
Die sieben Worte Jesu
Christi am Kreuz
Als inneres Wort empfangen durch Antonie Großheim, Graz
Zum
Geleit!
Das
vorliegende Büchlein „Die sieben Worte Jesu am Kreuz“ wurde von einer dem
großen Mystiker und Gottesboten Jakob Lorber
nahestehenden Frau, Antonie Großheim in Graz, im Jahr
1863 auf Eingebung der inneren Stimme des Geistes niedergeschrieben.
Über
Antonie Großheim erfahren wir Näheres in dem kurzen,
interessanten Lebensbilde „Jakob Lorber“, das der
steiermärkische Schriftsteller und Ständesekretär Karl Gottlieb Ritter von
Leitner von seinem Zeitgenossen und hochverehrten Freunde, dem großen Seher, verfaßt hat (nebst allen Werken Jakob Lorbers
erschienen im Lorber-Verlag, Bietigheim,
Württemberg). – Nach diesen Nachrichten war Antonie Großheim
eine Hausbesitzerin in Graz, die ihre irdische Habe gerne zum Gutes-Tun
verwendete. Obwohl sie durchaus keine leichtgläubige Frau war, sondern sich an
des Paulus Mahnung hielt: „Prüfet die Geister!“ – war sie eine überzeugte
Anhängerin der tiefsinnigen, Gott, Schöpfung und Leben mit göttlichem Licht
erhellenden Schriften Jakob Lorbers und hat dem in
irdischer Armut lebenden „Schreibknecht Gottes“ gar manche liebevolle
Unterstützung gewährt.
Da der
Herr im Evangelium des Johannes (Kap. 14, 21) denen, die Seine Gebote der Liebe
„haben und halten“ verheißt, daß Er bei ihnen wohnen
und Sich ihnen offenbaren werde, so dürfen wir wohl auch glauben, daß Er es ist, der Sich in der nachstehenden Schrift der
aufrichtigen, herzensguten Jüngerin erschlossen hat. Weist ja doch auch der
Inhalt nur zu Ihm, dem Vater in Jesus, und auf den Weg des Glaubens, der durch
die Liebe tätig wird!
Die
Herausgeber
Lorber-Verlag – Bietigheim/Württ.
I.
Einleitung
1) Mein
Kind, höre! Du sollst ein Buch schreiben, zum Zeugnis, daß
es vor Mir gleich ist, welches Werkzeug Ich wähle oder wen Ich zum Träger
Meines Wortes aussuche. Denn nicht die Großen und Gelehrten werden es erfahren,
was es heißt, „ein Rüstzeug des Herrn“ zu sein. – Auch sage Ich dir, du wirst
noch manches zu leiden und zu dulden bekommen. Aber sei unbesorgt, Ich werde
dir zur Seite stehen.
2] (Auf
zweifelnde Gedanken der Schreiberin, ob das Vernommene in Wahrheit vom Herrn
und nicht etwa unbewußtermaßen aus der eigenen Seele
flamme): Ich will dir, du ungläubige Seele beweisen, daß
Ich es bin, der Herr Himmels und der Erde, welcher durch deine irdische Hand
schreibt. – Ja, Ich schreibe Selbst! – Und Ich will, daß
du aus dir selbst die Liebe und das Vertrauen haben sollst! Und somit glaube
nun und vertraue!
3] Ich
dein Gott und Vater von Ewigkeit gebiete dir, du sollst von heute angefangen
alle Tage abends eine Stunde Mir überlassen, in welcher Ich dir in diese Feder
sagen werde, was Ich der Welt verkündet wissen will. – Sei nicht furchtsam, Ich
Selbst bin ja bei dir!
II.
Am 11.
Oktober 1863
1) Ihr,
Meine Kinder, die ihr durch die Sünde gebunden seid und im Schlafe eures Welttuns dahin träumt, vernehmet Meine Worte, welche Ich
als der alleinige Herr der Unendlichkeit durch den Mund einer Mir erwählten
Magd euch kundtue!
2] Die
Zeit der Vorhersagung der Propheten im Alten Bunde,
sowie alles, was die Seher von Mir vorausgesagt haben, ist mit Meiner einstigen
Darniederkunft auf eurer Erde erfüllt worden. Und
jetzt ist abermals die Zeit herbeigekommen, welche Ich bei Meinen irdischen
Leibeslebzeiten vorausgesagt habe, als Ich sprach: „Es wird eine Zeit auf Erden
erscheinen, da selbst Meine Auserwählten von Mir abfallen würden, wenn es von
Mir zugelassen wäre.“ – Doch dafür (daß solch
Äußerstes an Meinen Kindern nicht geschieht) ist gesorgt.
