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Jakob Lorber Der Großglockner
Ein Evangelium der Berge. Einleitung
– Höret, und dann schauet und erfahret!
[Gr.01_000,01] Liebe Kinder, so ihr Mir nachfolget, da
folget völlig in allem Mir nach; habt nicht Lust zu wandeln in tiefen Tälern,
Gräben und Schluchten, die da sind oft voll Ungeziefer, unreiner Luft und
nicht selten unter den Nachbarn voll Hader, Zank, Haß und aller Dieberei und
gegenseitigen Fluches, sondern gehet mit Mir gern auf Berge und Höhen! Da sollet
ihr allzeit entweder eine Bergpredigt, oder eine Verklärung, oder eine
Sättigung mit wenig Brot, oder eine Reinigung vom Aussatze, oder einen Sieg
über die stärksten Versuchungen, eine Erweckung vom Tode und derart vieles
und für euch jetzt noch Unaussprechliches erfahren; ja, nehmet sogar Kinder
mit, und ihr sollet den Segen der Berge an ihnen gar deutlich erkennen! [Gr.01_000,02] Wer da ist schwachen Leibes, der soll nicht
fürchten die gesegneten Berge, denn ihre Scheitel sind umflossen vom stärkenden
Hauche der Geister des Lebens. Fürwahr, auf den Bergen und Höhen, da drehen
sich selige Reihen und schmücken die duftenden Scheitel mit goldenen Blumen
der ewigen Liebe! O prüfet noch heut' die Bewohner der Berge, ob sie nicht
zumeist groß beschämen die Had'rer der Täler, der
Dörfer, der Märkte und Städte! Die christliche Gastfreundschaft wohnet auf
Bergen nur noch ungeschändet; verträgliche Eintracht, die wohnt nicht in
Städten der Tiefe, in Tälern und Gräben, – auf Bergen nur müßt ihr sie
suchen, da ist sie zuhause, so unter den Pflanzen wie unter den Tieren und
eben nicht selten auch unter den Menschen. [Gr.01_000,03] O lasset zwei Feinde betreten die duftenden
Scheitel der Alpen: ihr werdet erfahren und sehen die Feinde als Freunde
nicht selten sich kosen. Der Wolf, dieses reißende Tier, der nach Blute nur
dürstet, der suchet nicht selten, fürwahr, auf den Bergen sein heilendes
Kräutlein und schonet in diesem Geschäfte der blökenden Herde der Lämmer. [Gr.01_000,04] O schauet zurück auf die ersten Väter der
Väter auf Erden: sie wohnten auf Höhen der Berge! Vom himmelanragenden Sinai
gab Ich dem Moses die heiligen Tafeln, auf welchen mit goldenen Zeichen des
ewigen Lebens gar freie Gesetze den Menschen der schmutzigen Tiefe gezeichnet
und tief eingegraben gar waren. [Gr.01_000,05] Ich brauch' euch nicht mehr'res
von allen den heiligen Bergen zu sagen, auch nicht von der Schule der Seher
und Künder des ewigen Wortes aus Mir; – gehet nur öfter auf Berge, und weilet
recht gerne auf selben, da werdet ihr allzeit die Fülle des Segens der ewigen
Liebe des heiligen Vaters erfahren! Der „Kulm“, schon einmal von Mir euch
geraten, wird geben dem, welcher aus Liebe zu Mir wird besteigen des
grünenden Scheitel, was einstens der Tabor dem Petrus, Jakobus und Meinem Johannes.
Doch höret, Ich sage nicht „Muß“, auch nicht „Soll“; nur wer's kann und wer's
will, folge Mir, seinem Meister und Vater, so wird er gar bald auch erfahren,
warum Ich die Predigt des Himmels vom Berge zum Volke gesprochen! Die Zeit
steht euch frei; doch je eher, je besser, – das merket euch, amen! Das sage
Ich Vater ganz heilig voll Liebe zu euch; hört es, amen, amen, amen! Der Großglockner im neuen Lichte In der Reinen rein'rem Lande, Da, wo reine Lüfte wehen, Wo in liebetreu'm Verbande Brüder miteinander gehen, Da auch über Wolken ragen Freundlich düster hehre Zeugen, Die gar große Bürden tragen, Opfer auch, die aufwärtssteigen! Unter diesen vielen Zeugen, Die das kleine Ländchen zieren, Zeigt in still-erhab'nem Schweigen Deutlich doch der Große Wirren. Diesen Zeugen viele kennen, Weit und breit wird er besprochen, Doch wie viele sein erwähnen, Wird dahier nicht viel gerochen! Wie er da zerklüft't, zerrissen, Und wie hoch empor er raget, Wie er ist an seinen Füßen, Wieviel Schnee und Eis er traget, – Solches wird hier nicht beraten, Sondern was der Riese saget, Sei ganz kurz dahier verraten. Und so wisse, wer da fraget: Zu was nütze solche Höhen? – Solche Höhen vielfach nützen: Wenn erboste Geister wehen Und im Argen sich erhitzen, Eurer Erd' mit Feuer drohen, All's auf ihr vernichten wollen, Ja in Grimmes Feuerlohen Schon so manches Gras verkohlen. – Seht, da greift der hohe Wächter Weit um sich mit tausend Armen All die tückischen Geschlechter Fest und kalt ohn' all's Erbarmen So „am Kragen“, wie ihr saget, Zieht an sich sie von all'n Seiten, Dann zu rühren kein's sich waget, Kein's, sich weiter auszubreiten! Hat er sie an sich gezogen, All die argen Ordnungsstörer, Die die Erd' so oft belogen, – Sie, der Erde Wahnsinnsmehrer, Werden hier erst ganz ergriffen Von des Friedens Geisterhorden Und am Eise matt geschliffen, Stumpf für Lust zum ferner'n Morden. Nun zu Schnee und Eis umstaltet Liegen sie zu Trillionen Schon als Höh'nschmuck grau veraltet Auf den kalten Herrscherthronen. Seht des Glockners nützes Walten Seht, wie er der Ordnung dienet, Daher seine rauh'n Gestalten, Darum auch so hoch er zinnet! Doch allein dazu erschaffen Ist er wahrlich nicht geworden, Um gerecht allzeit zu strafen Arger Geister friedlos' Horden! Was in ihm noch alles stecket, Was er alles noch verrichtet, Wird in Größ'rem ausgehecket Und des Nutzens Weis' gelichtet! Amen. ____________________________________________ 1.
Kapitel – Der Großglockner als Gebirgs- und Landesvater.
[Gr.01_001,01] Es deucht euch wunderbar das wohlgelungene
Bild, wie da majestätisch ein König der Berge, der „Großglockner“ genannt,
aus der Mitte seiner großen Brüder kühn sein Haupt erhebt und schauet
gewisserart nach allen Seiten hin, wo seine Kinder, von ihm auslaufend, sich
befinden; aber noch wunderbarer wird es euch bedünken, wenn Ich euch, nach
der guten Ordnung bei seinen kleinsten Abkömmlingen angefangen, erst also bis
zu ihm hinführen werde. [Gr.01_001,02] Es wird euch freilich wohl ein wenig
wundernehmen, wenn Ich dartue, daß eure Steiermark auch nicht einen Hügel
diesseits des Flusses Drave besitzt, der da nicht
ein Abstämmling dieses Gebirgsvaters wäre; aber das
tut nichts zur Sache, – am Ende wird es sich dann bei der Summierung aller
Wahrheiten wohl zeigen, wie viele Fehlhiebe wir bei dieser Darstellung werden
gemacht haben. [Gr.01_001,03] Und so sehet denn: Wenn ihr zum Beispiel
euren Schloßberg besteiget, oder den sogenannten „Rosenberg“, oder den Plabutsch, oder den Buchkogel, oder ihr verfüget euch
ganz hinab in die letzten Ausläufer der windischen Bühel, da sage Ich euch:
Auf allen diesen Bergen, miteingerechnet diejenigen Alpen, die ihr schon
bestiegen habt, besteiget ihr immerwährend noch den Fuß des Großglockners. [Gr.01_001,04] Wem solches schwer zu glauben wäre, der
dürfte, um den nächsten Gebirgsweg zu haben, nur zum Beispiel hier auf dem
sogenannten „Buchkogel“ seine Reise beginnen, von dort aus aber immerwährend
sich an die Gebirgsrücken halten – welche freilich nicht immerdar gleich hoch
sein werden, aber dennoch immer hoch genug, um von den Tälern wohl
unterschieden zu werden –, und er wird wohl auf diesem freilich etwas
beschwerlichen Wege schon nach einer Tagereise auf jene Alpen gelangen,
welche zumeist die Steiermark vom Kärntnerlande trennen, bei welcher
Gelegenheit er dann nichts anderes braucht, als den mühsamen Weg über alle
die Alpen fortzusetzen, und so er übrigens festen Fußes ist, kann er darauf
rechnen, daß er binnen längstens zehn Tagen schon in die sehr nahe liegenden
Gegenden unseres Großglockners gelangt ist, ohne daß er nur einmal nötig
hatte, über ein tiefes Tal zu gehen. [Gr.01_001,05] Diese Reise wird ihn dann sicher überzeugen,
daß euer Buchkogel samt seinen noch weiterhin gedehnten Ausläufern gar wohl
noch mit diesem Gebirgsvater zusammenhängt. Wer jedoch solche ziemlich
beschwerliche Reise nicht zu machen gedenkt, der nehme in diesem Falle nur
eine gute Landkarte, wo er freilich wohl viel bequemer dieselbe Reise
unfehlbar mit seinem Finger machen kann, und er wird sich von der Richtigkeit
dieser Aussage sicher überzeugen. [Gr.01_001,06] „Ja“, werdet ihr aber sagen, „das mag wohl
alles sein, denn es hängt ja der Nordpol mit dem Südpol sogar zusammen, und
auf diese Weise können ja wohl der Buchkogel und der Großglockner auch
zusammenhängen; aber was soll aus diesem Zusammenhang werden? Wo sieht da ein
Evangelium heraus?“ [Gr.01_001,07] Ich aber sage: Nur eine kleine Geduld, Meine
Kindlein! Denn zwischen dem Buchkogel und dem Großglockner ist des Raumes und
der Dinge genug, um auf dieses Raumes Boden ein gutes Senfkörnlein
auszustreuen, welches da aufgehen und seine Äste und Wurzeln so weit
ausbreiten wird, wie unser großer Gebirgsvater seine Arme und Kinder
ausbreitet! [Gr.01_001,08] Eine Frage läßt sich hier sogleich
anbringen, und zwar diese: „Liegt denn etwas daran, daß dort oben der
Großglockner über alle Berge sein Haupt erhebt, in einem andern Lande wieder
ein anderer, der noch höher ist als der Großglockner, und wieder in einem
andern Lande noch ein dritter, der über alle anderen hinwegschaut?“ [Gr.01_001,09] Hier auf diese Frage gebe Ich eine ganz
kurze Antwort und sage nichts, als daß solches im Ernste sehr notwendig ist,
weil von der überragenden Höhe solcher Berge in naturmäßiger Hinsicht die
ordentliche Erhaltung nicht nur derjenigen Länder, in denen sie sich
befinden, sondern eines ganzen Weltteiles abhängt, wie z.B. Europa von den
drei euch halbwegs benannten Bergen, Asien und Amerika von den ihren, usw. [Gr.01_001,10] Bei dieser Beantwortung der Frage ergibt
sich schon sogleich wieder eine andere, und zwar folgende, da ihr saget:
„Wieso denn? Wie ist das möglich?“ [Gr.01_001,11] Und Ich gebe euch darauf ebenfalls eine
kurze Antwort, welche also lautet: Ebenso, wie das Leben des Leibes vorn Kopf
abhängt; denn wird dieser vom Leibrumpfe genommen oder sonst stark
beschädigt, so geht auch alsbald das Leben des ganzen anderen Leibes unter. [Gr.01_001,12] Diese Antwort genüge euch vorderhand; denn
gerade also ist auch das Verhältnis solcher Berge zum übrigen Lande, wie das
des Kopfes ist zu dem übrigen Leibe. Geht auch das Leben nicht unmittelbar
vom Kopfe aus, so ist aber dennoch der Kopf das Hauptaufnahmeorgan des
naturmäßigen Lebens, von welchem aus dann erst dasselbe, den ganzen Leib
dirigierend, in alle Teile desselben ausgeht. Der menschliche Leib hat noch
viele andere Extremitäten, die er verlieren kann, ohne darum das Leben
einzubüßen; aber des Leibes oberste Extremität läßt sich nicht ohne den
Verlust des Lebens einbüßen. [Gr.01_001,13] Sehet, gerade also auch verhält es sich mit
unsern höchsten Bergen. Ihr könnt zwar den ganzen Buchkogel abgraben, ja
sogar über eine höhere Alpe dürft ihr euch hermachen, wenn ihr Lust und
Kräfte dazu besitzt; aber wäre es jemandem möglich, sich auch über den
Großglockner herzumachen und ihn zu planieren gleich dem vorher erwähnten
Buchkogel oder einer anderen Alpe, so würde diese Unternehmung nicht so
straflos ablaufen wie die Planierung des Buchkogels oder einer andern,
bedeutenderen Höhe. Denn solche geringeren Planierungen würden beinahe gar
keine fühlbaren nachteiligen Folgen nach sich ziehen, während die Planierung
des Großglockners entweder alsbald eine unabsehbar weite Strecke der Länder
in einen ewigen Winter oder aber wenigstens in einen weit ausgedehnten See
verwandeln würde. [Gr.01_001,14] Hier werdet ihr schon wieder fragen: „Wieso
denn? Und wie ist dieses möglich?“ [Gr.01_001,15] Ein kleines Beispiel wird euch die Sache
sogleich anschaulich machen. [Gr.01_001,16] Sehet: Ihr wisset, daß vom Leibe aus alles
Blut seinen Weg in den Kopf nimmt! Wenn nun der Kopf vom Leibe getrennt wird,
was tut da das Blut? – Sehet, jetzt haben wir es schon; denn ihr sagt selbst:
„Da wird das Blut ja alsbald aus den Adern treten, sich über den Leib
ergießen, wodurch dann die Adern und der ganze Leib zusammenschrumpfen werden;
der Leib aber wird dadurch in den sichern Tod übergehen!“ [Gr.01_001,17] Also ist es auch bei einem solchen Berge der
Fall, der ebenfalls ein Rezipient der gewaltigsten inneren Wasserquellen der
Erde ist, dieselben durch seine große Grundschwere daniederhält
und nur so viel durch seine Poren davon austreten läßt, daß dadurch das ganze
Land weit und breit seine nötige Bewässerung erhält; den Überfluß dieser
beständigen Ausdünstungen der inneren Gewässer aber saugt er aus der Luft
selbst sorgfältigst wieder in sich. Damit es sich nicht so leichtlich von ihm
entferne, so verwandelt er es in beständiges Eis und in beständigen Schnee,
aus welchem Grunde er auch höchst selten dunst- oder wolkenlos zu erblicken
ist. [Gr.01_001,18] Was aber er tut, dasselbe müssen auch –
wennschon in geringerem Verhältnisse – bei Zeit und Gelegenheit alle seine
Kinder und Kindlein tun. [Gr.01_001,19] Warum sage Ich hier „Kinder und Kindlein“? –
Aus der einfachen Ursache, weil zur Zeit der Gebirgsbildung die höchsten
Berge der Erde die ersten waren, die da gebildet wurden, und von ihnen aus
dann erst die anderen in zusammenhängender Ordnung auf die Art und Weise, die
euch schon bekannt ist! Nur müßt ihr euch dabei nicht etwa denken, heute wäre
zum Beispiel der Großglockner, morgen seine Kinder und übermorgen seine
Kindlein gebildet worden, sondern zwischen diesen Bildungsprogressionen sind
lange Zeitperioden vorhanden, welche sich nicht selten auf mehrere Millionen
von Erdenjahren erstrecken, so daß darob in einem Lande kaum zwei Berge
vorhanden sind, die da gleichen Alters wären. Daß aber unser Großglockner zu
den urältesten Bergen der Erde gehört, könnt ihr vorerst daraus ersehen, daß
er von Mir ein „Vater der Berge“ genannt wird, und fürs zweite, weil er ein
Haupt mehrerer Länder ist, und fürs dritte bezeugt solches sein Gestein,
welches da gewaltig verschieden ist von dem Gestein seiner Kinder und
Kindlein. [Gr.01_001,20] Wie aber alle die Berge gegen ihren Vater
hin an Höhe zunehmen, also nehmen sie auch zu an Alter; und je mehr ihre
Scheitel sich mit beständigem Schnee und Eise schmücken, desto erhabener und
bedeutungsvoller werden sie auch. Dieses müßt ihr euch gar wohl merken, denn
die Folge wird es zeigen, von welcher vielseitig großen Wichtigkeit dieser
Satz ist. Wir wollen uns daher in keine langen Nebendiskurse einlassen,
sondern sogleich zur Hauptsache übergehen, und zwar zuerst in naturmäßiger,
dann in geistiger, dann endlich in evangelischer Hinsicht. [Gr.01_001,21] Es gibt gar viele Menschen, die da sagen:
„Ich habe einen sanften Hügel, der mit Äckern, Wiesen, Baumgärten, Waldungen
und Viehweiden belebt ist, um unvergleichbar vieles lieber den hundert
Großglockner!“ [Gr.01_001,22] Solche Menschen haben zwar einesteils wohl
recht; denn auf dem ewigen Schnee und Eise des Großglockners läßt sich
durchaus kein Weinberg anlegen, – ja nicht einmal die allerletzte Pflanze,
wie zum Beispiel das harte Steinmoos, kommt da fort. [Gr.01_001,23] Ich frage aber: Ist denn ein Berg nur dann
nach seiner vegetabilen Fruchtbarkeit zu taxieren? Wenn es auf die
Fruchtbarkeit ankommt, da ist ein jeder Berg überflüssig; denn in der Ebene
arbeitet sich's ja doch offenbar leichter denn auf was immer für einem Berge,
und die Erfahrung wird euch schon gar wohl belehrt haben, daß in der Ebene
alles recht gut fortkommt. Sonach ist es doch sicher eine Albernheit, einen
Berg nach seiner Fruchtbarkeit zu taxieren, denn die Fruchtbarkeit der Berge
ist nicht die Bedingung ihres Daseins, sondern diese dreht sich um eine ganz
andere Achse. Sonach werden diejenigen wohl ihr Wort zurücknehmen müssen,
welche einen fruchtbaren Hügel höher schätzen als einen unfruchtbaren hohen
Gletscher, und sie werden es sich gefallen lassen müssen, wenn Ich sage: Eine
Quadratklafter vom Eise des Großglockners ist an und für sich mehr wert als
eine Quadratmeile voll der fruchtbarsten Hügel! [Gr.01_001,24] Hier werdet ihr schon wieder fragen: „Wieso
denn? Wie ist das möglich?“ [Gr.01_001,25] Ich aber sage euch: Wenn es nur auf den
gewissen Erwerbsertrag ankommt, da könnt ihr euch mit den Augen eures Kopfes,
für sich allein genommen, sicher nicht einen Heller verdienen, wohl aber mit
euren Händen und Füßen! Ist aber darum das Auge nicht mehr wert denn die
Hände und Füße, welche ihr ohne das Licht des Auges schwerlich gebrauchen
würdet?! Und doch ist die Pupille des Auges gar klein im Verhältnis zu dem
Maße der Hände und Füße! Und müßt ihr nicht zuvor ein jedes Ding, das ihr mit
der Hand ergreifen wollt, mit dem Auge ergreifen, und so auch mit dem Auge
den Füßen allzeit vortreten?! [Gr.01_001,26] Wenn ihr nun dieses beachtet, so wird euch
wohl ersichtlich werden, warum Ich eine Quadratklafter des eisigen
Großglocknergrundes höher ansetze als eine ganze Quadratmeile des
fruchtbarsten Hügellandes; denn so wie ihr ohne das Auge wenig Früchte tragen
würdet an den Händen und Füßen, so auch würden die Ebenen und
Kleinhügelländereien gar spottwenig Früchte tragen ohne den ewigen Schnee und
das Eis der Gletscher. Und in dieser Hinsicht dürfte dann wohl so mancher
wohlhabende Landmann eine Reise nach dem Großglockner machen und daselbst in
Meinem Namen sein Eis küssen; denn es hängt von der kußgroßen Fläche des
Eises am Großglockner die ganze Fruchtbarkeit seines Grundes ab. [Gr.01_001,27] Möchtet ihr hier denn nicht schon wieder
fragen: „Wieso denn? Wie ist das möglich?“ – Nur eine kleine Geduld; es wird
gleich kommen! [Gr.01_001,28] Ihr wißt, daß sich nach dem alten Sprichwort
Gleiches mit Gleichem gern vergesellschaftet. Wenn ihr in eurem Zimmer
irgendeinen feuchten Stein in der Mauer habt, so wird dieser Stein nicht so
leicht trocken werden, sondern wird vielmehr noch Feuchtigkeit von allen
Seiten an sich ziehen und sonach seinen Feuchtigkeitsüberfluß der andern ihn
umgebenden Mauer mitteilen und wird somit einen großen feuchten Fleck in
eurem Zimmer bewirken. [Gr.01_001,29] Sehet, also verhält es sich auch schon
wieder mit unserm Großglockner! Er ist ebenfalls ein sehr großer feuchter
Stein in den weit ausgedehnten Ländereien eines Erdteils und zieht dadurch
von weit und weit her die in der Luft überflüssig schwebenden Feuchtigkeiten
an sich. Wenn aber diese Feuchtigkeiten in tropfbarem Zustande an seinen
Steinwänden blieben, so würden sie dann auch alsbald wieder in großen Strömen
diesem Riesenstein entweichen und viele Ländereien um ihn herum verheeren.
