dreier Welten sei, insofern er teilhat an
den Wirkfeldern der drei göttlichen Prinzipien (13,12). Noch wichtiger ist
für unseren Autor die Fähigkeit des Menschen, sich frei zu entscheiden, für
das Zorn-Feuer oder für das Liebe-Licht (13,13). Diese vor allem in dem Buch Von der Gnadenwahl vertretene Ansicht
muß Böhme mit solcher Entschiedenheit verfechten, weil er den Menschen auf
die »Pilgrimsstraße« eines spirituellen Weges gestellt sieht. Da sind
Entscheidungen nötig, die keinem abgenommen werden können. Schon das Betreten
dieser Straße bedeutet eine derartige Entscheidung, ganz zu schweigen von der
bewußten Übernahme der Prüfungen, die die Christusnachfolge mit sich bringt
(13,14). 14. Kapitel -
Von der neuen Wiedergeburt Im Grunde gipfelt der Weg des Menschen darin. Dieses
Ziel, die Sehnsucht nach dem »rechten Vaterland«, stellt somit die
unablässige Antriebskraft für den »Pilgrim« dar (14,1). Und als einer, der
die Bahn selbst durchlaufen hat, kennt Böhme die Zweifel und Unsicherheiten,
zumal das erhoffte Ergebnis dieses Mühens ungewiß bleibt. Ein eindrucksvolles Bild: »Wir gebären also mit großem
Sehnen in Ängsten« (14,2 f). Deshalb sieht Böhme die Notwendigkeit, sich und
seinen spirituellen Schülern immer wieder einzuprägen, daß das erstrebte Gold
im »groben Stein« verborgen und daß der eine des andern Behälter sei (14,4),
so unähnlich die beiden einander auch sein mögen. Wenn an dieser Stelle
gesagt wird, das im Gewand alchymistischer Vorstellungen Angedeutete sei »in
anderen Schriften genug erkläret worden«, so dürfte Böhme nicht nur an seine
eigenen denken, sondern vor allem an alchymistisches Schrifttum seiner Zeit.
Namentlich den wichtigen Wasserstein
der Weisen empfiehlt Böhme in seinen »Theosophischen Sendbriefen« (vom 6.
Juli 1622).* *) Eine
Faksimile-Ausgabe des Druckes von 1661 legte der Aurum Verlag Freiburg 1977
vor. Wie gut Böhme mit alchymistischen Vorstellungen
vertraut ist, zeigt schließlich die Art, wie er deren Symbolik auf den
Werdeprozeß des Menschen anwendet. Und weil echte Symbolik die Verbindung
eines Geistigen mit einem Irdisch- Konkreten darstellt, deshalb bemüht sich
Böhme darum, die Leiblichkeit des neuen Menschen eigens hervorzuheben (14,6).
Letztlich geht es ihm darum, den Realitätscharakter des durch die
Wiedergeburt zu erlangenden neuen Seins zu erweisen. Und dieses neue Sein
steht bereits im Licht einer Weltenwende. Deshalb der prophetisch
eschatologische Ton, mit dem der Autor den ersten Teil seines Buches
schließt, nämlich daß »die Zeit nahe ist und der Tag anbreche«. Das ist die
Stimme eines prophetischen Mahners, der als Schriftsteller und als
Seelenführer die Botschaft vom Anbruch der Morgenröte zu verkünden hat. ZWEITER UND DRITTER TEIL
Werfen wir noch einen Blick auf einige Abschnitte aus
den beiden kürzeren Teilen 2 und 3 des Buches Von der Mensch werdung Jesu Christi, dann dürfen an erster Stelle
jene genannt werden, wo 2-1,8 ff. nochmals ein Ideenbild vom göttlichen
Ungrund (vor aller Schöpfung), von dem in allen Wesen sich manifestierenden
Willen und von der göttlichen Sophia (Weisheit) gesprochen wird, die als
»Spiegel aller Wesen« diese Wesen zur Offenbarung und zum Bewußtsein bringt. Nicht immer erreicht Böhme in seinen Darstellungen
einen solchen Grad an Klarheit wie hier. Dabei muß sich der Leser vor Augen
halten, daß hier der Theosoph redet, das heißt jener Jakob Böhme, dessen
schauendes Auge in die Tiefen der Gotteswelt eindringt, während noch nicht
von Schöpfung und Menschheit gesprochen werden kann. Es ist, als ob allein
das wahrnehmende Auge des Schauenden da sei, in dem sich das Geschaute
spiegelt. Und wie unangemessen jegliches Subjekt-Objekt-Denken ist, deutet
der Autor dadurch an, daß er dem Willen vor dem Sehen (2-1,10) eine allem
übergeordnete Rolle zuweist. Von diesem begehrenden Willen in Gott nimmt der
gesamte theogonische Prozeß des aus dem Ungrund heraustretenden Gottes seinen
Anfang (2-2,1). Böhme muß immer wieder, so auch hier, das Wagnis
eingehen, das Unvergleichliche, das vor aller Schöpfung und Geschichte sich
»Abspielende« durch geschöpfliche Bilder und Vergleiche zu veranschaulichen.
Damit stellt er den betrachtenden Leser vor große Probleme, die am ehesten
durch eine meditative Bewußtseinseinstellung »gelöst« werden können. Es ist
ja Gott selber, der begehrt, »sich zu offenbaren, sich zu ergründen« (2-3,3).
Wie und unter welchen dramatischen Begleitumständen diese Offenbarung
geschieht, das darzustellen ist Böhmes Bemühen, wenn er die Erscheinungsweise
des Willens als die Manifestation eines »Blitzes«, eines »Schracks«
schildert, um das jähe stoßartige Auftreffen des Willens auf den Bereich der
Erscheinungswelt — »als schlüge man Stahl und Stein aneinander« — sinnlich
wahrnehmbar abzubilden (2-4,13). Eine ungeheure, jeglichen Vergleich
übersteigende Dialektik wird Ereignis. Offenbar liegt ihm daran, daß der nach
Grund, Wesen und Ziel der Menschwerdung Fragende auch diese theogonischen
Vorgänge im Bewußtsein habe, um aus einer größtmöglichen Totalität heraus das
Heilsgeschehen von Menschheit und Einzelmensch zu begreifen und — was noch
wichtiger ist — zu ergreifen. Und gerade durch dieses Bemühen erweist sich
Jakob Böhme als ein universalistischer Denker. Aber wird er auch rezipiert, werden die Gleichnisbilder
mit ihren Tiefen und Untiefen auch aufgenommen und verarbeitet? Sehen wir
einmal von der tatsächlich erfolgten Böhme Rezeption ab, so schätzt der
seiner Sendung durchaus Bewußte seine Chancen nüchtern und realistisch ein:
»Meine Schriften wird nicht ein jeder nach meinem Sinn verstehen, ja auch
wohl nicht einer. Aber ein jeder empfähet nach seiner Gabe zu seiner
Besserung, einer mehr als der andere, nach dem der Geist seine Eigenschaft in
ihm hat« (2-7,5). Praktisch heißt das doch: Nicht darauf kommt es an, daß
Böhme in allen Punkten verstanden und die Ergebnisse seiner Erfahrung
übernommen werden. Darin unterscheidet sich ja gerade ein Seelenführer von
einem Agitator, der für eine bestimmte Weltanschauung oder Überzeugung wirbt.
Böhme will nicht zu sich und zu seinem Denken bekehren; er will »bessern«,
fördern, einen spirituellen Prozeß in Gang bringen, und zwar je nach der
individuellen Prägung jedes einzelnen. Diese Menschen hat Böhme auf der
»Pilgrim-Straße aus dem Tode ins Leben« zu führen (2-8,1). Deshalb zielt
Böhmes Schreiben und Lehren allein dahin, »wie wir uns müssen selber suchen,
machen und endlich finden, wie wir müssen gebären, daß wir ein Geist mit Gott
sind, daß Gott in uns sei und wir in Gott . . . « (2-10,7). Ohne einen energischen, opfervollen Streit »um das edle
Ritterkränzlein des Bildnisses Gottes zu fechten« (3-7,1) geht es nicht ab.
Darauf weisen nicht zuletzt die christosophischen Schriften hin, in denen
Böhme den zu durchlaufenden Prozeß der Wiedergeburt näher zu beschreiben
sucht.* *) Vgl. Jakob
Böhme: Christosophia. Ein christlicher Einweihungsweg. Insel Verlag,
Frankfurt 1991 (it 1412). Aber auch dort, wo der Görlitzer Meister die Stationen
des Innenwegs bezeichnet, versäumt er nicht, Mal um Mal den Auftrag an die
Erde in Erinnerung zu rufen. Das spirituelle Exerzitium, zu dem er rät, darf
niemals den Menschen seinem Erdenauftrag entfremden, denn es ist nicht so,
»daß diese Welt vor Gott nichts taugte oder nütze wäre: sie ist das große
Mysterium« (3-6,6). Und dieses Mysterium
Magnum — so lautet der Titel von Böhmes umfangreichstem Werk zum Buche
Genesis — gilt es mehr und mehr zu entdecken und erkennend, gestaltend zu
durchdringen. Denn: »Der Mensch ist zu dem Ende darein erschaffen worden, daß
er dasselbe Mysterium offenbare und die Wunder ans Licht und in Formen nach
der ewigen Weisheit bringe« (3-7,4). Der Mensch wird damit zu einem Mitarbeiter seines
Gottes. Ja selbst Christi Vollendungsweg wird, so betrachtet, zum Weg des
Menschen (3-8,1). Die Menschwerdung Jesu Christi ist die wahre Menschwerdung
des Menschen. Und eben darum geht es in diesem Buch Jakob Böhmes. ________ *
________ DE
INCARNATIONE VERBI oder VON DER
MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI in drei Teilen 1. Wie das ewige Wort sei worden. 2. Wie wir müssen in Christi Leiden, Sterben und Tod
eingehen und aus seinem Tode mit ihm und durch ihn auferstehen und seinem
Bilde ähnlich werden und ewig in ihm leben. 3. Der Baum des christlichen Glaubens. Ein rechter
Unterricht, wie der Mensch könne ein Geist mit Gott sein und was er tun
müsse, daß er Gottes Werk wirke. * *
* Wie das ewige Wort sei Mensch worden 1. Kapitel - Daß die Person Christi
wie auch seine Menschwerdung aus natürlicher Klugheit oder dem Buchstaben der
Hl. Schrift ohne göttliche Erleuchtung nicht könne erkannt werden. — Item:
Vom Urstande des ewigen göttlichen Wesens.
1-1,1 Als
Christus seine Jünger fragte: Wer sagen die Leute, daß des Menschensohn sei?
— antworteten sie ihm: Etliche sagen, du seiest Elias, etliche du seiest Johannes
der Täufer oder der Propheten einer. — Er fragte sie und sprach: Wer saget
denn ihr, daß ich sei? — Da antwortete Petrus ihm: Du bist Christus, des
lebendigen Gottes Sohn. — Und er antwortete ihm und sprach: Wahrlich, Fleisch
und Blut hat dir das nicht offenbaret, sondern mein Vater im Himmel, — und
verkündigte ihnen auf dieses sein Leiden, Sterben, Tod und Auferstehen (Matth
16,21), anzuzeigen, daß die eigene Vernunft in dieser Welt-Witze und Weisheit
die Person, welche Gott und Mensch war, nicht könnte in ihrer Vernunft
erkennen noch begreifen, sondern er würde meistenteils nur von denen recht
erkannt werden, welche sich würden ihm ganzlich einergeben und um seines
Namens willen Kreuz, Trübsal und Verfolgung leiden, welche ihm mit Ernst
anhangen würden. Als denn solches auch geschehen ist, daß er auch, weil er
noch sichtlich bei uns in dieser Welt wandelte, von den Vernunftwitzigen
wenigstenteils erkannt ward. Und obgleich er in göttlichen Wundern
einherging, so war doch die äußerliche Vernunft also blind und unverständig,
daß solche großen göttlichen Wunder von den Klügsten der Vernunftkunst dem
Teufel zugeschrieben worden. Und wie er zu der Zeit, als er in dieser Welt
sichtbarlich wandelte, ist von eigner Vernunft und Witz unerkannt blieben,
also ist und bleibet er nochmals der äu ßern Vernunft unbekannt und
unerkannt. 1-1,2 Aus
diesem ist so viel Zank und Streit um seine Person worden, daß je die
äußerliche Vernunft vermeinte zu ergründen, was Gott und Mensch sei, wie Gott
und Mensch können eine Person sein, welcher Streit den Erdkreis erfüllet hat,
da die eigene Vernunft je gemeinet, sie habe das Perllein (das Wesentliche)
ergriffen, und nicht dabei bedacht, daß Gottes Reich nicht von dieser Welt
sei und daß es Fleisch und Blut nicht könne erkennen oder begreifen, viel
weniger ergründen. 1-1,3 So
stehet nun einem jeden zu, der von göttlichen Geheimnissen will reden oder
lehren, daß er auch Gottes Geist habe, und sein Ding, das er für wahr will
ausgeben, in göttlichem Licht erkenne und nicht aus eigner Vernunft sauge;
sich ohne göttliche Erkenntnis also auf den bloßen Buchstaben in seiner
Meinung steure und die Schrift bei den Haaren herzuziehe Bibel willkürlich
zitieren), wie von der Vernunft geschieht, aus welchem also trefflich viel
Irrtum entstanden ist, daß man die göttliche Erkenntnis in eigenem Witz und
Kunst gesuchet hat, und ist also von der Wahrheit Gottes in eigene Vernunft
geraten, und hat die Menschwerdung Christi für ein fremdes und fernes Ding
gehalten. Da wir doch alle müssen in derselben Menschwerdung wieder aus Gott
geboren werden, wollen wir aber dem Grimm der ewigen Natur entweichen. 1-1,4 Weil
es denn den Kindern Gottes ein nahes und vertrautes Werk ist, damit sie
täglich und stündlich sollen umgehen und immer in die Menschwerdung Christi
eingehen, aus der irdischen Vernunft ausgehen und also in diesem Jammerleben
in der Geburt und Menschwerdung Christi müssen geboren werden, wollen sie
anders Gottes Kinder in Christo sein, so habe ich mir fürgenommen, dieses
hohe Geheimnis nach meiner Erkenntnis und Gaben zu einem Mernorial zu
schreiben, auf daß ich also Ursache habe, mich auch herzlich mit meinem
Immanuel (Christus) zu ergötzen und zu erquicken, weil ich auch neben anderen
Kindern Christi in dieser Geburt stehe, auf daß ich ein Denkmal und
Aufrichtung hätte, so mich ja das finstere und irdische Fleisch und Blut mit
des Teufels Gift wollte überziehen und mir mein Bildnis verdunkeln. So habe
ich mirs für eine Übung des Glaubens fürgenommen, damit sich meine Seele möge
also als ein Ästlein an ihrem Baume Jesu Christo seines Saftes und Kraftes
erquicken, und solches nicht mit klugen und hohen Reden der Kunst oder aus
der Vernunft dieser Welt, sondern nach der Erkenntnis, so ich von meinem
Baume Christo habe, auf daß mein Zweiglein auch neben andern im Baume und
Leben Gottes grüne und wachse. Und ob ich zwar hoch und tief gründe und es
ganz helle werde darstellen, so soll doch dem Leser dieses gesaget sein, daß
es ihm ohne Gottes Geist wird ein Mysterium und unergriffen sein. Darum sehe ein
jeder zu, was er richte, daß er nicht in Gottes Gericht falle und von seiner
eigenen Turba (Verwirrung) gefangen werde und ihn seine eigene Vernunft
stürze, sage ich wohlmeinend und gebe es dem Leser zu erwägen. 1-1,5 Wenn
wir wollen von der Menschwerdung und Geburt Jesu Christi, des Sohns Gottes,
schreiben und davon recht reden, so müssen wir die Ursachen erwägen, was Gott
bewogen habe, daß er sei Mensch worden. Zumal er solches zu seinem Wesen
nicht ist bedürfend gewesen, und können auch mit nichten sagen, daß sich sein
eigen Wesen habe in der Menschwerdung verändert, denn Gott ist
unveränderlich, und ist doch worden, was er nicht war. Aber seine Eigenschaft
ist dabei unveränderlich geblieben. Es war nur um des gefallenen Menschen
Heil zu tun, daß er den wieder ins Paradeis brächte, und ist uns allhie der
erste Mensch zu betrachten, wie der vor seinem Falle sei gewesen, um welches
willen sich die Gottheit beweget hat, welches uns Menschen hoch zu betrachten
ist. 1-1,6 Wir
wissen, was Moses saget, daß Gott habe den Menschen nach seinem Gleichnis in
ein Bildnis nach ihm geschaffen (Gen. 1,27). Verstehe also, daß sich Gott,
der ein Geist ist, in einem Bildnis sähe als in einem Gleichnis. Nicht
weniger hat er auch diese Welt geschaffen, daß er also die ewige Natur in
Wesenheit offenbare, auch in lebendigen Kreaturen und Figuren, daß dieses
alles sei ein Gleichnis und Ausgeburt aus der ewigen Natur des ersten
Principii, welches Gleichnis vor den Zeiten der Welt ist in Gottes Weisheit
als eine verborgene Magia (Urbild) gestanden und vom Geiste Gottes in der
Weisheit ist ersehen worden, der in Zeit des Anfangs dieser Welt die ewige
Natur beweget und der verborgenen göttlichen Welt Gleichnis hervorgebracht
und eröffnet hat. Denn die feurige Welt ist im Licht Gottes gleich als
verschlungen und verborgen gestanden, indem alleine das Licht der Majestät in
sich selber regieret hat. Und ist und doch nicht zu denken, daß die feurige
Welt nicht gewesen sei. Sie ist gewesen, aber sie hat sich in ihr eigen
Principium geschieden und ist im Lichte der Majestät Gottes nicht offenbar
gewesen, als uns solches am Feuer und Licht zu ersinnen ist, daß das Feuer
zwar eine Ursache des Lichts ist und wohnet doch das Licht im Feuer, dem
Feuer unergriffen, und führet eine andere Qual (Qualität) als das Feuer. Denn
das Feuer ist Grimmigkeit und verzehrend, und das Licht ist Sanftmut, und aus
seiner Kraft wird Wesenheit als Wasser oder Sulphur (Stoff) eines Dinges,
welches das Feuer in sich zieht und zu seiner Stärke und Leben braucht, und ist
also ein ewig Band. 1-1,7 Dieses
Feuer und göttliche Licht ist zwar von Ewigkeit in sich selber
stillegestanden, da ein jedes in seiner Ordnung in seinem Principio ist
gestanden, und hat weder Grund noch Anfang, denn das Feuer hat in sich seine
eigene Gestalt zu seiner Qual als das Begehren, aus welchem und in welchem
alle Gestalten der Natur erboren werden, da je eine Ursache der andern ist,
wie in den andern Schriften ausführlich gemeldet worden. Und finden wir im
Lichte der Natur, wie das Feuer in seiner eigenen Essenz sei, gleichwie im
herben begehrenden Qual in sich selber eine Finsternis gewesen, welches in
der Sanftmut Gottes gleich als verschlungen gestanden, da es nicht
qualitätisch, sondern essentialisch in sich selber gewesen, nicht anzündlich.
Und ob es gleich gebrannt hat, so ist es doch als ein eigen Principium in
sich selber nur empfindlich gewesen; denn es sind von Ewigkeit nur zwei
Principia gewesen, als eines in sich selber die feuernde Welt und das ander
auch in sich selber die Licht-flammende Welt, da sie doch auch nicht getrennt
waren, als das Feuer und Licht nicht getrennt sind und das Licht im Feuer
wohnet, dem Feuer unergriffen. 1-1,8 Und
ist uns also zweierlei Geist ineinander zu verstehen, ein feuriger nach der
Essenz der herben und strengen Natur, aus dem hitzigen und auch kalten,
strengen, essentialischen Feuer, welcher für Gottes Zorn-Geist und Qual
erkannt wird, und gehöret zu des Vaters Eigenschaft, nach welchem er sich
einen zornigen eiferigen Gott und ein verzehrend Feuer nennet, in welchem das
erste Principium verstanden wird. Und dann ein sanfter Licht-flammender
Geist, welcher von Ewigkeit im Centro des Lichts seine Verwandelung empfähet,
denn er ist im ersten Principio in des Vaters Eigenschaft ein feuernder Geist
und im andern Principio im Licht ein Lichtflammender Geist, welcher von
Ewigkeit sich so gebieret, und ist nur der eine und nicht zwei, wird aber in
zweierlei Qual verstanden als in Feuer und Licht nach jeder Qual Eigenschaft,
wie uns solches an jedem äußerlichen Feuer ge nug zu verstehen ist, da des
Feuers Qual einen grimmigen Geist gibt, der verzehrend ist, und des Lichtes
Qual einen sanften lieblichen Luft-Geist, und ist urständlich doch nur ein
Geist. 1-1,9 Also
imgleichen ist uns nachzusinnen dem Wesen der Ewigkeit als der Hl.
Dreifaltigkeit, welche wir im Lichte der Majestät für die Gottheit erkennen
und im Feuer für die ewige Natur, wie solches in den andern Schriften genug
erkläret worden. Denn der allmächtige Geist Gottes mit beiden Prinzipien ist
von Ewigkeit selber alles gewesen. Es ist nichts von ihm. Er ist selber der
Grund und Ungrund, und wird doch das hl. göttliche Wesen vornehmlich als ein
einiges Wesen in sich selber erkannt, und wohnet außer der feuernden Natur
und Eigenschaft in des Lichtes Eigenschaft und wird Gott genannt. Nicht von
des Feuers Eigenschaft, sondern von des Lichts Eigenschaft, wiewohl die
beiden Eigenschaften ungetrennt sind. Als wir solches an dieser Welt
verstehen, da ein verborgen Feuer in der Tiefe der Natur und in allem Wesen verborgen
lieget, sonst möchte kein äußerlich Feuer hervorgebracht werden, und sehen,
wie die Sanftmut des Wassers dasselbe verborgene Feuer in sich gefangen hält,
daß es sich nicht könne eröffnen, denn es ist gleichwie verschlungen im
Wasser, und ist doch, aber nicht substantialisch, sondern essentialisch, und
wird im Erwecken erkannt und qualifizierend gemacht; und wäre alles Nichts
und Ungrund ohne Feuer. 1-1,10 Also
verstehen wir auch, daß das dritte Principium als die Qual und der Geist
dieser Welt sei von Ewigkeit in der ewigen Natur des Vaters Eigenschaft
verborgen gestanden und vom Licht Geist in der heiligen Magia als in Gottes
Weisheit in der göttlichen Tinktur erkannt worden; um welches willen sich die
Gottheit nach der Natur der Gebärerin beweget und das große Mysterium
erboren, darinnen dann alles gelegen, was die ewige Natur vermag. Und ist nur
ein Mysterium gewesen und hat keinem Geschöpf gleich gesehen, sondern ist als
ein Gestübe untereinander gewesen, da die grimmige Natur hat ein finster Gestübe
(Sturm, Wirbel) geboren und die Licht-flammende Natur in seiner Eigenschaft
Flammen in der Majestät und Sanftmut, welches der Wasserquell und Ursache der
göttlichen Wesenheit ist von Ewigkeit gewesen. Und ist nur Kraft und Geist,
welches keinem gleich gewesen ist, und ist auch darinnen nichts gespüret
worden als der Geist Gottes in zweierlei Qual und Gestalt, als hitzige und
kalte strenge Feuersqual und dann der sänftliche Liebesqual nach der Art des
Feuers und Lichtes. 1-1,11 Dieses
ist als ein Mysterium ineinandergegangen und hat doch eines das andere nicht
ergriffen, sondern ist gleich wohl in zwei Prinzipien gestanden, da dann die
Herbigkeit als der Vater der Natur immer die Wesenheit im Mysterio ergrif
fen, da sich es denn gleich als in einem Bildnis hat formieret, und ist doch
kein Bildnis gewesen, sondern gleich einem Schatten eines Bildes. Solches als
im Mysterio hat zwar wohl also einen ewigen Anfang immer gehabt, da man nicht
sagen kann, es sei etwas worden, das nicht seine Figur als einen Schatten in
der großen ewigen Magia gehabt hätte. Aber es ist kein Wesen gewesen, sondern
ein geistlich Spiel ineinander, und ist die Magia der großen Wunder Gottes,
da immer worden ist, da nichts war als nur ein Ungrund. Das ist in des Feuers
und Lichtes Natur in Grund kommen, und ist doch aus nichts als aus dem Geiste
der Qual, welcher auch kein Wesen ist, sondern eine Qual, welches sich in
sich selber in zweien Eigenschaften gebieret, auch selber in zwei Principia
scheidet. Sie hat keinen Scheider noch Macher, auch keine Ursache
zu seinem Selbstmachen, sondern ist selbst die Ursach, als solches
ausführlich in andern Schriften gemeldet worden, wie der Ungrund sich selber
in Grund führe und gebäre. 1-1,12 Also
ist uns nun erkenntlich die Schöpfung dieser Welt, sowohl die Schöpfung der
Engel und auch des Menschen und aller Kreaturen. Es ist alles aus dem großen
Mysterio geschaffen worden, denn das dritte Principium ist vor Gott als eine
Magia gestanden und ist nicht ganz offenbar gewesen. So hat Gott auch kein Gleichnis
gehabt, da er hätte mögen sein eigen Wesen erblicken als nur die Weisheit.
Das ist seine Lust gewesen und ist in seinem Willen mit seinem Geiste als ein
groß Wunder in der Licht-flammenden göttlichen Magia vom Geiste Gottes
dagestanden. Denn es ist des Geistes Gottes Wohnhaus gewesen und sie ist
keine Gebärerin gewesen, sondern die Offenbarung Gottes, eine Jungfrau und
eine Ursache der göttlichen Wesenheit, denn in ihr ist die Licht-flammende
göttliche Tinktur zum Herzen Gottes gestanden als zum Worte des Lebens der
Gottheit, und ist die Offenbarung der hl. Dreifaltigkeit gewesen. Nicht daß
sie aus ihrem Vermögen und Gebären Gott offenbarete, sondern das göttliche
Centrum als Gottes Herz oder Wesen offenbaret sich in ihr. Sie ist als ein
Spiegel der Gottheit, denn ein jeder hält stille, und gebieret kein Bildnis,
sondern er empfängt das Bildnis. Also ist diese Jungfrau der Weisheit ein
Spiegel der Gottheit, darin der Geist Gottes sich selber siehet, sowohl alle
Wunder der Magiae, welche mit der Schöpfung des dritten Principii sind ins
Wesen kommen und ist alles aus dem großen Mysterio geschaffen worden. Und
diese Jungfrau der Weisheit Gottes ist im Mysterio gestanden und in ihr hat
der Geist Gottes die Formungen der Kreaturen erblicket. Denn sie ist das
Ausgesprochene, was Gott der Vater aus seinem Centro der Licht-flammenden
göttlichen Eigenschaft aus seines Herzens Centro, aus dem Worte der Gottheit,
mit dem Hl. Geiste ausspricht. Sie stehet vor der Gottheit als ein Glanz oder
Spiegel der Gottheit, da sich die Gottheit inne siehet, und in ihr stehen die
göttlichen Freudenreiche des göttlichen Willens als die großen Wunder der
Ewigkeit, welche weder Anfang noch Ende noch Zahl haben. Sondern es ist alles
ein ewiger Anfang und ein ewiges Ende, und gleichet zusammen einem Auge, das
da siehet, da doch im Sehen nichts ist und das Sehen doch aus des Feuers und
Lichts Essenz urständet. 1-1,13 Also
versteht in des Feuers Essenz des Vaters Eigenschaft und das erste Principium
und in des Lichts Qual und Eigenschaft des Sohns Natur als das ander
Principium, und den führenden Geist aus beiden Eigenschaften verstehet für
den Geist Gottes, welcher im ersten Principium grimmig, streng, herbe,
bitter, kalt und feurig ist, und ist der treibende Geist im Zorne. Und darum
suchet er nicht im Zorne und im Grimme, sondern ist ausgehend und das
essentialische Feuer aufblasend, indem er sich in die Essenz des Feuers
wieder eineignet. Denn die grimmigen Essentien ziehen ihn wieder in sich,
denn er ist ihre Qual und Leben und gehet aber im angezündeten Feuer im
Lichte vom Vater und Sohne aus, und eröffnet die feurigen Essentien in des
Lichtes Qual, da denn die feurigen Essentien in großer Begierde der Liebe
brennen und die ernste strenge Qual in des Lichts Qual nicht erkannt wird, sondern
die Feuers-Strengheit ist nur also eine Ursache der Licht-flammenden Majestät
und der begehrenden Liebe. 1-1,14 Und
also ist uns zu verstehen das Wesen der Gottheit und dann der ewigen Natur,
und verstehen allewege das göttliche Wesen im Lichte der Majestät. Denn das
sanfte Licht machet des Vaters strenge Natur sanft, lieblich und barmherzig,
und wird ein Vater der Barmherzigkeit nach seinem Herzen oder Sohne genannt.
Denn des Vaters Eigenschaft steht im Feuer und im Lichte und ist selber das
Wesen aller Wesen. Er ist der Ungrund und Grund und teilet sich in der ewigen
Geburt in drei Eigenschaften als in drei Personen, auch in drei Principia, da
ihr doch in der Ewigkeit nur zwei im Wesen sind und das dritte als ein
Spiegel der ersten beiden ist, aus welchem diese Welt als ein greiflich Wesen
in Anfang und Ende geschaffen ist. 2. Kapitel - Offenbarung der Gottheit
durch die Schöpfung der Engel und Menschen aus göttlicher Essenz
1-2,1 So
denn also ein Mysterium ist von Ewigkeit gewesen, so ist uns jetzt seine
Offenbarung zu betrachten; denn wir können von der Ewigkeit anders nicht
reden als von einem Geist, denn es ist alles nur Geist gewesen und hat sich
doch von Ewigkeit im Wesen geboren, und solches durch Begehren und Lust; und
können durchaus nicht sagen, daß in der Ewigkeit nicht sei Wesen gewesen,
denn kein Feuer bestehet ohne Wesen. So ist keine Sanftmut ohne Gebären des
Wesens, denn die Sänfte gebieret Wasser, und das Feuer schlinget das in sich
und machts in sich seinesteils zum Himmel und Firmament und das andere Teil
zu Sulphur (hier: feuertragende Substanz), in welchem der Feuergeist mit
seinem essentialischen Rade einen Mercurium machet und fort den Vulkanum
erwecket — das ist: das Feuer aufschläget — daß der dritte Spiritus als Luft
geboren wird, da dann die edle Tinktur im Gleichgewicht stehet als ein Glanz
mit den Farben, und urständet von der Weisheit Gottes, denn die Farben
urständen von der Qual. Eine jede Farbe stehet mit ihrer Wesenheit in der
Sanftmut des Wasserquelles, ausgenommen die Schwarze nicht; die hat ihren
Urstand aus der herben Grimmigkeit. Sie empfahen alle ihre Farben von der
Qual. 1-2,2 So
lüstert (tendiert) nun je eine Gestalt nach der andern. Und von der
begehrenden Lust wird eine Gestalt von der andern schwanger und bringet eine
die andere zum Wesen, daß also die Ewigkeit in einer immerwährenden Magia
stehet, da die Natur im Wachsen und Ringen stehet, und das Feuer verzehret
das und gibts auch. Und ist also ein ewig Band, allein das Licht der Majestät
und Dreiheit Gottes ist unwandelbar, denn das Feuer mag das nicht ergreifen,
und wohnet frei in sich. 1-2,3 Und
ist uns doch erkenntlich und findlich, daß das Licht der Liebe begehrend sei,
als nämlich der Wunder und Figuren in der Weisheit, in welchem Begehren diese
Welt als sein Model (Form) ist von Ewigkeit in der Weisheit in der tiefen
verborgenen Magia (Geheimniszustand) Gottes erkannt worden, denn das Begehren
der Liebe forscht im Grund und Ungrund. Allda hat sich auch von Ewigkeit mit
eingemischet das Begehren des Grimmes und herben strengen Quals in des Vaters
Natur und Eigenschaft, und ist also das Bildnis der Engel und Menschen von
Ewigkeit in der göttlichen Eigenschaft in Gottes Weisheit erblicket worden,
sowohl auch in des Grimmes Eigenschaft die Teufel — aber nicht in der
heiligen lichtflammenden Eigenschaft — aber in keinem Bilde noch Wesen,
sondern nach Art, als sich im tiefen Sinn ein Gedanke entspinnet und vor
seinen eigenen Spiegel des Gemüts führet, da in das Gemüt oft ein Ding
scheinet, das nicht im Wesen ist. 1-2,4 Also
haben die zwei Gebärerinnen als des Grimmes im Feuer und dann die Liebe im
Licht ihr Model in die Weisheit gestellet, da dann das Herze Gottes in der
Liebe gelüstet, dieses Model in ein engelisches Bildnis zu schaffen aus
göttlicher Wesenheit, daß sie wären ein Gleichnis und Bild der Gottheit und
wohneten in der Weisheit Gottes, zu erfüllen die Lust der Gottheit und zur
ewigen Freude der göttlichen Freudenreich. 1-2,5 Und
ist uns jetzt also zu vernehmen und zu entsinnen das Verbum Fiat (das Wort
"Es werde") das sie gefasset und eine Substanz und körperlich Wesen
gebracht hat, denn der Wille zu diesem Bildnis ist aus dem Vater, aus des
Vaters Eigenschaft im Worte oder Herzen Gottes von Ewigkeit entstanden als
ein begehrender Wille zur Kreatur und zur Offenbarung der Gottheit. Weil er
sich aber von Ewigkeit nicht beweget hat bis auf die Schöpfung der Engel, so
ist auch keine Schöpfung geschehen bis zur Engel-Schöpfung; dazu wir dann den
Grund und Ursachen nicht sollen wissen und es Gott seiner Macht vorbehalten
hat, wie es gewesen sei, daß sich Gott einst beweget hat, zumal er doch ein
unwandelbarer Gott ist, sollen auch allhier weiter nicht gründen, denn dies
verwirrt uns. 1-2,6 Allein
von der Schöpfung haben wir Macht zu reden, denn sie ist ein Werk im Wesen
Gottes, und verstehen, daß des Worts oder Herzens Gottes Wille habe das herbe
Fiat im Centro des Vaters Natur mit seinen sieben Geistern und Gestalten der
ewigen Natur ergriffen und solches in des Thrones Gestalt; da denn das herbe
Fiat nicht als ein Macher, sondern als ein Schaffer in jeder Essentien
Eigenschaft gestanden als in den großen Wundern der Weisheit. Wie die Figuren
waren von Ewigkeit in der Weisheit erblicket worden, also wurden sie auch
jetzt mit dem Fiat im Willen-Geiste Gottes ergriffen, nicht aus fremder
Materia, sondern aus Gottes Essenz, aus des Vaters Natur. Und wurden mit
Gottes Willen-Geist ins Licht der Majestät Gottes eingeführet, da sie denn
Kinder Gottes und nicht fremde Gäste waren, erboren und erschaffen aus der
Vaters Natur und Eigenschaft. Und ihr Willen-Geist ward gerichtet in des
Sohnes Natur und Eigenschaft. Sie sollten und konnten essen von Gottes
Liebe-Wesenheit im Lichte der Majestät, da dann ihre grimme Eigenschaft aus
des Vaters Natur in Liebe und Freude verwandelt war. Welches sie auch alle
taten, bis auf einen Thron und Königreich, das wandte sich vom Lichte der
Liebe und wollte in der strengen Feuers-Natur über Gottes Sanftmut und Liebe
herrschen; und ward darum aus des Vaters Eigenschaft aus seinem kreatürlichen
eigenen Loco (Ort) getrieben in die ewige Finsternis, in den Abgrund des
strengen Fiat. Da muß es in seiner Ewigkeit stehen, und ist also der Grimm
der ewigen Natur auch allhier erfüllet worden. 1-2,7 Ist
uns aber nicht also zu gedenken, daß König Luzifer nicht hätte können
bestehen, er hätte das Licht der Majestät sowohl vor sich als die anderen
Thronengel. So er hätte darein imaginieret,* wäre er ein Engel blieben, aber
er zog sich selber aus Gottes Liebe in Zorn. Also ist er nun ein Feind der
Liebe Gottes und aller heiligen Engel. *) Wenn er
sich darauf konzentriert hätte… 1-2,8 Weiter
ist uns allhier zu betrachten die feindliche Anzündung der verstoßenen
Geister, als sie noch in des Vaters Eigenschaft waren, wie sie in ihrer
Imagination (Bestreben) haben die Natur der Wesenheit entzündet, daß aus der
himmlischen Wesenheit sind Erde und Steine worden und des Wassers sanfter
Geist im Feuers-Qual zum brennenden Firmament, darauf dann die Schöpfung
dieser Welt als des dritten Principii ist erfolget. Und ward dem Loco dieser
Welt ein ander Licht erwecket, nämlich die Sonne, daß also dem Teufel seine
Pracht entzogen ward. Und er ward als ein Gefangener zwischen Gottes und
dieser Welt Reich in die Finsternis eingeschlossen, da er dann in dieser Welt
nicht weiter zu herrschen hat, als nur in der Turba, im Grimm und Zorn
Gottes, wo er erwecket wird. Da ist er Scharfrichter und ist ein steter
Lügner, Verleumder und Betrüger der Kreaturen. Er wendet alles Gute in Böses,
soweit ihm nur Raum gelassen wird. Was schrecklich und prächtig ist, da
erzeiget er seine Macht und will stets über Gott sein. Aber der Himmel, der
aus dem Mittel des Wassers ist erschaffen als ein sanftes Firmament, leget
ihm die Pracht, daß er nicht Großfürst in dieser Welt ist, sondern Zornfürst. 1-2,9 Weil
dann der Teufel aus seinem Loco ausgestoßen ward, so stund dieser Locus oder
Thron ohne sein Engelsheer in großem Begehren nach seinem Fürsten, aber er
war ausgestoßen. Jetzt schuf ihm Gott einen andern Fürsten, den Adam und
ersten Menschen, welcher auch ein Thronfürst vor Gott war, und ist uns
allhier seine Schöpfung recht zu betrachten, sowohl auch sein Fall, um
welches willen sich das Herze Gottes (Christus) bewegte und Mensch ward. 1-2,10 Es ist
nicht also ein schlecht Ding oder Wesen mit der Schöpfung des Menschen, um
welches Falls willen Gott Mensch ward, daß er ihm wieder hülfe. So ist sein
Fall auch nicht ein bloßer Apfelbiß. Auch ist seine Schöpfung nicht dermaßen
getan, wie die äußere Vernunft meinet, daß sie den ersten Adam in seiner
Schöpfung nur für einen bloßen Erdenkloß verstehet. Nein, mein liebes Gemüte,
Gott ist nicht um eines Erdenkloßes willen Mensch worden. Auch so war es
nicht bloß um einen Ungehorsam zu tun, darüber Gott also zürne, daß sein Zorn
nicht hätte mögen versöhnet werden, er rächte sich denn an Gottes Sohne und
mordete den. 1-2,11 Uns
Menschen nach Verlierung unserer paradeisischen Bildnis ist dieses zwar ein
Mysterium und verborgen blieben, ausgenommen etlichen, welche das himmlische
Mysterium wieder erreichet haben, denen ist etwa nach dem innern Menschen
davon eröffnet worden. Denn wir sind dem Paradeis in Adam abgestorben und
müssen durch den Tod und Verwesung des Leibes im Paradeis als in einer andern
Welt, im Leben Gottes in der himmlischen Wesenheit und Leiblichkeit wieder
ausgrünen (erneuert werden). Und ob es gleich etlichen ist, daß sie haben
Gottes Wesenheit als Christi Leib wieder an die Seele bekommen, so hat doch
der verderbte irdische Adam das hei lige und reine Mysterium verdecket, daß
also die große Heimlichkeit ist der Vernunft verborgen blieben. Denn Gott
wohnet nicht in dieser Welt im äußern Principio, sondern im innern. Wohl
wohnet er im Loco dieser Welt, aber diese Welt ergreifet ihn nicht. Wie wollte
denn der irdische Mensch Gottes Geheimnisse ergreifen? Und ob es ein Mensch
ergriffe, so ergreift ers nach dem innern Menschen, welcher wieder aus Gott
geboren ist. 1-2,12 Weil
aber das göttliche Mysterium sich auch nunmehr will also gar entblößen und dem
Menschen also ganz begreiflich gegeben wird, daß er die Verborgenheit ganz
helle begreift, so ist dem wohl nachzusinnen, was das bedeute, — anders
nichts als die Einernte dieser Welt. Denn der Anfang hat das Ende funden und
das Mittel wird in die Scheidung gestellet. Lassets euch gesaget sein, ihr
Kinder, die ihr wollet Gottes Reich erben. Es ist eine Zeit großes Ernsts
vorhanden. Die Tenne soll gefeget werden. Bös und Gut soll voneinander
geschieden werden; der Tag bricht an, es wird hoch erkannt! 1-2,13 Wenn
wir wollen vom Menschen reden und den recht verstehen, woraus er gemacht ist
worden, so müssen wir ja die Gottheit mit dem Wesen aller Wesen betrachten,
denn der Mensch ward nach Gottes Gleichnis aus allen drei Prinzipien
erschaffen, ein ganzes Bild und Gleichnis nach allem Wesen. Nicht sollte er
allein ein Bildnis dieser Welt sein, denn dieser Welt Bildnis ist tierisch,
und um keiner tierischen Bildnis willen ist Gott Mensch. Denn Gott schuf auch
den Menschen nicht also in tierischer Eigenschaft zu leben als wir jetzt nach
dem Fall leben, sondern ins Paradeis, ins ewige Leben. Der Mensch hatte kein
solch tierisch Fleisch, sondern himmlisch Fleisch. Aber im Fall ward es
irdisch und tierisch, und auch nicht in der Meinung zu verstehen, daß er nichts
von dieser Welt hätte an sich gehabt. Er hat dieser Welt Reich und Regiment
an sich gehabt, aber in ihm regierten nicht die vier Elementa, sondern die
vier Elementa waren in einem, und lag das irdische Regiment in ihm verborgen.
Er sollte in himmlischer Qual leben. Und ob gleich alles rege in ihm war,
sollte er doch mit der himmlischen Qual des andern Principii über die
irdische herrschen und das Reich und die Qual der Sternen und Elementen
sollte unter der paradeisischen Qual sein. Keine Hitze noch Frost, keine
Krankheit noch Unfall, auch keine Furcht sollte ihn rühren noch schrecken.
Sein Leib konnte durch Erden und Steine gehen, ohne eines zu zerbrechen; denn
das wäre kein ewiger Mensch, den die Irdigkeit könnte bändigen, der
zerbrechlich wäre. 1-2,14 Darum
sollen wir den Menschen recht betrachten; es heißet nicht sophistizieren oder
wähnen, sondern im Geiste Gottes erkennen und wissen. Es heißet: Ihr müsset
wieder neugeboren werden, wollt ihr wieder das Reich Gottes schauen, daraus
ihr gegangen seid. Nicht tuts Kunst, sondern Gottes Geist, der dem
Menschenbilde die Himmelstür aufschließt, daß er mit dreien Augen sehe. Denn
der Mensch stehet in einem dreifachen Leben, ist er doch Gottes Kind; wo
nicht, so stehet er nur in einem zweifachen. Und ist uns genug erkenntlich,
daß Adam ist mit dem rechten hl. Bildnis, welches das Gleichnis nach der Hl.
Dreifaltigkeit war, aus dem göttlichen Wesen ausgegangen und in die Irdigkeit
imaginieret und das irdische Reich in das göttliche Bildnis eingeführet, die
verderbet und finster gemacht hat. Darum wir denn auch unser paradeisisches
Sehen verloren. Auch hat uns Gott das Paradeis entzogen, da wir dann matt,
schwach und ohnmächtig worden und uns gleichzeitig die vier Elementa mit dem
Gestirne in uns mächtig worden, also daß wir denselben sind mit Adam
heimgefallen. Welches auch die Ursache des Weibs ist, daß Gott den Adam
zerteilte, als er nicht bestehen konnte und in zwei Tinkturen (Prinzipien,
Geschlechter) stellte, als nach dem Feuer und Wasser, wie hernach soll gemeldet
werden, da eine gibt Seele und die andere Geist. Und ist nach dem Fall ein
tierisch Wesen mit dem Menschen worden, der sich nach tierischer Eigenschaft
fortpflanzen muß, da ihm der Himmel und Paradeis wohl die Gottheit ein
Mysterium ward, und da doch das Ewige im Menschen blieb als die edle Seele,
aber mit einem irdischen Kleide verdecket, verfinstert und mit irdischer Qual
infizieret, durch falsche Imagination vergiftet, daß sie nicht mehr für
Gottes Kind erkannt ward, um welcher willen Gott Mensch ward, daß er sie von
der finstern Irdigkeit wieder erlösete und wieder in himmlische Wesenheit in
Christi Fleisch und Blut, welches den Himmel erfüllet, einführete. 3. Kapitel - Die Pforte der Schöpfung
des Menschen
1-3,1 Wiewohl
wir dieses in den andern Büchern fast genug erkläret, so hat sie doch nicht
ein jeder in der Hand. So tut not eine kurze, runde Beschreibung von der
Schöpfung des Menschen, damit die Menschwerdung Christi hernach möchte besser
verstanden werden, auch um der Person willen, die dem Menschen in seinem
Suchen noch immer mehr zufallen, gegeben und eröffnet werden, welches mir
denn eine besondere Freude gibt, mich also mit Gott zu ergötzen. 1-3,2 Die
Schöpfung des Menchen ist in allen dreien Prinzipien geschehen als in des
Vaters ewiger Natur und Eigenschaft und in des Sohnes ewiger Natur und
Eigenschaft und in dieser Welt Natur und Eigenschaft. Und ist dem Menschen,
welchen das Verbum Fiat schuf, der dreifache Geist zu seinem Leben aus dreien
Prinzipien und Quellen eingeblasen worden als von einem dreifachen Fiat ist
er geschaffen, versteht: die Leiblichkeit und Wesenheit. Und der Wille des
Herzens Gottes hat ihm den Geist nach allen dreien Prinzipien eingeführet.
Das verstehet also: 1-3,3 Der
Mensch war ganz zu Gottes Gleichnis geschaffen. Gott offenbarte sich in der
Menschheit in einem Bilde, das sollte sein wie er selber. Denn Gott ist alles
und von ihm ist alles herkommen, und wird darum nicht alles Gott genannt,
wegen des, daß nicht alles gut ist. Denn was die pure Gottheit antrifft, so
ist Gott ein Licht-flammender Geist und wohnet in nichts als nur in sich
selber; sein ist nichts gleich. Was aber antrifft des Feuers Eigenschaft,
daraus das Licht erboren wird, erkennen wir des Feuers Eigenschaft für Natur,
welche eine Ursache des Lebens, Bewegens und Geistes ist, sonst wäre kein
Geist, kein Licht, auch kein Wesen, sondern eine ewige Stille, weder Farben
noch Tugend, sondern wäre ein Ungrund ohne Wesen. 1-3,4 Und
wiewohl das Licht der Majestät im Ungrunde wohnet und von der feuernden Natur
und Eigenschaft nicht ergriffen ist, denn es ist uns mit dem Feuer und Lichte
also zu ersinnen: Das Feuer hat und machet erschreckliche und verzehrende
Qual. Nun ist in der Qual ein Ersinken gleich einem Sterben und sich
Frei-Ergeben, und dasselbe Frei-Ergeben fället in die Freiheit außer der Qual
als in Tod, und ist doch kein Tod, sondern es gehet also einen Grad tiefer in
sich hinein und wird von der Qual des Feuers angstfrei, und hat doch die
Schärfe des Feuers, aber nicht in der Angst, sondern in der Freiheit. 1-3,5 Jetzt
ist die Freiheit und der Ungrund ein Leben, und wird in sich ein Licht, denn
sie kriegt den Blitz der Angstqual und wird begehrend, nämlich der Wesenheit.
Und das Begehren schwängert sich selber mit Wesenheit aus der Freiheit und
Sanftmut. Denn was der Angstqual ersinket oder entwird, das freuet sich, daß
es von der Angst frei ist, und zeucht die Freude in sich und gehet mit seinem
Willen aus sich, welches der Freuden Geist und Leben ist, dazu wir allhie
eine engelische Zunge bedürften, aber dem Gott-liebenden Leser hier mit eine
kurze Andeutung nachzusinnen geben wollen, die himmlische Wesenheit zu
verstehen. 1-3,6 Denn
in Gott ist alles Kraft, Geist und Leben. Was aber Wesen ist, das ist nicht
Geist, sondern was vom Feuer ersinket als in Ohnmacht, das ist Wesen. Denn
der Geist urständet im Feuer, und scheidet sich aber in zwo Qualen, nämlich
eine im Ersinken in die Freiheit, im Lichte. Diese heißt Gott, denn sie ist
sanft und lieblich und hat in sich die Freudenreich, und wird die engelische
Welt in der ersunkenen Freiheit der Wesenheit verstanden. 1-3,7 Darum,
da wir waren aus der Freiheit der englischen Welt ausgegangen in die finstere
Qual, welcher Abgrund das Feuer war, so war uns kein Rat, es würde denn des
Lichts Kraft und Wort als ein Wort des göttlichen Lebens ein Mensch und
führete uns aus der Finsternis durch des Feuers Qual durch den Tod im Feuer
in die Freiheit des göttlichen Lebens in die göttliche Wesenheit wieder ein.
Darum mußte Christus sterben und mit dem Seelen-Geiste durchs Feuer der
ewigen Natur als durch die Hölle und Grimm der ewigen Natur in die göttliche
Wesenheit eingehen und unserer Seelen eine Bahn durch den Tod und Zorn
brechen, darauf wir mit und in ihm könnten durch den Tod ins ewige göttliche
Leben eingehen. 1-3,8 Aber
von der göttlichen Wesenheit als von der göttlichen Leiblichkeit ist uns also
zu verstehen: Das Licht gibt Sanftmut als eine Liebe. Nun begehret des Feuers
Angst Sanftmut, daß es seinen großen Durst möge stillen, denn das Feuer ist
begehrend und die Sanftmut ist gebend, denn sie gibt sich selber. Also wird
im Begehren der Sanftmut Wesen als eine substantialische Wesenheit, welche
dem Grimm entsunken (entflohen) ist, die ihr eigen Leben freigibt; das ist
Leiblichkeit. Denn sie wird aus der Kraft in der Sanftmut substantialisch und
wird von der Herbigkeit als vom ewigen Fiat angezogen und gehalten; und wird
darum Wesenheit oder Leiblichkeit genannt, daß es dem Feuer-Qual und Geiste
ersunken ist, und ist gegen den Geist als stumm, tot und ohnmächtig, da sie
doch ein essentialisch Leben ist. 1-3,9 Also
sollet ihr uns recht verstehen: Als Gott die Engel schuf, waren nur zwei
Principia offenbar und im Wesen, als das im Feuer und Licht als mit grimmiger
Wesenheit im strengen, herben Fiat mit den Gestalten der Feuers-Natur und
dann mit himmlischer Wesenheit aus heiliger Kraft mit dem Wasser-Quall der
Sanftmut des Freudenlebens, in welchem göttlicher Sulphur (göttliche
Wesenhaftigkeit) als in der Liebe und Sanftmut erboren war. Sein Fiat war
Gottes begehrender Wille. 1-3,10 Aus
dieser göttlichen Wesenheit als aus Gottes Natur wurden die Engel als
Kreaturen erschaffen; und ihr Geist oder Lebens-Qual urständet im Feuer, denn
ohne Feuer bestehet kein Geist. Er ging aber aus dem Feuer ins Licht. Allda
kriegte er der Liebe Qual und war das Feuer nur eine Ursache seines Lebens,
aber des Feuers Grimm ward mit der Liebe im Lichte gelöschet. 1-3,11 Dieses
verachtete Luzifer und blieb ein Feuergeist. Also erhub er sich auch und
zündete in seinem Loco (Ort) die Wesenheit an, daraus ist Erde und Steine
worden, und ward ausgestoßen, und ging also jetzt die dritte Leiblichkeit und
das dritte Principium an mit dem Reiche dieser Welt. 1-3,12 So
dann der Teufel daraus in die Finsternis gestoßen ward, so schuf Gott ein
ander Bild nach seinem Gleichnis in diesen Locum. Sollte es aber Gottes
Gleichnis nach allen dreien Prinzipien sein, so mußte es auch aus allen
dreien genommen sein. Und aus allem Wesen dieses Orts oder dieser Tiefe, also
weit sich das Fiat mit Luzifers Fürstenthron hatte in den Äther zur Schöpfung
eingegeben. Denn der Mensch kam an Luzifers Stelle, und daher urständet auch
der große Neid der Teufel, daß sie dem Menschen nicht die Ehre gönnen,
sondern führen ihn immer den bösen verderbten Weg, damit sie nur ihr Reich
mehren, und tun solches der Sanftmut als Gottes Liebe zum Trotze, vermeinen
noch, während sie im Grimm der starken Macht leben, sie sind höher als Gottes
Geist in der Liebe und Sanftmut. 1-3,13 Also,
verstehet, hat Gottes Willen-Geist als der Hl. Geist das zweifache Fiat
gefasset in zweien Principiis als in der engelischen Welt das Innere und dann
in dieser äußern Welt das Äußere und den Mesch oder Menschen geschaffen als
eine vermischete Person, denn er sollte sein ein Bild nach der innern und
äußern Welt, sollte aber mit der innern Qual über die äußere herrschen, also
wäre er Gottes Gleichnis gewesen. Denn die äußere Wesenheit hing an der
innern und grünete das Paradeis durch die Erde und war der Mensch in dieser
Welt auf dem Erdboden im Paradeis. Denn es wuchs ihm auch paradeisische
Frucht bis auf den Fall, da der Herr die Erde verfluchete, so trat das
Paradeis ins Mysterium und ward dem Menschen ein Mysterium oder Geheimnis, da
er zwar, so er aus Gott wiedergeboren wird nach dem innern Menschen, im Paradeis
wohnet, aber nach dem äußern in dieser Welt. 1-3,14 Also
ist uns ferner zu betrachten des Menschen Ankunft und Urstand: Gott hat
seinen Leib geschaffen aus der Erden Matrice (Mutterschoß), daraus die Erde
geschaffen ward. Es war alles untereinander und teilete sich doch in drei
Principia dreierlei Wesenheit, und ward doch die im Grimme nicht erkannt.
Wäre nur Adam in der Unschuld blieben, er hätte die ganze Zeit dieser Welt in
zweien Prinzipien nur gelebet und hätte mit einem geherrschet über alles, und
wäre das grimme Reich an ihm nie erkannt noch offenbar worden, ob er das
gleich an sich hatte. 1-3,15 Und
ist uns weiter zu verstehen, daß Adams Leib ist aus dem Innern Element, da
das innere Firmament und Himmel mit den himmlischen Essentien inne lieget,
auf einem Teil mit dem innern Fiat geschaffen worden. Denn in der Erden
Matrice stund das untereinander. Das Paradeis war darinnen und der Leib war
auch ins Paradeis geschaffen. Verstehets recht, er hatte göttliche und auch
irdische Wesenheit an sich. Aber die irdische war in der göttlichen gleich
als verschlungen oder ohnmächtig. Das Wesen oder Materia, daraus der Leib
gemachet oder geschaffen ward, war eine Massa, ein Wasser und Feuer mit der
Essenz beider Prinzipien, wiewohl das erste auch darinnen lag, aber nicht
rege (nicht aktiv). Es sollte ein jedes Principium in seinem Sitze bleiben,
und sollten sich nicht mischen, als in Gott geschiehet, so wäre der Mensch
ein ganzes Gleichnis nach Gottes Wesen gewest. Vom Einblasen
der Seelen und des Geistes 1-3,16 Der
Leib ist ein Gleichnis nach Gottes Wesenheit, und die Seele und Geist ein
Gleichnis nach der Hl. Dreifaltigkeit. Gott gab dem Körper seine Wesenheit
aus dreien Prinzipien und den Geist mit der Seelen aus dem Quellbrunn des
dreifachen Geists der allwesenden Gottheit. Und ist uns auch also zu
verstehen, daß die Seele mit ihrem Bildnis und mit ihrem äußern Geiste aus
dreien Prinzipien ist herkommen und dem Leibe eingeblasen und eingeführet
worden, wie solches auch Moses bezeuget: Gott blies dem Menschen ein den
lebendigen Odem in seine Nasen; da ward der Mensch eine lebendige Seele, Gen.
2,7. 1-3,17 Nun
ist aber der Odem und Geist Gottes dreierlei Qual: Im ersten Principio ist er
ein Feuerodem oder Geist, welcher die rechte Ursach des Lebens ist und stehet
in des Vaters Qual als im Centro der grimmigen Natur. Im andern Principio ist
Gottes Odem oder Geist der Licht-flammende Liebe-Geist als der rechte Geist
der wahren Gottheit, der Gott Hl. Geist heißet. Und im dritten Principio als
im Gleichnis Gottes ist Gottes Odem der Luft-Geist, auf welchem der Hl. Geist
fähret, wie David saget: Der Herr fähret auf den Fittigen des Windes (Psalm
104,3). Und Moses saget: Der Geist Gottes schwebet auf dem Wasser, auf der
Capsula (Behälter), da die Luft urständet, Gen. 1,2. 1-3,18 Nun
diesen dreifachen Geist hat der ganze Gott aus allen dreien Prinzipien in das
geschaffene Bildnis eingeblasen und eingeführet, als erstlich den
Feuer-Geist. Den hat er ihm von innen eingeführet und nicht zur Nase, sondern
ins Herze, in die zweifache Tinktur des innern und äußern Bluts, wiewohl das
äußere nicht erkannt war, sondern war Mysterium. Aber das innere war rege und
hatte zwei Tinkturen, die erste aus dem Feuer, die ander aus dem Lichte.
Dieser Feuer-Geist ist die rechte essentialische Seele, denn sie hat Centrum
naturae mit seinen vier Gestalten zur Feuersmacht. Sie schläget ihr selber
das Feuer auf und machet selbst das Rad der Essentien, wie im andern und
dritten Buche nach der Länge gemeldet worden.* *) Jakob
Böhme: De tribus principiis (1619); Vom dreifachen Leben des Menschen (1620). 1-3,19 Und
sollt wissen, daß das essentialische Seelenfeuer nicht das rechte Bildnis
nach der Gottheit ist. Es ist kein Bildnis, sondern ein magisch ewigwährend Feuer.
Es hat nie einen Anfang gehabt, wird auch kein Ende haben. Und verstehet, daß
Gott das ewige unanfängliche Feuer, welches von Ewigkeit in sich selber in
der ewigen Magia als in Gottes Willen im Begehren der ewigen Natur als ein
ewig Centrum der Gebärerin ist gewesen, eingeführet hat. Denn dies Bildnis
sollte ein Gleichnis nach ihm sein. 1-3,20 Zum
andern hat ihm zugleich mit dem essentialischen Seelenfeuer der Hl. Geist den
Licht-flammenden Liebe-Geist aus sich selber eingeführet, auch eben nur im andern
Principio, darinnen die Gottheit verstanden wird, nicht zur Nase ein, sondern
wie Feuer und Licht aneinanderhanget und eines ist, aber in zwei Quellen,
also ward ihm der gute Liebe-Geist mit dem essentialischen Feuer-Geiste
eingeführet in sein Herz, und brachte jede Qual seine eigene Tinktur mit als
ein eigen Leben; und wird in der Liebe-Tinktur der rechte Geist verstanden,
der das Bildnis Gottes ist, der ein Gleichnis ist nach der klaren, wahren
Gottheit und dem ganzen Menschen ähnlich siehet, auch den ganzen Menschen
erfüllet, aber in seinem Principio. 1-3,21 Die
Seele, was sie pur alleine antrifft, ist ein Feuerauge oder ein Feuerspiegel,
darin sich die Gottheit hat geoffenbaret nach dem ersten Principio als nach
der Natur. Denn sie ist eine Kreatur, doch in kein Bildnis geschaffen. Aber
ihr Bildnis, welches sie aus ihrem Feuerauge im Licht erbieret, das ist die
rechte Kreatur, um welcher willen Gott Mensch ward und sie wieder aus dem
Grimm der ewigen Natur in Ternarium Sanctum* einführete. *) Hl. Dreifaltigkeit,
bzw. dessen Spiegelbild 1-3,22 Und
ist uns ferner also zu verstehen mit der Seelen und ihrem Bildnis: Es ist
wohl ein Geist zusammen, aber die Seele ist ein hungerig Feuer und muß
Wesenheit haben, sonst wird sie ein hungerig finster Tal, als die Teufel
solche worden sind. So machet die Seele Feuer und Leben, und die Sanftmut des
Bildnisses machet Liebe und himmlische Wesenheit. Also wird das Seelen-Feuer
gesänftiget und mit Liebe erfüllet, denn das Bildnis hat Wasser aus Gottes
Brunn, der da quillet ins ewige Leben. Dasselbe ist Liebe und Sanftmut und
nimmt es aus Gottes Majestät, als dies im angezündeten Feuer zu sehen, wie
das Feuer in sich einen grimmigen Quall hat und das Licht einen sanften
lieblichen Quall, und wie in dieser Tiefe dieser Welt aus Licht und Luft
Wasser wird, also ist dies imgleichen auch. 1-3,23 Zum
dritten hat Gott den Geist dieser Welt mit der Sternen- und Elementen-Qual
als die Luft und auch zugleich auf einmal dem Menschen in seine Nase
eingeblasen. Der sollte ein Regierer im äußeren Reiche sein und die Wunder
der äußern Welt eröffnen, zu welchem Ende Gott den Menschen auch ins äußere
Leben schuf. Aber der äußere Geist sollte nicht in das Bildnis Gottes
greifen. Auch sollte das Bildnis Gottes nicht den äußern Geist in sich zur
Herberge einführen und über sich herrschen lassen, denn ihre Speise war von
Gottes Wort und Kraft. Und der äußere Leib hatte paradeisische Speise, nicht
im Madensack (vergänglicher physischer Leib) denn er hatte den nicht. Auch
hatte er weder männliche noch weibliche Gestalt oder Form, denn er war beide
und hatte beide Tinkturen als der Seelen und des Seelen-Geists, des Feuers
und Lichts, und sollte einen andern Menschen aus sich gebären nach seinem
Gleichnis. Er war eine züchtige Jungfrau in reiner Liebe. Er liebete und
schwängerte sich selber mit Imagination. Also war auch seine Fortpflanzung.
Er war ein Herr über Sternen und Elementen, ein Gleichnis nach Gott, wie Gott
in Sternen und Elementen wohnet, und ihn ergreifet nichts, er herrschet über
alles. Also war auch der Mensch geschaffen; die irdische Qual war nicht ganz
rege in ihm. Er hatte wohl den Geist-Luft, aber die Hitze und Kälte sollte
ihn nicht rühren, denn Gottes Wesenheit drang durch alles. Gleichwie das
Paradeis durch die Erde drang und grünete, also grünete die himmlische
Wesenheit im äußern Wesen seines Leibes und äußeren Geistes. In Gott ists
wohl möglich, was uns im irdischen Leben fremd ansiehet. 1-3,24 Zum
vierten hatte Adam mit der Einführung seines schönen Himmelsbüdnisses in dem
Geiste Gottes das lebendige Wort Gottes mit empfangen; das war seiner Seelen
und Bildnis Speise. Dasselbe lebendige Wort war umgeben mit der göttlichen
Jungfrau, der Weisheit. Und sollet wissen, daß der Seelen Bildnis ist in dem
jungfräulichen Bilde gestanden, welches in der Gottheit von Ewigkeit
erblicket war worden. Und des Adams reines Bildnis war aus Gottes Weisheit.
Denn Gott wollte sich also in einem Bilde sehen und offenbaren, und das war
das Gleichnis nach Gott, verstehe: nach Gottes Geist, nach der Dreizahl, ein
ganz züchtig Bild gleich den Engeln Gottes. In demselben Bildnis war Adam
Gottes Kind, nicht allein ein Gleichnis, sondern ein Kind, sage ich, geboren
aus Gott, aus dem Wesen aller Wesen. 1-3,25 Also
ist kurz gemeldet worden, was Adam für ein Bild war vor seinem Fall und wie
ihn Gott hat geschaffen zu besserm Verstande, warum Gottes Wort sei ein
Mensch worden, wie das sei zugegangen und was das habe geursachet. 4. Kapitel - Von dem paradeisischen
Wesen und Regiment, wie es hätte mögen sein, so der Mensch wäre in der
Unschuld blieben
1-4,1 Viel
Einwürfe hat der Teufel, damit er sich will entschuldigen, Gott habe ihn also
geschaffen, da ihn doch seine gehabte engelische Gestalt, Qual und Bildnis
immer überzeuget, daß er ein Lügner ist. Also tut er auch dem armen
gefallenen Menschen, führet ihm immer das irdische Reich mit seiner Kraft und
Vermögenheit ein, daß er also einen steten Spiegel vor sich habe, daß er also
auch Gott schuldige, als habe er ihn irdisch und bös geschaffen. Er lässet
aber das Beste außen als das Paradeis, in welches der Mensch geschaffen war
und dann Gottes Allmacht, daß der Mensch nicht alleine vom Brot lebe, sondern
auch von Gottes Kraft und Wort, und daß das Paradeis mit seiner Qual habe
über die Irdigkeit geregieret. Er zeiget dem Menschen nur seine harte,
elende, fleischerne, nackende Gestalt. Aber die Gestalt in der Unschuld, da
Adam nicht wußte, daß er nackend war, decket er zu, den Menschen zu betrügen. 1-4,2 Und so
uns armen Evas-Kindern dieses dann ja so sehr verdecket sein will und es auch
wohl der irdische Balg nicht wert ist zu wissen, aber unserem Gemüte sehr
nötig, so tut uns hoch not, daß wir zu dem rechten Türhüter, der den
Schlüssel hat aufzuschließen, fliehen und ihn bitten und uns ihm ganz
einergeben, daß er uns doch wolle die paradeisische Pforte im innern Centro
unseres Bildnisses aufschließen, daß uns doch möchte das paradeisische Licht
in unserm Gemüte anblicken und wir doch also möchten lüsternd werden, mit
unserem Immanuel wieder nach dem innern und neuen Menschen im Paradeis zu
wohnen. Denn ohne dieselbe Aufschließung verstehen wir nichts vom Paradeis
und unserem gehabten Bildnis in der Unschuld. 1-4,3 Weil
uns aber Christus, Gottes Sohn, hat wieder zum Paradeis-Bildnis erboren,
sollen wir ja nicht so lässig sein, uns auf Kunst und irdische Vernunft zu
verlassen. Wir finden das Paradeis und Christum, der in uns muß Mensch
geboren werden, wollen wir anders Gott schauen, nicht in unserer Vernunft. Es
ist alles tot und blind. Wir müssen aus der Vernunft ausgehen und in die
Menschwerdung Christi eingehen, so werden wir von Gott gelehret. Alsdann
haben wir Macht, von Gott, Paradeis und Himmelreich zu reden. Und in der
irdischen Vernunft, die nur vom Gestirne herrühret, sind wir vor Gott Narren,
so wir wollen vom Mysterio himmlisch reden, denn wir reden von einem Dinge,
das wir nie erkannt noch gesehen haben. Aber ein Kind kennet ja die Mutter.