3] Ihr
Übrigen aber, denen alles eher am Herzen liegt, als eure ewige Bestimmung zu
erforschen und die Mittel zu deren Erreichung euch zu eigen zu machen, euch
lege Ich als euer Vater und einstiger Richter ans Herz: Lasset die Welt und
ihre vergänglichen Freuden und kehret euch zu Mir in Wort und Tat, dieweil es
noch Zeit ist! Denn nicht lange mehr, so ist Meine Geduld erschöpft, und ihr
verfallt dem Gerichte Meines Zornes! Ihr wisset ja doch aus der Schrift, daß es schrecklich ist, in die Hände des lebendigen Gottes
zu fallen! Auch sage Ich euch: „Wahrlich, wahrlich, Himmel und Erde werden
vergehen, Meine Worte aber werden nicht vergehen!“
4] Als
Ich in Meinem irdischen Leibe unter euch Menschenkindern auf Erden wandelte,
habe Ich Sünder und Zöllner, welche damals als das verachtetste
Volk angesehen wurden, um Mich versammelt. Ich war deshalb bei den Großen und
Vornehmen verachtet und verhaßt, so daß Ich allerorts als ein schlauer Volksbetrüger und selbst
heimlicher Sünder verschrien war. Doch Ich kam ja nicht der Gerechten wegen zur
Erde nieder, sondern der Kranken im Geist und der Sünder wegen, für welche Ich
Mein Leben und Blut hingab.
5] Zur
Zeit Meiner Kreuzigung aber umstanden Mich Meine Mir treu gebliebenen Freunde
sowie eine große Menge schadenfrohen Volkes, welches mit Hohnlachen schrie:
„Früher hat er anderen geholfen, jetzt kann er sich selbst nicht helfen!“ Dies
bestärkte die Feinde in ihrem Glauben, daß Ich nicht
Gott, wohl aber ein von Gott verlassener großer Verbrecher sei.
6] Ich
aber sprach in den Bängnissen Meines irdischen
Fleisches vom Kreuze herab zu den Umstehenden sieben Worte in althebräischer
Zunge, wovon bis auf den heutigen Tag noch keine wahre Auslegung besteht. Daher
habe Ich Mich in Meiner Gnade bewogen gefunden, dieselben nochmals und zwar mit
genauer Auslegung ihrer Bedeutung für die zukünftigen (d. h. die jetzigen) Zeiten
zu wiederholen und so deren Sinn den Menschen, die eines guten Willens sind, zu
offenbaren.
7] Als
Ich nach langen Leiden und Peinen, welche Ich durch
die Ruchlosigkeit der Schergen erdulden mußte, so
weit gekommen war, daß die Hohenpriester
sahen, daß es mit Mir zu Ende gehen könnte, bevor sie
ihre Rache und Bosheit an Mir gekühlt hätten – da trachteten dieselben, vom
obersten römischen Gerichtshofe schleunigst das Todesurteil zu erlangen, um
doch die Freude zu erleben, Mich qualvollst sterben
zu sehen. Als demnach die Todesbotschaft, wonach Ich sollte gekreuziget
werden, ankam, frohlockten Meine Feinde überlaut und trachteten ihr Werk
sogleich in Vollzug zu setzen.
8] Als
nun endlich Meine Hinrichtung erfolgte, da kamen Meine Freunde, welche heimlich
sich unter dem Volke verborgen gehalten, zum Kreuze, um Mich zu trösten und zu
stärken. Allein die böse Rotte wollte dieselben zurücktreiben, und nur durch
die Vermittelung des Pilatus war es Meiner Mutter
sowie Johannes, Meinem Lieblingsjünger, nebst noch einiger Frauen möglich, bis
zum Fuße des Kreuzes zu gelangen und so bei Meinem Leibestode gegenwärtig zu
sein.
III.
Die sieben Kreuzesworte
Als die
freche Rotte Mich Meiner Kleider beraubt hatte und Mir, so entblößt, Hände und
Füße an das Holz band und zum Überflusse dieselben noch mit stumpfen Nägeln
durchstach, da geschah es, daß Ich in Meinem
gequälten Fleische aufseufzte und sprach:
„Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was
sie tun!“
– Das war
das erste bedeutungsvolle Wort, welches Ich im Hinblick auf die damalige und
die künftige Menschheit und ihre Sünden in Meinem Schmerze gesprochen.
2] Als
Ich sodann am Kreuze aufgerichtet wurde, da sah Mein Leib, von Blut und Staub
bedeckt, so erbarmungswürdig aus, daß selbst den
umstehenden Feinden das Herz bewegt wurde. Ich aber sah, daß
es nur eine vorübergehende Umwandlung war und ihre Erbarmnis
nicht Mir, sondern nur ihrem Schönheitsgefühle galt. Deshalb sprach Ich:
„Mich dürstet!“
– Allein
die Schergen verstanden nicht, was Ich mit diesen Worten meinte – nämlich daß Mich um das Heil so vieler Seelen dürstete, welche Ich
in ihrem Wahn zugrunde gehen sah. Und so gaben sie Mir, um Mich noch mehr zu
quälen, Galle mit Essig vermengt zum Trinken, was Ich aber verschmähte.
3]
Alsbald begann nun die ganze Natur zu beben, und die Elemente traten aus ihrer
Ordnung. Die Sonne, als das Vorbild des ewigen Lichtes, verlor ihren Glanz, zum
Zeichen, daß die Menschen in ihrer geistigen
Blindheit nicht sahen, daß Sich die Gottheit unter
der sterblichen Hülle Meines Leibes zurückdrängte und den Leib dem materiellen
Tode übergab. Deshalb sprach Ich die Worte:
„Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich
verlassen!?“
4] Nicht
ein anderer Gott außer Mir war es, zu dem Ich rief, sondern die Gottheit in
Mir, Gottes Geist und Urkraft in ihrem Vollmaße. Nur
Meine Leibeshülle war ja gleich wie bei den Menschenkindern aus Erdenstoff
genommen. Und diese mußte auch in Mir (dem Schmerz
und dem Tode) untertänig sein. Deshalb suchte die Materie in ihrer
Verlassenheit Hilfe – zum Vorbilde, daß jeder
Erdenmensch Hilfe allein bei Gott suchen soll.
