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Der Saturn Darstellung
dieses Planeten samt Ring und Monden und seiner Lebewesen. 1. Kapitel – Eigentlicher
Name des Saturn. Darstellungsplan dieser Beschreibung. Größe, Doppelring,
Monde des Saturn. Herrlichkeit der göttlichen Offenbarung.
[Sa.01_001,01] Um sich von diesem
Weltkörper, den ihr Saturn nennt – während sein eigentlicher Name soviel besagt
wie: Erdruhe, Weltnichtstum – einen deutlichen Begriff zu machen, ist vor
allem nötig, seine natürliche Sphäre, Entfernung von der Sonne, seine Größe
wie auch die seiner Monde so genau wie nur immer eurer Fassungskraft möglich
zu erkennen. Ist dies bekannt, so können desto leichter seine großmächtige
Beschaffenheit, seine Einwohner – sowohl auf dem Planeten selbst wie auch auf
den Ringen und Monden – erkannt werden und so auch seine allseitige Vegetation
nach dem Verhältnis seiner höchst verschiedenen klimatischen Zustände und
ebenso auch all das Getier auf diesem Planeten, seinen Ringen und Monden. [Sa.01_001,02] Und wenn dieses alles
erkannt wird, dann erst kann die Geschichte dieses Planeten, seine innere Einrichtung,
seine polarischen Verhältnisse zu anderen Planeten und endlich seine geistige
Sphäre durchleuchtet werden. [Sa.01_001,03] Was die Entfernung des
Saturn von der Sonne betrifft, können drei verschiedene Standpunkte
angenommen werden, und das aus dem Grunde, daß, wie euch schon mehr und mehr
bekannt, kein Planet um die Sonne eine völlig kreisförmige Bahn läuft,
sondern eine eiförmige Bewegung macht. Wobei die Sonne gerade so gegen die
Bahn eines Planeten zu stehen kommt, als wenn ihr ein Ei nehmt und stellt es
auf der stumpferen Seite nach unten und mit der spitzigeren nach oben,
wodurch der Eidotter sich nicht in der Mitte des ganzen Eis, sondern bei
weitem mehr in der Nähe des unteren Endteiles befindet. Das Zentrum des
Dotters sei die Sonne und die Linie der weißen Schale die Bahn des Planeten.
– Wenn ihr nun die Entfernungen dieser Bahnlinie bis zum Sonnenzentrum im
Dotter messet, so wird sich sicher folgendes ergeben: daß der unterste Teil
der Bahnlinie dem Sonnenzentrum zunächst, der Bauchgürtel in einer Mittelentfernung
und die obere Spitze in der größten Entfernung zu stehen kommt. – Seht, so
ist es auch mit der weiten Bahnlinie unseres zu betrachtenden Planeten. Wenn
er sich zuunterst befindet, so ist er in der größten Sonnennähe, da alsdann
nach eurer Berechnung seine Entfernung nur 187719120 geographische Meilen
beträgt. Wenn er sich im Gürtel seiner Bahn befindet, alsdann beträgt seine
Entfernung 198984136 geographische Meilen. Und wenn er sich zuoberst
befindet, beträgt seine Entfernung von der Sonnenmitte 210249152
geographische Meilen, welche Entfernung dann auch die größte ist. [Sa.01_001,04] Diese Entfernungen müßt
ihr aber nicht von eurer Erde aus betrachten, sondern von der Sonne aus. Denn
es kann die Entfernung der Erde gegen diesen Planeten sehr verschieden sein,
und zwar so, daß sich diese zwei Weltkörper oft bis auf eine Million
geographische Meilen mehr nähern und ebenso auch wieder entfernen können.
Denn wenn es sich trifft, daß beide Planeten von der Sonne aus auf einer und
derselben Seite zu stehen kommen, und zwar beide in der Sonnennähe, dann sind
sie sich bei weitem näher als in etwaiger Opposition, wo es geschehen kann,
daß der Saturn in seiner größten Sonnenferne sich befindet und die Erde aber
entgegengesetzt in der Sonnennähe. Dabei kann dann der Unterschied nicht nur
eine Million, sondern oft zwei bis drei Millionen Meilen ausmachen. Die
unbestimmt ausgedrückte Zahl der Entfernung ist hier darum gegeben, weil kein
Planet immer auf ein Haar in derselben Entfernung von der Sonne kreist,
sondern in einem Jahr sich oft mehr entfernt, in einem anderen sich dafür der
Sonne wieder mehr nähert, von welcher größeren oder geringeren Annäherung
dann auch die Temperaturverschiedenheit abhängt. Und ihr könnt sicher
annehmen, daß unter siebenundsiebzig Umläufen in der Entfernung sich nicht
zwei völlig gleichen. [Sa.01_001,05] Da wir nun mit den
Entfernungen fertig sind, wollen wir noch den Durchmesser dieses Planeten
sowie dessen Umfang, seine Oberfläche nach Quadratmeilen und den Inhalt nach
Kubikmeilen bestimmen. [Sa.01_001,06] Was den Durchmesser
betrifft, so beträgt derselbe 17263 geographische Meilen. Da die Erde nur
1719 geographische Meilen im Durchmesser hat, so könnt ihr daraus sehr leicht
ersehen, um wie viel dieser Planet größer ist als die Erde. – Sein Umfang
aber beträgt 54515 geographische Meilen. – Was seine Oberfläche betrifft, so
beträgt diese 936530820 Quadratmeilen. – Der kubische Inhalt beträgt
2757547946775 geographische Kubikmeilen. Nach alledem ist somit dieser Planet,
mit runden Zahlen ausgedrückt, fast annähernd um 1037 mal größer als die
Erde. Zu seiner Umlaufzeit um die Sonne braucht er 29 Jahre, 164 bis 166
Tage, 2 Stunden und 2 Sekunden. [Sa.01_001,07] So ist nun in Hinsicht
auf den Planeten selbst alles Numerische bestimmt. Da aber dieser Planet noch
einen Doppelring um sich hat, müssen wir auch diesen numerisch näher
bestimmen. [Sa.01_001,08] Der Durchmesser des
ganzen Ringes beträgt 40006 geographische Meilen. – Da der Ring eigentlich
aus zwei Ringen besteht, beträgt die Entfernung von der Oberfläche des
inneren Ringes bis zur inneren Fläche des äußeren Ringes 545 geographische
Meilen. Der Durchmesser des äußeren Ringes von außen bis nach innen beträgt
1350 geographische Meilen; und der Durchmesser des inneren Ringes, ebenso
bemessen, beträgt 3850 geographische Meilen. – Da dieser Ring (sowohl der
äußere als der innere) eiförmig ist, d. h. also daß so man ihn durchschneiden
möchte, die durchschnittene Fläche dann einem Ei gliche – so beträgt der
Durchmesser nach dem Eigürtel im Ausdruck der Dicke des Ringes, und zwar des
äußeren, 130 geographische Meilen und des inneren 380 geographische Meilen. –
Der innere Ring hat aber in sich noch drei Halbspalten, davon jede 20 bis 30
geographische Meilen beträgt. Diese Spalten heißen darum Halbspalten, weil
sie nicht durch den ganzen zweiten Ring gehen und selben nicht so gänzlich
trennen, wie der äußere von dem inneren Ring getrennt ist; sondern diese drei
Halbspalten sind angefüllt mit lauter eiförmigen Kugeln, die so viel im
Durchmesser halten, daß vermöge dieser dazwischen liegenden Kugeln die drei
innern Ringe im Grunde nur einen Ring bilden. Aber da, wo die Spalten sind,
geht ein freier Raum gleich einer nach innen eingebogenen Pyramide, sowohl
von unten nach oben wie von oben nach unten, den ganzen Ring hindurch. Diese
aneinandergereihten Kugeln in diesen drei Spalten haben denn auch schon
manchen scharfsehenden Astronomen auf die irrige Idee gebracht, als wäre
dieser Ring zusammengesetzt aus lauter sehr vielen Monden, weil er durch
starke Fernrohre aussieht wie ein sogenannter Rosenkranz, der eben auch nicht
aus Rosen, sondern nur aus lauter kleinen Kugeln besteht. [Sa.01_001,09] Was die weitere
Beschaffenheit des Ringes betrifft, so wird dieselbe, wie schon gesagt, erst
später auseinandergesetzt werden, und somit wollen wir noch einen Blick auf
die Monde dieses Planeten werfen. [Sa.01_001,10] Um diesen Planeten
kreisen noch sieben Monde von verschiedener Größe und in verschiedener
Entfernung von dem Planeten. – Der erste, nächste und zugleich kleinste Mond
hat nur 120 Meilen im Durchmesser und ist 29840 geographische Meilen vom
Saturn entfernt (versteht sich die Entfernung nur im Mittelstand). – Der
zweite Mond hat einen Durchmesser von 240 geographischen Meilen und ist 40516
Meilen vom Planeten entfernt. – Der dritte Mond hat 666 geographische Meilen
im Durchmesser und ist 60500 geographische Meilen vom Planeten entfernt. Der
vierte Mond hat 699 geographische Meilen im Durchmesser und ist 87920
geographische Meilen vom Planeten entfernt. – Der fünfte Mond hat 764 geographische
Meilen im Durchmesser und ist 190000 Meilen vom Planeten entfernt. – Der
sechste Mond hat 900 geographische Meilen im Durchmesser und ist 277880
Meilen vom Planeten entfernt. – Und der siebente Mond hat 1120 geographische
Meilen im Durchmesser und ist 360920 geographische Meilen vom Planeten
entfernt. [Sa.01_001,11] Aus diesen mitgeteilten
Angaben könnet ihr nun schon so ziemlich leicht schließen, daß dieser
Weltkörper vermöge seiner Größe, seiner verschiedenartigen Konstruktion und
auch vermöge seiner sieben Monde keine geringe Bestimmung im Schöpfungsraume
hat. [Sa.01_001,12] Denn je künstlicher
irgendein Mechaniker ein Werk eingerichtet hat, desto mannigfaltiger muß ja
auch der Zweck eines solchen Werkes sein. Und so wie ein Mechaniker in ein
kunstreiches Werk eine um so mannigfaltigere Bestimmung zur Erreichung
mehrartiger Zwecke hineingelegt hat, also werde auch Ich als der allergrößte
Weltmechaniker einen solchen Weltkörper nicht ohne eine bedeutend große
Bestimmung so kunstvoll in den weiten Weltraum hinausgestellt haben. Da Ich
schon sogar mit Sonnenstäubchen nicht zu spielen pflege, um wie viel weniger
wird erst ein solcher Weltkörper, wie dieser große Planet, von Mir nur als
eitles Spielzeug erschaffen worden sein. [Sa.01_001,13] Die Folge dieser
Offenbarung über diesen Weltkörper wird euch seine Bestimmung von einer so
großartigen Seite kennen lehren, daß ihr euch darüber kaum werdet zu atmen
getrauen. Denn habt ihr bei der Enthüllung des Mondes schon große Augen
gemacht und eine große Gemütsbewegung erlebt, wie wird es euch erst gehen,
wenn ihr diesen Weltkörper an Meiner Hand ein wenig bereisen werdet!? – Ja,
Ich sage euch, macht euch nur auf sehr Großes gefaßt und bereitet euer Gemüt
vor! Denn ihr werdet es kaum glauben. Wo so große Dinge von Mir enthüllend
geoffenbart werden, da gehören auch große Gemüter dazu, um das Große zu
fassen und zu würdigen. Und wenn ihr das Ganze von diesem Weltkörper,
insoweit es euch zu verstehen möglich ist, werdet empfangen haben, dann
werdet ihr erst ein wenig einzusehen anfangen, was die Stelle im Evangelium
besagt, die da heißt: „Keines Menschen Auge hat es gesehen, keines Menschen
Ohr gehört, und noch nie ist es in eines Menschen Herz und Sinn gekommen, was
Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben!“ [Sa.01_001,14] Was jemand von Mir
empfängt, ist allzeit die höchste Gabe des Himmels, da Ich das Allerhöchste
des Himmels wie aller Welten selbst bin. Und ob Ich euch den Himmel enthüllen
möchte oder die Hölle, so wird euch allzeit das eine wie das andere zur
höchsten Seligkeit gereichen. Denn besage Mein Wort, was es wolle, so ist es
durchaus lebendig und macht den, der es empfängt und aufnimmt in aller Liebe,
Dankbarkeit, Demut und lebendigem Glauben selbst ewig lebendig und somit in
Mir schon hier wie vorzugsweise jenseits überaus selig. 2. Kapitel –
Wasserreiche Oberfläche des Saturn. Festlandsinseln. Große Eiszonen an den
Polen. Milde und reine Mittelzone. Starke Lichtatmosphäre. Licht- und
Wärmeverhältnisse. Ring als Regulator und Reflektor. Sternenpracht.
[Sa.01_002,01] Da wir nun dieses als
notwendige Einleitung dargestellt haben, können wir schon einen Blick auf den
Planeten wagen. [Sa.01_002,02] Seht seine Oberfläche:
Der größte Teil ist Wasser. Es gibt auf diesem Weltkörper kein eigentliches
Festland, sondern nur zumeist unter dem Äquator abgesonderte bedeutende
Inseln, welche an und für sich freilich wohl größer sind als euer Europa, Asien,
Afrika, Amerika und Australien. Aber wegen der Größe dieses Planeten sind sie
dort nicht als Kontinente, sondern im Grunde als Inseln zu betrachten, die alle
voneinander viel weiter entfernt sind als Asien und Amerika in der Gegend des
Äquators der Erde. Dazwischen gibt es freilich auch eine Menge kleiner
Inseln, die sich zu den größeren Inseln geradeso verhalten, wie die kleinen
Inseln der Erde zu den anderen Festlanden. [Sa.01_002,03] Gegen die Pole hin ist
dieser Weltkörper mit ewigem Schnee und Eis bedeckt, das dort schon um
vierzig Grade früher beginnt als auf der Erde. Und was bei euch die
sogenannte gemäßigte Zone ist, das ist im Saturn das Reich des Schnees. Was
bei euch die kalte Zone ist, ist dort das Reich des ewigen Eises. Und was bei
euch die heiße Zone ist, ist dort eigentlich nur die gemäßigte, auch die reine
Zone, über welche sich sehr selten Wolken oder Nebel erheben, wogegen die
beiden anderen Zonen unter ewigen Nebeln und Wolken stehen. [Sa.01_002,04] So rauh also sowohl
nördlich als südlich die Schnee- und Eiszonen sind, ebenso heiter und mild
und rein ist die Mittelzone, die allein nur bewohnbar ist. – In dieser Zone
befinden sich 77 große Eilande, wovon ein mittleres größer ist als euer
Amerika. Und eine jede Insel ist von der andern sowohl in der Formation und
in den Produkten bei weitem mehr verschieden als euer Lappland von den
südlichsten Tropenländern. [Sa.01_002,05] Ihr werdet euch
freilich denken, bei dieser großen Entfernung von der Sonne wird's dort wohl
schon ziemlich dunkel sein und selbst am Äquator eben nicht gar zu warm.
Allein da würdet ihr euch sehr irren. Denn dieser Planet hat in demselben
Grad, als er größer ist als die Erde, auch ein ebenso stärkeres Eigenlicht.
Dann aber umgibt diesen Planeten eine ums tausendfach größere und weiter vom
Planeten hinausreichende Atmosphäre, die einen Durchmesser von beinahe 100000
Meilen hat, während die Atmosphäre eurer Erde nicht einmal 2000 Meilen samt
dem Durchmesser der Erde beträgt. Ihr könnt euch bei diesem außerordentlich
großen Durchmesser der Atmosphäre des Saturn vorstellen, wieviel Sonnenstrahlen
diese große Luftkugel aufzunehmen imstande ist, um sie dann in einer
gebrochenen Linie immer konzentrierter auf die Oberfläche dieses Planeten zu
führen – aus welchem Grund die Bewohner dieses Planeten die Sonne auch um
vieles größer sehen als ihr. Und die Wärme würde eben dadurch auf dem Äquator
dieses Planeten unerträglich sein, wenn sie nicht durch den Ring gemildert
würde, indem derselbe die am meisten konzentrierten Sonnenstrahlen aufnimmt,
sie zum Teil selbst verbraucht, zum Teil aber auch wieder in alle
Weltgegenden zurücksendet. Dadurch wird er auch durch die Fernrohre mehr
glänzend als der Planet selbst erschaut, während sein Schatten nach dem Planeten
hin höchst wohltätig wirkt und die heiße Zone dadurch zu der gemäßigten
macht. [Sa.01_002,06] Zufolge dieses Ringes
ist auf diesem Weltkörper auch nie Nacht wie bei euch, denn da ist auf der
anderen Seite fortwährend Tag von der Sonne aus – auf der entgegengesetzten
Seite aber, da der Ring von der Sonne auf der inneren Seite beleuchtet wird,
eben von dem starken Licht dieses Ringes und dazu oft auch noch von den
verschiedenartig kreisenden Monden aus. [Sa.01_002,07] Zu diesem eigentlichen
Nachtlicht oder, so ihr es besser versteht, Nachttag, kommt noch ein drittes
Licht, das ist das Licht der Fixsterne, welche, von diesem Planeten aus
betrachtet, vermöge seiner reinen und weitgedehnten Atmosphäre ums zehnfache
größer erscheinen und auch einen um so vielfach stärkeren Glanz von sich
geben als bei euch die Venus, der Abendstern, im hellsten Licht. [Sa.01_002,08] Nun versetzt euch in
eurem Geist auf was immer für ein Land der Mittelzone dieses Planeten und
betrachtet von da aus die großartige Herrlichkeit des gestirnten Himmels!
Fürwahr, ihr möget euch noch so erhöhen in eurer Phantasie, so könnt ihr euch
doch nicht von dem millionsten Teil der großen Pracht, die da herrscht, einen
Begriff machen. Denn hier ist die Nacht heller als bei euch der Tag. Und am
Tag selbst vermißt man dort unter dem wohltätigen Schatten des Ringes den
Anblick der schönen Sterne nie. Besonders wenn man sich auf die Berge begibt
und von da eine unermeßliche Aussicht genießt, ist die Wirkung des
Sternenlichtes unter dem Ring so mannigfaltig in der Farbenpracht, daß ihr
euch davon durchaus nicht auch nur die leiseste Vorstellung machen könnt. [Sa.01_002,09] Was die fernere
Beschaffenheit der Länder dieser Mittelzone betrifft – die Berge und die
Flüsse, die Vegetation, das Tierreich und die Menschen – dies alles wird euch
bei der nächsten Mitteilung bekanntgegeben werden. Für heute aber begnügt
euch mit dem und überdenket das Gegebene, so werdet ihr selbst in diesem
schon eine große Portion finden, an der euer Geist eine gute Nahrung haben
kann und auch haben soll. Alles übrige aber wird euch, wie gesagt, in den
nächsten Zeiten, insoweit es für euch nur immer faßlich ist, in der größten
überschwenglichen Reichhaltigkeit gegeben werden. Aber ihr müßt euch recht
befleißen, denn es wird des Gegebenen da ziemlich viel werden. Darum, wie
gesagt, seid fleißig! – Für heute Amen. 3. Kapitel –
Das Land Herrifa. Der Heilsberg Girp. Der Sonnenbaum, der Regenbaum, der
Haarbaum, der Breitbaum und der Strahlenbaum.
[Sa.01_003,01] Was die Länder und ihre
Beschaffenheit betrifft, so sind diese, wie schon anfänglich gesagt,
untereinander so verschieden an Form, innerer Bildung und selbst in den
Gewächsen und Tieren, Gewässern, Metallen und Steinen, daß nicht ein Land dem
andern in irgend etwas gleichkommt. Gleich in allen Ländern dieses Planeten
sind allein die dortigen menschlichen Bewohner und die den Planeten umgebende
Luft; alles andere ist den größten Verschiedenheiten unterworfen. [Sa.01_003,02] Und so wollen wir
gleich ein Land betrachten, welches dort Herrifa genannt wird. [Sa.01_003,03] Dieses Land ist seiner
Umfassung nach größer als ganz Asien, Europa und Afrika zusammengenommen, so
zwar, als wäre zwischen diesen drei Erdteilen das sogenannte Mittelländische
Meer ebenfalls trockenes Land. Es liegt etwas schief über dem Äquator dieses
Planeten und hat ungefähr, nach der äußeren Umfassung betrachtet, die Gestalt
eines etwas länglichen Eies. [Sa.01_003,04] Es ist das Land, in
welchem die höchsten Gebirge vorkommen und ist im ganzen mehr gebirgig als
alle übrigen. Sein höchster Berg wird von den dortigen Bewohnern Girp genannt
und ist nach eurer Berechnung 243150 Fuß hoch; dessenungeachtet aber ist er
allenthalben mit Gras und wohlriechendsten Kräutern selbst bis in die höchste
Spitze bewachsen. Er hat durchgehend keine steilen, sondern nur sanftere
Abdachungen und kann daher von den dortigen Bewohnern ohne alle Mühe so
leicht erstiegen werden, wie wenn ihr bei euch auf eure sogenannte Hochplatte
ginget. Dieser Berg ist zugleich die Apotheke aller Bewohner und auch der
Tiere dieses Landes. Denn, wie schon gesagt, man findet da die
wohlriechendsten Kräuter, und somit findet auch jeder für was immer für eine
Krankheit sein „heilendes Kräutl“. Aus diesem Grunde sind der Berg und die
umliegende Gegend, welche zusammen einen Flächenraum von über 100000
Quadratmeilen ausmachen, der bewohnteste Teil dieses Landes. [Sa.01_003,05] Was die Bäume
anbelangt, so gibt es hier nur zehn verschiedene Arten. Aber jede Art ist so
beschaffen, daß sie nicht so wie bei euch nur alle Jahre ein oder zweimal Frucht
zum Vorschein brächte; sondern es ist da stets Blüte und reife Frucht
anzutreffen. [Sa.01_003,06] Unter den Bäumen
zeichnet sich besonders der sogenannte Sonnenbaum, dort Gliuba genannt, aus.
– Dieser Baum erreicht eine Höhe von oft mehr als hundert Klaftern. Sein
Stamm ist oft so dick, daß ihn hundert Menschen der Erde nicht umfassen
würden. Und seine Äste breiten sich nach eurer Rechnung und Meßart nicht
selten eine Viertelstunde weit vom Stamm hinaus. Damit sie aber nicht vermöge
ihrer Schwere vom Stamm abbrechen, treiben sie auf ihrer unteren Seite,
ähnlich wie der sogenannte Bahahania-Baum auf der Erde, senkrechte
Stützzweige hinab zum Boden, welche, wenn sie ausgewachsen sind, die schönste
Kolonnade bilden. Solche Stützzweige gehen sogar von den obersten Ästen
hinab, so daß ein solcher Baum, wenn er vollkommen ausgewachsen ist, aussieht
wie bei euch auf der Erde ein kleiner Basalt-Berg, nur mit dem Unterschied,
daß zwischen den senkrecht hinabgehenden Stützzweigen noch immer so viel Raum
übrigbleibt, daß man von allen Seiten sehr bequem zum Stamm gelangen kann. [Sa.01_003,07] Ein Blatt dieses Baumes
ist so groß, daß hier auf der Erde ein Fuhrmann seinen schweren Wagen ganz
überdecken könnte. Seine Farbe ist blau wie die Feder eines Pfaues. Und solch
ein Blatt ist mit den schönsten Zeichnungen verziert und behält seine Frische
und den ganzen Farbenschmelz selbst in dem trockenen Zustand, der dem
gleicht, so auf der Erde ein reifes Blatt vom Baume fällt – was eben auch
dort der Fall ist, nur mit dem Unterschied, daß ein solcher Baum nie
entblättert wird; sondern sobald irgendein Blatt reif vom Baume fällt, wächst
für dieses an einer andern Stelle schon wieder ein neues nach. – Die Bewohner
dieser Gegend sammeln diese Blätter. Und da dieselben sehr zäh und nicht
leicht zerreißbar sind, werden aus ihnen eine Art Oberkleider recht kunstvoll
angefertigt, welche die Stelle eurer Mäntel vertreten. Sie können auch gar
wohl auf dem bloßen Leib getragen werden, weil sie sehr sanft und weich sind;
denn die Oberfläche dieser Blätter ist nicht so glasglatt wie bei manchen
Blättern eurer Bäume, sondern sieht aus wie euer Samt. Ein besonders
wunderschönes Farbenspiel geben diese Blätter im Sonnenlicht, fast so wie die
Schweiffedern eines Pfaues bei euch; nur daß sie noch mehr und brillanter
glänzen als die genannten Federn. Solange das Blatt dieses Baumes noch jung
ist, sieht es aus wie poliertes Gold, das mit einer leichten blauen Farbe
überstrichen ist. [Sa.01_003,08] Wie sieht denn die
Blüte dieses Baumes aus? – Bei der Blüte könnte man wohl auch mit dem größten
Recht behaupten: Salomo in aller seiner Königspracht war nicht so gekleidet,
wie diese Blüte an und für sich ist. Am meisten gleicht die Blüte dieses
Baumes euren Rosen, nur mit dem Unterschied, daß diese Rose nicht gefüllt
ist, sondern einen weiten Kelch bildet, ungefähr wie die Dornrosen in den
Hecken. Die Blätter sind ganz hellrot und deren dreißig in einer einzigen
Blüte, ein jedes von der Größe ungefähr eines großen Bogens Papier bei euch.
Der Rand eines jeden Blattes ist mit einem vergoldeten Saum versehen und wird
immer dunkler rot gegen das Innere des Kelches. Aus der Mitte des Kelches
laufen zwei armdicke und klafterlange Staubfäden, welche ganz durchsichtig
sind und aussehen wie bei euch die Eiszapfen im Winter. An der Stelle jedoch,
wo eure Blumen gewöhnlich in die sogenannten Staubbeutel auslaufen, laufen
diese zwei Staubfäden in zwei eigentümliche Blumen aus, welche glänzen, wie
wenn eine Flamme brennte, und zwar die eine grünlich leuchtend und die andere
rot; jedoch viel lichter rot als die Blume selbst. Die Blume oder die Blüte
verbreitet einen ungemein herrlichen Wohlgeruch. Und ihre Blätter wie auch
ihre Staubfäden werden von den Bewohnern sorgfältig gesammelt. Die Blätter
werden dann als stärkende Medizin gebraucht, die Staubfäden aber von den
Bewohnern als eine besondere Lieblingsspeise genossen. [Sa.01_003,09] Also sieht die Blüte
aus! – Was bringt sie denn für eine Frucht zum Vorschein? Hier dürfte es ein
wenig schwer fallen, euch einen vollständigen Begriff davon zu verschaffen,
weil auf der Erde nichts Ähnliches vorkommt. Damit ihr euch aber doch irgendeine
Vorstellung davon machen könnt, so denket euch einen langen, sechseckigen,
feuerroten, mannsarmdicken Stiel, welcher am Ende in viele Stiele ausläuft.
Da wo er mit dem Zweig verbunden ist, läuft er in einen großen Knoten aus,
welcher sich erst zwei Spannen lang vom Stamm in den geformten Stiel ausbildet.
An diesem Stiel hängt eine knorrige Frucht von der Größe, daß vier starke
Menschen auf eurer Erde daran hinreichend zu tragen hätten. Innerhalb dieser
Knorrfrucht ist ein unansehnlicher, kleiner Fruchtkern, ungefähr von der
Größe einer Nuß bei euch, von grüner Farbe und steinfest. Das Fleisch dieser
Frucht schmeckt gerade so, als wenn ihr Brot und Mandelfrüchte ein wenig
gezuckert essen würdet. Aber jede der vielfach in einer solchen Frucht
vorkommenden Knorre ist hohl, und zur Hälfte angefüllt mit einem Saft, der
schmeckt wie der allerbeste Met bei euch. Was die Farbe des Saftes anbelangt,
so sieht er gelb aus wie bei euch ein guter alter Wein. Das Fleisch der
Frucht ist weißlich, die äußere Rinde der Frucht hat ein graues Aussehen,
mitunter so, als wäre sie matt versilbert. [Sa.01_003,10] Die Menschen, die unter
einem solchen Baum leben, sind für alle ihre Bedürfnisse versorgt und
brauchen keinen Grund(-besitz) oder Stücke abgegrenzten Landes; sondern ihr
Anteil ist ein solcher Baum, der nicht zugrunde geht, sondern fort und fort
wächst, und zwar mehr in die Breite als in die Höhe. – Aber es fragt sich
hier, da dieser Baum zu einer solchen Höhe hinanwächst, wie kann er denn
überall erstiegen und die Frucht von ihm genommen werden? Auch dafür ist
gesorgt! Sowohl der Stamm wie auch jeder Ast haben links und rechts Dornaustriebe,
wodurch sie beinahe aussehen wie bei euch eine sogenannte Taubenleiter und
wodurch sie ohne die geringste Gefahr selbst bis in ihre höchsten Wipfel wie
auch in die äußersten Zweige bestiegen werden können. Und so auch dort
wirklich jemand ausglitte und fallen würde, so würde er sich dadurch nicht im
geringsten beschädigen, weil sowohl Menschen als Tiere auf diesem Planeten in
der größten Not sich eine Zeitlang frei in der Luft halten können. Sie können
daher zu ihrer Belustigung sogar von den höchsten Gipfeln solcher Bäume
mutwillig herabspringen, welches Experiment besonders die Jungen nicht selten
ausführen. Daß solches hier möglich ist, werdet ihr dadurch ziemlich leicht
ersehen, daß der einige tausend Meilen abstehende Ring die Anziehungskraft
zwischen ihm und dem Planeten so teilt, daß sie sich verhält wie 1 zu 3/5.
Wenn zu diesem erleichternden Verhältnis noch eine organische zweckdienliche
Beschaffenheit dazukommt, wird dieser Unterschied gar leicht aufgehoben und
der Mensch in die Fähigkeit gesetzt, sich eine längere Zeit hindurch frei in
der Luft zu erhalten. [Sa.01_003,11] Somit hätten wir eine
Baumart kennengelernt und bleiben uns noch neun Arten übrig, welche an und
für sich nicht so ansehnlich und für den Menschen nützlich sind, wohl aber
den Tieren dienen, welche dort vorkommen, namentlich jenen, die euren Vögeln
ähnlich sind. [Sa.01_003,12] Besonders bemerkenswert
und auch zum Mitgebrauch für die Menschen bestimmt ist der sogenannte
Regenbaum, dort Briura genannt. Dieser Baum hat, so wie eure Fichten, nur
einen Stamm, der nicht selten eine Höhe von vierzig Klaftern erreicht und oft
eine Dicke hat wie ein mittlerer Kirchturm bei euch. Seine Zweige breitet er
ebenfalls sehr weit aus und beinahe in derselben Ordnung wie bei euch die
Fichte. Seine Blätter jedoch sind nichts als lauter weißgrüne Röhrchen, die
immerwährend das reinste Wasser von sich tropfen lassen. Aus diesem Grunde
machen die Menschen um einen jeden solchen Baum ein großes Becken, im
Durchmesser von hundert Klaftern, wodurch dann ein jeder solcher Baum in der
Mitte eines bedeutenden Teiches zu stehen scheint. Diese Becken machen sie,
um das Wasser, das sehr reichlich von einem solchen Baum kommt, zu sammeln
und es sowohl für sich als auch für ihre wenigen Haustiere zu gebrauchen. [Sa.01_003,13] Ihr werdet sagen: Gibt
es denn dort und namentlich in dieser Gebirgsgegend keine Quellen so wie auf
unseren Bergen? – Es gibt derselben auch dort in großer Menge, von denen
einige nicht selten auf einmal so viel Wasser von sich geben, daß sich eure
Mur dagegen verbergen müßte. Allein dieses Quellwasser wird als zu roh von
den dortigen Menschen nicht gebraucht. – Das Baumwasser dagegen ist für sie
soviel wie gereinigt und wie gekocht; daher es von ihnen auch zu allem, wozu
sie Wasser benötigen, verwendet wird. Denn sie sagen: „Das Quellwasser ist
nur gemacht für die Tiere im Wasser und um das Erdreich zu tränken. Aber für
die Menschen und edleren Tiere hat der große Gott den Baum erschaffen, daß er
von sich gebe ein wohlzubereitetes Wasser.“ [Sa.01_003,14] Seht, das ist also eine
zweite Art von Bäumen, welche Art – freilich in einem viel unvollkommeneren
Zustand – wohl auch auf der Erde hie und da, besonders in den tropischen
Ländern vorkommt. [Sa.01_003,15] Nachdem wäre zu
bemerken der weiße Haarbaum, dort Kiup genannt. Dieser Baum hat ebenfalls
einen geraden Stamm, welcher nicht selten eine Höhe von dreißig Klaftern
erreicht und eine verhältnismäßig vollkommen runde Dicke. Er hat keine
Zweige, sondern der Wipfel dieses Baumes treibt eine Art silberweißer Fäden
also von sich, daß diese ihrer Reichhaltigkeit wegen ein großes Bündel
bilden. Das Haar oder die Fäden hängen oft bis zur Hälfte des Stammes herab
und umgeben den Stamm in einer Dicke von mehreren Klaftern. Wenn da irgendein
Wind geht, so geben diese Bäume, wie auch im ruhigen Zustand, ein
wunderschönes Bild. Und ein Wald von solchen Bäumen sieht dann aus, als wenn
die Bäume ganz mit Schnee überdeckt wären. Die herabfallenden Haare werden
von den Menschen sorgfältig gesammelt und daraus eine Art Leinwand verfertigt,
welche sehr elastisch, weich und haltbar ist. – Das ist ungefähr die ganze
Nutzbarmachung, welche die dortigen Menschen von diesem Baum erzielen. [Sa.01_003,16] Nach diesem ist der
sogenannte Breitbaum zu bemerken, alldort Brak genannt. Dieser Baum hat
nichts Ähnliches auf dieser Erde; denn er wächst wie eine goldrote Wand aus
der Erde, und zwar anfangs in lauter in einer Linie gestellten, runden
Stämmen, welche aber nach und nach bald so fest sich aneinanderschließen, daß
sie eine richtige Wand ausmachen. Eine solche Wand hat nicht selten eine
Länge von mehreren hundert Klaftern und erreicht manchmal auch eine Höhe von
zwanzig bis fünfundzwanzig Klaftern. Die Wand hat weder Äste, Zweige noch
Blätter: aber der oberste Rand dieses Baumes sieht aus wie ein blaugrünes,
dichtes Spalier, dessen Blätter nicht unähnlich sind den Blättern des
Platanenbaumes auf eurer Erde. Aus der Mitte dieses Spaliers laufen oft
ziemlich hoch spitzige Stämmchen empor, welche Blüten und die eigentliche
Frucht bringen. Die Frucht wird jedoch von den Menschen nicht genossen,
sondern nur von den Vögeln, und besteht in einer Art rötlicher und länglicher
Beeren. Aber die herabfallende Blüte wird auch von den Menschen gesammelt. Es
werden damit Säcke ausgefüllt, auf denen die Menschen auszuruhen pflegen, und
das besonders ihres stärkenden, guten Geruches wegen. Ein Wald von solchen
Bäumen gleicht oft einem großen Irrgarten. Und wenn die Menschen dort die
Blüten sammeln, machen sie Zeichen, um sich darin nicht zu verirren und
wieder zu ihrer Wohnstatt gelangen zu können. Sehr schön sieht eine solche
Baumgruppe von der Sonne beleuchtet aus, da die Wand einen starken
Widerschein gibt, so wie bei euch eine vergoldete Fläche. [Sa.01_003,17] Noch ist nun weiter zu
bemerken der sogenannte Strahlenbaum, Bruda genannt. Dieser Baum ist von ganz
gelber Farbe, hat einen geraden Stamm, der nur links und rechts Zweige und
Äste in stets gerader Richtung von sich treibt. Die unteren Teile der Äste
haben eine Art Sterne, welche grünlich aussehen und so ziemlich regelmäßig in
sechs Spitzen auslaufen. Jede Spitze hat eine kleine blaue Blume, nicht
unähnlich der Glockenblume auf eurer Erde – auf diese Blume folgt dann eine
rötliche Frucht, ähnlich derjenigen, die ihr unter dem Namen Hagebutte kennt. [Sa.01_003,18] Wenn ihr euch von
diesem Baum einen annähernden Begriff machen wollt, so seht eine sogenannte
Monstranz an, nur mit dem Unterschied, daß er eine riesenmäßig große
Monstranz bildet. Von diesem Baum wird von menschlicher Seite beinahe gar
nichts gebraucht, sondern die Saturnbewohner legen mit diesen Bäumen bloß
zierliche Alleen an. [Sa.01_003,19] Was die anderen Bäume
anbelangt, wie auch einige sonstige Pflanzen von besonders merkwürdiger Art,
so wird euch bei der nächsten Mitteilung dies alles, wie bisher, ausführlich
mitgeteilt werden. Und daher für jetzt Amen. 4. Kapitel –
Der Trichterbaum, der Pyramidenbaum und der Spiegelbaum.
[Sa.01_004,01] Als sechste Art der
Bäume auf dem Saturn ist zu benennen der sogenannte Trichterbaum, Kibra
genannt. – Dieser Baum hat einen bei drei Klafter im Durchmesser dicken Stamm
mit einer ebenfalls sehr glatten Rinde, die von bläulicher Farbe ist. Am Ende
des bei zwanzig Klafter hohen und durchweg gleich dicken Stammes breiten sich
nach allen Seiten, nach eurer Rechnung in einem Winkel von 45 Graden, bei
zehn Klafter lange, gerade Äste aus. Diese haben nach links und rechts,
gleich den Fichtenzweiglein bei euch, parallele Ausläufer, die, je weiter sie
vom Stamm entfernt sind, auch desto länger und breiter werden. Diese Ausläufer
sind eigentlich nichts als Zweige und zugleich Blätter dieses Baumes. Am Ende
der Äste sitzt die Blüte und hernach auch die Frucht. Und da hat ein solcher
Baum nicht mehr Früchte als gerade so viel, wie er Äste hat. [Sa.01_004,02] Das Merkwürdige bei
diesem Baum ist seine Blütezeit. Denn bevor er die Blüte getrieben hat, wird
er am Ende aus sich selbst brennend, jedoch nur mit einem kalten Feuer,
welches dem der Leuchtwürmer und dem des faulen Holzes gleicht, nur mit dem
Unterschied, daß dieses Vorblütefeuer bei weitem heller leuchtet denn das
erwähnte, auf eurer Erde vorkommende. Ein besonderes herrliches
Lichtschauspiel gewährt ein ganzer Wald von diesen Trichterbäumen, weil auch
dort die Bäume nicht in einer und derselben Stunde zu blühen anfangen, also
auch das Vorblütefeuer bei einigen früher, bei einigen später vorkommt. Da
dieses Feuer allezeit sieben Tage lang vor der Blüte zum Vorschein kommt und
von da an immer mit stetem Farbenwechsel brennt, so geschieht es, daß das
Lichtschauspiel des Trichterbaumes durch die sieben Tage auch alle sieben
Hauptfarben nebst allen ihren Übergängen durchmacht. [Sa.01_004,03] Nun denkt euch nur
einen solchen blühenden Baum, da nicht einmal auf einem Baume all die Äste an
einem Tage zu blühen anfangen und somit hernach auch das Vorblütefeuer schon
an einem und demselben Baum mehrfarbig ist! Wenn dann auf diese Art ein
ganzer Wald von solchen Trichterbäumen zu blühen anfängt, so könnt ihr euch
schon mit einem Quentel Phantasie einen ziemlichen Begriff machen, wie
herrlich sich von irgendeiner Höhe ein solcher blühender oder eigentlich
vorblüte-brennender Wald, der manchmal eine Ausdehnung von mehreren hundert
Quadratmeilen hat, ausnehmen mag. [Sa.01_004,04] Nach diesem
Vorblütenbrand des Trichterbaumes kommt dessen merkwürdige Blüte zum
Vorschein. Wahrlich, bei euch würde sie nicht in allen Staaten geduldet sein!
Denn: Auf einem zwei bis drei Klafter langen, goldgelben und über Mannsarm dicken
Stiel wird ein bei zwei Klafter breites dreifarbiges Band bis zu einer sechs
Klafter langen Weite hinausgetrieben. Und dieses Band hat drei regelmäßige
Farben, nämlich hellrot, hellblau und schneeweiß. – Und so viele Blüten ein
solcher Baum hat, ebensoviel Bänderfahnen flattern da um ihn. [Sa.01_004,05] Nun könnt ihr euch wieder
einen kleinen Begriff von der Pracht der Blüte dieses Baumes machen. Wenn die
Blütezeit vorüber ist, fallen Fahne und Stiel von dem Baum und werden da die
schönsten Exemplare von den Menschen auch gesammelt. Ihr Gebrauch ist, da sie
im trockenen Zustand sehr viel von ihrer Pracht verlieren, weiter kein
anderer, als daß die dortigen Menschen sie zusammenrollen, auf einen Haufen
zusammentragen und, solange sie noch frisch und weich sind, zur Stärkung
ihrer Glieder darauf liegen. Wenn sie aber trockner und fester geworden sind,
werden sie angezündet, wobei sie einen sehr lieblich riechenden Rauch von
sich geben und das Erdreich durch ihre silberweiße Asche ungemein düngen. Die
unansehnlichen Exemplare dieser Blüten werden unter dem Baum liegen gelassen,
wo sie verfaulen und dadurch ebenfalls die Erde düngen. [Sa.01_004,06] Das Prachtvollste bei
diesem Baum aber ist die bald nach der Blüte zum Vorschein kommende Frucht.
Diese gleicht der Figur nach ungefähr euren Zug- oder Flaschenkürbissen, nur
mit dem Unterschied, daß das eigentliche Rohr nicht selten eine Länge von
vier bis fünf Klaftern erreicht und einen Durchmesser von zwei Schuhen hat.
Der Kopf an diesem Rohre bildet allzeit eine vollkommene Kugel, im
Durchmesser von eineinhalb, oft auch zwei Klaftern. Die äußere Rinde dieser
Frucht hat, streng genommen, das Aussehen wie gediegenes, poliertes Gold. Nun
fraget wieder ein wenig eure Phantasie, wie sich ein Wald von solchen Bäumen
beim Sonnenlicht ausnehmen dürfte? [Sa.01_004,07] Ihr möchtet wohl auch
wissen, wozu dort diese Frucht gebraucht wird? Die Antwort ist sehr leicht.
Gerade auch dazu, wozu ihr eure Zug- und Flaschenkürbisse gebraucht: teils um
Flüssigkeiten aus irgendeiner kleinen Tiefe zu heben, teils aber auch als
Gefäße, um Säfte, aus verschiedenen Pflanzen gepreßt, darin aufzubewahren.
Diese Frucht wird auf diesem Planeten auch als ein Tauschhandelsartikel so
sorgfältig wie möglich gesammelt und für den Tauschhandel aufbewahrt. [Sa.01_004,08] Vielleicht möchtet ihr
auch wissen, warum dieser Baum gerade eine solche Trichterform hat? – Die
Trichterform ist diesem Baum darum eigen, damit er in diesen seinen Trichter
das Licht der Sonne und so auch das elektro-magnetische Fluidum desto
wirksamer aufnehmen kann. In der Mitte des Trichters hat er eine Markröhre,
welche besonders zur Nachtzeit einen förmlichen Nebel ausdünstet. Dieser
Nebel ist für die andere Vegetation wie auch für die Menschen, wenn sie ihn
einatmen, von etwas giftiger und zerstörender Art, solange nicht das Licht
der Sonne ihn zerteilt. Aber der Trichter ist so beschaffen, daß er diesen
Nebel nicht anders durchsickern läßt und davon auch nicht mehr, als nur
gerade zur Befruchtung des Baumes die Nacht hindurch nötig ist, und das nur
so lange, als die Frucht noch nicht zur halben Reife gelangt ist. Alsdann bei
eintretender Reife verschließt sich diese Markröhre in dem Trichter und wird
der Dunst dann hinausgetrieben zur regelmäßigen Aufblähung der Frucht,
wodurch dieser Trichter eine solche nährende Lebensluft enthält, daß da viele
Menschen auf geeigneten Leitern hinaufsteigen, sich in diesen Trichtern ein
Lager errichten und da längere Zeit übernachten. [Sa.01_004,09] Sehet, das ist alsdann
das Denkwürdige dieses Trichterbaumes! – Zum Genusse für den Leib hat er
außer seiner Lebensluft nichts. Die Samenkörner, die euren Kürbiskernen nicht
unähnlich sind, werden nur von den Haustieren verzehrt. [Sa.01_004,10] Und somit gehen wir nun
noch zu der siebenten Baumart über. – Da ist zu bemerken der sogenannte
Pyramidenbaum, Uhurba genannt. [Sa.01_004,11] Dieser Baum ist wohl
der höchste auf diesem Weltkörper und ist ungefähr von der Eigenschaft eurer
Edelfichten, die einen weißen Stamm haben. Er wächst nicht selten zu einer
Höhe, daß ihr auf eurer Erde kaum einen Berg habt, der sich mit diesem Baum messen
könnte. Auch dieser Baum hat nur einen Stamm, welcher zuunterst, an der
Wurzel, nicht selten einen Durchmesser von achtzig bis neunzig und einhundert
Klaftern hat. Seine Äste gehen schon an der Erde vom Stamm nach allen
möglichen Richtungen aus und die untersten haben bei einem vollkommen ausgewachsenen
Pyramidenbaum nicht selten eine Länge von tausend Klaftern und werden gegen
die Spitze regelmäßig immer kürzer, und zwar so, daß ein solcher Baum dann
eine förmliche große Pyramide in runder Kegelform bildet, gegen welche eure
stolzen ägyptischen Pyramiden wahre Schneckenhäuser sind. Denn so es möglich
wäre, euch körperlich dahin zu versetzen, würdet ihr glauben, die höchsten
Berge vor euch zu erblicken. [Sa.01_004,12] Dieser Baum gehört zum
Nadelholz, und seine Blätter gleichen, freilich in sehr vergrößertem Maßstab,
so ziemlich den Nadelblättern eurer Fichten; nur die Farbe ist nicht grün
sondern blau. Die Nützlichkeit dieses Baumes ist in Hinsicht auf die Reinigung
der Luft und Erfüllung derselben mit Lebensstoffen so außerordentlich, daß
die heilende Kraft aus den Wipfeln und Zweigen dieses Baumes sogar bis auf
eure Erde hinabreicht. Und vorzüglich beziehen eure balsamisch duftenden
Nadelhölzer ihren ätherischen Stoff dorther. [Sa.01_004,13] Diese Bäume werden auch
sorgfältig allenthalben angepflanzt, und es braucht da nichts mehr, als nur
ein Reis von diesem Baum zu nehmen und dasselbe irgendwo in gute Erde zu
stecken, so wächst es alsbald fort, wird binnen wenigen Saturnjahren schon
ein sehr ansehnlicher Baum und kann ein Alter von mehreren hundert
Saturnjahren erreichen. Wenn ein solcher Baum hernach aber abstirbt, wird er
an der Wurzel zuerst ganz morsch und zehrt sich von selbst bis auf den
äußersten Wipfel zusammen. Wo irgend ein solcher Baum sich also verzehrend
abgestanden ist, wird von den Bewohnern sogleich magere Erde darübergestreut,
woraus dann in wenigen Jahren der fruchtbarste Grund zum Anbau ihrer
beliebten Saftkräuter bereitet wird. – Auch hier könnt ihr eure Phantasie zu
Lehen nehmen und einige solche Bäume hintereinander betrachten, so wird euch
eure Erdengröße wohl ein wenig abgekühlt werden. [Sa.01_004,14] Von diesem Baum wißt
ihr nun bereits das Allerwesentlichste, und so können wir noch zu der achten
Baumart, einem für euch gewiß höchst merkwürdigen Baume, übergehen. Denn von
desgleichen findet sich wieder auf eurer Erde nicht die allerleiseste Spur. [Sa.01_004,15] Als solcher Baum der
achten Baumart ist bemerkenswert der sogenannte Glas- oder Spiegelbaum, dort
Ubra genannt. – Dieser Baum hat einen ganz regelmäßig viereckigen Stamm,
welcher so durchsichtig ist wie bei euch ein etwas grünliches Glas. Der Stamm
geht zugespitzt bis zu einer Höhe von zwanzig bis dreißig Klaftern empor. Er
hat durchaus keine Äste, sondern über die Hälfte dieses Glas- und
Spiegelbaumstammes ist wie bei euren Kaktusarten mit großen hängenden Blumen
geschmückt, welche ungefähr dieselbe Gestalt haben wie eure Lilien, nur in
sehr vergrößertem Maßstab und mit dem Unterschied, daß hier ein jedes Blatt,
deren es zehn bei jeder Blume gibt, von einer andern Farbe ist. Wenn dieser
Baum nach einem halben Jahr abgeblüht hat, kommt auf einem kristallartig
knorrigen Stiel eine für euch gewiß höchst merkwürdige Frucht zum Vorschein.
Diese Frucht besteht im Anfang in nichts anderem als in einem sehr
durchsichtigen Wasserbeutel, der nach und nach immer größer und größer wird
und in seiner Reife einem Ballon mit einem Durchmesser von ein bis eineinhalb
Klaftern gleicht. [Sa.01_004,16] Wenn diese Frucht zu
dieser ersten Reife gelangt ist, fängt die Flüssigkeit in diesem Beutel sich
so zu verdichten an, daß der Beutel zusammenschrumpft und nach und nach von
der verdichteten Flüssigkeit sich losschält. Die verdichtete Flüssigkeit
fällt dann oft samt dem Stiel auf den Boden herab. Alsdann kommen die
Bewohner und klauben diesen harten Saft auf, beschneiden denselben auf allen
Seiten regelmäßig, bilden daraus eigenartige, regelmäßige viereckige Tafeln
und gebrauchen diese ungefähr so wie ihr auf eurer Erde eure Spiegel. Einen
weiteren Gebrauch machen sie von diesem Baum gerade nicht als nur einen
solchen, den ihr von gewissen Bäumen zur Zierde eurer Gärten macht. Denn wenn
eine Reihe von solchen Bäumen gepflanzt ist, bildet das für die Bewohner
dieses Planeten eine Prachtallee. Und sie tun das mit diesem Baum auch darum
gerne, weil er sich ebenfalls, wie der Pyramidenbaum, sehr leicht verpflanzen
läßt, nur nicht vermittelst der Reiser, da er überhaupt keine Äste hat,
sondern vermittelst des Samens, welchen er aber nicht in der Frucht, sondern
in der Blüte trägt. [Sa.01_004,17] Die Durchsichtigkeit
dieses Baumes rührt daher, weil sein Organismus aus lauter viereckigen
Röhrchen besteht, durch welche der ihm dienliche Saft emporsteigt. Denn sind
die Organe rund, so kann da kein Strahl durchdringen, weil er in der runden
Form zu oft gebrochen wird; allein in dieser viereckigen Form erleidet der
Strahl nur eine sehr geringe Brechung und kann daher auch fast ungehindert
durchstrahlen. Und da all die Bäume dieses Planeten und vorzugsweise in
diesem Land eine ganz glatt polierte Rinde haben, so glänzt die Fläche dieses
für euch merkwürdigen Baumes so wie bei euch ein Spiegelglas; so daß sich
jeder Vorübergehende vom Scheitel bis zur Sohle darin vollkommen beschauen
kann. [Sa.01_004,18] Das ist nun wieder
alles von diesem Baum! – Erwecket auch da ein wenig eure Phantasie, so werdet
ihr nicht gar zu schwer einsehen, wie Ich auch ohne Städte und Paläste aus
Menschenhänden verfertigt, eine Welt gar wohl zu schmücken verstehe. Und
somit lasset es für heute gut sein. Alles übrige von den Bäumen für ein
nächstes Mal! – Amen. 5. Kapitel –
Der Allerleibaum, der Feuerbaum und der Ölstrauch. Leibesgestalt, Grundbesitz
und Haustiere der Saturnmenschen.
[Sa.01_005,01] Ahaharke heißt der Baum,
den wir als Nummer neun aufführen wollen. Auf deutsch oder vielmehr nach
eurer euch eigentümlichen Erbsprache übersetzt oder verdolmetscht würde
dieser Baum sehr schwer zu benennen sein, weil auf der ganzen Erde nicht ein
Ähnliches sich leichtlich vorfindet, damit danach für diesen Baum möchte ein
passender Name zusammengesetzt werden. Am besten noch würde man ihn
bestimmen, wenn man ihm den Namen Allerlei-Baum gäbe. [Sa.01_005,02] Dieser Baum wächst vom
Boden an ungefähr sechzehn Klafter hoch in einem ebensoviel Klafter im Umfang
habenden Fundamental-Stamme. Nun breiten sich von da eine Menge nach allen
Richtungen auslaufender Äste aus, von denen die längsten bei zehn Klafter
weit vom Stamme hinausreichen. Von der Stelle an, da die Äste sich
ausbreiten, erheben sich regelmäßig drei Stämme kerzengerade in die Höhe,
welche Höhe nicht selten zwölf, dreizehn, vierzehn bis fünfzehn Klafter
erreicht. Am Ende dieser Stämme breiten sich nach allen Richtungen im rechten
Verhältnis Äste und Zweige aus. Auf jedem der vielen Äste und Zweige, welche
von jeglichem dieser drei Stämme auslaufen, erheben sich wieder drei neue bis
zu einer Höhe von zehn Klaftern, wo sie dann wieder sich in eine Menge Äste
und Zweige im guten Verhältnis verteilen. Über diese dritte Krone erheben
sich nun wieder gerade in die Höhe schießende Zweige, welche zuoberst sich in
verhältnismäßig kleinere Äste und Zweige ausbreiten. Und so macht dieser
Baum, wenn er vollkommen ausgewachsen ist, sieben bis zehn solche Absätze,
und zwar immer in der Ordnung, daß aus einem früheren Stamm drei neue in die
Höhe gehen und ein solcher Baum dann in seiner letzten Abstufung einen
förmlichen Wald von Bäumen darstellt. [Sa.01_005,03] Jetzt, warum heißt denn
dieser Baum, euch zum Verständnis, ein Allerleibaum? – Die Ursache ist sehr
leicht anzugeben, aber eben auch nicht so leicht zu begreifen. Denn jede
Abstufung bringt andere Früchte zum Vorschein und natürlich somit auch anderes
Laub und andere Blüten. Eigentlich aber das Merkwürdigste und für euch
zugleich Unglaublichste bei diesem Baum ist, daß er nur in zehn Jahren wieder
dieselben Früchte zum Vorschein bringt. Denn von einem Jahr zum andern
wechselt er beständig, und zwar so, daß von einem Jahr bis zum
nächstfolgenden niemand schließen kann, welche Früchte er zum Vorschein
bringen wird. Und wie die Früchte verschieden sind, so steht es auch mit dem
Laub und mit der Blüte. Wenn mehrere solcher Bäume vorhanden sind, so gleicht
keine Frucht der nächststehenden. Damit aber die Bewohner dessenungeachtet im
beständigen Besitz aller Produkte dieses Baumes sind, so pflanzen sie diesen
Baum immer so zehnfach an, daß sie in jedem Jahr einen neuen setzen. Und wer
zehn solcher Bäume auf seinem Grund hat, der hat alle Produkte des Baumes.
Denn ein jeder Baum trägt dann andere Früchte und wechselt so fort bis ins
zehnte Jahr, und im elften erst kommt er wieder in seine frühere Ordnung. [Sa.01_005,04] Da aber ein jeder Baum
ein Jahr von dem andern unterschieden ist, so geschieht es, daß der erste
Baum im zweiten Jahr zwar ganz neue Früchte bringt, aber der ihm nachfolgende
bringt dieselben zum Vorschein, welche der erste Baum im ersten Jahr brachte.
Und wenn der erste Baum im dritten Jahr wieder neue Früchte zum Vorschein
bringt, so bringt der zweite im dritten Jahre dieselben Früchte zum
Vorschein, welche der erste Baum im zweiten Jahr brachte. Der dritte Baum
aber bringt dieselben Früchte, welche der erste Baum im ersten und der zweite
Baum im zweiten Jahre trug, zum Vorschein. Und so geht diese Ordnung immer
fort und fort. – Stirbt irgendein solcher Baum inzwischen aus, dann werden
über die Quere an die Stelle des einen, oder vielmehr für den einen, zehn
andere gesetzt, damit nie eine Frucht mehrere Jahre gänzlich ausbleibt. Was
aber die Früchte dieses Baumes anlangt, so sind diese so geordnet, daß die
größten und schwersten natürlicherweise immer in der untersten Abteilung zum
Vorschein kommen und so nach und nach immer kleinere und leichtere. [Sa.01_005,05] Wie die Frucht dieses
Baumes beschaffen ist und wie sie von den dortigen Bewohnern gebraucht wird,
kann hier aus dem Grunde nicht ganz ausführlich mitgeteilt werden, weil ihr
eine Mitteilung alles dessen auf hundert Bogen nicht niederschreiben könntet.
Nur im allgemeinen sei euch soviel darüber gesagt, daß dieser Baum im edelsten
Sinne gleichsam ein Repräsentant aller jener Baumfrüchte auf eurer Erde ist,
welche bei euch in eurem gemäßigten Klima vorkommen und in ihrer Mitte einen
oder mehrere wohlausgebildete Kerne besitzen. So wäre z.B. die unterste Stufe
in einem Jahr jene aller Äpfel, im andern aller Birnen, im dritten aller
Pflaumen, im vierten aller Pfirsiche, im fünften aller Aprikosen und so fort.
Was die anderen, höheren Stufen betrifft, so bringen diese ebenfalls ähnliche
Früchte hervor, aber alles in einem viel veredelteren Maßstab, unter einer
ganz anderen Form und mit einem weit feineren und besseren Geschmack, so daß
die Früchte in der höchsten Stufe eigentlich schon ganz ätherischer Art und
an Gestalt und Geschmack von einer untern Stufenart so völlig verschieden
sind wie bei euch eine wohlreife Weintraube gegen einem halbreifen Apfel. [Sa.01_005,06] So geht das fort und
fort. Und wenn ihr eure Phantasie ein wenig erweckt, möget ihr euch das wohl
ziemlich ergänzen, was hier der Zeit wegen nur berührt, aber nicht
erschöpfend dargestellt werden kann. Und somit wollen wir von diesem Baum nur
noch das sagen, daß seine Früchte von den Bewohnern dieses Planeten auch
genossen werden, und zwar zumeist die von den höheren Stufen, während die
untersten häufig zur Fütterung ihrer Haustiere verwendet werden. Es versteht
sich aber von selbst, daß die Früchte dort ums Zehnfache größer sind als die
ähnlichen bei euch. – Dieses Baumes Rinde gleicht am meisten der eines
Apfelbaumes bei euch und ist ebenfalls rifflig. Nur die Farbe der Rinde ist
nicht grau wie bei euch, sondern dunkelrot und in jeder höheren Stammabstufung
lichter. [Sa.01_005,07] Und somit wollen wir
uns von diesem Baum zu unserer letzten Ordnung wenden und da besonders den
merkwürdigsten Baum dieses Landes in Augenschein nehmen. [Sa.01_005,08] Dieser Baum wird dort
Fehura genannt, was nach eurer Sprache soviel besagt als: Feuerbaum. – Dieser
Baum hat in seinem Wachstum eine Ähnlichkeit mit der bei euch vorkommenden
sogenannten Eisenblüte und ist beinahe ganz mineralisch. Der runde Stamm
gleicht einer bei sechs Klafter im Umfang habenden weißen Marmorsäule, welche
sich fünfzehn bis zwanzig Klafter hoch in gleicher Dicke vom Boden erhebt,
von da weg aber sich dann teilt gleich einem Korallenbäumchen in verschiedene
Äste und Zweige, welche an ihren Enden in lauter kleine Röhrchen auslaufen.
Die Zweiglein biegen sich ebenso vielfach übereinander wie die oben benannte
Eisenblüte. Dieser Baum hat weder Blätter noch Blüte noch irgendeine Frucht;
sondern seine Bestimmung ist rein nur die des Feuers. Seine Frucht ist somit
das Feuer, welches er gewöhnlich zu jener Zeit von sich gibt, wenn irgendein
Teil des Landes unter dem Schatten des Ringes sich befindet. Denn auf diesem
Planeten wird die Zeit nicht bestimmt wie bei euch, nach dem Sommer und nach
dem Winter, sondern nach der Zeit des Schattens und nach der Zeit des
Lichtes. Dieser Baum ersetzt demnach zur Zeit des Schattens durch sein ganz
weißes Licht den Mangel des Sonnenlichts. Seine Wurzeln, die eigentlich
lauter Röhrchen sind, haben das Vermögen, aus der Erde dieses Planeten das
allerfeinste Erdölgas an sich zu ziehen. Durch die Röhrchen wird es in die
äußersten Zweige getrieben, wo sich dasselbe dann, wenn es mit der dortigen atmosphärischen
Luft in Berührung kommt (welche zu der Zeit des Schattens sehr viel
Sauerstoff mit sich führt), alsbald entzündet und so lange fortbrennt, bis
wieder das Licht der Sonne scheint. Diese dehnt die atmosphärische Luft mehr
aus und schlägt den Sauerstoff nieder, wodurch dann dieser Feuerbaum nach und
nach erlischt und so lange ruht und auch nicht weiter wächst, bis die
Schattenzeit wieder eintritt. Es dauert die Schattenzeit dort aber ein halbes
Jahr, wie bei euch, der Temperatur nach gerechnet, der Winter. [Sa.01_005,09] Dieser Baum fängt zu
wachsen an wie bei euch die Schwämme – ohne Samen; aber nicht wie diese wo
das Erdreich am magersten ist; sondern wo das Saturn-Erdreich am
naphtahaltigsten ist, kommt dieser Baum am häufigsten vor. Die Einwohner
pflegen ihn auch so zu verpflanzen, daß sie zur Schattenzeit ein Zweiglein
vom Stamm herunterschlagen und es irgendwo in ein naphtafettes Erdreich
stecken. Da brennt dann dieses Zweiglein also fort und wächst dadurch auch,
sowohl in der Erde wurzelnd als sich über derselben auszweigend. [Sa.01_005,10] Das Feuer dieses Baumes
ist an und für sich nicht brennend, jedoch ist es durch die Wirkung seines
sehr intensiv weißen Strahles in eine gewisse Ferne hin erwärmend oder
vielmehr den Wärmestoff entbindend, aus welchem Grunde dadurch auch für
diesen Planeten in seiner Schattenzeit gesorgt ist, daß es dann nicht viel
kälter wird als zur Zeit des eigentlichen Sonnenlichtes. Dergleichen Bäume
sucht sich eine jede Familie in gehöriger Anzahl um ihre Wohnungen und Gründe
herum anzupflanzen, wo sie dann zur Schattenzeit weder Kälte leidet noch
irgendeinen Lichtmangel hat. [Sa.01_005,11] Auch bei diesem Baum
ruft wieder ein wenig eure Phantasie zu Hilfe, und ihr werdet sicher finden,
daß, abgerechnet der großen Pracht dieses Baumes, sein Licht eine größere Wirkung
hat als alle eure Gasbeleuchtung, wenn ihr sie auch auf einen Platz
zusammenbringen möchtet auf einem dazu eigens erbauten Leuchtturm. Fürwahr,
wenn ihr einen solchen Baum auf einem der euch benachbarten Berge angepflanzt
hättet, würde er nicht nur eure Stadt so gut beleuchten wie zehn Vollmonde,
sondern der ganze Landkreis würde davon noch einen hinreichenden Schimmer
genießen. Nun denket euch erst viele Tausende solcher Bäume in einem Lande
zerstreut, wie sich da deren Licht machen möchte! Wenn euch schon euer rotes,
bösartiges Feuerlicht in der finsteren Nacht erquickt, um wieviel mehr müßt
euch ein solch sanftes, weißes Licht erquicken! Allein für die Erde sind
dergleichen Bäume nicht bestimmt, obschon im Morgenland, und zwar in manchen
Gegenden des Kaukasus ähnliche Fälle vorkommen, da man auch nichts nötig hat
als ein Schilfrohr oder ein anderes sehr poröses Stück Holz in die Erde zu
stecken und oben mit einer Flamme anzuzünden, wo es dann auch gleich einer Fackel
fortbrennt, ohne daß darum das Holz oder das Rohr vom Feuer leichtlich
verzehrt wird – nur mit dem Unterschiede, daß diese Flammen auch rötlich und
äußerst heißbrennend sind. [Sa.01_005,12] Somit hätten wir nun
für dieses Land die Baumschule durchgemacht und können daher noch einen allgemeinen
Blick auf die Gesträuche werfen. [Sa.01_005,13] Alle Gesträuche des
Saturn haben das Eigentümliche, daß sie nicht wie bei euch so niedrig sind,
sondern sie bilden nur eine kleinere, aber dafür in der Art sehr verschiedene
Baumgattung. Und es ist bei allem das niedrigste Gesträuch noch höher und ansehnlicher
wachsend als eure ansehnlichsten Bäume. Auf diesem hier zunächst
beschriebenen Land gibt es allein über zwölftausend Sträucher, welche alle
voneinander wohl unterschieden sind. Jede Strauchart hat ihre eigentümliche
Frucht, welche jedoch außer von den vielen Bewohnern der Luft wenig benützt
wird. Von diesen sehr vielen Gesträuchen dürfte auch eines, welches am
häufigsten vorkommt und von den dortigen Bewohnern auch sorgfältig gepflegt
wird, nicht ohne Interesse sein, da es vollkommen eurem Ölbaum auf Erden
gleicht, nur mit dem Unterschied, daß auch dieses Gesträuch hier um vieles
großer ist als euer Ölbaum. Die Beeren sind im reifen Zustand so groß, daß
eine jede nach eurem Maße einen Liter reinen Öles abgibt. Wenn dann ein
solches Gesträuch nicht selten zwanzig- bis dreißigtausend Beeren auf seinen
Zweigen zur Reife bringt, so könnt ihr euch schon einen Begriff von der
reichlichen Ölernte machen, wenn ihr noch dazu bedenkt, daß auf dem Grund
einer einzigen Familie nicht selten mehrere Tausende von solchen Ölsträuchern
oder vielmehr Ölbäumlein vorkommen. [Sa.01_005,14] Freilich müßt ihr euch
dabei einen Familiengrund nicht ebenso klein vorstellen, wie etwa bei euch
einen größeren Bauerngrund, sondern wohl so groß, ja manchesmal noch etwas
größer als euer ganzes Land. Dagegen müßt ihr euch auch die überaus schön
gebildeten Menschen in körperlicher Hinsicht nicht so klein vorstellen wie
ihr seid; denn dort mißt die Größe des Weibes schon achtzig und neunzig Fuß,
und die Größe des Mannes fünfundneunzig bis hundertfünfunddreißig Fuß. Und in
diesem Verhältnis sind auch ihre vielen Haustiere bestellt. [Sa.01_005,15] Wenn ihr dieses im
voraus einseht und kennt, so wird euch dann, was noch alles von der fruchtbaren
Vegetation in der gehörigen Ordnung gesagt wird, desto einleuchtender werden.
Und daher für heute Amen. 6. Kapitel –
Die Kräuter und Nutzpflanzen des Saturn. Das Maiskorn, das rinnende Faß und
der wandelnde Flaschenkürbis.
[Sa.01_006,01] Was also von den
Gesträuchen bemerkenswert war, haben wir in der Hauptsache schon vernommen.
Wir wollen uns daher jetzt zu den Kräutern und (Nutz-)Pflanzen dieses Landes
wenden. [Sa.01_006,02] Dieses Land gehört zu
den gebirgigsten dieses Planeten, und somit hat es auch die größte Anzahl der
nützlichen und heilsamen Pflanzen und Kräuter aller erdenklichen Arten. [Sa.01_006,03] Pflanzen wie zum
Beispiel eure Feldfrüchte, als da sind: Korn, Weizen, Gerste usw., wachsen
hier nicht; aber dafür gibt es eine andere und viel edlere Getreidegattung,
die beinahe so aussieht wie bei euch das Maiskorn, nur daß die Pflanze ums
zwanzig- bis dreißigfache höher wächst als bei euch. Die Blätter dieses
Maiskorns sind oft zwei bis dreieinhalb Klafter lang und gut zwei bis
dreieinhalb Ellen breit, haben eine vollkommen himmelblaue Farbe, an den
Rändern eine Spanne weit mit hellem Karminrot verbrämt, und die Mittelzeile,
die ebenfalls eine Spanne breit ist und bis gegen die Spitze auf einen Zoll abnimmt,
sieht grünlichgolden aus. Der Stengel, welcher unterhalb so dick wird wie bei
euch oft eine ausgewachsene Eiche, sieht zuunterst aus wie dunkel mattpoliertes
Gold, und je höher hinauf, desto heller wird seine Farbe. Die Blütenkrone,
welche nicht selten Äste von ein bis eineinhalb Klafter Ausbreitung hat,
sieht gerade so aus wie bei euch ein Lüster aus dem schönsten
brillant-geschliffenen Kristallglas, und das darum, weil dort alles im
vergrößerten Maßstab vorkommt. So ihr aber bei euch eine Maisblüte durch ein
gutes Mikroskop beschauen möchtet, dürftet ihr beinahe dasselbe Brillantspiel
des sonst weißlich aussehenden Blütenstaubes bemerken! [Sa.01_006,04] Was aber die Frucht
dieser Pflanze betrifft, so gleicht sie zwar wohl der Form nach im vergrößerten
Maßstab der eurigen, aber nicht ebenso dem Gebrauch und dem Geschmack nach.
Denn dort gibt diese Frucht den allerwohlschmeckendsten Leckerbissen und
gleicht in dieser Hinsicht mehr eurer sogenannten Ananas; nur daß dort die
einzelnen Körner sich gar wohl auslösen lassen, wenn die Frucht zur Reife
gekommen ist, und dann sogleich genossen werden können, auch nicht mehlig
sind, sondern saftig wie bei euch eine Weinbeere. Eine von diesen Beeren ist,
nach eurem Gewicht berechnet, nicht selten zwei bis drei Pfund schwer. Wenn
auf einem solchen sogenannten Kolben dann oft drei-, vier- bis fünfhundert
solche Beeren sitzen und eine einzige Staude oft zwanzig bis dreißig solche
Kolben zum Vorschein bringt, so könnt ihr euch schon einen Begriff machen,
wie reichlich oft eine solche Ernte aussieht. [Sa.01_006,05] Aber wohin legen denn
die Bewohner solche Ernte? – Ihr habt schon die guten Gefäße beim
Trichterbaum kennen gelernt. Darin werden diese Früchte aufbewahrt, ein Teil
davon in Beeren selbst und ein Teil als ausgepreßter Saft. Diese Frucht
wächst viermal in einem Jahr und ist äußerst gesund und stärkend. Und es
erquickt ihr Saft das Herz des Saturnbewohners ebenso und noch mehr als euch
die Traube und ihr stärkender Saft. [Sa.01_006,06] Nach Abnahme der Frucht
lassen die Bewohner das Stroh auf dem Felde so lange stehen, bis es ganz dürr
geworden ist, dann bringen sie ihre großen Zug- und Lasttiere auf den Acker,
wo diese Pflanze dürre steht. Diese Tiere fressen dann das Laub. Die Stengel
aber lassen sie unbeschädigt stehen. Diese werden von den Bewohnern mit einer
eigenen Säge umgesägt. Dann werden kreuz und quer auf dem Acker Haufen
gebildet und hernach angezündet, durch welchen Akt der Acker auf das
allerbeste für eine fernere Fruchttragung gedüngt wird. [Sa.01_006,07] Dieser Acker braucht
einen feuchten Boden, wenn die Frucht gut gedeihen soll. Da es aber hier in
diesem Land, wie auch fast auf dem ganzen gemäßigten Landstrich dieses
Planeten, nie oder nur höchst selten regnet oder taut und auch die Quellen auf
dem Land nicht eben zu häufig vorkommen – was tun da die Einwohner und wie
bewässern sie einen solchen Acker, der nach eurem Maß nicht selten eine
Ausdehnung von dreißig bis vierzig Quadratmeilen hat? – Seht, da habe Ich
schon wieder mit einer anderen merkwürdigen Pflanze dafür gesorgt, welche das
mühselige Geschäft der Bewässerung gar vortrefflich besorgt und welche
Pflanze denn auch fleißig mitten unter den Nutzgewächsen angebaut wird. [Sa.01_006,08] Diese Pflanze wird dort
„das rinnende Faß“ genannt und hat eine große Ähnlichkeit mit euren
Feldkürbissen, nur mit dem Unterschied, daß diese Kürbisse nicht selten eine
solche Größe erreichen, daß ein Saturn-Mensch Mühe hat, darüber
hinwegzusehen. – Die Pflanze selbst wächst oft mehrere tausend Klafter weit
auf der Erde klafterdick im Umfang fort und läuft von ihrer Wurzel in vielen
hundert Armen nach allen möglichen Richtungen aus. Ihre Blätter sehen denen
eurer Kürbisstaude völlig ähnlich, nur daß sie ums Hundertfache größer sind
und ihre Farbe nicht grün, sondern ganz violettblau aussieht und übersät ist
mit lauter silberweißen Sternen. Der Stiel ist zwei bis drei Klafter lang,
rund und im Durchmesser nicht selten mehrere Klafter betragend. Er ist
inwendig hohl; in den Wänden aber laufen viele tausend Röhrchen hinauf,
welche das Blatt nähren mit einem süßlichen Saft und zum Teil aber auch durch
die vielfachen Poren der unterblattigen Spitzen als tropfbare Flüssigkeit
hinaustreten und dadurch unter sich das Erdreich wie durch einen
immerwährenden leichten Regen befeuchten. Jedoch was die Hauptbewässerung
durch diese Pflanze betrifft, so wird sie eigentlich von der Frucht
bewerkstelligt. Denn wenn diese zu ihrer halben Reife gekommen ist, öffnet
sie in der Nachtzeit an ihrer Oberfläche befindliche Poren und über der
Oberfläche eigens dazu gebildete Röhrchen, durch welche dann eine süßliche,
klare Flüssigkeit wie aus einem Springbrunnen weit und breit hinausgetrieben
wird, wodurch das Erdreich jede Nacht eine regelmäßige und hinreichende
Bewässerung empfängt. [Sa.01_006,09] Ihr werdet euch fragen:
Aber woher nimmt denn die Frucht dieses so reichliche Wasser? – Da sage Ich
euch, daß die Frucht ein wahrer artesischer Brunnenbohrer ist; denn sie
treibt ihre Wurzeln so weit und so tief hinab, bis sie zu irgendeinem unterirdischen
Wasserbehälter gekommen ist. Da saugt sie mit der größten Emsigkeit das ihr
selbst zusagende Wasser und treibt und führt dasselbe als die beste
Wasserleitung wohlgeläutert nach allen möglichen Richtungen ihres äußeren,
schnell fortwachsenden Gebietes. [Sa.01_006,10] Hat denn aber diese
Frucht bei den Bewohnern keinen andern Gebrauchszweck als nur den der
Bewässerung allein? – Die Bewohner gebrauchen diesen Kürbis auch noch zu
etwas anderem! – Wenn die Frucht zur Vollreife gediehen ist, wird sie der Länge
nach in der Mitte auseinandergeschnitten. Der Same und das Fleisch werden aus
ihr genommen, der Same zur ferneren Ansaat und das Fleisch zur Fütterung der
dortigen Kühe, Schafe und Ziegen verwendet. Die Schale aber, welche bei einem
Klafter dick ist, wird getrocknet, wodurch sie eine große Festigkeit bekommt.
Wenn sie vollkommen getrocknet ist, wird der untere Teil gewöhnlich zu einer
Art Wasserfahrzeug verwendet. Der obere Teil aber, der sehr röhrig und porös
ist, wird als Wagen verwendet, und zwar auf eine höchst einfache Art. [Sa.01_006,11] Es wird in der Mitte
beider Seitenborde ein Loch durchgebohrt, durch welches eine wohlbereitete,
verhältnismäßig dicke und starke Räderspindel geführt wird, auf deren beiden
Enden sodann zwei Räder aufgesteckt werden. Ebenso wird noch ein drittes Loch
von vorne durchgebohrt, durch welches eine Zugstange bis zur Radspindel
gesteckt wird. Diese Zugstange wird dann mit einem Nagel an der Radspindel
befestigt und vorne mit einem verhältnismäßig langen und starken Querbalken
versehen. Auf diese Weise ist dann der Wagen auch schon fertig, und das um so
geschwinder, wenn ihr dazu noch annehmt, daß die Räder dort nicht durch die
Kunst der Menschenhände, sondern durch die Kunst der Natur hervorgebracht
werden, und das von einer und derselben Pflanze. Denn dazu braucht es nichts
mehr, als den vollkommen runden Stiel eben dieses Kürbisses so oft man will
abzusägen, so hat man auch schon allzeit ein vollkommen festes und fertiges
Rad in einem Durchmesser von drei bis vier, oft auch fünf bis sechs Klaftern. [Sa.01_006,12] Wenn hernach an den
Querbalken ein Ochse oder für eine schnellere Fahrt ein dortiger Zughund oder
Zughirsch angebunden wird, so ist ein ganzes Fuhrwerk so gut wie vollkommen
fertig. Und es können dann in einem solchen Wagen sehr bequem vier
Saturnmenschen fahren, wohin sie nur immer wollen. [Sa.01_006,13] Diese Art Wagen wird
freilich nur als leichteres Fuhrwerk gebraucht; denn die Saturnbewohner haben
auch noch viel größere und schwerere Wagen, welche sie kunstvoll aus Holz
bauen und, so wie ihr die eurigen, fleißig mit einem sehr geschmeidigen und
festen Metall beschlagen. Dieses Metall ist eurem Eisen nicht unähnlich, nur
ist es viel gediegener und haltbarer und rostet nicht wie das eurige, sondern
behält immerwährend seine glänzende, dem Golde gleichende Oberfläche. Es hat
eine Farbe wie bei euch das sogenannte Platin, das ein Gemisch von gediegenem
Gold und gediegenem Eisen ist, welche Mischung auf dem chemischen Weg
freilich wohl schwerlich je ein Chemiker zuwege bringen wird. [Sa.01_006,14] Nachdem wir jetzt diese
zwei Pflanzen kennengelernt haben, gehen wir zu einer anderen dort lebenden,
überaus lustigen und zugleich auch sehr nützlichen Pflanze über. [Sa.01_006,15] Diese Pflanze ist für
euch so gut wie unerhört. Auf der Erde gibt es durchaus nichts Ähnliches.