Als auch ein jeder, der aus Gott wiedergeboren wird, kennet ja seine Mutter,
wohl nicht mit irdischen Augen, aber mit göttlichen und der Mutter Augen, von
der er geboren ist. Geben wir dem Leser treuherzig nachzusinnen, was ihm zu
tun sei und aus welchem Sinn und Begriff wir schreiben wollen. 1-4,4 Die
Vernunft der äußern Welt will wiesmachen, Gott habe den Menschen ins äußere
Regiment geschaffen, in die Qual der Sternen und vier Elementen. So das wäre,
so wäre er ja in die Angst und Tod geschaffen, denn der gestirnte Himmel hat
sein Ziel. Wenn er das erreichet, so verlässet er die Kreatur, derer er ein
Führer war. Alsdann zergehet ja das Regiment und Wesen der Kreatur, welche
dem äußern Himmel unterworfen ist; und sehen wir ja wohl, wie wir hinfallen
und sterben, wenn uns der äußere Himmel mit den Elementen verläßt, daß auch
ein Kind im Mutterleibe schon alt genug ist zum Sterben, auch oft verdirbt,
weil es noch ohne Leben und im Fiat des äußern Regiments ist, in der
Leibwerdung, ehe das Centrum Naturae das Seelenfeuer aufschläget. Und
erkennen wir freilich den Tod und das Sterben mit Adams Fall, daß Adam sei,
alsbald er ist irdisch worden, dem Paradeis abgestorben, und sei an Gottes
Reich tot worden, darum uns dann die Wiedergeburt not war. Anders können wir
nicht wieder lebendig werden. 1-4,5 Dieweil
aber Gott dem Adam die irdische Frucht, so vermischet war, verbot, die nicht
anzurühren, und auch nur einen Menschen schuf mit männlicher und weiblicher
Eigenschaft mit beiden Tinkturen als des Feuers und des Lichts in der Lieb,
ihn auch alsobald ins Paradeis brachte. Ja im Paradeis ward er geschaffen, so
können wir der Vernunft nicht stattgeben, welche mit des Teufels Infizieren
saget, der Mensch sei irdisch geschaffen. Denn alles was vom irdischen Leben
oder von irdischer Qual einig und allein geschaffen ist, das ist tierisch und
hat Anfang und Ende und erreichet nicht die Ewigkeit, denn es ist nicht aus
der Ewigkeit. Was nun nicht aus dem Ewigen ist, das ist vergänglich und nur
ein Spiegel, darin sich die ewige Weisheit als in einer Figur und Gleichnis
geschauet hat. Es bleibet von ihm nichts mehr als ein Wind, der sich erhoben
hat und dann wieder leget. Um einer solchen Kreatur willen ist Gottes Wort
nicht Mensch worden. Das Ewige ist nicht um der Vergänglichkeit willen in die
vergängliche Wesenheit eingegangen. So ist es auch nicht darum in das
Irdische eingegangen, daß es will das Irdische, Vergängliche in die Kraft der
Majestät erheben und einführen, sondern um des willen, das aus der Kraft der
Majestät war herkommen, war aber bös und irdisch worden und gleich als im
Tode verblichen, daß es das wollte wieder lebendig machen, auferwecken und in
die Kraft der Majestät erhöhen, in den Sitz, als es war, ehe es eine Kreatur
war. 1-4,6 Und
sollen den Menschen anders erkennen als wir bisher getan haben, indem wir ihn
tierisch geschätzet. Er ist ja tierisch worden nach der Eigenschaft dieser
Welt, indem er in Adam starb, so lebet er hernach dieser Welt und nicht
Gotte. So er aber mit seinem Willen-Geist in Gott einging, so erlangete er
den Willen-Geist das edle Bildnis wieder und lebete nach dem Bildnis in Gott
und nach der tierischen Eigenschaft in dieser Welt. Also war er im Tode und
war doch lebendig. Und darum ward Gottes Wort ein Mensch, daß er ihn wieder
in Gott einigte, daß er wieder ganz in Gott geboren würde und das Paradeis in
ihm empfindlich wäre. 1-4,7 Also
ist uns das paradeisische Bild zu betrachten: Wir sagen und erkennen, daß
Adam gut, rein und ohne Makel war geschaffen sowohl als Luzifer mit seinem
Heer. Er hatte reine Augen, und das doppelt oder zweifach, denn er hatte
beide Reiche an sich, als Gottes und dieser Welt Reich. Aber gleichwie Gott
ein Herr über alles ist, also sollte auch der Mensch in Gottes Kraft ein Herr
über diese Welt sein. Gleichwie Gott in allem herrschet und alles durchgehet,
dem Dinge unempfindlich, also konnte der verborgene göttliche Mensch in alles
gehen und schauen. Zwar der äußere Mensch war im Äußern, aber ein Herr über
das Äußere und war unter ihm, es zähmete ihn nicht. Er hätte können Felsen
zerbrechen ohne Mühe. Die Tinktur der Erden war ihm ganz erkenntlich, er
hätte alle Wunder der Erden erfunden. Denn zu dem Ende war er auch ins Äußere
geschaffen, daß er sollte in Figuren offenbaren und ins Werk führen, was in
der ewigen Weisheit war ersehen worden; denn er hatte die jungfräuliche
Weisheit in sich. 1-4,8 Gold,
Silber und das köstliche Metall ist wohl auch aus der himmlischen Magia mit
der Entzündung also eingeschlossen worden. Es ist ein anders als die Erde.
Der Mensch liebet es wohl und brauchts zu seiner Nahrung, aber er kennet
nicht seinen Grund und Urstand. Es wird nicht vergebens vom Gemüte geliebet.
Es hat einen hohen Urstand, so wir dem nachsinnen. Aber wir geschweigen des
billig allhier, weil es der Mensch ohne das zuviel liebet und sich damit vom
Geiste Gottes entzeucht. Es soll einer den Leib nicht mehr lieben als den
Geist, denn der Geist ist das Leben. Also geben wir euch ein Gleichnis zu
verstehen und geschweigen dieser Materie mit ihrem Grund und Urstande. 1-4,9 Aber
das wisset: Es war dem Menschen zu seinem Spiel und Zierheit gegeben. Er
hatte es aus Naturrecht (gemäß der Schöpfungsordnung). Es war sein, verstehe
dem äußern Leibe nach, denn der äußere Leib mit seiner Tinktur und die
metallische Tinktur sind einander nahe verwandt. Als des äußern Leibes
Tinktur verderbet war mit des Teufels böser Sucht, so verbarg sich auch die metallische
Tinktur vor der menschlichen und feindet den an, denn sie ist reiner als die
verderbte im äußern Menschen. 1-4,10 Und
lasset euch das, ihr Sucher der metallischen Tinktur offenbar sein: Wollt ihr
den Lapidem Philosophorum (Stein der Weisen) finden, so schicket euch zur
neuen Wiedergeburt in Christo, sonst wird sie euch schwer sein zu erkennen;
denn sie hat eine große Gemeinschaft mit der himmlischen Wesenheit, welche,
so sie vom Grimm aufgelöset würde, man wohl sehen würde. Sein Glanz bedeut etwas,
daß, so wir paradeisische Augen hätten, wohl erkennen würden. Das Gemüte
zeiget uns das wohl an, aber der Verstand und volle Erkenntnis ist am
Paradeis tot. Und darum, weil wir das Edele zu Gottes Unehre und zu unser
eigene Verderbnis brauchen und nicht dadurch Gott ehren und mit unserm Geiste
in Gottes Geist eingehen, sondern lassen den Geist und hangen an der
Wesenheit (Vergänglichkeit), so ist uns die metallische Tinktur Mysterium
worden, denn wir sind ihr fremd worden. 1-4,11 Der
Mensch war geschaffen, daß er sollte ein Herr der Tinktur
sein, und sie war ihm untertan; er aber ward ihr Knecht, dazu fremd. Also
suchet er nur Gold und findet Erde; darum daß er den Geist verließ und ging
mit seinem Geist in die Wesenheit, hat ihn die Wesenheit gefangen und in Tod
geschlossen, daß, wie die Tinktur der Erden im Grimm verschlossen lieget, bis
ins Gerichte Gottes. Also auch lieget des Menschen Geist mit im Zorne
verschlossen, er gehe denn aus und werde in Gott geboren. Denn der Teufel
wollte Großfürst mit seinem Grimm in der himmlischen Wesenheit sein, darum
ward sie ihm verschlossen und ward zu Erden und Steinen, daß er also nicht
Fürst, sondern ein Gefangener im Zorne ist, und nutzet ihm die Wesenheit
nichts; denn er ist Geist und verachtete die himmlische Wesenheit und
entzündete die Mutter der Natur, welche alsobald hat alles begreiflich und
körperlich gemacht, welches Gottes Geist zusammen schuf; und war aber dem
Menschen gut kenntlich, er konnte die Tinktur wohl auflösen und das edele
Perllein hervorbringen zu seinem Spiel und Freuden, auch zu Gottes Ehre und
Wundertat, so er in der Unschuld blieben wäre. 1-4,12 Anlangend
des Menschen Essen und Trinken, damit er seinem Feuer Nahrung und Wesenheit
sollte geben, war also getan. Er hatte zweierlei Feuer in sich, als das
Seelenfeuer und das äußere Feuer von der Sonnen und Gestirnen. Nun muß ein
jedes Feuer Sulphur (hier: Stofflichkeit) oder Wesen haben, oder es bestehet
nicht, das ist: es brennet nicht. So haben wir dessen genug zum Verstande am
göttlichen Wesen, welches des Menschen Nahrung wäre gewesen, denn — wie oben
gemeldet — so wir das Seelenfeuer mit Gottes Liebe, Sanftmut und Wesenheit
gespeiset mit allem dem, was das Wort als das göttliche Zentrum hervorbringt.
Denn die Seele ist aus dem ewigen magischen (übernatürlichen) Feuer; die muß
auch magische Speise haben, als mit Imagination. So sie Gottes Bildnis hat,
so imaginieret sie in göttliche Liebe in die göttliche Wesenheit und isset
von Gottes Speise, von der Engel Speise. Wo aber nicht, so isset sie von dem,
darein ihre Imagination (ihr Streben) gehet, als von irdischer oder
höllischer Qual. Und in dieselbe Matricem (Mutterschoß) fället sie auch, wohl
nicht mit ihrer Substanz, aber sie wird mit derselben erfüllet und dieselbe
hebet in ihr an zu qualifizieren als ein Gift im Fleische tut. 1-4,13 Also
ist uns auch des äußern Leibes Speisung genug erkenntlich. Der äußere Mensch
war ja, aber er war gleich wie halb verschlungen von dem innern. Der innere
herrschete durch und durch, wie das Feuer im glühenden Eisen, und nahm also
ein jedes Leben von dem Seinen Speise. Also: das Bildnis Gottes oder der
Seelen Geist und Bildnis aß von himmlischer göttlicher Wesenheit; und der
äußere Leib aß Paradeisfrucht im Munde und nicht in Leib; denn wie der äußere
Leib im Innern als halb verschlungen stund, also war auch die Frucht des
Paradeises. Die göttliche Wesenheit grünete durch die irdische und hatte die
irdische in der Paradeisfrucht wie halb verschlungen, also daß die Frucht
nicht irdisch erkannt ward. Und darum hieß es Paradeis als ein Grünen durch
den Zorn, da die Liebe Gottes im Zorne grünete und Frucht trug, wie es die
Natursprache klar verstehet, ohne einigerlei Deutelei oder Meinung. 1-4,14 Und
ist uns ferner also zu verstehen, wie Gott in dieser Welt wohnet, und die
Welt ist in ihm wie verschlungen. Sie ist in ihm ohnmächtig und er
allmächtig. Also war auch der Mensch und also aß er auch. Sein irdisch Essen
war himmlisch. Als wir wissen, daß wir müssen wiedergeboren werden, also war
die Paradeisfrucht aus dem Zorne wieder in himmlische Wesenheit geboren. Oder
wie wir sehen, daß ein gut, süß Kraut aus der bittern Erde wächset, welches
die Sonne anders qualifizieret als es die Erde hat qualifizieret, also
qualifizierete der hl. Mensch die Paradeisfrucht in seinem Munde, daß also
die Irdigkeit verschlungen ward als ein Nichts und den Menschen nicht regete.
Oder als wir erkennen, daß die Erde wird am Ende verschlungen werden und
nicht mehr ein greiflich Corpus sein. 1-4,15 Also
war auch das äußerliche Essen des Menschen. Er aß die Frucht im Mund und
bedurfte dazu keiner Zähne, denn allda war die Scheidung der Macht. Es waren
zwei Centra der Kraft in Adams Munde. Ein jedes nahm das Seine; das Irdische
war in himmlische Qual verwandelt, als wir erkennen, daß wir nach unserem
Leibe sollen verwandelt und in einen himmlischen Kraftleib gesetzet werden.
Also auch war die Verwandlung im Mund, und der Leib empfing die Kraft, denn
das Reich Gottes stehet in Kraft. So stund ja der Mensch im Reiche Gottes,
denn er war unsterblich und ein Kind Gottes. Hätte er aber sollen also in die
Därme essen und einen solchen Stank im Leibe haben, als wir jetzt haben, so
will ich die Vernunft fragen, ob dies Paradeis sei und ob Gottes Geist in dem
wohne? Da doch Gottes Geist in Adam sollte wohnen als in Gottes Kreatur. 1-4,16 Seine
Arbeit im Paradeis auf Erden war kindhaft aber mit himmlischem Witze. Er
mochte Bäume pflanzen, auch andere Kräuter, alles nach seiner Lust. Es wuchs
ihm in allem paradeisische Frucht und war ihm alles reine. Er tat, was er
wollte, so tat er recht. Er hatte kein Gesetze als nur das Gesetze von der
Imagination oder Lust. Die sollte er mit seinem Geiste in Gott setzen, so
wäre er ewig blieben. Und obgleich Gott hätte die Erde verändert, so wäre er
doch blieben ohne Not und Tod. Es wäre ihm nur alles in himmlische Wesenheit
verwandelt worden. 1-4,17 Also
verstehet auch von seinem Trinken. Der innere Mensch trank das Wasser des
ewigen Lebens aus Gottes Wesen, und der äußere trank Wasser auf Erden. Aber
wie die Sonne und Luft das Wasser in sich schlinget und wird dessen doch
nicht voll, also wars auch ins Menschen Munde. Es scheidete sich ins
Mysterium, als wir denken und gewiß erkennen. Auch die ganze Wahrheit ist,
daß Gott hat alles aus Nichts gemacht, nur aus seiner Kraft. Aber sollte
alles, was irdisch war, ins Menschen Mund wieder in das gehen, als es war vor
der Welt Schöpfung. Dem Menschen gehöret der Geist und die Kraft davon und
nicht ein irdischer Leib, denn Gott hatte ihm einmal einen Leib geschaffen,
der da ewig war. Er bedurfte keines Schaffens mehr, er war ein fürstlicher
Thron — verstehe: der Adam —‚ gemacht aus Himmel, Erde, Sternen und
Elementen, sowohl aus Gottes Wesen, ein Herr der Welt und ein Kind Gottes. 1-4,18 Merkets,
ihr Philosophi, es ist der wahre Grund und hocherkannt: Mischet keinen
Schultand (äußere Gelehrsamkeit) darein, es ist helle genug. Meinung tuts
nicht, aber der wahre Geist aus Gott geboren erkennet das recht. Alle Meinung
ohne Erkenntnis ist ein irdischer Narr und verstehet Erde und vier Elementa,
aber Gottes Geist verstehet nur ein Element, da ihrer vier darinnen verborgen
liegen. Nicht vier sollten in Adam regieren, sondern eines über vier, das
himmlische Element über die vier Elementen dieser Welt. Und also müssen wir
wieder werden, wollen wir das Paradeis besitzen, um welches willen Gott ist
Mensch worden. 1-4,19 Lassets
euch gesagt sein, ihr Schulzänker: Ihr gehet um den Zirkel und gehet nicht
hinein, als eine Katze um den heißen Brei, welche der Hitze fürchtet. Also fürchtet
und schämet ihr euch vor Gottes Feuer. Und sowenig die Katze des heißen Breis
genießt indem sie nur um den Rand gehet riechen, so wenig genießt auch der
Mensch der Paradeisfrucht, er gehe denn aus Adams Pelze, den der Teufel
besudelt hat, aus und trete in Christi Wiedergeburt ein. Er muß in den Zirkel
eingehen und den Vernunftpelz wegwerfen, so krieget er menschlichen Witz und
göttliche Erkenntnis; es tuts kein Lernen sondern Geborenwerden. 5. Kapitel - Vom kläglichen, elenden
Fall des Menschen
1-5,1 So wir
wollen die Menschwerdung Jesu Christi recht beschreiben, so tut not, daß wir
euch die Ursachen darstellen, warum Gott ist Mensch worden. Es ist nicht ein
Geringes oder ein Nichts, als es die Juden und Türken (Moslems) ansehen und
auch wohl bei den Christen. Es muß ja eine große Ursache sein, darum sich der
unwandelbare Gott hat beweget. So merket nun dies; wir wollen euch die
Ursachen darstellen: 1-5,2 Adam
war ein Mensch und ein Bilde Gottes, ein ganz Gleichnis nach Gott. Wiewohl Gott
kein Bild ist; er ist das Reich und die Kraft und auch die Herrlichkeit und
Ewigkeit, alles in allem. Aber die Tiefe ohne Grund lüsterte sich in
Gleichnissen zu offenbaren, als denn von Ewigkeit solche Offenbarung in der
Weisheit Gottes ist geschehen als in einer jungfräulichen Figur, welche doch
keine Gebärerin war, sondern ein Spiegel der Gottheit und Ewigkeit in Grund
und Ungrund, ein Auge der Herrlichkeit Gottes. Und nach demselben Auge und in
demselben Auge wurden die Thronen der Fürsten geschaffen, als der Engel, und
endlich der Mensch. Der hatte wieder den Thron in sich, gleichwie er war aus
der ewigen Magia aus Gottes Wesen erschaffen worden, aus dem Nichts in Etwas,
aus dem Geiste in Leib. Und wie ihn die ewige Magia aus sich gebar im Auge der
Wunder und Weisheit Gottes, also auch sollte und konnte er einen andern
Menschen auf magische Art aus sich gebären, ohne Zerreißung seines Leibes,
denn er war in Gottes Lust empfangen und das Begehren Gottes hatte ihn
geboren und dargestellet. Also hatte er auch dieselbe Lust in sich zu seiner
selbst-eignen Schwängerung, denn Veneris Tinktur ist die Matrix, die da
schwanger wird der Wesenheit als des Sulphuris im Feuer, welcher doch in
Veneris Wasser zum Wesen kommt. Des Feuers Tinktur gibt Seele und des Lichts
Tinktur gibt Geist. Und das Wasser als die Wesenheit Leib, und Mercurius als
das Centrum naturae gibt das Rad der Essentien und das große Leben im Feuer
und Wasser, himmlisch und irdisch, und Sal himmlich und irdisch erhälts im
Wesen, denn es ist das Fiat. 1-5,3 Denn
gleichwie der Mensch das äußere Gestirn in sich hat, welches ist sein Rad der
äußern Welt, Essentien und Ursache des Gemüts, also auch das innere Gestirne
des Centri der feurigen Essentien, sowohl im andern Principio der
licht-flammenden göttlichen Essentien. Er hatte die ganze Magiam des Wesens
aller Wesen in sich. Es war die Möglichkeit in ihm, er konnte magisch
gebären, denn er liebte sich selber und begehrte aus seinem Centro wieder das
Gleichnis als er von Gottes Begehren war empfangen und mit der Gebärerin im
Fiat dargestellet worden, also sollte er auch sein engelisch oder menschlich
Heer darstellen. 1-5,4 Ob sie
aber sollten alle aus einem als aus dem fürstlichen Thron erboren werden oder
an allen, je einer aus dem andern, ist nicht not zu wissen, denn das Ziel ist
zerbrochen. Wir haben genug an der Erkenntnis, daß wir wissen, was wir sind
und was unser Reich ist. Ich befinde zwar in der Tiefe im Centro, daß je
einer sollte aus dem andern gehen, denn das himmlische Centrum hat seine Minuten
sowohl als das irdische, welche immer schlagen, da das Rad mit den Essentien
in allen dreien Prinzipien immer gehet und immer ein Wunder nach dem andern
eröffnet. So war doch des Menschen Bild in Gottes Weisheit erfunden und
erdacht, da die Wunder ohne Zahl inne liegen. Die sollten mit dem
menschlichen Heer eröffnet werden, und würde freilich in der Zeit je ein
größer Wunder in einem als im andern sein eröffnet worden, alles nach der
himmlischen und irdischen Geburt wunderlichen Änderungen, als es denn noch
heute also geschiehet, daß in einem mehr Kunst und Verstand der Wunder lieget
als im andern ist. Darum schließe ich, daß je ein Mensch habe sollen aus dem
andern gehen und geboren werden, um der großen Wunder und um des Menschen
Lust und Freude willen, da ja ein Mensch würde haben seinesgleichen
hervorbracht. Also wäre das menschliche Geschlecht gestanden in der Gebärung
bis Gott das dritte Principium dieser Welt hätte wieder in sein Aether
gesetzet, denn es ist eine Kugel mit Anfang und Ende. Wenn der Anfang das
Ende erreichet, daß das Letzte in das Erste tritt, so ist es alles vollendet
und ganz. Alsdann wird das Mittel wieder geläutert werden und gehet wieder in
das, als es vorhin vor den Zeiten dieser Welt war, bis auf die Wunder. Die
bleiben in Gottes Weisheit in der großen Magia als ein Schatten von dieser
Welt stehen. 1-5,5 So
denn Adam ein solch herrlich Bild war und dazu an des verstoßenen Luzifer
Stelle, so mochte ihm solches der Teufel nicht gönnen, neidete den heftig und
stellete seine Larvam und Imagination immer vor Adam, und schlich mit seiner
Imagination in die Irdigkeit der Früchte und bildete dem Adam für, als wenn
große Herrlichkeit in seiner entzündeten Irdigkeit steckte, wiewohl ihn Adam
nicht kannte, denn er kam auch nicht in seiner eigenen Gestalt, sondern in
der Schlangen als in einem künstlichen Tier. Er trieb das Affenspiel als ein
Vogelsteller, der die Vögel betreugt und fängt, also tat er auch. Auch hatte
er das irdische Reich mit seiner Hoffartsucht infizieret und halb ermordet,
wie an Erde und Steinen zu sehen ist, welches auch so ganz süchtig und eitel
war, und wären doch gerne der Eitelkeit (Vergänglichkeit) los gewesen. Und so
es dann empfand, daß Adam ein Kind Gottes war und hatte die Herrlichkeit und
Kraft, so imaginierte es auch heftig nach Adam; sowohl der entzündete Zorn
Gottes imaginierte auch nach Adam, sich in diesem lebendigen Bilde zu
ergötzen. 1-5,6 Also
zog alles an Adam und wollte ihn haben. Das Himmelreich wollte ihn haben,
denn er war dazu geschaffen. So wollte ihn auch das irdische Reich haben,
denn es hatte einen Teil an ihm, es wollte sein Herr sein, dieweil es nur
eine Kreatur war. So sperrete der Grimm auch seinen Rachen auf und wollte
kreatürlich und wesentlich sein, seinen großen grimmigen Hunger zu ersättigen.
Und stund Adam also in der Proba wohl 40 Tage, also lang Christus in der
Wüsten versuchet war, und Israel am Berge Sinai, als ihnen Gott das Gesetz
gab, obs möglich wäre, daß dies Volk könnte in des Vaters Qual im Gesetze vor
Gott bestehen, ob der Mensch könnte im Gehorsam bleiben, daß er seine
Imagination in Gott stellete, daß Gott nicht bedürfte Mensch werden, um
welches willen Gott solche Wunder in Ägypten tat, daß doch der Mensch sollte
sehen, daß ein Gott sei, und ihn lieben und fürchten. Aber der Teufel war ein
Lügner und Schalk. Er verführete Israel, daß sie ein Kalb macheten und für
Gott ehreten. Also war es jetzt nicht möglich zu bestehen. Darum kam Moses
mit der Tafel vom Berge, darauf das Gesetze geschrieben war, und zerbrach die
und tötete die Kälberdiener. Also mußte Moses nicht dies Volk ins gelobte
Land führen. Es konnte nicht sein, es mußte es Josua und endlich Jesus tun,
der in der Versuchung vorm Teufel und Zorn Gottes bestund, der den Zorn
überwand und den Tod zerbrach wie Moses die Tafel des Gesetzes. Der erste
Adam konnte nun nicht bestehen, ob ihm gleich Gottes Reich unter Augen und er
im Paradeis stund, so war doch Gottes Zorn also sehr entbrannt und zog Adam,
denn er war in der Erden so sehr entzündet, durch des Teufels Imagination und
starken Willen. 1-5,7 So
spricht die Vernunft: Hatte denn der Teufel solche Macht? —Ja, lieber Mensch,
hat sie doch der Mensch auch. Er kann Berge umstürzen, so er mit seiner
Imagination eingehet. Der Teufel war aus der großen Magia Gottes und ein
Fürst oder König dieses Thrones; und ging in die stärkste Feuersmacht ein, in
willens ein Herr über alles Himmelsheer zu sein. Also ward die Magia
entzündet und die große Turba (Verwirrung) geboren. Die hat mit Adam
gerungen, ob er wollte stark genug sein, dem Teufel sein Reich zu besitzen
und in anderer Qual darin zu herrschen. Dieses verstund Adams Vernunftgeist
wohl nicht, aber die magischen Essentien stritten widereinander, davon die
ganze Lust und der Willen entstehet, bis Adam anhub und imaginierte nach der
Irdigkeit und wollte irdische Frucht haben. So war es geschehen, denn sein
edles Bildnis, welches alleine vom Verbo Domini sollte essen, ward infizieret
und verdunkelt. Alsbald zuhand wuchs der irdische Versuchbaum, denn Adams
Lust hatte das begehret und zugelassen. Da mußte Adam versuchet werden, ob er
könnte bestehen, denn es kam das strenge Gebot von Gott, und Gott sprach: Du
sollst essen von allerlei Bäumen im Paradeis, aber von dem Baume des
Erkenntnisses des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Denn welches Tages
du davon issest, sollst du des Todes sterben, das ist: am Himmelreich sterben
und irdisch werden (Gen. 2,16.17). Und Adam wußte das Gebot wohl, aß auch
nicht davon. Aber er imaginierte darein und ward in seiner Imagination
gefangen, ganz kraftlos, dazu matt und schwach, bis er überwunden ward; da
fiel er nieder und schlief. 1-5,8 Also
fiel er der Magiae heim, und war geschehen um seine Herrlichkeit, denn der
Schlaf deutet an den Tod und eine Überwindung (Niederlage). Das irdische Reich
hatte ihn überwunden. Es wollte über ihn herrschen. Das Sternenreich wollte
Adam haben und seine Wunder mit ihm verbringen, denn es war sonst keine
Kreatur, die so hoch wär gradieret gewesen als der Mensch, welcher das
Sternenreich konnte erreichen. Darum ward Adam gezogen und recht versuchet,
ob er könnte ein Herr und König über Sternen und Elementen sein. Der Teufel
war geschäftig. Er vermeinete, den Menschen auch zu stürzen und in seine
Gewalt zu bringen, damit dieser Thron doch endlich sein Königreich bliebe.
Denn er wußte wohl, wenn der Mensch aus Gottes Willen würde ausgehen, daß er
irdisch sein würde. So wußte er auch wohl, daß der Höllen Abgrund im
irdischen Reiche stünde. Darum war er jetzt geschäftig, denn so Adam hätte
magisch geboren, so wäre das Paradeis auf Erden geblieben. Das war dem Teufel
nicht eben. Er mochte das nicht. Es schmeckte nicht in seinem Reiche, denn es
roch nicht nach Schwefel und Feuer, sondern nach Liebe und Süßigkeit. Da
dachte der Teufel: Das Kraut issest du nicht, du bleibest sonst nicht ein
Feuer-Herr. 1-5,9 Also
steckte der Fall Adams ganz in der irdischen Essenz. Er verlor die himmliche
Essenz, aus welcher göttliche Liebe quillet, und kriegte irdische Essenz, aus
welcher Zorn, Bosheit, Gift, Krankheit und Elend quillet, und verlor die
himmlischen Augen. Auch konnte er nicht mehr auf paradeisische Art essen,
sondern imaginierte nach der verbotenen Frucht, da Bös und Gut vermischet
war, als noch heut alle Frucht auf Erden ist. Und also wurden die vier
Elementa in ihm rege und qualifizierend (Wirksam) denn sein Wille mit der
Imagination nahm das irdische Reich in das Seelenfeuer zur Herberge ein. Also
ging er von Gottes Geist aus in den Sternen- und Elementen-Geist. Die nahmen
ihn an und freueten sich in ihm. Denn sie wurden jetzt in ihm lebendig und
mächtig; zuvor mußten sie untertänig und im Zwange sein. Jetzt kriegten sie
das Regiment. 1-5,10 Da
wird der Teufel gelachet und Gottes gespottet haben. Aber er wußte noch
nicht, was dahinten war; er wußte noch nichts vom Schlangentreter (Christus;
vgl. Gen.3,15), welcher ihm sollte seinen Stuhl nehmen und sein Reich
zerbrechen. Also ist Adam in den Schlaf niedergesunken in die Magiam, denn
Gott sah, daß er nicht bestehen konnte. Darum sprach er: Es ist nicht gut,
daß dieser Mensch allein sei; wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn
sei (Gen. 2,18), durch welche er sich könne bauen und fortpflanzen. Denn er
sah den Fall und kam ihm auf einem andern Weg zu Hilfe, denn er wollte nicht,
daß sein Bildnis sollte verderben. 1-5,11 Die
Vernunft spricht: Warum ließ Gott den Baum wachsen, daran Adam versuchet war?
Es muß ja sein Wille sein gewest, daß Adam versuchet ward. Also will sie auch
den Fall in Gottes Willen schieben, und denket, Gott habe gewollt, daß Adam
sollte fallen. Gott wollte etliche Menschen in Himmel und etliche in der
Hölle haben, sonst hätte er ja dem Übel gewehret und Adam können erhalten,
daß er wäre gut und im Paradeis blieben. Also urteilt auch die jetzige Welt,
denn, saget sie, hätte Gott nichts Böses gemacht, so wäre nichts Böses, zumal
es alles von ihm herrühret und er alleine der Schöpfer ist, der alles gemacht
hat, so hat er ja Böses und Gutes gemacht, sonst wäre es nicht also. Und das
will sie schlechts erhalten; auch denket sie, wäre je nichts gewesen, daran
sich der Teufel und auch der Mensch vergaffet hätten und sind böse worden, so
wäre der Teufel ein Engel blieben und der Mensch im Paradeis. 1-5,12 Antwort:
Ja, liebe Vernunft, jetzt hast du das Ziel und den Zweck getroffen. Es mag
dir also nicht fehlen, wo du nicht blind bist. Höre, warum sagst du auch
nicht zum Lichte, warum leidest du das Feuer, wie gar wonnesam wärest du, so
du nicht im Feuer wohnest? Ich wollte meine Hütte zu dir bauen, aber du
wohnest im Feuer, ich kann nicht. Sage nur zum Lichte: Gehe aus dem Feuer, so
bist du gut und wonnesam. Und so dir das Licht folget, so findest du einen
großen Schatz. Wie wirst du dich freuen, so du kannst im Lichte wohnen, daß
dich das Feuer nicht brennet. — Also weit gehet die Vernunft. 1-5,13 Aber
siehe recht mit magischen Augen, verstehe mit göttlichen und auch mit
natürlichen, so soll dirs gezeiget werden. Bist du aber nicht gar blind und
tot; — siehe, ich gebe dir im Gleichnis zu verstehen, weil sonst die Vernunft
eine Närrin ist und nichts vom Geiste Gottes verstehet. Ich will also setzen,
als hätte ich die Gewalt, daß ich könnte das Licht vom Feuer nehmen, welches
doch nicht sein kann, und sehen, was doch danach sein würde. Siehe, wenn ich
das Licht vom Feuer nehme, so verlieret (1.) das Licht seine Essenz, daraus
es scheinet; (2.) es verlieret sein Leben und wird eine Ohnmacht; es wird
(3.) von der Finsternis gefangen und bewältigt und erlischet in sich selber
und wird ein Nichts. Denn es ist die ewige Freiheit und ein Ungrund. Weils
scheinet, so ist es gut, und wenns erlischet, so ists nichts. 1-5,14 Nun
siehe weiter: Was bleibet mir aber am Feuer, wenn ich das Licht und Glanz vom
Feuer nehme? Nichts, als nur ein dürrer Hunger und eine Finsternis. Es
verlieret Essenz und Qual, verhungert und wird ein Nichts. Sein gewesener
Sulphur ist ein Tod, verzehret sich, weil die Essenz da ist. So sie nun
nimmer ist, so ists ein Nichts, ein Ungrund, da keine Spur ist. 1-5,15 Also,
liebes suchendes Gemüte, denke ihm doch also nach: Gott ist das ewige Licht,
und seine Kraft und Qual wohnet im Lichte. Das Licht ursachet Sanftmut, und
aus der Sanftmut wird Wesen. Dasselbe Wesen ist Gottes Wesen, und des Lichtes
Qual ist Gottes Geist, der der Urstand ist. Es ist sonst kein anderer Ort als
dieser. Im Lichte ist die Kraft, und die Kraft ist das Reich. Nun hat aber
das Licht und die Kraft nur einen Liebewillen. Es begehret nichts Böses. Es
begehret wohl Wesen, aber aus seiner eigenen Essenz, verstehe: aus der Liebe
und Süßigkeit, denn dasselbe ist dem Lichte ähnlich. Nun urständet aber das
Licht vom Feuer, und ohne das Feuer wäre es nichts. Es hätte keine Essenz
ohne das Feuer. Das Feuer machet Leben und Beweglichkeit und ist die Natur,
hat aber einen andern Willen als das Licht, denn es ist ein Geiz und will nur
zehren. Es nimmt nur und steiget in Hoffart auf. Und das Licht nimmt nicht,
sondern es gibt, daß das Feuer erhalten wird. Des Feuers Qual ist Grimm.
Seine Essentien sind bitter. Sein Stachel ist feindig und unwonnesam. Es ist
eine Feindschaft in sich selber. Es verzehret sich selber. Und so ihm das
Licht nicht zu Hilfe kommt, so frisset sichs, daß ein Nichts aus ihm wird. 1-5,16 Also,
mein liebes suchendes Gemüte, betrachte dies, so wirst du bald zur Ruhe und
ans Ziel kommen: Gott ist von Ewigkeit die Kraft und das Licht, und wird Gott
genannt nach dem Lichte und nach der Kraft des Lichtes, nach dem Geiste des
Lichts, nicht nach dem Feuergeiste. Denn der Feuergeist heißet sein Grimm,
Zorn, und wird nicht Gott genannt, sondern ein verzehrend Feuer der Macht
Gottes. Das Feuer heißet Natur, und das Licht heißet nicht Natur. Es hat wohl
des Feuers Eigenschaft, aber verwandelt aus Grimm in Liebe, aus Fressen und
Verzehren ein Gebären, aus Feindung und bitter Wehe ein sanftes Wohltun und
lieblich Begehren und ein Immer-Erfüllen. Denn das Liebe-Begehren zeucht die
Sanftmut des Lichts in sich und ist eine schwangere Jungfrau, nämlich der
Witze und Weisheit der Kraft der Gottheit. 1-5,17 Also
ist uns hoch erkenntlich, was Gott und Natur ist, dazu auch der Grund und
Ungrund, auch die Tiefe der Ewigkeit. Und erkennen also, daß das ewige Feuer
magisch sei und werde im begehrenden Willen erboren, wie solche im andern und
dritten Teil der Bücher erkläret worden, ist nun das ewige Ungründliche
magisch, so ist auch das magisch, das aus dem Ewigen erboren ist. Denn aus
Begehren sind alle Dinge worden. Himmel und Erden sind magisch, auch das
Gemüte mit den Sinnen, so wir doch dies wollten kennen. 1-5,18 Was
mag nun dies das Licht, so das Feuer etwas ergreift und verschlinget, so doch
das Ding, so vom Feuer ergriffen wird, auch magisch ist? So es dann ein Leben
und des Lichts Kraft und Verstand hat, warum läuft es dann ins Feuer? Ist
doch der Teufel ein Engel gewesen und Adam ein Bild Gottes; sie hatten beide
das Feuer und das Licht, dazu göttlichen Weisheit in sich. Warum imaginierte
der Teufel nach dem Feuer und Adam nach der Erden, waren sie doch frei? Das
Licht und Kraft Gottes zog den Teufel nicht ins Feuer, sondern der Grimm der
Natur. Warum willigte der Geist? Was die Magia machte, das hatte sie. Der
Teufel machte sich die Hölle, die hatte er. Adam machte sich irdisch, das ist
er. Ist doch Gott keine Kreatur, auch kein Macher, sondern ein Geist und
Eröffner. Als die Schöpfung geschah, so ist uns also davon zu ersinnen und zu
erkennen. Es hat sich das Feuer und Licht zugleich in Lust erwecket und einen
Spiegel oder Bildnis nach der Ewigkeit begehret. So ist uns doch in wahrer
Erkenntnis, daß der Grimm als des Feuers Natur kein Macher ist. Er hat aus
sich nicht gemacht, das wesentlich wäre, denn das kann auch nicht sein,
sondern er hat Geist und Qual gemacht. So stehet aber keine Kreatur nur bloß
in der Essenz. Soll eine Kreatur sein, so muß sie aus Wesen sein als aus
Kraft oder Sulphur. Sie muß im geistlichen Sal bestehen, so wird alsdann aus
dem Feuer-Qual ein Mercurius und ein recht essentialisch Leben. Dazu muß sie
Glanz haben, soll aber ein Verstand und Erkenntnis innen sein. 1-5,19 Also
wissen wir, daß alle Kreatur im geistlichen Sulphure, Mercurio und Sale*
stehet, und tuts doch nicht allein der Geist. Es muß Sulphur sein, in dem das
Fiat steht als die herbe Matrix zum Centro Naturae, darin der Geist erhalten
wird; das ist: es muß Wesen sein. Denn wo kein Wesen ist, da ist kein
Schaffen, da doch ein kreatürlicher Geist kein begreiflich Wesen ist. Aber er
muß ihm Wesen in sich einziehen durch seine Imagination, sonst bestünde er
nicht. *) die drei
Grundprinzipien der Natur: Kraft, Bewegung, Erhaltung 1-5,20 So ihm
denn der Teufel Grimmigkeit in Geist zog und der Mensch Irdigkeit in Geist zog,
was mochte das die Liebe der Wesenheit Gottes, ward doch dem Teufel die Liebe
und Sanftmut Gottes mit dem göttlichen Wesen fürgestellet und dargeboten,
sowohl auch dem Menschen. Wer will Gott beschuldigen? Ist aber die grimme
Essenz im Teufel zu stark gewesen, daß sie die Liebe-Essenz hat überwunden,
was kann Gott dafür? So ein guter Zweig gesetzet wird, verdirbet aber, was
mag dessen die Erde, gibt sie ihm doch Saft und Kraft. Warum zeucht der Zweig
nicht an sich? Sprichst du: Seine Essentien sind zu schwach; — was mag aber
dessen die Erde und auch der, so den Zweig gesetzet hat. Sein Wille ist doch
nur, daß er will einen guten Baum aufziehen zu seiner Lust, und will seiner
Frucht genießen. Wüßte er aber, daß der Zweig sollte verderben, er setzte den
nimmer. 1-5,21 Also
ist uns zu erkennen: Nicht als einer, der einen Baum setzet, sind die Engel
geschaffen, sondern mit der Bewegung Gottes mit beiden Prinzipien, als Licht
und Finsternis, in welcher das Feuer verborgen lag. Brannte doch das Feuer
nicht in der Schöpfung und in der Bewegung als es noch heute nicht brennet,
denn es hat sein eigen Principium. Warum erweckte das Luzifer? Der Wille
entstund aus seiner Kreatur und nicht außer ihm. Er wollte ein Herr über
Feuer und Licht sein. Er wollte das Licht verlöschen und verachtete die
Sanftmut und wollte ein Feuer-Herr sein. So er dann das Licht verachtete und
seine Geburt in Sanftmut, so ward er billig ausgestoßen. Also verlor er Feuer
und Licht und muß im Abgrunde in der Finsternis wohnen. Will er Feuer haben,
so muß er ihm das aufschlagen und mit seiner Bosheit in der Imagination
anzünden, welches ihm doch nicht recht brennet, sondern nur in
essentialischer grimmiger Qual, als die vier Gestalten im Centro naturae in
sich selber geben. Als herb, hart, rauh und kalt ist eine Gestalt, bitter,
stachlicht, feindig ist die andere Gestalt am Centro und dann Angst, Wehe und
Qual ist die dritte Gestalt. Und mit der Angst, als im Bewegen und Leben
schlägt er das Feuer in der harten Herbigkeit zwischen der Härte und bittern
Stachel, auf daß es als ein Blitz erscheinet. Das ist die vierte Gestalt. Und
so nun nicht Sanftmut oder Wesen der Sanftmut ist, so gibt es kein Licht,
sondern nur einen Blitz, denn die Angst will die Freiheit haben, ist aber zu
scharf und erlanget sie nur einen Blitz. Das ist Feuer und hat doch keinen
Bestand oder Grund. Also muß der Teufel in der Finsternis wohnen, und hat nur
den grimmen Blitz in sich, ist auch die ganze Gestalt in der Wohnung nur als
ein grimmiger Blitz, als obs Donnerschläge täte. Also stellet sich die
höllische Eigenschaft in der Qual. 1-5,22 Also
ist uns auch imgleichen zu verstehen von dem Versuchbaum welchen Adam durch
seine Imagination erweckt. Er begehrte, so stellete ihm die Matrix naturae
das für, das er begehrte. Aber Gott verbot ihm das. Er sollte es nicht
anrühren, Gott wollte es nicht haben. Aber die irdische Matrix wollte Adam
haben, denn sie erkannte in Adam die göttliche Kraft. Weil sie war mit der
Entzündung des Teufels irdisch worden, doch nicht gar erstorben, so sehnete
sie sich nach dem, als sie zuvor war, als nach der Freiheit, der Eitelkeit
los zu sein; und in Adam war die Freiheit. 1-5,23 Also
zog sie Adam, daß Adam imaginiert; und also lüsterte Adam wider Gottes Gebot
und Willen. Das ists, das Paulus saget: Das Fleisch lüstert wider den Geist
und den Geist wider das Fleisch (Gal. 5,17). Adams Fleisch war halb himmlisch
und halb irdisch. Also hatte auch Adams Geist eine Macht mit der Imagination
in die Erde gebracht, und also gab ihm die Matrix naturae dasjenige, was er
wollte. Er mußte versuchet werden, ob er auch an Luzifers Stelle ein Engel
wollte bestehen. Darum schuf ihn Gott auch nicht bloß roh als einen Engel,
daß — so er ja fiele und nicht bestünde — er ihm möchte helfen, daß er doch
nicht also im Grimme verdürbe wie Luzifer. Darum ward er aus der Materia
erschaffen und war ihm sein Geist in die Materiam eingeführet als in Sulphur
vom Wasser und Feuer, daß ihm doch Gott könnte also ein neu Leben wieder
ausgebären. Gleichwie eine schöne wohlriechende Blume aus der Erden wächst,
also war auch Gottes Vorsatz, weil er erkannte, daß er nicht bestehen würde.
Darum saget auch Paulus: Wir sind in Christo Jesu vorbestimmt ehe der Welt
Grund geleget ward, das ist: als Luzifer fiel. Da war der Welt Grund noch
nicht geleget, und war aber der Mensch schon in Gottes Weisheit ersehen. So
er aber sollte aus dreien Prinzipien gemachet werden, so war schon Gefahr
wegen des entzündeten Sulphuris der Materien. Und ob er wohl über der Erden
geschaffen war, so ward doch der Sulphur aus der Erden Matrice ausgezogen als
eine schöne Blume aus der Erden, und war schon Gefahr. Und allda hat sich der
holdselige Name Jesus mit eingebildet als ein Heiland und Wiedergebärer. Denn
der Mensch ist das größeste Geheimnis, das Gott gewirket hat. Er hat die
Figur, wie sich die Gottheit hat von Ewigkeit aus dem Grimm, aus dem Feuer
durch das Ersinken, durch den Tod in ein ander Principium anderer Qual und
Kraft, da er der Irdigkeit ganz los wird. 1-5,24 Und
ist uns sehr gut, daß wir der Erden mit dem irdischen Teil sind heimgefallen,
sofern wir aber auch das göttliche Teil erhalten, denn wir werden also ganz
rein und kommen ganz vollkommen, ohne einige Sucht des Teufels, wieder in
Gottes Reich, und sind viel ein größer Geheimnis als die Engel. Wir werden
auch nach der himmlischen Wesenheit sie übertreffen, denn sie sind
Feuerflammen, mit dem Lichte durchleuchtet. Wir aber erlangen den großen
Quell der Sanftmut und Liebe, so in Gottes heiliger Wesenheit quillet. 1-5,25 Darum tun
die ganz falsch und unrecht, die da sagen, Gott wolle nicht alle Menschen in
Himmel haben. Er will, daß allen geholfen werde. Es fehlet am Menschen
selber, daß er sich nicht will helfen lassen. Und ob mancher böser Neigung
ist, das ist nicht von Gott, sondern von der Mutter der Natur. Willst du Gott
beschuldigen? Du lügst, Gottes Geist entzeucht sich niemandem. Wirf deine
Bosheit weg und gehe in die Sanftmut ein. Tritt in die Wahrheit, in die Liebe
und ergib dich Gott, so wird dir geholfen, denn darum ist Jesus geboren, daß
er helfen will. Sagst du, ich werde gehalten, daß ich nicht kann. — Ja recht,
du willsts haben, der Teufel wollt es auch haben. Bist du ein Ritter, warum
streitest du nicht wider das Böse? Streitest du aber wider das Gute, so bist
du ein Feind Gottes. Meinest du, Gott werde dem Teufel eine engelische Krone
aufsetzen? Bist du Feind, so bist du nicht Freund. Willst du Freund sein, so
verlasse die Feindschaft und gehe zum Vater, so bist du Sohn. Darum, wer Gott
beschuldiget, der ist ein Lügner und Mörder als
der Teufel auch. Bist du doch dein selbst eigener Macher, warum machst du
dich böse? Und ob du eine böse Materia bist, so hat dir Gott sein Herz und
Geist geschenket. Nimm das zu deinem Machen, so machst du dich gut. Nimmst du
aber Geiz und Hochmut, dazu Wollust des irdischen Lebens, was kann Gott
dafür? Soll dir auch noch Gott in deinem verächtlichen Hochmut sitzen? Nein,
das ist nicht seine Qual. Sprichst du aber: Ich bin ein böser Qual und kann
nicht, ich werde gehalten, — wohlan, laß die böse Qual sein! Gehe du aber mit
deinem Willen-Geist in Gottes Liebe-Geist ein und ergib dich seiner
Barmherzigkeit, du wirst der bösen Qual wohl einst los werden. Die böse Qual
ist aus der Erden. So die Erde den Leib krieget, so mag sie ihre Bosheit
hinnehmen; du aber bist und bleibst ein Geist in Gottes Willen, in seiner
Liebe. Laß hin fahren den bösen Adam, es wird dir ein neuer und guter aus dem
alten ausgrünen, als eine schöne Blume aus dem stinkenden Mist auswächset.
Nur schaue zu, daß du den Geist in Gott erhältst; um den bösen Leib, der voll
böser Affekte stecket, ists nicht viel zutun. Ist er bös geneiget, so tue ihm
desto weniger Gutes. Gib ihm nicht Ursache zur Geilheit. Im Zwang zu halten
ist ein gut Remedium (Heilmittel), aber toll und voll sein, ist: den bösen
Esel vollends in den Mistpfuhl werfen, da er sich doch genug im Kot sudelt
als eine Sau. Nüchtern sein, ein mäßig Leben führen, ist eine gute Purganz
(Reinigung) für den bösen Esel. Nicht geben, wonach ihm gelüstet, oft lassen
fasten, daß er das Gebet nicht hindert, ist ihm gut. Er will wohl nicht, aber
der Verstand soll Herr sein, denn er träget Gottes Bildnis. 1-5,26 Dieses
Latein schmeckt zwar der Vernunft-Welt in Fleischeslust nicht. Weil ihr aber
dieses nicht schmecket, und ziehet für dieses eitel böse irdische Wollust ein
und saufet die in sich, so ist der Zorn in ihr rege. Der zeucht sie immer mit
Adam aus dem Paradeis und mit Luzifer in Abgrund. Da wirst du doch satt
saufen und fressen, was du allhie hast willig in dich gezogen. Aber Gott
sollst du nicht schuldigen, sonst bist du ein Lügner und Feind der Wahrheit.
Gott will kein Böses, ist auch kein böser Gedanke in ihm. Er hat nur eine
Qual, das ist Liebe und Freude. Aber sein Grimm als die Natur hat viel Qualen
(Eigenschaften) darum sehe ein jeder zu, was er tut. Es ist ein jeder Mensch
sein eigener Gott und auch sein eigener Teufel; zu welcher Qual er sich
neiget und einer gibt, die treibet und führet ihn, derselben Werkmeister wird
er. 1-5,27 Ein
groß Elend ist das, daß der Mensch so blind wird, daß er doch nicht mag
erkennen, was Gott ist, da er doch in Gott lebet; und sind noch Menschen, die
solches verbieten, man solle nicht forschen, was Gott sei, und wollen auch
Lehrer Gottes sein; jawohl, Lehrer des Teufels sind solche, daß der mit
seinem falschgleißnerischem Reiche nicht offenbar und erkannt werde. 6. Kapitel - Von Adams Schlafe, wie
Gott ein Weib habe aus ihm gemacht und wie er vollends sei irdisch worden
1-6,1 Wenn
der Mensch matt und müde wird, so fället er in einen Schlaf als in die Magiam
(Geheimniszustand des Unbewußten). Ihm ist, als wäre er nicht in dieser Welt,
denn alle seine Sinnen hören auf. Das Rad der Essenden tritt in eine Ruhe. Er
ist, als wäre er essentialisch und nicht substantialisch. Er gleichet sich bloß
der Magiae, denn er weiß nichts von seinem Leibe. Er lieget als tot und ist
doch nicht tot, sondern der Geist steht stille. So haben alsdann die
Essentien ihr Verbringen (sie sind passiv) und siehet alleine der
Seelen-Geist. Da wird alles in dem siderischen (gestirnten) Geist gemalet,
was der gestirnte Himmel verbringet, und stehet magisch als ein Spiegel im
Gemüte, in welchem sich der Geist der großen Welt vergaffet, und führet das,
was er im Spiegel siehet, in die Essentien. Und die Essentien quallen
darinnen, als verbrächten sie das Werk in dem Geiste, malen das auch im
Geist, welches Träume und Vorbildungen sind. 1-6,2 Also
ist uns zu erkennen: Als die Irdigkeit mit Adam rang und er in dieselbe
imaginierte, so ward er sobald davon infizieret, ward in seinem Gemüte
finster und strenge, denn die Irdigkeit hub an zu qualifizieren als ein
Wasser, welches vom Feuer anhebet zu sieden. Der Sternen Qual ward rege und
war jetzt des Leibes Herr. So saget nun Moses gar recht: Gott ließ ihn in einen tiefen Schlaf fallen, das ist:
weil sein Willen-Geist nach Irdigkeit imaginierte, so ließ ihn Gott
hinfallen, denn er führte mit der Imagination Irdigkeit in die himmlische
Wesenheit. Und das wollte der Geist Gottes, welcher ein Geist des Lichts ist,
nicht haben, denn Adams Geist war eine Kreatur und ging aus Gottes
Liebe-Geist aus. Also ließ er ihn wohl nicht gerne, aber die Irdigkeit hatte
ihn schon gefangen. Und da er ihn ließ, da sank er nieder in eine Ohnmacht
und fiel dem dritten Principio anheim als dem Gestirne und den vier
Elementen. Also lag er in der irdischen Magia und ward doch auch nicht ganz
irdisch. Er lag im Mysterio zwischen Gottes und dieser Welt Reich verborgen,
da beide Fiat (beide Aspekte des Schöpferischen) als das göttliche und
irdische, in ihm rege waren. Und waren die zwei Reiche, als Gottes und der
Höllen Reich, jetzt zum erstenmal im Streite um den Menschen. So nun jetzt
nicht der teure Name Jesus in Adam eingebildet wäre gewesen, auch noch vor
der Schöpfung als in die Wesenheit Gottes, darin die Jungfrau der Weisheit
Gottes stund, daraus Adam geschaffen ward, so sollte er wohl noch schlafen
und im irdischen Tode sein. 1-6,3 Und
dieses ist, daß der andere Adam, Christus, mußte bis an den dritten Tag in
der Erden in des ersten Adams Schlafe ruhen und den ersten Adam wieder aus
der Irdigkeit auferwecken. Denn Christus hatte auch eine Seele und Geist aus
Adam. Und das teure Wort der Gottheit mit Gottes Geist weckete die erstorbene
Wesenheit des Sulpfuris als den Leib, welcher in Adam war erstorben, in
Christi Fleisch wieder auf und setzte das wieder in die Kraft der Majestät
Gottes ein, und damit uns alle. 1-6,4 Alle
diejenigen, welche mit ihrem Glauben und Imagination in Christi Fleisch und
Blut in seinen Tod und Ruhe in der Erden eingehen, die grünen alle mit ihrem
Geiste und Willen in der göttlichen Wesenheit aus und sind eine schöne Blume
in der Majestät Gottes. Und Gott, das ewige Wort und Kraft, will am Jüngsten
Tage den erstorbenen Leib, welcher der Erden ist, mit Adam heimgefallen (im
Sündenfall) in sich mit seinem Geiste aufwecken. Denn Christi Seele und
Fleisch welches auch unsere Seele ist — verstehe es recht: das Teil, welches
Adam aus der göttlichen Wesenheit empfing — hat Gott geschieden durch und in
dem Tode Christi von der irdischen Qual, und hats auferwecket und wieder in
die göttliche Wesenheit eingeführet, als es war vor den Zeiten der Welt, und
uns in und mit ihm. Und fehlet jetzt bei uns nur an der Einergebung, daß wir
uns den Teufel lassen halten, denn unser Tod ist zerbrochen. Unser Schlaf ist
ein Leben worden, und solches in Christo und durch Christum in Gott und durch
Gott in die Ewigkeit, mit unsern Grund in Ungrund als in die Majestät außer
der feuernden Natur. 1-6,5 Ach,
Blindheit, daß wir uns nicht kennen! O du elender Mensch! Wenn du dich
kennetest, wer du bist, wie solltest du dich freuen! Wie solltest du dem
finstern Teufel Abschied geben, welcher Tag und Nacht dahin trachtet, daß er
unser Gemüte irdisch mache, daß wir nicht sollen unser rechtes Vaterland,
daraus wir sind ausgegangen, erkennen. O elende, verderbte Vernunft,
erkennetest du nur ein Fünklein von deiner ersten Herrlichkeit (vor dem
Fall), wie solltest du dich danach sehnen! Wie gar holdselig ist doch der
Anblick der göttlichen Wesenheit! Wie süße ist das Wasser des ewigen Lebens
aus Gottes Majestät! O wertes Licht, hole uns wieder, wir sind jetzt mit Adam
in der irdischen Qual eingeschlafen. O Komm, du wertes Wort, und wecke uns in
Christo auf! O wertes Licht, bist du doch erschienen, zerbrich nur des
Teufels Macht, der uns gefangen hält! Zerbrich des Widerchrists und des
Geizes Macht und erlöse uns vom Übel! Wecke uns auf, Herr, denn wir haben
lange in des Teufels Netz, in irdischer Qual geschlafen. Laß uns doch noch
einst sehen dein Heil; bringe doch hervor das neue Jerusalem! Ists doch Tag,
warum sollen wir dann am Tage schlafen? Komm doch, du Durchbrecher des Todes,
du gewaltiger Held und Ritter, und zerbrich dem Teufel sein Reich auf Erden!
Gib uns, deinem kranken Adam, doch noch einen Labetrunk aus Zion, auf daß wir
uns erquicken und in unser rechtes Vaterland heimgehen. Siehe, alle Berge und
Hügel mit den Tälern sind voll der Herrlichkeit des Herrn. Er schießt auf als
ein Gewächs, wer will das wehren, Halleluja! 1-6,6 Als
nun Adam eingeschlafen war, so lag er im Mysterio, als in Gottes Wundern. Was
er mit ihm tat, das war getan. Also bewegete der eingebildete Name Jesus
abermals das Fiat in zwo Gestalten als in beiden Tinkturen (Wirkkräfte) des
Feuers und Wassers. Denn dieses erste Bildnis war jetzt dem Namen Jesus im
Worte des Lebens heimgefallen, und war jetzt das Wort des Lebens der andere
Schöpfer, — verstehe: mit dem eingebildeten Namen Jesus, der da wollte Mensch
werden. Der scheidete die zwo Tinkturen voneinander, als die Feuer- und
Licht-Tinktur, jedoch nicht ganz in der Kraft, sondern in der Wesenheit. Denn
in der Wesenheit der Licht-Tinktur war der Sulphur Veneris (Venuskraft) der
Liebe, in welcher sich Adam sollte und konnte selber schwängern. Die
Feuer-Tinktur gab Seele und die Licht-Tinktur Geist, als ein Bildnis nach dem
äußern Bildnis. Das Feuer-Leben imaginierte nach dem Licht-Leben und das
Licht-Leben nach dem Feuer-Leben als nach der essentialischen Kraft, daraus
das Licht scheinet. Dieses war in Adam eins, denn er war Mann und Weib. Und
das Wort des Lebens nahm die Veneris Tinktur mit dem himmlischen und
irdischen Fiat von Adam (vgl. 6,2) und auch eine Rippe aus seiner Seiten von
seinem Gebeine, sowohl das halbe Kreuz T im Kopfe, welches der Charakter der
Hl. Dreifaltigkeit ist, bezeichnet mit dem Worte des Lebens als mit dem
schweren Namen Gottes, welches einen solchen Charakter führet T, bedeutet das
Kreuz Christi, daran er den Tod sollte leiden und Adam wieder neugebären und
in dem Namen Jesu in Ternarium Sanctum (Hl. Dreifaltigkeit) einführen. Dieses
alles nahm das Fiat in sich mit allen Essentien menschlicher Eigenschaft,
wiewohl auch des Seelenfeuers Eigenschaft, aber in Veneris Tinktur, nicht
nach der Macht des Centri; und scheidete sich in die ganze Form des Menschen. 1-6,7 Also
ward das Weib erbauet mit allen Gliedern der weiblichen Eigenschaften, als
sie noch haben, denn der Geist Majoris mundi hatte jetzt das stärkeste Fiat
und figurierte das Weib nach solcher Gestalt, als es in der Vermögenheit sein
konnte. Denn die engelische Form war weg, es mußte nun auf tierische Art
geboren sein. Und also ward auch dem Adam, weil er war der irdischen Magiae
heimgefallen, tierische Form und Gestalt der männlichen Glieder gegeben. Und
war des Adams Gebären dem Fiat gegeben, das machte ein Gleichnis nach ihm,
aus ihm. Wäre er
himmlisch gesinnet geblieben, so hätte er selber himmlisch geboren. Also tats
das irdische Fiat, und war sein äußerer Leib ein Tier, verlor auch himmlische
Weisheit und Kraft der Allvermögenheit. 1-6,8 Also, lieber Leser, sollst du wissen, daß sich der andere
Adam Christus nicht vergebens hat lassen kreuzigen und mit einem Speer in
seine Seite stechen, noch sein Blut vergebens vergossen. Allhie lieget der
Schlüssel: Adam ward in seiner Seiten zerbrochen mit der Rippe zum Weibe. In dieselbe
Seite mußte Longini Speer mit Gottes Grimme kommen, denn er war in Adam
kommen und aus Marien Irdigkeit auch in die Seite Christi, und mußte das Blut
Christi den Grimm ersäufen und von dem ersten Adam wegnehmen. Denn der andere
Adam hatte auch himmlisch Blut. Das mußte die irdische Turbam (hier: Grimm)
ersäufen, auf daß der erste Adam wieder heil würde. 1-6,9 Laßt es euch gesagt sein, ihr Menschenkinder, denn es ist
in Ternario Sancto erkannt worden und nicht in Meinung oder Wähnen; es kostet
euch Seele und Leib. Sehet zu, was ihr tut! 1-6,10 Also ist nun angegangen die menschliche
Fortpflanzung auf tierische Art. Denn Adam behielt den Limbum und seine Eva
die Matricem Veneris, denn die Tinkturen waren geschieden. Nun ist jede
Tinktur eine ganze Magia als eine begehrende Sucht, in welcher Centrum
naturae erboren wird, und solches in Sulphur. So ist alsdann in dem Sulphure
wieder die begehrende Magia mit der Tinktur, und mag doch nicht zum Leben
kommen, es komme denn des Feuers Tinktur in Veneris Tinktur. Und Veneris
Tinktur kann kein Feuer erwecken, sie ist zu schwach. So das denn nicht in
sich sein mag, und die beiden Tinkturen begehren gleichwohl auch des Lebens.
Jetzt gehet die heftige Imagination des Mannes und Weibes an, daß sich eines
begehret mit dem andern zu mischen, denn die Kraft der Essentien will
lebendig sein, und die Tinktur treibet dazu und begehret das. Denn die
Tinktur ist aus dem ewigen Leben und ist aber in der Wesenheit
eingeschlossen. Also will sie leben, als sie von Ewigkeit getan hat. Und
darum sehnet sich der Mann nach des Weibes Matrice und das Weib nach des
Mannes Limbo. 1-6,11 Das Weib hat eine wässerige Tinktur, und der Mann
eine feurige. Der Mann säet Seele, und das Weib Geist, und beide säen
Fleisch, als Sulphur. Darum ist Mann und Weib ein Leib und machen
beide ein Kind, und darum sollen sie beide beieinander bleiben, so sie sich
einmal mischen, denn sie sind ein Leib worden. Wer sich mit dem andern
mischet oder trennet, der zerbricht die Ordnung der Natur, gleichet einem Vieh
und besinnet sich nicht, daß in seinem Samen die ewige Tinktur lieget, darin
die göttliche Wesenheit verschlossen liege und dermaleinst im Zorn-Teile wird
erwecket werden. Auch ist das ein Werk, das dem Menschen im Schatten
nachfolget und seine Qual wird im Gewissen dermaleinst rege gemacht werden.
Denn die Tinktur im Samen urständet aus der Ewigkeit, sie ist unvergänglich,
sie erscheinet in Geistesgestalt und tritt dem Menschen in seine Magiam,
daraus sie der Mensch hat erboren und ausgeschüttet. 1-6,12 Merket dies, ihr Huren und Buben, was ihr im Winkel
treibet oftmals mit großer Falschheit, das tritt euch ins Gewissen und wird
euch ein böser Nagewurm. Die Tinktur ist ein ewig Wesen und wollte gerne in
Gottes Liebe sein. So ihr sie aber im Trieb der Sternregion durch Infizierung
des Teufels in ein falsch spühlicht (unsauberes) Faß, in Greuel und Unordnung
eingießet, so wird sie schwerlich Gottes Liebe erreichen, sondern tritt mit
der Imagination wieder in den ersten Ort als in euch. Ist sie falsch worden
in einem falschen Gefäße, daß sie nicht kann ruhen, so wird sie euch wohl
nagen und auch im höllischen Abgrund ins Gewissen treten. Es ist weder Tand
noch Scherz; seid nicht so ganz tierisch, denn ein Tier hat seine Tinktur nur
bloß von dieser Welt. Ihr aber nicht also; ihr habt sie aus der Ewigkeit. Was
ewig ist, stirbet nicht. Ob ihr gleich den Sulphur verderbet, so tritt doch
der Willen-Geist im Sulphuris mit der edlen Tinktur ins Mysterium und nimmt
ein jedes Mysterium das Seine, und soll das Mysterium am Jüngsten Tage, wenn
sich der Geist Gottes wird in allen dreien Prinzipien bewegen, offenbar
werden. Da werdet ihr eure schönen Werke sehen. 1-6,13 Also ist uns hoch erkenntlich die große
Barmherzigkeit Gottes über das menschliche Geschlechte, denn Gott wollte dem
Menschen also helfen. Sonst wo Gott der tierischen Eigenschaft begehret
hätte, so hätte er wohl bald im Anfang ein Männlein und ein Weiblein
geschaffen. Er hätte nicht einen allein gemacht mit beiden Tinkturen. Aber
Gott erkannte wohl den Fall des Menschen, dazu des Teufels Trug, welcher also
mit der Eva zu Spott gemacht ward. Der Teufel dachte, als Adam niederfiel in
Schlaf: Nun bin ich Herr und Fürst auf Erden. — Aber des Weibes Samen wehrete
ihm das. 1-6,14 Uns ist zu erkennen das Aufwachen Adams aus seinem
Schlafe. Er schlief ein der himmlischen Welt und wachte auf der irdischen
Welt. Der Geist der großen Welt weckte ihn auf. Da sah er das Weib und kannte
sie, daß sie sein Fleisch und Bein war, denn die Jungfrau der Weisheit Gottes
war noch in ihm. Und er sah sie an und imaginierte in sie, denn sie hatte
seine Matricem bekommen, dazu Veneris Tinktur, und fing alsobald eine Tinktur
mit der Imagination die andere. Darum nahm sie Adam zu sich und sprach: Man
wird sie Männin heißen, darum daß sie vom Manne genommen ist. Und ist Eva für
keine reine Jungfrau zu erkennen, sowohl alle ihre Töchter. Die Turba hat die
Jungfrauschaft zerstöret und die reine Liebe irdisch gemacht. Die irdische
Imagination zerstöret die rechte Jungfrauschaft. Denn Gottes Weisheit ist
eine reine Jungfrau, in welcher Christus empfangen und in einem rechten
jungfräulichen Gefäße Mensch ward, wie hernach soll folgen. 1-6,15 Also konnte auch die irdische Jungfrau nicht im
Paradeis bleiben, wiewohl sie noch beide im Paradeis waren, hatten auch noch
beide paradeisische Qual, aber mit irdischer Sucht gemenget. Sie waren
nackend und hatten ihre tierischen Glieder zur Fortpflanzung, und kannten die
nicht, schämeten sich auch nicht, denn der Geist der großen Welt hatte noch
nicht das Regiment über sie, bis sie von der irdischen Frucht aßen. Da wurden
ihnen die Augen aufgetan, denn die himmlische Jungfrau der Weisheit Gottes
wich von ihnen. Da wurden sie erst gewahr des Sternen- und Elementenreichs.
Da Gottes Geist auszog, so zog der irdische Geist in der Grimmen-Qual ein. Da
kriegte der Teufel einen Zutritt und infizierte sie und führete sie in Grimm
und Bosheit, als es noch heute geschieht. Denn der Grimm Gottes aus der
ewigen Natur, den der Teufel entzündet und erwecket hatte, steckte im
irdischen Centro. Auch mag kein Leben geboren werden, das Centrum werde denn
erwecket. Denn das Principium steht im Feuer, darinnen alles Leben stehet,
und Centrum naturae hat in seinen Gestalten Grimmigkeit. Darum heißt es:
bücke dich und gehe in die Sanftmut ein und laß dem Leben sein Recht. Denn
das Leben ist Feuer und des Lebens Bildnis, welches Gottes Gleichnis ist, das
ist im Lichte als im Liebe-Feuer, so gibt aber das Licht-Feuer nicht Centrum
naturae. Darum denket der Teufel noch, er sei ein größerer Herr als die
Kreatur im Liebe-Feuer. Ja, strenger ist er wohl, aber er lebet in der
Finsternis und frisset strenge Wesenheit in sich, darum ist er auch ein Feind
der Liebe. 1-6,16 Uns ist zu erkennen, daß der Teufel schuld daran
ist, daß der Mensch in seine Stelle geschaffen ward. Und ist uns zu erkennen,
daß er schuld an des Menschen Fall ist, wiewohl Adam und seine Eva, als Gott
Adam zertrennt hatte, nicht bestehen konnten. Sie waren wohl im Paradeis und
sollten Paradeisfrüchte auf engelisch essen, aber sie haben dergleichen nicht
genossen; denn der Baum der Erkenntnis Gutes und Böses war ihnen lieber, und
hat die Eva, sobald die gemacht ward, in den Versuchbaum imaginieret. Und ob
ihr gleich Adam das Gebot eröffnet, doch war die Lust nur nach dem Baume,
denn die irdischen Essentien waren an Adam und Eva noch nicht offenbar. Sie
waren noch gefangen, darum trieben sie also in Lust, denn sie wollten Herr
sein. Das geschah durch des Teufels Infizieren, durch seine aszendentische
(sich erhebende) falsche Imagination. Darum leget er sich in der Schlangen
Gestalt an den Baum und lobete der Eva die Frucht, sie machte klug. Jawohl
klug, Böses und Gutes zu erkennen, elend genug zweierlei Qual in einer
Kreatur zu regieren. Nicht erkannt wäre besser! Er sagte ihr Lügen und
Wahrheit untereinander, sie würde klug werden und ihre Augen würden ihr
aufgetan werden. Jawohl genug, sie sah bald, daß sie mit der irdischen Qual
war dem Geiste dieser Welt heimgefallen, daß sie nackend war, und erkannte
ihre tierischen Glieder, kriegte Därme im Leib und einen stinkenden Madensack
(sterblich-physischen Leib) voll Jammer und Elende in Angst und Mühe, wie im
Buche »De Tribus Principiis«* gemeldet worden und wir nun vor Augen sehen,
was wir für Paradeis-Engel sein, wie wir uns müssen in Angst, Kummer und
Elende gebären und nähren, welches sollte auf eine andere Weise geschehen. *) Jakob Böhme: »Beschreibung der drei Prinzipien
göttlichen Wesens« 1-6,17 Also ist uns genug erkenntlich der Fall Adams und
warum er nicht konnte im Paradeis bleiben, was das Paradeis sei gewesen,
welches noch auf heute ist. Es träget nun nicht paradeisische Frucht und wir
haben nicht paradeisische Qual und Augen. Wir sehen das nicht, denn Gott hat
die Erde verflucht um des Menschen willen, daß das Paradeis nicht mehr durch
die Erde grünet, denn es ist uns Mysterium worden und ist doch noch immerdar.