5] Die
Zeit nahte heran, da Ich, Mich immer schwächer fühlend, die Seele Meinem
himmlischen Vater überantwortete. - - Da sah Ich unter dem Kreuze Meine Mir so
liebe und treue Mutter Maria nebst Meinem Jünger Johannes (welcher zugleich
Mein Geheimschreiber gewesen) zum Tode betrübt stehen und sprach zu beiden die
bedeutungsvollen Worte:
„Maria, siehe deinen Sohn!“
–
und zu Johannes:
„Siehe deine Mutter!“
Mit
diesen Worten deutete Ich an, daß Ich gleichsam Mein
geistiges Testament machte, die Weltkinder dem Gottesgeiste übergeben und Maria
zur Mutter der schwachen und kranken Seelen im Fleische berufen habe.
6] Als es
nach jüdischer Zeitrechnung drei Uhr geworden, war die Zeit Meines Leibestodes
herangekommen, und Ich erzitterte in Meinem Gebein im Todesschauer. In solchem
Augenblicke sah Ich neben Mir den mit Mir zugleich an das Kreuz gebundenen
Verbrecher Dismas, welcher seine Augen in Sehnsucht
nach Mir wandte, in Gnaden an und versprach ihm, daß
er
heute noch bei mir im Paradiese sein werde.
7] Nach
Meiner Auffahrt hat dieses Wort bis auf den heutigen Tag zu vielen Auslegungen Anlaß gegeben. Die allein wahre aber ist diese, daß jede Menschenseele nach ihrem Leibestode je nach ihrer
Vollkommenheit in einen niederen oder höheren Grad des Lichtes gelangt, und daß selbst Seelen, welche alles Irdische schon diesseits
abgebüßt haben, zuerst nur in das Paradies oder in den niederen Grad der
Seligkeit gelangen können. Denn keine Seele kann, bevor sie ganz geläutert und
gereinigt ist, in den Liebehimmel zur höchsten Seligkeit eingehen. – So hatte
auch Dismas durch die Liebe und das Vertrauen zu Mir
den ersten Grad erreicht und war es möglich, ihm das Paradies zu verheißen.
8] Ich
war schon in den Todeszügen, als Ich die Worte sprach:
„Vater, in Deine Hände empfehle Ich meinen
Geist!“
– Dies
ist ebenfalls ein schwer zu deutendes Wort für viele Menschen. Denn weshalb
sollte Ich, Gott Selbst, Meinen Geist in die Hände eines Gottes außer Mir
empfehlen!? Da würden ja zwei Götter in die Erscheinung treten! – Allein dem
ist nicht so, und es soll sich niemand irreführen lassen durch diesen
Ausspruch. Vielmehr verstehe jedermann, daß nur die
äußerste (seelische) Umhüllung Meines inneren Gottgeistes diese Worte sprach,
und solche also nur in eben dem gleichen Sinne zu verstehen sind, wie Ich bei
Meinen Leibes-Lebzeiten von Mir sagte: „Ich, des Menschen Sohn, sage euch
dieses oder jenes“. Ganz ebenso sprach am Kreuze die seelische Lebenskraft
Meines irdischen Leibes die Worte: „Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen
Geist!“
9] Sobald
sich die Seele nun drängte, den Leib zu verlassen, wurde Ich immer schwächer.
Und das umstehende Volk frohlockte und spottete Meiner. Doch Ich mußte den Kelch bis zur Neige leeren und sah auch voraus, daß die tobende Menge von Meinem Schmerz und Todeskampf
ungerührt bleiben werde. Und so denn, als schon der letzte Augenblick Meines
irdischen Lebens gekommen war, sprach Ich das letzte Wort auf Erden:
„Es ist vollbracht!“
10] O
Menschen, wenn ihr imstande wäret, dieses einzige Wort so recht von Grund aus
zu verstehen! Wenn ihr voll begreifen könntet, was es heißt, daß Gottes Sohn das große Werk der Erlösung des ganzen
Menschengeschlechtes vollbracht – dann würde keine Seele zugrunde gehen! Doch
die Sünde ist durch Adam in die Welt gekommen; und deshalb wird, solange noch
eine gefestete Materie den Weg des Fleisches durchs irdische Leben gehen muß, die Sünde und der materielle Tod der Anteil der
Menschenkinder sein. Und es wurde denn auch die Kraft des Bösen und der Satan
in der Materie durch Gottes Sohn und Sein Mittleramt (nicht völlig beseitigt,
sondern] nur gebrochen.
11] (Für
jede Seele heißt es also nun, durch Glauben und Liebe auf der eröffneten Bahn
dem Mittler in aller Demut und mit voller Tatkraft nachzufolgen. So wird dann
das Werk der Erlösung auch für dich, Menschenkind, vollbracht werden!)
IV.