Damit aber solches nicht geschieht, so bewirkt er durch seine Höhe und
Gesteinseigentümlichkeit, daß die in sich gesogenen Feuchtigkeiten alsbald zu
Schnee, Hagel und Eis werden. [Gr.01_001,30] Aber hier werdet ihr sagen: „Wenn das
wirklich also ist und geschieht, so muß er dadurch mit der Zeit ja über ganz
Europa hinauswachsen!“ [Gr.01_001,31] O ja, das würde auch sicher der Fall sein,
wenn er keine Kinder und Kindlein hätte; aber diese Kinder entbürden dann ihren Vater, und zwar auf diese Art: Wenn seine
Eis- und Schneelast von oben und außen hinzuwächst, da werden die unteren
Teile oder die unteren und alten Schnee- und Eismassen eben auch stets mehr
gedrückt und gequetscht, wobei sich dann diese Wasser- und Luftteile durch
solchen Druck in zahllosen kleinen Partien entzünden, sich dann wieder in neblichte Dünste auflösen und diesem ihrem Gefängnisort
entsteigen. Und da ein solcher Gletscher seine vorzügliche Anziehungskraft
nur in seinen höchsten Regionen hat, so würden diese aus seinen niederen und
unteren Regionen entwichenen Dünste sich entweder als tropfbare Flüssigkeit
stromweise in die tieferliegenden Ebenen, alles zerstörend, ergießen, oder
sie würden sich, wenigstens auf den höheren Punkten, dem Schnee und Eise
anschließen und dasselbe also fort und fort ausdehnen und mehren, daß da in
einem Jahrtausend ganze Ländereien von ihnen begraben würden. [Gr.01_001,32] Aber damit weder das eine noch das andere
geschieht, so sind einem solchen Gebirgslandesvater auch eine unübersehbare
Menge Kinder an die Seite gestellt, welche gar begierig die Überbürdung ihres
Vaters auf sich nehmen; und was ihnen selbst noch zuviel wird, da hocken um
sie herum schon wieder eine Menge Kindlein, weiche den Überfluß gar begierig
an sich nehmen. Und was denen auch noch zuviel wird, damit erst segnen sie
das ganze andere weitgedehnte Flachland. [Gr.01_001,33] Und so ihr dieses nur einigermaßen begreift,
da werdet ihr es auch leicht einsehen, warum sich von einem solch hohen Berge
so weitgedehnte, zusammenhängende Bergketten nach allen Richtungen hin fast
strahlenartig erstrecken, und es wird euch auch nicht eben zu lächerlich
klingen, wenn Ich euch sage, daß ihr selbst aus euren Hausbrunnen noch
Großglocknerwasser trinkt, und daß es in eurem Lande gar spottwenig Quellen geben
wird, die ursprünglich ihr fruchtbares Dasein nicht diesem Gebirgslandesvater
verdanken möchten. [Gr.01_001,34] „Ja“, werdet ihr sagen, „aber was ist denn
hernach das Regenwasser?“ [Gr.01_001,35] Und Ich sage euch darauf, daß in eurem Lande
selten ein Tropfen anderen Regens den Wolken entfällt als solcher nur, der
vom Großglockner und seinen weitgedehnten Kindern über dieses Land
ausgesendet wurde; und ihr würdet eben nicht gefehlt sprechen, so ihr da
sagen möchtet: „Der Großglockner regnet über unser Land!“ [Gr.01_001,36] Warum denn? – Weil er drei verschiedene,
weit ausgehende, kräftig wirkende Arme besitzt, von denen der eine sich in
seinen Kindern und Kindlein nach allen Richtungen weit ausbreitet, der zweite
in all den Quellen, Bächen, Flüssen und Strömen, oft noch weiter gehend als
seine Kinder und Kindlein, – der dritte, am weitesten ausgehende Arm aber
besteht in der Wolkenregion, welche eben am Großglockner für mehrere Länder
ihren Zentralpunkt und an den vielen weit und breit ausgestreuten Kindern
sorgliche Wächter und untergeordnete Ruhepunkte hat, wo sie sich wieder in
stets mehr und mehr dunstigen Massen ansammelt. Und wenn diese Massen zum
Beispiel auf der Choralpe zu dicht angehäuft werden, dann hat auch eine
solche Alpe wieder untergeordnete Kindlein, welche ihrer Mutter gar begierig
einen großen Teil ihrer Bürde abnehmen, – bei welcher Gelegenheit dann dieser
dritte Arm des Großglockners, sich gewöhnlich in einem wohltätigen Regen
ergießend, der armen Pflanzen- und Tierwelt der Ebenen sorglich unter die
schwachen Arme greift und ihr eine wohlschmeckende Mahlzeit bereitet. [Gr.01_001,37] Aber das ist nur eine naturmäßig-nützliche
Verrichtung und Bestimmung dieses Gebirgslandesvaters. [Gr.01_001,38] Es stecken nebst dieser aber noch zwei
andere und viel wichtigere im Hintergrunde, welche wir in der Folge dieser
Mitteilung erst werden kennenlernen; und wenn ihr erst diese werdet
kennenlernen, so werdet ihr auch stets einen vorteilhafteren Begriff von der
großen Nützlichkeit eines solchen totscheinenden Gebirgsriesen in euch
lebendig erschauen. Denn wahrlich, Ich sage euch: Auf der Welt verhält sich
alles verkehrt! Wo ihr viel Lebendigkeit sehet auf der Erde, da ist auch
ebensoviel des Todes; wo ihr aber glaubt, es sei alles in einen ewigen Tod versunken,
da herrscht zumeist des Lebens größte Fülle und eine unberechenbar eifrigste
Tätigkeit desselben. [Gr.01_001,39] Aus diesem Grunde waren zumeist alle
Propheten und Seher auf den Bergen zu Hause; und Ich Selbst, als Ich als
Mensch auf der Erde war, hielt Mich vorzugsweise gern auf den Bergen auf. Auf
dem Berge gab ich dem Versucher den ewigen Abschied; auf einem Berge speiste
Ich so viele Hungrige; auf dem Berge gab Ich in Meinem Worte den ganzen
Himmel preis; auf einem Berge zeigte Ich Mich als das urewige Leben verklärt
den drei euch Bekannten; auf einem Berge betete Ich, und auf einem Berge
wurde Ich gekreuzigt. [Gr.01_001,40] Darum achtet die Berge; denn wahrlich, je
höher sie ihre Scheitel über die Schlammtiefe des menschlichen Eigennutzes
erheben, desto geheiligter sind sie auch und desto segnender das ganze andere
Land. [Gr.01_001,41] Wie solches zugeht, haben wir schon zum Teil
gehört; die Folge aber wird euch erst alles dieses ins klarste Licht stellen,
– und so lassen wir es heute bei dem bewendet sein! 2.
Kapitel – Die Bedeutung und Entstehung des Eisens.
[Gr.01_002,01] Welch einen wichtigen Artikel die Metalle,
namentlich das Eisen, bei euren Hauswirtschaften ausmachen, da braucht ihr
eben keine hohen mathematischen Kenntnisse, um solches zu berechnen. [Gr.01_002,02] Was würdet ihr wohl ohne das Eisen
verrichten können?! Ja, ganz bestimmt könnt ihr annehmen: Ohne das Eisen wäre
noch nie ein Buchstabe gedruckt worden; ohne dasselbe würdet ihr euch höchst
beschwerlich und mühsam eure Wohnungen bereiten und noch viel beschwerlicher
und mühsamer eine notdürftige Kleidung; ja ohne das Eisen gäbe es noch
heutzutage keine Schiffe auf dem Meere und keine Wagen auf dem Lande. [Gr.01_002,03] Ihr hättet ohne das Eisen nicht ein einziges
Werkzeug, um das Erdreich aufzulockern und den Getreidesamen in die Erde zu
säen, – ja, mit einem Worte gesagt: Ohne das Eisen wäret ihr in naturmäßiger
wie auch in so mancher Hinsicht in geistiger Weise die ärmsten Geschöpfe der
Erde, so daß euch ein jedes Tier überflügeln würde! Aber mittels dieses
hochgesegneten Metalls könnet ihr euch alles verschaffen, weil aus dem Eisen
alle möglichen brauchbaren Instrumente und Werkzeuge verfertigt werden
können. Nicht einmal ein einfaches Grab könntet ihr der Leiche eines verstorbenen
Bruders bereiten ohne das Eisen, und ihr müßtet deswegen die Leichen der
Verstorbenen entweder in die Flüsse werfen, hier und da höchstens in seichten
Sand verscharren oder sie auf die höchsten, mit ewigem Schnee und Eis
bedeckten Berge tragen, so ihr nicht wolltet vom beständigen Pesthauche
umgeben sein. Kurz und gut, die Nützlichkeit des Eisens ist entschieden zu
groß, als daß sie je verkannt werden könnte. [Gr.01_002,04] Es würde freilich mancher Kurzsichtige
sagen: „Im Notfalle, d.h. in Ermangelung des Eisens und somit auch aller
andern Metalle, welche samt und sämtlich durch das Dasein des Eisens bedingt
sind, müßte man sich denn mit hölzernen Instrumenten behelfen!“ [Gr.01_002,05] Dieses wäre wohl recht, es fragt sich aber
dabei nur, womit wird da wohl ein Baum umgehauen, dann behauen und zu
verschiedenartigen notdürftigen Werkzeugen geschnitten werden können?! Sehet,
aus dem geht ja klar hervor, daß eben das Eisen in der natürlichen
Lebenssphäre des Menschen die allererste Bedingung ist; ohne das hörte sogar
das Brotbacken auf, und die Nahrung des Menschen würde bloß auf rohe
Naturfrüchte beschränkt. [Gr.01_002,06] Da wir somit durch diese kleine
Vorbetrachtung gesehen haben, wie unumgänglich nötig dieses Metall ist, so
wollen wir denn auch einen Blick auf seine Entstehung tun. [Gr.01_002,07] Ihr wißt schon aus einer früheren
Kundgebung, und zwar namentlich aus der Darstellung Meiner großen
„Haushaltung“ im von euch also benannten Hauptwerk, allwo eine Meldung
geschieht von der Hin- und Herwanderung des Meeres, daß während des
Überstandes der Meeresgewässer sich dieses Metall durch das Salz dieses
Gewässers, vorzugsweise aber durch die Einwirkung der Gestirne, in dem Innern
der Erde, und zwar in gewissen schon eigens dazu bestimmten Gängen oder Adern
derselben, ansammelt. [Gr.01_002,08] Dieses ist richtig und wahr, – ja, diese
Ansammlung ist also wohlberechnet, daß da volle nachfolgende 14000 Jahre
nicht imstande sind, das Metall völlig zu verbrauchen! Aber es ist hier zu
der Bildung des Eisens noch eine sehr wichtige Frage nötig, und diese Frage
lautet also: „Ist dieses vom Meere und den Gestirnen gebildete Eisen auch
schon tüchtig, daß man es bearbeite und daraus verfertige allerlei
Gerätschaften?“ [Gr.01_002,09] O nein, sage Ich euch, also ist es noch eine
unreife Frucht, welche wohl die Fähigkeit in sich besitzt, reif und
schmackhaft zu werden und somit auch genießbar, aber im unreifen Zustande
weder das eine noch das andere ist! [Gr.01_002,10] Da wir solches nun wissen, so fragt sich
denn wieder weiter: „Ja, wie wird denn sonach das Eisen reif?“ [Gr.01_002,11] Die Antwort gibt euch ein jeder Bergmann wie
ein jeder Botaniker und ein jeder Landmann, indem er sagt: „Durch Regen und
milden Sonnenschein all's gedeiht und reifet fein!“
Und es ist auch also. [Gr.01_002,12] Regen ist eine Hauptbedingung zu aller
Kultur, somit auch zur Kultur des Eisens. Wenn aber der Regen ununterbrochen
fortdauern möchte, so würde er gar bald ersticken die Früchte und nach
längerer Zeit auch verzehren und taub machen das Metall der Berge; damit also
alles gedeihe, muß eine rechte Ordnung allenthalben beachtet sein. [Gr.01_002,13] Wer aber ist von Mir zur Regulierung solcher
Ordnung aufgestellt auf irgendeinem Weltkörper? Und durch wen wird sie also
fortwährend erhalten? [Gr.01_002,14] Jetzt können wir schon wieder eine Reise zu
unserem Großglockner machen! Sehet ihn nur recht gut an, wie er da emporragt
hoch in die Lüfte und in die Regionen der Wolken, und wie er umlagert ist von
tausend und abermal tausend Felsenzacken und -riffen! [Gr.01_002,15] Sehet, dieser König der Berge hat einen
weiter ausgedehnten Wirkungskreis zur Einsaugung der Elektrizität und des
magnetischen Fluidums denn eure Wetter- und Blitzableiter auf den Dächern der
Häuser! [Gr.01_002,16] Was ist er demnach noch neben dem, was wir
schon in der vorigen Mitteilung vernommen haben? [Gr.01_002,17] Sehet, er ist eine unglaublich große und
starke Ansammlungs- und Vorratskammer des elektrischen und magnetischen
Stoffes! Wenn er dann durch seine Fernwirkung auf dem dreifachen euch schon
bekannten Wege, namentlich durch die Bewässerung, wirkt, so versieht er auch
alle die Wässer und vorzugsweise den Regen mit dem gehörigen Quantum von
Elektrizität und magnetischem Fluidum. [Gr.01_002,18] Diese zwei Polaritäten aber sind in
naturmäßiger Hinsicht ja die Hauptbedingung alles Gedeihens und alles
Wachstums und Reifwerdens der Pflanzen und mineralischen Welt, und durch
diese beiden hernach auch des der Tiere. [Gr.01_002,19] Da unser Großglockner aber ein so gewaltiger
Ansammler dieser Polaritäten ist, so kann hier mit
wenigen Worten gezeigt werden, daß die Erze der untergeordneten Berge ja
hauptsächlich den Gletschern ihre brauchbare Auszeitigung verdanken, da eben
die Gletscher die Ordner der Temperatur über alle die unter ihnen gelegenen
Ländereien sind. [Gr.01_002,20] Da wir nun solches wissen, so mache Ich euch
nur einzig und allein darauf aufmerksam, daß diese hohen Schnee- und
Eisgebirge, wie bei uns namentlich der Großglockner, ihre anderen schon
bekannten Segnungen zuallermeist auf dem Wege ihrer Kinder und Kindlein über
den Erdboden hin ausspenden; also spenden sie auch diesen elektromagnetischen
Stoff zuallermeist auf diesem Wege aus. [Gr.01_002,21] Was aber hinter diesem elektromagnetischen
Stoff noch steckt, und wie schnell dieser nach allen Richtungen hin
ausgebreitet wird, werden wir erst im Bereiche der geistigen Darstellung
dieses Gebirgslandesvaters näher kennenlernen. [Gr.01_002,22] Für jetzt aber wollen wir diesen Teil
beschließen und nur allein die kurze Betrachtung hinzufügen, daß allezeit die
größten und segnendsten Wirkungen da ausgeboren und
zum allgemeinen Nutzen weiter gefördert werden, woselbst sie die blinde
Menschheit am allerwenigsten suchen zu müssen glaubt und somit auch am
allerwenigsten sucht. [Gr.01_002,23] Und so geht von einer unbedeutenden
Eisspitze des Glockners nicht selten eine bei
weitem größere Wirkung über viele Ländereien aus als von den nicht viel
sagenden großen Weltstädten, von denen im Verhältnis zu den guten Ausgängen
ganz unverhältnismäßig viele schlechte Ausgänge gemacht und geboten worden
sind. [Gr.01_002,24] Und somit zählt ein solcher Berg auch bei
weitem mehr als alle Industrie Englands, Frankreichs und Nordamerikas usw. [Gr.01_002,25] Da wir somit mit dieser Betrachtung für das
Herz, wennschon nicht für den mathematischen Verstand, zu Ende sind, so
wollen wir uns denn zur nächsten, dritten und somit letzten und allergrößten
Nutzwirkung unseres Großglockners hinwenden; jedoch für heute lassen wir es
bei dem bewendet sein! 3.
Kapitel – Die Berge als Regler der Luftströmungen.
[Gr.01_003,01] Nachdem ihr über die Nützlichkeit unseres
Großglockners schon so manches vernommen habt und die Nützlichkeit für nahe
schon erschöpft angegeben betrachtet, so fragt ihr euch wohl selbst: „Welche
nützliche Tauglichkeit soll denn neben allem Vernommenen einem solchen Berge
noch innewohnen, und zwar natur-mäßigerweise?“ [Gr.01_003,02] Diese Frage ist recht gut; denn dieser Frage
liegt ja eben noch ein großes Bedürfnis zugrunde, vermöge welchem ihr noch
etwas Nützliches von diesem Berg erfahren möchtet. Da sich aber nirgends ein
Bedürfnis oder irgendein Hunger nach etwas aussprechen kann, für den es nicht
irgendeine Sättigung gäbe, so wird es für das Bedürfnis, welches in dieser
Frage liegt, wohl sicher auch noch eine Sättigung geben. [Gr.01_003,03] Und so habt denn acht! Wir wollen sogleich
unsere Speisekammer öffnen, allwo ihr zur Sättigung eures Bedürfnisses des
besten Brotes in großer Menge antreffen sollt. [Gr.01_003,04] Also für was taugt unser Großglockner und
somit auch alle Gletscher und anderen Berge der Erde denn noch? [Gr.01_003,05] Es wird euch allen gar wohl bekannt sein,
daß sich die Erde binnen 24 Stunden und etwas darüber um ihre eigene Achse
dreht; neben dem wird euch auch der ziemlich bedeutende Umfang der Erde nicht
unbekannt sein. [Gr.01_003,06] Wenn ihr den Umfang der Erde nehmt, der noch
bedeutend über 5000 deutsche Meilen hinausreicht, und teilt diese ganze Länge
des Umfanges in so viele Teile, als da 24 Stunden und einige Minuten darüber
Minuten in sich haben, so werdet ihr die überraschende Erfahrung machen, daß
da auf eine Minute etliche Meilen zu stehen kommen. [Gr.01_003,07] Nun denkt euch aber die Erde als eine
berglose, ebene Kugel, welche wenigstens zehn Meilen hoch über sich teilweise
noch mit schwerer atmosphärischer Luft umgeben ist! [Gr.01_003,08] Damit ihr aber das Außerordentliche dieser
Erscheinung um so vollkommener begreifen möget, so dürft ihr nur eine
Glaskugel nehmen und diese dann entweder in einem Gefäße, das mit Wasser
angefüllt ist, oder in dem Sonnenstrahl, der da durch irgendein Fenster in
das Zimmer fällt und ziemlich gesättigt ist mit dem gewöhnlichen Sonnen- und
auch allfälligen Zimmerstaube, recht behende um ihre eigene Achse drehen, und
ihr werdet euch überzeugen, daß diese sich drehende Kugel weder ein
Wasserteilchen, noch ein noch so leichtes Stäubchen, wenn es sich nicht durch
die elektrische Anziehung der Kugel an sie klebt, mit sich fortreißt, d.h. in
dieselbe Bewegung zwingt, in welcher sich die Glaskugel selbst befindet. [Gr.01_003,09] Nun, da wir dieses Experiment gewisserart im
Geiste schon gemacht haben, so wollen wir nun einen vergleichenden Blick auf
unsere Erdkugel werfen! [Gr.01_003,10] Saget Mir: Was würde da wohl die
atmosphärische Luft in die Mitdrehung der Erdkugel um ihre Achse nötigen, so
die Erdoberfläche vollkommen flach wäre? So aber die atmosphärische Luft
nicht mitgezogen würde, welcher Luftströmung würden da alle lebenden Wesen
ausgesetzt sein? [Gr.01_003,11] Wenn aber schon die sogenannten
Naturforscher mit ziemlicher Genauigkeit den mächtigsten Sturm also angesetzt
haben, daß da die Luft eine so schnelle Strömung macht, daß sie in einer
Sekunde nahezu 80 Fuß zurücklegt, bei welcher Gelegenheit dann die
Luftströmung schon eine solche Gewalt entwickelt, daß sie die dicksten und
kräftigsten Bäume mit der größten Leichtigkeit aus dem Erdboden reißt, was
würde denn dann erst eine Luftströmung für Folgen haben, welche in einer
Minute etliche deutsche Meilen zurücklegen würde? [Gr.01_003,12] Ich brauche euch den Erfolg eines solchen
Experiments nicht näher zu schildern; denn so ihr nur ein wenig nachdenkt, so
werdet ihr es ja augenblicklich überklar finden und begreifen müssen, daß bei
solchem Luftzug nicht einmal das Steinmoos sich erhalten könnte, geschweige
erst irgendein anderes Geschöpf. Und was bei einem solchen Luftzug dann erst
das Meer dazu sagen würde, wird derjenige gar nicht schwer begreifen, der nur
je das Meer gesehen hat, wenn ein tüchtiger Wind über seine Oberfläche dahinstürmt
und das Gewässer gleich Bergen übereinander aufsteigen macht. [Gr.01_003,13] Wenn ihr nun dieses ein wenig beachtet, so
wird euch doch Meine väterliche Fürsorge daraus ganz auffallend in die Augen
springen müssen, da Ich zu diesem Zweck die Berge über die Fläche der Erde
also wohl geordnet aufgerichtet und festgestellt habe, daß ihnen zufolge die
Luft mit der Erde sich zu drehen genötigt wird. [Gr.01_003,14] Ihr werdet hier freilich sagen: „Warum sind
denn zufolge solcher Nützlichkeit die Berge dann nicht alle gleich hoch und
laufen nicht gleich den Meridianen von Pol zu Pol?“ [Gr.01_003,15] Auf diese Fragen können drei gültige
Antworten gegeben werden. [Gr.01_003,16] Fürs erste sind sie, die Berge, also
gestaltet, wie sie sind, weil Ich beständig mit der Aufstellung eines Dinges
keine einseitige Nutzwirkung beabsichtigen kann und will; und so liegt der
erste Grund schon in den vorher kundgegebenen Nutzwirkungen der Berge offen
vor euch, warum da viele sehr hoch, einige weniger hoch und einige nur unbedeutende
Erhöhungen des flachen Landes sind. [Gr.01_003,17] Der zweite Grund ist aber folgender: Wären
alle Berge gleich hoch und möchten sich alle geradlinig von Pol zu Pol
ziehen, so würde dadurch eine ewige Luftruhe eintreten, wobei dann bald die
unteren Schichten der Luft in Fäulnis übergehen würden so wie in den
unterirdischen Katakomben. Saget, wie stünde es bei solcher Gelegenheit mit
dem naturmäßigen Leben?! [Gr.01_003,18] Sehet, aus diesem Grunde sind die Berge
scheinbar höchst unregelmäßig über die Erdfläche gestellt. Ich sage euch
aber, diese Stellung ist eine mit allerhöchster Wissenschaft so geordnete,
daß eben ihr zufolge die Luft immerwährend einen Spielraum hat und kreuz und
quer über die Erde ziehen und sich dadurch mischen und reiben muß, durch
welche Tätigkeit dann über den ganzen Erdboden die sogenannte Elektrizität,
oder besser das natürliche Lebensfluidum in hinreichender Menge stets frisch
erzeugt wird. [Gr.01_003,19] Wenn ihr dieses nur ein wenig betrachtet, so
wird euch die Stellung der Berge über dem Erdboden wie ihre verschiedenen
Höhen nicht mehr ungeschickt und zufällig, sondern überaus weise geordnet
vorkommen. 4.
Kapitel – Wesen und Ursache des Gletscherlichtes.
