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Jakob
Böhme Von der Gnadenwahl Herausgegeben und erläutert von Gerhard Wehr »Von der Gnadenwahl« behandelt das Thema der Theologie und
die Philosophie der Freiheit. Jakob Böhme wirft hier die zentrale Frage nach
der Willens- und Entscheidungsfreiheit des Menschen auf. Er weiß: Ohne diese
Freiheit ist alles Denken, Glauben und Streben eitel, zum Scheitern
verurteilt. Kraft seines dynamischen, anschauenden Denkens dringt Böhme tief
ein in die Geheimniswelt von Gottheit und Schöpfung. Auch vor dem Mysterium
des Bösen schreckt er nicht zurück. Auf diese Weise gelingt es ihm, ein
Wirklichkeitsbild von außerordentlicher Geschlossenheit zu entwerfen.
Erregend ist es, Abschnitt für Abschnitt zu verfolgen, wie dieser geistesbegabte
Seher mit der Sprache ringt, um selbst Unsagbares, durch kein Gleichnis
Umgreifbares in den Erlebnishorizont des Lesers zu rücken. »Von der
Gnadenwahl« wurde von Dichtern und Denkern über Jahrhunderte als wesentlicher
Anstoß empfunden: »Der gleichen ward seit Heraklit nicht mehr gehört!« Ernst Bloch Wer in das an Dunkelheiten und an Erleuchtungen reiche,
berühmte Erstlingswerk Jakob Böhmes, nämlich in die »Aurora oder Morgenröte
im Aufgang« eingedrungen ist, der verlangt da und dort nach weiteren
Aufschlüssen. Der Autor war sich dieser Tatsache bewußt. In dem vorliegenden
Buch »Von der Gnadenwahl« kommt der Görlitzer Meister diesem Bedürfnis
entgegen. Gemäß einem Selbstzeugnis ist es nicht allein sein »klarstes« Buch.
In ihm wirft Böhme auch die vielerörterte Frage nach der Entscheidungsfreiheit des Menschen
angesichts seiner ewigen Bestimmung auf. Im Gegensatz etwa zu den
Reformatoren bekennt er sich leidenschaftlich zur Willensfreiheit. Das geschieht
in klarer Frontstellung zu den »Gnadenwählern«, die den Menschen durch das
Dogma einer Vorherbestimmungslehre festlegen möchten. Andererseits wird deutlich,
inwiefern der Autor der »Aurora« eine Entwicklung in der Darlegung seiner
mystisch theosophischen Lehre durchgemacht hat. Anders als in diesem Erstling
beschränkt er sich nicht allein darauf, sich selbst »zum Memorial« zu
schreiben. So läßt er beispielsweise im zweiten Teil durchblicken, daß es ihm
darum geht, andere auf den Weg einer spirituellen Entwicklung zu bringen. Es
ist das Thema, das in seiner »Christosophia« bis hin zu praktischen
Ratschlägen entfaltet worden ist. Gleichzeitig nimmt: Böhme kein Blatt vor
den Mund, wenn es darum geht, die jeweils zu erringende innere Erfahrung über
das konfessionalistische »Maul- und Titelchristentum« zu stellen. Die Textgestaltung erfolgt
nach den bisher angewandten Gesichtspunkten. Zugrundegelegt ist die
maßgebliche Gesamtausgabe von 1730. Der Text wird ungekürzt geboten.
Kapitelweise Erläuterungen und Fußnoten sollen dazu beitragen, an die Böhmeschen
Gedanken heranzuführen. — Als Motto sei diesem Band ein Wort vorangeschickt,
mit dem Jakob Böhme sein Buch »Von der Gnadenwahl« beschließt: »Es lieget alles, was die
Sonne bescheinet und der Himmel begreifet, sowohl die Hölle und alle Tiefen
im Menschen; er ist ein unausschöpflicher Quel.« [Schwarzenbruck bei Nürnberg, Ostern 1991 — Gerhard Wehr] * * * In seinem Briefwechsel mit Reinhold Schneider kommt der seit
langem vergessene Philosoph Leopold Ziegler im August 1941 auf jenes
»Schicksals-buch« zu sprechen, das Luthers Auseinandersetzung mit Erasmus von
Rotterdam darstellt: »De servo arbitrio — Vom
geknechteten Willen«. Und Ziegler argumentiert: »Hier verzichtet der Mensch
des Abendlandes restlos auf seine Menschen-freiheit, ″ein Pferd,
welches der Teufel reitet″, wenn es dem Herrgott nicht gefällt, diesen
aus dem Sattel zu werfen und sich selber drauf zu setzen. Sehr ermutigt,
dieser Verfratzung der Ebenbildlichkeit entgegenzutreten, hat mich Jakob
Böhme, dessen Schriftchen über die Gnadenwahl ich zu den tiefsten
Erleuchtungen der ganzen Christenheit rechnen möchte.« Dieser Hinweis des
Philosophen ist geeignet, das Buch des Görlitzer Schusters — es ist wohl mehr
als »ein Schriftchen« — vor einen großen geistesgeschicht-lichen Horizont zu
rücken. Hier wird kein geringeres Thema als das der Theologie und der
Philosophie der Freiheit aufgeworfen. Vor allem geht es um die Reichweite
dessen, was Luther die »Freiheit des Christenmenschen« genannt hat. Die Frage
drängt sich auf: Verfügt der um Frieden und Bruderliebe bemühte Görlitzer
Handwerker über den geistigen Heroismus, der nötig ist, um dem Wittenberger
Reformator und dem Heer seiner beamteten Nachfolger entgegenzutreten? Ist das
fromme Gemeindeglied nicht längst durch den Bannspruch seines lutherischen
Seelsorgers, des Görlitzer Oberpfarrers Gregor Richter, in aller
Öffentlichkeit als gefährlicher Ketzer gebrandmarkt? Nicht darum ist es Böhme zu
tun, mit Martin Luther die Klinge zu kreuzen. Sein Name bleibt ohnehin
unerwähnt. Immerhin, Böhme hat Antwort zu geben. Konnte er von seinem
geheimnisträchtigen Erstlingswerk, der »Aurora« sagen, er habe das Manuskript
sich selbst »zum Memorial« geschrieben und an keine Veröffentlichung gedacht,
so trifft das für das neue Werk nicht zu. Als er zum Jahresbeginn 1623 zur
Feder greift, um vom Willen Gottes über die Menschheit Zeugnis abzulegen, da
hat er bereits den Höhepunkt seines schriftstellerischen Schaffens erreicht.
Ungeachtet des kirchlichen Verbots sind seit 1618/19 in rascher Folge etwa
zwei Dutzend Bücher und Traktate entstanden, die einerseits von der Fülle
seiner geistigen Schau, andererseits von der spirituellen Erfahrung als
Geisteslehrer und als Seelenführer künden. Ein Garnhandel, den der
Schuster zusammen mit seiner Frau seit wenigen Jahren betreibt, um seine
Familie schlecht und recht zu ernähren, gibt ihm Gelegenheit zu wiederholten
Reisen durch Schlesien. Böhme hat infolge der wiederholten Angriffe Anlaß,
das Inkognito eines fahrenden Händlers zu nutzen. So ist es ihm möglich,
seine Freunde und geistlichen Schüler im Lande zu besuchen. Wir wissen von
einigen schlesischen Reisen; wir hören von vertrauten Gesprächen mit
alchymistisch Laborierenden. Böhme weiß aber diesen Unterredungen immer
wieder die Wendung zu geben, daß es nicht um ein äußeres Werk gehe, denn das
alchymistische Opus der Transmutation hat im Menschen zu beginnen. Im
Menschen hat es sich zu vollenden. Unerläßlich ist daher die Klärung der
Frage nach der ewigen Bestimmung des Menschen: Ist der Mensch zum Guten oder
zum Bösen prädestiniert, etwa im Sinn von Jean Calvin, — oder ist der
menschliche Wille frei? Nicht nur Freunde und
Anhänger, Ärzte und Angehörige des lausitzisch-schlesischen Landadels sind
es, die sich mit ihrem spirituellen Meister beraten wollen. Auch
philosophisch gebildete, in der gelehrten Diskussion geübte Zeitgenossen, die
der Botschaft des Görlitzers skeptisch gegenüberstehen, verlangen nach
begründeten Aufschlüssen. Wir hören von einer literarisch vorgetragenen
Polemik eines gewissen Tilke oder Tölke, der den Autor der »Aurora« vehement
attackiert. Böhme schlägt Anfang 1621 in Gestalt seiner ersten »Schutzschrift
wider Balthasar Tilke« zurück: »Was darfst du einen solchen schädlichen
Pasquill (Schmähschrift) unter die Leute aussprengen und meine geschriebne
ungedruckte Schriften, die ich nur für mich selber zu einem Memorial hatte
geschrieben, welche mir ohne meinen Willen ans Licht kommen, richten und mich
also leichtfertig, ganz nach teuflischer Art verdammen? Ist dirs befohlen
worden, du Splitter-Richter? Es war dir nicht um den Autor des Buchs (d.h.
der »Aurora«) zu tun, sondern daß du deine schönen, hochverständigen Gedanken
möchtest sehen lassen, wie du ein Meister der Schrift und ein verständiger
Mann wärst. Ich befinde dich aber in Babel mit einem unchristlichen Gemüt …«
(I, 429f). Als sich Böhme Ende
April/Anfang Mai des gleichen Jahres von Görlitz aus in das Gebiet von
Striegau aufmacht, trifft er auf dieser seiner ersten schlesischen Reise mit
einer kleinen Gruppe von Männern zusammen, um mit ihnen über dieses Thema der
Gnadenwahl zu sprechen. Welchen Verlauf die Diskussion genommen haben wird,
ist in Andeutungen in Böhmes schriftlichen Antworten und Briefen enthalten.
Denn gleich nach der Rückkehr aus dem Striegauischen setzt Böhme zur zweiten
Verteidigungsschrift gegen Tilke an. Mit welchem Selbstbewußtsein er sich dem
Gegner stellt, besagen die Sätze: »Ich habe meine Erkenntnis von Gott und
nicht von euren Tand-Schulen, da ihr um Worte zanket und beißet als ein Hund
um ein Bein« (Tilke II, 257). Ferner: »Ich habe meine Wissenschaft nicht von
Wahn oder Meinungen wie ihr, sondern ich habe eine lebendige Wissenschaft in
der Beschaulichkeit und Empfindlichkeit. Ich darf (d.h. brauche) keinen
Doktor von der Schule dieser Welt dazu.« (Tilke II, 53). So ist Böhme überzeugt, daß
er genug legitimiert sei, Stichhaltiges zum zentralen Thema zu sagen.
Wenngleich die zweite Schutzschrift wider Tilke als Traktat über die
Gnadenwahl ausgegeben wird, hält es der Autor für nötig, sich in einer
gesonderten Darlegung zu äußern. Daher heißt es im Begleitschreiben an den
Striegauer Arzt Johann Daniel Koschwitz: »Ich bin aber bedacht, ein ganz Buch
davon zu schreiben, sofern ich werde vernehmen, daß man mir nicht wird also
giftig widerstreben ohne Erkenntnis, wes Geistes Kind ich sei.« Kaum ist Böhme von seiner
dritten schlesischen Reise zurückgekehrt, macht er sich an die Arbeit der
Niederschrift. Binnen weniger Wochen entsteht unser Buch »Von der
Gnadenwahl«. Schon am 8. Februar 1623 kann er das in den ersten Januartagen
begonnene Manuskript abschließen. Dafür bleibt das offensichtlich vor der
Reise begonnene kleine Werk »Die hochteure Pforte von göttlicher
Beschaulichkeit« (Theoscopia) unvollendet. Und um die vier leer gebliebenen
Blätter des Manuskripts zu nützen, schreibt Böhme tags darauf seine »Kurze
Andeutung von dem Schlüssel zum Verstande göttlicher Geheimnisse«. Unter dem
Titel »Von wahrer Buße — das zweite Büchlein« (De Poenitentia — Liber 2) hat
dieser Zusatz in späteren Ausgaben, so auch in der von 1730, Aufnahme
gefunden1. 1) Beide Schriften
»Theoscopia« und »De Poenitentia II« sind in dem Band »Christosophia« — Ein
christlicher Einweihungsweg (Insel Verlag Frankfurt 1991) enthalten. Wenn Leopold Ziegler das
Buch »Von der Gnadenwahl« zu den »tiefsten Erleuchtungen der ganzen
Christenheit« rechnen möchte, dann bleibt nur noch anzufügen, wie Böhme seine
Schrift selbst bewertet hat. In »Clavis oder Schlüssel« nennt er diesen
Traktat »sehr scharf im Verstande und eines der klaresten unter meinen
Schriften«. — Ungeachtet dieses Selbstzeugnisses verlangt der Autor seinem
Leser ein nicht unerhebliches Maß an Geduld und auch an Kongenialität ab.
Gemeint ist die Bereitschaft, der spiralförmigen Denkbewegung Böhmes zu
folgen und sich gleichsam von innen her diesem leidenschaftlichen Plädoyer zu
nähern, das die Übermacht der göttlichen Gnade mit der Entscheidungsfreiheit
des Menschen in Einklang zu bringen strebt. Was im Zusammenhang des
Kommentars zu den christosophischen Schriften zu sagen war, in denen Böhme
die Stationen eines christlichen Einweihungswegs bezeichnet, das gilt im
Grunde auch hier: Je länger man sich mit Böhmes Aufzeichnungen befaßt, desto
deutlicher wird, daß er nicht nur die Inhalte seines Schauens und Sinnens
mitteilen will. Seine eigentliche Absicht besteht darin, den Suchenden,
Fragenden, Anklopfenden, vor allem den Angefochtenen unter seinen Lesern
einen Weg zu zeigen, der zum Ziel der Menschwerdung des Menschen führt. So
ist Böhme auch hier beides: ein Geisteslehrer, der die Ergebnisse seiner
Erkenntnis darstellt, und er ist ein Seelenführer, der die Suchenden auf den
Pfad der inneren Entwicklung stellt1. 1) Vgl. Gerhard Wehr: Die
deutsche Mystik. O. W. Barth Verlag München 1988, 238 ff; desgleichen:
Esoterisches Christentum. Verlag Klett-Cotta Stuttgart 1995. __________________ Und was sein Buch »Von der
Gnadenwahl« anlangt, so ist sich Jakob Böhme seiner Adressaten gewiß, wenn er
dort Kap. 13, 16 abschließend schreibt: »Wer aus Christo ist, der
wird es wohl verstehen; den anderen Spöttern und Klüglingen, welche die
Vernunft zum Meister haben, denen haben wir nichts geschrieben.« * * * Vorrede
des Autoris Bereits die ersten Zeilen
der Vorrede nennen den eigentlichen Kontrahenten, den der Verfasser ins
Visier zu fassen gedenkt: Es ist »die Vernunft«. Böhme versteht darunter
durchwegs den »kreatürlichen Wahn« (2) als den Inbegriff eines Mangels an
tief lotender und umfassender Erkenntnis. Wie fern Böhme einem etwaigen
Erkenntnisskeptizismus oder Agnostizismus ist, besagt der unmittelbare
Kontext: Gottes Wesen und Wille sind sehr wohl erkennbar, und zwar nicht als
Objekte in einem undefinierbaren, »fremden« Jenseits »außer dem Orte dieser
Welt, hoch über dem Gestirne«. Vielmehr gelten nach wie vor die Worte, mit
denen er etwa elf Jahre zuvor seine »Aurora« intoniert hat, wo es im 1.