Denn das sogenannte „wandelnde Blatt“, welches im südlichen Amerika vorkommt,
ist eigentlich keine Pflanze, sondern ein Tier. – Die Pflanze auf diesem
Planeten aber, die wir betrachten wollen, ist in allem Ernst eine wandelnde,
da sie gleich einem Tier sich von einem Ort zum andern bewegt. Die bewegende
Kraft liegt in ihrer Wurzel, die das Aussehen hat wie ungefähr ein sehr
unförmig gebildeter Menschenfuß, nur daß sie natürlicherweise nicht etwa geformte
Zehen und irgendeine Ferse und sonst zum Fuße Gehöriges besitzt; sondern das
Ganze ist ein in einem rechten Winkel gebogener, bei zehn Klafter langer
Strunk, aus welchem nach allen Seiten eine Menge Fang- und Saugwurzeln
auslaufen. Diese klammern sich wie die Ranken einer Weinrebe fast überall an,
nur mit dem Unterschied, daß diese Wurzeln nur so lange auf einem Punkt der
Erde sich festhalten, solange sie dort hinreichende Nahrung finden. Haben sie
auf einem Ort alle Feuchtigkeit aufgezehrt, dann entwinden sie sich wieder
aus der Erde, strecken sich weiter nach vorne aus, und das so weit auf der
Erde hin, bis sie wieder an einen feuchten Ort gekommen sind. Da bohren sie
sich wieder fleißig in das Erdreich ein, umwinden die feuchten Erdschichten
und andere Kräuter und Gräser und ziehen durch dieses Umwinden die ganze
Pflanze nach sich – durch welche Tätigkeit der Fußwurzeln dann eine solche
Pflanze im Verlaufe von einem Jahr nicht selten eine Reise von mehreren
Meilen (nach eurer Rechnung und eurem Maße) macht. [Sa.01_006,16] Wie sieht denn aber
eigentlich die Pflanze selbst aus? – Die Pflanze hat einen vier bis fünf
Klafter hohen Stamm, der schon eine Klafter hoch Äste und Zweige treibt,
wovon einige Zweige nach allen Richtungen hinab zur Erde langen und auf diese
Art die hohe Pflanze vor dem möglichen Umfallen schützen. Diese Zweige sind
gewöhnlich nackt und ohne Blätter, nur diejenigen, die dann aufwärts treiben
und in mannigfaltigen Krümmungen vom Stamm auslaufen, tragen Blätter, Blüten
und Früchte, welche alle so ziemlich eurer Weinpflanze ähnlich sind. Das Laub
ist viel größer und von hellblauer Farbe und seine untere Seite mit roten
Wärzchen übersät. Die Frucht aber gleicht vollkommen derjenigen Sorte eurer
Trauben, die ihr mit dem Namen „die Gaisdutte“ benennt; nur ist ihre Farbe
nicht blau, sondern so gelb wie eine Orange, aber halb durchsichtig, wie bei
euch die weißen Traubenbeeren. Der Unterschied liegt vor allem auch nur in
der Größe, da eine Beere nicht selten (nach eurem Maß) ein Liter reinen Saftes,
eine Traube nicht selten fünfzig bis hundert Beeren enthält, und manche Pflanze
reift oft zehn bis zwanzig solcher Trauben. Der Geschmack dieser Frucht kommt
derjenigen Traube bei euch gleich, die ihr die Muskat-Traube nennet (nur muß
diese bei euch zur vollsten Reife gelangt sein!). [Sa.01_006,17] Das ist also diese
merkwürdige Pflanze dieses Planeten! Sie hat dadurch einen großen Vorzug, daß
sie überhaupt keine Bearbeitung benötigt, sondern sich selbst bestens
bearbeitet und gedeihlichst versorgt. Damit aber bei den Einwohnern dieses
Planeten keine Eigentumsstreitigkeiten hinsichtlich dieser sehr beliebten
Pflanze entstehen, wenn diese allenfalls ihren Marsch auf den Grund des Nachbarn
richten möchte (denn auch hier wird das Eigentumsrecht streng beobachtet) –
so pflanzen die Einwohner dieselbe meistens entweder in der Mitte ihrer
Gründe oder setzen sie um ihre Regenbäume herum, da sie dann ruhig stehen
bleiben und keine weiteren Bewegungen machen, so ihre Wurzeln mit Nahrung
hinreichend versehen sind. Und wenn sie schon allenfalls dann und wann zu
wandern genötigt werden, können sie dann nicht sogleich auf den nachbarlichen
Grund überlaufen. Denn von der Mitte eines solchen Grundes dürfte es ihnen
wohl ein wenig schwer werden, die weiten Grenzen zu überschreiten, da, wie
schon bemerkt wurde, ein solcher Saturn-Bauerngrund nicht selten in der
Ausdehnung die doppelte Größe eures Staates übersteigt. [Sa.01_006,18] Den Saft verwenden die
Einwohner gerade auch dazu, wozu ihr den Saft eurer Traube verwendet. Er ist
noch viel kräftiger als der schon früher erwähnte und wird auch nicht in den
früher erwähnten Gefäßen aufbewahrt; sondern für die Aufbewahrung dieses
Saftes wächst dort eine eigene Flaschenfrucht, die nicht unähnlich ist euren
Flaschenkürbissen – nur mit dem Unterschied, daß diese Flaschenkürbisse euer
Heidelberger Faß sicher weit an Größe übertreffen würden. Ein solcher
Flaschenkürbis, wenn er vollkommen ausgewachsen ist, möchte wohl ganz bequem
eintausend eurer Eimer in sich aufnehmen. Diese Flaschenkürbisse sind auch
alldort außerordentlich fest. Ihre Wand hat einen Durchmesser von einer guten
halben und zuunterst auch einer ganzen Klafter. Wenn sie gehörig ausgeräumt
sind, welche Arbeit dort durch ein gewisses Tier verrichtet wird, ist das
Gefäß auch schon fertig. [Sa.01_006,19] Die Schilderung der
ferneren merkwürdigsten Pflanzen und Kräuter sei für die nächste Mitteilung
aufbewahrt! Und daher für heute Amen. 7. Kapitel –
Reichtum der Pflanzenwelt des Saturn. Hauptfarbe nicht grün, sondern blau.
Aromatische Heilkräuter. Die Goldstaude. Metallpflanzen. Blaues Gras. Formwechselnde
Wiesenblumen – duftendes Alpenmoos. Gebirge und Ebenen des Saturn.
[Sa.01_007,01] Auf die Pflanzen, deren
bereits einige nützliche erwähnt wurden, will Ich nur noch einen allgemeineren
Blick mit euch werfen. Denn jede hier (auf dem Saturn) vorkommende
merkwürdige Pflanze besonders und ausführlich zu erwähnen, würde weder die
Zeit noch der Raum gestatten, besonders wenn ihr bedenkt, daß wir noch
sechsundsiebzig solche große Länder zu bereisen haben, sowie einige hundert
kleinere Inseln, das ganze große südliche und nördliche Eisgebiet, dann erst
die vielen, noch größeren Länder des Ringes und der sieben Monde. Daher
können wir nur das Merkwürdigste überall berühren und über das andere
hinweggehen, nur andeutend, was da mehr oder weniger Ähnlichkeit hat mit den
Produkten eures Planeten. Und so gibt es auch in diesem soeben zu besprechenden
Land zahllose Gattungen von Pflanzen, welche zum Teil ähnlich sind denen auf
eurem Planeten, zum Teil aber auch wieder ganz fremdartig oder vielmehr
diesem Planeten so eigentümlich, daß dergleichen auf keinem anderen Planeten
vorkommt. [Sa.01_007,02] Was die euren Pflanzen
ähnlichen betrifft, so besteht der Unterschied im allgemeinen nur darin, daß
sie die eurigen nicht selten ums Hundertfache an Größe und Üppigkeit
übertreffen, wodurch dann auch alle jene Herrlichkeiten, die ihr hier nur
mittels eines Mikroskops an den Pflanzen gewahrt, dort frei und ohne
Mikroskop gar wohl ersichtlich sind in aller ihrer mannigfaltigen Pracht. [Sa.01_007,03] Der zweite Unterschied
ist in der Farbe. Denn meistens tritt dort an die Stelle eures Grün ein
frisches, heiteres Blau in allen seinen Schattierungen – so wie in eurem Amerika, wo auch an manchen
Pflanzen das Blau mehr denn das Grün ersichtlich wird und die grüne Farbe
selbst mehr sich der blauen nähert als der gelben, welche Farbe eigentlich
von der Farbe des Lebens die allerentfernteste ist. [Sa.01_007,04] Ein dritter Unterschied
besteht dann auch noch darin, daß die Blüte bei diesen Pflanzen viel größer
und reichhaltiger hervorkommt und ihr Farbenschmelz nicht selten wie durch
eine metallisch polierte, durchschimmernde Unterlage verherrlicht ist. [Sa.01_007,05] Was die Frucht solcher
Pflanzen anbelangt, so besteht darin auch der Unterschied, daß z.B. ein
Maiskorn dort so groß ausfällt wie bei euch hundert oder auch manchmal
tausend in einem und daß die Anzahl der Körner dann obendrauf noch ums Zehnfache,
ja oft auch ums Hundertfache reichhaltiger ist. Eine solche größere
Ergiebigkeit ist aber auch auf diesem Planeten darum notwendig, weil ein
halbes Erntejahr dort fünfzehn Jahren auf der Erde entspricht – aus welchem
Grund auch ein zehn Jahre alter Saturnknabe bei euch schon ein ungewöhnlich
steinalter Greis wäre. [Sa.01_007,06] Das sind also die
wesentlichen Unterschiede derjenigen Pflanzen dieses Planeten, welche im
verkleinerten Maßstab auch auf eurem Planeten vorkommen. So ihr eure
Phantasie ein wenig erwecken wollt, da nehmt also nur eine Erdpflanze zur
Hand und stellt euch an derselben alle Teile ums Hundertfache größer vor,
dazu die andere Farbe und all die sonstigen Herrlichkeiten einer Pflanze wie
durch ein Mikroskop enthüllt, so könnt ihr auf diesem Wege euch einen ganz
leichten Begriff von der Vegetation auf diesem Weltkörper machen. [Sa.01_007,07] Aber es gibt besonders
in den höheren Gebirgsregionen noch außergewöhnliche Heilkräuter, deren
ätherisch-aromatische Heilkräfte also stark- und fernwirkend sind, daß sie
nicht allein die dortigen Bewohner stets bei der besten Gesundheit erhalten,
sondern ihre heilsame Wirkung auch noch in eine Entfernung von mehr denn
tausend Millionen Meilen durch den Äther hinausstreuen, so daß z.B. eure
heilsamen Kräuter, vorzugsweise z.B. euer Holunderstrauch, euer Wacholder und
andere, mit Stacheln besetzte Heilkräuter einen bedeutenden Teil ihres
ätherisch heilenden Aromas von daher beziehen. [Sa.01_007,08] Eine Gattung der
dortigen Gebirgskräuter muß Ich noch etwas näher erwähnen! – Dieses Kraut
wird dort Hellatharianga genannt, welches soviel heißt wie die
„tausendblätterige Goldstaude“ Dieses Kraut wächst dort unmittelbar auf
blanken Felsen, und der Stiel hat nicht selten eine Höhe von drei bis vier
Klaftern. An dem Stiel stehen in einem schneckenartigen Gewinde um die Staude
im Durchschnitt gewöhnlich tausend hellrote Blätter hinaus, deren Gestalt
eine länglich eiförmige ist, und die nicht selten fünf bis sechs Schuh lang
und zwei, manchmal auch drei Schuh breit sind. An den Kanten der Blätter
laufen spannenlange Spitzen hinaus, und zwar so, daß vom Blattstiel bis zu
dessen Ende regelmäßig hundert zu stehen kommen, und somit an beiden Seiten
des Blattes zweihundert. Diese Spitzen sind von ganz dunkelblauer Farbe, dem
Stachelende zu immer lichter; und jene Spitze, welche am Ende der Mittelzeile
am längsten ausläuft, hat vorne ein Stachelbündel, das ebenso rot ist wie das
Blatt selbst. Die obere Seite des Blattes sieht aus wie bei euch ein
rotglühendes Eisen oder auch eine angeblasene Kohle und gibt auch wirklich einen
solchen Feuerglanz von sich. Die untere Seite des Blattes aber ist behängt
mit halbspannenlangen Haaren, welche vom Blatt aus alle Farben des Regenbogens
zeigen, so daß man dadurch unter einem jeden Blatt schon in einiger
Entfernung einen schimmernden Regenbogen entdeckt, dessen Pracht
natürlicherweise bei der Annäherung zunehmen muß, weil der Farbenglanz immer
konzentrierter auf das Auge fällt. Der Stiel oder Stamm der Pflanze sieht aus
wie matt poliertes Gold und erhebt sich über die Sphäre der Blätter oft noch
eine halbe Klafter hoch, an welchem (Stammteile) dann mehrere schon
ausgeblühte Blumen und noch immerwährend nachwachsende und nachtreibende
Knospen hervortreten. [Sa.01_007,09] Die Blume hat nichts
Ähnliches mit irgendeiner Blume auf eurer Erde; sondern ihre Gestalt ist so,
als wenn an einer rotgoldenen Kugel in einem Umkreis von einer halben Klafter
ganz wohlgeformte Menschenarme angebracht würden, nur daß aus einem jedem
Arm, statt fünf ungleichen Fingern, zehn goldähnliche Spitzstrahlen auslaufen.
Es hat beinahe das Aussehen, als wenn jemand eine ausgestreckte Hand zeichnen
möchte und an der Stelle der Finger eine halbe Sonnenscheibe hinmalte mit
zehn auslaufenden Strahlen. Solcher Blumenblätter um eine Knospe gibt es
fünf, welche von dieser schon benannten Kugelknospe gerade vom Gürtel
ausgehen, so daß die halbe Kugel im Blütenkelch zu stehen kommt. In der Mitte
dieser Halbkugel laufen zwei Fäden heraus, der eine in der Dicke eines halben
Männerarms, der andere nur in der Dicke eines Zolles im Durchmesser. Der
dünnere ist weiblich, der andere männlich; der weibliche von weißer Farbe,
der männliche von rosenroter. Beide laufen von dem Kelch über eine halbe
Klafter weit hinaus und hängen gewisserart zur Erde hinab, d.h. nicht
dieselbe berührend, sondern nur gegen dieselbe geneigt. [Sa.01_007,10] Der weibliche Faden
endet mit einem zurückgebogenen Trichter, über welchen der männliche mit
seiner Mündung sich hinabbiegt. Der männliche läßt da immer von Zeit zu Zeit
einen Tropfen des allerwohlriechendsten Saftes in den Trichter des weiblichen
Fadens träufen. Das ist die eigentliche Begattungsweise dieser Blume. Der
weibliche Faden saugt diesen Saft in sich und gebiert dadurch den überaus
kräftigen Samen dieser Pflanze – während der männliche Faden diesen
ätherischen Saft aus den Blütenblättern bekommt, wie diese denselben aus den
Stammblättern, deren schon erwähnt wurde. [Sa.01_007,11] Was die Farbe der Blüte
anbelangt, so ist das Blatt vollkommen weiß, mehr noch als eure Lilie. Die
Halsscheibe am Ende der Blumenblätter, entsprechend der flachen Hand am Arme,
sieht aus wie ein polierter, etwas geäderter Rubin. Die Strahlen aber sind
ganz wie durchsichtiges Gold. [Sa.01_007,12] Diese Blume oder
vielmehr Heilpflanze blüht und wächst zu allen Zeiten gleich fort, so daß daran
nie ein Mangel ist; während hie und da eine und die andere von den Bewohnern
weggenommen wird, wächst an ihrer Stelle alsbald wieder eine junge nach. In
voller Blüte verbreitet sie um sich herum einen solchen Wohlgeruch, daß ihr
euch davon auch nicht die allerleiseste Vorstellung machen könnt, da es auf eurer
Erde nichts ähnlich Wohlriechendes gibt, und es ist eure Rose ein barer
Modergestank dagegen. [Sa.01_007,13] Eine solche vollkommen
aufgeblühte Heilpflanze, wenn sie irgend auf der Erde nur einmal zum
Vorschein käme, wäre vermöge der Heftigkeit ihres außerordentlichen
Wohlgeruches imstande, ein ganzes Land, so groß wie eure Mark, mit dem angenehmsten
Duft zu sättigen; denn wäre es nicht so, wie könnte die aromatische Heilkraft
einer solchen Blume sogar in ferne Planetengebiete hinausreichen. Daß sich
dieses aber so verhält – darüber dürft ihr nur eine sehr nerven-reizbare,
seelenkranke Schläferin fragen, und sie wird es euch unverhohlen sagen, wenn
sie sich seelisch in die Wechselwirkung mit diesem Planeten setzt, daß sie
die gute Wirkung einer solchen Heilpflanze dieses fernen Planeten gar
wohltätig empfinde. [Sa.01_007,14] Von den Bewohnern
dieses Planeten wird diese Pflanze auf das sorgfältigste bewacht und weniger gesammelt;
denn sie finden ihre Stärkung hauptsächlich in der Luft, welche solche
Pflanzen umgibt. Nur wenn hie und da eine solche Pflanze schon sehr alt
geworden und dem Aussterben nahe ist, was sie daran erkennen, wenn die Haare
der Blätter anfangen weißlich zu werden, da geschieht es, daß sie dann den
Stamm sorgfältig absägen und an dieser Stelle alsbald wieder den Samen über
den Felsen ausstreuen. Der Same dieser Blume ist sehr klein und gleicht mehr
einem überaus wohlduftenden Staube als irgendeinem Samen. Dieser „Staub“ wird
von den Poren des Felsens eingesogen, und daraus kommt dann hie und da wieder
eine solche Pflanze zum Vorschein. [Sa.01_007,15] Nur eines ist hier noch
zu berühren, das ist, wie eine solche Pflanze auf blankem Steine wurzelt. –
Dieses geschieht so: Über den Felsen breitet die Pflanze ihre Wurzeln weit
und breit aus, nicht unähnlich eurer sogenannten Steinflechte. Von diesen
größeren, weitauslaufenden Flechtenwurzeln bohren sich allenthalben eine
zahllose Menge feinster Haarwurzeln in die Steinporen hinein und halten den
Stamm dieser Pflanze so fest an den blanken Stein angeklebt, daß keines
Menschen Kraft imstande wäre, einen solchen Stamm vom Felsen zu reißen. – Es
fragt sich nun, was saugen denn wohl diese Wurzeln aus dem trockenen, harten
Stein? – Die Antwort ist sehr leicht! Sie saugen daraus eine Art Steinöl. –
Wie aber entbinden sie dieses dem Stein? – Dies geschieht durch die ihnen
innewohnende Kraft, welche ein eigenes Schmelzfeuer ist und sich kundgibt in
kleinen, dem freien Auge unsichtbaren elektrischen Fünkchen. Diese haben
gerade so viel Kraft, um die anliegenden Atome des Steines in ätherisches Öl
aufzulösen, welches dann sogleich von den Wurzeln aufgesaugt und immer
geläuterter in den Stengel, in die Blätter und Blüte und endlich in den
ätherischen Samen geführt wird. [Sa.01_007,16] Da habt ihr nun alles
Wesentliche von dieser höchst merkwürdigen Heilpflanze dieses Weltkörpers! –
Erweckt auch hier ein wenig eure Phantasie, und ihr werdet diese Blume nach
dieser richtigen Darstellung wie mit eigenen Augen anschauen können und euch
so entzücken im Geiste an ihrer heilenden Kraft und Pracht. [Sa.01_007,17] Aber es ist das nicht
die einzige Heilpflanze, sondern es gibt deren noch eine große Menge
verschiedenartiger, die heilend und wohltuend nicht nur für diesen Planeten
wirken, sondern ihre Wirkung auch ätherisch in andere Planetengebiete
fortpflanzen. [Sa.01_007,18] Besonders bemerkenswert
wären die sogenannten Metallpflanzen, die dort mit dem Namen Kibri benannt
sind. Denn durch diese Pflanzengattung gelangen die Saturnbewohner ohne alle
weitere chemische Feuerschmelz- und Läuterungsverfahren zu den
allergediegensten Metallen, welche auf den verschiedenen Gebirgsgegenden in
den herrlichsten Pflanzenformen hervorkommen. Es gibt zwar wohl auch bei euch
hie und da ganz metallische oder wenigstens einiges Metall enthaltende
Pflanzen; aber nirgends doch dürftet ihr eine Pflanze antreffen, deren
Wurzeln, Stengel und Blätter vollkommen gediegenes Metall wären. Etwas
Ähnliches vermöget ihr künstlich zu bewirken, wenn ihr ein Stengelchen Zink
in aufgelöstes Blei hängt, wodurch sich dann in kurzer Zeit der sogenannte
Saturnbaum bildet, auch Bleibaum genannt. Was ihr jedoch hier nur mühsam
künstlich bewerkstelligen könnt, und das noch dazu in der größten einförmigen
Armseligkeit, das wirkt dort die schöpferische Naturkraft vielfach reich und
großartig, frei ohne das geringste Hinzutun menschlicher Wissenschaft – aus
welchem Grunde die alten Weisen diesen Planeten Saturnus nannten; denn Saturnus
besagt soviel, als einen „gesättigten“ Stern, da „Saturn“ fast in allen
Grundsprachen Sättigung bedeutet. [Sa.01_007,19] Seht, also gedeihen die
Dinge auf diesem Planeten, der in jeder Hinsicht ein reich gesegneter
Weltkörper ist. [Sa.01_007,20] Was nun ferner noch den
eurem Erdkörper entsprechenden Graswuchs betrifft, so ist dieser hier auch
natürlich viel üppiger und großartiger als auf eurem Planeten. Die Farbe des
Grases ist durchaus blau, und zwar mehr ins Violette übergehend. Die Samenstiele,
die oft bei zwei Klafter hoch sich über den Boden erheben, sind meistenteils
blendend weiß, hie und da wohl auch ins Grünliche übergehend. Und die
Samenähren auf den Halmen sind häufig dann von hellgrüner Farbe. Nach
Verschiedenheit der Grasarten gibt es auch eine außerordentliche
Verschiedenheit sowohl in der Ähren-Formierung wie in der Farbe und der
Gestalt ihrer Blätter. [Sa.01_007,21] Vorzüglich reichhaltig
sind die dortigen Triften an den mannigfaltigsten und prachtvollsten Blumen.
Denn auf einer nur eine Quadratmeile großen Wiese würde ein passionierter
Botaniker mit der Zählung der Arten kaum in fünfzig Jahren fertig werden. [Sa.01_007,22] Besonders merkwürdig
sind die dortigen sogenannten Briden. Das sind Wiesenblumengattungen, die in
einem Jahr ihre Blumengestalt bis zehnmal wechseln. Denn so oft der höchste
Mond des Saturn seinen Lauf vollendet hat und ebenso die anderen Monde zu
öfteren Malen, so oft auch wechseln solche Pflanzen ihre Gestalt und nehmen
erst dann wieder ihre frühere Form an, wenn all die Monde wieder in eine
schon früher einmal gehabte Stellung kommen, welches in einem Saturnjahr
ungefähr zehnmal geschieht; darum sie auch den schon ausgesprochenen Namen
haben, welcher soviel besagt wie Mondblumen. [Sa.01_007,23] Nach all den Grasarten
und Wiesenblumen-Gattungen sind auf dem Planeten noch bemerkenswert die
vielen Alpen-Moosgattungen, alldort Tirbi genannt. Denn diese vergolden im
buchstäblichen Sinne eine baumlose Gebirgshöhe so herrlich, daß eine solche
Gebirgshöhe beim Sonnenlicht kaum anzusehen ist. Dieses Moos wächst in
verschiedener Spielart außerordentlich dicht beieinander, etwa eine Elle hoch
über das steinige Gebirgserdreich, und sieht durchgehend wie ein mit allen
Farben vergoldeter Goldsandteppich aus, begleitet von den herrlichsten
Alpenwohlgerüchen. Der Alpenbesteiger findet sich daher dort immerwährend in
einer Wohlgeruchsluft, als so jemand von euch auf dem Libanon des
Morgenlandes in ein Wäldchen von lauter Balsambäumchen käme, wenn diese
gerade in der Blüte sind, bei welcher Gelegenheit dort auch jedem Sammler
dieser Blüten zu Mute wird, als befände er sich in den Vorhallen des Himmels. [Sa.01_007,24] Die Gebirge dieses
Planeten und ihre Höhe sind schon anfänglich erwähnt worden. Nur ist dabei
noch zu bemerken, daß dort selbst die höchsten Spitzen noch irgendeiner
Vegetation fähig sind, was bei eurer Erde vermöge des notwendig niederen Luftstandes
so gut wie unmöglich ist. Auch erheben sich die dortigen Gebirge nicht so
steil, sondern gleich regelmäßigen Pyramiden. Sie laufen auch nicht in so ununterbrochenen
Kettenreihen fort, sondern stehen über dem Flachland wie bei euch auf
irgendeiner gemähten Wiese die aufgeschichteten Heuhäuflein und werden immer
höher und höher gegen die Mitte des Landes zu, so daß, wenn jemand den schon
besprochenen höchsten Mittelberg des Landes ersteigt, er über alle anderen
Höhen bequem hinwegschauen kann. [Sa.01_007,25] Die hie und da
vorkommenden Felsen dieser Gebirge sehen nicht so zerrissen aus wie bei euch,
sondern steigen an einer oder der andern Seite des Berges wie
aneinandergereihte Zuckerhüte empor, von denen manche nicht selten eine Höhe
von dreißig- bis vierzig- und so weiter bis über hunderttausend Fuß
erreichen. Jedoch beschämt sie irgendein vollkommen ausgewachsener
Pyramiden-Baum, welcher nicht selten seinen Gipfel selbst über bedeutend hohe
Berge treibt. Ihr dürft nur die euch schon bekannte Angabe seiner Höhe mit
der von dem höchsten Berg in Vergleichung bringen, so werdet ihr es gar bald
einsehen, wie dieser Baum eher möchte ein wachsender Berg denn ein Baum
genannt werden. [Sa.01_007,26] Dieses Land gehört auch
zu den allergebirgigsten dieses Planeten. Dessenungeachtet ist es aber auch
gar wohl im Besitz von weitgedehnten Ebenen, welche nach allen Richtungen von
den schönsten, ruhig strömenden Flüssen durchkreuzt sind und hinausfließen in
das große Saturnmeer. [Sa.01_007,27] Wie diese Ströme
benützt werden und was an ihren Ufern noch für Gewächse vorkommen, wird euch
das nächste Mal mitgeteilt. Und darum für heute Amen. 8. Kapitel –
Die Schiffs-Pflanze „Chaiaba“. Deren Frucht – ein Schiff.
[Sa.01_008,01] Da wir uns schon über
die Pflanzen dieses Landes unterhalten und dessen mannigfaltige Baum- und
Gesträuchgewächse betrachtet haben, so wird es, bevor wir zu den Flüssen und
Seen übergehen, nötig sein, noch eine Uferpflanze kennenzulernen, welche
allenthalben an den Flüssen und Seen, wie bei euch ungefähr das Schilfrohr
und andere Wasserpflanzen, häufig vorkommt. Es ist das die sogenannte
Schiff-Pflanze, Chaiaba genannt. [Sa.01_008,02] Diese Pflanze gehört
dort zu dem Geschlecht der Windgewächse und somit auch zu dem Geschlecht der
Kürbisse – nur mit dem Unterschied, daß, so oft ihr über die Erdoberfläche
fortlaufender Stiel einen gliederartigen Abschnitt bildet, sich an einer
solchen Stelle eine Menge weißlicher Wurzeln in die Erde schieben und so
derselben neue Säfte und Kräfte entsaugen, um sich auf diese Weise desto lebenskräftiger
und desto weiter und weiter nach allen Richtungen, besonders längs der Ufer
über der Erde dieses Planeten auszubreiten. [Sa.01_008,03] Wie sieht dieses
Gewächs denn aus, was bringt es für Früchte und wozu werden dieselben
verwendet? – Dieses Gewächs macht, wenn es aus der Erde zum Vorschein kommt,
zuerst einen hochmächtigen Aufschuß, fast in der Art wie euer Schilfrohr, welches
ihr zum Bau eurer gemauerten Häuser und namentlich für die sogenannte
Stukkatur verwendet. Der Stamm wird nicht selten fünfzehn bis zwanzig Klafter
hoch, wächst ohne irgendein Blatt gleich einer grüngoldnen Stange in die
Höhe. Nur am Ende hat es anfänglich einen blauen Knopf, welcher nach und nach
in eine eigentümliche Art Blüte aufbricht, welche genau das Aussehen hat, als
wenn ihr auf einem runden Obesliken in einem Kreis zehn Kriegsfahnen von weißer
und hellroter Farbe ausstecken möchtet. [Sa.01_008,04] Diese Fahnen rollen
sich von zwei Klafter langen, weißlichgelben, geraden Stielen auseinander und
hängen dann in der Vollreife vier bis fünf Klafter von denselben flatternd
herab. Diese Blüte, von diesem langen Stiele ausgehend, ist so beschaffen,
daß sie an und für sich schon die eine Gattung Frucht dieser Pflanze
ausmacht, welche darum auch nicht leichtlich mehr verwelkt, sondern jahrelang
solid und beständig verbleibt. [Sa.01_008,05] Die Stange selbst oder
eigentlich vielmehr der Stamm, der an der Erde nicht selten einen Durchmesser
von ein, zwei bis drei Ellen hat, ist inwendig hohl, aber dessenungeachtet
von einer metallischen Festigkeit. Wenn diese Stange einmal zur halben Reife
gediehen ist, schießen alsbald an der Wurzel Auswüchse hervor, die sich
behende und üppig an der Erde fortzuschlängeln anfangen, und zwar ebenfalls
auch in einem nur etwas blasseren Goldgrün. Aus dem fortschlängelnden runden
Stamm schießen an jeder Gliederung an hohen Stielen große und breite Blätter
hervor. Der Stiel dieser Blätter ist grünlichblau, rund und hohl, in einer
Länge von nicht selten ein, zwei bis drei Klaftern. Das Blatt ist stumpf
eiförmig und hat der Länge nach eine Ausdehnung von fünf und der Breite nach
von drei Klaftern. Seine Farbe ist so rot wie eure schönsten Rosen; nur der
Rand des Blattes ist bei zwei Ellen breit so gefärbt wie bei euch ein
schöner, heller Regenbogen aussieht. Die Oberfläche dieses Blattes glänzt wie
spiegelblank poliertes Gold, und besonders erglänzen in majestätischer Pracht
dessen Ränder. Die untere Seite oder Unterfläche ist ganz dunkelblau und
behängt von spannenlangen, wie die schönste Seide aussehenden Härchen, welche
in der Farbe eurem allerreinsten Indigo gleichen, nur sind sie etwas heller
als diese Farbe bei euch. Der Stiel dieses Blattes sieht ebenfalls grüngolden
aus, d.h. so, wie wenn ihr poliertes Gold mit einer dünnen grünen Farbe
überziehen möchtet – und ist ganz glatt und hat an dem Stamm nicht selten
einen Durchmesser von ein bis zwei Ellen. Da aber, wo er aus dem Stamm hervorragt,
umgibt ihn eine Art Spitzenkrone, etwa auf die Art, wie ihr bei euch eine
sogenannte eiserne Krone formet; nur sind dieser auslaufenden Spitzen mehrere
und alle von vollkommener Runde und von blendend weißer Farbe. Ungefähr beim
dritten Absatz bricht dann auf einem langen und starken Stiel eine merkwürdige
Blüte hervor. Diese Blüte gleicht ganz einer großen Turmglocke bei euch, die
am breiten Rand einen Durchmesser von vier bis fünf Klaftern und zuunterst
(das ist an dem dünneren, geschlossenen Teil) etwa von ein bis eineinhalb
Klaftern hätte. [Sa.01_008,06] Diese Blume wächst so
vollkommen rund in allen ihren Teilen, wie wenn sie der beste Drechsler
gedrechselt hätte. Nur darin unterscheidet sie sich von einer Glocke, daß ihr
breiter Rand nach aufwärts von regelmäßig aneinandergereihten ellenlangen
Spitzen kammartig besetzt ist. Die Blüte ist von hellgelber Farbe, die
Spitzen aber sind hochrot. [Sa.01_008,07] Aus der Mitte dieses
Glockenkelches läuft eine blendendweiße Säule, zweimal so hoch wie die
Glockenblume samt den Spitzen, über den Rand hinaus. Diese Säule ist der
männliche Staubfaden, und die Spitzen am Rand sind eigentlich die weiblichen
Fäden an dieser Blume. Wenn der männliche Staubfaden seine vollkommene
Ausbildung erreicht hat, fängt er an, leuchtende Sternchen auszustreuen,
welche dann von diesen Randspitzen gleich elektrischen Funken angezogen
werden. Und dieser Akt ist die eigentliche Befruchtung dieses Gewächses. [Sa.01_008,08] Wenn nun die
Befruchtung hinreichend vor sich gegangen ist, welkt diese massive Blume und
fällt ohne Veränderung der Form von dem Blütenstiele herab und wird dann auch
häufig gesammelt; denn da sie eine Polsterweiche besitzt, wird sie zu allerlei
Sitz- und Liegeeinrichtungen benützt. Die Spitzen aber werden ihr abgelöst
und ihrer Festigkeit wegen als Nägel benützt. [Sa.01_008,09] Was kommt denn da wohl
für eine Frucht zum Vorschein? – Ich sage euch, die merkwürdigste von der
Welt. Denn so albern es euch auch immer dünken möchte, so ist es aber doch
so, daß diese Pflanze am Ende ein förmliches Schiff zum Vorschein bringt.
Doch müßt ihr es euch nicht so denken wie etwa eure Schiffe, welche
untergehen können mit Mann und Ware. Bei diesen gewachsenen Schiffen ist dies
eine reine Unmöglichkeit, was ihr bald ersehen werdet, so euch die
Beschaffenheit der Frucht näher dargetan wird. – Nach dem Abfall der Blüte,
welche so wie bei euren Kürbissen eigentlich schon über der ersichtlichen
Frucht steht, fängt die Frucht an, sich sehr schnell und großartig zu
entwickeln, und zwar so, als wenn ihr euch ein großes Ei aus feinerem Blech machen
ließet und es dann von obenher eindrückt, nicht aber etwa einen Pol in den
andern, sondern einen Gürtel in den andern – jedoch so, daß die eingedrückte
Wand die untere nicht berührt, sondern zwischen beiden noch ein
verhältnismäßig leerer Raum bleibt. [Sa.01_008,10] Nun übertraget diese
Form auf unsere Frucht, welche eben auch in dieser eingedrückten Eiform
fortwächst und bei voller Reife nicht selten eine Länge von dreißig bis
vierzig Klaftern und eine Breite von fünfzehn bis zwanzig Klaftern erreicht.
Der Raum zwischen der eingedrückten oberen und unteren Wand beträgt
gewöhnlich ein, zwei bis zweieinhalb Klafter. Wenn die Frucht vollkommen reif
geworden ist, haben diese Wände jede für sich einen Durchmesser von zwei bis
drei Ellen und eine mehr denn metallische Festigkeit. In der Reife lösen sie
sich dann vom Stiele los, in welchem der eigentliche Same dieser Frucht
kreisförmig steckt. In der Frucht selbst ist gar nichts darin als eine sehr
feine Luftgattung, darum ist eine solche große Frucht auch so leicht zu
heben, daß dieselbe ein Kind mit geringer Mühe von der Stelle zu schaffen
vermag. Der Rand dieser Frucht ist mit einem eigens gearbeiteten Gesimse
umgeben, welches sich nicht selten bis zwei Klafter über die eigentliche
Frucht hin ausbreitet und ungefähr das Aussehen hat wie bei euch die Flossen
eines Fisches; nur ist es auf allen Seiten gleich strahlenförmig und
elastisch fest, so daß da niemand leichtlich vom selben etwas abzubrechen
vermag. [Sa.01_008,11] Nun seht, diese Frucht,
wie sie ist, wird dann ins Wasser gesetzt und als nicht leicht zerstörbares
Schiff verwendet. Damit die Saturnbewohner dieses Schiff aber nach Belieben
auf der Oberfläche der Gewässer nach allen Richtungen lenken können, benützen
sie dazu die schon vorerwähnte Mittelstange, vermöge welcher sie das Schiff
so lenken wie ungefähr ihr eure Flußkähne. Nur hat diese Stange den Vorteil,
daß sie sehr leicht ist, und weil sie hohl ist, ist es gar nicht nötig, mit
derselben auf den Boden zu stoßen, sondern das Wasser wird selbst zum
gegenwirkenden Grund, denn der kubische Wasserinhalt wird bald schwerer als
der hohle Raum der Stange. Und so widersteht das Wasser selbst dem Stoße mit
einer solchen Stange. – Von dieser werden zuvor die schon erwähnten Fähnlein
abgesägt, welche die Bewohner dann auf eine zierliche Weise um den Rand
dieser Naturschiffe anzubringen wissen. [Sa.01_008,12] Eine andere Art der
Fortbewegung besteht darin: Die Saturnbewohner nehmen die schon früher
erwähnten schönen Blätter dieser Pflanze und bilden daraus Segel, bei welcher
Gelegenheit sie nichts anderes zu tun haben, als daß sie ein solches Blatt
samt dem Stiel und der unten befindlichen Spitzkrone absägen und es mit einem
klebrigen Saft einer anderen Pflanze zwischen den aufgestellten Fähnlein am
Rand des Schiffes so fest ankleben, daß selbst ein Orkan eures Planeten
dasselbe nicht abzubrechen imstande wäre. Auf diese Weise ist das Schiff
fertig und imstande zehn, im höchsten Notfalle bis zwanzig Saturnmenschen zu
tragen. [Sa.01_008,13] Allein die
Saturnmenschen verbinden künstlichermaßen auch mehrere solche Schiffe miteinander
und machen dann ein großes, zusammengesetztes Schiff daraus, im Vergleich zu
dem eure Linienschiffe ein reines Kinderspielzeug wären; denn auf breiteren
Strömen, Seen und Meeren werden nicht selten tausende von solchen Schiffen
miteinander verbunden. Über diesen Schiffen werden dann leichte, wahrhaft
wunderbar schöne Gebäude errichtet, so daß ein solches schwimmendes Schiff
eher einer bedeutenden Stadt gleichsieht als einem eigentlichen Schiff. [Sa.01_008,14] Nun habt ihr alles von
dieser merkwürdigen Frucht! – Erwecket auch hier ein wenig Phantasie und ihr werdet
dabei sicher auf das angenehmste überrascht werden. Das einzige ist noch beizufügen,
nämlich die Farbe dieser Frucht. Diese allein ist das Unansehnlichste; denn
diese Frucht sieht geschuppt aus wie die Haut eines Hechtfisches und ist auch
von gleicher Farbe. – Und somit für heute Amen. 9. Kapitel –
Noch einiges von der Schiff-Pflanze. Die Ströme des Saturn und deren
gleichmäßiger Fall. Vom Kugelschalenbau des Saturn und aller andern
Weltkörper. Formenreichtum der Schöpfung. Die vier Hauptströme des Saturn.
[Sa.01_009,01] Da wir nun letztens die
merkwürdige Schiff-Pflanze dieses Planeten kennengelernt haben, bleibt uns
nachträglich nur noch das Wenige zu erwähnen übrig, wie häufig sie vorkommt
und wieviel solcher (Schiff-) Früchte eine solche Pflanze zum Vorschein
bringt. [Sa.01_009,02] Diese Pflanze kommt an
den Flüssen, Seen und hauptsächlich an den weitgedehnten Ufern des Meeres
außerordentlich häufig vor. Und eine solche Pflanze bringt in einem
Saturnjahr zweimal Frucht, und das eine jede für sich bei vier- bis
fünfhundert Stück an der Zahl. Aber niemand hat auf diesem Planeten oder
vielmehr in diesem Land ein verwaltendes Eigentumsrecht auf sie, sondern hier
heißt es, wie bei euch ein alter Rechtsspruch lautet: Primo occupanti jus!
Wer also eine solche Pflanze oder mehrere benötigt, geht hin und erntet. Und
soviel er geerntet hat, ist sein Eigentum. Niemand macht ihm dasselbe streitig,
und zwar aus dem höchst moralischen Grunde, weil sich dort jeder für den
Geringsten und Kleinsten hält, was noch ferner bei der Darstellung der Menschen
näher auseinandergesetzt wird. [Sa.01_009,03] Und so wollen wir nun
einen Blick auf die Gewässer dieses Planeten und besonders dieses Landes
werfen. [Sa.01_009,04] Es gibt in diesem Land
einige tausend sehr große und breite Ströme, welche fast ohne Ausnahme in der
Mitte des Landes von dem schon besprochenen höchsten Berg ihren
gemeinschaftlichen Ursprung nehmen. Um solche Möglichkeit aber einzusehen,
müßt ihr euch den Fuß dieses Berges nicht etwa so klein denken wie den eines
Berges auf eurer Erde; sondern der Fuß dieses Berges bedeckt nach allen
Richtungen beinahe einen größeren Fleck als euer ganzes Europa. Nun möget ihr
allenfalls wohl begreifen, wieviel Quellen ein Riese von einem solchen Berge
in sich fassen möchte. [Sa.01_009,05] Da dieser Berg bei
aller seiner Höhe und Ausdehnung beinahe einen vollkommenen Kegel bildet, der
nur von den euch schon bekanntgegebenen hie und da hervorragenden Felsen und
auch von manchen durch die reichlichen Quellen gebildeten Gräben verändert
wird, so ist es wohl begreiflich, daß von einem solchen Berg die
entspringenden Quellen nach allen möglichen Richtungen ihren Lauf nehmen, und
wenn sie die Tiefe erreicht haben und von den zuströmenden bedeutenden
Quellen anderer Berge vergrößert werden, dann ruhig dem Weltmeere zuströmen.
Der Unterschied zwischen den Flüssen der Erde und denen dieses Planeten
besteht darin, daß sie alle einen gleich schnellen Fluß oder eigentlich Fall
haben, weil es dort nirgends ein sogenanntes Hochland gibt; sondern nur
Berge, mehr oder weniger breite Täler und auch weitgedehnte Ebenen, welche
alle ohne Ausnahme über den Meeresspiegel fast ganz gleich hoch erhoben sind.
Und da die Steigung der Länder vom Meer angefangen bis zum Mittelberg hin
überall gleich nur tausend Klafter ausmacht, so müssen vermöge dieser sanften
Erhebung auch alle Flüsse einen gleich schnellen Fall haben. [Sa.01_009,06] Von all den vielen
Flüssen und Strömen will Ich euch bloß auf vier aufmerksam machen, weil diese
die größten von allen sind und ihren Lauf bis zum Meere hin so gerade
fortführen, wie wenn ihnen das Bett nach der Schnur gezogen worden wäre. [Sa.01_009,07] Da, wo sie entspringen,
sind sie schon breiter denn eure Donau, wo diese ins Meer mündet. Und dem
entsprechend nehmen sie an Breite ebenso beständig zu. Wenn sie dann zum Meer
gelangen, ist ein jeder dieser Flüsse etwa zweihundert eurer Meilen breit.
Nur darin unterscheiden sie sich von euren Flüssen und Strömen, daß ihr Bett
durchaus eine gleiche Tiefe hat; darum ein solcher Strom nirgends tiefer oder
auch seichter ist als gleich in seinem ersten Anfang, das heißt da, wo er den
Fuß des Berges verläßt. Denn wenn er hernach auch mehrere andere Quellen
aufnimmt, so wird er dafür nur breiter, aber nie tiefer. [Sa.01_009,08] Ihr denket euch jetzt
freilich, wie ist das wohl möglich? – Und Ich sage, es gibt keine leichtere
Möglichkeit als diese. Denn wenn die Unterlage ein überall durchaus gleich
fortlaufender, unversehrter Steinboden ist, über welchem eine gleich hohe Erdschicht
gelagert ist, welche das Wasser nach und nach hinwegräumt, wie soll denn bei
solchen gleichartigen Verhältnissen irgendeine Ungleichheit in der Tiefe des
Strombettes entstehen? [Sa.01_009,09] Damit ihr dieses euch
jetzt noch unverständliche Verhältnis (betreffend die gleiche Tiefe der
Flüsse) desto aufmerksamer beachtet und gründlicher versteht, ist es nötig,
euch eine kurze Erwähnung von dem zu machen, daß dieser Planet bei der allgemeinen
euch bekanntgegebenen Weltenzerstörung, welche ihr bei dem Falle Adams kennengelernt
habt, insoweit, d.h. hinsichtlich dessen, was von ihm noch übrig ist, in
seiner Urbeschaffenheit unversehrt geblieben ist – nur daß er vor dieser Zeit
um vieles größer war. [Sa.01_009,10] Wie groß er aber war,
zeigt noch sein gegenwärtiger Ring. Denn des äußeren Ringes Oberfläche war
zuvor die Oberfläche dieses Planeten. Allein in jener Zeit ist er gewisserart
links und rechts (oder südlich und nördlich) so abgeschnitten worden, daß
durch solche Abschneidung die nördliche und südliche Kappe gleich zwei großen
Hohlschalen in den unermeßlichen Weltenraum hinausgeschleudert worden sind,
weil auf diesen beiden Teilen die arge Schlange eine reichliche böse Brut
ausgesetzt hatte. Nur der heiße Mittelstrich war noch rein geblieben, darum
er auch erhalten wurde zu einem immerwährenden Denkzeichen, daß der große
Weltenbaumeister einen Weltkörper auch erhalten kann, wenn derselbe nicht
mehr in seiner ersten planetarischen Vollkommenheit dasteht. [Sa.01_009,11] Ihr möchtet nun wohl
wissen, woher der gegenwärtige, viel kleinere Erdkörper innerhalb des Ringes
entstanden ist? – Und Ich sage euch, machet eure Augen und Ohren weit auf,
und ihr werdet dadurch einen starken Blick nicht allein auf den eben zu
besprechenden Planeten, sondern auf alle Weltkörper werfen können. Dieser
gegenwärtige Erdkörper im Ring war schon vor der Abkappung vorhanden, wie es
auch bei eurer Erde, wenn diese so abgekappt werden möchte, ein und derselbe
Fall wäre. Denn auch in eurer Erde steckt noch eine kleinere, und in dieser
kleinen wieder eine noch kleinere, welche miteinander nur durch Luft, Wasser
oder Feuer in Verbindung stehen. Dieser Planet Saturn ist eigentlich schon
die dritte Kugel, weil der Ring schon zwei (Kugeln) darstellt, da er in zwei
sich nicht berührende Teile vollkommen gespalten ist. [Sa.01_009,12] Und so habt ihr bei dem
Saturn also gewisserart die Gelegenheit, einen Weltkörper anzuschauen,
beinahe wie einen Apfel, den ihr in der Mitte auseinandergeschnitten hättet.
Die daselbst ersichtlichen Teile zeigen euch die innere, mechanische Konstruktion
eines Weltkörpers. Nur was den gegenwärtigen Planeten selbst anlangt, so ist
dieser freilich nicht sichtbar bis in sein Zentrum. Aber es bleibt immer ein
und dasselbe Verhältnis. Denn auch dieser sichtbare Planet ist seinem Inwendigen
nach ferner so gebildet, und zwar in denselben Verhältnissen, wie sie ersichtlich
sind von der Oberfläche des äußersten Ringes bis zum gegenwärtig
ersichtlichen Planeten selbst. So derselbe wieder abgekappt würde, käme auf
diese Art wieder ein noch kleinerer Ring unter dem größeren zum Vorschein,
innerhalb dessen sich dann wieder ein vollkommen runder Erdkörper also frei
schwebend befinden würde wie der jetzige im großen Ring. [Sa.01_009,13] Wenn ihr ein wenig nur
eure Verstandes- und Gefühlskräfte erhöht, wird euch solches mehr und mehr
einleuchtend werden. Zugleich aber werdet ihr daraus auch erkennen, wie
leicht es Meiner Macht ist, einen solchen Weltkörper, wenn es nötig ist, entweder
zu verkleinern oder auch zu vergrößern. [Sa.01_009,14] Könntet ihr all die
Weltkörper in dem unendlichen Schöpfungsraume besehen, wahrlich ihr würdet da
auf Formen gelangen, welche euer Geist im vollsten Licht aufzufassen nicht
fähig wäre. Denn wenn schon ihr Menschen mit euren beschränkten Geisteskräften
euren mühsamen Schöpfungen eine bedeutende Mannigfaltigkeit zu geben
vermöget, so werde solches wohl Ich in Meinen großen Schöpfungsräumen auch zu
tun imstande sein. Und Meine große Phantasie wird doch in dieser Hinsicht
wohl sicherlich nicht, wie einige Gelehrte bei euch meinen, vonnöten haben,
zu euch in die Schule zu gehen und etwa gar einen sogenannten ästhetischen
Lehrkursus mitzumachen für notwendig finden. [Sa.01_009,15] Wie phantasiereich aber
euer Schöpfer ist – dafür mögen euch schon all die Pflanzen, Tiere und
Mineralien auf eurer Erde den freilich nur allerkleinsten, geringfügigsten
und magersten Beweis liefern. Auf unserem Saturn werdet ihr schon etwas
Mannigfaltigeres entdecken, und Ich sage, bei weitem mehr noch in einer
Sonne! Denn sind euch die Dinge im Saturn schon überaus wunderbar, was werdet
ihr erst sagen und was für Augen machen, so Ich euch einmal einen Blick in
die Sonne zu machen gestatten möchte! Jedoch jetzt sind wir noch auf dem
Saturn, und da ist noch sehr viel zu schauen. [Sa.01_009,16] Denn wohlgemerkt, wir
haben beim Saturn bei Nummer eins angefangen, und ihr wißt, daß Ich immer
wieder den besseren Wein zuletzt auftische; nicht wie die schlechten Wirte
bei euch, die mit dem ersten Glas die Phantasie der durstigen Gäste berauschen
und ihnen dann zuletzt, statt eines besseren Weines, stark gewässerten Essig
auftischen. Daher begreifet wohl, was das von Mir aus bedeuten will, so Ich
sage: Wir haben da bei Nummer eins angefangen! – So wir mit unserem
Weltkörper fertig sein werden, wird es in eurer Phantasie und besseren
Vorstellung sich wohl zeigen müssen, ob sie noch eines höheren Schwunges
fähig ist. Denn bei Mir nimmt das Höhere und immer Höhere bis ins Unendliche
kein Ende. Und es gibt da nirgends eine dritte Vergleichungsstufe, sondern überall
nur die zweite; das heißt, es steht immer eines über dem andern und ist das
eine herrlicher als das andere. – Und nirgends gibt es ein Allerherrlichstes,
welches nimmerdar übertroffen werden könnte von etwas noch Herrlicherem; denn
das unerreichbar Allerhöchste bin nur Ich selbst. Wenn ihr aber schon so
manche Herrlichkeiten der Weltkörper werdet betrachtet haben, dann erst wird
euch ein allerschwächster Blick in den Himmel gegönnt werden. Und dieser
Blick wird trotz seiner Schnelle die Herrlichkeiten, die euch auf den
Erdkörpern gezeigt wurden, gänzlich vergessen machen. Denn wenn Meine Werke
schon von unendlicher Erhabenheit sind in der toten, fixierten Materie, wie
werden sie erst sein im Geiste, da alles Licht und Leben ist! [Sa.01_009,17] Jedoch für jetzt kehren
wir wieder zu unserem Weltkörper zurück und messen dort die Tiefe der Flüsse
und Seen und auch die Tiefe der Meere. Und wir werden mit einer und derselben
Meßschnur, welche eine Länge von fünfhundert eurer Klafter hat, überall zur
Genüge auskommen. – Denn sehet, das Meer ist dort beinahe überall bei
fünfhundert Klafter tief, nur wird es regelmäßig gegen das Land zu etwas
seichter und seichter. Was aber die Flüsse betrifft, so ist ihr Mittelbett
überall gleich zehn Klafter tief und wird natürlichermaßen gegen das Land zu
seichter. Nur an den Mündungen fallen die Bette nach und nach so, daß sie
sich allmählich mit dem allgemeinen Bett des Meeres ausgleichen. [Sa.01_009,18] Zufolge der
Gleichförmigkeit und Tiefe der Bette der Flüsse und Ströme geschieht es dann
auch, daß ein jeder Fluß und Strom beinahe eine ganz glatte Spiegelfläche dem
erstaunten Auge darbietet, auf welcher sich die benachbarten Gegenden, wie
bei euch in einem sehr ruhigen See, auf das Herrlichste abspiegeln, was
besonders zur Nachtzeit einen überaus prachtvollen Anblick gewährt, wenn all
die nächtlichen Lichter aus solchen Flüssen einen beinahe ungeschwächten
Schein widerspiegeln. [Sa.01_009,19] Was die vier genannten
Hauptströme noch ferner betrifft, so teilen sie dieses große Land von dem
Mittelberge aus in vier Teile, so daß, wenn jemand sich auf der Spitze dieses
Berges befindet, er nach dem Lauf dieser vier Hauptströme auch zugleich die
Enden dieses großen Landes erschauen kann. Freilich, ihr mit euren Augen
würdet solches nicht vermögen. Aber die Saturnmenschen können solches gar
wohl, da ihr Auge an und für sich schon besser sieht, als ihr durch eure
allerbesten Fernrohre. – Dies ist bei ihnen auch notwendig, denn so da jemand
seinen Grund übersehen will, bedarf er tüchtiger Augen, welche ungefähr
imstande wären, von einem hohen Berg auf eurer Erde bei allerreinster Luft
euer ganzes Land mit Leichtigkeit zu überschauen. Diese Saturn-Menschen haben
ihre größte Sinnen-Stärke im Auge, ungefähr in dem Verhältnis, wie sie bei euch
ein Adler hat, welcher auch von der bedeutendsten Höhe noch jedes Kleintier
mit Leichtigkeit erschauen kann. [Sa.01_009,20] Was die fernere
Beschaffenheit dieser Flüsse und Seen wie auch der Meere anbelangt, für ein
nächstes Mal! Und somit für heute Amen. 10. Kapitel –
Der Morgenstrom und seine Anwohner. Baumwohnungen der Saturnmenschen. Deren
naturbeherrschende Willenskraft und ihr Verkehr mit der geistigen Welt.
Unnütze Mission von Erdengeistern auf dem Saturn.
[Sa.01_010,01] Der eine der vier
Hauptströme, der seine Fallrichtung genau gegen den Morgen hat, ist der
breiteste und am meisten bevölkerte. Ihr müßt aber hier nicht etwa denken,
daß an dessen Ufern so wie an euren Flüssen, Städte und Festungen erbaut
sind; denn auf dem ganzen Planeten ist dergleichen nirgends anzutreffen. [Sa.01_010,02] Die vorzüglichste
Behausung der Saturnbewohner besteht in dem euch schon bekannten Baum, unter
dessen vielen Ästen und Stämmen eine ganze Familie wohnt. Es leben aber die
Bewohner ebenfalls geteilt, fast so wie bei euch, da ein Teil in den Ebenen
und vorzugsweise an den Ufern der Ströme wohnt; ein anderer Teil aber wieder
nur die Gebirge bewohnt. – So sind auch die Ufer dieses Morgenstromes links
und rechts ganz besonders häufig mit solchen Bäumen besetzt, unter denen die
Familien ihre bleibende Wohnung haben. Ich sage darum „ihre bleibende
Wohnung“, weil ein solcher Baum dort nicht so schnell ausstirbt, sondern fort
und fort wächst und sich vergrößert, so daß unter manchem dieser Bäume eine
Familie lebt, welche durch sich verzweigende Verwandtschaften nicht selten
zehn- bis zwanzigtausend Köpfe stark ist. [Sa.01_010,03] Die Flüsse, besonders
aber dieser Morgenfluß, erfüllen dortigen Bewohnern ein vielfaches Bedürfnis,
und zwar nach folgender Stufenordnung: Fürs erste sind Saturnbewohner große
Freunde vom Waschen. Nicht selten wäscht sich einer am Tage sieben Mal. –
Fürs zweite dient ihnen das Schwimmen zu einer besonders stärkenden
Belustigung; denn sie sind in diesem Fach allesamt große Künstler auf dem Wasser,
indem sie auf der Oberfläche nicht nur umherschwimmen, sondern gar leicht
auch umhergehen können. Darum sind sie auch imstande, alle andern
Schwimmkünste auszuführen – z.B. daß sie sich auf der Oberfläche des Wassers
ganz flach hinlegen, auf der Oberfläche sitzen oder sich auch nach Belieben
darauf herumdrehen können. [Sa.01_010,04] Wollen sie
untertauchen, so können sie solches auch; aber es geht ihnen nicht viel
leichter als den Gänsen bei euch, weil sie im Verhältnis zu dem Saturnwasser
um vierzig Prozent leichter sind als ihr im Verhältnis zu euren Gewässern.
Dieses Verhältnis könnt ihr schon daraus ersehen, daß, wie schon einmal
bemerkt wurde, sich diese Saturnbewohner auch mit Leichtigkeit in der Luft
frei erhalten können, besonders die jungen. Aber selbst die Alten können von
der größten Höhe ohne Beschädigung ihres Leibes herabspringen; doch tun sie
dieses nicht allzu gerne, weil sie nach solchen Luftpartien gewöhnlich von
einem unbehaglichen Schwindel ergriffen werden. [Sa.01_010,05] Fürs dritte wohnen die
Saturnmenschen auch darum gerne bei den Wassern, weil dieselben, wie schon
gesagt wurde, einen besonders herrlichen Lichtschimmer zur Nachtzeit von sich
geben. Und fürs vierte atmen die dortigen Flüsse eine besonders angenehm
kühlende Luft aus, wovon die Saturnbewohner außerordentlich große Freunde
sind. Und fürs fünfte wohnen sie wegen ihrer Haustiere, die wir erst später
kennenlernen werden, an den Ufern der Ströme, damit dieselben leichter
getränkt werden können. Auf den Bergen können die größeren Haustiere oft kaum
gehalten werden wegen Mangel an ausreichendem Wasser, da die Quellen solcher
Flüsse sich mehr in den unteren Teilen der Berge befinden und die höheren
sich dann begnügen müssen mit dem Regenbaum und jener euch schon bekannten
bewässernden Frucht. Das größte Haustier aber braucht oft an einem Tag, nach
eurem Maß gerechnet, nicht selten bei tausend Startinen Wasser zu seiner
Durstlöschung, was euch etwas rätselhaft klingen dürfte. Allein diese Hauskuh
übertrifft eure Elefanten so sehr an Größe, daß diese auf ihrem Rücken gar
leicht als Schmarotzertierchen herumsteigen könnten. Wegen der außerordentlichen
Nützlichkeit dieses Tieres aber bewohnen die Saturnmenschen gerne die Ufer
der Ströme, Flüsse und Seen, damit dieses nützliche Haustier keinen Schaden
leidet; denn es hat das Eigentümliche, daß es fünfmal mehr trinkt als es
frißt; was alles später, wenn wir erst eigentlich zu den Tieren kommen
werden, genau erörtert wird. [Sa.01_010,06] Obschon diese Menschen hier
keine Städte und ebenso keine Häuser bauen, so wissen sie doch ihren euch
schon bekannten Wandbaum so zierlich und kunstvoll anzubauen, daß, so ihr
einen solchen Wohnort ansehen möchtet, er euch unaussprechlich schöner
vorkäme als die größte Stadt bei euch, da ihr meinen würdet, diese Bewohner
führen ihre Mauern von blankem, poliertem Gold auf. [Sa.01_010,07] Und fürs sechste wohnen
die Saturnmenschen noch ihrer überaus beliebten Schiffahrt wegen gerne an den
Ufern der Ströme; denn sie betreiben ihre Schiffahrt nicht so sehr des
Eigennutzes, sondern vielmehr des Vergnügens und der Gesundheit wegen. Auch
wenn einige unter ihnen andere benachbarte, weitliegende Inseln und Länder
besuchen wollen, brauchen sie natürlicherweise ihre überaus beliebte Schiffahrt. [Sa.01_010,08] Ihr werdet euch fragen,
wozu denn den Saturnbewohnern die Schiffahrt dient, so sie ohnehin auf der
Oberfläche des Wassers einhergehen können? Da ist eine lösende Antwort nicht
schwer. Die Saturnmenschen können wohl unbelastet auf der Oberfläche des
Wassers gehen; aber so sie nur etwas belastet sind, sinken sie alsbald unter,
da das Tragverhältnis des Wassers zum Menschen gewissermaßen auf ein Haar
berechnet ist. Und wenn sie auch auf dem Wasser wandeln können, so ist
solches Wandeln doch nur ein sehr langsames und eigentlich auch behutsames
und ist mit bedeutender Übung verbunden, viel mehr noch als bei euch der
Kunstlauf auf dem Eise. Dagegen können die Saturnbewohner auf ihren vereinigten
Schiffen ungemein schnell über die Oberfläche des Wassers gleiten, so daß sie
in einer eurer Stunden gar leicht einen Weg von dreißig bis fünfzig Meilen zurücklegen.
Und doch haben sie nirgends einen Dampfkessel, keine Schaufel und auch kein
Schaufelrad zur Hand, sondern die bewegende Kraft liegt allein in ihrem
festen Willen und unerschütterlichen Glauben, aus welcher Ursache sie denn
auch die Ränder ihrer Schiffe mit den schon bekannten Pflanzenspitzen
belegen, welche durch ihren Willen gleichsam magnetisiert werden und
demzufolge auch in jener Richtung das Fahrzeug hinziehen, wohin der Wille der
Schiffahrer den zum Ziel gesteckten Willenspol gesetzt hat. [Sa.01_010,09] Seht, eine solche
Triebkraft ist unfehlbar besser als die eurer schauerlichen Dampfapparate,
durch welche allzeit das natürliche Leben des Menschen in einer
immerwährenden Gefahr steht; und würde Ich durch schützende Engel nicht Sorge
tragen, fürwahr es würden durch die aufgelösten Wasserdämpfe der Unglücke
noch mehr geschehen als bis jetzt. Denn es ist nichts törichter, als daß die
Menschen sich der Naturkräfte bedienen, die sie nicht im geringsten kennen.
Denn da ist nicht genug, lediglich durch Erfahrung zu wissen, daß die
aufgelösten Wasserdämpfe eine große Druckkraft besitzen, sondern man muß auch
wissen, was hinter den aufgelösten Wasserdämpfen steckt und was eigentlich
diese große Druckkraft bewirkt. [Sa.01_010,10] Tote Kräfte sind keine
Kräfte; Kräfte aber, die wirken, sind entbunden lebendig. Wer aber weiß es,
wieviel Kraft die entbundenen Geister in den Wasserdämpfen besitzen? Fürwahr,
wenn sie von den besagten Engeln nicht möchten im Zaume gehalten werden, da
würden sich die sich viel einbildenden Dampfmaschinisten gar bald überzeugen,
auf was für hohlem Grund alle ihre Berechnung ruht. Denn entbundene Geister
von auch nur einer Maß Wasser könnten im ungezügelten Zustand in einem
Augenblick ganze Gebirgsketten in Staub und Asche verwandeln; woraus ihr gar
leicht ersehen könnt, wie viel himmlischen Schutzes es da immerwährend
vonnöten hat, daß die Menschen bei ihren törichten Unternehmungen nicht
allzumal verunglückend zugrunde gehen. [Sa.01_010,11] Von solchen Narrheiten
wissen die Saturnbewohner nichts und sind dessenungeachtet ums
Unvergleichliche weiser als alle die übergelehrten Dampfbrüder und
Meeresbezwinger auf eurem Erdkörper. Sie haben neben den vielen Vorteilen
auch noch diesen unschätzbaren, daß sie zu öfteren Malen in ihrem Leben mit
Mir persönlichen Umgang pflegen können, und so auch mit den Engeln des
Himmels, wodurch sie in ihrer Weisheit und Erkenntnissphäre auch nur in einer
kurzen Unterredung mehr gewinnen, als ihr durch all das oft mehr als
überdumme Gelehrtengeschwätz. [Sa.01_010,12] Bei dieser Gelegenheit
erwähne Ich euch auch im Vorübergehen, daß nicht selten Geister von eurer
Erde zu den Bewohnern des Saturns kommen, was ihnen auch allezeit gestattet
wird, besonders wenn es sie danach gelüstet. Da geschieht dann, daß die
Saturnmenschen diese gelehrt sein wollenden Geister gar weidlich auslachen
und ihnen ihren außerordentlich schlechten Glauben vorhalten, vermöge welchem
sie nicht einmal wissen, daß der Herr als Schöpfer des Himmels und aller
Weltkörper vollkommen ein Mensch ist. Denn solches wissen wohl die wenigsten
Menschen und auch die wenigsten Christen auf der Erde und machen sich von Mir
die allerlächerlichsten und unsinnigsten Vorstellungen, weshalb Ich bei
einigen sogar allerlei Gestalten annehmen muß. [Sa.01_010,13] Bei den einen muß Ich
angetan sein wie ein Hierarch, bei andern wieder fast nackt auf einer Wolke
sitzend und das Kreuz in der Hand haltend, gewöhnlich zur rechten Hand des
Hierarchen. Wieder andere stellen Mich in der Gestalt einer fliegenden Taube
dar, wobei Ich dann immer über den zwei untern Personen, nämlich über dem
Hierarchen und über dem nackten, kreuztragenden Christus schweben muß. – Wieder
andere versetzen Mich in alle drei zugleich, wodurch Ich dann zu einem
mathematischen Unsinn werde, da Ich in drei Personen dargestellt werde, von
denen nur zwei mit einer menschlichen Gestalt begabt sind, die dritte nur mit
einer tierischen; und wieder müssen diese drei ungleichartigen Personen nur
eine einzige göttliche darstellen, bestehend aus einem Hierarchen, einem
nackten Christus und einer Taube. [Sa.01_010,14] Auf dem ganzen Saturn
dagegen existiert nicht ein Mensch, der von Mir irgendeine andere Vorstellung
hätte als die, daß Ich ganz vollkommen ein Mensch bin, wie ein anderer
Mensch, nur mit dem Unterschied, daß Ich der allervollkommenste Mensch bin,
das heißt, ein Mensch, in dem die Fülle der Gottheit wohnt leibhaftig (oder
körperlich). Doch, so ihr solches nicht verstehen möchtet, wendet euch nur
zur Materie, die wird es euch sagen, woher sie ist und was sie ist, und hat
es euch schon gesagt. Daher wird euch nicht so schwer werden zu verstehen, zu
erfassen, was es heißt, daß in Mir, als in dem vollkommensten Menschen,
wohnet die Fülle der Gottheit leibhaftig (oder körperlich). [Sa.01_010,15] Seht, wenn dann die
Bewohner des Saturn manchen aufgeblasenen Geistern von dieser Erde mit so
etwas kommen, werden diese ganz ärgerlich und zornig und wollen sich rächend
über die Saturnbewohner herstürzen und ihnen mit Gewalt einen andern Glauben
beibringen. Allein die Bewohner des Saturn bezeigen sich dann alsbald so
überaus demütig, dabei aber doch überaus fest in ihrem Glauben, daß darüber
den Geistern von dieser Erde vermöge ihres Hochmutes ganz elend zumute wird,
daß sie es nicht mehr aushalten können in der Sphäre der Saturnbewohner und
sich bald freiwillig entfernen. [Sa.01_010,16] Solche Szenen auf
diesem Weltkörper werde Ich euch erst dann recht anschaulich vorführen, wenn
wir die Schnee- und Eisregionen desselben bereisen werden, wo sich die
Geister der verstorbenen Saturnmenschen hauptsächlich aufzuhalten und zu
wirken pflegen. Denn solches müßt ihr wissen, daß die Geister eines jeden
Erdkörpers, besonders wenn sie noch nicht völlig geläutert sind, sich noch
zuallermeist auf dem Gebiet ihres früher im Leibe bewohnten Planeten
aufhalten. [Sa.01_010,17] Jedoch für jetzt wollen
wir davon nichts weiter sprechen, sondern uns zu unseren Strömen zurückwenden. 11. Kapitel –
Herrliche Uferlandschaften der Stromgebiete. Der Nordstrom. Der Abendstrom.
Der Mittagstrom.
[Sa.01_011,01] Wenn ihr euch so einen
Strom recht vorstellen wollt, dann denkt euch eine unabsehbare, ruhige
Wasseroberfläche, welche sich nach einer geraden Linie unermeßlich weit für
euer Auge bis zum Meere ausdehnt. Denkt euch dazu einen solchen Fluß noch in
einer weitgedehnten Ebene fortfließen, welche nur hie und da von
regelmäßigen, euch schon bekannten Gebirgsgruppen unterbrochen wird. Denket
euch dazu die größte, üppigste Fruchtbarkeit dieser Ufergegenden! Denkt euch
zwischen den Bergen ganze Alleen der sogenannten Pyramidenbäume! Denket euch
noch all die schönen Gärten mit den euch schon bekannten Spiegelbaumalleen
wie auch ganze unabsehbare Wälder längs den Ufern solcher Ströme von dem
Trichterbaum und allen andern üppigsten Baum-, Gesträuch-, Pflanzen-,
Kräuter- und Grasarten; ja denkt euch noch die überaus merkwürdige
Tierbevölkerung solcher Ströme und all die großen, überaus mannigfaltigen,
herrlichen Wasservögel, welche da oft scharenweise über der weiten Oberfläche
solcher Ströme nach allen Richtungen umherfliegen und allesamt dem Willen des
Menschen untertan sind! Und denket euch in eurer Phantasie auch hinzu, daß
sich bei den Familien, besonders denen, die an den Ufern wohnen, nicht selten
himmlische Gestalten einfinden, d.h. Engel des Himmels, und mitunter, wie
gesagt, auch Ich selbst! [Sa.01_011,02] Wenn ihr dieses alles
zusammenfaßt, könnt ihr euch schon einen annähernden Begriff von der großen
Herrlichkeit einer solchen Stromufer-Gegend machen. Dabei ist, wie schon
gesagt, vorzugsweise der gegen Morgen fließende Strom mit seinen weiten Ufern
zu beachten. Nur müßt ihr euch die Sache nicht etwa, besonders was die
Vegetation anlangt, gleichsam „wie Kraut und Rüben“ chaotisch
durcheinandergemengt vorstellen, sondern alles in der schönsten, planmäßigen
Ordnung. Denn da ist nicht nur für das tierische Bedürfnis durch eine
sozusagen hingeworfene Vegetation das Nötige getan, sondern es ist hier auch
von Mir aus gar wohl für eine bestens geordnete Zierlichkeit gesorgt, was ihr
schon ein wenig von der Beschreibung der Pflanzen und der sämtlichen
Vegetation habt abnehmen können. [Sa.01_011,03] Wie aber dieser
„Morgenstrom“ beschaffen ist, so sind auch die übrigen drei Ströme beschaffen;
nur haben sie nicht diese Breite, auch sind sie nicht so stark bevölkert.
Dessenungeachtet aber ist im Verhältnis die Pracht nicht geringer als die am
Morgenstrom. [Sa.01_011,04] Derjenige Strom, der
sich gegen den Norden ergießt, ist an seinen Ufern zuallermeist das, was ihr
„romantisch“ nennt. Denn weil sein Tal nicht selten von Bergen beengt wird,
zeigt der Anblick auf der ganzen Gebirgsseite eine Unzahl von himmelhohen,
blendend weißen Felsentürmen, welche nicht selten mit der schon beschriebenen
Heilpflanze geschmückt sind, deren vorzüglicher Standort hier ist, obschon
sie auch anderwärts, nur nicht so häufig, vorkommt. [Sa.01_011,05] Auch hier stellt euch
wieder die belebten Ufer wie am Strom des Morgens mit allem dort Besagten
vor; nur die sogenannten Pyramidenbaum-Alleen lasset hinweg, weil dieser Baum
wegen des etwas steinigeren Bodens hier nicht gut fortkommt – so habt ihr
auch von diesem Strom und dessen Ufern ein vollkommenes Bild. [Sa.01_011,06] Der Strom gegen Abend
(Westen) aber ist berühmt seiner vielen harmonisch singenden Vögel wegen.
Wenn es euch möglich wäre, einen Abend dort zuzubringen, so dürftet ihr durch
ein solches Konzert so verwöhnt werden, daß euch darauf eure Musik nicht
anders vorkommen möchte, wie bei euch selbst nach einem herrlichen Konzert
oder einer großen Symphonie eines wohlbewährten Tondichters (z.B. eines
Händel) ein Gequak von Fröschen in einer Lache. [Sa.01_011,07] Seht, folglich bin Ich
dort sogar ein Musiklehrer der Vögel! Und ihr könnt versichert sein, daß eure
besten Sänger, wenn sie nur einmal einen solchen befiederten Sänger dieses
Planeten hören könnten, gewiß in ihrem ganzen Leben sich nicht mehr einen Ton
zu singen getrauen würden. – (N.B. Die Musik ist auch bei den Bewohnern des
Saturn ein ganz vorzügliches Eigentum, nur haben sie überhaupt keine
Musik-Instrumente. Aber sie sind desto vortrefflichere Sänger, mit welcher
Gabe sie auch bei ihrem Gottesdienst Mich lobpreisen und Mir danken – was
alles euch bei der eigentlichen Schilderung der Menschen und ihrer
Verhältnisse dargestellt werden wird.) [Sa.01_011,08] Der Strom gegen Mittag
(Süden), ist wieder wegen seines Wasserglanzes überaus berühmt. Denn die
Oberfläche des Wassers schimmert hier besonders am Tag beständig wie bei euch
große, schöne, wohlgeschnittene Diamanten, was daher rührt, daß dieses
Wasser, besonders an der Oberfläche, von ungemeiner Reinheit ist. Es sind
zwar alle Gewässer dort reiner als bei euch das Wasser aus der reinsten Quelle;
aber das Wasser dieses Stromes ist also rein, daß man jeden Gegenstand auf
dem tiefsten Grund desselben wie in ganz ungeschwächtem Licht erschauen kann.
Aus diesem Grund schimmert denn auch die Oberfläche besonders bei einer
kleinen Wellenbewegung so überaus herrlich, daß ihr euch von dieser großen
Pracht durchaus keinen Begriff machen könnt; denn ein Regenbogen bei euch ist
dagegen etwas Allereinfachstes. [Sa.01_011,09] Aber was die
Bevölkerung der Ufer dieses Stromes anlangt, so ist sie gewisserart die
ärmste, und zwar aus dem Grunde, weil da die Vegetation nicht so gut
fortkommt wegen des zu harten Wassers. Obschon das Wasser ungemein rein ist,
so ist es aber doch härter als das Wasser der übrigen Ströme, was auch auf
eurer Erde der Fall ist, da auch hier, je reiner und kälter irgendeine Quelle
ein Wasser zutage fördert, dasselbe auch desto härter und unfruchtbarer ist.
Aber deswegen müßt ihr euch nicht denken, daß die Ufer dieses Stromes darum
etwa wüste aussehen; sie sind dessenungeachtet noch viel üppiger als die
fruchtbarsten auf eurer Erde; nur stehen sie auf diesem Planeten besonders
den Ufergegenden am Morgenstrome nach. [Sa.01_011,10] Und so hätten wir von
unserem Mittelberg die vier Hauptströme angeschaut. Doch das sind nicht
allein die bewohnten und belebten Gegenden dieses Planeten, sondern es sind
die Berge nicht minder bewohnt wie auch die Ufer all der übrigen Flüsse,
welche teils in verschiedenen Krümmungen dem Meere zuströmen, größtenteils
sich aber auch in die schon obengenannten vier Hauptströme oder in andere
Nebenströme ergießen. [Sa.01_011,11] Nun bleiben uns nur
noch die dortigen vielen und großen Landseen zu schildern übrig. Was ihre
Zweckmäßigkeit und ihre Pracht anlangt, wie auch die Bewohnbarkeit ihrer
weitgedehnten ebenen Ufer – dies bei einer nächsten Gelegenheit! – Für heute
Amen. 12. Kapitel –
Die Landseen des Saturn. Deren herrliche Landschaften und starke
Uferbevölkerung. Verbindungsarme mit Flüssen, Strömen und andern Seen.
Steinkegel-Gruppen als Vergnügungsstätten. Schwanenfahrt.
[Sa.01_012,01] Was die schon gestern
erwähnten Landseen betrifft, so sind diese ganz verschieden von den Landseen
auf eurem Erdkörper, welche bei euch unregelmäßig tiefe, stehende
Wasseransammlungen sind. Auch auf dem Saturn sammelt sich in den etwas
vertieften Ebenen das Quellwasser, welches von allen Seiten den Bergen
entströmt. Allein diese Seen haben immer nur ein viel seichteres Bett als die
Flüsse. Selten ist eines Landsees Bett tiefer als höchstens vier, fünf bis
sechs Klafter, was auf dem Saturn soviel als sehr seicht heißt, da ein jeder
Mensch des Saturn einen solchen See vermöge seiner geringen Tiefe sehr leicht
so durchwaten kann, daß ihm das Wasser kaum auf den halben Schenkel über das
Knie heraufreicht, manchmal kaum bis ans Knie. Aber dessenungeachtet ist es
doch wieder tief genug, um die euch schon bekannten Schiffe vollkommen tragen
zu können. [Sa.01_012,02] Es fragt sich nun, was
sind eigentlich die Seen auf diesem Planeten? – Sie sind im Grunde nichts
anderes, als was bei euch künstlich angelegte Kanäle sind. Und ein solcher
Landsee hat nicht selten bis hundert Ausläufer oder ziemlich breite
Abströmungen in verschiedene andere Flüsse, so daß man auf dem Wege solcher
Landseen gar bequem zu Wasser in alle die vier Hauptströme gelangen kann, und
das auf folgende Art: Wenn z.B. zwischen dem Morgen- und Mittagstrom sich
irgendein solcher See befindet, so hat er bestimmt einen oder auch mehrere
Ausläufer in den Morgen- und ebenso auch wieder in den Mittagstrom. Ebenso
befindet sich dann auch wieder irgendein solcher Landsee zwischen dem Mittag-
und Abendstrom und also zwischen dem Abend- und Mitternachtsstrom und
zwischen dem Mitternacht- und Morgenstrom. Und so ist die Verbindung zu
Wasser nicht nur etwa einmal, sondern hundertmal bewerkstelligt. Wie aber die
Verbindung vermittelst solcher Landseen mit den Hauptströmen bewerkstelligt
ist, so ist sie auch bestellt zwischen all den kleineren Flüssen und Strömen,
so daß kein Fluß und auch beinahe kein See auf diesem ganzen großen Land
irgendwo besteht, zu dem man nicht von überall leicht zu Wasser gelangen
könnte. [Sa.01_012,03] Diese Landseen sind
nicht selten von bedeutender Ausdehnung, und der geringste ist so groß wie
auf eurem Erdkörper der sogenannte Kaspische See in Asien. Es gibt aber noch
einige, die von einer viel größeren Ausdehnung sind, so zwar, daß sie es mit
der Fläche des Mittelländischen Meeres aufnehmen dürften. Allein solcher sehr
großen Seen gibt es nicht gar zu viele, und sie sind vorzugsweise nur auf dem
Meere nähergelegenen Gebieten zu finden. Aber kleinere Landseen, besonders
gegen des Landes Mittelpunkt hin, gibt es eine große Menge; denn es besteht
auf diesem ganzen großen Landgebiet keine nur einigermaßen weitgedehnte
Ebene, in deren Mitte sich nicht irgendein bedeutender Landsee befinden möchte,
aus welchem Grunde die überaus herrliche Aussicht von irgendeiner Höhe nach
eurem Ausdruck so malerisch schön wird, daß ihr euch auf der Erde wohl sehr
schwer einen treffenden Begriff machen könnt. [Sa.01_012,04] Denn gibt es auch hier (auf
eurer Erde) Seegegenden, so sind aber doch die Seen unregelmäßiger und
gewisserart zufälliger Form, und ebenso ist auch ihre Umgebung, da bald
irgendein verwitterter Fels oder ein waldiger Berggrund oder eine schmutzige
Ebene und dergleichen andere, nicht vielsagende Dinge unförmlich die Fläche
des Wassers beufern. – Aber nicht also ist es auf dem Saturn! Denn da haben
die Landseen stets mehr oder weniger eine vollkommene eirunde Form, von
welcher sich dann nach allen Seiten noch bedeutend breite Ausmündungen
entweder in andere Landseen oder Flüsse und Ströme gleichsam ausstrahlen. Nun
denkt euch einmal so eine ruhige Wasserfläche im geringsten Durchschnitt mit
einer Oberfläche von wenigstens zehn bis hundert, von hundert bis tausend und
tausend bis nahe dreißigtausend Quadratmeilen nach eurem Feldmaß – so möget
ihr euch schon einen Begriff von der Majestät eines solchen Landsees machen.
Nehmt noch von einem solchen Landsee die vielen breiten Ausströmungen in
meistens gerader Richtung, so werdet ihr die Majestät eines solchen Landsees
noch deutlicher erkennen, besonders wenn ihr annehmt, daß selbst solche
Ausmündungen nicht selten eine, zwei, drei und so fort bis vierzig Meilen
breit sind. [Sa.01_012,05] Aber nicht nur die
Ausdehnung allein ist es, was die Majestät solcher Seegegenden erhöht;
vorzüglich sind es die Ufer, die um diese Landseen sehr stark bevölkert sind.