[Gr.01_004,01] Warum sind denn noch fürs dritte die Berge
von ungleicher Höhe? Dieses bleibt uns hier noch zu beantworten übrig. Dieser
dritte Grund hat aber wieder drei Hauptgründe in sich, und zwar folgende:
Zuerst müssen dadurch die hohen Gebirgsspitzen auch die obere Luftregion in
den Mitschwung um die Erde nötigen. Wären solcher hohen Berge zu viele auf
der Erde, so würde das auch mit der Zeit in den Tiefen eine fast
immerwährende Luftruhe mit sich ziehen, weil zuviel der oberen Luftregion zur
Mitbewegung gezogen würde. [Gr.01_004,02] Da es aber nur wenige solche Höhen gibt, so
wird die obere Luftregion auch nur an wenigen Punkten genötigt, mit der
Rotation der Erde sich mitzuschwingen; die von solchen Gebirgsspitzen weiter
abstehenden Luftsphären aber werden dadurch nur in eine nach allen Richtungen
hin wirbelnde Bewegung gesetzt gleich also, als wenn ihr einen Stock ziemlich
behende durch ein Wasser zieht, bei welcher Gelegenheit die vor dem Stocke
befindlichen Teile des Wassers zwar mit dem Stocke fortgetrieben werden, zu
beiden Seiten aber kann jedermann eine Menge Ringel und Wellchen bemerken,
welche sich viel langsamer dem Stocke nachziehen, und deren Zug selbst wieder
die nebenangrenzenden Wasserteile in eine Bewegung versetzt. [Gr.01_004,03] Die Ringel sind lauter Wasserwirbel, welche
das Wasser in die Tiefe hinab beunruhigen, und die Wellchen beunruhigen die
ganze Oberfläche des Wassers; und so hat mit der Zeit ein solcher Stockzug
durch das Wasser nicht selten einen bedeutend großen Teich in eine Bewegung
versetzt. [Gr.01_004,04] Sehet, das ist also ein gar wichtiger Grund,
warum nur der viel kleinere Teil der Berge so hoch in die Luft emporragt. [Gr.01_004,05] Der zweite Grund dieses dritten Hauptgrundes
ist folgender: [Gr.01_004,06] Ihr werdet schon öfter vom sogenannten
Gletscherlicht etwas gehört haben. Was soll's denn damit? [Gr.01_004,07] Einige Naturforscher haben dieses Licht,
freilich ziemlich ungeschickt, also erklärt, als rührte es noch von den über
den weiten Horizont des Nordens herüberbrechenden Strahlen der Sonne her;
allein solches ist ganz grundlos und falsch. Dieses Licht ist ganz rein
positiv elektromagnetischer Art und wird erzeugt durch die beständige Reibung
solcher Gebirgsspitzen mit der sie umgebenden Luft. [Gr.01_004,08] „Ja“, werdet ihr aber sagen, „solches kann
schon immerhin der Fall sein; aber wir sehen da noch keinen Nutzen ein! Und
sollte ihr Leuchten etwa die Nützlichkeit selbst sein, so sehen wir es aber
dennoch nicht ein, warum solche großen Erdnachtlichter so sparsam über den
Erdboden gestellt sind! Was hat der weit entlegene Flachlandbewohner von dem
oft mehrere hundert Meilen weit entfernten Gletscherlicht?“ [Gr.01_004,09] Wenn das Licht die Nützlichkeit wäre, da
hättet ihr freilich wohl recht, also zu fragen; allein solches ist mit dem
ziemlich sparsamen Gletscherlicht mitnichten der Fall. Das Licht ist hier nur
eine Erscheinlichkeit von einer großen Nutzwirkung. Es fragt sich demnach:
Worin besteht diese Nutzwirkung? [Gr.01_004,10] Höret, es soll euch die Sache gleich
klargemacht werden! [Gr.01_004,11] Ihr wißt, daß eine gerechte Verteilung des
elektromagnetischen Fluidums eine unerläßlich notwendige Bedingung alles
naturmäßigen Lebens ist. Wären nun zu viele solcher Gebirgsspitzen in
irgendeinem Lande, so würden dieselben dieses elektromagnetische Fluidum also
gänzlich aufspeisen, daß vom selben nicht ein Atom sich in die Tiefe herab
verlieren würde; wären sie aber gar nicht da, nämlich diese hohen
Gletscherspitzen, da wäre in der Tiefe wohl niemand mit seinem Leben in
Sicherheit, sondern stünde bei jedem Schritt in der Gefahr, von einem sich
leicht aus der Luft entwickelnden Blitz erschlagen zu werden. [Gr.01_004,12] Also sehet, das ist eigentlich die
Nützlichkeit, von der das Leuchten nur als Erscheinlichkeit auftritt. [Gr.01_004,13] So aber doch jemand da wäre und folgendes
einwendete: „Was hat demnach das weitgedehnte Flachland z.B. Polens oder auch
zum Teile Ungarns von der elektromagnetischen Sorgfalt des Großglockners?“ [Gr.01_004,14] Darauf sage Ich aber: Dieser Gletscher liegt
so wohlberechnet an seinem Punkt, daß, so er nur eine Stunde von seinem
Posten weichen könnte, er nicht mehr ein Gletscher wäre, sondern, wie es
dergleichen Berge genug gibt, nur ein kahler Steinberg. [Gr.01_004,15] Daß er aber ein Gletscher ist, rührt
lediglich daher, weil er sich auf dem Punkte befindet, über welchem vom
Nordpol aus eine hauptelektromagnetische Strömung sich bis zum Südpol hin
erstreckt. [Gr.01_004,16] Diese Hauptströmung geht zwar über alle
Gletscher des Tiroler- und Schweizerlandes, und nur ein östlicher Arm läuft
noch da, wo der Großglockner sich befindet; aber von diesem Lebensstrom nimmt
er gerade so viel auf, daß er damit alle Ländereien mit Hilfe der noch
übrigen Gletscher also genügend beherrscht, daß sich da die wohltätige
Wirkung nicht nur über ganz Europa, sondern noch über einen bedeutenden Teil
von Afrika erstreckt. [Gr.01_004,17] Wenn sonach auch die vorbenannten größeren
Flachländer Europas keine eigenen Gletscher haben, so geht aber auch über sie
keine so bedeutende Strömung; für unbedeutendere Strömungen aber gibt es
verhältnismäßig kleinere Berge überall in gerechter Menge, welche gar wohl
imstande sind, solche kleineren elektrischen Strömungen zu regulieren. [Gr.01_004,18] Ihr werdet hier fragen: „Warum geht denn vom
Nordpol bis zum Südpol keine allgemeine gleichförmige Strömung?“ [Gr.01_004,19] Wenn ihr so fragt, da müßt ihr schon noch
öfter fragen und zwar: „Warum macht denn der Blitz nie einen geraden Zug und
nicht auch einen allgemeinen, damit er doch wenigstens auf einen Hieb alles
erschlagen könnte?“ [Gr.01_004,20] Wieder müßtet ihr fragen: „Warum fließt nur
hie und da ein Bach, Fluß und Strom, und der nicht geradeaus, wo doch alles
übrige Flachland so gut des Wassers und der Bewässerung bedarf wie dasjenige,
welches den Bach, Fluß und Strom begrenzt?“ [Gr.01_004,21] Und wieder müßtet ihr fragen: „Warum gibt es
in manchem Lande so viele und bedeutende Seen, während in einem andern Lande
wieder keine Spur davon zu finden ist?“ [Gr.01_004,22] Und so gäbe es noch eine ganze Legion von
Fragen. Allein diese drei überflüssigen mögen euch genügen, daß ihr daraus
fürs erste einsehet, um wie vieles Ich weiser bin als die Menschen; und fürs
zweite, weil Ich eben um vieles weiser bin als die Menschen, so weiß Ich auch
am allerbesten, warum Ich die elektromagnetischen Strömungen also vereinzelt
angeordnet und ihnen vorgezeichnet habe einen bestimmten Weg, auf welchem
Wege unsere Gletscher ganz wohlgeordnete Meilenzeiger sind. [Gr.01_004,23] Somit hätten wir auch den zweiten Grund des
dritten Hauptgrundes, und es bleibt uns demnach noch ein dritter übrig. [Gr.01_004,24] Hier werdet ihr euch freilich wohl fragen:
„Wer da noch einen Grund herausbringt, der muß doch sicher mehr als fünf
Einheiten zusammenzählen können!“ [Gr.01_004,25] Und doch sage Ich euch, daß eben dieser
dritte Grund der allerwichtigste und tüchtigste ist, und sage euch noch
hinzu, daß dieser Grund euch zugleich auch am allernächsten liegt und ihr ihn
auch somit zuerst finden solltet, so ihr – naturmäßig genommen – in den Augen
eurer Seele kurzsichtiger wäret, als ihr seid. Denn die Kurzsichtigkeit der
Seele ist ein gar gut Ding. Je langsichtiger oder mathematisch verständiger
nämlich die Seele ist, desto mehr läßt sie ihre Augen unter den fernen
Fixsternen umherschweifen; dafür aber gehen ihr die Haare, die um ihr eigenes
Auge gestellt sind, so gut wie gänzlich verloren. [Gr.01_004,26] „Was ist hernach denn dieser dritte Grund
des dritten Hauptgrundes?“ werdet ihr fragen. [Gr.01_004,27] Und Ich sage: Geduldet euch nur ein wenig!
Ich will euch darauf hinleiten und will sehen, ob ihr ihn nicht mit den
Händen greifen werdet; und so habt denn acht! [Gr.01_004,28] Habt ihr euch noch nie gedacht, warum ihr
nur zwei Arme und an jedem Arm oder an jeder Hand nur fünf Finger habt? Warum
sind selbst diese Arme nicht wenigstens noch einmal so lang, als sie sind,
und mit viel mehr Fingern versehen? [Gr.01_004,29] Oder habt ihr euch noch nie gefragt, warum
ihr nicht mit mehr denn zwei Augen und zwei Ohren versehen seid, und diese
nur auf einer Seite des Leibes stehend, namentlich was die Augen betrifft? Es
dürfte ja ein Auge, am Rücken angebracht, und allenfalls noch ein Ohr an
einer Hand nicht unzweckdienlich sein! [Gr.01_004,30] Oder habt ihr noch nie darüber nachgedacht,
warum bei den Bäumen nur gewöhnlich ein Ast am höchsten emporragt, die andern
dann natürlicherweise tiefer zu stehen kommen? Kurz, es sind der
anzuführenden Fragen hier zur Genüge gegeben, und wir wollen sehen, ob wir
durch sie nicht auf den dritten Grund kommen! [Gr.01_004,31] Wozu habt ihr die Augen? – Diese Frage wird
wohl jedes Kind beantworten, nämlich: Um damit zu sehen, oder – verständiger
gesprochen – um die erleuchtete Form der Außendinge wahrzunehmen. [Gr.01_004,32] Diese schwere Frage hätten wir ohne Anstand
beantwortet und sehen dabei auch ein, daß uns zu diesem Zweck zwei Augen
vollkommen genügen. [Gr.01_004,33] Jetzt kommt die andere schwere Frage: Wozu
dienen uns die Ohren? – Auch mit dieser Frage werden die Kinder bald fertig
sein und sagen: „Damit wir hören, oder – verständiger gesprochen – damit wir
die Bewegungen und die Begegnungen der Dinge außer uns in uns selbst
wahrnehmen!“ [Gr.01_004,34] Also wären wir auch mit dieser schweren
Beantwortung fertig, – und die Erfahrung lehrt, daß auch zu dem Zweck zwei
Ohren hinreichend genügen, und man könnte eher sagen, daß so mancher oft an
den zwei Ohren, wie an den zwei Augen schon zuviel hat. [Gr.01_004,35] Aber jetzt kommen die Hände! Wozu sind denn
die Hände? [Gr.01_004,36] Ich meine, auf diese Frage können wir uns
füglich die Antwort ersparen. [Gr.01_004,37] Daß übrigens die zwei Hände zu jeder
Verrichtung genügen, hat seit Adams Zeiten die Erfahrung aller Zeiten mehr
als hinreichend bestätigt, nachdem die Menschen mit diesen zwei Händen nur
viel zuviel gerichtet und angerichtet haben. [Gr.01_004,38] Fällt euch nun der dritte Grund noch nicht
ein? [Gr.01_004,39] So höret denn! So gut wie jeder Leib eines
Menschen, eines Tieres, ja sogar eines Baumes, Gesträuches und einer Pflanze
gewisse Extremitäten haben muß, um sich mit Hilfe derselben in die
Korrespondenz mit der Außenwelt zu setzen, also muß es auch die Erde haben.
Und sonach sind unsere Gletscher Augen, Ohren und Hände der Erde, mittels
welcher sie sich bei ihrer weiten Reise um die Sonne und mit der Sonne durch
das weite Sonnengebiet in allerlei Korrespondenzen zu setzen hat, und zwar
zuerst in die wichtige Korrespondenz des Schauens – denn ihr dürft es
glauben, daß die Planeten durchaus nicht blind ihre Bahnen durchziehen –, und
fürs zweite hat die Erde sich dadurch in die Korrespondenz zu setzen, um aufzunehmen
die harmonischen Früchte der großen Bewegungen anderer Weltkörper und der
Bewegungen des Äthers und des Lichtes und allerartigen Strömungen auf ihr
selbst, – und fürs dritte hat sie dann mit diesen Extremitäten auch die
gehörige Aktion auszuüben, welche sie nötig hat, um fürs erste ihre Bewegung
selbst zu regulieren und fürs zweite dadurch auch zu der regelmäßigen
Bewegung anderer Weltkörper beizutragen und fürs dritte alle die euch schon
bekanntgegebenen nützlichen Verrichtungen zu bewerkstelligen. [Gr.01_004,40] Sehet, das ist somit der dritte und, wenn
ihr ein wenig nur nachdenkt, auch sicher der wichtigste Grund – fürs erste
des Daseins solcher Gletscher, und fürs zweite auch für ihre bei weitem
geringere Anzahl gegen die andern Berge, und fürs dritte auch für den Ort und
die Stelle, wo sie sich befinden. [Gr.01_004,41] Und somit hätten wir auch, soviel es für
euch notwendig zu wissen ist, die naturmäßige Nützlichkeit dieser Berge
dargestellt; denket aber dabei ja nicht, als sei das schon ein geschlossener
Kreis, sondern da hat jeder hier aufgestellte Punkt noch seine endlos vielen
nützlichen Ausläufer und ein jedes Atom seine entschiedene ganz eigentümliche
Nutzwirkung. [Gr.01_004,42] Wie vielfach demnach die Nutzwirkungen eines
solchen Gebirgslandesvaters sind, wahrlich, da hätte ein allervollkommenster
Engelsgeist mit der geläufigsten Zunge und der allereinfachsten Sprache für
eine ganze Ewigkeit genug zu reden! [Gr.01_004,43] Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen.
Jedoch, wieviel auch immerhin die naturmäßigen Nutzwirkungen eines solchen
Berges in sich enthalten, so wiegt aber eine einzige geistige, die ihr später
vernehmen werdet, schon alle samt und sämtlich auf. [Gr.01_004,44] Die Folge jedoch wird euch alles dieses in
zweckmäßiger Kürze vollkommen klarmachen, was ihr jetzt kaum dunkel ahnt. [Gr.01_004,45] Und somit lassen wir es für heute wieder gut
sein! 5.
Kapitel – Geistiges und Materielles.
[Gr.01_005,01] Ihr werdet euch schon aus den früheren
Mitteilungen mit so viel Licht versehen haben, daß es euch nun schon klar
sein darf, daß alle Materie an und für sich nichts anderes ist als ein durch
Meinen Willen gefesteter Gedanke aus Mir. [Gr.01_005,02] Diesem Grundsatze gemäß wird demnach wohl
auch unser Großglockner nichts mehr und nichts weniger sein, als was da alle
andere Materie ist. [Gr.01_005,03] Was ist demnach für ein Unterschied zwischen
dem eigentlichen Geistigen und dem diesem entgegengesetzten Materiellen,
nachdem das eine wie das andere ein Produkt Meines Willens ist? [Gr.01_005,04] In der produktiven Hinsicht waltet da kein
Unterschied ob, – aber ein desto größerer in der Wesenheit. [Gr.01_005,05] Dieses wird euch zwar ein wenig befremden;
allein seht nur einen Künstler unter euch an! [Gr.01_005,06] Was ist bei ihm der Grund aller seiner
Produktionen? Ihr könnt da unmöglich einen andern finden und angeben als
allein den seines Willens, welches mit andern Worten ebensoviel heißt als:
Alles, was er nur immer hervorbringt, muß er zuvor wollen; denn ohne diesen
Grund wird er wohl schwerlich je etwas hervorbringen. [Gr.01_005,07] Ist aber das nun eine notwendige Folge, daß
da ein und derselbe Wille immerwährend auch ein und dasselbe produzieren muß? [Gr.01_005,08] Nein, sondern die Liebe zeichnet die
Modifizierung der Produkte, und der Wille spricht nur das einfache „Es
werde!“ hinzu, und so wird es auch, was die Liebe zuvor gezeichnet hat. [Gr.01_005,09] Nun sehet, geradeso geht es auch bei Mir zu:
Meine unendliche Liebe bildet die Formen, und die Kraft der Liebe, welche da
heißt der Wille, läßt sie hervortreten! Einen Teil dieser Formen hält der
Wille zufolge des Begehrens der Liebe gefestet; einem andern aber wieder gibt
eben dieser Wille nach dem Verlangen der Liebe die stets lebendiger werdende
Freiheit. [Gr.01_005,10] Und so entspricht die Materie, Meinem Willen
nach, der Liebe dadurch, daß sie ist ein gefesteter Grund als letzte
Unterlage alles Geistigen, und sie ist somit im Vergleich der Liebe das, was
da Meine „Erbarmung“ genannt wird. [Gr.01_005,11] Das Geistige aber entspricht dann der
lebendigen Freiheit Meiner eigenen Liebe selbst und ist das, was da genannt
wird die „Gnade“ oder das eigentliche „Sichselbstbewußtsein“
jeder freien Wesenheit, die da dem freien Leben Meiner Liebe entstammt und
geistig vollkommen ebenbildlich mit ihr ist. [Gr.01_005,12] Aus dieser kurzen einleitenden Vorangabe
könnt ihr nun schon sehr leicht entnehmen, daß, wo sich nur immer Materie wie
immer gestaltet vorfindet, auch notwendig Geistiges vorhanden sein muß; denn
wenn die Materie eine Erbarmung ist, so kann diese Erbarmung als ein
Lösemittel ja doch nicht für sich selbst dasein, sondern sicher für eine
höhere Potenz, an welche eben diese Erbarmung gerichtet ist. Oder habt ihr
euch jemals schon der Erbarmung selbst erbarmt?! [Gr.01_005,13] So ihr euch aber schon jemandes andern
erbarmt, so wird wohl auch sicher Meine Erbarmung für jemand anders dasein
und nicht um ihrer selbst willen! [Gr.01_005,14] Somit haben wir alsdann auch die gewisse
Notwendigkeit der Materie für eine höhere Potenz dargetan. Wo muß denn aber
die höhere Potenz sich aufhalten? Das ist eine sehr wichtige Frage. [Gr.01_005,15] Wenn zum Beispiel irgendein dürftiger Mensch
sich in einer abendlichen Gegend befinden möchte, saget Mir, so ihr euch
dieses Menschen erbarmen würdet, um ihm aus seiner Not zu helfen, würdet ihr
da mit eurer Erbarmung nach Morgen ziehen, – oder würdet ihr euch nicht
vielmehr mit eurer Erbarmung dahin wenden müssen, wo sich der Hilfsbedürftige
befindet? Und so ihr ihn da finden würdet, würdet ihr mit eurer Erbarmung
nicht bei ihm verbleiben?! [Gr.01_005,16] Wenn ihr diese Fragesätze nur mit einiger
Aufmerksamkeit durchgehet, so muß es euch ja auf der Stelle einleuchten, daß
ein Armenspital und die Armen doch sicher stets beisammen sind. Und also wird
es auch mit der Materie und mit den geistigen Potenzen sein, daß sie sich
erfassen und eins das andere enthalten. [Gr.01_005,17] So ihr aber auf der Erde ein mehr und mehr
ausgezeichnetes und somit auch größeres und größeres Armenhaus antrefft, da
werdet ihr wohl auch den ganz natürlichen Schluß ziehen, daß ein
ausgezeichneteres und größeres Armenhaus mehr Arme fassen wird denn ein
kleineres und weniger ausgezeichnetes. [Gr.01_005,18] Ebenso verhält es sich auch mit der
Großartigkeit und Auszeichnung der Materie: je großartiger und
ausgezeichneter ihr sie irgendwo antrefft, für desto mehr geistige Potenzen
ist sie auch da. [Gr.01_005,19] Sonach wollen wir denn wieder einen Blick
auf unseren Großglockner werfen! [Gr.01_005,20] Sehet ihn an, wie großartig und
ausgezeichnet er dasteht, wie ein König unter den Bergen; denn wo sich
anderer Berge Spitzen in kahle Felsen verlieren, eben da fängt unser
Großglockner erst mächtig an, sich über alle seine kahlen Nachbarn zu
erheben. Und sehet an seine mehrere Stunden weite Ausdehnung nach allen
Seiten; sehet an, wie er mit ewigem Schnee und Eis bedeckt ist; sehet an die
vielen Bäche, die von seinen Zinnen herabstürzen, und sehet an seine steilen
Scheitel, wie sie beinahe beständig mit weißlichen Wolken umlagert sind! Ja,
ihr werdet diesen Berg schon aus weiter Ferne erkennen und mit Sicherheit
sagen: „Das ist ganz bestimmt unser Großglockner; denn sein Schneeglanz,
seine Höhe und seine Umlagerung mit beständigem Gewölk ist ein sicherer Bürge
für unsere Annahme!“ [Gr.01_005,21] Sehet, also werdet ihr ihn ausgezeichnet
finden! Da er aber also ausgezeichnet ist, so wird er auch sicher eine
ausgezeichnete Anstalt sein, oder er ist da gewisserart ein großer Brocken
Meiner Erbarmung. [Gr.01_005,22] Wir haben schon aus dem naturmäßigen Teil
dieses Berges eine weitgedehnte Großartigkeit seiner Nutzwirkungen vernommen.
Fragt euch aber selbst dabei: „Wären solche Verrichtungen wohl nur denkbar
möglich, so da nicht geistig-intellektuelle Potenzen zu Hause wären, welche
alles dieses leiteten; oder wäre eine Wirkung ohne die zusagende Kraft oder
Kräfte möglich?“ [Gr.01_005,23] Sehet, die Kräfte, welche hier solches
wirken, sind ja eben die geistigen Potenzen, durch welche alles dieses
verrichtet wird! [Gr.01_005,24] Es ist jetzt nur die Frage: Sind diese
naturmäßig nutzwirkenden Erscheinungen von seiten dieses Berges der
Hauptzweck der ihn umgebenden und ihm innewohnenden geistigen Potenzen, oder
sind sie nur ein Nebenzweck, durch welchen alle diese geistigen Potenzen für
einen anderen Zweck heranreifen sollen? [Gr.01_005,25] Diese Frage kann ein kurzes Beispiel
hinreichend beantworten, und zwar wieder durch eine Frage: Was ist denn beim
Aussäen der Samenkörner in die Erde der Zweck dieser Arbeit? Ist es die
Aussaat an und für sich, oder hat die Aussaat noch einen höheren Zweck vor
sich? [Gr.01_005,26] Es wird zwar durch das Verwesen der
Samenkörner die Erde gedüngt und somit nach und nach fetter gemacht; aber ihr
werdet doch sicher diese Nutzwirkung der Aussaat nicht als den Hauptzweck
solcher Handlung betrachten, sondern werdet sagen: „Wir säen das Korn nur
darum in die Erde, damit daraus ein neuer Fruchthalm entstehe, der uns
vielfach wiedergebe das, was wir zuvor einfach in die Erde gelegt haben.“ [Gr.01_005,27] Sehet, also verhält sich die vorerwähnte
naturmäßige Nutzwirkung dieses Berges geradeso zu dem höheren Zweck seines
Daseins, wie sich da verhält die Düngung des Erdreiches durch das Verwesen
des Körnchens in der Erde zu seiner entstandenen vielfach lebendigen Frucht! [Gr.01_005,28] Aus diesem werdet ihr nun schon ein wenig
die Richtigkeit dessen zu erkennen imstande sein, was Ich am Schlusse der
Darstellung der naturmäßigen Nutzwirkungen dieses Berges erwähnt habe, wo
gesagt ist, wie hoch ein geistiges Pünktlein oder Atom über allen den bis jetzt
erwähnten naturmäßigen Nutzwirkungen dieses Berges steht. [Gr.01_005,29] Dieses bisher Gesagte betrachtet daher nur
als eine notwendige Vor- und Einleitung, ohne welche ihr das Folgende
schwerlich verstehen würdet! [Gr.01_005,30] Was aber da speziell folgen wird, wollen wir
auf eine nächste Mitteilung aufbewahren; und somit lassen wir es für heute
wieder gut sein! 6.
Kapitel – Geisterkampf in der Natur.