Kapitel heißt: »So man aber will von Gott
reden, was Gott sei, so muß man fleißig erwägen die Kräfte in der Natur, dazu
die ganze Schöpfung, Himmel und Erden. Der Ansatz von der Basis
eines universalen Gottes- und Wirklichkeitsbildes ist somit da wie dort der
gleiche. Daraus sind nun entsprechende Folgerungen für die Frage der
Vorherbestimmung und Freiheit des Menschen zu ziehen. Auch diesbezüglich ist
Böhmes Zielangabe bereits in den ersten Abschnitten der Vorrede (2f.) klar:
In einem »streitigen Wahn« ist der verhaftet, der von einer unabänderlichen
göttlichen Vorherbestimmung (»Vorsatz«) ausgeht. Der bibelvertraute Verfasser
faßt sogleich auch das Problem ins Auge, wonach die Hl. Schrift
Widersprüchliches (»Contraria«) zum Thema sagt. Seine Aufgabe schließt
demnach eine Auslegung kontroverser Stellen ein, wie sie seine theologischen
Gegner ins Feld geführt haben. Der um brüderliches
Einvernehmen bemühte Schreiber versäumt auch nicht, die wohlmeinende Absicht
seines Tuns zu bekräftigen, ein Zug, den er trotz klarer Ablehnung der
Position der »Gnadenwähler« bis ins letzte Kapitel hinein durchzuhalten
gedenkt. Kennen wir von der ersten »Schutzschrift wider Balthasar Tilke« her
mancherlei polemische Wendungen, so hat Böhme den Geist der Versöhnlichkeit
längst zurückgewonnen, geht es ihm doch darum (5), die Ursachen von »Streit
und Widerwillen, auch Spaltungen und Trennungen« aufzudecken, um zu »mehrerem
Verstande des göttlichen Willens« (6) durchzudringen. Die Imagination des
Baums, von der »Aurora« her wohlvertraut, dient dazu, die Gemeinschaft im
Geist der »wirkenden Liebe im Seinsgrund Christi« (7) zu veranschaulichen. 1. Kapitel: Von dem einigen Willen Gottes Daß Böhme alles andere als
ein naiver Bibelleser ist, zeigen die einleitenden Abschnitte, die auf die
Spannungsgeladenheit alttestamentlicher Aussagen über Gott hindeuten. Das
Bekenntnis zum »einen Gott« und zum »ewigen Einen« (1,3) duldet keine Annäherung,
etwa an platonisch-neuplatonische Vorstellun-gen. Der Böhmesche
Zentralbegriff des »Ungrundes«, der die Gegensätze von Licht und Finsternis,
von Liebe und Zorn usw. übersteigt, ist »ungründlicher, unfaßlicher,
unnatürlicher und unkreatürlicher Wille« (1,4). Von diesem Ungrund heißt es
in dem umfänglichen Genesis »Mysterium Magnum« (1,4) einmal, er sei »das
Chaos, da alles innen lieget«. Das Gottes- und
Schöpfungsgeheimnis liegt für Böhme darin, daß dieser Ungrund als ein mit
allen schöpferischen Potenzen gefülltes »Nichts« zu einem »Etwas« findet
(1,5). Das Mysterium einer einzigen großen Selbstentäußerung Gottes wird
Ereignis. Das erste Kapitel der »Gnadenwahl« möchte nun in der Weise den
Schleier, der darüberliegt, lüften, daß der verborgene Gott als der
vorgestellt wird, der sich in seiner Dreigestalt entbirgt (1,6 f.; 1,22 ff.),
und zwar — anscheinend — über das trinitarische Bild des christlichen Dogmas
hinaus. Eine vierte Manifestation kommt in den Blick, nämlich »Gottes
Weisheit und Beschaulichkeit«. Damit ist die kosmologische Seite des
Sophien-Geheimnisses berührt. Wir wissen von der göttlichen Sophia aus der
althebräischen weisheits-literatur und nicht zuletzt aus der kabbalistischen
Tradition. Jakob Böhme ist nun derjenige, der der göttlichen Sophia im Raum
der nachreformatorischen Mystik Heimat recht verschafft hat. Zu den ersten
großen Dokumenten gehört das bedeutsame Werk »Das Geheimnis der göttlichen
Sophia«, das der unter dem Einfluß Böhmes stehende Gottfried Arnold im Jahre
1700 hinausgehen ließ. Die große anthropologische Bedeutung der »Jungfrau
Sophia« und die geistliche Vermählung mit ihr kennen wir bereits aus den in
dem Band »Christosophia« vereinigten Schriften. Hier möchte Böhme die
göttliche Sophia offensichtlich nicht als Teil einer Quaternität (Vierheit)
sehen, weshalb er nach der Nennung der vier Manifesta-tionsweisen der
Gottheit (1,7) ausdrücklich fortfährt: »Dieses dreifaltige Wesen …« Von
Manifestationsweisen zu sprechen kann übrigens nur einen recht vorläufigen,
uneigentlichen Sinn haben, denn Vater, Sohn und Geist im Spiegel der Weisheit
sind »vor« aller, jenseits aller Schöpfung; sie sind jenseits aller
Kategorien (1,8) Inbegriff des »einigen Willens«. Es ist im besonderen der
Wille und die Lust zur Selbstoffenbarung des im Status des Ungrundes
befindlichen Gottes. Um inhaltlich-theosophische
Aussagen handelt es sich hier und in den folgenden Abschnitten insofern, als
Böhme den Blick des Lesers (1,18 ff.) auf den »Gott außer der Natur und
Kreatur« richtet, wobei Jehova (1,16) — Böhme schreibt diesen Gottesnamen
meist in großen Lettern! — jenen kraftenden Willen meint, der der Trinität
und der göttlichen Weisheit zugrunde liegt, jenseits von Gut und Böse (1,20
ff.), jenseits aller Differenzierung (1,23) und nicht lokalisierbar (1,27).
Böhmes Aufforderung, in einem meditativen Akt die Vorstellung vom
»ausgesprochenen, geformten Wort« wegzunehmen, um des »ewigsprechenden
Wortes« der puren Gottheit inne zu werden, unterstreicht die Vorläufigkeit
und Uneigentlichkeit der Gottesbilder überhaupt 1,29). Da überrascht der
Hinweis (1,29), daß es trotz allem einen Weg zu Gott gebe und daß der nicht
lokalisierbare Gott nirgends anders ist als im Menschen selbst. Von diesem
Vorverständnis aus hofft der Verfasser des Buches »Von der Gnadenwahl« (1,30
f) Licht in die Probleme seines Werkes zu tragen. 2. Kapitel: Vom Urstand Gottes Wie schon eingangs
festgestellt, ist es die »kreatürliche Vernunft« (2,1), die dazu neigt, von
ihrer bedingten Existenz auf den Unbedingten zu schließen. Dabei bedarf
dieser Unbedingte nicht einmal eines Ratschlusses (2,4). Aber weil das
»Nichts« zum »Etwas« dringt, weil die Selbstentfaltungstendenz das Wesen
dieses fortzeugend-gebärenden Gottes ausmacht, deshalb gibt es Offenbarung.
Dieser Dynamik, die in Gott und über ihn hinaus zur Darstellung strebt,
begegnen wir bei Böhme auf Schritt und Tritt. Ein Ausdruck ist bisweilen der
Begriff der »Qual« (Quall), der das Motiv des Quellens enthält. Ein anderer
Terminus ist der der »Scienz« (2,9 und mehrfach). Gemeint ist nicht in erster
Linie das darin anlautende lateinische Wort »scientia«, Weisheit, sondern der
Willens- und Bewegungsimpuls des »Ziehens«, auch des Tendierens oder
Strebens. Wieder ist es die dynamische Grundbedeutung, die diesem Böhmeschen
Begriff innewohnt. Des halb kann der Autor (2,24) davon sprechen, daß
»Scienz« als das »magnetische Ziehen« und als der »Anfang der Natur«
anzusehen sei. Und die »ewige Scienz« (2,19) entspricht dann der »kräftigen
Offenbarung seines Wortes«. Unnötig zu sagen, daß das göttliche Wort nicht
verbal verkürzt zu denken ist. Es ist gemäß Röm. 1,16 eine »Dynamis«. Während diese »Scienz« in
die »Schiedlichkeit«, das heißt in die Bezirke des Kreatürlichen
hineindrängt, verharrt Jehova im Stande der »Temperatur« ist der andere, in
diesem Buch häufig gebrauchte Terminus Böhmes für Harmonie und Ausgewogenheit
(2,20), wie sie vor jeder Aufspaltung und Differenzierung besteht. Die
Stadien des großen Entfaltungsprozesses der Gottheit sind demnach: der
»Urstand« des ewigen Willens, dem harmonische »Temperatur« eignet, sodann;
das »Aushauchen« seiner Kraft »in eine Scienz zur Schiedlichkeit und zur
Offenbarung der Kräfte«; es ist der Umschlag von der undifferenzierten
Einheit des »ewigsprechenden Wortes« zur differenzierten, endlich auch wahrnehmbaren
Vielheit des »ausgesprochenen Wortes«. Jetzt erst kann von dem
»Mysterium Magnum« (2,22) gesprochen werden, in dem der verborgene Gott zum
offenbaren Gott geworden ist. Und im Blick auf das Thema des Böhmeschen
Buches; Jetzt erst zeigt sich Gott, der zuvor in sich selbst ruhte, bald als
der liebende, bald als der zürnende Gott. Die Kreatürlichkeit stellt sich dar
im »Spiritus Mundi«, wörtlich: Geist der Welt, konkret: im Zeichen von
Sulphur, Mercurius, Sal (2,23 f). Man muß sich nur hüten, Sulphur mit
Schwefel, Mercurius mit Quecksilber, Sal mit Salz gleichzusetzen. Noch haben
wir es nicht mit chemischen Stoffen zu tun, sondern eher mit dem
alchymistischen Urprinzip des Stofflichen überhaupt. Erst in ihm »urständen«
die Elemente und Qualitäten, die sich in der Schöpfung finden. Nicht zu
übersehen ist die trinitarische Struktur, die durch diese drei »Ersten«, wie
Böhme die Dreiheit dieser Prinzipien auch nennt, signalisiert wird. Auf die Frage, warum
eigentlich der verborgene Gott, »Jehova«, hervortritt und die
»Widerwärtigkeit« des Geschöpflichen auf sich nimmt, gibt Böhme die Antwort:
Er tut es um seiner Selbstoffenbarung willen. Erst am Widerstand der
»Peinlichkeit« und des Sterbens, dem alles Geschöpfliche unterworfen ist,
wird das den Tod überwindende »heilige Leben« (2,31 f) gewonnen. Wenngleich Böhme sein Buch
als eine seiner »klarsten« Schriften ausgibt, ist es an manchen Stellen
schwer verständlich. Aber aus einer gedanklich und sprachlich so überladenen
Satzkonstruktion wie 2,34 geht doch zweierlei hervor: Der Mensch ist —
ähnlich wie Adam durch Luzifer — gefährdet; zum andern gibt es für ihn eine
Überwindung der »verderbten adamischen Scienz«, nämlich durch Christus. Diese
Überwindung ist möglich, weil Gott das Böse, somit das Unheil im Sinn einer
Prädestination des Menschen zur Verdammnis nicht will (2,37). 3. Kapitel: Von der Einführung der feurischen Scienz Böhme ist bestrebt, seine
theosophisch-kosmosophische Schau biblisch zu verankern. Andererseits
legitimiert ihn seine besondere Spiritualität zur Interpretation der Heiligen
Schrift. — Die ersten Zeilen der Genesis und des Johannes Prologs bilden
einen Ausgangspunkt für seine Bezugnahme. Die »Scienz« nimmt ihren Anfang in
dem Schöpfungswillen Gottes. Sie wird so zum »Anfang der Natur« (3,2). Dieser
Anfang drückt sich in einer Reihe von sieben »Species Naturae« (3,3 ff) aus.
Ein Vergleich mit kabbalistischen Emanations-vorstellungen liegt nahe, obwohl
Böhme grundsätzlich weit davon entfernt ist, etwaige Vorlagen lediglich zu
kopieren. Wieder begegnen wir einer
trinitarischen Struktur (3,6 ff). Zum einen wird an ihr die Beziehung zur
Gottheit von Vater, Sohn und Hl. Geist deutlich; zum andern repräsentiert sie
Prinzipien des Stofflichen in Sal, Sulphur und Mercurius (3,10). Die Tendenz
des Schöpfungswillens ist klar: Leibwerdung, »Leiblichkeit ist das Ende der
Wege Gottes« (Oetinger). Alles Irdische »urständet« im Geistigen, doch erst
die durch die »Scienz« bewirkte »Compaction« oder Verdichtung des Geistigen
ermöglicht die Selbstoffenbarung Gottes. Fremd ist Böhme der gnostische
Dualismus, der Geist und Materie in tragischer Weise auseinandergerissen hat.