Denn die Pracht der dortigen Vegetation entwickelt sich nirgends in so
großartiger Entfaltung wie eben an den Ufern solcher Seen. Besonders sind da
die euch schon bekannten Pyramidenbäume zu Hause, welche nicht selten,
wenigstens für euch betrachtet, eine rätselhafte Höhe erlangen und mit ihren
Wipfeln oft über ziemlich bedeutende Berge hinausragen. [Sa.01_012,06] Zur Verschönerung der
Ufer wird natürlicherweise von den Bewohnern die bekannte „Schiffspflanze“
sehr häufig angebaut. Hinter den großen Äckern aber, wo die Schiffspflanzen
wachsen und gedeihen, werden gerne die sogenannten „Wandbäume“ angebaut und
gezogen, die nicht selten zu einer bedeutenden, das schon angegebene Maß
überragenden Höhe emporwachsen. Denn an einigen Ufergegenden wird die goldene
Wand solcher Bäume oft fünfhundert Klafter hoch. Dieses bewirken die
Einwohner dort durch eine Kunstfertigkeit, die in einer Art Pfropfen besteht,
und zwar darin, daß sie dann, wenn die Wandbäumchen ungefähr ein paar Klafter
aus der Erde gewachsen sind, dieselben abschneiden und in die gemachten
Spalten Reiser von denselben Wandbäumchen hineinpfropfen und mit Erde
verstreichen, wodurch dann bei fortgesetztem Wachstum der Stamm dieses Baumes
schon um die Hälfte verlängert wird. Und solches treiben sie so lange wie nur
möglich fort und bringen als herrlichen Schmuck einer Ufergegend einen
solchen Baumstamm zu der erstaunlichen, seine gewöhnliche Natur bei weitem
überragenden Höhe. Hinter solchen Wänden wird vorzugsweise auch der
sogenannte säulenartige „Allerlei-Baum“ gepflanzt, den ihr schon kennet und
welcher vermöge seiner außerordentlichen Mannigfaltigkeit nicht wenig zur Ausschmückung
der sich immer mehr erhöhenden Ufergegenden beiträgt. [Sa.01_012,07] Daß es natürlicherweise
auch hier beinahe keine anderen Wohnungen gibt als den bekannten ersten
Hauptbaum, ist schon bei der Schilderung der Bevölkerung am Morgenstrom
hinreichend dargetan worden, wo Ich gezeigt habe, daß es da nirgends eine
Stadt noch eine Festung noch andere Wohngebäude gibt als allein diesen Baum.
Nur ist von diesem Baum an den Seeufergegenden noch das zu bemerken, daß er
an Größe und Ausdehnung die andern seinesgleichen, die an den Flüssen, den
Strömen und auch an den Bergen wachsen, um vieles übertrifft und somit auch
einer desto zahlreicheren Familie zum Wohnhause dient. [Sa.01_012,08] Alle die übrigen Bäume,
Kräuter, Pflanzen und Gräser werden hier nicht minder in guter Ordnung
sorgsam gepflegt. Und so sieht eine solche Uferpartie im eigentlichsten Sinne
des Wortes einem vollkommenen Paradiese gleich. Aber ihr müßt euch nicht
vorstellen, daß an solchen Ufergegenden alle fingerlang ein solcher Hauptbaum
steht, der dort nahezu das alleinige Wohnhaus ist; sondern so ihr von einem
solchen „Wohnhause“ bis zum nächsten hinreisen möchtet, da dürfte euch die
Zeit ziemlich lang werden. Denn die geringste Entfernung von einem bis zum andern
Baum beträgt wenigstens zehn bis zwanzig Meilen, manchmal aber auch fünfzig
bis hundert Meilen, da die Gründe, wie schon anfangs erwähnt, dort nicht
selten so groß sind wie euer ganzes Land. Und da wachsen auf einem solchen
Grund selten mehr als nur ein Baum und höchstenfalls fünf bis zehn solcher Bäume,
welche nur dann vermehrt werden, wenn eine Familie unter einem Baum nicht
mehr Platz hat. Aus solchem Grund wird dann zur Bewohnung der verwandten
überzähligen Familie irgendwo in der Nähe ein weiterer Baum angepflanzt. [Sa.01_012,09] Durch solche Familienversetzung
werden dann auch die Gebirge bewohnt, was zwar die Saturnbewohner nicht gar
zu gerne tun. Denn ehe jemand seinen Wohnbaum auf einem Berg anpflanzt,
wendet er vorher alles Mögliche an, um irgend an einem Ufer eine Stelle
ausfindig zu machen, wo er seinen Wohnbaum hinpflanzen kann. Nur wenn dergleichen
gar nicht mehr möglich ist, wird auf die Berge gezogen, wobei dann auch
diejenigen Gegenden der Berge aufgesucht werden, die in ihrer Nähe eine oder
mehrere Wasserquellen besitzen oder wo wenigstens der Regenbaum und die
Bewässerungspflanze gedeihlich fortkommen. Freilich können die Bewohner dort
auf den Bergen keine große Kuh mehr halten, die ihnen eine warme Milch gäbe,
und müssen sich dafür mit der weniger süßen Milch der dort häufig vorkommenden
zahmen Gebirgsziege begnügen. [Sa.01_012,10] Wenn sie die Milch von
einer großen Kuh genießen wollen, bleibt ihnen nichts übrig, als sich in die
Ebene zu ihren Anverwandten zu begeben und da entweder durch den Austausch
mit heilsamen Gebirgskräutern oder durch irgendeine hilfreiche Arbeit solche
kostbare Milch gewissermaßen durch Dienstleistung zu gewinnen. Da füllen sie
dann die euch schon bekannten Gefäße und gehen oder fahren damit nach Hause.
Ihr werdet euch wohl noch des schon früher erwähnten Wagens erinnern, der auf
eine leichte Art verfertigt wird aus der euch schon bekannten Bewässerungsfrucht
und welcher bei den Bewohnern der Ebenen auch nicht selten das
„Gebirgsschiff“ genannt wird. [Sa.01_012,11] Obschon aber solche
Wohnbäume nach eurem Maß sehr weit voneinander entfernt liegen, so sind sie
für den Saturnmenschen nahe genug beisammen, da der Saturnmensch seines
Nachbars Wohnbaum trotz der großen Entfernung vermöge seines scharfen Auges
noch allezeit sehr gut ausnehmen kann – und ihm seine langen Beine so zu
Diensten stehen, daß er eine Entfernung von etwa zehn Meilen mit der größten
Leichtigkeit im Zeitraum einer Viertelstunde durchschreiten kann. Und ist
irgendein nachbarliches Haus weiter entlegen, da wird zu Schiffe gewandelt.
Wie schnell da eine weite Reise zurückgelegt wird, ist schon bei der
gestrigen Mitteilung erwähnt worden. [Sa.01_012,12] Es bleibt jetzt nur
noch zu erwähnen übrig, ob das Wasser solcher Landseen steht oder fließt. –
Es ist schon gesagt worden, daß das Wasser der Seen kein stehendes, sondern
ein fließendes ist. Aber es ist so strömend, daß es nach allen möglichen
Richtungen fließt; nur ist die Fallbewegung etwas geringer als auf den
Flüssen und Strömen. Jedoch müßt ihr euch das Strömen eines solchen Sees so
vorstellen, daß das Wasser von seinem Mittelpunkt aus nach so vielen
Richtungen strahlenförmig ausfließt, wie es Arm- oder Seitenkanäle hat, durch
welche es sich so mit dem Wasser anderer Landseen, Flüsse oder Ströme
verbindet. – Aber auch hier muß wieder ein Unterschied gemacht werden. In
jenen Kanälen, vermöge welcher es sich mit andern Landseen verbindet, fließt
das Wasser so, daß es z.B. auf dem linken Ufer von dem See A in den See B
sich ergießt; dort wie mit einem langgedehnten Wirbel sich mit dem Wasser des
Sees B dadurch austauschend, macht es am rechten Ufer wieder eine rückgängige
Bewegung, so daß ein Schiffer am linken Ufer von dem See A gegen den Morgen
fahren, während ein anderer am rechten Ufer von dem See B in den See A mit
der wiederkehrenden Strömung des Wassers gelangen kann. Eine solche
Wasserbewegung dürften eure Wasserbaukünstler wohl schwerlich zuwege bringen.
– Was jene Ausflüsse anbelangt, die von einem See in einen Fluß oder Strom
laufen, so haben diese keine Gegenbewegung, sondern fließen entweder von
einem See in einen Fluß hinaus oder aber auch von einem Fluß in einen See
hinein. Dies erschwert jedoch die Schiffahrt auf keinen Fall, weil alle
Wasserbewegungen dort nur sehr ruhig sind und der schnellste Fall in einer
Minute nicht mehr als höchstens zehn Klafter zurücklegt, bei ruhiger Strömung
oft nur fünf bis ein Klafter. Auch ist die Bewegung des Wassers nicht der
Schiffahrt wegen bewerkstelligt, sondern allein der Bewegung selbst willen,
damit die Gewässer nicht faul werden und immerwährend durch solche kleine
Bewegung einen wohltätigen Lebensaushauch bewirken. [Sa.01_012,13] Was die Majestät
solcher Seen noch ums bedeutende erhöht, sind die vielen weißen Steinkegel,
die besonders in der Mitte solcher Seen häufig vorkommen; das besonders aus
dem Grunde, weil das Wasser eines Sees in der Mitte natürlich am ruhigsten
ist und daher auch am leichtesten in die Fäulnis übergehen könnte. So ist
dafür ganz vortrefflich gesorgt durch diese Steinkegel, an welchen das Wasser
immerwährend eine kleine Brandung erregt, sich dadurch reibt und wieder
auffrischt durch die Erweckung der ihm innewohnenden Elektrizität. Auch sind
diese Kegel nicht selten mit der euch schon bekannten Heilpflanze bewachsen,
welche durch ihre außerordentlich wohlduftende, ätherische Lebensaushauchung
die Oberfläche eines solchen Sees unendlich erquickend machen, darum auch von
den Saturnbewohnern sehr häufig zu solchen Kegeln hingeschifft wird. [Sa.01_012,14] Besonders herrlich
nehmen sich oft ganze Gruppen von Tausenden solcher Kegel aus. Wenn ihr sie
sehen könntet, ihr würdet glauben, eine der größten Städte auf dem Wasser zu
erblicken, gegen die euer Venedig eine wahre Kinderspielerei wäre; denn ein
solcher Steinkegel hat nicht selten einen Umfang von zwei bis drei Meilen und
eine Höhe von zwei-, drei- bis viertausend Klafter. Da wäre auf einem abgestumpften
Kegel hinreichend Platz, um eine große Stadt darauf zu bauen. Nun denket euch
erst eine Gruppe von solchen Kegeln, so könnt ihr euch schon einen Begriff
von der Größe einer solchen See-Kegel-Stadt machen. [Sa.01_012,15] Die Saturnbewohner
verwenden auch recht viel Fleiß darauf, den einen oder den andern Kegel durch
ihren Meißel bewohnbar zu machen, oder hauen Stufen in denselben bis zur
Spitze hinauf und vergnügen sich auf solchen zubereiteten Kegeln oft tagelang.
Sehr große Kegel werden oft so ausgemeißelt, daß sie dadurch mehrere
Stockwerke bekommen, die bewohnbar sind. Den Aufweg zu den höheren Stockwerken
bewerkstelligen die Saturnmenschen durch eine Art nach außen herum ausgehauener
Wendeltreppe, über welche sie dann in ein höheres Stockwerk gelangen können.
Zu solchen Wohnungen aber bearbeiten sie nur die pflanzenlosen Kegel. Denn
einen bepflanzten Kegel halten sie für eine Art Heiligtum und würden der
Meinung sein, sich geradezu zu versündigen, so sie den Meißel an einen
solchen Kegel ansetzen würden, wenn sie nicht dann und wann von Engelsgeistern
darüber belehrt würden, daß es durchaus keine Sünde, wohl aber eine
Unklugheit sei, so sie eine solche edle Pflanze durch ihren Meißel verderben
würden. Und so lassen dann die Bewohner des Saturn solche bepflanzten Kegel
im Wasser aus kluger Bescheidenheit verschont. – Die Spitzen und Kanten der bewohnbar
zugerichteten Kegel aber werden auf das geschmackvollste mit allerlei
Blättern und den euch schon bekannten Fahnen geziert. Und so sieht eine
solche Kegelgruppe in der Mitte eines ruhigen Wasserspiegels selbst für die
Saturnbewohner ungemein herrlich aus. Euch würde ein solcher Anblick auf
längere Zeit ganz verstummen machen. [Sa.01_012,16] Was die Schönheit einer
solchen Wassergegend oder vielmehr Wasserkegelstadt noch mehr erhöht, sind
die vielen Schiffe, die sich hier aufhalten, und dadurch der lebhafte
Familienverkehr; ferner aber auch die Menge der verschiedenfarbigen, großen
Schwimmvögel, welche, den Schwänen gleich, die Spiegelfläche des Wassers
zwischen diesen Steinkegeln beleben und durch ihren mannigfaltigen Gesang
weitgedehnte Wasserpartien beleben. Diese Vögel müßt ihr euch nicht etwa von
der Größe eurer Schwäne vorstellen, sondern da ist ein solcher Vogel oft so
groß wie ein kleines Schiff; darum auch die Saturnbewohner sich nicht selten
des Vergnügens wegen auf den Rücken solcher Schwimmvögel setzen und sich so
eine Zeitlang nach allen Richtungen schnell herumtragen lassen. – Diese Vögel
richten die Saturnbewohner auch nicht selten als Wasserzugtiere ab und
spannen sie vor ihre Schiffe. Und es sieht dann eine solche Seereise nach
eurem Ausdruck ganz märchenhaft aus, wenn vor einem Schiffe einige hundert
solcher Vögel vorausschwimmen und das Schiff nach sich ziehen. Allein eine
solche Schiffahrt gehört doch nur zu den Vergnügungen und wird nicht im Geschäftsstile
angewendet; denn der Saturnbewohner ist zu mitleidig gegen alle Geschöpfe,
als daß er sie zu einem harten Dienst verwenden möchte, da er ohnedies mit
der Kraft seines Willens und seines Glauben überall auslangt. [Sa.01_012,17] Das ist nun alles von
den Landseen – bis auf das Tierreich und namentlich auch auf die oft
wunderbar gestalteten Wassertiere, davon nächstens angefangen wird. –
Erwecket auch hier ein wenig eure Phantasie, und ihr werdet der Wunder
hinreichend erblicken. Und daher für heute Amen. 13. Kapitel –
Die Meeresufer auf dem Saturn. Gefahr durch Sturmfluten. Monde und Ring als
Fluterzeuger. Die untersten Meertiergattungen. Die blaue Riesenmuschel.
[Sa.01_013,01] Nachdem wir nun das
Land so ziemlich kennengelernt haben hinsichtlich alles dessen, was die
Bildung des Landes selbst anbelangt und auch die reiche Vegetation und die
Gewässer und wie alles dies dienlich ist zu seinem guten Gebrauch – so wollen
wir uns nun aus dem Reich der elementarisch-metallischen Vegetabilien- und
Wasser-Sphäre, welche die erste Unterlage des Tierreiches ist, zum Reiche der
Tiere selbst wenden. [Sa.01_013,02] Bevor wir uns aber zu den
eigentlichen Tieren selbst wenden, wird es noch notwendig sein, ein wenig die
Meeresufergegenden, als die Hauptbehausung des allermannigfaltigsten
Tierreiches, zu besichtigen. Auf eurer Erde sind die Meeresufergegenden mit
seltener Ausnahme diejenigen Teile der Ländereien, welche zumeist bevölkert
sind, weil sich über das Wasser und an den Ufern des Wassers leicht Handel
und Verkehr treiben läßt, vorausgesetzt, daß die Meeresufer nicht etwa
weithin aus lauter Klippen bestehen oder voll Sandes und Schlammes sind.
Allein nicht also verhält es sich mit den Meeresufergegenden dieses Planeten,
wo nach Erd-Maß vierzig Meilen landeinwärts kein Mensch mehr wohnt, und das
aus dem Grund, weil in solcher Niederung des Landes bis auf vierzig Meilen
landeinwärts niemand sicher ist vor einer plötzlichen Überflutung. Denn wie
das Meer auf eurer Erde einer periodischen Flut und Ebbe unterworfen ist, um
so mehr ist solches der Fall bei einem so großen Planeten, da die Flut sich
in demselben Verhältnis, ja zuweilen auch höher, erhebt, wie dieser ganze
Planet und all die Dinge zu der Erde und allem, was darauf ist, stehen. [Sa.01_013,03] Daß auf diesem Planeten
die Flut nicht allezeit eine gleiche Höhe erreicht, hat folgenden Grund: Weil
die sieben Monde (des Saturn) einen bedeutenden Einfluß auf den Planeten
selbst haben, so geschieht es in jenen Zeiten, wo alle sieben Monde zufolge
ihrer ungleich schnellen Bewegung auf einer und derselben Seite des Planeten
stehen, daß dadurch das dortige Meerwasser mehr als gewöhnlich emporgehoben
wird. – Wo nur, wie bei euch, ein Mond einen Planeten umkreist, da wäre es
freilich wohl unklug, die Flut und Ebbe dem Monde zuzuschreiben, obschon er
dessenungeachtet einen unbedeutenden Einfluß schon ausübt. Aber dieser
Einfluß beträgt auf der Erde bei sechs Fuß naturgemäßer Steigerung des Meeres
kaum einen Zoll als Mithilfe. Aber bei einem Planeten wie der Saturn macht
das für die naturgemäße Erhöhung des Meeres einen bedeutenden Ausschlag. Denn
nehmet ihr da auch die verhältnismäßigen sieben Zoll (zufolge dessen, daß da
ein jeder Mond, gleich dem der Erde, das Wasser um einen Zoll zu erheben
hilft) – so müßt ihr aber doch diesen Zoll in eben dem Verhältnis nehmen, in
welchem alles Übrige des Saturn zur Erde steht. Und da werdet ihr alsbald zu
dem Ergebnis gelangen, daß die sieben Zoll nach Abzug aller anderen
ordnungsgemäß wirkenden Ursachen gar leicht einen Ausschlag von siebzig
Klaftern geben. Und nehmt ihr dazu noch die gewöhnliche Steigerung des
Saturn-Meerwassers zur Zeit der Flut um sechzig Klafter an, so werdet ihr
daraus leicht gewahr werden, wie hoch das Wasser des Meeres manchmal an den
Ufergegenden zu stehen kommt. [Sa.01_013,04] Wenn der Ring über dem
Meer nicht eine so wohltätige Wirkung über das Gewässer des Meeres ausüben
würde, so wäre bei solcher Hochflut des Meeres sogar das innere Flach- und
Niederland auf tausend und tausend Meilen weit gefährdet. Allein durch die
anziehende Kraft des Ringes ergibt sich hier bei Gelegenheit der Flut die
merkwürdige Erscheinung, daß das Meerwasser selten weiter als vierzig Meilen
landeinwärts dringt; denn es bildet das Meer bei der Flut unter dem Ringe
förmliche Wasserberge. Und so zieht sich das Wasser viel mehr in diese Berge
zusammen, als daß es allzuweit in das Land einzudringen vermöchte. [Sa.01_013,05] Diese Wasserberge haben
eine große Ähnlichkeit mit den Wasserhosen bei euch, nur mit dem Unterschied,
daß sie eben vermöge der anziehenden Kraft des Ringes nicht selten zu der
schauerlichen Höhe von einhundert Meilen emporwachsen, weshalb die hohe
Flutzeit dann auch für die Schiffahrt so gut wie vollkommen untauglich ist.
Denn wird ein Schiff von einem solchen wachsenden Wasserberg ergriffen, so
wird es mit einer unbeschreiblichen Heftigkeit und Schnelligkeit in die Höhe
gehoben; und hat es den höchsten Gipfel erreicht, so wird es dann vermöge der
Wurfkraft so hinuntergeschleudert, daß von einer glücklichen oder
unversehrten Zurückkunft gar schwerlich mehr die Rede ist. – Dann und wann
wird auf manchen Stellen die Auftürmung so gewaltig, daß sie beinahe bis an
den Ring hinaufreicht. Doch dies geschieht nur äußerst selten. [Sa.01_013,06] Dessenungeachtet aber
sind selbst die unbedeutendsten Auftürmungen des Meeres dort den Schiffern
schon sehr gefährlich, weil bei solcher Auftürmung das Wasser des Meeres
allezeit einen für euch unbegreiflich schnellen Wirbel oder Dreher macht.
Kommt da jemand mit seinem Fahrzeug in den Bereich eines solchen tanzenden
Wasserberges, so wird er anfangs, wenn der Wirbel noch langsamer geht, auf
die Wasserhöhe hinaufgezogen. Da das Drehen sich immer verstärkt, je höher
und höher das Wasser steigt, so geschieht es dann auch, daß irgendein
mitgerissenes Fahrzeug mächtig weit hinuntergeschleudert wird, oder es wird
auch durch die Gewalt des drehenden Wassers unschwer zertrümmert. Denn der
Durchmesser eines solchen Berges, auch nur von mittlerer Größe, beträgt auf
der (Grund-)Fläche nicht selten zwanzig bis fünfzig Meilen, in der Mitte oft
noch zehn bis zwanzig Meilen und an der Spitze ein bis zwei Meilen. Die
Drehung des Wassers aber in der Mitte eines solchen Berges ist schon von
solcher Schnelligkeit, daß es den Weg herum in vier bis fünf Minuten
zurücklegt und auf der Spitze in ein oder längstens eineinhalb Minuten. Nun
könnt ihr euch schon die Wurfkraft eines solchen Berges denken! Wenn das
Schiff sich irgendwo auf der Meeresfläche befindet, gerade unter ihm sich die
Spitze eines Berges zu bilden anfängt, wird das Schiff in die schauerliche
Höhe hinaufgeworfen. Kommt aber das Schiff an den Wirbelfluß eines solchen
Berges, so wird es zu einer gewissen Wasserschnelle gehoben und von da
alsbald weitmächtig hintangeschleudert. [Sa.01_013,07] Nun seht, das war vor
der Erklärung des Tierreiches notwendig noch zu beachten; denn daraus wird
ersichtlich, warum die Ufergegenden des Saturn-Meeres unbewohnbar sind. Dann
aber wird hier in diesem großen Naturakt die erste Zeugung (Urzeugung) des
Tierreiches gezeigt; denn dadurch geschieht ein großartiger Begattungsakt
vermöge dessen die atomischen Äthertierchen ins Wasser aufgenommen werden,
darin sie sich dann von Klasse zu Klasse vervielfältigen, bis sie zu jener
Stufe gelangen, die ihr auf eurer Erde das Reich der Amphibien nennt. Diese
Tierklasse bildet auch auf diesem Weltkörper den ordnungsmäßigen Übergang von
den Wassertieren zu den Landtieren. So ist all das Uferland sozusagen die
erste Stufe, auf welcher vermöge der stufengerechten Fortbildung die Seetiere
vom Wasser an das Land übergesetzt werden. Wenn wir also das Tierreich des
Saturn betrachten wollen, müssen wir ordnungsgemäß auch dort anfangen, wo es
eigentlich seinen Ursprung nimmt. [Sa.01_013,08] Das Wasser des Meeres
ist demnach die erste Wohnstätte der Tiere. – Welche Tiere erblicken wir aber
zuerst auf diesem Weltkörper, und zwar in dessen Meeresgewässern? – Auch dort
ist die Ordnung dieselbe wie auf der Erde. [Sa.01_013,09] Die erste Tierklasse
besteht in einer zahllosen Menge von außerordentlich kleinen, weißen
Würmchen, welche so klein sind, daß in einem gewöhnlichen Tropfen Millionen
derselben hinreichenden Platz haben. – Die zweite Klasse ist eine Art
größerer Würmer, die schon mit zwei Armen versehen sind. Diese sind auch dem
Auge der Saturnbewohner sichtbar. Ein solches Tierchen der zweiten Stufe
verzehrt in einer Sekunde viele tausende der ersten Gattung und assimiliert
dadurch deren Leben dem seinigen. – Die dritte Stufe ist eine Art länglicher
grauer Würmer, etwa von der Größe wie eure Essig-Aale. Diese Tierklasse ist
sehr gefräßig und nährt sich von den beiden unteren Klassen und assimiliert
dadurch deren Leben dem seinigen. – Die vierte Klasse ist eine Gattung von
Würmern, die zwei Köpfe und schon eine Länge von einer Linie hat und gegen
die Mitte dicker wird, so daß ihre Gestalt einem Kipfel gleicht. Dieses Tier
verzehrt nur seine Vorgänger. Und die nächste Klasse nach ihm fängt schon an,
sich dem Geschlecht nach zu unterscheiden, während bei den vorhergehenden
Klassen noch kein Geschlechtsunterschied vorhanden ist. Dieses Tier ist
vermöge seiner zwei Köpfe so bestellt, daß es gleichsam das männliche und
weibliche Wesen in sich vereinigt, worauf seine zwei Köpfe hindeuten. – Die
nächste Klasse besteht schon in einer Art vierarmiger, rötlicher Käferchen.
Dieses Tier hat die sichtbare Größe von etwa zwei Linien der Länge und einer
halben Linie der Leibesbreite nach und ist ein Vielfraß, denn es frißt alle
seine vorhergehenden Klassen in einer Unzahl auf und assimiliert dadurch ihr
Leben. – So gehen bei tausend Stufen solcher Lebewesen immer eins in das
andere über, bis sie in die Klassen der dortigen Schaltiere aufgenommen
werden. [Sa.01_013,10] Die Klassen der
Schaltiere sind ebenso reichhaltig, und es kommt da zuerst die Muschel und
dann erst die Schnecke zum Vorschein. [Sa.01_013,11] Unter den Muscheltieren
ist vorzugsweise die große blaue Riesenmuschel zu bemerken, welche nicht
selten so groß wird, daß wenn sie sich auf eurer Erde in irgend einem Meere
befinden würde, sie mit allem Recht für eine Insel mit einem Flächenraum von
ein bis eineinhalb Quadratmeilen gelten könnte. Diese Muschel ist aber auch
die letzte Stufe der Muscheln. Den Tod bringen ihr kleine Schnecken, welche,
sobald sie dann und wann, um Nahrung zu nehmen, sich in sie hineinbegeben,
unsere arme Muschel von allen Seiten zu benagen anfangen. Wenn dann die Muschel
auf diese Weise aufgezehrt wurde, wird die Schale nicht selten bei
Gelegenheit der Flut und Ebbe auf eine kleinere Insel oder auch an das uns
schon bekannte Festlandufer geworfen, wo des öfteren die Bewohner des Saturn
herbeikommen und solche für sie sehr kostbare Muscheln sammeln und sie in ihre
Gegenden bringen. Diese Muscheln werden dann gewöhnlich so in die Erde hinein
befestigt, daß zwischen den beiden Schalen der Muschel mehrere schon bekannte
Regenbäume eingepflanzt werden, wo dann in diese weiten Muschel-Basins das
Baumregenwasser am allerwirtschaftlichsten angesammelt wird. [Sa.01_013,12] Die Außenseite einer
solchen Riesenmuschel ist nicht besonders schön, sie hat eine dunkelgrüne
Farbe; aber desto imposanter ist die Innenseite. Diese sieht geradeso aus,
wie wenn ihr blankes Gold möchtet mit einer schönen azurblauen Farbe
überziehen. Daher ein solches Muschelwasserbecken, wenn es von den
Regenbäumen angefüllt worden ist, sich auch außerordentlich herrlich
ausnimmt. In solchem Wasser baden sich die Saturnbewohner besonders gerne,
weil dieses Wasser die höchste Reinheit hat, und weil es auch von einem
ätherischen Wohlgeruche gesättigt ist, ungefähr wie bei euch das Nardusöl,
welches auf eurer Erde zu den wohlriechendsten gehört. [Sa.01_013,13] Ihr werdet wohl fragen,
aber wie bringen die Saturnbewohner eine solche ungeheure Riesenmuschel von
der Stelle? – Dieses geschieht auf eine ganz einfache Art. Die Muschel ist
nicht so schwer, wie ihr es euch vorstellt, denn unter dem Ring sind
überhaupt die Gegenstände nicht so schwer wie auf irgendeinem andern Teil,
entweder der südlichen oder der nördlichen Breite dieses Planeten. Und so geschieht
es, daß die Bewohner eine solche Muschel, wenn sie irgendeine finden, alsbald
mit ihren vielseitig angebrachten Keilen und Hebeln öffnen, sie sorgfältig
ausräumen, hierauf wieder zuschließen und am Schlusse rundherum die Öffnungen
mit einer besonderen Art Wasserpaste verkleben. Alsdann warten sie mit ihren
Schiffen eine kleine Flut ab. Diese hebt die Muschel, welche sie mit einem
sehr starken Seil an ihr Schiff befestigen, wonach dann die Fahrt auf irgendeinem
Flusse landeinwärts mit einer solchen Schnelligkeit beginnt, von der ihr euch
kaum einen richtigen Begriff machen könnt. Denn eben bei solchen Gelegenheiten
macht der Saturn-Mensch seine mächtige Willenskraft voll geltend; daher es
euch nicht wundern darf, wenn die Saturnbewohner nicht selten Gegenstände von
einem Orte zum andern befördern, vor deren Größe und Last euch schaudern
würde – was zu seiner Zeit, wie auch bei mancher Gelegenheit, noch deutlicher
gezeigt wird. [Sa.01_013,14] Nächstens wollen wir
das Reich der Tiere näher betrachten, und daher für heute Amen. 14. Kapitel –
Die Stangenschnecke. Die Pyramidenschnecke. Die wunderbare Scheibenschnecke liefert
Mantel, Salbe und Gartenschmuck der Patriarchen auf dem Saturn.
[Sa.01_014,01] Nach dieser hier
beschriebenen und erklärten Riesenmuschel kommen, wie schon gesagt worden
ist, die Schnecken, und zwar fürs erste diejenigen, welche in den Gewässern
vorkommen, und dann erst jene, dem eigentlichen Leibeswesen nach mehr
ausgebildeten, die auf dem Land leben. [Sa.01_014,02] Es gibt aber in den
Wässern tausende Arten der Schnecken, die so nacheinander geordnet sind, daß
nach eurem Fachausdruck in biologischer Beziehung die eine aus der andern
hervorgeht. Besser wäre zu sagen: in Hinsicht der Lebensvermehrung. [Sa.01_014,03] Was die vorhergehenden
Arten der Schnecken betrifft, so sind diese für euer schaulustiges Auge zu
wenig von Interesse, obschon sich über jede Bände von Büchern schreiben
ließen. Ihr würdet bei einer auch nur einigermaßen ausführlicher Einzelbeschreibung
mit der Menge nicht fertig. Daher wollen wir auch nur die letzten Arten von
diesen Schaltieren hervorheben, die für euch von besonders hervorragendem
Interesse sein können. So sind die fünf letzten Arten wegen ihrer wunderbaren
Gestalt näher zu erörtern. [Sa.01_014,04] Die erste der fünf
letzten Schneckenarten ist die sogenannte Stangenschnecke. Sie ist darum
besonders merkwürdig, weil das Gewinde dieser Schnecke einer langgedehnten
Schraube ähnelt und aussieht, wie wenn ihr eine zehn Klafter lange Stange zu
einer Schraube umwandeln ließet, oder, noch besser beschrieben, wie wenn ihr
um diese Stange ein langes Seil so gewunden hättet, daß ein Gewinde sich an
das andere von unten bis oben fest anschließen möchte. Nur müßt ihr euch die
Stange nicht etwa allzudünn vorstellen, sondern so, daß sie zuunterst an der
dicksten Seite einen Durchmesser von fünf Fuß hat und dann gespitzt zuläuft,
und auch die Gewinde in diesem Verhältnis immer dünner werden. Auf eurer Erde
könntet ihr eine solche Schnecke eher eine Art gewundenen Obelisken nennen.
Allein die Benennung Stangenschnecke ist hier darum gegeben, weil dieses Tier
von den Saturnbewohnern so benannt wird. [Sa.01_014,05] Ihre Außenfarbe ist von
wahrhaft wunderbarer Schönheit; denn an der dicksten Seite ist sie vollkommen
rosenrot, wie wenn ihr fein poliertes Silber mit eben dieser Farbe überziehen
möchtet. Gegen die Spitze wird sie immer dunkler rot, mit demselben
metallischen Schimmer, so daß sie alle Rosenfärbungen vom blassesten bis zum
dunkelsten Rot durchmacht. Aber diese Farbe ist nicht die alleinige Pracht
dieser Schnecke, sondern da ist auch noch die Verzierung des Gewindes. Der
langgewundene Bauchgürtel dieser Schnecke ist durchgehend in der schönsten
Ordnung noch mit immer größeren und größten Perlen verziert. Und der Graben
zwischen den Bauchgewinden ist mit einem goldenen Bande geziert, welches noch
die schönsten Arabesken-Figurationen (nach eurem Ausdruck) enthält. – Also
ist das Haus dieser Schnecke beschaffen! [Sa.01_014,06] Das innewohnende Tier
ist weniger interessant, denn es besteht bloß in einem polypenartigen Wurme,
versehen mit vier Freß- oder Saugrüsseln. Seine Nahrung sind kleine Schnecken
wie auch kleinere Muscheln, welche dieses Tier mit dem untersten seiner
Fangrüssel erhascht, zerdrückt und sodann solche zerquetschte Speise in den
sogenannten Freßrüssel steckt. Mit den andern zwei Rüsseln fühlt dieses Tier
nur um sich herum, ob es nicht irgend etwas zu fressen gibt und auch ob sich
ihm nicht etwa einige feindselig gesinnte Nachbarn nähern. Wenn letzteres der
Fall ist, zieht sich dieses Tier alsbald in sein schönes Haus zurück und
verschließt den Ausgang mit einer weißlichen Kruste. Jedoch häufig nützt ihm
diese Vorsicht nichts; denn seine Feinde bestehen in einer später zu
beschreibenden Art Schwertkrebsen, welche diese Kruste bald durchstoßen, als
Räuber in das Haus dieses Tieres dringen und das arme Tier nach und nach bis
auf den letzten Tropfen aufzehren, welche Krebse aber dann doch wieder selbst
ein Raub einer andern, größeren Schnecke werden, von der alsbald die Rede
sein wird. [Sa.01_014,07] Die Bewohner des Saturn
sammeln die Schalen dieser Stangenschnecken und verzieren nicht selten damit
ihre Gärten. Manchesmal aber benutzen sie solche Schnecken zu
Wasserleitungen. Wo das Wasser auf irgendeiner bedeutenden Höhe entspringt,
fangen sie mit der Mündung der Schnecke das Wasser auf, schlagen auf dem
dünnen Teile die Spitze ab, und so strömt hier das Wasser natürlicherweise
mit bedeutender Heftigkeit heraus. Unter dieser Mündung setzen sie wieder
eine zweite Schnecke mit der breiten Mündung an und also fort, und leiten auf
diese Weise dann nicht selten das Wasser viele Meilen nach Belieben
irgendwohin bergabwärts. Daß eine solche Wasserleitung nicht uninteressant
anzusehen ist, möget ihr euch wohl vorstellen. [Sa.01_014,08] Die nächste
Schneckenart ist die sogenannte Pyramidenschnecke. Ihre Farbe ist ganz einförmig
grasgoldgrün, und der Bauchgürtel ist mit verhältnismäßig großen,
schneeweißen, eiförmigen Flächen geziert, deren Rand so verbrämt ist, als ob
ihr eine alabasterne Tafel möchtet in einen blank polierten, goldenen Rahmen
fassen. Die Schnecke ist sehr groß, und wenn ihr sie hier auf der Erde
irgendwo auf der breiten Seite aufstellen möchtet, so dürfte sie mit ihrer
Höhe wohl um ein Bedeutendes euren Stadtschloßberg beschämen. Das in diesem
Hause wohnende Tier sieht der Farbe nach ganz dunkelgrau aus und hat gleich
einem ungeheuer großen Elefanten einen weit um sich greifenden, überaus
starken Rüssel, zu dessen beiden Seiten zwei andere, schwächere Rüssel
hinausgeschoben werden, auf deren äußersten Enden je ein scharfsehendes Auge
sitzt. Zuunterst hängt im Falle einer Bereisung der Meeresfläche diese
Schnecke auch ein Paar weißliche, starke Ruder hinaus, vermöge welcher sie
auf der Oberfläche des Meeres eine ziemlich schnelle Bewegung zu machen
imstande ist. Wenn sie also auf dem Meere fährt, hat sie ihr Haus nach oben
gekehrt, so daß eine solche fahrende Schnecke in einiger Entfernung sich
ausnimmt wie eine auf der Oberfläche des Meeres schwimmende Pyramide. [Sa.01_014,09] Diese Schnecke ist
ziemlich bösartiger Natur und fällt auch Menschen an, die sie mit ihrem
Rüssel umwindet, zerdrückt und alsbald in ihren weiten Rachen steckt. Jedoch
die Saturnbewohner kennen ihre Art gar wohl und sind daher allezeit gut
gerüstet, wenn sie auf ihren Fang ausgehen. Mit einer Schlinge fangen sie den
weit hervorstehenden Rüssel ein, ziehen sie schnell zusammen und die Schnecke
ist so gut wie gefangen. Denn da diese Schnecke schon ein atmendes Tier ist
und den Atem durch den Rüssel einzieht, so verstirbt sie auch sehr bald, wenn
sie nicht mehr zu atmen vermag. Die Bewohner merken ihren vollkommenen Tod
dadurch, daß sie aus ihrem Rachen anfängt einen weißlichen Saft zu lassen;
denn solcher Saft ist dann schon ein Zeichen der inneren, alsbald begonnenen
Verwesung. [Sa.01_014,10] Die Bewohner des Saturn
sammeln diesen Saft sehr emsig seines außerordentlichen Wohlgeruches wegen,
welcher ums Unvergleichliche eure Ambra übertrifft. Hat nun eine solche
Schnecke aufgehört ihren Saft von sich zu lassen, dann geben sie die tote
Schnecke wieder frei. Alsbald findet sich eine Menge Meeresungeziefer, welches
eine solche Schnecke in wenigen Tagen ganz verzehrt, d.h. bis auf die harte
Schale, welche bei dieser Schnecke sehr fest und massiv ist, und zwar so, daß
an der breiten Ausmündung die Schale nicht selten vier bis fünf Klafter dick
ist. Wenn nun auf diese Weise die Schale geräumt ist, wird sie von den
Saturnbewohnern aus dem Meer herausgeholt, und zwar zur Zeit der Ebbe, der Meeresniederung,
und wird dann auf dieselbe Weise wie die große „Riesenmuschel“ an Ort und
Stelle geschafft. [Sa.01_014,11] Diese Schnecke nährt
sich vornehmlich von der schon früher erwähnten Art der Schwertkrebse, deren
es eine Menge in den verschiedensten Größen gibt. Jedoch größer ist keiner
als der sogenannte Meerkrebs bei euch. Aber kleiner wird dieses Tier häufig
angetroffen, oft so klein wie bei euch ungefähr eine Heuschrecke. – Wann
macht aber diese zweite oder Pyramidenschnecke einen solchen
Haupt-Schwertkrebsen-Fang? – Solcher Fang geschieht, wenn diese Krebse oft
gerade am unermüdlichsten beschäftigt sind, um eine schon früher
bekanntgemachte Stangenschnecke aufzuzehren. Wenn da die Pyramidenschnecke
ein mit solchen Krebsen gefülltes Stangenschneckenhaus antrifft, umwindet sie
dasselbe mit ihrem Rüssel, begibt sich damit an ein Ufer, und legt das
Stangenschneckenhaus mit der breiten Seite aus dem Wasser. Wenn so die Krebse
sich außer Wasser befinden, dann fängt einer nach dem andern an, aus der
Schnecke zu kriechen, bei welcher Gelegenheit auch einer nach dem andern
unfehlbar aufgezehrt wird. Und so sind diese Krebse gleichsam eine
lebensammelnde Mittel-Tierklasse, vermöge welcher das Leben einer Schnecke
potenziert in das Leben einer andern übergeht. So gibt es zwischen zwei größeren
Tierklassen immer eine kleinere, welche gegen die vorhergehende große Klasse
sich feindselig verhält, aber von einer nachfolgenden größeren Klasse alsbald
wieder als eine wohlschmeckende Speise verzehrt wird. [Sa.01_014,12] Die dritte Art der hier
vorkommenden Meeres-Schnecken ist die sogenannte Scheibenschnecke. Diese
Schnecke hat viel Ähnlichkeit mit eurer bekannten Nautiliusschnecke; nur ist
natürlicherweise eure Nautiliusschnecke ums unvergleichliche kleiner und im
Verhältnis zu ihrer beiderseitigen Plattform viel dicker als diese
Scheibenschnecke auf unserem Planeten Saturn zu ihrer Plattform. Die Scheibe
dieser Schnecke hat nicht selten einen Durchmesser von hundert bis
hundertundzwanzig Klaftern. Ihre Dicke aber beträgt kaum etwas über drei
Klafter. Diese Schnecke befindet sich besonders zur Zeit der Flut auf dem
Grunde des Meeres, zur Zeit der Ebbe aber schwimmt sie allezeit auf der
Oberfläche. [Sa.01_014,13] Wenn sie auf dem Grunde
des Meeres liegt, schiebt sie einen langen Rüssel weit über die Oberfläche
des Wassers hinaus, um Atem zu holen. Dadurch wird ihr Stand sehr leicht
ermittelt, bei welcher Gelegenheit sie dann auch gewöhnlich gefangen wird –
es versteht sich von selbst nur in einer mittleren Flutzeit; denn in einer
Sturmflut wagt sich kein Saturnbewohner auf das Meer. Ihr möchtet vielleicht
denken, warum diese Schnecke nicht vielmehr zur Zeit der Ebbe, wenn sie auf
der Oberfläche des Meeres schwimmt, gefangengenommen wird. Allein da ist dieses
Tier durchaus nicht zu fangen, weil es außerordentlich schnell über die
Oberfläche des Meeres dahinfährt und somit nicht leichtlich eingeholt werden
kann. Und wenn es auch eingeholt werden könnte, so kann niemand diese Scheibe
ergreifen, weil die an und für sich sanfte Schnecke bei der leisesten
Berührung alle ihre Extremitäten sogleich einzieht und sich vermöge eines ins
Wasser hineingehenden Ruders so schnell zu drehen anfängt, daß niemand wagt,
dieses große, schnelldrehende Rad anzugreifen. [Sa.01_014,14] Wie sieht denn
eigentlich diese für euch gewiß überaus merkwürdige Schnecke aus? – Fürwahr,
Ich sage euch: Ihr möget euch in alle möglichen noch so wunderbare Phantasien
versenken, so wird es euch doch nicht gelingen, euch die Schönheit dieser
Schnecke recht vorzustellen, aus welchem Grunde die Saturnbewohner auch nicht
selten, mit vielen Gefahren kämpfend, sich einer solchen Wunderschnecke zu bemächtigen
suchen. [Sa.01_014,15] Diese Schnecke bildet,
was ihr Haus betrifft, einen vollkommenen Kreis; denn die Mündung ist lang
angrenzend an die flachen Vorgewinde angebracht, daß sie ungefähr ein Drittel
des ganzen Kreises einnimmt. Die Öffnung, bei welcher diese Scheibenschnecke
mit ihrem Leib und ihren wunderbaren Extremitäten nach Willkür hinausragt,
ist kaum etwas über eine halbe Klafter weit. Und der trichterförmige Rand
dieser länglichen Mündung ist überall so gut und fein eingerundet, daß er dem
ganzen Hause nicht nur kein zerrüttetes oder unvollständiges, sondern ein
überaus prachterhöhendes Aussehen gibt. [Sa.01_014,16] Wie sieht denn nun
dieses Haus aus? Sehet und erstaunet in eurem Innern! Dieses Haus hat dem
Äußern nach das wunderbare Aussehen, als hätte dasselbe der
allerkunstfertigste Juwelier überaus mannigfaltig wohlgeordnet mit den
verschiedensten Sorten der edelsten Steine besetzt. Da läuft eine Reihe
herum, als wären es lauter Diamanten von einem Gewicht zu je einem Pfund.
Eine andere, an diese sich anschließende Reihe besteht aus lauter Rubinen,
von gleichem Gewicht; eine andere wieder aus lauter Smaragden, und so weiter
durch alle zwölf Arten der Hauptedelsteine durch. Zwischen einer jeden
solchen Stein-Bordüre ist ein freier Raum, der aussieht wie ein breites,
goldenes Band. In diesem Band sind in erhabener Form die wunderschönsten
Zeichnungen angebracht, welche die ganze vorhergehende Gruppe der
Tiergattungen getreulich abbilden, deren Leben in dieser Schnecke vereinigt
ist. [Sa.01_014,17] Das Ende des
Schneckenhauses schließt eine aufrechtstehende, aus klafterhohen kleinen
Goldsäulen bestehende Galerie, welche aussieht, als hätte um ein solches Rad
oder um einen solchen Rundgrund ein geschickter Bildhauer ein Geländer angefertigt,
dessen Stäbe künstlerisch gestaltete kleine Stangenschnecken wären, welche
zuoberst mit lauter fein gewundenen Bögen verbunden sind. Die Stäbe sind nach
der Art goldgefärbt, wie die Stangenschnecke selbst. Die gewundenen Bögen
aber sind so gut und, Ich sage hier, besser als blankes, überaus fein
poliertes Gold. Über einem jeden Bogen ist noch künstlerisch angebracht die
Form einer Pyramidenschnecke in kleiner Gestalt mit der ihr ureigentümlichen
Farbe. Das Geländer wird nur an der Stelle der Ausmündung der Schnecke
allmählich niedriger und hört dort ganz auf, wo dieses Tier seine Hauptextremitäten
von sich hinausschiebt, ungefähr eine Strecke von fünf Klaftern. [Sa.01_014,18] Also sieht nun einmal
die obere Fläche dieser Schnecke aus. – Die Seitenwand, die etwa, wie schon
bemerkt wurde, bei drei Klafter dick, breit oder hoch ist, sieht geradeso aus
wie eine rundgeführte Kolonnade von Säulen zu zwei Klaftern Länge. Die Säulen
sind durchgehend blendend weiß und haben nicht etwa Postamente und Kapitäler,
sondern sie gehen gerade von der untern, vorspringenden Fläche zu der obern
empor. Der Hintergrund aber hinter den weißen Säulen ist ebenfalls hell
gefärbt und gleicht vollkommen einem Regenbogen. Der längliche Kanal oder
vielmehr die längliche Mündung der Schnecke ist so vollkommen rot, wie bei
euch manchesmal die Wolken im Abendrot, und hat auch zugleich ein eigenes
phosphorisches Leuchten, welches besonders zur Nachtzeit sich nicht minder
hell ausnimmt wie ein von der späten Sonne beleuchtetes Wölkchen. [Sa.01_014,19] Wie sehen denn die
Extremitäten aus? – Diese Schnecke spannt, einem schönen Pfaufedern-Rade
gleich, eine Art rundes Segel aus, welches ihr dazu dient, wenn auf der
Meeresfläche Winde wehen, daß sich diese darin wie in einem Segeltuch fangen
und dann die Schnecke außerordentlich schnell über die Oberfläche des Wassers
hintreiben. Ist aber Windstille, so fächert sie mit diesem großen
Radsegeltuch so behende die Luft, daß sie sich dann auf diese Art ebenfalls
sehr schnell über die Oberfläche des Meeres bewegen kann, welche Bewegung
durch Hilfe der untern, ins Wasser hinabreichenden Extremitäten noch
beschleunigt wird. [Sa.01_014,20] Dieses ausgespannte Rad
sieht gar wunderbar schön aus. Seine Farbe ist blaßviolett. Seine Verbrämung
ringsherum ist glänzendrot und selbstleuchtend, wie Wölkchen in der
Abendröte. Das ganze Rad ist regelmäßig in Fächer abgeteilt, davon ein jeder
Fächer mit einer überaus wohlgelungenen Zeichnung einer Stangenschnecke
geziert ist, jedoch mit der Spitze nach unten. Auf der rückwärtigen Seite
aber ist dieser Fächer ganz ordnungsmäßig vom kleinsten bis zum größten
geschmückt mit den schon früher erwähnten Schwertkrebsen, welche da allesamt
in der schönsten Goldkarminfarbe aufgetragen sind. Jeder Fächer bildet am
Rand einen eigenen Bogen. Dieser Bogen ist nach vorne geziert mit einer
getreuen Abzeichnung dieser Scheibenschnecke selbst und nach rückwärts auf
einem hellblauen Grunde mit der Pyramidenschnecke. Der äußere Rand ist
rückwärts glänzendweiß und hat ebenfalls, wie der nach vorne, ein eigenes,
abendwölkchenrotes Leuchten. [Sa.01_014,21] Der lange Rüssel zum
Atemholen ist ebenfalls vollkommen weiß, jedoch umwunden mit einem roten
Band, in dessen Mitte kleine, blaßgrüngoldene Sterne angebracht sind. Der
Rüssel dient dieser Schnecke auch als ein Arm zum Fang ihrer Nahrung. Sie
lebt von einer Art Meergras, welches sehr häufig nahe an den Ufern im Meere
vorkommt. Auf diesem Grase kleben eine Menge kleiner Goldwürmchen, welche
dieser Schnecke zu einer Mitnahrung dienen. Durch solche Nahrung eignet sie
sich dann schon auf eine mehr übernatürliche Weise das Leben aller vorhergehenden
Tiergattungen an. [Sa.01_014,22] Diese Schnecke hat auch
schon einen eigenen, starken Instinkt, aus welchem nicht selten so viel
Klugheit heraussieht, daß es schon in manchen andern Ländern geschehen ist,
daß ihr einige Menschen göttliche Verehrung erwiesen – was besonders daher
rührt, weil eben diese Schnecke, wenn sie nicht gereizt oder verfolgt wird,
zufällig ins Meer gefallene Gegenstände, seien es Tiere oder Menschen oder
was immer, vor dem Untergang rettet. Was sie da hilflos auf der Oberfläche
des Wassers findet, ergreift sie alsbald mit ihrem starken Rüssel, setzt es
auf seine schöne und geräumige Scheibenfläche, segelt damit an irgendein Ufer
und setzt es dort mit ihrem Rüssel ans trockene Land. Aus diesem Grund hat
dieses überaus schöne Wassertier von den Saturnbewohnern in den verschiedenen
Ländern auch ebenso verschiedene Namen. Einige nennen es den Meereskehrer,
weil es nichts Schwimmendes auf der Meeresoberfläche vertragen kann, andere
nennen es den Lebensretter, andere wieder die Meeresleuchte, andere wieder
das lebendige Schiff oder das Wunderrad – und so hat dieses Tier weiter noch
eine Menge verschiedenartiger Benennungen. [Sa.01_014,23] Dieses Tier hat außer
dem Menschen beinahe keine Feinde und stirbt von selbst, wenn es sein
gehöriges Alter erreicht hat. Allein wenn es stirbt, verliert das schöne Haus
dann viel von seiner Pracht. Daher suchen die Saturnbewohner die Schnecke lebendig
zu fangen und zu töten, damit die Pracht des schönen Hauses erhalten bleiben
kann. Wenn das Tier getötet ist, schwimmt es alsbald auf der Oberfläche des
Meeres, und die Bewohner fahren dann auf ihren Schiffen damit schnell nach
irgendeinem Flusse ihrer Heimat zu. Da angelangt, wird das Fleisch der Schnecke
auf eine geschickte Art behutsam herausgezogen, so daß der Fächer nicht
beschädigt wird. Diesen spannen sie dann, nachdem sie ihn vorher behutsam von
dem festen Körper der Schnecke abgelöst haben, sorgfältig aus. Und wenn er
genügend ausgetrocknet ist, wird er mit überaus wohlriechenden Ölen eingerieben,
da er dadurch wieder sehr sanft und biegsam wird. [Sa.01_014,24] Aus einem solchen
Schneckenfächer machen sie dann eine Art Mantel – welche Mäntel jedoch nur
jene Menschen auf diesem Planeten und vorzugsweise in diesem Lande zu tragen
pflegen, welche ein gewisses patriarchalisches, d.h. familienväterliches
Ansehen genießen. Ein solcher Fächer behält zwar alle seine Farben und
Zeichnungen lebendig, nur das Selbstleuchten geht zugrunde. [Sa.01_014,25] Das übrige Fleisch
dieser Schnecke aber wird, da es beinahe aus lauter Fett besteht, ganz
ausgesotten. Das Fett wird mit wohlriechenden Kräutern vermengt, woraus diese
Saturnmenschen eine außerordentlich köstliche Salbe bereiten, mit welcher
sich nur der Patriarch zu salben pflegt. [Sa.01_014,26] Was geschieht denn aber
mit dem schönen Haus? – Dieses wird von den Saturnbewohnern sehr behutsam ans
Land gebracht und dort auf einem eigens dazu aufgeworfenen Erdwall auf dessen
Oberfläche, wie ihr zu sagen pflegt, horizontal befestigt, vorzugsweise in
einem Garten eines oder des andern Familienvaters, wo dann die Menschen sehr
gerne darauf schauen oder manchesmal bei außerordentlichen Gelegenheiten
sogar auf demselben umhergehen. Das zweite jedoch geschieht, wie schon
gesagt, zu äußerst seltenen Zeiten; denn ein solcher Patriarch hält große
Stücke auf eine solche Verzierung seines Gartens, da hier der allfällige
Reichtum nach nichts als nach der Pracht des Gartens bestimmt wird. Um diese
Pracht zu erhöhen, wird gewöhnlich auf einer Seite dieser Scheibenschnecke
die schon früher beschriebene Pyramidenschnecke aufgestellt. Und es geschieht
da nicht selten, daß ein solcher Stammvater in seinem Garten in einer geraden
Linie bis hundert solcher Verzierungen aufzuweisen hat, d. h. von beiden
Gattungen gleich viel. [Sa.01_014,27] Hierzu brauche Ich
hernach euch nichts weiteres mehr zu sagen als: Auch hier erweckt wieder ein wenig
eure innere Phantasie und macht einen kleinen Spaziergang in einen solchen
Garten, und ihr könnt überzeugt sein, daß auf eurer Erde alle Kaiser und
Könige zusammen nicht imstande wären, einen solchen Garten also prachtvoll zu
verzieren und auszuschmücken. Denn da dürfte schon eine Diamantenreihe, mit
welcher die Oberfläche dieses Schneckenhauses geziert ist, teurer zu stehen
kommen als bei euch der ganze Kaiserschatz. Die andern Edelsteine und das
viele blanke Gold gar nicht gerechnet, wie auch die andern vielen
Herrlichkeiten dieser Gärten der Patriarchen auf dem Saturn! [Sa.01_014,28] Die zwei übrigen
Schnecken für das nächste Mal! Und daher für heute Amen. 15. Kapitel –
Die Siebenschnecke. Praktische Verwendung ihres Gehäuses.
Gewichtsverhältnisse auf dem Saturn.
[Sa.01_015,01] Was die vierte Schnecke
anlangt, so steht sie in der Pracht der schon bekannten Scheibenschnecke
nach. Jedoch was ihre Größe betrifft, ist sie der Scheibenschnecke um vieles
voraus. Von den Bewohnern dieses Landes wird sie gewöhnlich die große
Siebenschnecke genannt – nicht etwa, als wenn in diesem Gehäuse sich sieben
einzelne Schnecken aufhalten möchten, sondern weil das Gehäuse dieser Schnecke
aus sieben nach aufwärts gerichteten turmhohen Spitzen besteht, welche von
einem eirunden Gehäuse als Auswüchse auslaufen. Das Hauptgehäuse der Schnecke
ist vollkommen oval wie ein Ei; davon die spitzigere Seite allzeit nach unten
ins Wasser gekehrt ist, die stumpfere nach oben. Das Gewinde dieser Schnecke
ist nicht sichtbar und ist nur im Inwendigen des Gehäuses vorhanden. Jedoch
bei jedem Gewinde, wenn dasselbe den Kreis vollendet hat, ist ein solcher
Turmauswuchs, so daß demnach der obere Teil des Gehäuses mit diesen Türmen so
bestellt ist, daß aus der Mitte der höchste emporsteigt und die andern dann
in abnehmender Ordnung um denselben herumstehen. Ein jeder dieser Auswüchse
gleicht einer großen, euch schon bekannten Stangenschnecke, nur mit dem
Unterschied, daß er um vieles länger und zuunterst an der Schale im
Durchmesser auch um vieles dicker ist. [Sa.01_015,02] Die Mündung dieser
Schnecke ist vollkommen rund und steht in gutem Verhältnis mit der ganzen
riesenhaften Größe dieses Schaltieres. Der Leib füllt natürlicherweise das
große Gehäuse so aus, daß die Auswüchse nach Belieben ausgefüllt werden
können. Will die Schnecke sich ins Wasser versenken, füllt sie die Auswüchse
aus, und will sie sich über dem Wasser erhalten, dann zieht sie sich mit
ihren Auswüchsen ins Zentrum zusammen und erhebt sich dadurch über die Fläche
des Wassers. – Ihr Leib, den sie auf der Oberfläche des Wassers aus der
Mündung hinausschiebt, ist ganz weiß und sieht übrigens einer Schnecke bei
euch nicht unähnlich – nur daß auch diese Schnecke vorne zwischen ihren
großen vier Fühlarmen ebenfalls mit einem großen und langen Rüssel versehen
ist, den sie zum Fang ihrer Nahrung äußerst behende gebrauchen kann. [Sa.01_015,03] Ihre Nahrung besteht in
allerlei Seekräutern, aber auch mitunter in den großen Seepolypen, welche sie
aus dem Grunde des Meeres gewaltsam losreißt und dann in ihren Rachen steckt.
An den obern zwei Fühlarmen hat sie auch zwei scharfsehende Augen und kann
dieselben nach Belieben bald da, bald dorthin richten. Wenn sie nun
irgendeine Beute entdeckt, fährt sie pfeilschnell an den Ort hin und fängt
sie sogleich, sei es nun ein Seekraut oder irgendein Polyp. Damit sie aber
ihre Reise machen kann, hat sie zuunterst der Mündung zwei starke Ruderarme,
vermöge welcher sie das Wasser fängt und sich so vorwärtsbewegt. [Sa.01_015,04] Nun, wie groß ist denn
diese Schnecke? – Sie hat einen Durchmesser von fünfhundert Klaftern nach
eurem Maß. Der mittlere Auswuchs ist höher als bei euch der höchste Turm. Er
hat unten nicht selten einen Durchmesser von zwanzig bis dreißig Klaftern und
läuft oben pyramidenartig in eine Spitze zusammen. Die Farbe der Schale ist
ein Mittelding zwischen grün und blau. Von dem Mittelauswuchs laufen
weißlichblaue Streifen, so daß die Schale auf diese Art ein großartig
tigerhaftes Aussehen hat. Weiter hat sie keine Verzierungen. Was aber die
Auswüchse anbelangt, so sehen sie, wie schon anfangs bemerkt, geradeso aus
wie eine Stangenschnecke, nur die Mündung an der Schnecke ist purpurrot. [Sa.01_015,05] Auch diese Schnecke
wird von den Einwohnern als ein guter Fang betrachtet. Denn wenn das Fleisch
aus dieser Schnecke entfernt ist, wird das Gehäuse, wie schon bei den andern
Schnecken erwähnt, auf dem Wasser landeinwärts gebracht und da der spitzigere
Teil der Schale bis zur Mündung in trockenes Erdreich versenkt, wo dann ein
solches Gefäß zu einer Art Magazin für Samenfrüchte verwendet wird. [Sa.01_015,06] Manchmal werden in
einem solchen Schneckenhaus auch an allen Seiten Öffnungen angebracht und im
Innern des Gehäuses ein Boden gelegt. Auf diese Art wird dann ein solches
Schneckenhaus als eine Prachtwohnung für Kinder verwendet, und zwar besonders
darum, weil ein solches Wohnhaus vermöge seiner innern außerordentlichen
Glätte am reinlichsten erhalten werden kann. Der Boden besteht in einer Art
Aussandung. Es wird vollkommen trockener Sand bis nahe an die Mündung
hineingeschüttet. Über den Sand werden in diesem Lande häufig vorkommende
weiße Flachsteine gelegt, und zwar allzeit in der schönsten Ordnung. Wenn der
Boden gelegt ist, so ist das Gebäude auch fertig und sieht dann einer
weitläufigen gewölbten Halle gleich, über welche sich die bekannten Türme
erheben. Deren Spitzen werden abgesägt, damit durch dieselben Licht
hineinfällt, aber auch, damit die im Innern eines solchen Hauses sich sammelnden
Dünste und der Feuerrauch emporsteigen können. [Sa.01_015,07] Jedoch diese Gattung
Schnecken wird dort nicht gar zu häufig angetroffen. Daher haben solche
Häuser auch gewöhnlich nur die Patriarchen, die zunächst an den Meeresküsten
wohnen. Eine solche Schneckenschale ist selbst für die riesenhaft starken
Saturnbewohner wegen ihrer Größe und außergewöhnlichen Massivität zu schwer,
um sie weit ins Land hinein verbringen zu können; denn was die Massivität anbelangt,
so sind die Wände fast allenthalben vier bis fünf Klafter dick. Wenn ihr das
beachtet, könnt ihr euch schon von der Schwere dieser Schnecke einen Begriff
machen. [Sa.01_015,08] Wären auf diesem
Planeten die Schwerkraftverhältnisse so wie auf der Erde, dann wäre die
Überbringung einer solchen Schnecke wohl eine reine Unmöglichkeit selbst für
noch bedeutendere Kräfte als die der Saturnbewohner. Allein was bei euch
einen Zentner wiegt, hat dort unter dem Ring oft kaum ein Gewicht von einem
Pfund. Und es kann selbst ein solches Gewicht noch verringert werden durch
die innern, von den Saturnbewohnern weislich veranstalteten Luftverdünnungen.
Dies ist besonders bei Verbringung dieser Schnecke der Fall, wobei die
Saturnbewohner dürre Äste vom euch schon bekannten harzreichen Pyramidenbaum
anzünden und zur Mündung dieser Schnecke brennend hineinschieben. Durch
dieses Verbrennen wird die Luft in einem solchen leeren Gehäuse so verdünnt,
daß es dann mit bedeutender Leichtigkeit weitergeschafft werden kann. Denn
was die Aerostatik anbelangt, so sind eben darin die Saturnbewohner die
vorzüglichsten Meister – was alles noch zu seiner Zeit näher erwähnt wird. [Sa.01_015,09] Das ist nun alles von
dieser Siebenschnecke! – Erwecket auch hier wieder ein wenig eure innere
Phantasie und ihr werdet mit großer Verwunderung dieses Tier selbst wie auch
die Verwendung seines Hauses von seiten der Bewohner betrachten und werdet
darüber um so mehr erstaunen, so Ich euch noch hinzusetze, daß ein solches
Gebäude von unzerstörbarer Festigkeit ist. Es werden darunter einige angetroffen,
die schon älter sind, als bei euch die Erdbevölkerung; denn ein solches
Gebäude wird je älter, desto fester. Und darum werden auch die ältesten in
besonderen Ehren gehalten. So ihr euch aber schon darüber wundert, so
bedenket dabei doch, daß selbst die riesenhaften Tiergestalten dieses
Planeten nur kleine Miniatur-Arbeiten sind gegen manche andere Tiergattungen,
welche sowohl in diesem Planeten, größere aber noch im Jupiter und
unvergleichlich größere in den Sonnen vorkommen. – Betrachtet dieses heute
Gesagte und erwartet fürs nächste das Nachkommende! Und darum für heute Amen. 16. Kapitel –
Die riesenhafte, leuchtende Strahlenschnecke. Ihr Auftauchen bei
Meeresstürmen.
[Sa.01_016,01] Was die Schnecke Nummer
fünf betrifft, so ist das die letzte der Schneckenordnung nach, zugleich auch
die größte und in einer Hinsicht die merkwürdigste. Diese Schnecke hat den
Namen: die Strahlenschnecke. Sie wird von den Bewohnern dieses Planeten nur
vor den größten, euch schon bekanntgegebenen Seestürmen gesehen. Ihre Gestalt
ist das Großartigste, was ihr euch denken könnt. Auf eurem Erdkörper gibt es
nichts Ähnliches, um damit einen annähernden Vergleich machen zu können. [Sa.01_016,02] Um euch aber doch einen
Begriff davon zu geben, so denket euch einen großen geschliffenen Brillanten;
denn so kantig ist diese Schnecke, auf der Oberfläche flacher und an dem
untern Teile zugespitzter. Die Kanten, deren die Oberfläche allein mehrere
Tausende in der schönsten Ordnung sich in lauter Dreiecken durchziehend
besitzt, sehen aus wie halbklafterbreite, polierte, goldene Streifen, welche
überall eine vollkommen regelmäßig dreieckige Fläche einschließen oder
vielmehr einfassen. Die dreieckige Tafel ist so groß, daß eine jede Seite bei
drei Klaftern mißt, und keine ist größer und keine kleiner. Nur zuoberst der
Schnecke befindet sich eine größere Fläche, welche aber nicht mehr dreieckig,
sondern zweiunddreißigeckig ist (und vollkommen ähnlich sieht einer sogenannten
Windrose bei euch), welche in ihren äußeren Enden ebenfalls mit den breiten
Goldstreifen umfaßt ist. Diese Tafeln sind so durchsichtig wie ein geschliffener
Diamant und auch nicht minder fest. Der Unterschied besteht nur darin, daß
alle diese Flächen das Vermögen haben, das Licht der Sonne und der Gestirne
einzusaugen und es dann in den verschiedensten Strahlenbrechungen zur dunkler
gewordenen Nachtzeit wieder ausstrahlen zu lassen. [Sa.01_016,03] Wie groß ist denn
eigentlich diese Schnecke? – Wenn sie auf dem Meer daherschwimmt, wäre auf
ihrer Oberfläche wohl Raum genug, um alle Häuser eurer Hauptstadt auf diese
zu setzen, unter dem Beibehalt der Gassen und Plätze. Die Schale ist
durchgehend bei zehn Klafter dick und hat von der Oberfläche bis zur untern
Spitze einen Durchmesser von dreihundert Klaftern. Was aber den Durchmesser
der Breite dieser Schnecke anbelangt, so beträgt derselbe nicht selten über
eine deutsche Meile. Die Mündung dieser Schnecke, welche etwas länglich-rund
ist, hat einen Durchmesser von siebzig Klaftern. Durch die Öffnung streckt
diese Schnecke ihren massiven Kopf, der dem Kopf eines Walrosses nicht unähnlich
ist, oft so weit über die Meeresoberfläche heraus, und zwar meistens bei
Stürmen schnurgerade in die Höhe, daß sie auf eurer Erde mit großer
Leichtigkeit über hohe Berge hinwegsehen könnte. [Sa.01_016,04] Aber bei aller
riesenhaften Größe ist diese Schnecke dessenungeachtet sehr sanfter Natur und
tut niemandem etwas zuleide. – Ihre Nahrung besteht in drei verschiedenen
Arten von Speisen. Die erste Art sind ebenfalls sehr große und sehr häufig im
Meer vorkommende Kräuter. Die zweite Art ihrer Nahrung sind große Seewürmer.
Und die dritte Art ihrer Nahrung sind mitunter auch Seevögel, welche zugleich
ein Leckerbissen für sie sind. Diese letztere Nahrung nimmt sie jedoch nur
bei großen Stürmen zu sich, denn bei ruhigem Wetter befindet sich dieses
Riesentier gewöhnlich in der Tiefe des Meeres. [Sa.01_016,05] In einer dunklen
Sturmesnacht verbreitet eine solche auftauchende Schnecke nicht selten ein so
starkes Licht, daß davon eine ganze Meeresgegend in einem Bereiche von
hundert Quadratmeilen ganz stark erleuchtet wird. Nehmt jetzt bei einem solchen
Meeressturm die vielen himmelanragenden Wasserberge und denkt euch von einer
Höhe die Aussicht von mehreren tausend Quadratmeilen über die Oberfläche des
Meeres, auf welcher hie und da solche Strahlenschnecken auftauchen – so
könnet ihr euch einen kleinen Begriff machen, welches Wunderschauspiel das
auf diesem Planeten gewährt. Besonders imposant wird es dann, wenn mehrere
solcher Schnecken gruppenweise auftauchen, ihre langen Hälse über die
Oberfläche des Meeres erheben und mit denselben nach den häufig
herumfliegenden Sturmvögeln jagen. Alsdann wird ein solcher Anblick für euch
– nach eurer Weise zu reden – grausig, fürchterlich schön. [Sa.01_016,06] Diese Schnecke wird von
den Saturnbewohnern nicht gefangen. Fürs erste, weil sie bei ruhiger Zeit nie
an die Oberfläche des Meeres kommt. Fürs zweite aber auch, weil die Schale zu
schwer wäre, sie irgendwohin zu einem Zweck aufs Land bringen zu können.
Diese Schnecke erlangt auch gewöhnlich ein hohes Alter und lebt nicht selten
dreißig Jahre, d. h. Saturnjahre. Wenn sie stirbt, geht bald auch ihr ganzes
Gehäuse aus den Fugen und zerfällt und verwest mit der Zeit alles zusammen.
Das Fleisch verzehren gewöhnlich eine Art Fische, die den Haifischen in euren
Meeren nicht unähnlich sind, aber noch größere Ähnlichkeit haben mit euren
Krokodilen. [Sa.01_016,07] Das ist nun alles von
dieser Schnecke. – Erweckt auch hier wieder ein wenig eure innere Phantasie,
und ihr werdet mit Hilfe dieser getreuen Bekanntgebung euch in eine ziemlich
lebhafte Anschauung versetzen können. [Sa.01_016,08] Für ein nächstes Mal
wollen wir dann zu der dritten Gruppe der Schaltiere übergehen, und zunächst
zu den Schildkröten, wobei ihr euch noch viel mehr verwundern werdet als bei
der Darstellung und Beschreibung der Muscheln und Schnecken. Und darum für
diesmal Amen. 17. Kapitel –
Weiteres von den Wassertieren. Der walfischartige Saturnfisch Bisorhiohiohio
– ein Umgestalter des Geistig-Seelischen der Wassertiere in das der Lufttiere.
[Sa.01_017,01] Da in der bisherigen
Mitteilung über diesen Planeten schon so manches, was seine planetarische
Beschaffenheit betrifft, sowie über dessen Ländereien und Pflanzen und so
manche Tiere kundgegeben worden ist und bei den Tieren dort eine Unterbrechung
geschah, als im kurzen Durchlauf die vorzüglichste Gattung der Schnecken
geschildert wurde – so wollen wir nun so kurz und faßlich wie möglich von
diesem Standpunkt aus unsere Erläuterung fortsetzen. Wir werden uns hier bei
den einzelnen Geschöpfgattungen nicht so lange aufhalten, sondern überall nur
das Vorzüglichste herausheben, alles andere aber nur einem allgemeinen
Überblick überlassen. [Sa.01_017,02] Demzufolge wollen wir
die Tiere, die im Wasser leben, nur vorübergehend im allgemeinen berühren und
uns dann zu den Bewohnern der Luft wenden, bei denen wir uns ebenfalls nicht
lange aufhalten werden; ebenso auch bei den Landtieren, um dadurch desto eher
zu den Menschen dieses Weltkörpers zu gelangen. – Und sonach wenden wir uns zurück
zu unseren Wassertieren. [Sa.01_017,03] Ihr hörtet, wie große
Gewässer und Meere dieser Planet innehat und wisset auch, daß auf Erden die
größten und mächtigsten Tiere sich in den Gewässern aufhalten. Derselbe
Umstand findet sich auch auf dem Saturn vor; nur sind natürlicherweise die Arten
und Klassen sehr verschieden und haben da entweder gar keine oder nur eine
sehr geringe Ähnlichkeit mit denen auf eurem Erdkörper. Wir wollen nur einige
erwähnen, und zwar zuerst diejenigen, die ins ungeheuer zahlreiche Artenreich
der Fische gehören. [Sa.01_017,04] Der größte aller Fische
dieses Weltkörpers ist der sogenannte Bisorhiohiohio. – Dieser Fisch befindet
sich ungefähr auf derselben Stufe wie euer Erd-Walfisch, ist aber, was seine
Form betrifft, außerordentlich verschieden von eurem Walfisch. Er hat einen
bei hundert Klafter hohen, vollkommen runden Kopf, und sieht somit einer
Kugel gleich, welche hundert Klafter im Durchmesser hat und sich in der Mitte
bis ganz nach rückwärts öffnen läßt. Dieser Kopf hat weder Zähne noch Finnen,
sondern sowohl der untere als der obere Teil dieses großen Rundrachens ist
eine vollkommen flache und harte Scheibe. An deren hinterstem Teile oder an
der Vormündung des weiten Schlundes befindet sich eine lange, dehnbare Doppelzunge,
welche dieser Fisch gebraucht, um die zwischen den zwei Rachenscheiben
zerquetschte Nahrung in den Schlund zu ziehen. – An den Kopf schließt sich
der eigentliche Mittel- oder Hauptleib des Fisches. Dieser ist bei einem gut
ausgewachsenen Fisch nicht selten nahe dreitausend Klafter lang und bei
eintausendfünfhundert Klafter vom Bauche bis auf den Rücken hoch. Da, wo er
am dicksten ist, hat er nicht selten einen Durchmesser von nahezu tausend
Klafter. An dem Leib ist ein etwa tausend Klafter langer Schweif, welchen
dieser Fisch vorzugsweise zu seinen Bewegungen und Wendungen im Wasser
benützt. Auf dem Rücken dieses Fisches sind äußerst starke und nicht selten
über hundert Klafter im Durchmesser habende Flossen angebracht. Am Bauch hat
er zwei förmliche Schwimmarme, ungefähr wie bei euch die Seehunde oder
Walrosse sie haben. [Sa.01_017,05] Wenn ihr den
Bisorhiohiohio ein wenig vor die Augen eurer Gefühlsphantasie führt, dürfte
es euch wohl klar werden, daß dieser Fisch, wenn er auf irgendeinem Land
eurer Erde zu liegen käme und noch dazu seine Rückenflossen ausspannen
möchte, da mit den höchsten Bergen der Erde wetteifern dürfte. Er wird aber
selbst von den Saturnbewohnern bald ein schwimmender Berg, bald eine
schwimmende Insel, bald auch ein schwimmendes Land genannt; einige nennen ihn
auch den Wasserplaneten. [Sa.01_017,06] Wird der Bisorhiohiohio
auf diesem Planeten auch gefangen? – Nein, vor diesem Fisch hat ein jeder
Saturnbewohner einen außerordentlich großen Respekt. Denn wenn sich irgend
etwas auf der Oberfläche des Wassers ihm naht, macht er alsbald seinen großen
Kugelkopf auf, schießt mit großer Schnelligkeit auf den im Wasser
schwimmenden Gegenstand zu und zerquetscht durch die große Schwere und Kraft
des Kopfes denselben, sobald er in seinen Rachen geraten ist, und verzehrt
ihn. – Zum größten Glück aber bewohnt dieser Fisch zumeist nur die Polargegenden
unseres Planeten, welche vermöge ihres immerwährenden Schnees und Eises für
die Saturnbewohner noch viel unzugänglicher sind als für die Bewohner der
Erde die Polargebiete. Daher geschieht es auch äußerst selten, daß irgendwo
ein solcher Fisch von den Bewohnern des Saturn gesehen wird. Wenn er aber in
den nördlicheren Teilen der Saturnländereien, wo er sich zumeist aufhält, von
einem oder dem andern Saturnbewohner gesehen wird, so gilt das allezeit für
eine schlimme Vorbedeutung. Diese Menschen flüchten da auch alsbald in die
innersten Teile der Länder; denn sie sind der Meinung, dieser Fisch sei von
den schlimmen Geistern des Eises zu ihrem Untergang dahingesandt worden. An
eine Stelle, wo ein solcher Fisch gesehen wurde, getraut sich dann lange Zeit
kein Saturnmensch mehr seinen Fuß zu setzen. Aus diesem Grund geschieht es
auch, daß die nördlichen Teile des Saturn, das heißt seine dortigen
Ländereien, entweder gar selten oder zumeist gar nicht bewohnt werden. [Sa.01_017,07] Ihr werdet hier nun
fragen: Was hat denn eigentlich dieser Fisch für eine Bestimmung? – Dieser
Fisch ist das letzte Aufnahmeorgan alles Geistig-Seelischen des Wassergetiers,
und aus ihm verteilt es sich dann wieder in allerlei Getier der Luft. Denn in
diesem Organ bildet sich dem geistig-substantiellen Teile nach nicht nur eine
künftige Lufttierart aus, sondern die gesamte Lufttiergattung dieses
Weltkörpers geht aus ihm hervor, ohne daß er darum zu sterben braucht. In
dieser Hinsicht ist er, mehr als einem Tier einem kleinen Planeten ähnlich,
welcher auch ein bleibendes Organ ist, durch welches zahllose geistige Gattungen,
sich wohl unterscheidbar ausbildend, hindurchgehen können. Es ist zwar mit
eurem Walfisch beinahe derselbe Fall; doch was die Allgemeinwirkung betrifft,
so steht er dem Bisorhiohiohio bedeutend nach. Denn der Walfisch der Erde
progeneriert nur die Gefiedertiergattungen der Polarländer, während unser
Saturnwalfisch den ganzen Planeten mit den gefiederten Einwohnern der Luft
versieht, das heißt, es werden in ihm die Seelen aus den Wassertieren in die
verschiedensten Seelenarten der gefiederten Bewohner der Luft übertragen. [Sa.01_017,08] Dieser Fisch ist
demnach der größte und zugleich auch allerbeachtenswerteste dieses ganzen
Planeten. Ihm zur Seite steht aber noch eine zahllose Klasse von Fischen und
Amphibien aller erdenklichen Art, welche sich wohl unterscheiden in der
Größe, Form und Tauglichkeit. So gibt es neben diesem Riesenfisch noch etwa
hundert weitere Arten, welche sich, was die Größe betrifft, mit eurem
Walfisch gar wohl messen könnten. Sie aber alle besonders aufzuführen und
näher zu beschreiben, wäre für den Zweck, um deswillen Ich euch diesen
Planeten enthülle, viel zu weitläufig und eben darum auch gar nicht dienlich.
Wenn ihr aber selbst geweckteren Geistes werdet, dann wird es euch ohnedies
ein leichtes sein, euch selbst in die kleinste Einzelheit nicht nur auf
diesem, sondern auch auf anderen Planeten umzusehen. [Sa.01_017,09] Und somit lassen wir
die Tiere der Gewässer dieses Planeten ruhen und gehen über auf die Bewohner
der Saturnluft, welche euch schon bedeutend mehr interessieren werden als
alle Wassertiergattungen, die wir bisher kennengelernt haben. 18. Kapitel –
Die kleinen Flügeltiere. Die Saturnfliege. Der Fliegende Stern. Der
Riesenschmetterling Com und die Verwendung seines Federschmucks.
[Sa.01_018,01] Wenn ihr euch auf eurer
Erde ein wenig umseht, werdet ihr neben den vielen Gattungen der Vögel noch
eine bei weitem größere Wesen- und Gattungszahl jener kleinen beflügelten
Tierchen finden, welche euch unter dem allgemeinen Namen der fliegenden
Insekten bekannt sind. Solcher Wesen gibt es auch auf dem Saturn die
verschiedensten Gattungen und Arten in großer Menge. Unter ihnen spielt,
ebensogut wie auf der Erde, die Fliege eine Hauptrolle. Diese ist auch das
einzige Tierchen auf dem Saturn, welches der Fliege auf der Erde in allem
vollkommen gleich ist. Nur an den Seen und Flüssen hält sich hie und da eine
größere Gattung oft zahlreich auf. – Diese Fliege ist am Tage von
bläulichweißer Farbe. Nach dem Untergang der Sonne, da die Fliege gewöhnlich
am tätigsten wird, leuchtet sie wie ein heller Stern, ungefähr auf die Weise
(nur viel stärker) wie bei euch die sogenannte Sumpfastel oder das
Sonnwendkäferchen oder wie in Amerika und auch in anderen südlichen Tropenländern
der sogenannte Laternenträger. Unsere Saturnfliege würde aber dennoch diese
alle an Helle ihres Lichtes übertreffen, weil ihr Licht vollkommen weiß ist
und sie auch größer ist als jedes fliegende Insekt auf der Erde. Die
Saturnbewohner ergötzen sich gar oft zur Nachtzeit an dem munteren Fluge
dieser Tierchen, wenn sie so zu Tausenden die Luft kreuz und quer durchzucken. [Sa.01_018,02] Das wäre ein
bemerkenswertes Tierchen, welches zu den Luftbewohnern gezählt werden kann. –
Eine andere Insektenart, welche hier und auf keinem andern Planeten wieder
vorkommt, ist der sogenannte Fliegende Stern. Dieses Tierchen hat seine
besondere Lebenstätigkeit auch nur zur Nachtzeit. Seine Wohnung während der
Tageszeit ist der euch schon bekannte Pyramidenbaum. Zur Nachtzeit, und zwar
schon bald nach dem Untergang der Sonne, bildet es für die Saturnbewohner ein
erhebendes Schauspiel, wenn in der Abenddämmerung Tausende solcher
leuchtender Sterne dem Pyramidenbaum entfliegen. [Sa.01_018,03] Warum wird denn dieses
Tier ein „Fliegender Stern“ genannt? – Dieser Name wird ihm darum beigelegt,
weil es auf jeder Seite seines länglichrunden Körpers drei pyramidenförmig
zugespitzte, ziemlich stark leuchtende Flügel besitzt, welche bei ihrer
Ausbreitung diesem Tierchen die Gestalt eines sechsstrahligen Sternes geben.