Und in dasselbe Mysterium scheiden die Seelen der Heiligen, wenn sich der
irdische Leib von der Seelen scheidet. Es ist in dieser Welt und ist auch
außer dieser Welt, denn dieser Welt Qual berühret das nicht. Die ganze Welt
wäre paradeisisch, wenn Adam in der Unschuld blieben wäre. Als aber Gott den
Fluch tat, so entwich das Paradeis, denn Gottes Fluchen ist Fliehen. Es ist
sein Fliehen, nicht Weichen, sondern in ein ander Principium hingehen, als in
sich selber. Der Geist Gottes gehet von Gott aus in die Wesenheit. Als aber
diese Wesenheit irdisch ward und der Teufel darin wohnete, welcher ein Feind
Gottes war, so trat der Geist Gottes in sein eigen Principium, als in die
Liebe ein und wich aus der Irdigkeit. Allda stehet er nun dem Menschen ins
Lebens Licht entgegen. Wer nun in Gottes Liebe begehret einzugehen, der gehet
mit seinem Willen-Geist ins Paradeis. Allda grünet das Paradeis wieder in
seinem Willen- Geiste und empfähet an sein Bildnis wieder himmlische
Wesenheit, in welcher der Hl. Geist regieret. 1-6,18 Lasset euch dies ein Perilein sein, ihr
Menschenkinder, denn es ist der wahre Grund. Wers suchet und findet, der hat
eitel Freude daran. Es ist die Perle, die im Acker lieget, da einer all sein
Gut verkaufte und kaufte die Perle, davon Christus saget (Matth, 13,45.46). 1-6,19 Also ist uns auch zu erkennen der Cherub, der Adam
und Eva aus dem Paradeis trieb, als der strenge Engel; bedeutet den
Abscheider des irdischen Lebens vom Paradeis, da sich muß Leib und Seele
scheiden. 1-6,20 Uns ist zwar erkenntlich, daß Adam und Eva waren von
dem Ort, da der Versuchbaum stund, weggetrieben worden, denn es stund
Paradeisfrucht da. Die sollten sie nicht mehr sehen noch essen, denn das
Himmlische gehöret nicht in das Irdische. Auch wurden die Tiere weggetrieben
des bösen Baumes halber, denn der Paradeisfrucht konnten sie sonst nicht
genießen. Aber von diesem Baume konnte ein jedes Tier essen, denn er war
irdisch. Also mußten sie das Paradeis verlassen, denn Gott hatte sie durch
den Geist der großen Welt mit Tieresfellen gekleidet für das himmlische Kleid
der Klarheit, und hatte ihnen die Sentenz (Befehl) gesprochen, was ihr Tun
und Lassen in dieser Welt sein sollte, was sie nun mehr essen sollten und wie
sie sich in Kummer und Elend sollten nähren, bis sie gar zur Erden würden,
davon sie waren auf einem Teil ausgezogen. 7. Kapitel - Vom verheißenen Weibessamen und
Schlangentreter
1-7,1 Als nun Adam und Eva also wie Mann und Weib im Paradeis
stunden und hatten noch himmlische Qual und Freude, wiewohl vermischet,
mochte das der Teufel nicht leiden, denn sein Neid war zu groß, weil er Adam
gefället hatte und um seine engelische Gestalt gebracht. So sah er jetzt die
Eva als das Weib aus Adam und dachte, sie möchten Kinder ins Paradeis zeugen
und im Paradeis bleiben: Du willst sie verführen, daß sie von der verbotenen
Frucht isset, so wird sie irdisch, so kannst du ihr ins Herz greifen und
deine Imagination in sie führen, so kriegst du sie in dein Reich und bleibest
noch Fürst im dritten Principio auf Erden; — welches er dann auch tat und sie
zu der falschen Frucht beredete, daß sie an den Baum griff und einen Apfel
abbrach und aß, und gab Adam auch. Und da Adam sah, daß Eva nicht sofort
niederfiel und starb, aß er auch, denn die Lust war in beiden. 1-7,2 Dieses ist der Bissen, davon der Himmel und das Paradeis
entwich, da der Cherub als der Abschneider mit dem bloßen hauenden Schwert
vor des Paradeises Tür trat und ließ sie nicht mehr ins Paradeis. Sein
Schwert war der Würgengel, das den Menschen nun mit Hitze, Kälte, Krankheit,
Not und Tod wohl schneidet und endlich das irdische Leben von der Seelen
scheidet. 1-7,3 Als dieses Schwert im Tode Christi sollte wieder zerbrochen
werden, so erzitterte die Erde und verlor die Sonne ihren Schein; die Felsen
zerstoben vor der starken Macht Gottes, der also den Tod wieder zerbrach.
Also taten sich auf zuhand die Gräber der Heiligen, und gingen ihre Leiber wieder
aus dem Tode, denn das Schwert war zerbrochen und der Engel, der des
Paradeises hütete, war weggetan. Und gingen die Leiber der Heiligen wieder
ins Paradeis. 1-7,4 Allhie, als Adam und Eva von der irdischen Frucht aßen,
fielen sie unter die Mörder, welche sie schlugen und auszogen und halbtot
liegen ließen. Ihr Ausgang aus dem Paradeis ist der Gang aus Jerusalem gen
Jericho, denn sie gingen aus dem Himmel in diese böse verderbte Welt, in das
Sündenhaus, da alsobald in ihrem Gemüte im Centro naturae das Rad der Sinnen
anhub zu qualifizieren in irdischer Qual, da je ein Sinn dem andern
widerwärtig war, da Neid, Hoffart, Geiz, Zorn und Widerwille genug und mit
Haufen quallete. Denn das edele Licht der Liebe war erloschen, welches den
grimmen Quall lieblich, freundlich und sanft machete, in welchem der Geist
Gottes wirkete und die schöne Jungfrau der Weisheit Gottes ruhete. Sie gingen
von der schönen Weisheit aus. 1-7,5 Gott hatte Adam in die züchtige Jungfrau seiner Weisheit
geschaffen, aber er kriegte eine böse widerwärtige irdische Frau dafür, mit
welcher er in tierischer Gestalt leben mußte in eitel Kummer, Angst und Not.
Und ward ihm aus seinem schönen Lustgarten, den er in sich hatte, ein
widerwärtiger Dorn- und Distelgarten, da er doch etwa der jungfräulichen
Frucht suchte. Aber es ging ihm als einem Dieb, der in einem schönen
Lustgarten gewesen ist, den zu verwahren, ist aber um Diebstahls willen
daraus gestoßen worden und wollte doch gerne derselben Frucht essen, kann
aber nicht hinein, sondern gehet von außen herum, langet mit einer Hand
hinein nach der Frucht, welche ihm der Gärtner doch aus der Hand reißet, und
er muß unmuts davon gehen und kann seine Lust nicht befriedigen. Also gehets
ihm auch mit dem Weibe. 1-7,6 Als er in Gottes Liebe war und das Weib in ihm eine
züchtige Jungfrau war, in Gottes Süßigkeit und Weisheit, so aß er ihre
Früchte und konnte sich mit seiner eigenen Liebe in Veneris Matrice gar wohl
ergötzen, denn des Feuers Tinktur hat eine große freudenreiche Ergötzung in
des Lichts Tinktur. Das hatte er in sich, er war Mann und Weib. Nun muß er
von außen um denselben Garten gehen und Veneris Tinktur nur mit einem Gliede
anrühren, da denn die inneren Tinkturen im Samen einander empfahen und zu
einem Leben arbeiten. Aber der äußere Leib ist dessen nicht wert, daß er
sollte des inneren Freudenreichs Inqualierens (Einwirkens) darinnen das
Seelenleben gesäet wird, genießen. Die inneren Essentien genießen das nur,
denn sie sind aus dem Ewigen, aber der äußere Tier-Esel verbringet nur eine
tierische Sucht. Er weiß nicht von der Freude der Essentien, als wenn eine
Tinktur in die andere kommt, was allda geschieht, da doch ja etwas vom
Paradeis ist. Aber die irdische Essenz mischet sich bald mit ein und ist nur
als ein freudenreicher Anblick, da der Wille zum Leben erboren wird, welcher
hernach forttreibet und sich mit Sulphur schwängert, bis er mag das
Principium erreichen und im Centro Feuer aufschlagen, da es denn ein recht
Leben ist und wieder eine Seele erboren ist. 1-7,7 Als nun das schöne Bild also von Gottes Liebe wich, so
erkannte sichs, daß es war in andere Qual gekommen. Da ging an Furcht und
Schrecken vor Gottes Grimm. Denn er hub in ihnen an zu qualifizieren; sie
sahen einander an und wurden gewahr ihrer tierischen Gestalt und daß sie nackend
waren. Da wird der Teufel getanzet haben und Gottes gespottet, denn sie
fürchteten sich und krochen hinter die Bäume; und nahmen Blätter von
Feigenbäumen, flochten die und hielten sie vor ihre Scham, denn die
himmlische Jungfrau war weg. Sie erkannten den Fall und schämeten sich; das
ist: die Seele, welche aus dem Ewigen ist, schämete sich vor der tierischen
Art, als es noch heute geschieht, daß wir uns der tierischen Glieder schämen.
Und daher kommts, daß sich das Weib mit einem weißen Tuche vor ihrer Scham
bekleidet, daß der Seelengeist, welcher aus den Augen blicket, nicht
turbieret wird, denn er kennet Veneris Matricem, welcher auch alsobald ein
Männlein davon anhebet zu imaginieren, welches, so sich das Weib schwarz
bekleidete und ihre Augen verdeckte, nicht leichtlich geschähe als nur durch
Einbildung. Aber also fallen die beiden Tinkturen des Mannes und Weibes
einander alsobald in die Augen, da der Geist blicket. 1-7,8 Als nun Adam und Eva also im Schrecken stunden vor dem Zorn
Gottes, rief Gott dem Adam und sprach: Adam, wo bist du? Und er sprach: Hier
bin ich, ich fürchte mich, denn ich bin nackend. — Und er sprach: Wer hat
dirs gesagt, daß du nackend bist? Hast du nicht von dem Baum gegessen, den
ich dir verbot? —Und er sprach: Das Weib gab mir und ich aß. — Und er sprach
zum Weibe: Warum tatest du das? — Sie sprach: Die Schlange betrog mich, daß
ich aß. 1-7,9 Hier verstehen wir die große Liebe Gottes, daß Gott dem
Adam wieder rief, daß er sich sollte erkennen, suchen und finden und wieder
zu Gott kehren. Denn Adam war in Gott gewesen, war aber ausgangen aus Gottes
Liebe aus dem andern Principio, aus dem heiligen Paradeis Gottes in das
äußere irdische Reich dieser Welt der Sternen und Elementen ins dritte
Principium. Darum sprach Gott: Wo bist du Adam? Siehest du nicht, daß du
nicht mehr im Himmel bist? — Er wandte an seinem Teil sein freundlich
Angesichte wieder in Adam, verstehe: in das Teil, das er hatte aus der
himmlischen Wesenheit empfangen, und blickte das mit seinem Geiste wieder an
und sprach zu der Schlangen, zu dem alten Teufel: Weil du das getan hast,
verfluchet seist du! — Und zu der kreatürlichen Schlangen, welche nun mußte
eine Kreatur sein (denn der Teufel hatte sich in Schlangengestalt verwandelt,
darum mußte die Schlange auch bleiben): Du sollst auf dem Bauche gehen und
Erden essen. — Weil sie hat den Menschen verführet, daß er war irdisch
worden, so sollte auch des Teufels Bild irdisch sein und grimmige irdische
Qual, als Gift fressen, das sollte nun ihre Qual sein. 1-7,10 Und ist uns allhier zu erkennen, daß ihm habe der
Teufel der Schlangen Bildnis von dem Gestirne und Elementen figurieret durch
seine Imagination, denn er hatte große Gewalt, bis ihn der Herr ganz
verfluchte und den teuren Namen Jesus zum Scheideziel setzte. Da lag seine
große Macht, denn er sprach zu Adam und Eva: Des Weibes Samen soll der
Schlange den Kopf zertreten und du, als die Schlange, wirst ihm in die Fersen
stechen (Gen. 3,15), das ist: in Gottes Grimm wirst du den töten. Aber er
wird aus dem Tode ausgrünen und dir den Kopf zertreten, das ist: deine Macht
nehmen und den Grimm mit Liebe überwinden. Und allhie an diesem Orte hat sich
das Wort der Verheißung vom Weibessamen, das ist gewesen der hochteure Name
Jesus, mit seinem Charakter ins Lebenslicht eingebildet und in demselben
Charakter die hochteure Jungfrau der Weisheit Gottes, in welcher sollte
Christus als der Zerbrecher des Todes ein wahrer Mensch werden und dem Tode
seine Macht nehmen und dem Teufel seinen Stachel zerbrechen, der da sollte
die Kelter des Grimmes und Zorns treten und in den Zorn als ins Zentrum des
Feuers eingehen und das Feuer mit seinem himmlischen Blute und mit dem Wasser
der Sanftmut aus dem Brunnquell des Geistes Gottes löschen. 1-7,11 Und wisset gewiß, daß so sich nicht hätte das Wort
der Verheißung ins Lebenslicht eingebildet, als Adam und Eva in die irdische
Qual einfielen, so wäre der Seelengeist ein grimmiger Teufel worden und der
Leib ein böses Tier, als er noch wohl ist. So das elementische Wasser dem
Grimme nicht die Pracht legete (den Grimm brechen), sollte man wohl sehen,
wie mancher ein reißender Teufel wäre. 1-7,12 Also ist uns jetzt zu betrachten, daß die Welt vor
Christi Menschwerdung ist in diesem eingebildeten Worte und Namen Jesu selig
worden. Welche ihren Willen haben in Gott gerichtet, die haben das Wort der
Verheißung empfangen, denn die Seele ward darein eingenommen, denn des Moses
ganzes Gesetze vom Opfer ist durchaus nichts anderes als ein Vorbild der
Menschheit Christi. Was Christus in seiner Menschheit tat mit seinem Opfer,
indem er mit seinem Blute und mit seiner Liebe den Zorn Gottes ersäufte, das
tat Moses mit seinem Opfer und Tierblut. Denn das Wort der Verheißung war im
Bunde und Gott stellte sich dieweil eine Figur vor und ließ sich im Bunde mit
einem Gleichnisse versöhnen, denn der Name Jesus war im Bunde. Der versöhnete
durch die Imagination den Zorn und Grimm des Vaters Natur. Die Juden
verstunden das wohl nicht, aber der Bund verstund das wohl, denn der
tierische Mensch war das nicht wert, daß er sollte wissen, bis daß Christus
geboren ward. So ging der Schall aus, welcher doch nach kurzer Zeit wieder
mit dem Antichrist in Babel verdeckt ward, denn der tierische Mensch der
Bosheit ist des teuren Namen Jesu nicht wert. Er gehöret auch nicht dem
tierischen Teil, sondern dem göttlichen Teil. Das Tier soll in der wilden
Erden bleiben und am Jüngsten Tage durchs Feuer Gottes verzehret werden. Aber
das himmlische Teil soll in die göttliche Kraft eingeführet werden. Darum ist
es ein Ekel vor Gott, daß der Mensch mit dem Tier also stolzierete (sich dem
Tier anglich). Das Tier ist nicht das Bildnis, wie auch Moses Opfer nicht die
Versöhnung war, sondern der Bund der Gnaden und das Wort des Lebens im Bunde. 1-7,13 Die Beschneidung der Juden, indem sie nur die Knaben
mußten beschneiden, hielt dies Recht in sich wie folget: Adam war der einige
Mensch, den Gott schuf, und in ihm war Gottes Bildnis. Die Eva als sein Weib
wollte Gott nicht schaffen, sie sollte nur aus einem geboren werden. Weil er
aber fiel und daß ihm Gott mußte das Weib machen, so kam der Bund wieder mit
der Verheißung überein, daß sie sollten aus einem alle wieder anders und
neugeboren werden, als aus dem andern Adam, nicht aus der Frauen Maria,
sondern aus Christo, dem himmlischen Adam. Denn des ersten Mannes als Adams
erstes Blut, welches er aus Gottes Wesenheit empfing, soll gelten und nicht
des Weibes irdisches Blut, in dem Adam irdisch war und ihm mußte ein Weib
erdacht werden. Also ward auch nur die männliche Art beschnitten, und eben an
dem Gliede, weiches vor Gott ein Ekel ist und ein Schämen der Seelen, denn
die Schwängerung sollte nicht viehisch sein. Darum war die Beschneidung ein
Zeichen und Vorbild, daß dieses Glied wieder vom Menschen abgeschnitten
werden und nicht mit in der Ewigkeit erscheinen sollte. Und mußte Christus
Mannesgestalt an sich nehmen, da er doch von innen in einem jungfräulichen
Bilde stund, daß der Fürsatz Gottes bestünde. Denn des Mannes, als des Feuers
Eigenschaft, soll regieren; und des Weibes, als die Lichtes Eigenschaft, soll
sein Feuer sänftigen und in das sanfte Bildnis Gottes bringen. 1-7,14 Des Weibes Blut hätte den Zorn Gottes nicht
versöhnet. Es mußte es nur des Mannes Blut tun, denn das Weib gehöret in den
Mann und wird im Reiche Gottes eine männliche Jungfrau sein als Adam war,
kein Weib. Das Weib wird in des Mannes Bunde selig, denn der Bund ward um des
Mannes, als um der männlichen Jungfrau willen gemacht, daß die wieder
versöhnet würde. Darum sagt Paulus: Das Weib wird durch Kinderzeugen selig,
so sie bleibet im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der
Zucht (1.Tim. 2,15). Und nicht allein das, sondern auch in des Mannes Bunde,
denn sie ist ein Teil aus Adam. Darum soll ein jedes Weib unter dem Mann
sein, und er soll Herr sein. Gott gibt auch dem Manne die jungfräuliche
Weisheit. Er soll das Weib regieren, nicht als ein Tyrann, sondern als sein
eigen Leben. Er soll sein Weib lieben als seinen eigenen Leib, denn sie ist
sein Fleisch und Leib, ein Bild aus ihm, sein Gehilfe, sein Rosengarten. Obwohl
irdisch und schwach, soll er doch wissen, daß er selber Ursache daran ist und
mit ihr Geduld tragen, auch seinem Grimme nicht Gewalt lassen, sie zu
verderben. 1-7,15 Auch soll das Weib wissen, daß sie in des Mannes
Bunde und Blute selig wird, und daß sie Adams und des Mannes Rippe und
Tinktur ist, und dem Mann eigen. Sie soll demütig sein, als ein Glied dem
Leibe dienet. Also soll das Weib dem Manne dienen und ihn lieben als sich
selber. Ihre Liebe soll in ihn geworfen sein, denn also erlanget sie die himmlische
Jungfrau mit göttlichem Witze (Klugheit) und den Geist des Bundes. 1-7,16 Aber den ledigen Jungfrauen und Mannen ohne Frauen
wird gesagt, sowohl den Witwen, daß sie den Bund Christi zum Gemahl haben.
Vor dem sollen sie züchtig und demütig sein. Denn Christus ist des Mannes
Braut, seine züchtige Jungfrau, die Adam verlor; und ist auch der ledigen
Jungfrauen und Witwen ihr Bräutigam. Denn seine Mannheit ist ihre Mannheit,
daß sie also vor Gott als eine männliche Jungfrau erscheinen. Denn unser
Bildnis wird jetzt im Willen und Glauben geboren. Wo nun unser Herz und Wille
ist, allda ist auch unser Schatz und Bildnis. 1-7,17 Darum hütet euch vor Hurerei und falscher Liebe,
denn das rechte Bildnis wird damit zerstöret. Die Hurerei ist das größeste
Laster, das der Mensch in sich selber wirket. Die andern Sünden gehen außer
ihm in eine Figur. Die Hure aber bleibet in ihm stehen, denn er wirket ein
falsches Bildnis, in welchem nicht Gottes Jungfrau erkannt wird, sondern eine
tierische. Laß dir es gesagt sein, Mensch: Es stecket ein solches großes
Greuel dahinter, davor sich der Himmel entsetzet mit seiner Imagination. Er
gehet nicht leichtlich in die tierische Imagination; darum werden auch also
viel Tiermenschen geboren, so hinten erkläret werden mag. 8. Kapitel - Von der Jungfrauen Maria und der Menschwerdung
Jesu Christi
1-8,1 Viele haben sich versucht von der Jungfrauen Maria zu
schreiben; und sie vermeinet (scheint) keine irdische Tochter zu sein. Ihnen
ist zwar ein Glast (Abglanz) von der ewigen Jungfrauschaft fürgestellet
worden, aber des rechten Ziels haben sie noch gemangelt. Denn etliche haben
schlechts vermeinet, sie sei nicht Joachims und Annas Tochter, indem Christus
des Weibes Samen genannt wird und auch ist. Er auch selbst bezeuget, er sei
von oben herab, er sei vom Himmel kommen, so müsse er auch ja von einer ganz
himmlischen Jungfrauen geboren sein. Aber das würde uns armen Evaskindern
wenig frommen, die wir irdisch worden sind und tragen unsere Seelen in einem
irdischen Gefäße. Wo bliebe unsere arme Seele, wenn sie nicht hätte das Wort
des ewigen Lebens in sich genommen? So Christus hätte eine Seele vom Himmel
bracht, wo bliebe unsere Seele und der Bund mit Adam und Eva, daß des Weibes
Samen sollte der Schlangen den Kopf zertreten? Hätte Christus wollen ganz vom
Himmel kommen und geboren sein, so hätte er nicht dürfen auf Erden Mensch
geboren werden. Wo bliebe aber der Bund, indem sich der Name Jesus der
Verheißung ins Lebenslicht als in der Seelen Tinktur alsobald im Paradeis, da
Adam fiel, einlebete, ja ehe denn Adam geschaffen war, wie Petrus sagte
(1.Petr. 1,20): Wir sind in Christo versehen, ehe der Welt Grund geleget
ward. — Denn Gott erkannte in seiner Weisheit den Sündenfall, darum leibete
sich allda alsobald der Name Jesus in dem Worte des Lebens mit der Jungfrau
der Weisheit umgeben in Adams Bildnis in dem Kreuz ein. Denn auch die Seele
ist eine Kreuzgeburt; wenn sich dann das Seelenfeuer anzündet, so machets im
Blitze ein Kreuz, das ist ein Auge mit einem Kreuz mit drei Prinzipien mit dem
Charakter der Hl. Dreifaltigkeit, wie im dritten Buche »Vom dreifachen Leben«
ausgeführet worden und im vierten Teil über die »Vierzig Fragen von der
Seelen« noch mehr.* *) Zwei Schriften Jakob Böhmes 1-8,2 Uns ist zu verstehen, daß Maria, in der Christus Mensch
ward, wahrhaftig Joachims und Annas Tochter sei gewesen nach dem äußern
Fleische und aus Joachim und Annas Samen sei erzeuget worden nach dem äußern
Menschen. Aber nach dem Willen ist sie des Bundes der Verheißung Tochter
gewesen, denn sie war das Ziel, da der Bund hinweiset: In ihr stund das
Zentrum im Bunde, und darum ward sie vom Hl. Geiste im Bunde hoch erkannt und
hoch gebenedeiet vor und unter allen Weibern von Eva her, denn der Bund
eröffnete sich in ihr. 1-8,3 Ihr sollet uns recht teuer und hoch verstehen: Das Wort mit
der Verheißung, welches bei den Juden im Vorbilde stund als in einem Spiegel,
darein Gott, der zornige Vater, imaginiert und seinen Zorn damit löschete,
das bewegte sich jetzt auf essentialische Art, welches von Ewigkeit nie geschehen
war. Denn als ihr Gabriel, der Fürst, die Botschaft brachte, daß sie sollte
schwanger werden, und sie darein willigte und sagte: Mir geschehe, wie du
gesagt hast, — so hat sich das Zentrum der Hl. Dreifaltigkeit beweget und den
Bund eröffnet; das ist: die ewige Jungfrauschaft, welche Adam verlor, in ihr
im Worte des Lebens eröffnet, denn die Jungfrau der Weisheit Gottes umgab das
Wort des Lebens als das Zentrum der Hl. Dreifaltigkeit, — also ward das
Centrum beweget; und schlug der himmlische Vulcanus das Feuer der Liebe auf,
daß das Principium der Liebe Flammen erboren ward. 1-8,4 Verstehe das recht: In Mariä Essenz, in der jungfräulichen
Essenz, welche in Adam verdorben, daraus er sollte ein jungfräulich Bild nach
Gottes Weisheit gebären, ward das göttliche Feuer aufgeschlagen und das
Principium der Liebe angezündet. Du mußt verstehen: In dem Samen Mariä, da
sie des Seelengeistes als Veneris Tinktur schwanger ward; denn in Veneris
Tinktur als in der Liebe Quall ward Adams erstes Feuer im Wort des Lebens
aufgeschlagen, und waren in dem Kinde Jesu beide Tinkturen vollkommen wie
Adam. Und das Wort des Lebens im Bunde, verstehe: die Hl. Dreifaltigkeit, war
das Centrum; und das Principium erschien ins Vaters Teil. Christus ward in
Gott und auch in Marien Mensch, in allen dreien Prinzipien, denn auch
zugleich hiemit in der irdischen Welt. Er nahm Knechtsgestalt an sich, daß er
des Todes und des Teufels mächtig würde, denn er sollte ein Fürst in dem Loco
dieser Welt, in dem englischen Fürstenthrone sein, auf dem Stuhl und in der
Gewalt des gewesenen Engels und Fürsten Luzifer, über alle drei Principia.
Sollte er nun (1) ein Herr über die
äußere Welt sein, so mußte er auch in der äußern Welt wohnen und ihre Essenz
und Eigenschaft haben. Desgleichen (2) sollte er Gottes
Sohn sein, so mußte er auch aus Gott geboren sein. Sollte er (3) des Vaters Zorn
löschen, so mußte er ja auch im Vater sein. Sollte er (4) des Menschen Sohn
sein, so mußte er ja auch aus des Menschen Essenz und Wesen sein und mußte
eine menschliche Seele und Leib haben, als wir alle haben. 1-8,4 Uns ist erkenntlich, daß Maria, seine Mutter, sowohl
Christus aus seiner Mutter, sind beide menschlicher Essenz gewesen mit Leib,
Seele und Geist, und daß Christus hat eine Seele aus Mariä Essenz empfangen,
aber ohne männlichen Samen. Allein das große Geheimnis Gottes ward allda
eröffnet. Der erste Mensch mit seiner Verborgenheit, der in Tod fiel, der
ward allhie wieder lebendig geboren, verstehet: in Gottes Principia. Denn die
Gottheit bewegte sich in dieser Sachen halber und schlug auf das Feuer ins
Vaters Principio. Also ward der erstorbene Sulphur, welcher in Adam gestorben
war, wieder lebendig, denn das Wort hatte himmlische Wesenheit an sich und
eröffnete sich in himmlischer Wesenheit im jungfräulichen Bilde der Gottheit.
Dies ist die reine züchtige Jungfrau, darin das Wort des Lebens Mensch ward;
und also ward die äußere Maria mit der hochgebenedeiten himmlischen
Jungfrauen gezieret und gebenedeiet unter allen Weibern dieser Welt. In ihr
ward das Verstorbene und Verschlossene der Menschheit wieder lebendig. Und
also ward sie hoch gradieret (eingestuft) gleich den ersten Menschen vor dem
Fall, und ward eine Mutter des Thronfürsten. Nicht aus ihrem Vermögen kam
das, sondern aus Gottes Vermögen. Hätte sich nicht das Centrum Gottes in ihr
beweget, sie wäre nichts anders als alle Evastöchter. Aber das Wort des
Lebens hatte an diesem Ort das Ziel gestecket mit dem Bunde der Verheißung.
Darum ist sie die Gebenedeiete unter allen Weibern und vor allen Evaskindern.
Nicht daß sie eine Göttin sei, die man für Gott ehren soll, denn sie ist
nicht das Ziel. Und sie sprach auch: Wie soll das zugehen, sintemal ich von
keinem Manne weiß? — Sondern das Wort des Lebens ins Vaters Centro, das sich
mit der Bewegung der Gottheit in die Menschheit eingab und in menschlicher
Essenz eröffnete, ist das Ziel. Das ist der Zweck, da wir hinlaufen sollen in
die Wiedergeburt. 1-8,6 Dieses ist ein größeres Wunder als in dem ersten Adam, denn
der erste Adam ward aus drei Prinzipien erschaffen, und ward ihm sein Geist
mit Gottes Geist eingeführet, und durfte sich das Herze Gottes nicht
sonderlich bewegen, denn es bewegte sich nur Gottes Geist aus Gottes Herze.
Jetzt bewegte sich das Centrum oder Herz Gottes, das von Ewigkeit geruhet hatte,
und ward das göttliche Feuer aufgeschlagen und angezündet oder erwecket, wie
mans setzen möchte. Die teure Porte 1-8,7 Also sollen wir die Menschwerdung Christi des Sohnes Gottes
recht verstehen: Er ist nicht allein in der Jungfrauen Maria Mensch worden,
daß seine Gottheit oder göttliche Wesenheit allda eingesperret säße oder
steckte. Nein Mensch, es hat eine andere Gestalt. Laß dich die Vernunft nicht
narren, wir erkennen ein anders. So wenig als Gott allein an einem Orte
wohnet, sondern er ist die Fülle aller Dinge, sowenig hat Gott sich auch nur
in einem Stücklein beweget, denn Gott ist nicht partiell, sondern überall
ganz. Wo er sich offenbaret, da ist er ganz offenbar. So ist er auch nicht
meßlich; ihm ist keine Stätte erfunden, er machte ihm denn selber eine Stätte
in einer Kreatur. So ist er doch ganz neben der Kreatur und außer der
Kreatur. 1-8,8 Da sich das Wort bewegte zur Eröffnung des Lebens, so
eröffnete sich es in der göttlichen Wesenheit als im Wasser des ewigen
Lebens. Es ging ein und ward Sulphur, das ist: Fleisch und Blut. Es machte
himmlische Tinktur, welche die Gottheit umschließt und erfüllet, darin die
Weisheit Gottes ewig stehet mit der göttlichen Magia. Verstehe es recht: die
Gottheit hat gelüstert, Fleisch und Blut zu werden, wiewohl die reine klare
Gottheit Geist bleibet, noch ist sie des Fleisches Geist und Leben worden und
wirket im Fleische, daß wir können sagen, wenn wir mit unserer Imagination in
Gott eingehen und uns gänzlich darein ergeben, wir gehen in Gottes Fleisch
und Blut ein und leben in Gott, denn das Wort ist Mensch worden und Gott ist
das Wort. 1-8,9 Nicht heben wir also Christi Kreatur (Menschlichkeit) auf,
daß er nicht sollte eine Kreatur sein. Wir geben euch ein Gleichnis mit der
Sonnen und ihrem Schein und setzen also: Wir vergleichen die Sonne der
Kreatur Christi im Gleichnis, das ist ja ein corpus, und vergleichen die
ganze Tiefe dieser Welt dem ewigen Worte im Vater. Nun sehen wir doch, daß
die Sonne in der ganzen Tiefe leuchtet und gibt ihr Wärme und Kraft. Nun
können wir aber nicht sagen, daß in der Tiefe außer des corporis der Sonnen
nicht auch der Sonnen Kraft und Glanz sei. Wenn sie nicht wäre, so finge sie
auch nicht der Sonnen Kraft und Glanz. Es fänget nur eine Kraft und Glanz die
andere. Die Tiefe ist mit ihrem Glanze verborgen. So Gott wollte, so wäre die
ganze Tiefe ein eitel Sonne. Es wäre nur um die Anzündung, daß das Wasser
verschlungen würde, daß das Wasser zu einem Geiste würde, so schiene überall
der Sonnen Glanz. So sich aber des Feuers Centrum wollte entzünden, wie in
der Sonnen Loco. 1-8,10 Wisset auch dieses: Wir verstehen, daß Gottes Herz
von Ewigkeit geruhet hat. Aber mit der Bewegung und Eingehung in die
Wesenheit ists an allen Orten offenbar worden, wiewohl doch in Gott kein Ort
noch Ziel ist als nur bloß in der Kreatur Christi. Allda hat sich die ganze
Hl. Dreifaltigkeit in einer Kreatur offenbaret und also durch die Kreatur
auch durch den ganzen Himmel. Er ist hingangen und hat uns die Stätte
bereitet, da wir sollen von seinem Licht sehen und in seiner Wesenheit wohnen
und von seiner göttlichen Wesenheit essen. Seine Wesenheit erfüllet den
Himmel und Paradeis. Sind wir doch anfänglich aus Gottes Wesenheit gemacht
worden, warum wir nicht auch drin stehen? Gleich wie die Luft und das Wasser diese
Welt erfüllet und wir derselben alle genießen, also ist im Verborgenen die
göttliche Wesenheit, der wir genießen, so wir mit Ernst imaginieren
(begehren) und mit dem Willen uns darein ergeben. Das ist nun Christi Fleisch
und Blut in der göttlichen Kraft, denn der Kreatur Christi ihr Fleisch und
Blut stehet darinnen und ist ein Wesen, eine Kraft, ein Geist, ein Gott, eine
Fülle, ganz ungetrennet von keinem Orte, aber in seinem Principio. Es sollte
wohl ein Sau-Mensch sagen: Ei, wie wollen wir ihn zerfressen! — O du Esel,
komm vor ehe dahin, daß du ihn auch erreichest, denn du wirst ihn nicht mit
dem äußern Munde fressen. Er ist ein Principium tiefer, und ist doch der
äußere. Er ist in der Jungfrau Maria und auch nach seiner Geburt in dieser
Welt gewesen, wird auch am Jüngsten Tage in allen dreien Prinzipien vor allen
Menschen und Teufeln erscheinen. 1-8,11 Er hat wahrlich irdische Qual an sich genommen. Aber
in seinem Tode, als er den Tod überwand, verschlang die göttliche Qual die
irdische und nahm ihr das Regiment; nicht dergestalt, daß Christus hätte
etwas abgelegt, sondern die äußere Qual ward überwunden und gleich als
verschlungen. Und was er nun lebet, das lebet er in Gott. Also sollte Adam
auch sein, und bestund nicht. Also mußte das Wort Mensch geboren werden und
sich in die Wesenheit eingeben, auf daß wir Kraft empfingen, daß wir könnten
in Gott leben. 1-8,12 Also hat Christus herwiedergebracht, was Adam
verlor, und noch viel mehr; denn das Wort ist allenthalben Mensch worden.
Verstehe: es ist allenthalben eröffnet in der göttlichen Wesenheit, darinnen
unsere ewige Menschheit stehet; denn im selben leiblichen Wesen sollen wir in
Ewigkeit stehen, darinnen die Jungfrau Gottes stehet. Wir müssen Gottes
Jungfrau anziehen, denn Christus hat sie angezogen. Er ist in der ewigen
Jungfrau und auch in der irdischen Jungfrauen Mensch worden, wiewohl die
irdische keine rechte Jungfrau war. Aber die himmlische, göttliche machte sie
in der Benedeiung, das ist: in des Wortes und Bundes Eröffnung, zu einer
Jungfrauen, denn das Teil in Maria, das ihr von Adam war aus der himmlischen
Wesenheit angeerbet, das Adam irdisch machte, das ward gebenedeiet. Also
starb nur das Irdische an ihr; das andere lebte ewiglich und ward wieder zur
keuschen und züchtigen Jungfrauen, nicht im Tode, sondern in der Benedeiung.
Als sich Gott in ihr eröffnete, da zog sie die schöne Jungfrau Gottes an und
ward eine männliche Jungfrau am himmlischen Teil. 1-8,13 Also ward Christus aus einer rechten, reinen,
züchtigen himmlischen Jungfrauen geboren, denn sie empfing in der Benedeiung
den Limbum (Same und Leib) Gottes in ihre Matricem in ihren Samen, wohl
nichts Fremdes, allein der Limbus Gottes eröffnete sich in ihr in Gottes
Kraft. Der in Adam war erstorben, der ward mit Gottes Bewegung lebendig, und
ging Gottes Essenz im Worte des Lebens in ihren Limbum ein. Und darinnen ward
der Seelen Centrum eröffnet, daß Maria einer Seelen schwanger ward und auch
eines Geistes, beides himmlisch und irdisch. Und das war ein recht Bild
Gottes, ein Gleichnis nach und aus der Hl. Dreizahl aus allen dreien
Prinzipien. 9. Kapitel - Von Marien Jungfrauschaft; was sie vor der
Benedeiung sei gewesen und was sie in der Benedeiung sei worden
1-9,1 Uns armen Evaskindern ist dieses gar hoch not zu wissen,
denn es liegt unser ewiges Heil darinnen, denn es ist die Porte Emanuelis und
stehet der ganze christliche Glaube darinne und ist die Porte des großen
Geheimnisses, denn allhie liegt des Menschen Heimlichkeit verschlossen, indem
er Gottes Gleichnis und Bild ist. 1-9,2 Denn unsere ganze Religion stehet in dreien Stücken, die
wir treiben und lehren, als erstlich von der Schöpfung, was Essenz, Wesen und
Eigenschaft der Mensch sei, ob er ewig oder nicht ewig sei und wie das
möglich sei; was eigentlich der menschliche Urstand sei, von wannen er im
Anfang sei herkommen? 1-9,3 Und dann zum andern, weil soviel von seinem Fall geredet
und gelehret wird, wir auch sehen, daß wir um des Falls willen sterblich
sind, auch der Bosheit und Grimmen-Qual unterworfen, was doch eigentlich sein
Fall sei gewesen. 1-9,4 Und dann zum dritten, weil uns Gott wieder will zu Gnaden
nehmen, um welches willen er auch hat Gesetze und Lehre gegeben und die mit
großer Wundertaten bestätiget; was doch eigentlich die neue Wiedergeburt sei,
dieweil wir sehen, daß wir sterben müßen; in welcher Gewalt und Geiste wir
können wieder neugeboren werden und vom Tode aufstehen. 1-9,5 Dieses alles finden wir nun in diesen zweien Bildern für
gemalet als in der ewigen, heiligen und auch in der irdischen, zerbrechlichen
Jungfrauschaft; und finden die neue Wiedergeburt in dem Bilde Christi ganz
hell und klar. Denn in der ewigen Jungfrauschaft als in Gottes Wesenheit, da
das Bildnis und das Gleichnis Gottes ist als in einem Spiegel von Ewigkeit
gesehen und vom Geiste Gottes erkannt worden, ward Adam der erste Mensch
erschaffen. Er hatte die Jungfrauschaft zum Eigentum als der rechten
Liebe-Tinktur im Licht, welche begehrend ist des Feuers Tinktur als der
Essentien Eigenschaft, daß sie möge ein brennend Leben in Kraft und Herrlichkeit
sein; und möge in des Feuers Essenz eine Gebärerin sein, welches in des
Lichts Essenz ohne das Feuer nicht mag sein. 1-9,6 Und erkennen also eine Jungfrauschaft in Gottes Weis heit
im begehrenden Willen des göttlichen Wesens von Ewig keit; nicht eine Frau,
die gebäre, sondern eine Figur im Spie gel der Weisheit Gottes, ein reines
züchtiges Bildnis ohne Wesen und doch in der Essenz, aber nicht in des Feuers
Essenz offenbar, sondern in des Lichts Qual. 1-9,7 Dasselbe Bildnis hat Gott in ein Wesen geschaffen, und
solches aus allen drei Prinzipien, daß es sei ein Gleichnis nach der Gottheit
und Ewigkeit als ein ganzer Spiegel des Grundes und Ungrundes, des Geistes
und auch des Wesens; und ward aus dem Ewigen geschaffen, nicht zur
Zerbrechlichkeit. Weil aber das Irdische und Zerbrechliche am Ewigen hing,
hat sich die irdische Lust in die ewige himmlische eingeführet und die
himmlische Eigenschaft infizieret; denn sie wollte in der ewigen wohnen, und
war doch im Grimm Gottes verderbet. 1-9,8 Also verderbte die irdische Qual die himmlische und ward
der himmlischen Turba als solches an Erde und Steinen zu erkennen, welche
zwar aus dem Ewigen ihren Urstand haben, sind aber im Grimme und in des
Feuers Qual verdorben; und hat das Fiat Erde und Steine aus der ewigen
Wesenheit gemachet, um welches willen ein Scheidetag ist bestimmt, da ein
jedes Ding soll wieder in seinen Aether (Urzustand) gehen und durchs Feuer
bewähret werden. 1-9,9 Also auch der Mensch: Er war in der Jungfrauschaft in
Gottes Weisheit erschaffen, ward aber vom Grimm und Zorn Gottes ergriffen,
darum war er auch alsobald verderbet und irdisch. Und als die Erde vergehet
und im Feuer muß bewähret werden und wiederum in das gehen als sie war, also
auch der Mensch. Er soll wieder in die Jungfrauschaft eingehen, darin er
geschaffen ward. So aber das dem Mensch nicht möglich war, daß er vom grimmen
Tode aufstünde und in eine neue Geburt einging — denn seine Jungfrauschaft
war mit in Tod geschlossen, um welches willen Gott dem Menschen ein Weib aus
ihm machte, — so mußte sich die Gottheit bewegen und das Eingeschlossene
wieder eröffnen und lebendig machen. 1-9,10 Und das geschah in Marien, der verschlossenen
Jungfrauen, verstehe: in der Jungfrauschaft, welche Adam aus Gottes Weisheit
ererbte, nicht aus dem irdischen Teil des dritten Principii, welches war in
den irdischen Tod im Zorn Gottes mit der irdischen Imagination und Eingebung
eingeschlossen worden und war als ob es tot wäre, wie denn die Erde auch als
tot erschien. Darum hat sich das Herze Gottes beweget, den Tod am Kreuz
zerbrochen und das Leben wieder erboren. 1-9,11 Und ist uns die Geburt und Menschwerdung Christi ein
kräftig Wesen, daß sich das ganze ungründliche Herze Gottes hat beweget, und
ist also hiemit die himmlische Wesenheit, welche in Tod geschlossen war,
wieder lebendig wor den, daß wir können jetzt mit Grunde sagen: Gott hat
seinem Zorn selber widerstanden, indem er sich mit seines Herzens Centro,
welches die Ewigkeit ohne Grund und Ziel erfüllet hat, wieder eröffnet und
dem Tode seine Gewalt genommen und dem Grimm und Zorn seinen Stachel
zerbrochen, zumal sich die Liebe und Sanftmut im Zorn
eröffnet und des Feuers Gewalt gelöschet hat. 1-9,12 Und noch vielmehr ist uns Menschen das eine große
Freude, daß sich Gott in unserer toten und erstorbenen Jungfrauschaft hat
eröffnet und alsofort durch alles. Daß sich aber das Wort oder die Kraft des
Lebens Gottes wieder in die Menschheit als in die verstorbene und gleich als
wie verlassene Jungfrauschaft hat eingegeben und das jungfräuliche Leben wieder
eröffnet. Des freuen wir uns und gehen mit unserer Imagination ins Centrum,
als da sich Gott in der Menschheit hat eröffnet, als in die Menschwerdung
seines Sohnes ein, und werden also in unserer Imagination, welche wir in
seine Menschwerdung einführen, seines eröffneten Worts und Kraft der
himmlischen, göttlichen Wesenheit schwanger, zwar nichts Fremdes, aber doch
für die Irdigkeit fremde. Das Wort hat sich allenthalben eröffnet, auch in
jedes Menschen Lebenslicht; und fehlet nur daran, daß sich der Seelengeist
darein ergebe, so zeucht er die ewige Jungfrauschaft wieder an, nicht als ein
Kleid, sondern aus seiner eigenen Essenz. In ihm wird Gott geboren, denn
Maria ward mit allen Evastöchtern irdisch geboren, aber der Bund der Liebe
Gottes weisete in ihrer Essenz, daß Gott wollte allda in ihr das Leben wieder
aufschließen. 1-9,13 Und können durchaus von Marien Jungfrauschaft nach
dem irdischen Leben vor der Benedeiung, ehe sich Gottes Herz bewegte, nicht
sagen, daß sie sei eine ganz vollkommene Jungfrau gewesen nach der ersten vor
dem Fall, sondern sie war eine natürliche Tochter Evas. Aber das sagen wir
mit Grunde, da in Marien sowohl als in allen Adamskindern, sei die ewige
Jungfrauschaft im Bunde der Verheißung verschlossen gelegen gleich als im Tode,
und doch auch nicht in Gott verwesen. Denn der Name Jesus aus Gottes Centro
oder Herze hat sich von Ewigkeit in die Jungfrau der Weisheit Gottes als ein
Spiegel mit eingebildet und ist des Vaters Centro als des Feuers und Grimmes
Centro entgegengestanden, nicht im Grimm im Feuer in des Feuers Essenz,
sondern in der Liebe im Lichte in des Lichtes Essenz; und ward auch der
Mensch in derselben Essenz in dem Namen Jesu versehen, ehe der Welt Grund
gelegt ward, da Adam noch in himmlischer Essenz ohne ein natürlich oder
kreatürlich Wesen war. Denn in der Weisheit ward der Fall erkannt, ehe der
Mensch zur Kreatur ward, und solches nach des Feuers Eigenschaft, nicht des
Lichtes Eigenschaft, sondern nach dem ersten Principio. 1-9,14 Also sagen wir nun nach unserer tiefen Erkenntnis
von Maria, daß sie sei eine Jungfrau vor der Zeit der Eröffnung und Botschaft
des Engels gewesen wie Eva, da sie aus dem Paradeis ging, ehe sie Adam
erkannte. Da war sie zwar eine Jungfrau, aber die rechte Jungfrauschaft war
in ihr verdorben und mit der irdischen Sucht infizieret, und ward an ihr die
tierische Eigenschaft offenbar, denn die irdische Imagination zerbrach die
himmlische Eigenschaft, also daß sie eine Frau und nicht eine züchtige
Jungfrau ohne Makel war. Denn sie war nur ein Teil an der himmlischen
Jungfrauschaft, das andere Teil war Adam. Und also ist keine reine, rechte
Jungfrau von Eva geboren worden, die da ganz im Wesen wäre. Die Turba (der
Grimm) hat in allen die Jungfrauschaft zerstöret, bis der Held im Streit
(Christus) kam. Der war eine ganz männliche Jungfrau in Gottes Weisheit nach
dem himmlischen Wesen. Und das Irdische hing an ihm an, aber das Himmlische
herrschete über das Irdische; denn also sollte Adam auch sein, und er bestund
nicht. 1-9,15 Darum sagen wir mit Grunde, daß Maria sei Joachims
Tochter, von Anna erboren, und habe nach dem irdischen Teil ihre Wesenheit
essentialisch in ihr gehabt. Und dann sagen wir, daß sie des Bundes Gottes
Tochter gewesen sei, daß Gott habe das Ziel der Wiedergeburt in sie gesteckt,
daß das ganze Alte Testament habe in dasselbe Ziel gesehen und alle Propheten
vom selben Ziel — daß Gott wollte die ewige Jungfrauschaft wieder eröffnen —
geweissaget. Und dasselbe Ziel ist gebenedeiet gewesen, denn Gott hat sich
mit seiner Barmherzigkeit mit dem Bunde der Verheißung in dies Ziel
eingegeben, und stund das Wort der Verheißung im Bunde und ins Lebenslicht
dem Zorn entgegen. Und ist die erste Welt vor und nach der Sündflut im selben
Bunde, den Gott als einen jungfräulichen Spiegel vor sich stellte, selig
worden. Denn die ewige Jungfrauschaft erschien im Bunde als im Spiegel
Gottes, und darinne belustigte sich die Gottheit. Denn so Israel den Bund
hielt und tat die Werke des Bundes, so ward das von Gott angenommen, als wäre
die Menschheit im Spiegel der Weisheit Gottes gewesen. Und ob Israel gleich
irdisch und böse war, noch dennoch wohnete Gott in Israel in seinem Bunde in
der Weisheit nach seiner Liebe und Barmherzigkeit. 1-9,16 Also waren die Werke des Gesetzes vor Gott im
Spiegel, bis das Leben wieder aus dem Bunde erboren war, bis die Erfüllung
kam. Da höreten die Werke im Spiegel auf und huben sich die Werke der
Erfüllung in Fleisch und Blut in der himmlischen Wesenheit wieder an, denn in
Maria ward der Anfang. Als der Engel ihr die Botschaft brachte und sie
sprach: Mir geschehe, wie du gesagt hast (Luk. 1,38), so hat sich zuhand das
Lebenszentrum im Wort Gottes als das Herze Gottes in ihrem verstorbenen
himmlischen Samen beweget und den wieder lebendig gemacht, und ist die
Schwängerung angegangen. Denn alle drei Principia der Gottheit sind erreget
worden, und hat die göttliche Tinktur in der verstorbenen himmlischen
Wesenheit gefangen, nicht daß Gott sei ohne Wesen gestanden, sondern der
Mensch war am himmlischen Wesen erstorben. Und jetzt kam das Herze Gottes mit
lebendiger göttlicher Wesenheit in den Tod und weckte die verstorbene
Wesenheit auf. Nicht nahm sie diesmal die irdische Qual hinweg, sondern trage
in die irdische Qual als ein Herr und Überwinder der Qual ein. Denn das
rechte Leben sollte durch den Tod und Zorn Gottes eingeführet werden, welches
geschah am Kreuz, da der Tod zerbrochen und der Grimm gefangen und mit der
Liebe gelöschet und überwunden ward. 1-9,17 Also verstehen wir nun, was Maria mit der Empfängnis
sei worden, nämlich eine rechte reine Jungfrau nach dem himmlischen Teil.
Denn als sich das Herze Gottes bewegte und in ihr der Tag anbrach, so schien
in ihr das Licht der Klarheit und Reinigkeit Gottes. Denn ihre verstorbene
Jungfrauschaft, als Gottes Weisheit, ward eröffnet und lebendig, denn sie
ward erfüllet mit der göttlichen Jungfrauschaft, als mit Gottes Weisheit. Und
in derselben Weisheit und göttlichen Wesenheit, sowohl in der verstorbenen
und jetzt lebendigen Wesenheit, ward das Wort Fleisch im Sulphur mit dem Centro
Naturae aus des Vaters Essentien* und aus Marien Essentien aus dem Tode ein
Leben, eine Frucht mit beiden Tinkturen vollkömmlich, da beide Tinkturen**
nur eine waren. *) d.h. es verkörperte sich; **) Himmlisches und Irdisches,
auch das Feuer- und das Licht-Element. Und weil
Adam war ein Mann worden, so ward auch Christus ein Mann nach der äußern
Welt, denn nicht Evas Bildnis in der Weibestinktur soll bleiben, sondern
Adams Bildnis als er ein Mann und auch ein Weib war, soll bleiben. So aber
doch der Zeichen eines muß erscheinen nach der Macht des äußern Fiat und daß
auch der Held im Streit wieder würde in alle drei Principia gesetzet, so
kriegte der Held im Streit männliche Zeichen. Denn der Mann hat des Feuers
Tinktur als des Vaters Eigenschaft. So ist der Vater die Stärke und Macht
aller Dinge, und der Sohn ist seine Liebe. Also ward das Wort in weiblicher
Essenz Mensch, und ward aber ein Mann, daß seine Liebe möchte den Zorn und
Grimm im Vater löschen, denn Veneris Tinktur hat den Wasserquall und das Weib
hat Veneris Tinktur. Also sollte das Feuer mit dem Wasser des ewigen Lebens
gelöschet und des Vaters brennende Essentien im Feuer wieder gelöschet
werden. 1-9,18 Nun erkennen wir aber Maria, Christi Mutter, nach
dem Fleische Seele und Geist in der Benedeiung für eine reine züchtige
Jungfrau, denn das ist ihre Benedeiung, daß sich Gott hat in ihr eröffnet.
Sie hat das Wort des Lebens in ihrem Leibe getragen, das hat sich in ihr
beweget. Nicht hat Maria das Wort beweget, sondern das Wort hat Maria
beweget, beide: die Frucht, die sie gebar und auch ihre Seele, sowohl das
Teil der verstorbenen Wesenheit, daß ihre Seele sogleich mit göttlicher
lebendiger Wesenheit umgeben ward, nicht nach dem irdischen Teil als nach dem
dritten Principio, sondern nach dem himmlischen Teil als nach dem andern
Principio, daß ihr also das Irdische nur anhing. Denn ihre Seele sollte auch
mit dem Wort des Lebens, welches in ihr Mensch ward, mit durch den Tod und
Zorn des Vaters in die himmlische göttliche Qual eingehen. Darum mußte ihr
äußerer Mensch der irdischen Qual absterben, auf daß er Gott lebete. Und
darum daß sie ist gebenedeiet worden und hat das Ziel im Bunde getragen, ist
ihr Leib nicht verwesen, denn das Himmlische hat das Irdische verschlungen
und hält das ewig gefangen zu Gottes Ehr und Wundertat. Es soll in Ewigkeit
nicht vergessen werden, daß Gott in ihr ist Mensch worden. 1-9,19 Daß aber etliche sagen, sie sei ganz im Tode
verblieben und ganz verwesen, dieselben mögen ihre Vernunft wohl anders
schauen, denn was hochgebenedeiet wird, das ist unverweslich. Ihr himmlisches
Teil der göttlichen Wesenheit, das sie hat gebenedeiet, ist unverweslich,
sonst müßte folgen, daß Gottes Wesenheit in der Benedeiung wäre noch einmal
gefallen und gestorben, als in Adam geschah, um welches Sterbens willen doch
Gott Mensch ward, daß er das Leben wiederbrächte. Zwar sie ist nach dem
äußern Leben als nach der irdischen Qual (in irdischer Hinsicht) gestorben,
aber sie lebet nach der Benedeiung in Gottes Wesenheit und auch in ihrer eignen
Wesenheit, nicht in vier Elementen, sondern in der Wurzel der vier Elementen
als in einem Element, welches die viere in sich verschlossen hält, im
Paradeis und reinen Element, in der göt lichen Wesenheit, in dem Leben
Gottes. 1-9,20 Darum sagen wir, daß Maria größer sei als irgend
eine Tochter von Adam, indem Gott das Ziel seines Bundes in sie gestecket
hatte und sie alleine die Benedeiung unter allen Evastöchtern erlanget hatte
als die reine jungfräuliche Zucht, welche in allen Evastöchtern zerstöret
war. Bei ihr aber stund die Jungfrauschaft im Bunde, bis sie das Wort des
Lebens hoch benedeiete. So ward sie eine rechte reine züchtige Jungfrau, in
der Gott geboren ward. Denn Christus sprach auch zu den Juden: Ich bin von
oben her, ihr aber seid von unten her; ich bin nicht von dieser Welt, ihr
aber seid von dieser Welt (Joh. 8,23). — Wenn er wäre in einem irdischen
Gefäße Mensch worden, und nicht in einer reinen, himmlischen, züchtigen
Jungfrauen, so wäre er ja von dieser Welt gewesen. Aber also war er in der
himmlischen Jungfrau Mensch worden und hing ihm der irdische Qual nur an,
denn die Essenz der Seelen war mit irdischer Qual in uns armen
Menschenkindern infizieret worden. Und er sollte unsere Seele in himmlischer
Essenz in sich durch das Feuer Gottes in Ternarium Sanctum einführen, denn um
die Seele war es zu tun, dieweil sie aus dem Ewigen war genommen worden, so
wollte sie auch Gott nicht verlassen. 1-9,21 Darum wenn gefraget wird, was das für Materia sei
gewesen, dahinein sich Gottes Wort und Herze hat eingegeben und ihm einen
Leib gemacht, obs fremde Materia, die vom Himmel kommen sei, oder obs Marien
Essenz und Same sei gewesen, so ist dies unsere Antwort, daß Gottes Herz nie
ohne Wesen sei gewest, denn seine Wohnung ist von Ewigkeit im Lichte, und die
Kraft im Lichte ist das Herze oder Wort, das Gott von Ewigkeit hat
gesprochen. Und das Sprechen ist der Hl. Geist Gottes gewesen, der mit dem
Sprechen aus der Kraft des Lichtes, aus dem gesprochenen Worte ausgehet in
das Ausgesprochene. Und das Ausgesprochene ist Gottes Wunder und Weisheit.
Dies hat in sich den göttlichen Spiegel der Weisheit, darin der Geist Gottes
siehet und darin er die Wunder eröffnet. 1-9,22 Und also verstehet, daß das Wort aus dem Herzen
Gottes des Vaters, mit der himmlischen und züchtigen Jungfrau der Weisheit
umgeben in der himmlischen Wesenheit wohnend, hat sich zugleich in Marien
Essenz und Wesenheit als in ihrem eigenen Samen, verstehe im menschlichen
Samen, eröffnet und Marien verstorbenen und an Gott blinden Samen an sich
genommen und den zum Leben erwecket. Die lebendige Wesenheit kam in die
halbertötete (Essenz der Marien) und nahm die Halbertötete zum Leibe, nicht
zu einem verweslichen, der da aufhören sollte, sondern zu einem ewigen, der
da ewig bleiben sollte, denn allhier ward das ewige Leben wiedergeboren. 1-9,23 Also ward die Wesenheit der Ewigkeit in Gott seiner
ganzen Tiefe ohne Grund und die Wesenheit des verstorbenen Adam in der
Menschheit eine Wesenheit ganz ein einig Wesen, daß also die Kreatur Christus
mit seiner Wesenheit zugleich auf einmal den ganzen Vater erfüllete, der ohne
Ziel und Grund ist. Aber die kreatürliche Seele blieb und ist eine Kreatur.
Und nach dem dritten Principio als von der Kreatur ist dieser Christus eine
Kreatur und König der Menschen, sowohl auch nach dem andern Principio als ein
Kind des ungründlichen Vaters. Was der Vater in seiner ungründlichen Tiefe
ist, das ist der Sohn in seiner Kreatur. Denn die Kraft in der Kreatur ist
mit der Kraft außer der Kreatur eine Kraft, eine Wesenheit, in der die Engel
und Menschen wohnen. Sie gibt Paradeis und fröhliche Wonne. Aber in der
Menschheit gibt sie auch Fleich und Blut, darum ist und bleibt sie auch eine
Kreatur, aber ungeschaffen, sondern geboren auf einem Teil aus Gott von
Ewigkeit, und auf dem andern Teil aus der Menschheit. Und ist Gott und Mensch
eine Person worden, ein Christus, ein Gott, ein Herr, eine Hl. Dreifaltigkeit
in der Menschheit und auch zugleich überall, daß, wenn wir Christum sehen, so
sehen wir die Hl. Dreifaltigkeit in einem Bilde. Seine Kreatur ist einem
Bilde gleich und aus uns Menschen, unser Hoherpriester und König, unser
Bruder, unser Immanuel. Seine Kraft ist unsere Kraft, sind wir aber aus Gott
im Glauben an ihn wiedergeboren. Er ist uns nicht fremd oder schrecklich,
sondern ist unsere Liebe-Tinktur. Er ist mit seiner Kraft unserer Seelen
Erquickung, unser Leben und unserer Seelen Wonne. Wenn wir ihn finden, so
finden wir unsern Gehilfen, gleichwie ihn Adam finden sollte; und er ließ
sich betrügen und fand endlich ein Weib. Da sprach er: Das ist Fleisch von
meinem Fleisch und Bein von meinem Gebeine, und er nahm sie zu sich, zu einer
Gesellin (Gen. 2,23). 1-9,24 Also wenn ihn unsere Seele findet, so saget sie: Das
ist meine Jungfrau, die ich in Adam hatte verloren, da ein irdisch Weib aus
ihr ward. Jetzt habe ich meine liebe Jungfrau aus meinem Leibe wiederfunden.
Nun will ich die nimmermehr von mir lassen. Sie ist mein, mein Fleisch und
Blut, meine Stärke und Kraft, die ich in Adam verloren, die will ich
behalten. O ein freundlich Halten, freundlich Inqualieren, Schönheit, Frucht,
Kraft und Tugend! 1-9,25 Also findet die arme Seele ihres verlornen Lichts
Tinktur und ihre liebe Jungfrau. Und im Weiblein wird gefunden der edle
Bräutigam, danach Veneris Matrix hat je gelüstert, hat aber nur einen
irdischen, männlichen Sulphur gefunden und hat sich mit irdischem Samen
müssen lassen schwängern. Allhier bekommt sie des rechten Feuers und Mannes
Tinktur, daß sie also auch eine rechte männliche Jungfrau wird, als Adam in
seiner Unschuld war. 10. Kapitel - Von der Geburt Jesu Christi, des Sohns
Gottes, und wie er neun Monat sei im Mutterleibe verschlossen gelegen, und
wie seine Menschwerdung sei
1-10,1 Viel Disputieren hat man getrieben um die
Menschwerdung Jesu Christi, aber fast blind, und daraus mancherlei Meinungen
gemacht, die Menschen also mit Meinungen umzutreiben und die rechte
Menschwerdung lassen liegen, daran unser ewig Heil lieget. Dessen allen war
Ursach, daß man das in äußerlichem Witz und Kunst hat gesuchet und nicht am
rechten Ziel. Wäre man in die Menschwerdung eingegangen und aus Gott geboren
worden, es hätte keines Disputierens bedurft, denn der Geist Gottes eröffnet
einem jeden die Menschwerdung wohl in ihm selber, und ohne denselben ist kein
Finden. Denn wie wollen wir das in dieser Welt Vernunft finden, das nicht in
dieser Welt ist? Wir finden in der äußern Vernunft kaum einen Glanz davon,
aber in Gottes Geist ist das rechte Finden. 1-10,2 Die Menschwerdung Christi ist ein solch Mysterium,
davon die äußere Vernunft nichts weiß, denn sie ist in allen dreien
Prinzipien geschehen, und mag nicht ergründet werden, man kenne denn den
ersten Menschen in seiner Schöpfung vorm Fall gründlich. Denn Adam sollte den
andern Menschen mit dem Charakter der Hl. Dreifaltigkeit aus sich gebären, in
dem der Name Jesus eingeleibet stund, aber es konnte nicht sein. Darum mußte
ein anderer Adam kommen, dem es möglich war, denn Christus ist das
jungfräuliche Bild mit dem Charakter der Hl. Dreifaltigkeit. Er ist empfangen
in Gottes Liebe und geboren in diese Welt. Adam hatte göttliche Wesenheit und
seine Seele war aus dem ersten Principio aus des Vaters Eigenschaft. Die
sollte sich mit der Imagination richten in des Vaters Herze als ins Wort und
Geist der Liebe und Reinigkeit, und essen von der Liebe Wesenheit, so hätte
sie Gottes Wesen im Wort des Lebens an sich behalten, und wäre mit der Kraft
aus dem Herzen Gottes geschwängert worden, davon sie denn aus sich selber in
ihrer Wesenheit imaginieret und ihre Wesenheit selber geschwängert hätte, daß
also wäre ein ganzes Gleichnis nach dem ersten Bild (Urbild) durch
Imagination und der Seelen Willen Einergeben entstanden und in der Kraft der
Wesenheit empfangen worden. 1-10,3 Weil aber dieses in Adam nicht sein konnte wegen der
Irdigkeit, die ihm anhing, so geschah es im andern Adam Christo. Der ward auf
eine solche Art durch Gottes Imagination und Eingebung in des ersten Adams
Bildnis empfangen. 1-10,4 Und ist uns erkenntlich, daß weil der erste Adam
seine Imagination hat in die Irdigkeit gesetzet und irdisch worden, auch
solches wider Gottes Vorsatz bestehen mußte. Denn all hier setzte Gott seinen
Vorsatz in Adams Kind und führte seine Imagination in das verderbte Bildnis
und schwängerte dasselbe mit seiner göttlichen Kraft und Wesenheit und
wendete um der Seelen willen aus der Irdigkeit in Gott, daß Maria eines
solchen Kindes schwanger ward, als Adam sollte schwanger werden, welches die
eigene Vermögenheit nicht tun konnte, sondern sank nieder in den Schlaf als
in die Magiam, da dann das Weib aus Adam gemachet ward, welches nicht sollte
gemachet werden, sondern Adam sollte sich in Veneris Matrice selber
schwängern und magisch gebären. Weils aber nicht sein mochte, ward Adam
zerteilet, und ward ihm sein eigener Wille der großen Macht gebrochen und in
Tod geschlossen. Weil er seine Imagination nicht wollte in Gottes Geist
setzen, so mußte seine große Macht im Tode stillhalten und den Geist Gottes
lassen seine Imagination in sich setzen und mit ihm tun, was er wollte. 1-10,5 Darum erweckte ihm Gottes Geist aus demselben Tode
das Leben, und ward desselben Lebens Geist, auf daß das Bildnis und Gleichnis
nach Gott, so von Ewigkeit war in Gottes Weisheit erkannt worden, doch mochte
erboren werden und bestehen. Denn sie stund vor den Zeiten der Welt von
Ewigkeit im jungfräulichen Spiegel in der Weisheit Gottes, und solches in
zweien Gestalten, als nach dem ersten Principio des Vaters im Feuer und im
andern Principio des Sohns im Lichte, und war doch nur im Lichte offenbar und
im Feuer gleich als in einer Magia als in einer Möglichkeit. Gleichwie der
gestirnte Himmel eine Figur dem Menschen im Schlafe ins Gemüt modelt nach
seiner Vermögenheit, also ist auch das Bildnis im Centro des Feuers Natur
erschienen ganz unsichtbar, aber in der Weisheit im Spiegel der Gottheit ist
sie als ein Bilde gleich einem Schatten, aber ohne materialisch Wesen
erschienen. Und ist doch in der Essenz des Geistes gewesen, welcher, so er
sich im Spiegel der Weisheit erblicket, dieses Bildnis erkannt und gesehen
hat und einst seinen Willen dareingesetzt, sie in Wesenheit zu bringen, auf
daß Gott ein Bild oder Gleichnis im Wesen habe, da er sich nicht mehr
brauchte als im Spiegel schauen, sondern im Wesen empfinden. Und darum, so
das erste Bild in die strenge Macht imaginierte und darüber irdisch und tot
ward, führete Gottes Geist seinen Willen und Leben in den Tod und nahm aus
dem Tode wieder das erste Leben in sich, auf daß das erste Leben in vollem
Gehorsam vor ihm bestünde und er allein sei das Wollen und auch das Tun. 1-10,6 Also ist uns erkenntlich, daß Gott sei in das
halbtote Bildnis eingangen, verstehe: in Maria, und eben in dieselbe
jungfräuliche Gestalt, welche im Tode verschlossen lag, darin Adam sollte
schwanger werden und ein Bild nach ihm in jungfräulicher Zucht gebären. In
derselben eingeschlossenen und halbertöteten jungfräulichen Matrice ist
Gottes Wort oder Herz als das Centrum der Hl. Dreifaltigkeit ein Menschenbild
worden, ohne Verletzung seines Wesens. Und weil die erste lebendige
jungfräuliche Matrix in Adam nicht wollte Gott gehorsam sein, so ward sie ihm
jetzt, als sie wieder aus dem Tode erwecket ward, gehorsam und ergab sich
ganz demütig und willig in Gottes Willen. Also ward jetzt wieder das rechte
jungfräuliche Bild im Gehorsam Gottes figurieret, denn der erste Wille mußte
im Tode bleiben, der wider Gottes Willen imaginierte; und ward ein reiner,
gehorsamer Wille erwecket, der in der himmlischen Sanftmut und Wesen blieb,
der nicht mehr das Bildnis im Feuer, in des Vaters Teil, in ihm ließ
aufquellen, sondern blieb in einer Qual, als dann die Gottheit nur in einer
Qual ihr Leben führet, als im Lichte, im Hl. Geiste, und führet aber doch
ihre Herrschaft über alle drei Principia. 1-10,7 Also ist uns auch von der Menschwerdung Christi zu
verstehen. Als Gottes Geist das jungfräuliche Leben in Maria wieder
erweckete, welches in der irdischen Essenz im Tode und Grimme lag
eingeschlossen, so wendete sich dasselbe Leben nunmehr nur in einen Willen
als in Gottes Liebe und ergab sich dem Geiste Gottes. Also ward dasselbe Leben
eines rechten jungfräulichen Bildes schwanger, welches bei Adam sein sollte,
aber nicht geschah, denn eine Imagination empfing die andere, Gottes
Imagination empfing die Imagination im Tode (Gott belebte das Sterbliche) und
brachte sie wieder zum Leben; und dasselbe Leben imaginierte wieder in Gott
und ward Gottes schwanger und ward aus der Gottheit und Menschheit eine
Person. Die Gottheit hing an der himmlischen Wesenheit, die von Ewigkeit je
gewesen war mit Reich, Kraft und Herrlichkeit als das Reich des Paradeises
und die engelische Welt als der Geist und die siebente Gestalt am Centro
naturae, wie im dritten Teil »Vom dreifachen Leben« ausführlich gemeldet
worden. Und die Menschheit hing an dem Reich dieser Welt. Weil sich aber der
Wille der Menschheit in die Gottheit ergab, so ward dieses jungfräuliche Bild
in Christo Jesu nur ein Gast in dieser Welt, und seine Gottheit war ein Herr
über diese Welt. Denn also sollte das in Adam auch sein, daß das Kleinere und
Ohnmächtige unter dem Größern und Allmächtigen wäre. Aber Adams Wille ging in
das Kleine und Ohnmächtige; darum ward er ganz ohnmächtig und fiel wieder in
Schlaf und dem Schöpfer wieder heim. Aber dies Bildnis mit Christo blieb in
der göttlichen Wesenheit stehen und hing ihr die irdische Qual in Knechtsamt
und Weise an, nun nicht mehr als ein Herr wie über Adam und Maria, seine
Mutter vor der hohen Benedeiung und Eröffnung der Gottheit, sondern als ein
Knecht, denn dies Bildnis war nun in Gottes Geiste und Macht ein Herr über
das dritte Principium dieser Welt. 1-10,8 Nun spricht die Vernunft: Wie ist es denn zugangen
in dieser Menschwerdung? Ist denn das Leben alsobald mit dem Punkt der
Empfängnis rege worden über den natürlichen Lauf, daß das Teil Marias als des
Weibes Samen hat alsobald gelebet? Nein, denn es war ein essentialischer
Same, und ward in seiner rechten natürlichen Zeit rege mit Seele und Geist
wie alle Adamskinder. Aber das Teil der Gottheit, umgeben mit göttlicher
Wesenheit und Weisheit, lebte von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Gottheit ging
nichts zu, noch ab; was sie war, das blieb sie, und was sie nicht war, das
wird sie. Sie gab sich mit himmlischer göttlicher Wesenheit in die Essenz und
Wesenheit Marias, und ward Marien Essenz und Gottes Essenz eine Person, aber
Marien Essenz war sterblich und Gottes Essenz unsterblich. Darum mußten
Marien Essentien am Kreuze sterben und durch den Tod ins Leben gehen. Dazu
halfen Gottes Essentien, sonst wäre es nicht möglich gewesen. Also half uns
Gottes Essenz und hilft uns noch immerdar durch Christi Tod in Gottes Essenz
und Leben ein. 1-10,9 Also erkennen wir Christi Menschwerdung natürlich
wie aller Menschenkinder. Denn die himmlische, göttliche Wesenheit hat sich
mit ihrem Leben in die irdische halbertötete eingegeben. Der Herr gab sich
unter den Knecht, auf daß der Knecht lebendig würde; und ist zugleich in neun
Monden ein vollkommener Mensch worden und auch ein wahrer Gott blieben, und
ist auch auf Art und Weise aller Adamskinder zu dieser Welt geboren worden
durch denselben Gang wie alle Menschen. Und das darum, nicht daß ers
(Christus) bedürfte; er hätte können magisch geboren werden, aber er wollte
und sollte unsere unreine, tierische Geburt und Eingang in dieses Leben
heilen. Er sollte in unserm Eingang in diese Welt eingehen und uns aus dieser
Welt in Gottes Eingang einführen und aus der irdischen Qual ausführen. 1-10,10 Denn so er wäre magisch auf göttliche Art geboren worden,
so wäre er nicht natürlich in dieser Welt gewesen, denn die himmlische
Wesenheit hätte müssen den irdischen Qual verschlingen. Also wäre er uns
nicht gleichworden, wie hätte er dann wollen den Tod leiden und in Tod
eingehen und den zerbrechen? Aber also ist es nicht: Er ist wahrhaftig des
Weibes Same und den natürlichen Weg wie alle Menschen in diese Welt
eingegangen, und aber den göttlichen Weg in der göttlichen Macht und
Wesenheit durch den Tod ausgegangen. Seine göttliche, lebendige Wesenheit ist
es, die im Tode bestund, die den Tod zerbrach und spottete, und führete die
verwundete halbtote Menschheit durch den Tod ins ewige Leben. Denn das
irdische Teil, welches er aus seiner Mutter Maria an sich, das ist: an das
göttliche Wesen annahm, das starb am Kreuz der irdischen Qual ab. Also war
die Seele in Gottes Wesenheit und fuhr als ein Siegesfürst dem Teufel in
seine Hölle, das ist: in Gottes Zorn und löschete den mit Gottes Liebe und
Sanftmut der göttlichen Liebe Wesenheit. Denn es kam das Liebe-Feuer in des
Zorns Feuer und ersäufte den Zorn, darin der Teufel wollte Gott sein. Also
ward der Teufel mit der Finsternis gefangen genommen und verlor seine
Herrschaft, denn der Stachel und das Schwert Cherubs, des Würgeengels, ward
allhier zerbrochen. Und das war die Ursache, daß Gott Mensch ward, daß er uns
aus dem Tode ins ewige Leben einführete und den Zorn, der in uns brannte, mit
seiner Liebe löschete. 1-10,11 Denn ihr sollt uns recht verstehen, wie Gottes Zorn sei
gelöschet worden: nicht mit dem tödlichen Blute Christi, das er vergoß,
darüber die Juden seiner spotteten, sondern mit dem Blute des ewigen Lebens
aus Gottes Wesen, welches unsterblich war, das da hatte den Brunnquell des
Wassers des ewigen Lebens. Das ward am Kreuz mit unter dem äußerlichen Blute
vergossen. Und da das äußere in Tod fiel, da fiel das himmlische mit, aber es
war unsterblich. 1-10,12 Also hat die Erde Christi Blut empfangen, davon sie
erzitterte und erbebete, denn der Grimm Gottes war jetzt in ihr überwunden,
und kam das lebendige Blut in sie, welches aus Gottes Wesenheit war vom
Himmel kommen. Das tat auf die Gräber der Heiligen und eröffnete den Tod und
machte ein Straße durch den Tod, daß der Tod ward schaugetragen (wie ein
Besiegter); denn als Christi Leib vom Tode aufstund, da trug er den Tod an
seinem Leibe schau, denn seine Macht war zerbrochen. 11. Kapitel - Von der Nutzbarkeit; was uns armen
Evaskindern die Menschwerdung und Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes,
nütze. Die allerliebreichste Porte
1-11,1 Wir armen Evaskinder waren in Adam alle erstorben.