Die Offenbarung ist nicht möglich, ohne daß sich Licht und Feuer, Liebe und
Zorn im »Schrack« — also geradezu in einem kosmischen Schreckerlebnis —
begegnen, wodurch die »Schiedlichkeit« der Kräfte empfunden werden kann
(3,16). Licht und Feuer treten auf als Erscheinungs-weisen Gottes (3,18). Etwaigen Mißverständnissen,
die in Einreden enthalten sind, Böhme materiali-siere oder vermenschliche
seine theosophisch-kosmosophischen Schilderungen, tritt er mit dem Hinweis
entgegen, das von Gott und vom Mysterium des Kosmos Gesagte sei nicht
»irdisch« zu verstehen. Es handelt sich vielmehr um eine Maßnahme, mit der
der Autor dem Leser entgegenkommen möchte, indem er dem Geheimnis »nachsinnet
und sich in den innern Grund schwinget« (3,19). Dieser methodische Wink ist
von grundsätzlicher Wichtigkeit. Unser Autor will und darf nicht buchstäblich
genommen werden. Geisteslehrer und Seelenführer ist Böhme gerade darin, daß
er den Empfängern seiner Bücher mit dem »Nachsinnen« eine Denkbemühung
zumutet; das ist das eine. »Sich in den innern Grund einschwingen«, das
deutet auf einen meditativ-kontemplativen Akt hin. Nur so ist es zu verstehen,
daß Böhme seine Lehrmitteilungen mit anthropo-sophischen, das heißt mit
menschenkundlichen Auskünften und Appellen verquickt1. Denn nicht
nur auf der Ebene von Gottheit und Schöpfung gibt es jene »Auswickelung« aus
dem Zustand der »Temperatur«. Der Mensch selbst umfaßte in seinem Urbild
beide »Tinkturen«, die des Männlichen und des Weiblichen. Die ursprüngliche
harmonische Ganzheit ist infolge des Falls zerbrochen. Christus ist es, der
die verlorene Einheit wieder hergestellt hat (3,22). Und wenn Böhme (3,23)
sagen kann: »Allhie lieget das Perilein der ganzen Welt«, so deutet er auf
das Mysterium hin, das auch in alchymistischen Zusammenhängen zu er gründen
und zu realisieren gesucht wurde2. 1) Einschlägige Texte sind
zusammengetragen und erläutert in Jakob Böhme: Die Morgenröte bricht an.
Freiburg 1983 (Herder-Bücherei 1077). 2) Gerhard Wehr:
Esoterisches Christentum. Von der Antike zur Gegenwart. Verlag Klett-Cotta
Stuttgart, 2. erweiterte Auflage 1995. — Ders.: Heilige Hochzeit. Kösel
Verlag München 1986. Und nicht zufällig
appelliert Böhme (3,23) an »die Weisen«; es sind »die Unsern«, die
Geistesverwandten, Initiierten und innerlich Gereiften. Das Signum für
wirkliches Verstehen und Gereiftsein aber ist die Demut (3,28). Allein diese
Seelenhaltung ist der Begegnung mit der »Jungfrau Sophia« gewachsen, sonst
droht eine luziferische Überwältigung. Die Tiefenpsychologie C. G. Jungs
spricht von der Inflation, bei der Inhalte des Unbewußten die
Persönlichkeitsstruktur überfluten und die Konsistenz des Ichbewußten
gefährden. Im Verlauf seiner
Schilderung der sieben »Species Naturae«, die uns an die »sieben
Naturgeister« der »Aurora« erinnern, gelangt Böhme (3,38) zu einer wichtigen
Feststellung, die für sein Wirklichkeitsverständnis charakteristisch ist: Wir
sehen die Welt insofern nur halb, als sich das »gebärende Wesen in den
Schleier des Sichtbaren eingehüllt hat. Ewigkeit birgt sich in der Zeit
(3,40). Und ist nicht alles Äußere ein »in Geheimniszustand erhobenes Inneres
(Novalis)? 4. Kapitel: Vom Urstande der Creation Es liegt Jakob Böhme immer
wieder daran, sich als denjenigen auszuweisen, dem eine »Pforte« aufgetan
ist, nämlich »zu wissen, was der Herr zu dieser Zeit in den Menschen wissen
will« (4,2). Der Mensch ist somit der eigentliche Ort der Offenbarung und des
Wunders. Von daher eröffnet sich auch »die ganze Creation«, die im Urgrund
wurzelt (4,3 f.) und die sich als »sprechendes Wort« wieder, und zwar in
sichtbarer, wahrnehmbarer Weise »ausspricht« (4,6 ff) In diesem Zusammenhang
macht uns Böhme mit seiner Lehre von den drei Prinzipien bekannt, die in
seinem gesamten Denken und Sinnen von großer Bedeutung sind: erste Prinzip
des göttlichen Schöpfungswillens liegt im Zentrum der Natur, in einem
grimmigen, dunklen Feuer (4,8), Ausdruck des zornigen, eifrigen Gottes. — Das
zweite Prinzip entfaltet das Wesen der Liebe Gottes, eine Fülle des Lichts
(4,9). Erst im dritten Prinzip wird das Sieben-Tage-Werk der Schöpfung
erreicht (4,10; vgl. 3,39f), nämlich in ihrer urbildlichen paradiesischen
Gestalt. Böhme bezeichnet diesen Weltzustand als ein »ringend Liebe-Spiel«
(4,12). Das Schöpfungswort »fiat«, es werde, ist es, das das »Begreifliche«
aus dem »geistlichen Wesen« heraussetzt (4,14 ff). Die Abschnitte 4,17 ff.
fassen das bisher Dargestellte knapp zusammen. Wenn sich Böhme hier und
später des Bildes vom »Uhrwerk« bedient, dann liegt ihm nichts ferner, als
die Dynamik in der Natur zu einer Maschine zu degradieren. Es geht ihm mehr
um die innere und die äußere Gesetzmäßigkeit eines großen Kreislaufs. Im
übrigen werden wir in Rechnung stellen sollen, daß der gelernte Schuster ein
Uhrwerk unvoreingenommen bestaunen konnte. Indem Böhme auf den Dienst
der Engel in den drei Hierarchien oder Prinzipien zu sprechen kommt (4,21 ff)
legt er dar, wie der freie Wille in ihnen, aber auch im »Particular«, das
heißt im Bereich der Schiedlichkeit zur Geltung komme (4,25 ff). Böhme
deduziert, er leitet Verhältnisse in den Teilen vom Ganzen, Vehältnisse in
der Schöpfung vom Schöpfer ab. Entsprechendes gilt für den Fall Luzifers, von
dem er Auswirkungen auf Natur und Menschheit ableitet (4,27 ff). Für unser Thema ist es
aufschlußreich zu sehen, wie sehr es dem Verfasser der »Gnadenwahl« daran
liegt nachzuweisen, daß selbst Luzifer in freier Entscheidung gehandelt habe
(4,32 ff). Ausgangspunkt für Böhmes Erwägungen ist die Feststellung: Am
Anfang »ist kein Vorsatz, sondern eine Geburt« (4,42). Der einzige Vorsatz
und Wille ist der, »daß Gott will Gott gebären und durch Natur offenbaren«.
Alles Fragen nach Vorherbestimmung und Gnadenwahl — so werden wir im Sinne
Böhmes folgern dürfen — hat sich daran zu orientieren. 5. Kapitel: Vom Urstand des Menschen Was Böhme mit seinem Werk
im Sinne hat, das sagt er (5,11) mit aller Deutlichkeit. Es ist der Versuch,
das Woher und das Wohin, Urbild, Fall und Wiederherstellung des Menschen
aufzuzeigen. Das ist Thema und Inhalt seiner Lehre. Das biblische Zeugnis
soll schließlich die Probe aufs Exempel liefern. Daß Gott den Menschen nach
seinem Bild geschaffen hat, möchte der
Autor als die Zugrundelegung einer archetypischen Figur (»Model«)
deuten. Gott sieht auf diese Weise — Böhme sagt: »im Spiegel der Weisheit«
(5,12) — den Menschen und alle Dinge. So ist, wie wir bereits gesehen haben,
das ganze Werk der Schöpfung »das geformte Wort Gottes«. In der Natur spricht
sich Gott selbst aus, wiewohl er — entgegen der pantheistischen Deutung —
nicht einfach mit der Natur identisch ist oder in ihr aufgeht (5,16). Jedem
Element wohnt die zugehörige archetypische Geistgestalt inne (5,17). Böhme
entfaltet eine Entsprechungslehre, die an die hermetische Tabula Smaradina
erinnert: »Wie Oben, so Unten«. Doch er meint nicht nur ein
Analogieverhältnis, sondern lebendige, lebenzeugende Wechselbeziehung (5,19
f.). Göttliche Kraft durchwirkt die Natur im Geist der Liebe, während sein Zorn
im »Zentrum der Finsternis« waltet (5,23). Wenngleich Böhme die
stoffliche Leiblichkeit der Schöpfung wie auch des Menschen bejaht, liegt ihm
doch sehr daran, die Wortstruktur des göttlichen »Fiat« zu betonen. Als ein
Kenner der Natursprache, in der Vokale und Konsonanten jeweils bestimmten
Form- und Wirkkräften entsprechen, mag er geahnt haben, daß die
Schöpfungsworte der Genesis den Charakter von Mantras haben1.
Böhme weiß um die Kraft des »Fiat«. 1) Hermann Beckh: Neue Wege zur
Ursprache (dort besonders: Es werde Licht, Schöpfungsworte der Bibel). Verlag
Urachhaus, Stuttgart 1954. Andererseits wäre es ihm zu
wenig gewesen, wenn man die spirituellen Gehalte des Genesis-Buches auf die
gedanklichen Abstraktionen einiger theologischer daß-Sätze verkürzt hätte.
Nicht umsonst unterscheidet er (z.B. 11,34) deutlich zwischen dem
»geschriebenen Wort« der bloßen Buchstaben und dem »lebendigen Wort«, das
erst die Voraussetzung allen Sprechens ist. (Bezüglich bloßer daß-Sätze hat
sich Böhme ebenfalls geäußert, z.B. Kap. 10,34). In einem
geistesgeschichtlichen Augenblick, in dem sich eine einseitige
naturwissenschaftlich-materialistische Betrachtung des Menschen ankündigt,
tritt Böhme als Anwalt eines Menschenbildes auf, in dem wohl die äußere
physische Wesensseite voll respektiert wird. Als leibfeindlicher Spiritualist
aber ist gerade Böhme nicht zu verdächtigen. Doch liegt ihm daran, die
Einzigartig-keit der physischen Leiblichkeit des Menschen besonders
herauszustellen. Denn »der Mensch ist ein Bild der ganzen Creation aller drei
Prinzipien, nicht allein im Ente der äußern Natur ...« (5,29). Die andere
Besonderheit des Menschen ist die, daß sein Urbild Adam nackt und doch »mit
der großen Herrlichkeit bekleidet« war als »eine männliche Jungfrau«, als
eine androgyne Ganzheit. Zusammen mit anderen Stellen im Werk Böhmes stellen
die letzten Abschnitte des 5. Kapitels einen wesentlichen Beitrag zu einer
spirituellen Menschenkunde und Erotik dar1. 1) Ernst Benz: Adam, der
Mythus vom Urmenschen. O. W. Barth Verlag, München-Planegg 1956. / Gerhard
Wehr: Der Urmensch und der Mensch der Zukunft. Das Androgyn-Problem
männlich-weiblicher Ganzheit im Lichte der Anthroposophie Rudolf Steiners.
Verlag Die Kommenden, Freiburg 1977; ders: Heilige Hochzeit. Kösel Verlag
München 1986, 91 ff. Böhme blickt nicht zurück
auf das verlorene androgyne Menschenbild; er blickt auch prophetisch nach
vorne auf den »Heiland und Wiedergebärer«, der das gefallene Bild des
Menschen erneuert. Urbild und Zukunftsbild sind miteinander verbunden. 6. Kapitel: Vom Falle des Menschen und seinem Weibe. Indem Böhme widersprüchlich
anmutende Schriftstellen zu seinem Thema zitiert, setzt er seine Erörterung
des androgynen Menschen fort (6,3 ff.) Damit verbindet er die Thematik seines
Buches. Danach urständet der Anfang der »Schiedlichkeit« nicht in Gott. Sie
sei vielmehr auf die »feurische Scienz« in der »ewigen Natur« zurückzuführen,
also auf die dem Schöpfungsgeschehen innewohnende Dynamik (6,10).
Bemerkenswert ist zweierlei: Die Menschheitstragik wird durch »Fürst Luzifer«
ausgelöst; gleichzeitig wird der »heilige Name Jesus« — Böhme schreibt ihn
mit großen Lettern! — »zu einem Wiedergebärer« einverleibt. Schöpfung und
Erlösung sind auf diese Weise in einen unmittelbaren Zusammenhang gebracht.
Immer wieder betont er, daß sich nicht irgendein Vorsatz Gottes
schicksalsbestimmend ausgewirkt habe, sondern daß die Kräfte der Scienz, die
zur Schöpfung drängten, sich in ihr verwirklichten, vom Göttlichen
»abbrachen« (6,22). Und eben darin manifestiert sich freier Wille (6,23).
Selbst das Jüngste Gericht setzt die Willensfreiheit voraus (6,24). Nicht von
außen empfängt die Kreatur den Impuls zum Bösen oder Guten; der Wille dazu
entsteht in ihr (6,30). Es liegt auf der Hand, daß wir in all dem, was Böhme
zu seinem Problem zu sagen hat, weniger Argumente oder gar Beweise erwarten
dürfen. Eher handelt es sich um Bekenntnisse, die letztlich für sich sprechen
müssen. Beispiele für die Art der
Böhmeschen Bibelauslegung, wie sie sich u.a. 6,43 ff. finden, zeigen, daß er
auch in der Schrift mancherlei Entsprechungen entdeckt. In alttestamentlichen
Bildern und Berichten erblickt Böhme Vorschattungen des kommenden Heils.
Demnach ist Adam vor dem Fall eine allegorische »Figur« für Christus. Die
Zahl vierzig legt ohnehin Vergleiche nahe, die Verbindungs-linien, etwa
zwischen der vierzigjährigen Wüstenwanderung Israels und der vierzigtägigen
Versuchung Jesu, ziehen lassen. Wichtiger ist Böhme, daß der »Todesschlaf«
Jesu die neutestamentliche Überwindung des »Schlafes« Adams signalisiert: Christus
mußte »in ihm«, das heißt in sich, Adam »im Reiche Gottes wieder aufwecken«
(6,44). So hofft der Interpret den »Grund des Alten und Neuen Testaments«
auszuloten. Und was Böhme einst das »ausgesprochene Wort« nannte, das sieht
er nun durch Adam personifiziert, während Christus das »ewigsprechende Wort«,
nämlich der neuen Schöpfung, darstellt. So gesehen, wurde die
urbildliche Harmonie bereits durch die Erschaffung Evas »zerbrochen« (6,46).
Das ursprüngliche im Androgyn Adam aufgehobene weibliche Prinzip ist ja die
Frucht jenes Schlafs. Durch sein Sterben und Auferstehen hat Christus die
Ganzheit wiederhergestellt. Daß Böhme gelegentlich die Geschlechtsmerkmale
als »viehische Glieder« schmäht, ist letztlich wohl nur als Ausdruck der
Trauer über den Verlust der einstigen Lichtgestalt Adams (vgl. 5,35) zu
erklären. Der Baum der Erkenntnis, an
dem der paradiesmensch scheitert, wird bei Böhme zum »Versuchbaum«, an dem
sich erstmals der freie Wille erweisen kann, »wohin sich die menschliche,
seelische Scienz … würde hinwenden wollen« (6,47). Daraus ergibt sich die
Tragik des Sündenfalls. 7. Kapitel: Von der tierischen Offenbarung im Menschen Die Folge des Sündenfalls
gleicht einem Sterben bzw. Einschlafen im Reich Gottes und einem Aufwachen im
Reich der Natur. Der lichtumkleidete Adam nimmt animalische Gestalt an (7,6).