Wenn das Tierchen vollkommen ausgewachsen ist, hat es etwa eine Spanne im
Durchmesser, und seine Flügel leuchten im Fluge besonders stark. Da dieses
Tierchen sich dabei nicht gar zu weit von seiner Wohnung begibt, bekommen
diese riesigen Bäume für den Saturnbewohner nicht selten ein sehr erhebendes
Aussehen, wenn sie die Nacht hindurch von vielen Tausenden solcher Sterne
nach allen Richtungen umschwirrt werden. [Sa.01_018,04] Neben diesem
leuchtenden Insekt gibt es aber noch eine Menge, die ebenfalls in den verschiedensten
Farben zur Nachtzeit leuchten; aber ihr Licht ist nicht so stark, und die
Tierchen sind bei weitem kleiner. So werden sie von den Saturnbewohnern auch
gar wenig beachtet, da es mehrere große Vogelgattungen gibt, deren Gefieder
bei Nacht ein sehr helles Licht von sich wirft, besonders wenn sie fliegen. [Sa.01_018,05] Da demnach im Reich der
Insekten nicht so viel Erhebliches mehr zu finden ist, wollen wir sogleich
einen Übergang zu dem Reich der Vögel machen. Und auf dieser Übergangsbrücke
wollen wir noch einigen Schmetterlingen unsere Aufmerksamkeit widmen. [Sa.01_018,06] Wie die Schmetterlinge
auf der Erde auf ihren Flügeln die schönsten Farben und Zeichnungen tragen,
so ist es auf diesem Planeten noch um so mehr der Fall. – Ein Schmetterling,
unter dem Namen Com bekannt, ist der größte und prachtvollste aller Schmetterlinge
dieses Weltkörpers. Wenn er seine Flügel ausgespannt hat, dürfte er auf der
Erde so ziemlich ein Vierteljoch Grundes bedecken. Sein Leib ist nicht selten
bei zwanzig Klafter lang und hat nahe eine Klafter im Durchmesser. Seine Füße
sind stärker als auf der Erde die eines Elefanten. Ein jeder Fuß hat sechs
Glieder und ist so eingerichtet, daß er im Falle der Not bedeutend verlängert
werden kann. Seine Fühlhörner sehen fast aus, als stünden an seinem Kopf zwei
hohe Pappelbäume; nur sind die Zweige links und rechts ganz gerade regelmäßig
eingeteilt, ungefähr so wie die Nadeln an einem Tannenzweig. Sein Saugrüssel
ist länger und stärker als der eines Elefanten auf der Erde. Und so sieht
dieser Schmetterling seinem Körper nach einem äußerst robusten Tiere ähnlich,
was er aber dessenungeachtet nicht im geringsten ist. Dieses Tier ist
außerordentlich menschenscheu und es gehört sehr viel dazu, irgendwo eines zu
fangen. Diese Schwierigkeit wird durch seinen schnellen Flug noch ums
Bedeutende vermehrt. [Sa.01_018,07] Junge Mädchen sind dort
zumeist am geschicktesten, dieses Tier zu fangen, weil sie sich leichter in
der freien Luft erhalten können als das männliche Geschlecht. Zu diesem Zweck
bedienen sich solche Mädchen nicht selten eines künstlichen Flügelpaares und
fliegen unserem Schmetterling oft mit großer Eile nach. Wenn sie ihn dann in
der Luft fangen, gilt das als ein förmliches Jubelfest unter ihnen; denn
alles von diesem Schmetterling wird zur Ausschmückung ihrer Kleider
verwendet, weil fast auf keinem Planeten das weibliche Geschlecht, besonders
in den jungen Jahren, so viel auf ein zierliches Gewand hält wie auf diesem.
Damit ihr aber seht, warum dieser Schmetterling einen so großen Wert hat,
wird es wohl nötig sein, seine Pracht euch ein wenig zu zeigen. Es wird aber
zugleich auch ziemlich schwer halten, euch von der beinahe übersinnlichen
Schönheit dieses Tieres einen richtigen Begriff zu machen. Seine Flügel sind
vollkommen viereckig und haben nur beiderseits an den Enden gegen den Kopf zu
eine auslaufende Spitze, die ungefähr anderthalb Klafter lang ist und eine
ziemliche Ähnlichkeit hat mit einem sehr breiten Schwert. [Sa.01_018,08] Die Farbe des oberen
Teiles der Flügel sieht aus als wäre die Fläche von poliertem, hochrosenfarbenem
Gold. Auf dieser Goldfläche hängen oder stecken vielmehr eine große Menge der
allerschönsten Federn, alle möglichen Farben in sich enthaltend. Diese Farben
spielen in poliert-metallischem Glanz und verändern sich bei der geringsten
Wendung so, daß man auf einem Punkt bei den verschiedenen Wendungen alle
erdenklichen Farben zu Gesicht bekommen kann. Diese Federn sind in solcher
Ordnung auf der Oberfläche des Flügels angebracht, daß dadurch die schönsten
Zeichnungen und Formen herauskommen. Die Zeichnungen und Formen sind aber
nicht so beständig wie auf den Flügeln eurer Schmetterlinge; sondern die
Anordnung ist so, daß bei den verschiedenen Wendungen, durch welche die
Farben verändert werden, auch allzeit ganz andere, wunderbare Formen zum
Vorschein kommen. Die Ränder der Flügel sind ungefähr mit solchen Federn
geziert, wie sie bei euch die Pfauen an ihrem Schweif haben; nur sind sie größer
und viel lebhafter glänzend in ihrer Farbenpracht. – Die untere Fläche der
Flügel ist ähnlich einer polierten Goldfläche, so sie mit einer feinen,
grünen Farbe überzogen werden möchte. – Die Füße dieses Tieres sind ebenfalls
mit den herrlichsten Federn bekleidet; wie auch der ganze übrige Leib. Die
Fühlhörner sind aber doch das Allerprächtigste bei diesem Tiere. Ihr
Hauptstamm ist äußerst leicht und vollkommen aussehend wie durchsichtiges
Gold. Er spielt, wenn ihr euch solches vorstellen könnet, ebenfalls bei jeder
Wendung in den verschiedensten Farben, ungefähr so, als wäre er eine
geschliffene Diamantstange, an welcher zu beiden Seiten ebensolche Federn
angebracht wären, mit denen die Ränder der Flügel geziert sind. Der
Saugrüssel ist von blendend weißer Farbe und sparsam unterwunden mit Bändern,
die einen Regenbogen an Farbenpracht übertreffen. [Sa.01_018,09] Das allerwunderbarste
aber sind die Augen des Tieres. Diese möchtet ihr vor lauter Spiegelglanz so
wenig anzuschauen imstande sein wie die Sonne bei ihrem Aufgang oder
Untergang. Wenn aber das Tier getötet wird, vergeht diese Augenpracht. Daher
werden dessen Augen eben nicht in großem Wert gehalten, dessenungeachtet aber
sorgfältig ausgelöst und von ihrer Feuchtigkeit entleert. Durch geschickte
Verwendung machen dann die Frauen daraus eine Art Hausbeutel oder Taschen,
welche wegen ihrer ziemlichen Durchsichtigkeit und ihrer Dauerhaftigkeit bei
den eleganten Frauen dieses Planeten ungefähr die Stelle der sogenannten
„Ridiküls“ vertreten. Weggeworfen wird von diesem Tiere nichts als allein der
nackte innere Leib; alles andere wird zum Schmuck der außerordentlichsten Art
verwendet. [Sa.01_018,10] Warum hat denn aber
dieser Schmuck einen so außerordentlichen Wert? – Das hat drei Ursachen. Die
erste ist, weil dieses Tier selten und bei seiner Seltenheit äußerst schwer
zu bekommen ist; zweitens, weil alle diese Federn sehr dauerhaft sind, ja die
Saturnweiber halten sie für unzerstörbar; und fürs dritte, weil eben diese
Federn von der größten Leichtigkeit und von fortwährend gleichmäßig
anhaltender Pracht sind. [Sa.01_018,11] Es gibt hier auch eine
Vogelgattung, deren Federn diesen Schmetterlingsfedern ähnlich sind. Diese
Vogelfedern werden nicht selten von so manchen Saturnspekulanten als echte
Ware zum Verkauf ausgeboten. Allein da gibt es dann ganz wohlausgebildete
Schmuckfedernkenner, welche die echten von den falschen ungefähr so
unterscheiden, wie bei euch die Juweliere falsche Edelsteine von den echten.
Wehe aber dort einem solchen Schmuggler, wenn er in die Hände solcher mit
falschen Federn betrogener Weiber gerät. Da wird er mit eben diesen falschen
Federn, welche sie zuvor an den sehr dichten Kielen abspitzen, so kreuz und
quer zerkratzt, daß ihm für die Zukunft alle Lust vergeht, mit falscher Ware
irgend jemand wieder zu hintergehen; auch kauft einem also zugerichteten
Handelsmann niemand mehr etwas ab. [Sa.01_018,12] Seht, das ist nun unser
berühmter Schmetterling; und ihr hörtet, wie er gefangen und benutzt wird. Es
ist fast unnötig, noch zu erwähnen, wie sich die Saturnfrauen dieses
Schmuckes bedienen. Aber im Vorübergehen kann ja wohl bemerkt werden, daß
sich manche sehr eitle fast den ganzen Leib mit diesen Schmetterlingsflügeln
so überziehen, daß man sie am Ende schon nahe für solche Schmetterlinge
selbst halten könnte. Das ist genug, denn ein mehreres ist nicht nötig von
dem zu erfahren, was Mir im Saturn so wenig gefällt wie auf der Erde. [Sa.01_018,13] Daß es aber außer
diesem Schmetterling noch eine fast zahllose Menge solcher Tiere in allen
Farben, Arten, Gattungen und Größen gibt, könnt ihr daraus schon sehr leicht
entnehmen, wenn ihr euch dieses Planeten Mannigfaltigkeit in all dem, was auf
ihm ist, vor Augen stellt. 19. Kapitel –
Fledermausarten. Die fliegende Kuh. Das fliegende Band. Schmuckhandel auf dem
Saturn.
[Sa.01_019,01] Bevor wir nun zu den
eigentlichen Vögeln übergehen, wollen wir noch diejenige Gattung geflügelter
Tiere ein wenig zu Gesicht nehmen, welche auf der Erde in den Bereich der
sogenannten Flattermäuse und noch anderer dergleichen, mit ähnlichen
Spannflügeln versehener Tiere gehören. – Gibt es auf unserem Planeten solche
Tiere? – Allerdings, und dazu bei weitem mehr als auf eurem Erdkörper. Es
gibt zwar durchaus keine Fledermäuse im eigentlichen Sinne; aber es gibt
andere Tiere in großer Menge, welche mit ähnlichen Spannflügeln versehen
sind. Wenn wir jedes dieser Tiere sonderheitlich betrachten wollten, würdet
ihr dazu mehr als zehntausend Bogen Papier brauchen. Dieses wäre aber doch
sicher etwas Unnützes. Daher wollen wir von dieser Gattung der Tiere dieses
Planeten ebenfalls nur ein paar herausheben, auf die anderen aber dann nur
einen allgemeinen Blick werfen. [Sa.01_019,02] Ein besonders
merkwürdiges Exemplar dieser Tiere wird von den Saturnbewohnern die Fliegende
Kuh genannt. Dieses Tier ist von ausnehmender Schönheit und dürfte ungefähr
so groß sein wie bei euch ein wohlausgewachsener Ochse, nur ist es ungefähr
um eine halbe Klafter länger gegen den Schweif zu als ein Ochse bei euch.
Dieses Tier hat auch vier Füße, die mit schönen, blendendweißen Klauen
versehen sind. Auf dem Rücken ist es rot und am Bauche lichtgrün. Die Haut
aber sieht so klein-wollicht glänzend aus wie bei euch der allerfeinste Seidensamt.
Der Kopf dieses Tieres hat ziemliche Ähnlichkeit mit dem Kopf eines
Windhundes, nur die Farbe ist ganz anders. Vom Halse angefangen ist der Kopf
lichtblau und vom Rücken angefangen bis an die Nasenschnauze mit einem roten
Streifen versehen. Der untere Teil des Kopfes aber geht nach und nach ins
Dunkelblaue über. [Sa.01_019,03] In der Gegend der
Vorderfüße laufen links und rechts zwei lange Arme aus, welche, wenn sie
ausgespannt sind, ungefähr sechs Klafter im Durchmesser haben. Von diesen
Armen aus spannt sich in Verbindung mit den hinteren Füßen eine starke Haut
aus, versteht sich von selbst, nur dann, wenn das Tier fliegen will; denn
fliegt das Tier nicht, so legt es die Arme zusammen, und zwar jeden in drei
Glieder. Diese Arme schmiegen sich so geschickt an den übrigen Leib an, daß
man in einer geringen Entfernung ihrer kaum gewahr wird. Wenn aber dieses
Tier die Arme zum Fliegen ausspannt, sieht es am schönsten aus; denn die Haut
dieser Arme ist ebenfalls blendendweiß. Und ein jeder Arm ist am Ende mit
vier wohlgestalteten Fingern versehen, die zum Festhalten zugleich noch mit
starken Spitznägeln versehen sind. Die Flügelhaut aber sieht aus wie ein
allerfeinst poliertes Gold, welches mit regelmäßig ineinanderlaufenden
Punkten und Streifen von hellroter Farbe geziert wäre. Die Ränder dieser
Flügelhaut sind verbrämt wie mit einem leuchtenden Regenbogen und laufen
überall in mehr als eine Elle lange, ganz blendend weiße Fäden aus, welche
ungefähr glänzen wie Glasfäden, die mehr Glanz als die allerfeinste Seide
haben. [Sa.01_019,04] Die Augen der
Fliegenden Kuh sind äußerst scharf und lebhaft und funkeln bei Abenddämmerung
wie Diamanten. Die Schnauze dieses Tieres ist dunkelrot, und sein Mund hat
eine frische, rote Farbe wie Rosen. Seine zahlreichen Zähne sehen aus wie ein
reiner Kristall. Die Zunge ist ebenfalls hochrot und verhältnismäßig lang, so
daß sich dieses Tier derselben zu allerlei bedienen kann, so zum Waschen seines
Gesichtes und zum Reinigen seines ganzen übrigen Leibes; denn dieses Tier hat
einen äußerst biegsamen Leib. Es kann sich seiner langen Zunge ähnlich wie
bei euch ein Hund zum Trinken bedienen. Und wenn dieses Tier die Zunge
zusammenrollt, und zwar der Länge nach, so bringt es durch diese Zungenröhre
einen äußerst starken Pfiff zuwege, welcher weit und breit gehört wird;
solches tut dieses Tier allezeit, wenn es auffliegen will. [Sa.01_019,05] Warum aber wird denn
dieses Tier dort die Fliegende Kuh genannt? – Dieses Tier besitzt zwischen
den beiden Hinterbeinen ein ganz vollkommenes, mit vier Zitzen versehenes
Euter, welches zur Zeit, wenn es Junge zur Welt gebracht hat, mit einer
überaus wohlschmeckenden Milch vollgefüllt ist. Es wird daher auch von den
Saturnbewohnern häufig gefangen, ja an manchen Orten sogar als ein nützliches
Haustier gezähmt; und solches um so leichter, weil es überdies ein äußerst
sanftmütiges Tier ist. Wenn ein solches Tier Junge wirft, ist bei sechs
geborenen Kälbern nur ein männliches darunter, welches, wenn es vollkommen
ausgewachsen ist, sich von den weiblichen dadurch unterscheidet, daß es an
der Stelle des weiblichen Euters, wie ungefähr bei euch die Schafe, den
sogenannten Geschlechtsbeutel hat und am Kopf zwischen den beiden
herabhängenden weißen Ohren ein ebenfalls ganz weißes, kleines, etwas nach
rückwärts gebogenes Hörnchen. [Sa.01_019,06] Wenn ihr eure
Gefühlsphantasie nur einigermaßen handhaben könnt, wird es nicht schwer
werden, euch die Schönheit dieses Tieres vorzustellen. Freilich werdet ihr
denken und sagen: Ja warum ist denn dieses Tier dort gar so schön, und
welcher Zweck ist denn damit verbunden? – Ich aber sage euch: Richtet nur
einen Blick auf so manche Schönheit eurer Blumen und auf deren mannigfache
schöne Form – könntet ihr hier nicht auch fragen: „Warum muß denn die Blüte
gar so schön sein? Wäre zur Hervorbringung eines höchst einfachen
Samenkörnchens nicht eine bedeutend weniger ansehnliche Blüte tauglich?“ –
Seht, für solche Fragen sind die Antworten noch nicht reif; denn was die
Schönheit solcher Wesen betrifft, so könnt ihr den Grund noch unmöglich
erfassen, da er im Bereich Meines Lichtes oder Meiner Weisheit liegt. – Daher
begnügen wir uns nur mit der alleinigen Anschauung und nehmen als den
allgemein gültigen Grund aller solcher Erscheinungen an, daß Ich, der
übergute und höchst weise Schöpfer aller Dinge, schon gar wohl wissen werde,
wozu Ich die Dinge und Wesen so gestaltet habe. [Sa.01_019,07] Nachdem wir also dieses
Tier beschaut haben, wollen wir noch den Blick auf ein anderes solches
fliegendes Tier werfen. – Dieses nennen die Saturnbewohner das Fliegende Band
oder manchmal auch den Fliegenden Strick. – Auf welche Weise kommt denn
dieses Tier zu diesem Namen? – Wenn wir es erst ein wenig beschaut haben
werden, wird die Erklärung von selbst folgen. Seht, dieses Tier hat seinem
Leibe nach eine ziemliche Ähnlichkeit mit einem wohlgebildeten Affen der
Erde. Wenn es auf der Erde umhergeht, bedient es sich der Hinterbeine gleich
einem Menschen. Der vorderen Pfoten, welche sehr lang und gegen den Leib zu
bis zur Hälfte der Hinterbeine mit einer Flughaut versehen sind, bedient sich
dieses Tier ebenso wie sich der Affe seiner Vorderpfoten bedient. Wenn es
aufrecht steht, hat es eine Länge von drei Klaftern; wenn es sich aber
zusammenkauert, dann ist es mehr als um die Hälfte kürzer. Der Leib dieses
Tieres hat an und für sich gar nichts Ausgezeichnetes, außer daß er am Bauch
sehr lichtbläulich aussieht und zu Ende des Rückens dunkelrote Wolle hat. [Sa.01_019,08] Was ist demnach aber
das eigentliche Auszeichnende dieses Tieres? – Solches ist sein Schweif, den
es nur dann ausrollt oder vielmehr ausbreitet, wenn es fliegt. Wenn es auf
der Erde umhergeht, rollt es den Schweif so geschickt zusammen, daß derselbe
ihm über dem Steiß zu liegen kommt, als hätte ihm jemand eine runde Rolle
irgendeines Überzeuges angebunden. Dieser Schweif hat bei einem
ausgewachsenen Tier nicht selten eine Länge von neunzig bis einhundert
Klaftern eures Erdmaßes und ungefähr eine Breite von einer Elle und ist bei
alldem so fein, daß er im zusammengerollten Zustand kaum eine Rolle von zwei
Spannen Durchmesser bildet. – Das Aufrollen geschieht durch innere, durch den
ganzen Schweif gezogene Gefühlsfäden; denn der Schweif hat keine Glieder,
sondern ist nur eine Hautverlängerung des Rückens. Er zeigt die Farbe eines
allerhellsten Regenbogens und ist oben und unten mit kleiner und äußerst
kurzer Wolle also versehen, wie ein unaufgeschnittener Seidensamt, so daß
diese Wolle lauter kleine, sehr hellschimmernde Wollwärzchen bildet. Nun
könnt ihr euch schon von selbst die Frage beantworten, warum dieses Tier das
„Fliegende Band“ genannt wird. [Sa.01_019,09] Nur sehr selten findet
man aber, besonders in den volkreicheren Ländern, dieses Tierchen noch im
Besitz seines Schweifes; denn die Saturnbewohner gehen sehr häufig auf die
Jagd dieses Tieres aus, welches sich am Tage sehr leicht fangen läßt, da es
zu dieser Zeit niemals auffliegt. Sobald ein solches nun gefangen wird,
geschieht ihm sonst zwar nichts, aber mit dem Schweif kommt es auf keinen
Fall mehr davon; denn dieser wird ihm alsbald knapp am Rücken abgeschnitten
und von den Saturnbewohnern, besonders den Vornehmsten des Landes, als Kleiderschmuck
benützt. Hauptsächlich sind wieder die Weiber große Freundinnen dieses
Schmuckes, nachdem sie ihn zuvor mit einem wohlriechenden Blumenöle
vollkommen biegsam und gleich eurem Leder zäh und haltbar gemacht haben.
Gewöhnlich wird dann dieser Schweif entweder als ein Stirnband getragen; von
manchen aber wird er auch um die Lenden geschlungen. Dieses Tier ist demnach
den Saturnbewohnern ein stets willkommener Gast. Und weil dem Tiere nach und
nach der abgeschnittene Schweif wieder nachwächst, wird auch dieses Tier in
einigen Ländern gezähmt und gleichsam im Hause aufgezogen. [Sa.01_019,10] Mit dieser Zucht geben
sich vorzugsweise die euch schon etwas bekannten Saturnjuwelenhändler ab. Und
da der Preis des Schweifes vornehmlich nach der Länge bestimmt wird, so
geschieht es nicht selten, daß sie zwei, manchmal auch drei kürzere Schweife
zusammenheften und sie dann als einen ganzen verkaufen. Wenn dieser Betrug
aber entdeckt wird, wird ein solcher Saturnkaufmann von den Weibern ebenfalls
sehr empfindlich gezüchtigt. [Sa.01_019,11] Auf diesem Planeten ist
es nämlich sehr häufig der Fall, daß die Weiber über das männliche Geschlecht
sozusagen die Jurisdiktion ausüben; denn das männliche Geschlecht im Saturn
ist gewöhnlich, wie bei euch zulande, äußerst verliebt. Aus diesem Grunde ist
es dann auch zu nachgiebig und läßt sich nicht selten aus lauter Liebe zu den
Weibern an der Nase herumführen, wie es den Weibern nur immer beliebt. Jedoch
sind anderseits die Weiber im Verhältnis zu denen der Erde ums
Unvergleichliche züchtiger und häuslicher; was dann auch sehr bedeutend dazu
beiträgt, daß ihnen die Männer höchst geneigt sind und ihnen auch gerne so
manche auszeichnende Vorrechte einräumen. Jedoch in der Folge, wenn wir zu
den Saturnbewohnern kommen, wird davon ohnehin alles gehörig beleuchtet
werden. Und so wenden wir uns wieder zu unserem Tierreich. 20. Kapitel –
Unzahl fliegender Tiere ohne Gefieder. Vom Reich der Vögel. Die Wasserhenne.
Der Behor, eine große Reiherart. Der Himmelsbote, ein guter Sänger. Der Flugtonakkord
dieser Vögel. Gesang und Musik der Saturnmenschen.
[Sa.01_020,01] Wie schon anfangs bei
der Kundgabe der fliegenden Tiere erwähnt wurde, so ist deren Menge nach der
Zahl der Gattungen und Arten für diesen Planeten so übergroß, daß ihr, wie
gesagt, kaum auf zehntausend Bogen ihre Namen unterbringen würdet. Aber
dennoch ist ihre verschiedenartige Gestaltung bewunderungswürdiger als ihre
große Anzahl selbst. Denn fast alle vierfüßigen Tiere dieses Planeten wie
auch sehr viele Fischarten finden in diesen fliegenden Wesen auch eine
Abartung. Und es verhält sich die Sache geradeso, als wenn ihr auf eurer Erde
sämtliche zahmen und wilden Tiere nebst allen Amphibien und den meisten
Fischgattungen möchtet wie eine Flattermaus beflügelt haben und hättet
dadurch beflügelte Elefanten, Pferde, Ochsen, Löwen, Tiger, Hyänen und so
fort die ganze Tierreihe hindurch. Was hier für die Erde nur beispielsweise
angeführt ist, das findet sich im Saturn buchstäblich vor – nur sind die
fliegenden Tiere viel kleiner als diejenigen, denen sie in der Form
entsprechen, und die unbeflügelten, die den festen Boden oder die Gewässer
dieses Planeten bewohnen, sind bei weitem größer, stärker und mächtiger. [Sa.01_020,02] Nun könnt ihr euch
schon einen Begriff machen, wie lebhaft es hier aussehen muß. Und ihr könnt
euch noch dazu das Angenehme denken, daß diese Wesen zumeist gutmütiger Art
sind und daß die Saturnmenschen durch die Stärke ihres Willens fortwährende
Meister sowohl der Elemente wie auch der allermeisten Tiere sind (mit
Ausnahme nur sehr weniger, welche ungefähr in dem Ansehen unseres schon
bekannten Fisches stehen). [Sa.01_020,03] Nachdem wir nun unsere
fliegenden Tiere im Saturn betrachtet haben, und zwar diejenige Klasse,
welche sich ohne Gefieder in die Luft erheben und in derselben umherfliegen
können, und dabei gesehen haben, wie groß ihre Zahl und Mannigfaltigkeit ist,
so dürfte sich euch wohl sicher der Gedanke in einer bescheidenen Frage
aufwerfen: „Wenn es so viel solcher fliegender Gäste in diesem Planeten gibt,
wer mag da noch bestehen? Da muß ja die Luft ganz voll von ihnen sein, wenn
alle Tiere auffliegen.“ Doch diese Sorge von eurer Seite ist für diesen
großen Planeten so gut wie vollkommen eitel. Denn bedenket nur, daß dieser
Planet über tausendmal so groß ist wie die Erde und daß er, wie ihr schon
wißt, über siebzig große Kontinente besitzt, von denen einige so viel Flächenraum
haben wie die ganze Erdoberfläche, wenn das Meer und die anderen Gewässer
festes Land wären. Es kann aber jedermann auf der Erde noch gar wohl umhergehen,
obwohl in der Luft, auf der Erde, in der Erde und im Wasser Millionen Wesen
aller Art leben. Wie aber der Mensch auf der Erde von den Tieren nicht zu
sehr belästigt wird, ebenso werden auch die Bewohner des Saturn von den
Tieren nicht bedrängt. Und ungeachtet dessen, daß es so viele und seltsame
Tiergattungen auf diesem Planeten gibt, werden diese im freien Zustand doch
viel weniger gesehen als so manche Tiere bei euch auf eurem Planeten, auf
welchem sich überhaupt alles in engeren Kreisen bewegt als auf dem Saturn. [Sa.01_020,04] Damit ihr euch von der
weiteren Ausdehnung in allem einen kleinen Begriff machen könnt, mache Ich
euch auf das aufmerksam, was Ich schon bei einer früheren Gelegenheit erwähnt
habe, und zwar gleich anfangs der Eröffnungen über diesen Weltkörper, daß die
Wohnungen der Saturnmenschen, für eure Füße berechnet, weit voneinander
entfernt liegen. Wie es aber mit den Behausungen der Saturnbewohner steht,
ebenso ist es auch mit allen andern Verhältnissen, da alles seinen vollkommen
hinreichenden Platz hat; aus welchem Grunde auf diesem Weltkörper die
Grenzstreitigkeiten so gut wie ganz unbekannt sind. [Sa.01_020,05] Solches mußte hier
vorangeschickt werden, damit ihr bei der noch folgenden Aufzählung der
gefiederten Luftbewohner und dann der Tiere des festen Bodens nicht von einem
schwindelnden Unglauben befallen werdet, so ihr die folgende Unzahl der Tiere
noch werdet kennenlernen. [Sa.01_020,06] Und somit wenden wir
uns nun zu unsern Vögeln! – Ihr wißt, wie mannigfaltig diese Tiergattung
schon auf eurem kleinen Planeten ist, wenn ihr dieselbe vom riesigen Strauß
bis zum kleinen Kolibri zu zählen anfangt. Was aber ist diese Kleinigkeit gegen
die Ausdehnung in unserem Planeten.
Denn daselbst gibt es noch ums Tausendfache mehr Gattungen dieses Getiers als
auf eurer Erde. Wenn ihr die Zahl der Gattungen bestimmt wissen wollt, so
sage Ich euch, wenn im Saturn von jeder Gattung nur ein Männlein und ein
Weiblein vorhanden wären, so gäbe das schon zweihundertundvierzig Millionen
Vögel. Freilich wohl leben nicht alle Gattungen in einem und demselben Land,
sondern in einem jeden Land kommen auch wieder andere Gattungen vor. So sehen
diejenigen Gattungen, welche den südlichen Teil eines Landes bewohnen, denen,
welche den nördlichen Teil bewohnen, durchaus nicht ähnlich, wenn sie auch einer
und derselben Art sind. Zum Beispiel eine Wasserhenne, welcher Vogel auf
diesem Planeten sehr berühmt ist, sieht in den südlichen Gewässern bei weitem
anders aus als in den nördlichen. Und so sind alle Vogelgattungen, sowohl
zahme als nicht zahme, in ihrer Gestalt und Farbe und auch in ihrer
Tauglichkeit verschieden – vom Süd bis zum Nord und vom Ost bis zum West
eines und desselben Landes. [Sa.01_020,07] Da ihr aus dem bereits
Gesagten sicher entnehmen könnt, daß es eine reine Unmöglichkeit für euch
wäre, euer ganzes Leben hindurch nur mit der Niederschreibung der Namen
dieser Tiere fertig zu werden, so wird es euch auch ersichtlich sein, daß es
noch unmöglicher wäre, euch jeden einzelnen Vogel der Gattung nach zu
beschreiben nach allen seinen Verrichtungen, nach seiner Form und nach seiner
Bestimmung. Und so wollen wir aus dem befiederten Reich der Tiere nur einige
der merkwürdigsten kurz darstellend herausheben und nehmen sogleich den
ersten und größten Vogel dieses Planeten vor und werden ihn mit einigen
flüchtigen Blicken beschauen. [Sa.01_020,08] Behor oder das
Luftschiff heißt unser Vogel. Ihr könnt es glauben, daß er, so er sich auf
der Erde befinden würde, mehr Raum einnehmen möchte als das allergrößte
Linienschiff, ohne daß er dabei nötig hätte, seine Flügel auszuspannen. Wenn
dieser Vogel fliegt oder wenn er seine Flügel ausspannt, so sind nach eurem
Maß die Spitzen der beiden äußersten Flügelfedern eine gute Stunde Weges
voneinander entfernt. Die Kiele der Flügelfedern haben einen größeren
Durchmesser als die dicksten Eichbäume auf eurer Erde. Und eine jede Feder am
Flügel ist vom Kiele bis zur äußersten Spitze nicht selten bei achthundert
Klafter lang. Dieser Vogel hat ebenfalls sehr lange und starke Füße, so zwar,
daß wenn er auf seinen Füßen steht, dieselben für ihn fast ebenso etwas zu
lang herauskommen wie bei einem Fischreiher auf eurer Erde. Warum hat denn
aber dieser Vogel so unverhältnismäßig lange Beine? – Weil er ein Wasservogel
ist und sich somit beständig in den Meeresgegenden aufhält, wo er sich von
den Fischen nährt. Am Lande wird er niemals gesehen, sondern stets nur auf
dem Wasser schwimmend oder nicht gar zu hoch über der Meeresfläche
dahinfliegend, aus welchem Grunde er auch das „Fliegende Schiff“ genannt
wird. [Sa.01_020,09] Ist dieser Vogel etwa
schön? – Nein, dieses Tier plagt die Schönheit nicht. Wenn ihr in eurer
Phantasie euch einen Fischreiher vergrößern wollt, dann dürftet ihr so
ziemlich die Gestalt unseres Fliegenden Schiffes euch vor Augen gestellt
haben. Er ist durchgehend von aschgrauer und mitunter dunkelbrauner Farbe,
hat einen Schnabel wie ungefähr eine Gans bei euch und so ziemlich auch einen
ihr ähnlichen Kopf, nur natürlich verhältnismäßig größer. Denn einen Fisch,
der in den Gewässern des Saturn so groß ist wie ein ausgewachsener Haifisch
in einem eurer Meere, verschlingt dieser Vogel mit derselben Leichtigkeit wie
ihr eine Erdbeere. Sonach hättet ihr die Gestalt dieses Vogels so kurz und so
gut wie möglich dargestellt. [Sa.01_020,10] Nur dürfte vielleicht
hier und da einer fragen, ob dieser riesige Vogel den Saturnbewohnern etwa
ein gefährlicher Gast ist? – Nein, das ist er durchaus nicht, da er von sehr
furchtsamer Natur ist und jede Annäherung des Menschen, sogar die eines
Kindes, flieht. Seine Größe ist mehr eine Scheingröße als eine wirkliche
Kraftgröße; denn nur seine reichlichen und viele Klafter langen Federn machen
ihn so groß aussehend. Wäre er dieser beraubt, so dürfte er bei weitem nicht
so viel wiegen wie die schwächste Frau dieses Planeten. [Sa.01_020,11] Somit hätten wir nun
einen, und zwar den größten Vogel dieses Planeten, schon kennengelernt. –
Auch dieser Vogel ist in den einzelnen Meeren sehr verschieden an Größe wie
auch an Farbe und Gestalt. [Sa.01_020,12] Nach diesem Großvogel
kommt als merkwürdigster Vogel des Saturn einer unter dem Namen der
Himmelsbote. Dieser Vogel hat die Gestalt und Farbe einer weißen Taube bei
euch; nur ist er natürlicherweise um nahe fünfhundertmal so groß. Von diesem
Vogel glauben die Saturnbewohner, daß er sich beständig in der Luft
herumfliegend aufhalte, da ihn noch nie jemand irgendwo hat aufsitzen
gesehen. In einer Hinsicht haben die Saturnbewohner wohl recht. Denn auf dem
Lande sitzt der „Himmelsbote“ auch wirklich nirgends auf, sondern fliegt bald
hoch bald nieder ganz gemächlich in der Luft umher. Aber wenn er also des
Fliegens müde geworden ist, fliegt er mit großer Schnelligkeit den
Meeresgegenden zu, wo er sich dann in den allerabseitigsten Winkeln der Meeresufer
verbirgt und daselbst seine Nahrung sucht, welche in einer Art fetten, weißen
Klippenmooses besteht. [Sa.01_020,13] Hat er sich nach kurzer
Zeit gesättigt und gestärkt, dann fliegt er wieder auf, und zwar zu einer
außerordentlichen Höhe, von wo aus er wieder seine Luftpromenade landeinwärts
macht. Besonders pflegt er solches gerne am Morgen vor dem Aufgang der Sonne
zu tun, aus welchem Grunde er auch in manchen Gegenden den Namen der
Sonnenbote führt. [Sa.01_020,14] Dieser Vogel singt bei
seinem Fluge allerlei Vogellieder, und das in viel vollkommenerer Weise als
bei euch eine Nachtigall. Daher wird er auch nicht selten, besonders von den
Weibern, der muntere Morgensänger genannt. [Sa.01_020,15] Obschon dieser weiße
Vogel besonders in den dem Meere näher gelegenen Länderteilen sehr häufig
gesehen und gehört wird, so bleibt dennoch ein jeder Saturnbewohner gern
stehen und sieht diesem Vogel so lange nach, bis er ihn der Ferne halber
verloren hat. Denn die Saturnbewohner sind manchmal so erbaut vom Anblick
dieses Vogels, daß sie sehr geneigt wären, ihm eine göttlich Verehrung zu
erweisen, wenn das von den Geisterengeln dieses Planeten zugelassen würde. [Sa.01_020,16] Damit solches nicht
geschieht, haben diese Vögel den angeborenen Instinkt, daß sie nichts so sehr
meiden wie die Blicke der Menschen. Es darf daher ein Saturnmensch einen
solchen Vogel nur ins Auge fassen, so kann er auch fest darauf rechnen, daß
dieser Vogel sich bald seiner Schaulust entziehen wird. Aus eben diesem
Grunde bewohnt dieser Vogel auch allezeit solche Stellen, die den Blicken der
Saturnmenschen unzugänglich sind. [Sa.01_020,17] Das Beachtenswerteste
dieses Vogels ist sein zuweilen außerordentlich schneller Flug, von dem ihr
euch nicht mühelos einen Begriff machen könnt. Denn wenn er so recht im Zuge
ist, da ist es ihm ein leichtes, in einer Stunde tausend eurer Erdmeilen
zurückzulegen. – Wenn dieser Vogel bei der Nacht fliegt, ist er durchaus
weißglänzend zu sehen, so zwar, daß er in seinem Schnellfluge fast dieselbe
Erscheinung darbietet, wie bei euch auf der Erde ein sogenannter fliegender
Drache. Über das Land fliegt er besonders gerne bei Nachtzeit, wo es dann für
die Bewohner des Saturn ein Hauptschauspiel gibt. Ja manche Saturnmenschen
sind so eingenommen für diese Lichterscheinungen, daß sie sich an jenen
Orten, wo dieser Vogel häufig zu Hause ist, auf irgendeinem baumfreien Hügel
mit dem Rücken niederlegen, um sich nur desto ungehinderter am Fluge solcher
Vögel so recht sattgaffen zu können. [Sa.01_020,18] Noch eine
Merkwürdigkeit dieses Vogels besteht darin, daß, wenn zwei, drei oder mehrere
Vögel in gerader Linie ihren Schnellflug ausführen, durch die schnelle
Durchschneidung der Saturnluft ein ziemlich reiner Ton erzeugt wird. Wenn
dann mehrere Vögel dieser Art nach einer und derselben Richtung hinschießen,
bildet fast ein jeder Vogel einen anderen Ton. Und diese Töne bilden zusammen
dann nicht selten (nach eurer Kunstsprache) einen Akkord, welcher vom
pianissimo bis zum fortissimo und von da wieder ins pianissimo verschwindet,
wie ein angeschlagener Ton oder Akkord auf einem Klavier. [Sa.01_020,19] Sehet, so hat dieser
Vogel für die Saturnbewohner außerordentlich viel Anziehendes, da sie große
Freunde des Gesanges und ganz besonders von harmonischen Tönen sind, aber
dessenungeachtet sind sie eben nicht zu sehr musikalisch. Sie haben auch nur
höchst elende und dürftige Musik-Instrumente, aber desto reinere Kehlen zum
Gesang, wobei dann die Weiber gewöhnlich die Melodien, die Männer aber nur
Akkorde dazu singen. Die Sänger können sich mit einem glücklich erfundenen
Akkord oft tagelang unterhalten. Denn sie haben nach einer Unterbrechung
manchmal sehr viel Mühe, wieder einen guten Akkord zu finden. – Doch was
dergleichen fernere saturnmenschliche Verhältnisse betrifft, wird alles am
rechten Ort zudem noch deutlicher dargeboten werden. Da wir somit von unserem
Himmelsboten, Sonnenvogel und Morgensänger nichts Erhebliches mehr berichten
können, so wollen wir uns wieder zu einem anderen gefiederten Luftbewohner
wenden. 21. Kapitel –
Die „Sänger über den Flüssen und Seen” Meister des Fugensatzes. Die
nördlichen Luftsänger. – Über die wirksamste Musik.
[Sa.01_021,01] Sänger über den Flüssen
und Seen heißt die Gattung der Vögel, die wir jetzt näher betrachten wollen.
– Es ist dieser Vögel schon einmal Erwähnung geschehen, ihres reizenden
Gesanges wegen. Dessenungeachtet wollen wir ihnen hier noch eine kleine
Aufmerksamkeit widmen und vorerst sehen, welche Gestalt ihnen eigen ist.
Diese Vögel sehen so ziemlich euren Schwänen ähnlich; nur sind sie gut ums
Zwanzig- bis Dreißigfache größer als diese und ist im Verhältnis ihr Hals
nicht so lang, aber dafür viel dicker. Und was den Kopf betrifft, so ist
dieser ebenfalls im Verhältnis größer als bei euren Schwänen. [Sa.01_021,02] Diese Vögel haben einen
recht biegsamen Kehlkopf, mit welchem eine sehr bewegliche Zunge in
Verbindung steht, und haben auch im Verhältnis zu ihrem übrigen Körpermaß
eine große, sehr elastische und viel Luft fassende Lunge. Sie sind die
eigentlichen Musiker auf diesem Planeten und sind in musikalischer Hinsicht
Variationskünstler. Denn ein solcher Vogel hat das Eigentümliche, daß er sich
in seiner Gesangsweise nie wiederholt. Und so er jahrelang singt, kommt
dennoch nie wieder irgendeine schon gesungene Melodie zum Vorschein. [Sa.01_021,03] Das aber ist nicht das
eigentlich Überraschende der Tonkunst dieser Wassersänger; sondern daß, wenn
mehrere Vögel, was gewöhnlich zu geschehen pflegt, in Gesellschaft ihre
Lieder singen, nie ein disharmonischer Akkord zum Vorschein kommt. Denn wenn
da ein Vogel zu singen anfängt, so singt auch alsbald ein zweiter, dritter
und vierter usw. mit, jedoch niemals eine und dieselbe Melodie. Es wird aber
dennoch ein jeder Vogel durch sein sehr zartes Gefühl von dem Gesang eines
andern Kameraden so gehalten, daß er seine ganz eigentümliche Melodie stets also
führt, daß sie mit der seines Vorsängers niemals in einen unharmonischen
Kontrast gerät. Solches ist auch der Fall, wenn dreißig oder noch mehr
solcher Vögel beteiligt sind. [Sa.01_021,04] Wer ein Freund des
strengsten und gelungensten sogenannten Fugensatzes ist, dessen Ohren hätten
da jahraus jahrein keine Rast. Denn nicht allein daß hier stets neue Ideen
sich begegnen, sondern diese Ideen werden da also moduliert und wechseln die
Grundtonarten so überraschend, daß sich davon der größte Tondichter auf der
Erde nicht den leisesten Begriff machen kann. Denkt euch noch dazu die
allerreinsten Stimmen, gegen die der Ton eines der besten Sänger auf eurem
Erdkörper ein barstes Gekreisch ist, so könnt ihr euch schon eine kleine Vorstellung
machen, welchen fröhlichen Genuß dies für einen Saturnbewohner abgibt, der
schon von seiner Geburt aus ein so großer Tonfreund ist. Ich sage euch, wenn
es euch möglich wäre, nur drei Töne aus der Kehle eines solchen Wassersängers
aus dem Saturn zu hören, alle eure Musik auf der Erde würde euch bald für
alle Zeiten unerträglich werden. [Sa.01_021,05] Diese Wassersänger aber
sind auch zugleich Schuld daran, daß die Saturnbewohner, obschon sie so große
Freunde der Musik sind, sich dennoch äußerst wenig auf dieselbe verlegen. Sie
sagen: „Unsere Kehlen sind gegen diese Sänger nur aus plumpem Holze. Und die
Töne, die wir jemals erfinden, sind dagegen nicht anzuhören. Solange uns der
große Geist der Geister diese Sänger läßt, haben wir der herrlichsten Musik
in großer Fülle“. – Und so wird auch besonders von jenen Saturnbewohnern, die
an den Ufern solcher Seen leben, die Musik gar nicht betrieben, wohl aber von
denjenigen, welche entfernter von solchen Gewässern leben, darunter zumeist
die Gebirgsbewohner. [Sa.01_021,06] Können diese Vögel
nicht gefangen und zahm gemacht werden? O ja, das können sie recht wohl; aber
wenn ein solcher Vogel gefangen ist, dann singt er nicht mehr, und wenn da
auch eine ganze Gesellschaft beisammen wäre. Sobald er aber wieder
freigegeben wird und auf dem Wasserspiegel herumschwimmt, da ist auch der
Virtuose schon wieder bei seiner Kunst. [Sa.01_021,07] Seht, das sind demnach
diese singenden Vögel, deren schon früher einmal erwähnt wurde. – Es dürfte auch
hier mit der Zeit sich die Frage aufwerfen, ob diese Sänger in allen den
vielen und großen Ländern dieses Planeten zu Hause sind und wo sie sich in
einem Lande vornehmlich aufhalten, ob mehr im südlichen, nördlichen,
östlichen oder westlichen Teile? – Da sage Ich euch, daß diese Vogelgattung
in den meisten großen Festländern dieses Planeten zu Hause ist. Aber in den
Ländern selbst hält sie sich dennoch zumeist in den südlichen Regionen auf. [Sa.01_021,08] Die nördlichen Teile
sind nur sehr dürftig damit versehen, dafür besitzen sie aber dann eine
andere Vogelgattung, die ihnen diese allerausgezeichnetste Sängergesellschaft
entbehrlich macht. Jedoch sind diese nördlichen Luftsänger keine Melodiensänger,
sondern da singen mehrere so zusammen, wie ein Wind durch die Saiten einer
Harfe, Töne herauslockend, bläst. Hier kommt's freilich nur selten vor, daß
diese viel schwächeren Tonkünstler auf einen wohlklingenden Akkord treffen.
Aber für den Saturnbewohner, der nie Gelegenheit hatte, die besseren Sänger
zu hören, ist das dennoch etwas sehr Erhebendes. Wenn diese Vögel auch nicht
so wohlkonditionierte Wundersänger sind, so sind sie aber anderseits desto
heimischer. Und was ihre Gestalt betrifft, da sind sie die bei weitem
allerschönste und herrlichste Vogelgattung dieses Planeten. Was aber diese betrifft,
davon wollen wir in der nächsten Mitteilung etwas Näheres kennenlernen. Und
somit sei für heute mit unseren berühmten Sängern die Mitteilung beschlossen! [Sa.01_021,09] Wie sehen denn diese
nördlichen Luftsänger aus? – Hier wird es ein wenig schwer halten, eine
gelungene Beschreibung zu geben, da auf der Erde überhaupt kein ähnlicher
Vogel anzutreffen ist. Dessenungeachtet wollen wir ihn dennoch so darstellen,
daß ihr euch zum wenigsten einen kleinen Begriff machen könnt, wie derselbe
gestaltet ist. Und so höret denn: [Sa.01_021,10] Dieser Vogel ist so
groß wie ein wohlausgewachsener Ochse bei euch. Auf dem Leibe hat er durchweg
grünlichgoldne Federn, welche mehr wollig als glatt sind. Die kleineren
Federn am oberen Flügelrand, vom Leibe angefangen bis zum Ende des Flügels,
sehen aus wie poliertes Gold, über welche man eine hochrote Karminfarbe
aufgetragen hätte. Die Schwungfedern der Flügel selbst sind hellblau; die
Ränder derselben aber sehen aus wie mattes Gold. Die Kiele der Federn sind
blendendweiß und schillern in verschiedenen Farben wie eine Goldperlmuschel
bei euch. Der Schweif besteht aus sehr langen Federn, die in zwei Teile
abgeteilt sind, wie ungefähr bei einer Schwalbe; nur sind diese Federn nicht mit
steifen, sondern mit weichen, langen und fliehenden Flaumen bekleidet. Diese
fliehenden Flaume haben ungefähr die Farben wie die Flaume an der
Schweiffeder eines Pfaues. An den äußersten Rändern oder Spitzen hängt ein
richtiger Mähnenbusch von solchen fliehenden Flaumen, welcher manchesmal bei
drei Ellen lang von den Federn herabhängt, aber bei allem so leicht ist, daß
sein ganzes Gewicht nach eurer Waage berechnet kaum ein halbes Quintel wiegen
dürfte. Diese Flaum-Mähnen sind mit allen Farben so gefärbt, daß sie bei
jeder Wendung in eine andere Farbe spielen. [Sa.01_021,11] Die Füße dieses Vogels
sind vollkommen weiß und wohl gebildet, das heißt, nicht etwa nach der Art
der Füße eurer Vögel. Der Unterschied besteht darin, daß die Füße eurer Vögel
gewöhnlich nackt und höchst mager sind, während die Füße der Vögel im Saturn
viel fleischiger und bis zur Kralle noch bekleidet sind mit dem schönsten
Gefieder, welches genau so aussieht wie das Gefieder des Bauches, nur
gewöhnlich etwas heller in der Farbe. Die sogenannten Vogelkrallen oder,
verständlicher gesprochen, die Finger oder Zehen am Fuße, sind bei den Vögeln
des Saturn zumeist gestaltet wie auf der Erde die Pfoten eines wohlgebildeten
Affen. Bei diesem unserem Vogel aber haben sie die Gestalt einer richtigen
Menschenhand, nur daß da auch die Finger bis an die Spitznägel mit schönen
leichten Federchen versehen sind. [Sa.01_021,12] Also sähe dieser Vogel
dem Leibe nach aus bis zum Kopfe. Allein der Kopf ist zugleich auch das
Merkwürdigste an diesem Vogel. Warum denn? Seht, dieser Vogel hat im Ernst
zwei Köpfe, aber nicht etwa so, wie ihr euch einen Adler mit zwei Köpfen
vorstellt, sondern diese zwei Köpfe stehen übereinander, ungefähr wie wenn
irgendein Frauenzimmer vom Scheitel ihres Hauptes aufsteigend noch einen
Aufsatz von einem Schwanenhalse hätte samt dessen Kopfe. [Sa.01_021,13] Der untere Kopf ist
ziemlich rund und hat der Länge nach von unten nach oben einen Durchmesser
von nahe zwei Fuß eures Maßes, der Breite nach aber anderthalb Fuß. Dieser
Kopf hat ein richtiges weibliches Menschengesicht, nahezu wie bei euch auf
der Erde die etwas seltenen sogenannten Meerjungfern, und ist mit den
reichsten, ins Dunkelblaue übergehenden langen Haaren versehen. Über den
Haaren befindet sich dann noch ein drei Ellen langer Hals mit einem euren
Schwänen nicht unähnlichen zweiten Kopfe, welcher diesem Vogel dieselben Dienste
tut, wie der Rüssel einem Elefanten. [Sa.01_021,14] Durch diesen zweiten
Kopf nimmt dieser Vogel keine Nahrung und kann er auch keine nehmen, da dessen
Hals mit keinem Schlund versehen ist. Dessenungeachtet hat auch dieser Kopf
seine zwei Augen, und da er sehr beweglich ist, kann sich dieser Vogel mit
den Augen dieses oberen Kopfes überall umschauen, wohin er mit den Augen des
untern Kopfes nicht hingelangen kann. Mit den Augen des untern Kopfes, welche
sehr scharf sind, kann er aber wieder über weiteste Entfernungen alles sehr
genau ausnehmen. Das Gesicht des untern Kopfes ist aber nicht etwa nackt,
sondern ebenfalls mit sehr kleinen, blaßroten Federchen besetzt; nur die
Lippen sind frei, ebenso die Mündungen der etwas plattgedrückten Nase. Alles
andere aber ist befiedert. Die Augen des untern Kopfes sind groß und
hellblau, und die Stirne geht gegen den oberen Hals ins Blendendweiße über.
Der Hals des oberen Kopfes aber ist hellviolett und der Kopf ganz feuerrot.
Der Schnabel ist bläulichweiß und sehr fest zum Halten ergriffener
Gegenstände. [Sa.01_021,15] Wie nimmt dieser Vogel
eigentlich seine Nahrung zu sich? Und wie trinkt er? – Dieses geschieht auf
eine sehr einfache Art. Er löst mit dem oberen Kopf die Früchte vom Baume ab
und hält sie vor den Mund des untern Kopfes, welcher dann natürlicherweise
mit seinen scharfen Zähnen, gleich den Affen bei euch, sehr hurtig und munter
hineinbeißt und dieselben auch bald verzehrt. Will nun der Vogel trinken, so
bedient er sich des oberen Kopfes statt eines Trinkglases. Er schöpft nämlich
in den ziemlich großen hohlen Raum des oberen Kopfes das Wasser, führt es
dann an den untern Mund und trinkt das Wasser aus dem oberen Kopfe heraus. [Sa.01_021,16] Das ist also unser
zweiter, freilich wohl etwas unvollkommener Sänger, indem er nur einen Ton
singen kann. Aber dieser Ton ist dennoch so schön und wohlklingend, daß er
auf eure Ohren noch immer eindrucksvoller wirken dürfte als ein vollkommenes
irdisches Konzert. [Sa.01_021,17] Denn ihr könnt es
sicher glauben, daß selbst die Musik der Himmel, wenn sie am reizendsten ist,
nicht in einem Konflikt von vielen Tönen besteht, sondern in einem ganz
einfachen Ton. Diese Musik ist die ergreifendste und die wirksamste. Denn
prüfet es nur bei euch, was euch im Grunde lieber ist: ein allerschönster Ton
eines Sängers oder einer Sängerin – oder ein greller Instrumentalakkord? Wenn
aber jemand eine überaus reine und höchst wohlklingende Stimme hat, ist's da
nicht schade um jeden Ton, der verdeckt wird durch die anderen überlagernden
Töne? Es liegt also nicht in der Vielheit der Töne, sondern in der Qualität
des einzelnen Tones die ergreifende Wirkung der Musik. Denn ein vollkommener
Ton ist ja in sich selbst schon die allerreinste Harmonie, da er nicht
einzeln für sich zur vernehmbaren Erscheinung gelangt; sondern, wenn er als
Grundton auftritt, sind in ihm schon die ihm entsprechenden und von ihm abgeleiteten
Töne in gerechtem Klangverhältnis da, wie ungefähr bei einer reinen Glocke. [Sa.01_021,18] Also müßt ihr euch auch
den Ton dieses unseres nun bekannten Sängers im Saturn vorstellen; aber nur
in einer ziemlich tiefen Oktave, so wie z.B. das g, a und h in der großen
Oktave bei euch. So könnt ihr euch eine ungefähre Vorstellung vom Gesang
dieses Vogels machen. Wenn er singt, so fängt er höchst pianissimo an,
steigert dann den Ton, ohne nur im geringsten höher oder tiefer zu werden,
bis zu einer solchen Stärke, als wäret ihr mit euren Ohren knapp an einer
Glocke, wenn sie geläutet wird. In dieser Kraft hält er den Ton einige
Sekunden lang. Dann läßt er ihn wieder schwächer und schwächer werden bis zum
gänzlichen Verschwinden. Wenn dann zwei, drei oder vier solcher Vögel
beisammen sind, und haben, wie ihr zu sagen pflegt, zufällig gutgestimmte
Kehlen, so gibt das einen überraschend wundervoll klingenden Akkord, welcher
die Saturnbewohner allezeit ergötzt. [Sa.01_021,19] Freilich bleibt es dann
nur immer bei einem und demselben Akkord und steht diese Art Musik auch bei
weitem der unserer bekannten Hauptsänger nach; aber dennoch verfehlt diese
einfache Musik nie ihren Zweck. Es möchten zwei Saturnbewohner noch so
erbittert gegeneinander rücken, was auf diesem Planeten hier und da der Fall
ist, so braucht's dann nichts mehr als eines solchen einfachen Gesanges und
die zwei Feinde werden im Augenblick zu den innigsten Freunden. Aus diesem
Grunde werden auch diese Vögel sehr häufig „Ruhestifter“ genannt. [Sa.01_021,20] Sie lassen sich auch zähmen
und vertreten dann die Stelle eurer Pfauen und werden als Ziervögel
angesehen. Die gezähmten haben einen stärkeren, aber dafür gewöhnlich etwas
rauheren Ton in ihrer Kehle, während die ungezähmten höchst reine Töne von
sich hören lassen. Die gezähmten werden manchesmal auch als Seltenheit in die
südlichen Gegenden gebracht. Dort verlieren sie aber bald ihre Stimme,
zufolge anderer Kost, werden traurig und krank und gehen dann gewöhnlich bald
zugrunde, weshalb die nördlichen Bewohner, welche diesen Vögeln sehr zugetan
sind, nicht leicht zu bewegen sind, einen oder den andern Vogel dorthin zu
geben. [Sa.01_021,21] Was die Geburt dieser
Vögel betrifft, so bringt das Weibchen lebendige Junge zur Welt und säugt sie
mit einer sehr vollen Brust unter dem Halse des untern Kopfes, fast wie bei
einem Weibe; nur ist die Brust nicht nackt, sondern mit leichten Federchen
bekleidet. [Sa.01_021,22] Jetzt kennt ihr alles
von diesem Vogel. Nach ihm wollen wir nun noch einiges Hausgeflügel betrachten
und uns dann sogleich zu den Landtieren und danach zum Menschen selbst
wenden. 22. Kapitel –
Die Haushenne, die Goldene Kugel und die Riesengans. Beschaffenheit und
Nutzen dieser Hausvögel.
[Sa.01_022,01] Wie bei euch auf der
Erde, so spielt auch auf diesem Planeten die Haushenne die vorzüglichste
Rolle der Hausvögel. Nur sieht diese Henne im Saturn bei weitem anders aus
als die bei euch. Es gibt ja aber schon auf eurer Erde in den verschiedenen
Ländern und Weltgegenden auch verschiedene Arten und Gattungen dieses
Geflügels. Solches ist auch im Saturn der Fall. Doch es gibt dort dennoch
einen Vogel, der als die fast überall gleichartig vorkommende Henne bekannt
ist. [Sa.01_022,02] Wie seht denn diese
Henne aus? – Sie ist wenigstens um hundert Mal größer als die auf eurer Erde.
Dann ist eine jede Henne gleichfarbig. Die Flügel sind hochblau; der Rücken
ganz weiß; der Schweif geht ins hochrote über; der Bauch der Henne ist gefärbt
wie eine Muschel, welche euch unter dem Namen „Perlmutter“ bekannt ist; die
Füße sind lichtrot; der Hals, vom Kopf angefangen, ist lichtgrün bis in die Gegend
der Füße, welche bei dieser Henne nahe an dem Kopfe sich befinden, so daß der
bei weitem größere Teil des Leibes sich hinter den Füßen erstreckt. [Sa.01_022,03] Wie sieht er denn
bezüglich der Form aus? – Hier wird es wieder ein wenig schwer halten, euch
ein richtges Bild zu geben, da auf der Erdoberfläche fast kein Vogel
existiert, der dieser Henne im Saturn gliche. – Sonach müssen wir uns schon
mehr ins Sonderheitliche einlassen. Kennt ihr dann solches, so wird es euch
nicht zu schwer werden, den ganzen Vogel euch vorzustellen. [Sa.01_022,04] Der Kopf ist sehr groß,
im Verhältnis noch größer als der einer großen Nachteule bei euch zu ihrem
sonstigen Leibe. Zu beiden Seiten des Kopfes stehen zwei weiße Ohren in der
Gestalt, wie sie ein Elefant bei euch auf der Erde hat, aber nicht so herabhängend.
Vor den Ohren sind zwei verhältnismäßig große und sehr scharfe Augen, welche
durch einen dunkelgrünen Federkamm geschieden sind. Ein wenig unter den Augen
sitzt ein starker, etwas stumpfer, grauer Schnabel, auf welchen zwischen den
Nasenlöchern, wie bei euch bei den indianischen Hühnern, eine Art Rüssel
herabhängt, welcher jedoch von diesem Vogel mehr in eigenwilliger Gewalt
gehalten wird als der bei den indianischen Hühnern. Seine Farbe ist blutrot.
Dieser also gestaltete Kopf ist mittelst eines ziemlich langen, aber
verhältnismäßig dicken Halses mit dem übrigen Leibe verbunden. [Sa.01_022,05] Der Leib der Henne aber
hat an und für sich ohne die Flügel und Füße eine vollkommen eiförmige
Gestalt. Die Flügel sind verhältnismäßig kurz und haben statt der festen
Schwungfedern nur lange und mit weichen Flaumen versehene Stiele. Derjenige
Teil der Flügel aber, welcher dem Kopfe zugewendet ist, oder wenn ihr es
leichter versteht, der obere Flügelrand, ist durchweg mit solchen Federn
besetzt, wie sie auf der Erde die Strauße haben. [Sa.01_022,06] Vermöge dieser etwas
stiefmütterlichen Behandlung der Flügel sind diese Vögel auch nicht geschickt
zu einem Fluge. Da sie aber sehr lange und feste Beine haben, können sie am
Boden so schnell laufen, daß sie allein mit natürlicher Laufkraft von den
Saturnbewohnern nicht leichtlich eingeholt werden können. Wenn daher die
Saturnbewohner sich eine solche Henne fangen wollen, tun sie dieses allzeit
durch die Kraft ihres festen Willens, wovon zu seiner Zeit schon noch mehr
erzählt werden wird. Der Schweif dieses Vogels ist ein Radschweif, aber nicht
etwa auf die Art wie bei den indianischen Hühnern, sondern so wie bei den
Pfauen; nur ist er im Verhältnis größer und viel dichter. [Sa.01_022,07] Nun setzt euch den
Vogel zusammen, wie euch dessen Einzelteile gezeigt worden sind, so könnt ihr
euch einen ziemlich guten Begriff von seinem Aussehen machen. Nur müßt ihr
den angegebenen Federfarben einen schönen metallischen Glanz hinzufügen, dann
habt ihr das richtige Bild vor euch. [Sa.01_022,08] Das Männchen
unterscheidet sich nur durch die Größe von dem Weibchen und durch seinen oft
lästig gellenden Gesang, während die Henne nur kurz abgebrochene Töne von
sich stößt, welche eben auch nichts Angenehmes an sich haben – darum auch bei
den Saturnbewohnern, wenn sie einen recht schlechten Gesang bezeichnen
wollen, ein allgemeines Sprichwort lautet: „Höre auf mit Singen, denn deine
Stimme ist schlechter als die einer Henne!“ [Sa.01_022,09] Welchen Nutzen gewährt
aber den Saturnbewohnern dieses Tier? – Fast denselben, welchen euch eure
Haushühner gewähren. Diese Hühner legen nämlich sehr viele und sehr große
Eier, welche von den Saturnbewohnern sogleich, also roh, ausgetrunken werden,
weil sie so auch am allerbesten schmecken; denn die Substanz dieser Eier
schmeckt so süß wie bei euch eine recht gute Kuhmilch und ist auch viel
schmackhafter als die Milch der großen Hauskühe im Saturn. Die Schale des Eies,
da sie sehr fest ist, wird beim schmäleren Teil glatt abgenommen und sodann
als besseres Trinkgefäß gebraucht, gewöhnlich für edle Säfte, von denen der
Saturnbewohner nur, wie er zu sagen pflegt, tropfenweise Kost nimmt, obschon
ein so ausgehöhltes Ei ganz gut fünf Eimer nach eurem Maße faßt. [Sa.01_022,10] Für dieses Hausgeflügel
bauen die Saturnbewohner gewöhnlich einen lebendigen Stall, das heißt sie
pflanzen für sie den euch schon bekannten Wandbaum an und machen dadurch
einen länglichrunden Garten, der nicht selten eine halbe Quadratmeile Raum
faßt. In diesem ziemlich großen Stall werden dann allerlei Grasarten und
andere Pflanzen angesät und mitunter auch einige euch schon bekannte Regenbäume
gesetzt. Darin halten sich bei einem vermögenderen Saturnbewohner manchmal
einige tausend solcher Vögel auf, welche dann auch einen bedeutenden Reichtum
des sie besitzenden Saturnbewohners ausmachen. Da aber diese Vögel nur unter
sich verträglich sind und keinen fremden Gast in ihrer Nähe dulden, so ist
ein solcher Stall gewöhnlich allein für diese Vogelgattung errichtet. Dieser
Stall wird aber stets ziemlich entfernt von der Hauptwohnung der Menschen
erbaut. Warum, könnt ihr euch leicht vorstellen, so ihr euch an den eben
nicht sehr angenehmen Gesang dieses Vogels erinnert. [Sa.01_022,11] Es gibt neben diesem
Vogel noch mehrere Gattungen anderer Hausvögel, welche weniger nützlich sind
als dieser. Denn von diesem wird alles gar wohl und nützlich verwendet auch
sein Fleisch wird gegessen, und aus seinen Federn werden, so wie bei euch,
nicht selten weiche Lager bereitet. – Von den anderen Hausvögeln dagegen wird
sehr wenig gebraucht; daher sie auch mehr der Unterhaltung und der Zierde
wegen gehalten werden. Mancher wohlhabende Saturnbewohner hat nicht selten
alle möglichen Gattungen solcher zahmer Vögel bei seiner Haushaltung. Mancher
beschränkt sich aber nur allein auf die Haushühner. – Von den übrigen zahmen
Vögeln wollen wir aber nur noch ein paar flüchtig betrachten. [Sa.01_022,12] Einer, die sogenannte Goldene
Kugel, wird von den Saturnbewohnern wegen des großen Glanzes seiner Federn
als eine Hauptpracht ihres Geflügels gerne gehalten. Dieser Vogel sieht
geradeso aus, als wenn ihr eine Kugel nehmen würdet, welche wenigstens zwölf
Klafter im Durchmesser hat. Unter dieser Kugel aber denkt euch zwei starke
Säulenfüße, mit strahlenartig ausgehenden Zehen versehen. Diese Darstellung
beschreibt schon die ganze Form dieses Vogels (es versteht sich von selbst,
wenn er seine Flügel geschlossen hat). [Sa.01_022,13] Er hat beinahe gar
keinen Kopf, sondern auf der vorderen Seite nur einen breiten, aber sehr
kurzen Schnabel, welcher nach eurem Maß kaum eine halbe Elle lang, aber wohl
bei vier Ellen breit und dunkelrot ist. Über dem Schnabel hat er zwei ovale
Augen, wovon ein jedes über eine Klafter lang und dreiviertel Klafter breit
ist. Die Farbe des Gefieders dieses Vogels ist ganz vollkommen goldgelb, die
Füße aber gehen anfangs ins Grüne und verlieren sich endlich ins Rote. Das
ganze Gefieder des Leibes wie auch der Flügel ist vollkommen gleich groß und
ganz flach, ohne weichen Nebenflaum, und glänzt wie eine allerfeinst polierte
Goldfläche. Am Tage sind diese Vögel für den Saturnbewohner oft kaum
anzuschauen und nehmen sich da aus, als wenn ihr eine Menge vergoldeter
Turmknöpfe auf eurer Erde herumwandeln sähet. [Sa.01_022,14] Von diesem Vogel wird,
wenn er stirbt, nichts benutzt als seine Haut, welche ihm die Saturnbewohner
ganz geschickt abziehen können. – Diese Häute samt den Federn dienen bei
feierlichen Gelegenheiten den Weibern als Schulterschmuck, welcher sich auf
ihren vollen und runden Armen sehr gut und reich ausnimmt. Die Eier dieses
Vogels werden aufbewahrt für die Nachbrut, bei welcher Gelegenheit aber
gewöhnlich unter zwanzig Eiern kaum eines eine lebendige Frucht gibt. [Sa.01_022,15] Das ist das Wesentliche
von diesem beliebten Prachtvogel in der Haushaltung der Saturnbewohner. Dann
aber haben sie noch einen Vogel, der ziemlich häufig angetroffen wird. Dieser
kommt dem Leibe nach, was die Form betrifft, einer Riesengans gleich. Das ist
aber eben seine Auszeichnung nicht, sondern diese besteht in seinem ungewöhnlich
langen Halse, welcher vom Leib aus nicht selten eine Länge von dreißig oder
vierzig Klaftern hat. – Die sonstige Leibfarbe ist bläulichgrau; die Füße
aber sind, was auf diesem Planeten zu einer großen Seltenheit gehört, ganz
kohlschwarz. Die Farbe des Halses ist zinnoberrot, aber dabei nicht matt,
sondern sehr stark metallisch glänzend. Der Kopf ist ebenfalls dem Kopf einer
Gans bei euch ähnlich, nur natürlich im Verhältnis zur übrigen Größe des
Vogels, dessen Leib ungefähr die dreimalige Größe eines Elefanten hat. Der
Schweif dieses Vogels gleicht durchaus keinem Vogelschweif, sondern vom
Hinterteil seines Leibes hängt eine Art Pferdeschweif, dessen Haare nicht
selten bei fünf Klafter lang sind. Was die Füße betrifft, so sind diese
ebenfalls im Verhältnis mehr lang als kurz und sind, wie ihr zu sagen
pfleget, baumstark. [Sa.01_022,16] Das ist nun die ganze
Eigenart dieses Vogels. – Warum wird er denn gehalten? – Wie schon früher
erwähnt wurde, gewöhnlich nur aus Prachtliebe. Sonst hat dieser Vogel gar
nichts, was der Saturnbewohner gebrauchen möchte. Hie und da werden wohl die
Haare des Schweifes gesammelt und werden daraus Schnüre und Stricke geflochten,
welche aber eben nicht gar zu fest sind. Das übrige Gefieder wird nicht
benutzt. [Sa.01_022,17] Dieser Vogel wird
jedoch nur von den Bewohnern gehalten, welche an den Seen oder Flüssen
wohnen; denn er ist ein Wasservogel und nährt sich zumeist vom Gewürme der
Gewässer, darum er auch einen so langen Hals hat, mit welchem er sehr leicht
bis zum Boden reicht, da seine ihm zusagende Nahrung sucht und sie auch
alsbald verzehrt. Das Männchen zeichnet sich nur durch eine reichhaltigere
Schweifmähne vor dem Weibchen aus. [Sa.01_022,18] Dieser Vogel legt seine
Eier ins Wasser und läßt sie dann eine Zeitlang umherschwimmen, bis ihm sein
Instinkt sagt, daß sie vollkommen abgekühlt sind. Dann breitet er seine
Flügel über ein oder mehrere gelegte Eier aus und rudert mit denselben einer
ruhigen Wasserstelle zu, bei welcher Gelegenheit sie dann unter seiner
Beobachtung bald und sicher von selbst ausgebrütet werden. [Sa.01_022,19] Wenn dieser Vogel seine
Eier bewacht, dann ist es nicht ratsam, sich einer solchen Stelle zu nähern;
denn da schwingt er alsbald seinen langen Hals pfeilschnell gegen einen
solchen Frevler und versetzt ihm mit seinem festen Schnabel einen so derben
Hieb, daß sich jeder für allezeit den Appetit vergehen läßt, diesen
Wasservogel noch einmal bei seinem allerwichtigsten Geschäft zu stören. [Sa.01_022,20] Das ist nun das
Wichtigste und Denkwürdigste aus dem Geschlecht der gefiederten Bewohner
dieses Planeten! – Daß aber alle diese jetzt vorgeführten Gattungen und noch
tausend andere in den verschiedenen Ländern und Saturnweltteilen auch in der
mannigfaltigsten Abartung vorhanden sind, könnt ihr euch sehr leicht
vorstellen. – Und so wollen wir uns zu den Landtieren wilder und zahmer Art
wenden. 23. Kapitel –
Die wichtigsten Landtiere. – Deren größtes, das Mud. Lehren der Weisen über
das Mud. Sein Schöpfungszweck.
[Sa.01_023,01] Auch bei den Landtieren
wollen wir ihrer gattungsmäßigen und artenmäßigen Vielheit wegen nur
diejenigen betrachten, welche besonders bemerkenswert sind und nirgend anders
als nur auf diesem Planeten vorkommen. [Sa.01_023,02] Das größte lebende
Landtier dieses Planeten heißt Mud. Es findet sich jedoch nur in wenigen
Saturnweltteilen vor, und da nicht häufig, so daß zusammengenommen auf dem
ganzen großen Planeten kaum zehntausend solcher Tiere vorhanden sein dürften.
Die Länder, wo dieses Tier zu Hause ist, sind sehr wenig bevölkert. Denn
wegen der Größe und starken Gefräßigkeit des Mud haben nicht viele andere
Wesen neben demselben Platz. Und um mit diesem Riesentier zu kämpfen – dazu
besitzt kein Saturnbewohner den Mut. Daher überlassen sie das Land, welches
von solchen Tieren bewohnt wird, auch ohne weiteres Bedenken denselben ganz
und nennen es ein unbewohnbares „Mudland“. Auf den Hauptkontinenten kommt es
zwar nicht vor; aber es gibt sowohl südlich wie nördlich von diesen
Hauptkontinentländern noch andere große Eilande, und diese Länder sind zumeist
allerlei Gattungen solcher und anderer Tiere überlassen. Jedoch keines wird
von den Saturnbewohnern so sorgfältig gemieden wie eben ein solches
„Mudland“. [Sa.01_023,03] Wie sieht denn dieses
Tier aus? – Gibt es etwas ähnliches auf dieser Erde? – Ja, es gibt auch hier
ein ähnliches Tier; jedoch auf der Erde spielt dieses Tier eine sehr
untergeordnete Rolle, während es auf diesem Planeten den ersten und
fürchterlichsten Rang in jeder Hinsicht einnimmt, sowohl was seine
Riesengröße wie auch seine Wildheit und Gefräßigkeit betrifft. [Sa.01_023,04] Welchem Tier auf eurer
Erde sieht denn dieses große Tier ähnlich? – Einem euch sehr wohlbekannten,
nämlich einem Schwein. Aber was die Größe betrifft, so wäre euer Erdschwein
kaum groß genug, um auf dieses Saturnschweines Leib ein Schmarotzertier zu
machen. Ja selbst die großen Saturnmenschen kommen sich beim Anblick dieses
Riesentieres wie kleinwinzige Zwerglein vor. Ich sage euch, wenn das Mud auf
der Erde hinter einer hohen Alpe stünde, zum Beispiel hinter der euch schon bekannten
Choralpe, so müßtet ihr eure Blicke noch ziemlich aufwärts richten, um den
Scheitel des Rückens dieses Tieres zu erschauen. [Sa.01_023,05] Dieses für eure
Begriffe ungeheuer große Tier ist ebenso gefräßig wie euer kleines Schwein
und hält durchaus nichts auf Leckereien, sondern was ihm zunächst unterkommt,
sei es Gras oder auch so manche Bäume oder Tiere anderer Art oder auch
Menschen wie auch Wassertiere, verzehrt es alsogleich mit demselben Appetit. [Sa.01_023,06] Weil aber dieses Tier
mit seiner Größe auch eine verhältnismäßige Kraft besitzt, so ist vergeblich,
sich mit demselben in irgendeinen Kampf einzulassen. Es haben schon wirklich
einmal einige kühne Saturnbewohner einen Versuch gemacht, mittels sehr
langer, scharfer Spitzen, die sie auf über hundert Klafter langen Stangen
befestigt hatten, eines oder das andere solcher Tiere zu bemeistern und
strengten dabei ihre volle Willenskraft an. Allein sie sind ganz übel
zugerichtet worden. Das Mud war zwar an manchen Stellen verwundet, da aber
diese Verwundungen ihm nicht das Leben nehmen konnte, so wurde es durch den
Schmerz der Wunden wild und wütend und stürzte alsbald in einen sehr breiten
Fluß, um daselbst seine Wunden zu kühlen. Als sein Schmerz dort etwas gelindert
war, stand das Tier in dem Flusse wieder auf, schöpfte in seinen weiten
Rachen eine übergroße Menge Wassers und mitunter auch riesig große Steine aus
dem Grunde des Flusses und überspie mit diesem Inhalt seines großen Rachens
seine schon siegesfrohen Verfolger so, daß diese übel zugerichtet wurden und
nur wenige wieder in ihre Heimat zurückgelangen konnten. Einige Getötete aber
wurden von dem Tier, welches dann bald wieder ans Land stieg, mit wenigen
Bissen aufgezehrt. [Sa.01_023,07] Damit ihr euch aber
einen kleinen Begriff machen könnt, wieviel ein solcher Rachen faßt, so sage
Ich euch: Wenn es daselbst Nüsse gäbe, die noch etwas größer wären als euer Schloßberg,
so wäre eine solche Nuß eben für einen Zahn dieses Tieres nicht zu groß, um
mit derselben mit einem Druck fertig zu werden. Wenn das Mud demnach einen
vollen Rachen Wasser und Steine nimmt und speite den Inhalt auf der Erde in
eures Vaterlandes oberem Teil aus, so würde ein solcher einmaliger Ausspeier
für den unteren Teil eures Vaterlandes eine Überschwemmung verursachen, die
ihre Wellen über die höchsten Türme eurer Stadt treiben würde. [Sa.01_023,08] Wenn ihr das ein wenig
beachtet, wird euch die Antwort auf die Frage, ob die Saturnbewohner einen
solchen Kampf wiederholen, von selbst klar werden. Ja, aus diesem Grunde sind
von den Saturnbewohnern seit allen Zeiten nur drei solche verunglückte
Versuche gemacht worden. Für jetzt aber ist ihnen alle Unternehmungslust
vergangen. Und ihre Weisen sagen auch: [Sa.01_023,09] „Der Mensch kann mit
seiner Kraft sehr viel vermögen, allein die Monde, den großen lichten Ring,
die Ströme, die Stürme des Meeres, den großen Fisch und das Mud kann der
Mensch mit seiner Kraft nicht bändigen. Darum wolle er seine Kraft da
anwenden, wozu sie angemessen ist. Übermächtiges aber soll der Mensch nicht
versuchen mit seiner begrenzten Kraft.“ [Sa.01_023,10] Und noch eine andere
Lehre der Weisen dieses Planeten lautet also: „Höret, ihr Menschen! Der Große
Geist hat uns eine große Welt zu bewohnen gegeben, und wir wissen nicht, wo
sie anfängt und wo sie endet. In dem Lande aber, wo wir geboren sind, kennen
wir die Dinge, wie sie sind im Wasser, auf dem Lande und in der Luft, und wir
wissen und haben es allezeit erfahren, daß sie unserer Kraft untertan sind.
Hätte der Große Geist das Mud für uns bestimmt, so müßte es auch unserer
Kraft gehorchen. Wir wissen aber, daß es derselben mit großer Leichtigkeit
gespottet hat, da wir dasselbe uns untertänig machen wollten. Also ist es ja
so hell und klar wie die Sonne, die uns scheint den Tag hindurch, daß der
Große Geist außer uns noch andere Kräfte gesetzt hat, die unserer Kraft nicht
dienen sollen. Und wir sollen sie uns nicht dienstbar machen. Daher bleiben
wir in den gewiesenen Grenzen unserer Kraft und lassen andere große Kräfte
walten daselbst, wo sie der Große Geist hingesetzt hat. Ferne sei daher von
uns, wissen zu wollen, was der große lichte Kreis über uns ist und was die
Monde sind. Und ein Mudland bleibe von uns für alle Zeiten der Zeiten
unbetreten!“ [Sa.01_023,11] Wenn ihr diesen
Weisheitsspruch ein wenig beachtet, wird es euch sicher noch einleuchtender
werden, welch eine Bewandtnis es mit der riesigen Größe und großen Kraft
dieses Tieres hat. Es wäre unnötig, euch weiter die Gestalt desselben zu
beschreiben, sondern eines jedweden eigener Phantasie und Einbildung sei es
überlassen, sich dieses besagte Tier, so gut es nur immer geht, vorzustellen. [Sa.01_023,12] Wird das Mud von den
Saturnbewohnern zu öfteren Malen beobachtet? O nein, solches geschieht
äußerst selten. Und wenn je, dann nur so, daß es entweder bei der Gelegenheit
einer weiten Schiffahrt oder von irgendeinem, solchem Mudlande nicht gar zu
ferne gelegenen Vorgebirge eines Hauptkontinentlandes aus gesehen wird. Denn
gar zu sehr dem Ufer eines solchen Mudlandes nahezukommen, ist nicht ratsam.
Wenn dieses Tier eben nicht zu ferne von seinem Land etwas auf dem Wasserspiegel
Schwimmendes ersieht, macht es einige Riesenschritte in das Meer hinein, und
wenn dasselbe nicht gar zu tief ist, gelingt es ihm auch, mit wenigen
Schritten so etwas auf dem Meere Schwimmendes einzuholen und es mit seinem
ungeheuren Rachen zu begrüßen. [Sa.01_023,13] Etwas für den
Saturnbewohner ganz eigentümlich Abschreckendes und Schauerliches ist das
Gegrunze dieses Tieres; davon könnet ihr euch wahrlich keinen Begriff machen.