Und ob wir gleich lebeten, so lebeten wir doch nur in dieser Welt; und der
Tod wartete unser und verschlang je einen nach dem andern; und war uns kein
Rat, so uns nicht hätte Gott wieder aus seinem Wesen erboren, wir wären in
Ewigkeit nach dem Leibe nicht wiederkommen, und unsere Seele wäre in Gottes
Zorn-Qual bei allen Teufeln ewig blieben. Aber die Menschwerdung Jesu Christi
ist uns ein kräftig Wesen worden, denn um unsretwillen ist Gott Mensch
worden, auf das er unsere Menschheit wieder aus dem Tode in sich brächte und
unsere Seelen aus dem Feuer des Zorns Gottes erlösete. Denn die Seele ist in
sich selber ein Feuerquall und hält in sich selber inne das erste Principium,
die herbe Strengigkeit, welche in sich selber nur zum Feuer arbeitet. So aber
dieser Seelengeburt die Sanftmut und Liebe Gottes entzogen wird, oder aber:
so sie mit ganz strenger Materia infizieret wird, so bleibet sie eine Qual in
der Finsternis, eine ganz strenge Rauhigkeit, sich selber fressend und doch
auch im Willen immer wieder Hunger gebärend. Denn ein Ding, das keinen Anfang
noch Grund hat, das hat auch kein Ende, sondern es ist selber sein Grund, es
gebieret sich selber. 1-11,2 Und wir doch auch nicht sagen wollen, daß Seele
keinen Anfang habe. Sie hat Anfang, aber nur nach der Kreatur, nicht nach der
Essenz. Ihre Essenz ist von Ewigkeit, denn das göttliche Fiat hat sie im
Centro der ewigen Natur gefasset und in ein substantialisch Wesen gebracht,
dazu mit dem ganzen † (Kreuz) mit dem Charakter der Hl. Dreifaltigkeit
als ein Gleichnis des dreifachen Geistes der Gottheit in der Gottheit wohnet.
Es geschehe nun in Liebe oder Zorn, das ist: im Licht oder Feuer, in welches
sie imaginieret, dessen wird sie schwanger, denn sie ist ein magischer Geist,
eine Qual in sich selber. Sie ist das Centrum der Ewigkeit, ein Feuer der Gottheit
im Vater, jedoch nicht in der Freiheit des Vaters, sondern in der ewigen
Natur. Sie ist nicht vor dem Wesen, sondern im Wesen. Aber Gottes Freiheit
ist außerm Wesen, wohnet aber im Wesen. Denn im Wesen wird Gott offenbar, und
wäre auch kein Gott ohne Wesen, sondern eine ewige Stille ohne Qual. Aber in
der Qual wird das Feuer erboren und aus dem Feuer das Licht, da sich dann
zwei Wesen scheiden und zweierlei Qual führen, als eine grimmige, hungerige,
durstige im Feuer und eine sanfte, liebliche, gebende im Licht, denn das
Licht gibt und das Feuer nimmt. Das Licht gibt Sanftmut, und aus Sanftmut
wird Wesenheit. Die ist des Feuers Speise, sonst wäre es ein grimmiger
finsterer Hunger in sich selber, als denn ein Geist ist, so er nicht Wesen
des Lichts hat, gleich einem verschmachteten Gift. So er aber Wesen der
Sanftmut bekommt, so zeucht er das in sich und wohnet darinne und brauchts
zur Speise und auch zum Leben. Denn er infizieret sich damit und schwängert
sich, denn sein Wesen ist seine Erfüllung, also daß der Hunger gestillet
wird. 1-11,3 Also ist uns zu betrachten die menschliche Seele:
Sie ward genommen aus dem Centro naturae, nicht aus dem Spiegel des Ewigen
als aus der Qual dieser Welt, sondern aus der ewigen Essenz des Geistes
Gottes aus dem ersten Principio aus des Vaters Eigenschaft nach der Natur,
nicht von Wesen oder von etwas, sondern der Geist der Gottheit blies ihm das
Leben, verstehe: das Bildnis in Adam, selber ein aus allen dreien Prinzipien.
Er hat ihm das Centrum naturae als den Feuer-Quall zum Leben eingeblasen und
auch die Sanftmut der Liebe aus dem Wesen der Gottheit als das ander
Principium mit göttlicher himmlischer Wesenheit, sowohl auch den Geist dieser
Welt als den Spiegel und Fürbild der Weisheit Gottes mit den Wundern. 1-11,4 Nun ist aber der Geist dieser Welt mit des Teufels
Entzünden und Gift, so er dareingeschmeißt hat, verderbet, denn der Teufel
wohnet in dieser Welt und ist ein steter Infizierer der äußern Natur und
Eigenschaft, wiewohl nur im Grimm als im herben Begehren ist er mächtig. Aber
er setzet seine Imagination mit seiner falschen Tinktur auch in die Liebe und
vergiftet der Seelen ihr bestes Kleinod, und hat Adams Seele mit seiner
Imagination mit seinem bösen Hunger-Geist infizieret, daß also Adams Seele
nach irdischer Qual lüsterte, von welcher Lust sie mit irdischer Qual
geschwängert ward, daß also das äußere Reich ins innere eingeführet ward,
davon das Licht im Feuer des ersten Principii verlosch und seine göttliche
Wesenheit, darin er sollte ewig leben, in irdischen Tod eingeschlossen ward. 1-11,5 Also ward diesem Bildnis und auch Seele kein Rat
mehr. Es bewegte sich denn die Gottheit nach dem andern Principio als nach
dem Lichte des ewigen Lebens in ihr und zündete die in Tod eingeschlossene
Wesenheit wiederum mit dem Liebe-Glanz an, welches in der Menschwerdung
Christi geschah; und ist dies das allergrößeste Wunder, das Gott hat
gewirket, daß er sich mit dem Centro der Hl. Dreifaltigkeit hat in des Weibes
Samen beweget. Denn nicht im Feuer als in des Mannes Tinktur wollte sich
Gottes Herz offenbaren, sondern in des Geistes Tinktur als in Veneris, in der
Liebe des Lebens, auf daß das Feuer in des Mannes Tinktur mit der Sanftmut
und Liebe Gottes ergriffen würde. Denn aus dem eingeschlossenen Tode sollte
und mußte das ewige Leben wieder ausgrünen. Denn allhier hat die Wurzel Jesse
und rechte Aaronisrute gegründet und schöne Früchte gebracht, denn in Adam
ward das Paradeis in Tod geschlossen, als er irdisch ward. Aber in Christo
grünete das wieder aus dem Tode. 1-11,6 Von Adam haben wir alle den Tod geerbet. Von Christo
erben wir das ewige Leben. Christus ist das jungfräuliche Bild, das Adam aus
sich sollte gebären mit beiden Tinkturen. Weil er aber nicht konnte, ward er
zerteilet und mußte durch zwei Leiber gebären, bis der Silo kam, das ist: der
Jungfrauen Sohn, welcher aus Gott und Mensch geboren ward. Er ist der
Durchbrecher, von dem die Propehten redeten, der aufschießt als ein Reiß. Er
grünet als ein Lorbeerbaum in Gottes Wesen. Er hat mit seiner Eingehung in die
halbertötete Essenz den Tod zerbrochen, denn er grünete zugleich in
menschlicher und auch in göttlicher Essenz. Er brachte uns mit in unsere
Menschheit die jüngfräuliche Zucht der Weisheit Gottes. Er umgab unsere
Seelen-Essenz mit himmlischer Wesenheit. Er ward der Held im Streit, da die
zwei Reiche miteinander im Streit lagen, als Gottes Zorn und Liebe. Er gab
sich willig in Zorn und löschete den mit seiner Liebe, verstehe: in der
menschlichen Essenz. Er kam aus Gott in diese Welt und nahm unsere Seele in
sich ein, auf daß er uns aus der Irdigkeit dieser Welt wieder in sich in Gott
einführete. Er gebar uns in sich wieder neu, daß wir in Gott zu leben wieder
tüchtig wären. Aus seinem Willen gebar er uns, daß wir sollen unseren Willen
in ihn setzen. So führete er uns in sich zum Vater in unser erstes Vaterland
wieder ein, als ins Paradeis, daraus Adam ausging. Er ist unser Brunnquell
worden. Sein Wasser quillet in uns. Er ist unser Brunn und wir seine Tropfen
in ihm. Er ist die Fülle unserer Wesenheit worden, auf daß wir in ihm in Gott
Leben. Denn Gott ist Mensch worden. Er hat sein ungründlich und unmeßlich
Wesen in die Menschheit eingeführet. Sein Wesen, das den Himmel erfüllet, hat
er in der Menschheit offenbaret. Also ist das menschliche Wesen und Gottes Wesen
ein Wesen worden, eine Fülle Gottes. Unser Wesen ist sein Bewegen in seinem
Himmel. Wir sind seine Kinder, sein Wunder, sein Bewegen in seinem
ungründlichen Leibe. Er ist Vater und wir seine Kinder in ihm. Wir wohnen in
ihm und er in uns. Wir sind sein Werkzeug, damit er suchet und machet, was er
will. Er ist das Feuer und auch das Licht mit allem Wesen. Er ist verborgen
und das Werk machet ihn offenbar. 1-11,7 Also erkennen wir, daß Gott ein Geist ist, und sein
ewiger Wille ist magisch als begehrend. Er macht aus Nichts immer Wesen, und
das in zweierlei Qual als nach dem Feuer und Lichte. Aus dem Feuer wird
Grimm, Aufsteigen, Hoffart, sich dem Lichte nicht wollen eineignen, sondern
ein grimmiger ernsthafter Wille, nach welchem er nicht Gott heißet, sondern
ein grimmig verzehrend Feuer. Dies Feuer wird auch in der bloßen Gottheit
nicht offenbar, denn das Licht hat das Feuer in sich verschlungen und gibt
dem Feuer seine Liebe, seine Wesenheit, sein Wasser, also daß in Gottes Wesen
nur Liebe, Freude und Wonne ist und kein Feuer erkannt wird. Sondern das
Feuer ist nur eine Ursache des begehrenden Willens und der Liebe, sowohl des
Lichtes und der Majestät, sonst würde kein Wesen, wie solches nach der Länge
in den vorgehenden Schriften ausgeführet worden ist. 1-11,8 Und ist uns jetzt erkenntlich, worinnen unsere neue
Wiedergeburt stehe, dieweil wir doch nun in dieser Welt mit der irdischen
Hütten verdecket und dem irdischen Leben heimgefallen sind, als nämlich bloß
in der Imagination, daß wir mit unserm Willen in Gottes Willen eingehen und
uns ihm ganz eineignen und übergeben, welches Glauben heißet. Denn das Wort
>Glauben< ist nicht historisch, sondern es ist ein Nehmen aus Gottes
Wesen, aus Gottes Wesen essen, Gottes Wesen mit der Imagination in sein Seelenfeuer
einführen, seinen Hunger damit stillen und also Gottes Wesen anziehen, nicht
als ein Kleid, sondern als einen Leib der Seelen. Die Seele muß Gottes Wesen
in ihrem Feuer haben, sie muß von Gottes Brot essen, will sie Kind sein. 1-11,9 Also wird sie auch in Gottes Geiste und Wesen
neugeboren werden, der sie aus dem Acker des Grimmes und Zorns in den Acker
der Liebe, Sanftmut und Demut Gottes eingepfropfet, und blühet mit einer
neuen Blume, welche in Gottes Liebe wächset als in Gottes Acker. Dieselbe
Blume ist das rechte wahre Bildnis der Gottheit, die Gott begehrete, als er
Adam zu seinem Gleichnis schuf. Das hat uns nun wiedererboren Jesus Christus,
Gottes und des Menschen Sohn. Denn seine Wiedergeburt aus Gottes und unserm
Wesen ist unsere Wiedergeburt, seine Kraft, Leben und Geist ist alles unser,
und dürfen nichts mehr dazutun, als daß wir nur bloß mit unserm Willen-Geiste
durch ihn in Gottes Wesen eingehen. So wird unser Wille in Gottes Willen
neugeboren und empfähet göttliche Kraft und Wesen. Nicht fremde, sondern
unsere erste, mit welcher wir in Adam in Tod eingingen, die wecket uns der
Erstgeborene aus den Toten wieder auf, welcher ist Christus. Er ist Gott, ist
aber aus uns geboren, auf daß er uns lebendig mache aus dem Tode, nicht eines
fremden Lebens, das wir allhie in dieser Welt nicht hätten gehabt, sondern
unsers eigenen Lebens; denn Gottes Vorsatz soll bestehen. Die schöne Blume
und Bildnis soll aus dem verderbten Acker wachsen, und nicht allein das,
sondern auch aus dem reinen Acker. 1-11,10 Aus der Jungfrauen sollten wir wiedergeboren werden, und
nicht aus dem Manne des Zorns, aus der Feuers-Tinktur, sondern aus der
Jungfrau der Liebe aus der Lichts-Tinktur. Wir ziehen mit unserer Einergebung
die Jungfrau Christi an. Wir werden hiermit die Jungfrau der Zucht,
Keuschheit und Reinigkeit in Ternario Sancto in der engelischen Welt, ein
Spiegel der Hl. Dreifaltigkeit, in der sich Gott schauet, die er ihm hat zu
seinem Gemahl genommen. Er ist unser Mann, dem wir in Christo vermählet,
vertrauet und eingeleibet sind. Wir sind nun Maria im Bunde der Gnaden, aus
der Gott und Mensch geboren wird. Maria war die erste in der hohen
Benedeiung, denn in ihr war das Ziel, da der Bund hinweisete. Sie war in Gott
in dem teuren Namen Jesu erkannt, ehe der Welt Grund geleget ward, nicht daß
sie das Leben aus dem Tode brächte, sondern daß Gott wollte in ihr das Leben
aus dem Tode bringen. Darum ward sie hoch gebenedeiet, und ward ihr angezogen
die reine jungfräuliche Zucht. Und aus derselben Jungfrauschaft, daraus Christus
geboren ward, müssen wir alle geboren werden, denn Jungfrauen müssen wir
werden und dem Lamme Gottes folgen, anders sollen wir nicht Gott schauen.
Denn Christus saget: Ihr müsset von neuem geboren werden, wollet ihr das
Reich Gottes schauen, durch das Wasser und Hl. Geist. Das Wasser ist die
Jungfrauschaft, denn die Jungfrau führet des Lichtes und Wassers Tinktur als
Liebe und Sanftmut. Und der Geist, daraus wir sollen geboren werden, ist der,
der mit der Bewegung der Gottheit sich in des Weibes Samen einergab, der den
Tod zerbrach, der aus dem Wasser eine lichtflammende Blume ausgebieret, da er
der Blumen Geist und Leben ist, nicht nach dem Feuerquall des Grimmes,
sondern nach dem Quall des Lichts in der Sanftmut und Demut. 12. Kapitel - Von der reinen Jungfrauschaft
1-12,1 Wir armen Evaskinder finden in uns keinen rechten
reinen, züchtigen jungfräulichen Gedanken, denn Mutter Eva, welche eine Frau
war, hat uns alle weibisch und männisch gemacht. Wir sind in Adam und Eva
alle zu Mannen und Frauen worden, es sei denn, daß wir in die himmlische
Jungfrauschaft mit unserm begehrenden Willen eingehen, in der uns Gott aus
Christo hat wieder zu Jungfrauen geboren. Nicht nach dem irdischen Leben, in
welchem keine Zucht noch Reinigkeit ist, sondern nach dem Leben der
himmlischen Jungfrauen, in welcher Christus ein Mensch ward, welche der
Marien mit Überschattung des Hl. Geistes angezogen ward, die ohne Grund, Ziel
und Ende ist, die allenthalben vor der Gottheit stehet, und ist ein Spiegel
und Ebenbild der Gottheit. In diese Jungfrau, darin die Hl. Dreifaltigkeit
wohnet, darinnen wir vor den Zeiten der Welt vom Geiste Gottes erblicket und
in dem Namen Jesu erkannt worden, müssen wir mit unserm Willen-Geiste
eingehen. Denn unser wahres Bildnis, in dem wir Gottes Gleichnis sind, ist
uns mit Adam und Eva verblichen und irdisch worden, welches geschah durch
Lust oder Imagination, und ward uns also Gottes klares Angesicht verdecket,
denn wir verloren himmlische Zucht. 1-12,2 Weil uns aber Gott aus seiner Gunst und Liebe zu uns
hat sein helles Angesicht in der Menschwerdung Christi wieder eröffnet, so
liegets nur an dem, daß gleichwie wir in Adam haben in die irdische Sucht
imaginieret, davon wir irdisch worden, daß wir nun unsern begehrenden Willen
wieder in die himmlische Jungfrau setzen und unsere Lust dareinführen. So
gehet unser Bildnis aus der irdischen Frauen aus und empfähet jungfräuliche
Essenz und Eigenschaft, darin Gott wohnet, da der Seelen Bildnis mag wieder
das Angesichte Gottes erreichen. 1-12,3 Die äußere Vernunft spricht: Wie mag das zugehen,
daß wir mögen aus der Jungfrauen wiedergeboren werden, daraus Christus
geboren ward? — Sie meint einfach: Maria, — aber wir verstehen Maria nicht,
welche eine kreatürliche Jungfrau ist, als wir denn auch in der unmaterialischen
jungfräuliche Zucht kreatürliche Jungfrauen werden. So wir aber in die
Menschwerdung Christi eingehen, nicht nach dem äußern Leben in den vier
Elementen, sondern nach dem innern, in dem einen Element, da das Feuer Gottes
die vier Elementa in sich verschlinget und aber in seinem Lichte als im
andern Principio, indem der äußere Mann und Frau muß durch den Tod gehen in
Christi Auferstehung, eine Jungfrau in einem Element, da alle vier inne
verborgen liegen, in der rechten jungfräulichen Weisheit Gottes ausgrünen.
Wir müssen dem Manne und der Frauen absterben und den verderbten Adam
kreuzigen. Er muß mit Christo sterben und in Vaters Zorn geworfen werden. Der
verschlinget den irdischen Mann und Frauen und gibt aus der Menschwerdung
Christi der Seelen ein jungfräulich Bild, da der Mann und die Frau nur ein
Bild ist, mit eigner Liebe. Jetzt setzet der Mann seine Liebe in die Frau und
die Frau in den Mann. So aber die beiden Lieben in eine verwandelt werden, so
ist keine Begierde zu der Vermischung mehr in dem einigen Bilde, sondern das
Bild liebet sich selber. 1-12,4 So ist nun das Bild im Anfang in der jungfräulichen
Weisheit Gottes erschaffen worden als aus göttlicher Wesenheit. So nun die
Wesenheit irdisch worden und in Tod gefallen ist, so wecket sie das Wort, das
Mensch ward, wieder auf. Also bleibet die irdische dem Tod im Zorne, und das
Aufgeweckte bleibet im Worte des Lebens in der jungfräulichen Zucht. Und
tragen wir allhier in dieser Welt einen zweifachen Menschen in einer Person:
als ein jungfräulich Bild, geboren aus der Menschwerdung Christi, und ein
irdisch Bild, männlich oder weiblich, im Tode und im Zorne Gottes
beschlossen. Das irdische muß das Kreuz tragen, sich im Zorn quälen,
verfolgen und schmähen lassen, wird auch endlich dem Tode gegeben, alsdann
verschlingets der Zorn im qualitätischen Feuer Gottes. Und so alsdann das
Wort des Lebens, welches in Maria Mensch ward, mit in dem irdischen Bild ist,
so stehet Christus, der das Wort des Lebens brachte, aus Gott, aus dem Tode
auf und führet die Essenz des qualitätischen Feuers, verstehe: die
menschliche Essenz, aus dem Tode aus, denn er ist aus dem Tode auferstanden
und lebet in Gott. Und sein Leben ist unser Leben worden, und sein Tod unser
Tod. Wir werden in seinem Tode begraben, grünen aber in seiner Auferstehung
und Überwindung in einem Leben aus. 1-12,5 Vernehmet doch nur den Sinn recht: Adam war das
jungfräuliche Bild. Er hatte die eigene Liebe, denn der Geist Gottes hatte
ihm die eingeblasen. Denn was kann Gottes Geist anders aus sich blasen als er
selber ist? Nun ist er aber alles und wird doch nicht aller Quall Gott
genannt, sondern in allem Quallen ist nur ein einiger Geist, der Gott ist als
nach dem andern Principio im Lichte, und ist doch kein Licht ohne Feuer. Er
ist aber im Feuer nicht der Liebe-Geist oder der Hl. Geist, sondern der Grimm
der Natur und eine Ursache des Hl. Geistes, ein Zorn und verzehrend Feuer.
Denn im Feuer wird der Geist der Natur frei und das essentialische Feuer gibt
doch auch die Natur und ist selber die Natur. 1-12,6 Nun verstehen wir doch nur einen Hl. Geist im Licht.
Obs wohl alles ein Wesen ist, verstehen wir doch, daß die Materia, welche aus
der Sanftmut des Lichts erboren wird, gleich als ohnmächtig und dunkel ist,
welche das Feuer in sich zeucht und verschlinget, gibt aber aus der
materialischen Qual, aus dem Feuer einen mächtigen Geist, der da frei ist von
der Materia und auch vom Feuer. Wiewohl ihn das Feuer hält, so ergreifts doch
nicht seine Qual, als wir dies sehen, daß das Licht im Feuer wohnet, und hat
doch nicht des Feuers Quall, sondern einen sanften Liebe-Quall, welches auch
nicht wäre, so die Materia nicht wäre im Feuer gestorben und verzehret
worden. 1-12,7 Also betrachten wir den ersten Adam: Er war aus der
Licht-Essenz und Wesenheit erdacht. Dieweil er aber in ein Geschöpfe gehen
sollte und sollte ein ganz Gleichnis Gottes nach allem Wesen, nach allen
dreien Prinzipien sein, so ward er auch mit dem Verbo Fiat in allem Wesen
aller dreien Prinzipien ergriffen und in ein Geschöpf gebracht. Nun waren
zwar alle drei Principia in ihm frei und stunden ineinander, ein jedes in
seiner Ordnung, und war ein recht ganz Gleichnis Gottes nach und aus dem
Wesen aller Wesen. Aber uns ist dies zu erkennen, wie das dritte Principium
als die Qual dieser Welt sei in der Entzündung Luzifers ganz grimmig, durstig
und bös worden, und habe die Qual alsobald in Adam nach dem andern Principio
als nach der himmlischen Materia gedürstet, davon die Sucht in Adam
entstanden. Denn die Qual der reinen Liebe aus dem Hl. Geiste hatte das
verweigert. So aber die Liebe in die irdische Qual einging, sie zu ersättigen
in ihrem entzündeten Durste, so empfing die reine unmaterialische Liebe die
begehrende, irdische, verderbte Sucht. Jetzt verlosch das ander Principium,
nicht als ein Tod, daß es wäre als ein Nichts worden, sondern es ward im
Grimmen-Durste gefangen. Und so dann Gott ein Licht ist, so stund die reine
Liebe-Qual also im Tode außer dem Lichte Gottes eingeschlossen. Jetzt war das
Bildnis verderbet und im Grimm Gottes gefangen, und verlor die eigene Liebe
ihre Macht, denn sie ward in die verderbte Irdigkeit eingeschlossen und
liebte die Irdigkeit. 1-12,8 Also mußte aus diesem Bildnis ein Weib gemacht
werden und die zwei Tinkturen, als des Feuers Essenz und der Matricis
wässerige Essenz geschieden werden, als in einen Mann und Frau, daß doch die
Liebe also in zweierlei Qual rege wäre und also eine Tinktur die andere
liebete und begehrete und sich vermischten, davon dies Geschlechte
fortgebauet und erhalten würde. 1-12,9 Nun konnte aber dies Geschlechte der Menschen also
in irdischer Qual nicht Gott erkennen oder schauen, denn die reine Liebe ohne
Makel war in die irdische durstige Qual eingeschlossen, und war im Durste des
Grimmes der ewigen Natur, welche Luzifer entzündet hatte, gefangen. Denn der
Grimm hatte die Liebe mit der Irdigkeit in sich gezogen. So stund nun in
derselben gefangenen Liebe die jungfräuliche Zucht der Weisheit Gottes,
welche dem Adam mit dem andern Principio mit der himmlischen Wesenheit ward
mit zu seinem Leibe incorporieret und vielmehr derselben sanften Wesenheit
Geist mit dem Einblasen des Hl. Geistes, welcher dem Adam ward eingeblasen. 1-12,10 Jetzt war nun kein Rat, es erregte sich denn die Gottheit
in der göttlichen Jungfrau nach dem andern Principio in der im Tod
eingeschlossenen Jungfrauschaft und wurde ein anderes Bildnis aus dem ersten.
Und ist uns erkenntlich und genug verständlich, daß das erste Bildnis mußte
dem Grimm gegeben werden, damit er seinen Durst löschete; und mußte in die
Verwesung gehen als in das essentialische Feuer, da doch die Essenz nicht
verweset oder abstirbet, um welches willen Gott einen Tag bestimmt hat, da er
die Essenz des alten und ersten Adam will durchs Feuer führen, da sie soll
der Vergänglichkeit los werden als der Sucht des Teufels und Zorns der ewigen
Natur. 1-12,11 Und verstehen weiter, wie Gott habe das Leben seines
heiligen Wesens wieder in uns gebracht, indem er sich mit seinem eigenen
Herzen oder Worte und Kraft des göttlichen Lebens in der in Tod
eingeschlossenen Jungfrauschaft beweget als in der reinen Liebe, und dieselbe
wieder entzündet und seine himmlische Wesenheit mit der reinen Jungfrauschaft
in die in Tod eingeschlossene Jungfrauschaft eingeführet, und hat aus der
himmlischen und aus der in Tod und Zorn eingeschlossenen Jungfrauschaft ein
neues Bildnis erboren. 1-12,12 Und dann zum dritten verstehen wir, daß dieses neue Bildnis
hat müssen durch den Tod und Grimm des Feuers wie der in die himmlische,
göttliche Wesenheit in Ternarium Sanctum eingeführet werden. Denn die
irdische Sucht, welche der Teufel hatte besessen, mußte im Zornfeuer bleiben
und ward dem Teufel zur Speise gegeben. Da soll er ein Fürst inne sein nach
dem Grimmen-Quall der ewigen Natur, denn der Teufel ist des Grimmes Speise,
und der Grimm ist des Teufels Speise. 1-12,13 Dieweil sich dann das Wort des ewigen Lebens hat wieder in
unsere in Tod eingeschlossenen kalten Liebe und Jungfrauschaft beweget und an
sich genommen unsere verderbte Jungfrauschaft, und ist ein innerlicher und
äußerlicher Mensch worden, und hat das Centrum als unser Seelenfeuer in seine
Liebe eingeführet, so erkennen wir seine in uns eingeführte Liebe und
Jungfrauschaft für unsere eigene Jungfrauschaft. Denn seine Liebe und
Jungfrauschaft hat sich mit unserer kalten Liebe und Jungfrauschaft vermählet
und dareinergeben, daß Gott und Mensch soll ewig eine Person sein. 1-12,14 Nun spricht die Vernunft: Das ist in Maria als nur in einer
Person geschehen, wo bleibe aber ich? Christus ist nicht auch in mir geboren
worden. 1-12,15 Ach, unser großes Elende und Blindheit, daß wir nicht
verstehen wollen! Wie gar hat uns doch die irdische begreifliche Sucht
geblendet und der Teufel durch und mit dem greulichen Antichrist in Babel
verführet, daß wir gar keine Sinnen wollen haben? Siehe doch, du elende und
jämmerliche Vernunft, was du bist, anders nichts als ein hurisch Weib an
Gott. Wie soll ich dich anders nennen, da du doch der reinen Jungfrauschaft
an Gott brüchig und meineidig bist. Hast du nicht Adams Fleisch, Seele und
Geist, und bist aus Adam herkommen? Bist du nicht aus Adams Wasser und Feuer
entsprungen? Du bist ja Adams Kind, machs wie du willst, du mußt
stillehalten. Du schwimmest in Adams Mysterio, beides: im Leben und im Tode. 1-12,16 So ist ja das Wort Gottes in Adams in Tod eingeschlossener
Jungfrauschaft Mensch worden. Es hat sich das Herze Gottes in Adams
Jungfrauschaft erreget und hat die aus dem Tode durch Gottes Feuer in die
göttliche Qual eingeführet. Christus ist Adam worden, aber nicht der
zerteilete, sondern der jungfräuliche Adam, der Adam vor seinem Schlafe war.
Er hat den verderbten Adam in Tod, in Gottes Feuer eingeführet und hat den
reinen jungfräulichen aus dem Tode durch Feuer ausgeführet, dessen Sohn du
bist. So du aber nicht im Tode bleibest liegen, als ein faul Holz, das nicht
qualifizieren (wirken) kann, welches im Feuer keine Essenz gibt, sondern wird
eine finstere Asche. 1-12,17 Nun spricht die Vernunft: Wie kommts denn, weil ich Christi
Glied und Gottes Kind bin, daß ich ihn nicht fühle noch empfinde? — Antwort:
Ja, allhie stecket es, liebes besudeltes Hölzlein; riech in deinem Busen,
wonach stinkest du, nach teuflischer Sucht als nach zeitlicher Wollust, nach
Geiz, Ehren und Macht. Höre, das ist des Teufels Kleid. Zieh diesen Pelz aus
und wirf ihn weg. Setze deine Begierde in Christi Leben, Geist, Fleisch und
Blut, imaginiere darein, als du hast in die irdische Sucht imaginieret, so
wirst du Christus in deinem Leibe, in deinem Fleisch und Blut anziehen. Du
wirst Christus werden; seine Menschwerdung wird sich alsbald in dir erregen,
und wirst in Christo neugeboren werden. 1-12,18 Denn die Gottheit oder das Wort, das sich in Maria erregete
und Mensch ward, das ward auch zugleich in allen verstorbenen Menschen von
Adam her, welche ihren Geist hatten in Gott oder in den verheißenen Messias
einergeben und befohlen, Mensch; und ging auch auf alle diejenigen, die noch
sollten aus dem verderbten Adam geboren werden, die sich nur dasselbe Wort
würden lassen aufwecken, denn der erste Mensch begreift auch den letzten.
Adam ist der Stamm, wir sind alle seine Äste. Christus ist aber unser Saft,
Kraft und Leben worden. So nun ein Ast am Baume verdorret, was mag das der
Saft und die Kraft des Baumes? Gibt sich doch die Kraft allen Ästen, warum
zeucht nicht der Ast den Saft und Kraft in sich? Es fehlet an dem, daß der
Mensch teuflische Kraft und Essenz anstatt der göttlichen Essenz in sich
zeucht, und läßt sich den Teufel verführen in irdischer Sucht und Lust. Denn
der Teufel kennet den Zweig, der ihm in seinem gewesenen Lande gewachsen ist
und noch wächset. Darum, wie er am Anfang ein Lügner und Mörder ist gewesen,
also ist er noch und infizieret die Menschen, dieweil er weiß, daß sie dem
äußern Regiment der Sternen sind in seine magische Sucht gefallen. So ist er
ein steter Vergifter der Complexion*. Und wo er ein Fünklein riecht, das ihm
dienet, das stellet er dem Menschen immer für, Imaginieret der Mensch nur
drein, er wird ihn bald infizieren. *)
angeborenen Eigenschaft des Charakters 1-12,19 Darum heißet es: Wachet, betet, seid nüchtern, führet ein
mäßiges Leben, denn der Teufel, euer Widersacher gehet herum als ein
brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge, 1.Petr.58. — Trachtet
nicht also nach Geiz, Geld, Gut, Macht und Ehre, denn wir sind in Christo
nicht von dieser Welt. Denn darum ging Christus zum Vater als in das
göttliche Wesen ein, daß wir ihm sollen mit unsern Herzen, Sinnen und Willen
nachfolgen. So wolle er alle Tage bis an der Welt Ende bei uns sein
(Matth.28,20), — aber nicht in dieser Welt Qual. Wir sollen aus dieser Welt
Qual aus dem irdischen Menschen ausdringen und unseren Willen in seinen
Willen ergeben und unsere Imagination und Lust in ihn einführen, so werden
wir in seiner Jungfrauschaft, die er in uns wieder erreget, schwanger, und
empfahen das Wort, das sich in ihm rege macht, in unsere in Tod
eingeschlossene Jungfrauschaft, und werden in Christo in uns selber
neugeboren. Denn wie der Tod durch Adam auf uns alle drang, also dringet das
Wort des Lebens aus Christo auf uns alle. Denn die Bewegung der Gottheit in
der Menschwerdung Christi ist beweglich blieben und steht allen Menschen
offen. Es fehlet nur am Eingehen, daß sich der Mensch läßt den Teufel halten.
Christus darf nicht erst von seiner Stätte weichen und in uns einfahren, wenn
wir in ihm neugeboren werden, denn das göttliche Wesen, darin er geboren war,
enthält an allen Orten und Enden innen das andere Principium. Wo man sagen
kann, da ist Gott gegenwärtig, da kann man auch sagen: allda ist die
Menschwerdung Christi auch gegenwärtig, denn sie ist in Maria eröffnet worden
und inqualieret also hinter sich zurück bis in Adam und vor sich bis in den
letzten Menschen. 1-12,20 Nun spricht die Vernunft: Der Glaube erreichet sie allein.
— Ja, recht; in dem rechten Glauben gehet die Schwängerung an, denn der
Glaube ist Geist und begehret Wesen, und das Wesen ist ohne das in allen
Menschen. Und fehlet nur daran, daß es der Glaubensgeist ergreife. Und so es
ergriffen wird, so blühet und wächset die schöne Lilien aus, nicht allein ein
Geist, sondern das jungfräuliche Bild wird aus dem Tode ins Leben geboren.
Die Rute Aaronis, welche dürre ist, grünet aus dem dürren Tode aus und nimmt
aus dem Tode seinen Leib, aus der halberstorbenen Jungfrauschaft das schöne
neue jungfräuliche Leben. Und die dürre Rute Aaronis hat dies angedeutet
sowohl der alte Zacharias, auch Abraham mit seiner alten Sara, welche nach
der äußeren Welt alle gleich als erstorben waren und nicht mehr fruchtbar.
Aber die Verheißung in der neuen Wiedergeburt sollte es tun. Das Leben sollte
aus dem Tode grünen. Nicht der alte Adam, der irdisch war, soll Herr sein,
auch nicht Esau der erstgeborene, dem zwar das Erbe gehöret hätte, so Adam
blieben wäre, sondern der andere Adam: Christus, der aus dem ersten durch den
Tod ausgrünet, soll Herr bleiben. Nicht der Mann oder das Weib soll Gottes
Reich besitzen, sondern die Jungfrau, die aus des Mannes und Weibes Tode
ausgeboren wird, soll Königin der Himmel sein. Ein Geschlecht, nicht zwei,
ein Baum, nicht viele! Christus war der Stamm, weil er die Wurzel des neuen
Leibes war, der aus dem Tode grünete, der die verstorbene Jungfrau wieder als
einen schönen Zweig aus dem Tode ausführete. Und wir alle sind die Äste und
stehen alle auf einem Stamme, der ist Christus. 1-12,21 Also sind wir Christi Äste, seine Zweige, seine Kinder, und
Gott ist unser aller, auch Christi Vater. In ihm leben und weben und sind
wir. Wir tragen Christi Fleisch und Blut an uns, so wir aber zur neuen
Wiedergeburt kommen, denn in Christi Geist werden wir wiedergeboren. Der in
Maria in der verstorbenen Menschheit ein lebendiger Mensch ward ohne
Berührung eines Mannes, der wird auch in uns selber, in unserer verstorbenen
Jungfrauschaft ein neuer Mensch, und fehlet nunmehr nur noch an dem, daß wir
den alten Adam als die Hülse in Tod werfen, daß des irdischen Lebens Qual von
uns gehe und wir also dem Teufel aus seinem Lande ausgehen. 1-12,22 Nicht allein dieses, denn der alte Adam muß nicht so ganz
und gar weggeworfen werden, sondern nur die Hülse als die Schale, darin der
Same verborgen liegt. Aus der alten Essenz muß der neue Mensch in Gottes
Bewegung ausgrünen als ein Halm aus dem Korne, wie uns Christus lehret. Darum
muß die Essenz in Gottes Zorn eingeworfen werden, muß verfolget, geplaget,
verspottet werden und dem Kreuz unterliegen. Denn aus Gottes Zornfeuer muß
der neue Mensch ausgrünen. Er muß im Feuer bewähret werden. Wir waren des
Zorns Essenz heimgefallen, aber die Liebe Gottes stellete sich in Zorn und
löschete den Zorn mit der Liebe im Blut der himmlischen Wesenheit im Tode
Christi. Also behielt der Zorn die Hülse als den verderbten Menschen,
verstehe: die irdische Qual, und die Liebe behielt den neuen Menschen. Darum
soll kein Mensch mehr himmlisch Blut vergießen, sondern nur das irdische,
tödliche. Denn Christus, der ohne Mann und Weib empfangen ward, der konnte
das alleine tun, denn in seiner himmlischen Wesenheit war kein irdisch Blut.
Er vergoß aber sein himmlisch Blut unter das irdische, daß er uns arme
irdische Menschen vom Grimm erlösete. Denn sein himmlisch Blut mußte sich in
seinem Blutvergießen mit dem irdischen mengen, auf daß die Turba (der Grimm)
in der Irdigkeit in uns, welche uns gefangen hält, ersäufet und der Zorn mit
der Liebe des himmlischen Bluts gelöschet würde. Er gab sein Leben für uns in
Tod, ging für uns in die Hölle ins Vaters Feuer-Qual und aus der Hölle wieder
in Gott, auf daß er den Tod zerbräche, den Zorn ersäufte und uns eine Bahn
machte. Da Christus am Kreuze hing und starb, allda hingen wir mit und in ihm
am Kreuz und starben in ihm, stunden auch in ihm vom Tode auf und leben ewig
in ihm als ein Glied am Leibe. Und also hat des Weibes Same der Schlangen den
Kopf zertreten. Christus hats in uns und wir in Christo getan. Göttliche und
menschliche Essenz hats getan. 1-12,23 Also liegts nun jetzt an dem, daß wir ihm nachfolgen.
Christus hat wohl den Tod zerbrochen und den Zorn gelöschet. Aber wollen wir
seinem Bild ähnlich werden, so müssen wir ihm auch in seinem Tode nachfolgen,
sein Kreuz auf uns nehmen, uns lassen verfolgen, höhnen, spotten und töten,
Denn die alte Hülse gehöret dem Zorne Gottes. Sie muß gefeget werden, weil
nicht der alte Mensch soll in uns leben, sondern der neue. Der alte wird dem Zorn
dargegeben, denn aus dem Zorn blühet der neue aus, gleichwie das Licht aus
dem Feuer scheinet. Der alte Adam muß also das Holz zum Feuer sein, auf daß
der neue im Lichte des Feuers ausgrüne, denn im Feuer muß er bestehen. Nichts
ist ewig, das nicht im Feuer bestehen kann und das nicht aus dem Feuer
urständet. 1-12,24 Unsere Seele ist aus Gottes Feuer und der Leib aus des
Lichtes Feuer, doch verstehe allezeit mit dem Leibe eine stumme Wesenheit,
welche nicht Geist, sondern ein essentialisch Feuer ist. Der Geist ist viel
höher, denn sein Urstand ist Feuer des Grimmes, der grimmen Qual, und sein
recht Leben oder Leib, den er in sich hat, ist das Licht der Sanftmut. Das
wohnet im Feuer und gibt dem Feuer seine sanfte Nahrung oder Liebe, sonsten
bestünde das Feuer nicht, es will zu zehren haben. Denn Gott der Vater
spricht auch: Ich bin ein zorniger, eifriger, grimmiger Gott, ein verzehrend
Feuer, Deut.4,24, und nennet sich doch auch einen barmherzigen lieben Gott,
1.Joh.4,8 nach seinem Lichte, nach seinem Herzen. Darum spricht er: Ich bin
barmherzig; — denn im Lichte wird das Wasser des ewigen Lebens geboren,
welches das Feuer und den Grimm des Vaters löschet. 13. Kapitel - Vom zweifachen Menschen, als vom alten und
vom neuen Adam
1-13,1 Alles was im alten Adam von Christo gelehret,
geschrieben, gepredigt oder geredet wird, es sei aus Kunst oder wie es wolle,
so ist es aus dem Tode und hat weder Verstand noch Leben, denn der alte Adam
ist an Christo tot. Es muß es nur der neue, der aus der Jungfrauen geboren wird,
tun. Der verstehet allein das Wort der Wiedergeburt und gehet zur Tür Christi
in den Schafstall ein. Der alte Adam will durch Kunst und Forschen
einsteigen. Er meinet, im Buchstaben könne Christus genug ergriffen werden,
dieser sei von Gott bestellt und gerufen zu lehren, der Kunst und Sprachen
gelernet habe, der viel gelesen habe, der Geist Gottes müsse durch sein
Predigen reden, ob er gleich nur der alte verderbte Adam sei. Aber Christus
saget: Die sind Diebe und Mörder und sind nur kommen zu rauben und zu
stehlen. Wer nicht zur Tür im Schafstall gehet, sondern steiget anderswo
hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder, Joh.10,1. Und weiter spricht er: Ich
bin die Tür zu den Schafen; wer durch mich eingeht, der wird Weide finden,
und die Schafe werden ihm folgen (Joh.10,9). Denn wer nicht mit mir ist, der
ist wider mich. 1-13,2 Ein Lehrer soll und muß aus Christo geboren sein,
oder er ist ein Dieb und Mörder, und stehet nur da zu predigen wegen der
Bauchfülle. Er tuts um Geldes und Ehre willen. Er lehret sein Wort und nicht
Gottes Wort. Wenn er aber aus Christo wiedergeboren ist, so lehret er Christi
Wort, denn er stehet im Baum Christi und gibt seinen Schall aus dem Baum
Christi, darin er stehet. Darum ist solche Widerwärtigkeit auf Erden, daß
sich die Menschen Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, was der
alte böse Adam gerne höret, was zu seinem Aufsteigen und fleischlicher
Wollust dienet, was zur Macht und Pracht dienet. 1-13,3 O ihr Teufelslehrer, wie wollet ihr vor dem Zorne
Gottes bestehen? Warum lehret ihr, so ihr doch nicht von Gott gesandt seid?
Ihr seid aus Babel, aus der großen Hure, gesandt, aus der Mutter der großen
geistlichen Hurerei auf Erden. Nicht aus der Jungfrauen seid ihr geboren,
sondern aus der ehebrecherischen Frauen, denn ihr lehret nicht allein
Menschentand, sondern verfolgt auch die gesandten Lehrer, welche aus Christo
geboren sind. Ihr streitet um die Religion, und ist doch gar kein Streit in
der Religion. Es sind nur mancherlei Gaben, aber es redet nur ein Geist. Gleichwie
ein Baum mancherlei Zweige hat und die Frucht mancherlei Form und nicht gar
schlecht einander ähnlich siehet. Auch wie die Erde mancherlei Kraut und
Blumen träget und sie die Erde ist die einige Mutter, also auch ist es mit
denen, die aus Gottes Geiste reden, ein jeder redet aus dem Wunder seiner
Gaben. Aber ihr Baum und ihr Acker darauf sie stehen, ist Christus in Gott,
und ihr Geistbinder wollet das nicht leiden. Ihr wollet euren Christo, den
ihr doch selber mit der irdischen Zungen unerkannt lehret, das Maul
verstopfen und ihn an euer Gesetz binden. O, die wahre Kirche Christi hat
kein Gesetz. Christus ist der Tempel, da wir müssen eingehen. Der Steinhaufe
machet keinen neuen Menschen. Aber der Tempel Christi, da Gottes Geist
lehret, der wecket das halbtote Bildnis auf, daß sie anhebet zu grünen. Es
gilt alles gleich. Gott fraget nicht nach Kunst oder nach Wohlredenheit,
sondern wer zu ihm kommt, den will er nicht hinausstoßen. Christus ist in die
Welt kommen, daß er die armen Sünder rufen und selig machen will. Und Jesajas
saget: Wer ist so einfältig als mein Knecht? — Darum tuts dieser Welt Witz
garnicht. Sie machet nur Hoffart und aufgeblasene Vernunft. Sie will oben aus
und will herrschen. Aber Christus spricht: Wer nicht verlässet Häuser, Gut, Geld,
Weib und Kind um meines Namens willen, der ist meiner nicht wert. Alles was
in dieser Welt ist, muß nicht so lieb sein als der teure Name Jesus ist, denn
alles was diese Welt hat, das ist irdisch, aber der Name Jesus ist himmlisch.
Und aus dem Namen Jesu müssen wir aus der Jungfrauen wiedergeboren werden. 1-13,4 Darum steht der Jungfrauen Kind gegen den alten
Adam. Dieser erzeiget sich mit Begierden der zeitlichen Wol lust, Ehren,
Macht und Gestalt und ist ein grimmiger scheuß licher Drache, der nur fressen
will, wie ihn die Offenbarung Johannis darstellet, einen feuerspeienden oder
einen greulichen, scheußlichen Drachen. Und der Jungfrauen Kind steht auf dem
Mond und führet eine Krone mit zwölf Sternen, denn es tritt das Irdische, als
den Mond, mit Füßen (Offb.12,1). Es ist aus dem irdischen Mond ausgewachsen
als eine Blume aus der Erden. Darum stehet das jungfräuliche Bild auf dem
Monde. Dawider schießet der grimmige Drache seinen Strahl mit Wasser und will
das jungfräuliche Bild immer ersäufen. Aber die Erde kommt der Jungfrauen zu
Hilfe und verschlinget den Wasserstrahl und führet die Jungfrau in Ägypten,
das ist: das jungfräuliche Bild muß sich in Ägypten in die Dienstbarkeit
lassen stellen. Und die Erde, als der Grimm Gottes, verdecket das jungfräuliche
Bild, sie verschlinget des Drachen Strahl. Obgleich der Drache das
jungfräuliche Bild mit seinem Greuel überhäufet, lästert und schmähet, so
schadets doch dem Jungfrauenkinde nichts. Denn der Grimm Gottes nimmt die
Lästerung, so über das reine Kind ausgegossen wird, an; denn die Erde
bedeutet allezeit den Grimm Gottes. Also stehet das jungfräuliche Kind auf
der Erden als auf dem irdischen Monde und muß immer in Ägypten vor dem
irdischen Drachen fliehen. Es muß allhier nur unter Pharaonis Dienstbarkeit
sein, aber es stehet auf dem Mond und nicht unter dem Mond. Der Fürst Josua
oder Jesus führets durch den Jordan in Jerusalem. Es muß nur durch den Tod in
Jerusalem eingehen und den Mond verlassen. Es ist in dieser Welt nur ein
Gast, ein Fremdling und Pilgrim. Es muß durch des Drachen Land wandern. Wenn
der Drache seinen Strahl schießt, so muß sichs beugen und unter das Kreuz
treten, so nimmt der Zorn Gottes des Drachen Feuer an. 1-13,5 Uns ist erkenntlich, daß der alte Adam nichts vom
neuen weiß noch verstehet. Er verstehet alles irdisch, er weiß nicht, wo Gott
oder was Gott ist. Er heuchelt ihm selber, misset ihm Frömmigkeit zu und
meinet, er diene Gott, dienet doch nur dem alten Drachen. Er opfert und sein
Herze hanget am Drachen. Er will schlicht fromm sein und mit der Irdigkeit in
Himmel fahren, spottet doch des Himmels Kinder. Damit zeiget er an, daß er im
Himmel fremd ist, er ist nur ein Herr auf Erden und ein Teufel in der Hölle. 1-13,6 Unter solchen Dornen und Disteln müssen Gottes
Kinder wachsen. Sie werden in dieser Welt nicht erkannt, denn der Zorn Gottes
verdecket sie. Es kennet sich auch ein Kind Gottes selbst nicht recht. Es
siehet nur den alten Adam, der ihm anhanget, der immer will das
Jungfrauenkind ersäufen, es sei denn, daß das Jungfrauenkind einen Anblick in
Ternarium Sanctum empfahe. Da kennet sichs, wenn ihm das edle schöne
Ritterkränzlein wird aufgesetzet. Da muß der alte Adam hintennachsehen, und
weiß nicht, wie ihm geschieht. Er ist wohl sehr freudig, aber er tanzet als
einer nach der Saiten. Wenn das Spiel aufhöret, so hat seine Freude ein Ende
und er bleibet der alte Adam, denn er gehöret der Erden und nicht der
engelischen Welt. 1-13,7 Sobald es mit dem Menschen dahin kommt, daß das
jungfräuliche Bild aus dem alten Adam anhebet auszugrünen, daß sich des
Menschen Seele und Geist in Gehorsam Gottes einergibt, so hebet mit ihm der
Streit an, denn der alte Adam im Zorne Gottes streitet wider den neuen Adam
in der Liebe. Der alte will im Fleisch und Blut Herr sein. So mag der Teufel
den jungfräulichen Zweig auch nicht dulden, denn er darf ihn nicht anrühren,
aber den alten Adam mag er rühren, infizieren und besitzen. Weil ihm seine
eigene Wohnung in der Finsternis des Abgrundes nicht gefället, so wohnet er
gerne im Menschen, denn er ist ein Feind Gottes und hat außer dem Menschen
keine Gewalt. Darum besitzet er den Menschen und führet ihn nach seinem
Gefallen in Zorn und Grimm Gottes, damit er Gottes Liebe und Sanftmut spotte.
Denn er vermeint noch, solange er ein grimmig Feuerquall ist, er sei höher
als die Demut, dieweil er könne schrecklich fahren. Weil er aber den
jungfräulichen Zweig nicht darf anrühren, so brauchet er eitel List und
Schalkheit und verdecket den, daß er in dieser Welt nicht erkannt wird, es
möchten ihm sonst zuviel solcher Zweiglein in seinem vermeinten Lande
wachsen. Denn er ist denen gram und feind, führet seine hoffärtigen Diener
mit Spott und Plagen über denselben Menschen, daß er verfolget, verspottet
und für einen Narren gehalten wird. Solches tut er durch die vernunftkluge
Welt, durch diese, welche sich Christi Hirten nennen, auf welche die Welt
siehet, auf daß doch der Lilienzweig nicht erkannt werde. Die Menschen
möchtens sonst merken und möchten ihm zuviel solcher Zweiglein wachsen, so
dürfte er wohl seine Herrschaft bei den Menschen verlieren. 1-13,8 Aber der edle Lilienzweig wächset in Geduld, in
Sanftmut und nimmt seine Essenz, Kraft und Ruch aus dem Acker Gottes, als aus
der Menschwerdung Christi. Christi Geist ist seine Essenz, Gottes Wesen ist
sein Leib. Nicht aus fremder Eigenschaft, sondern aus einer eigenen in Tod
eingeschlossenen und in Christi Geist ausgrünenden Essenz wächset der
jungfräuliche Lilienzweig. Er suchet und begehret nicht dieser Welt
Schönheit, sondern der engelischen Welt, denn er wächset auch nicht in dieser
Welt, im dritten Principio, sondern im andern Principio in der Paradeiswelt.
Darum ist großer Streit in Fleisch und Blut in der äußern Vernunft. Der alte
Adam kennet den neuen nicht und befindet doch, daß er ihm widerstehet. Er
will nicht, was der alte will. Er führet den alten immer zur Abstinenz. Das
tut dem alten wehe. Der alte will nur Wollust, Gut und zeitliche Ehre haben.
Er mag nicht Spott und Kreuz leiden, aber dem neuen gefället es wohl, daß er
soll Christi Malzeichen tragen, daß er dem Bilde Christi ähnlich wird. Darum
gehet der alte oft ganz traurig um, denn er siehet, daß er muß Narr sein,
weiß doch auch nicht, wie ihm geschieht, denn er kennet nicht Gottes Willen.
Er hat nur den Willen dieser Welt. Was allda glänzet, das will er haben. Er
will immer gerne Herr sein, vor dem man sich bücke. Aber der neue bücket sich
vor seinem Gott. Er begehret nichts, will auch nichts, sondern sehnet sich
nach seinem Gott als ein Kind nach seiner Mutter. Er wirfet sich in seiner
Mutter Schoß und ergibt sich seiner himmlischen Mutter im Geiste Christi. Er
begehret seiner ewigen Mutter Speise und Trank und isset in der Mutter Schoß,
als ein Kind im Mutterleibe von der Mutter isset. Denn solange er im alten
Adam verdecket ist, so ist er noch in der Menschwerdung. Wenn aber der alte
Adam stirbet, so wird der neue aus dem alten ausgeboren. Er lässet das
Gefäße, da er innen lag und ein jungfräulich Kind ward, der Erden und dem
Gerichte Gottes. Er aber wird ausgeboren als eine Blume in Gottes Reich. Alsdann,
wenn kommen wird der Tag der Wiederbringung, sollen ihm alle seine Werke,
welche er im alten Adam gut gewirket hat, nachfolgen, und die Bosheit des
alten Adam soll im Feuer Gottes abgebrannt und dem Teufel zur Speise gegeben
werden. 1-13,9 Nun spricht die Vernunft: Weil denn der neue Mensch
in dieser Welt in dem Alten nur in der Menschwerdung ist, so ist er nicht
vollkommen? — Antwort: Dies ist anders nicht als wie in einem Kinde, da der
Same mit zweien Tinkturen als männlich und weiblich ineinandergesäet wird,
und wird ein Kind daraus. Denn sobald der Mensch umkehret und sich zu Gott
wendet mit ganzem Herzen, Sinn und Willen und gehet vom gottlosen Wege aus
und ergibt sich ganz ernstlich in Gott, so gehet die Schwängerung im
Seelenfeuer in dem alten verderbten Bildnis an, und die Seele ergreift in
sich das Wort, das sich in Maria bewegte im Centro der Hl. Dreifaltigkeit,
das sich mit der züchtigen, hochgebenedeiten Himmelsjungfrau der Weisheit
Gottes eingab in die halberstorbene Jungfrau und ward ein Mensch. Dasselbe
Wort, das in Maria im Centro der Hl. Dreifaltigkeit sich bewegte oder regte,
das sich mit der halbtoten eingeschlossenen Jungfrauschaft vermählete,
ergreift das seelische Feuer, alsobald gehet in der Seelen Bildnis als in der
Seelen Licht in der Sanftmut als in der verschlossenen jungfräulichen
Wesenheit die Schwängerung an. Denn des Menschen Liebetinktur ergreifet
Gottes Liebetinktur, und ist der Same im Hl. Geist in der Seelen Bildnis
gesäet, wie solches in unserm Buche »Vom dreifachen Leben des Menschen«
weitläufig beschrieben worden. 1-13,10 Nun siehe, so denn also das jungfräuliche Zeichen in Gottes
Liebe erscheinet, so mag dieser Zweig schon geboren werden, denn in Gott ist
alles vollkommen. Weil er aber im alten Adam verdeckt stecket und gleich nur
in der Essenz als ein Same stehet, so ist noch große Gefahr dabei, denn
mancher erlanget diesen Zweig erst an seinem letzten Ende. Und ob er ihn
gleich mit aus Mutterleibe gebracht hätte, so wird er doch verderbet und bei
manchen zerbrochen und irdisch gemacht. 1-13,11 Also gehet es auch mit dem armen Sünder. Wenn er Buße tut,
wird aber hernach wieder ein böser Mensch, so gehets ihm als Adam geschah.
Der war ein schön, herrlich, von Gott erschaffen und hocherleuchtet Bild. Als
er aber sich ließ die Lust überwinden, ward er irdisch, und ward sein schönes
Bildnis in der irdischen Qual im Zorn Gottes gefangen, also gehets hoch
immerdar. Aber dies sagen wir, als wir Erleuchtung in Gnaden Gottes empfangen
und um dies Kränzlein viel Zeit gerungen haben, daß dem, der im Ernst
beständig bleibet bis sein Zweig ein Bäumlein wird, dem mag sein Zweig in
einem oder mehr Stürmen nicht leichtlich zerbrochen werden, denn was schwach
ist, das hat auch ein schwach Leben. Nicht reden wir also der Gottheit ein, sondern
natürlich ist das, und geschieht doch auch alles natürlich, denn das Ewige
hat auch seine Natur und gehet nur eines aus dem andern. Wäre diese Welt
nicht von des Teufels Bosheit und Grimm vergiftet gewesen, so wäre Adam in
dieser Welt im Paradeis blieben, auch wäre kein solcher Grimm in Sternen und
Elementen. Denn der Teufel war ein König und großer Herr im Loco dieser Welt,
der hat den Grimm erreget. Darum schuf Gott den Himmel aus dem Mittel des
Wassers, daß die feurige Natur als das feurige Firmament mit dem
Wasser-Himmel gefangen wäre, daß sein Grimm verlösche. Sonst wo das Wasser
sollte vergehen, würde man wohl sehen, was in dieser Welt sein würde: anders
nichts als ein eitel kaltes, herbes und feuriges Brennen und doch nur
finster, denn es könnte kein Licht sein. Denn das Licht bestehet bloß in der
Sanftmut, so kann auch kein scheinend Feuer sein, es habe denn sanfte
Wesenheit. Darum ist uns erkenntlich, daß Gott hat die himmlische Wesenheit
in Wasser verwandelt, welches natürlich geschah, als sich Gott der Vater
bewegte. Und der Teufel fiel, welcher wollte ein Feuer-Herr sein über die
Sanftmut. So ward ihm ein solcher Riegel vor seine giftige Bosheit geschoben,
daß er also nun Gottes Affe und nicht Herr ist, ein Wüter und Erfüller im
Zorn-Quall. 1-13,12 So wir denn solches wissen, daß wir mit dem Zorn umgeben
sind, sollen wir unser selber wahrnehmen und uns nicht also gering und leicht
schätzen. Denn wir sind nicht allein von dieser Welt, sondern auch zugleich
von der göttlichen Welt, welche in dieser Welt verborgen stehet und ist uns
nahe. Wir können zugleich auf einmal in dreien Welten leben und sein, so wir
anders aus dem bösen Leben mit dem jungfräulichen Bilde ausgrünen. Denn wir
leben (1) im ersten
Principio in Vaters Welt im Feuer nach der essentialischen Seele als nach der
Feuer-Qual im Centro naturae der Ewigkeit, und dann (2) mit dem rechten
reinen jungfräulichen Bilde leben wir in der lichtflammenden Paradeiswelt,
wie wohl dieselbe im Loco dieser Welt nicht offenbar ist, wird aber doch in
dem jungfräulichen Bilde im Hl. Geiste und im Worte, das im jungfräulichen
Bilde wohnet, erkannt; (3) leben wir mit
dem alten Adam in dieser äußeren verderbten Sucht-Welt beim Teufel in seiner
entzündeten Sucht. Darum heißets vorsichtig sein. Christus
spricht: Seid einfältig als die Tauben und listig als die Schlangen
(Matth.10,16); nehmet euer selber wahr. — In Gottes Reich bedürfen wir keiner
List. Wir sind nur Kinder in der Mutter Schoß, aber in dieser Welt mögen wir
uns wohl vorsehen. Wir tragen den edlen Schatz in einem irdischen Gefäße. Es
ist bald geschehen, daß verloren wird Gott und Himmelreich, das nach dieser
Zeit nicht mehr zu erlangen ist. Allhier sind wir im Acker und Samen. Wir
stehen allhier im Wachsen, ist es gleich, daß der Halm einmal zerbrochen
wird, so ist doch noch die Wurzel da, daß ein anderer Halm wachsen mag. 1-13,13 Allhier steht dem Menschen die Gnadentür offen. Es ist kein
Sünder so groß, so er umkehret und rechtschaffene Früchte der Buße wirket, er
mag aus der Bosheit neugeboren werden. Wer aber seine Wurzel mutwillig in des
Teufels Feuer wirft und an seinem Ausgrünen verzaget, wer will dem helfen,
der selber nicht will! Wenn er aber seinen Willen umwendet zu Gott, so will
ihn Gott haben. Denn wer in Gottes Zorn will, den will Gottes Zorn haben. Wer
aber in die Liebe will, den will Gottes Liebe haben. Paulus saget: Welchem
ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, entweder der Sünden zum Tode oder
dem Gehorsam Gottes zur Gerechtigkeit, des Knechte seid ihr (Röm.6,16). Der
Gottlose ist Gott ein lieblicher Geruch im Zorne, und der Heilige ist Gott
ein lieblicher Geruch in seiner Liebe (2.Kor.2,15.16). Mag doch ein Mensch
aus sich machen, was er will. Er hat beides vor sich, Feuer und Licht. Will
er ein Engel im Lichte sein, so hilft ihm Gottes Geist in Christo zur
Engelschar. Will er dann ein Teufel im Feuer sein, so hilft ihm Gottes Zorn
und Grimm und zeucht ihn in Abgrund zum Teufel. Item er bekommt seinen
Ascendenten* wozu er Lust hat. Zerbricht er aber die erste Lust und gehet in
eine andere, so bekommt er einen andern Ascendenten. Aber der erste hanget
ihm trefflich an. Er will ihn immer wieder haben. Darum muß das edle Körnlein
öfter in großer Quetsche (unter Druck) stehen. Es muß sich lassen die Dornen
stechen, denn die Schlange sticht immer des Weibes Samen als das
Jungfrauenkind in die Ferse (Gen.3,15). Der Schlangenstich stecket im alten
Adam. Der sticht immer das Jungfrauenkind im Mutterleib in die Ferse. Darum
ist dies Leben in dieser Welt mit uns armen gefangenen Menschen ein Jammertal
voller Angst, Kreuz, Elend und Trübsal. Wir sind allhier fremde Gäste und
sind auf Pilgrimsstraße. Wir müssen durch große wüste, wilde Einöden wandern,
und sind mit bösen Tieren umgeben, mit Nattern und Schlangen, Wölfen und
eitel greulichen Tieren. Und das böseste Tier tragen wir im Busen. Unser
schönes Jungfräulein steht in demselben bösen wüsten Viehstalle zur Herberge. *) das aufsteigende Gestirn, geistig-seelisch verstanden 1-13,14 Aber dies erkennen und sagen wir mit Grunde, daß wem der
edle Zweig wächset und stark wird, allda in demselben Menschen der alte Adam
muß Knecht werden. Er muß hintennach gehen und oft tun, was er nicht will. Er
muß oft Kreuz, Spott und auch den Tod leiden. Das tut er nicht gerne. Aber
das jungfräuliche Bild in Christo zwinget ihn, denn er will Christo seinem
Bräutigam gerne mit Freuden nachfolgen und ihm ähnlich werden in Kreuz und
Trübsal. 1-13,15 Und sagen auch wohl dieses, daß wohl keiner mit der
jungfräulichen Krone gekrönet wird, welche die Frau in der Offenbarung
Johannis Kap. 12,1 trägt mit zwölf Sternen als mit sechs Geistern der Natur
himmlisch und mit sechs Geistern irdisch, er bestehe denn vor des Drachen
Strahl und fliehe mit in Ägypten als unters Kreuz in die Plagen Ägyptens. Er
muß Christi Kreuz tragen und Christi Dornenkrone aufsetzen, sich wohl lassen
ausäffen, narren und spotten, will er Christi und der Jungfrauen Krone
aufsetzen. Er muß vorerst die Dornenkrone tragen, will er die himmlische
Perlenkrone im Ternario Sancto aufsetzen. 1-13,16 Und geben den Erleuchteten noch ein groß Geheimnis zu
erkennen, daß wenn die Perle gesäet wird, so setzet er zum erstenmal die
Krone in Ternario Sancto mit großen Freuden und Ehren vor Gottes Engeln und
allen heiligen Jungfrauen auf. Und ist wohl die größte Freude allda, aber
dieselbe Krone verbirget sich wieder, denn an dem Orte wird Gott Mensch. Wie
wollte da nicht Freude sein, der alte Adam tanzet mit, aber als ein Esel nach
der Leier. Aber die Krone wird der Menschwerdung beigelegt. 1-13,17 Willst du nun ein Ritter sein, so mußt du in Christi
Fußstapfen mit dem alten Esel auch wider den Teufel streiten. So du siegest
und für ein ritterlich Kind Gottes erkannt und angenommen wirst, so wird dir
der Frauen Krone mit zwölf Sternen aufgesetzet. Die sollst du tragen, bis die
Jungfrau aus der Frauen aus deinem Tode oder mit deinem Tode geboren wird.