Gott wird für ihn zum »zornigen Gott«. Erst wenn die Gestirne der äußeren
Natur am Karfreitag ihren Schein verlieren, wenn Jesus stirbt, kann das im
Sündenfall erloschene »ewige Licht« von neuem aufleuchten. Böhme deutet diese
Zusammenhänge als einen einzigen großen Gestaltwandel. Da gibt es keinen
endgültigen Tod, sondern nur eine Metamorphose vom Geistigen ins Leibliche
und umgekehrt. Wichtig ist dem Autor der
»Gnadenwahl«, daß sich Gott der menschlichen Seele nicht etwa völlig entzog.
»sondern die Scienz des freien Willens entzog sich Gotte« (7,12). Das heißt
doch: die Gültigkeit des freien Willens erweist sich gerade darin, daß ein
Nein zum Willen Gottes möglich ist und auch tatsächlich gesprochen wird.
Wiederholt zieht Böhme die Distel für sein Gleichnis heran, denn wiewohl sie
das Licht und die Wärme der Sonne empfängt, beharrt sie in ihrem stacheligen
Wesen. Böhme will sagen: sie setzt ihren Willen gegen die Sonne durch. Böhme kehrt zu seinem
zentralen Thema zurück, wenn er aufs neue von dem Liebeswillen Gottes
spricht, der »vor der Welt Grunde« seiner Schöpfung »den heiligen Namen Jesu«
gleichsam fermentartig eingefügt hat (7,16). So wird das in Adam verbliebene
Menschenbild als »das Ziel seines ewigen heiligen Willens« zu einer Hoffnung
auf Erlösung und Wiederherstellung für die Menschheit und für den ganzen
Kosmos. Adam und Eva sind durch ihren Fall nicht endgültig von Gott getrennt,
vielmehr ist es Eva, die Mutter der Lebendigen und Repräsentantin des
Weiblichen schlechthin, die als Heilsträgerin ausersehen wird. Sie soll gemäß
dem Genesis Bericht »dem Teufel den Kopf zertreten« (7,19). So liegen in Eva
die Anfänge von Unheil und Heil, »ehe sie eines Kindes schwanger ward«
(7,22). Wenn Böhme Mal um Mal
anhebt, widersprüchlich scheinende Stellen der Schrift zu deuten, ist er von
»brüderlichen« Gesinnung gegenüber jenen erfüllt, die andere Auffassungen als
er vertreten (7,25 ff). Aus den windungsreichen, oft schwer zu
durchschauenden Gedankengängen heben sich bei Böhme immer wieder solche
Passagen heraus, in denen er wie im Klartext redet. Eine solche Stelle ist
auch 7,29: Das widrige Zorn-Feuer und somit alles Widrige, Negative sind
demnach nicht Selbstzweck, sondern sie dienen dazu, den dunklen Hintergrund
zu bilden, von dem das »Liebe-Feuer« bzw. Liebe-Licht um so strahlender
offenbar werden kann. Schelling kann später formulieren: Wäre das Nein nicht,
so wäre das Ja ohne Kraft. Böhme spricht ein Geheimnis
aus, wenn er einerseits in »Jehova« den heilwirkenden Namen Jesu wahrnimmt,
andererseits den weiblichen Part Adams vor dem Fall mit der »Jungfrau Sophia«
und mit der Kraft der Liebe identifiziert. Schließlich ist der
»allerinwendigste Grund im Menschen Christus« (7,37). Von daher ergibt sich
eine anthropologische Dreigliederung, denn als »zweiter Grund« erscheint die
Seele als »ewige Natur« des Menschen und als Gefäß Christi; der »dritte
Grund« ist sodann der physische Leib, den der Mensch mit den vier Elementen
teilt bzw. durch sie aufbaut. Wir haben demnach ein christozentrisches
Menschenbild vor uns, das jedoch nicht nur ein für allemal vorgegeben ist,
sondern das je und je der Aktualisierung bedarf (7,45). Was Böhme in seinen
christosophischen Schriften die »Vermählung mit der Jungfrau Sophia« nennt,
heißt hier »Neugeburt aus Sophia«. Diese Neugeburt ist ein innerer Vorgang
der Verwirklichung. Er läßt sich keinesfalls durch eine »angenommene
auswendige Gnade« ersetzen (7,42). Damit wendet er sich gegen eine
Veräußerlichung von Gnade und Glaube, wie sie ihm in seiner eigenen Kirche,
gerade in ihr, begegnet ist. Gemeint ist, daß sich der »Gläubige« mit dem
verbalen Zuspruch zufrieden gibt, ohne sich in der Tiefe seines Wesens zu
verändern. Böhme läßt daher die Berufung auf die Tat Christi ebenso wenig
gelten wie eine angebliche Vorherbestimmung zum Guten, denn sie machte jeden
Willenseinsatz überflüssig (7,65). Im übrigen soll gesagt sein, daß Gottes
»Wahl« und Bestimmung erst einsetzt »zur Erntezeit« des Endgerichts, das
heißt nachdem eine Zeit der freien Entscheidung und Bewährung eingeräumt
worden ist. 8. Kapitel: Von den Sprüchen Hl. Schrift. Böhme wird nicht müde,
seine Lehre von den drei Prinzipien darzustellen und in der Sprache des
Gleichnisses die Brücke zwischen sinnlicher und übersinnlicher Wirklichkeit
zu schlagen. Vor allem kehrt das Motiv des Baums, das wir von der »Aurora«
her kennen, wieder (8,9-18). Hier wird es als Gleichnis für den Urstand und
die Herkunft des Menschen gebraucht, der seinerseits in den
Lebenszusammenhang mit den Kräften und Elementen des Kosmos eingefügt
erscheint. Das »ewige Mysterium«
manifestiert sich »im äußern Mysterium«, in dem sich das »ewige Wort«
ausspricht (8,25). So sind es vertraute Gedankengänge, die Böhme wiederholt.
Denkbewegung und Darstellungsart entsprechen sich. Was nun den göttlichen
»Vorsatz« anlangt, so besteht er einerseits im Willen zur Schöpfung,
andererseits (8,31) in der »Ein-Bildung« des Namens Jesu, wodurch die enge
Beziehung von Schöpfung und Erlösung bestätigt wird. Bedeutsam für den
Menschen ist es, daß der als Träger des Heils verstandene Jesus als ein neues
Leben stiftendes »Gnadengeschenk umschließt (8,37 ff). Freilich weiß Böhme
auch von der Tatsache, daß schon beim Lebensbeginn eines jeden Menschen der
»erweckte Zorn Gottes« mitgegeben ist (8,40). Deshalb kommt es zum »Streit um
den Menschen« (8,47). Das »Reich der Gnade« und das der vom Zorn-Feuer
erfüllten Natur stehen gegeneinander. Der Geist Christi ist es, der sich in
den Seelengrund »eindrängt« (8,58). Böhme verwendet das vor allem in der
Alchymie gebräuchliche Bild der Coniunction, bei der der männliche Same in
den weiblichen Schoß »eindrängt« (8,52). Gezeugt wird »das Geisteskind im
Seelenschoß« (Rudolf Steiner). Böhme widmet sich im
besonderen jenen Schriftstellen, die den einladenden Charakter des
Evangeliums hervorheben (8,66; 8,70) und somit zur Entscheidung für oder
gegen Christus auffordern. Deshalb zieht er eine Summe, die Taufe und
Verkündigung zu einer ständigen Anrede des zur Entscheidung rufenden Gottes
werden lassen (8,71 ff). Von ausschlaggebender Bedeutung ist, daß auch der
vom Bösen Infizierte »inwendigen Centro« der Seele von Christus erfüllt ist.
Auch, ja gerade der Sünder hat die Möglichkeit der Umkehr (8,84). Die
seelenaktive Grundhaltung des Menschen ist unerläßlich. Selbst der irdische
Leib muß »in sich Christus helfen gebären«. Freilich ist diese mystische
Gott-Geburt im Seelengrund immer eine »Kreuz-Geburt« (8,94). Daraus leitet
Böhme jedoch keinen Leidenspessimismus ab. Er weiß sich zugleich geborgen im
Frieden und in der Freude Christi. So fängt die Neugeburt nicht erst in der
zukünftigen Auferstehung an, sondern bereits jetzt (8,97 ff). Daher der
Appell zu friedlicher Eintracht; denn »Christus ist funden worden« (8,104).
Religiöse Streitigkeiten sind absurd. 9. Kapitel: Vom Gegensatz der Sprüche der Schrift. Die ersten Abschnitte
halten nochmals fest, daß der in sich ruhende, außer und vor der Kreatur
wesende Gott »kein Macher« (9,7) ist, somit auch nicht vorherbestimmend auf
den Menschen einwirke. Die Entscheidungsinstanz liege im Menschen selber. Böhme setzt von neuem zur
Bibelauslegung an, indem er in alttestamentlichen Gestalten Typen einer
zukünftigen Erfüllung sieht. So wie Adam vor dem Fall auf den zweiten Adam
Christus hinweist, so ist auch Abel eine gleichnishafte »Figur im Bilde
Christi« (9,21). Die Adamssöhne Kain und Abel personifizieren demnach die
beiden Wesensseiten Adams, das heißt des Menschen — Kain die naturhafte, Abel
die Gnaden (9,23). Entsprechendes gilt für Ismael und Isaak sowie für Esau
und Jakob. Diese gegensätzlichen Brüderpaare der altisraelischen
Erzvätergeschichte stehen letztlich für die innere Gegensätzlichkeit des
Menschen schlecht hin. In der christologischen Perspektive ist es »adamischer
Wille«, durch den Christus stirbt (9,39). Und dieser Wille ist — so paradox
es scheint — heilsnotwendig (9,40 f.). Die weiteren ausführlichen,
meist umständlichen Erwägungen zur Willensfrei-heit Adams und Kains führen zu
dem bereits bekannten Ergebnis: Nicht Gott hat die Ursache zur »Verstockung«
gegeben, weil und sofern er »nur eine brennende Liebe« ist. Der Grund liegt
im Menschen selbst (9,57 ff). Verdammenswert ist jedoch nicht der böse
Mensch, sondern die böse Tat (9,61). Sie wiederum geht letztlich auf die
Machenschaften des Teufels zurück. Dagegen ist es Christus, der »in dem
inwendigen, in Adam eingesprochenen Grunde der Gnade« den Menschen anredet
und einlädt (9,63). Den Vorgang der Entfernung
Adams, das heißt des Menschen von Gott, veranschaulicht sich Böhme anhand der
Schicksale von Abrahams und Saras Magd Hagar und deren Sohn Ismael (9,65 ff).
Christusbezüge werden herge-stellt. Zug um Zug überträgt Böhme in der Weise
allegorischer Bibelauslegung Einzelelemente des alttestamentlichen Berichts
ins Neutestamentliche. Eine christologische Entsprechung anderer Art —
nämlich als ein »Gegenspiel« — ist nach Böhme das dritte ungleiche Brüderpaar
Esau und Jakob (9,81 ff). So wie Jakob die Seinen fluchtartig verlassen
mußte, wurde auch Christus von den Seinen, von der Welt, die ihn nicht
aufnehmen wollte, verstoßen. Beide Male geht es um mehr als eine nur äußere
Schilderung. Böhme setzt die Kenntnis der jeweiligen biblischen Wortlaute
ohnehin voraus. Christi Heilstat bestand demnach darin, die Kains-, Ismaels-
und Esau-Naturen zu retten (9,93). Was nun die »Wiederbringung
des ersten Wesens«, das heißt Adams im Vergleich zu dem zweiten Adam anlangt,
so ist dieser dem ersten überlegen, weil er ganz aus Glaube, Liebe und
Hoffnung besteht (9,97). So sind Abel, Isaak und Jakob Typen, genauer:
Präfigurationen (Vor-Bildungen) des Menschen, in dem ein neues Leben anhebt
(9,106). Ausführlich hat Böhme die Zusammenn-änge in seinem großen
Genesis-Kommentar »Mysterium Magnum« (1622/23) dargestellt. 10. und 11. Kapitel: Schriftvergleiche Böhme setzt in diesen
Kapiteln seine Schriftvergleiche und Deutungen fort. Weiterhin ist es ihm
darum zu tun, Widersprüchliches aufzuschlüsseln. Kap. 10,16 zeigt, auf welche
Weise ihm die Harmonisierung gelingt. Zwar lehnt auch Böhme das Prinzip
beliebiger Machbarkeit ab; Neugeburt ist und bleibt Gnade (10,18). Doch ist
die Bereitschaft zur Buße, der Wille zur Veränderung, die in jedem einzelnen
zu beginnen hat, unerläßlich. Es liegt im Wesen
Böhmeschen Denkens und Darstellens, daß er zu bereits besprochenen Themen immer
wieder zurückkehrt und früher Gesagtes in kaum modifizierter Form wiederholt.