Hinscheiden und Kreuzabnahme
Auf
dieses Mein letztes Wort verschied Ich, oder vielmehr Meine Seele trat aus der
Materie und vereinte sich mit Meinem Urgeiste,
welcher der ewige Gottesgeist war.
2] Und
Ich stieg hinab in den Ort, wo die Seelen der Allväter der Stunde der Erlösung
harrten. Denn kein Geschöpf konnte, bevor die Gerechtigkeit Gottes durch das
große Liebeswerk der Erlösung versöhnt war, in den Frieden des Himmels
eingehen. Ich machte also wieder frei die Bahn, welche ursprünglich allen Wesen
frei gegeben, einst aber durch den Abfall der Engel abgebrochen worden war.
3] Adam
hätte diesen Pfad wieder errichten und die in Erstarrung getretene Materie,
welche alles geistige Leben umhüllte, zu ihrem Ursprunge zurückführen sollen,
wozu ihm der Wille frei gegeben war. Aber er verlor die Freiheit wieder durch
die Sünde des Ungehorsams gegen Gott und verfiel nebst allen Nachkommen immer
tiefer in das Gericht des Todes, wovon ewig keine Erlösung zu hoffen war. Da
trat die unendliche Erbarmung und Liebe des Urewigen
ins Mittel, um, als Menschensohn in Erdstoff gehüllt,
Seine Geschöpfe frei zu machen und sie zurückzuführen zu ihrer ersten und
ewigen Bestimmung.
4] Als
Ich die vorgeschriebene Zeit nach jüdischem Gesetz am Kreuze gehangen hatte,
kam die Stunde heran, daß die Leiber der drei
Verbrecher, unter welche Ich mitgezählt war, abgenommen werden sollten. Denn es
war die Zeit der Rüsttage, während der niemand auf der Richtstätte bleiben
durfte. Da kamen Meine Freunde, welche zumeist Römer und Griechen waren – auch
einige Juden gab es unter denselben als heimliche Anhänger Meiner Lehre – und
wollten Mir den letzten Liebesdienst auf Erden erweisen.
5] Sie
hatten Meinen Leichnam vom obersten Statthalter erkauft, um denselben in ein
Grab legen zu können. Und so wurde Ich von Meinen wenigen, Mir noch treu
gebliebenen Freunden unter Spott und Hohn des Judenvolkes vom Kreuze herabgenommen. Und Meine zum Tod betrübte Mutter Maria sank
zu Mir auf die Erde nieder und nahm, als sie ihr Kind entstellt, blutend und
tot vor sich sah, Mein Haupt auf ihren Schoß unter tiefem Wehklagen und
unzähligen Tränen.
6] Du
fragst Mich, wie es mit der Seitenwunde aussah, welche Ich vergessen haben
müsse, da Ich davon keine Erwähnung gemacht habe!? Doch sorge
dich darum nicht! Denn diese Wunde ist Mir erst als Ich irdisch verschieden
war, beigebracht worden und war nur die willkürliche Handlung eines
barmherzigen Soldaten, welcher der Meinung war, daß
Ich vielleicht nur in Todesohnmacht wäre. Er wollte, daß
Ich dadurch von Meinem grausamen Leiden früher erlöst würde. Und ihm wurde
deshalb auch die Gnade zuteil, daß in eben demselben
Augenblick, als sein Speer Mein Herz durchstach, sein Herz von namenlosem
Schmerz durchzuckt wurde und er erkannte, wessen Herz er da durchstochen hatte.
V.
Grablegung und Auferstehung
Nun wurde
Ich, d. h. Meine Hülle, zum Grabe getragen, welches eine ziemliche Strecke
außerhalb der Stadt Jerusalem gelegen war und dem Hohepriester Nikodemus gehörte. Als Mein Leib, nach morgenländischer
Sitte mit Spezereien wohl versehen und in weiße Linnen gehüllt, in die Gruft
versenkt wurde, umstanden Mich weinend und klagend Meine Freunde. Welch ein
Schmerz die treuen Seelen durchzog, als sie Mich ihrer Meinung nach zum letzten
Male auf dieser Erde zu sehen wähnten und von Mir den traurigsten Abschied
nahmen – davon ist in Meiner Leidensgeschichte bereits Erwähnung geschehen.
2] Hier
in diesem Werkchen soll bloß von Meinem Tode und von
den nun bald in Erfüllung gehenden Vorhersagungen die
Rede sein, welche durch die für die blinde Volksmenge unverständlichen sieben
Worte angedeutet worden sind. Denn nun ist die Zeit herangekommen, in der Ich
die Worte zur Tat machen werde!
3]
Nachdem Ich fast zwei Tage lang im Grabe gelegen hatte, war, um die Schrift zu
erfüllen, die Zeit meiner Verklärung oder Auferstehung gekommen. Und als des
dritten Tages Morgen angebrochen war, da geschah es denn, daß
Ich Mich, von den Banden des Todes frei und die Seele mit dem vergeistigten
Leibe vereinend, zu Meinem himmlischen Vater oder Urgeiste
erhob und glorreich als Überwinder des Todes und des Satans auferstand.