Die soll die dreifache Krone der großen Ehren im Ternario Sancto aufsetzen.
Denn weil das jungfräuliche Bild noch im alten Adam verschlossen lieget,
erlanget es nicht die engelische Krone, denn es stehet noch in Fährlichkeit.
Aber wenn es mit des alten Adams Sterben geboren wird, und aus der Hülse oder
Schalen auskreucht, alsdann ist es ein Engel und mag nicht mehr verderben,
und wird ihm die rechte beigelegte Krone, da Gott Mensch ward, aufgesetzet.
Aber die Krone mit den zwölf Sternen behälts zum ewigen Zeichen. Denn es soll
in Ewigkeit nicht vergessen werden, daß Gott in der irdischen Frauen wieder
hat aufgeschlossen die Jungfrauschaft und ist Mensch worden. Die Gottheit ist
Geist, und das heilige reine Element ist aus dem Worte von Ewigkeit erboren,
und ist der Herr in dem Knecht eingegangen, dessen sich alle Engel im Himmel
wundern, und ist das größte Wunder, so von Ewigkeit geschehen, denn es ist
wider die Natur, und das mag Liebe sein. Die sechs irdischen Zeichen sollen
zum ewigen Wunder stehen und ein ewiger Lobgesang sein, daß uns Gott hat aus
Tod und Not erlöset. Und die sechs himmlischen Zeichen sollen unsere Krone
und Ehre sein, daß wir mit dem himmlischen das Irdische haben überwunden, daß
wir Frauen und Mannen waren und sind alsdann züchtige Jungfrauen mit eigener
Liebe. So sollen die Siegeszeichen bleiben in Ewigkeit stehen. Daran soll
erkannt werden, was Gott mit der Menschheit habe zu tun gehabt, und wie der
Mensch das größte Wunder im Himmel ist, dessen sich die Engel hoch erfreuen. 14. Kapitel - Von der neuen Wiedergeburt
1-14,1 Dieweil wir in diesem Jammermeer in dem irdischen
Fleisch und Blut schwimmen und sind einer irdischen Qual worden, da wir in
der Dunkelheit im Glast (Schein) verschlossen liegen, höret das edle Gemüte
nicht auf zu forschen von seinem rechten Vaterlande, dahin es gehen soll. Es
spricht immer: Wo ist denn Gott, oder wann soll es doch geschehen, daß ich
Gottes Antlitz mag sehen? Wo ist doch meine edle Perle? Wo ist das
Jungfrauenkind? Sehe ich doch nicht, wie geschieht mir doch, daß ich mich
also ängste nach demselben, das ich doch nicht schauen kann. Ich befinde wohl
die große Lust und Begierde darnach, kann aber nicht sehen, da mein Herz
möchte ruhen. Mir ist doch immerdar als einem Weibe, das gerne gebären
wollte. Wie wollte ich doch so gerne meine Frucht sehen, die mir von meinem
Gott verheißen ist. Es sehnet sich immer zur Geburt. Ein Tag rufet dem
andern, und der Morgen dem Abend, und die Nacht wieder dem Tage, und hoffet
in der Abstinenz, wenn doch aufgehen werde der helle Morgenstern, der dem
Gemüte seine Ruhe bringe, und ist ihm als einem Weibe, das zur Geburt
arbeitet, das immer des Anblicks und mit Sehnen und Verlangen wartet. 1-14,2 Also, meine geliebten Kinder Gottes, gehets uns. Wir
meinen, wir sind noch fern davon und stehen doch also in der Geburt. Wir
gebären also mit großem Sehnen in Ängsten, und kennen den Samen nicht, den
wir gebären. Denn er lieget verschlossen. Wir gebären nicht zu dieser Welt,
wie wollen wir denn die Frucht mit dieser Welt Augen sehen, gehöret doch die
Frucht nicht in diese Welt. 1-14,3 Dieweil wir aber die wahre Erkenntnis dieses Wesens
erlanget haben, nicht nach dem äußern Menschen, sondern nach dem innern, so
wollen wir uns dies im Gleichnis vormalen um des Lesers und um unserer
Ergötzlichkeit willen. 1-14,4 Wenn wir uns betrachten, wie wir doch also zweifach
sind, mit zweifachen Sinnen und Willen, so können wir nicht besser zur
Erkenntnis kommen, als wenn wir das Geschöpfe betrachten. Wir sehen einen
groben Stein liegen, und ist in manchem das beste Gold. Da sehen wir ja, wie
das Gold im Steine glänzet, und der Stein ist stumm und weiß nicht, daß er
ein so edel Gold in sich hat. Also auch wir, wir sind ein irdischer Sulphur
(Stoff), haben aber einen himmlischen Sulphur im irdischen, da ein jedes das
Seine ist. Es ist wohl diese Zeit untereinander, aber es inqualieret nicht
miteinander. Es ist nur eines des andern Behälter und Wohnhaus, als wir dies
am Golde erkennen, da der grobe Stein nicht aus Gold ist, sondern ist nur
sein Behälter. Seine Grobheit gibt auch nicht das Gold, sondern die Tinctura
solis (Tinktur der Sonne) gibt das im groben Steine. Aber der grobe Stein ist
die Mutter und Sol ist der Vater, denn Sol schwängert den groben Stein, darum
daß er Centrum naturae hat, daraus Sol seinen Urstand hat. Wenn wir wollten
fortgehen bis ins Centrum, wollen wirs darstellen. Weils aber in andern
Schriften genug erkläret worden, so bleibts allhie stehen. 1-14,5 Also ist es auch mit den Menschen. Der irdische
Mensch bedeutet den groben Stein. So bedeutet das Wort, das Mensch ward, Sol
(Sonne, Gold). Das schwängert den verderbten Menschen, denn Ursache ist dies:
Der verderbte Mensch ist wohl irdisch, er hat aber Centrum naturae in sich
ewig. Er sehnet sich nach Gottes Sol, denn in seiner Schöpfung ward Gottes
Sol mit zu seinem Wesen genommen. Nun hat aber der grobe Stein das Sol
überwachsen und in sich verschlungen, daß das Sol mit dem groben Sulphur
gemischet ist, und mag dem groben Sulphur nicht entrinnen, es werde denn im
Feuer geläutert, daß das Grobe abgeschmelzet wird, so bleibet Sol allein.
Dies verstehe mit dem Sterben und Verwesen. Da wird das grobe irdische
Fleisch abgeschmelzet, so bleibet das jungfräuliche geistliche Fleisch
alleine. 1-14,6 Und verstehet uns recht, was wir meinen. Wir reden
teuer und wahrhaftig, als wir es erkennen. Nicht ist der neue Mensch nur ein
Geist. Er ist im Fleisch und Blut: Gleichwie das Gold im Steine nicht nur
Geist ist, es hat Leib, aber nicht einen solchen, wie der grobe Stein ist,
sondern einen Leib, der im Centro naturae im Feuer bestehet. Denn das Feuer
seinen Leib nicht verzehren mag, darum daß das Gold ein ander Principium hat.
Wüßtest du das, du irdischer Mensch! Aber es bleibet billig stumm, denn die
Erde ist des Goldes nicht wert, ob sie das gleich trägt und auch gebieret.
Also auch der irdische Mensch ist des Kleinods nicht wert, das er trägt. Und
ob er gleich das hilft gebären, noch ist er eine finstere Erde gegen dem
Jungfrauenkinde aus Gott geboren. 1-14,7 Und wie das Gold einen wahrhaftigen Leib hat, der im
groben Stein verborgen und gefangen lieget, also hat auch die jungfräuliche
Tinktur in dem irdischen Menschen einen wahrhaften, himmlischen, göttlichen Leib
in Fleisch und Blut. Aber nicht in einem solchen Fleisch und Blut wie das
irdische. Es mag im Feuer bestehen, es gehet durch Stein und Holz und wird
nicht ergriffen. Gleichwie das Gold den groben Stein durchdringet und
zerbricht den nicht, zerbricht auch sich selber nicht, und der Stein weiß
nichts vom Golde, also ist auch der alte irdische Mensch. Wenn er das Wort
des Lebens, das in Christo Mensch ward, empfähet, so empfähet er das in dem
verderbten Sulphur seines Fleisches und Bluts, in das in Tod eingeschlossene
jungfräuliche Centrum, da Adam ein jungfräulich Bild innen war, da ihm die
wilde Erde sein Gold der klaren göttlichen Wesenheit überzog, daß das
Himmlische im Tode im Centro des Feuers mußte stehen. In dasselbe, sage ich,
und in demselben bewegte sich das Wort des Lebens, das in Maria ein Mensch
ward. Allda kriegte die in Tod eingeschlossene Wesenheit eine lebendige
Tinktur. Da hebt das edle Gold als die himmlische Wesenheit im Tode an zu
grünen, und hat alsobald den Spiritum Sanctum im Wort des Lebens in sich, der
da vom Vater und Sohne ausgehet, und machet die Weisheit als die himmlische
Jungfrau als einen Spiegel und Ebenbild der Gottheit für sich als einen
reinen Sulphur, ein rein Fleisch und Blut, darinnen er wohnet, nicht
irdischer Essenz, sondern göttlicher Essenz aus himmlischer Wesenheit. Das
ist das wahrhaftige Fleisch und Blut Christi, denn es wächset in Christi
Geiste im Worte des Lebens, das Mensch ward, das den Tod zerbrach, da die
göttliche Tinktur wieder grünete und aus sich Wesen gebar, denn alles ist aus
Gottes Begehren geboren und herkommen. So aber Gott ein Feuer und auch ein
Licht ist, so ist uns genug erkenntlich, woraus ein jedes kommen ist; können
doch anders nicht sagen, als aus dem Guten und Liebreichen sei Gutes kommen, denn
ein guter begehrender Wille empfähet in seine Imagination seinesgleichen. Er
machet ihm mit dem Hunger seines Begehrens selber seinesgleichen. 1-14,8 Also ist uns erkenntlich, daß dieweil die Gottheit
gelüstert hat, einen Spiegel, ein Bild seinesgleichen zu haben, die göttliche
Lust auch wird in seiner Selbstschwängerung haben das Gute und Liebste in
seinem begehrenden Willen geboren ein recht Gleichnis nach dem Guten, nach
der klaren Gottheit. Daß sich aber hat das Irdische mit eingemischet, das ist
des begehrenden Zorns als des Feuers Schuld, des Teufels, der ihn mit seiner
Imagination entzündete. 1-14,9 Also ist uns auch nun hoch erkenntlich, daß Gott das
Seine als sein Allerbestes und Liebstes, das er zu seinesgleichen schuf in
ein kreatürlich Wesen, nicht wollte verlassen. Eher ward er selber ein
solches, als er geschaffen hatte, daß er das Verderbte wieder aus der
Verderbung gebäre und in das Beste setzte, da er möchte ewig darin wohnen.
Und wir sagen mit Grunde, daß Gott im neuen Menschen selber selbständig
wohnet, nicht durch einen Glast oder fremden Schein, sondern wesentlich, aber
in seinem Principio. Der äußere Mensch rühret oder ergreift ihn nicht. Auch
ist Fleisch und Blut des neuen Menschen nicht Gott. Es ist himmlische
Wesenheit. Gott ist Geist, Gott verdirbet nicht. Obschon das Wesen verdirbet,
so bleibet doch Gott in sich. Er bedarf keines Wegfahrens, denn er brauchet
auch kein Einfahren, sondern er offenbaret sich im Fleisch und Blut. Es ist
seine Lust ein Gleichnis zu besitzen. 1-14,10 Und so wir uns also recht erkennen und dem nachgehen, so
finden wir, daß der Mensch — verstehet: der ganze Mensch — sei ein recht
Gleichnis nach Gott. Denn nach dem irdischen Leben und Leibe ist von dieser
Welt, und nach dem jungfräulichen Leben und Leibe ist er vom Himmel. Denn die
jungfräuliche Essenz hat himmlische Tinktur, und machet himmlisch Fleisch, in
dem Gott wohnet. Gleichwie das Gold im Steine eine andere Tinktur hat als der
grobe Stein, und dieselbe Tinktur hat einen andern Leib, es wird ein jeder
Leib aus seiner eigenen Tinktur, als wir denn erkennen, daß die Erde ist vom
Grimm aus dem Centro des herben als des kalten Feuers erboren worden, aus dem
Sulphur der Strengheit in der Angst zum Feuer, wie im Buche »De tribus
principiis« gemeldet.* *) J. Böhme: Von den drei Prinzipien 1-14,11 Also wird auch ein gut Corpus oder Leib aus guter Essenz,
denn die Essenz machet das Leben, und ist doch selber nicht das Leben. Das
Leben urständet im Principio als im Feuer, es sei nun gleich im kalten oder
hitzigen oder im Lichtfeuer, ein jedes ist ein eigen Principium, und ist doch
nicht geschieden. 1-14,12 Also wollen wir nun mit Grunde der Wahrheit von der
Menschwerdung oder Menschheit reden und sagen mit hellen, dürren,
unverdeckten Worten, nicht aus Wahn oder Meinen, sondern aus eigener wahrer
Erkenntnis, in Erleuchtung, uns von Gott gegeben: (1) Daß der neue wiedergeborne Mensch,
der in dem alten verborgen liegt als das Gold im Steine eine himmlische
Tinktur habe, und hat göttlich, himmlisch Fleisch und Blut an sich, und daß
desselben Fleisches Geist kein fremder Geist sei, sondern sein eigener, aus
seiner eigenen Essenz erboren. (2) Wir bekennen und sagen, daß das
Wort, das in Maria der Jungfrauen Mensch ward, der erste Grund zur anhebenden
Tinktur im Sulphur sei, und bekennen Christi Geist, der den Himmel an allen
Enden erfüllet, in derselben Tinktur wohnend. (3) Wir bekennen, dieses himmlische
Fleisch für Christi Fleisch, in dem die Hl. Dreifaltigkeit unzertrennet
wohnet. (4) Wir bekennen, daß es möglich sei,
daß dasselbe Fleisch und Blut in Zeit des alten Adam könne durch Imagination
wieder verderbet werden, wie in Adam geschah. (5) Wir sagen, daß der Gottheit in der
Verderbung nichts abgehe, auch in keinem Bösen berühret werde, denn was die
Liebe Gottes verlieret, das fällt dem Zorn Gottes heim. Was aus dem Lichte
fället das fähet das Feuer, und bleibet Gottes Geist für sich unverdorben. (6) Wir sagen, daß in allen Menschen
die Möglichkeit zur neuen Geburt sei, sonst wäre Gott zertrennet und an einem
Orte nicht als am andern; und bekennen hier mit, daß der Mensch vom Feuer und
Licht gezogen werde. Wo er sich mit der Waage hinlenket, da fället er hin,
und mag in dieser Zeit doch seine Angel oder Waagezünglein wieder in die Höhe
schwingen, und daß die hl. klare Gottheit kein Böses will. Sie will auch
keinen Teufel, hat auch keinen gewollt, viel weniger einen Menschen in der
Hölle im Zorne Gottes zu haben. Sondern dieweil kein Licht ohne Feuer ist, so
ist uns genug erkenntlich, wie sich der Teufel durch Imagination am Zornfeuer
vergaffet, sowohl alle Menschen, die verdammt werden, die wollen ihnen nicht
raten lassen, sondern erfüllen selber den gierigen Feuerqual. Sie lassen sich
ziehen, könnten aber wohl stehen. (7) Wir sagen, daß der wahre Tempel, da
der Hl. Geist prediget, in der neuen Geburt sei; daß alles tot, stumm, krumm,
blind und lahm sei, das nicht aus Gottes Geist ist oder lehret; daß sich der
Hl. Geist nicht in dem Schall des Gottlosen Mundes mische; daß kein gottloser
Mensch Christi Hirte sei. Denn obgleich in dem Heiligen mit des Gottlosen
Stimme die Uhr geschlagen wird, das geschähe wohl von einem Viehgeschrei,
wenn sein Hall verständig wäre. Denn sobald der Name Gottes genannt wird und
einen Hall gibt, so fänget der andere Hall als an dem Orte, wo er im Schall
ist, als in der hl. Seele. Aber kein Gottloser wecket einen andern Gottlosen
aus dem Tode auf, denn das kann nicht sein. Sie sind beide im Zorne Gottes
und liegen noch im Tode verschlossen. Hätten wir selber können aus dem Tode
steigen und uns lebendig machen, Gottes Herz hätte nicht dürfen Mensch
werden. Darum sagen wir mit Grunde, daß alleine dasselbe Wort, das da ist
Mensch worden, den armen Sünder aus seinem Tode aufwecket und zur Buße und
neuen Leben gebieret. Darum sind alle Schreier, welche gottlos sind, dem Tempel
Christi nichts nütze, aber die Christi Geist haben, die sind Christi Hirten. (8) Wir bekennen und sagen, daß alle
Lehrer, die sich für Christi Knechte und Kirchendiener ausgeben, und solches
um Bauchs und Ehren willen, doch aber unwiedergeboren sind, der Antichrist
und das Weib in der Offenbarung Johannis auf dem Drachen sind (Apok.17,3.4.) (9) Wir sagen, daß alle unbillige
Tyrannei und eingenommene Gewalt, da der Elende mit gedränget, ausgesogen,
gequetschet und gequälet wird, dadurch er auch leichtfertig zu aller
Üppigkeit und Ungerechtigkeit gezogen und geursachet wird, sei das greuliche,
scheußliche Tier, darauf der Antichrist reitet. (10)
Wir erkennen und sagen, daß die Zeit nahe und der Tag anbreche, da dies
böse Tier mit der Huren soll in Abgrund gehen. Amen, Halleluja,
Amen. *
* * von
Christi Leiden, Sterben, Tod und Auferstehung, wie wir müssen in Christi
Leiden, Sterben und Tod eingehen und aus seinem Tode mit ihm und durch ihn
auferstehen und seinem Bilde ähnlich werden und ewig in ihm leben. _______ *
_______ 1. Kapitel - Von des Lebens Urstand aus dem Feuer; item:
von dem ewigen Geiste in der ewigen Jungfrau der Weisheit Gottes
2-1,1 Die äußere Vernunft spricht: Wäre es denn nicht genug
gewesen, daß Gott in uns Mensch ward, warum mußte Christus leiden und
sterben? Vermochte denn Gott nicht den Menschen also im Himmel mit der neuen
Geburt einführen? Ist denn Gott nicht genug allmächtig, daß er tue, was er
will? Was hat doch Gott für einen Gefallen am Tode und Sterben, daß er nicht
alleine seinen Sohn am Kreuz hat sterben lassen, sondern wir müssen auch alle
sterben? So uns denn Gott hat mit dem Sterben seines Sohnes erlöset und er
für uns bezahlet, warum müssen wir dann auch sterben und verwesen? Also
laufet die Vernunft. 2-1,2 Vor diesem Spiegel wollen wir den Antichrist, der sich
Christi Diener und Hirten nennet, zu Gaste geladen haben und alle hohe
Schulen dieser Welt mit ihren Disputationen und Gesetzen, sowohl alle Kinder
Christi, welche Christi Kreuz tragen. Sie sollen alle den wahren Grund sehen,
nicht der Meinung, jemand in seiner Unwissenheit zu schmähen, sondern zur
wahren Lehre, daß sich ein jeder suchen und finden soll. Denn es wird gar ein
ernstlicher Handel sein und trifft den Menschen. Es kostet seinen Leib und
Seele. Er darf damit gar nicht scherzen, denn der diese Erkenntnis hat
gegeben, der hat seine Posaune gerichtet. Es gilt dem menschlichen
Geschlechte, ein jeder mag seine Lampe schmücken. Es wird ein großer,
zweifacher König kommen, aus zweien Türen. Er ist einer und doch zwei. Er hat
Feuer und Licht. Er zeucht auf Erden und auch im Himmel ein. Das lasse man
ein Wunder sein. 2-1,3 Lieben Kinder Christi, wenn wir den Tod betrachten, wie wir
durch den Tod müssen ins Leben gehen, so finden wir gar viel einander Leben,
das aus dem Tode kommt; und finden bald, warum Christus hat müssen sterben,
warum wir in Christi Tod auch müssen sterben, in ihm auferstehen und mit und
durch ihn in Gottes Reich eingehen. 2-1,4 Wenn wir nun dieses finden wollen, müssen wir die Ewigkeit
im Grund und Ungrund betrachten, sonst ist kein Finden. Wir müssen nur
finden, da es ist. Denn aus dem ewigen Grunde haben wir mit Gottes Bildnis
unsern Urstand als mit der Seelen und ihrem Bildnis, sind aber ins Zeitliche
und Zerbrechliche eingeführet worden, als in die Qual. Nun ist aber die
Ewigkeit als der Ungrund eine Freiheit außer der Qual. Darum müssen wir
wieder in die Freiheit durchs Sterben eingehen, und können doch auch nicht
sagen, daß kein Leben darinnen sei. Es ist das rechte Leben, das da ewig ohne
Qual bestehet. Und geben euch das in einem wahrhaftigen Gleichnis zu
entsinnen, welches zwar ein Gleichnis ist nach dem Reiche dieser Welt, aber
so wir die göttliche Welt dazunehmen, so ists das Wesen selbst. 2-1,5 Ihr wisset, daß unser Leben im Feuer stehet, denn ohne
Wärme leben wir nicht. Nun hat das Feuer sein eigen Centrum, seinen eigenen
Macher in seinem Zirkel als die sieben Gestalten oder Geister der Natur, und
werden doch nur die ersten vier Gestalten für die Natur als für das Quellen
erkannt, in welchen das Feuer erwecket und aufgeschlagen wird, daß ein
Principium oder Lebenszirkel oder Centrum da sei, da die Materia des Brennens
sich in den Geistern oder Gestalten selber machet, und wird auch immer im
Feuer verzehret. Und das Feuer gibt aus der Verzehrlichkeit ein anders, das
besser ist als das erste, das das Feuer machet. Denn das Feuer ertötet und
verschlinget das Wesen, das das Feuer selber machet, verstehe: das
essentialische Feuer in den Gestalten zum Feuer. Es verzehret es und gibt aus
dem Tode ein viel Edlers und Bessers, das es nicht verzehren kann. Das
beweiset sich am Feuer und Lichte, welches nicht allein das wahre Gleichnis
ist, sondern es ist das Wesen selber, nur daß man die Principia unterscheide.
Es ist wohl alles ein Feuer, aber es unterscheidet sich selber nach der Qual. 2-1,6 So wir nun dies wollen zum Verstand geben, so tut not, daß
wir des Feuers Urstand anmelden. Weil wir es aber sonst als im Buche »De
tribus principiis« und in andern mehr nach der Länge mit allen Umständen
beschrieben, so geben wir nur allhier einen kurzen Begriff zum Verstande und
weisen den Leser auf die andern Schriften, so er will die sieben Gestalten
der Natur forschen.* *) Vgl. auch Jakob Böhme: Aurora oder Morgenröte im
Aufgang. Insel Verlag 1991 (lt 1411). 2-1,7 Das Feuer hat vornehmlich drei Gestalten in sich zum
Centro. Die vierte Gestalt ist das Feuer selbst und gibt das Principium als
das Leben mit dem Geiste, denn in den ersten drei Gestalten ist kein rechter
Geist. Es sind nur Essentien als (1) die Herbe, das ist der begehrende
Wille, die erste und vornehmste Gestalt; (2) Bitter, stachlicht ist die ander
Gestalt, eine Ursache der Essentien; (3) die Angst als der Zirkel oder das
Centrum des Lebens, das drehende Rad, das die Sinnen als die bittern
Essentien in sich fasset und gleich als im Tode verschlinget; und gibt (4) aus der Angstkammer als aus dem
Tode das Gemüte als ein ander Centrum. Das verstehet nun also: 2-1,8 In der Ewigkeit als im Ungrunde außer der Natur ist nichts
als eine Stille ohne Wesen. Es hat nichts, das etwas gebe. Es ist eine ewige
Ruhe und keine Gleiche, ein Ungrund ohne Anfang und Ende. Es ist auch kein
Ziel noch Stätte, auch kein Suchen oder Finden oder etwas, da eine
Möglichkeit wäre. Derselbe Ungrund ist gleich einem Auge, denn er ist sein
eigener Spiegel. Er hat kein Wesen, auch weder Licht noch Finsternis, und ist
vornehmlich eine Magia, und hat einen Willen, nach welchem wir nicht trachten
noch forschen sollen, denn es turbieret uns. Mit demselben Willen verstehen
wir den Grund der Gottheit, welcher keines Ursprungs ist, denn er fasset sich
selber in sich, daran wir billig stumm sind, denn er ist außer der Natur. 2-1,9 So wir denn in der Natur sind, so erkennen wir den in
Ewigkeit nicht, denn in dem Willen ist die Gottheit selber alles und der
ewige Urstand seines eigenen Geistes und aller Wesen. In dem Willen ist er
allmächtig und allwissend, und wird doch in diesem Willen nicht Gott genannt
oder erkannt, denn es ist darinnen weder Gutes noch Böses. Es ist ein
begehrender Wille, der der Anfang und auch das Ende ist. Denn das Ende machet
auch den Anfang dieses Willens, und der Anfang das Ende wieder. Und wir
finden also, daß alle Wesen sind in ein Auge geschlossen. Das ist gleich
einem Spiegel, da sich der Wille selber beschauet, was er doch sei. Und in
dem Schauen wird er begehrend des Wesens, das er selber ist. Und das Begehren
ist ein Einziehen, und ist doch nichts, das da könnte gezogen werden, sondern
der Wille zeucht sich im Begehren selber und modelt sich in seinem Begehren
für, was er ist. Und dasselbe Model ist der Spiegel, da der Wille siehet, was
er ist. Denn es ist ein Gleichnis nach dem Willen. Und wir erkennen denselben
Spiegel, da sich der Wille selber immer schauet und besiehet für die ewige
Weisheit Gottes, denn sie ist eine ewige Jungfrau ohne Wesen. Und ist doch
der Spiegel aller Wesen, in dem alle Dinge sind von Ewigkeit ersehen worden,
was da werden könnte oder sollte. 2-1,10 Nun ist dieser Spiegel auch nicht das Sehen selber,
sondern der Wille, der begehrend ist, das ist des Willens ausgehende Lust,
die aus dem Willen ausgehet. Die ist ein Geist und machet in der Lust des
Begehrens den Spiegel. Der Geist ist das Leben. Und der Spiegel ist die
Offenbarung des Lebens, sonsten erkennete sich der Geist selber nicht. Denn
der Spiegel als die Weisheit ist sein Grund und Behälter. Es ist das
Gefundene des Geistes, da sich der Geist in der Weisheit selber findet. Die
Weisheit ist ohne den Geist kein Wesen, und der Geist ist ohne die Weisheit
ihm selber nicht offenbar, und wäre auch eines ohne das ander ein Ungrund. 2-1,11 Also ist die Weisheit als der Spiegel des Geistes
der Gottheit für sich selber stumm, und ist der Gottheit als des Geistes
Leib, darin der Geist wohnet. Er ist eine jungfräuliche Matrix, darinnen sich
der Geist eröffnet, und ist Gottes Wesenheit als ein heiliger göttlicher
Sulphur, gefasset in der Imagination des Geistes, des Ungrundes der Ewigkeit.
Und ist dieser Spiegel oder Sulphur der ewige erste Anfang und das ewige
erste Ende, und gleichet sich allenthalben einem Auge, da der Geist mit
siehet, was er darinnen sei und was er wolle eröffnen. 2-1,12 Dieser Spiegel oder Auge ist ohne Grund und Ziel,
wie denn auch der Geist keinen Grund hat als nur in diesem Auge. Er ist
allenthalben ganz, unzerteilet, als wir erkennen, daß der Ungrund nicht mag
zerteilet werden, denn es ist nichts, das da scheide; es ist kein Bewegen
außer dem Geiste. Also ist uns erkenntlich, was der ewige Geist in der
Weisheit sei und was der ewige Anfang und das ewige Ende sei. 2. Kapitel - Die wahre hochteure Porte der Hl.
Dreifaltigkeit, das Auge des ewigen Lebensscheins
2-2,1 Als wir denn erkennen, daß der ewige Anfang im Ungrunde ein
ewiger Wille in sich selber sei, dessen Urstand in sich keine Kreatur wissen
soll, so ist uns aber doch zu wissen und im Geiste zu erkennen gegeben worden
sein Grund, den er in ihm selber machet, darin er ruhet. Denn ein Wille ist
dünne (Materiefrei, subtil) als ein Nichts. Darum ist er begehrend, er will
etwas sein, daß er in sich offenbar sei. Denn das Nichts ursachet den Willen,
daß er begehrend ist. Und das Begehren ist eine Imagination, da sich der
Wille im Spiegel der Weisheit erblicket, so imaginieret er aus dem Ungrunde
in sich selber und machet ihm in der Imagination einen Grund in sich selber,
und schwängert sich in der Imagination aus der Weisheit als aus dem
jungfräulichen Spiegel, der da ist eine Mutter ohne Gebären, ohne Willen. 2-2,2 Nicht geschieht die Schwängerung im Spiegel, sondern im
Willen in des Willens Imagination. Der Spiegel bleibet ewig eine Jungfrau
ohne Gebären, aber der Wille wird geschwängert mit dem Anblick des Spiegels.
Denn der Wille ist Vater und die Schwängerung im Vater als im Willen, ist
Herz oder Sohn, denn es ist des Willens als des Vaters Grund, da der Geist
des Willens im Grunde stehet und aus dem Willen im Grunde stehet und aus dem
Willen im Grunde ausgehet in die jungfräuliche Weisheit. Also zeucht des
Willens Imagination als der Vater des Spiegels Vision oder Gestalt als die
Wunder der Kraft, Farben und Tugend in sich, und wird also des Glanzes der
Weisheit mit der Kraft und Tugend schwanger. Das ist des Willens als des
Vaters sein Herz, da der ungründliche Wille einen Grund in sich selbst
bekommt durch und in die ewige ungründliche Imagination. 2-2,3 Also erkennen wir die Schwängerung des Vaters für das
Centrum des Geistes der Ewigkeit, da sich der ewige Geist immer fasset. Denn
der Wille ist der Anfang und das Bewegen oder Einziehen in die Imagination
als zum Spiegel der Weisheit, ist der ewige ungründliche Geist. Der urständet
im Willen und fasset sich im Centro des Herzens in der Kraft der eingezogenen
Weisheit, und ist des Herzens Leben und Geist. So denn der ewige ungründliche
Wille in ihm selber stumm wäre, so ist das gefassete aus der Weisheit,
welches Herz oder Centrum heißet, des Willens Wort. Denn es ist der Schall
oder die Kraft; und ist des Willens Mund, der den Willen offenbaret. Denn der
Wille als der Vater, der spricht mit Bewegung des Geistes die Kraft aus in
den Spiegel der Weisheit. Und mit dem Aussprechen gehet der Geist aus dem
Willen, aus dem Worte des Mundes Gottes als aus dem Centro des Herzens aus in
das Ausgesprochene als in den jungfräulichen Spiegel, und eröffnet das Wort
des Lebens im Spiegel der Weisheit, daß das dreifaltige Wesen der Gottheit in
der Weisheit offenbar wird. 2-2,4 Also erkennen wir ein ewig ungründlich göttlich Wesen, und darin
drei Personen, da keine die andere ist, als der ewige Wille, welcher eine
Ursache alles Wesens ist; der ist die erste Person. Er ist aber nicht das
Wesen selber, sondern die Ursache des Wesens und ist frei vom Wesen, denn er
ist der Ungrund. Nichts ist vor ihm, das ihn gebe, sondern er gibt sich
selber, davon wir kein Wissen haben. Er ist alles, doch auch also einig in
sich ohne das Wesen ein Nichts und in diesem einigen Willen urständet der
ewige Anfang durch Imagination oder Begehren. Und im Begehren schwängert sich
der Wille selber aus dem Auge der Weisheit, welches mit dem Willen in
gleicher Ewigkeit ohne Grund und Anfang ist, wie oben gemeldet. Dieselbe
Schwängerung ist der Grund des Willens und Wesens aller Wesen, und ist des
Willens Sohn, denn der Wille gebieret diesen Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit
immerdar, denn er ist sein Herz oder sein Wort als ein Schall oder
Offenbarung des Ungrundes der stillen Ewigkeit, und ist des Willens Mund oder
Verstand, und ist billig eine andere Person als der Vater, denn er ist des
Vaters Offenbarung, sein Grund und Wesen. Denn ein Wille ist kein Wesen, aber
des Willens Imagination machet Wesen. 2-2,5 Also ist die andere Person das Wesen der Gottheit,
verstehe: das Wesen der Hl. Dreifaltigkeit, der Mund oder Offenbarung des
Wesens aller Wesen und die Kraft des Lebens aller Leben. 2-2,6 Die dritte Person ist der Geist, welcher mit der Fassung
des Willens durch die Imagination aus der Kraft des Sprechens ausgehet aus
dem Munde des Vaters in das Auge als in Spiegel der Weisheit. Der ist ja vom
Willen und auch vom Worte frei. Und ob ihn gleich der Wille aus dem Worte
giebet, noch ist er frei wie die Luft vom Feuer. Wie man denn siehet, daß die
Luft des Feuers Geist und Leben ist, und ist doch ein anders als das Feuer,
wird doch auch vom Feuer gegeben. Und wie man siehet, daß die Luft einen
lebendigen und webenden Himmel gibt, der da scheinlich und beweglich ist,
also ist auch der Hl. Geist das Leben der Gottheit und eine andere Person als
der Vater und Sohn. Er führet auch ein ander Amt. Er eröffnet die Weisheit
Gottes, daß die Wunder erscheinen, wie die Luft alles Lebens dieser Welt
eröffnet, daß alles lebet und wächset. 2-2,7 Dieses ist also eine kurze Andeutung der Gottheit im
Ungrunde, wie Gott in sich selber wohne und selber sein Centrum der Gebärerin
sei. Nun ruhet aber also das menschliche Gemüte mit diesem nicht. Es fraget
nach der Natur, nach dem, daraus diese Welt ist erboren und alles geschaffen
worden. So folget nun ferner der Text des Principii, dahin wir die Vernunft
zu Gaste geladen haben. 3. Kapitel - Die gar ernstliche Porte. Wie Gott außer dem
Principio des Feuers nicht offenbar sei
2-3,1 Wir haben mit dieser Beschreibung gezeiget, was die
Gottheit außer der Natur sei, darinnen zu vernehmen ist, daß die Gottheit,
was die drei Personen antrifft, mit der ewigen Weisheit von der Natur frei
sei und daß die Gottheit noch tiefern Grund habe als das Principium im Feuer.
Nun wäre aber die Gottheit ohne das Principium nicht offenbar; und verstehen
die Gottheit außer dem Principio gleich einem Anblick großer Wunder, da
niemand weiß oder erkennen kann, was da sei, da alle Farben, Kraft und Tugend
in einem ganz schrecklichen Wesen erscheinen, das doch keinem Wesen gleich
sähe, sondern einem schrecklichen Wunderauge, da weder Feuer, Licht noch
Finsternis ersehen würde, sondern ein Anblick eines solchen Geistes in
hochtiefer, blauer, grüner und gemengter Farbe, da alle Farben inne liegen,
und würde doch keine vor der andern erkannt, sondern gleichte sich einem
Blitze, der schrecklich wäre, dessen Anblick alles turbierte und verzehrte. 2-3,2 Also ist nun zu erkennen das ewige Wesen als der ewige
Geist außer dem Feuer und Lichte, denn er ist ein begehrender Wille, der sich
selber also zu einem Geist machet. Und dieser Geist ist die ewige
Vermögenheit des Ungrundes, da sich der Ungrund im Grund führet, davon alles
Wesen urständet. Denn eine jede Gestalt im Geiste ist eine Imagination, ein
begehrender Wille und begehret sich zu offenbaren. Es schwängert eine jede
Gestalt ihre Imagination und begehret sich auch jede Gestalt zu offenbaren.
Darum ist der Spiegel des Anblicks ein Wunder des Wesens aller Wesen. Und der
Wunder sind keine Zahl, Grund noch Ende. Es ist eitel Wunder, welchen Begriff
man nicht schreiben kann. Denn der seelische Geist, der aus diesem Wunder
urständet, verstehet das alleine. 2-3,3 Und dann verstehen wir, wie dieser ungründliche Wille von
Ewigkeit in Ewigkeit immer begehrend sei, nämlich sich zu offenbaren, sich zu
ergründen, was er sei, die Wunder in ein Wesen zu führen und sich in Wundern
zu offenbaren. Und das Begehren ist eine Imagination, da der Wille in sich
zeucht und sich schwängert und mit der Imagination sich selber beschattet,
daß aus dem freien Willen ein Widerwille entstehet, von der Beschattung als
von der Finsternis frei zu sein. Denn das Eingezogene ist des freien Willens
Finsternis, da er sonst außer der Imagination frei war, und doch auch in sich
selber außer der Imagination ein Nichts wäre, und also urständet mit im ersten
Willen im Begehren ein Widerwillen. Denn das Begehren ist anziehend, und der
erste Wille ist stille und in sich selber ohne Wesen, schwängert sich aber
mit dem Begehren, daß er voll Wesen ist, nämlich der Wunder und Kraft, welche
ihn überschattet und auch ihm eine Finsternis machet, da sich dann in den
eingezogenen Kräften ein anderer Wille fasset, von der finstern Kraft
auszugehen in die Freiheit. Derselbe andere Wille ist des Herzens oder Wortes
Wille, denn er ist eine Ursache des Principii, daß das Angstrad das Feuer
anzündet. So gehet er alsdann durch die Angst als durchs Feuer aus dem Schein
des Lichts als die Majestät, darin dann das Wesen der Hl. Dreifaltigkeit
offenbar wird, und empfähet allhie den teuren Namen Gott. Das verstehet nun
weiter so: 2-3,4 Der erste Wille als Gott der Vater, der ist und bleibet
ewig frei von der Angstqual, was der Wille in sich selber ist. Aber sein
Begehren wird geschwängert, und im Begehren urständet die Natur mit den
Gestalten. Und die Natur wohnet im Willen in Gott, und der Wille in der
Natur, und ist doch keine Vermischung. Denn der Wille ist also dünne als ein
Nichts, darum ist er nicht faßlich. Er wird von der Natur nicht ergriffen,
denn so er möchte ergriffen werden, so wäre in der Gottheit nur eine Person.
Er ist wohl die Ursache der Natur, aber er ist und bleibet in Ewigkeit doch
eine andere Welt in sich, und die Natur bleibet auch eine andere Welt in
sich. Denn sie stehet in Kraft der Essenz, aus welcher das Principium
urständet. Denn die in der Majestät stehet nicht in der Essenz oder im
Principio, sondern in der Freiheit außer der Natur. Aber das scheinende Licht
aus dem Principio machet die unfaßliche und ungründliche Gottheit offenbar.
Es gibt den Schein der Majestät, und hält ihn doch auch nicht in sich selber,
sondern es fasset ihn aus dem Spiegel der jungfräulichen Weisheit aus der
Freiheit Gottes. Denn wäre nicht der Spiegel der Weisheit, so möchte kein
Feuer oder Licht erboren werden. Alles nimmt seinen Urstand von dem Spiegel
der Gottheit. Das ist nun in dem Wege zu verstehen: 2-3,5 Gott ist in sich der Ungrund als die erste Welt, davon
keine Kreatur nichts weiß, denn sie stehet alleine mit Geist und Leibe im
Grunde. Es wäre auch Gott also im Ungrunde ihm selber nicht offenbar. Aber
seine Weisheit ist von Ewigkeit sein Grund geworden, wonach dann den ewigen
Willen des Ungrundes der Gottheit gelüstert, davon die göttliche Imagination
entstanden, daß sich der ungründliche Wille der Gottheit hat also von
Ewigkeit in der Imagination mit der Kraft der Vision oder Gestalt des
Spiegels der Wunder geschwängert. Nun ist in dieser Schwängerung der ewige
Urstand zweier Prinzipien zu verstehen, als (1) die ewige Finsternis, daraus
die feuernde Welt sich urständet, (2) die Wesenheit des Grimmes in der
Finsternis, darin wir Gottes Zorn und den Abgrund der Natur verstehen, und
erkennen also die feuernde Welt für das große Leben. 2-3,6 Zum andern verstehen wir, wie aus dem Feuer das Licht
erboren werde und wie zwischen der feuernden und Lichtwelt der Tod sei, wie
das Licht aus dem Tode scheine und wie die lichtflammende Welt ein ander
Principium und Qual in sich sei als die Feuerwelt, und sei doch keines vom
andern getrennt, und kann auch keines das andere ergreifen. Und (3) verstehen
wir, wie die Lichtwelt die ewige Freiheit als den ersten Willen, der Vater
heißet, erfülle; (4) verstehen auch in diesem ernstlich und gründlich, wie
das natürliche Leben, das in der lichtflammenden Welt wohnen will, müsse
durch den Tod gehen und aus dem Tode ausgeboren werden, verstehen aber,
welches Leben aus der Finsternis als aus der Essenz der finstern Wesenheit
urständet als des Menschen Seele, die sich aus der Feuerwelt in die finstere
Wesenheit in Adam hatte eingewandt. Darum wir dann (5) gründlich und
eigentlich verstehen, warum Gott als das Herz Gottes ist Mensch worden, warum
er hat sterben müssen, in Tod eingehen und sein Leben im Tode zerbrechen und
hernach durch die feuernde Welt in die lichtflammende Welt einführen, und
warum wir ihm also müssen nachfolgen; (6) warum viel Seelen in der feuernden
Welt bleiben und nicht durch den Tod gehen mögen in die Lichtwelt, und was
der Tod sei, auch was die Seele sei. Dieses folget nun also: 2-3,7 Wenn wir betrachten, was das Leben sei, befinden wir, daß
es vornehmlich in dreien Stücken stehe: als im Begehren, Gemüte und Sinnen.
Forschen wir dann weiter, was das sei, daß das gebe, so finden wir das
Centrum als das essentialische Rad, welches den Feuerschmied selbst in sich
hat. So wir dann weiter sinnen, wovon das essentialische Feuer entstehet, so
befinden wir, daß es urstände im Begehren des ewigen ungründlichen Willens,
der ihm mit dem Begehren einen Grund machet. Denn ein jedes Begehren ist
herbe oder anziehend dessen, so der Wille begehret, und ist doch auch nichts
vor ihm, was er begehren mag als nur sich selber. 2-3,8 Das ist das große Wunderauge ohne Ziel und Grund, da alles
inne lieget, und ist doch auch ein Nichts, es werde denn im begehrenden
Willen zu einem Etwas gemacht, das durch Imagination geschieht, da es zu
einer Substanz wird, da es doch noch ein Nichts ist, denn es ist nur eine
Beschattung des freien Willens, welches Wesen die Freiheit als den dünnen
unerforschlichen Willen beschattet, daß also zwei Welten werden: die erste,
welche in sich selber unfaßlich oder ungreiflich ist, ein Ungrund und ewige
Freiheit, die ander, die sich selber fasset und zu einer Finsternis machet.
Und ist doch keine von der andern getrennet, allein mit diesem Unterschied,
daß die Finsternis nicht mag die Freiheit ergreifen, denn sie ist zu dünne und
wohnet auch in sich selber, wie denn die Finsternis auch in sich selber
wohnet. Die gar ernste Porte 2-3,9 Allhier verstehen wir nun (1) wie des Vaters anderer Wille,
den er im Spiegel der Weisheit schöpfet zu seines Herzens Centro mit der
Wesenheit in des Vaters Imagination geschwängert werde und daß dieselbe
Schwängerung gegen die Freiheit des ersten Willens, der Vater heißet, eine
Finsternis sei und in dieser Finsternis oder Wesenheit alle Kraft, Farben und
Tugenden in der Imagination liegen, dazu alle Wunder. Und verstehen (2) wie
die Kraft, Wunder und Tugend müssen durchs Feuer offenbar werden als im
Principio, da alles in seine Essenz tritt, denn im Principio urständet die
Essenz. Und verstehen (3) gar ernstlich, daß im Principio, ehe sich das Feuer
urständet, ein Sterben sei, als das große Angstleben, das zwar kein Sterben
ist, sondern eine herbe, strenge, sterbende Qual, aus welcher das große und
starke Leben urständet als das Feuerleben, und dann aus dem gestorbenen das
Lichtleben mit der Kraft der Liebe, welches Lichtleben mit der Liebe in der
ewigen Freiheit als im ersten Willen, der Vater heißet, wohnet; denn dessen
begehret der Vater in seinem eigenen Willen, der er selber ist, und nichts
mehr. Das verstehet nun also: 2-3,10 Ihr sehet und wisset, daß kein Licht ohne Feuer ist,
und kein Feuer ohne ernste Qual, welche Qual einem Sterben verglichen wird.
Und die Wesenheit, aus welcher das Feuer brennet, muß auch also ersterben und
verzehret werden. Aus dem Verzehren entstehen zwei Principia zweier großer
Leben: das erste in der Qual, das Feuer heißet, das andere aus der
Überwundenheit als aus dem Tode, welches Licht heißet, das unmaterialisch und
ohne Qual ist, hat doch alle Qual in sich, aber nicht des Grimmes, denn der
Grimm ist im Tode blieben. Und das Lichtleben grünet aus dem Sterben und wird
vom Sterben nicht mehr ergriffen, als ihr denn sehet, wie das Licht im Feuer
wohnet. Und das Feuer kann das nicht bewegen, ist auch sonst nichts, das das
Licht bewegen mag, denn es ist gleich der ewigen Freiheit und wohnet in der
Freiheit. 2-3,11 Allhier verstehet man, wie der Sohn eine andere
Person sei als der Vater, denn er ist die Lichtwelt, wohnet doch im Vater,
und der Vater gebieret ihn in seinem Willen. Er ist recht des Vaters Liebe,
auch Wunder, Rat und Kraft, denn der Vater gebieret ihn in seiner Imagination
in sich selber, und führet ihn durch sein eigen Feuer als durchs Principium
durch den Tod aus, daß also der Sohn eine andere Welt oder ein ander
Principium im Vater machet und ist als die Feuerwelt in der Finsternis ist. 2-3,12 Also verstehet ihr auch, wie des Vaters ewiger Geist
sich in drei Welten scheide, als: (1) ist er der Ausgang aus der Imagination
des ersten Willen des Ungrundes, der da Vater heißet, in dem er mit dem
Ausgehen die Weisheit eröffnet und in der Weisheit wohnet und die an sich
trägt als sein Kleid der großen Wunder. 2-3,13 Und dann zum andern ist er die Ursache zum Einziehen
zur Wesenheit der Finsternis als zur andern Welt, und ist die Ursache und der
Geist zum Urstande des essentialischen Feuers. Er ist selber die Qual in der
Angst des Principii und auch die feuernde Welt als das große Leben. 2-3,14 Und dann zum dritten ist er auch selber der, der die
Kraft im Sterben des Principii aus dem Feuer ausführet, da sich die Kraft aus
der Angst aus dem Sterben vom Sterben scheidet, und gehet in die Freiheit und
wohnet in der Freiheit und machet die Lichtwelt. So ist er die Flamme der
Liebe in der Lichtwelt. Und allhie an diesem Orte urständet der teure Name
Gottes des Vaters, Sohns und Hl. Geistes. Denn in der feuernden Welt wird er
nicht der Hl. Geist oder Gott genannt, sondern Gottes Zorn, Gottes Grimm, da
sich Gott hiemit ein verzehrend Feuer nennet. Aber in der Lichtwelt als im
Sohne Gottes ist er die Flamme der Liebe und die Kraft des heiligen
göttlichen Lebens selbst, da heißet er Gott Hl. Geist. Und die Lichtwelt
heißet Wunder, Rat und Kraft der Gottheit. Die eröffnet der Hl. Geist, denn
er ist das Leben darinne, und ist alles zusammen, wo unser Herz und Sinn
hinreichen mag, nichts als nur diese drei Welten, es stehet alles darinnen.
Als erstlich ist die ewige Freiheit und darinnen das Licht mit der Kraft im
Spiegel der Weisheit. Die heißet Gott Vater, Sohn und Hl. Geist. Und die
andere ist die finstere Wesenheit in der Imagination, im herben, begehrenden
Willen, die Schwängerung des Begehrens, da alles in der Finsternis stehet als
im steten furchtsamen und ängstlichen Tode. Und die dritte ist die feuernde
Welt als das erste Principium, welches in der Angst entstehet als das große, starke,
allmächtige Leben, da die Lichtquelle inne wohnet, aber dem Feuer
unbegriffen. 4. Kapitel - Vom Principio und Urstand der feuernden Welt
und vom Centro der Natur
2-4,1 Wir wollen nicht stumm schreiben, sondern beweislich. Wir
erkennen und wissen, daß ein jedes Leben sich in der Angst urständet als in
einem Gift, das ein Sterben ist, und ist doch auch das Leben selber, wie
solches am Menschen und aller Kreatur zu erkennen ist. Denn ohne die Angst
oder Gift ist kein Leben, wie das gar wohl in aller Kreatur zu sehen ist,
sonderlich im Menschen, welcher in drei Principien stehet, als eines im
Feuer, darin das große Feuerleben stehet, zu welchem ein sterbendes Gift als
die Galle gehöret, welches Gift die Angstkammer machet, darin das Feuerleben
urständet. Und aus dem Feuerleben das ander Principium als das Lichtleben,
daraus das edle Gemüte mit den Sinnen entstehet, darin wir unser edles
Bildnis tragen, und verstehen, wie das Feuer leben im Herzen urständet vom
Tode der Galle. Und das dritte Principium verstehen wir in der andern
Angstkammer als im Magen, da wir die vier Elementa mit dem Gestirn einsacken,
da denn die andern Angstkammer als das dritte Centrum ist als das Reich
dieser Welt, ein Stank und elementisches Leben inne erboren wird und durch
den äußeren Leib regieret mit der Vernunft des dritten Principii. 2-4,2 Nun verstehen wir aber gar wohl, daß im Herzen im
Feuer-Centro eine andere Welt verborgen stehet, welche dem Sternen- und
Elementen-Qual-Hause unbegreiflich ist, denn das Herz sehnet sich nach
derselben Welt. Und der Geist, der aus dem Tode des Herzens Gift erboren ist
und wird, besitzet dieselbe andere Welt, denn er ist frei vom Gift, welches
das Feuer entzündet, und wohnet doch im Feuer des Herzens. Aber mit seiner
Imagination fähet er die andere Welt der Freiheit in die Imagination und
wohnet in der Freiheit außer des Feuers Qual, soferne er aber auch eine Lust
in Gott führet. 2-4,3 So nun ein solch dreifach Regiment im Menschen ist, so ist
es ja vielmehr außer dem Menschen, denn so das nicht wäre, so hätte es in
Menschen nicht mögen kommen. Denn wo nichts ist, da wird auch nichts. So aber
etwas wird, so wird es aus dem, das da ist. Eine jede Imagination modelt nur
ihresgleichen in sich und offenbaret sich im Gleichnis. So nun das Wesen aller
Wesen ein ewig Wunder ist in dreien Prinzipien, so bringets auch nur Wunder
herfür, ein jedes Principium nach seiner Eigenschaft, und eine jede
Eigenschaft wieder aus ihrer Imagination, daran wir erkennen, daß das ewige
ein eitel Wunder ist. So ist nun demselben Wunder nachzusinnen und zu
betrachten die Art und Eigenschaft der ewigen Gebärerin, denn es mag keine
Eigenschaft sein, sie habe denn eine Mutter, die da giebet. 2-4,4 So verstehen wir nun in dem großen Wunder aller Wunder,
welches ist Gott und die Ewigkeit mit der Natur, sonderlich sieben Mütter,
daraus das Wesen aller Wesen urständet; sind doch alle sieben nur ein einig
Wesen und ist keine die erste oder die letzte. Sie sind alle sieben gleich
ewig, ohne Anfang. Ihr Anfang ist die Eröffnung der Wunder des einigen,
ewigen Willens, der Gott der Vater heißet. Und die sieben Mütter* möchten
nicht offenbar sein, so der einige ewige Wille, der Vater heißet, nicht
begehrend wäre. So er aber begehrend ist, so ist er eine Imaginierung in sich
selber. Er ist eine Lust, sich selber zu finden. Er findet sich auch in der
Imagination, und findet fürnehmlich sieben Gestalten in sich selber, da keine
die andere ist, und ist auch keine ohne die ander, sondern eine jede gebieret
die ander. Wäre eine nicht, so wäre die andere auch nicht, sondern der Wille
bliebe ein ewig Nichts ohne Wesen, Schein und Glanz. *) sieben Naturgeister 2-4,5 So denn nun der Wille begehrend ist, so ist er einziehend
dessen, das in der Imagination ist. Und da aber nichts ist, so zeucht er sich
selber und schwängert sich in der Imagination und nicht im Willen, denn der
Wille ist so dünne als ein Nichts. 2-4,6 So ist nun jedes Begehren herbe, denn es ist seine
Eigenschaft. Das ist die erste Mutter, und des Willens Einziehen ins Begehren
ist die andere Mutter, denn es sind zwei Gestalten, die einander widerwärtig
sind. Denn der Wille ist stille als ein nichts und ist herbe als ein stiller
Tod. Und das Einziehen ist seine Regung. Das mag der stille Wille in der
Herbigkeit nicht leiden, und zeucht viel heftiger in sich, und schärfet
seinen eigenen Willen doch nur im Ziehen, und will das Einziehen mit seinem
strengen Einziehen einschließen und halten, und erwecket es nur auf solche
Art. Je härter sich die Herbigkeit zusammenraffet, den Stachel zu halten, je
größer wird nur der Stachel, das Wüten und Brechen, denn der Stachel will
sich nicht lassen bändigen, und wird doch von seiner Mutter also streng
gehalten, daß er nicht weichen mag. Er will über sich, und seine Mutter unter
sich, denn Herbe zeuchet in sich und machet sich schwer, und ist ein Sinken
unter sich. Denn es machet Sulphur das >phur<, und im Mercurio das
>Sul<. Und der Stachel machte im phur die bittere Gestalt als das Wehe,
eine Feindschaft in der Herbigkeit und will immer aus der Herbigkeit
ausreißen, und kann doch auch nicht. Also steiget eines über sich, das ander
unter sich. Und so es dann auch nicht kann, so wird es drehend als ein Rad
und drehet sich immer in sich hinein. Das ist nun die dritte Gestalt, da von
die Essenz urständet, und das Wunder der Vielheit ohne Zahl und Grund. Und in
diesem Rade verstehet die Wunder oder Kraft, welche der Wille, nämlich der
erste ungründliche Wille, aus dem Spiegel des Ungrundes zu seinem Centro oder
Herzen in sich zeucht. Das ist allhie der Wille der Kraft und Wunder. Und in
diesem Rade der großen Angst urständet der andere Wille als des Sohnes Wille,
aus der Angst auszugehen in die stille Freiheit des ersten ungründlichen
Willens. Denn das Rad machet die Natur. Denn also urständet die Natur, es ist
das Centrum und ein Brechen der stillen Ewigkeit. Nichts tötet das und machet
aber das große Leben. 2-4,7 Und daß wir aber vom Töten reden, das verstehet in dem
Wege: Es ist kein Töten, sondern die Empfindlichkeit, denn das Leben vor dem
Feuer ist stumm ohne Fühlen. Es ist nur ein Hunger nach dem Leben, gleichwie
die materialische Welt nur ein Hunger nach dem Leben ist und in seinem Hunger
also streng arbeitet bis ans Principium, daß sie das Feuer erreichet, da sich
dann das äußere Leben dieser Welt urständet, und kann anders nicht sein, es
zerbreche denn die erste Matrix als das herbe Begehren, das ist das Rad der
ersten drei Gestalten als Herbe. Und das Ziehen der Herbigkeit machet das
Angst- und Qualwesen. Denn es ist ein Schrecken in sich selber, in dem das
Nichts soll in die Empfindlichkeit kommen. Denn das ist die Giftqual, davon
der Grimm und alles Böse urständet, und ist doch auch der rechte Ursprung des
empfindlichen Lebens. Denn also findet sich das Leben, nämlich in der
Angstqual, wie dies an allen Kreaturen zu sehen, daß das Leben in dem
erstickten Blute, in der Angst seinen Urstand nimmt, beides: das kreatürliche
und essentialische Leben als in einem stinkenden Miste in der Fäule, da im
Sterben des Korns das größte Leben entspringet und doch in der Essenz kein
Sterben verstanden wird, sondern eine Angstqual, da die Mutter muß
zerspringen, welche eine stumme Wesenheit ist, wie am Korn zu ersinnen, da
das essentialische Leben aus dem Zerbrechen ausgrünet. 2-4,8 Gleichergestalt verhälts sichs auch mit dem Centro der
Natur: Die Angstqual ist das rechte Centrum und machet den Triangel in der
Natur. Und der Feuerblitz als die vierte Gestalt der Natur machet aus dem
Triangel ein Kreuz, denn allda ist das Principium und wird geschieden in zwei
Welten zweier Prinzipien als in zweierlei Qual und Leben, als eine Qual
bleibet und ist das Feuer oder Angstleben, und die ander Qual entstehet in
dem Zerbrechen der Angst. Das verstehet also: Die erste Gestalt der Wesenheit
als Herbe im begehrenden, unbegreiflichen Willen muß sich der Angstqual im
Rade der Natur ganz heimgeben, denn der Stachel wird zu stark. Also ersinket
die Herbigkeit wie ein Tod, und ist doch kein Tod, sondern eine sterbende
Qual. Denn der Stachel wird Herr und verwandelt die Herbigkeit in seine
Eigenschaft als in einen wütenden Blitz in eine Angstqual, welche vom Stachel
und der Herbigkeit bitter ist, als des Giftes Art ist. Denn das Gift oder das
Sterben hat vornehmlich drei Gestalten: als herbe, bitter und Feuerangst. Die
machet sich also in sich selber, und hat keinen Macher als nur den starken
Willen zum großen Leben im Feuer. 2-4,9 Also verstehet uns recht: Der Ungrund hat kein Leben, aber
also in solcher Eigenschaft wird das große ewige Leben erboren. Der Ungrund
hat keine Beweglichkeit oder Fühlen. Und also erbieret sich die Beweglichkeit
und Fühlung und also findet sich das Nichts im ewigen Willen, dessen Grund
wir nicht wissen, auch nicht forschen sollen, denn es turbieret uns (vgl.2-1,8).
Und ist dieses doch nur ein essentialisch Leben ohne Verstand gleich der
Erden und dem Tode oder Sterben, da zwar eine Qual in sich ist, aber in der
Finsternis ohne Verstande, denn die herbe Angst zeucht in sich. Und das
Eingezogene machet die Finsternis, daß also das Angstleben in der Finsternis
stehet, denn ein jedes Wesen ist in sich selber finster, es habe denn des
Lichtes Tinktur in sich. So ist die Tinktur eine Freiheit von der Finsternis,
und wird von der Angstqual nicht ergriffen, denn sie ist in der Lichtwelt.
Und ob sie gleich in der Wesenheit stecket als in einem finsteren Leibe, ist
sie doch aus dem Wesen der Lichtwelt, da kein Begriff ist. 2-4,10 Oben ist gemeldet erstlich vom Spiegel der Weisheit
der Wunder alles Wesens. Und dann von der Dreizahl des Wesens aller Wesen,
wie dieselbe aus einem einigen ewigen Willen urstände, der der Vater aller
Wesen heißet, und wie er in sich einen andern Willen schöpfe, sich in sich zu
offenbaren oder zu finden, oder wie man sagen möchte: zu empfinden, was und
wie er sei. Und dann wie derselbe andere wiedergeschöpfte magische Wille sich
zu empfinden, sein Herz oder eigener Sitz sei, und wie sich der erste
ungründliche Wille mit der Imagination selbst schwängert aus dem Spiegel der
Wunder, welcher in der Lichtwelt die Weisheit heißet. Und dann haben wir
gemeldet, wie daß derselbe ungründliche Wille samt der Schwängerung und auch
dem Spiegel der Wunder oder Weisheit auf solche Eigenschaft vor dem
Feuer-Principio kein göttlich Wesen recht genannt werde, sondern vielmehr ein
Mysterium der Wunder aller Wesen, welches Mysterium im Feuer seine Scheidung
nimmt in unendliche Teile oder Wesen, und bleibet doch nur ein Wesen. 2-4,11 So geben wir euch nun ferner zu verstehen von dem
andern Willen, denn der erste Wille in seiner Imagination oder Schwängerung
schöpfet, welcher das große Mysterium ist, darinne sich der erste Wille, der
Vater heißet, suchet, findet und empfindet als ein Leben im Herzen, wie daß
derselbe andere Wille sei die Mutter der Gebärerin in der eingezogenen oder
in der Imagination eingefasseten Schwängerung. Er ists, der die sieben
Gestalte* zur Natur ursachet. Er ist es auch, der das Angstrad als das
Sterben ursachet. Er ist es auch, der in der Angst durch den Tod ausgehet in
die Freiheit und den Tod zerbricht und das Leben gibt, der das Feuer anzündet
und im Feuer den Glanz der Majestät in sich nimmt und im Lichte der Majestät
im Feuer wohnet, dem Feuer unergriffen als einer, der nichts fühlet, der der
Qual abgestorben ist und in sich eine andere Qual führet, welche die erste
nicht fühlet, deren er abgestorben ist. *) sieben Naturgeister; vgl. Abschnitt 4 2-4,12 Und daß wir euch kurz, dazu gründlich und eigentlich
unterrichten über des Feuers Urstand, so erkennen wir in der uns eröffneten
Tiefe aus Gottes Gnaden, daß das Feuer in seinem Ursprung in zweien Ursachen
stehe: als eine Ursach ist der Willengeist des Herzens, verstehe: des Vaters
andern Willen als des Sohns Eigenschaft; die ander Ursache ist des Willens
Materia als des Wunders des Rades des essentialischen Lebens als die
Angstkammer. Die Angst sehnet sich nach dem Willen der Freiheit, und der
Wille sehnet sich nach der Offenbarung. Denn der Wille kann sich in der
stillen Freiheit in sich selber nicht offenbaren ohne das essentialische Leben,
welches in der Angst als im Sterben zur Offenbarung als zum großen Leben
kommt. 2-4,13 Also ist der Wille in der finstern Angst, und die
Angst ist die Finsternis selber. Und so sich dann die Angst also heftig
sehnet nach dem Willen der Freiheit, so empfähet sie der Wille der Freiheit
in sich als einen Blitz als ein großer Schrack, als gösse man Wasser ins
Feuer. Und allhie geschieht das rechte Sterben, denn die gar grimmige
finstere Angst erschricket vor dem Blitze wie die Finsternis vor dem Lichte.
Denn die Finsternis wird getötet und überwunden; und der Schrack ist ein
Schrack großer Freuden. Allda sinket das grimmige, herbe Gift sich in Tod und
wird ohnmächtig, denn es verlieret den Stachel, und ist doch kein Tod,
sondern also wird das rechte Leben der Fühlung und Sehnung angezündet. Denn
dies ist eben, als schlüge man Stahl und Stein aneinander, denn es sind zwei
große Hunger des Willens nach der Wesenheit und der Wesenheit nach dem Leben.
Der Wille gibt Leben und die Wesenheit gibt Offenbarung des Lebens. Gleichwie
ein Feuer aus einer Kerzen brennet, also brennet der Wille aus der
essentialischen Wesenheit. Der Wille ist nicht das Licht selber, sondern der
Geist des Lichts oder Feuers. Das Licht urständet aus der Essenz und die
Essenz wieder aus dem Willen. Das ängstliche essentialische Feuer ist die
Materia zum scheinenden Feuer. Und der Wille entzündet sich in dem
essentialischen Feuer und gibt das weiße, liebliche Feuer, das in dem
hitzigen Feuer wohnet ohne Fühlung. Der Wille nimmt seine Fühlung vom Grimm
des essentialischen Feuers in der vierten Gestalt, daß er in sich offenbar
ist, und bleibet doch frei vom Grimm, denn die Qual wird in der Anzündung
verändert in einen sanften Liebe-Qual. 2-4,14 Allhie empfähet der andere Wille seinen Namen
>Geist<. Denn aus dem essentialischen Feuer bekommt er die Eigenschaft
aller Wunder und auch das rechte Leben der Kraft und Macht über das
essentialische Feuerleben. Denn er nimmt von der Natur in sich die Kraft und
führet auch in sich die Freiheit, so ist die Freiheit eine Stille ohne Wesen.
Also gibt sich die stille Freiheit in das Wesen der Angst, und die Angst
empfähet dieselbe Freiheit ohne Qual. Davon wird sie also freudenreich, daß
aus der Angst Liebe wird, die fünfte Gestalt der Natur. Denn der Wille, der sich
in die Angst hatte eingegeben, wird also erlöset vom Tode der Angst. Darum
findet er sich in der Freiheit und gehet von der grimmen Angst aus. Denn
allhier wird der Tod zerbrochen, und bleibet doch ein Tod in sich selber.