[Gr.01_006,01] Wenn ihr euch zurückerinnern wollt an manche
andere Meiner euch gegebenen Enthüllungen aus der Natur, allwo namentlich
dargetan wurde, wo die Tierwelt ihren Ursprung nimmt, so wird euch alsbald
klar werden, warum in der Einleitung unser vorliegender Berg ein
ausgezeichnetes und großes Armenhaus genannt wurde. [Gr.01_006,02] Sehet, vorzugsweise halten sich auch
gewöhnlich noch sehr irdisch gesinnte Seelen und Geister in der Region ihres
vormals im Leibe bewohnten Planeten auf. Diese Geister sind nicht selten voll
Ärger, Bosheit und Ingrimm darum, weil sie so bald ihr zeitlich gutes Leben
haben verlassen müssen, und wollen sich nun dafür auf jede mögliche Weise
rächen. Obschon sie zwar die Erde nicht sehen können – wie überhaupt kein
Geist etwas zu sehen vermag, was außer ihm ist, sondern nur, was in ihm ist
–, so wissen sie aber auf dem Wege innerer Entsprechung doch ganz genau, wo
oder in welcher Gegend der Erde sie sich befinden; und weil sie als Geister
mit den naturgeistigen Potenzen in sichtbarem Konflikt stehen, so vereinigen
sie sich auch bald mit ihnen, um dadurch, wo nur immer möglich, der sie so
frühzeitig im Stiche lassenden Erde zu schaden. [Gr.01_006,03] Da sie im geistigen Zustand auf dem Wege der
Entsprechung auch wohl wissen, daß so ein Gebirgsriese der Erde ein
naturmäßiger Nutzwirker ist für viele Ländereien um ihn, so halten sie sich
auch besonders gern in seiner Nachbarschaft auf. Besehet nur das Bild – so
euch schon die Gelegenheit mangelt, diesen Berg in der Wirklichkeit in
Augenschein zu nehmen –, und ihr werdet euch alsbald überzeugen, wie da rings
um ihn herum Felsenmassen über Felsenmassen sich auftürmen, in deren
Schluchten, Krümmungen und Windungen nicht selten auf ja und nein plötzlich
dunkelgraue Wolken aufsteigen, die, wenn sie über die Scheitel der höchsten
Felsspitzen sich erhoben haben und gewisserart unsern Großglockner erblicken,
sich dann alsogleich wieder zurückziehen und oft trotz eines noch so heftigen
Windes nicht aus ihren Schlupfwinkeln zu bringen sind. [Gr.01_006,04] Sehet, diese Erscheinlichkeit ist schon ein
sehr sicheres Zeichen vom Dasein solcher mißmutigen und böswilligen Geister,
und zwar schon in der Verbindung mit den naturgeistigen Potenzen! [Gr.01_006,05] Erhebet ihr aber eure Blicke höher hinauf zu
den weißen Flächen unseres Gletschers, so werdet ihr da ebenfalls fast
beständig Wolken und Nebel entdecken, welche aber von einer nahezu blendend
weißen Farbe sind. Diese Wolken und Nebel sind ebenfalls Geister, aber
Geister guter Art; von ihnen sind die zuallerhöchst
schwebenden dazu bestimmte schützende Engelsgeister, während die mehr in der
Tiefe des Gletschers schwebenden Nebel, welche gewöhnlich linealförmige
Streifwolken bilden, zwar ebenfalls Geister guter Art, aber noch nicht völlig
reif für die Höhe sind und sich erst durch getreue Wachsamkeit und
mannigfaltige Kämpfe gegen die argen Geister für die Höhe geeignet, reif und
tüchtig machen müssen. [Gr.01_006,06] So ihr in dieser Gegend wäret und möchtet da
oft tagelang dieser Nebelspielerei zusehen, da würde es euch auch nicht im
Traume einfallen, daß es zwischen diesen luftigen Potenzen je zu einem
ernsten Kampf kommen könnte; jedoch wer da Zeit hätte abzuwarten, bis es
unter diesen leichten Potenzen wirklich zu einem Kampf kommt, der dürfte auch
sicher darauf rechnen, daß ihm während dieses Kampfes das Hören und Sehen
vergehen möchte vor tobender Angst. [Gr.01_006,07] Wie kommt es aber da zu einem Kampf? Was ist
die gewöhnliche Veranlassung dazu? Wissen wir einmal die Veranlassung, so
wird uns auch die Ursache nicht unbekannt bleiben. [Gr.01_006,08] Sehet, die bösen Geister, deren schon früher
erwähnt wurde, gehen immer mit dem Rachegedanken um, sich einmal dieses
Länderwohltätigkeitsthrones zu bemächtigen, um dann vom selben aus nach allen
Seiten gehörig Unheil ausstreuen zu können! Aus diesem Grunde rotten sie sich
in den unteren Schlupfwinkeln zusammen und machen kleine Ausflüge, um zu
rekognoszieren, wie es mit der Wache und der Besatzung des Thrones steht.
Bemerken sie, daß es ziemlich blank um ihn aussieht, so geht diese Nachricht
mit aller Gedankenschnelligkeit weit und breit hin, und wo da nur immer eine
so recht zerklüftete Gebirgsspitze sich befindet, da werden sich auch
sogleich überall große Massen von gleich dunkelgrauen Wolken herauszuziehen
und in die Höhe zu erheben anfangen, und wenn ehedem der Himmel ganz rein
war, so ist er nicht selten in wenigen Minuten schon ganz dicht umhüllt von
solchen oft ganz schwarzen Wolkenmassen, welche da kreuz und quer ziehen und
sich, wie ihr zu sagen pflegt, per ambages dem
Throne nähern, damit die Thronwachen durch diese Bewegung in die Irre geführt
werden möchten. [Gr.01_006,09] Bei solcher Gelegenheit ist der Großglockner
dann auf eine kurze Zeit auch gewöhnlich ganz wolken- und nebelfrei; denn
sobald die Wächter solche Schelmerei der argen Geister sehen, da ziehen sie
sich alsbald zusammen und verbergen sich sorgfältig in den inneren, großen
Kristalltempeln dieses Berges. [Gr.01_006,10] Wenn nun die Hauptanführer der weitgedehnten
argen Rotten sehen, daß der Thron unbesetzt ist, so kommandieren sie alsbald
ihren losen Truppen, sich so hoch als möglich zu erheben und dann behende
über den Thron herzufallen und alles, was da in den inneren Gemächern
angetroffen wird, für immer gefangenzunehmen und zu erdrücken. [Gr.01_006,11] Auf dieses Kommando stürzt nun das graue
Gesindel mit für euch, die ihr eine solche Naturszene noch nicht gesehen
habt, unglaublicher Hast auf unsern Großglockner hin, bei welcher Gelegenheit
es dann in seiner Nachbarschaft selbst um die Mitte des Tages also finster
wird, daß die Menschen in seinen nahe gelegenen Tälern nicht selten zu
Kerzen- und Lampenlicht ihre Zuflucht nehmen müssen. Bei dieser Gelegenheit
wird's dann gewöhnlich ganz still, was den Grund hat, weil die argen Geister
nun der Meinung sind, daß sie endlich einmal gesiegt haben. Allein solche
ruhige Szene dauert zuallerlängst höchstens
siebenundsiebzig Minuten. Nach dieser Zeit werdet ihr bemerken, daß sich sehr
dichte weiße Wolken aus den Eisklüften zu ziehen anfangen. Diese breiten sich
dann in kurzer Zeit unter den schwarzen Wolken aus, und wenn sie sich gehörig
weit und dicht ausgebreitet haben, so fangen sie dann an, sich unvermerkt zu
erheben und tragen dann das schwarze Gesindel gewisserart auf ihrem Rücken
immer höher und höher. [Gr.01_006,12] Wenn nun das schwarze Gesindel solche List
merkt, dann macht es bald irgendwo Luft und läßt das weiße Gewölk
hindurchpassieren. Solches wissen die Geister des weißen Gewölks gar wohl und
auch, daß sich die argen Geister dabei denken: „Ziehet ihr nur hinaus; wenn
ihr einmal vollends draußen seid, dann werden wir ja wohl sehen, wer den
Thron in Besitz nehmen wird!“ [Gr.01_006,13] Wenn demnach die weißen Wolken sich samt und
sämtlich über die schwarzen hinausgezogen haben, so breiten sie sich in der
Höhe nicht selten gleich einem Netze viele Meilen weit nach allen Seiten mit
Blitzesschnelligkeit aus und nehmen das gesamte arge Gesindel, wie ihr zu
sagen pflegt, solo gefangen. [Gr.01_006,14] Wenn aber nun das arge Gesindel durch
allerlei geistig-telegraphische Depeschen die Nachricht bis zum Throne hin
empfängt, daß die weißen Geister es allenthalben umzingelt und gefangen
haben, so werden die Helden, welche sich schon über den Thron hergemacht
haben, überaus ergrimmt über die List der weißen Geister. Sie fangen da an,
alle ihre Truppen zu konzentrieren, um dadurch mit Gewalt wieder durch die
weißen Massen zu brechen. Dieser Moment ist dann auch der Anfang des
eigentlichen Kampfes. [Gr.01_006,15] Hier würdet ihr zuerst ein ungeheures Toben
und Tosen in dieser schwarzen Wolkenmasse gewahren. Dieses Toben und Tosen
rührt her von dem Sichaneinander-Drängen dieser
Geister und von dem immer mehr und mehr Ergrimmtwerden;
je mehr aber diese argen Geister sich abmühen, die oberen vernichtend zu
durchbrechen, desto mehr auch werden sie von den oberen gedrückt. [Gr.01_006,16] Bei dieser Gelegenheit fangen dann die
unteren Geister in ihrem Grimme sich zu entzünden an, und alsbald gibt's da
eine so feurige Szene, daß nicht selten in einer Sekunde mehr denn tausend
der heftigsten Blitze mit großem erderschütterndem Gekrach
nach allen Seiten, wie auch nach oben und nach unten stürzen, und zwar nach
allen Seiten, um die herabbohrenden weißen Massen zu töten, in die Höhe, um
die Hauptanführer der weißen zu verderben, und in die Tiefe oder auf die
Erde, um den Thron zu vernichten. [Gr.01_006,17] Sehet, das ist nun das erste Manöver! Aber
wenn die Geister der weißen Wolken gewahren, daß den unteren feindlichen
Rotten gewisserart die Munition ausgegangen ist, dann erfassen die weißen
Geister plötzlich in allen Teilen die schwarzen und drängen sie so fest aneinander,
wie fest da ist ein wirklicher Stein, und schleudern sie dann mit der größten
Heftigkeit hinab auf die Erde, und natürlicherweise zum größten Teile auf die
weitgedehnten Eisflächen des Thrones selbst, wie auch in weiteren Umkreisen,
jedoch in kleineren Knoten, als Hagel in die Tiefen. Bei dieser Gelegenheit
könnt ihr auch die Ursache dessen sehr leicht begreifen, warum – namentlich
über die Eisfelder des Großglockners – nicht selten zentnerschwere Eismassen
den Wolken entstürzen, und oft in solcher
Dichtigkeit, daß da gewisserart ein Eisblock den andern vor sich hertreibt. [Gr.01_006,18] Wenn auf diese Weise dann das schwarze
Gesindel samt und sämtlich besiegt am Boden liegt, so lassen die weißen
Geister noch einen Regen, welcher da schon aus den Friedensgeistern besteht,
über diese Besiegten herabstürzen, lösen sich endlich selbst in einen
schneidend kalten Wind auf und binden dadurch die Besiegten auf sehr lange
Zeit an das frühere Eis des Thrones. Dadurch verschaffen sie diesen argen
Wesen wieder eine Ruhe, in welcher diese sich dann gewöhnlich mit der Länge
der Zeit eines Besseren besinnen. Und ist solches eingetroffen, dann löst
sich das eisige Band oder die naturmäßig-geistige Potenz wieder zu fließendem
Wasser auf, und dem also gedemütigten Geiste wird der Gebrauch seiner
Freiheit wieder anheimgestellt. [Gr.01_006,19] Bessert er sich, so wird er bald in die
unteren Reihen der Friedensgeister aufgenommen; bessert er sich aber nicht
und wiederholt bei einer andern Gelegenheit solchen Angriff – was leider am
öftesten der Fall ist –, so wird er dann wieder auf die ganz gewöhnliche und
einfache Weise gefangengenommen, aber allzeit ein bißchen länger in der
Gefangenschaft gehalten. [Gr.01_006,20] Sehet, das ist die erste Geisterszene, die
sich vorzugsweise da ereignet, wo es sich natürlicherweise um einen
wenigstens vermeintlichen Thron handelt. Aber diese Szene ist nicht die
einzige, die da vor sich geht, sondern es gibt dann auch noch gar viele,
welche aber nicht so wie diese in die naturmäßige Erscheinlichkeit mehr
herüberragen, sondern sie offenbaren sich auf mannigfache Weise mehr dem
Gefühl derjenigen, welche je Gelegenheit haben, wenigstens einen unteren Teil
eines solchen Berges zu besteigen. [Gr.01_006,21] Um jedoch bei unserer Darstellung dieses
Berges nicht in eine zu lange Ausdehnung zu geraten, wollen wir bei der
nächsten Gelegenheit nur noch zwei Punkten eine kurze Aufmerksamkeit widmen
und uns dann schnell dem evangelischen Teil, welcher für euch der bei weitem
wichtigste ist, zuwenden. [Gr.01_006,22] Und so lassen wir es für heute wieder bei
dem bewendet sein! 7.
Kapitel – Wege zur Demütigung und Erziehung der Naturgeister.
[Gr.01_007,01] Ihr habt in der gestrigen Mitteilung
vernommen, daß nach der endlichen Gefangenschaft wieder die Befreiung
eintritt, und daß die also zur Besinnung und Ruhe gebrachten Geister, so sie
sich vollends gebessert haben, entweder zu den Friedensgeistern der unteren
Stufe aufgenommen werden, oder daß ihnen eine neue Freiheitsfrist eingeräumt
wird. Sehet, da ist auf etwas ein achtsames Auge zu haben: wohin dann solche
der eigenen Freiheit überlassenen Geister geschickt werden! [Gr.01_007,02] Sehet, wenn die naturmäßigen Geisterpotenzen
sich wieder zu fließendem Wasser auflösen, so werden eben solche frei
gewordenen Geister mit dem Wasser gewisserart freiwillig gebunden und müssen
dann die Reise bis in das Meer machen. [Gr.01_007,03] Ihr werdet euch denken: „Warum denn
solches?“ [Gr.01_007,04] Sehet, gerade aus demselben Grunde, aus dem
auf der Erde die Obrigkeit jemandem, der da einen Schaden angerichtet hat
oder im Augenblick, als er den Schaden verüben wollte, gefangen wird, eine
solche Besserungsstrafe auferlegt, daß er den Schaden gutzumachen und
nebstbei für den bösen Willen noch ein Reue- oder Strafgeld zu entrichten
hat. [Gr.01_007,05] Sehet, gerade aus eben dem Grunde müssen
solche Geister in jenem Staate, wo es viel genauer zugeht als auf der
materiellen Welt, jeden verübten Schaden – wie auch jenen, den sie haben
verüben wollen, – bis auf den letzten Heller gutmachen und zudem noch für
ihren bösen Willen eine vollkommen angemessene Buße leisten, und erst dann,
wenn solches alles genau befolgt worden ist, können sie in die erste Stufe
der geistigen Vollendung aufgenommen werden. [Gr.01_007,06] Ihr werdet wieder fragen: „Ja, wie können
denn diese Geister im Meere das wieder gutmachen, was sie der Erde in einem
dem Meere weit entlegenen Lande entweder schon geschadet haben oder doch
wenigstens haben schaden wollen?“ [Gr.01_007,07] Natürlicherweise können sie das im Weltmeere
wohl schwerlich gutmachen; aber da im Geiste niemand etwas Gutes wirken kann,
wenn er nicht selbst gut ist, so bezeugt diese Erscheinlichkeit das, daß die
Geister in diesem Zustande sich vollends demütigen müssen, bevor sie fähig
werden, für den Schaden Gutes zu üben; und weil demnach das Meer und dessen
Grund der Erde immerwährend tiefste Teile sind, so müssen demnach solche
hochtrabenden Heldengeister diese Demütigungsreise machen, um dadurch mit der
Zeit aus dieser ihrer Demütigung als neu- und wiedergeboren aufzusteigen in
die Sphären der Nutzwirkungen. [Gr.01_007,08] Es fragt sich jetzt: Werden solche Geister
auch wirklich nach vollbrachter Reise gebessert? [Gr.01_007,09] Da gibt's verschiedene Abstufungen: Einige
bessern sich schon auf dem Wege und können sich dann aus dieser feuchten
Landstraße entfernen und zurückkehren, allwo sie dann erforscht und, so in
ihnen nichts Arges mehr gefunden wird, aufgenommen werden. Solchen Austritt
könnt ihr daran merken, daß am Morgen den Bächen, Flüssen und Strömen weiße
Nebel entsteigen, die dann von der Sonne mit Hilfe der naturmäßigen Potenzen
aufgezogen werden, in der Höhenregion aber dann bald aus diesen naturmäßigen
Potenzen treten und dem naturmäßigen Auge unsichtbar werden. [Gr.01_007,10] Eine andere Art dieser Geister aber ist
diejenige, welche sich aus einem geheim wieder erwachten Ärger bei Nachtzeit
sozusagen aus dem Staube macht und sich in anfangs sichtbarer Gestalt von
grauen Nebeln in den Gräben, Schluchten und Klüften der Berge verbirgt, um
bei einem nächsten Angriff wieder tätigst mitzuwirken. [Gr.01_007,11] Eine dritte Art solcher Geister macht zwar
den Weg wirklich bis ins Meer; wenn sie aber da angelangt sind, so rotten sie
sich nach den verschiedenen Arten ihrer Bosheit zusammen und machen sich dann
über das Meer her, und wehe dann dem Schiffahrer, der da in ihre luftigen
Hände gerät! Wenn er noch mit dem naturmäßigen Leben davonkommt, so wird er
Wunderdinge von der verheerendsten Art der Meeresstürme erzählen können. Wenn
aber diese argen Patrone eine solche Bosheit ausüben wollen, dann senden sie
zuvor ein oder zwei ganz locker gestaltete Wölkchen gewisserart zur
Spionierung über die Meeresfläche empor – welche Wölkchen der erfahrene
Schiffer gar wohl kennt –, um zu erkunden, ob sich von nirgends woher etwa
von den Friedensgeistern etwas sehen läßt; sind da noch irgendwo solche
Friedensgeister zu erschauen, so verschwinden diese Wölkchen plötzlich, – bei
welcher Gelegenheit dann auch äußerst selten an einen bedeutenden Sturm zu
denken ist. [Gr.01_007,12] Erschauen aber diese böswilligen Spione
keine feindlichen Truppen irgendwo, dann erheben sie sich höher und höher,
und in wenigen Minuten ist der freie Raum über dem Meere in allerdichteste
Sturmwolken gehüllt, aus welchen gar bald die allerheftigsten Windstöße das
Meer aufzuwühlen anfangen, und tausend und tausend Blitze werden da auf
diejenigen Geister hinabgeschleudert, welche den ernsten Weg der Besserung
eingeschlagen haben. Allein, wie solche rebellischen Geister schon überall schlecht
zuteil kommen, so nimmt auch diese Unternehmung allzeit ein schlechtes Ende
für sie; denn da werden alsbald in Gedankenschnelle von unseren
Hauptlandeswächtern friedliche Heere von Geistern abgesandt. Diese werfen
sich dann über jene tobenden Scharen, schleudern dieselben gewöhnlich im
Hagel oder heftigen Regen ins Meer und entbinden bei dieser Gelegenheit die
demütigen Geister ihrer freiwilligen Haft. Jene Patrone der Bosheit aber
werden dann ebenso schnell, wenn sie nur eine untergeordnete Rolle gespielt
haben, dem Nordpol zu befördert; die Helden aber müssen sich schon bequemen,
auf eine sehr lange Zeit in das harte Eis des Südpols zu beißen. [Gr.01_007,13] Sehet, also endet die Szene dieser Geister;
die argen werden an ihren Ort befördert, die guten aber werden aufgenommen
zur vielfachen Nutzwirkung. [Gr.01_007,14] Worin besteht denn diese? [Gr.01_007,15] Die erste Arbeit ist diese, daß solche
Geister auf die verschiedenen Alpen geschickt werden, und zwar an jene
Stellen, welche sich in kahle Felsspitzen verlieren. Sie müssen daselbst für
die Erhaltung derselben, wie auch für die bedingte Auflösung derselben
unablässig Sorge tragen, aus welchem Grunde sie da alle Feuchtigkeit in die
Poren des Gesteins so verteilen müssen, daß das Gestein dadurch von innen aus
immerwährend seine gleiche Festigkeit und Eigenschaft behält; anderseits aber
müssen sie das abgelöste Gestein also weiter in die Tiefe befördern, daß es
nach und nach der erlösenden Bestimmung immer näher kommt. [Gr.01_007,16] Wenn sie irgendeine solche Sorge
verabsäumen, so geschieht es dann öfter, daß ihnen arge Geister hinter dem
Rücken dadurch einen Possen spielen, daß von ihnen ein ganzer Felsblock
losgemacht und in die Tiefe geschleudert wird, was jedoch zumeist nur bei
großen Aufständen geschieht. Bei solch gelegentlicher Unvorsichtigkeit müssen
sie dann einen solchen abgelösten Teil wohl versorgen, daß er entweder
irgendwo einen sicheren Ruhepunkt findet, oder sie müssen ihn bis zu einem
Bache oder Flusse bringen, damit dadurch die in ihm verschlossenen, noch
nicht geborenen Geister zu keinem vorzeitigen Ausbruche kommen; denn geschähe
solches, so wäre es nahezu um die ganze Erde geschehen. Daher werdet ihr
einen solchen abgelösten Stein gewöhnlich in einem Graben, in dem eine Quelle
sich befindet, antreffen, oder ihr werdet ihn bis über die Hälfte in der Erde
sitzend und da mit allerlei Moos umgeben antreffen, oder ihr werdet ihn auch
antreffen – entweder zerstückelt oder ganz – in irgendeinem bedeutenden Bache
oder Flusse. [Gr.01_007,17] Und das ist demnach auch die Ursache, warum
nicht selten mehrere hundert und tausend Zentner schwere Steinblöcke allda in
den Flüssen und Bächen angetroffen werden, wo es weit und breit fürs erste
keine solchen Felsgebirge und fürs zweite auch keine ähnliche Steingattung
gibt. [Gr.01_007,18] Die Naturforscher werden hier freilich
sagen: „Was ist das für lächerliches Zeug! Solches übt ja nur das Wasser aus
durch seine Schwere, welche zunimmt, je schneller und heftiger der Fall
wird.“ [Gr.01_007,19] In naturmäßiger Hinsicht haben sie freilich
wohl auch recht – so wie derjenige, der da sagt, daß zwei mal zwei vier ist;
weiß aber der Mathematiker auch, was alles seinem Produkte zugrunde liegt?
Kennt er die Einheiten, aus welchen er sein Produkt gebildet hat? Er kennt
wohl die Zahl der seinem Auge und seinem Verstande gleichartigen Dinge; kennt
er aber auch das Wesen der Dinge, die er gezählt hat, in ihrem Grunde? Kann
er die unendliche Vielheit und Verschiedenheit der Teile und Kräfte
berechnen, welche zur Bildung eines Dinges notwendig sind? [Gr.01_007,20] Wahrlich, wenn er das völlig erkennte, da
würde es ihm auch ganz klar werden, wie seicht seine Berechnung der Dinge
war, da er vermöge ihrer Gleichartigkeit vier Stücke zusammengezählt hat. [Gr.01_007,21] Wie also bemerkt, geht es auch unserm
Naturforscher bei seiner Darstellung nicht nur um nichts besser denn unserm
Mathematiker, sondern noch um vieles schlechter! Denn er sieht wohl das
Wasser fließen; aber was dazu erforderlich ist, um eben das Wasser fließen zu
machen und demselben den gerechten Grad der Schwere zu geben und dabei aber
wohl zu wissen, worin an und für sich die Schwere besteht, – sehet, das
möchte unserm scharfsinnigen Naturforscher wohl etwas zu unsichtbar sein!
Denn daß das Wasser nach irgendeinem geneigten Bette sich fortbewegt, das
merkt auch derjenige, der gerade kein Naturforscher ist. Wer trägt denn aber
das Wasser auf die Höhe der Berge, sammelt es daselbst und befördert es
nutzwirkend in die Tiefe? – Sehet, das wäre schon wieder eine andere Frage!