4] Es
waren die ersten Stunden des Morgens, als Ich der Maria von Magdalon,
welche Mich in tiefem Schmerz im Grabe besuchen wollte, im Garten erschien. Vor
Freuden außer sich, sank sie, als sie Mich erblickte, in Liebestränen aufgelöst
zu Meinen Füßen und konnte kaum zur Ruhe gebracht werden. – Oh wie segenbringend
ist eine solche Liebe!
5] Ich
erschien an diesem Tage auch noch einigen Meiner Jünger, ebenso auch Meiner
Mutter Maria. Es war nun endlich die Zeit herangekommen, da Ich nach Erfüllung
Meines Mir vom himmlischen Vater auferlegten Opfertodes noch Zeit und Muße
hatte, mit Meinen Freunden zu verkehren und ihnen den Wert und die Bedeutung
Meines so schmerzlichen Leidens und Todes zu erklären. Was Ich während der Zeit
bis zu Meiner Auffahrt alles mit Meinen Jüngern geredet habe, ist bis zur
Stunde noch nirgends in der Welt verzeichnet vorgefunden worden, da nur in den
Briefen Pauli an die Epheser einiges vorkommt, was mit Meinen Lehren während
dieses Meines irdischen (geistleiblichen) Aufenthaltes fast gleichbedeutend
ist.
6] Sobald
Ich sah, daß Meine Jünger Mich erkannten und Mir
wieder wie früher anhingen, versammelte Ich sie in einer von der Stadt
abgelegenen Herberge und besprach Mich mit ihnen von Meinem Tode, von Meiner
Auferstehung sowie auch von Meiner baldigen Auffahrt zum Vater. Meine Freunde
waren sehr betrübt, als sie hörten, daß Ich sie auf
immer verlassen werde. Doch Ich vertröstete sie und versprach, ihnen einen
Tröster zu senden, welcher sie stärken und in alle Wahrheit leiten werde. Mit
diesem Troste gaben sich endlich alle zufrieden.
7] Darauf
aber machte Ich noch Meinen Liebling Johannes mit allen Ereignissen bekannt,
welche die Völker im Laufe der fernen Zeiten treffen werden. Auch sagte Ich
ihm, er solle alles aufzeichnen, was Ich ihm in Betreff der Zukunft
bekanntmachen werde. Es geschah dies denn auch. Allein durch spätere Kriege und
Eroberungen der Völker gingen alle diese Schriften verloren.
8] Und so
höre und schreibe du nochmals, was ich dir hierüber kundzumachen für gut finde!
VI.
Auslegung der Kreuzesworte
Es ist
zwar von Gott jedem Menschen der freie Wille gegeben, Gutes oder Böses zu tun
und sich die Seligkeit oder aber die Verdammnis zu erwerben. Allein Gott ist
allwissend und übersieht die Zeitläufe von Äonen von Jahren wie den Zeitraum
einer Sekunde. Deshalb sah die Gottheit schon im Anfange beim Falle des ersten
Menschenpaares, welches Unheil die Sünde nach sich ziehen werde und was für die
fernen Abkömmlinge im Laufe der Zeiten für Kriege, Krankheiten und unzählige
andere Übel daraus entstehen werden.
2] Es
blieb, um die Menschenkinder doch wenigstens vom ewigen Tode zu erlösen, der
erbarmenden Liebe der Gottheit nichts anderes übrig, als durch die
Menschwerdung des ewigen Wortes und des Menschgewordenen (Jesu) Tod die Bande
des ewigen Todes zu lösen. Die zeitlichen Übel sind jedoch dadurch nicht
aufgehoben worden. Denn die Sünde zieht die Strafe unvermeidlich nach sich. Und
– oh in welchem Meere von Sünden und Lastern sind die Menschen inzwischen
versunken!
3] Als
Ich, der Erlöser, für das Menschengeschlecht blutend und sterbend am Kreuze
hing, da sprach Ich denn, die ganze Größe seiner Schuld und deren Folgen
voraussehend, jene bedeutungsvollen sieben Worte, die Ich jetzt den Menschen
nochmals zu ihrem Heile erklären werde.
4] Das
erste Wort,
welches
Ich da gesprochen: „Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!“ – hat
nicht so sehr die blinden Juden angegangen als vielmehr diejenigen Nachkommen,
welche nach Annahme Meiner Lehre Meinen Namen tragen und in der späteren Zeit
Mir Tempel bauen werden. Diese Menschen haben sich trotz Meiner Lehre, daß Mein Reich nicht von dieser Welt ist, so in die
irdische Materie hineingelebt, daß Mein einst an den
reichen Sohn des Pharisäers gerichteter Ausspruch: „Wahrlich, Ich sage dir,
eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein solcher Reicher in das
Himmelreich!“ – auf sie seine volle Anwendung findet.
5] Meine
Lehre spricht von Demut, Sanftmut, Duldsamkeit gegenüber den Schwächen des
Nächsten. Doch, o weh, wie so wenig wird diese Lehre befolgt. Gerade Meine seinsollenden Jünger sind heutzutage des Hasses voll gegen
ihre in menschliche Schwächen verfallenen Brüder.