Ich kann euch davon nur so viel sagen, daß, so sich dieses Tier z.B. im tiefen
Ungarland befinden würde, richtete da seinen Rachen gegen euer Land herauf
und möchte einige Male grunzen, so würde dadurch die Erde bis zu euch und
noch ziemlich weiter in eine Mitbebung versetzt werden. Vor lauter Erdbeben
möchte nicht nur kein Gebäude eurer Stadt stehen bleiben, sondern es würden
auch einige benachbarte Alpen ihre nur einigermaßen lockeren Felsenspitzen
einbüßen. Aus dieser kleinen Schilderung kann auch schon ein wenig klar sein,
warum die Saturnbewohner eben nicht die größten Freunde dieses sehr stark
„bewegenden“ Gesanges von seiten des besagten Tieres sind. [Sa.01_023,14] Übrigens hat dieses
Tier trotz seiner ungeheuren Größe sehr scharfe Sinne. Vorzugsweise ist sein
Geruch- und Gehörsinn scharf, daher es auch schon von weiter Ferne empfindet,
ob sich auf dem Wasserspiegel etwas für seinen Rachen Taugliches nähert. – Im
übrigen aber ist es bei weitem nicht so unreinlich wie das Erdschwein.
Besonders was das Unrat-von-sich-Lassen betrifft, da übertrifft das Mud an
Reinlichkeit fast jedes euch bekannte Tier der Erde. Bevor es seinen Unrat
von sich läßt, wühlt es in das Erdreich ein sehr tiefes Loch oder, nach euren
Begriffen, einen Krater ungefähr im Umfang von einer kleinen Stunde und nicht
selten mehrere hundert Klafter tief. Ist ein solches Loch gegraben, kehrt es
sich an dieses Loch, läßt seinen Unrat hinein, und scharrt dann sogleich
wieder die vorher aufgegrabene Erde über denselben. Dadurch hält dieses Tier
sein von ihm bewohntes Land rein und düngt es auch ganz zweckmäßig für einen
folgenden Graswuchs, welcher gewöhnlich in diesen Mudländern weit dichter und
größer ist als die dichtesten Urwälder auf eurer Erde. [Sa.01_023,15] Nun bleibt uns nur noch
eine kleine Frage übrig, nämlich: wozu ist ein so kolossales Tier auf diesem
oder auch auf einem andern Planeten wohl nütze? – Die Antwort auf diese Frage
werdet ihr schon bei der Erklärung des großen Fisches finden. Wie jener einen
allgemeinen Übergang des Wassertiers zum Luftgetier bildet, so bildet auch
das Mud einen ähnlichen allgemeinen Übergang aus allen Tier- und Pflanzenstufen
in eine edlere, dem Menschen näherstehende Tiergattung. – Nun wißt ihr alles,
was dieses Tier betrifft. Nächstens wollen wir in kürzerem Durchflug unsere
Betrachtungen über die Landtiere weiter ausdehnen. 24. Kapitel –
Der Saturn-Elefant Sisterkihi. Seine Beschaffenheit und Lebensweise. Jagd auf
dieses Tier. Schöpfungszweck desselben.
[Sa.01_024,01] Sisterkihi heißt das
Tier, welches wir nun nächst dem Mud betrachten wollen. – In welcher
Rangordnung steht denn dieses Tier auf unserem Planeten? – Dieses Tier ist
der eigentliche Elefant dieses Weltkörpers, steht aber dennoch in allem dem
Mud bei weitem nach. Seine Größe beträgt kaum den hundertsten Teil des euch
schon bekannten großen Landtieres. Was aber seine Gestalt betrifft, so ist es
dem Mud völlig unähnlich. Der Sisterkihi hat eine ziemliche Ähnlichkeit mit
dem Elefanten eurer Erde; aber dennoch nicht ganz so wie manche andere Tiere,
von denen ihr noch hören werdet. [Sa.01_024,02] Wie sieht er denn
demnach aus? – Dieses Tier hat vier überaus feste Füße, nahezu wie ein
Elefant bei euch, nur natürlich im Verhältnis zu seiner Größe. Aber es hat
die Beine nicht gestaltet wie der Elefant, sondern ungefähr wie ein Bär, mit
starken Krallen versehen. Sein Leib ist außerordentlich umfangreich, so zwar,
daß ein solches Tier, wenn es ausgewachsen ist, von der unteren Bauchgegend
bis zu seinem Rückgrat siebzig bis achtzig Klafter mißt. Sein Schweif ist, im
Verhältnis zu diesem Tier, so lang wie der Schweif eines Löwen. An seinem Ende
hat der Schweif einen überaus starken Mähnenbusch, wovon die Haare nicht
selten sechs bis zehn Klafter lang sind. Der Kopf dieses Tieres sitzt auf
einem langen, aber im Verhältnis dennoch ziemlich massiven Hals, dessen Kamm
bis in die Gegend der Vorderfüße mit sehr starken Mähnen versehen ist. [Sa.01_024,03] Der Kopf gleicht einem
Pferdekopf; nur ist im Verhältnis die Stirne viel breiter. Über der Stirne
zwischen den zwei Ohren sitzt ein langer, beweglicher Rüssel, welcher bis zu einer
Länge von vierzig Klaftern ausgedehnt, im Gegenteil aber wieder bis zu einem
Drittel seiner Länge zusammengezogen werden kann. In diesem Rüssel besitzt
dieses Tier eine außerordentliche Hebekraft, so daß es mit diesem seinem
dehnbaren Arme Bäume von bedeutender Größe zu entwurzeln vermag. [Sa.01_024,04] Mittels dieses Rüssels
reißt das Tier auch Äste von den Bäumen und verzehrt dieselben oft samt den
Früchten, besonders wenn es so recht heißhungrig ist. Seine Farbe ist
lichtgrau, sein Rüssel aber dunkelgrau. Seine Halsmähnen spielen ins Blaue
und sein Schweifbusch ins Lichtgraue. Die Augen sind düster und von sehr
dunkelbrauner Farbe. Auch dieses Tier hat einen sehr großen Rachen, welcher
mit überaus starken, weißen Hauzähnen versehen ist. Im Hintergrund des
Rachens aber besitzt es überaus starke Quetschknochen, welche nicht als
Zähne, sondern als wirkliche, sowohl vom Ober- als Unterkiefer weit hervorstehende
und zusammenhängende Knochen dastehen. Mit diesen hervorstehenden
Quetschknochen kann das Tier selbst bedeutend harte Steine mit Leichtigkeit
zermalmen, dicke Äste also zerquetschen, daß sie in seinem Munde zu einem
Brei werden. [Sa.01_024,05] Dieses Tier ist zwar
ein Pflanzenfresser, wenn es aber vom Hunger zu sehr geplagt wird, schont es
auch andere Tiere und im höchsten Notfalle selbst den Menschen nicht; aus
welchem Grunde die Saturnbewohner auch von diesem Tiere nicht eben die
größten Freunde sind. Allein dieses Tieres können sich die Saturnbewohner, wo
es sich vorfindet, wohl bemächtigen, obschon mit sehr großen und gefährlichen
Schwierigkeiten. [Sa.01_024,06] Auf welche Weise aber
geschieht solches, und wie machen die Menschen Jagd auf den Sisterkihi? – Mit
der bloßen Kraft geht es durchaus nicht. Denn auch dieses Tier hat in seinem
Rüssel allein so viel Kraft wie tausend der stärksten Saturnmenschen
zusammengenommen. Daher nehmen diese Menschen zur List ihre Zuflucht. Zuvor
aber müßt ihr wissen, daß sich dieses Tier vorzugsweise da aufhält, wo sich
große Wälder des euch schon bekannten Pyramidenbaumes befinden, welchem Baume
dieses Tier nicht geringen Schaden zufügt, indem es demselben so weit die
Äste wegreißt, als es nur immer dieselben mit seinem Rüssel erlangen kann. [Sa.01_024,07] Wenn nun die
Saturnbewohner in irgendeinem Land bemerken, daß dieser fast in allen
Saturnländern vorkommende Riesenbaum nacktstämmig dasteht, so gilt ihnen das
für ein sicheres Zeichen, daß sich in einem solchen Wald ein oder mehrere dieser
Tiere aufhalten. Was tun nun die Saturnbewohner? Sie umzingeln den Wald von
allen Seiten, versehen sich mit Feuerbränden und zünden den Wald ringsherum
an. Da das Tier nichts so sehr scheut wie das Feuer und den Rauch, so
flüchtet es sich alsbald aus diesem Wald oder vielmehr es sucht ringsherum
einen feuerlosen Ausweg, welcher aber gewöhnlich nur auf einer solchen Seite
offensteht, an welche irgendein breiter Strom, ein See oder wohl gar das Meer
selbst stößt. Findet der Sisterkihi eine solche Stelle, so geht er alsbald
ins Wasser. [Sa.01_024,08] Sobald aber dieses Tier
ins Wasser kommt, wird es außerordentlich unbehilflich und plump und hält
seinen sonst geschäftigen Rüssel kerzengerade in die Höhe. Die Saturnbewohner
lassen es nun tiefer und tiefer ins Wasser steigen, indem sie es auf Kähnen
mit auf langen Stangen befestigten Feuerbränden verfolgen. Hat dieses Tier
einmal im Wasser die Tiefe erreicht, daß es sich nur noch mit seinem Kopf
über der Oberfläche des Wassers befindet, so eilen sie mit großer
Schnelligkeit dahin und hacken dem Tier mit ihren riesigen und scharfen Beilen
den fürchterlichen Rüssel ab. Wenn es aber diesen seinen Arm verloren hat,
dann ist es auch um sein Leben geschehen. Bei dieser Gelegenheit sinkt es
dann im Wasser alsbald zusammen und verwest im selben, und sein Fleisch wird
zur Speise sehr vieler im Wasser vorhandener hungriger Tiere. [Sa.01_024,09] Was geschieht aber
dann, wenn unglücklicherweise ein solcher Wald auf kein bedeutendes Gewässer
stößt? Da ist diese Operation freilich wohl etwas gefährlicher und
bedenklicher. Greift das Feuer von allen Seiten gut zusammen, so daß das Tier
oder auch mehrere seinesgleichen in der Mitte eines solchen
zusammenbrennenden Waldes überrascht werden, und sehen die Tiere auf keiner
Seite einen feuerlosen Ausweg, so werden sie hier unter großem Toben und
Wüten erstickt, und wenn das Feuer sehr heftig ist, auch zum größten Teil
verbrannt. Hat aber das Feuer nicht gut zusammengegriffen, so rennen sie der
weniger befeuerten Stelle zu und brechen daselbst mit großer Heftigkeit ins
Freie hinaus. [Sa.01_024,10] Dann wehe denen, die
diesem Tier irgendwo begegnen. Da nimmt es mit seinem Rüssel Menschen oder
Tiere und schleudert sie mit einer solchen Heftigkeit in die Höhe oder auf
den Boden der Erde, daß von dem also Geschleuderten kaum eine Spur seines
Daseins übrigbleibt. Denn die Heftigkeit des Wurfes, welches dieses Tier in
seiner Wut mittels seines Rüssels ausführt, übertrifft die Heftigkeit einer
aus dem Rohr einer Kanone geschossenen Kugel. Würde dies Tier auf eurer Erde
einen solchen Wurf ausführen, so wäre es ihm ein leichtes, einen hundert
Zentner schweren Stein über zwanzig Meilen weit zu schleudern, und zwar mit
solcher Heftigkeit, daß der Stein diesen Weg in wenigen Sekunden zurücklegen
müßte. Möchte es ihn aber zur Erde niederschleudern, dann dürftet ihr
versichert sein, daß es denselben über hundert Klafter tief in das Erdreich
treiben würde. [Sa.01_024,11] Aus dieser kurzen
Schilderung könnt ihr leicht entnehmen, welchen Respekt daher die
Saturnbewohner vor diesem Tier haben und welche Sensation es nicht selten auf
einem ganzen, großen Kontinente macht, wenn ein oder gar mehrere solcher
Tiere einer Feuerjagd entronnen sind. Daher wird ein solcher Wald allzeit
gehörig überschaut, ob er allein dasteht oder ob er an irgendein bedeutendes
Wasser stößt. Steht er allein da, so werden sehr viele Beratungen gemacht, ob
und wann es zu wagen wäre, den Wald anzuzünden. [Sa.01_024,12] Ist der Wald in einem
gut brennbaren Zustand und ist er zugleich von bedeutender Ausdehnung, so
wird das Feuer gelegt. Wenn aber solches nicht der Fall ist, überläßt man dem
Tier lieber den Wald, trägt aber sorgfältig von allen Seiten her dürres Holz
und macht damit einen förmlichen Wall um den Wald, welcher erst dann
angezündet wird, wenn die Bäume des Waldes selbst brennbarer werden. Dies
pflegt gewöhnlich zu geschehen, wenn eine Gegend unter den ziemlich lang
anhaltenden Schatten des Ringes zu stehen kommt, was nach eurer Zeitrechnung
stets mehrere Jahre dauert. Zu dieser Zeit stehen die Bäume zumeist, so wie
die eurigen des Winters, ohne Saft. Alsdann wird dieser Wall von allen Seiten
zu gleicher Zeit angezündet, danach aber von den Menschen so schnell wie
möglich verlassen. [Sa.01_024,13] Seht, das ist alles,
was dieses denkwürdige Tier dieses Planeten betrifft. Es dürften aber im
Saturn kaum zehn Kontinente von dem Sisterkihi sehr sparsam bewohnt sein. [Sa.01_024,14] Was die Nützlichkeit
dieses Tieres betrifft, so ist sie in psychischer Hinsicht dieselbe, nur in
geringerem Umfang, wie die des Mud und des euch bekannten großen Fisches. Es
hat aber dieses Tier, wie alle anderen Tiere, auch noch einen anderen natürlichen
Zweck. Und es ist keines solcher Tiere als unumgängliche Bedingung der
Erhaltung anderer Wesenheiten auf einen Planeten gesetzt, sondern die
Übergänge können auch ebensogut durch andere Stufen gehen. Aus diesem Grunde
verliert auch kein Land etwas, wenn in demselben solche große, starke und dem
Menschen gefährliche Gäste aussterben. 25. Kapitel –
Der Blaue Bär Ihur. Dessen Beschaffenheit, Charakter und Nahrung. Seine
Nützlichkeit als Ackerer des Erdreiches
[Sa.01_025,01] Nachdem wir sonach
diese zwei Riesentiere unseres großen Planeten kennengelernt haben, wollen
wir uns noch zu einigen anderen Tieren wenden, welche, wenn auch nicht mehr
so großartig, doch aber von bedeutender Denkwürdigkeit sind. [Sa.01_025,02] Auf der Stufe dieser
Tiere nimmt der sogenannte Ihur oder nach eurer Sprache der „Blaue Bär“ den
ersten Rang ein. Wenn dieses Tier vollkommen ausgewachsen ist, ist es beinahe
so groß wie ein Saturnmensch, d.h. wenn es sich, was es meistens zu tun
pflegt, auf seine Hinterbeine stellt und gleich einem Menschen aufrecht
einhergeht. Der Name dieses Tieres sagt schon, wie es gefärbt ist, nämlich
ganz durchgehend hellblau. [Sa.01_025,03] Wie sieht er denn sonst
aus? – Er ist im allgemeinen so ziemlich einem Goldbären bei euch ähnlich;
nur der Kopf ist bei diesem Tier ganz anders gestaltet. [Sa.01_025,04] Wie sieht denn demnach
sein Kopf aus? – Das wird wieder ein wenig schwer halten, euch davon eine
rechte bildhafte Vorstellung zu geben, weil ihr die Tiere der Erde nicht
kennt, die einen ähnlichen Kopf haben wie unser Saturnbär. Dessenungeachtet
wollen wir eine Form entwerfen, in welcher ihr den Kopf dieses Tieres
beschauen sollt. [Sa.01_025,05] Denkt euch einen
ziemlich runden, bei anderthalb Klafter im Durchmesser habenden Knaul, von
dem zu beiden Seiten ziemlich in der Mitte zwei sehr lange Ohrlöffel
hintanstehen, von denen ein jeder eine Länge von dritthalb und einer Breite
von einer guten Klafter mißt. Dann denkt euch ferner am obersten Teil dieses
Knauls zwei ungefähr eine halbe Klafter voneinander entfernte, bei drei
Klafter lange, gewundene, wie mattpoliertes Gold aussehende Hörner; ungefähr
5/6 Klafter unter den Hörnern zwei verhältnismäßig große, ganz nach
menschlicher Art gebildete Augen. Unter diesen aber denkt euch ein verhältnismäßig
großes Löwengebiß oder, wie ihr sagt, eine Löwenschnauze. Und denkt euch
ferner noch, daß dieser Kopf mittels eines verhältnismäßig dicken, langen und
starken Halses mit dem übrigen Leib verbunden ist. [Sa.01_025,06] Denkt euch dann
schließlich noch hinzu, daß hinter den Hörnern zu beiden Seiten des Halses
zwei bis drei Klafter lange, mehr dunkelblaue Mähnen hinabfallen, so habt ihr
die ganze Gestalt dieses Tieres. – Schweif aber hat der Ihur gar keinen, sondern
an dessen Stelle nur ein etwas längeres und dunkleres Haar. [Sa.01_025,07] Wenn ihr nun das alles
zusammennehmet und euch noch dazu die Vorstellung macht, daß dieses Tier von
den Hörnern angefangen bis zum Schluß der Hinterbeine nicht selten einige
fünfzig Klafter euren Maßes lang ist; wenn es aber auf allen Vieren steht,
bis zum obersten Rückenscheitel nahe zwanzig Klafter mißt und ein jeder
seiner Füße für sich bei sechs Klaftern und ihre Dicke ein Zehneimerfaß
übertrifft, so habt ihr das Tier ganz vollkommen vor euch. Was die Tatzen
dieses Tieres betrifft, so seht nur die eines Bären an, dann habt ihr die
gleiche Form bis auf die Größe und Farbe, welche natürlich mit der übrigen
Größe und Farbe des Tieres im genauen Verhältnis steht. [Sa.01_025,08] Näher wird es
hoffentlich nicht nötig sein, dieses Tier darzustellen. Und so wollen wir sogleich
den Charakter und die Lebensweise sowie seine Tauglichkeit noch ein wenig
durchgehen. [Sa.01_025,09] Dieses Tier ist
gewöhnlich gutmütiger Art; nur darf es nicht gereizt und verfolgt werden.
Wenn es gereizt wird, läßt es bald seinen gutmütigen Charakter fahren und
wird sehr grausam und wütend, in welchem Zustand dann nichts von ihm geschont
wird. Was ihm da unterkommt, wird sogleich angefallen und gänzlich zugrunde
gerichtet. Dieses Tier hat, obschon es eben nicht größer ist als ein
Saturnmensch, dennoch eine Kraft von zehn Menschen in seinem festen Körper;
aus welchem Grunde es einem mutwilligen Saturnbewohner allezeit ganz übel
ergeht, wenn er allein mit einem solchen Tier, so es sich in einem gereizten
Zustand befindet, in einen Konflikt gerät. [Sa.01_025,10] Da die Saturnbewohner
das Tier bei aller seiner sonstigen Gutmütigkeit dennoch scheuen, so suchen
sie dasselbe durch allerlei Mittel auch gar emsig zu verscheuchen und aus den
von Menschen bewohnten Gegenden zu vertreiben. Aus diesem Grunde kommt das
Tier auch äußerst selten vor das Angesicht unserer Saturnmenschen. [Sa.01_025,11] Wovon nährt sich dieses
Tier? – Es nährt sich von Gras, Wurzeln und jungen Ästen der Bäume und
Gesträuche. Fleisch verzehrt es nicht, auch nicht einmal im äußersten
Notfall. Wenn es aber gereizt ist, zerreißt es Menschen und Tiere, läßt die
so zugrunde Gerichteten unverzehrt liegen und begibt sich alsbald von seinem
Kampfplatz. [Sa.01_025,12] Das Merkwürdige dieses
Saturnbären ist, daß er eine ganz eigentümliche Furcht vor seinem eigenen
Zorn hat. Aus diesem Grunde vermeidet er auch soviel nur immer möglich, durch
seinen eigenen Instinkt geleitet, jede Gelegenheit sorgfältig, bei welcher er
in einen gereizten Zustand geraten könnte. Ein solcher Instinkt wäre auch so
manchen Menschen auf eurer Erde nicht überflüssig; besonders für jene ehrsüchtigen
Zänker und kriegslustigen Patrone, welche jede Gelegenheit aufsuchen, bei der
es etwas zu kämpfen gibt. Jedoch wollen wir uns nicht länger hier verweilen,
sondern noch einen Blick auf unser Tier werfen und sehen, wozu es denn taugt. [Sa.01_025,13] Dieses Tier kann mit
allem Recht der Urbarmacher wilder Gegenden genannt werden; denn es lockert
in kurzer Zeit mit seinen außerordentlich starken Krallen eine weite Strecke
des Saturnerdreichs so gut auf, daß die Saturnmenschen solches mit allen
ihren guten Werkzeugen kaum zu bewirken imstande sind. Was tut das Tier aber
danach, wenn es das Erdreich so aufgelockert hat? – Da geht es auf fruchtbare
Stellen, sucht dort allerlei ihm genießbare Wurzelgewächse und bringt
dieselben in die aufgelockerten Furchen. Geschieht solches von dem Tier auch
nicht in der Absicht, als wolle es einen Acker bestellen, sondern nur, um
sich auf einer solchen Stelle einen Nahrungsvorrat zu sammeln, so bleiben
aber dennoch oft die hineingelegten Wurzeln liegen, treiben dann aus und
wachsen sehr üppig fort. Und so wird dadurch fast allzeit ein ganz wüster,
unfruchtbarer Ort fruchtbar gemacht, und das um so mehr, weil dieses Tier,
wenn es seine Vorratskammer gehörig angefüllt hat, nicht leichtlich eher eine
solche Stelle verläßt als bis es gewahrt, daß sein Vorrat nahezu aufgezehrt
sein dürfte. [Sa.01_025,14] Weil es aber immer auf
dieser Stelle, solange da noch etwas Genießbares vorhanden ist, herumwandelt,
so läßt es auch kreuz und quer seinen Unrat und düngt somit unbeabsichtigt
diese Stelle auf mehrere Jahre. [Sa.01_025,15] Wenn dann Menschen bei
ihren häufigen Wanderungen in so manchen großen Ländern auf solche Stellen
treffen, wissen sie, daß sie sich in der Nachbarschaft eines solchen Tieres
befinden. Sie warten dann längere Zeit ab und sehen, ob ein solcher Einwohner
etwa nicht mehr Gebrauch von seinem Acker macht. Entdecken sie nichts, so
gilt das für einen Beweis, daß das Tier den Ort verlassen hat; und alsbald
wird dann eine solche Stelle von ihnen in Besitz genommen. [Sa.01_025,16] Geschieht es dann und wann
aber dennoch, daß ein solcher Saturnbär von irgendwoher der Wurzeln wegen
einen solchen Platz wieder aufsucht, so müssen die Saturnbewohner entweder
ruhig zusehen, wie dieser Ackersmann ihren Grund von neuem auffurcht und bei
solcher Gelegenheit nicht selten ihre eigenen Anpflanzungen verdirbt – oder
sie müssen diesen ungebetenen Gast mit Gewalt angreifen, wobei es dann immer
zu einem bedenklichen Gefecht kommt. Denn das Tier will hier seine
angewohnten Vorrechte geltend machen und sich nicht gerne abweisen lassen.
Und den Menschen kommt es ebenfalls nicht gar zu leicht vor, ein neues
fruchtbares Land so bald wieder räumen zu müssen. [Sa.01_025,17] Ist aber ein solches
Tier dennoch besiegt worden, so sind die Einwohner vor jedem künftigen Besuch
sicher. Können sie auch das Tier nicht völlig töten, so bringen sie es durch
ihre Verfolgung dennoch dahin, daß es sich merkt, wo es gejagt worden ist. Da
aber dieses Tier in seinem ruhigen Zustand seinen eigenen Zorn fürchtet,
kehrt es zu dieser Stelle nicht wieder zurück, wo es gereizt wurde. [Sa.01_025,18] Das ist alles, was bei
diesem Tier als denkwürdig zu beachten ist, und so wollen wir wieder auf ein
anderes übergehen. 26. Kapitel –
Der Saturn-Löwe Horud – dient zur Jagd und zum Holzfällen. Fang der Jungen.
[Sa.01_026,01] Horud heißt dasjenige
Tier, welches wir nunmehr flüchtig betrachten wollen. – Welchen Rang nimmt
dieser Horud im Saturn ein? Blicket auf euren Löwen; was dieser auf der Erde
ist, dasselbe ist auch der Horud im Saturn. Sieht er aber auch so aus wie
euer Erd-Löwe? Auf diese Frage kann weder eine gänzlich bejahende noch eine
verneinende Antwort gegeben werden. Dieses Tier hat so manches Ähnliche mit
dem Löwen der Erde, so manches aber auch wieder gar nicht. Die nähere
Darstellung wird es schon ohnehin zeigen, inwieweit er bezüglich seiner
Gestalt von der des Erd-Löwen verschieden ist. [Sa.01_026,02] Wie sieht dieses Tier
demnach aus? – Was seine Größe betrifft, so ist es ebensogroß wie der euch
schon bekannte Blaue Bär. Was aber die Farbe betrifft, so ist diese
mehrfacher Art, je nach der Verschiedenheit seiner Leibesteile. So ist sein
Rücken hochrot bis nahe in die Mitte des Bauches. Die Schulterblätter und die
Füße, sowohl die vordern als hintern, sind blaßgrün. Der Bauch aber ist mehr
dunkelgrün oder, wie ihr zu sagen pflegt, üppig grasgrün. Sein Schweif ist
weiß, zu Ende desselben aber prangt ein hellroter Mähnenbusch. Die weiße
Farbe des Schwanzes ist auf der oberen Seite durch regelmäßige rote Flecken
verziert. Die Krallen an seinen Füßen sind ebenfalls weiß, an ihrem Rücken
aber mit einem roten Streifchen verbrämt. [Sa.01_026,03] Abgesehen von der
Farbe, die wir jetzt beschrieben haben, sieht der Horud der übrigen Form nach
völlig einem Löwen eurer Erde gleich. Aber was den Hals und den Kopf des
Tieres betrifft, so sind sie der Form nach von eurem Löwen sehr verschieden.
Es gibt auf der Erde schon wieder kein Tier, das einen ähnlichen Kopf hat. –
Dieses Tier hat einen nahe viereckigen Kopf, ungefähr so wie ein an den
Kanten etwas abgerundeter Würfel. Dieser Kopfwürfel sitzt mit der einen
Fläche am Halse, so zwar, daß der Hals die hintere Fläche aufnimmt, aber
nicht die vordere, welche gleich einer Kinnlade über den Hals um ein Drittel
ihres Durchmessers hervorragt. An den beiden Seitenflächen dieses Kopfwürfels
sind zwei halbkreisförmige Ohrtrichter angebracht, welche von der Fläche aus
auf jeder Seite des Kopfes über eine Klafter hintanstehen und so gefärbt sind
wie ein Regenbogen in sehr hellen Farben. [Sa.01_026,04] Auf der oberen Fläche
dieses Kopfwürfels befindet sich ein nahe eine halbe Klafter langes,
kegelartiges, ganz schwarzes Horn. Das heißt, in der Grundfarbe ist dieses
Horn ganz vollkommen schwarz; auf seiner schwarzen Fläche aber befinden sich
in einer schneckenartigen Windung regelmäßig runde, rötliche Scheibchen,
welche einen sehr starken metallischen Glanz haben. Um den Fuß dieses Horns
ist ein längerer Haar- oder Mähnenkranz von hellblauer Farbe so angebracht,
daß das Horn gleichsam wie in einem Becken zu sitzen scheint. Gegen das
Hinterhaupt und den hinteren Teil, der sich an den Hals anschließt, werden
diese Haare stets länger und dichter, vorwärts gegen die Stirne aber werden
sie kürzer und gekrauster. [Sa.01_026,05] An der Vorderfläche des
Kopfes sitzen in einer Vertiefung zwei im Verhältnis zum Tier sehr große
Augen, wovon jedes einen Durchmesser von einer halben Klafter nach eurem Maße
hat, das heißt, nur das eigentliche Auge gerechnet; denn mit der Höhlung und
den Augenwinkeln dürfte jedes Auge wohl nahe eine ganze Klafter im
Durchmesser haben. Die Augendeckel sind von sehr dunkelroter Farbe, darüber
sind, wie bei einem Menschen, verhältnismäßig große und starke Brauen
angebracht, die ebenfalls so gekraust sind wie die Haare um das schon
beschriebene Horn, namentlich auf der vorderen Stirnseite. [Sa.01_026,06] Jetzt aber kommt das
eigentlich Merkwürdigste von diesem Tier, und das ist sein Mund. – Ihr werdet
schon sicher öfter von einem sogenannten Vogel „Greif“ gehört haben. Seht,
das ist unser Tier (bis auf das Fehlen der Flügel) so ziemlich. Denn statt
eines gewöhnlichen Rachens hat es einen ungemein starken Habichtschnabel,
welcher von ähnlicher Farbe ist wie das Horn auf dem Haupte; nur sind die
runden Flecken nicht schneckenartig, sondern reihenförmig von der Wurzel bis
zur Spitze des Schnabels in abnehmender Größe angebracht. Der obere Teil des
Schnabels ist so wie bei jedem Vogel, den ihr auf eurer Erde kennt,
unbeweglich. Der untere Teil des Schnabels aber ist samt der unteren
Würfelfläche bis über die Gegend des Halses beweglich. Da, wo der Schnabel
aufhört, hat dieses Tier sehr mächtige Quetschzähne in seinem Rachen. Statt
der Hau- und Schneidezähne aber bedient es sich überaus vorteilhaft seines
mächtig starken Schnabels, welcher nahe anderthalb Klafter über die vordere
Hauptfläche hervorragt, an der Wurzel aber nahe so breit ist wie die
Hauptfläche selbst. [Sa.01_026,07] Der Horud hat auch eine
in die Länge überaus dehnbare Zunge, welche ungefähr die Eigenschaft eines
Rüssels hat. Und daher kann das Tier mit dieser seiner Zunge verschiedene
Sachen machtvoll ergreifen und in seinen Rachen hineinziehen. Die Wurzel des
Schnabels ist ebenfalls mit gekrausten lichtblauen Haaren versehen, welche
gegen den Hals zu mehr ins Grünliche übergehen. [Sa.01_026,08] Was ist aber die gewöhnliche
Farbe des Kopfes? – Der Kopf ist licht-aschfarben und unter den Augen wie
auch auf der Stirne mit drei übereinanderstehenden Kreisen von hochroter
Farbe geziert. Was die andern Teile betrifft, so sind nur die beiden mit den
Ohren versehenen Seitenflächen sichtbar und ebenfalls von aschgrauer Farbe,
aber ohne weitere Verzierung. Die hintere Fläche aber ist, wie ihr schon
wißt, von der oberen Fläche angefangen, mit langen Haaren geschmückt, deren
blaue Farbe immer lebhafter wird, je mehr sie sich dem Halse nähert. – Der
Hals ist verhältnismäßig stark und bis zum Kopf gerade so lang wie der
hintere Leib (d.h. von den Schultern der Vorderfüße angefangen bis zum Schweife
hin) und ist durchaus mit reichlichen Mähnen von leuchtendblauer Farbe
bedeckt. – So sieht unser Tier also aus. [Sa.01_026,09] Was ist denn seine
Tauglichkeit? Und was hat es für einen Charakter? Wo ist es zu Hause? Und in
welchem Verhältnis steht es zu den Saturnbewohnern? – Diese viergliedrige
Frage wollen wir ganz kurz beantworten. Da der Horud gewöhnlich ganz sanfter
Natur ist, wird er von den Saturnbewohnern häufig zahm gehalten und dient ihnen
durch seine Pracht sowie durch seine Arbeitsamkeit, wenn er dazu gehörig
abgerichtet worden ist. [Sa.01_026,10] Zu welchen Arbeiten
wird er denn verwendet? – Gewöhnlich zur Jagd auf verschiedene andere Tiere,
welche kleiner und manchmal sehr schädlicher Art sind. Auch wird dieses Tier
zur Schattenzeit zum Holzfällen verwendet; denn mit seinem Schnabel beißt es
dicke Äste, namentlich vom Pyramidenbaum, den es mit großer Leichtigkeit bis
zum Gipfel erklettert, mit einem Bisse ab, und ihr müßt euch die Äste nicht
selten in einer Dicke vorstellen, daß sie bei euch fünf Männer kaum umfassen
dürften. Ein solcher Ast ist diesem Tiere geradeso, wie wenn ihr in einen
mürben Apfel beißen würdet. [Sa.01_026,11] Wenn es von einem Baum
in hinreichender Menge Äste herabgebissen hat, dann zieht es auf ein
gegebenes Zeichen, dieselben mit seinem Schnabel erfassend, auch zu den
Wohnungen der Menschen und zerbeißt sie da in angegebener Stücke, welche dann
unsere Saturnbewohner alsbald zur Feuerung benützen können. Und so wird
dieses Tier noch zu allerlei andern Arbeiten des Zerbeißens und Tragens
verwendet. [Sa.01_026,12] Nur muß dieses Tier
jung gefangen werden, wenn es so abgerichtet werden soll. Denn wenn die Alte
sich fangen ließe, würde es sich nicht an solche Arbeiten gewöhnen. Allein es
ist da mit dem Fangen eines alten Tieres überhaupt so viel wie nichts zu
machen; denn in ungereiztem Zustand flieht es jede menschliche Annäherung,
wird es aber umzingelt, so ist ihm für die Länge der Zeit nicht zu trauen.
Denn sobald es einmal anfängt mit seinen starken Krallen in den Boden zu
graben, ist das ein Zeichen, daß für die Jäger höchste Zeit ist, sich zu
entfernen. Tun sie solches nicht, so macht das Tier gar bald einen mächtigen
Sprung um den andern, brüllt dabei, und auf wen es da stößt, den läßt es die
Kraft seines Schnabels fühlen wie sonst einen Baumast. Daher ziehen sich die
Jäger auch alsbald zurück, wenn sie das Tier in einem solch bedenklichen
Zustand erblicken. [Sa.01_026,13] Wie werden aber bei
dieser Gefährlichkeit des Horud seine Jungen gefangen? – Das geschieht durch
eine List. Denn die Saturnbewohner derjenigen Gegenden, wo dieses Tier zu
Hause ist, wissen gar wohl, daß dasselbe ein großer Freund von berauschenden
geistigen Getränken ist. Dies aber nur zu der Zeit, wenn es Junge hat, und
zwar sowohl das Männlein als auch das Weiblein, die sich nur durch die
Geschlechtermerkmale unterscheiden. Bei der Gelegenheit bringen die
Saturnjäger in ziemlich geräumigen Gefäßen solche Getränke in die Nähe, wo
sich ein solches Tier aufhält. Da braucht man dann nicht lange zu warten und
das Tier ist schon mit vollem Appetit bei dem Köder. Wenn es die Gefäße
geleert hat, kehrt es ganz sanft wieder um und geht zur Stelle, wo seine
Jungen sind, deren dieses Tier gewöhnlich zwei, drei bis vier zur Welt
bringt. Hat es diese Stelle erreicht, legt es sich alsbald nieder und schläft
so fest ein, daß es vom Raube seiner Kinder nichts merkt. Die Jungen werden
dann in die Wohnungen der Menschen gebracht und zu ihrer Verwendbarkeit
abgerichtet. Die alten aber werden zur ferneren Fortpflanzung am Leben
gelassen. [Sa.01_026,14] Seht, das ist das Ganze
unseres nun bekanntgemachten Tieres, nur wißt ihr noch nicht, wo es zu Hause
ist. – Es wohnt allein in den südlichen Gegenden des Saturn und daselbst nur
in denjenigen Kontinentländern, welche sich nicht über den 45. Grad der
südlichen Breite ausdehnen. Da dieses Tier die Meeresgegenden liebt, ist es
auch nur da zu Hause, wo das Land den besagten Grad nicht übersteigt, wo es
die diesem Tiere zusagende hinreichende Wärme gibt. Überragt das Land
bedeutend den genannten Grad, so wird es natürlich auch kälter, besonders wo
es mit dem Meer zusammenstößt, aus welchem Grunde es dann für dieses Tier
durchaus nicht mehr taugt. [Sa.01_026,15] Unser Tier hat den
besonderen Instinkt, daß es weder den Westen noch den Osten eines Landes
bewohnen will, sondern nur allein die südliche Mitte. Befindet sich diese in
ausreichender Größe, so lebt es auch in einem solchen Land. Ist aber dieses
Verhältnis nicht da, so kommt es in einem solchen Land nicht fort und läßt
sich dort auch nicht erhalten. Daher wird dieses Tier auch nie im Innern
eines Landes gesehen. Und wird es manchmal als Seltenheit dahin gebracht, so
geht es in kurzer Zeit sicher zugrunde. [Sa.01_026,16] Nun habt ihr alles
Denkwürdige von diesem Tier. Und somit wollen wir uns wieder zu einem
anderem, nur diesem Planeten allein eigentümlichen Tier wenden. 27. Kapitel –
Die Saturn-Antilope Zigst oder Spitzfuß. Deren Daseinszweck –
Schöpfungswinke. Jagd auf das Zigst – wozu? Geheimmittelschwindel.
[Sa.01_027,01] Zigst, oder nach eurer
Erdsprache der Spitz- oder Stechfuß, heißt das Tier, das wir nunmehr
betrachten wollen und das nur diesem Planeten ganz allein eigentümlich ist.
Dieses Tier steht in dem Planeten Saturn ungefähr auf derselben Stufe wie die
Antilope auf eurer Erde. Es bewohnt im Saturn nur die höchsten Gebirge. [Sa.01_027,02] Warum wird es
eigentlich der „Spitzfuß“ genannt? – Ihr müßt euch nicht denken, als hätte
dieses Tier etwa vier spitzige Spieße an der Stelle der eigentlichen
gegliederten Füße. Es wird darum der „Spitzfuß“ genannt, weil die Vorderfüße
in der Gegend des gewöhnlichen Gliedes über den Klauen gar kein Glied haben,
sondern ein geradeausgehendes Horn, welches nach unten zu ziemlich zugespitzt
ist. Dieses geht sogleich als eine ganz feste Klaue von der Kniegegend aus.
Die Hinterbeine aber hat das Zigst regelmäßig gleich einem andern Tier; nur
sind die Klauen nicht gespalten sondern ebenfalls ziemlich spitzig. [Sa.01_027,03] Das wäre nun der Grund
des Namens dieses Tieres. – Wie sieht es denn sonst aus? – Auf eurer Erde
gibt es unter den größeren Tieren durchaus kein ähnliches Exemplar, wohl aber
unter den kleineren. So ist der Mittelleib vollkommen dem Leibe einer euch
wohlbekannten Fischotter ähnlich; der Schweif dieses Tieres aber dem Schweif
eines Ochsen. Der Hals und der Kopf haben eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem
eines Tigers; nur ist das Gebiß nicht dem Gebiß eines Tigers, sondern dem der
grasfressenden Tiere ähnlich. [Sa.01_027,04] Auf dem Scheitel des
Kopfes hat es ein einzelnes, etwas nach rückwärts gebogenes Horn. – Und so
wäre die Gestalt dieses Tieres bis auf seine Größe und Farbe beschrieben. [Sa.01_027,05] Wie groß ist aber
dieses Tier? – Wenn ihr dessen Größe nach irdischem Maßstab bemessen würdet,
dann hätte die Erde wirklich kein Beispiel eines Tieres aufzuweisen, das
diesem Spitzfuß gleich käme. Aber auf unserem Saturn, wo alle Verhältnisse
ums Hundertfache und manchmal um sehr vieles darüber gesteigert sind, gehört
unser Spitzfuß nur zu den kleineren Tieren dieses Planeten; denn es hat in
allem kaum ein Drittel der Größe des vorhergehenden Tieres, das wir als den
Löwen dieses Planeten kennengelernt haben. Aus diesem Grunde ist es auch
jedem Saturnbewohner ein leichtes, ein solches Tier, wenn er es gefangen hat,
auf seinem Rücken nach Hause zu tragen. [Sa.01_027,06] Was hat es denn für
eine Farbe? – Die Hauptfarbe ist blendend weiß, aber vom Kopf angefangen bis
zum Schweif hin zieht sich ein hellblauer, verhältnismäßig breiter Streifen.
Gegen den Bauch hin ist dieses Tier goldgelb, die Füße gehen nahe ins
Rötliche über – bis auf die Spitzklauen, welche ganz vollkommen schwarz sind,
so wie auch das Horn auf dem Kopf. Der Hals, das heißt der untere Teil
desselben, ist vom Unterkiefer angefangen bis zur Brust hin gestreift, und
zwar mit Streifen von dunkelroter Farbe. [Sa.01_027,07] Jetzt habt ihr die
ganze Gestalt dieses Tieres, welches in dieser Art und Form auf keinem Planeten
wieder vorkommt. – Was ist aber die Tauglichkeit dieses Tieres? Was ist
dessen Nahrung? Und wird es auch häufig gefangen von den Saturnbewohnern? [Sa.01_027,08] Was die Tauglichkeit betrifft,
so ist diese für den Saturnbewohner ebensowenig von Belang wie die einer
Gemse oder einer Antilope bei euch Erdbewohnern. Dessenungeachtet aber hat es
dennoch in der Ordnung der Dinge seinen gehörigen Platz, den es unbewußt
nutzwirkend ausfüllt. Wer sieht die Tauglichkeit einer Gemse bei euch ein;
wer kann einen Grund aufzeigen, warum dieses Tier auf den Felsenspitzen
herumsteigt? Wer es aber glauben will, dem will Ich den Grund kundgeben. [Sa.01_027,09] Ihr wisset, daß auf den
hohen Gebirgen eurer Erde zur Auflösung des Gesteins allerlei Moos und
Pflanzen wachsen. Ihr wisset auch, daß sowohl die Moos- als die
Pflanzengattungen nichts als Produkte geistiger Potenzen und geistiger
Intelligenzen sind. Wenn sie aber solche Produkte sind, so ist es ja auch
ersichtlich klar, daß sich in ihnen irgendein intelligentes Leben zu äußern
angefangen hat. Wenn sich aber ein Leben einmal äußert, so äußert es sich
nicht, um wieder in den Tod zurückzusinken, sondern nur darum, daß es sich in
einer Form ausbildend kräftige, um dann die Form zu verlassen und in eine höhere
überzugehen. [Sa.01_027,10] Welche lebenäußernde
Form aber steht da auf einer Alpe über den kleinbelebten Formen des Mooses,
des Grases und der sonstigen Alpenpflanzen? – Hier seht unsere Alpentiere an!
Das sind die höheren lebendigen Formen, in welche das Pflanzenleben solcher
Hochgebirge übergeht. [Sa.01_027,11] Daß dieses seine
vollkommene Richtigkeit hat, könnt ihr ja daraus leicht ersehen, daß das
Leben dieser Tiere eben dadurch erhalten wird, daß sie das Leben der Pflanzen
in sich aufnehmen. Und demnach heißt: Sich nähren von einer dem Wesen des Tieres
zusagenden Kost nichts anderes, als das zerstreute Leben der kleineren,
unteren Potenzen in sich aufnehmen und es vereinigen zu einem vollkommeneren
Leben. Oder für euch noch verständlicher gesprochen: [Sa.01_027,12] Sich nähren heißt, das
von Mir immerwährend ausgehende Leben in ein Gefäß ansammeln und aufnehmen,
damit es von Stufe zu Stufe kräftiger und vollkommener werde auf dem Rückweg
zur Urquelle, von da es dereinst ausgegangen ist. [Sa.01_027,13] Wenn ihr nun dieses
Gesagte nur einigermaßen begreifet, so geht mit diesem Begriff auch ganz
ungehindert auf unser Saturntier über! Übertraget auf diesen „Spitzfuß“
dieselbe Tauglichkeit und ihr habt dann alles, was ihr über diesen Punkt zu
wissen braucht. [Sa.01_027,14] Nun hätten wir noch
eine Frage zu beantworten, nämlich ob dieses Tier von den Saturnbewohnern
auch gefangen wird? – Darauf sage Ich, daß sehr kühne Saturnbewohner wohl des
öfteren auf die Jagd dieses Tieres ausgehen, aber nur höchst selten eines
fangen. Denn dieses Tier ist so geschickt in der Erklimmung der höchsten
Felsenspitzen dieses Planeten, daß kein Saturnbewohner einem solchen Tier
nachzukommen imstande ist. Vermöge seiner zugespitzten Klauen kann es auf
einer handgroßen Fläche vollkommen stehen. Wo aber einmal die Felsen in solche
zu schroffe Spitzen zusammenlaufen, da hört für unsere großen Saturnmenschen
auch alle Möglichkeit auf, ihre Jagd auf ein solches Tier weiter fortzusetzen. [Sa.01_027,15] Wenn ein solches Tier,
was höchst selten der Fall ist, von einer hohen und steilen Felsenspitze
herabstürzt und einen unglücklichen Fall macht auf einen Platz, den noch ein
Saturnbewohner erreichen kann, so ist der Fang eines solchen Tieres, aber
natürlicherweise nur im toten Zustand, möglich. Lebend aber hat noch nie ein
Saturnbewohner einen solchen „Spitzfuß“ gefangen. [Sa.01_027,16] Ihr werdet da wohl
fragen: Ja, wenn dieses Tier so schwer zu fangen ist, warum geben sich denn
die Saturnbewohner so viele Mühe, eines solchen habhaft zu werden? – Seht,
dazu treibt die Saturnbewohner eine Art Aberglaube. Aber dieser Aberglaube
gehört nach euren Begriffen in das sogenannte quacksalberische medizinische
Fach. Die Saturnbewohner sind der Meinung: Weil dieses Tier die
allerkräftigsten und wohlriechendsten Kräuter genießt, so ist dessen Fleisch
etwas so Gesundes, daß derjenige, der davon nur etwas weniges genossen hat,
nimmermehr zu sterben vermöchte. Das also ist der Grund, warum dieses Tier so
fleißig gejagt, aber nur höchst selten gefangen wird. [Sa.01_027,17] Es geht aber den
Saturnbewohnern mit diesem medizinischen Glauben nicht viel besser als so
manchen Menschen auf dieser Erde, welche auch allerlei Mittel kennen, wodurch
sie das Leben des Leibes zu verewigen glauben; die Erfahrung aber belehrt sie
doch tagtäglich, daß der Tod des Körpers durchaus nicht aufgehalten werden
kann. [Sa.01_027,18] Was tun aber solche
Menschen trotz der täglichen Erfahrung, die ihre Mittel fortwährend zuschanden
macht? Sie tun ein solches Mittel in ein außerordentlich geheimnisvolles Fach
ihrer belebenden Wissenschaft und sagen: Dieses Mittel muß genau um
Mitternacht eingenommen werden, und zwar in der höchst genau vorgeschriebenen
Portion. Ein tausendstel Gran darunter oder darüber macht das Mittel unwirksam. [Sa.01_027,19] Reicht dieser pfiffige
medizinische Weisheitskniff nicht aus, so wird, um die Sache noch
verwickelter zu machen, zum Einfluß der Gestirne die Zuflucht genommen. Da
tut dann ein solcher mystischer Lebensmediziner mit großer, höchst unverständlicher
Beredsamkeit dar, wie dabei der Mond stehen, in welchem Viertel, in welches
Zeichen die Sonne übergehen muß, und das zwar gerade um die Mitternacht. Wenn
z.B. die Sonne gerade um Mitternacht nicht in das Zeichen des Löwen und der
Mond nicht in das Zeichen des Steinbocks, ein anderer Planet nicht in dieses
oder wieder ein anderer Planet nicht in ein anderes Zeichen zur nämlichen
Zeit übergeht, so ist das „Ewige Lebens-Mittel“ ohne Kraft und Wirkung. [Sa.01_027,20] Leichtgläubige Menschen
glauben dann solchen mystischen Weisheitspredigern und kaufen sich stets zu
einem hohen Preis ein solches ewiges Lebensmittel. Im Besitz dieses Mittels
schauen sie sich hernach in den Kalendern fast zu Tode, wann der Mond, die
Sonne und alle übrigen Planeten gerade um die Mitternacht in die
vorbestimmten Zeichen übergehen würden. Da aber, was ihr auch ohne tiefe mathematische
Kenntnisse leicht einsehet, diese astronomischen und astrologischen
Zeichenstands- und Übergangsverhältnisse wohl entweder gar nie oder vielleicht
höchstens nur in einer oder mehreren Millionen von Jahren einmal annähernd
eintreffen können, so hebt sich nach der mystisch-klugen Spekulation eines
solchen ewigen Lebensbringers die Wirkung solcher außerordentlicher Mittel so
gut wie von selbst auf. Der Verkäufer aber bleibt unverantwortlich, weil er
immer sagen kann, es sind ja nicht alle Umstände eingetroffen. [Sa.01_027,21] Gerade also wird in
unserem Saturn das Fleisch dieses Tieres benützt. Nur sagen da die
Saturn-Lebensärzte, wenn ein solches Mittel nicht die bedungene Wirkung
hervorgebracht hat, daß von dem Menschen, der ein solches Mittel gebraucht
hat, eine große Unvorsichtigkeit dadurch begangen worden sei, daß er das
Mittel etwa nicht in der Schattenzeit des Ringes, sondern im Sonnenlichte
eingenommen habe, bei welchem Umstand es ohne Wirkung sein müsse. [Sa.01_027,22] Sagt aber ein
Verwandter des Verstorbenen einem solchen Lebensbringer, daß der Verstorbene
das Mittel wohl unter dem Schatten des Ringes eingenommen habe, so fragt ihn
der Mediziner gleich, wie bei dieser Gelegenheit die Monde gestanden sind?
Kann der Befragte darüber die Auskunft erteilen, so wird natürlich der Stand
der Monde vom Lebensbringer allzeit als seinem Mittel höchst nachteilig mit
großer Beredsamkeit erklärt. Weiß aber der Befragte darüber keinen Bescheid
zu geben, so ist das ohnehin das beste Wasser auf die Mühle unseres „Ewiges
Lebens“ Bringers. [Sa.01_027,23] Manchmal geschieht es
aber auch, daß ein Verwandter eines solchen an einem ewigen Lebensmittel
verstorbenen Menschen zu einem andern ewigen Lebensbringer fragen geht, warum
dieses Mittel schon wieder fehlgeschlagen habe? Da könnt ihr euch schon von
selbst denken, welche Auskunft ihm dieser andere Lebensbringer über das
untaugliche Heilmittel seines Kollegen erteilen wird; nämlich keine andere,
als daß er sagt: „Warum seid ihr nicht zu mir gekommen? Denn es ist ja
bekannt, daß sich dieser Mensch mit falschen Mitteln abgibt!“ Und um den andern
zu überzeugen, daß das Mittel sicher falsch gewesen sein muß, zeigt er ihm
sogleich ein anders gefärbtes Mittel, und das ist für den Fragesteller genug,
um einzusehen, warum das Mittel des andern nichts gefruchtet habe. [Sa.01_027,24] Bei diesen
Gelegenheiten geht dann ein solcher Verwandter des Verstorbenen nicht selten
auch wieder zu demjenigen Lebensbringer zurück, den er nun als einen Betrüger
ansieht. Wie zieht sich aber dann dieser aus der Schlinge? Der führt unseren
Rechenschaftsforderer sogleich zu einem gleichgesinnten und
gleichunterrichteten Nachbarn und sagt zu dem Rechenschaftsforderer: „Siehe,
dieser und dieser haben mein Mittel gerecht gebraucht, frage sie, wie alt sie
schon sind!“ Wenn nun der also Aufgeforderte einen oder den andern um sein
Alter fragt, so bekommt er gewöhnlich eine so „hochalterliche“ Antwort, daß
ihm darob das Hören und Sehen vergeht. Gewöhnlich aber sagen solche nach dem
Alter Gefragte nie die Zahl der Jahre, sondern sie führen außerordentliche
Fakta, die sie alle schon erlebt haben, als Beweis ihres Alters an. So sagt
z.B. einer, er wisse noch gar gut, daß dieser oder jener hohe Berg noch gar
nicht bestanden habe. Ein anderer zeigt wieder auf den lichten weißen
Streifen über dem Himmel und sagt, er habe gesehen, wie dieser Ring von dem
Großen Geist über das Firmament gespannt worden sei. Ein Dritter weiß noch
die Zeit gar gut, wo noch kein Mond sich am Firmament befand. Und so weiß
einer um den andern einen bessern Grund seines Alters als sein Vorgänger
anzugeben. Wenn dann unser Rechenschaftsforderer mehrere solche Aussagen
vernommen hat, dann gibt er sich gewöhnlich zufrieden und kauft noch
obendrauf vom Doktor, der nicht jünger ist als seine Nachbarn, ein solches
Mittel und geht damit vergnügt nach Hause. [Sa.01_027,25] Sehet, das ist nun
alles, was sich bei Gelegenheit der Betrachtung dieses Tieres kundgeben läßt.
Daher wollen wir uns auch von diesem Tier noch zu einem andern nicht-zahmen
Tier dieses Weltkörpers wenden und sodann auf einige zahme Haustiere
übergehen. 28. Kapitel –
Bauor, das Einauge, mit Schweifarm und Waffenauge. Jagd auf dieses Tier.
Seine Haut als Patriarchenmantel.
[Sa.01_028,01] Das Tier, welches wir
noch betrachten wollen, kommt nur äußerst selten vor. Auf den Kontinent-Ländern
ist es ein vollkommener Fremdling. Nur auf einigen bedeutenden südlichen
Inseln ist es zu Hause. Wo aber dieses Tier haust, dorthin machen die
Saturnbewohner ebenso selten Besuche wie auf die Inseln, da das Mud zu Hause
ist. Warum – solches wird die Folge zeigen. [Sa.01_028,02] Bauor heißt dieses Tier;
nach eurer Sprache würde das ungefähr so viel heißen wie das „Einauge“. –
Zuerst wollen wir darauf einen Blick tun, warum dieses Tier das Einauge
heißt. Hat es denn wirklich nur ein Auge? Nein, es hat ebenso zwei Augen zum
Schauen wie jedes andere Tier. Aber auf der breiten Stirne über den zwei
Augen, gerade in der Mitte, besitzt es noch ein Waffenauge. Und von diesem
sehr gefährlichen Auge hat dieses Tier auch seinen Namen. [Sa.01_028,03] Bevor wir jedoch dieses
Auge näher betrachten wollen, werden wir das ganze Tier seiner Gestalt nach
beschauen und sodann erst auf das sonderbare Auge übergehen. [Sa.01_028,04] Wie sieht also das
Bauor aus? Wie groß ist es und wie gefärbt? – Bis auf den Hals und den
Schweif sieht dieses Tier einem Pferd bei euch sehr ähnlich. Nur müßt ihr
euch den Leib des Pferdes ums Hundertfache größer denken. [Sa.01_028,05] Was aber den Schweif
anbelangt, so sieht dieser einer Schlange ähnlich, wenn ihr der Kopf
abgeschlagen wäre, und hat nicht selten eine Länge von 120-130 Klaftern, und
in der Gegend des Afters, da er anfängt, einen Dicke-Durchmesser von anderthalb
Klaftern eures Maßes. Am Ende des Schweifes sind, wie bei einem Schiffsanker,
drei starke Widerhaken. In dem Schweife hat dieses Tier die meiste Kraft. Es
sucht sich mittelst desselben die Nahrung im Wasser, darum es sich auch
beständig an den Meeresufern aufhält und da seinen langen Schweif fast
ununterbrochen im Wasser herumschwärmen läßt, um sich irgendeinen tüchtigen
Fisch oder ein anderes bedeutendes Wassertier mit den Schweifangeln zur
wohlschmeckenden Nahrung zu fangen, wozu dieses Tier auch eine große
Fertigkeit besitzt. Denn sowie es nur in irgendeinem Wasserwinkel etwas ihm
zusagendes Lebendiges wittert, fährt es mit seinem Schweife unter dem Wasser
pfeilschnell dahin und macht diesen seinen Schweifwurf so sicher, daß es
seine Beute nie verfehlt. – Das wäre somit sein Schweif. [Sa.01_028,06] Wie aber sieht denn der
Kopf des Bauor aus? – Der Kopf dieses Tieres ist äußerst merkwürdig. Er sitzt
auf einem langen und starken Halse und hat fast ganz die Gestalt eines
Seekalbkopfes auf eurer Erde. Nur ist auch der Kopf in eben dem Verhältnis
größer als der Kopf eines Erd-Seekalbs, wie sein Leib größer ist als der
eines Erd-Pferdes. Also bis auf das Waffenauge sieht sein Kopf dem Kopfe
eines Seekalbes gleich! [Sa.01_028,07] Was hat es denn hernach
mit dem sogenannten Waffenauge für eine Bewandtnis? – Seht, dieses Auge ist
an und für sich kein Auge zum Schauen; aber es ist ein Auge zum Fühlen und
zum Festhalten. Dieses Auge ist gewöhnlich geschlossen; wenn sich aber dem
Tier irgend etwas Feindseliges naht, öffnet es dieses Auge. Sobald es
geöffnet wird, bricht ein so intensiv roter Lichtstrahl aus ihm hervor, daß
es ein leichteres ist, frei in die Mittagssonne zu schauen als in dieses
Auge. [Sa.01_028,08] Wenn dieser Strahl auf
irgendein lebendes Wesen gerichtet ist, wird dieses alsbald von einer Art
Unbehilflichkeit so gefangengenommen, daß es sich wie gebannt empfindet und
die Stelle nicht verlassen kann, auf welcher es von diesem Blendlicht unseres
Tieres getroffen wurde. Wenn das Tier dann sieht, daß der also beleuchtete
Feind gehörig gefestet oder gebannt ist, nähert es sich demselben langsamen
Schrittes so weit als sein mächtiger Schweif reicht, in welcher
Entfernungsberechnung sich dieses Tier nie verrechnet. Sodann wirft das Bauor
mit Blitzesschnelle seinen Schweif auf den Feind hin, angelt ihn und trägt
ihn mit dem Schweife, der diesem Tier auch als ein Arm dient, sogleich in
seinen überaus weiten Rachen, zermalmt ihn mit seinen starken Zähnen und verschlingt
ihn zu seiner Sättigung. Es macht da gar keinen Unterschied, ob es ein Tier
oder Mensch ist; denn seiner großen Gefräßigkeit zufolge schont es kein einziges
lebendes Wesen, sei es ein Bewohner der Luft oder ein Bewohner der Erde oder
des Wassers. [Sa.01_028,09] Das wäre somit bis auf
die Farbe alles Denkwürdige dieses Tieres! [Sa.01_028,10] Was hat es denn für
eine Farbe? – Am Bauch ist es hellblau; durch die Mitte des Bauches aber zieht
sich der Länge nach ein dunkler, ziemlich breiter Streifen. Der Rücken ist
von hellroter Farbe mit kleinen zebraartigen, gelben Streifen durchzogen. Die
Füße sind pomeranzengelb von da angefangen, wo sie den Leib verlassen. Die
Hufe aber sind vollkommen schwarz. Die Haare des Leibes sind im Verhältnis
durchaus sehr kurz, darum auch schon einige Saturnbewohner der Meinung waren,
als sei dieses Tier ganz nackt. Nur durch einige gefangene Exemplare wurden
sie eines andern belehrt. [Sa.01_028,11] Aber dieser Fang kam
und kommt den Saturnbewohnern allezeit ziemlich teuer zu stehen. Denn wenn
sie es fangen wollen, müssen sie demselben zuvor bedeutende Opfer bringen,
als da sind eine ziemliche Menge großer Haustiere. Erst wenn sich das Bauor
durch den Genuß vieler solcher Haustiere übersättigt hat, wird es schläfrig
und matt, legt sich irgend auf einem Platze neben dem Wasser nieder, ringelt
seinen Schweif zusammen und verdaut seine reichlich zu sich genommene Kost.
Wenn die Saturnbewohner sehen, daß sich dieses Tier zur Ruhe begeben hat,
dann müssen sie auch so schnell nur immer möglich eilen, damit sie Meister
des Schweifes werden, welchen sie gewöhnlich mit einem Hiebe vom Leibe trennen.
Wenn diese Operation vollbracht ist, müssen sie ebenso geschwinde die Stelle
wieder verlassen. Denn da der Schweif, auch getrennt von seinem Tiere, noch
lange fortlebt und sich mit den schauerlichsten Krümmungen hin- und herwirft,
das Tier aber vor Schmerz ebenfalls wütend wird und mit seinen Hufen
umherschlägt, so ist es durchaus nicht ratsam, sich nach der Operation in der
Nähe dieses Tieres aufzuhalten. Solches wissen die Saturnbewohner, daher entfernen
sie sich sogleich und warten auf ihren Schiffen auf der Oberfläche des
Wassers die Zeit ab, wann dieses Tier regungslos zusammenstürzt und der
Schweif sich krampfhaft ausgestreckt hat. [Sa.01_028,12] Ist solches einmal vor
sich gegangen, dann nähern sich unsre Schiffer wieder dem Ufer, hauen den
Schweif noch auf mehrere Stücke entzwei, bei welcher Gelegenheit die
zerhauenen Stücke eine ziemliche Zeitlang hin und her springen, nähern sich
dann dem Tiere selbst und versuchen durch Stiche an der Rückengegend, ob im
selben sich noch irgendein verborgenes Leben vorfindet. Macht das Tier bei
solchen Stichen keine Bewegung mehr, so wird demselben alsbald die schöne
Haut abgezogen, der Kopf aber wird ihm zuvor abgehauen und sehr schnell ins
Wasser geworfen. Denn diese Jäger sind der Meinung, es möchte das Tier
während der Hautabziehung das schreckliche Auge zufällig öffnen, und dann würden
sie alle vergiftet; was aber natürlich nie der Fall sein könnte – weil dieses
Auge durchaus kein Gift enthält und weil das heftige rote Licht des Auges
vollkommen erlischt, sobald das Tier alle Lebenskräfte verloren hat. [Sa.01_028,13] Ist die Haut von dem
Tiere abgezogen und auf die Fahrzeuge gebracht, dann lassen die Jäger alles
andere liegen und verwesen. Damit aber diese Verwesung desto schneller vor
sich gehe, so gibt es da an einer solchen Ufergegend auch schon sehr bald allerlei
hungrige Gäste, welche sich da ihren Hunger stillen, manche aber auch an
ihrem wohlbekannten Feinde ihre Rache kühlen. [Sa.01_028,14] Wozu aber benutzen dann
die Saturnbewohner eine solche mühsam erlangte Haut? – Sie wird mit Öl gut
eingerieben, daß sie nimmermehr steif werden kann. Ist solche Bearbeitung gut
genug zu Ende gebracht, so wird die Haut zubereitet oder vielmehr gut
beschnitten und danach zu einem Halbmantel verwendet. Ein solcher Mantel gilt
auf dem Rücken eines Mannes mehr als bei euch ein ganzes Kaisertum. Denn da
heißt es dann sprichwörtlich: Das Bauor macht den Fürsten oder den
vorzüglichsten Patriarchen des Landes erst vollkommen ansehnlich als das, was
er sein soll. [Sa.01_028,15] Es gehört für die
Saturnbewohner aber auch im Ernst die Bezwingung des Bauor zu einer der
größten Wagetaten, die sie ausführen. Wer demnach sich einem solchen Mantel
gefangen hat, der zeigt allen seinen Mitmenschen, von welch großem Mut er
beseelt ist. Dieses Zeugnis aber gilt bei dem Saturnbewohner am meisten. Denn
mit einem mutlosen Anführer und Leiter ist ihnen nicht gedient. Dann aber
bezeugt ein solcher Mantel auch noch die großen Opfer, die der Erringer eines
solchen Mantels gebracht hat. Daraus schließen dann die Saturnbewohner, daß
ein solcher Bauor-Mantelinhaber auch bei seiner großen Tapferkeit ein sehr
freigebiger Mensch ist, da er zum Wohle seiner Brüder solch große Unkosten
nicht gescheut hat. Und endlich schließen sie aus dem Besitz eines solchen
Mantels noch auf die große Klugheit eines solchen Menschen, da er es so weise
angestellt hat, Meister dieses Ungeheuers zu werden, welches bei den
Saturnbewohner in einem noch viel entsetzlicheren Ansehen steht als bei euch
der sogenannte Drache oder Lindwurm. [Sa.01_028,16] Wenn demnach ein Mensch
ein solches Tier besiegt hat, so wird er auch bei jeder anderen Gelegenheit
jedes Unternehmen mit großer Klugheit zu leiten imstande sein. Daher macht
dieser Bauor-Mantel einen Saturnmenschen unfehlbar allezeit zu einem
Großpatriarchen, wenn er auch sonst noch ums Drei- bis Vierfache jünger wäre
als irgendein anderer Kleinpatriarch. Solange aber hernach dieser Mantel sich
erhält, so lange auch dauert das Großpatriarchentum. [Sa.01_028,17] Da dieser Mantel sonach
stets die Großpatriarchenwürde verbürgt, wird auch mit nichts so sparend und
schonend umgegangen, wie mit einem solchen Mantel; aus welchem Grunde ein
solcher Mantel von einem Großpatriarchen nur bei höchst außerordentlichen
Gelegenheiten umgehängt wird. Wie es aber überall auf unserem Planeten kleine
Betrügereien gibt, so gibt es solche auch namentlich mit der dort fast
allgemein für ewig gehaltenen Dauer eines solchen Mantels. Denn wenn er auch
schon lange morsch geworden ist, wird er dennoch zuweilen durch einen
falschen Mantel von anderen Tierhäuten als ein echter Bauor-Mantel
forterhalten. [Sa.01_028,18] Ein solches, zufolge
dieses Bauor-Mantels errungenes Großpatriarchat vererbt sich so lange auf
alle Kinder und Kindeskinder des Großpatriarchen, solange der Mantel noch als
daseiend vorgewiesen werden kann. Nur so jemand zufolge einer frischen
Unternehmung sich zum Besitze eines neuen Mantels verhilft und weiset solchen
im ganzen Lande auf, dann ist es mit dem alten Patriarchat zu Ende. Jedoch
bleibt der alte Patriarch dessenungeachtet noch immer ein angesehener Mann im
Volke. In diesem Falle gilt selbst noch der letzte Fleck eines solchen
Bauor-Mantels als ein vollkommen gültiges Adelsdiplom, durch welches der
Inhaber so lange Bauormantel-Vorrechte genießt, als er nur noch ein Stückchen
von einem solchen Mantel als Diplom aufzuweisen hat. Haben aber einmal einige
gutgesinnte Motten das letzte Fleckchen zernagt, so haben sie auch die Würde
eines solchen Urpatriarchen also zerstört, daß ihm am Ende nichts mehr davon
übrigbleibt als allein die leere Erinnerung. [Sa.01_028,19] Jedoch wir wollen diese
saturnpolitischen Verhältnisse vorderhand nicht weiter verfolgen, da wir noch
nicht beim Menschen sind – sondern werden uns dafür wieder sogleich zu den Tieren
wenden. Bevor wir jedoch die Haustiere vornehmen wollen, werden wir einen allgemeinen
Überblick über das gesamte nicht-zahme Saturn-Tiervolk werfen. 29. Kapitel –
Harmonie der Weltkörper. Beispiele der Tonkunst. Geheimnisse der Tonlehre und
der Schöpfung. Übereinstimmung der wilden Tierwelt von Saturn und Erde.
[Sa.01_029,01] Da wir, wie ihr wißt,
nur die außerordentlichen Tiere jeder Gattung sonderheitlich betrachten, so
ist es euch aus dem bereits Enthüllten schon bekannt, welche eigenartigen
Tiere alle diesem Planeten eigen sind. Bei der Darstellung dieser Tiere
werdet ihr bemerkt haben, daß sie zuallermeist von solcher Art sind, daß
ihnen im ganzen kein Tier sowohl eurer Erde als irgendeines andern Planeten
völlig ähnlich ist. [Sa.01_029,02] Es besteht aber
zwischen einem und dem andern Planeten eine immerwährende Harmonie in allem,
ohne welche zwei Weltkörper, in einer noch so unendlichen Entfernung
voneinander befindlich, nicht bestehen könnten. – Damit ihr dieses so viel
als möglich richtig auffasset, muß Ich euch vorerst darauf aufmerksam machen,
daß Harmonie nur da ist und sein kann, wo eine und dieselbe Ursache die
Wirkung hervorbringt. [Sa.01_029,03] Wenn ihr z.B. über ein
flach gehobeltes Brett eine Saite spannt und schlagt dieselbe an, so wird die
Saite allzeit einen Ton von bestimmbarer Höhe oder Tiefe geben. Spannt ihr
die Saite mehr und mehr, so wird der Ton intensiver oder, wie ihr zu sagen
pflegt, höher. Je weniger aber die Saite gespannt wird, desto tiefer wird
auch der Ton. Was ist da wohl die Ursache der tönenden Wirkung? Ihr könnt
durchaus keine andere finden und angeben, als das Brett und die über
demselben gespannte Saite. So oft ihr nun diese Ursache erneuert, so oft auch
werdet ihr immer dieselbe Wirkung haben. Die Änderungen in der Höhe und der
Tiefe machen hier durchaus keinen Unterschied. Denn Ton bleibt Ton, ob er ein
hoher oder ein tiefer ist. Ihr werdet hier freilich wohl fragen, was da
eigentlich den Ton bewirkt – ob das glattgehobelte Brett oder ob die Saite? –
Und Ich sage euch, weder das Brett allein für sich, noch die Saite allein für
sich, sondern beide also gemeinschaftlich, daß das gehobelte Brett als ein
zusammenhängendes Ganzes alle nur denkbaren Formen zur Bildung des Tones in
der allzeitigen Bereitschaft hat. Die über demselben sich schwingende Saite
aber ruft diese Formen voneinander wohl unterscheidbar hervor. Und so ist das
gehobelte Brett der Inhalt aller denkbaren Tonformen. Die darüber gespannte
Saite aber ist da, um dieselben zu wecken und sie dann in die vernehmbare
Erscheinlichkeit überzuführen. Damit aber solches möglich ist, muß zwischen
dem gehobelten Brett und der Saite eine unleugbare Harmonie obwalten. [Sa.01_029,04] Wenn etwa jemand auch
die Luft als ein Mittel zur Bildung des Tones betrachten wollte, dann muß
gezeigt werden, daß bei der Hervorbringung irgendeiner Wirkung nie und unmöglich
mehr denn zwei polarische Ursachen in einen gegenseitig produzierenden
Konflikt treten können. Das Mittel aber kann nie als eine Ursache angesehen
werden, sondern nur als ein Weg, auf welchem die von den zwei Polaritäten
hervorgebrachte Wirkung zur Erscheinung kommt. [Sa.01_029,05] Nehmet z.B. das
magnetische Fluidum! Kann sich dieses denn nur, wenn es von irgendeiner
Eisenstange aufgenommen wurde, polarisch vorfinden, oder ist es nicht
vielmehr in sich selbst polarisch freiwirkend durch die ganze Unendlichkeit
da? Seht, somit ist eine Eisenstange nur ein Weg, auf welchem dieses Fluidum
sich euren Sinnen fühlbar äußern kann. Die Stange an und für sich aber kann
doch unmöglich als das angesehen werden, welches das magnetische Fluidum
selbst hervorbringt. [Sa.01_029,06] Oder sind die Luft und
der Äther zwischen der Sonne und einem Planeten dasjenige, was das Licht
bewirkt? Sind sie nicht vielmehr nur der Weg, durch welchen das Licht, von
einer Sonne ausgehend, zu einem Planeten gelangt, wenn der Planet so
gestaltet ist, daß er fähig ist, das auf ihn überkommende Licht aufzunehmen? [Sa.01_029,07] Sonach wollen wir auf
diese Weise auch die Luft bei unserer Tonbildung nicht als ein tonbewirkendes
Mittel ansehen, sondern nur als den Weg, auf welchem die Tonformen, wie sie
zwischen der Saite und dem gehobelten Brett gebildet werden, von dem Ohre
wahrgenommen werden können. [Sa.01_029,08] Ihr müßt euch unter
„Ton“ überhaupt nicht den Klang denken, sondern nur eine Form, welche durch
einen gewissen Grad von Schwingungen irgendeiner glatten und elastischen
Fläche entlockt wird. Der Klang an und für sich ist nur ein Zeuge, daß da
durch regelmäßige Schwingungen irgendeines schwingbaren Körpers die Formen
eines andern ihm zugrundeliegenden Körpers entwickelt worden sind. Ich sage:
Obschon ihr euch in der Tonkunst bewandert glaubt, so seid ihr aber nahe in
keinem Fache so schlecht bewandert als eben in der Tonkunst. Denn da versteht
ihr nichts mehr, als was die Würmer verstehen, die an der toten Rinde eines
Baumes nagen. Demnach stellt ihr zwar wohl einzelne verschiedene hohe oder
tiefe Töne zusammen und ergötzt euch an dieser Musik also, wie sich die
Würmer ergötzen, wenn sie die tote Rinde eines Baumes benagen. Welcher von
euch aber hat es sich noch je beifallen lassen, daß der Ton eine der
allerwunderbarsten Formen ist? [Sa.01_029,09] Seht, so ihr
irgendeinen Ton singt oder mit einem Klanginstrument hervorbringt, so wißt
ihr dabei nichts mehr zu sagen als: Dieser Ton heißt entweder c oder a und
ist entweder in einer oder der andern Oktave, und daß ihr dabei auch noch bestimmt,
durch welches Klanginstrument irgendein solcher Ton bewirkt worden ist.
Gestehet, ob ihr von dem Ton viel mehr wisset – außer daß ihr noch die
Qualität des Tones bewertet und seine Verhältnisse gegenseitig mit eurem Ohr
bemesset, so seid ihr auch mit dem Ton vollkommen fertig. [Sa.01_029,10] Damit ihr aber desto
gründlicher einsehet, wie wenig ihr in der Tonkunst bewandert seid, so will
Ich euch nur im Vorübergehen etwas Weniges über den Ton selbst sagen. [Sa.01_029,11] Ihr wisset, daß über
ein und dasselbe Brett eine Menge Saiten gespannt werden können, und eine
jede Saite wird nach dem Grad der Spannung einen verschieden hohen oder
tiefen Ton von sich geben, und das alles auf einem und demselben Brett. Wenn
aber auf einem und demselben Brett alle nur denkbaren Unterschiede der Töne
hervorgebracht werden können, so müssen ja auch in eben und demselben Brett
unendlich viele Formen vorhanden sein, damit sie durch jeden möglichen Grad
der Spannung einer Saite vollkommen vernehmbar in die Erscheinlichkeit treten
können. [Sa.01_029,12] Wenn ihr nun das Brett
an und für sich betrachtet, was findet ihr daran? Nichts als ein leeres,
gehobeltes Brett! Und wenn ihr darauf die eine oder andere Saite betrachtet,
was findet ihr an ihr? Nichts als einen gleichförmig elastischen Faden, entweder
aus Metall oder aus den Gedärmen der Tiere. Und so habt ihr nichts als zwei
platte Einförmigkeiten, aus denen sich nichts herabphilosophieren läßt vor
euch. Und dennoch liegt in diesen zwei platten Einförmigkeiten eine solche
Mannigfaltigkeit, daß davon alle Tondichter von Davids Zeiten her noch nicht
den milliardsten Teil in allen ihren Kompositionen aufgegriffen haben – da
doch diese äußeren Töne in Hinsicht des eigentlichen wahren Tones an und für
sich nichts anderes sind, als was da ist die tote Rinde eines Baumes gegen
dessen inneres, unsichtbares geistiges Leben. [Sa.01_029,13] Was ist also demnach
der Ton? – Der Ton ist nichts anderes als ein Sichkundgeben der endlos vielen
harmonischen geistigen Formen, wie dieselben der Materie innewohnen oder
wenigstens in diese hineinragen. Und demnach ist das mitschwingende Brett
eines Klanginstrumentes eine unendliche Welt voll geistiger Formen. Und wenn
ihr z.B. einen Ton unter dem Namen c oder a angeschlagen habt, so hat sich
durch den einfachen Klang nichts mehr oder weniger als eine ganze Schöpfung
mit einer ewig unzählbaren Zahl der Wesen aller Art für euer Ohr einförmig
vernehmbar gemeldet. [Sa.01_029,14] Ihr klebt dann nur an
dem, was ihr vernehmt. Was aber hinter dem Vernommenen steckt, das beachtet
ihr nicht. Und wenn euch bei mehreren nacheinander folgenden harmonischen
Klängen auch eine große Ahnung ergreift und euch die geistig lebendigen
Formen förmlich am Genick packen, so seid ihr doch blind und naget an der
Rinde, ohne bei jedem einfachen Ton zu bedenken, daß eben durch den vernehmbaren
Ton eines alleinigen Wortes alle Dinge, welche die ganze Unendlichkeit
erfüllen, hervorgegangen sind. – Nun könnt ihr euch wohl einen kleinen Begriff
machen, was ein Ton ist und wie unterschieden seine große Bedeutung ist vom
einförmigen Klang, den ihr Ton nennt. [Sa.01_029,15] Da wir aber zuvor von
den harmonischen Verhältnissen ausgegangen sind und dargetan haben, wie
zwischen einem glatten Brett und einer darüber gespannten Saite eine stetige
Harmonie obwaltet und daß eben aus dieser Harmonie dem Äußern nach dieselben
Wirkungen entstammen, so können wir auch unserem ersten Satz volle Geltung
verschaffen, in welchem gesagt wird, daß zwischen zwei noch so entfernten
Weltkörpern eine stetige Harmonie sich vorfinden muß. [Sa.01_029,16] Warum denn? – Denkt
euch die Sonne als das mitschwingende Brett, die Planeten aber als Saiten
über das Brett gespannt. Wenn nun diese um das mitschwingende Brett der Sonne
schwebenden Planetensaiten durch das ausgehende Licht von der Sonne
angeschlagen werden, so nehmen sie auf diese Weise alle die in der Sonne
schon zugrunde liegenden Formen auf, nachdem sie dieselben auf dem Weg des
Lichtes überkommen haben, und setzen sie dann in die äußere Erscheinlichkeit. [Sa.01_029,17] Wenn ihr nun darauf
einen Blick richtet, daß die Saite des Saturnplaneten über dieselbe Sonne
gespannt ist, wie die Saite der Erde, die ihr bewohnt, so muß es euch ja auch
einleuchtend sein, daß dieselbe Ursache, welche auf eurer Erde wirkt und ihre
Formen auf derselben in die Erscheinlichkeit treten läßt, auch auf dem Saturn
dasselbe bewirken wird. [Sa.01_029,18] Wenn ihr z.B. ein siebenoktaviges
und zugleich ein fünfoktaviges Klavier nehmen möchtet, so wird da niemand in
Abrede stellen, daß das mehroktavige Klavier noch tiefere und höhere Töne
haben wird als das fünfoktavige. Wenn aber das mehroktavige Klavier mit
seiner Skala da eintritt, wo des fünfoktavigen Instrumentes tiefster oder
höchster Ton liegt, so wird es hernach mit demselben gleichtönend die Skala
so lange harmonisch fortsteigen oder fallen lassen, wie das fünfoktavige; nur
werden natürlich die Töne des größeren Instruments sicher stärker, größer und
ausgebildeter klingen als die auf dem kleineren Instrument. [Sa.01_029,19] Nun seht, jetzt haben
wir eigentlich schon alles. – Ich sagte gleich anfangs, daß wir zuvor noch
einen allgemeinen Überblick über das sämtliche unzahme Saturntiervolk werfen
wollen, bevor wir zur sonderheitlichen Darstellung des zahmen Getiers
übergehen werden. Und Ich sage euch, einen solchen allgemeinen Überblick
haben wir nun schon gemacht. Denn diese Darstellung der produktiven Kraft der
Sonne war zuvor notwendig, damit das noch zu Sagende nicht als eine Faselei
oder als eine nötigende Darstellung der Dinge auf diesem Planeten so
erscheint, als wäre demjenigen, der solches kundgibt, der Phantasiefaden
ausgegangen und er demzufolge zu dem die Zuflucht nehmen müßte, was die Erde
als Planet an formellen Erscheinlichkeiten bietet. Daß er sagen müßte: Alles
Getier der Erde findet sich auch auf diesem Planeten mit wenigen Abweichungen
vor; nur daß es im Verhältnis größer und stärker ist und zufolge des schon
mehr geteilten Lichtes der Sonne auch buntfarbiger. [Sa.01_029,20] Da aber solche
anatomisch zergliederte Darstellung der harmonischen Verhältnisse vorangegangen
ist, so wird niemand, der gläubigen Herzens ist, dagegen etwas einzuwenden
haben, so Ich nun sage: Von eurem größten Urelefanten angefangen bis zur
allerkleinsten Maus hat auch der Saturn alle diese Tiere der Erde vollständig
auf seiner Oberfläche, nur sind sie im Verhältnis größer und stärker und
wechseln ihre Farben zwischen blau, grün, rot, weiß und schwarz, während die
Farben der Tiere eures Erdkörpers darum nur selten vollkommen ausgebildet
sind, weil die Strahlen der Sonne noch zu intensiv und daher wenig gesondert
auf den Boden fallen Die Färbung ist ja allezeit eine Folge des Lichts. Eure
Blumen sind zwar ebenfalls mit allerlei vollkommenen Farben gefärbt, aber es
geht der Farbe dennoch der gewisse lebendige Glanz ab, durch welchen alle
Blumen unseres Saturn so lebendig werden, und auch alle anderen Färbungen
sowohl der Tiere als auch der Menschen dieses Planeten. [Sa.01_029,21] Dieses genügt somit für
den allgemeinen Überblick der vierfüßigen und auch der anderen Tierwelt
dieses Planeten. Demnach werden wir auch von den zahmen Tieren nur diejenigen
wenigen einer kurzen näheren Betrachtung unterziehen, welche das fünfoktavige
Erdklavier nicht enthält. 30. Kapitel –
Die zahmen Tiere des Saturn. Die Kuh Buka, das nützlichste Saturntier.