Man wird auch hier mit dem innern Druck und mit dem Gesetz der
wechselseitigen Anziehung zum Vorschein kommen; wenn Ich aber dann frage: Wer
übt denn den Druck und die wechselseitige Anziehung aus?, da wird es auch
sicher aus sein mit der Antwort. [Gr.01_007,22] Solches setze Ich aber darum hierher, damit
euch das vorerwähnte erste Geschäft der Geister nicht so sehr befremden soll;
und daher glaubet es, daß auf der ganzen Erde ganz bestimmt nichts ist und
geschieht, was da nicht ausginge von den Geistern aller Art, entweder guten
oder argen! [Gr.01_007,23] Wenn ihr denn alsonach auf irgendeine Alpe
geht – was euch allzeit sehr vorteilhaft ist –, so werdet ihr hier und da an
Stellen kommen, wo es so recht zerstört aussieht, darob euch dann auch ganz
unheimlich zumute wird und ihr glaubet, da sei alles im starrsten Tod
begraben; aber gerade da geht es um so lebendiger zu, denn da haben solch
nutzwirkende Geister vorerwähnter Art am meisten zu tun, zu sorgen und zu
wachen, damit allmählich das alles wieder in die schönste Ordnung gebracht
wird. Wo es euch aber auf einer solchen Alpe ganz wohl und hehr erbaulich
zumute wird, wie zum Beispiel an solchen Stellen, wo die Alpe mit allerlei
wohlriechenden Kräutern bewachsen ist, da hausen auch schon seligere und
friedsame Geister, deren Geschäft ein ruhigeres, aber zugleich auch – geistig
genommen – ein viel großartigeres ist denn das der früheren. [Gr.01_007,24] Wenn ihr aber auf jene Höhen gelanget, die
schon mit immerwährendem Schnee und Eise bedeckt sind, und die reine und
frische Luft euch für die Länge der Zeit unerträglich wird, da fängt auch
schon der vollendeten Geister erste selige Region an, oder, so ihr es
annehmen wollet, da greifen oder reichen der Himmel und die Erde sichtbar
zusammen; denn die irdische Kälte bedeutet eben den gänzlichen Mangel der
Eigenliebe und somit den höchsten Grad der Nutzwirkung – naturmäßig genommen,
das heißt: vom Geistigen aus ins Naturmäßige übergehend betrachtet. [Gr.01_007,25] Wer von euch somit je eine solche Gebirgshöhe
geschaut hat, der hat auch die unterste Region des Himmels mit seines Leibes
Augen geschaut. [Gr.01_007,26] Ihr werdet hier freilich fragen und sagen:
„Wieso denn? Wie ist solches zu verstehen?“ [Gr.01_007,27] Und Ich sage euch darauf: Wer solches versteht,
dem wird auch das „Wieso“ gar bald einleuchtend werden. Es wird doch sicher
diejenige Stelle der Erde dem Himmel am nächsten zu stehen kommen, an der die
menschliche Habsucht und Eigenliebe keine Grenzsteine mehr setzt und keine
verheerenden Prozesse wegen Mein und Dein mehr führt. Ihr dürftet nur einen
Versuch machen und ein tausend Joch großes Eisfeld irgendeines Gletschers zu
eigen verlangen, ja ihr könnt euch sogar ohne irgendeine Anfrage auf
irgendeinem Eisboden ansässig machen, und seid versichert, es wird euch
solchen Grund niemand streitig machen, sowenig als ihr es einem andern
streitig machen möchtet, wenn es ihn gerade gelüsten sollte, sich ein Stück
eines solchen stark abkühlenden Grundes zuzueignen. [Gr.01_007,28] Nun sehet, aus dieser kurzen Darstellung
werdet ihr nun das „Wieso“ auch leicht begreifen; denn wenn der Himmel auch
gewisserart naturmäßig die Erde berührte, so wäre es wohl mit dem Leben wie
mit dem Dasein des ganzen Planeten auf einmal zu Ende. [Gr.01_007,29] Kann aber der Himmel die Erde irgend
berühren, wo sie so vielfach durch die schnöde Habsucht entheiligt ist? Aus
diesem Grunde sind solche Berührungspunkte nur da möglich, wo die Erde von
aller Scheelsucht der Menschen ganz und gar frei ist. [Gr.01_007,30] Aus diesem Grunde ist dann auch unser
Großglockner vorzugsweise ein solcher Berührungspunkt! Und so auch irgendein
Mensch auf seinen höchsten Zinnen etwas errichten möchte, wonach die Habsucht
auch nur eines Menschen lüstern werden könnte, so würde da von den reinen Geistern
auch schon sogleich gehörig dafür gesorgt, daß ähnliche Einrichtungen binnen
kurzer Zeit wie aus dem Dasein verschwinden; und so wird ein solcher Platz
durch seine eigene Reinheit und durch die Reinheit seiner Geister gehörig
gereinigt. [Gr.01_007,31] Das wäre somit eine Art geistiger
Eigenschaft, welche über die naturmäßigen Geister hinausragt und dann und
wann noch naturmäßige Erscheinlichkeiten zuläßt; und demnach bleibt uns nur
noch eine Art übrig, die nur sehr wenigen Menschen dann und wann sichtbar
wird. Diese Art werden wir das nächste Mal betrachten und mit ihr auch
sogleich auf das Evangelische übergehen. – Und so lassen wir es für diesmal
wieder bei dem bewendet sein! 8.
Kapitel – Wege zur Besserung der Naturgeister.
[Gr.01_008,01] Was alsonach die dritte Art der Geister
anbelangt, so ist auch diese wieder in drei verschiedene Arten zu scheiden,
und zwar in eine untere, in eine mittlere und in eine obere Art. [Gr.01_008,02] Zu der unteren Art gehören alle jene
geistigen Wesen, welche das Innere der Berge bewohnen und daselbst die
Metalle und die Wasserquellen, wie auch das Gestein und Erdreich in der Berge
Innerem überwachen. Diese Art der Geister ist somit auch an und für sich
wieder dreifach zu scheiden, und zwar in Feuergeister, Erdgeister und
Wassergeister. Diese Geister sind weder böswilliger noch guter Natur, sondern
sie sind ein bares Mittelding zwischen Gut und Böse; daher werden sie auch zu
eben diesem Zwecke verwendet: die Feuergeister zum Auskochen der Metalle, die
Wassergeister, um die Feuergeister bei ihrer Arbeit zu dämpfen, und die Erd-
und Steingeister, um die Feuer- und Wassergeister in ihren Schranken zu
halten. [Gr.01_008,03] Wer sich vom Dasein dieser Geister
überzeugen will, der mache nur Bekanntschaft mit biederen und unbefangenen
Bergleuten, und er wird unter hundert solchen Menschen sicher neunzig
antreffen, welche in ihrem Leben wenigstens ein-, zwei- oder dreimal ein oder
das andere sogenannte Bergmännlein gesehen haben. Diese Art Geister kommen
nur gar selten auf die Oberfläche der Erde; denn ihre innere Geschäftswelt
kommt ihnen viel herrlicher vor als die äußere gehaltlose, – wie sie zu sagen
pflegen. Nur müßt ihr euch nicht etwa denken, daß ihnen die Materie bei ihrem
Hin- und Herwandern hinderlich sei; solches ist sie mitnichten. Wo immer sich
ein solcher Geist hinbewegen will, so geht er durch Wasser, Feuer oder Steine
noch um vieles ungehinderter als ihr durch die Luftregionen. Denn wo ihr
Materie erschauet, da erschaut der Geist nur die entsprechende Substanz derselben.
Diese allein ist für ihn ein Etwas; die eigentliche grobe Materie aber ist
für ihn ein bares Nichts und ist für ihn so gut wie gar nicht da. [Gr.01_008,04] Daß diese Geister nutzwirkend sind, könnt
ihr aus dem Amt erkennen, das sie versehen; nur dürfen sie nicht durch einen
Ungläubigen, wie auch Gläubigen, durch mannigfache Lästerungen und
Verunglimpfungen ihrer Wesenheit gereizt werden. Geschieht solches irgendwo,
dann sind sie auch gar bald bereit, sich an derlei Menschen bitter zu rächen. [Gr.01_008,05] Wehe hernach dem, der in ihre Hände gerät!
Den Gläubigen züchtigen sie durch allerlei Mittel, die ihnen zu Gebote
stehen, den Ungläubigen aber erfüllen sie nicht selten mit einer
unausstehlichen Angst, oder sie machen ihm einen unerwarteten Schreck, oder
sie werfen ihm irgendein leibliches unheilbares Übel auf den Hals. Dagegen
hat der gläubige sanftmütige Mensch von ihnen nichts zu befürchten, – im
Gegenteil: so sich ein also gläubiger Gutmütiger in den unterirdischen Höhlen
und Gängen der Berge verstiegen hat, so zeigen sie ihm fast allzeit einen
sichern Ausweg. Dieses alles könnt ihr buchstäblich bei allen Bergleuten
erfahren; und möget ihr dieselben aus den verschiedensten Erdgegenden
vernehmen, so werden ihre Aussagen ganz vollkommen übereinstimmen. – Das ist
demnach die erste Art der dritten Art Geister. [Gr.01_008,06] Unter welchem Gesichtspunkte alle diese
Geister in der eigentlichen Geisterwelt vorkommen, das wird erst in dem
evangelischen Teil gezeigt werden; und so gehen wir nun zu der zweiten oder
mittleren Art über. [Gr.01_008,07] Diese Art Geister ist zumeist auf der
Oberfläche der Erde beschäftigt, und es gibt derselben zahllos viele. Der
eine Teil hat für alle Bäume, Gesträuche, Pflanzen, Gräser, Moose und
Schwämme zu sorgen und die in den Pflanzen selbst noch nicht frei gewordenen
Geister bei ihrer Tätigkeit zu leiten, damit jede Pflanze, sei es nun ein
Baum oder was immer, ihre ursprüngliche Form und Beschaffenheit erhält. Der
andere Teil dieser Geister aber hat die Tierwelt unter sich und muß da
dieselbe Obsorge tragen, welche der eine Teil dieser Geister bei der
Pflanzenwelt zu tragen hat, nämlich, daß jedwedes Tier seiner Form, seiner
Beschaffenheit und Tätigkeit entspricht. Diese Art Geister wird den Menschen
nur gar selten sichtbar. Diese Geister haben viel zuwenig Zeit, als daß sie
darauf bedacht sein sollten, sich unnützermaßen
sichtbar zu machen; denn die fortwährende Nutzwirkung und derentwegen ihr
guter Wille hindern sie daran. [Gr.01_008,08] Dessenungeachtet aber gibt es auf den Bergen
doch noch so manche einfältig-fromme Hirten, die auch solche Geister zu
öfteren Malen gesehen haben. Sie werden euch auch so manches Histörchen
erzählen können, wie solche Geister nicht selten über Nacht eine magere Wiese
grünen gemacht haben, und wie sie ihre Kühe und Schafe bei starken Gewittern
vor Unglück behütet haben und sie nicht auf solche Felsabhänge ließen, allwo
sie sich hätten zerfallen können. [Gr.01_008,09] Wenn ein weniger Gläubiger solche Geister
auch nicht zu Gesichte bekommt, so wird er aber doch nicht selten gar
gewaltig von ihnen angeregt, besonders wenn er durch weitgedehnte
Gebirgswälder geht und namentlich durch die sogenannten Urwälder, oder wenn
er sich auf den freien Alpentriften befindet, wie auch, wenn er durch große
Herden von Pferden, Kühen und Schafen zieht. Diese Anregung besteht in einem
mehr oder weniger unheimlichen Gefühl, auf welches gewöhnlich ein kleines
Frösteln erfolgt. So jemand solches erfahren hat, da kann er auch versichert
sein, daß er unter solche Geister gekommen ist, und daß dieselben sich ihm
auf die besagte Art bemerkbar gemacht haben. Welchem Zustande diese Geister
in der eigentlichen Geisterwelt entsprechen, solches wird ebenfalls erst im
evangelischen Teil kundgetan werden, und so hätten wir noch die dritte Art
der dritten Art übrig. [Gr.01_008,10] Diese dritte Art kommt äußerst selten zur
Erscheinung, sowohl durch die von ihr ausgeübte Wirkung, wie noch weniger an
und für sich wesenhaft. [Gr.01_008,11] Was ist denn die Wirkung dieser Geister? Die
Wirkung dieser Geister ist die Direktion der Luft und des Äthers, – daher
werden sie auch von den Alten manchmal „Luftgeister“ genannt. [Gr.01_008,12] Wenn ihr den Zug der Winde beobachtet,
namentlich derjenigen Winde, die von Nordosten herkommen, und zwar gewöhnlich
um die Mitternachtstunde, wie auch manchmal abends
ein oder zwei Stunden nach dem Untergang der Sonne, so dürftet ihr eine
zweifache Einwirkung bemerken: eine, die sich durch ein Erschauern kundgibt,
und eine, welche einige Haustiere in Unruhe versetzt, und zwar vorzugsweise
die Hunde, Hühner, Katzen, Schweine und Pferde. Wenn ihr solche Bemerkungen
macht, da könnt ihr versichert sein: solche Erscheinungen rühren von solchen
Luftgeistern her. Diese sind jedoch Geister untergeordneter Art, oder, wie ihr
zu sagen pflegt, es sind dienstbare Geister. [Gr.01_008,13] Wenn ihr aber eure Blicke höher erhebt und
die sonderbaren Formen der Wolken beschaut, da könnt ihr abermals versichert
sein, daß solche Formen eine Wirkung obbesagter
Geister sind. Die Wolke selbst besteht zwar nicht aus diesen Geistern; aber
was ihre Form betrifft, so hängt es allzeit von den Luftgeistern ab, wie sie
eine Luftschicht um die andere also drehen und wenden, daß dann die
Wolkengeister – namentlich die der unteren, argen Art – nur diejenige Form
annehmen können, die da die Wendung und Drehung der Luftschicht ihnen zuläßt.
Dieses geschieht darum, damit die Friedensgeister – denen ihre Formierung
freisteht – aus eben den Formen die argen Geister und das, was diese alles im
Schilde führen, erkennen. Alsdann ist hier nur die Ursache der Wirkung zu
ersehen, die wirkenden Geister aber durchaus nicht. [Gr.01_008,14] Eine noch höher stehende Art dieser Geister,
welche schon im Äther sich befinden, ist erschaulich
in der seltenen Erscheinung der sogenannten Fata Morgana. Diese Erscheinung
rührt nämlich daher: Wenn diese obersten Äthergeister die Luftoberfläche zur
völligen Ruhe gebracht haben, so wird diese Oberfläche bild- oder
formaufnahmefähig, und zwar auf dieselbe Weise wie ein ganz ruhiger
Wasserspiegel oder ein Glasspiegel. Ist aber die Luftoberfläche von
beständigen Wogen und Wellen zerrissen gleich wie die Oberfläche eines Sees,
Stromes und Meeres, wenn sie durch Winde oder Flutung in Unruhe gesetzt wird,
so ist da natürlich an keine Abspiegelung zu denken. [Gr.01_008,15] Was die Fata Morgana an und für sich ist,
habt ihr ohnedies schon in einer ziemlichen Abhandlung empfangen; hier aber
handelt es sich nicht mehr darum, daß ihr das Empfangene noch einmal
empfangen sollet, wohl aber darum, daß ihr dasselbe vom geistigen Grunde aus
verstehet. Der geistige Grund ist aber bereits kundgetan; hier wäre nur die
Frage, warum solches geschieht. Nun, das ist freilich wohl wieder etwas ganz
anderes. Solches geschieht darum, damit es den sich im hohen Äther
aufhaltenden Friedensgeistern desto leichter wird, entweder das geheime Tun
und Trachten der argen Geister in den Klüften und Schluchten der Gebirge zu
beobachten, oder, wenn solche Geister sich in Gestalt der bekannten Wolken
schon in die Luft erhoben haben, ihre heimlichen Gesinnungen mit großer
Sicherheit auszuforschen. [Gr.01_008,16] Ihr müßt euch hier nicht etwa denken, es
möchte ihnen da die bewegte Luft als Materie hinderlich sein, so daß sie
darob mit ihren unendlich scharf, weit und tief sehenden Geisteraugen nicht
die Umtriebe der argen Geister erschauen könnten; wohl aber müßt ihr es euch
also denken, daß diese beschriebene Ruhe der Luftoberfläche nur eine Folge
der Aufmerksamkeit ist, welche die oberen Geister gegen die unteren bei solcher
Gelegenheit zu haben pflegen. [Gr.01_008,17] Ihr werdet schon öfter gehört haben, daß
manche Menschen ganze Heere in der Luft und in den Wolken streitend erschaut
haben. Sehet, solche Erscheinungen sind auch eine Art Fata Morgana, aber wohl
eine der allerseltensten Art! [Gr.01_008,18] Sie geschehen auf folgende Weise: Wenn ihr
hoch im Äther ganz selten weiße Lämmerwölkchen erblickt, unter diesen –
freilich wohl in sehr weiter Entfernung – aber schon Gruppen der
wohlbekannten schwarzen und dunklen Wolken, so erscheint das Bild der
schwarzen Wolken auf den Lämmerwölkchen dunkel abgedruckt. Das ist der Anfang
dieser Erscheinung. Wenn dann dieses einige Minuten lang währt, so kann ein
aufmerksamer Beobachter auf diesem dunklen Abbild eine Menge wohlgeformter
Wesen erblicken, entweder in der Gestalt mannigfacher wilder Tiere oder auch
in der Gestalt von allerlei zum Kampfe gerüsteten und sich zum Kampfe übenden
Kriegern. [Gr.01_008,19] Hier werdet ihr fragen: „Wie bilden sich
denn diese Formen auf der ruhigen Luftfläche ab?“ [Gr.01_008,20] Sehet, solches geschieht auf folgende Art:
Wenn die Geister der unteren Wolken solche Ruhe über sich gewahren und darob
auch keine Störung erleiden, so bilden sie sich aus der Substanz der Wolken,
welche der bekannte naturmäßig-geistige Teil ist, förmlich Leiber in der
Meinung, dadurch kräftiger und widerstandsvoller zu werden, verbergen sich
aber dennoch vor den Augen der Menschen, damit diese ja nicht etwa bei ihrem
Anblicke die Zuflucht zu Meinem Namen nehmen möchten. Aus diesem Grunde
treiben sie solches Spiel auch nur auf der Oberfläche der Wolke und lassen
den der Erde zugekehrten Teil der Wolke auch Wolke sein. [Gr.01_008,21] Sehet, wenn demnach über ihnen eine solche
Ruhe der Oberfläche der Luft eingetreten ist, so wird auf derselben solches
wesenhafte Treiben der argen Geister bildlich gesehen, weil diese Geister
sich wirklich aus der Wolke und aus der sie umgebenden Luft eine Art Leib
gebildet haben. Aber es nützt ihnen solche Handlungsweise gar nichts; denn je
mehr sie sich also zu verwahren und festen suchen, desto tiefer werden sie
von den oberen Friedensgeistern durchschaut und nach kurzem Zeitverlauf auch
desto tüchtiger ergriffen und zur Erde herabgeworfen. (Zu dieser Art von
Geistererscheinungen gehört auch diejenige, welche Mein Schreiber am
vergangenen Montag vormittags gesehen hat.) [Gr.01_008,22] Sehet, das ist sonach die dritte Art der
Geister, die namentlich und vorzugsweise mit den andern höheren
Friedensgeistern sich bei ruhigen Gelegenheiten in der Gegend hoher Gletscher
aufhalten und – wenn es notwendig ist – sich in Gedankenschnelle über alle
Gegenden der Erde ausbreiten können; nur müßt ihr unter der dritten Art
dieser Geister nicht etwa die Bildformen der unteren Wolkengeister, noch die
Friedensgeister selbst verstehen, sondern allein die dem sterblichen Auge
beinahe niemals zur Erscheinung kommenden Äthergeister, von welchen nämlich
diese Ruhe der Luftoberfläche bewirkt wird. [Gr.01_008,23] Was auch diese Geister in der eigentlichen
Geisterwelt für einen Standpunkt ausfüllen, wird in dem nächstfolgenden
evangelischen, sowie allen anderen Teilen kundgetan werden. Es gibt freilich
wohl noch höhere Geister, welche in den Weltenräumen die Welten und Sonnen
lenken und führen, und endlich noch höhere Geister, welche dem Menschen
beigegeben sind; allein für diese ist wieder ein anderer, größerer Platz
bestimmt, und sie haben daher mit dem Wesen der Erdordnung unmittelbar nichts
zu tun. Daher können sie füglichermaßen hier auch
nicht aufgeführt und weiter enthüllt werden. [Gr.01_008,24] Und somit wären wir auch mit dem geistigen
Teil unseres Großglockners wie auch aller andern Gletscher und Berge zu Ende
und werden uns für ein nächstes Mal sogleich zum evangelischen Teile
hinwenden. Und somit lassen wir es für heute wieder gut sein! 9.
Kapitel – Der geistweckende Einfluß einer Bergbesteigung.