Aber der Willengeist als das rechte heilige Leben gehet mit der Zersprengung
aus der Angst aus, und ist nun auch ein Feuer, aber ein Feuer in der
Freiheit, und brennet in der Liebequal, wie man dies am Feuer und Lichte
siehet, wie das essentialische Feuer ein brennend Wehe ist und das Licht eine
freudenreiche Wonne ohne empfindliche Qual, hat doch alle Qual und
Eigenschaft des Feuers in sich, aber in einer andern Essenz als eine
freudenreiche, wohltuende Essenz, ein rechter Anblick der Freudenreich, und
das Feuer ein Anblick des Schreckens und der Angst, und wohnet doch eines im
andern, und findet auch eines ohne das ander nicht in der Essenzqual. 2-4,15 Also sind die zwei Welten ineinander, da keine die
andere begreift, und mag nichts in die Lichtwelt eingehen als nur durchs
Sterben. Und vor dem Sterben muß die Imagination vorhergehen. Der ängstliche
Wille muß sich nach der Freiheit der Kraft des Lichtes sehnen und ganz
einergeben und mit der begehrenden Imagination die Kraft der Freiheit
empfangen. Alsdann gehet der starke Wille durch den Tod der Finsternis durch
das essentialische Feuer durch und zerbricht die Finsternis, und fällt in die
Lichtwelt und wohnet im Feuer ohne Qual in der Freudenreich. Und das ist die
Porte in Ternarium Sanctum und Glauben in den Hl. Geist, lieben Menschenkinder. 2-4,16 Allhier verstehet ihr den Fall des Teufels, welcher
seinen Willengeist nur in das essentialische Feuer gewandt hatte und hat
wollen damit über das Licht herrschen. Und verstehet auch allhie den Fall des
Menschen, welcher seine Imagination hat in die materialische essentialische
Wesenheit gewandt und ist aus dem Lichte ausgegangen, um welches willen der
Wille der Liebe aus der Lichtwelt wieder ist in die materialische Wesenheit
in die Menschheit eingegangen, und hat sich wieder dem essentialischen
Feuergeiste im Menschen als der Seelen einvermählet und einergeben, und hat
dieselbe durch den Tod und das Feuer durchgeführet in die Lichtwelt in
Ternarium Sanctum als in den Willen der heiligen Dreifaltigkeit. 2-4,17 Lasset euch das ein Finden und Wissen sein und
verachtet es nicht um der großen Tiefe willen, welche nicht jedermanns
Begriff sein wird. Ursache ist die Finsternis, darein sich der Mensch
verteufelt. Sonst mag es ein jeder wohl finden, wenn der irdische Weg
zerbrochen würde und das adamische böse Fleisch nicht
zu lieb wäre, welches die Hinderung ist. 5. Kapitel - Vom Principio in sich selber, was es sei
2-5,1 Wir haben ferner zu betrachten die ersten vier Gestalten
der Natur, so werden wir finden, was ein Principium sei. Denn das ist eigentlich
ein Principium, da ein Ding wird, das es nie gewesen ist, da aus dem Nichts
eine Qual wird, und aus der Qual ein recht Leben mit Verstand und Sinnen. Und
er kennen aber das rechte Principium in Feuers Urstand, in der Feuerqual,
welche die Wesenheit und auch die Finsternis zer bricht. So erkennen wir des
Feuers Essenz und Eigenschaft für ein Principium, denn es machet und gibt den
Urstand des Lebens und aller Beweglichkeit und auch die starke Macht des
Grimmes. 2-5,2 Und zum zweiten erkennen wir das auch für ein Princi pium,
das im Feuer wohnen kann, dem Feuer unergriffen, das dem Feuer seine Macht
nehmen kann und des Feuers Qual in eine sanfte Liebe verwandeln, das da
allmächtig über alles ist, das den Verstand hat, dem Feuer seine Wurzel zu
zerbrechen und aus dem Feuer eine Finsternis zu machen und einen dür ren
Hunger und Durst, ohne Empfindung einiger Labung, als der Hölle Qual ist. Das
ist der Abgrund, da das Wesen ver schmachtet ist, da der Tod seinen Stachel
führet als ein ver schmachtetes Gift, da zwar ein essentialisch Leben innen
ist, aber es feindet sich selber an, da des rechten Feuers Anzündung nicht
erreichet wird, sondern nur als ein Blitz ohne Brennen erscheinet. 2-5,3 Und geben euch also zu verstehen, daß in dem Ewigen nicht
mehr denn zwei Principia sind: das brennende Feuer, das wird mit dem Lichte
erfüllet. Das Licht gibt ihm seine Eigenschaft, daß aus der brennenden Qual
eine hohe Freudenreich wird, denn die Angst erreichet die Freiheit und
bleibet also das brennende Feuer nur eine Ursache des Findens des Lebens und
des Lichtes der Majestät. Das Feuer nimmt in sich des Lichtes Eigenschaft als
Sanftmut als Leben und sich Finden. — Und das ander Principium wird im Lichte
verstanden. Aber die essentialische Wesenheit, daraus das Feuer brennet,
bleibet ewig eine Finsternis und eine Qual des Grimmes, darin der Teufel
wohnet, als man siehet, daß das Feuer ein ander Ding ist als dasjenige,
daraus das Feuer brennet. Also stehet das Principium im Feuer und nicht in
der essentialischen Qual der Wesenheit. Die essentialische Qual ist das
Centrum der Natur, die Ursache des Principii. Aber es ist finster und das
Feuer scheinend, und wird allhier recht gezeiget, wie die Zerbrechung des
Grimmes als des Todes und dann die ewige Freiheit außer der Natur, beide
zusammen die Ursache des Scheines sind. Denn darum ist der Wundergeist des
Ungrundes begehrend, nämlich daß er scheinend werde. Und darum führet er sich
in Qual, daß er sich finde und empfinde, daß er möge seine Wunder in der Qual
offenbaren, denn ohne Qual kann keine Offenbarung sein. 2-5,4 Also verstehet uns ferner: Die Qual als der Grimm hat keine
rechte Wesenheit, sondern der herbe Grimm ist des Stachels Wesenheit,
darinnen er sticht. Und die Angst mit samt dem Feuer sind oder machen auch
keine rechte Wesen heit, sondern es ist nur ein solcher Geist. Jedoch muß
einer dicker (dichter, materieller) sein als der ander, sonst wäre kein
Finden, als die Herbigkeit machet dicke und finster. Also findet der bittere
Stachel die Angst in der herben, finsteren Eigenschaft als in einer Materia.
Denn wäre keine Materia, so wäre auch kein Geist oder Finden. Der Ungrund
findet sich in der herben Finsternis. Der zersprenget aber die Finsternis und
gehet aus der herben Finsternis aus als ein Geist, der sich in der Angstqual
funden hat, lässet aber dieselbe herbe Materiam der Fin sternis, darinnen er
sich fand, und gehet in sich selber ein wieder in die Freiheit als in Ungrund
und wohnet in sich sel ber. Also muß die Qual seine Schärfe und Findung sein,
und ist ihm auch eine Anzündung seiner Freiheit als des Lichts, darin er sich
siehet, was er ist. 2-5,5 Also begehret er für sich nun nicht mehr der Qual, denn er
ist nun selber eine Qual, sondern er modelt sich selber und siehet sich
selber nach allen Gestalten. Und eine jede Gestalt ist begehrend, sich zu
finden und zu offenbaren. Und es findet sich also auch eine jede Gestalt in
sich selber, gehet aber mit dem Begehren aus sich selber und stellet sich dar
als eine Figur oder Geist. Das ist die ewige Weisheit in den Farben, Wundern
und Tugenden, und ist doch nicht partikular sondern alles ganz, aber in
unendlicher Gestalt. Diese Gestalten haben sich mit der Bewegung des ersten
Willens, der Vater heißet, in Geister korporieret als in Engel, also daß sich
das verborgene Wesen in Kreaturen sehe, empfinde und daß ein ewig Spiel in
den Wundern der Weisheit Gottes sei. 2-5,6 Weiter verstehen wir die Wesenheit der Lichtwelt, daß sie
wahrhaftig eine rechte Wesenheit ist, denn im Feuer mag kein recht Wesen
bestehen, sondern nur der Geist des Wesens. Das Feuer ursachet aber das
Wesen, denn es ist ein Hunger, ein ernstlich Begehren. Es muß Wesen haben
oder es erlischet. Das verstehet nun in dem Weg: Die Sanftmut gibt und das
Feuer nimmt. Die Sanftmut ist ausgehend aus sich selber und gibt ein Wesen
seinesgleichen, eine jede Gestalt aus sich selber. Und das Feuer verschlinget
dasselbe, gibt aber das Licht aus demselben. Es gibt ein Edleres als es
verschlungen hat, gibt Geist für Wesen. Denn es verschlinget das sanfte
Wohltun, das ist das Wasser des ewigen Lebens, und gibt aber den Geist des
ewigen Lebens, als ihr sehet, wie der Wind aus dem Feuer gehet, also auch die
Luft als der rechte Geist aus dem Leben. 2-5,7 Also verstehet unsern Sinn recht: Gott der Vater ist in
sich die Freiheit außer der Natur, machet sich aber in der Natur durchs Feuer
offenbar. Die feuernde Natur ist seine Eigenschaft, aber er ist in sich
selber der Ungrund, da kein Fühlen einigerlei Qual ist, führet aber seinen
begehrenden Willen in Qual und schöpfet ihm in der Qual einen andern Willen,
aus der Qual auszugehen wieder in die Freiheit außer der Qual. Derselbe
andere Wille ist sein Sohn, den er aus seinem ewigen einigen Willen von
Ewigkeit gebieret. Den führet er durch das Zerbrechen des Todes Qual als aus
seinem Ernste des Grimmes durchs Feuer aus. Derselbe andere Wille als der
Sohn Gottes des Vaters, der ist es, der den Tod als die strenge finstere Qual
zerbricht, der das Feuer anzündet und gehet durchs Feuer aus als ein Schein
oder Glanz des Feuers und erfüllet den ersten Willen, der Vater heißet. Denn
der Glanz ist auch also dünne als ein Nichts oder als der Wille, der Vater
heißet. Darum kann er in der Freiheit wohnen als in des Vaters Willen, und machet
den Vater licht, helle, lieblich und freundlich, denn er ist des Vaters Herz
oder Barmherzigkeit. Er ist des Vaters Wesenheit. Er erfüllet den Vater an
allen Orten, wiewohl kein Ort in ihm ist, kein Anfang noch Ende. 2-5,8 Also verstehet nun weiter: Des Vaters Feuer verschlin get
das sanfte Wesen als den Wasserquell des ewigen Lebens in sich in des Feuers
eigener Essenz und sänftiget sich damit. Da muß die Wesenheit im Feuer gleich
ersterben, denn des Feuer verschlinget die in sich und verzehret die und gibt
aus der Verzehrlichkeit einen lebendigen, freudenreichen Geist. Das ist der
Heilige Geist, der gehet vom Vater und Sohn aus in die großen Wunder der hl.
Wesenheit und eröffnet dieselben immer und ewiglich. 2-5,9 Also ist die Gottheit ein ewig Band, das nicht zergehen
kann. Also gebieret sie sich selber von Ewigkeit in Ewigkeit, und ist das
erste auch immer das letzte und dieses wieder das erste. Und verstehet also
den Vater für die feuernde Welt, den Sohn für die Licht- und Kraftwelt, den
Hl. Geist für das Leben der Gottheit als für die ausgehende führende Kraft;
und ist doch alles nur ein Gott, wie das Feuer und das Licht mit der Luft;
nur ein einig Wesen ist. Aber es scheidet sich selber in drei Teile und kann
keines ohne das ander bestehen. Denn das Feuer ist nicht das Licht, auch
nicht der Wind, der aus dem Feuer gehet. Es hat ein jedes sein Amt und ist
ein jedes ein eigen Wesen in sich, ist doch ein jedes des andern Leben und
eine Ursache des andern Lebens. Denn der Wind bläset das Feuer auf, sonst erstickete
das in seinem Grimm, daß es in finstern Tod fiele, wie denn das Ersticken der
wahrhaftige Tod ist, da das Feuer der Natur erlischet und nicht mehr Wesen in
sich zeucht. 2-5,10 Solches alles habt ihr ein gut Gleichnis an der
äußern Welt, an allen Kreaturen, wie alles Leben als das essentialische
Feuerleben Wesen an sich zeucht, das ist sein Essen. Und das Feuer seines
Lebens verzehret das Wesen und gibt den Geist der Kraft aus dem Verzehrten,
das ist der Kreatur Leben. Und sehet ihr ja gar recht, wie das Leben aus dem
Tode urstände. Es wird kein Leben, es zerbreche denn dasjenige, daraus das
Leben gehen soll. Es muß alles in die Angstkam m ins Centrum eingehen und muß
den Feuerblitz in der Angst erreichen, sonst ist keine Anzündung, wiewohl das
Feuer mancherlei ist, also auch das Leben. Aber aus der größesten Angst
urständet auch das größeste Leben als aus einem rechten Feuer. 2-5,11 Also, lieben Kinder Gottes in Christo, geben wir
euch zu erwägen unser Erkenntnis und Vorhaben: Anfangs haben wir gemeldet,
wir wollen euch den Tod Christi zeigen, warum Christus hat sollen sterben und
warum wir auch müssen sterben und in Christo auferstehen. Das sehet ihr ja
nun in dieser Beschreibung klar und verstehet unser großes Elende, daß es uns
not gewesen ist, daß das Wort oder Leben der hl. Lichtwelt ist wieder ein
Mensch worden und hat uns in sich neu geboren. Wer allhier nichts verstehet,
der ist nicht aus Gott geboren. So sehet doch, in was für eine Herberge uns
Adam hat eingeführet. Er war ein Auszug aller drei Principien, ein ganzes
Gleichnis nach allen dreien Welten und hatte in seinem Gemüte und Geiste
engelische Eigenschaft in sich. Er war in die hl. Kraft und Wesenheit
eingeführet als ins Paradeis, das ist: göttliche Wesenheit. Er sollte von
göttlicher Wesenheit essen und Wasser des ewigen Lebens trinken auf
engelische Art, wie im Buche des »dreifachen Lebens« nach der Länge gemeldet
worden. Aber er verließ die göttliche Wesenheit und die engelische
Eigenschaft und imaginierte die Ausgeburt (äußere Welt) als ins Reich der
irdischen Qual, welches der Teufel entzündet hatte in seinem Fall. Er wandte
seine Augen aus Gott in den Spiritum mundi oder irdischen Gott aus dem
göttlichen Lichte ins Licht dieser Welt. Also ward er gefangen und blieb in
der irdischen Qual. Also fiel er in die irdische, zerbrechliche Qual, die
herrschet in ihm und füllet ihn. Sie zeucht ihm einen Leib auf, zerbricht den
wieder und verschlinget den in seine eigene Essenz in sein essentialisch
Feuer. 2-5,12 Weil aber die Seele aus dem Geiste Gottes als aus
dem Ewigen ist in den Menschen geblasen worden, also daß die Seele ein Engel
ist, so hat sich Gott derselben wieder angenommen, und ist die Kraft der hl.
Lichtwelt als Gottes Herz in die menschliche Essenz, die im Tode verschlossen
lag, eingangen in die Angstkammer unsers Elendes, hat aus unserer Essenz eine
Seele in sich gezogen, hat unser sterblich Leben an sich genommen, die Seele
durch den Tod durchs ernste Feuer Gottes des Vaters in die Lichtwelt
eingeführet, den Tod, der uns gefangen hielt, zerbrochen und das Leben
aufgeschlossen. 2-5,13 Nun mag und kanns nicht anders sein: Wer die
Lichtwelt besitzen will, der muß durch dieselbe Bahn, die er (Christus)
gemacht hat, eingehen. Er muß in den Tod Christi eingehen, und in Christi
Auferstehung gehet er in die Lichtwelt ein. Gleich als wir erkennen, daß das
ewige Wort des Vaters, welches des Vaters Herz ist, von Ewigkeit zu Ewigkeit
aus dem Grimm des Todes der Finsternis durch des Vaters Feuer ausgeboren wird
und sich selber das rechte Centrum der Hl. Dreifaltigkeit ist und aus sich
selber mit dem ausgehenden Geiste die lichtflammende Majestät oder Lichtwelt
ist. Also auch in gleicher Weise und Eigenschaft müssen wir mit unserm
Herzen, Sinn und Gemüte aus der herben, strengen und bösen Irdigkeit aus uns
selber aus dem verderbten adamischen Menschen ausgehen, denselben mit unserm
ernsten Willen und Tun zerbrechen und töten. Wir müssen des alten Adams
Kreuz, welcher uns anhanget, solange wir leben, auf uns nehmen, und müssen
auf- und ins Kreuz, ins Centrum naturae, in den Triangel eingehen und wieder
aus dem Angstrade neugeboren werden, wollen wir anders Engel sein und in Gott
ewig leben. 2-5,14 Weil wir aber solches nicht vermochten, hat sich
Christus in dasselbe Centrum des Grimmes eingegeben, den Grimm zerbrochen und
mit seiner Liebe gelöschet, denn er brachte himmlische, göttliche Wesenheit
in denselben Grimm ins Centrum der Angstkammer und löschete der Seelen
Angstfeuer als den Grimm des Vaters der feuernden Welt in der Seelen, daß wir
also anjetzo nicht mehr dem Grimm heimfallen, sondern wenn wir uns in den Tod
Christi einergeben und aus dem bösen Adam ausgehen, so fallen wir in Christi
Tod in die Bahn, die er uns gemacht hat. Wir fallen in den Schoß Abrahams das
ist: in Christi Arme. Der empfähet uns in sich. Denn der Schoß Abrahams ist
die aufgeschlossene Lichtwelt im Tode Christi, es ist das Paradeis, darein
uns Gott schuf, und lieget jetzt an dem, nicht daß wir Mundchristen sein, uns
Christi Tod vormalen und Sünder im Herzen, Geist und Seele bleiben, sondern
daß wir ganz ernstlich mit Sinn und Gemüt, mit Willen und Tun aus der Neigung
zum Bösen ausgehen und wider dieselbe streiten. Ob sie uns schon anhanget,
müssen wir doch täglich und stündlich dem selben bösen Adam seinen Willen und
Tun töten. Wir müssen tun, was wir nicht gern tun. Wir müssen unser irdisch,
bös Leben selber verleugnen und Christi Leben in uns ziehen. Alsdann leidet
das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, ziehen solches zu sich, wie
Christus saget. (Matth.11,12.) 2-5,15 Also werden wir des Himmelreichs schwanger und gehen
also in Christi Tod bei lebendem Leibe ein, und empfahen den Leib Christi als
die göttliche Wesenheit. Wir tragen das Himmelreich in uns. Also sind wir
Christi Kinder, Glieder und Erben in Gottes Reich, und das Ebenbild der Hl.
göttlichen Welt, welche ist Gott Vater, Sohn, Hl. Geist und derselben Hl.
Dreifaltigkeit Wesenheit. Alles, was aus der Weisheit geboren und eröffnet
wird, ist unser Paradeis, und stirbet an uns nichts, als nur der tote Adam,
der irdische, böse, dem wir allhier ohne dies haben seinen Willen gebrochen,
dem wir sind Feind worden. Es weichet unser Feind nur von uns, wenn er muß
ins Feuer gehen, verstehe: ins essentialische Feuer als in die vier Elementa
und ins Mysterium, und muß am Ende dieser Zeit durchs Feuer Gottes bewähret
werden, und muß uns unsere Wunder und Werke wieder darstellen. Was das
irdische Mysterium hat in sich geschlungen, das muß es im Feuer Gottes wieder
geben und nicht ein solch Übel, sondern das Feuer Gottes verschlingt das Übel
und gibt uns ein solches dafür, als wir allhier in unserm ängstlichen Suchen
gesuchet haben. Wie das Feuer die Wesenheit verschlinget, giebet aber Geist
für Wesen, also werden uns unsere Werke im Geiste und himmlischer Freuden aus
dem Feuer Gottes dargestellet als ein heller Spiegel gleich dem Wunder der
Weisheit Gottes. 2-5,16 Dieses lasset euch, lieben Kinder, geoffenbaret
sein, denn es ist hochteuer erkannt worden. Und lasset euch nicht also mit
Christi Tod kitzeln und denselben vormalen als ein Werk, das uns genug sei,
wenn wir es nur wissen und glau ben, daß es für uns geschehen sei. Was hilft
michs, daß ich einen Schatz liegen weiß und grabe den nicht aus. Es gilt
nicht trösten, heucheln und ein gut Geschwätz mit dem Munde geben, aber den
Schalk in der Seele behalten. Christus spricht: Ihr müsset neugeboren werden
oder werdet nicht das Reich Gottes sehen. Wir müssen umkehren und werden als
ein Kind im Mutterleibe und aus göttlicher Wesenheit geboren werden. Wir müssen
unseren Seelen ein neu Kleid anziehen als den Rock Christi, die Menschheit
Christi, sonst hilft kein Heucheln, es ist alles erlogen, was das
Mundgeschrei saget, das Christum vor die Augen malet, als habe er es für uns
getan, daß wir uns nur dessen trösten sollen und dabei im alten Adam wandeln,
in Geiz, Hochmut und Falschheit, in Gelüsten und Bosheit. Es ist der
antichristische Betrug der falschen Geistlichen, vor denen uns die
Offenbarung warnet. Es tuts alles nicht, daß wir uns heucheln und mit Christi
Leiden und Tod kitzeln. Wir müssen darein eingehen und seinem Bilde ähnlich
werden, alsdann ist uns Christi Leiden und Tod nütze. Wir müssen sein Kreuz
auf uns nehmen, ihm nachfolgen, die bösen Lüste dämpfen und töten und immer
gern wohl wollen. Alsdann werden wir wohl sehen, was Christi Fußstapfen sind,
wenn wir wider den Teufel, den alten Adam und die böse Welt werden streiten,
wider die irdische Vernunft, die nur zeitlicher Wollust begehret. Da wird uns
Christi Kreuz recht aufgelegt, denn der Teufel ist es, die Welt ist es und
unser böser Adam ist es. Alle diese sind unsere Feinde. Allda muß der neue
Mensch stehen als ein Ritter und in Christi Fußstapfen kämpfen. O wie viel
unzählige Feinde wird er allda erwecken, die alle auf ihn schlagen werden.
Allda heißts: um das dörnere Ritterkränzlein (Dornenkrone) Christi fechten ab
ein Ritter, und doch nur stets verachtet sein als einer, der der Erde nicht
wert sei. Da heißts: stehen im Krieg und Glauben, da die äußere Vernunft
spricht lauter Nein. Da ist Christi Leiden und Tod an die Spitze gut stellen
und dem Teufel, der Welt und dem Tode mit der irdischen Vernunft fürstellen
und nicht verzagen. Denn allhier gilt eine Engelskrone, entweder ein Engel
oder Teufel zu sein. Wir müssen in Trübsal neugeboren werden, und kostet viel
mit Gottes Zorn ringen und dem Teufel obsiegen. Hätten wir nicht allda
Christum bei uns, ja in uns, wir verlören den Streit. Es tuts nicht eine Hand
voll Wissenschaft, daß wirs wissen und uns mit Gottes Gnade kitzeln und Gott
zu unserm Sündendeckel machen, daß wir also den Schalk und Teufelslarven
unters Leiden Christi verstecken und fein zudecken. O nein, der Schalk (der
alte Mensch) muß in Christi Leiden und Tod zerbrochen werden. Er muß nicht
ein Schalk sein, will er ein Kind sein. Er muß ein gehorsamer Sohn werden. Er
muß arbeiten im Leiden Christi, in die Fußstapfen der Wahrheit, Gerechtigkeit
und Liebe treten. Er muß tun, nicht allein wissen. Der Teufel weiß es auch
wohl, was hilfts ihm? Die Practica muß folgen oder es ist ein Falsch und Trug. 2-5,17 Die gleißnerische Vernunft spricht: Christus hats
getan, wir könnens nicht tun. — Ja, recht, er hats getan, was wir nicht tun
konnten. Er hat den Tod zerbrochen und das Leben wiederbracht. Was hilft
michs, so ich nicht zu ihm eingehe? Er ist im Himmel, und ich in dieser Welt.
Ich muß zu ihm auf seiner uns gemachten Bahn eingehen, sonst bleibe ich
draußen. Denn er spricht: Kommt zu mir her, alle die ihr mühselig und beladen
seid, ich will euch erquicken. Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir,
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe für eure
Seele finden. — Auf seiner Bahn müssen wir zu ihm eingehen. Wir müssen Gutes
für Böses tun und uns lieben untereinander, als er uns tat und gab sein Leben
in Tod für uns. 2-5,18 So wir solches tun, so löschen wir Gottes Zorn auch
in unserm Nächsten. Wir müssen gute Exempel geben, nicht in Listen und
Ränken, sondern in Einfältigkeit, mit gutem Willen und Herzen, nicht als eine
gleißende Hure, die da spricht: Ich bin Jungfrau — und gleißet in äußerlicher
Zucht, ist aber eine Hure im Herzen. Es heißet alles lauter Ernst. Lieber
kein Geld noch Gut haben, auch zeitliche Ehre und Macht verlieren als Gottes
Reich. Wer Gott findet, der hat alles funden. Und wer ihn verlieret, hat
alles verloren, er hat sich selbst verloren. O wie so gar schwer gehets zu,
den irdischen Willen zu zerbrechen. Komm nur am Reihen (zum Tanz), du wirst
hernach nicht mehr nach Christi Fußstapfen dürfen fragen. Du wirst sie wohl
sehen. Das Kreuz Christi wirst du wohl fühlen, auch Gottes Zorn, welcher
sonsten in dem alten Adam fein ruhet und schläfet, bis du ihn fein feist
mästet. Alsdann gibt er dir dein Himmelreich, das du allhier gesuchet hast,
darin du ewig schwitzen mußt. 6. Kapitel - Von unserem Tode, warum wir sterben müssen
Citatio prima: 2-6,1 Allhier, du liebe gleißende Vernunft, komm zu Gaste.
Allhier haben wir euch alle geladen, ihr Wissenden und Unwissenden, alle die
ihr Gott schauen wollet. Es ist ein ernstes Siegel und hartes Schloß
aufzumachen. Dem denket nach, es gilt euch allen. 2-6,2 Die Vernunft spricht: War denn Gott nicht allmächtig genug,
dem Adam seine Sünde zu vergeben, daß erst Gott mußte Mensch werden, leiden
und sich töten lassen? Was hat Gott für einen Gefallen am Tode? Oder, so er
uns dann also erlösen wollte, warum — so Christus uns erlöset hat — müssen
wir denn auch sterben? — Ja, tanze, liebe Vernunft, rate, bis du es triffst,
allhier bist Doktor und weißt nichts, bist gelehrt und auch stumme. Willst du
nicht, so mußt du wohl, du kommst denn auf diese Schule, verstehe: des Hl.
Geistes Schule. Wer ist allhier, der aufschließen mag? Ist das nicht das
verschlossene Buch, dessen der auf dem Stuhl sitzet, in der Offenbarung Jesu
Christi? So spricht der Gleißner: Wir wissens wohl. — So sage ich: Ich hab es
von ihnen nie gehöret noch in ihren Schriften gelesen. Sie haben mir auch
dieses Suchen verboten und ein Sündenschloß davorgeleget und dem für Sünde
gerechnet, der solches suche oder zu wissen begehre. Hiemit ist die schöne
Frau fein zugedecket blieben. Ei, wie hat der Antichrist können unter diesem
Deckel spielen. Aber es soll offen stehen wider des Teufels und der Höllen
Willen. Denn die Zeit ist geboren, der Tag der Wiederbringung bricht an, daß
gefunden werde, was Adam verloren hat. 2-6,3 Die Schrift saget: Wir sind ein Staub und Asche
(Gen.18,27). Das ist recht, wir sind ein Staub und Erde. Nun fraget sichs
aber, ob Gott den Menschen habe aus Erden gemacht. Das will die Vernunft
erhalten, und bewähret (versucht den Beweis) das aus Mose, den sie doch nicht
verstehet, und es auch die Proba nicht gibt, sondern gibt vielmehr, daß der
Mensch ein Limus, das ist: ein Auszug aus allen dreien Prinzipien sei. Soll
er ein Gleichnis nach Gottes Wesen sein, so muß er ja aus Gottes Wesen sein
herkommen, den was nicht aus dem Ewigen ist, das hat kein Bestand. Alles was
sich anfänget, gehöret in das, daraus es gegangen ist. So wir aber bloß aus
der Erden sind herkommen, so sind wir der Erden. Was wollte uns denn
anklagen, daß wir also täten, als der Erden Eigenschaft treibet und will? So
aber dann ein Gesetze in uns ist, das uns anklaget, daß wir irdisch leben, so
ist dasselbe nicht irdisch, sondern es ist aus dem, dahin es uns weiset und
zeucht, als aus dem Ewigen, dahin zeucht es uns auch und verklaget uns unser
eigen Gewissen vor dem Ewigen, daß wir machen und tun, was dem Ewigen zuwider
ist. So wir uns aber demselben heimgeben, das uns in das Ewige zeucht, so muß
das ander, das uns in das Irdische zeucht, zerbrechen und in das eingehen,
dahin es will, als in die Erden, dahin es uns zeucht. Und
der Willen, den wir dem Ewigen geben, der nimmt das Ewige ein. 2-6,4 So denn Gott den Menschen in ein Wesen geschaffen hat,
darin ewig zu sein als in Fleisch und Blut, so muß ja dem Willen, der sich in
das Ewige einergibt, solch Fleisch und Blut angezogen werden, wie es war, da
es Gott ins paradeis ins Ewige hatte geschaffen. Daran wir ja klar erkennen,
daß uns Gott nicht in solch Fleisch und Blut, als wir jetzt an uns tragen,
hat geschaffen, sondern in ein solches Fleisch, als dem Willen in der neuen
Wiedergeburt angezogen wird, sonst wär es ja bald vor dem Fall irdisch und
zerbrechlich gewesen. Was wollte mich dann mein Gewissen um das anklagen,
darein mich Gott hätte geschaffen? Oder was wollte es anders begehren, als es
in seinem eigenen Wesen wäre? So finden wir ja klar, daß noch ein ander Wesen
in unserm Fleische ist, das sich nach dem sehnet, das es jetzt nicht ist,
soll sichs aber sehnen nach dem, das es jetzt nicht ist, so muß es ja im
Anfang seines Wesens sein gewesen, sonst wäre kein Sehnen noch Lust nach
einem andern in ihm. Denn wir wissen, daß sich ein jedes Wesen sehnet nach
dem, daraus es seinen ersten Urstand hat. 2-6,5 Also sehnet sich unser Wille nach einem solchen Fleische,
als Gott schuf, das in Gott bestehen mag, nicht nach einem irdischen
vergänglichen in Qual, sondern nach einem bleiblichen ohne Qual. Daran wir
klar verstehen, daß wir aus dem Ewigen sind ausgegangen in das Zerbrechliche,
daß wir haben die Materiam an den Limum gezogen und sind Erde worden, daraus
uns doch Gott hat ausgezogen als eine Massam und seinen Geist darein geführet
mit dem Ewigen. Denn Adams Imagination hat die irdische Qual der Sternen und
vier Elementen in den Limum (vgl. 2-6,3) gezogen. Und die Sternen und
Elementa haben der Erden Sucht eingezogen. Also ist die himmlische Materia
des himmlischen Fleisches irdisch worden. Denn der Geist Gottes, der vom
Verbo Fiat in den Limum ward eingeblasen aus Gottes Herze, der hat himmlische
Wesenheit, himmlisch Fleisch und Blut an sich. Der sollte Adam regieren nach
himmlischer, göttlicher Eigenschaft. Weil aber der Teufel hatte den Limum,
als er im Himmel saß, infizieret, so tat er ihm jetzt auch die Schalkheit
(Bosheit) und infizierte den mit seiner Imagination, daß er anhub, nach der
verderbten Sucht der irdischen Qual zu imaginieren, davon er vom Reiche
dieser verderbten Welt gefangen ward, welche in den Limum einzog als ein
Herr. Jetzt war das Bild Gottes verderbet und fiel in irdische Qual. 2-6,6 So aber dann der himmlische Geist in dem verderbten
irdischen Sulphur (Körper) war, so mochte der himmlische Glanz und das
göttliche Feuer also im Brennen nicht bestehen, denn des ewigen Feuers Licht
bestehet in der Freiheit außer der Qual. So war aber das Wasser der Freiheit,
welches des ewigen Feuers Speise war, irdisch worden, das ist: mit Irdigkeit
erfüllet. Und die sanfte Liebe ward mit der irdischen bösen Sucht infizieret.
Also vermochte das ewige Feuer nicht zu brennen noch zu Licht zu gehen,
sondern quoll also in dem verderbten Fleische als ein verdämpft Feuer, das
vor Nässe nicht brennen kann. Dasselbe Feuer naget uns nun und klaget uns
immer an. Es wollte gerne wieder brennen und himmlischer Wesenheit fähig
sein. So muß es irdische Qual in sich fressen als irdische Imagination, darein
sich des Teufels Sucht mischet. Also wirds auch böse und zeucht uns immer dem
Abgrunde zu ins Centrum der Natur, in die Angstkammer, daraus es im Anfange
ist gegangen. 2-6,7 Also siehest du, Mensch, was du bist. Und was du ferner aus
dir machest, das wirst du in Ewigkeit sein, und siehest, warum du zerbrechen
und sterben mußt, denn das Reich dieser Welt vergehet. So bist du in deinem
äußern Wesen doch nicht des Reichs mächtig zu bleiben, bis in sein Aeternum
sondern du bist darin ohnmächtig und liegest bloß darinnen in einer
Konstellation, welche das Gestirne hatte, da du in Fleisch und Blut des
irdischen Wesens im Mutterleibe gerannest. Du bist nach dem äußern Leben also
ohnmächtig, daß du dich nicht kannst deiner Konstellation erwehren. Du mußt
in die Zerbrechung deines Leibes eingehen, wenn dich die Konstellation
verläßt. Da siehest du ja, was du bist, nämlich ein irdischer Staub, eine
Erde voll Stanks, weil du noch lebest, ein toter Kadaver. Du lebest dem
Gestirn und Elementen. Die regieren und treiben dich nach ihrer Eigenschaft.
Sie geben dir Sitten und Kunst. Und wenn ihr Saeculum um ist, daß ihre
Konstellation, darunter du empfangen und zu dieser Welt geboren bist,
vollendet ist, lassen sie dich hinfallen. Da fället dein Leib den vier
Elementen heim. Und dein Geist, der dich leitete, dem Mysterio, daraus das
Gestirne ist erboren worden, und wird behalten zum Gerichte Gottes, da Gott
will alles durchs Feuer seiner Macht bewähren. Also mußt du verfaulen und
eine Erde und ein Nichts werden, bis auf den Geist, der aus dem Ewigen ist
ausgegangen, den Gott in den Limum einführete. Da besinne dich, was du bist,
eine Hand voll Erden und ein Quallhaus der Sternen und Elementen. Wirst du
deine Seele und ewigen Geist, der dir ist vom ewigen höchsten Guten gegeben
worden, nicht allhier in dieser Zeit haben wieder in Gottes Licht entzündet,
daß er im Lichte aus der göttlichen Wesenheit ist wiedergeboren worden, so
fället sie im Mysterio dem Centro Naturae als der ersten Mutter wieder heim
in die Angstkammer der ersten vier Gestalten der Natur. Da muß sie ein Geist
in der finstern Angstqual bei allen Teufeln sein und das fressen, das sie in
dieser Zeit in sich hat eingeführet. Dasselbe wird ihre Speise und Leben
sein. 2-6,8 So aber Gott ein solches mit dem Menschen, seinem Gleichnis
und Bild nicht hat gewollt, so ist er selber das worden, das der arme Mensch
ward, nachdem er aus der göttlichen Wesenheit aus dem Paradeis gefallen war,
daß er ihm doch wieder hülfe, daß der Mensch also in ihm selber habe die
Porte zur Wiedergeburt, daß er könne in dem Seelenfeuer wieder in Gott
geboren werden und daß dasselbe Seelenfeuer wieder göttliche Wesenheit in
sich zöge und erfüllete sich mit göttlicher Liebequal, davon die göttliche
Freudenreich wieder erboren würde und das Seelenfeuer wieder den Hl. Geist
erbäre, wie vorne gemeldet, der aus dem Seelenfeuer ausginge und dem
adamischen Fleische den ungöttlichen Willen entrisse, daß also die arme Seele
nicht wieder mit der irdischen und teuflischen Sucht erfüllet würde. Die Porte des neuen Menschen 2-6,9 Dies ist nun also zu verstehen: Gott ist Mensch worden und
hat unsere menschliche Seele in die göttliche Wesenheit als von der Liebe und
Sanftmut, und trinket vom Wassergeist des ewigen Lebens aus der ewigen
Weisheit, welche ist der Brunn der göttlichen Wesenheit. Dieselbe, Christi
Seele, hat göttlich-himmlisch Fleisch und Blut an sich bekommen mit dem
Worte, das das Centrum der Lichtwelt ist, das da imaginierte nach der armen
gefangenen Seelen. Dasselbe Wort wohnete in der göttlichen Wesenheit und in
der Jungfrau der Weisheit, kam aber in Maria und nahm unser eigen Fleisch und
Blut in die göttliche Wesenheit und zerbrach die Kraft, die uns im Zorne des
Todes und Grimmes gefangen hielt am Kreuz als im Centro der Natur des
Urstandes ins Vaters ewigen Willen zur Natur, daraus unsere Seele war
genommen worden, und zündete in derselben Essenz als in der Seelen finsterm
Feuer wider das brennende Lichtfeuer an, und führete den andern Willen der
Seelen durchs Feuer Gottes als aus dem Urstande aus ins brennende, weiße,
helle Licht. Als solches die Natur in der Seelen empfand, ward sie
freudenreich, zersprengete den Tod und grünete mit Gottes Kraft in der
Lichtwelt aus und machte aus dem Feuer ein Liebebegehren, daß also in
Ewigkeit kein Feuer mehr erkannt wird, sondern ein großer und starker Wille
in der Liebe nach ihren Zweigen und Ästen als nach unserer Seelen. 2-6,10 Und das ist es, daß wir sagen: Gott dürstete nach
unserer Seelen. Er ist unser Stamm worden. Wir sind seine Zweige und Äste. Wie
ein Stamm immer seinen Saft den Ästen giebet, daß sie leben und Frucht tragen
dem ganzen Baum zur Herrlichkeit, also tut auch uns unser Stamm. Der Baum
Jesus Christus in der Lichtwelt, welcher sich in unserer Seelen hat
offenbaret, der will unsere Seelen als seine Äste haben. Er ist in Adams
Seele eingegangen, der uns verderbte. Er ist Adam worden in der Wiedergeburt.
Adam führete unsere Seele in diese Welt in Tod der Grimmigkeit und er führete
unsere Seele aus dem Tode durchs Feuer Gottes und zündete sie im Feuer wieder
an, daß sie wieder das scheinende Licht bekam, da sie sonst hätte müssen im
finstern Tode in der Angstqual bleiben. 2-6,11 Nun liegts jetzt nur an unserem Selbsteingehen, daß
wir nur demselben Wege nachgehen, den er gemacht hat. Wir dürfen nur unsere
Imagination und gänzlichen Willen in ihn einführen, welcher >Glaube<
heißet, und dem alten irdischen Willen Widerstand tun, so empfahen wir den
Geist Christi aus der neuen Wiedergeburt. Der zeucht himmlisch Wesen in
unsere Seele als Christi himmlisch Fleisch und Blut. Und wenn die Seele das
kostet, so zersprenget sie den finstern Tod in ihr und zündet das Feuer der
Ewigkeit in ihr an, daraus das scheinende Licht der Sanftmut brennet.
Dieselbe Sanftmut zeucht die Seele wieder in sich als das Seelenfeuer und
verschlinget dieselbe in sich, und gibt aus dem Tode das Leben und den Geist
Christi. Also wohnet derselbe Geist, der aus dem ewigen Feuer ausgehet in der
Lichtwelt bei Gott, und ist das rechte Bild der Hl. Dreifaltigkeit. Er wohnet
nicht in dieser Welt. Der Leib begreift ihn nicht, sondern das edle Gemüte,
darin die Seele ein Feuer ist, das begreift ihn, doch nicht faßlich. Wohl
wohnet das edle Bildnis im Seelenfeuer des Gemütes, aber sie schwebet darinne
wie das Licht im Feuer. Denn solange der irdische Mensch lebet, ist die Seele
immer in Gefahr, denn der Teufel hat Feindschaft mit ihr. Der schießt immer
seine Strahlen mit falscher Imagination in den Sternen- und Elementengeist,
greift damit nach dem Seelenfeuer, will dasselbe immerdar infizieren mit
irdischer teuflischer Sucht. Da muß sich das edle Bildnis gegen das
Seelenfeuer wehren. Da kostets Streiten um das Engelskränzlein. Da gehet oft
im alten Adam auf Angst, Zweifel und Unglaub, wenn der Teufel der Seelen
zusetzet. Ach, Kreuz Christi, wie schwer bist du öfters! Wie verbirget sich
der Himmel! Aber also wird das edle Korn gesäet. Wenn das aufgehet, so
bringets viel schöner Früchte in Geduld. 2-6,12 Also wächset ein jedes Zweiglein in der Seelen aus
göttlicher Weisheit. Es muß alles aus der Angstkammer ausdringen und als ein
Zweig aus der Wurzel des Baumes wachsen. Es wird alles in der Angst geboren.
Will ein Mensch göttliche Erkenntnis haben, so muß er gar vielmal in die
Angstkammer in das Centrum, denn ein jeder Funke der göttlichen Witze aus
Gottes Weisheit muß aus dem Centro der Natur erboren werden, sonst ist er
nicht bleiblich noch ewig. Er muß auf dem ewigen Grunde, auf der ewigen
Wurzel stehen. Also ist er ein Zweig in Gottes Reich aus Christi Baume. 2-6,13 Also verstehen wir das Sterben, was es sei und warum
Christus hat müssen sterben und wir alle in Christi Tode sterben müssen,
wollen wir anders seine Herrlichkeit besitzen. Der alte Adam kann das nicht
tun. Er muß wieder in das, daraus er gegangen ist. Er soll durchs Feuer
Gottes bewähret werden und die Wunder wiedergeben, die er verschlungen hat.
Sie müssen wieder zum Menschen kommen und dem Menschen nach seinem Willen
erscheinen, sofern er sie allhie hat in Gottes Willen gemachet. Wo aber zu
Gottes Unehren, so gehören sie dem Teufel im Abgrunde. 2-6,14 Darum sehe ein jeder zu, was er allhie tue und
mache, mit was Gemüte und Gewissen er rede, tue und wandele, es soll alles
durchs Feuer bewähret werden. Und was dieses Feuers wird fähig sein, das
wirds verschlingen und dem Abgrunde in die Angst geben. Dessen wird der
Mensch Schaden haben und in jener Welt entbehren, daran er könnte und sollte
Freude haben, daß er wäre ein Arbeiter in Gottes Weinberge gewesen. So aber
wird er erfunden werden als ein fauler Knecht. Darum wird auch die Kraft,
Macht und Klarheit in den Wundern der göttlichen Weisheit in jener Welt
ungleich sein. Es ist allhier mancher ein König, und wird ihm in jener Welt
ein Säuhirt in der Klarheit und Weisheit vorgezogen werden. Ursache: seine
Wunder werden dem Abgrunde gegeben werden, weil sie böse waren. 2-6,15 Sehet, ihr lieben Menschen, ich weise euch ein
Gleichnis der engelischen Welt: Sehet den blühenden Erdboden an oder das
Gestirn, wie ein Stern, auch ein Kraut das ander übertrifft in Kraft,
Schönheit und Zierheit seiner Gestalt! Also ist auch die engelische Welt,
denn sie werden in einem geistlichen Fleisch und Blute dargestellet werden,
nicht in solcher Gestalt als hier. Der geistliche Leib kann durch irdische
Steine gehen, so subtil ist er, sonst wäre er der Gottheit nicht fähig, denn
Gott wohnet außer der greiflichen Qual in der stillen Freiheit. Sein eigen
Wesen ist Licht und Kraft der Majestät. Also müssen wir auch einen Kraftleib
haben, aber wahrhaftig in Fleisch und Blute, darin ist aber ein Glanz der
Tinktur. Denn der Geist ist also dünne, daß er vom Leibe unbegreiflich ist,
ist doch in der Freiheit greiflich, sonst wäre er nichts. Und der Leib ist
viel dicker (dichter) als der Geist, also daß ihn der Geist greifen und essen
mag, davon er das Geistleben im Feuer erhält und gibt aus dem Geiste das
Licht der Majestät und aus dem Lichte wieder die Sanftmut im Fleisch und
Blut, daß also ein ewig Wesen ist. 2-6,16 So wir uns nun also finden und erkennen, so sehen
und erkennen wir, was Gott ist und vermag und was das Wesen aller Wesen ist,
und befinden, wie wir also ganz irrig und blind geführet werden, da man uns
viel von Gottes Willen saget und bildet die Gottheit immer als ein fremd
Wesen für, das ferne von uns sei, als ob Gott ein fremd Ding sei und nur also
einen neiglichen Willen zu uns trüge, der Sünde vergebe aus Gunst, als ein
König einem sein Leben schenket, der es verbrochen hat. Aber nein, höre, es
heißet nicht heucheln und ein Schalk bleiben. Es heißet: aus Gott geboren
werden oder ewig von Gott verloren sein. Denn der rechte Glaube und Wille muß
es tun. Er muß ernstlich in Gott eingehen und ein Geist mit Gott werden. Er
muß himmlisch Wesen erlangen, sonst hilft weder singen, klingen, heucheln
oder wie das heiße. Gott bedarf keines Dienstes. Wir sollen uns untereinander
dienen und uns lieben und dem großen Gott danken, das ist: in einem Sinne in
Gott erheben und seine Wunder verkündigen, seinen Namen anrufen und ihn
loben. Das ist die Freude in Ternario Sancto, da die ewige Weisheit aus dem
Lobe giebet Wunder, Kraft und Gewächse. Und also wird dem Teufel sein Reich
zerstöret, und kommt Gottes Reich zu uns und geschieht sein Wille, sonst ists
alles Menschengedichte und Werk vor Gott, ein unnütz Wesen, eine Heuchelei
und machet keine Versöhnung, sondern führet den Menschen nur von Gott ab. 2-6,17 Gottes Reich muß in uns kommen und sein Wille in uns
geschehen, so dienen wir ihm recht. Wenn wir ihn lieben von ganzem Herzen,
Seele und allen Kräften und unsern Nächsten als uns selber, das ist der ganze
Gottesdienst, den er von uns aufnimmt. Was dürfen wir uns heucheln? Sind wir
gerecht, so sind wir selbst Götter in dem großen Gott, was wir dann tun, das
tut Gott in uns und durch uns. So sein Geist in uns ist, was sorgen wir viel
lange um Gottes Dienst? Will er was tun, so sollen wir Knechte und willig
sein. Er muß der Werkmeister sein, soll ein Werk Gott gefallen. Was außer dem
ist, das ist irdisch gebauet in dem Geist dieser Welt. Das bauen wir dem
äußern Himmel, den Sternen und Elementen. Die haben ihr Verbringen und Wunder
in uns. Und der finstere Teufel, dem dienen wir mit Werken außer Gottes
Geist. 2-6,18 Das lasset euch gesaget sein, es ist hoch erkannt:
Kein Werk gefällt Gott, es gehe denn aus Glauben in Gott. Heuchele, wie du
willst, so arbeitest du nur in dieser Welt, du säest in einen irdischen
Acker. Willst du aber himmlische Frucht ernten, so mußt du himmlischen Samen
säen. Wird er nicht im fremden Acker wollen Wurzel schlaqgen, so kommt dein
Same wieder zu dir und wächset in deinem Acker, und du wirst die Frucht
selber genießen. 7. Kapitel - Vom geistlichen Sehen, wie ein Mensch in
dieser Welt könne göttliche und himmlische Wissenschaft haben
Die andere Citation oder Ladung der
äußern Vernunft dieser Welt in Fleisch und Blut. 2-7,1 Die äußere Vernunft spricht: Wie mag der Mensch in dieser
Welt in Gott sehen als in eine andere Welt und sagen, was Gott ist; das kann
nicht sein; es muß eine Einbildung sein, da sich der Mensch mit kitzelt und
selber betrügt. 2-7,2 Antwort: Also weit kommt die äußere Vernunft. Mehr kann sie
nicht erforschen, da sie ruhete. Und wenn ich noch in derselben Kunst
steckte, so würde ich eben auch also sagen. Denn der nichts siehet, der
spricht: es ist nichts da. Was er siehet, das erkennet er. Mehr weiß er von
nichts, als das vor Augen ist. Ich will aber den Spötter und ganz irdischen
Menschen gefraget haben, ob der Himmel blind sei, sowohl die Hölle und Gott
selber. Ob in der göttlichen Welt auch ein Sehen sei, ob der Geist Gottes
auch sehe, beides in der Liebe- Licht-Welt und auch im Grimm in der Zornwelt
im Centro. Saget er: Es sei ein Sehen darinnen als es dann wahr ist, so mag
er wohl zusehen, daß er nicht öfter mit des Teufels Augen sehe in seiner
fürgesetzten Bosheit, da er ihm ein Ding in seiner Imagination in falscher
Bosheit zu verbringen, lange zuvor einmodelt, und siehets zuvor, wie er seine
Falschheit verbringen kann und will. Und kann er allda die Bosheit zuvor
sehen, warum siehet er auch nicht zuvor seine Belohnung? O nein, der Teufel
siehet mit seinen Augen und decket die Strafe zu, daß er die Bosheit
verbringe. Triebe er den Teufel aus, so sähe er seine große Narrheit, die ihm
der Teufel geweiset hatte. Das Böse läßt er ihn sehen und leihet ihm Augen
dazu, daß er das Ferne, das noch geschehen soll, siehet; und er ist also
verblendet, und weiß nicht, daß er mit des Teufels Augen siehet. 2-7,3 Also auch in gleicher Weise siehet der Heilige mit Gottes
Augen, was Gott vorhat. Und das siehet der Geist Gottes in der neuen
Wiedergeburt aus den rechten menschlichen Augen aus dem Bilde Gottes. Er ist
dem Weisen ein Sehen und auch ein Tun, nicht dem alten Adam. Dieser muß
Knecht dazu sein, er muß das ins Werk richten, was der neue Mensch in Gott
siehet. Sagte doch Christus: Des Menschen Sohn tut nichts, als was er siehet
den Vater tun, das tut er auch. — So ist doch des Menschen Sohn unser Haus
worden, in das wir sind eingegangen. Er ist unser Leib worden und sein Geist
ist unser Geist. Sollen wir in Christo denn in Gott blind sein? Der Geist
Christi siehet durch und in uns, was er will; und was er will, das sehen und
wissen wir in ihm, und außer ihm wissen wir nichts von Gott. Er tut göttliche
Werke und siehet, was und wann er will, nicht wenn Adam will. Wenn Adam gerne
wollte seine Bosheit — mit Hochmut sich sehen zu lassen — ausschütten. O
nein, da verbirget er sich und siehet nicht in uns ins Freudenlicht in Gott,
sondern ins Kreuz, in Trübsal, in Christi Leiden und Sterben, Verfolgung und
Schmach, in große Traurigkeit, dahinein siehet er und lässet den alten Esel
zappeln und Christi Kreuz tragen, das ist sein Amt. Aber auf dem Wege durch
den Tod Christi siehet der neue Mensch in die engelische Welt. Sie ist ihm
leichter und heller zu begreifen als die irdische Welt. Es geschiehet
natürlich nicht mit Einbildung, sondern mit sehenden Augen, mit denen Augen,
welche die engelische Welt sollen besitzen als mit der Seelen-Bildnis-Augen,
mit dem Geiste, der aus der Seelen Feuer ausgehet. Derselbe Geist siehet in
den Himmel. Der schauet Gott und die Ewigkeit, und kein anderer, und der ist
auch das edle Bild nach Gottes Gleichnis. 2-7,4 Aus solchem Sehen hat diese Feder geschrieben, nicht aus
andern Meistern oder aus Wähnen, obs wahr sei. Ob nun wohl eine Kreatur ein
Stück und nicht ein Ganzes ist, daß wir nur im Stückwerk sehen, so ists doch
gründlich. Aber die Weisheit Gottes lässet sich nicht schreiben, denn sie ist
unendlich, ohne Zahl und Begriff. Wir erkennens nur im Stückwerk. Ob wir
gleich viel mehr erkennen, so kanns die irdische Zunge nicht erheben und
sagen. So redet nur Worte von dieser Welt, und den Sinn behält sie im
verborgenen Menschen. Darum verstehets auch immer einer anders als der ander,
als nachdem ein jeder ist mit der Weisheit begabet, also ergreift ers auch
und also leget ers aus. 2-7,5 Meine Schriften wird nicht ein jeder nach meinem Sinn
verstehen, ja auch wohl nicht einer. Aber ein jeder empfähet nach seiner Gabe
zu seiner Besserung, einer mehr als der andere, nachdem der Geist seine
Eigenschaft in ihm hat. Denn der Geist Gottes ist auch den Menschengeistern,
so sie wohl wollen, öfters untertan, und siehet, was der Mensch will, daß
sein Gutes nicht verhindert werde, sondern daß allenthalben Gottes Wollen und
Willen geschehe. Denn der Geist, der aus dem Seelenfeuer aus Gottes Sanftmut
und Wesen ausgeboren wird, der ist auch der Hl. Geist. Er wohnet in der
göttlichen Eigenschaft und nimmt sein Sehen aus göttlicher Eigenschaft. 2-7,6 Was ist es nun, das an uns fremd ist, daß wir nicht können
Gott sehen? Diese Welt und der Teufel in Gottes Zorn ist es, daß wir nicht
mit Gottes Auge sehen, sonst ist keine Hinderung. 2-7,7 Spricht nun einer: ich sehe nichts Göttliches, — der mag
denken, daß ihm Fleisch und Blut mit des Teufels List eine Hinderung und
Deckel ist, oft daß er will Gott in seinem Hochmut sehen zu seinen eigenen
Ehren und oft, daß er mit irdischer Bosheit erfüllet und geblendet ist. Sähe
er in Christi Fußstapfen und ginge in ein neu Leben, gäbe sich unter das
Kreuz Christi und begehrte nur den Eingang Christi, durch Christi Tod und
Himmelfahrt zum Vater, was sollte es gelten, er sähe den Vater und seinen
Heiland Christum mit dem Hl. Geiste. 2-7,8 Sollte denn der Hl. Geist blind sein, so er im Menschen
wohnet? Oder schreibe ichs mir zum Ruhm? — Nicht also, sondern dem Leser zur
Richtschnur, daß er von seinem Irrtum abstehe und gehe vom Wege der Lästerung
aus in ein heiliges göttliches Wesen, daß er auch mit göttlichen Augen sehe
die Wunder Gottes, auf daß Gottes Wille geschehe, zu welchem Ende diese Feder
also viel geschrieben hat, und nicht um eigener Ehre und Wollust dieses
Lebens willen, wie uns der Treiber* immer schilt, und bleibt doch nur der
Treiber im Zorn Gottes, dem wir das Himmelreich gerne gönneten, möchte er vom
Teufel und der irdischen Hoffartssucht los werden, welche ihn blind macht. *) Böhmes Ankläger Gregor Richter, Pfarrer in Görlitz 2-7,9 Also, ihr lieben Kinder Gottes, die ihr mit viel Tränen
suchet, lasset es euch nur Ernst sein! Unser Sehen und Wissen ist in Gott. Er
offenbaret einem jeden in dieser Welt, so viel er (Gott) will, als er weiß,
daß ihm nützlich und gut ist. Denn der aus Gott siehet, der hat Gottes Werk
zu treiben. Er soll und muß das treiben, lehren, reden und tun, das er
siehet, sonst wird ihm das Sehen genommen. Denn diese Welt ist Gottes Sehen
nicht wert, aber um der Wunder und Offenbarung Gottes willen wird manchem
gegeben zu sehen, daß der Name Gottes der Welt offenbar werde, welches auch
ein Zeugnis über alles gottlose Wesen sein wird, welche die Wahrheit in Lügen
verkehren und verachten den Hl. Geist. Denn wir sind nicht unser selber,
sondern dem wir dienen in seinem Licht. Wir wissen nichts von Gott, er
selber, Gott, ist unser Wissen und Sehen. Wir sind ein Nichts, daß er alles
in uns sei. Wir sollen blind, taub und stumm sein und kein Leben in uns
wissen, daß er unser Leben und Seele sei und unser Werk sein sei. Unsere
Zunge soll nicht sagen, so wir was Guts getan haben: Das haben wir getan, —
sondern: Das hat der Herr in uns getan, sein Name sei hochgelobet. Aber was
tut diese böse Welt jetzo? So einer sagte: Das hat Gott in mir getan, — so es
gleich gut ist, so spricht die Welt: Du Narr, du hast es getan, Gott ist
nicht in dir, du lügst! — Also muß der Geist Gottes ihr Narr und Lügner sein.
Was ist es denn oder wer redet aus dem Lästermunde? Der Teufel, der ein Feind
Gottes ist, daß er Gottes Werk zudecke, auf daß Gottes Geist nicht erkannt
werde und er Fürst dieser Welt bleibe bis ins Gericht. 2-7,10 Also, so ihr sehet, daß die Welt wider euch
streitet, euch verfolget, schmähet, lästert um Gottes Erkenntnis und Namens
willen, so denket, daß ihr den schwarzen Teufel vor euch habet, so segnet
ihr, daß Gottes Reich zu uns komme und dem Teufel seinen Stachel zerbreche,
daß der Mensch durch euren Segen und Gebet vom Teufel erlöset werde, so
arbeitet ihr recht in Gottes Weinberge und hindert dem Teufel sein Reich und
gebäret Früchte auf Gottes Tische, denn in Liebe und Sanftmut aus dem Zorne
Gottes werden wir wieder neugeboren. In Liebe und Sanftmut müssen wir in des
Teufels Dornen baden, in dieser Welt wider ihn streiten, denn die Liebe ist
sein Gift. Sie ist ihm ein Feuer des Schreckens, da er nicht bleiben kann.
Wüßte er ein Fünklein Liebe in ihm, er würfe die weg oder zerbörste darum,
daß er los würde. Darum ist die Liebe und Sanftmut unser Schwert. Damit
können wir um das edle Kränzlein unter Christi Dornenkrone mit dem Teufel und
der Welt streiten, denn die Liebe ist das Feuer des andern Principii. Sie ist
Gottes Feuer, dem ist der Teufel und die Welt feind. Die Liebe hat Gottes
Augen und siehet in Gott, und der Zorn hat des Grimmes Auge im Zorne Gottes.
Der siehet in die Hölle, in die Qual und in Tod. 2-7,11 Die Welt vermeinet schlechts, man müsse Gott mit den
irdischen und Sternenaugen sehen. Sie weiß nicht, daß Gott nicht im Äußern
wohnet, sondern im Innern. Und so sie dann nichts Wunderliches an Gottes
Kindern siehet, spricht sie: O, er ist ein Narr, er ist närrisch geboren, er
ist melancholisch! — Soviel weiß sie. O, höre Meister Hans, ich weiß wohl was
Melancholei ist, weiß auch wohl, was von Gott ist, ich kenne sie beide und
auch dich in deiner Blindheit. Aber solch Wissen kostet nicht eine
Melancholei, sondern ein riterlich Ringen. Denn keinem wirds gegeben ohne
Ringen, er sei denn im Ziel von Gott erkoren, er ringe denn um das Kränzlein.
Es wird wohl mancher im Mutterleibe dazu erkoren, wie Johannes der Täufer
(Luk.1,15) und andere mehr im Bunde Gottes der Verheißung ergriffen, welcher
allezeit ein Ziel eines Saeculi ist, der mit der Zeit des großen Jahrs
geboren und von Gott erkoren wird, die Wunder, die Gott vor hat, zu eröffnen.
Aber nicht alle aus dem Ziel, sondern ihrer viel aus eiferigem Suchen, denn
Christus sprach: Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch
aufgetan (Matth. 7,7). Item: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht
hinausstoßen (Joh. 6,37). Item: Vater, ich will, daß die, die du mir gegeben
hast, seien wo ich bin (Joh. 17,24); das ist: mit dem neuen Menschen aus
Christo geboren in Gott, seinem Vater. Item: Vater, ich will, daß sie meine
Herrlichkeit sehen, die ich hatte vor der Welt Grunde. — Allhier lieget das
Sehen aus Christi Geiste, aus Gottes Reiche in Kraft des Wortes, des Wesens
der Gottheit mit Gottes Augen und nicht mit dieser Welt und des äußern
Fleisches Augen. 2-7,12 Also, du blinde Welt, wisse womit wir sehen, wenn
wir von Gott reden und schreiben, und laß dein falsches Richten bleiben.
Siehe du mit deinen Augen und laß Gottes Kinder mit ihren Augen sehen. Siehe
du aus deinen Gaben und laß Gottes Kinder oder einen andern aus seinen Gaben
sehen. Ein jeder, wie er berufen wird, also sehe er und also wandele er, denn
wir treiben nicht alle einerlei Wandel, jeder aber nach seiner Gabe und Beruf
zu Gottes Ehre und Wunder. Es läßt sich der Geist Gottes nicht also binden
wie die äußere Vernunft mit ihren Gesetzen und Consiliis (Ratschlüssen)
vermeinet, da man allemal eine Kette des Antichrists mit schließt, daß die
Menschen wollen über Gottes Geist richten und ihren Dünkel und Schluß für
Gottes Bund halten, gleich als wäre Gott nicht in dieser Welt daheim oder als
wären sie Götter auf Erden, bestätigens nicht mit Eiden, was sie glauben
wollen. Ist das nicht ein Narrenwerk, den Hl. Geist in seinen Wundergaben an
einen Eid binden? Er soll glauben, was sie wollen, und sie kennen ihn doch
nicht, sind auch nicht aus ihm geboren, machen ihm doch Gesetze, was er tun
soll. 2-7,13 Ich sage, daß alle solchen Bünde der Antichrist und
Unglaube sind, es gleiße, wie es wolle. So ist Gottes Geist ungebunden. Er
gehet nicht im Bunde, sondern frei erscheinet er dem suchenden, demütigen
Gemüte nach seiner Gabe, wie er genaturet ist. Er ist ihm auch noch wohl
untertan, so er ihn nur mit Ernst begehret. Was soll denn der Bund in
menschlichem Witze von dieser Welt, so es Gottes Ehre betrifft? Sind doch
alle Bünde aus eigener Hoffart geboren. Freundliche Unterredung ist wohl gut
und nötig, daß einer dem andern seine Gabe dartue, aber die Bünde sind eine
falsche Kette wider Gott. Gott hat einmal einen Bund mit uns in Christo
gemachet. Das ist genug in Ewigkeit. Er machet keinen mehr. Er hat das
menschliche Geschlecht einmal in Bund genommen und ein festes Testament
gemachet mit Tod und Blut. Es ist genug an dem. Wir lassen uns billig an dem
genügen und hangen diesem Bunde an. Wir dürfen nicht also kühn um Christi
Kelch tanzen, als jetzt geschieht, oder er wird weggenommen werden, wie den
Türken (Mohamedaner) geschah. 2-7,14 Es ist ein sehr großer Ernst vorhanden, als von der
Welt her nie geschehen. Laßt es euch wohl sagen. Es ist erkannt worden. Der
Antichrist soll bloß stehen. Sehet aber zu, daß ihr dabei nicht ärger werdet.
Denn die Axt ist an dem Baum gesetzet, der böse Baum soll abgehauen und ins
Feuer geworfen werden. Die Zeit ist nahe! Verstecke sich niemand in
Fleischeslust, denn das tuts nicht, daß einer wisse, wie er könne neugeboren
werden. Bleibet aber in der alten Haut, in Wollust des alten Menschen, in
Geiz, Hochmut und Ungerechtigkeit, in Unzucht und ärgerlichem Leben, der ist
lebendig tot und stecket im Rachen des Zorns Gottes. Denselben wird seine
Wissenschaft anklagen und verurteilen zum Gerichte. So er das Wort der
Erkenntnis empfähet und annimmt, das ihm Gott zu erkennen gibt, daß er der
rechte Weg zum Leben sei, so muß er alsobald ein Täter des Worts werden und
aus der Bosheit ausgehen. Oder er hat ein schwer Urteil über sich. Was ist
der besser denn der Teufel? Der weiß auch Gottes Willen, tut aber seinen
bösen Willen. Es ist einer als der ander, keiner gut, solange bis er des
Worts Täter wird. Alsdann wandelt er auf Gottes Wege und ist im Weinberge in
Gottes Arbeit. 2-7,15 Die gleißnerische Babel lehret jetzt: Unsere Werke
verdienen nicht, Christus habe uns vom Tode und der Höllen erlöset, wir
müssens nur glauben, so werden wir gerecht. — Höre, Babel, der Knecht, der
seines Herrn Willen weiß und den nicht tut, soll viel Streiche leiden. Es
wissen ohne tun ist eben als ein feuer, das da glimmet und kann vor Nässe
nicht brennen. Willst du, daß dein göttlich Glaubensfeuer brennen soll, so
mußt du dasselbe aufblasen und aus des Teufels und der Welt Nässe ausziehen.
Du mußt ins Leben Christi eingehen. Willst du sein Kind werden, so mußt du in
sein Haus eingehen und sein Werk treiben, oder du bist draußen und ein
Heuchler, der den Namen Gottes unnützlich führet. Anders lehrest du und
anders tust du, und bezeugest also, daß Gottes Urteil recht über dich sei.
Oder was hat Gott für Gefallen an deinem Wissen, da du ein Schalk bleibest?
Meinest du, er nehme deine Heuchelei an, daß du zu ihm schreiest: Herr, gib
mir einen starken Glauben an das Verdienst deines Sohnes Christi, daß ichs
von ganzem Herzen glaube, daß er für meine Sünde hat genug getan! — Meinest
du, das sei genug? O höre, nein! Du mußt in Christi Leiden und Sterben
eingehen und aus seinem Tode anders geboren werden. Du mußt ein Glied mit und
in ihm werden. Du mußt den alten Adam stets kreuzigen und immer an Christi
Kreuz hängen und mußt ein gehorsam Kind werden, das immer höret, was der
Vater saget, und immer dasselbe wollen gerne tun. Ins Tun mußt du eingehen,
sonst bist du eine Larve ohne Leben. Du mußt mit Gott gute Werke der Liebe
gegen deinen Nächsten wirken, deinen Glauben stets üben und immer bereit sein
zur Stimme des Herrn, wenn er dich heißet aus dem alten Pelze heimgehen in
das reine Kleid. Siehe, ob du gleich auf diesen Weg trittest, so wirst du
dennoch Schwachheit genug haben und viel zu viel an dir fühlen. Du wirst noch
zuviel Böses wirken, denn wir haben einen bösen Gast in uns zur Herberge. Es
gilt nicht nur trösten, sondern wider denselben kämpfen, streiten, ihn stets
töten und überwinden. Er ist ohnedies zu stark und will das Oberregiment
haben. Christus hat wohl für uns und in uns den Tod zerbrochen und die Bahn
in Gott gemachet, was hilft michs aber, daß ich mich dessen tröste und
solches lerne wissen, bleibe aber im finstern Zorn verschlossen liegen, an
der Ketten des Teufels gefangen? Ich muß in dieselbe Bahn eingehen und in
derselben Straße wandeln als ein Pilgrim, der aus dem Tode ins Leben
wandellt. 8. Kapitel - Die Pilgrim-Straße aus dem Tode ins Leben
2-8,1 Lieben Kinder, lasset uns doch herzlich miteinander vom
Grunde reden: Unser rechtes Leben, damit wir sollen Gott schauen, ist als ein
gedämpft Feuer, manchem auch wohl als das Feuer im Steine verschlossen. Wir
müssen aufschlagen mit rechter ernster Einwendung zu Gott. Sehe doch Gottes
Fürsorge an! Er hat uns in Christo aus dem Wasser des ewigen Lebens
wiedergeboren und hat uns dasselbe im Bunde der Taufe zu einem Schlüssel zur
Letzte gelassen, daß wir damit aufschließen und unser Seelenfeuer damit
besprengen, daß es des göttlichen Feuers fähig wird. Und hat uns seinen Leib
zur Speise gegeben und sein Blut zum Trank, daß wir und dessen sollen
annehmen, in seinen Bund treten und unsere Seele mit speisen, daß sie
erquicket werde und vom Tode aufwache, daß sie das göttliche Feuer anzünde.
