Muslime sind gläubige Menschen. Sie verehren Jesus als einen bedeutenden
Propheten, erkennen ihn jedoch nicht als Sohn Gottes an. Die christliche
Vorstellung der Dreieinigkeit wird im Islam als unvereinbar mit dem strengen
Monotheismus betrachtet. Viele Muslime sehen darin eine Form von Vielgötterei (Schirk), die im islamischen Verständnis eine schwere
Verfehlung darstellt.
Im Koran wird eine göttliche
Dreieinigkeit ausdrücklich abgelehnt. Nach islamischer Auffassung ist Gott
(Allah) absolut einzig und unteilbar. Die christliche Lehre hingegen versteht
die Dreieinigkeit nicht als drei Götter, sondern als die drei wesentlichen
Eigenschaften oder Erscheinungsweisen des einen Gottes: Vater, Sohn und
Heiliger Geist. Dies ist eine zentrale Glaubenswahrheit im Christentum und kein
bloßes Dogma ohne geistige Grundlage.
Auf einer anderen Ebene kann man auch sagen: 1 = 1 + 10 + 100. Dies
symbolisiert eine innere Vielschichtigkeit, ohne dass die Einheit zerfällt. So
ist auch Gott in der christlichen Auffassung einer – und doch dreifach in seinen
Eigenschaften. Es handelt sich um eine spirituelle Dreiheit in der einen
göttlichen Person.
Jesus wird im Koran als Sohn Marias dargestellt, als ein besonderer und mit
Zeichen begabter Mensch – ähnlich wie Mohammed (auch als Ahmed bezeichnet).
Seine jungfräuliche Geburt gilt im Islam jedoch nicht als Beweis für seine Göttlichkeit.
Vielmehr bleibt er ein hochverehrter Prophet, aber kein göttliches Wesen.
Die Kreuzigung Jesu wird im Koran verneint. Nach islamischer Lehre starb er
nicht am Kreuz, sondern wurde von Gott gerettet. Dennoch wird er als „Gesandter
Gottes“ und als eine bedeutende Persönlichkeit anerkannt – in gewisser Weise
auch als Messias, wenn auch in einem anderen Sinn als im Christentum.
Jakob Lorber schildert in seinen Schriften die
jüdische Erwartungshaltung dahingehend, dass der Messias seine Herrschaft
geistig ausdehnen und die Gegner Gottes richten werde. In dieser Sichtweise
bleibt die Vorstellung eines geistigen Königtums ebenso zentral wie die eines
umfassenden göttlichen Einflusses auf die Welt.
Während der Islam in einigen überlieferten Textstellen (vor allem aus dem
historischen Kontext der Frühzeit) zu Verteidigung und Kampf gegen Feinde
aufruft, legt das Christentum, besonders in der Bergpredigt Jesu, den
Schwerpunkt auf Feindesliebe. Jesus fordert dazu auf: „Liebt eure Feinde“
(Matthäus 5,43–44) – ein Prinzip, das in seiner Radikalität einzigartig ist.