[Gr.01_009,01] Um das, was den evangelischen Teil betrifft,
so recht ins Auge zu fassen, wird es notwendig sein, euch mit der Form
solcher Berge ein wenig vertraut zu machen. [Gr.01_009,02] Zu diesem Zweck ist es wohl gut und
nützlich, entweder selbst, soviel es tunlich ist, solche Berge zu besteigen,
oder wenigstens gelungene Abzeichnungen derselben mit aufmerksamen Augen zu
betrachten; denn durch ihre verschiedenen Höhen, durch ihre Abstufungen,
durch die Gräben und Täler wird – wenn alles dieses mit Aufmerksamkeit
betrachtet wird – das Gemüt geweckt, und der Geist sucht da beim Anblick
solcher Berge selbst seine Augen zu öffnen und darüber nachzudenken, ob und
wie da Wege aufwärts möglich sein dürften. [Gr.01_009,03] Daß solches seine Richtigkeit hat, bezeugt
der Drang bei Besteigung eines Berges, sobald als nur immer möglich die
höchste Spitze zu erreichen, und auch der Drang und die tüchtige Begierde,
wenn einem solch hohe Berge zu Gesichte kommen, alsbald ihre höchsten Gipfel
zu ersteigen. [Gr.01_009,04] Fraget euch selbst, worin wohl solcher Grund
liegen kann! Meinet ihr, er liege etwa in der Ausbeutung irgendeiner oder
mehrerer Fernsichten, oder er liege etwa in dem Begehren nach dem Genusse der
reinsten Luft? Wer solches behauptet, der ist mehr denn über die Hälfte irrig
daran; denn was die Fernsicht betrifft, so ist diese wohl für das Auge des
Fleisches lohnend, aber um solche zu genießen, bedarf es ja eben nicht der höchsten
Gebirgsspitzen, sondern oft nur wenig bedeutender Anhöhen, von welchen eine
nicht selten bedeutend üppigere Aussicht zu gewinnen ist als von so manchen
höchsten Gebirgsspitzen, welche doch gewöhnlich wieder von anderen hohen
Bergen umlagert sind, weshalb man denn oft nichts anderes als einige ebenso
hohe Gebirgsspitzen im Umkreise erblickt und seine Blicke in keine Ebenen,
Täler, Flüsse und Seen senden kann. [Gr.01_009,05] Was aber die reine Luft betrifft, so braucht
jemand nur auf einen Hügel zu steigen, der höchstens zwei oder dreihundert
Klafter hoch zu sein braucht, und er kann daselbst auch schon eine sehr reine
Luft genießen. [Gr.01_009,06] Wenn sonach jemand diese zwei Punkte recht
tüchtig beachtet, so wird er gar leicht gewahren, daß sie nicht
ausschließlich der Grund sein können, weshalb so viele Menschen von den hohen
Gebirgsspitzen also angezogen werden, daß sie nicht selten ihr Leben wagen,
um mit der größten Anstrengung die höchste Spitze zu erklimmen. [Gr.01_009,07] Wenn denn solches unleugbar der Fall ist, da
es doch die tägliche Erfahrung lehrt, daß fast jeder Mensch, so er nur
irgendeinen hohen Berg ansieht, in sich auch schon den Wunsch verspürt, so es
nur möglich wäre, sich sogleich auf diesen oder jenen hohen Bergesgipfel zu
versetzen – selbst dann noch, wenn er den Berg tagtäglich sieht und auch
schon zu öfteren Malen auf demselben war –, so muß ja doch noch ein anderer
Grund vorhanden sein, der ihn hinaufzieht. [Gr.01_009,08] Dieser Grund ist der schon besagte und
besteht sonach in dem Wachwerden des Geistes bei solchen Gelegenheiten; denn
wie euer Sprichwort sagt, daß sich Gleiches und Gleiches gern
zusammengesellt, so ist solches auch hier buchstäblich der Fall. [Gr.01_009,09] „Wie so?“, werdet ihr fragen. – Nun, so
höret! [Gr.01_009,10] Der Geist zieht den Geist an wie die Materie
die Materie und das Fleisch wieder das Fleisch. So da in einem Menschen
beschlossen wird, daß er seine Füße auf irgendeinen hohen Berg setzen will,
so geht aus dieser seiner Vornahme eine Willensvermittlung hinauf in die
hohen Geistersphären; durch diese Verbindung werden die Geister alsbald inne,
was da irgendein Mensch tun will. [Gr.01_009,11] Will er sich nun ihren Sphären wirklich
nahen, so wird von den Geistern alsbald eine Rückantwort gegeben. Diese Rückantwort
ist für den Geist, der da noch im Leibe schläft, fast dasselbe wie das, was
ihr in leiblicher Hinsicht eine elektromagnetische Affektion
nennt, oder was im weiteren Sinne das Magnetisieren selbst ist, durch welche
Handlungsweise einem schwachen Organismus durch einen starken, lebensvollen
auf eine Zeitlang eine neue Lebenskraft mitgeteilt wird; kurz und gut, auch
der Geist, der da im Menschen noch schwach ist und schläft, wird von den
Geistern also geistig magnetisch geweckt, – freilich nicht für bleibend,
sondern nur auf eine kürzere oder längere Zeit. [Gr.01_009,12] Wenn auf diese Weise der Geist erweckt ist,
so möchte er auch eiligst sich schon dort befinden, von woher er gezogen
wird, das heißt: er möchte sich schon sogleich unter seinesgleichen befinden;
daher treibt er denn auch alsbald durch die Seele den Leib mächtig an und
zieht und schleppt ihn hinauf zu den schwindelnden Höhen. [Gr.01_009,13] Wenn hernach ein solcher Mensch solche Höhen
wirklich erstiegen hat, so freut sich der Geist, daß er sich in seiner wahren
Gesellschaft befindet. Da jedoch die freien Geister wohl die reinste Einsicht
haben, daß für solch einen unzeitigen Geist noch keines Bleibens ist, so
stellen sie sich alsbald wieder außer Rapport mit ihm; sodann sinkt der Geist
wieder in seinen Schlaf zurück, dem Leibmenschen wird's dann unbehaglich auf
solchen Höhen, so daß er sich darum bald wieder sehnsüchtig hinabbegibt in die Täler, in denen sich seine ihm
entsprechenden Wohnungen befinden. [Gr.01_009,14] Sehet, das ist der eigentliche Grund, warum
der Mensch, wenn er nicht gar zu naturmäßig weltlich gesinnt ist, von den
Bergen und ihren höchsten Gipfeln so angezogen wird! [Gr.01_009,15] Bei ganz naturmäßigen Menschen ist solches
wohl freilich nicht der Fall, denn entweder haben diese gar keinen Sinn dafür
– welches soviel besagt wie: ihr Geist ist dergestalt schwach und krank, daß
er keiner anderwärtigen geistigen Affektion mehr
fähig ist – oder wennschon solche naturmäßigen Menschen irgend hohe Berge
besteigen, so werden sie dazu nur von den argen Geistern angetrieben,
entweder aus Gewinnsucht oder aus purer Prahlerei, um dann sagen zu können:
„Ich war auf dieser und jener noch von keines Menschen Fuß bestiegenen Spitze
eines Berges der erste!“, – der gewisserart mit seinem sehr unheiligen Fuße
die heilige Spitze des Berges entweiht hat. [Gr.01_009,16] Solche Gebirgsbesteiger werden dann auch
fast allezeit für ihre ruhmverdienstliche Handlung von den Friedensgeistern
gar übel bedient: Entweder lassen sie einen solchen Rühmler
eine Höhe erklettern; wenn er aber dann oben ist, so wird er alsbald von
einem übermäßigen Kopfschwindel und darauf folgender großer Todesangst
heimgesucht und muß oft stundenlang zappeln, bis sich irgendein Geist seiner
erbarmt – so er genug gebetet hat – und ihn dann einen höchst beschwerlichen
und mit augenscheinlicher Todesgefahr verbundenen Weg hinabklettern läßt.
Oder die Geister lassen ihn auf eine leichter zu ersteigende Höhe kommen;
wenn er sich aber schon siegreich oben befindet, dann schicken sie ihm oft
augenblicklich ein gräßliches Ungewitter über den Hals, durch welches er für
seine rühmliche Bemühung so tüchtig ausgezahlt wird, daß er bei sich selbst
einen festen Eid ablegt und sagt: „Wenn ich nur dieses Mal noch mit dem Leben
davonkomme, wahrlich, es soll mich hinfort keine Gebirgshöhe mehr anlocken,
sie zu besteigen, und wäre sie nur einige Klafter hoch!“ [Gr.01_009,17] Wer aber da eine solche Gebirgsspitze
frevelnd oder zufolge einer habsüchtigen Wette erklimmen möchte, der kann
aber auch schon sogleich vorher in der Ebene seine letzte Willensanordnung
hinterlassen; denn ein solcher Gebirgsbesteiger wird wohl nimmerdar seine
Füße mehr in der Ebene gebrauchen, – aus welchem Grunde auch nicht selten
ähnliche Gebirgsbesteiger verunglücken und sich entweder sogleich zerfallen,
oder sie werden auf irgendeine Höhe geführt, auf welcher sie dann auch
gewöhnlich für alle ewigen Zeiten verbleiben, d.h. dem Leibe nach. [Gr.01_009,18] Ja, die Geister haben da allerlei Mittel, um
die Frevler auf das empfindlichste zu strafen! [Gr.01_009,19] Aber nicht also ergeht es demjenigen, der da
aus höherem Antrieb die Höhen der Berge besteigt. [Gr.01_009,20] Ein solcher Mensch wird nicht nur auf keine
Gefahren stoßen, sondern er wird allzeit gewaltig gesegnet und gestärkt
wieder zurückkehren, und zwar so, daß bei manchen solchen Gebirgsbesteigern
und großen inneren Freunden der Berge ihr Geist für bleibend geweckt worden
ist und sie dadurch zu Sehern und Propheten wurden. [Gr.01_009,21] Aus diesem Grunde habe Ich euch auch noch
allzeit geraten, gern auf die Berge zu gehen, weil denn doch bei jeder, wenn
auch nur momentanen Geisteserweckung dem Geiste eine Stärke verbleibt also,
wie einem schwachen Menschen die naturmäßige Lebenskraft nach jedem einzelnen
sogenannten Magnetisieren erhöht wird und er, wenn er oft genug magnetisiert
worden ist, endlich mit schwacher Beihilfe anderer Mittel wieder zur vollen
Gesundheit und Lebenstätigkeit gelangt. [Gr.01_009,22] Wenn sich demnach der Mensch redlichen
Sinnes ebenfalls öfter von den hohen Geistern also geistig magnetisieren läßt
und gebraucht dazu das leichte Arzneimittel der Liebe, so wird er auch um so
eher zu dem Ziel gelangen, welches da heißt: die Wiedergeburt des Geistes.
Daher gehet gern auf Berge von bedeutenderem Höhenmaße, und seid liebetätig,
so wird eure noch schwache Liebe zu Mir sicher um so eher ganz lebendig
werden! Neben diesem großen, ja größten Vorteil gibt es aber noch viele
andere, wovon wir die wichtigsten ein nächstes Mal näher betrachten wollen. –
Und so lassen wir es heute wieder bei dem bewendet sein! 10.
Kapitel – Die Berge als Liebeprediger und Weisheitspropheten.
[Gr.01_010,01] Was demnach noch die andern Vorteile
betrifft, so bestehen diese darin, daß ein jeder Berg an und für sich und in
Verbindung mit anderen, und ganz besonders aber ein Gletscher, wie unser
Großglockner einer ist, einen beständigen Liebeprediger und
Weisheitspropheten abgibt. [Gr.01_010,02] Ihr werdet hier fragen und sagen: „Das mag
wohl sein; wie aber kann man einen Berg Liebe und Weisheit predigen hören?“ [Gr.01_010,03] Das ist eine ganz andere und auch eine ganz
eigentümlich sonderbare Frage; und Ich sage euch darauf: Es gibt auf der Welt
nichts Leichteres, als diese zweifache Stimme der Berge zu vernehmen! Wie
aber solche zu vernehmen ist, dieses Geheimnis sollen hier mehrere Beispiele
aufdecken. [Gr.01_010,04] Es sollen irgend zwei Menschen sein, die
sich stets verächtlich begegnen. Es nützt da weder Rat noch Tat; sie werden
in der Tiefe stets das bleiben, was sie sind. Nehmt aber diese zwei Menschen
und führet sie auf einen hohen Berg, und ihr werdet euch alsbald überzeugen,
was dieser große Liebe- und Weisheitsprediger vermag; denn ihr dürft
versichert sein: ein halber Tag wird diese zwei Menschen gar bald zu den
intimsten Freunden machen! [Gr.01_010,05] Hier werdet ihr fragen: „Warum denn? Wie ist
solches möglich?“ [Gr.01_010,06] Auf diese Frage gibt der Berg schon für sich
die Antwort, nach der er eine Unterlage oder gewisserart der Sitz der
Friedensgeister ist, welche sich alsbald dort ins wohltätige Mittel legen, wo
irgendeine Uneinigkeit vorwaltet. Sie bearbeiten dann im Augenblick, wenn der
Mensch nur den ersten Fuß auf den Berg setzt, schon die Gemüter durch eine
stets zunehmende Spannung nach oben und erregen dadurch das Gefühl der Liebe
immer mächtiger und mächtiger; und wenn dann solche Menschen erst vollends
die Höhe erreicht haben, so ist das freundschaftliche Gefühl bei jedem schon
so weit ausgedehnt und verstärkt worden, daß solche Menschen oft, wenn sie es
auch wollten, dennoch nicht können, sich länger gegenseitig unfreundlich zu
begegnen. [Gr.01_010,07] Sind die Gemüter härter, so lassen dann
solche Geister auf einem hohen Berge über zwei solche gegenseitigen Feinde
ein tüchtiges Ungemach kommen, daß darob beide in augenscheinliche
Lebensgefahr geraten. Dieses ist dann ein Universalmittel, welches lange
Feindschaften gar leicht mit einem Schlage in die intimste Freundschaft
verwandelt. [Gr.01_010,08] Daß solches unfehlbar richtig ist, soll euch
ein anderes Beispiel vollgültig zeigen. [Gr.01_010,09] Daß zum Beispiel bei großen
Elementarrevolutionen – als da sind große, verheerende Ungewitter, große
Überschwemmungen und noch andere derlei Erscheinungen – selbst die
reißendsten Tiere, wie Tiger, Löwen, Hyänen, Bären, Schlangen, so sanft und
vertraulich werden, daß sie sich gleich den Tauben unschädlich und überaus
sanftmütig zu den Menschen und zu den andern, zahmen Tieren gesellen, könnet
ihr aus den verschiedensten Erfahrungen, welche zu allen Zeiten gemacht
worden sind, zuversichtlich entnehmen. [Gr.01_010,10] Ich mache euch nur auf einen solchen
ähnlichen Fall aufmerksam, und zwar auf denjenigen, welchen ihr bei der
Überschwemmung der euch bekannten Stadt Lyon in Frankreich sicher werdet
gelesen haben. [Gr.01_010,11] Wenn demnach solche Lebensgefahren sogar
solche reißenden Tiere freundlich stimmen, so werden sie solches wohl auch
unter Menschen zuwege bringen, und besonders sicher auf den Gebirgshöhen, wo
die Gemüter von den Friedensgeistern im geheimen tätigst bearbeitet werden. [Gr.01_010,12] Entnehmet diesem Beispiel, wie die Berge
reden; zum fleischlichen Ohr reden sie freilich nicht, aber desto
vernehmlicher zum Ohr des Geistes! [Gr.01_010,13] Wie reden aber die Berge noch weiter, und
was reden sie? [Gr.01_010,14] Sehet, es lebt oft hier und da in der Tiefe
ein eingeschrumpftes Gemüt, das weiter keinen Sinn hat, als nur seinen Magen
mit allerlei Speise und Trank zu stopfen, und sich darauf irgendwo auf ein
weiches Lager niederzulegen und in seiner behaglichen Dummheit den Fraß
auszuschlafen. [Gr.01_010,15] Solche Menschen kennen von Meiner Macht,
Kraft und Gewalt oft kaum mehr als die Kinder im Mutterleibe, und es gereicht
ihnen schon zum großen Ruhme, wenn sie es nur so weit gebracht haben, daß sie
schlechtweg Meinen Namen auszusprechen imstande sind. [Gr.01_010,16] Wenn solche Menschen dann einmal von
irgendeinem wohltätigen Freunde auf einen bedeutenderen Berg mitgezogen
werden, so ist das auch der erste Augenblick ihres ganzen Lebens, in welchem
sie erwachen, sich da umsehen und schauen, daß Gott, den sie sonst nur so
schläfrig ausgesprochen haben, ein bißchen größer und mächtiger sein muß, als
Er von ihnen bis auf diesen Augenblick gedacht wurde. [Gr.01_010,17] Daß dieses ebenfalls wieder seine
Richtigkeit hat, bekundet ja das auf das klarste, daß fürs erste
Gebirgsfreunde gewöhnlich sehr sanfte Menschen sind; jene aber, welche früher
höchst träge und einsilbig waren, werden hernach gesprächig und wissen eine
Menge zu erzählen, was alles ihnen bei der Besteigung eines solchen Berges
vorgekommen ist. [Gr.01_010,18] Sehet, wie allhier die Berge wieder reden!
Sie sind somit die besten Sprachmeister und Zungenlöser für solche Menschen
sogar, denen es nicht selten zur Last ist, ihren eigenen Namen auszusprechen.
Der Grund liegt auch hier in der Erweckung des Geistes, durch welche denn
auch die Seele und der Leib belebter und tätiger werden. [Gr.01_010,19] Wie reden denn die Berge noch? [Gr.01_010,20] Es gehen zum Beispiel einige wißbegierige
Menschen auf die Höhen so mancher Berge, finden da nicht selten sogenannte
Naturseltenheiten, wie da dergleichen sind Muscheln, die da oft in einem oder
anderen Felsen stecken, oder sie finden versteinerte Knochen, oder sie finden
eine diesem oder dem anderen Berge durchaus nicht eigentümliche Steingattung,
oder sie finden verschiedene seltene Pflanzen und dergleichen noch eine
Menge. Bei solchen Auffindungen sagen ihnen dann die Berge: „Sehet, da, wo
ihr die Muscheln gefunden habt, ist einst sicher Wasser gestanden; wo ihr die
versteinerten Knochen gefunden habt, waren dereinst üppige Fluren und dichte
Wälder, auf und in denen die großen Tiere, von denen die riesigen Knochen
zeugen, hinreichendes Futter fanden; da, wo ihr fremdartige Steine findet,
sind irgend große Elementarrevolutionen vor sich gegangen, durch welche diese
fremden Körper dahergeschleudert worden sind; allwo ihr aber besonders
schöne, wohlduftende und eigentümliche Pflanzen findet, da möget ihr euch
daran erinnern, daß fürs erste diese Pflanzen noch fortlebende Überreste
einer vorzeitlichen Vegetation sind und daher auch kräftiger und
wohlduftender sind denn diejenigen, die da, schon gewaltig degeneriert,
einförmig die Ebenen und Täler zieren!“ [Gr.01_010,21] Sehet, also reden die Berge wieder und
enthüllen oder eröffnen vor den Augen dieser Wißbegierigen das große
Geschichtsbuch der Vorzeit und sagen ihnen, wie es einst ungefähr mag
ausgesehen haben! Hier sind somit die Berge die besten und zuverlässigsten
Lehrer großer Welt- und Naturbegebenheiten und zeigen ihnen im geheimen, wie
unergründlich Meine Wege und wie unerforschlich Meine Ratschlüsse sind. [Gr.01_010,22] Dadurch werden solche bei sich oft etwas
aufgeblasenen Gelehrten sehr bedeutend gedemütigt, – und welche Predigt ist
wohl besser als diejenige, welche die Demut predigt?! [Gr.01_010,23] Was und wie predigen die Berge noch? [Gr.01_010,24] Sehet, so jemand ihre kahlen Scheitel
erstiegen hat, dem werden die höchst eigentümlichen Formationen dieser Berge
die Frage entlocken: „Seid ihr Berge schon von Uranfang an also dagestanden,
oder seid ihr erst nachträglich gebildet worden, und wie seid ihr zu dieser
gegenwärtigen Form gekommen?“ [Gr.01_010,25] Und der also fragende Mensch wird durch die
vielen losgerissenen Steine sogleich eine Antwort bekommen, welche also
lauten wird: „Wir sind seit unserer Entstehung schon gar gewaltig verändert
worden; denn mehr als die Hälfte unserer vormaligen Höhe ruht schon lange,
die Tiefen der Täler und Gräben ausfüllend, tief unter unserem gegenwärtigen
Fuße begraben, und so du uns sehen könntest im Verlaufe von nur einigen
hundert Jahren, so würdest du uns sicher nicht mehr erkennen! [Gr.01_010,26] „So du aber siehst die verschiedenen
Neigungen unseres Gesteins und findest zwischen den Blättern dieses unseres
Gesteins nicht selten noch wohlerkenntliche Abdrücke von Pflanzen und Tieren,
welche gewöhnlich nur die tieferen Gegenden der Erde bewohnen und in
denselben fortkommen, so kannst du ja mit Sicherheit daraus schließen, daß
wir dereinst selbst ebenes Land gebildet haben und erst nach dem höchst
weisen Ratschlusse des Schöpfers stückweise über das flache Land erhoben
worden sind. [Gr.01_010,27] So du aber nun unsere Gräben, Schluchten,
Klüfte, Riffe und Risse beschaust, so kannst du daraus ja mit großer
Leichtigkeit ersehen, wie da einst Fluten und große Elementarstürme ihre
Riesenkräfte an unserer harten Stirne versucht und geübt haben!“ [Gr.01_010,28] Sehet, also reden wieder die Berge und
erteilen den Menschen den vollgültigsten Aufschluß über die Art ihrer
Entstehung, ihrer Gestaltung, und warum sie jetzt also aussehen! [Gr.01_010,29] Wie und was reden denn die Berge noch? [Gr.01_010,30] Sehet, wenn da ein oder der andere
gewecktere Mensch seine Füße auf ihre Höhen setzt und da nichts als kahles
Gestein, mitunter Schnee und Eisfelder findet, so sagen die Berge zu ihm: [Gr.01_010,31] „Siehe, du stolzer, ruhmsüchtiger Mensch,
der du nur immer trachtest, dich stolz zu erheben, um über deine Brüder zu
herrschen, wie mager die Früchte der Höhe aussehen! Also, wie du uns hier
kahl, kalt, gefühl- und leblos findest, geradeso bist auch du in deinem
Herrscherwahn! [Gr.01_010,32] Unser kahles Gestein und unser Schnee und
Eis wirken zwar segnend für die Täler, da wir in steter Verbindung mit
unserer umfangreichen Niederung stehen und diese bei weitem größer ist denn
wir selbst in unseren Höhen; was würde aber mit uns geschehen, so wir täten
wie du und zögen alle unsere Niederungen herauf auf unsere Häupter? Würden
wir da nicht alsbald zu einem mächtigen, erderschütternden Falle kommen?! [Gr.01_010,33] Daher lerne du von uns, ein wahrer Mensch zu
sein! Sei kahl und kalt und unfruchtbar in deinem Verstande, und laß
denselben sich stets erniedrigen, also wie wir uns stets erniedrigen, so wird
deine Liebe dafür wachsen und dein Leben zunehmen daselbst, wo du gleich uns
vom Schöpfer berufen bist, allein nur völlig lebendig zu sein! Laß daher auch
du deinen vermeintlich weitum sehenden Verstand stets durch deine Demut
umwölkt und umnebelt sein, damit er da zur tropfbaren, segensreichen
Flüssigkeit werde, welche gleich unseren Bächlein hinabfließt in die Tiefe
deiner Liebe, um dieselbe segnend zu beleben, also wie unsere Bächlein
beleben unsere Niederungen und nähren alle ihre Frucht!“ [Gr.01_010,34] Sehet, auch so reden die Berge! [Gr.01_010,35] Wie und was reden aber die Berge noch? [Gr.01_010,36] Sehet, es besteigt wieder ein anderer Mensch
ihre Höhen! [Gr.01_010,37] Dieser Mensch ist ein reicher Spekulant, dem
nichts so sehr wie Gold und Silber am Herzen liegt. Was sagen denn die Berge
zu diesem Menschen, so er sich allenfalls doch einmal soviel Zeit nimmt,
ihnen einen Besuch abzustatten? [Gr.01_010,38] Oh, diesem Menschen geben sie eine gar
vortreffliche Lehre und sagen ihm: „Du törichter Mensch, wie weit und wie
tief bist du gefallen! Siehe, was du also liebst, das ist nichts als unser
Unrat! Was würde aber dein Bruder zu dir sagen, so du von ihm nichts anderes
lieben möchtest als nur seinen Unrat und stinkenden Kot? [Gr.01_010,39] Möchte er nicht zu dir sagen: ‚Lieber
Bruder, in welch großen Wahnsinn bist du geraten, daß dir von deinem Bruder
nichts mehr heilig und wohlgefällig ist denn nur sein Unrat?!‘ [Gr.01_010,40] Siehe alsonach, du törichter Mensch: was dir
dein Bruder sagt, das sagen wir dir mit noch bei weitem größerem Recht! Denn
siehe, wie viele herrliche Pflanzen wachsen auf unseren Höhen und Triften und
nähren die nützlichen Tiere des Landmannes! Wie viele tausend und tausend der
schönsten Bäume wachsen auf uns und geben dir Holz in großer Menge, damit du
dasselbe gebrauchen kannst zu zahllosen nützlichen Dingen! Zähle einmal die
kristallreinen Quellen, welche wir auf vielen tausend Punkten ausliefern und
damit die Ebenen und Täler segnen! Wie oft siehst du unsere Scheitel in
Wolken eingehüllt und schauerliche Stürme um unsere Stirn toben, – siehe,
solches nehmen wir auf uns, damit die von uns gesegneten Täler und Ebenen vor
großen Verheerungen verschont bleiben! Jahraus und jahrein siehst du unsere
Scheitel unter ewigem Schnee und Eise begraben; siehe, dadurch ziehen wir so
vielfachen Frost an uns, damit die Täler und Ebenen sich der lebendigen Wärme
erfreuen können! [Gr.01_010,41] Sage uns nun, du törichter Mensch, was Übles
haben wir dir denn getan, daß du alle diese unsere Wohltaten verkennst, dich
dafür gleich einem Spulwurm der Tiere in unsere Eingeweide verkriechst und
dort dem nachjagst, das für dich keinen Segen in sich birgt, uns aber dabei
unbeachtet läßt, die wir dich doch nach der Anordnung deines und unseres
Schöpfers stets so reichlich mit lebendigem Segen versehen?! [Gr.01_010,42] Daher laß ab von deiner Torheit, und wühle
in Zukunft statt in unseren Eingeweiden lieber auf unseren Triften und Höhen
herum, und sei versichert: eine Pflanze, ein Tropfen aus einer unserer
Quellen und ein Blick von unseren Höhen, hingesandt in den fernen
Wirkungskreis deines allmächtigen Vaters und unseres Schöpfers, werden dir
einen unaussprechlich größeren Nutzen bringen, als so du alle unsere
Eingeweide ausgeräumt hättest!“ [Gr.01_010,43] Sehet, dieser guten Predigt zufolge ist es
auch schon zu öfteren Malen geschehen, daß aus sehr habsüchtigen Menschen,
wenn sie nur einige Male den Bergen einen Besuch abgestattet haben, sogleich
ganz freigebige und gastfreundliche Menschen geworden sind. [Gr.01_010,44] Solches also predigen und lehren wieder die
Berge. Was sie aber noch alles lehren und predigen, das wollen wir in der
Fortsetzung vernehmen; und somit lassen wir es für heute wieder gut sein! 11.