Lieben Kinder, es muß brennen und nicht im Steine verschlossen liegen bleiben
oder als ein Moder oder Zunder, der da wollte gerne glimmen, und kann vor des
Teufels Nässe nicht. Der historische Glaube ist ein Moder, der da als ein
Fünklein glimmet. Er muß angezündet werden. Wir müssen ihm Materiam geben,
darin sich das Fünklein anzünde. Die Seele muß aus der Vernunft dieser Welt
ausdringen ins Leben Christi, in Christi Fleisch und Blut, so empfähet sie
Materiam zu ihrem Anzünden. Es muß Ernst sein, denn die Historia erreichet nicht
Christi Fleisch und Blut. Es muß der Tod zersprenget werden, wiewohl ihn
Christus zersprenget hat. So muß aber nun die ernste Begierde folgen, das
gerne wollen tun und immer dahin arbeiten als ein Pilgrim oder Bote, der
einen gefährlichen weiten Weg ziehen will. Der laufet immer nach dem Ziel. Er
ist unverdrossen, ob ihm gleich wehe geschiehet. Noch hoffet er des Ziels und
kommt immer näher, da er dann seines Lohns und Ergötzung in Hoffnung gewärtig
ist. Und freuet sich, daß sein sauer Wandern wird ein Ende nehmen. 2-8,2 Also muß ein Mensch, der da will zu Gott wandern, sich auf
die Pilgrimstraße machen. Er muß immer mehr aus der irdischen Vernunft, aus
des Fleisches, des Teufels und der Welt Willen auswandern. Oft geschieht ihm
wehe, wenn er das verlassen soll, das er wohl haben könnte und könnte da mit
in zeitlichen Ehren schweben. Will er aber auf der rechten engen Straße
wandern, so muß er nur den Rock der Gerechtigkeit anziehen und den Rock des
Geizes und gleißenden Lebens ausziehen. Er muß den Hungerigen sein Brot
mitteilen und sein Kleid zur Decke geben, nicht ein Dränger des Elenden sein,
nur seinen Sack wollen füllen, dem Elenden und Albern seinen Schweiß
abdringen und ihm Gesetze geben nur zu seiner Hoffart und Wollust. Der ist
kein Christ, der solches tut, sondern er wandert auf der Straßen dieser Welt,
wie ihn das Gestirne und die Elementa mit des Teufels Infizieren und Lust
treiben. Und ob er gleich den Glauben weiß von Gottes Barmherzigkeit, von der
Genugtuung Christi, wirds ihm doch nicht helfen. Denn nicht alle, die da
sagen: Herr, Herr werden ins Himmelreich eingehen, sondern die den Willen tun
meines Vaters im Himmel. Und der Wille ist: Liebe deinen Nächsten als dich
selber. Was du willst, das man dir tue, das tue du auch. 2-8,3 Sprich nicht in deinem Herzen: Ich sitze in diesem Amt und
Herrschaft mit Recht; ich habs erkaufet und ererbet, das was mir meine
Untertanen tun, sind sie mir schuldig. — Siehe und forsche, wo dasselbe Recht
urständet, obs von Gott also geordnet sei oder obs aus Trug und eigener
Hoffart und aus Geiz urstände? Findest du, daß es Gottes Ordnung sei, so
schaue und wandele darin nach dem Befehl der Liebe und Gerechtigkeit. Denke,
daß du darin ein Diener und nicht ein Herr über Christi Kinder bist, und
nicht allein dasitzest, ihren Schweiß an dich zu ziehen, sondern daß du ihr
Richter und Hirte bist, daß du sollst von deinem Amt Rechenschaft geben. Dir
sind fünf Pfund gegeben: du sollst sie deinem Herrn mit Wucher überantworten.
Du sollst deinen Untern auf den rechten Weg führen, ihm gute Exempel geben in
Lehr und Strafe über den Boshaftigen. Denn es soll von dir gefordert werden,
so du den Gottlosen nicht strafest und schützest den Bedrängten. Du bist
nicht nur darum ein Regent, daß du ihr Herr seiest. Nicht du, sondern Gott
ist ihr Herr. Du sollst ihr Richter sein und sie scheiden. Nicht um den
Geizes willen bist du ihr Richter, sondern um ihrer Gewissen willen. Und daß
du den Einfältigen lehrest, führest und weisest nicht allein mit Drangsal
seines Schweißes, sondern mit Sanftmütigkeit. Du hast ein Schweres auf dir.
Du mußt darum ernste Rechenschaft geben. Wenn der Elende über dich seufzet in
seiner Drangsal, so klaget er dich vor seinem und deinem Herrn an. Da sollst
du und mußt du mit ihm vor Gerichte stehen, denn das Urteil gehet über die
Seelen. Es hilft dir keine Heuchelei. 2-8,4 Alles, was mit Tränen gesäet wird, mit rechtem Ernste, das
wird zur Substanz und gehöret vor Gottes Gerichte, es sei denn, daß der
Mensch umkehre und versöhne sich mit Wohltat gegen den Bedrängten, daß er ihn
segne, so zerbricht die Substanz. Darum habt ihr Oberen ein Schweres auf
euch. Ihr möget wohl auf euren Stand sehen, wo er urstände. Die Wurzel wird
nahe gesucht werden. Es soll ein jeder von seinem Stande Rechenschaft geben.
Sehet aber zu, daß ihr nicht da mit im höllischen Feuer reitet, als der
grimmige Teufel selber tut, und ihr desselben Diener erfunden werdet, wie uns
der Geist der Wunder zeiget, daß ihr die Erfüllung des ewigen Zornes und
Grimmes seid worden. Sprich nicht in deinem Herzen: Also haben meine Eltern
und Vorfahren auch gewandelt, ich habs ererbet. — Du weißt nicht, in was
Herberge sie sind eingangen. Willst du ein Christ und Kind Gottes sein, so
mußt du nicht auf den Weg der Vorgänger, wie sie in Wollust geritten sind,
sondern auf Gottes Wort. Das muß deiner Füße Leuchte sein. Denn viele, so
übel gefahren sind, die sind in Abgrund gefahren. Denen wirst du auch
nachfahren, so du in ihren Fußstapfen wandelst. Laß dir nur nicht den Teufel
den gleißnerischen Weg malen. Seine Farbe glänzet von außen, und in der
Essenz ist sie Gift. 2-8,5 Ach, wie haben wir doch einen so gargefährlichen Weg durch
diese Welt zu wandern, und wäre zu wünschen, daß in dem Gottlosen kein Ewiges
wäre. So dürfte er nicht ewige Qual leiden und im ewigen Spotte sein. Wie sie
allhie in diesem Leben Feinde der Kinder Gottes sind, also auch bleiben sie
ewige Feinde Gottes und seiner Kinder. Darum müssen die Kinder Gottes das
Kreuz auf sich nehmen und allhie im Distel- und Dornenbad schwitzen und in
Angst neugeboren werden. Sie müssen einen schmalen Steg wandern, da die
Vernunft immer spricht: Du bist ein Narr, du könntest in Freuden leben und
gleichwohl selig werden. — O wie schlägt die äußere Vernunft oft das edle
Bild, das aus dem Dornenbade aus der Trübsal auswächset! Wie gar mancher
Zweig wird von dem Perlenbaum abgerissen durch Zweifel und Unglauben, welcher
den Menschen in den falschen Weg einführet. Der Elende seufzet nach der
zeitlichen Nahrung und fluchet dem Zwinger, der ihm seinen Schweiß abdringet,
und denket, er tue recht daran. Aber er verderbet sich nur selber daran. Er
handelt ebenso gottlos als sein Treiber. Nähme er Geduld in sich und
gedächte, daß er auf der Pilgrimstraße wandelt, und setzte seine Hoffnung in
sein Ziel und dächte, daß er also in Kreuz und Elende, in Drangsal in Christi
Weinberg arbeitete, — o wie selig führe er. Er hätte doch also Ursache, ein
ander und besser Leben zu suchen, weil er allhier muß in Angst und Elend
schweben. Wenn ers nur recht verstünde, wie es Gott so gut mit ihm meinete,
daß er ihn also damit locke und suche, daß er nicht soll in das irdische
Leben bauen. Dieweil er siehet, daß es nur ein Jammertal und Drangsal ist,
und muß allhier nur im harten Zwang im Elende in eitel Mühe seine Tage
verzehren, soll er doch ja denken, daß es Gott nicht vergebens also gehen
lasse, sondern daß er ihm gleich also Ursache gebe, eine rechte Ruhe zu
suchen, welche nicht in dieser Welt ist. Dazu muß er alle Stunde des Todes
warten und sein Werk andern lassen. Was ist es denn, daß ein Mensch seine
Hoffnung in diese Welt bauet, darin er doch nur ein Gast und Pilgrim ist, der
da muß durch die Straßen seiner Konstellation wandeln? Nähme er die innere
Konstellation an, o wie selig arbeitete er in Gottes Werke und ließe das
äußere gehen, wie es kann sein. 2-8,6 Ein Mensch in dieser Welt, der da gedenket Gottes Reich zu
besitzen, hat keinen bessern Weg und mag ihm nicht besser geraten werden, als
daß er stets gedenke und ihm fürnehme, daß er im Weinberge Gottes ist mit all
seinem Tun und Wesen, daß ers Gott tue. Sein Gemüt soll in steter Hoffnung zu
Gott gerichtet sein, daß er werde seinen Lohn für seine Arbeit von Gott
erlangen und daß er in Gottes Wundertat arbeite. Darum soll er in seiner
Arbeit, die er tut, fleißig sein, und wenn er gleich seinem Treiber in Mühe
ohne Lohn oft dienen muß, so denke er nur, er arbeite nur Gotte und sei
geduldig auf Hoffnung, Gott werde ihm seinen Lohn wohl geben zu seiner Zeit.
Denn nicht am Tage zahlet der Herr des Weinberges seine Arbeiter aus, sondern
am Abend, wenn das Tagewerk gemacht ist. Wenn wir heimgehen zu unserm Herrn
aus dieser Hütten Tal, alsdann empfähet einjeder seinen Lohn. Welcher alsdann
viel gearbeitet hat in langer Zeit, der hat viel Lohn zu gewarten. Welcher
aber nur ein Schnarcher, Grunzer, Faulenzer und böser Arbeiter in Ungeduld
gewesen ist, der hat wenig verdienet und wird noch wohl Strafe von seinem
Herrn zu gewarten haben. Denn er hat andere Arbeiter nur verführet und ist
ein unnützer Arbeiter gewesen, hat eitel falsche Werke gemacht, seinen Herrn
um seinen Lohn zu betrügen, der empfähet billig Strafe für Lohn. Die Porte im Centro der Natur / Die
dritte Citation: 2-8,7 Die Vernunft spricht also: Warum lässets Gott also gehen,
daß allhie eitel Mühseligkeit ist, dazu nur ein Zwängen und Drängen, daß je
einer den andern plaget und dränget? Und ob mancher viel hat und nicht darf,
noch hat er keine Ruhe. Er trachtet nur nach Treiben und Unruhe und sein Herz
ist nimmer stille. 2-8,8 Siehe, du verschlossene Erkenntnis, der Welt Grund ist
also. Der Urstand des Lebens ist auch also. Es mag in dieser Welt nicht
anders sein, es sei denn, daß ein Mensch neugeboren werde, der ist im neuen
Menschen anders, und hänget ihm doch dieser Trieb im alten Menschen immer an.
Das ist der Streit des Geistes wider das Fleisch, da das Fleisch wider den
Geist lüstert und den Geist wider das Fleisch. Nun spricht die Vernunft: Wo
urständets denn also? 2-8,9 Antwort: Siehe, im Centro naturae ist solch ein Wesen.
Besinne dich nur. Der ewige Wille, so Gott heißet, der ist frei, denn er hat
in sich nichts als das Licht der Majestät und wohnet in dem ewigen Nichts.
Darum mag ihn auch nichts rühren. Aber sein Begehren, das das Centrum naturae
machet, dasselbe hat nur eine solche Eigenschaft, denn da ist die Herbigkeit
als die erste Gestalt der Natur. Die zeucht immer an sich und nimmt, da
nichts ist. Das sie nicht gemachet hat, das nimmt sie und raffet es zusammen,
und mags doch nicht essen, ist ihr auch nichts nütze. Sie machet ihr selber
also Angst, Marter und Unruhe damit, wie auch der Geiz im Menschen. Die
andere Gestalt ist sein Ziehen oder Stachel. Das ist sein Knecht, der da
zusammenraffet, was das Begehren will. Der ist der Arbeiter, bedeutet: den
untern Menschen. Der ist bös, zornig, wütend, sticht und tobet in der
Herbigkeit. Das mag die Herbigkeit vom Knecht nicht leiden, zeucht ihn nur
heftiger; also wird der Knecht nur böser und toller und stürmet dem Herrn das
Haus. Also will der Herr den Knecht binden und halten. Und der Knecht reißet
mit Bosheit überaus. Und so ihn dann sein Herr als die Herbigkeit nicht mag
bewältigen, geraten sie miteinander in eine große Angst, Feindschaft und
Widerwärtigkeit, fangen ein drehend Rad an zu machen, sich zu würgen, morden
und töten. Und das ist die dritte Gestalt der Natur, davon urständet Krieg,
Streit, Zerbrechung Land und Städte, Neid und ängstliche Bosheit, da je einer
den andern will tot haben, will alles fressen und in sich ziehen. Er wills
alleine haben, ist ihm doch allein nichts nütze, sondern schädlich. Er tut
wie der Grimm der Natur tut. Derselbe frißt sich auch also in sich selber,
verzehret und zerbricht sich, gebieret sich doch auch also. Davon kommt alles
Böse, der Teufel mit allem bösen Wesen kommt daher, also hats seinen Urstand. 2-8,10 Wie die Natur um Centro tut, verstehet: außer dem
Lichte, also tut auch der Teufel, welcher das Licht nicht hat, auch der böse
Mensch und Tier, auch Kraut, Gras und alles, was feindig ist, denn es ist das
Giftrad, davon das Leben urständet. Das drehet sich also in großer Angst im
Stechen, Wüten und Brechen, bis es ihm einen andern Willen schöpfe, aus der
Angst auszugehen, und ersenket sich in Tod und gibt sich frei dahin in die
Freiheit. So zerbricht das Stechen und Brechen im Tode und fället in die
Freiheit des ersten Willens, welcher die Angst des Todes anzündet mit der
stillen Freiheit, davon die Angst erschricket, den Tod zerbricht und aus der
Angst auffähret als ein Leben der Freude. 2-8,11 Also gehets auch zu mit dem Menschen. Wenn er in der
Angst der Feindschaft ist, daß der Stachel des Todes und Zornes in ihm wütet,
daß er also ängstlich, geizig, neidig, zornig und feindig ist, so soll er
nicht in dem bösen Wesen bleiben, sonst ist er in den Gestalten des Todes,
Zornes, Grimmes und höllischen Feuers. So nicht der Wasserquell in ihm wäre
mit Fleisch und Blut, so wäre er also schon ein angezündeter Teufel und
nichts anders, sondern er muß sich besinnen und in seiner bösen Angst einen
andern Willen schöpfen, von der geizigen Bosheit auszugehen in die Freiheit
Gottes, da immer Ruhe und Friede genug ist. Er muß nur in Tod in die Geduld
ersinken, in das Angstrad sich willig einergeben und einen Durst nach
Erquickung Gottes, welche die Freiheit ist, schöpfen. So ersinket er durch
den Angsttod und fällt in die Freiheit. So dann seine Angst die Freiheit
kostet, daß sie eine solche stille, sanfte Qual ist, so erschricket die
Angstqual. Und im Schrecken zerbricht der feindige herbe Tod. Denn es ist ein
Schrack großer Freuden und eine Anzündung des Lebens Gottes. Und also wird
der Perlenzweig geboren. Der stehet nun in zitternder Freude, aber in großer
Gefahr, denn der Tod und die Angstqual ist seine Wurzel und ist damit umgeben
als ein schöner grüner Zweig, der aus einem stinkenden Miste auswächset aus
der Stankqual, und bekommt eine andere Essenz, Geruch, Wesen und Qual als
seine Mutter hat, aus welcher er geboren ward, wie denn auch die Qual in der
Natur solche Eigenschaft hat, daß aus dem Bösen als aus der Angst das große
Leben erboren wird. 2-8,12 Und wie wir weiter erkennen, daß sich die Natur im
Schrack in zwei Reiche scheidet: (1) in das Freudenreich und (2) in ein
Ersinken des Todes in eine Finsternis. Also auch der Mensch, wenn der
Lilienzweig zum Freudenreich also erboren wird, so scheidet sich seine Natur
in zwei Willen. Der erste gehet auf in der Lilien und wächset in Gottes
Reich, der ander ersinket in den finstern Tod und sehnet sich nach der Erden,
nach seiner Mutter. Der streitet immer wider die Lilien, und die Lilie flieht
vor der Rauhigkeit, wie ein Zweig aus der Erden wächset und die Essenz vor
der Erden flieht und von der Sonnen aufgezogen wird, bis es ein Haim oder
Baum wird. Also zeucht Gottes Sonne des Menschen Lilie als den neuen Menschen
immer in seine Kraft von der bösen Essenz aus und zeucht endlich einen Baum
in Gottes Reich daraus. Alsdann läßt er den alten bösen Baum oder Schale,
darunter der neue wuchs, hinfallen in die Erde, in seine Mutter, darnach er
sich je sehnet und aus der Erden wieder in Centrum Naturae am Ende des Scheidetags*
da alles wieder muß in seinen Aether gehen. Also gehet auch die Lilie in
ihren Aether als in den freien Willen, in das Licht der Majestät ein. *) Gericht des Jüngsten Tages, an dem alles in seinen
Ursprung zurückkehrt 2-8,13 Also verstehets weiter: Wenn sich im Schrack der Na
tur also zwei Reiche scheiden, so ist der Schrack ihm selber ein Blitz Lind
Ursache des Feuers als des Lebens Anzündung. So scheidet sich Prima Materia
als die erste Materie, welche die Herbigkeit machete mit seinem Einziehen,
darin die Feindschaft entstund, in zwei Teile: als eines unter sich in Tod,
das ist das essentialische Leben mit der Wesenheit dieser Welt, als da sind
Erde und Steine. Und dann das ander Teil scheidet sich aus dem Schrack des
Feuers ins Licht der Freiheit, denn der Feuerschrack zündet die Freiheit an,
daß sie auch begehrend wird. Die zeucht nun in ihrem Begehren die
Freudenreich in sich als das sanfte Wohltun, und macht es auch zu Materia.
Das ist nun die himmlische göttliche Wesenheit. Die zeucht das Feuer wieder
in sich und schlingets in seinem Schracke, welcher des Feuers Qual ist. Allda
verzehret die Qual die sanfte Wesenheit und führet sich in die hohe
Preudenreich, daß aus Angst Liebe wird, daß aus Feuer ein Liebe-Brennen wird,
und giebet aus dem Brennen den freudenreichen Geist des ewigen Lebens, der
Gottes Geist heißet, welcher im ersten Willen, der Vater heißet, urständet.
Denn er ist das Begehren der Natur. Und ist im Feuer ein Feuerquall und in
der Angst des Todes ein Stachel des Todes, des Grimmes und der Feindschaft im
Wesen der Natur als im Centro. Und im Lichte ist er die göttliche
Freudenreich, der da in der göttlichen Wesenheit als in der Weisheit — das
sind die Farben der Tugend — die edle Tinktur eröffnet, welche der Glanz der
himmlischen Wesenheit ist. Und ursachet in der Wesenheit das Element der
engelischen Welt, daraus diese Welt eine Ausgeburt ist, aber im Zorne vom
Teufel entzündet, der eine Ursache ist, daß sich der Grimm der Natur hat
entzündet, davon in der Wesenheit sind Erde und Steine worden, wie vor Augen,
welches der mächtigste Quall hat im Verbo Fiat in ein Principium geschieden,
wie im Buch »Vom dreifachen Leben« ausgeführet worden. 2-8,14 Also verstehet den Feuerblitz für die vierte Gestalt
der Natur und die Liebegeburt der Freudenreich für die fünfte Gestalt und das
Einschlingen der Wesenheit aus der Sanftmut in Feuersqual da das Feuer auch
die Freudenreich erreichet, als den Schall oder Offenbarung der Farben,
Wunder und Tugenden, davon die fünf Sensus als Sehen, Hören, Riechen,
Schmecken und Fühlen entstehen, für die sechste Gestalt der Natur; und die
Wesenheit des Lichts, darin das göttliche Element begriffen, aus welchem das
Grünen oder Paradeis entstehet, für die siebente Gestalt als wieder für die
Mutter aller Gestalten, die allen Gestalten Wesen, Kraft und Sanftmut gibt,
daß ein ewig Leben und Wonne des Lebens ist. Denn die siebente Gestalt hält
in sich selber inne die engelische Welt, sowohl das Paradeis oder rechte
Himmelreich, darin das Wesen der Gottheit offenbar ist, und alles, was die
Lichtwelt beschließt, wie wir solches an anderen Orten ausgeführet haben. 9. Kapitel - Weitere und mehrere Umstände dieser dritten
Citation
2-9,1 Also, ihr Menschenkinder, seid allhier sehend und nicht
blind. Merkets doch, was euch geoffenbaret ist. Es geschieht nicht vergebens.
Es ist was dahinter, schlafet nicht, es ist Zeit. Sehet doch, was das Wesen
aller Wesen ist. Diese Welt ist aus dem Ewigen ausgeboren. Das Centrum der
Natur ist von Ewigkeit je gewesen. Es ist aber nicht offenbar gewesen. Mit
dieser Welt und mit des Teufels Grimm ists ins Wesen kommen. Verstehts doch
nur, was der Teufel ist. Er ist ein Geist seiner Legionen aus dem Centro der
Natur, als er in göttliche Wesenheit geschaffen ward, sollte aber im Feuer
probieret werden und seine Imagination in die Liebe setzen. So setzte er sie
ins Centrum der Grimmigkeit zurücke in die vierte Gestalt der Angst, und
wollte im Feuer über Gottes Sanftmut herrschen als ein Feind der
Freudenreich, und verachtete die Liebe, weil er sah, daß das Feuer Stärke und
Macht gab. Darum ward er aus dem Feuer Gottes in die Angst und Finsternis
gestoßen, ins Centrum der vier Gestalten. Er hat nicht mehr vom Feuer als den
erschrecklichen Blitz. Das ist sein recht Leben. Aber der Wille Gottes, der sich
sonst in Engeln und Menschen nach dem Leben sehnet, der dem Leben zu Hilfe
kommt mit der Freiheit als der Sanftmut, hat ihn verlassen. Also mag er das
Licht in Ewigkeit nicht erreichen. Er kann auch keine Imagination danach
schöpfen, denn Gottes Willengeist quälet ihn in der Angstkammer in den ersten
vier Gestalten der Natur. Die fünfte kann er nicht erreichen. Und ob er wohl
alle Gestalten der Natur hat, ist es doch alles feindlich und widerwärtig,
denn der Hl. Geist hat ihn verlassen, und ist nun der Zorn oder Grimmenquall
in ihm. Gott, der alles ist, hat seinen Grimm oder das Centrum des Urstandes
in ihm eröffnet, daß es auch kreatürlich ist, denn es hat sich auch gesehen
zu offenbaren. Und als sich Gott einmal zur Schöpfung der Engel beweget hat, so
ist alles offenbar worden, was von Ewigkeit in den Wundern der Weisheit im
Centro verborgen gestanden, beides in Liebe und Zorn. 2-9,2 Weil wir nun solches wissen, was wir sind und daß es uns
Gott lässet wissen, so mögen wir nur zusehen und was Gutes aus uns gebären,
denn wir haben das Centrum naturae in uns. Machen wir einen Engel aus uns, so
sind wir das. Machen wir einen Teufel aus uns, so sind wir das auch. Wir sind
allhier im Machen in der Schöpfung, wir stehen im Acker. Gottes Wille in der
Liebe stehet im Centro des Lebens gegen uns. Gott ist Mensch worden und will
uns haben. So will uns sein Zorn ins Reich des Grimmes auch haben. Der Teufel
will uns auch in seine Gesellschaft haben, und Gottes Engel auch in ihre. Wo
wir nun hinwerben, da hinein gehen wir. Setzen wir unsere Imagination ins
Licht Gottes und gehen mit Ernst hinein, so kommen wir hinein und werden noch
mit Ernst hineingezogen. Wollen wir dann unsern Willen in dieser Welt
Herrlichkeit setzen und das Ewige lassen fahren, so haben wir auch zu hoffen,
daß wir mit dieser Welt Grimm werden müssen ins erste Mysterium eingehen.
Werden wir alsdann nicht göttliche Imagination als Glauben in uns haben, so
wird uns die göttliche Liebe verlassen und uns nicht zu ihrer Tür einlassen.
Fürwahr zersprenget nicht Gott, wir kommen in Not. Bringest du nicht Gottes
Geist mit, du erlangest den nimmermehr. Darum ist es gut, allhie in diesem
Leben auswachsen. Christus ist unser Acker worden. Wir könnens ohne gar
ängstliche Not erreichen. Es ist nur um das zutun, daß wir den Willen
zerbrechen. Das tut wehe, denn Adam will nicht, so will der Zorn und der
Teufel auch nicht. 2-9,3 Siehe, Mensch, du bist dein Selbstfeind. Was du für Freund
hältst, das ist dein Feind. Und willst du selig werden und Gott schauen, so
mußt du deines besten Freundes ärgster Feind werden, als des äußern Lebens.
Nicht daß du es zerbrechest, sondern seinen Willen. Du mußt tun, was du nicht
willst. Du mußt dein Feind werden oder du kannst nicht Gott schauen. Denn den
du jetzt für deinen Freund hältst, der ist aus der Angstkammer ausgegangen
und hat noch das Angst in sich. Er hat des Zorns Qualls und des Teufels Sucht
in sich. Du mußt einen Willen in Gott schöpfen und mit demselben in Gott aus
der Bosheit eingehen, so wirst du ins Feuer Gottes eingeführet werden.
Verstehe: der Willengeist, der wird deine Seele anzünden. Alsdann greif nach
dem Leben und Geist Christi, so wirst du ihn empfahen. Der wird dich
neugebären mit einem neuen Willen, der dir bleiben wird. Derselbe ist die
Blume deiner Seelen, darinnen das neue Kind stehet im Bildnis Gottes.
Demselben gibt Gott Christi Fleisch und Blut zu genießen, und nicht dem
Adamsesel, wie Babel wunderlich rumpelt, als sollte der Gottlose Christi Leib
teilhaftig werden. O nein, der empfähet die vier Elementa, und darinnen den
Zorn Gottes, darum daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn, der im
Himmel gegenwärtig ist und von der Seele genossen wird, welche den Himmel
erreichet. Nicht als ein Zeichen, als die andere Phantasei rumpelt, nicht
Geist ohne Wesen, sondern das Wesen des Geistes mit, mit Gottes Weisheit
umschlossen, Christi Fleisch, das die Lichtwelt an allen Enden erfüllet, das
das Wort, das Mensch ward, mit in Maria brachte. Dieselbe Wesenheit, ob sie
gleich in Maria eröffnet ward in ihrem Fleisch und Blute und menschliche
Essenz in sich nahm, war gleichwohl dieselbe Zeit, weil Christus in Marien
Leibe lag, im Himmel, im Element, an allen Orten. Sie fuhr nicht über viel
Meilen irgend von einem Orte in Mariam, nein, sondern das eingeschlossene Centrum,
das Adam hatte im Zorn Gottes in Tod geschlossen, das schloß das Wort der
Gottheit auf und führete göttliche Wesenheit in das jungfräuliche in Tod
geschlossene Centrum ein. In dem Leibe Marias geschah das, im Ziel des
Bundes, nicht abwesend, auch nicht einfahrend, sondern aufschließend,
eingebärend und in diese Welt ausgebärend, Gott und Mensch, eine Person,
himmlische und in Tod eingeschlossene Wesenheit und Jungfrauschaft, eine
Wesenheit, ein Mensch im Himmel und in dieser Welt. Und solche müssen wir
auch sein, denn das Wort das Mensch ward, ist in der Seelen rege geworden und
stehet im Lebensschall in allen Seelen. Er zeucht alle Seelen, und der Zorn
zeucht auch alle Seelen. Nun gehe, wo du hin willst, du hast nun das Centrum
der Gottheit in dir im Schalle und rege, und auch das Centrum des Grimmes, in
welches du gehest und das erweckest, darinnen stehet dein Leben. Tue, was dir
liebet, du bist frei und Gott läßt dich es wissen. Er rufet dir, kommst du,
so wirst du sein Kind. Gehest du dann in Zorn, so wirst du auch aufgenommen. 10. Kapitel - Vom Ebenbilde Gottes des Menschen als von der
Gleichheit Gottes und des Menschen
2-10,1 Unsere Wesenheit oder neuen Leib können wir in
dieser Welt nicht schauen, solange wir in dem irdischen Leben sind. Der äußere
Mensch kennet den nicht, allein der Geist, so aus dem neuen Menschen erboren
wird und ausgehet, der kennet seinen Leib. 2-10,2 Weil wir aber gleichwohl dessen Erkenntnis haben und
wissen wollen, ob wir in der neuen Geburt sind, so ist keine bessere Probe
als am Gleichnis Gottes, das wir verstehen als das Begehren, Sinn und das
Gemüte. Diese drei Dinge halten inne des Geistes Centrum, aus welchem der
starke Wille aus-geboren wird, in welchem das rechte wahre Gleichnis und das
Bild Gottes mit Fleisch und Blut stehet, welches der äußere Mensch nicht
kennet. Denn dasselbe Bild ist nicht in dieser Welt, es hat ein ander
Principium als in der engelischen Welt, und stehet diese Zeit dieses Leben im
Mysterio in der Verborgenheit als das Gold im Steine, da das Gold eine andere
Tinktur hat, andere Essenz, andern Glanz und Schein, und es mag die Grobheit
des Steines nicht ergreifen. Das Gold begreift auch nicht die Grobheit. Und
die Grobheit als Angst Centrum ist doch eine Ursache des Goldes, denn sie ist
Mutter und die Sonne Vater. Also ist auch unser alter Adam und Leib eine
Ursache des neuen Leibes, denn er ist die Mutter. Aus der alten Wesenheit
urständet der neue Leib, und Gottes Geist in Christo ist Vater, wie die Sonne
des Goldes, also auch Gottes Herz des neuen Menschen. 2-10,3 Nun aber kennen wir den neuen Menschen nicht besser
als im Centro, nämlich im Begehren, Sinn und Gemüte. Wenn wir uns befinden,
daß unser Begehren gänzlich nach und zu Gott stehet, unsere Sinnen stets in
Gottes Willen laufen und das Gemüte sich gänzlich in Gehorsam Gottes Willen
einergibt, daß die Imagination von Gottes Kraft fänget, so mögen wir gewiß
wissen, daß der edle Lilienzweig in der Gleichheit ist Mensch worden. Da ist
es hoch not zu verwahren das edle Bild und dem alten Adam mit seinen Lüsten
nicht Raum zu lassen, sondern immer zu töten, daß der neue Mensch wachse,
groß und mit den Wundern der Weisheit gezieret werde. 2-10,4 Nun fraget aber die Vernunft: Wie ist denn Gottes
Gleichheit? — Siehe, Gott ist ein Geist, und das Gemüte mit den Sinnen und
Begierden ist auch Geist. Das Gemüt ist das Rad der Natur. Die Begierde ist
das Centrum als das erste Wesen zur Natur. Und die Sinnen sind die Essentien,
denn aus den Essentien gehen die Sinnen. Sie sind und haben ihren Urstand aus
dem Stachel der Begierlichkeit als aus der Herbigkeit, denn sie sind die
Bitterkeit und laufen immer ins Gemüte als ins Angstrad, und suchen Ruhe, ob
sie möchten die Freiheit Gottes erlangen. Sie sinds, die in dem Angstrade als
im Gemüte das Feuer aufschlagen und in der Entzündung im Schracke sich willig
in den Tod einergeben, und ersinken also durch Feuersqual in die Freiheit als
in Gottes Arm. Sie gehen in der Freiheit aus als ein Leben aus dem Tode. Sie
sind die Wurzel des neuen Geschmacks, welche in Gottes Weisheit und Wunder
eindringen. Sie bringen die Begierde aus der Angst des Todes. Sie erfüllen
ihre Mutter das Gemüte und geben ihre Kraft von Gottes Essenz. 2-10,5 Also ist das Gemüte das Rad oder die rechte Kammer
des Lebens als der Seelen eigen Haus, welches sie ein Teil selbst ist, so die
Wesenheit — verstehe: der Tinktur Wesenheit — dazu gerechnet ist als das
Feuerleben. Denn aus dem Feuerleben entstehet das Gemüte. Und das Feuerleben
wohnet im Gemüte, aber das Gemüte ist edler als das Feuer, denn es ist die
Beweglichkeit des Feuerlebens. Es machet den Verstand. Die Sinnen sind des
Gemütes Knechte und sind die subtilesten Boten. Sie gehen in Gott und wieder
aus Gott oder in Not als in Falschheit. Das bringen sie dem Gemüte heim. So
muß das edle Gemüte oft über der Bosheit her sein. Und die ersticken in ihrer
Angst, wenn die Sinnen haben falsche Imagination in die Begierde eingeladen. 2-10,6 Also verstehets endlich in dem Wege: Gott ist selber
alles in allem. Aber er gehet aus dem Grimme aus und findet die Licht- und
Kraftwelt in sich selber. Er machet sie selber, daß also der Grimm mit allen
Gestalten nur eine Ursache des Lebens und sich selber in großen Wundern zu
finden sei. Er ist der Grund und Ungrund, die Freiheit und auch die Natur in
Licht und Finsternis. Und der Mensch ists auch alles, so er sich nur also
selber suchet und findet als Gott. 2-10,7 Unser ganzes Schreiben und Lehren langet nur dahin,
wie wir uns müssen selber suchen, machen und endlich finden, wie wir müssen
gebären, daß wir ein Geist mit Gott sind, daß Gott in uns sei und wir in
Gott, daß Gottes Liebegeist in uns sei das Wollen und auch das Tun, und daß
wir der Angstqual entrinnen, daß wir uns in das wahre Gleichnis in drei
Welten einführen, da eine jede in ihrer Ordnung steht, und daß die Lichtwelt
in uns der Herr sei, als die das Regiment führe, daß also die Angstwelt in
der Lichtwelt verborgen bleibe als in Gott auch und nur also eine Ursache des
Lebens und der Wunder Gottes sei. Sonstwo wir die Lichtwelt nicht erreichen,
so ist die Angstwelt in uns das Oberregiment. So leben wir ewig in
feindlicher Qual. Dieser Streit währet, solange das irdische Leben währet.
Hernach gehet es ins ewige Aether im Licht oder Finsternis ein. Davon ist
kein Erretten mehr, und davor warnet uns Gottes Geist und lehret uns den
rechten Weg. Amen. Beschluß 2-10,8 Also, gottliebender Leser, wisse, daß ein Mensch das
wahre Gleichnis Gottes ist, welches Gott hoch liebet und sich in diesem
Gleichnis offenbaret als in seinem eigenen Wesen. Gott ist im Menschen das
Mittel, das Mittelste, aber er woh net nur in sich selber, es sei denn, daß
des Menschen Geist ein Geist mit ihm werde, so offenbaret er sich in der
Menschheit als im Gemüte, Sinnen und Begehren, daß ihn das Gemüte fühlet,
sonst ist er uns in dieser Welt viel zu subtil zu schauen. Allein die Sinnen
schauen Gott im Geiste, verstehe: im Willengeiste, denn der Wille schicket
die Sinnen in Gott, und Gott ergibt sich den Sinnen ein und wird ein Wesen
mit den Sinnen. Alsdann bringen die Sinnen die Kraft Gottes dem Willen, und
der Wille nimmt sie mit Freuden an, aber mit Zittern, denn er erkennet sich
unwürdig, dieweil er aus einer rauhen Herberge herkommt als aus dem
wankelhaftigen Gemüte. Darum nimmt er die Kraft im Niedersinken vor Gott an.
Also wird aus seinem Triumpf eine sanfte Demut. Das ist Gottes wahres Wesen,
und fasset dasselbe Wesen. Und dasselbe gefassete Wesen ist im Willen der
himmlische Leib und heißet der wahre und rechte Glaube, den der Wille in
Gottes Kraft genommen hat. Der senket sich ins Gemüt und wohnet im Feuer der
Seelen. 2-10,9 Also ist das Bild Gottes ganz, und siehet oder
findet sich Gott in einem solchen Gleichnis. Und wir sollen gar nicht von
Gott denken, daß er ein fremdes Wesen sei. Den Gottlosen ist er ein fremdes
Wesen, denn der Gottlose ergreift ihn nicht. Gott ist wohl in ihm, aber nach
seinem Liebe-Licht nicht offenbar in des Gottlosen Willen und Gemüte. Es ist
nur sein Grimm in ihm offenbar. Das Licht mag er nicht erreichen. Es ist in
ihm, aber es ist ihm nichts nütze. Seine Essenz fähet das nicht. Er scheut
sich davor, und ist nur seine Marter und Qual. Er feindet das nur an, wie der
Teufel die Sonne anfeindet und auch das Licht Gottes. Er wäre noch, besser
zufrieden, wenn er in der Finsternis ewig sein könnte und wüßte, daß Gott
ferne von ihm wäre. So empfände er keine Schande und Spott in sich. So er
aber weiß, daß ihm Gott also nahe ist und er kann ihn doch nicht ergreifen,
so ist das seine große Plage, daß er sich selber feindet und machet ihm einen
ewigen Widerwillen, Angst und Verzweiflung, daß er weiß, daß er Gottes Huld
und Antlitz nicht ergreifen mag. Seine eigene Falschheit plaget ihn. Er kann
aber keinen Trost schöpfen, daß er möchte zu Gnaden kommen. Denn er berühret
Gott nicht, sondern nur das Centrum in der Angst im Grimme. Er bleibet im
Tode und in der sterbenden Qual. Er mag nicht durchbrechen, denn es kommt ihm
nichts zuhilfe, daran er sich könnte halten, das er könnte in Gottes Reich
gründen. Wenn er gleich tausend Jahr in den Abgrund in die Tiefe führe, so
ist er doch in der Finsternis außer Gott, und Gott ist doch in ihm und hilft
ihm doch nichts. Er kennet ihn auch nicht, allein er weiß ihn und fühlet nur
seinen Grimm. 2-10,10 Das verstehet also: Wie ein Feuer in einem Steine ist und
der Stein kennet das nicht, er fühlet es nicht, alleine die grimmige Ursache
zum Feuer, das den herben Stein in einem Körper gefangen hält, fühlet er.
Also fühlet auch der Teufel nur die Ursache des Lichtes. Dieselbe Ursache ist
das grimme Centrum und hält ihn gefangen, und dem ist er gram, hat auch sonst
nichts, das besser wäre. Also ist er nichts als eine giftige grimmige
Bosheit, eine sterbliche Qual, ist doch kein Sterben, sondern ein
verschmachtetes Gift, ein Hunger und Durst, aber keine Labung. Alles was
böse, neidig, herbe und bitter ist, was von der Demut ausfleucht, wie er
getan hat, das ist seine Stärke und seine feindige Begierde, was Gott
anfeindet und vor Gott fleucht oder fluchet, das ist ihm dienstlich. Was die
Wahrheit in Lügen kehret, das ist sein Wille, darauf er reitet und darinnen
er gerne wohnet. Also ist auch der gottlose Mensch; wenn er Gott verlieret,
so ist er in der Angst und hat des Teufels Willen. Aber das wisset: 2-10,11 Gott hat in der menschlichen Seele des Todes Herbigkeit
zerbrochen und ist ins Ziel eingegangen, da der Tod zersprenget wird. Er hat
das Ziel im Centro der Seelen zersprenget und sein Licht gegen des Menschen
Lebenslicht gesetzet. Will er umkehren und in Gottes Licht eingehen, er wird
angenommen. Es ist keine Wahl* über ihn geschlossen. Aber wenn er das
Sonnenleben verlieret und hat auch nichts von Gottes Leben, so ist es aus mit
ihm, so ist und bleibet er ein Teufel. Aber Gott kennet die Seinen. Er weiß,
welche sich werden zu ihm wenden. Über dieselben gehet die Wahl, davon die
Schrift saget. Und über dieselben, die nicht wollen, gehet die Verstockung
oder Entziehung des Lichtes. Hat doch der Mensch beide Centra in sich. So er
denn also nur will ein Teufel sein, soll denn Gott die Perlen auf den Weg des
Teufels werfen, soll er seinen in den gottlosen Willen gießen? Ja, aus des
Menschen Willen muß Gottes Geist geboren werden. Er muß selber Gott werden im
Willengeiste oder er erlanget nicht göttliche Wesenheit als die Weisheit. *) Vorherbestimmung; vgl. J. Böhme: Von der Gnadenwahl 2-10,12 Darum besinnet euch, lieben Kinder, und gehet zur rechten
Tür ein: Es heißet nicht allein vergeben, sondern geboren werden. Alsdann ist
es vergeben, das ist: die Sünde ist alsdann eine Hülse. Der neue Mensch
wächset heraus und wirft die Hulse weg, das heißet Gottes Vergebung. Gott
vergibt das Böse vom neuen Menschen weg. Er gibts von ihm weg. Nicht wirds
aus dem Körper weggeführet, sondern die Sünde wird ins Centrum geben als zum
Feuerholze und muß also eine Ursache des Feuer-Principii sein, daraus das Licht
scheinet. Es muß dem heiligen Menschen zum besten dienen, wie Paulus saget:
Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum besten dienen, auch die Sünden
(Röm. 8,28). 2-10,13 Was sagen wir dann: Sollen wir sündigen, auf daß unser Heil
erboren werden? Das sei ferne! Wie sollte ich in das wieder wollen eingehen,
dem ich abgestorben bin? Sollte ich aus dem Lichte wieder in die Finsternis
gehen? 2-10,14 Aber also muß es sein, daß die Heiligen Gottes nichts
verlieren, so muß es ihnen alles dienen. Was den Sündern ein Stachel zum Tode
ist, das ist den Heiligen eine Macht zum Leben. 2-10,15 So spricht die äußere Vernunft: So muß ich ja sündigen, daß
mein Heil groß werde. — Wir wissen aber, wer aus dem Lichte ausgehet, der
gehet in die Finsternis. Der sehe eben zu, daß er nicht in der Finsternis
bleibe, denn er sündiget vorsetzlich wider den Hl. Geist. Irret euch nicht,
Gott lässet sich nicht spotten! Aus seiner Liebe sind wir nach unserm Fall
wieder gerecht worden durch seine Eingehung in unser Fleisch. Wer aber fürsetzlich
in die Sünde eingehet, der verachtet und schmähet die Menschwerdung Christi
und nimmt ein Schweres in sich. Er mag wohl zusehen, er wird schwerer wieder
können aus der fürsetzlichen Sünde ausgehen als einer, dem der Weg Gottes
noch nicht ist offenbaret worden. 2-10,16 Darum ist es gut, meiden und vor dem Übel fliehen, seine
Augen vom Falschen abwenden, daß die Sinnen nicht in das Falsche eingehen,
und bringen solches hernach dem Herzen, davon die Lust entstehet, daß die
Begierde imaginieret, und führet es ins Gemüte, davon das edle Bildnis
zerstöret und vor Gott ein Greuel wird. 2-10,17 Wollen wir den gottliebenden Leser und Hörer treulich aus
unserer Gabe und tiefen Erkenntnis gewarnet haben, und haben euch den Weg der
Wahrheit und des Lichtes ganz ernstlich und treulich dargestellet, und
vermahnen euch alle christlich, dem nachzusinnen und fleißig zu lesen. Es hat
seine Frucht in sich. Halleluja, Amen! *
* * der
Menschwerdung Jesu Christi Der Baum des christlichen Glaubens, ein rechter Unterricht, wie der
Mensch könne ein Geist mit Gott sein und was er tun müsse, daß er Gottes Werk
wirke. Eine offene Porte der großen Heimlichkeit Gottes aus der göttlichen
Magia durch die drei Principia göttlichen Wesens. 1. Kapitel - Was Glaube sei und wie er ein Geist mit Gott
sei
3-1,1 Christus spricht: Suchet am ersten das Reich Gottes und
seine Gerechtigkeit, so wird euch das andere alles zufallen (Matth. 6,33);
item: Mein Vater will den Hl. Geist geben, die ihn darum bitten (Luk. 11,13);
und wenn derselbe kommt, der wird euch in alle Wahrheit leiten, der wird euch
erinnern alles dessen, so ich euch gesaget habe, denn von dem Meinen wird ers
nehmen und euch verkündigen (Joh. 16, 13-15); item: Ich will euch Mund und
Weisheit geben, was ihr reden sollt (Luk. 21,15); Und St. Paulus spricht: Wir
wissen nicht, was wir bitten und reden sollen, sondern der Geist Gottes
vertritt uns mächtig, nachdem wie es Gott es gefällig (Röm. 8,26). 3-1,2 So ist nun der Glaube und nicht eine historische Wissenschaft,
daß ihm ein Mensch Artikel mache und daran allein hange und zwänge sein Gemüt
in die Werke seiner Vernunft, sondern er ist ein Geist mit Gott, denn der Hl.
Geist fähret in dem Glaubensgeiste. 3-1,3 Der wahre Glaube ist eine Macht Gottes, ein Geist mit Gott.
Er wirket in Gott und mit Gott. Er ist frei und an keine Artikel gebunden als
nur an die rechte Liebe, darinnen holet er seines Lebens Kraft und Stärke,
und lieget nichts am menschlichen Wähnen. 3-1,4 Denn gleichwie Gott frei ist von aller Abhängigkeit, daß er
tut was er will und braucht darum keine Rechenschaft geben, also ist auch der
rechte, wahre Glaube im Geiste Gottes frei. Er hat nicht mehr als eine
Neiglichkeit als in die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, also daß er seinen
Willen in Gottes Willen wirft und gehet aus der siderischen und elementischen
Vernunft aus. Er suchet sich nicht in der Vernunft des Fleisches, sondern in
Gottes Liebe. Und so er sich also findet, so findet er sich in Gott und
wirket mit Gott, nicht nach der Vernunft, was die will, sondern in Gott, was
Gottes Geist will. Denn er schätzet das irdische Leben nichts, auf daß er in
Gott lebe und Gottes Geist in ihm sei das Wollen und das Tun. Er ergiebet
sich in der Demut in den Willen Gottes und ersinket durch die Vernunft in den
Tod, grünet aber mit Gottes Geist im Leben Gottes. Er ist als wäre er nichts
und ist doch in Gott alles. Er ist eine Zierde und Krone der Gottheit, ein
Wunder in der göttlichen Magia. Er machet, da nichts ist, und nimmt, da
nichts gemachet ist. Er wirket und niemand siehet sein Wesen. Er erhöhet sich
und bedarf doch keines Aufsteigens. Er ist großmächtig und ist doch die
allerniedrigste Demut. Er hat alles, und fasset doch nichts mehr als die
Sanftmut. Also ist er von aller Bosheit frei und hat kein Gesetze, denn der
Grimm der Natur reget ihn nicht. Er bestehet in Ewigkeit, denn er ist in
keinen Grund gefasset. Er ist in nichts eingesperret, gleichwie der Ungrund
der Ewigkeit frei ist und in nichts ruhet als nur in sich selber, da eine
ewige Sanftmut ist. 3-1,5 Also auch der wahre rechte Glaube in dem Ungrunde. Er ist
in sich selber das Wesen. Er lebet, suchet aber nicht sein Leben, sondern er
suchet das Leben der ewigen stillen Ruhe. Er gehet aus seines Lebens Geist
und besitzet sich selber, also ist er frei von der Qual, gleichwie Gott von
der Qual frei ist, und wohnet also in der ewigen Freiheit in Gott. Er ist mit
der ewigen Freiheit Gottes als ein Nichts, und ist doch in allem. Es kommet
ihm alles zustatten, was Gott und die Ewigkeit vermag und ist. Er wird von
nichts ergriffen, und ist doch eine schöne Inwohnung in der großen Macht
Gottes. Er ist ein Wesen, und wird doch von keinem Wesen ergriffen. Er ist
eine Gespielin und Freundin der göttlichen Jungfrauen, der Weisheit Gottes.
In ihm stehen die großen Wunder Gottes, und ist doch frei von allem,
gleichwie das Licht vom Feuer frei ist, und da es doch vom Feuer immer
geboren wird, und des Feuers Qual kann es doch nicht ergreifen oder regen. 3-1,6 Also im gleichen geben wir euch zu verstehen, wird der Glaube
aus dem Lebensgeiste als aus einem immerbrennenden Feuer erboren und scheinet
in demselben Feuer. Er erfüllet des Lebens Feuer und wird doch immer
ergriffen. So er aber ergriffen wird, so ist er selber in die Vernunft als in
ein Gefängnis eingegangen und ist nicht mehr in Gott, in seiner Freiheit,
sondern er ist in die Qual eingegangen. Er plaget sich selber, da er doch mag
wohl frei sein. In der Vernunft wirket er die Wunder im Feuer der Natur. Und
in der Freiheit wirket er die Wunder Gottes in der Liebe. 2. Kapitel - Von dem Ursprung des Glaubens und warum Glaube
und Zweifel beisammen wohnen
3-2,1 So denn nun der Glaube also ein Geist mit Gott ist, so ist
uns sein Urstand zu betrachten. Denn wir können nicht sagen, da er eine Figur
oder Bild der Vernunft sei, sondern er ist Gottes Bild, Gottes Gleichnis,
eine ewige Figur, und mag sich doch in der Zeit des Leibes zerbrechen oder in
die Angstqual verwandeln. Denn er ist in seinem eigenen Wesen im Urstande
bloß ein Wille. Und derselbe Wille ist ein Same. Diesen muß der Feuergeist
als die Seele in die Freiheit Gottes säen. So wächset ein Baum aus demselben
Samen, davon die Seele isset und ihr Feuerleben sänftiget, daß sie kräftig
wird, und der Wurzel des Baumes ihre Kraft giebet, davon der Baum im Geiste
Gottes wächset bis in die Wunder der Majestät Gottes und grünet im Paradeis
Gottes. 3-2,2 Und wiewohl es ist, daß wir mit dieser Beschreibung möchten
stumm sein und unverstanden, denn die Vernunft will alles greifen und sehen,
so wollen wir das ganz klar an das Licht stellen, warum Glauben und Zweifel
beieinander sind und gleichsam mit einer Ketten verbunden, daß also ein
heftiger Streit im Menschen ist allezeit, solange er in dieser Hütte des
irdischen Lebens Gast ist. Es sei denn, daß ers also trefflich sehr in sich
ersinke, daß er des Lebens Feuer könne in der Freiheit Gottes einführen, so
ist er in dem Vernunftleben als tot. Und ob er gleich lebet, so lebet er
Gotte, welches wohl ein hochteuer Leben von einem Menschen ist, und wird
selten bei einem gefunden. Denn es gleichet dem ersten Bildnis, das Gott
schuf, wiewohl ihm doch das Sterbliche anhanget, so ist es doch als tot, als
ob ihm ein totes Bildnis anhänge, welches in die Zerbrechung gehöret, da der
rechte Mensch nicht inne lebet. Denn das rechte Leben stehet umgewandt, und
ist in einer andern Welt in einem andern Principio und lebet in anderer Qual. 3-2,3 So verstehet uns nun in dem Wege: Ihr sehet und erkennt des
menschlichen Lebens Urstand, wie das im Mutterleibe entstehet, und sehet
alsdann, worinnen es qualifizieret und sich beweget, als nämlich in vier
Gestalten: in Feuer, Luft, Wasser und Fleisch. Und obs nun gleich also
darinnen stehet, so ist es doch in diesem nicht mehr als ein tierisches
Leben, denn seine Vernunft kommet ihm von dem Gestirne und befindet sich, daß
die Sonne und das Gestirne eine Tinktur in den vier Elementen machet, davon
die Vernunft und Qualifizierung kommt wie auch die Lust und Unlust. Es ist
aber noch lange nicht das rechte menschliche Leben, denn diese suchet nichts
höhers als nur sich selber in ihren Wundern. Es ist aber dennoch im Menschen
eine Begierde und ein großes Sehnen nach einem höhern, bessern und ewigen
Leben, da keine solche Qual innen ist. Und ob die Vernunft dieselbe Begierde
nicht fasset noch siehet, so lieget doch ein Mysterium in der Vernunft, das
das schmecket und erkennet, davon die Sucht entstehet. Daran wir erkennen,
daß dasselbe Mysterium sei in der ersten Schöpfung mit eingepflanzet worden
und sei des Menschen Eigentum. Und wir befinden also, daß es in einem
Begehren oder Sehnen stehe, als nämlich in einer magischen Sucht. Ferner
befinden wir, daß wir mit demselben Mysterio in einer fremden Herberge zu
Hause sind und daß dasselbe Mysterium nicht im Geiste dieser Welt stehet,
denn er begreift das nicht, auch findet er das nicht. Daran wir denn erkennen
den schweren Fall Adams, denn wir befinden dasselbe Mysterium im Willen des
Gemütes und daß es ein verborgener Quel sei, der in einem andern Principio
sich eröffne. Auch verstehen wir, daß dasselbe Mysterium im Feuer in der
Angstqual verborgen stehe und sich durch die Angst des Willens eröffne. Und
dann zum dritten befinden wir, wie dasselbe Mysterium vom Geiste dieser Welt
gefangen gehalten werde und wie die äußere Lebensvernunft eine Macht habe, da
hineinzugehen, das zu verderben, daß dasselbe Mysterium nicht zum Lichte
komme, indem sie das verdecket, daß die Gebärerin nicht mag gebären, und
bleibet also im Mysterio verborgen. Und so alsdann der Leib zerbricht, so hat
der Wille keinen mehr, der das Mysterium eröffne. Damit bleibet also der
Feuer- oder Seelengeist in der Finsternis, und stehet das Mysterium ewig in
ihm verborgen gleich wie in einem andern Principio. 3-2,4 Also erkennen wir das Mysterium für Gottes Reich, welches
in der Seelen verborgen stehet, welches der Seelen eine Lust und Begierde
gibt, daß sie in dasselbe Mysterium imaginieret, da sie dann magisch in
demselben Mysterium geschwängert wird, daraus ihr der Wille entstehet, aus
dem Feuerleben auszugehen in das Mysterium Gottes. Und so es nun ist, daß sie
den Willen erhebet und von sich in das Mysterium wirft, so wird der Wille im
Mysterium geschwängert, denn er ist sehnend und krieget des Mysterii Leib als
das Wesen des Mysterii, welches ist Gottes Wesen, das der Natur unbegreiflich
ist. Also zeucht der Wille Gottes Gleichnis oder Bild an sich. 3-2,5 So denn nun der Wille aus dem Seelenfeuer erboren wird, so
stehet er ja auch mit seiner Wurzel in der Seelen, und ist zwischen dem
Willen und der Seelen keine Trennung, sondern der Wille wird also in Gott ein
Geist und wird der Seelen Kleid, daß also die Seele im Willen in Gott
verborgen wird, daß — ob sie gleich im Leibe wohnet — noch dennoch ist sie
mit ihrem Willen umfangen und in Gott verborgen. Und ist also im Willen,
welcher der rechte ernste Glaube ist, ein Kind Gottes, und wohnet in einer
andern Welt. 3-2,6 Dieses ist nun nicht also zu verstehen gleich einem
historischen Willen, da die Vernunft weiß, daß eine Begierde nach Gott in ihr
ist und hält aber dieselbe Begierde in der Bosheit gefangen, daß der Wille
nicht kann aus der Seelen ausgehen und in das Leben oder Mysterium Gottes
eingehen, sondern machet Meinungen und setzet den Willen in den Wahn, da er
dann das Mysterium Gottes nicht erreichen mag, und bleibet also in dem Wahn
oder ja gar in der Seelen verborgen, indem er gerichtet wird auf ein
Künftiges, da die Vernunft den Willen in des Fleisches Sucht in der
siderischen Magia* gefangen hält und immer saget: Morgen sollst du ausgehen
und das Mysterium Gottes suchen. — Wahrlich, es ist kein eigen Vermögen des
Findens. Diese Meinung betrüget sich. So ist auch in keinem Wahn die
Freiheit, da der Wille mag eingehen und Gott schauen, daß ihr die Vernunft
darf einbilden, etwas zu machen oder zu tun und also damit Gott gefällig zu
sein. *) hier etwa: Einflußbereich des Irdisch-Menschlichen 3-2,7 Denn es ist kein anderer Weg, der da richtiger sei, als nur
mit dem Willen aus der Vernunft auszugehen und nicht sich wollen suchen,
sondern nur in Gottes Liebe und in Gottes Willen sich ganz einwerfen und
alles, was die Vernunft in den Weg wirft, liegen lassen. Und ob es große
Sünden und begangene Laster wären, in welche der Leib wäre eingegangen, so
soll man nur darüber hingehen mit dem Willen und Gottes Liebe größer schätzen
als den Unflat der Sünden. Denn Gott ist nicht ein Annehmer der Sünden,
sondern ein Annehmer des Gehorsams und freien Willens. Er lässet die Sünden
nicht in sich, aber einen demütigen Willen, der aus dem Sündenhause ausgehet
und der Sünden nicht mehr will, sondern er senket sich außer der Vernunft in
seine Liebe als ein gehorsames demütiges Kind. Dasselbe nimmt er an, denn es
ist rein. Wenn es aber noch im Wahn stecket, so ist es auch mit dem Wahn
umfangen und ist nicht frei. So denn nun Gott von der Bosheit in sich frei
ist, so muß auch der Wille frei sein, denn also ist er auch Gottes Gleichnis,
Bild und Eigentum, denn was zu ihm in seine Freiheit kommet, will er nicht
hinaus stoßen, wie uns Christus lehret (Joh. 6,37). 3. Kapitel - Von des Glaubens Eigenschaft, wie er aus dem
Willen der Natur in den freien Willen Gottes ausgehe
3-3,1 So verstehet nun ferner in diesem Wege: Wir wissen und
haben es auch in heiliger Schrift sowohl im Lichte der Natur und an allem
Wesen genug erkenntlich, daß von dem ewigen Wesen alles herkommt, Gutes und
Böses, Liebe und Zorn, Leben und Tod, Freude und Leid. So können wir nun
nicht sagen, daß darum das Böse und der Tod von Gott komme, denn in Gott ist
kein Böses, auch kein Tod, und gehet in Ewigkeit kein Böses hinein. Alleine
der Grimm rühret her aus dem Feuer der Natur, da das Leben als in einer Magia
stehet, da je eine Gestalt in der Sucht die ander begehret und erwecket,
davon die Essentien der Vielheit entstehen, daraus die Wunder erboren werden,
in welchen sich die Ewigkeit in Gleichnissen offenbaret. Und da wir doch
sagen müssen, daß in Gottes Willen ein Begehren sei, der da ursachet die
Magiam, daraus die Vielheit entstehe. Und ist die Vielheit doch nicht Gottes
Wille selber, welcher frei ist von allem Wesen, sondern in der Sucht des
Willens erbieret sich die Natur mit allen Gestalten, da denn alles aus dem
Begehren als aus der ewigen Magia urständet. 3-3,2 Und ist uns ferner zu erkennen, daß alles dasjenige, das da
Leben bekommt — welches in die Sucht imaginieret und seinen Willen in die
Natur setzet — der Natur Kind ist und eines Lebens mit der Natur. Was aber
mit seinem Willen aus der Sucht der Natur ausgehet in den freien Willen
Gottes, das wird vom freien Willen angenommen und erkannt und ist ein Geist
in Gott. Und ob es gleich in der Natur ist, gleichwie auch die Natur in
Gottes Willen sich hat von Ewigkeit immer erboren, so ist doch sein
Geistleben außer der Natur im freien Willen. Und also stehen die Wunder der
Natur in Gott offenbar und sind doch nicht Gott selber. Und so der Seelen
Willengeist aus der Vernunft der Natur ausgehet in den freien Willen Gottes,
so ist der Willengeist Gottes Kind und der Naturgeist Gottes Wunder, und
stehet die Kreatur in sich selber eingewandt wie Gott selber. Denn der
siderische oder Vernunftgeist suchet in seiner Magia in seinem Centro der
Vernunft die Wunder der Ewigkeit, zu welchem Ende Gott die Seele in den Leib
der äußern Natur hat geschaffen, ob sie wohl im Innern alleine ergriffen ist.
Und der Willengeist gehet in die Freiheit Gottes, da ihn dann der Hl. Geist
im freien göttlichen Mysterio führet, daß also die Gottheit im Willengeiste
offenbar stehet und im Vernunftgeiste stehet die Magia der Natur offenbar. 3-3,3 So denn nun die Seele das Centrum ist, da der rechte
Willengeist gegen die Freiheit Gottes ausgehet in die Freiheit Gottes als in
das göttliche Mysterium, so hat sie auch den siderischen Geist am Bande. Und
so sie denselben zähmet, daß er nicht Bosheit wirket, so mag sie die
siderischen Wunder, welche im elementischen Spiegel zu einer Substanz
gemachet worden, vor die Majestät Gottes in freien Willen Gottes einführen,
daß also die Wunder in der göttlichen Majestät Freiheit erscheinen als ein
Gleichnis des Willens Gottes. Nicht also zu verstehen, daß sich die Freiheit
Gottes mit der Natur Wundern und mit dem Gleichnis mische, daß es eines sei.
Nein: Gott bleibet ewig frei. Er wohnet in den Wundern wie die Seele im
Leibe. So wenig der Leib die Seele ergreift oder das Feuer das Licht, also
wenig auch die Natur die Gottheit, und ist doch ein Wesen und hat sich von
Ewigkeit in zwei Wesen geschieden gleichwie das Feuer und Licht, da wir im
Feuer die Qual der Natur verstehen und im Lichte das Mysterium des
Geistlebens ohne Qual, wiewohl das Feuer auch ein Mysterium ist. 3-3,4 Also, verstehet uns, hat es auch eine Gestalt mit dem
Menschen. Die Seele ist das Feuer des rechten menschlichen Lebens, das Gott
aus der ewigen Natur in Adam mit seinem Geist aufblies als aus dem Centro
Gottes. Und der Geist, der aus dem Seelenfeuer erboren war, welchen Gottes
Geist zu seinem Bild formierete, der hat das göttliche Mysterium, daraus der
Wille gegen der Liebe Gottes erboren wird, daraus die göttliche Magia oder
Sucht entstehet, daß der Willengeist Gottes begehret. Und so er sich nun
erhebet, das ist: aus dem verborgenen Mysterio ausgehet in die Freiheit
Gottes, so ist er ein Zweig oder Gewächse in Gottes Reich, gewachsen aus
Gottes Mysterio, und wirket in Gottes Willen und eröffnet immer die Wunder in
Gottes Weisheit. Nicht dergestalt, daß in Gott etwas Neues geboren würde, das
nicht von Ewigkeit wäre in Gottes Weisheit gewesen, welche keinen Grund noch
Zahl hat, sondern alleine im Seelengeiste in sich selber wird das ewige
unendliche Mysterium offenbar zu Gottes Ehre und Wundertat und zu seiner
selbst, verstehe: zur Kreatur ewiger Freude. 3-3,5 Dieweil denn nun die irdische verderbte Sucht sich mit der
Sternenqual menget und aber die Seele in dem schweren Fall Adams hat mit
ihrem Willen in die Sternen sowohl in die irdische Sucht imaginieret und die
fremde Magiam in sich eingeführet, so ist der Wille gebrochen und das
göttliche Bildnis zerstöret worden; und ward das himmlische göttliche Bildnis
des Menschen irdisch, daß also der rechte Wille gleichwie umgewandelt stehet
als im Geiste dieser Welt, nämlich in der Vernunft, welche aus dem Gestirne
erboren wird. Jetzt tut nun das rechte Bildnis Gottes, welches also zerstöret
und irdisch worden ist, not, daß es anders und neu geboren werde. Und wäre
kein Rat gefunden worden, diesem Bildnis zu helfen, wenn nicht das Wort aus
dem Centro Gottes, nämlich Gottes eigen Leben, wäre ein Mensch worden, und
hätte die arme Seele, deren Bildnis jetzt verderbet war, wieder in sich
neugeboren. Da ward dem rechten Bildnis wieder geholfen, sonst wäre es ewig
der Freiheit und Majestät Gottes beraubet gewesen. 3-3,6 Weil denn alle Seelen sind aus einer herkommen, so sind sie
alle aus der verderbten Wurzel erboren. Weil aber das neue wiedergeborene
Leben in Christo ist in einer Seelen wiederkommen, so tut uns not, daß wir
alle unsern Willen in die Wiedergeburt Christi einwerfen, denn in Christo
sind wir mit unserer Seelen wieder in Gott geboren worden, und haben in
Christo wieder das Bildnis erlanget. Denn unser Mysterium in der Seelen stand
nach dem Fall nur bloß in der Magia der Natur, welche in ihrem Centro ein
Feuer ist, und war das Bildnis aus der Freiheit Gottes in die äußere Magiam
gewandt als in das äußere Principium. Wenn nun dasselbe im Wesen zerbricht,
so stehet die arme verderbte Bildnis der Seelen bloß als ein verloren Kind, und
das in seinem eigenen Centro nichts mag erwecken als nur den grimmen
Feuerquall. Denn es ist aus dem Worte Gottes als aus Gottes Mysterio
ausgegangen in einen zerbrechlichen Spiegel, nämlich in den Geist dieser
Welt, welcher anfänglich und endlich ist. Darum dann auch der Seelen Leib
ganz irdisch worden, und ist der Zerbrechlichkeit und dem Tode heimgefallen. 3-3,7 Also tut uns nun not, dieweil Gott hat seine Liebe aus
Cnaden zu uns gewandt und hat unsere Seele in Christo wieder in sich in die
Freiheit eingewandt und das göttliche Mysterium im Bildnis rege gemacht, daß
also das Bildnis kann wieder in Gott wohnen, nämlich in den Wundern des
Paradeises, daß wir unsern Willen vom äußern Centro als vom vergänglichen
Leben abbrechen und in den freien Willen Gottes einführen. Und dazu gehöret
nun nicht nur eine Historia oder Wissenschaft*, daß einer saget: ich glaube,
das ist: ich weiß es oder begehre es; und bleibet doch nur mit dem Willen im
äußern Principio als in der äußern Sucht stehen. *) bloßes Wissen bzw. bloßes verbales Bekennen Nein, es
heißt: Ihr müsset von neuem geboren werden durch das Wasser und den Hl.
Geist, sonst werdet ihr das Reich Gottes nicht sehen (Joh. 3,5). Es muß ein
Ernst sein. Der Wille der Vernunft muß zerbrochen werden. Es muß eine lebendige
Bewegung des Willens sein, der durch die Vernunft bricht und der wider die
Vernunft streitet. Und obs der Seelen nicht wohl möglich ist, zumal sie sehr
verderbet worden, so ist ihr nun kein anderer und besserer Rat, als daß sie
sich mit aller Vernunft und Sinnen gleich tot mache und sich nur bloß in
Gottes Barmherzigkeit eineigne und sich dareingebe, daß die Vernunft kein
Raum mehr gelassen werde, sondern sie muß gezwungen werden. Und so der Wille
die Vernunft also nie derschläget, so ist sie gleich als tot, da sie doch
noch lebet. Sie wird aber des rechten Willens Knecht, da sie außer dem will
Herr sein. Denn Gottes Wille muß ein Herr über die Vernunft werden, soll die
Vernunft etwas Tüchtiges machen, daß es vor Gott bestehe. Denn nichts
bestehet vor Gott, es werde denn in Gottes Willen erboren. So sich aber der
Wille in Gott einwendet, so wird der Willengeist ein Kind Gottes. Und also
bestehen auch die Wunder vor Gott, welche mit dem Vernunftgeist gemachet
werden. Denn sie werden in Gottes Willen gemachet und werden aus dem
Anfänglichen in das Ewige versetzet. 3-3,8 Und ob wir wohl nicht sagen können, daß unsere Werke oder
Gemächte ewig bleiben, so bleibet doch aber derselbe ihr Schatten oder Bild,
wiewohl sie wahrhaftig im Wesen bleiben. Aber im Mysterio als in der
göttlichen Magia vor der Weisheit Gottes, da nur das äußere Principium daran
zerbricht, wie denn an dem Menschenbilde nicht mehr zerbricht als das äußere
Regiment in den vier Elementen, und werden die vier wieder in eins gesetzt.
Da dann auch alle Farben und Gestalten der vier Elementen erkannt werden mit
alledem, was darinnen erboren wird, darum dann ein endlicher Scheidetag von
Gott in die Natur bestimmet worden, da alles durchs Feuer soll bewähret
werden, welches in Gottes Willen erboren worden oder nicht, da ein jedes
Principium seine Wunder soll einernten; und wird allda manchem Menschen viel
im Feuer von seinen Werken bleiben, darum daß sie nicht in Gottes Willen sind
erboren worden, denn in Gott gehet nichts Unreines (Apok. 21,27; 22,15). Was
aber aus einer anderen Magia ist erboren worden, das ist nicht rein. 3-3,9 Ein Exempel haben wir an der Erden, welche verderbet ist.