6] Ich
betete doch, daß alle Menschen sich als gute Brüder
und Schwestern untereinander beistehen möchten – aber wie wenig wird dem Folge
geleistet! Mord, Raub, Zank und Totschlag aus Nichtbeachtung Meiner himmlischen
Lehre ist nur allzu offenbar und wird in eigen- und herrschwilligstem
Ungehorsam selbst den Bessern schon mehr oder minder verderblich.
7] Das zweite Wort
lautete:
„Mich dürstet!“ – O wohl dürstete dort und dürstet Mich noch immer nach so
vielen, in ihrem Wahne zugrunde gehenden Seelen, welche nur in ihren
Weltgelüsten ihr Heil suchen und sich weder um Gott noch um eine Ewigkeit
bekümmern.
8] Doch
wehe, wehe solchen Weltlingen! Es wird ein furchtbares Gericht über sie
hereinbrechen, da das Maß ihrer Sünden übervoll und ihnen nur noch eine kurze
Frist gestellt ist! Und wenn auch diese fruchtlos verfließt, werden sie hinweggestrichen aus dem Buche der Lebendigen!
9] Du
fragst Mich in deinen Gedanken, wie es denn komme, daß
Ich immer drohe und doch keine feste Zeit Meiner Züchtigung bestimme!? Da sage
Ich dir und allen, welche Ohren haben zu hören: Eben weil Ich als euer Vater
und ewiger Richter jeder Seele hinlänglich Zeit und Gelegenheit bieten will,
sich ihr ewiges Heil zu erwerben, und weil keine Seele am Tage des Gerichtes
sich soll entschuldigen und ausreden können, als ob sie verkürzt worden wäre.
10] Mein drittes Wort war:
„Mein
Gotte, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen!“ Diesen Ausruf haben selbst
Meine Freunde für menschliche Schwäche genommen. Und selbst sie gerieten dabei
in Zweifel, wie es denn komme, daß Ich früher Mich
für Gott ausgegeben habe und jetzt in Meinen Todesängsten zu Gott rufe im
Wahne, Er habe Mich verlassen.
11] O ihr
kurzsichtigen Sterblichen! Merket ihr denn nicht, daß
nur der Geist in Mir Gott war, die Hülle oder das Fleisch dagegen aus schwacher
Materie bestand und gleich euern Leibern ebenso dem Schmerz und der Pein untertan sein mußte. Denn welches
Verdienst wäre es wohl gewesen, wenn Ich nicht in dieser (menschlich schwachen
und unvollkommenen) Hülle die große Schuld der Menschen entsündigt hätte
dadurch, daß in Mir die Materie gehorsam sein mußte bis zum Tod am Kreuze!?
12] So
wie Ich selbst in Meinem dritten Worte – werden dereinst alle jene am großen
Gerichtstage rufen, welche sich im Leben nie oder sehr wenig um Mich und Mein
Wort bekümmert haben. Allein, wenn die Zeit der Gnade vorüber ist, dann kann
kein noch so lauter Ruf um Gnade und Barmherzigkeit mehr helfen.
13] Denn
schaue um dich, und du wirst finden, wie die Welt vorwärts schreitet auf der
Bahn der weltlichen Wissenschaften, Künste und neuen Entdeckungen; die Menschen
erforschen die geheimsten Kräfte der Natur, und Ich lasse es zu, daß alle Meine Werke ihnen untertan
sind, da Ich ja alles herrlich und zum Nutzen Meiner Kinder erschaffen habe.
Allein zu welchem Zwecke werden all ihre Wissenschaften verwendet!? Nur um sich
zu bereichern mit weltlichen Schätzen oder um ihrer Hoffart und ihrem Übermute zu fröhnen. Dabei
vergessen die Wohlhabenden ganz ihrer armen Brüder, die immer tiefer in
allerlei Not und Elend versinken und in ihrem Jammer um Hilfe und Erbarmung zu
Mir rufen.
14] Wie
sollte Ich da Mich nicht Meiner armen Kinder erbarmen und sie nicht erretten
aus ihrem schweren Joche der Sklaverei geistig und leiblich!? – Und wie könnte
Ich da Gnade und Barmherzigkeit widerfahren lassen denen, die selber Gnade und
Barmherzigkeit nicht kennen!?
15] Das vierte Wort:
„Maria,
siehe deinen Sohn! Und du Sohn, siehe deine Mutter!“ – sprach Ich nicht so sehr
Meiner Mutter wegen, da Ich ja wußte, daß Meine Jünger Meine Leibesmutter nicht verlassen würden.
Vielmehr wollte Ich dadurch gleichsam anzeigen, welche Liebe Ich für Meine
Kinder im Herzen trug. Ich wollte sie alle der erbarmenden Liebe Gottes, welche
durch die Mutterliebe entsprechend angedeutet wird, anempfehlen. Und unter dem
„Sohne“ wurden denn auch gleichfalls alle Menschenkinder verstanden, welche
sich durch die genaue Befolgung Meiner Lehre dieser Liebe wert machen können.
16]
Allein, wo ist jetzt unter den Menschen die genaue Befolgung Meiner so
einfachen und für das Wohl der Seele so nutzbringenden Lehre? Wenige unter
allen Meinen Kindern befolgen noch halbwegs Meinen Willen. Die übrigen sind
entweder vom Eigendünkel zu sehr umstrickt oder von zu vielen Weltsorgen
umgeben, um sich viel um Mein Wort zu bekümmern. Deshalb hat sich Meine
göttliche Lehre fast nur mehr zu einer Scheinlehre oder zu einem hergebrachten
Gebrauche gestaltet und hat dadurch die Sünde die Oberhand über die Menschen
gewonnen.