Kapitel – Die Stärkung des Gemüts und der inneren Sehe in der Bergwelt.
[Gr.01_011,01] Was lehren und predigen die Berge denn noch? [Gr.01_011,02] Was die Berge noch lehren und predigen,
davon kann sich ein jeder unbefangen denkende Gebirgsbesteiger auf den ersten
Blick überzeugen und in seinem Gefühle recht klar und deutlich die Worte
vernehmen, welche also lauten dürften: [Gr.01_011,03] „Siehe uns an, du staubbelasteter
Erdenpilger, wie frei und unabhängig wir von unsern hohen Scheiteln in die
weite Ferne der Schöpfungen Gottes dahinblicken! Eine freie Luft weht um
unsere Stirnen, und der Sonne Strahl bricht sich sanft über unsere hohen
Rücken! Kein Grenzstein sagt hier dem Wanderer: ,Bis hierher und nicht
weiter!‘, sondern wo immer er seinen Fuß hinsetzt, betritt er seinen eigenen
Boden. Denn von dem Boden, auf welchem er geboren ward, muß gesteuert werden;
wir aber sind ohne Grenzsteine, und für unsere Scheitel wird keine Steuer
entrichtet. Daher bist du, Wanderer, auf unseren Höhen völlig zu Hause!“ [Gr.01_011,04] Daß diese Worte vollkommen richtig sind,
davon kann sich ein jeder leicht überzeugen, wenn er je solche hohen Triften
der Gebirge betritt. Wie da seine Augen einen weitgedehnten Sehkreis
bekommen, also bekommt auch sein Gemüt einen weitgedehnten Gefühlskreis, und
dadurch werden seine Gedanken mit dem Gefühl vereinigt, und er, der
vielleicht noch nie im Herzen gedacht hat, empfindet nun zum ersten Male, wie
süß, lieblich und frei die Gedanken des Herzens schmecken, und um wie vieles
weiter sie sich über den Horizont des gewöhnlichen Verstandes erstrecken. [Gr.01_011,05] Wenn solches nun der Fall ist, wird es da
nicht behaglicher in dem armseligen Kopf, da auch um seine Stirn freiere
Lüfte aus dem hohen Reich der Geister wehen?! Und wird es nicht einheimischer
und traulicher sein, sich allda zu befinden, wo die Strahlen des sonst so
hitzigen Verstandes sanft gebrochen werden und sich nach solcher Brechung gar
lieblich in das frei gewordene Herz hinabsenken?! [Gr.01_011,06] Wo ist auf diesen Höhen ein Zollverein der
Gedanken anzutreffen und wo eine Taxierkammer dessen, was da ist ein freies
Eigentum des unsterblichen Geistes?! Wo ist da ein Grenzstein anzutreffen,
über welchen die fühlende Seele nicht treten soll?! [Gr.01_011,07] Ja, hier lernt der unbefangene Wanderer –
wenn er nicht mit verstopften Ohren und verbundenen Augen solche Höhen
betritt –, was das heißt: frei sein in der Höhe seiner Gedanken und in der
Tiefe seines Gefühls, und wie selig es ist, wenn diese zwei sich unbefangen
die Hände reichen können, und wie selig da der Gedanke an Gott ist, wenn Ihn
der Wanderer aus der Tiefe seines Herzens frei bekennen und Ihn lieben und
anbeten kann in dem freien großen Tempel der Unendlichkeit! [Gr.01_011,08] Saget Mir, welcher nur einigermaßen
innerlich geweckte Mensch wird nicht von diesem heiligen Gefühl beseelt sein,
so er sich an einem heitern Morgen auf einer solchen geheiligten Höhe
befinden möchte?! [Gr.01_011,09] Der Mensch kann zwar auch in der Tiefe
Heiliges und Großes denken; aber es geht ihm dabei, als wenn er mit ziemlich
hungrigem Magen in einem Buche die Beschreibung einer guten Mahlzeit liest,
bei welcher Gelegenheit ihm die wirkliche Mahlzeit ums Hundertfache lieber
wäre denn hundert noch vortrefflichere Mahlzeitbeschreibungen, von denen er
aber dessenungeachtet dennoch nichts abbeißen kann. [Gr.01_011,10] Also ist auch auf solchen Höhen ein inneres
Gefühl und die innere Wahrnehmung gerade um so viel kräftiger und mächtiger
gegen das, was er in seiner Kammer empfindet, als um wieviel da kräftiger und
mächtiger ist eine wirkliche Mahlzeit gegenüber einer beschriebenen. Oder
welcher Mensch hat ein lebendigeres Gefühl: einer, der seine lebendige
zukünftige Braut am Arme führt, oder derjenige, der sich dieselbe mit den
allerschönsten Farben kunstgerecht entweder gemalt oder beschrieben hat?
Sicher wird ein jeder die lebendige ergreifen und wird dem andern sein
Gemälde und seine Beschreibung unangetastet lassen! [Gr.01_011,11] Also ist es auch hier der Fall! Auf solchen
Höhen findet der Wanderer gastfreundlichst
dasjenige, was ihm in der Tiefe alle Mühe und Anstrengung nicht zu geben
vermag. Daher ist es wohl gar gut und nützlich in jeder Hinsicht, sich zu
öfteren Malen die Mühe nicht gereuen zu lassen, eine oder die andere
Gebirgshöhe zu besteigen. Der Gewinn ist ja ein doppelter und reichlicher:
Fürs erste werden dadurch alle naturmäßigen Lebensgeister gestärkt; jedoch
ist dieser Gewinn der geringere, obschon eine Gebirgsbesteigung besser ist
denn zehn Apotheken und ebensoviel der renommiertesten Ärzte. Bei weitem
größer aber ist der Nutzen für den Geist, weil dieser eine so große Stärkung
von seiner ursprünglichen Heimat aus bekommt. [Gr.01_011,12] Wer von euch, so er Gebirge bestiegen hat,
wird sich dessen nicht erinnern, daß ihm zwischen den hohen Alpen traulicher
und heimlicher zu Gemüte war, als wenn er sich in einer noch so volkreichen
Stadt befinden möchte?! [Gr.01_011,13] Woher rührt denn solches Gefühl? [Gr.01_011,14] Frage nur die Berge, und sie werden dir
alsbald durch eben dieses Gefühl sagen: „Siehe, was dir dein inneres Gefühl –
freilich wohl noch etwas dunkel – sagt, ist volle Wahrheit; denn hier bist du
wahrhaft zu Hause, und zwar im Kreise deiner vielen Voreltern, welche sich in
entsprechender Weise schon lange hier überselig befinden!“ [Gr.01_011,15] Sehet, solches alles lehren auch die Berge!
Was lehren und predigen sie aber noch? Höret sie nur ferner an; sie wissen
noch allerlei zu erzählen! [Gr.01_011,16] Um euch solches, was da noch kommt, ein
wenig näher vor Augen zu stellen, so will Ich euch auch eben aus einer
solchen Gebirgsbegebenheit ein kurzes Histörchen zum besten geben: [Gr.01_011,17] Es war einmal ein frommer Mann; er war an
Jahren schon sehr vorgerückt. Dieser Mann hatte gar viele Prüfungen zu
bestehen, und unter diesen Prüfungen war auch diese eine der stärksten, daß
er bis auf seine jüngste nahezu zwanzig Jahre alte Tochter alle seine Kinder
samt seinem ihm überteuren Weibe verlor. [Gr.01_011,18] Also stand er nun allein mit dieser seiner
Tochter da, ein Häuschen am Fuße einer bedeutend hohen Alpe bewohnend, bei
dem sich eben so viele Grundstücke befanden, daß sie ihn und sein Töchterchen
nebst einer bejahrten Magd und einem alten Knecht kümmerlich ernährten. [Gr.01_011,19] Dieser Mann betete in Gesellschaft seines
Töchterchens oft und viel zu Mir, weinte dabei auch viel um die Seinigen und
hatte oft eine große Sehnsucht, ihnen bald nachfolgen zu können. [Gr.01_011,20] Als er einmal an einem Sonnabend mit seiner
Tochter nahezu über die Mitternacht hinaus gebetet und geseufzt hatte und er
samt der Tochter betend und seufzend einschlief, da träumte es der Tochter,
als sei sie mit dem alten Vater auf dem höchsten Gipfel der Alpe gestanden.
Und wie sie da freudig um sich her blickte in die weiten Fernen hinaus, da
bemerkte sie alsbald eine ganze Menge lieblich weißer Wölkchen der Höhe
zuschweben, und als diese Wölkchen vollends zu der Höhe hinangeschwebt waren,
da gewahrte sie alsbald, daß diese Wölkchen vollkommen menschliche Wesen
waren. Diese Wesen waren anfangs verschleiert; aber bald lüfteten sie ihre
Schleier, und sie, die Tochter nämlich und der alte Vater, erkannten sogleich
überseligen Herzens, daß diese Wesen ihre vorangegangenen Teuren waren, von
denen die Mutter alsbald zu ihrem geliebten Gatten trat, ihn herzte und
koste. Der Gatte, als der Vater der Tochter, aber weinte vor übergroßer
Freude ob dieses seligen Wiedersehens. Darauf aber begab sich die Mutter zur
Tochter, küßte sie und sagte zu ihr: [Gr.01_011,21] „Liebe Tochter, also wie du dich mit deinem
Vater jetzt allhier befindest, eben also sollet ihr euch beide morgen
nachmittag hier befinden, da werdet ihr noch mehr sehen und empfinden denn
jetzt; aber darob sollet ihr daheim nichts versäumen, was euch was immer für
eine Ordnung der Dinge vorschreibt!“ [Gr.01_011,22] Nach diesen Worten erwachte die Tochter
sogleich und weckte durch ihr Erwachen ihren noch schlafenden Vater, und da
dieser den Anbruch des Tages merkte, so blieb er nach alter Gewohnheit auch
sofort wach, stand auf, kleidete sich an und weckte dann auch das
Hausgesinde. Nach dieser Arbeit aber begab er sich wieder in sein Zimmerchen,
allwo er sein Töchterchen schon angekleidet und das Morgengebet verrichtend
fand. [Gr.01_011,23] Er segnete sein Töchterchen und küßte es,
kniete dann selbst nieder und verrichtete mit ihm seine Morgenandacht. Als
aber beide damit fertig waren, da standen sie auf, das Töchterchen umarmte
seinen alten Vater und küßte ihn gar traulich und herzlich, so daß der Vater
es ihm ansah, daß es übergewöhnlich fröhlichen und heiteren Mutes war. Er
fragte es auch alsobald: „Mein liebes Töchterchen, wie kommt es denn, daß du
heute gar so munter und fröhlich bist?“ [Gr.01_011,24] Das Töchterchen aber sagte zu ihm: „Aber
lieber Vater, hat denn dir heute gar nichts geträumt?“ [Gr.01_011,25] Der Vater aber erwiderte: „Es kommt mir wohl
vor, als hätte mir etwas geträumt; allein was, – das wäre mir unmöglich
herauszubringen!“ [Gr.01_011,26] Das Töchterchen aber erzählte nun dem Vater
seinen Traum, welchen er mit großer und sichtbarer Bewegung seines Gemütes
anhörte und dann nach der beendeten Erzählung sagte: „Höre, mein liebes
Töchterchen, was dir geträumt hat, das wollen wir heute auch in der
Wirklichkeit ausführen! [Gr.01_011,27] Daher wollen wir uns sogleich jetzt in der
Frühe in die nicht ferne Kirche begeben, daselbst dem Gottesdienste
wohlandächtigen Herzens beiwohnen, sodann zu Hause unser Mahl nehmen und uns
dann in Begleitung unseres alten Knechtes hinauf auf die Höhe begeben. Wenn
wir nur eine Stunde vor dem Mittage fortgehen, so sind wir bis zum Nachmittag
um die dritte Stunde ja gar leicht auf der besagten Vollhöhe unserer herrlichen
Alpe und können bei dieser Gelegenheit auch im Namen des Herrn nachsehen, was
unser Hausvieh und unsere zwei Hirten da oben machen, und ob alles gesund und
in gutem Zustande ist.“ [Gr.01_011,28] Wie gesagt, also auch getan! Um 3 Uhr
nachmittags stand unsere kleine Familie schon auf der Vollhöhe; wie aber das
Töchterchen es im Traume gesehen hatte, so sah sie auch jetzt in der
Wirklichkeit ganz gleiche Wölkchen sich gegen die Höhe begeben. [Gr.01_011,29] Als diese Wölkchen näher und näher kamen,
bemerkte sie auch der Vater und mit ihm auch der alte Knecht; und als die
Wölkchen endlich vollends die Höhe umschwebten, da gestalteten sie sich auch
alsbald zu den im Traume schon kundgegebenen Wesen. [Gr.01_011,30] Als der alte Vater in diesen Wesen die
Seinigen erkannte und sah, wie diese auch gar so liebend ihn umfingen, daß er
darum nicht im geringsten mehr zweifeln konnte, daß das wahrhaft seine
seligen Teuren seien, da weinte er laut vor Freude und dankte Mir mit dem
inbrünstigsten Herzen, daß Ich ihm noch in diesem Erdenleben eine so große
Seligkeit habe zukommen lassen. [Gr.01_011,31] Nach solchem Dankgebet aber wurde seinem
Geiste die innere Sehe völlig geöffnet. Da sah er alsbald die ganze Höhe
verklärt und verwandelt in eine himmlische Gegend und sah da die herrlichen
Wohnungen der Seinigen. Und aus einer Wohnung sah er einen Mann treten, der
da hatte ein großes Gefolge; und dieser Mann begab sich geradewegs zu unserm
alten Manne hin und sagte zu ihm: [Gr.01_011,32] „Sieh, mein lieber Sohn, wo es auf der Erde
bunt und lebendig zugeht, da sieht es im Geiste leer und tot aus; wo es aber
auf der Erde aussieht, als hätte der Tod für alle Zeiten seine Ernte
gehalten, da ist es im Geiste um so lebendiger und lebensvoller! [Gr.01_011,33] Siehe, auf den hohen Alpen wächst zwar kein
Getreide, und es sind keine Weinberge, keine Fruchtbäume, wie auch keine
Goldbergwerke anzutreffen, was aber dafür anzutreffen ist im Geiste, das
siehst du jetzt im Geiste durch die Gnade des Herrn vor deinen Augen
enthüllt! [Gr.01_011,34] Du wirst noch eine kurze Zeit die Erde mit
deines Leibes Füßen betreten; wachse aber in dieser Zeit in der Liebe zum
Herrn! Und siehe dort neben meiner Wohnung einen zweiten herrlichen Palast;
dieser ist schon für dich bestimmt und für die Deinigen, wenn du das
Zeitliche verlassen und antreten wirst das freie, ewige Leben!“ [Gr.01_011,35] Bei diesen Worten erkannte unser alter Mann,
daß dieser Redner sein irdischer Vater war, – nach welcher Erkennung das
selige Gesicht alsbald verschwand. Unsere Wanderer behielten davon das
lebendige, selige und stärkende Gefühl, priesen und dankten Mir darauf für
solche erzeigte Gnade und kehrten sodann heiteren und gestärkten Mutes wieder
in ihre irdische Heimat zurück. [Gr.01_011,36] Der bisher traurige Mann verlebte dann die
übrige Zeit noch recht heiteren Mutes und voll Liebe und Dankbarkeit zu Mir
auf der Erde; und so sich seiner noch dann und wann eine überflüssige
Schwermut bemächtigte, dann machte er, wenn es nur immer seine leiblichen
Kräfte gestatteten, alsbald einen Besuch unserer vorbezeichneten Höhe, von
welcher er allzeit wieder neu gestärkt zurückkehrte. [Gr.01_011,37] Sehet, solche Geschichten erzählen auch die
Berge, – wenn auch nicht für jedermann mit vernehmlichen Worten, aber desto
mehr mit einer sehr wahrnehmbaren Einflüsterung in das Gefühl der Seele und
durch diese auch zur Liebe des Geistes. [Gr.01_011,38] Wenn ihr euch zufolge dieses Wissens bei
guter Gelegenheit auf irgendeinen Berg von einer bedeutenderen Höhe begebet
und euch daselbst solche Gefühle anwandeln, so könnt ihr daraus sicher
schließen und sagen: „Ja, das sind wahrhaft heimatliche Gefühle! Wie süß und
angenehm sind sie, und wie herrlich muß es sein für diejenigen, welche sich
schon für ewig in diesem stillen Heimatlande befinden!“ [Gr.01_011,39] Denn ihr könnt es glauben, daß solche
Gefühle nicht etwa allein Wirkungen der für sich dastehenden Höhen sind,
sondern sie entstammen den euch umgebenden seligen Geistern, die gleich Mir
euch vorangegangen sind, um für euch eine bleibende Stätte zu bereiten. Doch
müsset ihr dabei etwa nicht einseitig sein und denken: „Dieser oder jener
Berg ist es, wo solche Wohnungen im Geiste aufgerichtet sind!“, sondern was
hier gesagt ist, das gilt zumeist von jedem Berge, auf welchem die
Grenzsteine des zeitlichen Eigentumsrechtes weit voneinander abstehen. [Gr.01_011,40] Ähnliche Gefühle möget ihr wohl auch schon
auf unbedeutend hohen Hügeln gewahren; aber lebendig werden sie erst da, wo
die Axt des Holzhauers nichts mehr zu tun hat. [Gr.01_011,41] Solches also erzählen, lehren und predigen
auch die Berge. Was sie aber außerdem erzählen, lehren und predigen, das
wollen wir noch in der vorletzten Mitteilung mit vieler Klarheit dartun;
daher lassen wir es für heute wieder gut sein! 12.
Kapitel – Die Berge als Stätten göttlicher Offenbarung.
[Gr.01_012,01] Was predigen und lehren die Berge denn noch? [Gr.01_012,02] Auch solches wollen wir wieder in einer
einfachen und kurzen Geschichte vernehmen. Und so höret denn: [Gr.01_012,03] Ein recht frommer Mann ging einst schon
lange mit dem Gedanken um, ob es denn durchaus nicht möglich wäre, sich auf
einen Augenblick nur auf der Welt der großen Gnade teilhaftig zu machen, daß
er Mich – nur auf einen Augenblick – zu sehen bekäme. Dabei dachte er sich
aber auch, was alles er darum tun wolle, um zu dieser Gnade zu gelangen. [Gr.01_012,04] Bei diesem Gedanken schweifte er lange Zeit
umher gleich einem Jäger um einen dichten Forst, bei dem er nicht weiß, wie
er in denselben eingehen soll, und in welchem Teile desselben sich ein Wild
befindet. Er suchte somit auch die Fährte; allein solche ist dort schwer zu
finden, wo alles dicht mit allerlei Gebüsch verwachsen ist. [Gr.01_012,05] Unser alter frommer Mann war zwar wohl bei
sich dessen gewiß, daß der Mensch in diesem Leibesleben solcher Gnade
unwürdig ist und es daher schwerhalten möchte, das zu erreichen, wonach er
sich sehnte. [Gr.01_012,06] Aber auf der andern Seite war seine Begierde
wieder zu mächtig, als daß sie dieser Einwendung hätte Gehör geben können. [Gr.01_012,07] Daher beschloß er auch nach langem
Umherirren seiner Gedanken, sich auf einem benachbarten ziemlich hohen Berge
eine Stätte auszusuchen und dahin so oft zu wandeln und sich daselbst in
anhaltendem Gebet zu sammeln, sooft es nur immer seine Zeit und andere Umstände
gestatten möchten. [Gr.01_012,08] Damit er sich aber die Stelle wohl merken
konnte, machte er ein Kreuz und befestigte dasselbe an dieser Stelle. Als nun
solche Arbeit vollzogen war, da gelobte er Mir feierlichst,
daß er auf diesem Platze nicht eher zu seufzen und zu beten aufhören wolle,
als bis Ich ihn erhören würde. Ja er sagte sogar, er werde entweder hier
sterben oder Mich zu Gesichte bekommen und werde nicht eher von dieser Stelle
weichen, als bis Ich Mich ihm zeigen würde. [Gr.01_012,09] Wie beschlossen und vorbereitet, also auch
getan! [Gr.01_012,10] Bei drei Jahre lang verfügte sich unser
Mann, sooft es nur immer die Umstände zuließen, an diese Stelle und betete da
allerinbrünstigst oft viele Stunden lang zu Mir um
die Erhörung seiner Bitte. Sooft er sich aber in dieser Angelegenheit da
befand, war er auch allzeit unsichtbarerweise weit
und breit umringt von vielen Tausenden frommer Geister. Diese stärkten ihn
nach Meinem Willen so sehr, daß er sich nach Verlauf von anderthalb Jahren
schon vollkommen der inneren Sehe des Geistes bedienen konnte, und so war es
ihm auch ein leichtes, sich daselbst mit gar vielen ihm verwandten Geistern
zu besprechen über das, was ihm so außerordentlich am Herzen lag. [Gr.01_012,11] Die guten Geister belehrten ihn zwar
einstimmig, daß sein Vorhaben im eigentlichen, wahren, Gott wohlgefälligen
Sinne etwas töricht sei, und sagten ihm noch hinzu, daß ja das schon ohnehin
eine große Gnade für ihn sei, daß Ich ihm das Auge des Geistes geöffnet habe,
damit er allzeit sie, seine geistigen Brüder, sehen und sich mit ihnen
besprechen könne über allerlei, was da ist und sein wird und kommen wird über
den Erdboden. Allein solche Lehre von seiten der guten Geister fruchtete bei
ihm in dieser Hinsicht wenig; denn er entgegnete ihnen allzeit darauf, sagend
nämlich: „Meine lieben Brüder und reineren geliebten Freunde meines und eures
Herrn! Ich kann euch ein und für alle Male nichts anderes sagen, als was ich
euch schon öfter gesagt habe; solches aber ist und lautet, wie ihr wisset: [Gr.01_012,12] Wenn ich nur Ihn zu sehen bekomme und Ihn
habe, dann ist mir die ganze Welt mit dem ganzen Himmel um einen schlechten
Pfennig feil! Und so möget ihr reden, was und wie ihr nur immer wollt, so
werdet ihr mich dennoch ewig nicht von meinem Vorhaben abbringen; denn ich
will und ich muß Ihn sehen, Ihn, den allein ich nur über alles liebe! Er
allein ist mir alles; alles andere aber ist mir nichts!“ [Gr.01_012,13] Sooft aber diese guten Geister von unserem
Manne solche Sprache vernahmen, schlugen sie sich an die Brust und lobten ihn
wegen seiner großen Liebe zu Mir. Und also war ihre Arbeit vergebens. Als sie
aber solches merkten, da hielten sie sich eine Zeitlang bei seinen Besuchen
dieser Stelle so fern von ihm, daß er da niemanden weiter zu sehen bekam und
auch nichts anderes als das, was seine fleischlichen Augen sahen. [Gr.01_012,14] Er ward dadurch der Meinung, als könnte ein
solches Verlangen denn doch sündhaft sein, da ihn die Geister also verließen,
und so dachte er wieder eines Tages lange hin und her, was er da tun solle.