[Sa.01_030,01] Das erste zahme Tier,
das wir betrachten wollen, ist die große, zahme Kuh der Saturnbewohner, von
ihnen „Buka“ genannt. – Ihr werdet euch vielleicht denken: Warum muß denn gerade
von der Kuh zuerst die Rede sein und warum nicht zuerst vom Stier? Es ist
aber hier nicht eine zoologische Aufzählung des Tierreiches, wo nach der gelehrten
Ordnung der sogenannten Zoologen nahe allezeit das Männlein vor dem Weiblein
einhergehen muß, sondern hier ist eine Aufzählung der Tiere des Planeten nach
dem Range ihrer Tauglichkeit und sonach auch ihrer Denkwürdigkeit. Da aber
die Kuh auf diesem Planeten ein viel tauglicheres Tier ist und also auch viel
denkwürdiger, so lassen wir es auch wohlgeordnetermaßen vor dem Männlein, das
heißt vor dem Stiere einhergehen. [Sa.01_030,02] Was ist also unsere
Buka für ein Tier? Wie sieht sie aus, wie groß ist sie und wo ist sie zu
Hause? [Sa.01_030,03] Die Buka oder
Saturn-Kuh ist ein riesenhaft großes Tier, aber dennoch ungemein zahm. Und im
Verhältnis zu seiner riesenhaften Größe verzehrt es sehr wenig Futter, trinkt
aber desto mehr Wasser. [Sa.01_030,04] Dieses Tier ist unter
den Geschöpfen dieses Planeten das allernützlichste und macht mit seiner sehr
reichlichen und überaus wohlschmeckenden, etwas gelblich aussehenden Milch
den vorzüglichsten Nahrungsquell der Saturnbewohner aus. Ihr möchtet wissen,
wieviel nach eurem Maß eine solche Kuh in einem Saturntage (Milch) gibt. Da
der Saturntag ohnehin nicht viel unterschieden ist von einem Erdtage, so muß
es euch nicht gar zu übermäßig wundernehmen, wenn Ich euch sage, daß diese
Kuh bei regelmäßig guter Melke des Tages nicht selten eintausend Eimer Milch
nach eurem Maße gibt. [Sa.01_030,05] (NB! Eine solche Kuh
dürfte hier auf eurem Erdkörper manchen wirtschaftlichen Industrierittern
nicht unerwünscht sein, vorausgesetzt, daß sie eben nicht viel mehr des
Futters bedürfe als eine gewöhnliche Erdkuh, des Wassers aber dazu trinken
könnte, so viel sie nur wollte und möchte. Allein da sich solche sehr
ökonomische Menschen bei einer solchen Kuh im Geiste allzusehr
verwirtschaften möchten, so lassen wir sie nur im Saturn – ungeachtet dessen
es uns nicht gerade unmöglich wäre, auch auf der Erde eine Saturnkuh zu
erschaffen.) [Sa.01_030,06] Wie sieht denn
eigentlich im Saturn eine solche Kuh aus? – Was die Form betrifft, so hat sie
eine ziemliche Ähnlichkeit mit der sogenannten Auerkuh. Was aber dann deren
Größe betrifft, da ist der Unterschied freilich wohl unvergleichbar; ja so
groß ist er, daß eine gewöhnliche Kuh eurer Erde auf dem Rücken einer
Saturnkuh sich kaum größer ausnehmen dürfte als eine Fliege auf dem Rücken
einer eurer Kühe. Das Männlein oder der Stier ist nach dem Mud beinahe das
größte Tier dieses Planeten. Die Kuh jedoch ist bedeutend kleiner als das
Männlein. Wenn eine solche Saturnkuh hier auf eurer Erde stünde, so würdet
ihr von ihrem Rücken aus eine bei weitem größere Aussicht haben, als so ihr
euch auf eurem Plabutschberge befindet, obschon die Größe der Kühe auf diesem
Planeten selbst sehr verschieden ist. [Sa.01_030,07] Die größere Gattung
dieser Kühe befindet sich vor allem in jenem großen Kontinentland, welches
gleich anfangs der Enthüllung dieses Planeten gezeigt wurde. In diesem
Kontinentland ist eine solche Kuh nicht selten bei vierhundert Klafter hoch
und vom Kopf bis zum Schweif doppelt so lang. Ihr Leib befindet sich auf vier
verhältnismäßig festen Füßen, welche jedoch, verglichen mit dem übrigen Leib,
kürzer sind als die Füße einer Erd-Kuh im Verhältnis zu ihrem Leib. Zwischen
den beiden Hinterfüßen hängt ein außerordentlich großes Euter, welches mit
acht verhältnismäßig langen Zitzen versehen ist. Die Zitzen hängen aber, wenn
eine solche Kuh steht, dennoch über vierzig Klafter hoch über dem Boden. [Sa.01_030,08] Wie wird denn dann eine
solche Kuh gemolken? – Nicht so wie bei euch; sondern eine solche Kuh gibt
die Milch von selbst. Vermöge ihres Organismus steht das Geben oder das
Verhalten der Milch bei dem Instinktwillen dieses Tieres. – Wie merken aber
die Saturnbewohner, wenn die Kuh die Milch geben will? – Solches merken sie
fürs erste aus der aufgedunsenen Völle des Euters und fürs zweite wenn das
Tier sich selbst zur Ruhe stellt, nachdem es zuvor gewöhnlich ein großes
Quantum Wasser getrunken hat. [Sa.01_030,09] Wenn eine solche Kuh
sich sonach ruhig gestellt hat, da eilen die Saturnbewohner alsbald mit ihren
großen, euch schon bekannten Kürbisgewächsen her, halten deren weite
Öffnungen unter die Zitzen der Kuh und fangen dann sorgsam in denselben die
Milch auf, welche die Kuh freiwillig von sich gibt. Hat sich die Kuh ihrer
Milch entledigt, so gibt sie das allezeit durch einen donnerartigen Murrer zu
verstehen. [Sa.01_030,10] Nach einem solchen
Murrer eilen die Milchsammler mit ihren vollen Gefäßen sogleich unter dem
Bauch der Kuh hinweg, damit, wenn die Kuh sich wieder zu bewegen anfängt,
niemand zertreten werden möchte durch den überaus riesigen und schweren Fuß
unserer Buka. Bei einer mehrere Jahre alten Kuh ist zwar dergleichen nie zu
befürchten; diese setzt so lange keinen Fuß von der Stelle, als sich ein
Mensch noch unter ihrem Bauche befindet. Aber bei einer jungen Kuh, die
natürlicherweise viel lebhafter ist, muß da viel vorsichtiger zu Werke
gegangen werden. [Sa.01_030,11] Sonst aber machen die
Saturnbewohner ebenfalls viel Butter, Schmalz und Käse aus dieser Milch,
welches alles sie vorzugsweise gerne genießen, besonders den Käse mit Butter
und mit Honig bestrichen. Der Honig rührt aber auf diesem Planeten nicht von
den Bienen her, sondern von einer Art großkelchiger, überaus wohlriechender
Blumen, deren ziemlich weite Kelche nahe über die Hälfte mit Honig gefüllt
sind. [Sa.01_030,12] Wie genießen denn die
Saturnbewohner die äußerst wohlschmeckende Milch dieser Kuh? – Nahe gerade
also, wie ihr die Milch eurer Kühe genießt. Nur zu keinem Kaffee gebrauchen
sie dieselbe, denn dergleichen extra närrische Speisen kennen die
Saturnbewohner nicht. Sie kochen zwar wohl auch einige ihrer Speisen, aber
den Saft einer verkohlten Frucht fliehen sie wie die Pest, weil sie es wohl
wissen, daß die Speisen samt und sämtlich also am gesündesten und
nahrhaftesten sind, wie Ich sie in der Natur zubereitet und am reinen Feuer meiner
Sonne gekocht habe. [Sa.01_030,13] Also wüßten wir auch in
aller Kürze, wie die Saturnbewohner ihre Milch genießen. – Demnach bleibt uns
nichts mehr übrig, als allein nur noch zu sagen, was diese Kuh für eine Farbe
hat. – Der Leib dieser Kuh ist bis zur unteren Bauchgegend, welche vollkommen
weiß ist, blaugrau. Die Beine aber, wo sie den Leib verlassen, gehen nach und
nach ins Dunkelblaue über, sowohl die vorderen als auch die hinteren. – Der
Schweif dieses Tieres ist ebenfalls dunkler als der Leib und ist an seinem
Ende mit einem überaus starken, zinnoberroten Mähnenbusch verziert. – Der
Hals ist im Verhältnis zu dem Körper mehr schlank als massiv und ist, vom
Kopf angefangen bis zu den Vorderfüßen, nach jeder Seite hin mit starken und
langen, ebenfalls zinnoberroten Mähnen behangen, wovon ein Haar nicht selten
bei fünfhundert Klafter lang ist. Auch der Kopf ist im Verhältnis zu dem
übrigen Leib des Tieres mehr klein – und hornlos. Das Männlein aber hat doch
zwei aufrechtstehende kleine Hörner, die nach rückwärts gebogen sind wie bei
einer Gemse. [Sa.01_030,14] Etwas Auszeichnendes am
Kopf der Kuh sind ihre Ohren, davon ein jedes nicht selten eine Länge von
dreißig bis vierzig Klaftern und ungefähr ein Drittel dieses Maßes in der
Breite hat. Die Ohren sind von blendendweißer Farbe. Die Stirne dieses Tieres
ist lichtblaugrau, um die Gegend der verhältnismäßig großen Augen aber etwas
dunkler. Die Schnauze ist geradeso gebaut, wie die einer Kuh bei euch. Sie
ist ebenfalls nackt und von dunkelgrauer Farbe. – Alles übrige ist vollkommen
ebenmäßig und ähnlich einer schon bekannten Auerkuh auf der Erde. [Sa.01_030,15] Wird diese Kuh etwa in
einem Stall gehalten? – O nein; diese ist zu groß, als daß man über ihr einen
zweckmäßigen Stall bauen könnte. Wohl aber wird sie in einem lebenden Garten
gehalten. Bei den Saturnbewohnern ist dies nichts anderes als die Umzäunung
einer bedeutend großen Wiesenfläche mit dem sogenannten Wandbaum, über
welchen unsere Kuh trotz ihrer Größe dennoch nicht kommen kann, da sie, wie ihr
schon wißt, im Verhältnis zu ihrem Leib nur kurze Füße hat und diese Füße bei
ihrem Fortschreiten nie höher als nur fünf Klafter eures Maßes vom Boden des
Saturnerdreichs erheben kann. Das ist somit der Stall für eine solche Kuh!
Freilich ist eine solche umzäunte Wiese nicht selten so groß wie der
dreifache Flächenraum eures Vaterlandes. [Sa.01_030,16] Wie viele Kühe hat denn
hernach ein Saturnbewohner? – Ich sage
euch, der Inhaber von zehn solchen Kühen und zwei Stieren daneben wird schon
für den allerreichsten gehalten; sonst aber bleibt es gewöhnlich bei der
Einfachheit. [Sa.01_030,17] Das ist nun alles, was
ihr von diesem Tier als denkwürdig zu betrachten habt. Und somit wollen wir
uns auch wieder zu einem andern, ebenfalls sehr nützlichen Haustier wenden,
und das zur sogenannten Blauen Hausziege, welche wir bei der nächsten
Gelegenheit näher betrachten wollen. 31. Kapitel –
Die Blaue Ziege. Tauschhandel mit ihrer Milch. Das Ziegendankfest.
Verbundenheit der Saturnbewohner mit der geistigen Welt. Die Wolle der blauen
Ziege und deren Verwendung.
[Sa.01_031,01] Was ist unsere schon
benannte „Blaue Ziege“ für ein Tier? –
Sie ist besonders für den wenig bemittelten Teil der Menschen dieses
Planeten ein überaus nützliches und unentbehrliches Tier; besonders bei den
Bewohnern der Gebirge, auf denen unsere große Kuh nicht gut fortkommt, da
dort zu wenig Futter für sie wächst, hauptsächlich aber viel zu wenig Wasser
vorhanden ist, womit diese Kuh sich ihren großen Durst löschen könnte. [Sa.01_031,02] Wie sieht denn dieses
Tier, die Blaue Ziege, aus? Etwa so wie irgendeine Ziege auf dieser Erde? – O
nein, das mitnichten! Wohl aber fast so wie ein Elentier, welches bei euch
die nördlichsten Teile der Kontinente bewohnt; nur ist es natürlicherweise
wohl ums Hundertfache größer, das heißt kubischen Maßes, als ein Elentier auf
der Erde. Diese Blaue Ziege hat zwischen ihren beiden Hinterbeinen ein ihrer
Größe nach verhältnismäßig sehr starkes Euter, welches mit sechs Zitzen
versehen ist, aus welchen bei guter Melkzeit die Saturnbewohner sehr leicht
zehn bis zwanzig Eimer Milch, nach eurem Maß, bekommen. [Sa.01_031,03] Diese Milch ist zwar
nicht so süß wie die der großen Kuh, aber sie ist dafür desto wohlriechender
und, wie ihr zu sagen pflegt, gehaltvoller. Daher geschieht es auch häufig,
daß die Gebirgsbewohner ihre guten Milchprodukte in die Täler und Ebenen
bringen, um manche andere für sie unentbehrliche Sachen einzutauschen. Denn
auf diesem Planeten gibt es durchaus keinen anderen als nur den Tauschhandel.
Und es kommt zu eben diesem Tauschhandel den Gebirgsbewohnern sehr zustatten,
daß diese Ziege in den Tälern und Ebenen nicht fortkommt, aber desto üppiger
auf den Höhen, allda sie sich nicht selten ihr Futter unter dem Schnee mit
ihren schaufelartigen, nach vorwärts gebogenen Hörnern sucht. Denn solches
müßt ihr wohl verstehen, daß auch auf dem Planeten Saturn, ebenso wie auf der
Erde, die höchsten Gebirgsspitzen, besonders zur Zeit des Ringschattens, mit
Schnee und Eis bedeckt sind. [Sa.01_031,04] Dieses Tier ist an und
für sich zwar etwas scheuer Natur; wenn es aber von dem Menschen gut
behandelt wird, wird es so zahm und einheimisch, daß es ihnen beinahe überall
gleich euren treuen Hunden nachläuft. Darum müssen die Saturnbewohner es auch
zur Zeit, da sie sich von ihrer Heimat entfernen wollen, mittelst eines
langen und starken Grasstrickes an irgendeinem Baume anbinden, damit es
dadurch daheimgehalten wird. Bei den Saturnbewohnern, namentlich bei
denjenigen, welche die Gebirge bewohnen, gibt es sogar im Jahr ein Fest,
welches sie zur Danksagung für dieses nützliche Tier dem Großen Geiste
darbringen. [Sa.01_031,05] Zu diesem Fest werden
eine Menge der schönsten solcher Ziegen hinzugeführt, und zwar mit vollem
Euter. Auf einer bestimmten Stelle werden sie in einen Kreis gestellt und
sodann in die schönsten und reinsten Geschirre gemolken. Ist diese Arbeit
nach kurzer Zeitfrist verrichtet, werden die Tiere zu einem allezeit in der
Nähe befindlichen Regenbaum-Teich geführt und da gleichsam zur schuldigen
Danksagung mit diesem äußerst wohlschmeckenden und reinen Wasser getränkt.
Sodann werden sie freigelassen, damit sie sich weiden können an den sehr
üppigen Grastriften, welche um einen solchen Regenbaumteich liegen. Die
Menschen aber gehen zu jener Stelle zurück, wo in den schönen Gefäßen die
frisch gemolkene Milch ihrer harrt. [Sa.01_031,06] Ein jeder nimmt sein
Gefäß und trägt dasselbe in einen zu diesem Fest schon eigens errichteten
Tempel, welcher gewöhnlich aus den Strahlenbäumen oder, wenn der Spiegelbaum fortkommt,
auch aus den Spiegelbäumen angepflanzt ist. Ich sage darum „angepflanzt“,
weil auf diesem Planeten alle gottesdienstlichen Tempel aus den schönsten
Bäumen bestehen, welche aber nicht übereinander gezimmert sind wie bei euch,
sondern lebendig aus dem Erdboden wachsen. Sie werden nahezu auf die Art wie
bei euch in den Gärten die sogenannten Spalieralleen in bestimmter Ordnung
gesetzt und dann künstlich und regelmäßig beschnitten. Ein solcher fertig
ausgewachsener Tempel sieht so wunderherrlich aus, besonders zur Zeit, wenn
die Bäume blühen, daß ihr euch davon auf der Erde unmöglich einen Begriff
machen könnt. Er ist auch gewöhnlich so groß, daß ihr vom heiligen Eingang
bis zum entgegengesetzten Ausgang bald eine kleine Tagreise brauchen würdet,
um diese Strecke zu durchwandern. [Sa.01_031,07] Wenn die Menschen ihre
mit Milch gefüllten Kürbisgefäße sämtlich in einen solchen Tempel gebracht
haben, danken sie zuerst daselbst dem Großen Geiste für die Gabe dieses
nützlichen Haustieres und sodann auch für die von diesem Tier genommene
Milch. Nach dieser Handlung erhebt sich der Älteste aus ihrer Mitte und heißt
die also andächtig Versammelten sich auf den Boden niederlegen, und zwar mit
dem Gesicht zur Erde gekehrt. [Sa.01_031,08] Er aber blickt auf und
fleht den Großen Geist an, daß Er es nun zulassen möge, daß über ihn käme ein
Geist des Lichtes und ihm kundgebe, was da wohlgefällig wäre dem Großen
Geiste, das sie tun möchten in dem Heiligtum. Und weil die Saturnbewohner,
vorzugsweise aber die Höhenbewohner, im fast ununterbrochenen Verband mit den
Geistern ihres Himmels stehen, so geschieht es auch allzeit, daß nach einer
solchen Bitte eines Ältesten ein leuchtender Geist in menschlicher Gestalt zu
ihm kommt und ihm kundgibt, wie sich das Volk zu betragen habe. [Sa.01_031,09] Ist solche Kundgebung
geschehen, dann stehen die Menschen wieder auf und der Älteste gibt ihnen
bekannt, was er vernommen hat. Nach einer solchen Predigt wird dem Großen
Geiste wieder ein Dank dargebracht. Ist auch dieses mit wirklich allzeit
großer Andacht geschehen, so begeben sich die Menschen beiderlei Geschlechts
wieder zu ihren Milchgefäßen, tragen sie zum Ältesten, damit er darüber den
Segen des Großen Geistes spreche. Alsdann gehen sie mit ihren Gefäßen zurück,
umarmen sich und einer ladet den andern zu seinem Milchgefäß ein, neben welches
ein jeder auch noch eine gehörige Menge anderer eßbarer Dinge gestellt hat.
Nach solcher Einladung wird sodann in dem Tempel gespeist und mit allerlei
gegenseitigen Belehrungen unterhalten. [Sa.01_031,10] Ist bei dieser
Gelegenheit den Tag hindurch fast alles vom Mitgebrachten aufgezehrt worden, so wird wieder dem
Großen Geiste ein Dank dargebracht, welchen die Saturnbewohner nicht selten
durch den Gesang der euch schon bekannten Vögel (wo dieselben zu haben sind)
zu erhöhen suchen – aber nicht durch die Hauptsänger, sondern durch die euch
schon bekannten Sänger der zweiten Art. [Sa.01_031,11] Nach dieser Danksagung
geht dann wieder alles aus dem Tempel; aber wohlgemerkt, nie beim vordern
heiligen Ausgang, sondern beim rückwärtigen, der für das Volk bestimmt ist,
während der heilige nur für den Ältesten und für die Geister des Lichts
bestimmt ist. Wenn die Menschen nun wieder außer dem Tempel sind, so rufen
sie ihre noch behaglich um den Regenbaumteich weidenden Ziegen, welche dann
auch alsbald dem Rufe ihrer Herrn und Inhaber folgen. [Sa.01_031,12] Seht, das ist das
einfachste Fest, das diese Saturnmenschen begehen! Was aber die Hauptfeste
und den Hauptgottesdienst betrifft, das wird euch erst bei Gelegenheit der
Darstellung der Saturnmenschen bekanntgegeben werden. [Sa.01_031,13] Wenn die Saturnbewohner
mit ihren Ziegen nach Hause kommen, werden die Tiere wieder gemolken und dann
freigelassen. Denn für diese Tiere errichten die Saturnbewohner keinen Stall.
Und es eignet sich auch nie einer dieses oder jenes Tier vollkommen an;
sondern wenn das Tier mit einem vollen Euter zur Wohnung des Menschen kommt,
wird es gemolken und sodann wieder freigelassen. Es muß sich auch da niemals
einer für die Fütterung dieser Ziegen sorgen und braucht ihnen nie einen
Wächter zu halten; denn die Tiere versorgen sich selbst und sind so zahm,
gutmütig und anhänglich, daß sie immer zur rechten Zeit zu den Wohnungen der
Menschen kommen. Und sie brauchen auch keinen Wächter und Wärter, weil es im
Saturn, besonders auf den Bergen, überhaupt keine sogenannten reißenden Tiere
gibt. [Sa.01_031,14] Was die euch schon
bekanntgegebenen, etwas feindselig gesinnten wilden, unzahmen Tiere betrifft,
so leben diese, wie ihr wißt, gewöhnlich nur in solchen Gegenden, die von den
von Menschen bewohnten großen Kontinentländern ganz entfernt und durch das
Wasser getrennt sind. Auf den Kontinentländern bewohnen sie nur jene Teile,
welche von den Menschen entweder gar nicht oder nur bei gewissen
Gelegenheiten, aus Wißbegierde, Fürwitz und nicht selten auch aus einer Art
Habsucht betreten werden. Auf den Höhen aber lebt, wie ihr wißt, nur höchst
selten ein anderes wildes oder unzahmes Tier als allein unser schon bekannter
scheuer „Spitzfuß“. [Sa.01_031,15] Aus diesem nun Gesagten
könnt ihr selbst entnehmen, wie leicht es einem Saturnbewohner ist, dieses
Tier zu halten, und wie nützlich es dem Menschen dieses Planeten ist. Und so
hätten wir auch alles Denkwürdige dieses Tieres damit erfahren. [Sa.01_031,16] Es wird wohl nicht
notwendig sein, euch noch einmal zu sagen warum dieses Tier die „Blaue Ziege“
heißt. Denn wie der Name, so ist auch die Farbe des Tieres. Wohl aber könnt
ihr euch noch hinzumerken, daß dieses Tier eine überaus feine und reichliche
Wolle gleich euren Schafen gibt, aus welcher sich die Saturnbewohner,
namentlich die der Berge, allerlei nützliche und für die kältere Schattenzeit
warmhaltende Kleider verfertigen, indem sie zuvor die Wolle reinigen, in
schöne, gleichförmig dicke Fäden spinnen und aus diesen dann mit ganz
eigenartigen, geschickt bereiteten Werkzeugen allerlei verschieden gemusterte
Stoffe weben. [Sa.01_031,17] Was geschieht denn aber
mit dem Tier, so es stirbt? – Da wird demselben das Fell abgezogen. Das
Fleisch aber wird in eine tiefe Grube versenkt, denn die Saturnbewohner essen
fast überhaupt kein Fleisch. [Sa.01_031,18] Das ist nun alles von
diesem Tier, und so wollen wir das nächste Mal noch zu einem andern, sehr
beachtenswerten Haustier übergehen. 32. Kapitel –
Der Saturn-Hausknecht Fur, eine zahme Affenart. Vom Saturn-Hund, von Pferden,
Schafen und anderen Tierarten.
[Sa.01_032,01] Was dieses Tier
betrifft, so trägt es seine Nutzwirkung, so wie das frühere Tier seine Farbe,
in seinem Namen, d.h. es liegt in dem Namen das, was dieses Tier tut und wie
es durch dieses Tun den Bewohnern unseres Planeten nützt. Was hat denn hernach
dieses Tier für einen Namen und wie lautet derselbe? - Ihr werdet diesen
Namen selbst finden, wenn ihr erst werdet dieses nützliche Haustier ein wenig
in seinem Wirken beschaut haben. [Sa.01_032,02] Was tut sonach dieses
Tier? Es leistet den Saturnbewohnern nahe dieselben Dienste, welche auf der
Erde ein recht treuer und fleißiger Hausknecht seiner Herrschaft leistet.
Dieses Tier verrichtet mit großer Genauigkeit beinahe alle jene Arbeiten,
welche ihr auf eurem Erdkörper zu den schweren rechnet. Dergleichen Arbeiten
sind folgende: den Acker bestellen, das Wasser nach Hause tragen, das Holz
sammeln und es ebenfalls zum Gebrauch der Menschen ihrer Wohnung zutragen,
Felder reinigen, auch schädliche wilde Tiere jagen, zur Nachtzeit das ganze
Hauswesen treu bewachen und dergleichen Arbeiten noch in der Menge. – [Sa.01_032,03] Also seht, nach solcher
Nützlichkeit wird diesem Tier von den Saturnbewohnern der Name Fur, oder nach
eurer Sprache „Der treue Hausknecht“, gegeben. [Sa.01_032,04] Was somit dieses Tier
wirkt und tut und wie es heißt, wüßten wir bereits. – Wie sieht aber dieses
nützliche Haustier aus? – Das ist nun eine ganz andere Frage. Gibt es auf
dieser Erde wohl auch ein der Form nach ähnliches Wesen? O ja, auch die Erde
hat ähnliche Tiere in ziemlich großer Menge in allerlei Abstufungen. Allein
auf der Erde sind diese Tiere durchweg wild, was auf dem Saturn wieder gerade
der umgekehrte Fall ist, da eben diese Tiergattung zu den am meisten zahmen
Tieren gehört und so gelehrig ist, daß sie sich in kurzer Zeit zu allerlei
menschlichen Verrichtungen abrichten und gebrauchen läßt. Wie heißt denn auf
eurer Erde dieses Tier, welches vermöge seiner natürlichen Anlage und
körperlichen Beschaffenheit ebenfalls zu den meisten Verrichtungen verwendet
werden könnte, so die Menschen es verstünden, dasselbe zum Haustier zu machen
und es dann zu den verschiedensten menschlichen Arbeiten abzurichten. Seht, das
sind auf eurer Erde die Affen; besonders diejenigen, die ihr unter dem Namen
Orang-Utan kennt. [Sa.01_032,05] Diese Tiere sind, wie
schon bemerkt, auf dem Saturn gerade die allernützlichsten und zu allerlei
Arbeiten brauchbarsten aus der ganzen Reihe der Tierwelt dieses Planeten. –
Kostet den Saturnmenschen etwa ihre Erhaltung sehr viel? – O nein, diese
Tiere sind die wohlfeilsten Diener der Saturnmenschen, denn sie verlangen von
ihnen nichts anderes als eine gute Behandlung und manchmal eine Frucht aus
der Hand eines Menschen. Das ist aber auch alles, was diese Arbeiter von
ihrer Herrschaft verlangen. [Sa.01_032,06] Nur wenn sie von einem
Menschen roh behandelt wurden, rächen sie sich gewöhnlich dadurch, daß sie
ihm untreu werden und sein Haus für immer verlassen. Will er sie aber mit
Gewalt aufhalten, so hat er mit ihnen einen ziemlich schweren Kampf zu
bestehen, aus welchem allzeit diese Tiere als Sieger davonrennen. – Hat aber
irgendein Saturn-Einwohner ein solches Tier wohl irgendwann beleidigt, gibt
demselben aber, wenn es fortziehen will, durch mehrere in seiner Hand
vorgehaltene Früchte kund, daß er seinen Fehler bereut und dadurch wiedergutmachen
will, so kehrt ein oder das andere beleidigte Tier auch alsbald wieder um und
wird, wie zuvor, ein treuer Diener seines Herrn. [Sa.01_032,07] Was ist denn die
Nahrung dieses nützlichen Haustieres? – Die gewöhnliche Nahrung besteht in
allerlei niederen Baum- und Gesträuch-Früchten, welche von den Menschen nur
selten, von den bemittelteren gar nicht genossen werden. Aus dem könnt ihr
leicht entnehmen, wie wenig diese Hausdienerschaft ihre Herrschaft kostet.
Wenn ihr euch noch dazu denkt, daß es solcher für den Saturnmenschen nicht
genießbarer Früchte in großer Menge gibt und daß für die unzerreißbare Kleidung
dieser Arbeiter Ich sorge, so müßt ihr das vorher Erwähnte noch desto klarer
einsehen, nämlich wie überaus billig diese Arbeiter den Saturnbewohnern zu
stehen kommen. [Sa.01_032,08] Da wir jetzt schon so
vieles über ihre Nützlichkeit gesprochen haben, so wollen wir auch sehen, wie
diese Tiere geformt sind. – Ich habe zwar schon vorher erwähnt, daß diese
Tiere eine große Ähnlichkeit mit den Affen eurer Erde haben. Jedoch, da auf
diesem großen Planeten gleichsam alles der Gestalt nach ausgebildeter und
vollkommener ist, sind auch unsere treuen Hausdiener viel vollkommener und ausgebildeter
als ein sogenannter Orang-Utan eurer Erde. Diese Tiere sehen demnach einem
Saturnmenschen fast so ähnlich, wie auf eurer Erde die sogenannten
Buschmenschen einem wohlgebildeten Bewohner Europas oder des westlichen
Teiles von Asien ähnlich sehen. [Sa.01_032,09] Nur was die Haut
betrifft, so ist diese auch bei diesen Saturn-Orang-Utans bis auf die Handflächen
und bis auf einen kleinen Teil des Gesichtes dicht mit Haaren besetzt. Auch
sind die Hände und die Füße in der Regel bedeutend schlanker und somit weniger
fleischig als bei den (Saturn-)Menschen, welche meistens sämtlich sehr
vollkommen und wohlgebildet und, bis auf das Haupt und auf die
Geschlechtsteile, auch durchaus ohne Haare sind. Und was die Farbe betrifft,
so ist dieselbe (bei den Saturnmenschen) nicht selten blendend weiß und nur
hie und da in den Ebenen etwas ins leise Braunrötliche übergehend, während
die Farbe der Haare dieses Tieres entweder lichtblau, hie und da aber auch
mitunter grau ist. Seine haarlosen Teile aber sind allzeit von blaßroter
Farbe. [Sa.01_032,10] Wie groß ist eigentlich
ein solches Tier? – Es hat nahe die Größe eines Saturnweibes; aber so groß
wie ein wohlgewachsener Mann hat man noch nie eines gesehen. [Sa.01_032,11] Wo ist dieses Tier auf
diesem Planeten denn hauptsächlich zu Hause? – Wenn ihr bedenket, daß sich
auf diesem Planeten alle Kontinentländer unter einem und demselben
Himmelsstrich befinden, so wird es euch nicht unbegreiflich sein, wenn Ich
euch sage, daß dieses Tier beinahe in allen Kontinentländern und da
vorzugsweise bei den Gebirgsbewohnern gerne zu Hause ist, und das auf dem
ganzen Planeten mit sehr geringer Verschiedenheit der Form und der Farbe. [Sa.01_032,12] Doch ist diese Affengattung
nicht die einzige, welche diesen Planeten bewohnt, sondern es gibt auch dort
eine für euch nahezu unabsehbare Abartungsreihe der Gattungen dieses Tieres,
welche aber sämtlich wild sind. In manchen Kontinenten ist dieses Tiervolk so
zahlreich, daß es nicht selten herdenweise auf die Gebirge zieht und da so
manche edlen Früchte der Saturnbewohner nicht sehr schont. [Sa.01_032,13] Aber gerade bei solchen
Gelegenheiten verrichten unsere treuen Hauswächter den Saturnbewohnern einen
sehr guten Dienst. Denn sobald sie eine solche Herde von irgendwoher sich den
Fruchtbäumen der Saturnbewohner nahend erblicken, dann lassen sie
augenblicklich alles im Stich und rennen, von Zorn und Wut entbrannt, auf
diese ungeladenen Schmarotzer los. Wehe da demjenigen Individuum, welches
saumseligerweise in ihre außerordentlich starken Hände gerät! Denn das kommt
ganz sicher nicht mehr mit dem Leben davon, sondern es wird sofort in kleine
Stücke zerrissen. [Sa.01_032,14] Da aber die sämtlichen
kleineren Gattungen dieses Getiers instinktmäßig wissen, wie sehr
unfreundlich sie von ihren großen Gattungsgenossen empfangen werden, so
geschehen solche Annäherungen auch nur äußerst selten und dann nur, wenn sie
die größte Lebensnot dazu zwingt. Daher wird am Tage ein solcher Schritt nie
unternommen, sondern immer nur zur Nachtzeit, wenn die betreffende Gegend
noch obendrein unter dem Schatten des Ringes steht (was bei den
Saturnbewohnern ungefähr so viel bedeutet, wie bei euch der Winter). [Sa.01_032,15] Somit wüßten wir auch alles
Denkwürdige, was dieses Tier betrifft, und wollen uns aus dem Grunde nun noch
zu einem andern Haustier wenden, welches bei den Saturnbewohnern, welche die
Ebenen und Täler bewohnen, in großem Ansehen steht. [Sa.01_032,16] Was ist das für ein
Tier? – Es ist kein anderes, als ein eurem Haushunde vollkommen ähliches
Tier. Was aber dessen Nützlichkeit betrifft, so wird es vermöge seiner Stärke
und Gewandtheit zu allem gebraucht, wozu ihr eure Pferde gebraucht, mit
Ausnahme des Reitens, was bei Saturnmenschen durchaus nicht vorkommt. Ein
Saturnbewohner würde es weit unter seiner menschlichen Würde halten, mit
seiner edlen Gestalt die unedle eines Tieres zu besteigen; und er kommt mit
keiner andern Gelegenheit so schnell weiter wie mit seinen eigenen Füßen. [Sa.01_032,17] Auch von diesem Tier
gibt es auf dem Saturn sehr verschiedene Abstufungen (oder Rassen, wie ihr zu
sagen pflegt), welche in den verschiedenen Kontinenten auch verschiedenartig
vorkommen und bis auf einige gar kleine Gattungen fast alle und überall zu
einem und demselben Zwecke verwendet werden. [Sa.01_032,18] Schön sind diese Tiere
am allerwenigsten. Ihre Farben sind zwar zumeist den Saturntierfarben
ähnlich, aber etwas schmutziger und weniger lebhaft. Zwischen euren
Erd-Hunden und diesen ist daher fast kein anderer Unterschied als der der
Größe, derzufolge eine der größten Gattungen dieser Tiere im Saturn wohl ums
Fünfhundertfache die Größe eurer Hunde übertrifft. Im übrigen aber sind sie,
wie schon gesagt, euren Hunden ähnlich und üben auch auf dem Saturn neben
ihrer übrigen Beschäftigung die Hauswächterschaft aus. – Nur ist ihre Stimme
nicht ein Bellen, sondern besteht in einem donnerartigen Knurren. Dieses
Geknurre ist natürlicherweise bei den größeren Rassen stärker und, wie ihr zu
sagen pflegt, imposanter als bei den kleinen. [Sa.01_032,19] Das ist nun auch schon
wieder alles, was von diesem Tier bemerkenswert ist. – So ihr etwa fragen
würdet: Gibt es denn auf dem Saturn kein Tier, das unserem edlen Pferde
gliche? Da sage Ich euch, es gibt auch auf dem Saturn eine Art Pferde, diese
werden aber nirgends gezähmt, sondern gehören dort zu den wilden Tieren. [Sa.01_032,20] Gibt es auf dem Saturn
keine Schafe? – O ja, aber auch diese werden dort nicht zahm gehalten,
sondern als wild betrachtet. Und nicht selten wird auf sie der schönen und
weichen Felle wegen Jagd gemacht. [Sa.01_032,21] So gibt es auf diesem
Planeten noch eine Menge Tiergattungen in ähnlicher Form, die bei euch
gezähmt vorkommen, jedoch dort im wilden und ungezähmten Zustand leben. [Sa.01_032,22] Und somit hätten wir
auch das gesamte Tierreich in möglichster Kürze dargetan. – Wenn ihr eure
Gefühlsphantasie nur ein wenig erwecken wollet, so dürfte es euch ein
leichtes sein, zufolge dieser sehr bildhaften Darstellung euch nahezu jedes
besonders geschilderte Tier so vorzustellen, wie es im natürlichen Zustand
auf diesem Planeten vorkommt. Die große Mannigfaltigkeit wird euch einen
neuen Beweis geben, wie wunderbar reichhaltig Meine endlos vielen Werke sind.
Und da diese schon auf einem Planeten in solcher großen Mannigfaltigkeit und
Schönheit vorhanden sind, um wieviel mehr des Wunderbaren und Großartigen
wird da erst eine Sonne auf ihrem weiten Boden bergen – und wie
unaussprechlich Wunderbares, Größeres und Mannigfaltigeres erst dann eine
geistige Welt, in deren Vergleich eine materielle, natürliche nur kaum die
äußere, tote Rinde eines Baumes zur Anschauung darstellt. [Sa.01_032,23] Jedoch solches und so
manches mehreres will Ich euch vergleichungsweise erst bei der Darstellung
des Menschen dieses Planeten kundgeben, und somit lassen wir es für heute bei
dem bewendet sein. 33. Kapitel –
Die Saturnmenschen. Deren Abstammung, Bevölkerungsdichte und Wohnweise.
[Sa.01_033,01] So manches habt ihr
schon vernommen, was den Menschen im Planeten Saturn anbelangt,
dessenungeachtet aber bleibt noch so manches über den Herrn dieses
Weltkörpers darzutun, damit ihr daraus ersehen könnt, in welcher Ordnung sich
dieser Planet befindet und wessen Geistes Kind er ist. [Sa.01_033,02] Da aber eine gute Ordnung
noch allzeit und überall aller Weisheit Grund ist, so wollen wir auch hier
den Menschen in einer guten Ordnung betrachten, und zwar zunächst in seiner
äußeren, geformten Wesenheit, dann erst sein Geistiges und alles, was in den
Bereich des Geistigen greift, als da ist seine Landesverfassung, seine
Gewerbe und endlich auch sein Gottesdienst. – Und so gehen wir zur Gestalt unseres
Saturnmenschen über. [Sa.01_033,03] Ist im Saturn auch nur
ein Menschenpaar, oder sind etwa zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten
mehrere Menschenpaare erschaffen worden? – Solches gilt für alle Planeten
gleich wie für den Planeten Erde. – Sonach stammen alle jetzt noch im Saturn
lebenden Menschen auch nur von einem Menschenpaare ab. – Nur ist die
Geschichte des Menschen im Saturn um mehr als eine Million von Erdenjahren
älter als die Geschichte des Menschen auf eurem Erdkörper. [Sa.01_033,04] Da jedoch ein
Saturnmensch sein ganzes Leben hindurch mit seinem Weibe selten mehr als vier
Nachkommen zeugt, so ist es auch begreiflich, wenn Ich euch sage, daß dieser
Planet im Verhältnis zum Erdkörper, den ihr bewohnt, ums vielfache geringer
bevölkert ist. Und sonach wohnen auf den großen Kontinentländern, von denen
nicht selten eines oder das andere größer ist als Asien, Afrika und Europa zusammengenommen,
dennoch die Menschen so selten nachbarschaftlich nebeneinander, daß ein
Verhältnis, wie bei euch das eines Dorfes ist, im Saturn zu den größten
Seltenheiten gehört. [Sa.01_033,05] Zuallermeist sind die
Wohnungen der Menschen so entfernt voneinander, daß ihr, so ihr mit eurem
Leibe in eines dieser Kontinentländer zu gelangen vermöchtet, von einer
Wohnung zur Wohnung eines nächsten Nachbarn zehn bis zwölf Tage zu reisen
hättet. Auf den Gebirgen sind solche weit voneinander entfernte Wohnungen
fast das gewöhnliche Wohnverhältnis dieses Planeten; nur in den tiefer
liegenden Gegenden, die an großen Seen oder Strömen ausgebreitet liegen, sind
die Wohnungen der Menschen etwas näher aneinandergerückt. [Sa.01_033,06] Wo aber dann irgendeine
Wohnung der Saturnmenschen aufgerichtet ist, da wohnen nicht etliche
Menschen, sondern eine ganze zahlreiche Familie von nicht selten tausend bis
fünftausend Köpfen. [Sa.01_033,07] Wie sehen hernach die
Wohnungen aus, in denen so viele und so große Menschen hinreichend Platz
haben? – Hier muß vorerst bemerkt werden, daß der Saturnmensch ein großer
Freund von recht viel Platzhaben ist. Was aber diese Wohnung betrifft, so ist
deren Beschaffenheit schon gleich anfangs bei der Darstellung des ersten
Hauptbaumes dieses Planeten kundgegeben worden. Und es wurde gesagt, daß eben
dieser Baum den Saturnmenschen das Haus, welches sie am liebsten bewohnen,
abgibt. Ich brauche euch daher nicht noch einmal die denkwürdige Gestalt
dieses Baumes zu beschreiben – wie er ein außerordentlich vielstämmiger Baum
ist und wie sich auf dessen breiten und fast allzeit horizontal auslaufenden
Ästen die Menschen ihre Wohnungen errichten. [Sa.01_033,08] Ja, ein solcher Baum
zählt auf diesem Planeten ebensoviel wie bei euch eine nicht unbedeutende
Stadt. Es werden dort die einzelnen Äste und Nebenstämme von dem
Hauptstammvater jeder Familie als Eigentum zugeteilt, wie bei euch in einer
Stadt die Häuser. Der Unterschied besteht nur darin, daß eine solche
Baumstadt nur lauter Blutsverwandte bewohnen, während sich in euren Städten
irgendein bemittelter Fremdling ein Haus um das andere anschaffen kann. [Sa.01_033,09] Ihr werdet euch
vielleicht denken und sagen: Wie können denn die Menschen auf den Ästen
schlafen, damit sie allenfalls bei einer Umdrehung im Schlafe nicht vom Baum
herabfallen? – Seht, solches ist dort viel weniger möglich, als daß ihr von
eurem Bette herausfallen könnt, so ihr euch im Schlafe umwendet. Denn diese
horizontal auslaufenden Äste sind so dick und breit, daß ihr auf einem
einzelnen solchen vom Baum auslaufenden Ast sämtliche Häuser eurer Hauptstadt
aufstellen könntet; und es wäre daneben für euch noch Raum genug,
umherzufahren und zu reiten. [Sa.01_033,10] Zudem laufen aber noch
von jedem Ast an dessen breiten Kanten in horizontal parallelen Richtungen
eine Menge Zweige aus, welche die eigentlichen Fruchtträger dieses Baumes
sind. Sie sind besonders nahe am Stamm von bedeutender Stärke, so zwar, daß
ein Mensch, wenn er auch über den Rand des Astes zu gehen, stehen oder liegen
käme, dennoch nicht hinabzufallen vermöchte. Setzen wir aber den Fall, es
geschähe jemandem dennoch das Unglück, daß er unvorsichtigerweise sich sogar
über die Seitenzweige hinausbegäbe und dann auf den Boden oder von einem
oberen Ast auf einen untern hinabfiele, so würde ihn dieser Fall dennoch
nicht im geringsten verwunden, und das aus der euch schon bekannten Ursache.
Auf dem Saturn ist durch die wechselseitige Anziehung zwischen dem
eigentlichen Planeten und dem Ring das spezifische Gewicht eines jeden
Körpers, somit auch das des Körpers eines Menschen, ums bedeutende
verringert, daher ist auf diesem Planeten niemand so schwer und stark zu
fallen imstande wie auf eurem Erdkörper. [Sa.01_033,11] Da ihr nun solches
wisset, so könnt ihr in dieser Hinsicht schon vollkommen ruhig sein. Auf
diesem Planeten hat während der langen Zeit seiner Bewohnbarkeit noch kein
Mensch einen Fuß oder Arm gebrochen und auch keiner sich noch durch einen
Fall ein Loch in den Kopf gestoßen, was eben bei euch auf der Erde nichts
Seltenes ist. [Sa.01_033,12] Es fragt sich aber nun,
ob dieser Baum die einzige Wohnung oder das eigentliche Wohnhaus bei den
Saturnbewohnern ausmacht? – O nein, auch die Saturnbewohner haben neben einem
solchen Hauptwohnbaume noch eine Menge Wohnhäuser, welche sie zur kühlen
Schattenzeit bewohnen. [Sa.01_033,13] Diese Häuser sind
unterschiedlich gebaut. Zum Teil sind dieselben aus starken Ästen des euch
schon bekannten starken Pyramidenbaumes gezimmert, zum Teil sind sie auch aus
den schlanken Baumgattungen gewachsen. Die gewachsenen oder lebendigen sind
vorzüglicher als die gezimmerten. Jedoch werden zwischen die lebendigen auch
stets gezimmerte Häuser gesetzt, weil sie den Saturnbewohnern als
Vorratskammern ihrer Eßwaren dienen müssen. [Sa.01_033,14] Auch wird nur in diesen
gezimmerten Häusern Feuer gemacht, bei welchem sie ihre mannigfachen Speisen
kochen, sieden und braten; jedoch nicht auf eine solch raffiniert künstliche
Art, wie solches bei euch der Fall ist, sondern wie ihr manchesmal einen
Apfel bratet oder einige Birnen siedet oder so manches Kraut und so manche
wohlschmeckenden Erdwurzeln kochet. Seht, darin besteht die ganze Kochkunst
der Saturnbewohner. – In eben diesen gezimmerten Häusern werden auch ihre
Milchprodukte und so manche edle Beerensäfte in den euch schon bekannten
Gefäßen aufbewahrt. [Sa.01_033,15] Gegessen und geschlafen
wird jedoch nie in den gezimmerten Häusern, sondern allzeit in den
lebendigen. Denn den Saturnbewohnern ist es unerträglich, daß sie sich für
bleibend bei einem toten Dinge aufhalten, sei es jetzt ein Baum, ein Tier
oder ein Mensch ihresgleichen. Daher gebrauchen sie auch solche gezimmerte
Häuser gewisserart nur als Gerätschaften. Ihre Wohnungen aber müssen durchaus
lebendig sein. [Sa.01_033,16] Ihr möchtet vielleicht
erfahren, wie groß ein solches gezimmertes Haus ist und wie es allenfalls
aussieht? – Solchen Wunsch kann Ich euch sogleich befriedigen. Diese Häuser
sind ebenso kranzweise gezimmert wie ungefähr die Häuser eures Landvolkes,
nur haben sie keine Dächer, sondern sind gegen den Himmel zu vollkommen
offen. Ein durch ein Dach vom Himmel abgesondertes Haus würde ein
Saturnbewohner als einen der größten Greuel ansehen. Sie sagen, alles, was
von oben herabkommt auf den Boden, ist ein Segen des Himmels, der dem Boden
der Erde wohltut. Sie aber seien ebenfalls aus dieser Erde; warum sollen sie
sich demnach absondern und verbergen vor dem Segen des Himmels? Er werde
ihnen sicher noch mehr frommen, da sie lebendig seien und somit mehr des
himmlischen Segens bedürfen als ihrer Erde Boden, der an und für sich tot ist
in ihren Augen. [Sa.01_033,17] Also wüßten wir, wie
diese Häuser gebaut sind. Nun geht uns nur noch die Form und die Größe ab. –
Was die Form betrifft, so sind die Häuser gewöhnlich sternartig gebaut, ungefähr
so, wie ihr nicht selten eine sogenannte Windrose zeichnet; manchesmal mit
acht, manchesmal mit sechzehn und manchesmal mit zweiunddreißig spitzigen
Ausläufen – wobei eine jede solche Sternspitze ein eigenes Behältnis für ihre
Speisewaren und Getränke abgibt. In der Mitte des runden, weiten Raumes aber
ist ein runder Herd errichtet, auf welchem gefeuert wird. Daß ein solcher
Herd im Verhältnis zu der Größe der Saturnbewohner erbaut ist, versteht sich
von selbst. [Sa.01_033,18] Ein solches Sternhaus hat
nicht selten nach eurem Maß eine solche Ausdehnung, daß ihr von einer
Sternspitze zur entgegengesetzten guten Fußes eine gute Stunde zu gehen
hättet. Und es ist zu dieser Weite so hoch, daß jeder Saturnbewohner, das
heißt ein Mann, so er aufrecht steht, ganz bequem über die Wände zu schauen
vermag. [Sa.01_033,19] Sind diese Häuser auch
verziert gebaut? – Das eben nicht, außer daß die Menschen die behauenen Bäume
mit allerlei schönem Laubwerk behängen. – Das ist das Ganze, was diese Häuser
betrifft. [Sa.01_033,20] Da wir somit diese
gezimmerten Häuser als die eigentlichen Wirtschaftsgebäude unserer
Saturnbewohner etwas näher kennengelernt haben, wollen wir nun auch noch ihre
lebendigen Wohngebäude ein wenig beschauen. [Sa.01_033,21] Wie sehen denn die lebendigen
Wohngebäude der Form nach aus? – Ihre äußere Form ist vollkommen rund, mit
einem einzigen Eingang vom Morgen her versehen. – Zur Erbauung dieser Häuser
werden nur zwei Baumarten des Saturn verwendet. Die schöneren und
prachtvolleren Häuser bestehen aus fest aneinandergereihten, euch schon
bekannten Spiegelbäumen; die weniger verzierten und prachtvollen aber aus
einer veredelten Art des euch schon bekannten Wandbaumes. [Sa.01_033,22] Der inwendige Boden
dieser Häuser wird ganz flach und vollkommen eben gemacht, auf welche Ebene
dann ein Grassame ausgestreut wird, von dem ein äußerst dichtes, aber sehr
kurzes Gras hervorwächst. Dieses Gras hat das Aussehen wie ein Samt und ist
an und für sich so elastisch, daß es nach jedem Tritt der Saturnmenschen wieder
frisch aufsteht, wie wenn nie jemand dasselbe mit seinem Fuß zu Boden
niedergedrückt hätte. [Sa.01_033,23] Auch in der Mitte der
Wohnhäuser ist ein großer, runder, verhältnismäßig hoher Herd aufgeführt,
welcher aber ebenfalls auf allen Seiten mit ähnlichem Gras bewachsen ist.
Damit ihr euch ungefähr einen Begriff von seiner Größe, dem Umfang nach, und
von seiner Höhe machen könnt, so sage Ich euch, daß dieser Herd überall einen
vierfachen Durchmesser von der Größe eines Saturnmannes hat und so hoch ist,
daß er einem Mann bis etwas über seine Knie, ungefähr bis zum halben
Schenkel, reicht, einem Weibe aber bis zum halben Leib. – [Sa.01_033,24] Wozu dient denn den
Saturnbewohnern dieser Herd? Gerade dazu, wozu euch eure Tische dienen,
nämlich zur Aufsetzung der Speisen und Getränke. [Sa.01_033,25] Bei diesem Herdtische
aber, ungefähr in einer Entfernung von einer zweifachen Manneslänge, ist eine
ebenfalls ganz runde und oben abgestumpfte Pyramide aufgeführt, deren unterer
Fuß wohl den dreifachen Durchmesser des Herdes hat. Die obere Fläche ist
nicht größer, als daß ein Mann auf derselben bequem stehen kann. Diese
Pyramide hat vollkommen die Höhe der Größe eines Mannes, ist ebenfalls mit
demselben Gras (wie der Boden und der Herd des Hauses) überwachsen und dient
als ein patriarchalischer Familien-Predigerstuhl. Dieser wird alle Tage vor
dem Sonnenuntergang von dem Ältesten der Familie bestiegen, worauf sich dann
die ganze Familie um denselben versammelt, um aus dem Munde des Ältesten den
Willen des Großen Geistes für die Nacht und für den nächstfolgenden ganzen
Tag zu vernehmen. [Sa.01_033,26] Was gibt es sonst noch
für Einrichtungen in einem solchen Wohnhause? – Vollkommen im Hintergrund,
dem Aufgang der Sonne gerade gegenüber, ist noch ein anderer, dieser Pyramide
ähnlicher Rundwall aufgeführt und vom gleichen Gras bewachsen. Er ist nur bei
weitem nicht so hoch wie der mittlere Predigerstuhl, aber dafür desto
umfangreicher und zugleich mit mäßigen Einbiegungen versehen. Was hat denn
dieser dritte Rundwall für eine Bestimmung? – Seht, das ist das allgemeine
Bett oder der Ruheplatz für unsere großen Saturnmenschen. [Sa.01_033,27] Wenn sie sich schlafen
legen, so legen sie zuvor die Einbiegung auf der oberen Seite mit weichen
Polstern aus und lehnen sich dann – ein jeder für sich allein – in eine
solche Einbiegung dieses großen Rundwalles. Die Männer nehmen diejenige
Stelle ein, welche gegen den Sonnenaufgang gerichtet ist, die Weiber aber die
dem Untergang der Sonne zugewandte. Alle haben sich so gelagert, daß sie nach
eurer Bemessung mit ihrem Leib gegen den flachen Boden einen Winkel von
dreißig Grad einnehmen, sodann schlafen sie ein und ruhen in dieser Stellung
bis nahe zum Aufgang der Sonne. Trotz des Ringschattens bemerken sie diesen
recht wohl, weil der Ring die Sonne nie so ganz verdeckt, daß von derselben
gar nichts zu sehen wäre. Wenn auch schon hier und da, wo der Ring manchmal
etwas breiter ist, die Sonne von demselben ganz bedeckt wird, so dauert eine
solche Totalbedeckung nicht länger als im höchsten Falle einen halben Tag
hindurch; nach Verlauf dieser Zeit wird alsbald wieder ein kleiner Rand der
Sonne sichtbar. [Sa.01_033,28] Nun seht, das ist die
ganze Einrichtung eines solchen Hauses, welches zur Schattenzeit von den
Saturnmenschen bewohnt wird. – Wie groß ist denn eigentlich ein solches Haus
dem Umfang nach? – Es ist dem Durchmesser nach gut noch um die Hälfte größer
als das uns schon bekannte sternartige Wirtschaftsgebäude. [Sa.01_033,29] Wohnen alle Einwohner
eines uns schon bekannten großen Wohnbaumes in einem solchen Hause? – O nein,
sondern nur eine Familie, das heißt ein Vater und eine Mutter mit den Kindern
und Kindeskindern, so wie sie zur Lichtzeit auf einem Ast des Baumes
beisammen sind. Wieviel Äste sonach ein solcher Baum hat, ebensoviel solcher
Wohnhäuser sind um denselben errichtet. [Sa.01_033,30] Eine solche allgemeine
Familienwohnstätte um einen solchen Baum faßt nicht selten mehr Flächenraum
in sich als euer Vaterland. Diese Wohnstätten sind aber dann auch, wie ihr
schon wißt, außerordentlich weit voneinander entfernt, so zwar, daß ihr von
einer solchen allgemeinen Wohnstätte bis zu einer andern viele Tagreisen zu
tun hättet, um sie zu erreichen. Denn natürlicherweise liegen um solche
allgemeine Wohnstätten erst die Gründe und Weideplätze für die euch schon
bekannten Haustiere, welche einen verhältnismäßigen großen Raum haben müssen,
damit auf ihrem Boden so viel geerntet werden kann, als zur Erhaltung des
Lebens unseres Saturnmenschen wie auch zur Erhaltung des Lebens so vieler
Tiere notwendig ist. Dazu kommen noch, besonders an den Grenzgebieten der
allgemeinen Familiengründe, die oft sehr weitgedehnten Trichterbaumwälder und
in den großen Ebenen, besonders an der nördlichen Seite großer Seen nicht
selten zwei bis dreitausend Quadratmeilen weit gedehnte Pyramidenbaumwälder
und noch andere große Gesträuchwälder. Wenn ihr nun dieses alles mit in die
Berechnung zieht, so wird euch die oft starke Entfernung zweier allgemeiner
Familienwohnstätten nicht zu sehr wundernehmen. [Sa.01_033,31] Nun wüßten wir, wie
unsere Saturnmenschen zuallermeist wohnen, vorzugsweise auf den
höherliegenden Gegenden; nur wissen wir noch nicht ihre häusliche Verfassung.
Da wir aber schon bei der Beschauung der Wohnungen zuerst denjenigen Teil
vorgenommen haben, der mehr die Gebirge bewohnt, so wollen wir auch, bevor
wir zu den Ebenenbewohnern übergehen, die häusliche Verfassung unserer
Hochlandsbewohner fürs nächste Mal in den Augenschein nehmen. Und somit
genüge das für heute! 34. Kapitel –
Häusliche Verfassung der Saturnmenschen. Anpflanzung eines Tempels. Das
größte Gesetz. Auswanderungen. Nächstenliebe.
[Sa.01_034,01] Wer ist denn auf dem
Hochland der Vorstand oder das Oberhaupt einer solchen oft sehr zahlreichen,
allgemeinen Familie? [Sa.01_034,02] Hier und da findet es
sich vor, daß noch ein Urstammvater lebt; dann ist dieser, solange er lebt,
das Oberhaupt und zugleich auch der Oberpriester einer solchen Familie. –
Stirbt er und es sind zwei oder mehrere Söhne von ihm da, so wird der älteste
zum Oberhaupte sowohl in häuslichen als in kirchlichen Sachen erwählt. –
Stirbt auch dieser und ein oder der andere Bruder von ihm ist noch am Leben,
so überkommt da allzeit der älteste Bruder die Oberleitung. – Stirbt aber
auch dieser, so kommt dann die Oberleitung auf den erstgeborenen Sohn
desjenigen Bruders, der nach dem Urstammvater als Ältester der Familie die
Oberleitung übernommen hatte. Auf diese Weise geht solche Oberleitung immer
auf den Ältesten der Familie über. [Sa.01_034,03] Ist eine Familie
weniger zahlreich, so setzt sich die Übernahme solches Oberleitungsamtes bis
ins siebente, manchmal auch bis ins zehnte Glied fort. Wenn aber die Familie
nur sehr zahlreich ist bis ins fünfte Glied? Sodann geschieht eine Teilung,
und zwar dadurch, daß zwei oder drei der Ältesten demjenigen von ihnen die
allgemeinen Familienwirtschaft überlassen, welcher der älteste ist. Die
jüngeren zwei aber nehmen ihre angehörigen Familienglieder zu sich, lassen
sich von dem bleibenden Bruder aussteuern, ziehen mit ihrer Habe ergeben von
dannen und suchen sich irgendeinen solchen, noch unbewohnten Baum auf.
Daselbst verrichten sie ihre Dankgebete und bitten unter dem Vorstand des
Ältesten den Großen Geist, daß Er ihnen dieses lebendige Wohnhaus segnen und
sie erhalten möchte samt dem Wohnhause. [Sa.01_034,04] Nach solchem Gebet geht
dann der Älteste mehrere Schritte fürbaß und betet da allein, daß der Große
Geist ihm möchte, so wie Er es seinen Vätern getan hatte, einen Geist des
Lichtes zukommen lassen, der ihm zu allen Zeiten den Willen des Großen
Geistes kundgeben möchte. Bei solcher Begebenheit fallen dann alle anderen
Familienmitglieder auf ihre Angesichter. Der Älteste hört nicht eher mit
seinen Anrufungen auf, als bis der Große Geist ihm den erwünschten Geist des
Lichtes gesandt hat. [Sa.01_034,05] Wenn der Geist des
Lichtes zu unserem Ältesten gekommen ist, dann bittet der Älteste den Geist,
daß er im Namen des Großen Geistes den neuen, noch unbewohnten Baum segnen
solle, ihn selbst aber zuerst auf diesen Baum führen und ihm die Stelle
anzeigen möchte, die er als leitendes Oberhaupt zu bewohnen habe. – Ist
solches geschehen, so dankt der Älteste in Gegenwart des Lichten dem Großen
Geiste für solche große Gnade. Sodann läßt er sich vom Geiste wieder
hinabführen bis zu der Stelle, wo der Geist des Lichtes ihm erschienen ist.
Auf dieser Stelle nun verläßt derselbe den Ältesten wieder, nachdem er ihm
zuvor seinen Willen gestärkt hatte. [Sa.01_034,06] So gestärkt in seinem
Innern, kehrt der Älteste zur noch am Boden liegenden Familie zurück und tut
einen starken Ruf, auf welchen sobald alle aufstehen und den Großen Geist
loben und preisen, daß Er sie einer solchen Gnade gewürdigt und ihnen einen
eigenen erweckten Patriarchen gegeben hat. [Sa.01_034,07] Wenn auch dieses
vollbracht ist, dann teilt der Älteste die Äste an die Familienväter aus, und
diese werden dankbar in Besitz genommen. Sie werden alsbald gereinigt und
vollkommen zur Wohnung tauglich gemacht. [Sa.01_034,08] Bei solcher
Gelegenheit, welche auf unserem Planeten freilich nur selten vorkommt, geht
es dann allzeit ganz fröhlich und bunt zu. Der Baum wäre zwar da und auch
vollkommen bewohnt; aber im weiten Kreise um den Baum gibt es noch keine
lebendigen Wohnhäuser und keine erbauten Vorratskammern. Darum wird auch nur
der erste Tag müßig zugebracht und wird da alles gehörig überdacht, überlegt
und beraten, natürlich unter dem immerwährenden Vorstand des Ältesten; denn
ohne seine Zustimmung macht niemand einen Schritt. [Sa.01_034,09] Wenn dann der nächste
Tag angebrochen ist, wird sogleich zum Ausmessen für die noch fehlenden
Häuser geschritten. Sodann werden die ausgemessenen Plätze vom Vorstand
gesegnet und die Samenkörner derjenigen Bäume, welche tauglich sind für die
Errichtung der lebendigen Häuser, in gerechter Ordnung in das Erdreich
gesteckt. [Sa.01_034,10] Ist diese Arbeit
verrichtet worden, wozu im allgemeinen selten mehr als ein einziger Tag
verwendet wird, dann wird am nächsten Tag in einem benachbarten Wald das
taugliche Holz für die Vorratskammern gefällt, bei welcher Arbeit die euch
schon bekannten nützlichen Haustiere keinen unbedeutenden Dienst leisten.
Beim Fällen der Bäume ist es das euch schon beschriebene halb wilde und halb
zahme Schnabeltier, welches mit seinem überaus kräftigen Schnabel von den
Pyramidenbäumen die dicksten Äste herabbeißt, welche dann unsere bekannten
„Saturn-Hausknechte“ ergreifen und behende an Ort und Stelle schaffen, wie es
ihnen die Saturnbewohner anzeigen. [Sa.01_034,11] Sind auf diese Weise
die Bauhölzer im Verlaufe von wenigen Tagen allerorts herbeigeschafft, dann
werden sie auch alsbald behauen und sodann aus ihnen die schon beschriebenen
Vorratskammern gezimmert. [Sa.01_034,12] Wenn solches geschehen
ist, werden die euch schon bekannten Tierstallungen und Gärten angepflanzt
und wird irgendein Regenbaum aufgesucht, um welchen ein ziemlich weiter Damm
aufgerichtet wird, damit sich innerhalb eines solchen Dammes das Wasser
sammle und einen Teich bilde. [Sa.01_034,13] Sind irgend
Gebirgsquellen vorhanden, werden auch da die so einfachen Wasserleitungen
angelegt, durch welche das Wasser in die Gegend der Hauptwohnung geleitet
wird. Solche Wasserleitungen entstehen mittelst der euch schon bekannten
Stangenschnecken. In Ermangelung dieser werden aber auch jene Früchte des
Trichterbaumes dazu verwendet, die ihr schon kennt. [Sa.01_034,14] Ist solches geschehen,
dann wird zu der Ausmessung und Bestimmung anderer Grundstücke geschritten.
Stoßen sie bei solcher Aufteilung an etwa zu nahe liegende Wälder von
Trichterbäumen, so werden solche so weit hin gefällt, bis der Grund das
rechte Maß hat. Auch bei dieser Arbeit bekommen unsere bekannten Tiere wieder
recht viel zu tun. Das Holz solcher gefällten Bäume wird am Ende eines jeder
Familie gehörigen Grundanteiles zum Trocknen aufgeschichtet, damit es
tauglich werde zur Feuerung. [Sa.01_034,15] Ist auch diese Arbeit
getan, so werden die Gründe vom Ältesten gesegnet und dann mit allerlei
Früchten besät, welche Ansaat auf diesem Planeten gewöhnlich nur alle zehn
Jahre einmal geschieht. Wo aber die Gründe fetter sind, da ist eine einmalige
Ansaat für alle Zeiten hinreichend; denn die Wurzeln sämtlicher
Saturnpflanzen sterben nicht so leicht ab, sondern erhalten sich alsofort
lebend im Erdreich, wie bei euch die Wurzeln so mancher Gesträuche und
Zwiebelgewächse. [Sa.01_034,16] Ist dann diese Arbeit
als die letzte wirtschaftliche verrichtet, so wird dem Großen Geiste wieder
ein allgemeines Dankgebet dargebracht und am Ende auch die inständige Bitte
hinzugefügt, daß Er allen diesen Früchten und aller ihrer Arbeit das Ihm
allein wohlgefällige Gedeihen möchte hinzukommen lassen. [Sa.01_034,17] Nach der Verrichtung
eines solchen Dank- und Bittgebetes wird von den Saturnbewohnern erst zu der
allerwichtigsten Arbeit geschritten, nämlich zur Anpflanzung eines Tempels,
darin dem Großen Gott allein nur ein Ihm wohlgefälliges Opfer dargebracht
werden darf. Bei dieser Arbeit aber werden nur der eigentliche Älteste und
seine zwei Mitältesten beschäftigt und darf niemand anders an ein solches
geheiligtes Werk Hand anlegen. [Sa.01_034,18] Wie geschieht denn
dieses? – Auch bei dieser Gelegenheit begibt sich der Älteste auf die Stelle,
wo ihm der Geist des Lichtes zum ersten Mal erschien, und bittet den Großen
Geist wieder inständigst, daß Er ihm durch den Geist des Lichtes
allergnädigst anzeigen möchte, wo es Ihm wohlgefiele, daß ihm ein Tempel
errichtet würde. Wenn da der Älteste lange genug gefleht hat und ist ihm kein
Geist erschienen, so wird diejenige Stelle, wo ihm der Geist zuerst
erschienen ist, zum gerechten Anbau des Tempels verwendet. Wenn aber der
Geist, was gewöhnlich zu geschehen pflegt, erscheint, so führt er den
Ältesten entweder auf eine Stelle hin, wo der Tempel errichtet werden soll,
oder der Älteste ersieht den Geist schon auf einer solchen Stelle. Alsdann
begibt sich der Älteste zu jener Stelle hin, da der Geist seiner harrt und
ihm den wahren Umriß zeigt. [Sa.01_034,19] Wo aber der Geist
harrt, wird ein Zeichen gelegt, damit auf der Stelle jene Erhöhung im Tempel
gemacht werden soll, von welcher der Älteste seine Familie zu belehren hat.
Zugleich wird ihm auch in der Richtung des rückwärtigen geheiligten Ausgangs
eine Stelle gezeigt, auf welcher der Älteste nach der gerechten Anrufung des
Großen Geistes allzeit dessen Willen erfährt mittelst des Geistes, der ihm
solche Stelle in dem Tempel anzeigt. [Sa.01_034,20] Wenn dies alles
geschehen ist, wird der Geist wieder unsichtbar. Der Älteste gibt dann ein
Zeichen, gewissermaßen von Mann zu Mann durch eine Reihe von Boten, welche in
bestimmten Entfernungen voneinander abstehen bis zum Wohnbaume hin – daß er
die Bewilligung vom Großen Geiste empfangen habe, auf dieser Stelle einen
Tempel zu erbauen. Er fordert sie dann auf, mit ihm dem Großen Geiste für
solche Gnade zu danken und Ihn auch zu bitten um das baldmögliche Gedeihen
der Ansaat des Tempels und daß der Große Geist sie allzeit in diesem Tempel
für würdig befinden möchte, ihnen Seinen heiligen Willen kundzutun. [Sa.01_034,21] Wenn solches alles mit
großem Ernste verrichtet worden ist, beruft der Älteste die zwei oder drei
Nachältesten und teilt ihnen die vom Geiste angehauchten Samenkörner zur
Ansaat des Tempels aus. Dann gehen sie auch sogleich an das Werk und stecken
mit großer Andacht und großem Vertrauen die Samenkörner der edelsten und
schönsten Baumgattungen in das Erdreich. [Sa.01_034,22] Die zwei oder drei
pflanzen den Vorderteil des Tempels an, der fürs Volk bestimmt ist; der
Älteste aber pflanzt das Heiligtum des Tempels an, und das zumeist lauter
Strahlenbäume – während der andere Teil des Tempels zuallermeist mit
Spiegelbäumen bepflanzt wird. [Sa.01_034,23] Außer der elliptischen
Eiform des Tempels wird auch noch in gerechter Entfernung, statt einer
Ringmauer ein Kreis der edelsten Art des Wandbaumes gesetzt. – Diese edelste
Art des Wandbaumes unterscheidet sich von der gemeinen Art darin, daß, wie
ihr wißt, die Rinde des gewöhnlichen Wandbaumes aussieht wie blankes Gold;
die Rinde der edelsten Art dieses Baumes aber sieht aus als möchtet ihr einen
vielfachen Regenbogen übereinander stellen, die Farben aber hätten dabei den
lebhaftesten metallischen Glanz. Die Blätter, die er an der obersten Kante
treibt, haben nahezu die Form der Aloeblätter bei euch, nur sind sie
natürlich im gerechten Verhältnis zu allem, was auf diesem Planeten ist,
überaus groß, ja manches Blatt ist nicht selten so groß, daß ihr nach eurem
Maße ganz gequem ein ganzes Regiment Krieger hinaufstellen könntet. Die Farbe
der Blätter ist ganz blendend weiß. Die Blüte ist gerade so wie bei dem
gemeinen Wandbaum, nur ist sie zarter und hat einen überaus lieblichen
Geruch. [Sa.01_034,24] Wenn unsere Tempelbauer
solche Arbeit vollzogen haben, danken sie dem Großen Geiste abermals für die
Kraft und für die Einsicht, daß sie den Tempel also errichten durften, und
bitten Ihn dann, Er möchte wunderbar dieser Ansaat zu Hilfe kommen, damit der
Tempel wohlbereitet aus den gelegten Samenkörnern dem Boden entwachsen könne. [Sa.01_034,25] Nach solchem Dank- und
Bittgebet verlassen sie mit großer Ehrfurcht die Stelle, wo sie den Tempel
angelegt haben, und gehen rückwärts von selbem weg bis über die Hälfte des
Weges zu ihrem Wohnbaume. Dann erst verbeugen sie sich tief und gehen
geradeaus nach Hause. [Sa.01_034,26] Da angelangt, heißen
sie alle anderen vom Boden aufstehen und besteigen die ihnen eingeräumten
Äste des Wohnbaumes, auf welchen dann erst nach der Segnung des Ältesten
Speise und Trank zu sich genommen wird. Denn während der Ansaat des Tempels,
welche den Saturnbewohnern eine der erbaulichsten Handlungen ist, wird von
niemand etwas gegessen oder getrunken. [Sa.01_034,27] Wenn die Mahlzeit
vorüber ist, welche bei solchen Gelegenheiten wie auch hernach an den
bestimmten Geistestagen allzeit nur am Abend gehalten wird, ermahnt der
Älteste sämtliche Familienglieder, sie möchten ihren Willen mit dem Willen
des Großen Geistes innigst vereinigen und sollen keinen andern Willen nun
haben, als daß die Ansaat des Tempels baldmöglichst wunderbar gedeihe. [Sa.01_034,28] Auf solche Ermahnung
schärft dann jeder Saturnbewohner seinen Willen, kräftigt mit demselben den
Boden, wo der Tempel angesät ist. Und ihr könnt es glauben, es geht bei einer
solchen Gelegenheit wirklich allzeit wunderbar zu, und zwar so, daß nicht
selten am nächsten Morgen ein solcher kaum erst angesäter Tempel schon in aller
seiner für euch unbegreiflich großen Pracht vollendet dasteht. [Sa.01_034,29] Wenn aber der Tempel
von einer solchen Familie erschaut wird, hat es des frommen Jubelns und
Lobens kein Ende. Und es dauert solches Jubeln, Loben und Preisen oft mehrere
Tage und Nächte hintereinander. [Sa.01_034,30] Aus welchem Grunde sind
unsere Saturnbewohner denn gar so fröhlich, wenn ihr Tempel so schnell und
wohl gediehen ist? – Der Grund ist ein mehrfacher. – Der erste Hauptgrund ist
der, daß sie dadurch zur Überzeugung gelangen, daß der Große Geist, auch in
dieser neuen Wohnstätte so mit ihnen ist, wie Er zuvor in der alten war. Ein
zweiter Grund ist, daß sie dadurch nun wieder einen Ort haben, an welchem sie
sich durch ihren Ältesten dem Großen Geiste nahen können und dürfen. Ein
dritter Grund ist der, daß eben durch einen solchen Tempel eine nun getrennte
Familie als dem Großen Geiste offenbar wohlgefällig erscheint. [Sa.01_034,31] Und noch ein Grund, der
aber mit diesem dritten Grunde nahe zusammenhängt, ist der, daß eine solche
allgemeine Familie dadurch erkennt, daß der eingenommene neue Besitz ein
rechtmäßiger und daher auch ein bleibender ist. Denn würde der Tempel nicht
so schnell gedeihen, so wäre ihr Besitztum, von ihnen aus betrachtet, nicht
ein rechtmäßiger, und sie müßten daher stets bereit sein, wenn jemand käme
und sagte, daß dieser Grund schon vorher von ihm in Besitz genommen war, ihn
sogleich ohne Widerrede abzutreten und sich einen andern zu suchen. [Sa.01_034,32] Steht aber einmal der
Tempel da, dann hat ein etwaiger früherer Besitzer alles Recht auf dieses
Besitztum verloren, ja er würde sich beim Anblick eines solchen neu
entstandenen Tempels nicht getrauen, auch nur die allerleiseste Anforderung
auf eine Rückgabe zu machen. Denn da haben sie ein allergrößtes Gesetz unter
sich, welches also lautet: [Sa.01_034,33] „Was der Große Geist
jemandem gegeben hat, das gehört vollkommen dem, der es empfangen hat vom
Großen Geiste. Und kein Wesen des Himmels, kein Geist des Lichtes und keine
Kreatur der Welt hat da mehr das Recht, ihm die allerhöchste Gabe streitig zu
machen. Wer solches täte, der soll hinausgetrieben werden an die Stellen
dieser Welt, wo nichts als die ewige Kälte, das ewige Eis und der ewige
Schnee seiner harret.“ [Sa.01_034,34] Ein solches Gesetz weiß
jeder Saturnbewohner. Und er hat auch nahe vor keinem Gesetze eine solche
Achtung wie vor ihm. Aus diesem Grunde kommen namentlich bei den
Gebirgsbewohnern gar nie Eigentumsstreitigkeiten vor, denn unter sich
beachten sie immerwährend die schönste Ordnung. [Sa.01_034,35] Was aber die
Verhältnisse zwischen Nachbarn und Nachbarn betrifft, so werden da nirgends
nur von ferne hin Grenzen gezogen; sondern wo jemand hinkommt, da ist er auch
so gut wie vollkommen auf seinem Eigentum zu Hause. Denn ein jeder Mensch
trägt schon in sich selbst das Zeugnis des Großen Geistes, und dieses genügt,
um den ganzen großen Weltkörper zu bereisen. [Sa.01_034,36] Wenn es manchesmal
geschieht, daß irgendein Kontinentland zu viele Einwohner hat, so gesellen
sich mehrere Familien und ziehen also vergesellschaftet auf den euch schon
bekannten Wasserfahrzeugen in ein anderes Saturnland. – Allda angelangt,
suchen sie sich irgendeine passende Wohnstätte auf. Haben sie eine solche
gefunden, so haben sie das Recht, ein ganzes Jahr dort zu wohnen und zu
genießen, was der Boden trägt. [Sa.01_034,37] Gedeiht die Ansaat des
Tempels wunderbar auf die vorbezeichnete Art oder auch nur nach und nach auf
natürlichem Wege, jedoch so, daß die ausgewanderte Familie bei der
vorgenommenen Anfrage eines abgesandten Eingeborenen demselben die Stelle, wo
der Tempel angebaut ist, zeigen und darauf hinweisen kann, daß die
Tempelbäume schon alle in gutem Wachstum begriffen sind – dann sind sie auch
schon vollkommene Eigentümer des Bodens, den sie eingenommen haben. Und der
vorige Eigentümer hat dann kein Recht mehr auf das, was die Neuangekommenen
als Besitz erworben haben, außer das Recht der Freundschaft. [Sa.01_034,38] Dieses Recht der
Freundschaft aber verweigert ein Saturnmensch dem andern nie, sondern macht
gleich mit ihm gemeinschaftliche Sache. – Worauf dann der Älteste der
Ankömmlinge zu ihm sagt: [Sa.01_034,39] „Bruder im Großen
Geiste, siehe, wie deine Augen mich ansehen und nichts finden an mir, das
ihnen verweigern möchte den Anblick meiner Person, also soll auch dein Herz
in meinem Herzen nichts finden, was dir je etwas verweigern könnte, dessen du
bedarfst, darum du bist ein Bruder zu mir in unserm Großen Geiste.“ [Sa.01_034,40] Nach solchen Worten
umarmen sie sich. Und diese Umarmung ist eine bleibende Urkunde der
vollkommenen Gütergemeinschaft zweier solcher Familien. – Darauf ladet der
Abgesandte die ganze neuangekommene Familie ein, unterdessen von seiner
Wohnung einen wohlgefälligen Mitgebrauch zu machen, bis das neue Besitztum
vollkommen in allem gediehen ist. Und sobald auch folgt dem Abgesandten, der
gewöhnlich ein Ältester selbst ist, die neu angekommene Familie in dessen
Wohnung. [Sa.01_034,41] Eine solche Gelegenheit
ist dann allzeit eines der größten Freudenfeste. Denn für den Saturnmenschen
gibt es beinahe nichts Größeres und Erhebenderes, als wenn er in einem
anderen Kontinentlande einen „Bruder im Großen Geiste“ findet. Denn also
pflegen sich auf diesem Planeten die Menschen gegenseitig zu nennen. [Sa.01_034,42] Geschieht es aber
manchmal, daß der Neuangekommene bei der freundschaftlichen Ankunft in der
Wohnung des andern Ältesten sich überzeugt, daß dieser in seinen
Verhältnissen nur dürftig ausgestattet ist, dann trägt er ihm alsbald seine
Dienste an zur Urbarmachung und bedeutenden Erweiterung der Gründe, welche
Dienste der andere allzeit freundlichst und dankbar annimmt und als Gegengabe
dafür auch seine Dienste dem Nachbarn anträgt. [Sa.01_034,43] Sagt aber der Neuangekommene
zu ihm: „Bruder im Großen Geiste! Ich habe mich nun überzeugt, daß du
bedürftig bist, siehe darum habe ich beschlossen, dir dein früheres Eigentum
wieder abzutreten und mir irgend anderswo eine Wohnstätte zu suchen“ – so
erwidert auf solchen Antrag dann der andere Älteste: „Bruder im Großen
Geiste! Eher möchte ich mein eigenes Leben von mir lassen und wünschen, daß
ich nicht wäre, bevor ich dich die Stelle sollte verlassen sehen, die du, dem
Großen Geiste wohlgefällig, auf meinem Felde eingenommen hast! Du weißt ja,
daß nicht der Grund, sondern allein der Große Geist die Mittel zum Leben
gibt. Daher ist der Boden, den wir bewohnen, ja groß genug, um zehn und noch
mehrere solche Familien, wie wir sie haben, vollkommen zu ernähren.“ [Sa.01_034,44] Wenn dann gewöhnlich
der Neuangekommene von seinem Vorhaben absteht, so gibt das wieder ein großes
Freudenfest, und der alte Bewohner bietet da alles mögliche auf, um seinen
neu angekommenen Bruder im Großen Geiste für alle Zeiten an sein Bruderherz zu
fesseln. [Sa.01_034,45] Bis hierher für heute,
nächstens wollen wir die Verfassungen unserer Gebirgsbewohner noch weiter
verfolgen. 35. Kapitel –
Haupt-Lebensgesetz: Der Wille Gottes. – Behandlung von Übertretern.