Die Kritik an einer Veräußerlichung der Gnade ist ein solches Thema. Die
bloße Berufung auf den »rechten Weg zur Seligkeit« und auf die reine Lehre im
Sinne der Orthodoxie, etwa auf die lutherische Rechtfertigungslehre, erklärt
er für nichtig (10,27 ff). Entsprechend hart und drastisch fällt das Urteil
aus, das er über die »blinde Hure Babylon« fällt (10,28). Ausschlaggebend ist
allein das In-Christo-Sein (10,29). Es ist bezeichnend für Böhme, daß er den
Schwerpunkt des theologischen Problems nicht auf der Ebene der Argumentation
sucht, sondern — als Seelenführer — auf dem Weg zu Christus (vgl. Texte und
Erläuterungen in dem Band »Christosophia«). Das Wissen um theologische Tatbestände
muß einer existentiellen Erfahrung weichen, der, daß Christi Leben, Sterben
und Auferstehen »auch in mir geschehe« (10,34). Böhmes Landsmann und
spirituellem Schüler Angelus Silesius (Johannes Scheffler) verdanken wir in
seinem berühmten »Cherubinischen Wandersmann« die Verse: Wird
Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, Und
nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren. Das
Kreuz zu Golgatha kann dich nicht von dem Bösen, Wo
es nicht auch in dir wird aufgericht‘, erlösen. Und um den Realitätsgrad
dessen, was »essentialiter« statt gefunden haben muß, anzuzeigen, greift
Böhme gelegentlich auf alchymistische Termini zurück, etwa auf den der
»Transmutation« (10,38), die eine bis in die Wesenstiefen des Menschen
hineinreichende Wandlung meint. Bloßes »Mund-bekennen«, das sich mit der
Wiederholung von frommen Formeln begnügt, trägt das Stigma des Antichrists
(10,43). Umgekehrt läßt Böhme dort einen inneren Zugang zu Christus gelten,
wo eine äußere Begegnung mit der Christusbotschaft nicht möglich war (10,44
ff; 11,3). Böhme ist sich seiner
Situation in und am Rande der verfaßten Kirche längst bewußt. Denn seitdem er
in der »Aurora« sein Schauen mitgeteilt hat und dafür als ein gefährlicher
Irrlehrer öffentlich verleumdet worden ist, gilt er auf der Seite seiner
lutherischen Kirche als »Schwärmer«, der das »Amt« verachte (11,14). Somit
besteht gerade hier ein Gegensatz zwischen ihm als dem geisterfahrenen Charismatiker und dem auf
Bekenntnisformeln schwörenden Amtsträger, dessen spirituelle
Unerfahrenheit offenkundig wird. Gotteserkennt-nis gründet nicht allein auf
»Buchstaben«, sondern auf dem »lebendigen Wort, das den Buchstaben hat
ausgesprochen« (11,34). So ist spirituelle Eigenerfahrung die Legitimation
für den Umgang mit Lehre und Verkündigung (11,38). Skepsis gegenüber
spirituellen Möglichkeiten verrät Unerfahrenheit (11,41). 12. Kapitel: Kurzer Bericht etlicher Fragen Wie immer die Art der
äußeren Anrede und Verkündigung erfolgen mag, wesentlich ist, daß »die Stunde
des inwendigen Hörens« (12,11) schlägt. Der Ort dieses Hörens liegt nirgends
anders als im »Abgrund« der Seele (12,16), wo Gott selbst von Ewigkeit her
Wohnung genommen hat. Das ist auch die von der Tiefenpsychologie zu
bestätigende Beobachtung, wonach Selbsterfahrung und Gotteserfahrung aufs
engste zusammengehören. Von einer nur psychologischen Sicht unterscheidet
sich Böhme dadurch, daß er die Notwendigkeit einer spirituellen Aktivität
hervorhebt: Nur dort tritt der anklopfende Christus ins Seeleninnere ein, wo
der Mensch ihn einläßt. Das sagt einer, der sich selbst als »ein Bote aus
Gottes Gerechtigkeit« versteht (12,27), wodurch der Ernst der Stunde
eindringlich hervorgehoben wird. Das Mysterium des Bösen,
das im gesamten Werk Böhmes eine große Rolle spielt, wird in diesem Kapitel dort
berührt, wo (12,48 ff) sich der Autor der meist venachlässigten
Schattengestalt des Judas annimmt und sie in ihrer Heilsnotwendigkeit für die
Fortdauer des Prozesses Christi ausdrücklich bestätigt1. 1) Zum
theologisch-tiefenpsychologischen Aspekt vgl. Gerhard Wehr: Tiefenpsychologie
und Christentum — C. G. Jung. Pattloch Verlag Augsburg 1990. — Ders.:
Selbsterfahrung durch C. G. Jung. Freiburg 1995 (Herder/Spektrum 4376). 13. Kapitel: Summarischer Schluß Das Ergebnis seines teils
in Form allegorischer Bibelauslegung, teils im Katechismusstil vorgetragenen
Traktats lautet: Gottes Gerechtigkeit und Gnade sind beide unermeßlich
(13,3). Diese Spannung von Grimm und Liebe ist auszuhalten, doch von
zwingender Vorherbestimmung kann nicht die Rede sein. Das Gnadenangebot gilt
jedem. Die aktive Hinwendung zu diesem Angebot aber bleibt unerläßlich
(13,7). Verbale oder formale Beteuerungen, denen keine Wesenswandlung
zugrunde liegt, nützen nichts (13,9); ebenso wenig ein zeitlicher Aufschub
der Buße. Christi Apostel empfangen ihre Bevollmächti-gung allein dadurch,
daß sie »selber in Christo leben … und Christi Stimme in sich haben« (13,11). Es ist die Stimme dessen,
der zur Freiheit »vom Gesetz der Sünden« befreit hat (13,13). Aus dieser
Freiheit heraus appel liert Jakob Böhme an die unmittelbaren Empfänger
seines, wie er meint, knapp ausgeführten Buches, indem er zu einer
brüderlichen Gesinnung aufruft und sich selbst an der Geist- erkenntnis
anderer erfreuen will (13,20). Wesentlich ist, daß die Ausgangsbasis, Christus,
dieselbe bleibt. Fassen wir zusammen: Wohl
besteht da und dort die Gefahr, daß der an eine klare Gedankenführung
gewöhnte heutige Leser angesichts des oft weit ausholenden Böhmeschen
Gedankengangs Thema und Ziel des Werks aus dem Blick verliert. Und doch
dienen auch gelegentliche weitschweifige Exkurse letztlich der Antwort auf
die Frage nach der sogenannten Gnadenwahl, das heißt sie dienen der
Beantwortung der Frage nach Vorherbestimmung oder Freiheit des Menschen.
Dieses existentielle Thema, das gerade vom religiös suchenden Menschen immer
wieder aufgeworfen wird, behält Böhme selbst im Auge. Er stellt sich
entschieden auf die Seite derer, die für die Freiheit des Christenmenschen,
ja für die Freiheit des Menschen überhaupt eintreten. Und so stellt das Buch
»Von der Gnadenwahl« den Versuch dar, einer wie auch immer gearteten
Vorherbestimmungslehre und einem darauf gründenden Fatalismus
entgegenzutreten. Der »Schluß«, das.
Resultat, zu dem Böhme gelangt, ist spätestens im 11. Kapitel deutlich
ausgesprochen: »Darum ist das unser wahrer Schluß, daß über keinem Menschen
ein vorsätzlicher Schluß zur Verdammnis sei gemacht, daß es nicht möglich
sei, daß er könne bekehret werden. Denn obwohl der Mensch sich selber nicht
kann bekehren, so hat aber seine Seele Macht, von ihrem Urstande, aus der
ewigen Scienz des Ungrundes her sich in den Abgrund zu schwingen und in den
Grund, darinnen Gott sein Wort gebieret … Daß aber einer sagen wollte, die
Seele könne sich nicht in den Abgrund schwingen, der redet als einer, der
noch lange nichts vom Geheimnis Gottes versteht …«. — Und gerade darin
besteht die Absicht des Görlitzer Geisteslehrers und Seelenführers, bei
seinen Lesern spirituelles Verstehen in Gang zu bringen und den Weg zum
Mysterium zu zeigen. _________________ Eine wichtige Ergänzung des
Buches »Von der Gnadenwahl« stellen Böhmes »Theosophische Sendbriefe«
(1618-22) dar, zumal sie auch biographische Zusammenhänge beleuchten. * * * Von der Gnadenwahl
oder Von dem
Willen Gottes über die Menschen Vorrede des
Autoris an den Leser
Wenn die Vernunft höret von
Gott reden, was er nach seinem Wesen und Willen sei, so bildet sie sich ein,
als sei Gott etwas Fernes und Fremdes, welcher außer dem Orte dieser Welt,
hoch über dem Gestirne wohne und regiere also nur durch seinen Geist mit
einer allgegenwärtigen Kraft im Loco (Ort) dieser Welt; seine Majestät aber
in Dreifaltigkeit, da Gott insonderheit offenbar sei, wohne im Himmel außer
dem Loco dieser Welt. 2. Und daher fället sie
auch in einen kreatürlichen Wahn, als ob Gott was Fremdes sei und habe vor
Zeiten der Schöpfung der Kreaturen und dieser Welt einen Ratschlag in sich
selber in seiner Dreiheit durch die Weisheit gehalten, was er machen wollte
und wozu alles Wesen solle, und habe also ihm (Gott) einen Vorsatz in sich
selber geschöpfet, wohin er ein jedes Ding ordnen wollte. 3. Aus welchem der
streitige (umstrittene) Wahn entstanden ist vom Ratschlag über die Menschen,
als hätte Gott aus seinem Vorsatz einen Teil der Menschen zum Himmelreich in
seine heilige Wonne erkoren und das andere Teil zur ewigen Verdammnis, in
denen er wollte seinen Zorn offenbaren, und hingegen an den andern
Auserwählten seine Gnade. Und habe also aus seinem Vorsatz einen Unterschied
gemacht, seine Macht in Liebe und Zorn sehen zu lassen; und derowegen müßten
alle Dinge notwendig also geschehen, und werde das Teil des Zorns aus Gottes
Vorsatz also verstocket und verworfen, daß keine Möglichkeit mehr zur Hulde
Gottes sei, hingegen in den andern keine Möglichkeit zur Verdammnis. 4. Und obwohl die Hl.
Schrift mit fast dergleichen Sprüchen redet, auch die kreatürliche Vernunft
mit einstimmet, welche nicht verstehet, was Gott ist, so redet sie doch auch
hingegen viel mehr das Contrarium (Gegenteil), daß Gott nichts Böses wolle
oder aus seinem Vorsatz gemachet habe. Diese beiden Contraria nun, wie das in
seinem Grunde eigentlich zu verstehen sei, wollen wir dem christlichen
unparteiischen Leser, des Grundes und der Wahrheit Suchern und Liebhabern,
sie zu einigen und den wahren Verstand zu gründen, eine kurze Andeutung geben
nachzusinnen und unsere empfangene Gaben, wie das ergriffen worden in Gnaden
des höchsten Gutes, ihm zu erwägen wohlmeinend darstellen. Nicht der Meinung,
jemanden dadurch anzugreifen oder zu verachten wegen seiner ergriffenen
Meinung, sondern zu christlicher und brüderlicher Vereinigung unserer Gaben,
die wir untereinander haben aus göttlicher Gnaden. 5. Gleichwie die Äste und
Zweige eines Baumes einander nicht allerdings (in jeder Hinsicht) gleich in
der Form stehen und doch in einem Stamme stehen und einer dem andern Ens
(Sein) und Kraft giebet und einführet und sich in einem Stamme alle erfreuen,
blühen und Frucht tragen, und keine Mißgunst wegen der Stärke und
Ungleichheit ist, und ein jeder Ast zu seiner Frucht und Ernte arbeitet, also
mag es mit unsern ungleichen Gaben auch wohl geschehen. So wir nur unsere
Begierde in die rechte wahre Mutter, als in unsern Stamm, einführen und je
ein Ast des Baums dem andern immerdar seine Kraft in gutem Willen giebet und
uns nicht in eine Selbheit und eigene Lust eigener Liebe, als in Hoffart, —
in willens über unsere Mutter, in der wir stehen und über alle ihre Kinder
auszufahren und ein eigener Baum sein wollen — einführen noch des Teufels
Gift der Eigenheit und falschen magnetischen Impression (Beinflussung) in uns
nehmen, daraus Streit und Widerwillen, auch Spaltungen und Trennungen
entstehen; da sich je ein Zweig des menschlichen Baumes vom andern abtrennet
und ihm sein Ens und Kraft nicht gönnet, auch für abtrünnig und falsch ausrufet,
sich aber auch nur selber als seinen abtrünnigen Zweig seiner Brüder im
falschen Glanze darstellet und erkannt wird, daraus die vielen der Streite
unter den Menschen entstanden sind. 6. Denen allen wollen wir
andeuten, was des Streites Ursprung sei und woraus die Meinungen und
Spaltungen natürlich urständen; auch denen andeuten, was der wahre Grund der
einigen Religion sei, daraus so viel Meinungen und Spaltungen entstanden sind
und woher das Contrarium von der Welt her sei entstanden, zu mehrerem (besseren)
Verstande des göttlichen Willens nach Liebe und Zorn, wie das alles gründlich
zu verstehen sei. 7. Und vermahne den
liebhabenden Leser, sich in göttlicher Demut in Gott und seine Mit-Äste oder
Brüder zu ersenken, so mag er unsern empfangenen tiefen Sinn und Begriff wohl
ergreifen und von allen Irrungen in die wahre Ruhe, allda alle Dinge im Wort
und Kraft Gottes inne ruhen, eingekehret werden. Und empfehlen ihn der
wirkenden Liebe im Ente (Seinsgrund) Christi und unserm wohlgemeinten Willen
und Begierde in seinem Willen.