Sollte er entweder der Belehrung der Geister folgen, oder sollte er dem
getreu bleiben, wozu ihn sein Gefühl so mächtig antrieb. [Gr.01_012,15] Endlich siegte aber dennoch das Gefühl über
alle Geister; denn er sagte bei sich selbst: „Es sei dem, wie es wolle! Daß
ich vor Gott ein Sünder bin, das zeigt mir ja mein eigener Leib; denn wäre
ich kein Sünder, so hätte ich auch sicher nicht dieses sündige Zeugnis des
Todes um mich. Ich aber bin ein Sünder, solange ich diesen Leib umhertrage.
Aber was kann der Sünder denn dafür, wenn in seinem Leibe der Geist entzündet
wird von der heißen Sehnsucht, Den zu schauen, Der ihn erschuf fürs ewige
Leben?! Und so will ich denn meinem ersten Vorsatze getreu bleiben, und möge
da kommen, was da wolle: meine Liebe zu Gott soll dennoch nicht geschwächt
werden; eher will ich mich zu Tode lieben, als von dieser Liebe nur um ein
Haarbreit weichen!“ [Gr.01_012,16] Diesem Beschlusse zufolge ging unser Alter
wieder fleißig an die besagte Stelle und betete noch viel inbrünstiger denn
zuvor. [Gr.01_012,17] Als unter solchen Gebeten auf diesem Berge
nahezu drei Jahre vergangen waren, da kam zu unserem Manne ein anderer gut
aussehender, aber sonst ärmlicher Mensch und ließ sich mit unserem Beter in
folgendes Gespräch ein. [Gr.01_012,18] Er fragte ihn: „Lieber Mann, was tust du
denn hier auf dieser Höhe?“ Und der Beter erwiderte ihm: „Mein guter Freund,
wie du siehst: ich bete!“ Wieder sagte zu ihm der Fremde: „Weißt du denn
nicht, daß man nur in den Bethäusern dem Herrn dienlich betet; du aber
scheinst dieselben zu meiden und verrichtest somit deine ganze Andacht nur
auf diesem Berge?“ Darauf erwiderte ihm unser Beter: „Lieber Freund, das ist
wohl wahr; dessenungeachtet aber gehe ich doch auch, wenn das Wetter für
diese Stelle ungünstig ist, in ein Bethaus! Doch muß ich dir offen bekennen,
daß ich in einem Bethause noch nie mit der wahren Andacht habe beten können,
wohl aber auf dieser mir so ganz eigens heilig vorkommenden Höhe! Ich muß dir
dazu noch offen bekennen: Wenn ich da um mich her blicke und schaue da das
liebe Gras, die schönen Wälder, mit denen der Fuß dieses Berges so reichlich
geziert ist, und über mir den weiten, freien Himmel an, da sagt mir mein
inneres Gefühl: ‚Siehe, diese Verzierungen des großen Tempels Gottes sind
Seiner allmächtigen Hand sicher näher als diejenigen Schnitzwerke, mit
welchen ein gemauertes Bethaus geziert ist!‘ Nach solchen Gedanken bin ich
denn wieder vollkommen in meinem Element und begebe mich auf diese meine Höhe
und bete da aus dem tiefsten Grunde meines Herzens.“ [Gr.01_012,19] Auf diese Äußerung sagte der Fremde: „Mein
lieber Freund, in diesem Punkte bin ich mit dir vollkommen einverstanden;
aber nur möchte ich von dir noch erfahren, aus welchem innern tieferen Grunde
du diese Stelle ausersehen hast für deine Andacht!“ [Gr.01_012,20] Bei dieser Frage stutzte unser Beter ein
wenig, bedachte sich aber doch bald und erwiderte dem Fremden: „Siehe, mein
lieber Freund, manche Menschen bitten um Gesundheit, manche um Vermögen,
manche um dies und manche um jenes, – allein um alles dieses bitte ich nicht;
denn mir ist nur an einem alles gelegen, und dieses ist der Herr, mein Gott!
Und Diesen möchte ich nur einmal sehen in diesem meinem irdischen Leben; denn
daß dieses Leben für ein öfteres Sehen nicht geeignet ist, weiß ich wohl.
Habe ich dieses erreicht, so habe ich mehr erreicht, als was mir alle Erde
und Himmel bieten können! Daher will ich auch eher hier sterben, als von
diesem meinem Vorsatze nur um ein Haarbreit abweichen; und habe ich das
erreicht, so will ich dafür auf dieser Stelle Gott danken und loben mein
Leben lang!“ [Gr.01_012,21] Nach diesen Worten fragte ihn der Fremde
wieder: „Wie stellst du dir denn Gott vor? Denn es könnte ja sein, daß Er zu
dir käme, Sich dir zeigte und mit dir redete in einer oder der andern
Gestalt; wenn du Ihn aber nicht erkenntest, dann wäre ja all dein Beten
umsonst, so es auch Gott, dein Herr, gar wohl erhört hätte!“ [Gr.01_012,22] Bei dieser Frage stutzte unser Beter noch
mehr, und er sagte endlich zum Fremden: „Mein lieber Freund, da hast du mir
wirklich etwas sehr Wichtiges gesagt; denn siehe, über diesen Punkt haben
sich meine Gedanken noch nie erstreckt, und ich muß dir nun gestehen, daß ich
mir darüber eigentlich gar keine Vorstellung machen kann! Mein Begriff über
das Wesen Gottes ist also verworren, daß ich noch bis auf diese Stunde nicht
weiß, ob es da einen Gott gibt, der ungefähr also aussieht wie ein großer
Mensch, oder ob dieser Gott aus drei Menschen besteht, welche sich aber dessenungeachtet
fast also ausnehmen dürften, als hätten sie nur einen gemeinsamen Leib. Oder
ist das Wesen Gottes ein unendliches Licht, in welchem diese drei göttlichen
Personen schweben und wirken? Kurz und gut, lieber Freund, ich kann dir
darüber fürwahr keinen vollgültigen Bescheid geben! Siehe, diese Ungewißheit
war auch am meisten der Grund, warum ich mir auf dieser Höhe diese Stelle
ausgesucht habe; denn ich muß dir offen gestehen, ich möchte lieber nicht
sein, als also sein, daß ich nicht zur Gewißheit dessen gelangen sollte, wie
gestaltet da ist Derjenige, den ich über alles liebe!“ [Gr.01_012,23] Hier erwiderte der Fremde unserm Beter
wieder und fragte ihn: „Hast du denn noch nie gelesen, was Christus einst von
Sich aussagte, als die Apostel Ihn angingen, daß er ihnen den Vater zeigen
solle? Siehe, heißt es da nicht: ‚Ich und der Vater sind eines! Wer Mich
sieht, der sieht auch den Vater; denn der Vater ist in Mir und Ich im
Vater?!‘“ [Gr.01_012,24] Bei diesen Worten fing unser Beter ganz
gewaltig an zu stutzen, und er erinnerte sich sogleich der zwei nach Emmaus
wandelnden Jünger und fragte darauf etwas furchtsam den Fremden: „Lieber
Freund! Sage mir, ob du nicht irgendein Eremite
oder sonst ein frommer und in der Heiligen Schrift wohlunterrichteter Mann
bist; denn mit solchen Worten kommt sonst kein gewöhnlicher Mann zum
Vorschein!“ [Gr.01_012,25] Auf diese Frage gab der fremde Mann unserm
Beter keine Antwort mehr, sondern ergriff ihn bei der Hand und hob ihn von
der Erde und führte ihn dann auf die Vollhöhe des Berges. Hier erst öffnete
er wieder den Mund und sagte zu unserm Beter: „Bruder, siehe, um was du drei
Jahre lang flehtest, das steht jetzt vor dir; siehe, Ich allein bin der Gott
Himmels und der Erde, und außer Mir gibt es keinen mehr! [Gr.01_012,26] Bleibe Mir aber getreu in deinem Herzen,
wenn du Mich auch also fürder in diesem Leben nicht mehr sehen wirst! Wie du
aber jetzt Meine süße Vaterstimme hörst, so sollst du sie auch stets hören,
sowohl auf dieser Höhe, wie überall, wo du dich in Meinem Namen befinden
wirst! [Gr.01_012,27] Also aber hast du das Leben gefunden, und
dieses wird dir nimmerdar genommen werden. Wahrlich, Ich sage dir: Deine
Seele wird nimmerdar den Tod schmecken ewig! Amen.“ [Gr.01_012,28] Nach diesen Worten verschwand sogleich der
hohe Fremdling, und unser Beter weinte, lobte und pries den Herrn die ganze
Nacht hindurch und besuchte diese Höhe hernach noch emsiger als vorher. [Gr.01_012,29] Sehet, auch solche wirklich wahren Tatsachen
erzählen euch die Berge! Daher gehet auch ihr gern auf die Berge, oder betet
zum wenigsten im Geiste auf den Bergen – welche sind ein reines Gemüt – zu
Mir, so dürfte auch euch das begegnen, was unserm frommen Beter begegnet ist. [Gr.01_012,30] Was die Berge aber noch lehren, predigen und
erzählen, wollen wir noch in der letzten Mitteilung vernehmen, und so lassen
wir es für heute wieder gut sein! 13.
Kapitel – Die Berge als Spiegel unseres Innern.
[Gr.01_013,01] Was lehren und predigen die Berge denn noch? [Gr.01_013,02] Die Berge führen noch solche Worte zu den
sie beachtenden Menschen, aus welchen ein jeder nur einigermaßen geistig
geweckte Mensch gar leicht entnehmen kann, wie es da noch steht um sein
Gemüt. [Gr.01_013,03] Demnach sind die Berge ein wahrer geistiger
Spiegel für jene, welche sich darin beschauen wollen. [Gr.01_013,04] Wie denn aber solches? [Gr.01_013,05] Ihr habt schon bei so manchen Gelegenheiten
erfahren, daß für den geistig geweckteren Menschen jede Erscheinung in der
Natur irgendeine Bedeutung hat, und namentlich habt ihr solches vernommen bei
jenen Gelegenheiten, bei denen euch ebenfalls einige Berge enthüllt worden
sind. [Gr.01_013,06] Demnach darf der geistig gewecktere Mensch
nur einen flüchtigen Blick auf einen ihm benachbarten Berg werfen und allda
ersehen, wie gestaltet er beleuchtet ist, ob er vollkommen rein oder mehr von
einem bläulichen Dunst umfangen ist, und welche Teile des Berges mehr oder
weniger umdunstet sind, oder ob er sogar irgendwo Nebel um den Berg erschaut,
entweder in der Tiefe, in der Mitte oder auf seinem Scheitel, oder ob sich
über seinem Scheitel Wolken befinden, und von welcher Art und Gattung diese
Wolken sind. [Gr.01_013,07] Ferner darf es einem solchen Beobachter
nicht entgehen, welche Gefühle sich seiner beim Anblick eines vor ihm
stehenden Berges bemächtigt haben, ob sie ihn in eine angenehme oder mehr
wehmütige Stimmung versetzt haben, oder ob er dabei eine große Begierde
empfunden hat, diesen Berg baldmöglichst zu besteigen, oder ob er ein diesem
Gefühl gerade entgegengesetztes in sich gewahrte, welches gewisserart mit
einem sogenannten oder vielmehr empfundenen Unmöglichkeitsgefühl
gleichlautend ist. Also auch – was freilich wohl nur einem geweckteren Gefühl
eigen ist –, ob er bei dem Anblick eines Berges ein heiteres Morgengefühl,
oder ein zwar auch heiteres, aber doch mehr ermüdendes Mittagsgefühl, oder
ein schläfriges Abendgefühl, oder ein ödes, dumpfes Mitternachtsgefühl in
sich verspürte, und wie lange sich dasselbe, das ganze Gemüt beherrschend,
aufrechterhielt. [Gr.01_013,08] Sehet, alle diese hier angeführten Punkte
sind wohl zu beachten; denn alle diese Erscheinungen und Empfindungen
entsprechen allzeit auf ein Haar dem inwendigen Zustande des Menschen. Nur
ist dabei zu bemerken, daß da die Empfindungen mit den Erscheinungen übereinstimmen
müssen – denn die Erscheinungen für sich geben noch kein vollgültiges Zeugnis
–; wenn aber das Gefühl mit der Erscheinung harmoniert, dann verkündet der
Berg dem Menschen genau, wie es mit ihm steht. [Gr.01_013,09] So zum Beispiel: Ginge da jemand am Morgen
aus und würde da erblicken einen zwar ganz reinen Berg, dieser Berg aber
erhöbe mitnichten sein Gefühl, sondern erfüllte es nur mit einer heimlichen
Bangigkeit – in diesem Falle wäre die Erscheinung mit dem Gefühl
unharmonisch; der Berg aber bliebe dem Beschauer dessenungeachtet ein
getreuer Spiegel. – Wie denn aber? [Gr.01_013,10] Sehet, sobald die geistige Reinheit des
Berges das Gemüt des Beschauers abstößt, sagt der Berg dem Beschauer: „Mit
welch unreinem Gemüt beschaust du mich! Daher reinige dich, damit du in dir
erhoben wirst über dein Weltsinnliches, wie ich emporrage über den Schlamm
der Tiefen, in dem nichts denn elendes Gewürm, Frösche, Kröten und Schlangen
wohnen!“ [Gr.01_013,11] In diesem Fall ersieht der Beobachter im
Spiegel des Berges sein Bild, wie er sein soll – aber nicht ist. [Gr.01_013,12] Ein anderer unharmonischer Fall wäre dieser,
daß ein Mensch ebenfalls ausginge, entweder am Morgen oder zu einer andern
Tageszeit, würde aber da erschauen einen ganz umdüsterten Berg, hätte aber
dabei ein vollkommen heiteres und fröhliches Morgengefühl. Was hätte denn der
Beschauer bei dieser Gelegenheit dem umdüsterten Berge zu entnehmen? [Gr.01_013,13] Wir wollen bei dieser Gelegenheit den Berg
selbst einige Worte von sich geben lassen, welche also lauten dürften: „Sieh
mich an, du fröhlicher Wanderer, im heiteren Morgen deines Gefühls! Du warst
ehedem, wie du mich nun erschaust, und warst düster und traurig. Eine
erstickende Nacht drohte dich zu verschlingen, und wie nun um mein ganzes Wesen,
also umlagerten auch dich schwüle und schwere Wolken. Du wußtest nicht, was
sie über dich ausbrüten würden. Es kamen gar bald gewaltige Stürme über dich
hergezogen, und so mancher Blitz traf dich aus deiner Wolkenmasse. Du aber
verzagtest nicht, hattest mich zum Vorbild in deiner Seele und standest da
gleich mir: ein hoher Fels, unerschrocken und Trotz bietend solcher
Versuchung. Siehe, die Stürme, die dich zu vernichten drohten, verwandelten
sich gar bald in rettende Engel und befreiten dich von der großen Last deiner
Nacht. Somit, kleiner Freund im Tal da unten – der du mich nun heitern
Gemütes betrachtest, da ich begraben bin in der Wolken Nacht und Stürme um
meine Stirne wehen, als wollten sie mich vernichten –, beachte wohl dieses
Bild vor dir; denn nur dadurch wirst du im beständigen Morgen deines Gefühls
verbleiben, wenn du dir oft genug das Bild vor die Augen stellst, wie es
einst um dich aussah, als du mir in diesem meinem Zustande glichst. [Gr.01_013,14] Siehe, dieser Sturm wird mich nicht vernichten,
und du wirst mich gar bald wieder dir gleich erblicken; wohl dir, wenn du
mich in meiner Reinheit mit demselben Gefühl noch wirst ansehen können, mit
dem du mich nun ansiehst, da ich dir zeige, wie du dereinst warst!“ [Gr.01_013,15] Sehet, welch eine gute und nützliche Lehre
so ein umwölkter Berg einem reinen Gemüt gibt, indem er es zur wahren Demut
leitet und der Betrachter sich dann selbst sagen kann: „O Berg, wie oftmals
warst du schon also umwölkt und wie oftmals wieder rein; lasse mich daher stets
erinnert sein, daß ein gereinigtes Gemüt, solange es frei dasteht, auch
gleich dir wieder kann umwölkt werden! Damit aber solches soviel als möglich
unterbleiben möge, soll mich allzeit dein umwölkter Zustand daran erinnern
und mir zugleich mit Donnerworten zurufen: „Siehe, wie traurig es ist, wieder
in die vorige Nacht zurückzusinken, und wie schwer, solche Wolken zu tragen,
die da gefüllt sind mit zahllosen Blitzen, welche nicht fragen: ‚Wohin sollen
wir schlagen?‘, sondern welche schlagen, wohin sie treffen, und da
zerschmettern und zerstören, was sie treffen!“ [Gr.01_013,16] Sehet, das sind die zwei Kulminationspunkte
der unharmonischen Verhältnisse zwischen den Erscheinungen und den
Empfindungen! [Gr.01_013,17] Demnach können zwischen diesen zwei Extremen
noch eine Menge größerer oder kleinerer Gattungen unharmonischer
Erscheinungen vorkommen, welche aber diesen zweien zufolge alle leicht
erkannt werden können, weil sie sich nicht mehr über das Ganze, sondern nur
über einzelne Teile erstrecken. [Gr.01_013,18] Das Schwerste ist, die Totalerscheinung zu
beurteilen; diese aber ist bereits erläutert. Demnach ist jedes einzelne ja
leicht zu erkennen, geradeso, als wenn jemand eine allgemeine Rechenformel
kennt und dann zufolge dieser Formel jeden sonderheitlichen Fall gar leicht
entziffern kann. [Gr.01_013,19] Was aber die harmonischen Erscheinungen
betrifft, so bedürfen diese keiner weiteren Erklärung. Denn wo ein heiteres
Gemüt einen heiteren Berg erblickt, da wird es noch um so heiterer und sehnt
sich hinauf auf die reine Höhe; wo aber ein umdüstertes Gemüt einen
schauerlich umdüsterten Berg erblickt, da wird es noch um so düsterer und
ruft schon heimlich im Geiste aus: „Berg, falle über mich her und bedecke
ganz und gar meine furchtbare Nacht!“ Ein solcher Mensch sehnt sich sicher
nicht nach der Höhe dieses Berges. [Gr.01_013,20] So aber jemand ausgeht mit einem heiteren
Gemüt und ein umdüsterter Berg verstimmt es ihm, so ist eine solche
Verstimmung als nichts anderes anzusehen als eine Erweckung des eigentlichen
Zustandes, in welchem sich das Gemüt verborgenermaßen
noch befindet, – oder der Berg zeigt es dem Menschen an, was alles noch in
ihm steckt. [Gr.01_013,21] Das sind die Universalmomente der
harmonischen Verhältnisse, nach welchen sich ebenfalls jeder unbedeutende
sonderheitliche Fall erkennen und bestimmen läßt. [Gr.01_013,22] Daß natürlicherweise die höheren Berge und
namentlich die Gletscher, wie unser Großglockner es ist, solches mit einer
noch bei weitem größeren Bestimmtheit an sich beobachten lassen denn andere,
weniger hohe Berge, versteht sich schon ohnehin von selbst, so jemand nur ein
wenig in Erwägung zieht, daß die Bestimmung eines Berges stets ausgedehnter
wird, je höher er seinen Scheitel über die gewöhnliche Habsuchtstiefe des
Erdbodens erhebt. [Gr.01_013,23] Daß ferner die Berge erst auf ihren reineren
Triften bedeutungsvoller werden, kann jedweder auch leicht aus dem Ganzen
entnehmen, weil, je reiner die Berge werden, es auch desto geistiger auf
ihnen wird, – aus welchem Grunde sie auch auf jedes Gemüt schon an und für
sich einen größeren Eindruck machen als geringere Erhöhungen. [Gr.01_013,24] Wenn ihr aber noch bestimmter erschauen
wollt, in welcher Region die Berge, und mitunter auch, welche Berge da am
wirksamsten sind, so dürft ihr nur den ziemlich gelungenen Zeichnungen des
Knechtes ein aufmerksames Auge schenken. Aus denen werdet ihr gar bald
zuunterst der Zeichnung diejenigen Punkte erschauen, wo die Berge anfangen
wirksam zu sein, und auch, welche Berge am meisten wirken. [Gr.01_013,25] Wollt ihr solches erkennen, da fraget nur
nach aufmerksamer Betrachtung eines jeden Stückes, wie dasselbe das Gefühl
angeregt hat, und ihr werdet daraus gar bald erkennen, wo sich die größere
Wirkung äußert. Denn das Bild ist ebenfalls eine Entsprechung zum
Gegenstande, von dem es ein Abbild ist, und kann auch im Geiste belebt werden
zur nahezu völligen Wirklichkeit; nur muß natürlicherweise ein Abbild mit
desto größerer Aufmerksamkeit betrachtet werden, damit es sich dadurch im
Gefühl verwirklicht. Ist solches bei jemandem gewahrsam
erfolgt, dann mag er auch so manche nützliche Lehre aus einer solchen
Betrachtung ziehen. [Gr.01_013,26] Daß wieder natürlicherweise ein solcher Berg
in seiner eigentümlichen Natur um vieles wirksamer ist, und zwar sogleich auf
den ersten Anblick, solches bedarf keiner weiteren Erörterung, sondern eines
jedweden eigene Erfahrung lehrt ihn ja dasselbe; und so hätten wir nicht nur
den Großglockner in allen seinen Teilen und Wirkungen dargestellt, sondern
was da gegeben ist, ist der Ordnung nach von allen Bergen zu verstehen, wie
es demzufolge auch zu verstehen ist für jedermann. [Gr.01_013,27] Vorzugsweise aber sollen darunter die
entsprechenden Berge im menschlichen Herzen verstanden sein, welche da diesen
wirklichen entgegengehalten werden sollen, damit im Herzen dann ebenfalls
eine solche nützliche Fernwirkung entstehen möchte, wie sie da entsteht und
fortwährend besteht auf diesem euch nun bekanntgegebenen Berge. [Gr.01_013,28] Solches beachtet demnach wohl, und prüfet euch
danach, und tuet danach, so wird der wahre innere Segen der Berge ebenfalls
über euch also ausgegossen werden, wie da die Berge ihren euch bekannten
Segen ausgießen über alles Land, – und solches ist wahr, richtig und getreu!
Wie Ich aber vorzüglich gern auf den Bergen war und sättigte da so viele
Hungrige mit wenigen Broten und zeigte Mich verklärt auf einem Berge und fuhr
von einem Berge auf in Mein Reich, – also sage Ich euch auch dieses von den
Bergen und eröffne euch dadurch eine große Pforte in das Reich des ewigen
Lebens! [Gr.01_013,29] Bedenket, daß Ich, der Urheber und
Erschaffer der Berge, Mich nicht umsonst gern auf den Bergen aufhielt und
nicht ohne große lebendige Bedeutung zum letzten Male auf einem Berge betete;
daher folget Mir in allem nach, so werdet ihr das Ziel, das Ich Selbst bin,
schwerlich je verfehlen! [Gr.01_013,30] Solches sage Ich, der Ich einst vom Berge
den Himmel ausgeteilt habe. Dies ist auch ein Teil des Himmels; nehmet ihn
als einen großen Segen von Mir, und werdet lebendig im Geiste ewig! 1. Kapitel -Der Großglockner als
Gebirgs- und Landesvater. 2. Kapitel -Die Bedeutung und
Entstehung des Eisens. 3. Kapitel -Die Berge als Regler
der Luftströmungen. 4. Kapitel -Wesen und Ursache
des Gletscherlichtes. 5. Kapitel -Geistiges und
Materielles. 6. Kapitel -Geisterkampf in der
Natur. 7. Kapitel -Wege zur Demütigung
und Erziehung der Naturgeister. 8. Kapitel -Wege zur Besserung
der Naturgeister. 9. Kapitel -Der geistweckende
Einfluß einer Bergbesteigung. 10. Kapitel -Die Berge als
Liebeprediger und Weisheitspropheten. 11. Kapitel -Die Stärkung des
Gemüts und der inneren Sehe in der Bergwelt. 12. Kapitel -Die Berge als
Stätten göttlicher Offenbarung. 13. Kapitel -Die Berge als
Spiegel unseres Innern. _______ * _______ |
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