[Sa.01_035,01] Nachdem wir bis jetzt
gesehen haben, daß auf diesem Planeten namentlich die Gebirgsbewohner unter
sich keine abgeschlossenen Eigentumsgrenzen haben und daß das Gesicht eines
Menschen allen Saturnbewohnern ein hinreichendes Zeugnis ist, daß ihm vom
Großen Geiste das unbestreitbare Recht eingeräumt ist, allenthalben auf dem
ganzen Planeten für sein Bedürfnis Besitz zu nehmen – so wollen wir uns nun
wieder zu unserer geteilten Familie unter ihrem neuen Ältesten wenden. [Sa.01_035,02] Den Tempel haben wir
gesehen, wie er angelegt wurde, und haben von der Möglichkeit gehört, wie
solche eine geheiligte Ansaat in wunderbarer Schnelligkeit dem Boden dieses
Planeten entwachsen kann, und haben auch gesehen, wie diese Saturnbewohner
alle ihre übrigen Bauten angelegt haben. Sonach hätten wir die Entstehung
eines neuen Besitztums vollkommen angeschaut und geht uns danach nur noch das
zu schildern ab, was ihr bei euch eine politische Verfassung nennt. [Sa.01_035,03] Worin besteht denn
diese bei einer solchen Familie? – Sehet, dort ist die politische Verfassung
sehr kurz und mit wenig Worten abgetan; denn der Grundsatz dieser Verfassung
besteht bloß in dem, daß kein Glied einer solchen allgemeinen Familie ohne
den ihm vom Ältesten bekanntgegebenen Willen des Großen Geistes etwas tun
darf und auch nie etwas tut. Wenn aber jemand den Willen des Großen Geistes
durch den Ältesten erfahren hat, so darf er nicht eher seine Hand an
irgendein Werk legen, als bis er dem Großen Geiste für die Bekanntgebung
seines Willens innigst gedankt hat und bis er dann auch nach dem Dank den
Großen Geist gebeten hat um das rechte und gute Gelingen des zu
unternehmenden Werkes. [Sa.01_035,04] Das ist einmal der
Hauptgrundsatz der ganzen politischen Verfassung der Saturnmenschen. Nach
diesem Grundsatz handelt denn auch ein jeder Mensch und kümmert sich dann um
nichts weiteres, als allein um das, wie er dem Großen Geiste nach der
Vollendung des Werkes den gebührenden Dank darbringen möchte. [Sa.01_035,05] Ihr könnt es
buchstäblich glauben, daß in diesem kurzen Satze alles Erdenkliche begriffen
ist. Denn wer da nach Meinem Willen handelt, der handelt ja allzeit recht. [Sa.01_035,06] Darum gibt es dort auch
durchaus keine weiteren Auslegungen über dieses kurze politische Gesetz,
welches sich ein jedes Kind auf dreimaliges Vorsagen merken kann. Und dieses
kurze Gesetz hat auch keinen Strafkodex als einen politischen Zuchtmeister
zur Seite; sondern der Ausdruck: „Ich handle nach dem erkannten Willen des
Großen Geistes!“ – ist für jeden Saturnmenschen die kräftigste Beweisurkunde
der rechtlichen und dadurch auch niemand andern beeinträchtigenden
Handlungsweise. [Sa.01_035,07] Wenn es sich, was
freilich selten der Fall ist, dennoch manchmal ereignet, daß jemand aus der
Tiefe zu den Gebirgsbewohnern kommt und da irgendwo zu seinem Vorteil handelt,
ohne daß er sich zuvor mit einem Ältesten einer Familie beraten hat, so geht
da entweder der Älteste selbst oder ein Nachältester sogleich zu ihm hin und
fragt ihn: „Aus welchem Willen tust du dieses?“ – Sagt dann der Gefragte:
„Nach dem Willen des Großen Geistes!“ – so wird er nicht mehr gestört in
seiner Handlung. [Sa.01_035,08] Sagt aber der Befragte:
„Es war mir dies notwendig zu meinem Nutzen, daß ich mich solches zu tun
unterfangen habe!“ – so gibt ihm der Älteste folgende Lehre und spricht zu
ihm: [Sa.01_035,09] „Höre, Bruder im Großen
Geiste! Wie ist es möglich, daß du über das Bedürfnis, welches allein in dem
Willen des Großen Geistes liegt, noch ein anderes Bedürfnis haben kannst,
welches von dem Bedürfnis nach dem Willen des Großen Geistes getrennt ist?
Daher rate ich dir als wahrer Bruder im Großen Geiste: Unterlasse sobald das
Werk, damit du nicht unglücklich wirst mitten in der Ausführung deines
Vorhabens. Bist du bedürftig und hast keine Wohnung, siehe, unsere Wohnung
ist hinreichend geräumig, nicht nur dich, sondern Hunderte deinesgleichen
aufzunehmen. Tust du solches Werk aber aus heimlichem Eigennutz, da falle
augenblicklich nieder auf dein Angesicht und flehe inständig und reuemütig
zum Großen Geiste, daß Er dich verschonen möchte mit einer gebührenden
Züchtigung! Denn der Große Geist ist überaus gut den Guten, aber überaus
streng und gerecht dem, der da zuwiderhandelt Seinem über alles heiligen
Willen!“ [Sa.01_035,10] Bei einer solchen
Anrede läßt so ein unbefugter Fremdling auch sogleich sein Werk fahren.
Möchte er sich aber sträuben, so sagt der abgesandte Älteste zu ihm: „So tue
denn, was du willst, von mir aus sei es dir für alle Zeiten der Zeiten
bewilligt, damit deine Sünde nicht größer werde vor den Augen des Großen
Geistes. Siehe aber zu, daß dich die Strafe nicht auf offenem Felde ereilt!“ [Sa.01_035,11] Darauf bietet er ihm
die Hand, verläßt ihn und läßt ihn sein Werk forttreiben. – Wenn er aber nach
Hause kommt, was tut er da? – Ihr werdet hier vielleicht meinen, er wird mehrere
hinsenden, etwa wie bei euch, mit Stricken und Lanzen, damit sie den Frevler
oder Dieb gefangennehmen und ihn nach Hause führen zur gerechten Züchtigung?
– O nein, solches ist bei den Menschen dieses Planeten durchaus nicht der
Fall, und namentlich bei den Gebirgsbewohnern schon gar nicht. Sondern bei
dieser Gelegenheit gibt der Älteste allen Mitgliedern kund, was da vor sich
geht, und fordert sie dann auf, daß alle sich vereinigen sollen in einer
inständigsten Bitte an den Großen Geist, Er möchte diesem Bruder, der sich
vergessen hat, indem er wider den Willen des Großen Geistes handelt, gnädig
und barmherzig sein und denselben wieder zurückführen zu jener wahren
Erkenntnis, daß dem Menschen nichts, denn der alleinige Wille des Großen
Geistes Bedürfnis sein soll. [Sa.01_035,12] Wenn alle die
Familienmitglieder eine Zeitlang also inständigst gebetet haben, dann sammelt
sich der Älteste in seinem Herzen und ruft den allzeit ratgebenden lichten
Geist, daß er ihm kundgeben möchte den Willen des Großen Geistes zur
bleibenden Wohlfahrt des betreffenden verirrten Bruders. – Bei solcher
Gelegenheit gibt dann auch allzeit der Geist dem Ältesten kund, was da zu tun
ist. [Sa.01_035,13] Ist der Frevler ein
verhärteter, eigenwilliger Selbstnützler, dann wird es dem Ältesten
aufgetragen, daß er den Fremdling solle gefangennehmen lassen und auf die
Höhe führen, wo sich die Familienwohnung befindet. Da solle ihm zuerst Speise
und Trank gereicht werden. Dann aber solle er unterrichtet werden in der
Erkenntnis des allein geltenden Willens des Großen Geistes, und es solle
solche Belehrung sieben Tage lang währen. Nach dieser Zeit aber solle er in
den Tempel geführt werden und da aus dem innersten Grunde dem Großen Geiste
den allerwilligsten Gehorsam geloben, demzufolge er nimmerdar einen Schritt
und Tritt tun wolle, ohne den Willen des Großen Geistes. [Sa.01_035,14] Bekehrt sich ein
solcher Frevler, so solches an ihm in der Tat vollzogen wird, so wird er nach
vollbrachtem Dankgebet mit verschiedenen Lebensmitteln reichlich beteilt und
sodann von dreien in die Tiefe hinab geleitet bis zur Stelle, wo er angibt,
daß sich daselbst seine Wohnung befindet. Findet es sich, daß da seine
Wohnung ist, wo er sie angegeben hat, so hat der ganze Prozeß ein Ende, bis
auf das, daß er von den dreien ganz brüderlich ernstlich zur Befolgung
dessen, was er gelobt hatte, wie zu aller Dankbarkeit gegen den Großen Geist,
ermahnt wird. [Sa.01_035,15] Sollte es sich aber
ergeben, daß ein solcher Fremdling gar zu entfernt von den Gebirgen seine
Wohnung hat, oder daß er gar keine Wohnung hat, was bei den Bewohnern der
Tiefe eben nicht selten der Fall ist, so wird er im ersten Fall am Fuße des
Berges zwar entlassen, aber unter einer eindringlichen und äußerst drohenden
Ermahnung, sein Gelöbnis ja nie mehr wieder zu brechen. Alsdann wird er
gesegnet und auf freien Fuß gesetzt. [Sa.01_035,16] Ist er aber
gewissermaßen ein Landstreicher und hat somit keine Wohnung, obgleich er in
der Höhe ausgesagt hatte, daß er eine Wohnung besitze, so wird er in diesem
freilich äußerst seltenen Fall zwar wohl auch ausgelassen und auf freien Fuß
gesetzt; aber es wird ihm dabei bedeutet, daß er dadurch nicht sie, nämlich
die Gebirgsbewohner, sondern nur Den, dessen Willen sie allzeit erfüllen, hat
täuschen wollen. Dieses aber sei das allergrößte Übel, das ein Mensch begehen
kann, darum er nun wohl zusehen solle, wie er da zurechtkomme mit Dem, der
alle Gedanken erkennt, bevor sie noch gedacht werden. [Sa.01_035,17] Sie zeigen ihm dann die
auf der Erfahrung beruhenden schrecklichen Folgen einer solchen Handlung und
verlassen ihn alsbald ungesegnet. Denn wer gefrevelt hat vor ihnen, der wird
gesegnet, damit er sich wieder kehren möchte zum Großen Geiste; wer aber
gefrevelt hat vor dem Großen Geiste, einen solchen getraut sich niemand zu
segnen, bevor an ihm nicht klar ersichtlich wird, daß ihm der Große Geist
noch gnädig ist. Ist solches der Fall, dann wird er auch wieder von den
Menschen gesegnet. [Sa.01_035,18] Wird er aber, was sehr
häufig der Fall ist, vom Großen Geiste alsbald mit einer Strafe heimgesucht,
dann bitten die Saturnmenschen den Großen Geist wohl nahe tagtäglich für die
Vergebung seines an Ihm begangenen Frevels; aber zu segnen wagt sich einen
solchen Sträfling niemand eher, als bis er entweder auf dem geistigen oder
dem natürlichen Wege erfährt, daß ihm der Große Geist die verhängte Strafe zu
mildern angefangen hat. – Das ist also das Verfahren in dem Fall, wenn ein
solcher Frevler verhärtet ist. [Sa.01_035,19] Ist er aber nicht
verhärtet, so läßt der Älteste drei Boten, welche reichlich mit Früchten
beladen sind, dahinziehen, wo der Frevler noch sein Werk verrichtet. Wenn sie
bei ihm anlangen, gebieten sie ihm im Namen des Großen Geistes alsbald
abzustehen von seinem Werke, belehren ihn über den Willen des Großen Geistes,
vergeben ihm seine Tat, nehmen ihn in die Mitte und führen ihn hinab, wo er
angibt zu wohnen. [Sa.01_035,20] Dort beschenken sie ihn
mit den Früchten und sagen dann zu ihm: „Bruder, damit du fernerhin nicht
mehr sündigest an uns und noch viel weniger an dem allerheiligsten Willen des
Großen Geistes, so stellen wir dir hier frei, daß du zu uns kommen kannst,
wann du willst, und du sollst nimmerdar leer nach deiner Wohnung ziehen –
denn solches zu tun wissen wir aus dem Willen des Großen Geistes. Wenn du
dich aber je wieder erkühnen würdest, zu sündigen also wie jetzt, so wird
dich die Strafe des Großen Geistes beim ersten ungerechten Tritte ereilen.“ [Sa.01_035,21] Alsdann reichen sie ihm
ihre Hände, segnen ihn und ermahnen ihn zur Dankbarkeit gegen den Großen
Geist und entfernen sich endlich wieder von ihm. [Sa.01_035,22] Seht, das ist das ganze
richterliche Verfahren bei solchen Vergehungen von seiten der Saturnmenschen.
– Nächstens wollen wir ähnliche politische Verfassungen und Verfahren weiter
verfolgen. 36. Kapitel –
Metallindustrie und sonstige Handwerkskunst. Wahrer Sozialismus der
Nächstenliebe in Handel und Verkehr
[Sa.01_036,01] Zur weiteren
ordnungsmäßigen Verfassung der Saturnmenschen gehört die Erzeugung der
nötigen metallenen Handwerkszeuge, die sie gebrauchen zum Behauen der Bäume,
zur Verfertigung der nötigen Hausgerätschaften, zur Auflockerung des
Erdreichs und zum Schneiden ihrer Speisen und anderer Sachen. [Sa.01_036,02] Wo aber verfertigt man solche
Werkzeuge? – Seht, dazu sind auch auf diesem Planeten, besonders an den Füßen
der Gebirge, eigene Fabriken vorhanden, in denen ein eurem Eisen ähnliches,
nützliches Metall zu allerlei solchen Gerätschaften bearbeitet wird. [Sa.01_036,03] Wer aber sind die
Fabrikanten? – Damit jede einer solchen Fabrik benachbarte allgemeine Familie
ihr Recht hat, Erzeugnisse nach Bedarf aus der Fabrik zu nehmen, muß auch
jede benachbarte Familie abwechslungsweise Arbeiter dahin senden, welche das
Metall unter der Oberleitung eines Fabrikältesten zu bearbeiten haben. Das
Metall aber wird in einer solchen Fabrik nicht schon zu Werkzeugen selbst
gestaltet, sondern nur geschmeidig gemacht und so zur ferneren Verwendung
gewonnen, ungefähr so, wie bei euch das Stangeneisen gewonnen und bereitet
wird zum weiteren Gebrauch. [Sa.01_036,04] Hat ein Arbeiter die
bedungene Zeit von hundert Tagen in einer solchen Fabrik gearbeitet und hat
eine solche Fabrik z.B. hundert Arbeiter, so wird das gewonnene Metall eben
auch in hundert Teile geteilt. Nach vollendeter Arbeitsfrist wird dann jedem
aus der Arbeit Tretenden sein gerechter Anteil ausgeliefert und von ihm zum
allgemeinen Besitz nach dessen Familienwohnung gebracht. [Sa.01_036,05] Was geschieht wohl dann
mit einem solchen gewonnenen Metallteil, welches nach eurem Gewicht nicht
selten zwanzig- bis dreißigtausend Zentner beträgt? – Dieses Metall wird,
wenn noch Werkzeuge vorrätig sind, mit Laubwerk umwunden und dem Ältesten der
Familie zur Verwahrung übergeben. Sind aber die früheren Werkzeuge schon sehr
abgenutzt worden, dann wird nach der Anordnung des Ältesten zur Erzeugung
neuer Werkzeuge geschritten. [Sa.01_036,06] Wie aber? Meinet ihr
etwa auch durch ein Essenfeuer, wie bei euch? – O nein, sondern auf eine viel
merkwürdigere, aber dabei dennoch viel einfachere Art. Die Saturnbewohner
haben da eine kürbisartige Frucht, die auf der unteren Fläche eine ganz
regelmäßige Einwölbung besitzt, nicht selten von einem Durchmesser von
zwanzig bis dreißig Klaftern. Die äußere Rinde dieser Kürbisfrucht,
namentlich aber der untere, eingewölbte Teil, ist so glänzend glatt wie ein
allerfeinst polierter Stahl. Mit diesem Fruchtunterteil fangen die
Saturnbewohner die Sonnenstrahlen auf und leiten den Brennpunkt auf die große
Stange hin. Und es gehört nicht mehr als ein Augenblick dazu, um einen
bedeutend großen Teil der Stange vollkommen weißglühend zu machen. [Sa.01_036,07] Ist solches geschehen,
dann wird das weißglühende Metall nach Bedarf von der Stange herabgeschnitten
und vermittels eines Ambosses, der gewöhnlich aus einem diamantartigen,
harten Steine besteht und sehr glatt ist, und mittels eines metallenen
Hammers zu irgendeinem erforderlichen Werkzeug umgestaltet. [Sa.01_036,08] Wenn ein Schmied bei
euch zur Verfertigung einer Sichel die Zeit einer halben Stunde nötig hat, so
verfertigt ein Saturnmensch wenigstens zehn in dieser Zeit, obschon eine ganz
fertige Sichel im Saturn nach eurem Gewicht nicht selten einen Zentner wiegt.
– Wenn ihr dieses ein wenig bedenkt, könnt ihr euch wohl vorstellen, wie
gewandt in seiner Kunst ein solcher Saturnschmied ist! [Sa.01_036,09] Es fragt sich nun nur
noch, wer daselbst dieses Handwerk versieht? Die Antwort wird hier nicht
schwer sein, so Ich euch sage, daß bei den Saturnmenschen solches eine
häusliche Verfassungsregel ist, daß ein jeder Mann jedes erforderliche
Handwerk können muß, damit es da keinen Unterschied des Standes gibt und ein
Handwerker zum andern sagen könnte: „Ich bin notwendiger als du, und meine
Produkte sind wichtiger als die deinigen!“ Sondern ein jeder kann das, was
sein Bruder kann. Und somit kann einer dem andern in allem Erforderlichen
nützen. Und wenn allenfalls an einen oder den andern die Reihe kommt, daß er
ein Ältester in der Familie wird, so kann er dann auch durch seine Leitung
derselben in allem vorstehen. [Sa.01_036,10] Da aber alle
handwerklich im Erforderlichen erfahren sind, so hört dadurch auch jeder
Schacherhandel auf; namentlich bei den Gebirgsbewohnern. Darum bereiten sie
auch nichts im Überfluß, damit sie es an einen Nachbarn verkaufen oder
vertauschen möchten; sondern alle ihre Produkte richten sich nach dem eigenen
häuslichen Bedarf. [Sa.01_036,11] Kommt aber
dessenungeachtet ein Nachbar, da er etwas Nötiges haben möchte, das ihm
abgeht, weil er nicht so wohlhabend ist wie ein anderer – so wird er nicht
befragt: „Was gibst du für dieses oder jenes, das du bedarfst?“ – sondern er
wird bei einer solchen Gelegenheit nur befragt um den Willen des Großen
Geistes. Hat er dieses im Saturn allein gültige Zeugnis und dieses allein
gangbare „Geld“, dann wird ihm auch sogleich das vollkommen zu eigen
eingehändigt, dessen er nach seiner Angabe bedarf, und darf darauf nie von
jemandem an irgendeine Entgeltung gedacht werden. [Sa.01_036,12] Dies geschieht zufolge
eines politischen Gesetzes unter ihnen, welches lautet: „Wer ist mehr als der
Große Geist? Was aber haben wir Ihm dafür gegeben, darum Er uns zur Benützung
gegeben hat die mit so zahlreich vielen Gütern wohlversehene große Welt? Es
geziemt sich aber, daß wir dem Großen Geiste danken für jegliche Gabe. So wir
aber von unserem Bruder auch nur einen Dank annehmen, wie müßten wir da vor
dem Großen Geiste erscheinen, so wir das von unseren Brüdern verlangen
würden, was nur allein dem Großen Geiste gebührt!? – Wehe daher demjenigen,
der sich danken ließe von seinem Bruder für eine dargereichte Gabe, da er
doch vielmehr dem Großen Geiste danken solle, darum ihn dieser eines Dienstes
an einem Bruder gewürdigt hat.“ [Sa.01_036,13] Seht, nachdem der
Saturnmensch auf diesem wohlwürdigen Grunde von seinem Nebenbruder nicht
einmal den allerleisesten Dank wissentlich annimmt, so nimmt er noch viel
weniger irgendeine andere Entgeltung an. – Und sonach ist auch aller
Handelsverkehr zwischen den Saturnmenschen eingerichtet. [Sa.01_036,14] Es gibt daselbst keine
Wechselbuden und auch nirgends Zollämter. Auch gibt es keine Warentaxierer
und Warenbeschauer. Und der Wucher ist jedem Saturnmenschen fremd, namentlich
den Gebirgsbewohnern. [Sa.01_036,15] Ein Werkzeug, welches
auf dieser Erde sehr häufig gebraucht wird, ist die Waage. Dieses Werkzeug
ist dem Saturnmenschen ganz fremd; denn er kennt keine andere Waage als den
alleinigen Willen des Großen Geistes und die des Bedarfes seines Bruders. [Sa.01_036,16] Noch ein zweites
Werkzeug, das bei euch die Elle heißt, ist dem Saturnbewohner fremd. Es wird
nichts nach der Elle gemessen wie bei euch, sondern das Wort des Bruders nach
dem Willen des Großen Geistes ist das für die Saturnmenschen
alleruntrüglichste Maß, nach dem sie das bemessen, was ein oder der andere
nachbarliche Bruder von ihnen sich erbittet. [Sa.01_036,17] Ein solcher Handel und
Wandel wäre auch auf eurer Erde viel besser als alle Börsen und Banken und
Wechselbuden und Kaufläden und Schankhäuser bei euch. Denn ein nur
einigermaßen reinerer Verstand sollte euch schon sagen: was haben wir denn
Gott für alle die Produkte der Erde gegeben und wie teuer haben wir Ihm die
Erde selbst abgekauft, da wir nun auf derselben schalten und walten, als
wären wir die unmittelbaren Eigentümer von ihr? [Sa.01_036,18] Da ihr euch, wie
gesagt, bei einem nur ein wenig reineren Verstand solches doch notwendig
fragen müßtet, so leuchtet es ja von selbst klar aus allen euren
Handlungsweisen heraus, wie unrecht in Meiner Hinsicht es ist, auf Meinem
Grund und Boden, den Ich allein nur geschaffen und für jedermann gleich
eingerichtet habe, sich dessen Produkte Meiner Liebehand neidisch, geizig und
gewalttätig anzueignen, für einen oder den anderen Zweck zu bearbeiten und
sodann nur um einen unerschwingbar hohen und teuren Preis an seinen Bruder
davon zu geben, so er danach ein Bedürfnis oder ein Verlangen hat. [Sa.01_036,19] Jedoch lassen wir all
das Himmelschreiende auf der Erde und wenden uns wieder zu unserem Planeten,
wo die Menschen noch im Besitz solcher Schätze sind, die der Rost nicht
angreift und die Motten nicht verzehren, und beschauen da noch mehrere Seiten
hindurch ihr durchaus nicht großes politisches Gesetzbuch, welches in ihren
Herzen geschrieben ist! 37. Kapitel –
Webstofferzeugung. – Unverkünstelte Verwendung der Naturerzeugnisse. –
Bekleidungsordnung.
[Sa.01_037,01] Da wir diese Menschen
soeben als Schmiede kennengelernt und vernommen haben, wie sie im Notfall
ihre Gerätschaften oder Fabrikate an einen andern Bruder „verkaufen“, so
wollen wir sie nun auch noch als Zeugmacher kennenlernen. [Sa.01_037,02] Wir haben schon bei der
Darstellung des Pflanzenreiches wie bei der des Tierreiches gesehen, daß es
im Saturn Pflanzen gibt, die eine Art sehr langer Haare namentlich aus ihren
Blüten und auch Blättern von sich treiben, und haben gesehen, daß sehr viele
Tiere außerordentlich wollereich sind und manche bedeutend reichliche und
lange Mähnen haben, so ist es euch anderseits sicher klar, daß dieses alles
von den Saturnmenschen wohl benützt wird. [Sa.01_037,03] Wie aber werden diese
Stoffe benützt? – Sehet, da ist nicht viel Unterschied zwischen euch und den
Bewohnern dieses Planeten. Die Stoffe werden zu Fäden gesponnen, welche
freilich wohl etwas stärker sind als so manche handfeste Stricke bei euch.
Dessenungeachtet aber sind sie im Verhältnis dennoch fein genug, um für diese
großen Menschen gar wohl tragbare Stoffe daraus zu weben. [Sa.01_037,04] Wer spinnt und webt
denn die Fäden? – Solches tun im Saturn nur allein die Frauen; aber nicht auf
die Art, wie ihr die Stoffe auf Webstühlen webet, sondern ungefähr so, wie da
eure Weiber mittels der sogenannten Stricknadel die Strümpfe verfertigen. So
werden dort ganze Kleidungsstücke gestrickt, und zwar mit Hilfe zweier
langer, allzeit hölzerner Stifte. Die Saturnweiber haben darin eine große
Fertigkeit, so daß ein Weib an einem Tag einen nach eurem Maße mehr denn
hundert Ellen langen und fünf bis sechs Ellen breiten Streifen verfertigt. [Sa.01_037,05] Werden solche Stoffe
auch gefärbt? – Das tut niemand auf diesem Planeten. Denn hier besteht schon
wieder ein häusliches Gesetz, welches wegen so mancher Eitelkeit in der Tiefe
also lautet: [Sa.01_037,06] „Wie ist der Mensch
doch ein Frevler, wenn er etwas besser, schöner und vollkommener machen will,
als es der Große Geist gemacht hat! Wehe dir, so du möchtest rot machen, was
der Große Geist weiß gegeben hat! Wehe dir, so du möchtest gerade machen, was
der Große Geist krumm gestaltet hat! Wehe dir, so du möchtest geschmackvoller
machen eine Speise, als sie für dich bereitet hat der Große Geist! [Sa.01_037,07] Wer darin
zuwiderhandeln wird dem Willen des Großen Geistes, den wird dieser zornig
ansehen und wird über seinen Leib schicken ein Übel um das andere – wie Er es
zu tun pflegt in der Tiefe, da dort die Menschen nicht auf das achten, daß
der Große Geist alles überaus weise und gut eingerichtet hat und der Mensch
darum nicht nötig hat, etwas daran zu ändern, sondern dankbarst also
anzunehmen, wie es ihm die milde Hand des Großen Geistes gibt. Wir sind nur
da, um das zu benützen, was uns der Große Geist gibt; nicht aber, daß wir
seine Gabe eher verbessern und verschönern, bis wir sie gebrauchen möchten. [Sa.01_037,08] Nur ein Ding, und das
ist das Metall, hat der Große Geist in die Erde roh gelegt, und wir müssen es
zuvor backen, bevor wir es nützlich gebrauchen können. Und solches dürfen wir
darum tun, weil es uns der Große Geist selbst gelehrt hat. Ebenso können wir
auch nach seinem Willen einige Früchte am Feuer zum leichteren Genusse
erweichen und dürfen die Äste der Bäume behauen zu unseren
Wirtschaftsgebäuden – solches alles lehrte Er uns selbst. [Sa.01_037,09] Aber daß wir einem Ding
eine andere Farbe geben sollen und anderen Glanz, solches hat Er uns nie
gelehrt. Daher ist es auch für den ein großer Frevel gegen den Großen Geist,
der das Weiße möchte rot, das Grüne schwarz und das Blaue gelb und also auch
umgekehrt färben. [Sa.01_037,10] Wir aber sind
untereinander nichts denn einerlei Brüder und Schwestern im Großen Geiste; da
darin kein Unterschied ist und wir alle gleich sind vor ihm, warum sollen wir
uns unterscheiden in der Farbe unseres Gewandes? [Sa.01_037,11] Also sei die
Gürteljacke um unsere Lenden, welche bis an die Knie reicht, allzeit blau,
wie die Wolle von Natur aus blau ist, die wir dazu verwenden. Unser
Oberleibmantel aber sei rot, wie da ist die Mähne des Tieres, daraus er
verfertigt wird. Unser Hut habe die Farbe des Strohes, daraus er verfertigt
wird. Und unsere Kniemäntel seien allzeit grün, wie die Wolle des Baumes und
der Pflanzen ist, aus der sie verfertigt werden. [Sa.01_037,12] Die Weiber aber sollen
ebenfalls unwandelbar verbleiben bei ihrem weiten blauen Hemde und sollen
fortwährend zu ihren Oberkleidern die schönen Blätter unseres Wohnbaumes
benützen und können gebrauchen zu ihrer Zierde noch so manches, was der Große
Geist für sie sowohl auf Bäumen, als auch auf Gesträuchen und auf den Tieren
wachsen läßt. Ferne jedoch sei von ihnen die übertriebene Prachtliebe der
Weiber, die an großen Flüssen und Seen wohnen und eine große Freude daran
haben, daß sie ihren verweichlichten Leib mit allerlei Flitterwerk behängen. [Sa.01_037,13] Unsere Pflicht auf den
geheiligten Bergen sei, daß wir in allem standhaft sind und treu dem Willen
des Großen Geistes.“ [Sa.01_037,14] Seht, das ist eine der
längsten Hausregeln bezüglich der Verfertigung der Kleiderstoffe und der
Kleider selbst, sowie bezüglich der Art, wie dieselben zu tragen sind. [Sa.01_037,15] Auch mit diesen
Kleiderstoffen sind die Gebirgsbewohner gleicherweise freigebig wie mit allem
Übrigen. Kommt von irgendwoher ein fast ganz nackter Mensch, so gilt dessen
Nacktheit schon für ein sicheres Zeugnis des Großen Geistes, daß jeder, der
vorrätige Kleider hat, den Nackten sogleich zu bekleiden hat. Wer sich solches
zu tun weigern würde, dem steht, wie auf kein anderes Vergehen, eine
Verbannung auf ein, zwei bis drei Jahre bevor, damit er in solcher Einsamkeit
erkennen lerne, wie weh es tut, wenn man nackt herumirren muß. [Sa.01_037,16] Ihr werdet euch
vielleicht denken, wie kann da ein Mensch in ein, zwei oder drei Jahren seine
Kleider bis zur Nacktheit zerreißen? Da erinnere Ich euch nur daran, daß ein
Saturnjahr nahe dreißig Erdjahre dauert. Wenn ihr das bei der obengenannten
ein-, zwei oder dreijährigen Verbannung mit in den Anschlag bringet, so
dürfte es euch wohl klar sein, daß in solcher Zeit ein Kleidungsstück nicht
mehr sehr heil aussehen dürfte, wenn es Tag und Nacht getragen wird. 38. Kapitel –
Leibesgestalt von Mann und Weib. Zeugung, Schwangerschaft und Geburt.
Beschaffenheit der Kinder.
[Sa.01_038,01] Noch andere, sehr
beachtenswerte häusliche Regeln können und wollen wir erst dann möglichst
kurz durchgehen, wenn wir zuvor mit der Gestalt des Saturnmenschen, sowohl
männlichen als weiblichen Geschlechts, näher bekannt werden. – Und so wollen
wir gleich die Frage stellen: Wie sehen denn die Saturnmenschen aus? [Sa.01_038,03] Hier sage Ich euch
zuerst im allgemeinen, wie ihr bereits gesehen habt, daß auf dem Saturn fast
alle Dinge erhabener, herrlicher und schöner sind als auf der Erde – so ist
es auch um so mehr der Fall beim Menschen dort. Und so ist das Weib dieses
Planeten, was ihre Gestalt betrifft, überaus vollkommen und über alle eure
Begriffe schön. Obgleich sie für eure Augen eine riesenhafte Größe hat,
stünde sie auf eurer Erde, so würde euch ihre Schönheit zum völligen
Verschmachten nötigen. Denn ihr Leib hat durchgehend die allerschönste und
vollkommenste Rundung. Kein Glied ist unverhältnismäßig zum andern. An ihrem
ganzen Wesen ist nirgends eine Härte ersichtlich. [Sa.01_038,04] Ihre Haut ist so weiß
wie Schnee, wenn er von der Sonne beschienen wird. Nur hie und da, wo die
Haut gewöhnlich am zartesten ist, sticht ein blasses Rot hervor. Trotz der
Größe des Saturnweibes ist die Haut dennoch viel feiner und zarter als die
einer allerzartesten Burgdame bei euch auf der Erde. [Sa.01_038,05] Nur die Nägel an den
Händen und Füßen sind verschieden von euren Fuß- und Handnägeln. Sie haben
die Farbe, als ob ihr poliertes Gold mit Karminrot sanft überstreichen
möchtet. Wo aber die Nägel über das Fleisch hinauswachsen, da laufen sie in
die Farbe des Regenbogens aus. Sonach hat ein Saturnweib ihre Finger schon
von Natur aus schöner geschmückt, als wenn eure Weiber ihre Finger mit den
reichsten Goldringen besetzen. [Sa.01_038,06] Die Brust des
Saturnweibes ist überaus voll, elastisch und etwas rötlich gefärbt; zugleich
aber wahrhaft ätherisch zart, so zwar, daß die Brust eines eurer zartesten
Erdweiber als ein harter Kieselstein dagegen zu betrachten wäre. Die Arme
sind überaus voll und nirgends ist an ihnen etwas Eckiges zu entdecken bis
zur äußersten Fingerspitze; also sind auch die Füße überaus vollkommen bis
zur äußersten Zehe. [Sa.01_038,07] Der Hals ist weder zu
lang noch zu kurz, sondern erhebt sich über die Schultern in dem schönsten
harmonischen Verhältnis. Auf diesem Halse, ihr könnt es glauben, sitzt
allezeit mit höchstseltener Ausnahme, ein wahrhaft himmlisch schöner Kopf. [Sa.01_038,08] Die Stirne des Kopfes
ist mittelhoch und blendend weiß. Die Nase ist gerade, erhaben sanft und
weich in allen Teilen. Die Augen sind zumeist ausgezeichnet groß, die Pupille
blendend schwarz, der Regenbogenring vollkommen himmelblau, das übrige des
Augapfels aber überaus weiß. Die Augenbrauen sind bei jedem Weibe stark und
von dunkelgoldblonder Farbe. Die Haare des Kopfes sind überaus weich und
nicht selten über das Knie reichend, von gleicher Farbe wie die Augenbrauen.
Der Mund ist im Verhältnis klein, die Lippen karminrot. Hinter ihnen zieren
die schönsten Perlzähne sowohl den Unter- wie den Oberkiefer. Das Kinn ragt
ein wenig hervor und ist wie die Wangen leicht gerötet. Die Ohren sind
ebenfalls im Verhältnis zum Kopf mehr klein als groß zu nennen und sind
ebenfalls ein wenig gerötet. [Sa.01_038,09] Also habt ihr nun die vollkommene
Beschreibung der Gestalt eines Saturnweibes! Nur müßt ihr euch nicht etwa
denken, als sehe da in physiognomischer Hinsicht ein Weib dem andern gleich!
Sondern wie es bei euch auf der Erde ist, so ist es auch dort, daß unter
zehntausend Gesichtern nicht zwei anzutreffen sind, da eines aussieht wie das
andere. [Sa.01_038,10] Wenn ihr nun diese
beschriebene Gestalt mit den angegebenen Kleidern bekleiden wollet, so könnt
ihr mit der Hilfe eurer Phantasie ein solches Saturnweib so ziemlich
beschauen. – Da wir somit mit der Darstellung des Weibes fertig sind, wollen
wir uns gleich zu der des Mannes wenden. [Sa.01_038,11] Wie sieht denn der Mann
aus? – Er ist, wie ihr beiläufig schon wißt, um ein bedeutendes größer als
das Weib. Das ist somit etwas, was auf der Erde nicht so leicht vorkommt.
Denn in der Regel ist auf dem Saturn der Mann um fünfzehn bis zwanzig Schuh
größer als das Weib. Ihr werdet solches Verhältnis anfänglich wohl etwas
sonderbar finden, wenn ihr bedenket, daß ein Saturnweib zu einem Saturnmann
sich gerade so verhält, wie bei euch ein zehn oder zwölfjähriges Mädchen zu
einem vollkommen rüstigen und großgewachsenen Mann. [Sa.01_038,12] So ihr aber bedenket,
daß auf diesem Planeten die Zeugung des Menschen nicht auf die Weise wie bei
euch vor sich geht, so wird euch auch das Verhältnis gar bald gerecht
vorkommen. – Da wir hiermit die Zeugung berührt haben, so wollen wir, bevor
wir mit der Gestalt des Mannes weiterfahren, gleich ein paar Worte darüber
sagen. [Sa.01_038,13] Wie geschieht denn dort
die Zeugung? – Also wie sie auch auf der Erde hätte geschehen können, wenn
der Mensch nicht von Mir abgefallen wäre, noch bevor Ich ihn gesegnet hatte –
durch die alleinige Liebe und durch den festen Willen. [Sa.01_038,14] Wenn der Mann auf dem
Saturn sonach eine Zeugung vornehmen will, so stellt er sich mit seinem ihm
angetrauten Weibe dem Ältesten vor (der Saturnmann hat nie mehr als ein
Weib). Der Älteste segnet ihn dann im Namen des Großen Geistes. Darauf fallen
der Mann und das Weib zur Erde nieder und bitten inbrünstigst den Großen
Geist um die Erweckung einer lebendigen Frucht. [Sa.01_038,15] Ist solches geschehen,
dann nimmt der Mann die Frau auf seinen Arm, drückt sie an sein Herz und gibt
derselben einen Kuß auf die Stirne, einen auf den Mund und einen auf die
Brust. Darauf legt er seine rechte Hand über ihren Leib und fixiert sie mit
seinem Willen. Das ist auch das Ganze der Zeugung, während welcher sowohl der
Mann als auch das Weib eine wahrhaft himmlisch reine Wollust schmecken, die
sie begeistert und auf lange Zeit überfröhlich macht. [Sa.01_038,16] Ist die Zeugung
geschehen, dann fallen beide Gatten wieder zur Erde, danken dem Großen Geiste
dafür und bitten Ihn zugleich um den Segen für das Gedeihen der Frucht.
Darauf begeben sie sich wieder zum Ältesten, wo das Weib von diesem gesegnet
wird und nachdem erst von ihrem eigenen Mann. [Sa.01_038,17] Die Schwangerschaft
dauert dort nur ein Vierteljahr und wird nirgends anderswo beim Weibe
bemerkt, als nur an der lebhafteren Färbung ihrer Brust. [Sa.01_038,18] Die Geburt aber
geschieht dort allzeit ohne Schmerzen. – Die Kinder sind, so sie zur Welt
kommen, sehr klein, d.h. kaum so groß wie bei euch diejenigen, welche fünf
Jahre alt sind. Sie wachsen aber außerordentlich schnell und werden nach eurer
Rechnung im Verlauf von drei Jahren schon sehr oft zwölf bis fünfzehn Klafter
groß. [Sa.01_038,19] Die Kinder sind in den
ersten Jahren so leicht, daß sie in der Luft gleich einem Federflaum schweben
können, und werden erst dann spezifisch schwerer, wenn sie von der
Mutterbrust entwöhnt werden und eine stärkere und festere Nahrung zu sich
nehmen; aus welchem Grunde im Saturn auch nie gehört wird, daß sich irgendein
Kind von einer Höhe herab durch Fall verletzen könnte. [Sa.01_038,20] Wenn ihr nun dieses
beachtet, so wird euch um so leichter faßlich werden, warum das Weib
gegenüber dem Mann nahezu um ein Drittel kleiner und somit auch schwächer
ist. [Sa.01_038,21] Der Mann dort ist ein
vollkommenes Ebenbild nach Mir. Seine Größe gibt ihm das Zeugnis, daß er ein
Herr der Natur dieses Planeten ist. Seine Gestalt aber besagt: Also ist die
gerechte Form eines Mannes, der da nicht sein solle so hart aussehend wie ein
Fels, aber auch nicht so weich wie die Brust eines Weibes. Er solle sein ein
volles Ebenmaß Dessen, der ihn erschuf, in sich fassend alle Vollkommenheiten
der Kraft der Macht, der Stärke, der Festigkeit des Willens und der
Herrlichkeit und Schönheit aller Formen. [Sa.01_038,22] Wenn ihr euch demnach die
Form eines Mannes im Saturn vorstellen wollt, so müßt ihr euch auf eurer Erde
einen vollkommenen Jüngling denken, bei dem die Muskeln noch nicht so sehr
getrennt erscheinen, sondern noch im lebhaften Zusammenhang stehen.
Übertraget diese vollkommen männliche Menschenform auf den Saturnmann –
natürlich im vergrößerten Maßstabe – so habt ihr die Gestalt deutlich vor
euch. Nur hat der Mann im Saturn eine viel feinere Haut als irgendein solcher
Jüngling auf eurer Erde. [Sa.01_038,23] Das Kinn des Saturnmannes
ist mit einem verhältnismäßig großen Bart bewachsen und der Kopf mit bis auf
den halben Leib herabhängenden, wohlgelockten, zuallermeist lichtblonden
Haaren. Wobei noch zu bemerken ist, daß der Bart und ganz besonders die
Augenbrauen stets etwas dunkler sind als die Kopfhaare. [Sa.01_038,24] Alle Teile seines
Leibes stehen in dem schönsten Verhältnis. Einige Teile aber wie die Wangen,
die Brust und auch die Arme sind etwas lebhafter gerötet als beim Weibe. [Sa.01_038,25] Ihr werdet vielleicht
bei euch heimlich fragen: Haben denn diese Saturnmenschen keine euch
ähnlichen und eigentlichen Geschlechtsorgane? O ja, nur sind diese im
Verhältnis nicht so groß und ausgezeichnet, weil sie bei ihnen nur für einen
Zweck da sind. [Sa.01_038,26] Stellt euch nun einen
solchen Saturnmann vor und betrachtet ihn in seiner Größe und seinem wahren
Menschenadel, so müßt ihr ihm das Zeugnis geben, daß in seiner Form alle
Erhabenheit, alle Würde und alle Herrlichkeit Dessen vorgestellt ist, der der
Urgrund aller Dinge ist. [Sa.01_038,27] Ist auch das Weib
reizend durch die Rundung und Weichheit seiner Form – wahrhaft schön und ewig
bleibend schön und ganz vollkommen in allem ist nur der Mann. [Sa.01_038,28] Solches sehen auch alle
Saturnbewohner ein und danken dem Großen Geiste allzeit für die erhabene, Ihm
selbst vollkommen ähnliche Form – wofür zu danken freilich euch
Erdenbewohnern noch nie im Traum eingefallen ist! 39. Kapitel –
Gotteserkenntnis der Saturnbewohner. Mehr Ehrfurcht als Liebe. Kunde von der
Menschwerdung Gottes auf Erden.
[Sa.01_039,01] Wie aber wissen die
Saturnmenschen, daß ihre Form ein Ebenbild des Großen Geistes ist? – Solches
wissen sie durch die sich zu öfteren Malen wiederholende Offenbarung des
Großen Geistes selbst. Und es wird selten einen Familienältesten geben, der
nicht zum wenigsten einmal den Großen Geist gesehen hätte. [Sa.01_039,02] Sie kennen somit Gott
nicht anders, denn als einen vollkommenen Menschen. Und darum ist auch ihr
oberster Grundsatz in der Lehre vom Großen Geiste: [Sa.01_039,03] „Gott, der da ist der
Große Geist, ist ein allervollkommenster Mensch aller Menschen. Er hat Hände
wie wir und hat Füße wie wir, hat einen Leib wie wir, und sein Kopf ist dem
unsrigen gleich. Doch arbeitet Er nicht mit den Händen und geht nicht mit den
Füßen, sondern alle unendliche Macht liegt in seinem Willen. Und mit der
unbegreiflichen Kraft seiner Weisheit erschafft und leitet Er alle Dinge.“ [Sa.01_039,04] Seht, da die
Saturnmenschen solchen richtigen Begriff von Mir haben, so erkennen sie auch
desto leichter und eher sich selbst und wissen in ihrem Geiste vollkommen,
daß sie nicht nur flüchtige, sondern im Geiste ewig bleibende Ebenbilder
Dessen sind, der sie nach sich gebildet und erschaffen hat. [Sa.01_039,05] Lieben die
Saturnbewohner auch den Großen Geist? – Ja, sie lieben Ihn auch. Aber ihre
Liebe besteht mehr in einer übergroßen Ehrfurcht als in dem Bestreben, dem
Großen Geiste stets näher- und näherzukommen und endlich vollkommen eins mit
Ihm zu werden. [Sa.01_039,06] Doch wissen sie auch
recht gut und werden darüber von den Geistern unterrichtet, daß der Große
Geist auf einem kleinen Weltkörper, nahe an der Sonne, Mensch geworden ist
und Fleisch und Blut getragen hat. Und daß Er von dieses Weltkörpers Menschen
verkannt und leiblich getötet wurde, solches wissen sie auch recht wohl durch
die Offenbarung von seiten der Geister. [Sa.01_039,07] Nur das geht ihnen
schwer ein, wie es denn möglich war, daß Ihn diese Menschen nicht erkannt
haben. Und sie fragen die zu ihnen kommenden Geister auch emsig aus, was
dieses Weltkörpers Menschen jetzt machen und ob sie den Großen Geist noch
nicht erkannt haben? [Sa.01_039,08] Wenn sie auf solche
Fragen leider zuallermeist verneinende Antworten bekommen, so werden sie ganz
traurig und beten sehr oft und sehr inbrünstig in ihren Tempeln, daß die
Menschen eines so überhoch begnadeten Weltkörpers doch einmal Denjenigen
erkennen möchten, der ihnen eine solche Gnade erwies, vor deren Größe sie
schon bei dem leisesten Gedanken durch und durch erschauern. – Und sie sagen
nach langem Innehalten mit donnerstarken Worten: [Sa.01_039,09] „Oh, wenn wir dieser
Gnade wären gewürdigt worden, daß sich der große Geist auf dieser Welt mit
unserem Fleisch und Blute bekleidet hätte, wahrlich, wir leuchteten mehr denn
tausend Sonnen übereinander!“ [Sa.01_039,10] Solcher Ausdrücke
bedienen sich die Saturnbewohner, wenn sie etwas von der Erde vernehmen. Sie
haben eine große Sehnsucht, diese Erde einmal zu sehen. Geht solches in
leiblicher Beziehung auch nicht, so gibt es aber dennoch beinahe nicht einen
Geist der Saturnmenschen, der nicht, sobald er seine Hülle abgelegt hat, sich
sogleich zur Erde begeben möchte. [Sa.01_039,11] Da aber ein solcher
Geist das Materielle nicht schauen kann, so schaut er die geistige Erde an
und durch Entsprechungen von dieser aus auch die materielle. Wenn er aber die
Menschen dieser Erde erkennt, da wird er traurig und verläßt bald wieder
diesen Weltkörper. [Sa.01_039,12] Im Verlauf, wenn noch
von der Religion der Saturnmenschen die Rede sein wird, werden wir noch
mehreres davon kennenlernen. Zunächst aber wollen wir uns noch zu einigen
politischen Verfassungen zurückwenden. 40. Kapitel –
Verbot der Selbstüberhebung. Gebot der Reinlichkeit. Scheu vor Totem.
Leichenbestattung. Totenkult. Eheschließung.
[Sa.01_040,01] Worin besteht denn eine
weitere politische Verfassung? – Sie besteht in dem, daß niemand zufolge
seiner leiblichen Schönheit und Größe oder sonst auf irgendeine Weise groß
von sich reden darf. [Sa.01_040,02] Damit aber dieses
wichtige Gebot allezeit beachtet wird, so wird schon den Kindern eingeprägt,
daß sie sehr klein sind und daß alle weltliche Größe vor dem Großen Geiste
als ein bloßes Nichts erscheint. Demnach getraut sich auch kein Patriarch
oder Ältester und noch viel weniger ein anderes Familienmitglied irgend etwas
Großes von sich zu denken. [Sa.01_040,03] Was aber die Schönheit
des Leibes betrifft, da sagen sie: „Wir sind samt und sämtlich alle gleich
schön als Ebenbilder des Großen Geistes. Wer da sagen und glauben würde, er
sei schön für sich und habe darin einen Vorzug vor jemand anderem, der würde
sich dadurch dem ewigen Urbilde sogleich unähnlich gestalten, da er dann
häßlicher würde als das häßlichste Tier auf dem Erdkörper.“ [Sa.01_040,04] Zu diesem Gesetz tun
freilich wohl auch die Geister der Verstorbenen so manchen Vorschub. Denn
wenn irgend jemand von einer Eitelkeit befallen werden möchte, erblickt er
gar bald vor sich irgendein recht scheußlich verzerrtes Gesichtgrinsen. Wer
einmal so gestraft worden ist, läßt sicher auch alsbald alle Eitelkeit
sinken; denn solches wissen die Saturnbewohner gar wohl, daß es mit den
Geistern nie halbernstlich zu nehmen ist, sondern wenn diese sich auf eine
oder die andere Art äußern, so gilt das immer für den reinsten Ernst. – Seht,
das ist ein politisches Gesetz, welches von Groß und Gering, Alt und Jung
beachtet wird. [Sa.01_040,05] Und was die Größe
betrifft, so geht solches sogar für alle ewigen Zeiten bleibend auf den Geist
über, daß sie sich für möglichst klein halten. Aus diesem Grunde stehen die
Saturngeister auch durchgehend nicht gut mit den Geistern dieser Erde, bei
denen nichts als ihre vermeintliche Größe vorherrschend ist. [Sa.01_040,06] Es gibt dann ferner
noch ein häusliches Gesetz. Es ist begründet in der Anempfehlung und
Beibehaltung der Reinlichkeit; darum ist es eine große Seltenheit,
irgendeinen, sei es am Leibe oder an dessen Bekleidung, schmutzigen Menschen
zu treffen. [Sa.01_040,07] Dessenungeachtet ist
dort eine Hauptlehre, auf den Leib ja nichts zu halten, da er sterblich ist –
wohl aber alles auf den Geist, der unsterblich ist. [Sa.01_040,08] Aus dem Grunde scheut
der Saturnbewohner auch alles Tote und will, wie ihr wißt, sogar zu seiner
Wohnung keine toten Häuser, sondern lebendige. Und noch weniger darf etwas Totes
in einem Gott geweihten Tempel vorkommen. [Sa.01_040,09] Aber reinlich muß darum
dennoch alles gehalten werden, und vorzugsweise der Leib, da er eine Wohnung
des unsterblichen Geistes ist. Das ist somit wieder eine Hausordnungsregel! [Sa.01_040,10] Was geschieht denn im
Saturn mit den Leibern der verstorbenen Menschen? – Die Leiber werden dort
nicht begraben wie bei euch, auch werden sie nicht verbrannt, wie es in
manchen Ländern eurer Erde der Fall ist, sondern die Leiber werden an einen
Ort hingebracht, wo sich ein Pyramidenbaumwald vorfindet. Allda werden sie,
mit dem Gesicht zur Erde gewendet, auf den Boden gelegt und mit Ästen
desselben Baumes zugedeckt. – Die Leichname der Weiber werden gewöhnlich
knapp am Stamme des Baumes, bei den Füßen zusammengebunden, an einen Ast des
Baumes gehängt, so daß der Kopf beinahe den Boden berührt. [Sa.01_040,11] Ihr werdet euch hier
denken, wenn solche großen Leiber zu faulen und zu verwesen anfangen, so wird
sich da auch notwendigerweise ein starker Übelgeruch weit und breit
verbreiten müssen. Allein solches ist auf diesem Planeten durchaus nicht der
Fall, sondern gerade das Gegenteil. Da die Leiber der Saturnmenschen
ätherischer und leichter sind als eure auswendigen, groben
„Schlangen“-Leiber, so verflüchten sie sich auch in kurzer Zeit nach dem
Hinscheiden, und dieses Verflüchtigen erzeugt in einer solchen Gegend einen
sehr angenehmen Geruch. [Sa.01_040,12] Wenn solcher irgend die
Nüstern eines Saturnmenschen berührt, so fällt er voll Dankbarkeit gegen den
Großen Geist zur Erde nieder und bittet Ihn, daß Er es zulassen möchte, daß
der Geist desjenigen, dessen Leibesduft nun seine Nüstern berührt hat, zu ihm
kommen und mit ihm ein gemeinsames Loblied dem Großen Geiste für die Erlösung
aus dem Kerker des Fleisches anstimmen möchte. Solches geschieht auch
allzeit, besonders wenn es dem Bittenden darum ein ganz vollkommener Ernst
ist. [Sa.01_040,13] Trauern dort die
Menschen, wenn jemand dem Leibe nach stirbt? – O nein, sondern wenn z.B. der
Älteste gestorben ist, so tritt sobald der Nachälteste als sein Nachfolger in
seine Ordnung, fordert alle Familienmitglieder auf, daß sie sich auf die Erde
niederlegen und dem Großen Geiste danken, daß Er dem Patriarchen solch große
Gnade erwiesen und ihn ins ewige Leben berufen habe. [Sa.01_040,14] Dann müssen sie den
Großen Geist bitten, daß Er es allergnädigst gestatten möchte, daß der Geist
des Verstorbenen dem nun neuen Ältesten bald erscheinen und ihn führen möchte
in des Tempels Heiligtum und ihn allda segne zum erhabensten Amte des Großen
Geistes. [Sa.01_040,15] Solches geschieht dann
auch allzeit sichtbar für die ganze Familie. Der Geist kommt in seiner Glorie
und heißt mit vernehmlichen Worten den neuen Ältesten ihm in das Heiligtum
des Tempels, die ganze andere Familie aber in den Volksteil des Tempels zu
folgen. [Sa.01_040,16] Allda stellt der Geist
vor dem Volke den neuen Ältesten auf den Predigeraltar, segnet ihn und zeigt
der ganzen Familie an: „Daß es dem Großen Geiste wohlgefällig ist, daß dieser
das heilige Amt übernommen hat, darum sie ihm auch in allem zu folgen und
jegliches seiner Worte wohl zu beachten haben.“ [Sa.01_040,17] Sodann empfiehlt er den
Männern, auf die gewöhnliche Art seinen verstorbenen Leib hinwegzuschaffen,
segnet noch die ganze Familie und verheißt dann, nach dem Willen des Großen
Geistes so lange ein Lehrer und Führer der ganzen Familie zu verbleiben, als
es dem Großen Geiste gefalle, den neu gestellten Patriarchen der gesamten
Familie zum leitenden Vorstand zu belassen. [Sa.01_040,18] Darnach verschwindet
der Geist, der neue Älteste aber und die Familie fallen zur Erde nieder und
danken dem Großen Geiste dafür. – Ist das Dankgebet vollendet, stehen alle
auf, gehen stillschweigend nach Hause, nehmen sogleich die Hinwegschaffung
des Leichnams vor und bringen ihn auf eine schon vorhin beschriebene Stelle. [Sa.01_040,19] Stirbt ein Weib, so
wird zwar auch um die Erscheinung ihres Geistes gebeten. Aber nach der
Erscheinung wird bloß daheim ein Dankgebet verrichtet. Dann wird ihr Leichnam
genommen und an die vorbestimmte Stelle gebracht. Der Leichnam des Weibes
verflüchtigt sich noch viel schneller als der des Mannes, bei günstigen
Verhältnissen so schnell, daß am zehnten Tag oft schon nicht mehr eine Spur
zu finden ist, auch nicht einmal die eines Knochens. [Sa.01_040,20] Diese schnelle
Verwesung wird freilich naturmäßigerweise auch dadurch bewerkstelligt, daß
der große Nadellaubbaum mit seinen Millionen Spitzen den unter ihm
befindlichen Leichnam aller Elektrizität beraubt. Sobald aber diese aus
irgendeinem naturmäßigen Körper völlig entweicht, vergeht auch der
naturmäßige Körper so, als wäre er vom Feuer verzehrt worden. [Sa.01_040,21] Seht, die Beachtung
dieser Regeln ist auch wieder ein solches „wichtiges Hausgesetz“, welches
allzeit streng und genau zu beachten ist. [Sa.01_040,22] Was haben wir denn noch
für ein sehr beachtenswertes Hausgesetz? – Das ist das Gesetz der ehelichen
Verbindung eines Mannes mit einem Weibe. [Sa.01_040,23] Durch dieses Gesetz ist
jeder Mann, wenn er das gerechte Alter von dreißig bis vierzig Jahren erlangt
hat, streng verpflichtet, sich ein Weib nach seiner Wahl und nach seinem
Wohlgefallen zu nehmen. [Sa.01_040,24] Das darf er jedoch
nicht selbst der Gewählten kundtun; sondern nur durch den Ältesten. Dieser
beruft dann die Eltern der gewählten Braut und gibt ihnen die Not und den
Willen des Bräutigams kund. Solche Kundgebung wird dann auch dankbarst als
Wille des Großen Geistes angesehen. Darum denn auch ein solcher Brautwerber
nie, so wie bei euch, einen sogenannten „Korb“ bekommt. [Sa.01_040,25] Sodann erst nimmt der
Älteste den Bräutigam, führt ihn zu der Braut, nimmt ihre rechte Hand und
seine Rechte und gibt sie zusammen. Dann müssen sie sich so halten und ihm,
dem Ältesten, in den Tempel vor das Heiligtum folgen. Allda haben sie sich
mit den Gesichtern auf den kegelförmig erhabenen Altar anzulehnen, während
welcher Zeit der Älteste im Heiligtum betend den Geist (des Lichtes) beruft. [Sa.01_040,26] Sobald dieser bei
solcher Gelegenheit mit verhülltem Angesicht erscheint, beheißt der Älteste
das Brautpaar sich aufzurichten. Dann stellt der Älteste ihnen die ehelichen
Pflichten in einer guten Rede vor, welche ihrem Inhalt nach gewöhnlich in der
Darstellung aller derjenigen Hausregeln besteht, die wir bis jetzt schon
kennengelernt haben und deren wir noch einige kennenlernen werden. [Sa.01_040,27] Ist solches geschehen,
geht der Älteste von seinem Predigeraltare herab und macht eine Bewegung, als
wollte er die Hände der zwei Brautleute von einander trennen. Allein dafür
ist schon eine alte Regel da, daß solches nur eine formelle Andeutung ist,
daß sie sich auf der Welt durch nichts je sollen trennen lassen. [Sa.01_040,28] Nach dieser Zeremonie
tritt der Älteste zur Seite, der Geist (des Lichtes) enthüllt sein Angesicht,
segnet das Brautpaar, geht auf sie zu und trennt ihre Hände auseinander. –
Solches bedeutet, daß nur der Tod oder die Scheidung des Geistes vom Leibe
das Ehepaar gültig zu scheiden vermag. [Sa.01_040,29] Darauf verschwindet der
Geist und die Ehe ist geschlossen. [Sa.01_040,30] Nun wird dem Großen
Geiste ein Dank dargebracht. Und Er wird auch wieder gebeten, die Vermählten
zu segnen mit einer Ihm wohlgefälligen Nachkommenschaft und sie nach seinem
allerheiligsten Willen zu leiten. – Ist auch solches geschehen, dann stehen
der Älteste und die Vermählten wieder auf und begeben sich voll
Ehrerbietigkeit nach Hause, woselbst dann gewöhnlich ein allgemeines
Familienmahl unter Lobpreisung des Großen Geistes gehalten wird. [Sa.01_040,31] Am nächsten Tage wird
es den Neuvermählten freigestellt, ob sie da verbleiben oder sich irgendwo
anders eine Wohnung aufsuchen und errichten wollen. – Willigen sie ein, bei
der allgemeinen Familie zu verbleiben, so wird ihnen alsbald ein eigener Ast
zur Bewohnung eingeräumt und wird für sie ein neues Wohnhaus, eine neue Küche
und Vorratskammer angefertigt. Wollen sie sich aber manchmal zufolge des
geringen Platzes von der Familie trennen, so werden sie mit allem möglichen
ausgestattet und können dann auch ihre Eltern und noch sonstige sehr nahe
Verwandte mitnehmen. [Sa.01_040,32] Wie sie's aber dann
machen, wenn sie irgendeine andere Wohnung frei angetroffen haben, ist schon
gesagt. – [Sa.01_040,33] Das ist nun wieder eine
Familien-Hausordnung! – Für heute lassen wir es dabei bewendet sein. Nächstens
werden wir noch einige durchgehen und uns sodann zur geistigen
Religionsverfassung wenden. 41. Kapitel –
Tieflandbewohner besuchen die Berge. Deren Aufnahme bei den Gebirgsbewohnern.
Halbheiden und ihre Bekehrung. Brautwerbung im Tiefland.
[Sa.01_041,01] Es geschieht dann und
wann, daß sich eine oder die andere Familie aus den Tälern und Ebenen,
leiblicher Gesundheit halber, auf die Berge begibt. Ist solches der Fall, so
besteht bei den Bewohnern der Höhen die Regel, solche „Gesundheitssucher“ liebfreundlichst
aufzunehmen und ihnen auch alles darzureichen oder zu verschaffen, was
dieselben ihrer Gesundheit für dienlich erachten. [Sa.01_041,02] Wollen aber die
Gesundheitssucher für beständig auf der Höhe Wohnung nehmen, so wird sobald vom
Ältesten einer Gebirgsfamilie ein Leiter aus der Gebirgsfamilie berufen,
damit er den aus der Tiefe auf den Bergen Ansiedelnwollenden behilflich sein
solle. Und wenn sie ihn fernerhin zu ihrem Leiter wünschen, so hat er die
Verpflichtung, ihrem Wunsche bereitwilligst zu willfahren. [Sa.01_041,03] Ist der Leiter schon
verehelicht, so trennt er sich von dieser neu angesiedelten Familie nur so
lange, als er Zeit braucht, sein Weib und allenfalls ein oder mehrere Kinder
von seiner früheren Wohnung zu holen, zugleich aber auch bei solcher
Gelegenheit den Segen von seinem Ältesten für dieses neue Amt zu empfangen.
Hat er solches alles in die gehörige Ordnung gebracht, begibt er sich mit
Weib und Kind und noch sonstiger Ausstattung zu der neu angesiedelten Familie. [Sa.01_041,04] Da unterrichtet er
dieselbe in allen Gesetzen und Gebräuchen der Gebirgsbewohner und eifert sie
an zur Erbauung des Tempels und sodann auch, nach Zahl und Bedarf, zur
Erbauung der Vorratskammern und der lebendigen Wohnhäuser. Seht, solches ist
auch eine Regel, welche die Gebirgsbewohner zu beachten haben! [Sa.01_041,05] Manches Mal geschieht
es aber, daß die Tal- und Ebenenbewohner bloß der schönen Aussicht halber
hohe Gebirge bereisen. Wenn solche Höhen-Lustwandler an eine oder die andere
Gebirgsfamilie treffen, werden sie zwar von derselben angehalten und
liebeernstlich befragt, welche Absicht sie auf die Höhe geführt habe. Wenn
sie dann gewöhnlich in sehr höflicher Weise kundgeben, daß sie willens seien,
diese oder jene höchste Gebirgskuppe der schönen Aussicht halber zu
besteigen, so wird ihnen vom Ältesten kundgegeben, ob eine oder die andere
Gebirgskuppe wohl gefahrlos zu besteigen ist. Ist ein solcher Gebirgsgipfel
unersteigbar, so werden die Lustwandler davon liebreichst abgehalten und wird
ihnen aufs genaueste kundgegeben, welche Gefahren sie zu bestehen haben
würden, so sie von ihrem Vorhaben nicht abständen. Darauf stehen solche
Gebirgsbesteiger auch sobald ab von ihrem Vorhaben und kehren wieder nach
Hause zurück. [Sa.01_041,06] Ist eine oder die
andere Gebirgskuppe aber gefahrlos besteigbar, so wird solchen
Gebirgswanderern ein Führer mitgegeben. Dieser hat eine dreifache
Verpflichtung. Fürs erste muß er eine solche Wandergesellschaft des besten
und sichersten Weges geleiten. Dann muß er sie mit Speise und Trank versehen,
welches gewöhnlich unsere bekannten „Hausknechte“ nachschleppen. Und fürs
dritte muß er ihnen über alles Aufschluß geben, sie aber auch zugleich bei
allem und jedem auf den Großen Geist hinlenken. [Sa.01_041,07] Für alle diese seine
Mühe aber darf er ja nichts verlangen, außer nur das, daß eine solche
Gesellschaft ihm die teuerste Versicherung geben muß, nachdem sie sich so
wohl erquickt hatte an den Herrlichkeiten des Großen Geistes, demselben
allzeit in allem anzuhängen und ohne dessen ausdrücklichen Willen nie etwas
zu unternehmen. [Sa.01_041,08] Ist solche Versicherung
geschehen, dann erinnert sie der Führer, daß sie für alles das dem Großen
Geiste danken, Ihn aber auch zugleich bitten sollen, daß Er sie alle wohlbehalten
wieder möchte ihre Heimat erreichen lassen. Ist auch dieses geschehen, wird
der Rückweg angetreten. [Sa.01_041,09] Die Gesellschaft wird
von dem Führer wieder zu seiner Wohnung geleitet, wo ihnen Speise und Trank
gereicht wird. Haben sie sich auf diese Art gestärkt, werden sie liebesanft
zur Dankbarkeit an den großen, heiligen Geber erinnert, von dem Ältesten
begrüßt und gesegnet und können nach dem ihren Rückweg in die Tiefe antreten. [Sa.01_041,10] Hier und da in so
manchen Winkeln der Berge wohnen die euch schon bekannten
Spitzfußfleisch-Ärzte. Vor diesen werden die Ebenenbewohner von den
eigentlichen Gebirgsbewohnern bei solchen Gelegenheiten gewarnt. Es wird
ihnen angezeigt, daß diese Menschen nichts anders denn als unbefugte
Ausreißer aus der Tiefe sich aus eitler Gewinnsucht auf solche Bergwinkel
gesiedelt haben, damit sie dann die Bewohner der Tiefe mit allerlei unnützem
und unwirksamen Zeuge zu hintergehen vermöchten. Auf diese Weise warnen sie
solche leichtgläubige Talbewohner und sagen ihnen: [Sa.01_041,11] „Der Große Geist hat
für die Erhaltung unserer Leibesgesundheit tausenderlei wohlheilsame Kräuter
und Früchte in den Boden der Erde gelegt, damit sie da wachsen sollen zu
unserer Stärkung, und hat erschaffen ein reines Wasser in der ganzen Welt und
hat gesetzt riesengroße Bäume auf den Boden der Erde, damit sie an sich
ziehen sollen alle verderblichen Dünste und sie umgestalten in eine
wohlduftende, allerreinste Luft. So hat der Herr, der überaus wohltätig ist
in aller seiner unendlichen Macht, am Firmament eine herrliche Sonne
gestellt, deren Strahlen die heilsamste Kraft in der Sternlilie erwecken –
die so heilsam ist, daß ihre Kraft so weit reicht wie der Strahl der Sonne.
Und so hat der große Meister das Firmament geteilt mit jenem lichten, weißen
Band, welches uns, wenn die Sonne untergegangen ist, die Nacht so lieblich
erhellt, daß sie uns fast so angenehm ist wie der Tag und wir von den
kräftigen Strahlen dieses Bandes auch zur Nachtzeit gestärkt werden. Ebenso
hat der große Werkmeister neben diesem Band auch gesetzt sieben große
Leuchten, davon stets mehrere uns zur Nachtzeit, ja selbst zur vollen
Schattenzeit, abwechselnd ergötzen. [Sa.01_041,12] Ja, also hat der Große
Geist überaus wohltätig und gnädigst gesorgt für uns alle. Und wir hier auf
den Bergen haben allzeit erfahren, daß es so ist, indem wir nie von einer
Krankheit heimgesucht werden. – So aber jemand stirbt, dann stirbt er niemals
an einer oder der andern Krankheit, sondern allzeit nur zufolge seines
vollkommen reif gewordenen Geistes, der ewig nimmerdar stirbt, sondern lebt
fort und fort. Von diesem Fortleben sind wir Zeugen. Und zu jeder Stunde
können wir vor eurem Angesichte es erweisen, daß es also ist, wie ich es euch
kundgebe. [Sa.01_041,13] Darum ist es aber auch
eine große Torheit, sich ein Mittel für ewiges Leben verschaffen zu wollen
von einem Menschen, dessen Augen voll Truges sind, da er selbst ferne ist vom
Leben des ewigen Geistes – die Mittel aber, die uns der Große Geist
allenthalben so reichlich darbietet, als unzulänglich zu betrachten und sie
daher auch nicht nach seinem Willen zu gebrauchen. [Sa.01_041,14] Ich sage euch aber,
liebe Brüder aus der Tiefe, suchet fürder nicht mehr bei den Quacksalbern das
Heil, sondern suchet dasselbe allezeit ernstlich in dem Willen des Großen
Geistes, so werdet ihr gesund verbleiben bis zur Vollreife des Geistes! [Sa.01_041,15] Wenn aber dieser
vollreif wird, d.h. vollkommen ein Herr des Lebens aus dem Willen des Großen
Geistes, dann werdet ihr nimmerdar einen Tod schmecken, sondern ihr werdet
mit dem klarsten und vollsten Bewußtsein frei aus eurem Fleische und Blute
treten können ohne Schmerzen und werdet unter großer Dankbarkeit gegen den
Großen Geist dieses schwere Gewand von Fleisch, Blut und Knochen ablegen.“ [Sa.01_041,16] Nach dieser Belehrung
werden solche Mittelsucher auch wieder gesegnet entlassen und kehren dann mit
der viel besseren Lebensarznei in ihre Heimat. [Sa.01_041,17] In manchen Orten der
Ebenen und Täler, besonders an den Seen und Flüssen, gibt es auch eine Art
Heiden, die den weißen Ring am Firmament für die Gottheit halten; einige aber
für den Weg des Großen Geistes, auf welchem dieser umhergehe und über
denselben hinab zur Welt schaue, was da die Menschen machen. Solche
Halbheiden ziehen auch öfter auf die Berge, in der Meinung, daß sie dadurch
diesem weißen Ring ganz nahe oder vielleicht gar wohl bis zum Ringe selbst
kommen würden. [Sa.01_041,18] Gegen solche Wanderer
haben die Gebirgsbewohner auch die Liebespflicht, sie auf den rechten Weg zu
führen und ihnen zu zeigen, was der Ring und was die Monde sind und welche
Bestimmung alles dieses hat. Dies bewirken sie dadurch, daß sie durch ihren
festen Willen solche Verirrte in eine Art hellsehenden Zustand versetzen, in
welchem sie den Ring und die Monde, wie ihr zu sagen pflegt, von A bis Z zu
beschauen vermögen. [Sa.01_041,19] Haben sie (die Heiden)
solches erlebt, dann erkennen sie zumeist an sich selbst, wie irrig sie daran
waren. Sodann aber werden sie erst liebevoll, dabei aber auch weise-ernstlich
in der wahren Erkenntnis des Großen Geistes und dessen Willens unterrichtet
und wird ihnen freigestellt, ob sie ihr ferneres Leben auf der Höhe oder in
den Tälern und Ebenen wie zuvor zubringen wollen. [Sa.01_041,20] Entschließen sie sich
für die Berge, so wird alsbald für sie um eine Wohnung gesorgt. – Haben sie
aber Vorliebe für die Tiefen, dann werden sie gesegnet, mit Speise und Trank
versehen und im Namen des Großen Geistes entlassen. [Sa.01_041,21] Jedoch solange jemand
seinen Irrtum nicht fahren läßt, darf er sich durchaus keine Hoffnung machen,
daß er aus den kräftigen Händen der Gebirgsbewohner kommt. Wenn da mancher
widerspenstigen Geistes ist und eigenmächtig entweichen oder gar jemandem ein
Leid zufügen will, dann ist auch alsbald ein anfangs drohender – hilft das
nicht, dann aber auch ein wirklich strafender Engelsgeist bei der Hand, der
einem solchen Widerspenstigen mit den einfachsten Mitteln begreiflich macht,
wie wenig er mit seinem Trotze ausrichten wird. – Nach einer solchen
Belehrung bessert sich ein solcher Widerspenstiger fast allezeit. Beharrt er
aber in seinem Eigensinn, so geschieht es, daß er von einem solchen
Strafengel entweder mit großen Leibesschmerzen, bei einem außerordentlichen
Falle aber auch mit der körperlichen Vernichtung bestraft wird. Diese Strafe
bewirkt, daß er gar lange als ein Wächter der Nacht und aller Kälte wird
verbleiben müssen. [Sa.01_041,22] Das Folgende nun ist
eine der wichtigsten Hausregeln für die Gebirgsbewohner: Wenn es bei einer
Familie mehr männliche als weibliche Personen gibt – so steht es der
männlichen Überzahl frei, bei einem oder dem andern Nachbarn ein Weib zu
suchen. Findet er da keines, so kann er darum in die Tiefe gehen. Findet er
auch da nichts, so kann er sich auf weitere Reisen begeben. Und so geschieht
es manchmal, daß ein Bräutigam auf einem zweiten, dritten oder vierten
Kontinentlande ein Weib sucht. [Sa.01_041,23] Hat er dort das Weib
bekommen, was gewöhnlich allzeit ohne Widerrede geschieht, sobald irgendwo
die Frauen die Männerzahl überragt – so steht es ihm frei, dort zu
verbleiben, wo er das Weib genommen hat, was meist zu geschehen pflegt. Oder
er kann auch mit dem Weibe in seine Heimat zurückziehen, jedoch mit der
Verpflichtung, alle drei Jahre das Stammhaus seines Weibes zu besuchen, und
das so lange fort, wie ihre Eltern leben. Sterben aber diese einmal, so hört
diese Verpflichtung auf. [Sa.01_041,24] Ist aber bei einer
Familie die Weiberzahl größer als die männliche, dann wird solches durch
einen, zwei oder drei Boten mehreren nachbarlichen Familien angezeigt; bei
welcher Gelegenheit dann gewöhnlich ein oder mehrere Brautwerber
zusammenkommen. [Sa.01_041,25] Der Älteste beruft dann
den Geist (des Lichtes), daß er ihm den Willen des Großen Geistes anzeigen
möchte, welcher da der Würdigste unter ihnen ist. Solches geschieht auch
augenblicklich. Und der Bezeichnete führt dann nach der euch schon bekannten
Verehelichung die Braut nach Hause. [Sa.01_041,26] Sind mehrere
heiratsfähige Frauen bei einer Familie überzählig vorhanden und kommt nur ein
Brautwerber, so wird vom Ältesten der Geist gerufen, um diejenige anzuzeigen,
welche des Mannes am würdigsten ist. Darauf erfolgt wieder die schon bekannte
Verehelichung, und der Bräutigam führt seine ihm angetraute Braut nach Hause. [Sa.01_041,27] Sind aber eine gleiche
Anzahl heiratbarer Weiber wie Brautwerber vorhanden, dann steht jedem Werber
das Wahlrecht zu. Wenn er gewählt hat und auch die andern desgleichen getan
haben, muß solches sogleich dem Ältesten angezeigt werden. Dieser beratet sich
dann mit dem gerufenen Geiste darüber, ob die Wahlen gerecht sind vor dem
Großen Geiste und Ihm wohlgefällig. Wird dies bestätigt, so wird alsbald die
Verehelichung ohne Anstand vorgenommen. – Wird aber vom Geiste solche Wahl
nicht gebilligt, dann wird vom Ältesten der Geist im Namen des Großen Geistes
gebeten, die rechte Wahl anzuzeigen, welches auch augenblicklich geschieht
und in welche neue Wahl auch die Brautleute mit großer Dankbarkeit ihrer
Herzen einwilligen. Die Folge davon ist die sogleich stattfindende
Verehelichung, auf welche dann jeder Bräutigam seine Braut nach Hause führen
kann – es versteht sich von selbst, nach allen bei der Verehelichung üblichen
Freundschaftssitten und Gebräuchen, die euch schon bekanntgegeben worden
sind. [Sa.01_041,28] Neben diesen Hausregeln
gibt es zwar noch einige unbedeutende hauswirtschaftliche, welche wir aber
übergehen wollen, da sie für euch von keinem nützlichen und denkwürdigen
Belange sind. Und so wollen wir uns fürs nächste Mal zur Religion wenden. 42. Kapitel –
Die innerlich-geistige Religion der Saturnmenschen. Bedeutung der Siebenzahl.
Sonntagsfeier. Neugeborenenweihe. Tempelmahl. Ältestenpredigt, unterstützt
durch geistige Schauung. Weisheit der Saturnmenschen.
[Sa.01_042,01] Was die Religion betrifft,
so hat diese sehr wenig äußeres Zeremoniengepräge, aber desto mehr ist sie
innerlich und geistig. [Sa.01_042,02] Das Zeremonielle
besteht, wie ihr schon wißt, in einem wohlgeordneten, lebendigen Tempel, in
welchem in allen wichtigen Angelegenheiten dem Großen Geiste Dank und Bitte
dargebracht wird. [Sa.01_042,03] Im übrigen gelten auch
bei den Saturnbewohnern die Zahlen sieben, einundzwanzig, und so fort nahezu
alle Zahlen, welche mit sieben ohne Rest teilbar sind, für geheiligte Zahlen.