Amen. * * * Von dem einigen Willen Gottes und von Einführung seines
Wesens seiner Offenbarung
— Was der einige Gott
sei — 1,1 Gott spricht im Mose in einer offenbarten Stimme zu dem Volke Israel,
unter welcher Stimme er sich aus seiner Verborgenheit in einen offenbaren
Schall auf förmlich kreatürliche Art einführte und hören ließ, auf daß ihn
die Kreatur möchte fassen: Ich, der Herr, dein Gott, bin ein einiger Gott; du
sollst keine anderen Götter neben mir ehren (Exod. 20,2.3; Deut. 6,4) Item
(desgleichen) Moses saget: Der Herr unser Gott ist ein zorniger, eifriger
Gott und ein verzehrend Feuer. Item am andern Ort: Gott ist ein barmherziger
Gott. Item: Sein Geist ist eine Flamme der Liebe (Deut. 4,24.31). 1,2. Diese jetzt erzählten Sprüche scheinen alles ein Contrarium
(Widerspruch) zu sein, indem sich Gott einen zornigen Gott und ein verzehrend
Feuer nennet, und dann auch eine Flamme der Liebe, welcher nichts als alleine
gut sein kann, sonst wäre er nicht Gott als das einige Gute. 1,3. Denn man kann nicht von Gott sagen, daß er dies oder das sei, böse oder
gut, daß er in sich selber Unterschiede habe. Denn er ist in sich selber
naturlos, sowohl affekt- und kreaturlos. Er hat keine Neiglichkeit zu etwas,
denn es ist nichts vor ihm, dazu er sich könnte neigen, weder Böses noch
Gutes. Er ist in sich selber der Ungrund, ohne einigen Willen gegen der Natur
und Kreatur, als ein ewig Nichts. Es ist keine Qual (Qualität im irdischen
Sinne) in ihm, noch etwas, das sich zu ihm oder von ihm könnte neigen. Er ist
das einige Wesen und nichts ist vor ihm oder nach ihm, daran oder darinnen er
sich könnte einen Willen schöpfen oder fassen. Er hat auch nichts, das ihn
gebäret oder giebet. Er ist das Nichts und das Alles, und ist ein einiger
Wille, in dem die Welt und die ganze Kreation lieget. In ihm ist alles
gleich-ewig ohne Anfang, in gleichem Gewichte, Maß und Ziel. Er ist weder
Licht noch Finsternis, weder Liebe noch Zorn, sondern das ewige Eine. Darum
saget Moses: Der Herr ist ein einiger Gott (Deut. 6,4). 1,4. Derselbe ungründliche, unfaßliche, unnatürliche und unkreatürliche
Wille, welcher nur einer ist, und nichts vor ihm noch hinter ihm hat, welcher
in sich selber nur eines ist, welcher als ein Nichts und doch alles ist. Der
ist und heißet der einige Gott, welcher sich in sich selber fasset und findet
und Gott aus Gott gebieret. 1,5. Als nämlich: Der erste unanfängliche einige Wille, welcher weder böse
noch gut ist, gebieret in sich das einige ewige Gute als einen faßlichen
Willen, welcher des ungründlichen Willens Sohn ist, und doch in dem
unanfänglichen Willen gleich-ewig; und derselbe andere Wille ist des ersten
Willens ewige Empfindlichkeit und Findlichkeit, da sich das Nichts in sich
selber zu Etwas findet. Und das Unfindliche, als der ungründliche Wille,
gehet durch sein ewig Gefundenes aus und führet sich in eine ewige
Beschaulichkeit seiner selber. 1,6. Also: (1) heißet der ungründliche Wille ewiger Vater; (2) und der
gefundene, gefassete, geborne Wille des Ungrundes heißet Ens (Sein und Wesen)
darinnen sich der Ungrund im Grund fasset. (3) Und der Ausgang des
ungründlichen Willens, durch den gefasseten Sohn oder Ens heißet Geist, denn
er führet das gefaßte Ens aus sich aus in ein Weben oder Leben des Willens,
als ein Leben des Vaters und des Sohnes. (4) Und das Ausgegangene ist die
Lust als das Gefundene des ewigen Nichts, da sich der Vater, Sohn und Geist
innen siehet und findet, und heißet Gottes Weisheit oder Beschaulichkeit. 1,7. Dieses dreifaltige Wesen in seiner Geburt, in seiner
Selbst-Beschaulichkeit der Weisheit, ist von Ewigkeit je gewesen und besitzt
in sich selber keinen andern Grund noch Stätte als nur sich selber. Es ist
ein einig Leben und ein einiger Wille ohne Begierde, und ist weder Dickes
noch Dünnes, weder hoch noch tief; es ist kein Raum, Zeit noch Stätte,
besitzet auch in sich weder Dickes noch Dünnes, weder Höhe noch Tiefe noch
Raum oder Zeit, sondern ist durch alles in allem, und dem allem doch als ein
unfaßlich Nichts. 1,8. Gleich wie der Sonnen Glanz in der ganzen Welt, in allem und durch
alles wirket, und dasselbe All kann doch der Sonnen nichts nehmen, sondern
muß sie leiden und mit der Sonnen Kraft wirken, auf solche Weise wird Gott
betrachtet, was er außer der Natur und Kreatur in sich selber, in einem
selbstfaßlichen Chaos außer Grund Zeit und Stätte sei, da sich das ewige
Nichts in ein Auge oder ewig Sehen fasset zu seiner Selbst-Beschaulichkeit,
Empfindlichkeit und Findlich keit, da man nicht sagen kann, Gott hat zwei
Willen, als (das heißt) einen zum Bösen und den andern zum Guten. 1,9. Denn in der unnatürlichen, unkreatürlichen Gottheit ist nichts mehr als
ein einiger Wille, welcher auch der einige Gott heißt. Der will auch in sich
selber nichts mehr als nur sich selber finden und fassen und aus sich selber
ausgehen und sich mit dem Ausgehen in eine Beschaulichkeit (Sichtbarkeit)
einführen, darinnen man die Dreiheit der Gottheit samt dem Spiegel seiner
Weisheit als dem Auge seines Sehens, verstehet: darinnen alle Kräfte, Farben,
Wunder und Wesen in der ewigen einigen Weisheit, in gleichem Gewichte und Maß
ohne Eigenschaften verstanden werden als ein einiger Grund des Wesens aller
Wesen; eine in sich selber gefundene Lust oder Begierde zum Etwas, eine Lust
zur Offenbarung oder Findung der Eigenschaften, welche göttliche Lust oder
Weisheit in sich selber, im ersten Grunde doch ganz ohne Eigenschaften, ist.
Denn wären Eigenschaften, so müßte auch etwas sein, das die Eigenschaften
gäbe und verursachte. Nun aber ist keine Ursache zu den göttlichen Kräften
und zu der göttlichen Lust oder Weisheit, als nur bloß der einige Wille,
nämlich der einige Gott, welcher sich in eine Dreiheit selber einführet als
in eine Faßlichkeit seiner selber. Welche Faßlichkeit das Zentrum als das
ewige gefaßte Eine ist. Und wird das Herze der Sitz des ewigen Willens Gottes
geheißen, da sich der Ungrund in einem Grunde besitzet, welches die einige
Stätte Gottes ist, und doch in keiner Teiligkeit oder Schiedlichkeit, denn es
ist nichts davor, damit es möchte gegleichet werden. 1,10. Dieses Herze oder Zentrum des Ungrundes ist das ewige Gemüte, als des
Wollens, und hat doch nichts vor ihm das es wollen kann als nur den einigen
Willen der sich in dieses Zentrum einfasset. So hat auch der erste Wille zum
Centro auch nichts, das er wollen könnte, als nur diese einige Stätte seiner
Selbst-Findlichkeit. Also ist der erste Wille der Vater seines Herzens oder
der Stätte seines Findens, und ein Besitzer des Gefundenen als seines
eingebornen Willens oder Sohnes. 1,11. Der ungründliche Wille, welcher der Vater und alles Wesens ein Anfang
ist, gebieret in sich selber zu einer Stätte der Faßlichkeit; oder besitzet
die Stätte, und die Stätte ist der Grund und Anfang aller Wesen und besitzet
hinwieder den ungründlichen Willen, der der Vater des Anfangs zum Grund ist. 1,12. Also ist der Vater und sein Sohn als die Stätte zu einer Selbheit ein
einiger Vater eines einigen Willens; welcher einige Wille, in der gefasseten
Stätte des Grundes, aus sich selber aus der Fassung ausgehet, wo er mit seinem
Ausgehen ein Geist genannt wird, und scheidet sich der einige Wille des
Ungrundes mit der ersten, ewigen, unanfänglichen Fassung in dreierlei
Wirkung, und bleibet doch nur ein Wille. Als der erste Wille, so Vater
heißet, der wirket in sich den Sohn als die Stätte der Gottheit. Und die
Stätte der Gottheit, welche des Vaters Sohn ist, wirket in sich in der
Findlichkeit als die Kraft der Weisheit; welche Kräfte alle in dem Sohne
urständen, und sind allhie alle Kräfte doch nur eine einige Kraft, und die ist
die empfindliche, findliche Gottheit in sich selber, in einem einigen Willen
und Wesen, in keiner Unterschiedlichkeit. 1,13. Diese gefundenen, gebornen und gewirkten Kräfte als das Zentrum aller
Wesen Anfänge hauchet der erste Wille, welcher Vater heißet, in der
Empfindlichkeit seiner selber aus der einigen Kraft, welche sein Sitz oder
Sohn ist, aus sich aus, auf Art gleichwie der Sonnen Strahlen aus dem
magischen Feuer der Sonnen aus sich ausschießen und der Sonnen Kraft
offenbaren. Also ist derselbe Ausgang ein Strahl der Kraft Gottes als ein
bewegend Leben der Gottheit, das sich der ungründliche Wille hat in einen
Grund eingeführet als in eine wallende Kraft. Dieselbe haucht der Wille zur
Kraft aus der Kraft aus, und der Ausgang heißet der Geist Gottes und machet
die dritte Wirkung als ein Leben oder Weben in der Kraft. 1,14. Die vierte Wirkung geschiehet nun in der ausgehauchten Kraft als in der
göttlichen Beschaulichkeit oder Weisheit, da der Geist Gottes, welcher aus
der Kraft urständet, mit den ausgehaucheten Kräften als mit einer einigen
Kraft mit sich selber spielet, da er sich in der Kraft in Formungen in der
göttlichen Lust einführet, gleich als wollte er ein Bilde dieser Gebärung der
Dreiheit in einen besondern Willen und Leben einführen als eine Fürmodelung
(Ausgestaltung) der einigen Dreiheit. Und dasselbe eingemodelte Bild ist die
Lust der göttlichen Beschaulichkeit. Und da man doch nicht soll ein faßlich
kreatürlich Bild einer Umschriebenheit verstehen, sondern die göttliche
Imagination als den ersten Grund der Magiae, daraus die Kreation ihren Anfang
und Urstand genommen hat. 1,15. Auch wird in derselben Inmodelung oder magischen Fassung in der
Weisheit das englische und seelische wahre Bilde Gottes verstanden, da Moses
saget (Gen. 1,27): Gott schuf den Menschen in seinem Bilde — das ist: in dem
Bilde dieser göttlichen Einmodelung nach dem Geiste; und zum Bilde Gottes
schuf er ihn nach der Kreatur der geschaffenen leiblichen Bildlichkeit. Also
auch ist es mit den Engeln, nach dem göttlichen Wesen aus göttlicher Weisheit
zu verstehen. Der kreatürliche Grund aber soll hernach angedeutet werden,
darinnen die Eigenschaften liegen. 1,16. In dieser obgemeldeten Erzählung verstehen wir nun kurz summarisch, was
Gott außer Natur und Kreatur sei, da er im Mose saget: Ich, der Herr dein
Gott, bin ein einiger Gott. — Dessen Name heißet in der sensualischen Zungen
(dem geistigen Sinne nach), da sich diese göttliche Gebärung in den Kräften
der einigen Weisheit in eine Fassung der Bildnis seiner selber einführet,
Jehova, als eine eingefassete Lust des Nichts in Etwas oder das ewige Eine,
welches etwann möchte auf eine Art entworfen werden mit einer solchen
Bildung, und da es doch kein meßlich (meßbar, begrenzbar) oder abteilig Bilde
oder Wesen ist, sondern dem Gemüte nachzusinnen. 1,17. Denn diese in sich selber Inbildung ist weder groß noch klein und hat
nirgend keinen Anfang noch Ende, als nur, wo sich die göttliche Lust in ein
Wesen seiner Beschaulichkeit einführet als in der Kreation; in sich selber
aber ist die Bildung unendlich und die Formung unumschrieben. Gleichwie die
Einmodelung des Menschen Gemütes unmeßlich in einer immerwährenden Form
stehet, da sich unzählig viel Sinnen mögen in dem einigen Gemüte modeln und
fassen, welche in der irdischen Kreatur doch meistenteils aus der Phantasei
des Sternen-Gemütes urständen und nicht aus den Kräften des innern Grundes
der göttlichen Weisheit. 1,18. Allhie wollen wir nun den Leser erinnern, wie daß Gott in sich selber,
soviel er Gott außer der Natur und Kreatur heißet, nicht mehr als nur einen
einigen Willen habe, der ist, daß er sich selber giebet und gebieret. Der
Gott Jehova gebäret nichts als Gott, das ist: es gebäret sich nur ein Vater,
Sohn und Hl. Geist in die einige göttliche Kraft und Weisheit. 1,19. Gleichwie die Sonne nur einen einigen Willen hat, der ist, daß sie sich
selber giebet und mit ihrer Begierde in allen Dingen ausdringet und wächset,
und allem Leben Kraft und sich selber einergiebet, also auch in gleichem ist
Gott außer Natur und Kreatur das einige Gute, das nichts als Gott oder das
Gute geben kann noch will. 1,20. Er ist außer der Natur die größeste Sanftmut und Demut, darinnen weder
ein Wille zu guter noch böser Neiglichkeit gespüret wird, denn es ist weder
Böses noch Gutes vor ihm, Er ist selber das ewige einige Gute und ein Anfang
alles guten Wesens und Willens. Es ist auch nicht möglich, daß sich etwas
Böses in ihn, soviel er dasselbe einige Gute ist, könne eindringen, denn er
ist allen Dingen, was nach ihm ist, ein Nichts. Er ist eine in sich selber
wirkliche, wesentliche, geistliche Kraft, die allerhöchste einfältigste Demut
und Wohltun, als Liebe-Fühlen, Liebe- und Wohl-Schmecken, im Sensu der süßen
Gebärung, Wohl- und Gerne-Hören. 1,21. Denn alle Sensus qualifizieren in gleicher Konkordierung (Harmonie) und
ist nichts als nur ein lieblich Wallen des Hl. Geistes in der einigen
Weisheit. Da kann man nicht sagen: ein zorniger Gott, auch nicht sagen: ein
barmherziger Gott, denn hierinnen ist keine Ursache zum Zorn, auch keine
Ursache, etwas zu lieben, denn er ist die einige Liebe selber, der sich in
eitel Liebe in Dreifaltigkeit einführet und gebieret. 1,22. Der erste Wille, so Vater heißet, liebet seinen Sohn als sein Herz
seiner Selbst-Offenbarung, darum daß er seine Findlichkeit und Kraft ist.