17] Es
ist daher die höchste Zeit, Meine Kinder wieder mit allem Ernst auf den rechten
Weg zurückzuführen. Allein, das geht leider nicht mehr mit gelinden Mitteln,
sondern nur mit aller Strenge des Gerichtes. Denn auch das Sprichwort sagt:
„Wer nicht hören will, muß fühlen!“ – Und so muß Ich, um die Völker nicht ganz in ihrer maßlosen
Verblendung in den ewigen Tod versinken zu lassen, eine ernstliche Züchtigung
über dieselben hereinbrechen lassen.
18] Ich
warnte und warne immer jeden Menschen im einzelnen sowie ganze Völker im
allgemeinen durch Zuschickung von Krankheiten, Mißlingen ihrer weltlichen Spekulationen, durch Kriege,
Teuerung und dergleichen mehr. Ich ließ und lasse es zu, daß
die Menschen durch ihren Eigensinn sich selbst oft den größten Schaden
gegenseitig zufügen. Und dennoch ist das alles oft umsonst! Die Menschen suchen
die Ursache aller dieser Übelstände stets wo anders als bei sich und messen in
ihrer Sündhaftigkeit Mir, als ihrem gütigen und langmütigen Gott, die Schuld
bei.
19] O du
verblendetes Menschengeschlecht! Wie lange soll Ich deinem tollen Treiben noch
zusehen?! Meinst du wohl in deinem Wahne, du könntest Mir, deinem Herrn und
Gott, Trotz bieten?! – Wehe dir, du wirst in der Zeit der Not deine Hände
vergebens um Hilfe zu mir emporheben! Ist die Zeit der Gnade vorüber, dann
werde ich Mein Ohr deinem Geschrei verschließen und taub gegen deine Bitten
sein! Denn ihr wisset, daß es nicht genug ist, Herr!
Herr! zu rufen, sondern daß es gilt, allezeit gerecht
auf Meinen euch vorgezeichneten Wegen zu wandeln, wenn ihr Meiner Gnade
teilhaft werden wollet.
20] Nun
kommen wir zur Auslegung des
fünften Wortes,
welches
Ich am Kreuze gesprochen. – Diese Trostworte: „Heute noch wirst du bei Mir im
Paradiese sein“, sprach Ich zu Dismas, welcher Mir
zur rechten Seite am Kreuze hing. Es galten aber diese Worte nicht ihm allein,
sondern allen Menschen, welche Meine Lehre annehmen und darnach
leben. Weshalb Ich dem Dismas aber nur das Paradies
und nicht den Himmel versprochen, habe Ich schon im Anfange dieses Büchleins
angedeutet. – Es wird bald die Zeit herbeikommen, wo wenige auch nur das
Paradies sich erringen werden, weil es von Mir zugelassen wird, daß die Menschen alles, was in ihrem freien Willen liegt,
unternehmen können, und selbst den bösen Geistern, bevor die große Zeit Meines
Gerichtes eintritt, die Freiheit gegeben ist, sich zur Um- und Rückkehr zum Urlichte zu wenden (wobei freilich auch Meinen guten Engeln
der Auftrag gegeben wird, Meine Kinder zu beschützen und sie vor den
Fallstricken des Satans zu bewahren!) Da wird sich das Wort erfüllen: „Es wird
eine Zeit kommen, da, wenn es zugelassen wäre, selbst die Frommen abfallen
würden.“
21] Was
wird denn das für eine Zeit sein, werdet ihr fragen? Und Ich sage euch, es ist
eben jene Zeit des Hochmutes, der Hoffart, des Krieges, der Unzucht und der
Hurerei aller Art, welche alle Völker ergreift und sie immer tiefer in ihren
Lasterpfuhl hinunterzieht, woraus ohne Meine Hilfe ewig keine Rückkehr zu
hoffen ist.
22] Mit
Meinem am Kreuze ausgesprochenen
sechsten Worte:
„Vater,
in Deine Hände empfehle Ich meinen Geist!“ wollte Ich gleichsam allen
Menschenkindern das schöne Beispiel geben, daß sich
die Seele zu ihrem Urquell zurückzubegeben hat und der Mensch sein Leben und
Tun so einrichten soll, daß er am Ende seiner
irdischen Laufbahn mit Freude und Frohlocken seine Seele seinem himmlischen
Vater übergeben kann.
23] Nun
aber sprach Ich Mein
letztes Wort:
„Es
ist vollbracht!“ – Jawohl, es war vollbracht, das große Werk der Erlösung! Doch
was frommte es auch Tausenden und Abertausenden von Seelen, welche zwar
ebenfalls durch Meinen Tod und Mein Mittleramt von der Erbsünde erlöst wurden
(aber Mir nicht nachfolgen im Geist und in der Tat)!? Der Himmel war ihnen erschossen,
allein durch ihr sündhaftes, liebloses Wesen und ihren unbußfertigen
Lebenswandel zogen sie sich wieder aufs neue die ewige Verdammnis zu!