Und so wird auch dort ein Zeitraum von sieben Tagen mit eben dem siebenten
Tage, der darum auch bei ihnen ein Feiertag ist, beschlossen. [Sa.01_042,04] Die Haltung dieses
Feiertages bildet den zweiten zeremoniellen Teil, da findet auch alle
religiöse Zeremonie des Feiertags statt. [Sa.01_042,05] Die Zeremonie der
ersten Art ist euch ohnehin schon bekannt. Die Zeremonie des Feiertags aber
besteht darin, daß fast sämtliche Familienglieder frühmorgens schon vor dem
Aufgang der Sonne in den Tempel ziehen, voraus die Männer und nach ihnen die
Weiber. In dem Tempel stellen sich die Männer auf die rechte und die Weiber
auf die linke Seite desselben. Allda wird dem Großen Geiste unter Vorbetung
des Ältesten bis zum Aufgang der Sonne ein Lob dargebracht und wird Ihm
gedankt für alle empfangenen Wohltaten. Dieses geschieht allzeit mit der
größten Rührung der Herzen. [Sa.01_042,06] Wenn die Sonne aufgeht,
begibt sich alles aus dem Tempel und erfreut sich da durch den Anblick des
werdenden Tages und der weitgedehnten, überaus schönen Gegenden dieses
Weltkörpers. Wenn dann die Sonne schon ziemlich hoch über dem Horizont steht,
wird wieder in den Tempel gegangen und dem Großen Geiste gedankt für die
Wiedergabe des Tages. [Sa.01_042,07] Und so jemand ein
neugeborenes Kind hat, muß er es an die Grenze des Heiligtums bringen. Da
legt der Älteste dem Kinde die Hände auf und spricht über dasselbe folgende
Worte: [Sa.01_042,08] „Also wie du, ein
schwacher und in allen deinen Kräften gebundener Gast, in diese Welt kamst
nach dem Willen des Großen Geistes, der da ist heilig, überheilig, mächtig
über alle Macht, kräftig über alle Kraft und überaus treu und standhaft in
jeglichem seiner Worte und in aller seiner Verheißung und ist der alleinige,
vollkommene, allerhöchste Herr über alle Dinge, die da erfüllen diese Erde
und das ganze unendliche Firmament, darum da sein Wille ist wie Er selbst
heilig und überheilig – also sollst du auch
leben auf dieser Welt bis an dein Ende vollkommen dem Willen dessen
gemäß, durch den du in diese Welt gekommen bist, um dann als ein Mann (oder
bei einem Mädchen: als ein treues Weib) in aller wahrhaften Würde und
Erhabenheit der vollkommenen Tugend aus ihr zu treten! [Sa.01_042,09] Darum segne ich dich
hier im Heiligtum im Namen des Großen Geistes, der dich, deine Eltern und
mich erschaffen und gesegnet hat. Wachse auf in diesem Segen und vermehre ihn
in dir durch die genaueste Befolgung des allerheiligsten und des
allerhöchsten Willens! Solches geschehe allzeit, jetzt und ewig! [Sa.01_042,10] Wie du aber klein bist
jetzt, also bleibe fortwährend klein vor dem Großen Geiste, vor uns, deinen
Vätern und Brüdern, und vor dir selbst! Auch solches geschehe allzeit in
diesem und in jenem Leben! Amen.“ [Sa.01_042,11] Nach diesen Worten
haucht der Älteste das Kind an und läßt es von seinen Eltern segnen und dann
nach Hause tragen. – Solche Eltern sind an einem solchen Feiertage nicht mehr
verpflichtet, in den Tempel zurückzukehren, sondern können daheim ihr nun
gesegnetes Kind pflegen. Wollen sie aber dessenungeachtet im Tempel
verbleiben, so können sie es auch tun. [Sa.01_042,12] Ist aber kein
neugeborenes Kind da, so wird statt dieser Kindersegnung sogleich zum
Morgenmahle im Tempel geschritten, welches die Saturnbewohner, wie das
Mittag- und Abendmahl, gleich in der Frühe, wenn sie sich in den Tempel
begeben, in gerechtem Maße reichlich mitnehmen. Es versteht sich von selbst,
daß da allzeit vor und nach dem Essen dem Großen Geiste ein Dank dargebracht
wird. [Sa.01_042,13] Nach dem Morgenmahle
besteigt dann der Älteste den euch schon bekannten Predigeraltar und hält da
eine Anrede an das mäßig große Familienvölklein, welches auf den Bergen
höchst selten die Zahl hundert übersteigt – in den Tiefen gibt es manchmal
auch Tausende. [Sa.01_042,14] Was trägt denn da nun
der Redner seinen Zuhörern vor? – Seht, da ist er nie verlegen, sondern sein
ihm bei solchen, wie auch andern Gelegenheiten allzeit beistehender Geist
legt es ihm in den Mund, was er zu reden hat. [Sa.01_042,15] Gewöhnlich erstrecken
sich solche Vorträge auf die wunderbaren Führungen des Großen Geistes, wie
dieser das menschliche Geschlecht von seinem Urbeginne an auf diesen
Weltkörper gesetzt und bis auf den gegenwärtigen Zeitpunkt nach Seinem
weisesten heiligen Willen geführt hat. Bei dieser Gelegenheit erzählt der Älteste
oft eine oder die andere Geschichte aus der Vorzeit. Manches Mal erklärt er
ihnen die Beschaffenheit ihrer Welt; manches Mal wieder die des Ringes oder
der Monde. Ein anderes Mal nimmt er bald dieses oder ein anderes Gestirn und
zeigt den Zuhörern die Führungen des allmächtigen Großen Geistes dort, bei
welcher Gelegenheit er auch dann und wann diese Erde erwähnt. [Sa.01_042,16] Wenn aber die Rede von
dieser Erde ist, dann fallen augenblicklich alle Zuhörer auf ihre Angesichter
nieder. Aber nicht etwa aus Ehrfurcht vor diesem Planeten, sondern darum,
weil sie etwas von der unendlichen Liebe des Großen Geistes hören. Denn die
Liebe des Großen Geistes, und daß Er von den Bewohnern dieser Erde Vater
benannt und gerufen wird, ist für die Saturnbewohner etwas so unnennbar
Heiliges, daß sie darob allzeit in einen Fieberschauer verfallen; besonders
wenn sie der Älteste noch dazu der Undankbarkeit der Bewohner dieses Planeten
erinnert. [Sa.01_042,17] Bei einer andern
Gelegenheit gibt er ihnen wieder Aufschlüsse über die geistige Welt und über
das Leben in den Himmeln. [Sa.01_042,18] Nach jeder solchen
Predigt, besonders wenn der Älteste von der Beschaffenheit ihrer Welt, des
Ringes, der Monde und anderer Planetengestirne spricht, versetzt er seine
Zuhörer – mitunter bald mehrere, bald wenigere – in die innere Anschauung,
wodurch sie dann alles dieses so anschauen können, als wären sie überall
leibhaftig gegenwärtig. [Sa.01_042,19] Daher kommt es, daß die
Saturnbewohner, namentlich die Bewohner der Gebirge, überaus weise und mit
vielen Kenntnissen bereicherte Menschen sind. Ja es dürfte wohl einem größten
eurer Gelehrten sehr übel zu Mute werden, wenn er sich mit einem
allergeringsten Saturnmenschen wollte in einen wissenschaftlichen Kampf
einlassen. [Sa.01_042,20] Denn fürs erste kennen
sie nicht nur ihren Weltkörper, soweit es ihnen notwendig und nützlich ist,
nahezu mikroskopisch genau, sondern ihnen sind auch fremde Weltkörper
bekannter als euch die Inseln des Meeres auf eurer Erde. – Fürs zweite sind
die Saturnbewohner sind nicht nur in der Geschichte ihrer Welt, sondern auch
in der Geschichte mehrerer anderer Welten gar wohl bewandert. [Sa.01_042,21] Ebenso ist ihnen keine
Sprache fremd, weshalb sie auch die Geister, sie mögen kommen von welchem
Weltkörper sie wollen, augenblicklich verstehen (obgleich jeder Geist mehr
oder weniger die Spracheigentümlichkeiten derjenigen Welt mit hinübernimmt,
auf welcher er im Leibe gewandelt ist). – Es ist dies ein Sprachverständnis,
das z.B. bei den Geistern eurer Erde so lange nicht vorhanden ist, bis sie
völlig im Geiste wiedergeboren und für den Himmel geeignet sind. [Sa.01_042,22] Es geschieht öfter, daß
Geister dieser Erde mit den Geistern des Saturn nach dem Tode zusammenkommen,
besonders wenn sie danach ein Verlangen haben. Dann verstehen die
Saturngeister die Geister dieser Erde augenblicklich. Umgekehrt aber ist
solches gar selten, bei unreiferen Geistern schon gar nie der Fall. Auch
sehen die Geister dieser Erde die Geister des Saturn nicht eher, als bis
diese sich ihnen zeigen wollen. Der Grund dieser Überlegenheit liegt
ebenfalls in der großen und wahren inneren Weisheit der Saturngeister. [Sa.01_042,23] Das sind somit die
Früchte der Vorträge und Belehrungen unseres Predigers im Tempel nach dem
Morgenmahle. 43. Kapitel –
Geistvolle Naturbetrachtung. Verkehr mit Engeln und dem Herrn selbst.
[Sa.01_043,01] Was geschieht denn nach
einer solchen Predigt? [Sa.01_043,02] Das Volk dankt dem
Großen Geiste für die Erleuchtung ihres Ältesten. Der Älteste dankt mit und
segnet alle die Zuhörer nach dem dargebrachten Dankgebete. Sodann gehen alle
wieder aus dem Tempel und machen auf schöne, anmutige Anhöhen
gemeinschaftliche Lustwandlungen. Hier unterhalten sie sich dann teils mit
dem, was sie in der neuen Predigt vernommen haben, teils aber auch mit
allerlei Betrachtungen über einen oder den anderen Naturgegenstand, der ihnen
auffällt und es beseelt da alle eine große Freundlichkeit und gegenseitig
ermunternde wirkliche Teilnahme in allem, was einer oder der andere findet
und zum bewundernden Lobe des Großen Geistes darüber bald dieses, bald jenes
sagt. [Sa.01_043,03] So macht z.B. einer den
andern auf den Bau einer Blume aufmerksam, einer wieder auf die Bewegung
eines Wölkchens, der dritte wieder auf ein oder das andere Tierchen oder auf
den Flug eines Vogels. Wieder ein anderer vernimmt zuerst irgendeinen
singenden Vogel und macht seine Nachbarn darauf aufmerksam, oder mancher
entdeckt irgendwo den Schimmer eines ferne gelegenen Sees oder Flusses. Und
so gibt es zahllose Gegenstände, bei welchen die Saturnbewohner bei solcher
Gelegenheit mit ihrer Aufmerksamkeit verweilen und dabei nahe also ausrufen,
wie einst der Mann nach Meinem Herzen, so er Meine Werke betrachtete. [Sa.01_043,04] Ja, hier sage Ich auch
euch: Wer Meine Werke mit solchen Augen betrachtet und derselben achtet, der
hat sicher allzeit eine große Lust daran. Wer sie aber nur mit kritischen und
gelehrten Augen betrachtet, der täte besser, wenn er liegen bliebe auf seinem
Lotterbette, als daß er mit ungeweihten, entheiligenden Augen hinausstäche in
Meine Werke, so wie eine Gallfliege in eine euch bekannte Frucht der Eiche
sticht, um da ihre verderbliche Brut hineinzulegen. Diese Frucht, wenn sie zu
ihrer schlechten Reife gekommen ist, ist zu nichts anderem tauglich als zur
Bereitung eines schwarzen Saftes, der zum Schwärzen jeder weißen und lichten
Fläche, aber nimmer zu irgendeiner Reinigung dessen verwendet werden kann,
was schmutzig oder gar schwarz geworden ist. [Sa.01_043,05] Doch lassen wir dergleichen
und gehen wieder zu unseren lustwandelnden Saturnbewohnern über! – Wie lange
dauert denn diese Lustwandlung? – Bis zur Mitte des Tages. Dann begibt sich
alles wieder in die Vorhöfe des Tempels. Allda wird dem Großen Geiste wieder
ein Dank dargebracht und nach diesem in den Vorhöfen das Mittagmahl
eingenommen. [Sa.01_043,06] Ist solches vorüber,
wird wieder gedankt und daselbst geblieben. Einige lustwandeln in den schönen
Gängen um den Tempel und ergötzen sich an der mannigfaltigen Pracht der herrlichen
Blumen, welche in schönen Beeten reichlichst in diesen weiten Vorhöfen und
Gängen des Tempels angepflanzt sind. Die Weiber liebkosen ihre Männer und
Kinder und erzählen ihnen mit den lieblichsten Stimmen, was sie alles von der
Predigt des Ältesten wie auch bei der Lustwandlung Gutes und Wahres, Schönes
und Erhabenes vernommen haben. [Sa.01_043,07] Manches Mal gesellen
sich bei solcher Gelegenheit sogar Geister und Engel zu ihnen und besprechen
sich mit jedermann über verschiedenes, was den Herrn betrifft. [Sa.01_043,08] Ja manches Mal
erscheint ihnen bei solchen Gelegenheiten sogar der Herr selbst, zumeist in
der Gestalt eines Engels. Solange Er unter ihnen ist und sich bald mit einem,
bald mit dem andern bespricht, weiß nicht einmal der Älteste, daß es der Herr
ist. Erst wenn Er eine solche Gesellschaft wieder der Sichtbarkeit nach
verlassen will, gibt Er sich zu erkennen. Alsdann aber verschwindet Er auch
augenblicklich. Denn die Saturnbewohner würden einen längeren, erkannten
Aufenthalt des Herrn nicht ertragen, da ihre Achtung vor Ihm so übergroß ist,
daß nicht einer wagte, seinen Namen aufrechtstehend auszusprechen – wodurch
das Gebot (das ihnen zwar nicht buchstäblich gegeben ist): „Du sollst den
Namen Gottes nicht eitel nennen!“ auf das allerpünktlichste, genaueste und
heiligste beachtet wird. [Sa.01_043,09] Wie lange dauert denn
eine solche Vorhof-Aussprache? – Bis zum Sonnenuntergang. – Darauf begibt
sich alles wieder in den Tempel, lobpreiset und lobsinget da dem Großen
Geiste. [Sa.01_043,10] Nun besteigt der
Älteste wieder den Predigeraltar, macht sie aufmerksam auf alle die großen
Wohltaten dieses Tages, segnet sie – und die Zeremonie des Feiertages ist zu
Ende. Danach begibt sich alles wieder dankbar und fröhlich nach Hause. [Sa.01_043,11] Ist vom Mittagsmahl
etwas übriggeblieben, wird es noch im Tempel gehörig brüderlich verteilt und
dankbar verzehrt. Ist aber nichts übriggeblieben, dann wird auch wohl daheim
das Abendmahl eingenommen. Darauf wird dem Herrn noch ein allgemeiner Dank
dargebracht, und der Feiertag ist vorüber – mit ihm auch alle Zeremonie,
welche wirklich in nichts anderem besteht als in dem, was ihr soeben
vernommen habt. [Sa.01_043,12] Und somit sind auch wir
für heute fertig. – Nächstens den geistigen Teil! 44. Kapitel –
Geistiger Teil der Saturnreligion. Geistige Wiedergeburt durch Lehre und
Übung.
[Sa.01_044,01] Nachdem wir den
zeremoniellen Teil der Religion unserer Saturnmenschen kennengelernt haben,
wollen wir, wie schon bestimmt, uns nun zu dem geistigen Teile der Religion
wenden. [Sa.01_044,02] Wenn ihr das
Zeremonielle hinreichend betrachtet habt, müßt ihr euch gewiß schon gesagt
haben: Diese Zeremonie, bei welcher die Engelsgeister der Himmel, ja nicht
selten der Herr selbst sich sichtbar darstellen und mit den Menschen
unterreden, ist ohnehin schon so geistig wie nur immer möglich. Wo soll da
noch etwas Geistigeres stecken? [Sa.01_044,03] Ich aber sage: Lasset
es nur gut sein! Die Folge wird euch lehren, wie sich in dem Geistigen immer
etwas noch Geistigeres aufhalten kann. [Sa.01_044,04] Damit ihr solches aber
im voraus nur einigermaßen als möglich begreifen könnt, will Ich euch durch
ein naturmäßiges Beispiel zeigen, wie solches gar wohl möglich ist. [Sa.01_044,05] Nehmet z.B. ein Gefäß
voll recht guten Weines! – Wer von euch wird da nicht alsbald begreifen und
ganz tüchtig verspüren, daß dieser Wein sehr, ja ganz außerordentlich geistig
ist!? - Hat aber darum der Wein nichts mehr in sich, das noch urgeistiger
wäre als eben der Wein selbst? – Ihr dürftet darob nur den nächstbesten
Apotheker fragen, der wird es euch sagen: Aus diesem Wein läßt sich im Wege
der Destillation der herrlichste Weinäther gewinnen, und dieser Äther selbst
läßt sich noch einigemal rektifizieren, so daß der Geist am Ende also
flüchtig wird, daß ein Tropfen, wenn er vom Äthergefäß ausgeschüttet wird,
sich bei einem nur eine halbe Klafter hohen Fall schon völlig verflüchtigt,
ehe er den Boden erreicht. Nun, merket ihr nicht, ein wie vielfach
geistigeres Geistiges da enthalten ist in dem ohnehin schon überaus geistigen
Weine? [Sa.01_044,06] Seht, wenn solches
schon sich kündet in der sichtbaren Natur, um wieviel mehr wird es sich dann
erst offenbaren in allem dem, was ganz eigentümlich des Geistes selbst ist. [Sa.01_044,07] Ebenso verhält es sich
ja auch z.B. mit dem Licht. – Ihr seht die Erde erleuchtet durch die Strahlen
der Sonne. Seht ihr in diesen Strahlen auch die belebende Kraft und die
zahllosen Formen alle, welche samt und sämtlich zahllos im Lichte vorhanden
sind? Nein, ihr merket nicht einmal die einfach wirkende Kraft des Strahles.
Und gar viele wissen es nicht anders denn also, wie sie es täglich erfahren,
daß nämlich der Strahl keiner höheren Erwärmungswirkung fähig ist als
derjenigen nur, die er tagtäglich äußert. [Sa.01_044,08] Was würde aber ein
solcher Betrachter sagen, so er die Wirkung der Strahlen schauen würde, wenn
sie durch einen großen Brennspiegel auf einen Punkt konzentriert werden und
sodann eine solche Kraft äußern, die sogar imstande ist, einen allerhärtesten
Diamanten plötzlich aufzulösen?! – Ja, ein solcher Laie in der höheren
Wirkung der Lichtstrahlen wird da die Hände über dem Kopf zusammenschlagen
und sagen: Wer hätte sich so etwas wohl je träumen lassen, daß hinter den uns
täglich sanft erwärmenden Sonnenstrahlen eine solch unbegreiflich heftige
Kraft verborgen sein könnte!? [Sa.01_044,09] Also geht es auch hier
bei dem euch schon bekannten zeremoniellen Religionskultus unserer
Saturnbewohner! – Wenn auch der zeremonielle Teil schon an und für sich ganz
und gar geistig aussieht, so gibt es dennoch in der Religion der
Saturnmenschen einen ganz außerordentlich starken „Äther“ und in der
Vereinigung seiner lieblichen Lichtstrahlen eine für euch kaum begreiflich
starke innere Wirkung. Und somit können wir die Frage aufstellen und sagen:
Worin besteht denn sonach in diesem Geistigen das eigentliche Geistige? [Sa.01_044,10] Das eigentliche
Geistige in diesem euch schon bekannten Geistigen liegt in der lebendigen
inneren Erkenntnis des Großen Geistes sowie aller der Stufen und ordnungsmäßigen
Beziehungen und Verhältnisse, welche den freien Menschen mit den Himmeln und
dem Großen Geiste selbst und also auch umgekehrt allerengst und innigst
verbinden. [Sa.01_044,11] Wie erkennen demnach
diese Menschen den Großen Geist? – Die Menschen werden zuerst durch äußere
Belehrung, durch Worte des Lehrers über Ihn (d.h. über das Wesen Gottes)
unterrichtet. – Dann werden sie hingeleitet zur Erkenntnis des Willens des
Großen Geistes und sodann zur Ausübung des erkannten Willens. [Sa.01_044,12] Sehet diese Belehrung
ist noch alles der äußerliche Religionskultus, welcher da ist der Weg ins
innere, geistige, wahre Leben. Es ist an und für sich schon ein „geistiger
Wein“ und das „nicht-konzentrierte Licht der Sonne“. [Sa.01_044,13] Die tätige Ausübung des
erkannten Willens des Großen Geistes aber gleicht danach der „Destillation“
und „Rektifikation“ eines Apothekers und gleicht noch ferner dem
„Konzentrieren“ der Sonnenstrahlen mittels eines großen Brennglases. Oder mit
andern Worten gesagt: Es ist die eigentliche, selbständig tätige Freiwerdung
des eigentlichen urgeistigen Wesens von der umgebenden Materie. [Sa.01_044,14] Durchschaut ihr jetzt
schon ein wenig, worin der eigentliche geistige Religionskultus unserer
Saturnbewohner besteht? – Ich werde euch nur ein Wort sagen, und dieses Wort
wird euch auf einmal die Kammer des Lichtes eröffnen. – Dieses einzige Wort
heißt: Die Wiedergeburt des Geistes! [Sa.01_044,15] Sehet, diese muß bei
den Saturnmenschen ebensogut erfolgen wie bei euch. Ohne diese vermag ein
Saturnbewohner sowenig wie ihr zu begreifen, was da ist des Geistes und aller
der Verhältnisse und Beziehungen zwischen ihm, den Himmeln und dem Großen
Geiste. [Sa.01_044,16] Es genügt für die
Wiedergeburt des Geistes durchaus nicht, so da jemand allein das Vermögen
hätte, Geister zu schauen, so, wie es bei euch auf Erden nicht selten der
Fall ist, daß so manche Menschen dergleichen sie allzeit ängstigende und
erschreckende Erscheinungen erschauen, davon aber dennoch nichts mehr
begreifen und erfassen als ein Stockblinder von den Farben des Regenbogens.
Sondern zur vollen oder wahren Wiedergeburt gehört nicht so sehr diese
Hellsichtigkeit, als vielmehr die Bestimmtheit in jeder Handlung, d. h. daß
sie so gestaltet ist, wie sie von Uranbeginn begründet wurde in aller
göttlichen Ordnung und Weisheit. [Sa.01_044,17] Wie und wann kann aber
solches stattfinden? – Solches kann nur also und dann stattfinden, wenn der
Geist durch die genaue Befolgung der vorgeschriebenen Wege Gottes sich zuerst
aus der Materie rektifiziert, dann in einem Brennpunkt sich selbst
wiedergefunden und endlich als ein solches nun in sich selbst bestehendes
vollkommenes Ganzes oder als eine vollkommene Einheit hinausgetreten ist aus
aller Sinnlichkeit der Materie und da seine neuen geistigen Sinne ganz
entschieden und vollkommen geöffnet hat für die Eindrücke und Verhältnisse
derjenigen Welt, von welcher er selbst ein ureigentümlicher Bewohner ist. [Sa.01_044,18] Hat der Mensch diese
Stufe erreicht, dann beginnt in seinem ganzen Wesen eine andere Tätigkeit zu
wirken. Sein Schauen wird ein anderes; sein Hören ein anderes, sein Fühlen,
sein Empfinden ein anderes. Alle seine Gedanken werden zu Formen, die er
schaut, und sein Wille wird zur vollbrachten Tat. Seine Worte werden bestimmt
und einen sich mit dem Gedanken und mit dem Willen. Der Raum hat mit ihm
nichts mehr zu schaffen, und der Zeitenlauf hat ihm die letzte Minute
gezeigt. Denn im freien geistigen Sein hört, sieht, fühlt, empfindet, denkt,
will, handelt und spricht er über Zeit und Raum hinaus, d. h. für ihn gibt es
nur eine Gegenwart, in welcher sich eine ewige Vergangenheit und eine ewige
Zukunft freundlichst die Hände bieten. Und seinem Auge ist ein der
Sinnlichkeit nach endlos fernes Dinge so nahe, wie sein eigener Gedanke. [Sa.01_044,19] Seht, nach diesem
geistigen Zustand trachtet ein jeder Saturnbewohner aus allen seinen Kräften;
erreicht aber denselben nicht eher, als bis er in sich alle Bedingungen des
Lebens vollkommen erfüllt hat. [Sa.01_044,20] Zu der vollkommenen Erfüllung
aber ist nicht nur die Notzüchtigung der eigenen Natur genügend, sondern alle
diese ihm bekannten Bedingungen des Lebens müssen ihm zu einer ganz
persönlichen Fertigkeit werden. [Sa.01_044,21] Erst wenn er in allem
dem ein vollkommener Meister geworden ist, wird er in sich selbst frei, und
alle seine Lebenskraft wird vereint ausgeboren aus aller seiner Sinnlichkeit.
Wenn eine solche Ausgeburt geschehen ist, dann ist auch bei ihm das
eingetreten, was euch schon bekannt ist unter dem Ausdruck der „Wiedergeburt
des Geistes“. [Sa.01_044,22] Demnach ist die
treulich fortgesetzte Übung in allen den Bedingungen des Lebens eben das, was
den geistigen Teil der Religion bei unseren Saturnbewohnern betrifft. 45. Kapitel –
Näheres über den Weg zur Wiedergeburt und Einswerdung mit Gott.
[Sa.01_045,01] Versteht ihr jetzt
schon ein wenig besser, was der geistige Religionskult bei den
Saturnbewohnern ist und wie gar wohl er sich unterscheidet von dem
zeremoniellen? [Sa.01_045,02] Seht, so ist hinter der
geistigen Zeremonie der Dienst des Geistes gar wohl verborgen, der ein
unausgesetzter ist – während die Zeremonie nur in gewissen Zeiträumen
aufeinander folgt. [Sa.01_045,03] Da aber eben dieser
Teil des Religionskultes unserer Saturnbewohner für euch selbst von der größten
Wichtigkeit ist, so will Ich euch noch ein anschauliches Beispiel geben,
durch welches ihr diese beiden Religionsarten recht klar voneinander werdet
unterscheiden können. [Sa.01_045,04] Nehmet z.B. einen
Schüler, der sich eine oder die andere Kunstfertigkeit zu eigen machen
möchte! Nehmen wir z.B. an, er möchte in der Tonkunst ein vollkommener
Virtuose werden. Was werdet ihr mit ihm sofort anfangen, wenn er zu euch
käme? Ihr werdet seine Fähigkeiten prüfen, werdet ihn dann an eine
wohlgeordnete Schule verweisen und ihm dabei die Bedingungen vorschreiben und
sagen: „Wenn du diese Bedingungen vollkommen erfüllst, wirst du ohne Zweifel
ein Virtuose. Erfüllst du sie aber nicht, so kann aus dir wohl ein Stümper,
aber nie ein vollkommener Virtuose werden!“ [Sa.01_045,05] Was wird nun der
Schüler, dem es um die Virtuosität ernst ist, tun? – Er wird sogleich allen
äußeren Fleiß in Verbindung seines innern Wollens anwenden, wird tagtäglich
seine vorgeschriebenen fünf, sechs oder sieben Stunden üben, wird die Schule
von A bis Z durchmachen und wird keine anderen Übungen vornehmen als
diejenigen nur, welche ihr ihm zur Erreichung seines Zweckes vorgeschrieben
habt. – Wenn der Schüler auf diese Art sich mehrere Jahre hindurch
ausgebildet hat, werdet ihr ihm auch das erfreuliche Zeugnis geben, daß er
nun als ein ganz vollkommener Künstler dasteht, nachdem er sich auf seinem
Instrument mechanisch und geistig in jedem Grad der Fertigkeit bewegen kann. [Sa.01_045,06] Seht, jetzt haben wir
schon, was wir brauchen! – Was war die vorgeschriebene Übung zur Erreichung
der technischen Fertigkeit? – Das war nichts anderes als der wohlgeordnete
zeremonielle Teil seines Kunstkultes. – Hat er sich aber unausgesetzt Tag und
Nacht geübt? – O nein, sondern nur die vorgeschriebene bedingte Zeit
hindurch! [Sa.01_045,07] Wie war aber dabei sein
Streben und sein Wille beschaffen? War dieser auch periodisch eingeteilt? – O
mitnichten! – Sondern dieser war ohne Unterlaß gleich einer guten Triebfeder
in seinem geistigen und naturmäßigen Organismus vorhanden. Und dieser Trieb
ist eben der geistige Kunstkult unseres Tonschülers, durch welchen er ganz
eigentlich das wird, was zu werden er sich zum Ziele gesetzt hat. [Sa.01_045,08] Wenn er nun ein
vollkommener Künstler geworden ist, was lebt er dann für ein Leben? Das des
Schülers sicher nicht, sondern das des freien Meisters! – Wird er aber darum
ein Feind seines früheren Schülerlebens? – O nein, sondern er macht als
großer Meister noch immer – nur mit wahrem, großem Vergnügen – das mit, was er
als Schüler gemacht hat. Er spielt noch immer recht fleißig die Tonleiter und
wiederholt alle andern Übungen, die er als Schüler durchgemacht hat. Aber mit
welchem Unterschied! Was er mühsam, schwerfällig und mit bedeutendem
Kraftaufwand als Schüler getan hat, das tut er jetzt mit großer Leichtigkeit,
Ungezwungenheit, Bestimmtheit und voll der inneren geistigen Bedeutung. [Sa.01_045,09] Als Schüler spielte er
die Skala, wußte aber nicht, was er damit gespielt hat; als Meister erschaut
er nun in derselben Skala zahllose neue Formen, von denen er zuvor keine
Ahnung hatte. – Und so übt er zwar als „wiedergeborener“ Meister ebenfalls
den zeremoniellen Kunstkult aus; aber dieser Kult ist bei ihm ein ganz
anderes Hören, Schauen, Fühlen, Empfinden, Denken und Wollen. Und das ist der
spiritus rectificatissimus und ist die alles materiell Schwerfällige und
Sinnliche auflösende Brennkraft der Strahlen seines Geistes – und ist somit
für sich selbst genommen ein rein geistiger Kultus. [Sa.01_045,10] Übertraget nun dieses
auf das eigentliche Leben des Menschen, sei er jetzt ein Bewohner der Erde,
des Saturn, des Jupiter oder der Sonne – so gibt es für ihn allzeit und
überall diesen zweifachen Gottesdienst, welcher sich so verhält wie der Weg
und das Ziel des Weges. [Sa.01_045,11] Wer den Weg beharrlich
fortwandelt, der erreicht auch das Ziel. So er aber am Ziele ist, wird der
Weg, den er gemacht hat, nicht aus seinem Gedächtnis noch aus seiner
allzeitigen Erinnerung entschwinden, sondern er wird eben am Ziele erst alle
die Wendungen und Beziehungen des Weges vollkommen überschauen in seinem
Geiste. [Sa.01_045,12] Ihr wisset, was unsere
Saturnbewohner zum Hauptziele ihres Weges vorgesteckt haben, nichts anderes
als den Großen Geist selbst, auf daß sie vollkommen eins werden möchten mit
seinem Willen. [Sa.01_045,13] Haben sie dieses Ziel
durch ihre fleißige Übung erreicht, so ist auch der geistige Religionskultus
vollendet, von welchem Zeitpunkt dann der eigentliche Trieb, denselben zu
erreichen, aufhört. An dessen Stelle tritt das große, unerschütterliche
Verlangen, demselben treu zu verbleiben allzeit wie ewig. [Sa.01_045,14] Und dieser überaus
bestimmte und festeste Wunsch ist dann fortwährend der allerinnerste
Gottesdienst von der allervollkommenst geistigen Art eines jeden wiedergeborenen
Saturnbewohners. – Diesen Zustand können dort Menschen jeden Geschlechtes und
jeden Alters erreichen. Und das ist nun auch zugleich alles über den
geistigen Teil der Religion der Saturnbewohner. [Sa.01_045,15] Da wir sonach auf diese
Art alles Notwendige und Denkwürdige auf den Bergen mitgemacht haben, so
wollen wir uns nun auch in aller Kürze ein wenig in der Tiefe umsehen, sodann
einige Blicke auf dieses Planeten Polargegenden wie auf dessen Ring und
dessen sieben Monde richten. Und somit gut für heute! 46. Kapitel –
Die Bewohner der Flachländer. Ihr Bau- und Wohnwesen und ihre mehr weltliche
Gesinnung.
[Sa.01_046,01] Was die Tiefe oder
vielmehr die Flachländer dieses Planeten betrifft, so haben wir bei
verschiedenen Gelegenheiten schon so manches von der Lebensweise der dort
lebenden Saturnbewohner erfahren. Und so wird uns nur noch einiges zu
erwähnen übrigbleiben. [Sa.01_046,02] Eine Art Städte gibt es
auf diesem Planeten nirgends. Dessenungeachtet aber wohnen hier und da,
besonders in der Gegend der kleineren Seen und minder großen Flüsse, die
Familien näher aneinandergerückt als auf den Höhen, und zwar besonders in den
südlichen Teilen einiger Kontinentländer. Nur sind sie da nicht so zahlreich
in einem Wohnhaus beisammen wie auf der Höhe. Denn da besteht eine ganze
Familie gewöhnlich nur aus den beiden Eltern und ihren Kindern. Was die Groß-
oder Ureltern betrifft, so leben diese gewöhnlich für sich mit dem Beibehalt
von einigen Dienst- oder Hilfsgenossen. [Sa.01_046,03] Auch wohnen diese
Menschen selten auf einem oder dem andern euch schon bekannten Wohnbaume,
sondern ihre Wohnungen bestehen zumeist aus einer Art von Zelten, welche aus
übereinandergelehnten Bäumen errichtet sind, und zwar auf folgende Art: Die
Bäume werden rund pyramidenartig zusammengestellt, dann werden sie von der
Erde angefangen bis zur Spitze hinauf in Kreisen mit Latten beschlagen. Diese
Latten werden mit allerlei Laubwerk überdeckt, und das sowohl von außen wie
von innen. Gegen Morgen (Osten) wird ein gehörig geräumiger Ausgang gelassen.
Und so ist das Wohnhaus auch schon fertig. [Sa.01_046,04] Was die Räumlichkeit
betrifft, so faßt ein solches Wohnhaus freilich wohl nicht so viel wie ein
Wohnbaum auf den Bergen. Aber dessenungeachtet ist ein solches Zelthaus noch
immer so geräumig, daß ihr ganz bequem zehn Regimenter eurer Soldaten darin
beherbergen könntet. [Sa.01_046,05] Die innere Einrichtung
ist ebenso gestaltet wie in den lebendigen Wohnhäusern auf der Höhe, nämlich
mit einer abgestumpften, pyramidenartigen Schlaflehne und vor derselben mit
einer runden Erhöhung, welche den Dienst eines Tisches verrichtet. Und darin
besteht auch schon die ganze innere Einrichtung des Wohnhauses. [Sa.01_046,06] Was aber dann die
sonstigen Gerätschaften der Flachlandbewohner, wie Werkzeuge, Speisegefäße,
Kleidungen und Speisevorräte betrifft, so wird all dieses in den sogenannten
Vorratskammern aufbewahrt, welche in der Tiefe ebenso erbaut sind wie auf der
Höhe. [Sa.01_046,07] Die Tempel sind auch
ganz auf die Art erbaut wie auf den Bergen, nur sind sie manchmal bei weitem
kleiner und nicht so erhaben prachtvoll wie auf den Höhen. Auch hat in der
Tiefe nicht jedes einzelne Wohnhaus einen eigenen Tempel, sondern mehrere
Familien haben da nur einen. [Sa.01_046,08] Das wäre somit das Bau-
und Wohnwesen in der Tiefe – bis auf einige Ziergärten, die gewöhnlich ein
Eigentum eines privilegierten Patriarchen sind. Wie diese Gärten geschmückt
sind, ist euch schon bei Gelegenheit der Beschreibung der Schaltiere, und
zwar namentlich der Schnecken, gezeigt worden. Hier und da gibt es in den
Gärten auch Schneckenhäuser, die zur lustigen Bewohnung für die Kinder
eingerichtet werden, wie ihr solches schon zuvor kennengelernt habt. [Sa.01_046,09] Wer in der Tiefe gewöhnlich
der Patriarch ist, ist auch schon gezeigt worden. Denkt nur zurück an das
euch schon bekannte Tier mit dem Schlangenschweife und dem Feuerauge, da wird
sich euch sogleich der Held mit der gewonnenen Haut und dem daraus
verfertigten Mantel als Patriarch aufführen. Daß aber eben dieser
heldenmütige Patriarch (der Tiefe) von dem Großen Geiste bedeutend weniger
angesehen wird als der Patriarch auf den Höhen, läßt sich ohne vieles
Nachdenken sehr leicht begreifen. Auch daß demnach mit einem solchen bemantelten
Patriarchen die Engelsgeister eben nicht sehr und zu häufig sich abgeben,
solches kann ebenfalls ohne vieles Nachdenken begriffen werden. Und daß darob
die Ebenenbewohner viel weltlicher gesinnt sind als die auf den geheiligten
Bergen, auch solches läßt sich wieder ohne vieles Nachdenken begreifen. Sie
sind wohl recht wackere Brüder und Schwestern miteinander, reden oft sehr
weise und halten sich demnach für viel aufgeklärter und gescheiter als die
Bewohner der Gebirge. Allein wenn es ihnen schlecht zu gehen anfängt bei
aller ihrer Weisheit, so machen sie dennoch wallfahrtartige Ausflüge auf die
Berge, wo sie, wie ihr schon wißt, gewöhnlich eines andern belehrt werden. [Sa.01_046,10] Somit gibt es in der
Tiefe auch sehr wenig und sehr selten höhere Offenbarungen, außer bei
denjenigen, welche ganz wahrhaft und treu aus der Schule der Berge
hervorgegangen sind. 47. Kapitel –
Weiteres von den Flachländern. Handel und Gewerbe. Verbannung Unredlicher.
Lebensweise, Ehe, Zeugung, und Begräbnis.
[Sa.01_047,01] In den Tiefen,
besonders an den Seen und großen Flüssen, wird auch mit verschiedenen Sachen
eine Art Tauschhandel getrieben, und zumeist mit solchen, womit sich die
Weiber auf die euch schon bekanntgegebene Art gerne schmücken und zieren. [Sa.01_047,02] Manches Mal wird von
einem oder dem andern Kaufmann sogar an eine Übervorteilung gedacht. Doch
wehe ihm, wenn sein Betrug aufkommt! Da wird er von den Weibern mit allerlei
spitzigen Sachen kreuz und quer zerkratzt. Und wenn er nach einer solchen
Lektion noch einmal auf einem Betrug ertappt wird, so wird alsbald ein Schiff
ausgerüstet und unser Betrüger mit seiner Familie in eine weit entlegene
Gegend gebracht. Da hat er entweder eine bestimmt lange Zeit oder auch, nach
der Größe des zweiten Betruges, für alle Zeiten zu verbleiben – welche Strafe
dort unter dem Namen „Purak“ oder „ewige Verbannung“ bekannt ist. Wer nur auf
eine bestimmte Zeit verbannt ist, der darf bei seiner Abreise mehrere
„Schiffrucht-Körner“ mit sich nehmen, damit er sich in seinem Verbannungsland
aus den Samenkörnern, welche er dort alsbald aussät, ein Schiff bereiten
kann. [Sa.01_047,03] Den zur ewigen
Verbannung Verurteilten wird kein solcher Same mitzunehmen gestattet.
Gewöhnlich geschieht es aber bei diesen Verbannten, daß von ihrem kläglichen
Zustand die Gebirgsbewohner des einen oder andern Landes durch die Geister
Kunde erhalten. Die Gebirgsbewohner begeben sich auf diese Kunde bald an den
Ort solcher Verbannung, nehmen die Verbannten auf, bringen sie auf die Höhen
und machen aus ihnen nicht selten die besten Menschen. [Sa.01_047,04] Sie geben ihnen auch
oft eine oder die andere Wohnung auf den Bergen zum Eigentum. Und es
geschieht dann zuweilen, daß eben diejenigen Tiefenbewohner, welche diese
Menschen zur ewigen Verbannung verdammt haben, auf die Höhe gelangen und da
Schutz, gastfreundlichste Aufnahme und Belehrung in der wahren Religion
finden. Wenn dann solche Aufgenommene ihre Gastfreunde erkennen, setzt es
allzeit eine Verwunderung um die andere ab, wobei die Aufgenommenen nicht
begreifen können, wie diese ihre nunmehrigen Gastfreunde aus ihrer ewigen
Verbannung haben dahin gelangen können. [Sa.01_047,05] Bei dieser Gelegenheit
wird den Verwunderten gar freundlich gezeigt, daß dem Großen Geiste gar viele
Dinge möglich sind, von denen sich bisher die Weisheit der Seebewohner noch
gar entsetzlich wenig hat träumen lassen. Wenn die verwunderten Fragesteller
solche Antwort bekommen, schlagen sie sich gewöhnlich an die Brust und klagen
gewaltig über so manchen Unsinn, der in den Tiefen gang und gäbe ist. Darauf
werden sie abermals und ernstlich ermahnt, daß sie bei ihrer Rückkehr in der
Tiefe zur Ausrottung so mancher und vieler Torheiten auf das kräftigste
beitragen sollen. [Sa.01_047,06] Es ist dadurch auch
schon in so manchen großen Kontinentländern geschehen, daß die Ebenen völlig
den Höhen gleichen. Aber hier und da gibt es dessenungeachtet dennoch wieder
Länder, in denen sich die Tiefen von den Höhen noch sehr gewaltig
unterscheiden. [Sa.01_047,07] Was ferner in den
Tiefen die Manufakturen und das Gewerbe betrifft, so gleichen diese auch
denen auf den Höhen, bis auf einige Luxusgewerbe, welche freilich auf den
Höhen durchaus nicht stattfinden, wo sogar die Färbung eines Fadens als
sündhaft angesehen wird. [Sa.01_047,08] Auch die Nahrungsweise
ist (bis auf den Genuß der Milch der großen Kuh) in der Tiefe fast dieselbe
wie auf den Bergen. Nur einige Patriarchalfamilien, welche auf den Seen die
schönen, großen, weißen Felsen zu Lustwohnungen auf die euch schon
bekanntgegebene Art zubereiten lassen, ergötzen sich oft auf diesen
Lustörtern auch mit manchen etwas künstlicher bereiteten und somit den Gaumen
etwas mehr kitzelnden Leckerspeisen. Sie schlagen ihnen aber gewöhnlich nach
und nach nicht gar zu gut an; darum dann so manche weise redenden Ärzte recht
viel zu tun bekommen. [Sa.01_047,09] Wohlbemerkt, solches
ist auch bei euch der Fall! Würdet ihr ganz einfach und naturgemäß leben und
die Früchte der Erde so essen, wie Ich sie für euch zubereitet habe, bis auf
einige wenige, die nur weicher gekocht werden könnten am Feuer – so wäre eure
Sprache um vier Worte ärmer, nämlich sie wüßte von keinem Arzt etwas, noch
weniger von einer Medizin oder Apotheke. Und um diese drei Worte wüßte sie
darum nicht, weil ihr eigentlich das erste Wort, Krankheit, fremd bliebe. So
aber habt ihr kunstreiche Köche; dann sogleich die Ärzte, dann die Apotheker
mit ihrer noch kunstreicheren Küche. Und dann aus dieser ganz vollkommen
diejenige Speise (Medizin), durch welche die Krankheit in dem Körper eines
Patienten zum bleibenden Gaste wird. [Sa.01_047,10] Also ist es auch,
freilich nicht in einem so starken Grade wie bei euch, in den Tiefen unseres
Saturn der Fall. Aus diesem Grunde werden denn auch die Menschen in den
Tiefen bei weitem nicht so alt wie auf den Höhen. [Sa.01_047,11] Was die Ehen betrifft,
so werden diese auch in der Tiefe vor dem Patriarchen, nur manchmal mit viel
mehr äußerem Prunk, geschlossen. [Sa.01_047,12] Die Zeugung von
ihresgleichen ist mit der auf den Höhen gleich. Nur geschieht es dann und
wann, wenn der Mann in der Tiefe zu wenig Glauben und Willenskraft besitzt,
daß er dann mit seinem Weibe eine Reise ins Gebirge unternimmt, um daselbst
glaubens- und willenskräftig zu werden. Wozu, brauche Ich nicht noch ferner
zu sagen. [Sa.01_047,13] Das Begräbnis der
Menschen in der Tiefe ist von zweifacher Art. Bei dem bessern Teil so wie auf
den Höhen; bei den manchesmal etwas heidnischen Völkern dagegen, welche den
lichten Ring für eine Art Gottheit halten, ist das Begräbnis wesentlich
verschieden. Diese laden ihre Verstorbenen auf ihre Schiffe und fahren damit
gewöhnlich aufs Meer, besonders wenn dieses nicht zu ferne von ihrem Wohnort
ist. Allda auf dem Meere werden die Leichen der Verstorbenen ohne weitere
Zeremonie ins Wasser geworfen; bei welcher Gelegenheit sich auch schon
sogleich irgendein lebendiges „Grab“ vorfindet, das nach diesen Leichen sehr
begierig schnappt. Ist solch ein Begräbnis geschehen, dann kehren unsere
Totengräber wieder zurück, und die ganze Begräbnisfeierlichkeit hat bei der
Ankunft in der Heimat ein Ende. [Sa.01_047,14] Das ist somit nächst
dem, was ihr ohnehin schon aus den gelegenheitlichen Mitteilungen wisset, das
zumeist Merk- und Denkwürdige aus dem Bereich der Tal- und Ebenenbewohner des
Saturn. – Somit wollen wir die eigentlich bewohnten Länder des Saturn
verlassen und uns auf ganz kurzen Wegen über dieses Planeten Schnee- und
Eisregionen auf unsern Ring begeben. Und somit lassen wir's für heute wieder
gut sein! 48. Kapitel –
Die ausgedehnte nördliche und südliche Polarregion des Saturn. – Deren
ungeheure Kälte dient zur Dämpfung der zerstörungslustigen Urgrundgeister des
Planeten und wirkt zuweilen bis zur Erde.
[Sa.01_048,01] Es ist euch schon
gleich anfangs gezeigt worden, daß dieser Planet eigentlich nur zwei Klimate
hat, nämlich ein durchaus gemäßigtes, in dem alle bewohnbaren Länder liegen,
deren Breite im ganzen wohl mehr als ein Drittel der Polargegend einnimmt. [Sa.01_048,02] Diese Länder der
gemäßigten Zone werden sowohl nördlich wie südlich vom ununterbrochenen Meer
umschlossen, in welchem nur, und das in weiten Entfernungen von den
Hauptkontinentländern, sich einige Mudländer vorfinden, deren nördlichste
oder südlichste Teile schon gewöhnlich in ewigem Eise erstarrt sind. Nicht
als wäre ein und dasselbe Land südlichst und nördlichst so beschaffen,
sondern, liegt es in der nördlichen Planethälfte, so ist dessen nördlichster
Teil, liegt es in der südlichen Planethälfte, dann ist dessen südlichster
Teil mit ewigem Eise umstarrt, und zwar aus dem natürlichen Grunde, weil im
Saturn ebenso wie bei euch auf der Erde die Polarregionen dem ewigen Schnee
und Eise angehören. [Sa.01_048,03] Wie sieht es denn
hernach in diesen Polarregionen des Saturn aus? – Ich sage euch: Wie es hier
für ein naturmäßiges Auge und Gefühl aussieht, davon kann sich keine
menschliche Phantasie und Einbildungskraft auch nur den allerleisesten
Begriff machen. [Sa.01_048,04] Die Kälte dieser
Polarregionen ist so groß, daß die Polarkälte eurer Erde dagegen noch als ein
recht gut geheizter Ofen erscheint. Dort gefriert nicht nur das Wasser zu
einem Diamanten, sondern die Luft selbst wird bei dem höchsten Kältegrad zu
lauter Eisstangen, welche sich oft meilenhoch in den Äther hinauftürmen.
Durch solchen heftigen Druck entzündet sich die atmosphärische Luft in diesen
Regionen auch sehr häufig, so daß darob viele Meilen weite Gegenden wie
glühend erscheinen und dieser Glühschein immer zunimmt, bis am Ende wirklich
die heftigsten Explosionen stattfinden. [Sa.01_048,05] Da aber durch solche
Luftentzündungen zufolge der großen Kälte die Elektrizität der Luft noch mehr
vermindert wird, so nimmt dann solche Kälte auch beständig zu, und das einen
Zeitraum von fünfzehn Erdjahren hintereinander. Während der kältesten Zeit,
welche acht Erdjahre andauert, finden dann keine Entzündungen mehr statt,
weil da die Luft in eine ganz feste Masse übergegangen ist. Nach diesem
Zeitraum aber fängt das zurückkehrende Licht der Sonne wieder an die
gefestete Luft nach und nach aufzulösen, welche sich dann bei einiger
Auflösung sobald wieder zu entzünden beginnt und durch solche Entzündungen
und dadurch bewirkte Explosionen die Auflösung der gefrorenen Luft auch stets
mehr und mehr dem einen oder andern Pole näher rückt. [Sa.01_048,06] Sind diese
schauerlichen Gegenden auch irgendwie bewohnt? – In naturmäßiger Hinsicht
wohl von keinem lebenden Wesen, aber desto mehr in geistiger Hinsicht. Denn
der Schnee und das Eis stellen gewöhnlich die Gefangenschaft irgendwelcher
unruhiger Geister dar. Wenn die Kälte somit am heftigsten ist, gibt es in
diesen Gegenden für die Friedensgeister auch um so mehr zu tun, weil sie eben
durch jenen Akt, welcher durch die natürliche Kälte in die Erscheinlichkeit
tritt, die Feuergeister zur Ruhe bringen und ihre übermäßig hitzige
Zerstörungslust dämpfen. Daher könnt ihr auch allzeit daraus schließen: wenn
es in euren Gegenden kälter und kälter wird, daß auch da solche
zerstörungslustige Geister von den Friedensgeistern beruhigt und gedämpft
werden. [Sa.01_048,07] Daß solche Geister
feuer- und zerstörungssüchtig sind, könnt ihr aus den häufigen
Luftentzündungen in den Polargegenden gewahren. Je mehr aber solche Geister
sich erfreuen wollen, desto hartnäckiger werden sie von den Friedensgeistern
gefangengenommen. Je höher irgendein Kältegrad steigt, desto intensiver ist
auch die Gefangennehmung der feuerlustigen Unholde, welche, wenn sie manchmal
mehrere tausend Jahre hindurch solche Gefangenschaft genossen haben, sich
dann endlich geben und ihren Feuereifer so fahren lassen, wie eine mit
Elektrizität gefüllte Wolke, wenn eisig kalte Winde ihren elektrischen
Feuergehalt in einen freilich wohl manchesmal schädlichen Hagel umgestalten. [Sa.01_048,08] Wer sind aber diese
Polarfeuergeister des Saturn? – Ihr müßt euch nicht etwa die Geister
verstorbener Menschen darunter vorstellen; sondern das sind noch
Urgrundgeister, aus denen eigentlich der ganze Weltkörper gebildet ist und
die erst nach und nach, nach der vom Großen Geiste wohlberechneten Ordnung,
in das freie Dasein in menschlicher Gestalt übergehen. [Sa.01_048,09] Manchmal geschieht es
freilich wohl auch, daß Geister verstorbener Menschen, wenn sie während ihrer
naturmäßigen Lebenszeit sehr rachsüchtig waren, wieder in diesen naturmäßigen
polarischen Zustand zurückgeführt werden. Solches geschieht im Saturn jedoch
äußerst selten, aber nicht so selten auf eurer Erde. [Sa.01_048,10] Der Unterschied
zwischen diesen zwei Geistern besteht nur darin, daß die also gehaltenen
Geister verstorbener Menschen nimmerdar wieder in ein naturmäßiges
Leibesleben zurückkehren, während solches bei den Urgrundgeistern allezeit
der Fall ist, nämlich daß sie zuvor die Naturmäßigkeit vollends anziehen
müssen, ehe sie vermögend werden, in ein freies, selbständiges und somit auch
absolutes oder abgesondertes Leben überzugehen. [Sa.01_048,11] Es sind aber eben die
Urgrundgeister des Planeten Saturn von höchst zerstörungslustiger
Beschaffenheit, aus welchem Grunde so manche alte Seher eurer Erde sogar
schon von diesem Planeten aussagten, daß er seine eigenen Kinder verzehre.
Daher müssen auch diese Urgrundgeister zuvor durch die Friedensgeister,
welche keine Urgrundgeister mehr sind, um so tüchtiger und gehöriger
vorbereitet werden, bevor sie in ein absolutes, freies Leben übertreten
können. Denn geschähe solches nicht, so wäre keine Sonne und kein Planet im
ganzen All vor ihrer Zerstörungslust sicher. [Sa.01_048,12] Aus diesem Grunde ist
dieser Planet von der Sonne auch so fern gestellt, damit ihre Strahlen auf
ihm nimmerdar einen solchen Hitzegrad zu bewirken imstande sind, wie auf den
Planeten Jupiter, Erde, Venus und ganz besonders auf dem Planeten Merkur.
Dessen Bewohner haben selbst auf den Polargegenden, welche dort fast ganz
allein bewohnt sind, beinahe eine Glühhitze auszustehen – während im Saturn,
wie ihr wisset, allenthalben wo er bewohnt wird nur ein gemäßigtes Klima
herrscht und selbst dieses noch, wenn es zu warm werden möchte, durch den
beständigen Schatten des Ringes vor Überwärmung bewahrt wird. [Sa.01_048,13] Obschon die
Saturnbewohner niemals solche Eisregionen betreten, da sie vor nichts eine
größere Furcht haben als vor dem Schnee und Eise (welche Furcht zumeist von
ihrem urgrundgeistigen Sein herrührt) – so wissen aber dessenungeachtet
namentlich die geweckten Gebirgsbewohner genau, wie es da aussieht. Jedoch selbst
die Gewecktesten haben keine große Lust an der Anschauung und Schilderung
dieser Gegenden; aber eine desto größere bei der Schilderung und Anschauung
des Ringes. [Sa.01_048,14] Warum solches, das wird
euch bei der nächstfolgenden Darstellung des Ringes schon von selbst klar
werden. Und so wäre über die Polargegenden nichts mehr von besonderer
Beachtung zu erwähnen, außer daß solche Erdjahre, wenn sich die Erde diesem
Planeten zunächst befindet, gewöhnlich schlechte und unfruchtbare Jahre sind,
und das darum, weil die übermäßige Polarkälte dieses Weltkörpers manchmal mit
ihrer Wirkung, metaphysisch genommen, mehrere hundert Millionen Meilen gleich
einem unsichtbaren Kometenschweif hinausreicht. [Sa.01_048,15] Es gibt nämlich im
großen Sonnengebiet in bei weitem größerer Anzahl negative Kometen, welche
alle auf sie fallenden Strahlen der Sonne so gänzlich verzehren, daß da nicht
ein allerkleinstes Atomchen je zurückgeworfen wird. Solche Kometen werden
erst dann sichtbar, wenn sie sich schon mehr und mehr gesättigt haben und
dann auch schon eine geregelte Bahn zu beschreiben anfangen. – Diese Kometen
sind gar häufige Gäste der Planeten und geben sich zu gewissen Zeiten auf
Augenblicke in der Gestalt der sogenannten Sternschnuppen zu erkennen. Was
jedoch diese negativen Kometen betrifft, so wollen wir diese bei einer
anderen Gelegenheit, etwa bei der Betrachtung einer Sonne, schon näher
kennenlernen. – Hier aber wurde ihrer nur darum erwähnt, damit ihr daraus
entnehmen könnt, wie und wie weit reichend manchmal die Polarkälte des
Planeten Saturn wirkt. [Sa.01_048,16] Somit wären wir mit dem
eigentlichen Planeten fertig und wollen uns daher fürs nächste Mal zum Ring
wenden. 49. Kapitel –
Der Saturnring – hat planetarische Beschaffenheit. Seine Achsendrehung und seine
Zweckbestimmung.
[Sa.01_049,01] Was die Gestalt, Größe
und Teilung des Saturnringes betrifft, so ist dies alles schon gleich anfangs
gezeigt worden. Und so bleibt uns für jetzt nur seine Tauglichkeit und seine
Natur zu betrachten übrig. [Sa.01_049,02] Der Ring bildet für
sich einen vollkommen kompakten, festen Weltkörper, der, was die
Flächenräumlichkeit anlangt, den eigentlichen Planeten selbst ums Mehrfache
übertrifft. Und wie sein Flächenraum größer ist, so ist auch sein
körperlicher Inhalt ums Mehrfache stärker als der des Planeten selbst. [Sa.01_049,03] Ist er etwa vollkommen
glatt, oder ist er auch gebirgig? Hat er Gewässer, und ist er mit
atmosphärischer Luft umgeben? [Sa.01_049,04] Dieser Ring hat alle
Bestandteile eines Planeten, nämlich – er hat Berge, und das überaus hohe; er
hat sogar große Seen und Flüsse und ist allenthalben mit atmosphärischer Luft
umgeben. Nur ist das Wasser und die Luft auf dem Ring viel leichter und
feiner als auf dem eigentlichen Planeten. [Sa.01_049,05] Ebenso hat er auch eine
Achsendrehung um den mit dem Planeten gemeinsamen Mittelpunkt, nur ist diese
Drehung, was die Geschwindigkeit betrifft, von der des Planeten verschieden.
Dieses ist so zu verstehen: Wenn der Planet sich beinahe zweimal um die Achse
dreht, hat der innere Ring, welcher eigentlich aus zwei Ringen besteht, die
durch lauter elliptische Sphären miteinander verbunden sind, sich kaum einmal
um die Achse gedreht. Der mittlere Ring hat eine noch langsamere Drehung. Der
äußerste und größte aber braucht zu seiner Umdrehung nahe einen Zeitraum von
sieben Saturntagen. [Sa.01_049,06] Ihr werdet hier fragen,
warum denn diese verschiedene Geschwindigkeit in der Umdrehung? – Warum
drehen sich denn die Ringe nicht alle gleich geschwind, und warum überhaupt
nicht so geschwind wie der Planet selbst? – Ihr müsset hier nur den
Durchmesser eines und des andern Ringes betrachten, wie einer den andern
übertrifft, so wird euch auch leichtlich klar werden, warum da jeder Ring
eine andere Bewegung haben muß. [Sa.01_049,07] Hätte z.B. der innere
Ring bei seinem viel größeren Durchmesser eine so schnelle Bewegung wie der
Planet selbst, so würde ihn diese Schnelligkeit ja offenbar zufolge der
Mittelpunkt-Fliehkraft zerreißen. Hätte der zweite Ring in seiner Bewegung
die Schnelligkeit des ersten oder gar die des Planeten, so würde ihn
ebenfalls das Zerreißen treffen, und um so mehr den äußeren und größten. Also
aber ist die Bewegung genauestens abgewogen, in dem jeder Ring sich schnell
genug bewegt, damit von ihm zufolgeder beständigen Wurfkraft kein Teil in den
Planeten herabstürzen kann. Und dennoch ist die Bewegung eines jeden Ringes
wieder in der gerechten Mäßigung, der zufolge kein Teil weder des einen noch
des andern Ringes nach außen hinausgeschleudert werden kann, in dem durch ebendiese
gerecht gemäßigte Bewegung die Wurfkraft mit der jedem Ringe eigentümlichen
Anziehungskraft im beständig gerechten Verhältnis bleibt. [Sa.01_049,08] Das ist die auf der
untersten Potenz stehende geregelte Naturmäßigkeit des Ringes. – Nun kommt es
zur zweiten Frage: [Sa.01_049,09] Wozu ist dieser Ring
bei diesem Planeten gut? – Ist er denn wirklich, wie es schon so manche
Gelehrte behauptet haben, nur eine Wunderlaune des Schöpfers oder, wenn es
noch schlechter geht, eine großartige Kaprice der Natur. Oder ist dem
Schöpfer bei der Erschaffung dieses Planeten im Ernst der Faden ausgegangen,
darum Er hat müssen ein angefangenes, etwa gar großartig begonnenes Werk
unvollendet stehen lassen und die Ausführung des ganzen großen Planeten auf
bessere Zeiten verschieben? [Sa.01_049,10] Ob da eines oder das
andere der Fall ist, wird die Folge zeigen. – Ihr habt schon bei der letzten
Mitteilung vernommen, von welcher Art die Urgrundgeister dieses Planeten
sind. Würde der Ring nicht einen beständig die Hitze mildernden Schatten über
gerade denjenigen Teil dieses Planeten abwechselnd, bald mehr nördlich, bald
mehr südlich, verbreiten, wo sonst gerade die heiße Zone sich
notwendigerweise erzeugen müßte – so würde gar bald ein ganzes Sonnengebiet,
ja am Ende sogar eine Hülsenglobe erfahren, welcher Art, Macht, Kraft und
Gewalt die Urgrundgeister eben dieses Planeten sind. [Sa.01_049,11] Durch diesen Ring aber
wird eine immerwährend gleich gemäßigte Zone in den Wohnländern des Planeten
bewerkstelligt. Und die Folge davon ist, daß die Urgrundgeister dieses
Planeten sich nicht entzünden und somit auch keine Verheerung in den
Weltgebieten anzurichten imstande sind. [Sa.01_049,12] Daß solches der Fall
wäre, könnt ihr aus dem abnehmen, daß die Saturnbewohner selbst immerwährend
in der größten Achtung und in dem pünktlichsten Gehorsam vor dem Großen
Geiste erhalten werden müssen. Es wird ihnen aus dieser Ursache auch von der
Liebe eben nicht zu viel gepredigt, sondern nur so viel, daß sie dieselbe
erkennen, aber dabei zu der höchsten Ehrfurcht vor derselben geleitet werden. [Sa.01_049,13] Aus diesem Grunde ist
dort auch sogar die Gattenliebe und die Zeugung der Kinder so gestaltet, daß
dabei das Gemüt der Menschen ja nie in eine heftige Regung gerät. Und alles
wird nur durch die größtmögliche Demut geleitet und geschlichtet, welches
alles ihr bei der Darstellung des Menschen hinreichend werdet beobachtet
haben. 50. Kapitel –
Weiteres vom mehrfachen Zweck des Saturnrings. Beispiel von der Glasbläserei
und dem Kühlofen. Die zart-materiellen Ringbewohner. Deren Lebensweise und
Verkehr mit den Planetenbewohnern. – Mangelnde Tierwelt. Samenlose
Fruchtbäume.
[Sa.01_050,01] Nun seht, wie
wohlberechnet ist diesem Planeten gerade über seinem Äquator der Ring
gegeben! – Andererseits habt ihr auf dem Saturn die ganze Schöpfung vom
Pflanzenreich bis zum Menschen hinauf in riesig großen Körpern erschaut. [Sa.01_050,02] Es könnte, ja es müßte
da so manchem die Frage kommen: Ist solches wohl wahr, und wenn es also ist,
warum denn diese riesig großen Körper, nachdem doch der allerhöchste Geist in
dem Leibe Christi auf der Erde sicher seiner Ordnung gemäß hinreichend Platz
hatte? Wozu also für die Saturnmenschengeister so große Leiber? [Sa.01_050,03] Diese großen Leiber
sind diesen Geistern aus dem Grunde gegeben, daß sie durchaus keinen
innerlichen Materiedruck erleiden sollen, welcher von außen nach innen
drücken und sie zu entzünden vermöchte. Aus eben dem Grunde ist auch die
außerordentliche Zartheit ihren Leibern verliehen, damit der leicht erregbare
Geist ja nicht irgend etwas finden solle, das ihn über seine Natur drücken
und dadurch leicht zur völligen Entzündung erregen möchte. [Sa.01_050,04] Denkt euch nun diese
großen und an und für sich auch verhältnismäßig schweren Körper, welche zufolge
des großen Volumens des Planeten selbst und zufolge der darum viel größeren
Anziehungskraft im Verhältnis zu ihrem Planeten noch viel schwerer sein
müßten als gleich große Körper im Verhältnis zu eurer bei weitem kleineren
Erde – wäre da durch alles frühere, vorsichtige Unternehmen etwas gewonnen
für die Art dieser Geister, wenn sie in ihren Leibern belassen würden in der
großen Schwerfälligkeit? [Sa.01_050,05] Seht, da hat Meine
Wissenschaft, etwas höher stehend als die der Gelehrten eurer Erde, eben diesen
Ring erfunden, durch den die Anziehungskraft des Planeten so sehr gemildert
wird, daß diese großen Körper im Verhältnis zu ihrem Planeten nahe ums
Hundertfache leichter sind als die eurigen im Verhältnis zu eurer bei weitem
kleineren Erde. [Sa.01_050,06] Das ist ein neuer und
gar außerordentlich wichtiger Zweck dieses Ringes, der, so klein er auch
selbst dem bewaffneten Auge erscheint, dennoch so großwichtig ist, daß er
nicht nur als ein Reif eines Planeten, sondern als ein starkes Band über ein
ganzes Weltall betrachtet werden kann. [Sa.01_050,07] Nun fragt es sich, ist
das der alleinige oder schon letzte Zweck dieses Ringes? – O nein! Wir werden
sogleich noch einen andern kennenlernen, welcher bei weitem größer und
wichtiger ist als die früheren. – Bevor wir aber diesen Hauptzweck an und für
sich berühren und betrachten wollen, müssen wir die Frage stellen, ob dieser
Ring bewohnt ist? [Sa.01_050,08] Ich sage hier: Wenn
daraus der Hauptzweck erwachsen soll, so muß solches ja der Fall sein. Aber von
wem und wie, das ist eine andere Frage. [Sa.01_050,09] Bevor Ich diese
beantworte, will Ich euch als Beispiel eines eurer Erdgewerbe vorführen, das
ist die Erzeugung eures Glases. [Sa.01_050,10] Wenn die fürs Glas
taugliche Materie gehörig zermalmt und mit dem dazu nötigen Salz gemengt ist,
kommt sie in den Schmelztiegel. Darin wird sie durch den gehörigen Hitzegrad
zum Fluß gebracht. Betrachtet nun die geschmolzene, weißglühende Glasmaterie!
– Seht, das ist der Zustand des Saturnmenschen auf dem Planeten in seinem
Leibe. [Sa.01_050,11] Was geschieht mit
dieser Masse dann, wenn sie gehörig flüssig ist? – Es werden auf die euch
sicher bekannte Art allerlei Gefäße aus ihr bereitet, und zwar vermittels des
Atmens aus der Brust der Arbeiter (d.h. durchs Blasrohr). – Hier haben wir
wieder unseren Saturnmenschen als einen feinen, durchsichtigen, geistigen
Menschen, der durch die erlangte Wiedergeburt sein materielles Wesen so gut
wie völlig abgelegt und in dem der Geist schon eine solide Form angenommen
hat. [Sa.01_050,12] Wenn das Glasgefäß
fertig geblasen ist, wird es vom Blasrohr getrennt und sogleich, in anderen
Tiegeln ruhend, in den Kühlofen übertragen. – Jetzt sind wir schon bei
unserem Ring, denn wenn der Saturnmensch stirbt, wird er gewissermaßen vom Blaserohr
des großen Glasfabrikanten abgelöst und in einem anderen Tiegel in den
Kühlofen gebracht. Nun, dieser Kühlofen ist – der Ring! [Sa.01_050,13] Der erste Ring zur
Abkühlung der größten Hitze. Der zweite Ring zur ferneren Abkühlung. Und der
letzte Ring zur Geschmeidigmachung, nach welcher jeder also frei gewordene
Menschengeist dieses Planeten erst zur Aufnahme der Liebe fähig wird. [Sa.01_050,14] Ich meine, es wird über
dieses Beispiel keine fernere Erklärung vonnöten sein, da sich diese ohnehin
nun mit den Händen greifen läßt. Nur würde hier und da noch mancher fragen:
Wozu denn den Geistern einen materiellen Aufenthaltsort geben? [Sa.01_050,15] Die Antwort auf diese
Frage ist sehr leicht, weil die Geister der Saturnmenschen, wenn sie aus dem
ersten Körper treten, nicht sogleich als reine Geister dastehen, was schon
aus ihrer leichten Wiedererscheinung und aus der schnellen Verwesung ihrer
Leiber zu erschauen ist. Somit haben diese Geister beim Übertritt in den
großen Ring auch noch eine Art materiellen Leib, welcher freilich viel
leichter, zarter und reiner ist als der frühere auf dem Planeten. Und selbst
dieser Leib wird dann noch allezeit reiner und geistiger, auf eine je höhere
Sphäre des Ringes der Saturnmensch übergeht. [Sa.01_050,16] Diese Ringbewohner
essen und trinken und leben auf den Ringen dann gerade also wie zuvor auf dem
Planeten – nur sind alle Erzeugnisse in eben dem Verhältnis feiner und
subtiler – wie die Menschen selbst, die dahin gelangen. [Sa.01_050,17] Der Unterschied
zwischen dem Ring und dem Planeten besteht nur darin, daß auf dieser zweiten
Welt keine Tiere mehr vorkommen, wohl aber Fruchtbäume, die aber alle
zusammen keinen Samen haben, der sie fortpflanzen möchte, sondern sie
entwachsen dem Boden ungefähr so wie dem Boden der Erde bei euch die
Schwämme. [Sa.01_050,18] Daß solche Ringbewohner
auch auf den inneren Wunsch der Planetenbewohner sich vom Ring auf kurze Zeit
zum Planeten selbst begeben können, und das schon mit geistiger
Schnelligkeit, läßt sich aus der vielfachen Erscheinung der Geister bei den
Bewohnern des Planeten selbst erschauen. [Sa.01_050,19] Da aber die Wohnungen
und die Lebensverhältnisse der Geistmenschen auf dem Ring ums
Unvergleichliche herrlicher, erhabener und angenehmer sind, so haben die
Ring-Geister auch nimmer eine Lust, sich länger auf dem Planeten aufzuhalten,
als es dem Willen des Großen Geistes gemäß notwendig ist. Daher haben sie
auch stets eine große Freude, wenn sie wieder in den Ring zurückkehren
können. [Sa.01_050,20] Nun wisset ihr auch
alles Notwendige und Denkwürdige von dem Ring. – Und so wollen wir fürs
nächste Mal noch einen Blick auf die Monde dieses Weltkörpers werfen und
damit auch die Mitteilung über diesen Weltkörper beschließen. 51. Kapitel –
Die Saturnmonde – ohne Achsendrehung. Naturmäßiges Leben nur auf der dem
Planeten abgekehrten Seite. Die Monde als Nachschule des Saturn und Vorschule
des Ringes und des reingeistigen Lebens. –
Schlußwort: Zweck dieser ganzen Eröffnung.
[Sa.01_051,01] Was die Monde betrifft,
so stehen diese in demselben Verhältnis zu ihrem Planeten wie der Mond dieser
Erde zu ihr. Nur ist dort durch die Monde eine Gradation (Lebensstufung), wie
sie natürlicherweise bei euch nicht sein kann, da die Erde nur einen Mond
hat. [Sa.01_051,02] Was die Bewegung der
Monde betrifft, so haben auch sie keine Umdrehung um ihre Achse, sondern
kehren immer ein und dasselbe Gesicht ihrem Planeten zu. [Sa.01_051,03] Aus diesem Grunde ist
auch ihre Bewohnbarkeit eine doppelte, nämlich eine geistige und eine
naturmäßige. Und somit ist auch jeder Mond (nur) auf der von dem Planeten
beständig abgekehrten Seite von Menschen und Tieren bewohnt und hat
Vegetation, Wasser, Luft und alles das, was zur Unterstützung des natürlichen
Lebens notwendig ist. [Sa.01_051,04] Die Menschen, die auf der
dem Planeten abgekehrten Seite naturmäßig leben, sind auch natürlicherweise
viel kleiner als jene auf dem Planeten und haben auf den kleineren Monden
kaum eure Größe. – Auf den größeren, letzten oder äußersten drei Monden aber
sind sie größer als ihr auf der Erde. [Sa.01_051,05] Diese naturmäßigen
Menschen der Monde stehen mit den eigentlichen Saturnmenschen in
immerwährendem geistigem Verband, so daß die Geister derjenigen
Saturnmenschen, welche sich während der natürlichen Lebensdauer nicht fähig
gemacht haben, alsbald in einen der Ringe zu gelangen, vorerst einen oder den
andern ihrer Beschaffenheit entsprechenden Mond, oder mehrere, durchzumachen
haben, bevor sie erst in den untersten Ring aufgenommen werden können. [Sa.01_051,06] Was tun denn diese Menschen
in den Monden? – Und welche Saturngeister kommen in einen Mond? – In den Mond
kommen eigensüchtige und heidnische Geister, welche den Ring ihr Saturn-Leben
hindurch als eine Gottheit angebetet und verehrt haben. In einem jeden Mond,
wo sie zuerst allezeit auf der naturmäßigen Seite auftreten und durch ihre
Leiber als dort wohnende natürliche Menschen das Naturmäßige erschauen, haben
sie aber keine Anschauung vom Ring, der ehedem ihr Abgott war. [Sa.01_051,07] Wenn sie sich dadurch
den Ring gleichsam abgewöhnt haben und selbst ihres Planeten losgeworden
sind, dann erst ziehen sie auf die dem Planeten zugewandte Seite, von wo aus
sie dann den Planeten mit dem Ring als nahezu einen konkreten Körper
erschauen. – Dadurch erst wird ihnen nach und nach klar – wie sie auch von
anderen, zu ihnen kommenden höheren Geistern belehrt werden – daß der Ring
mitnichten irgendeine Gottheit oder ein Sitz derselben noch der Weg ist, den
der Große Geist über den Himmeln wandelt, sondern mit eigenen Augen schauen
sie es, daß er auch nur ein materiell-fester, um den eigentlichen Planeten
gelegter Weltkörper ist, vom Großen Geiste zu dem Zweck erschaffen, daß die
Geister der auf dem Planeten verstorbenen Menschen dort für ein höheres
Leben, von dem sie noch keine Ahnung hatten, vorbereitet werden. [Sa.01_051,08] Wenn diese Geister dann
solches erfahren haben, sowohl durch Lehre als durch eigene Anschauung, so
lassen sie gar bald ihren Irrglauben gänzlich fahren und erkundigen sich
emsigst nach der Wohnung des Großen Geistes. – Es wird ihnen aber bedeutet,
daß sie solches erst auf den Ringen erfahren werden, wenn sie sich vollkommen
dem reingeistigen Zustand genähert haben und endlich auch vollkommen in
denselben übergegangen sein werden. Darauf bekommen sie dann eine Sehnsucht
nach dem Ring, aber noch mehr nach dem reingeistigen Zustand, und werden dann
auch sogleich in den Ring befördert. [Sa.01_051,09] Solches wüßtet ihr nun.
Es möchte sich aber dennoch mit der Zeit die Frage aufwerfen: „Warum denn zu
dem Zweck eben sieben Monde vorhanden sein müssen? Solche einfache Aufgabe
könnte ja auch ein Mond erfüllen?“ [Sa.01_051,10] O ja, für Geister
anderer Beschaffenheit würde wohl ein Mond genügen. Aber für die
Saturngeister, welche im großen Schöpfungsmenschen ihren Sitz unter einem
Knie haben, genügt solches nicht. Denn die Füße (Beine) sind die äußere
Grundlage des Lebens und an den Füßen selbst wieder die Gelenke. – Wird dem
Leib ein Schaden etwa an seinem Arm, an seiner Haut, sei es auf welchem Teile
des Leibes es wolle, zugefügt, so kann der Leib noch immer aufrecht stehen
und seine Bewegungen machen und kann sich Hilfe suchen. Wenn er aber an einem
oder dem andern Fuß, und zwar namentlich an einem oder dem andern Gelenk
desselben, einen gewaltigen Schaden erleidet, so ist er gehemmt am ganzen
Leib, fällt zusammen und kann sich nicht weiterbewegen und sich auch keine
Hilfe suchen. Und so sind auch aus eben diesem Grunde die Füße bei jedem
Menschen stärker gebaut als alle anderen Teile seines Leibes. [Sa.01_051,11] Da also aber die
Saturnbewohner einen allerwichtigsten Beinteil unter dem Knie des großen
Schöpfungsmenschen ausmachen, von welchem großen Geistmenschen ihr schon bei
mancher anderen Gelegenheit näheres vernommen habt, so muß aus eben diesem
Grunde, bei den Geistern der Saturnmenschen, und zwar bei jedem einzelnen
darauf gesehen werden, welcher der sieben (Grund-)Geister (aus welchen jeder
einzelne Geist besteht) am gefährlichsten daran ist. Und zu eben dem Zweck
sind denn auch die sieben Monde da – damit in einem oder dem anderen Mond der
eine oder andere der sieben (Grund-)Geister zur Ruhe und entsprechenden
Ordnung mit den übrigen sechs (Grund-)Geistern gebracht wird. – Aus dieser
Kundgebung werdet ihr nun auch gar wohl entnehmen können, warum diesem
Planeten sieben Monde zugeteilt sind. [Sa.01_051,12] Somit wisset ihr alles,
was die Monde betrifft. Ihre Entfernungen und Größen sind euch ohnehin schon
gleich anfangs kundgegeben worden. Und so bleibt uns auch über die Monde
nichts mehr zu sagen übrig. [Sa.01_051,13] Und da wir somit den
Planeten wie den Ring und nun auch die Monde kennengelernt haben, so sind wir
mit der Mitteilung über diesen Planeten zu Ende. [Sa.01_051,14] Nun möchte ein oder der
andere Schwachsichtige vielleicht noch fragen, wozu denn eigentlich die ganze
Mitteilung über diesen Planeten nützen solle? – Da sage Ich nichts anderes
als nur das: [Sa.01_051,15] Fürs erste soll sich
ein jeder, der diese Mitteilung gelesen hat, ein recht tüchtiges Beispiel nehmen,
wie ganz anders die Bewohner dieses Planeten Meinen Willen achten als die
Menschen dieser Erde. [Sa.01_051,16] Fürs zweite soll er
auch aus dem Ganzen erschauen, wie Meine Liebe, Weisheit, Macht und
väterliche Sorgfalt gar viel weiter hinausreicht, als es sich der
hochtrabende Menschenverstand je in seinen törichten Sinn kommen lassen kann. [Sa.01_051,17] Und fürs dritte soll
eben diese Betrachtung den Menschen dieser Erde zur vollsten Demut leiten,
aus welcher er erschauen soll, wer er ist und wer Ich, sein Gott, Schöpfer
und Vater, bin. [Sa.01_051,18] Dabei soll er sich an
die Brust schlagen und darüber nachdenken, welch größte Gnade und Erbarmung
ihm dadurch zuteil geworden ist, daß Ich, der alleinige Herr und Schöpfer
solcher Wunderwerke, es Mir habe gefallen lassen, die Erde, diesen kleinen,
schmutzigen Planeten, zu erwählen zur Geburtsstätte Meiner unendlichen Liebe,
Erbarmung und Gnade und somit aller Fülle Meines göttlichen Wesens! [Sa.01_051,19] Aus diesem Grunde will
Ich euch noch die Sonne wie auch noch einige andere Planeten, wenn schon
nicht so ausführlich, so aber doch auch in aller Kürze genügend beschauen
lassen. [Sa.01_051,20] Und mit dieser jetzt
ausgesprochenen Verheißung soll auch diese Mitteilung beschlossen sein! –
Mein Segen, Meine Liebe, Gnade und Erbarmung sei mit ihr! 4. Der Trichterbaum, der Pyramidenbaum und der Spiegelbaum. 8. Die Schiffs-Pflanze „Chaiaba“. Deren Frucht
– ein Schiff. 11. Herrliche Uferlandschaften der Stromgebiete.
Der Nordstrom. Der Abendstrom. Der Mittagstrom. 15. Die Siebenschnecke. Praktische Verwendung
ihres Gehäuses. Gewichtsverhältnisse auf dem Saturn. 16. Die riesenhafte, leuchtende Strahlenschnecke.
Ihr Auftauchen bei Meeresstürmen. 19. Fledermausarten. Die fliegende Kuh. Das
fliegende Band. Schmuckhandel auf dem Saturn. 22. Die Haushenne, die Goldene Kugel und die
Riesengans. Beschaffenheit und Nutzen dieser Hausvögel. 26. Der Saturn-Löwe Horud – dient zur Jagd und
zum Holzfällen. Fang der Jungen. 30. Die zahmen Tiere des Saturn. Die Kuh Buka,
das nützlichste Saturntier. 33. Die Saturnmenschen. Deren Abstammung,
Bevölkerungsdichte und Wohnweise. 35. Haupt-Lebensgesetz: Der Wille Gottes. –
Behandlung von Übertretern. 37. Webstofferzeugung. – Unverkünstelte
Verwendung der Naturerzeugnisse. – Bekleidungsordnung. 38. Leibesgestalt von Mann und Weib. Zeugung,
Schwangerschaft und Geburt. Beschaffenheit der Kinder. 43. Geistvolle Naturbetrachtung. Verkehr mit
Engeln und dem Herrn selbst. 44. Geistiger Teil der Saturnreligion. Geistige
Wiedergeburt durch Lehre und Übung. 45. Näheres über den Weg zur Wiedergeburt und
Einswerdung mit Gott. 46. Die Bewohner der Flachländer. Ihr Bau- und
Wohnwesen und ihre mehr weltliche Gesinnung. _______ * _______ |