Gleichwie die Seele den Leib liebet, also auch in gleichem ist der gefassete
Wille des Vaters seine Kraft und geistlicher Leib als das Zentrum der
Gottheit oder des göttlichen Etwas, darin der erste Wille etwas ist. 1,23. Und der Sohn ist des ersten Willens als des Vaters Demut und begehret
hinwieder also mächtig des Vaters Willen, denn er wäre ohne den Vater ein
Nichts, und er wird recht des Vaters Lust oder Begierde zur Offenbarung der
Kräften genennet als des Vaters Geschmack, Geruch, Gehör, sein Fühlen und
Sehen. Und da man doch allhie nicht soll Unterschiede verstehen, denn alle
Sensus liegen in gleichem Gewichte in der einigen Gottheit. Allein denket
nur, daß diese Sensus, welche im Grunde der Natur urständen, in dem der Vater
diese Kräfte aus sich in eine Schiedlichkeit ausspricht, urständen. 1,24. Und der Hl. Geist wird darum heilig und eine Flamme der Liebe genannt,
daß er die ausgehende Kraft aus dem Vater und Sohne ist als das bewegende
Leben im ersten Willen des Vaters und im andern Willen des Sohnes in seiner
Kraft, und daß er ein Formierer, Wirker und Führer in der ausgegangenen Lust
des Vaters und des Sohnes, als in der Weisheit, ist. 1,25. Also, ihr lieben Brüder, ihr armen von Babel verwirreten Menschen,
welche euch durch des Satans Neid verwirret hat, merket dieses: Wenn man euch
saget von drei Personen der Gottheit und vom göttlichen Willen, so wisset,
daß der Herr unser Gott ein einiger Gott ist, welcher nichts Böses wollen
kann noch will. Denn wollte er etwas Böses und dann auch etwas Gutes in sich
selber, so wäre eine Trennung in ihm, und so müßte auch etwas sein, das eine
Ursache eines Contrarii (Gegensatzes) wäre. 1,26. So denn nichts vor Gott ist, so mag ihn auch nichts zu etwas bewegen,
denn so ihn etwas bewegte, so wäre dasselbe ehe und mehr als er selber und
dürfe geschehen, daß Gott in sich selber uneinig und zertrennt wäre, so müßte
auch dasselbe Bewegliche von einem Anfange sein, dieweil sichs bewegete. 1,27. Wir aber sagen euch in der Sage des Einen, daß Gottes Wesen, soviel das
der einige Gott heißet, außer Grund, Stätte und Zeit in sich selber wohnend
verstanden werde und an keinem Orte sonderlich betrachtet werde mit einer
sonderlichen Wohne (Wohnung). Willst du aber wissen, wo Gott wohnet, so nimm
weg Natur und Kreatur, alsdann so ist Gott alles. Nimm weg das ausgesprochene
geformte Wort, so siehest du das ewigsprechende Wort, das der Vater im Sohne
ausspricht, und siehest die verborgene Weisheit Gottes. 1,28. Sprichst du aber: Ich kann nicht die Natur und Kreatur von mir wegnehmen,
denn so das geschähe, so wäre ich ein Nichts. Darum so muß ich mir die
Gottheit durch Bilde einmodeln, dieweil ich sehe, daß in mir Böses und Gutes
ist, so wohl in der ganzen Kreatur also verstanden wird. 1,29. Höre, mein Bruder, Gott sprach im Mose: Du sollst dir kein Bildnis
machen einiges Gottes, weder im Himmel, auf Erden noch im Wasser oder in
etwas, anzudeuten, daß er kein Bild sei, auch keine Stätte zu einem Sitze
bedürfe und man ihn nirgend an einem Orte suchen solle als nur in seinem
geformten ausgesprochenen Worte als im Bilde Gottes, im Menschen selber, wie
geschrieben stehet: Das Wort ist dir nahe als nämlich in deinem Mund und
Herzen (Röm. 10,8). Und ist das der nächste Weg zu Gott, daß das Bild Gottes
in sich selber allen eingemodelten Bilden, ersinke und alle Bilde, Disputat
und Streite in sich verlasse und an eigenem Wollen, Begehren und Meinen
verzage und sich bloß alleine in das ewige Eine als in die lautere einige
Liebe Gottes ersenke und vertraue, welche er nach des Menschen Fall in Christo
in die Menschheit hat wieder eingeführet. 1,30. Dieses habe ich darum etwas weitläufig vorgebildet, daß der Leser den
ersten Grund verstehen lerne, was Gott sei und wolle, und daß er nicht einen
bösen und guten Willen in dem einigen unnatürlichen, unkreatürlichen Gotte
suche und daß er aus den Bilden (Abbildhaftigkeit) von der Kreatur ausgehe,
wenn er will Gott, seinen Willen und sein ewig sprechendes Wort betrachten,
und wenn er will betrachten, wovon Böses und Gutes urstände, davon sich Gott
einen zornigen, eiferigen Gott nennet. Daß er sich zur ewigen Natur als zum
ausgesprochenen, kompaktierten, geformten Worte und dann zur Natur wende als
zur anfänglichen, zeitlichen Natur, darinnen die Kreation dieser Welt lieget. 1,31. So wollen wir nun den Leser ferner von Gottes Wort, das er aus seinen
Kräften ausspricht, berichten und ihm andeuten die Scheidung als (1) den
Urstand der Eigenschaften, daraus ein guter und böser Wille urstände, (2) und
zu was Ende solches unvermeidlich sein müsse, (3) und wie alle Dinge in der
Unvermeidlichkeit stehen, (4) und wie die Bosheit in der Kreatur urstände. * * * Vom Urstand Gottes
ewigsprechenden Wortes und von der Offenbarung göttlicher Kraft als von Natur
und Eigenschaft
2,1. Die kreatürliche Vernunft stehet in dem geformten, gefasseten,
ausgespro-chenen Worte. Darum ist sie ein bildlich Wesen und denket immerdar,
Gott sei auch ein bildlich Wesen, der sich möge erzürnen und in Eigenschaften
zum Bösen und Guten einführen. Inmaßen sie sich denn von diesem hohen Artikul
(Gegenstand) göttlichen Willens hat eingebildet, Gott habe sich von Ewigkeit
einen Vorsatz und Wahl gemachet, was er mit seinem Geschöpf tun wollte, und
habe sich also in eine Rache eingeführet, auf daß er seine Liebe und
Barmherzigkeit an seinen Auserwählten könne und möge offenbaren, und müsse
also sein Grimm eine Ursache sein, daß seine Barmherzigkeit erkannt werde,
welches alles im Grunde also ist, daß Gottes Zorn seine Majestät muß
offenbaren gleichwie das Feuer das Licht. 2,2. Aber von dem Willen Gottes, sowohl von der Schiedlichkeit des geformten
Wortes und der Kreatur, hat sie keinen rechten Begriff. Denn hätte Gott
jemals einen Rat in sich gehalten, sich also zu offenbaren, so wäre seine
Offenbarung nicht von Ewigkeit außer Gemüte und Stätte, so müßte auch
derselbe Rat jemals einen Anfang genommen haben und müßte eine Ursache in der
Gottheit gewesen sein, um welcher willen sich Gott in seiner Dreiheit
beratsch hätte, so müßten auch Gedanken in Gott sein, welche ihm also in Gestaltnis
einmodelte, wie er wollte einem Dinge begegnen. 2,3. Nun aber ist er selber das Einige und der Grund aller Dinge und das
Auge aller Wesen und die Ursache aller Essenz. Aus seiner Eigenschaft
entstehet Natur und Kreatur; was wollte er denn mit sich selber ratschlagen,
so kein Feind vor ihm noch hinter ihm ist und er alleine selber alles ist,
das Wollen, Können und Vermögen. 2,4. Darum sollen wir, so wir wollen von Gottes unwandelbarem Wesen einig
allein reden, was er wolle, was er gewollt habe und immer will, nicht von
seinem Ratschlag sagen, denn es ist kein Ratschlag in ihm. Er ist das Auge
alles Sehens und der Grund aller Wesen. Er will und tut in sich selber immer
dar nur ein Ding, als: er gebäret sich in Vater, Sohn, Hl. Geist in die
Weisheit seiner Offenbarung. Sonst will der einige, ungründliche Gott in sich
selber nichts, hat auch in sich selber um mehrers keinen Ratschlag. Denn
wollte er in sich ein mehrers, so müßte er demselben Wollen solches zu
vollbringen nicht genug sein; so er auch in sich selber nichts mehr als nur
sich selber wollen, denn was er je von Ewigkeit gewollt hat, das ist er
selber. Also ist er alleine Eines und nichts mehr. So kann auch ein einig
Ding mit ihm nicht streitig werden, davon ein Ratschlag entstünde, die
Streite zu scheiden. 2,5. Also ist auch von denen Dingen zu denken, welche aus dem ewigen,
unanfänglichen Grunde herrühren, daß ein jedes Ding, das aus dem ewigen
Grunde ist, ein Ding in seiner Selbheit sei und ein eigener Wille, der nichts
vor ihm hat, das ihn zerbrechen mag, er führe sich denn selber in eine fremde
Fassung ein, welche dem ersten Grunde, daraus er ist entstanden, nicht
ähnlich siehet, so ists eine Abtrennung vom Ganzen. Als uns denn vom
gefallenen Teufel und der Seele des Menschen zu verstehen ist, daß sich die
Kreatur hat vom ganzen Willen abgebrochen und in eine Eigenheit anderer
Fassung, der göttlichen einigen Gebärung zuwider, eingeführet. Dieses aber zu
verstehen, müssen wir auf die Hauptursache sehen, wie das hat mögen
geschehen. 2,6. Denn hätten sich nicht die Kräfte der einigen göttlichen Eigenschaft in
Schiedlichkeit eingeführet, so hätte das nicht sein mögen und wäre weder
Engel noch andere Kreatur worden, auch wäre keine Natur noch Eigenschaft und
wäre ihm der unsichtbare Gott alleine in der stillen wirkenden Weisheit in
sich selber offenbar, und wären alle Wesen ein einig Wesen, da man doch nicht
könnte von Wesen sagen, sondern von einer in sich selber wirkenden Lust,
welche zwar in dem einigen Gott also nur ist und nicht mehrers. 2,7. Wenn wir aber betrachten die göttliche Offenbarung in der ganzen
Kreation in allen Dingen und sehen an die Schriften der Heiligen, so sehen,
finden und begreifen wir den wahren Grund; denn Joh. am 1,1-3 stehet: Im
Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort;
dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und
ohne dasselbe ist nichts gemachet, was gemachet ist. 2,8. In dieser kurzen Beschreibung lieget der ganze Grund göttlicher und
natürlicher Offenbarung; im Wesen aller Wesen. Denn »im Anfang« heißet allhie
der ewige Anfang im Willen des Ungrundes zum Grunde als zur göttlichen
Fassung, da sich der Wille ins Zentrum zu einem Grunde fasset als zum Wesen
Gottes und in sich einführet in Kraft und aus der Kraft ausgehet in Geist und
im Geiste sich modelt in Empfindlichkeit der Kräfte. Also sind dieselben
Kräfte, welche alle in einer Kraft liegen, der Urstand des Worts. Denn der
einige Wille fasset sich in der einigen Kraft, da alle Verborgenheit innen
lieget und hauchet sich durch die Kraft aus in die Beschaulichkeit des ewigen
Gemütes als der Umblickung seiner selber. Das heißet nun: Das Wort war im
Anfang bei Gott und war Gott selber. 2,9. Der Wille ist der Anfang, der heißet Gott Vater, der sich fasset in
Kraft, und heißet Gott Sohn; und das Ens (Sein) ist die Scienz (Wurzel, vgl.
2,14)) und Ursache des Sprechens als der Essenz oder der Schiedlichkeit der
einigenden Kraft als die Austeilung des Gemütes, welches der Geist mit seinem
Ausgehen aus der Kraft schiedlich machet. 2,10. Nun möchte aber kein Aussprechen oder Schallen geschehen, denn die
Kräfte stehen alle in einer einigen Kraft in großer Stille; wenn sich nicht
dieselbe einige Lust in der Kraft in eine Begierde als in einer Scienz oder
Einziehen fassete, das ist: die freie Lust fasset sich in eine Scienz seiner
selber zu einer Formung der Kräfte, auf daß die Kräfte in eine Kompaktion zu
einem lautbaren Halle eingehen, davon die sensualische (sinnliche) Zunge der
fünf Sensuum (Sinne) entstehet als eine innigliche Beschauung, Fühlung,
Hörung, Riechung und Schmeckung, welches doch allhie nicht kreatürlicher,
sondern nur auf Art der ersten Empfindlichkeit und Findlichkeit sensualischer
Art soll verstanden werden. 2,11. So heißet es alsdann allhier das Wort als die geformte Kraft war im
Anfange bei Gott, denn allhier werden nun zwei Wesen verstanden als die
ungeformte Kraft, das ist »In«. Und die geformte Kraft, das heißt »Bei«, denn
sie ist in das Etwas zur Beweglichkeit getreten. Das »In« ist stille, aber
das »Bei« ist gefaßt. Und aus dieser Fassung und Scienz urständet Natur und
Kreatur samt allem Wesen. 2,12. Und sollen allhier unsere Augen des Verstandes weit auftun, auf daß wir
wissen, zwischen Gott und der Natur zu unterscheiden und nicht nur sagen:
Gott will, Gott schuf. Es ist nicht genug, daß man mit dem Hl. Geiste
gaukele, und heißet ihn einen Teufel, wie die gefangene Vernunft tut, welche
saget: Gott will das Böse. Denn aller böse Wille ist ein Teufel als ein
selbstgefaßter Wille zur Eigenheit, ein abtrünniger vom ganzen Wesen und eine
Phantasei. 2,13. Darum ich den Leser hoch vermahne, unsern Sinn recht zu ergreifen und
von der Phantasei der Schluß-Reden (falsche Schlüsse ziehen) ohne den waren
inniglichen Grund sich zu meiden. Wir wollen ihm allhier den wahren Grund
darstellen. 2,14. Verstehet: Die Kräfte zum Wort sind Gott; und die Scienz als das
magnetische Ziehen ist der Anfang der Natur. Nun möchten die Kräfte nicht
offenbar werden ohne diese Begierde des Ziehens. Gottes Majestät in
wirklicher Kraft zur Freude und Herrlichkeit würde nicht offenbar ohne das
Anziehen der Begierde, und wäre auch kein Licht in göttlicher Kraft, wenn
sich nicht die Begierde einzöge und überschattete, darinnen der Grund der
Finsternis verstanden wird, welcher sich denn führet bis zu des Feuers
Anzündung, allda sich Gott einen zornigen Gott und ein verzehrend Feuer
nennet, da die große Schiedlichkeit, auch der Tod und Sterben und dann das
große lautbare kreatürliche Leben urständet und verstanden wird. 2,15. Wie ihr dessen ein Gleichnis an einer brennenden Kerzen habet, da das
Feuer die Kerze in sich zeucht (zieht) und verzehret, allda das Wesen
erstirbet, das ist: in dem Sterben der Finsternis sich im Feuer in einen
Geist und in eine andere Qual (Qualität) als im Lichte verstanden wird,
transmutieret (verwandelt), da man in der Kerzen kein recht fühlich Leben
verstehet, aber mit des Feuers Anzündung sich das Ens der Kerzen in die
Verzehrung in ein peinlich fühlich Weben und Leben einführet, aus welchem
peinlichen, fühlenden Leben das Nichts als das Eine in einem großen Gemach
scheinlich und lichte wird. 2,16. Also ist uns auch von Gott zu sinnen, daß er seinen Willen darum in