Sprichst du: warum? — Antwort: Der Teufel mit seinen Legionen saß in seiner
Schöpfung, da er zwar ein Engel geschaffen war, im Sulphur (Grundstoff) oder
im Centro naturae, daraus die Erde hernach erschaffen worden. Derselbe hat
den Grimm in der Natur erwecket, also daß die Erde eine böse unreine Sucht
hat, wiewohl sie ist im Tode beschlossen und zur Putrefaction* behalten
worden, da sie soll im ewigen Feuer bewähret werden und wieder in das kommen,
als sie vor der Schöpfung war, nämlich in die ewige Magiam der ewigen Natur. *) Fäulnis, Verwesung (alchymistischer Begriff] 4. Kapitel - Was des Glaubens Werk sei und wie der Wille
darinnen wandle, und von seinem Führer
3-4,1 So denn alles ist in Gottes Willen beschlossen, was aus der
Natur erboren wird und wir also verstehen, daß nichts in Gottes Willen kann
eingehen, es werde denn in Gottes Willen erboren oder gemachet, so verstehen
wir klar, daß uns not ist, daß wir uns mit aller Vernunft und Sinnen in
Gottes Willen eingeben und also mit den Händen in der Welt arbeiten und dem
Bauche Speise suchen, und aber unsern Willen garnicht darein setzen und daß
wir wollen ein irdisch Ding für unsern Schatz halten, denn wo unser Wille und
Herz ist, da ist auch unser Schatz. Ist unser Wille in Gottes Willen, so
haben wir das große Mysterium Gottes, daraus diese Welt ist als ein Gleichnis
desselben erboren worden, und haben also beides, das Ewige und Zerbrechliche
und noch mehrers. Wir führen die Wunder unserer Werke in das ewige Mysterium,
denn sie hangen an dem Willengeiste. So wir aber unsern Willen vom Ewigen
abwenden in das irdische Mysterium und achten Geld für unsern Schatz und Schönheit
des Leibes für unsern Glanz, auch Ehre oder Gewalt für unser bestes Kleinod,
so ist unser Wille in demselben gefangen, und hangen also nur am Spiegel und
erlangen nicht die Freiheit Gottes. Denn der Spiegel als das äußere Reich
soll durchs Feuer bewähret und der Grimm vom Reinen geschieden werden, da
dann der Grimm wird ein ewig Brennen sein. 3-4,2 So nun die Vernunft das seelische Gemüte mit dem
Willengeist der Seelen, in welcher das Bildnis Gottes und der rechte Mensch
stehet, in den äußern Spiegel als in eine gleißnerische Sucht einführet, so
wird ja das Bildnis und der rechte Mensch damit gefangen und mit der äußern
Magia als mit derselben Sucht infizieret, da dann das Bildnis die äußere
Wesenheit anzeucht, nicht nur als ein Kleid, sondern es ist eine Infizierung
und ganze Vermischung. Ob sich wohl das Seelenfeuer nicht mit dem äußern
Reiche mischet, so mischet sich doch der Seelen Willengeist, welcher magisch
ist, und wird das Bildnis Gottes zerstöret und in eine irdisches verwandelt,
da dann das Seelen-Feuer-Leben roh bleibet und hat im Willengeiste ein
irdisches Bildnis. 3-4,3 So nun der Leib zerbricht und stirbet, so behält die Seele
ihr Bildnis als ihren Willengeist. Jetzt ist er von des Leibes Bildnis weg,
denn im Sterben ist eine Trennung. Alsdann erscheinet das Bildnis mit und in
denen Dingen, was sie allhie hat in sich genommen, damit ist sie infizieret
worden, denn denselben Quall hat sie in sich. Was sie allhier hat geliebet
und ihr Schatz gewesen ist und darein der Willengeist ist eingegangen, nach
demselben figurieret sich auch das seelische Bildnis. Hat einer bei
Lebenszeit sein Herz und Gemüt in Hoffart gewendet, so quillet derselbe Quall
im Seelenfeuer in dem Bildnis immer auf und fähret über die Liebe und
Sanftmut als über Gottes Freiheit aus, und kann die Freiheit nicht ergreifen
noch besitzen, sondern quillet also in sich in solcher Angstqual und
figurieret den Willengeist immer nach den irdischen Dingen, darein sein Wille
ist eingegangen, glänzet also damit im Seelenfeuer und steiget immer in
Hoffart auf und will im Feuer über Gottes Sanftmut ausfahren, denn keinen
andern Willen kann er schöpfen. Denn er kann nicht in die Freiheit Gottes
eingehen in das heilige Mysterium, darinnen er möchte einen andern Willen
schöpfen. Er lebet bloß nur in sich selber. Er hat nichts und mag auch nichts
erreichen als nur dasjenige, was er bei seinem äußern Leben hat in sich
gefasset. Und also gehts auch einem Geizigen. Der hat in seinem Willen und
Bildnis die magische Geizsucht. Der will immer viel haben, und figurieret ihm
dasjenige in seinen Willengeist, damit er ist im Leben des Leibes umgangen.
Weil ihm aber dasselbe hat verlassen und sein Wesen nicht mehr irdisch ist,
so führet er doch den irdischen Willen, plaget und quälet sich also damit, denn
er mag nichts anders erreichen. 3-4,4 Noch viel übler gehet es mit der Falschheit, darüber der
Elende hat geschrieen und ihn verfluchet um seiner Unterdrückung willen. Denn
alles dasjenige, was in Bosheit gewirket worden, das er hat verursachet, das
folget ihm nach, denn es ist in dem Mysterio des Zorns gewirket worden. Also
fällt die verderbte Seele nach des Leibes Absterben in dasselbe. Da muß sie
in denselben Greueln baden. Und ob es möglich wäre, sich mit dem Willen in
die Liebe Gottes einzueignen, so halten es doch dieselben Greuel und
Bosheiten zurücke, denn sie machen eine ewige Verzweiflung, da sich dann
endlich die Seele abwendet, Gott absaget und begehrt nur in denselben Greueln
aufzusteigen und zu leben. Und ist das ihre Freude, Gott und seine Heiligen
zu lästern, sich aber in den Greueln zu erheben über Gott und Himmelreich und
der doch keines ergreifen noch sehen. 3-4,5 Also geben wir euch zu betrachten, was der Wille und
Zuversicht sei, als nämlich: daß er Meister und Führer sei, der dem Menschen
sein Bildnis beides, in Gottes Liebe und auch in Gottes Zorn einführet. Denn
im Willen wird der rechte wahre Glaube erboren, darinnen das edle Bildnis
Gottes stehet, denn im Glauben werden wir wieder durch Christus in Gott
geboren und erlangen wieder das edle Bildnis, welches Adam verloren hatte und
Christus mit Gottes Leben wieder in die Menschheit eingeführet hat. 3-4,6 Auch zerstöret ein falscher Wille das Bildnis, denn der
Wille ist die Wurzel des Bildnisses, denn er zeucht das Mysterium Gottes in
sich. Und der Geist desselben Mysterii eröffnet das schöne Bild und zeucht
ihm das göttliche Mysterium an als Gottes Wesenheit, verstehe: Christi
himmlischen Leib, welcher war aus Gott geboren in der teuren und schönen
Jungfrauen seiner Weisheit, der den Himmel erfüllet. So denn unser Gemüt und
Wille in das selbe gesetzet wird und der Wille dasselbe begehret, so ist der
Wille magisch und gehet hinein, und so ihn dann hungert, so mag er essen das
Brot Gottes. Jetzt wächset ihm der neue Leib, welcher ist der holdselige Baum
des christlichen Glaubens, denn ein jeder Leib liebet sich selber. So denn
die Seele Gottes Leib bekommt, der also süße und holdselig ist, wie wollte
sie denselben nicht lieben, der ihr doch zum Eigentum gegeben wird, in dem
sie wohnet und liebet und von dessen Kraft sie isset und sich stärket. 3-4,7 So soll nun niemand sich betrügen und in seiner Falschheit
und Ungerechtigkeit stecken bleiben und sich eines historischen Glaubens
trösten, wenn er gedenket: Gott ist doch gut, er wird mir wohl vergeben, ich
will einen Schatz sammeln und dessen wohl genießen, auch meinen Kindern viel
Reichtum und Ehre lassen und will nachmals wohl Buße tun. — Aber dieses ist
eitel Betrug! Du sammelst ihnen Falschheit und zeuchst in dich
Ungerechtigkeit. Und wenn es gleich nach dem besten geschieht, so ist es doch
irdisch, denn du hast dein Herz und Willen in ein irdisch Gefäß eingesenket,
dein edles Bildnis damit angetan und ganz infizieret. Dazu erbest du deinen
Kindern nur Hoffart an, daß sie ihren Willengeist auch nur dareinsetzen. Du
gedenkest dir und deinen Kindern Gutes zu tun und tust dir und ihnen das
Ärgste. 3-4,8 Zwar Nahrung muß das äußere Leben haben, und handelt der
töricht, der sein Gut freiwillig einem Gottlosen giebet. Aber viel törichter
tut der, der sich selber mit seinem Gute zu einem Gottlosen machet, indem er
sein Herze daran hänget und hält die zeitliche, vergängliche Wollust mehr in
Ehren als das ewige unvergängliche Gut, das da kein Ende nimmt. Der aber
segnet sich, der den Elenden zuhilfe kommet, denn sie wünschen ihm alles Gute
und beten zu Gott, daß er ihn segne an Leib und Seele. Also tritt ihr Wunsch
und Segen zu dem Geber in das Mysterium und umfähet ihn und folget ihm als
ein gutes Werk in Gott geboren nach, denn denselben Schatz nimmt er mit und
nicht den irdischen. Denn so der Leib stirbet, so tritt das Bildnis ins
Mysterium, das ist: es wird im Mysterio Gottes offenbar. Denn in Zeit des
irdischen Lebens ist das äußere Principium eine Decke davor gewesen. Dasselbe
fällt nun mit des Leibes Sterben weg. Alsdann erscheinet das göttliche
Mysterium im Bildnis und darinnen alle guten Taten und Werke, so in der Liebe
im Willen Gottes erboren sind worden. 3-4,9 Aller frommen Kinder Gottes Wunsch und Gebet stehet im
Mysterio und aneignet sich gegen das Bildnis, denn die Kinder der Elenden, so
er ihnen ist zuhilfe kommen in ihren Nöten und Trübsalen, haben ihren Willen
in ihrem Gebete in Gottes Mysterium geschicket und sich damit zu ihrem
Erretter und Tröster zugewandt und ihm das gleich im göttlichen Mysterio
geschenket. Und so dann derselbe Wohltäter ins Mysterium kommt, wenn sein
irdisches Leben hinfället, so werden alle Ding offenbar und angeeignet sich
ein jedes zu dem Seinen, dahin es der Wille hat beschieden. 3-4,10 Dieses alles wird zu dem Gerichte Gottes des Hl.
Geistes im Mysterio vorbehalten, da dann ein jeder soll ernten, was er allhie
in seinem Acker gesäet hat. Da soll es alles in einer neuen himmlischen Erden
grünen, wachsen und blühen, in welcher der Mensch an sein göttliches Bildnis
wird den Leib des vollkommenen Mysterii Gottes anziehen und vor ihm —
verstehe: vor dem leiblichen Bildnis — stehen sehen seine Gerechtigkeit,
warum er also schön sei. Er wird dessen Ursache erkennen und sich ewig darin
erfreuen und seinen Lobgesang darinnen fassen zu Gottes Ehren und Wundertat.
Dagegen der gottlose Haufe wird Spott, Geiz, Hoffart, Bosheit und Fluch des
Elenden haben in seinem Mysterio, im Zorne eingesammelt, welches ihm auch
wird nachfolgen und er also immer die Ursache seiner Qual erkennen und
deshalb ein ewiger Feind Gottes und seiner Kinder sein. 5. Kapitel - Warum die Gottlosen sich nicht bekehren — Wie
man in das Reich eingehen muß — Was wir von Adam und Christo geerbet haben
3-5,1 Dies alles kann der gottlose Haufe jetzt nicht fassen.
Ursache: Es ist kein Wille in ihnen dazu, der es begehret zu fassen, denn das
irdische Wesen hat sie gefangen, daß sie keinen Willen können in Gottes
Mysterio schöpfen. Sie sind an Gott als die Toten. Es ist kein Odem des
göttlichen Lebens in ihnen. Sie wollen dessen auch nicht. Sie sind in Gottes
Zornmysterium verriegelt, daß sie sich nicht erkennen. Nicht hat ihnen Gott
das getan, sondern sie sind mit ihrem Willengeiste dareingegangen und haben
sich selber also ersenket. Darum laufen sie wie die Unsinnigen, da doch das
edle Kleinod in ihnen im Centro verborgen stehet im göttlichen Principio, und
könnten gar wohl aus dem irdischen Wesen und Bosheit mit ihrem Willen
ausgehen in den Willen Gottes. Sie lassen sich den Grimm mutwillig halten,
denn das hoffärtige und eigenehrige Leben gefällt ihnen zu wohl, und das hält
sie auch. 3-5,2 Aber nach dieser Zeit ist kein Rat mehr. Wenn das
Seelenfeuer bloß und roh ist, so kann dasselbe mit nichts gelöschet werden
als nur mit Gottes Sanftmut, nämlich mit dem Wasser des ewigen Lebens im
Mysterio Gottes. Aber das erreichen sie nicht, denn es ist eine große Kluft
zwischen ihnen, nämlich ein ganzes Principium. Aber in dieser Zeit, dieweil
die Seele noch im Blut schwimmet und brennet, kann es wohl sein, denn der
Geist Gottes fähret auf den Fittichen des Windes. Gott ist Mensch worden. Der
Geist Gottes gehet mit dem Willen in die Seele. Er begehret der Seelen. Er
setzet seine Magiam gegen die Seele. Sie darf nur die Türe auftun, so gehet
er freiwillig hinein und eröffnet das edle Korn zum Baum des christlichen
Glaubens. Aber das ist das Schmerzlichste, daß dem Menschen am bittersten
eingehet, so der Glaubensbaum in ihm soll geboren werden, daß er muß seinen
Willengeist aus seinem irdischen Schatz als aus Hoffart, Geiz, Neid, Zorn und
Falschheit ausführen gegen den Geist Gottes. Sein Mund darf nicht ein
Heuchler sein und sein Herz und Willen im irdischen Mysterio stecken bleiben.
Es muß Ernst sein von Grund des Herzens und der Seelen. Der Wille muß sich
umwenden in das göttliche Mysterium als in Gottes Liebe, daß der Geist Gottes
Raum und Statt in ihm habe, das göttliche Fünklein aufzublasen, anders ist
kein Rat und hilft kein Heucheln. 3-5,3 Wenn einer alle Schriften auswendig lernete und säße sein
Leben lang in der Kirchen, bliebe aber an der Seelen Bildnis ein irdischer
und viehischer Mensch, der nur nach Falschheit im Herzen trachtet, so hilft
ihm sein Heucheln nichts. Ein Prediger, der Gottes Mysterium im Äußern
handelt, hat aber Gottes Bildnis nicht im Innern, sondern trachtet nur nach
Ehre und Geiz, der ist dem Teufel so nahe, als der Allergeringste, denn er
ist nur ein Gaukler mit Gottes Mysterio und ein Gleißner ohne Kraft. Er hat
selber nicht das Mysterium Gottes. Wie will ers dann andern geben? Er ist ein
falscher Hirte und ein Wolf der Schafe. Denn ein jeder Mensch, der Gottes
Mysterium träget, das ist: der es erwecket hat und sich demselben einergeben,
daß ihn Gottes Geist treibet, der ist Gottes Priester, denn er lehret aus Gott.
Es kann keiner recht lehren, er lehre denn aus Gottes Mysterio. Wie will aber
der lehren, der außer demselben ist, wird er nicht aus Kunst und irdischer
Vernunft lehren? Was gehet das Gottes Mysterium an? Wiewohl die Vernunft ein
edles Wesen ist, aber ohne Gottes Geist ist sie blind. Denn Christus spricht:
Ohne mich könnet ihr nichts tun (Joh. 15,5). Die Gottes Geist treibet, die
sind Gottes Kinder (Röm. 8,14). Wer anderswo in den Schafstall steiget und
nicht durch Christi Geist, der ist ein Dieb und ein Mörder, und kommt nur,
daß er raube und stehle (Joh. 10,1) und seinen eigenen Nutzen suche. Der ist
nicht ein Weider der Schafe, sondern ein Fresser, wie ein Wolf tut. 3-5,4 Also ist uns zu verstehen vom Baum des christlichen
Glaubens: Er muß lebendig sein und nicht eine tote Historia oder
Wissenschaft. Das Wort des Lebens muß im Bildnis Mensch geboren werden, daß
die Seele Gottes Bildnis träget, außerdem ist sie nicht Gottes Kind. Es hilft
kein Heucheln oder Bußesparen auf Hoffnung, denn solange einer noch das
irdische Bildnis an der Seelen träget, so ist er außer Gottes Mysterium. Du
darfst auch nicht denken: Ich will noch wohl einmal umkehren, ich will aber
mir vorhin genug einsammeln, daß ich nicht mangele und mir das irdische
Geschäfte hernach nicht im Wege liege. — Nein, das ist Teufels Griff, sondern
durch Verfolgung, Kreuz, Trübsal, Spott, Verachtung müssen wir ins Reich
Gottes eingehen, denn der Teufel führet sein Regiment in dem irdischen
Bildnis. Der spottet der Kinder Gottes in seinem hoffärtigen Sitze, wenn sie
ihm wollen entlaufen. Also dienet der gottlose Haufe dem Teufel und hilft ihm
sein Werk treiben. 3-5,5 Dieses alles muß der Mensch, so zu Gott will, nichts
achten. Er muß denken, daß er in einem fremden Lande unter den Mördern ist,
und ist ein Pilgrim, der da wandelt in sein recht Vaterland. Er fället unter
die Mörder, welche in plagen und berauben. Und so er nur soviel davon
bringet, daß er sein edles Bildnis erhält, so hat er Gut genug, denn er
bekommt das himmlische Mysterium dafür, da alles inne lieget, aus welchem
diese Welt nur ein Spiegel davon ist. Darum ist der wohl sehr närrisch, der
einen Spiegelschein für ein substantialische Wesen nimmt, denn der Spiegel
zerbricht und sein Liebhaber wird dessen beraubt. Er ist gleich einem, der sein
Haus an ein groß Wasser auf einen Sand bauet, da ihm das Wasser sein Haus
hinführet; also ist es auch mit der irdischen Hoffnung. 3-5,6 O Menschenkind, du edeles Geschöpfe, laß ihr nicht die
Gewalt. Es kostet dein ewiges Reich. Suche dich und finde dich, aber nicht im
irdischen Reich. Wie gar wohl geschiehet doch dem, der sich in Gottes Reich
findet, der das himmlische und göttliche Mysterium anzeucht und darein
eingehet! Aller Schmuck dieser Welt ist Kot gegen den himmlischen, und ist
nicht wert, daß ein Mensch seine Liebe dareinsetze, wie wohl es ist, daß es
muß zum Wunder gebracht werden, zu welchem Ende es Gott auch geschaffen hat. 3-5,7 Verstehet: Der äußere Mensch soll die Wunder der äußern
Natur als im äußern Mysterio eröffnen, beides: aus der Erden und über der
Erden. Alles was die Sternen vermögen und die Erde in sich hat, das soll der
Mensch in Wunder, Formung und Wesen bringen nach der ewigen Figur, so in
Gottes Weisheit ist vor den Zeiten der Welt gesehen worden. Aber seinen
Willen soll er nicht dareinsetzen, noch dasselbe für seinen Schatz achten,
sondern nur zu seiner Zierde und Freude mag er es gebrauchen. Aber mit dem
innern Menschen soll er in Gottes Mysterio arbeiten, so hilft ihm auch Gottes
Geist das Äußere suchen und finden. 3-5,8 Dieweil wir denn durch den schweren Fall also verderbet
sind worden, daß unser Gemüt ist aus dem himmlischen Mysterio in das irdische
als in den Spiegel gewendet worden, daß wir also gleich als halbtot erfunden
werden, so tut uns ganz hoch vonnöten, daß wir aus dem irdischen Glanze mit
unserm Gemüt und Willen ausgehen und uns zuerst suchen, ehe wir den irdischen
Schmuck suchen, und daß wir zuerst lernen kennen, wo wir daheim sind, und
unser Gemüte nicht irdisch machen. 3-5,9 Denn der Mensch, ob er gleich in Gottes Bildnis stehet, ist
doch in einem dreifachen Leben. So er aber Gottes Bildnis verlieret, so ist
er nur in einem zweifachen Leben, denn das erste Leben ist der Seelen Leben
und urständet im Feuer der ewigen Natur, und stehet vornehmlich in sieben Gestalten,
alles nach dem Geiste der Natur, wie es in unserm andern und dritten Buche*
ausgeführet und erkläret worden. *) J. Böhme: Beschreibung der drei Prinzipien; Von dem
dreifachen Leben des Menschen Das andere
Leben stehet im Bildnis, welches aus dem Brunnen der ewigen Natur als aus dem
Seelenfeuer erboren wird, welches Bildnis im Licht in anderer Qual stehet und
hat seinen lebendigen Geist, wie ihr dies am Feuer und Lichte ergründet. Denn
des Lichtes Qual ist nicht wie des Feuers Qual, und entstehet doch das Licht
aus dem Feuer, da man in des Lichtes Qual den sanften, reinen und lieblichen
Geist verstehet, und in des Feuers Qual die Ursachen desselben. Als ihr dann
sehet, daß aus dem Feuer die Luft urständet, welches der Geist ist, und die
Luft auch in vier Gestalten verstanden wird: als eine trockene nach dem Grimm
des Feuers, und eine nasse als Wasser vom herben Anziehen, und zum dritten
eine sanfte vom Lichte und zum vierten eine erhebende vom grimmen
Feuerschrack. Da wir dann verstehen, daß das Licht in allen Gestalten Meister
sei, denn es hat die Sanftmut und ist ein Leben, das durch den grimmen Tod
als durch die Angstqual im Ersinken erboren wird als ein ander Principium,
das im Feuer bestehet ohne Fühlen, und hat doch sein Fühlen in sich als den
lieblichen Geschmack. Da wir dann verstehen, daß das Wasser durch den Tod
erboren wird durch das Ersinken durch Feuers Angst. Und weiter zu verstehen,
wie es doch kein Tod sei, da es doch ein Tod ist. Aber das Licht machts
grünend, daß ein Leben darin ist, welches Leben in des Lichtes Kraft stehet,
da das Leben aus dem Tode grünet, nämlich die Wesenheit als die
Begreiflichkeit, wie das Wasser, das an sich selber tot ist, aber das
Feuerleben und des Lichtes Kraft ist sein Leben. Also ist die Wesenheit wie
tot geachtet, da das Leben darin ein eignes ist und sich selbst in sich
besitzt und gebieret, da der Tod der Wesenheit muß den Leib dazu geben, wie
in unserem dritten Buche erkläret worden, daß wir im Lichtleben und im Wasser
des Todes auch zwei Gestalten verstehen und nach der Angst im Feuer die
dritte: 3-5,10 Als erstes in der Angst der Ertötung, im Grimm des
Feuers verstehen wir ein grimmig Wasser we gen der ersten vier Gestalten zur
Natur, als Herbe, Bitter, Angst und Feuer, gleichet sich dem Gifte, ist auch Gift,
eine höllische Wesenheit im Grimme nach dem Urstande des ersten Principii,
darinnen Gottes Zorn quillet. Zum andern verstehen wir das andere Wasser im
Lichtesschrack, in dem die Qual durch die Tötung sinket und im Tode gleich
als ein Nichts wird, denn im Nichts wird die ewige Freiheit als der ewige
Abgrund der Ewigkeit erreichet. So dann das ungreifliche Licht im selben
Ersinken in die Ewigkeit blicket und das Ersinken immer erfüllet, so grünet
im Lichte die Kraft des Lichts. Das ist das Leben aus dem ersunkenen Tode
aus, denn der Grimm vom Feuer bleibet im grimmen Quall des grimmen Wassers
und gehet nicht mit in Tod. Es kann auch nicht sein, denn die Grimmigkeit ist
das strenge Allmachtleben, das nicht kann sterben und das die ewige Freiheit
nicht kann erreichen, denn es heißet und bleibet in Ewigkeit das Naturleben.
Wiewohl es ist, daß im Lichtleben auch eine Natur erfunden wird, ist sie noch
nicht peinlich oder feindlich als wie im Urstande der Natur, nach welchem
sich Gott einen eifrigen zornigen Gott nennet. Denn im Lichtquall wird das
Wasser, welches durch den Tod in die Freiheit ersunken ist, eine Qual und
Wasser des ewigen Freudenlebens, in welchem die Liebe und Sanftmut ewig
aufquellet, da es dann kein Sinken mehr ist, sondern ein Grünen, welches
Paradeis heißet. Und das Bewegen aus des Wassers Quall heißet Element. Das
ist das reine Element in der engelischen Welt. Und die Ursache des Feuers im
Licht ist das ewige Firmament, darin die ewige Wissenschaft Gottes in
Weisheit eröffnet wird, als wir dessen ein Gleichnis am äußern Firmament und
Sternen haben. 3-5,11 Also verstehen wir nun zwei Welten ineinander, da
keine die andere begreift, als nämlich eine im Grimm der feurigen Natur im
Wasser des Gifts und Angstqual, da die Teufel innen wohnen. Und dann eine im
Lichte, da das Wasser des Lichts aus der Angst ersunken ist in die ewige
Freiheit, welche das Giftwasser nicht mag erreichen oder begreifen, und ist
doch nicht getrennt als nur durch den Tod, da es sich in zwei Principia
scheidet und also in zwei Leben teilet: als eines im Zorn und das ander in
der Liebe, welches Leben für das rechte Leben Gottes erkannt wird. Und
hierinnen stecket der Grund, daß als wir mit Adam aus diesem Lichtleben
ausgingen in das äußere Weltleben, darum Gott Mensch ward, so mußte er uns
durch und aus der grimmen Qual aus dem feurigen Angstleben durch den Tod in
das Licht- und Liebeleben wieder einführen, da zwar die Porte des Todes war
im Grimm zugeschlossen in der menschlichen Seelen, daß die Seele in der
Angstqual in der innern Natur im Feuer des Gifts als im Wasser der Angst
stund. Allda hat der Fürst Christus den Schloß des Todes zerbrochen und ist
mit seiner menschlichen Seele durch den Tod im Lichte Gottes wieder
ausgegrünet, und führet also in seinem Lichtleben den Tod jetzt gefangen, daß
er ist ein Spott worden. Denn mit diesem Schluß gedachte Luzifer ein Herr und
allmächtiger Fürst im Grimme zu sein. Aber als der Schluß zerbrochen ward, so
zerstörte ihm die Kraft der Gottheit im Lichte sein Reich. Allda ward er ein
gefangener Knecht, denn Gottes Licht und das Wasser der Sanftmut ist sein
Tod, denn der Zorn wird damit getötet. 3-5,12 Also ist das Licht und die Liebe in den Zorn
getreten mit dem paradeisischen Element und dem Wasser des ewigen Lebens, und
ist also Gottes Zorn gelöschet worden. Darum bleibet nun der Luzifer in sich
selber nur ein ängstlicher grimmiger Feuerquall, da sein Leib ein Gift ist
und ein Quall des Giftwassers, und ist also aus Gottes Feuer ausgestoßen
worden in die Matrix der ewigen Natur als in die strenge Herbigkeit, welche
die ewige Finsternis gebieret. Darinnen führet er das gar strenge Regiment in
dem ängstlichen Mercurio, und ist also ein Beschämter oder Verstoßener,
welcher im Urstande ein Fürst war, aber jetzo nichts mehr gilt als ein Scharfrichter
und ehrenloser Knecht, der da muß in Gottes Grimm sein als ein Henker, der
das Böse strafet, wenn ihm das von seinem Herrn befohlen wird. Weiter hat er
keine Gewalt, wiewohl er doch ein Betrüger ist, daß er nur viel möchte
erhaschen und sein Reich groß werde, daß er viel habe und nicht also mit
wenigem im Spotte stehe. Dergleichen eine Hure auch denket, wenn nur viel
Huren sind, so bin ich ja nicht allein eine Hure, sondern ich bin wie andere.
Also begehret er auch ein groß Geschlechte, daß er dadurch Gottes spotte. Der
Teufel gibt immer Gott die Schuld, daß er sei gefallen und daß ihn Gottes
Grimm also gezogen hätte und in einen solchen Willen der Hoffart also gezogen
hätte und in einen solchen Willen der Hoffart gestürzet, daß er nicht sei
bestanden. Vermeinet, wenn er nur viel zu sich zöge, daß sein Reich groß
werde und daß er derer desto mehr überkomme, die auch also tun wie er und die
Gott verfluchten, sich aber selber rechtfertigten. Das ist seine Stärke und
Wollust in seiner finstern herben Angst, daß er immer das Feuer in sich
erreget und über die Thronen ausfähret. Also hält er sich ja noch für einen
Fürsten und König. Und ob er gleich böse ist, so ist er doch ein Fürst seiner
Legionen im Zorne in seiner Kreatur. Aber mit dem Zorn außer seiner Kreatur
hat er nicht Gewalt zu tun, darinnen muß er als ein Ohnmächtiger gefangen
bleiben. 3-5,13 Also verstehet das menschliche Leben in zweien
Gestalten als eine nach dem Feuer der Natur und die ander nach dem Feuer des
Lichts, welches Feuer in der Liebe brennet, darinnen das edle Bildnis Gottes
erscheinet. Und wir verstehen hierinnen, daß der Wille des Menschen soll in
Gottes Willen eingehen, so gehet er in Christi Tod mit Christi Seele durch
den Tod in die ewige Freiheit Gottes in das Lichtleben ein, da ist er in
Christo bei Gott. Die dritte Gestalt des Lebens ist das äußere geschaffene
Leben aus dieser Welt als aus Sonne, Sternen und Elementen, welches Gottes
Geist mit dem Geiste maioris mundi (der größeren Welt) in die Nasen blies, da
er dann auch eine äußere Seele ward, welche im Blut und Wasser schwimmet und
im äußern angezündeten Feuer brennet als in der Wärme. 3-5,14 Dieses äußere Leben sollte nicht in das Bildnis als
in das innere Leben greifen. Das Bildnis sollte das auch nicht in das innere
Licht, welches durch den Tod scheinet und mit seiner Kraft in der ewigen
Freiheit grünet, einlassen, denn das äußere Leben ist nur ein Gleichnis des
innern Lebens. Der innere Geist sollte nur in dem äußern Spiegel die ewigen
Wunder, so in Gottes Weisheit waren, im Ungrunde in der göttlichen Magia
erblicket worden, eröffnen und zu einem figürlichen Spiegel bringen, nämlich
zu einem Wunderspiegel zu Gottes Ehren und zur Freude des innern Menschen aus
Gott geboren. Aber sein Wille sollte nicht darein gehen, das äußere Wunder in
das Bildnis einzuziehen, wie wir denn jetzt mit Jammer erkennen, daß sich der
Mensch einen irdischen Schatz in sein Gemüt einzeucht und einbildet und also
das reine Bildnis Gottes nach dem andern Principio in sich zerstöret. 3-5,15 Denn des Menschen Willengeist gehet jetzt in das
irdische Wesen und führet seine Liebe, darin das Bildnis stehet, in das
irdische Wesen als in einen irdischen Schatz in ein irdisch Gefäße. Jetzt
wird das Bildnis in solcher Imagination auch irdisch und gehet wieder in den
Tod und verlieret Gott und Himmelreich, denn sein Willengeist stecket mit der
Liebe im äußern Leben. Jetzt muß das äußere Leben sterben und zerbrechen, auf
daß das geschaffene Bildnis nach dem innern Reiche erscheine, und also
stecket der Willengeist mit seiner Liebe in den äußern Wundern und führet
dieselben im Sterben des äußern Lebens mit sich vor das Gerichte Gottes. Da
soll der Willengeist durchs Feuer gehen und soll das Bildnis im Feuer
bewähret werden. Da muß alles Irdische abbrennen vom Bildnis, denn es muß
ganz rein und ohne Makel sein. Gleichwie das Licht im Feuer bestehet, also
muß der Willengeist auch in Gottes Feuer bestehen. Und wo er allda nicht kann
durchs Feuer Gottes durch den Tod frei durchgehen, so wird dasselbe
Seelenbildnis ausgespeiet werden in die ewige Finsternis. 3-5,16 Und dieses ist eben der schwere Fall Adams, daß er
seinen Willengeist in das äußere Leben als in das äußere Principium in die
falsche Sucht einsetzte und imaginierte nach dem irdischen Leben. Und also
ging es aus dem Paradeis, welches durch den Tod im andern Principio ausgrünet
in das Äußere, und ging also in den Tod ein. Also mußte er sterben und also
ward sein Bildnis zerstöret. Dieses haben wir von Adam geerbet, aber auch von
dem andern Adam Christo die Wiedergeburt, da wir in Christi Menschwerdung
müssen eingehen und mit ihm in seinen Tod und aus dem Tode mit ihm grünen in
der Paradeiswelt in der ewigen Wesenheit der Freiheit Gottes. 6. Kapitel - Was die Lust vermag — Wie wir in Adam gefallen
und in Christo wiedergeboren sind
3-6,1 Also verstehen wir, daß es an der Lust lieget und daß die
Verderbung aus der Lust kommen ist und noch immer kommet. Denn die Lust ist
eine Imaginierung, da die Imagination sich in alle Gestalten der Natur
einwindet, daß sie alle geschwängert werden mit dem Dinge, daraus die Lust
entstehet, als wir denn verstehen den äußern Geist des Menschen, welcher ist
ein Gleichnis des innern. Diesen hat gelüstert nach dem schönen Bildnis und
derowegen seine Imagination in den innern gesetzet, davon der innere ist
infizieret worden. Und weil er nicht zur Stunde den Tod gefühlet hat, so hat
er dem äußern seinen Willengeist eingeräumet. Also ist der äußere in den
innern zur Herberge eingezogen und ist endlich der Wirt im Hause worden und
hat den innern verdunkelt, daß also das schöne Bildnis ist verblichen. Allhie
fiel das schöne Bildnis unter die Mörder, nämlich unter die strengen Geister
der Natur und des Lebens Urstand. Diese hielten das Bildnis gefangen und
zogen ihr das Paradeiskleid aus, mordeten es und ließen es halbtot liegen.
(Luk. 10,29) 3-6,2 Jetzt war der Samariter Christus not. Und das ist die
Ursache, daß Gott Mensch ward. Wenn der Schaden hätte können durch ein
Wortsprechen und Wortvergebung geheilet werden, so wäre Gott nicht Mensch
worden. Aber es war verloren Gott und das Paradeis, dazu das edle Bildnis war
zerstöret und verwüstet worden und mußte wiederum aus Gott neugeboren werden.
Und darum kam Gott mit seinem Worte, welches ist das Centrum im Lichtleben,
und ward Fleisch, daß die Seele wieder ein göttlich, paradeisisch Wohnhaus
bekäme. Verstehe: daß gleichwie Adams Seele hatte die Türe der Feueressentien
aufgetan und die irdischen Essentien eingelassen, welcher Qual sich hatte in
das Paradeisbildnis eingewunden und das Bildnis irdisch gemacht, also tat
Gottes Herze die Tür der Lichtessentien auf und umfing die Seele mit dem
himmlischen Fleische. Und also imaginierten des heiligen Fleisches Essentien
nach dem Bildnis, nach der Seelen Essentien. Also ward die Seele jetzt wieder
geschwängert, daß sie mit ihrem Willengeiste durch den Tod in das Paradeis
leben einging. Und daher kam die Versuchung Christi, daß er versuchet ward,
ob die Seele wollte vom Verbo Domini essen und ob sie könnte wieder durch den
Tod in Gottes Leben eingehen, welches endlich am Stamm des Kreuzes erfüllet
ward. Da Christi Seele durch das Feuer des Grimmes durch den strengen Qual
durch den Tod ging und grünete wieder in der Paradeiswelt aus, in welche Adam
war geschaffen, also ist uns Menschen wieder geholfen worden. 3-6,3 Darum tut uns nun not, daß wir unsern Willen, Sinn und
Gemüt aus allen irdischen Dingen ausziehen und in Christi Leiden, Sterben,
Tod und Auferstehung einwenden, daß wir den alten Adam mit Christi Tode immer
kreuzigen und immer mit der Sünde im Tode und Sterben Christi sterben und mit
ihm aus der Angst des Todes in einem neuen Menschen immer wieder aufstehen
und im Leben Gottes grünen. Anders ist kein Rat. Wir müssen der irdischen
Welt in unserm Willen absterben und müssen der neuen Welt im Glauben, im
Fleisch und Blut Christi immer wiedergeboren werden. Wir müssen aus Christi
Fleisch geboren werden, wollen wir anders das Reich Gottes schauen. 3-6,4 Es ist nicht so ein leicht Ding, ein rechter Christ zu sein,
sondern es ist das allerschwerste Ding. Der Wille muß ein Ritter werden und
wider den verderbten Willen streiten. Er muß sich aus der irdischen Vernunft
in den Tod Christi in Gottes Zorn einsenken und dem irdischen Willen als ein
teurer Ritter seine Gewalt zerbrechen, und sich also hart erkämpfen, daß er
will das irdische Leben daransetzen und nicht nachlassen, er habe denn den
irdischen Willen zerbrochen, welches mir wohl ein strenger Krieg ist, wenn
zwei Principia miteinander streiten um die Überwindung. Es ist kein Scherz,
es muß Ernst sein, um das Ritterkränzlein zu fechten, denn keiner erlanget
das, er siege denn. Er muß des irdischen Willens Macht zerbrechen, welches er
in sich aus eigener Macht doch nicht vermag. Aber so er sich aus der irdischen
Vernunft in den Tod Christi mit seinem innern Willen einsenket, so sinket er
durch Christi Tod durch Gottes Grimm wider alles Halten des Teufels in die
Paradeiswelt in das Leben Christi ein. Er muß seinen Willen machen als tot.
Also lebet er für Gott, und ersinket in Gottes Liebe, und da er doch im
äußern Reich lebet. 3-6,5 Ich rede aber vom Ritterkränzlein, welches er in der
Paradeiswelt bekommt, so er einmal hindurchdringet. Denn allda wird der edle
Same gesäet und bekommt das hochteure Pfand des Hl. Geistes, der ihn darnach
leitet und führet. Und ob er in dieser Welt muß in einem finstern Tal
wandern, da der Teufel und die Bosheit der Welt immer über ihn herrauschen
und den äußern Menschen oft in Greuel einwerfen und also das edle
Senfkörnlein verdecken, so lässet sichs doch nicht verhalten, sondern es
grünet hervor und wächset ein Baum daraus in das Reich Gottes wider alles
Wüten und Toben des Teufels und seines Anhangs. Und je mehr der edle
Perlenbaum gedrücket wird, je heftiger und gewaltiger der wächset, er läßt
sich nicht unterdrücken, ob es auch das äußere Leben kosten soll. 3-6,6 Also, mein liebes Gemüte, forsche nach dem Baum des
christlichen Glaubens recht. Er stehet nicht in dieser Welt. Wohl muß er in
dir sein, aber du mußt mit dem Baume mit Christo in Gott sein, also daß dir
diese Welt nur anhange, wie denn Christo auch nur anhing. Doch nicht also zu
verstehen, daß diese Welt vor Gott nichts taugte oder nütze wäre. Sie ist das
große Mysterium. Und ist der Mensch darum in diese Welt geschaffen worden als
ein weiser Regent derselben, daß er soll alle Wunder, so von Ewigkeit sind im
Sulphur, daraus diese Welt mit Sternen und Elementen ist geschaffen worden,
eröffnen und nach seinem Willen in Formen, Figuren und in Bildnissen bringen,
alles zu seiner Freude und Herrlichkeit. 3-6,7 Der Mensch war ganz frei erschaffen ohne einiges Gesetze.
Er hatte kein Gesetz als nur das Naturgesetz, daß er nicht sollte ein
Principium in das andere vermischen. Der innere Mensch sollte nichts Irdisches
in sich einlassen, sondern sollte allmächtig über das äußere Principium
herrschen. So wäre kein Tod noch Sterben in ihn kommen. Es hätten ihn auch
die äußern Elemente nicht regen können, weder Hitze noch Frost hätte ihn
gereget. Denn als das edle Bildnis im Feuer bestehen muß, also sollte auch
dasselbe edle Bildnis durch den ganzen Menschen durch alle drei Principia
herrschen, alles regieren und mit der Paradeisqual erfüllen. 3-6,8 Weil es aber ja nicht mochte sein und je das Fleisch
irdisch worden, so müssen wir nun im Glauben geboren werden, da zwar das
irdische Leben das rechte Leben verdecket. So müssen wir das rechte Kleid
anziehen, welches Hoffnung heißet und unsern Willen in der Hoffnung einsetzen
und immer am Baum des Glaubens arbeiten, daß er seine Früchte bringe als die
holdselige Liebe gegen Gott und seinen Nächsten. Er soll Gutes wirken, nicht
allein um seinetwillen, sondern auch darum, daß er seinen Nächsten mit seinem
Exempel und Leben bessere. Er soll denken, daß er ein Baum im Reiche Gottes
sei, daß er Gottes Frucht trage und wachse in Gottes Acker, daß seine Werke
und Wunder in die rechte Liebe einfasse und in der Liebe wandeln, daß er die
möge ins Reich Gottes einführen. Denn Gott ist ein Geist und der Glaube ist
auch ein Geist in Gott, und Gott ist in Christo Mensch worden. Des Glaubens
Geist wird auch in Christo Mensch geboren. Also wandelt der Willengeist recht
in Gott, denn er ist ein Geist mit Gott und wirket mit Gott göttliche Werke.
Und ob ihn das irdische Leben verdecket, daß er seine Werke, so er im Glauben
hat geboren, nicht kennet, so wird es doch in Zerbrechung des irdischen
Lebens offenbar, denn die Hoffnung ist sein Kasten und ein Mysterium, darein
des Glaubens Werke gesäet werden und auch behalten. 7. Kapitel – Zu was Ende diese Welt samt allem Wesen sei
geschaffen, auch von zwei ewigen Mysterien
3-7,1 So denn der Mensch also in einem dreifachen Leben stehet,
so ist jedes Leben dem andern ein Mysterium und begehret des andern. Zu
welchem Ende diese Welt mit allem Wesen ist erschaffen worden, denn diese
Welt mit allem Wesen ist er schaffen worden, denn die göttliche Wesenheit
begehret des Spiegels oder Gleichnis. Denn diese Welt ist ein Gleichnis nach
Gottes Wesen, und ist Gott in einem irdischen Gleichnis offenbar. Denn die
Wunder der Verborgenheit möchten in der engelischen Welt in der Liebegeburt
nicht eröffnet werden. Aber in dieser Welt, da Liebe und Zorn gemischet ist,
allda ist eine zweifache Gebärerin, da möchte es sein. Denn alle Dinge
urständen aus der Feuerwurzel, werden aber mit dem Wasser der Sanftmut
umfangen, daß es ein liebliches Wesen ist. So aber das Feuer in der
englischen Welt nicht erkannt wird, denn das Centrum der Gebärerin stehet im
Licht und ist das Wort Gottes, so mögen die Wunder der Natur anders nicht als
in einer geistlichen Magia eröffnet werden. Das ist: sie müssen in Gottes
Weisheit ersehen werden. Weil aber dasselbe den Engeln und Seelen der
Menschen fast ungreiflich ist und aber Gott in den Engeln und Menschen will
erkannt sein, so lüstert die engelische Welt nach den großen Wundern, sie zu
erkennen, die in Gottes Weisheit sind von Ewigkeit gestanden. Und diese
werden in dem irdischen Gleichnis zu Wesen gebracht in Figuren und
Bildnissen, alles nach den ewigen Essentien des Centri der Natur, daß die
Wunder mögen ewig stehen, aber nicht essentialisch sondern in Figuren, in
Bildnissen und Gleichnissen, in Formungen; nach dem Willen zwar magisch, aber
die Gebärerin ist doch im Centro der Wunder, denn sie ist einmal aus dem
Feuer erwecket worden. Aber sie wird in dem Mysterio wieder verschlungen und
stehet als ein verborgen Leben. Darum sollen alle Wesen gleich als ein
Schatten in der engelischen Welt offenbar werden, aber nur die, welche in
Gottes Willen sind in das Mysterium eingeführet worden. Denn der Mysterien
sind zwei, die da ewig sind: als eines in der Liebe und das ander im Zorn. Wo
sich nun der Willengeist mit seinen Wundern hineinwendet, allda innen stehen
auch seine Werke und Wunder. 3-7,2 Also ist uns imgleichen zu erkennen, daß auch das Äußere
des Innern heftig begehret, denn alles läuft nach dem Centro als nach dem
Urstand und begehret der Freiheit, denn im Feuer der Natur ist Angst und
Qual. Sie will nun die Bildung oder das Bild der Sanftmut im Quall der Liebe
frei sein, und mag doch nicht im Quall der feurigen Essentien frei sein,
solange bis sich die Qual in der Zerbrechung scheidet. Allda tritt ein jedes
in sein Mysterium. Desgleichen will das Feuer vom Wasser frei sein, denn das
Wasser ist auch des Feuers Tod, und ist ihm auch Mysterium. Und sehen wir
gleich hiemit, wie das Wasser das Feuer gefangen hält, und doch kein Sterben
im Feuer ist, sondern es ist nur ein Mysterium im Feuer, wie denn zu sehen
ist, wie es im Wasser hervorbricht und sich eröffnet, wie das im
Wetterleuchten zu sehen ist, auch an einem Steine, der doch Wasser ist, zu
erkennen ist. Wir sehen aber vornehmlich, wie alle Gestalten der Natur des
Lichtes begehren, denn in demselben Begehren wird das Öl erboren, darinnen
das Licht erkannt wird, denn es urstän det aus der Sanftmut. 3-7,3 Also ist uns zu erkennen unser Leben, daß in uns des Feuers
Centrum offen stehet, denn das Leben brennet im Feuer. Und dann ist uns zu
erwägen die Begierde zur Liebe, welche im Worte des Lebens urständet in der
engelischen Welt, da das Herze Gottes mit seinem Begehren gegen uns mit
seiner Imagination stehet und uns auch zeucht in das göttliche Mysterium. 3-7,4 Und zum dritten ist uns zu erwägen das magische Reich
dieser Welt, welches auch in uns brennet und uns heftig in seine Wunder zeucht,
denn es will offenbar sein. Und der Mensch ist zu dem Ende darein erschaffen
worden, daß er dasselbe Mysterium offenbare und die Wunder ans Licht und in
Formen nach der ewigen Weisheit bringe. So er denn nun dieses tun soll und
also in einem dreifachen Feuer brennet, so hat der rechte Geist, in dem das
engelische Bildnis stecket, große Unruhe und ist in großer Gefährlichkeit,
denn er wandelt gar auf einem schmalen Steige und hat zwei Feinde, die ihn
immer ziehen. Ein jeder will in dem Bildnis sein und seinen Quall
hineinführen: als das innere und äußere Feuer, das innere Reich des Grimmes
und auch das äußere irdische Reich des Spiegels. Und stecket das rechte
Bildnis also mitten in der Quetsche. Denn das innere Reich will durch das
äußere die Wunder eröffnen. Dieweil es aber zu scharf ist, so fleucht das
äußere Reich vor dem innern und greift nach dem mittlern als nach dem
Bildnis, welches in der Freiheit Gottes stehet, und flechtet sich also in das
Bildnis ein. Denn es greifet alles nach dem Herzen Gottes als nach dem Centro
des Freudenreiches. Jetzt tut dem Bildnis not, daß es sich wehre, den
irdischen Gast nicht einzulassen, viel weniger den feurigen, und wird doch
aus beiden erboren, nämlich aus dem Feuer das Leben und aus dem äußern die
Wunder. Darum tut dem Menschenbilde hoch not, daß es ein mäßiges, nüchternes
Leben führe und sich mit dem äußern Reiche nicht zu sehr fülle, denn es
machet sonst seine Inwohnung in dem edlen Bildnis. 3-7,5 Hier verstehen wir den mächtigen Streit im Menschen um das
Bildnis Gottes, denn ihrer drei streiten darum: erstlich das strenge
Feuerleben, zum andern das göttliche Leben und zum dritten das irdische
Leben. Also stecket das edle Bild in der Mitten und wird von dreien gezogen.
Jetzt ist ihm not, daß sichs im Glauben in das Mysterium der Hoffnung
verberge und stehe in demselben Mysterio stille, da dann der Teufel im
inneren Feuerleben immer heraus in das äußere Leben in Hoffart, Falsch und
Geiz über das falsche Bildnis herreitet und will es ins Feuer und Angstleben
einführen und zerbrechen. Denn der meinet immerdar, der Locus (Bereich)
dieser Welt sei sein Königreich. Er will kein anderes Bildnis darinnen
leiden. Jetzt fällt nun das edle Bildnis in Kreuz, Trübsal, Angst und Not.
Und gehöret allhier ein großer Streit dazu, um das edle Ritterkränzlein des
Bildnisses Gottes zu fechten. Daher urständet das Gebet, daß das Bildnis
stets aus dem eingeführten irdischen Wesen und auch aus den hoffärtigen,
höllischen Greueln mit dem Gebet ausgehe und immer in Gottes Leben in seine Liebe
eingehe. Und also ertötet das rechte Bildnis immer den irdischen Adam und
auch den höllischen Hoffartteufel und muß immer stehen als ein Ritter, und
ist ihm am allernützlichsten, daß es sich in Geduld einwickele, unter das
Kreuz werfe und immer in der Liebe aufquelle. Denn das ist sein Schwert,
damit es den Teufel schläget und das irdische Wesen austreibet. Es hat kein
ander Schwert, damit es sich wehre als das sanfte Wasser des ewigen Lebens.
Das schmecket dem hoffärtigen grimmigen Feuergeiste nicht, denn es ist sein
Gift. Er fleucht davor. 3-7,6 So wir nun wollen den Baum des christlichen Glaubens recht
anmelden, so sagen wir: Seine Wurzel stehet im Mysterio der Hoffnung. Sein
Gewächse stehet in der Liebe, und sein Leib in der Fassung des Glaubens, das
ist: da das Bildnis mit seinem ernsten Begehren in Gottes Liebe eindringet
und Gottes Weisheit, das ist: Christi Leib, fasset. Das ist nun der Corpus,
darinnen der Baum stehet, wächset und grünet und Früchte bringet in Geduld.
Diese Früchte gehören alle in die engelische Welt, und sie sind der Seelen
Speise, davon sie isset und ihr feurig Leben erquicket, daß es ins Licht der
Sanftmut verwandelt wird. 3-7,7 Also wächst der Baum im Paradeis Gottes, welchen der äußere
Mensch nicht kennet und keine Vernunft begreift. Aber dem edlen Bildnis ist
er gar wohl kenntlich. Der wird alsdann, so das äußere Leben zerbricht,
offenbar, und folgen ihm alle seine Werke im Mysterio der Hoffnung, darein er
gesäet hat, nach. Darum soll ihm keiner, der Gottes Pilgrimstraße wandeln
will, fürnehmen, in dieser Welt gute, fröhliche Tage zu haben mit weltlichen
Ehren, sondern Trübsal, Verachtung und Verfolgung warten seiner alle Stunden.
Er ist allhier nur in einem Jammertal und muß immer im Streit stehen, denn
der Teufel gehet um ihn her als ein brüllender Löwe. Er reizet alle seine
Kinder der Bosheit wider ihn. Er ist geachtet als ein Narr. Er ist seinem
Bruder unbekannt, seiner Mutter Haus spottet sein und verachtet ihn. Er gehet
daher, säet Trübsal und ängstet sich, aber es ist niemand, der es begreift
oder dem es zu Herzen ginge. Jedermann meinet, seine Torheit plage ihn. Also
bleibet er der Welt verborgen, denn er ist mit seinem edlen Bildnis nicht von
der Welt, sondern aus Gott geboren. Er säet Trübsal und erntet Freuden. Wer will
aber seine Herrlichkeit aussprechen, die ihm zu Lohn wird? Oder wer will
sagen von dem Ritterkränzlein, welches er erlanget? Wer kann aussprechen die
Krone der Jungfrauen, welche ihm die Jungfrau der Weisheit aufsetzet? Wo ist
eine solche Schöne, die den Himmel übertrifft? O edles Bildnis, bist du doch
ein Bildnis der Hl. Dreifaltigkeit, in der Gott selber wohnet! Gott setzet
dir seinen schönsten Dank auf, daß du dich sollst ewig in ihm freuen. 3-7,8 Was ist doch das Wesen dieser Welt, dieweil es zerbricht
und den Menschen nur Kummer, Angst und Elend einführet, dazu in Gottes Zorn,
und zerbricht ihm das schöne Bildnis und zeucht ihm eine Larven an? O welch
eine große Schande wird der Mensch dessen haben, so er am Gerichtstage Gottes
wird also mit einem tierischen Bildnis erscheinen, ohne das, was hernach
folget, in dem er soll ewig darinnen bleiben. Jetzt wird Reue angehen. Da
wird Ächzen und Heulen sein um das verlorene Pfand, welches ewig nicht mag
wieder erreichet werden, da das Bildnis soll in Ewigkeit vor dem greulichen
Teufel stehen und tun, was der Greuelfürst Luzifer will. 8. Kapitel - Auf welche Weise Gott die Sünde vergiebet und
wie man ein Kind Gottes wird
3-8,1 Mein liebes, suchendes, begieriges Gemüte, das du hungerst
und dürstest nach Gottes Reich! Merke doch den Grund, was dir gezeiget wird.
Es ist ja nicht also ein leicht Ding, ein Kind Gottes zu werden, wie Babel
lehret, da man die Gewissen in die Historien ins bloße Wähnen ohne Erfahrung
führet, sie also höflich mit Christi Leiden und Tod kitzelt, da man die
Vergebung der Sünden historisch lehret gleich einem weltlichen Gerichte, da
einem seine Schuld aus Gnaden erlassen wird, ob er gleich ein Schalk im
Herzen bleibet. Es ist allhie viel anders. Gott will keine Heuchler haben. Er
nimmt nicht also die Sünde von uns, indem wir nur an der Wissenschaft hangen
in den Greueln bleiben. Es heißet; Ihr müsset von neuem geboren werden oder
sollet das Reich Gottes nicht sehen. Daß sich einer will mit Christi Leiden
und Tod kitzeln und ihm das zueignen, und will aber mit seinem Willen
unwiedergeboren im adamischen Menschen bleiben. Der tut eben als einer, der
sich tröstet, sein Herr werde ihm sein Land schenken, ob er gleich nicht sein
Sohn ist und er es doch allein verheißen, dem Sohne zu schenken. Also auch
hier: Willst du deines Herrn Land besitzen und zum Eigentum haben, so mußt du
sein rechter Sohn werden, denn der Magd Sohn soll nicht erben mit der
Freien*. Der Historien-Sohn ist ein Fremdling. Du mußt aus Gott in Christo
geboren werden, daß du ein leiblicher Sohn werdest. Alsdann bist du Gottes
Kind und ein Erbe des Leidens und Todes Christi. Christi Tod ist dein Tod,
seine Auferstehung aus dem Grabe ist deine Auferstehung, seine Himmelfahrt
ist deine Himmelfahrt und sein ewiges Reich ist dein Reich. Indem du sein
rechter Sohn aus seinem Fleisch und Blute geboren bist, so bist du ein Erbe
aller seiner Güter. Anders kannst du nicht Christi Kind und Erbe sein. *) Anspielung auf Abrahams Sohn von der Magd Hagar 3-8,2 Solange das irdische Reich in deinem Bildnis stecket, so
bist du des verderbten Adam irdischer Sohn. Es hilft keine Heuchelei. Gib
gute Worte vor Gott, wie du willst, so bist du doch ein fremdes Kind und
gebühren dir nicht Gottes Güter, also lange bis du mit dem verlornen Sohn
wieder zum Vater kommest mit rechter wahrer Reu und Buße über dein verlorenes
Erbgut. Da mußt du mit deinem Willengeiste aus dem irdischen Leben ausgehen
und den irdischen Willen zerbrechen, welches wehe tut, mit dem Gemüte und
Willengeiste seinen gehabten Schatz verlassen, darinnen der Willengeist war
erboren, und mußt in Gottes Willengeist eingehen. Allda säest du deinen Samen
in Gottes Reich und wirst in Gott als eine Frucht, die in Gottes Acker
wächset, neugeboren. Denn dein Wille empfähet Gottes Kraft, Christi Leib und
wächset dir der neue Leib in Gott. Alsdann bist du Gottes Kind, und gehören
dir Christi Güter. Sein Verdienst ist dein Verdienst, sein Leiden, Tod und
Auferstehung ist alles dein. Du bist ein Glied an seinem Leibe und sein Geist
ist dein Geist. Er leitet dich auf rechter Straßen. Und alles, was du tust,
das tust du Gotte. Du säest in dieser Welt und erntest im Himmel Gottes. Du
bist Gottes Wunderwerk und eröffnest in dem irdischen Leben seine Wunder und
zeuchst die mit dem Willengeiste in das heilige Mysterium. 3-8,3 Also merket dies, ihr geizigen, hoffärtigen, ihr
neidischen, ihr falschen Richter, ihr Boshaftigen, die ihr eueren Willen und
Begierde in irdische Güter, in Geld und Gut und in Wollust dieses Lebens
einführet und haltet Geld und Gut für euren Schatz, und setzet eure Begierde
darein und wollet gleichwohl Gottes Kinder sein. Stehet und heuchelt vor
Gott, er soll euch die Sünde vergeben. Ihr aber bleibet mit eurem Bildnis in
Adams Pelze, in Adams Fleisch, und tröstet euch also des Leidens Christi und
seid nur Heuchler. Ihr seid nicht Gottes Kinder. Ihr müsset in Gott geboren
werden, wollet ihr Kinder sein. Anders betrüget ihr euch samt euren
Heuchlern, welche euch eine gleißnerische Farbe vormalen. Sie lehren und sind
nicht von Gott erkannt noch gesandt zu lehren. Sie tuns um des Bauchs und um
weltlicher Ehre willen, und sie sind die große Hure zu Babel, die mit den
Lippen Gott heucheln und mit dem Herzen und Willengeiste dem Drachen zu Babel
dienen. 3-8,4 Liebes Gemüte, willst du Gottes Kind werden, so schicke
dich zur Anfechtung und Trübsal. Es ist nicht leicht und sanft, einzugehen in
das Kinderleben, solange die Vernunft im irdischen Reiche gefangen lieget.
Sie muß zerbrochen werden und muß der Wille von der Vernunft ausgehen. Er muß
sich in Gottes Reich in demütigen Gehorsam einsäen, als ein Korn in den Acker
gesäet wird. Er muß sich in der Vernunft gleich als tot machen und Gott
ergeben. Also wächset die neue Frucht in Gottes Reich. 3-8,5 Darum stehet der Mensch in einem dreifachen Leben und gehören
alles Gott zu. Die innere feurigen Essentien des ersten Principii werden mit
dem neuen Leibe in Christo eingeleibet, daß sie in Christi Fleisch und Blute
aus Gottes Willen wallen. Und ihr Feuer ist Gottes Feuer, aus welchem die
Liebe, Sanftmut und Demut brennet, da der Hl. Geist ausgehet und hilft ihnen
den Kampf wider die irdische Vernunft auch wider des verderbten Fleisches und
des Teufels Willen bestehen. Sein Joch des irdischen Willens wird ihm
leichter, aber er muß in dieser Welt im Streit bleiben. Denn dem irdischen
Leben gehöret Nahrung. Die muß der Mensch suchen, und darf doch auch nicht
seinen Willen und Herze dahinein setzen und daranhängen. Er muß Gott
vertrauen. Seine irdische Vernunft tritt immer in Zweifel, es werde ihm
fehlen, sie will immer Gott schauen, und kann doch nicht. Denn Gott wohnet
nicht im irdischen Reiche, sondern in sich selber. 3-8,6 Also muß die Vernunft, weil sie nicht kann Gott schauen, in
die Hoffnung eingezwänget werden. Da läuft dann der Zweifel wider den Glauben
und will die Hoffnung zerstören. Da muß denn der ernste Wille mit dem rechten
Bildnis wider die irdische Vernunft streiten. Da tut es wehe und gehet oft
traurig zu, solange noch die Vernunft den Lauf dieser Welt anschauet und also
ihren Willengeist gleich als närrisch gegen den Lauf dieser Welt erkennet.
Das heißets: Seid nüchtern, wachet, fastet und betet, daß ihr die irdische
Vernunft möget ertäuben und gleich als tot machen, daß Gottes Geist Statt in
euch finde. Wenn derselbe erscheinet, so überwindet er bald die irdische
Vernunft und blicket den Willen in der Angst mit seiner Liebe und Süßigkeit
an, da dann allemal ein schönes Zweiglein aus dem Glaubensbaume geboren wird.
Und dienet alle Trübsal und Anfechtungen den Kindern Gottes zum allerbesten.
Denn so oft Gott über seine Kinder verhänget, daß sie in Angst und Trübsal
eingeführet werden, so stehen sie allemal in der Geburt eines neuen
Zweigleins aus dem Glaubensbaume. Wenn der Geist Gottes wieder erscheinet, so
führet er allemal ein neues Gewächs auf, dessen sich das edle Bildnis sehr
hoch erfreuet, und ist nur um den ersten ernsten Sturz zutun, da der irdische
Baum muß überwunden und das edle Korn in Gottes Acker gesäet werden, daß der
Mensch lerne, den irdischen Menschen erkennen. Denn wenn der Wille Gottes
Licht empfähet, so siehet sich der Spiegel in sich selber. Eine Essenz im
Lichte siehet die andere. Also findet sich der ganze Mensch in sich selber
und erkennet, was er ist, welches er in der irdischen Vernunft nicht kann
erkennen. 3-8,7 Also kann niemand denken, daß der Baum des christlichen
Glaubens im Reiche dieser Welt gesehen oder erkannt werde. Die äußere
Vernunft kennet ihn nicht. Und ob der schöne Baum gleich schon im innern
Menschen stehet, noch zweifelt wohl die äußere, irdische Vernunft, denn der
Geist Gottes ist ihr als eine Torheit. Sie kann den nicht ergreifen. Ob es
gleich geschiehet, daß der Hl. Geist sich im äußern Spiegel eröffnet, daß das
äußere Leben darinnen hoch erfreuet und vor großer Freuden zitternd wird und
denket, nun habe ich den werten Gast erlanget, nun will ichs glauben. So ist
doch kein vollkommener Bestand darinnen, denn der Geist Gottes verharret
nicht immerdar in der irdischen Qual. Er will ein rein Gefäß haben. Und wenn
er weichet in sein Principium als in das rechte Bildnis, so wird das äußere
Leben kleinmütig und zaghaft. Darum muß das edle Bildnis immer im Streite
sein wider das äußere Vernunftleben. Und je mehr es streitet, je größer
wächset der schöne Baum, denn es wirket mit Gott. Denn gleichwie ein
irdischer Baum in Wind, Regen, Kälte und Hitze wächset, also auch der Baum
des Bildnisses Gottes unter Kreuz und Trübsal, in Angst und Qual, in Spott
und Verachtung, und grünet auf in Gottes Reich, und bringet Frucht und
Geduld. 3-8,8 So wir denn solches wissen, so sollen wir dahin arbeiten
und uns keine Furcht noch Schrecken lassen aufhalten. Denn wir werden dessen
wohl ewig genießen und einernten, was wir allhier in Angst und Mühe gesäet
haben, daß wir uns ewig trösten. Amen, Halleluja! * *
* Literaturhinweise
Eine
ausführliche bibliographische Übersicht über Textausgaben,
Gesamtdarstellungen und Einzelstudien ist enthalten in: Gerhard Wehr: Jakob
Böhme in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Rowohlt Monographie 179),
Reinbek 1971 61991, S 145 ff. Gesamtausgabe Jakob
Böhme: Sämtliche Schriften. Reprint der Ausgabe von 1730 in 11 Bänden,
begonnen von August Faust, neu hrsg. von Will-Erich Peuckert,
Stuttgart-Cannstatt 1955-61. Urschriften Jakob
Böhme: Die Urschriften. Im Auftrag der Akademie der Wissenschaften zu
Göttingen, hrsg. von Werner Buddecke. Bd. 1, Stuttgart 1963; Bd. II,
Stuttgart 1966. Hauptschriften hrg. und
kommentiert von Gerhard Wehr - Aurora oder Morgenröte im Aufgang - Christosophia. Ein christlicher
Einweihungsweg - Von der Menschwerdung Jesu Christi - Von der Gnadenwahl - Theosophische Sendbriefe I/II Sämtlich
im Insel Verlag Frankfurt/M. 1991 ff. Weitere
Schriften in Vorbereitung Auswahlbände Jakob
Böhme: Vom übersinnlichen Leben. Gespräch mit einem Meister mystischer
Erfahrung, hrsg. von Gerhard Wehr. (Ogham Bücherei 28). Stuttgart-Dornach 21993 Im Zeichen
der Lilie. Aus den Werken des christlichen Mystikers Jakob Böhme. Ausgewählt
und kommentiert von Gerhard Wehr. München: E. Diederichs 1991. (Neuausgabe i.
Vorbereitung). Sekundärliteratur
Anderson,
Bo: Studien zu Jakob Böhmes Aurora oder Morgenröte im Aufgang. Stockholm 1986 Benz,
Ernst: Der vollkommene Mensch nach Jakob Böhme. Stuttgart 1937 Böhme,
Gernot (Hrsg.): Klassiker der Naturphilosophie. München 1989, S.158-170 Bornkamm,
Heinrich: Luther und Böhme. Bonn 1925 (Arbeiten zur
Kirchengeschichte 2) Deghaye, Pierre: La Naissance de Dieu ou la Doctrine de
Jacob Boehme. Paris
1985 Faivre,
A./Zimmermann, R. C. (Hrsg.): Epochen der Naturmystik. Hermetische Tradition
im wissenschaftlichen Fortschritt. Berlin 1979 Grunsky,
Hans: Jakob Böhme. Stuttgart 1956 Jecht,
Richard: Die Lebensumstände Jakob Böhmes, in: Jakob Böhme. Gedenkgabe der
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Ernst-Heinz: Jakob Böhme. Leben und Werk. Berlin-Ost 1976 Nigg,
Walter: Heimliche Weisheit. Mystisches Leben in der evangelischen
Christenheit. Zürich 1959; Olten-Freiburg 1975 Pältz,
Eberhard: Jakob Böhmes Hermeneutik, Geschichtsverständnis und Sozialethik.
Jena 1961 —: Jakob
Böhme, in: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Berlin-New York 1980. Bd. VI,
748-754 Peuckert,
Will-Erich: Das Leben Jakob Böhmes. Jena 1924; 2 Aufl. in J. Böhme: Sämtliche
Schriften, Bd. 10. Stuttgart 1961 Pietsch,
Roland: Die Dialektik von Gut und Böse in der »Morgenröte« Jakob Böhmes.
Innsbruck 1975 Wehr,
Gerhard: Jakob Böhme in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1971; 61991
(Rowolt Monographie 179) —: Die
deutsche Mystik. Mystische Erfahrung und theosophische Weitsicht. München
1988 —:
Esoterisches Christentum. Von der Antike zur Gegenwart. Stuttgart:
Klett-Cotta 1995 —: Zur
Wirkungsgeschichte Jakob Böhmes (Arbeitstitel, in Vorbereitung). *
* * Erster Teil - Wie das ewige Wort sei
Mensch worden 3. Kapitel - Die Pforte der Schöpfung des Menschen 5. Kapitel - Vom kläglichen, elenden Fall der Menschen 7. Kapitel - Vom verheißenen Weibessamen und Schlangentreter 8. Kapitel - Von der Jungfrauen Maria und der Menschwerdung Jesu
Christi 12. Kapitel - Von der reinen Jungfrauschaft 13. Kapitel - Vom zweifachen Menschen, als vom alten und vom neuen Adam 14. Kapitel - Von der neuen Wiedergeburt Zweiter Teil der Menschwerdung Jesu
Christi 2. Kapitel - Die wahre hochteure Porte der Hl. Dreifaltigkeit, das Auge
des ewigen Lebensscheins 3. Kapitel - Die gar ernstliche Porte. Wie Gott außer dem Principio des
Feuers nicht offenbar sei 4. Kapitel - Vom Principio und Urstand der feuernden Welt und vom
Centro der Natur 5. Kapitel - Vom Principio in sich selber, was es sei 6. Kapitel - Von unserem Tode, warum wir sterben müssen 8. Kapitel - Die Pilgrim-Straße aus dem Tode ins Leben 9. Kapitel - Weitere und mehrere Umstände dieser dritten Citation 10. Kapitel - Vom Ebenbilde Gottes des Menschen als von der Gleichheit
Gottes und des Menschen Dritter Teil der Menschwerdung Jesu Christi 1. Kapitel - Was Glaube sei und wie er ein Geist mit Gott sei 2. Kapitel - Von dem Ursprung des Glaubens und warum Glaube und Zweifel
beisammen wohnen 4. Kapitel - Was des Glaubens Werk sei und wie der Wille darinnen
wandle, und von seinem Führer 6. Kapitel - Was die Lust vermag — Wie wir in Adam gefallen und in
Christo wiedergeboren sind 7. Kapitel – Zu was Ende diese Welt samt allem Wesen sei geschaffen,
auch von zwei ewigen Mysterien 8. Kapitel - Auf welche Weise Gott die Sünde vergiebet und wie man ein
Kind Gottes wird ________ *
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