24] Ihr
Menschenkinder! Als Mein erstes und letztes Wort sage Ich euch denn abermals im
vollen Ernste Meiner Liebe:
25] Tuet
Buße! – Kehret zu euerm Herrn und Gott in Wort und Tat zurück! – Lasset ab von
euerm Wucher und gedenket eurer armen Brüder, welche umsonst euch um
Barmherzigkeit anflehen! Denket der Witwen und Waisen! Und sprecht Recht den
Unmündigen!
26] Denn
es stehet geschrieben: „Mit welchem Maße ihr ausmesset, mit dem wird auch
wieder eingemessen werden!“ – Nehmet euch zur Warnung
vergangene Geschlechter! Solange sie Gott getreu blieben, waren sie groß und
glücklich; als sie aber anfingen, auf sich allein zu bauen, da ließ Gott die
Völker sinken und ganze Reiche wurden von der Erde vertilgt!
VII.
Nachwort
Nun sind
die sieben Worte aufs neue gesprochen, und auch ihre Bedeutung ist euch
kundgegeben, damit die Menschen, welche dieselben vernehmen, sich darnach richten können.
2] Doch
du fragst Mich hier in deinem Herzen: „Herr, wie viele werden von diesem Worte
nichts erfahren! Sollen diese ohne alle Mahnung und Kenntnis von Deinen Worten
zugrunde gehen?“
3] So
höre, was Ich dir hierauf zur Antwort gebe: Kein Mensch, welchen Glaubens er
auch sei, kann sagen, daß ihm nie eine Ermahnung
zugekommen wäre entweder in Worten, in einer Lehre oder durch verschiedene
Prüfungen im Leben. Jeder einzelne wird von Mir darauf aufmerksam gemacht, daß er nicht für diese Welt allein erschaffen ist, sondern daß ein anderes, ewiges Leben nach diesem kurzen irdischen
folgt und nur eine selige Ewigkeit der Seele allein von wahrem Nutzen sein
kann!
4] Somit
vernehmet und beherziget zum Schlusse die letzte Ermahnung, - welche Ich euch
hier kundtue:
5] Wachet
und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet –
denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, wann der Herr kommt. Und wehe euch, wenn
Er euch unvorbereitet antrifft!
6] Nicht
lange mehr währet der Tag! Es wird Abend, und die Zeit des Gerichtes steht vor
der Türe! Wer sich noch in der Zeit zu Mir in Reue, Liebe und Demut wendet, den
will Ich verschonen und ausscheiden aus der Zahl
derer, welche von Meinem Angesichte verworfen werden. Es steht also jedem frei,
sich zu Mir zu wenden oder sich blindlings ins ewige Verderben zu stürzen.
7]
Deshalb eilet! Die Zeit flieht! Schon fängt der Feigenbaum an auszuschlagen –
zum Zeichen, daß der Winter (oder die Zeit des
Erwachens aus Sünde und Sinnentaumel) herangekommen ist und die Menschen und
Völker zu Gericht gerufen werden, um über ihr Treiben Rechenschaft zu geben.
8] Ich,
der Herr, der Ewige und Unendliche, mache euch Menschenkindern zu wissen, daß Ich in Meinem ewigen Ratschlusse bestimmt habe, die
Welt, d. h. die bösen, von Mir abgefallenen und abtrünnigen Menschenkinder
heimzusuchen mit allerlei Plagen, damit sie aufgerüttelt werden aus ihrem
Sündenschlafe!
9] Wollen
sie umkehren, wohl und gut! Wollen sie aber in der Verkehrtheit und
Verstocktheit ihrer Herzen gegen Mich verharren, so will Ich länger nicht
warten und werde sie wie dürres Stroh im Eifer meiner Gerechtigkeit verbrennen!
10] Denn
die Kinder Meiner Liebe rufen laut zu Mir um Hilfe und Erbarmung in ihrer Not.
Und Ich, als ein ewig treuer Vater aller derer, die auf Mich ihr Vertrauen und
ihr Hoffen setzen, kann und will dieselben nicht länger mehr schmachten lassen
unter der Bosheit der Feinde des Lichtes und der ewigen Wahrheit aus den
Himmeln.
11]
Obwohl sich die Zeichen Meiner Wiederankunft auf Erden mehren, so ist freilich
doch noch nicht der Endpunkt gekommen. Und solange die Erde nicht gereinigt ist
von all dem bösen Unkraut, werde Ich nicht erscheinen.
12] Doch
verzaget deshalb nicht, Meine Kinder, und werdet nicht kleinmütig! Wenn ihr
Mich auch noch nicht persönlich sichtbar bei euch habt, so sage Ich euch
dennoch: „Wahrlich, Ich bin bei euch geistig immerdar und stärke und tröste
euch im Geiste!“
13]
Wartet daher ruhig in voller Zuversicht die Zeit ab, bis sich das volle Licht
aus dem Dunkel der Nacht wird entwickelt haben, und ihr werdet die Sonne Meiner
Herrlichkeit aufgehen sehen, welche alle Gemüter erleuchten und erwärmen wird
ewiglich!
14] Diese
Eröffnung sei euch ein Mahnruf zur getreuen Ausharrung
in euerm Werke von – eurem Herrn und Vater Jesus! – Amen.