eine Scienz zur Natur einführet, daß seine Kraft im Licht und Majestät
offenbar und ein Freudenreich werde. Denn wenn in dem ewigen Einen keine
Natur entstünde, so wäre alles stille. Aber die Natur führet uns in
Peinlichkeit, Empfindlichkeit und Findlichkeit ein, auf daß die ewige Stille
beweglich werde und die Kräfte zum Wort lautbar werden. Nicht daß darum das
Ewige peinlich werde, so wenig das Licht vom Feuer peinlich wird, sondern daß
die feuernde Eigenschaft in der Peinlichkeit die stille Lust bewege. 2,17. Die Natur ist der stillen Ewigkeit Werkzeug, damit sie formiere, mache
und scheide und sich selber darinnen in eine Freudenreich fasse, denn der
ewige Wille offenbaret sein Wort durch die Natur. Das Wort nimmt in der
Scienz Natur an sich. Aber das ewige Eine als der Gott Jehovah nimmt keine
Natur an sich, sondern wohnet durch die Natur gleichwie die Sonne in den
Elementen oder wie das Nichts im Lichte des Feuers, denn des Feuers Glanz
machet das Nichts scheinlich, und da man doch nicht sagen soll ein Nichts;
denn das Nichts ist Gott und alles. Allein wir reden also, damit wir dem
Leser könnten unsern Sinn und Begriff geben. 2,18. Die Natur mit ihrem Urstande in der Scienz als in der anziehenden
Begierde wird verstanden wie folget: Ich will ein Gleichnis fürstellen vom
Feuer und Licht, damit der Leser sich möchte in den wahren Sinn und Verstand
in Beistand göttlicher Kraft einführen. 2,19. Siehe an eine angezündete Kerze, so siehest du ein Gleichnis, beides
des göttlichen und auch des natürlichen Wesens. In der Kerze lieget alles
untereinander in einem Wesen in gleichem Gewichte ohne Unterschied als das
Fette, das Feuer, das Licht, die Luft, das Wasser, die Erde: Item der
Schwefel, der Mercurius, das Salz und das Öle, aus welchem das Feuer, Licht,
Luft und das Wasser urständet; da kann man in der Kerze keinen Unterschied
halten und sagen, das ist Feuer, das ist Licht, das ist Luft, das ist
irdisch. Man sieht keine Ursache des Schwefels, Salzes noch Öles. Man saget,
es ist ein Fettes, und ist auch wahr, aber alle diese Eigenschaften liegen
darinnen, und doch in keinem Unterscheide der Erkenntnis, denn sie stehen
alle in gleichem Gewichte in der Temperatur (Ausgewogenheit). 2,20. Also auch in gleichem ist uns zu erkennen von dem ewigen Einen als von
dem verborgenen, unoffenbaren Gott außer der ewigen Scienz, das ist: außer
seiner kräftigen Offenbarung seines Wortes. Es liegen alle Kräfte und
Eigenschaften in dem unanfänglichen Gott Jehovah in der Temperatur. Aber
indem der ewige Wille, welcher der Vater aller Wesen und allen Urstandes ist,
sich in der Weisheit in einem Gemüte zu seinem Selbst-Sitz und zur Kraft einfasset
und dasselbe Infassen aushauchet, so fasset sich sein Wille in dem Aushauchen
seiner Kraft in der Temperatur in dem Ausgehen seiner selber in eine Scienz
zur Schiedlichkeit und zur Offenbarung der Kräfte, daß in dem Einen eine
unendliche Vielheit der Kräfte als ein ewiger Blick erscheine, auf daß das
ewige Eine schiedlich, empfindlich, sichtlich, fühlich und wesentlich sei. 2,21. Und in derselben Scienz oder inziehenden Begierde, wie man das etwa zum
Verstande geben könnte, anfänget sich die ewige Natur, und in der Natur das
Wesen; versteht ein geistlich Wesen als Mysterium Magnum (großes Geheimnis)
als der offenbare Gott oder wie man es setzen möchte: die göttliche
Offenbarung — da die heilige Schrift von Gott von Unterschieden redet als:
Gott ist gut; item: Gott ist zornig und eifrig; item: Gott kann nichts Böses
wollen; item: Gott verstockt ihr Herze, daß sie nicht glauben und (nicht)
selig werden; item: es ist oder geschiehet kein Übels in der Stadt, das der
Herr nicht tut; item: darum habe ich dich erwecket, daß ich meines Zornes
Macht an dir erzeigete; item die ganze Wahl (Vorherbestimmung) des Guten und
Bösen in der Schöpfung, als da sind böse und gute Kreaturen; item in
Metallen, Erden, Steinen, Kräutern, Bäumen und Elementen also zu sehen, das
hat alles seinen Anfang und Urstand daher. 2,22. Und ist in der Natur immer eines wider das andere gesetzt, daß eines
des andern Feind sei, und doch nicht zu dem Ende (Zweck), daß sichs feinde,
sondern daß eines das andere im Streite bewege und in sich offenbare, auf daß
das Mysterium Magnum in Schiedlichkeit eingehe und in dem ewigen Einen eine
Erheblichkeit und Freudenreich sei, auf daß das Nichts in und mit Etwas zu
wirken und zu spielen habe als der Geist Gottes, welcher sich durch die
Weisheit hat von Ewigkeit in ein solch geistlich Mysterium eingeführet zu
seiner selbst Beschaulichkeit; welch Mysterium er (Gott) auch in einen Anfang
zur Kreation und zur Zeit eingeführet und in ein Wesen und Weben der vier
Elementen gefasset und das unsichtbare Geistliche mit und in der Zeit
sichtbar gemachet. 2,23. Nun zeigen wir euch dessen ein wahres Bild an der Welt als an der
Sonne, Sternen und Elementen und des Mysterii, daraus die vier Elemente
urständen. Wir sehen, daß die Sonne in der Tiefe der Welt leuchtet, und ihre
Strahlen zünden das Ens der Erden an, daraus alles wächset. Auch verstehen
wir, daß sie das Ens im Mysterio Magno als im Spiritus Mundi (Geist der Welt)
nämlich im Sulphure, Mercurio und Sale1 anzündet, darinnen das
magische Feuer eröffnet wird, als welchem die Luft, das Wasser und die
Irdigkeit seinen Urstand nimmt. Das ist: Das einige im Mysterio Magno oder
äußern Welt scheidet sich darnach in vier Elemente, welche wohl zuvorhin im
Mysterio liegen. Aber sie stehen in der Scienz in der magischen Impression
ineinander im großen Mysterio verborgen und liegen in einem Wesen. 1) die drei alchymistischen
Grundstoffe und Aggregatzustände 2,24. Nun gleichwie der Sonnen Kraft und Strahlen das Mysterium der äußern
Welt aufschließen, daß Kreaturen und Gewächse daraus gehen, also auch
hingegen ist das Mysterium der äußern Welt eine Ursache, darinnen sich der
Sonnen Strahlen aufschließen und anzünden. Wenn nicht das große Mysterium in
Sulphure, Sale und Mercurio geistlicher Art im Spiritu Mundi läge als in der
Scienz der Sternen Eigenschaften, welche eine Quinta Essentia1
über die vier Elemente ist, so möchten der Sonnen Strahlen nicht offenbar
werden. Weil aber die Sonne edler und einen Grad tiefer in der Natur ist als
das Mysterium der äußern Welt, nämlich als der Spiritus Mundi in Sulphur,
Sale und Mercurio in der Quinta Essentia der Sternen, so eindringet sie sich
in das äußere Mysterium und zündet das an und auch hiemit sich selber, daß
ihre Strahlen feurig werden, denn sonst wären sie nicht feurig ohne die Scienz
im Mysterio dieser Welt. 1) die allem Stoff
zugrundeliegende fünfte Essenz 2,25. Und wie nun die Sonne ihre Begierde heftig in die Scienz ins Mysterium
als in diese drei ersten, nämlich Sulphur, Mercurium und Sal einführet, sich
in ihnen anzuzünden und zu offenbaren, also auch führet die Scienz ihre
Begierde aus der Quinta Essentia der Sternen durch diese drei ersten — als
Sulphur, Mercurium und Sal — also heftig gegen der Sonnen als ihrem
Naturgotte, welche eine Seele der Mysterii Magni in der äußern elementischen
Welt ist, als ein Gleichnis des innern verborgenen Gottes. 2,26. Auch siehet man, wie die Sterne also gierig und hungerig nach der
Sonnen Kraft sind, daß sie ihre Scienz und Begierde magnetischer Art im
Spiritu Mundi in die drei ersten einführen und der Sonnen Kraft in sich
ziehen; hingegen sich die Sonne auch mächtig in sie eindringet, ihre Scienz
zu empfangen; derowegen sie aus der Sonnen Kraft ihren Schein haben, daß sie
hinwieder ihre angezündete Kraft als eine Frucht in die vier Elemente
einwerfen und also ineinander qualifizieren, und je eines des andern
Offenbarung auch Kraft und Leben ist, sowohl auch des andern Zerbrechung, auf
daß nicht eine Eigenschaft über die andern alle aufsteiget. 2,27. So hat es der Höchste also in ein Gleichnis nach seinem eigenem Wesen
aus seinem ewig sprechenden Wort, aus dem ewigen großen Mysterio, welches
ganz geistlich ist, in eine Zeit gesprochen und das ewige in einer Zeit mit
einer Figur dargestellet, in welchem alles kreatürliche Leben urständet, auch
darinnen sein Regiment führet, ausgenommen die Engel und ewigen Geister,
sowohl die rechte innere Seele des wahren Menschen. Diese haben ihren Urstand
aus der ewigen uranfänglichen Scienz oder Natur, wie hernach soll gemeldet
werden. 2,28. Nun verstehet dies angezogene Gleichnis: Gott ist die ewige Sonne als
das ewige einige Gute. Er wäre aber außer der ewigen Scienz als der ewigen
Natur mit seiner Sonnenkraft als der Majestät, nicht offenbar ohne die ewige
geistliche Natur. Denn es wäre nichts außer der Natur, darinnen Gott in
seiner Kraft könnte offenbar sein, denn er ist der Anfang der Natur und
führet sich doch nicht darum aus dem ewigen Einen in einen ewigen Anfang zur
Natur, daß er will etwas Böses sein, sondern daß seine Kraft möge in Majestät
als in Schiedlichkeit und Empfindlichkeit1 zu kommen, und daß ein
Bewegen und Spielen in ihm sei, da die Kräfte miteinander spielen und sich in
ihrem Liebesspiel und Ringen also selber offenbaren, und empfinden, davon das
große unmeßliche Liebe-Feuer im Bande und in der Geburt der Hl.
Dreifaltigkeit wirkend sei. 1) Fähigkeit, wahrgenommen
zu werden 2,29. Dessen geben wir euch noch mehr Gleichnis am Feuer und Lichte: Das
Feuer deutet uns an in seiner Peinlichkeit die Natur in der Scienz, und das
Licht deutet uns an das göttliche Liebe-Feuer. Denn das Licht ist auch ein
Feuer, aber ein gebendes Feuer, denn es giebet sich selber in alle Dinge. Und
in seinem Geben ist Leben und Wesen, nämlich Luft und ein geistlich Wasser,
in welchem ölischen Wasser das Liebe-Feuer des Lichts sein Leben führet, denn
es ist des Lichtes Speise. Denn wenn das Licht sollte eingesperret werden und
das geistliche Wasser von der feuernden Art sich nicht scheiden möchte und
sich in sich mit dem Nichts als mit dem Ungrunde resolvieren (auflösen)
sollte, so erlöschte das Licht. Indem sichs aber mit dem Ungrunde, darin doch
der ewige Grund lieget, resolvieret als mit der Temperatur, da die Kräfte
alle in einer liegen, so zeucht das Licht- oder Liebe-Feuer dasselbe
geistliche Wasser (welches vielmehr in der Resolvierung ein Öl oder Tinktur
wird, als eine Kraft vom Feuer und Lichtsglanz) wieder in sich zu seiner
Speise. 2,30. Und allhie liegt das größte Arcanum (Geheimnis) geistlich zu essen.
Lieben Söhne, ob ihr das wüßtest, so hättet ihr den Grund aller Heimlichkeit
und des Wesens aller Wesen. Und von diesem sagte uns Christus, er wollte uns
Wasser des ewigen Lebens geben; das würde in uns in einen Quellbrunnen des
ewigen Lebens quellen, Joh. 4,14; nicht das äußere vom äußern Licht-Feuer,
sondern das innere vom göttlichen Licht-Feuer erboren, dessen das äußere ein
Bild ist. 2,31. Also wisset und versteht dies Gleichnis: Das ewige, einige Gute als das
Wort der heiligen mentalischen Zungen, welches der allerheiligste Jehovah aus
der Temperatur (Harmonie) seines eigenen Wesens in die Scienz zur Natur
spricht, das spricht er nur darum in eine Scienz der Schiedlichkeit als in
eine Widerwärtigkeit, daß seine heiligen Kräfte schiedlich werden, in den
Glanz der Majestät kommen, denn sie müssen durch die feuernde Natur offenbar
werden. Denn der ewige Wille, welcher Vater heißt, führet sein Herz oder Sohn
als seine Kraft durch das Feuer aus in einen großen Triumph der Freudenreich. 2,32. Im Feuer ist der Tod, als das ewige Nichts erstirbet im Feuer. Und aus
dem Sterben kommt das heilige Leben. Nicht daß es ein Sterben sei, sondern
also urständet das Liebe-Leben aus der Peinlichkeit. Das Nichts oder die
Einheit nimmt also ein ewig Leben in sich, daß es fühlend sei, und gehet aber
wieder aus dem Feuer aus, als ein Nichts, wie wir denn sehen, daß das Licht
vom Feuer ausscheinet, und doch als ein Nichts als nur eine liebliche,
gebende, wirkende Kraft ist. 2,33. Also versteht — in der Scheidung der Scienz, da sich Feuer und Licht
scheidet — mit dem Feuer die ewige Natur. Darinnen spricht Gott, daß er ein
zorniger, eiferiger Gott und als ein verzehrend Feuer sei, welches nicht der
heilige Gott genannt wird, sondern sein Eifer als eine Verzehrlichkeit
dessen, was die Begierde in die Schiedlichkeit in der Scienz in sich fasset. 2,34. Als da sich eine Schiedlichkeit in der Scienz in einen eigenen Willen
über die Temperatur auszufahren erhebet, sich infasset und sich vom ganzen
Willen abbricht und in die Phantasei einführet, wie Herr Luzifer und die
Seele Adams getan haben und noch heute in der menschlichen Scienz und in der
seelischen Eigenschaft geschieht, daraus ein Distel-Kind falscher Scienz
(teuflischer Art) geboren wird, welcher der Geist Gottes kennet, von welchen
Christus sagete, sie wären nicht seine Schafe, Joh. 10,26; item daß der
allein Gottes Kind sei, dessen Seele nicht vom Fleisch noch Blut noch von dem
Willen eines Mannes, sondern von Gott, das ist: aus rechter göttlicher
Scienz, aus der Temperatur als aus der Wurzel des Liebe-Feuers entsprossen
sei, Joh. 1,13. In welche verderbte adamische Scienz Gott sein Liebe-Feuer in
Christo wieder eingeführet und wieder in des Lichtes Temperatur als in des
Lichtes Scienz eingewurzelt hat; davon hernach soll weiter gehandelt werden. 2,35. Und wie wir nun in der Feuersanzündung zwei Wesen verstehen als eines
im Feuer und das andere im Licht und also zwei Principia, also ist uns auch
von Gott zu verstehen. Er heißet alleine Gott nach dem Lichte als in den
Kräften des Lichtes, da gleich auch die Scienz innen offenbar ist und auch in
unendlicher Schiedlichkeit, aber alle im Liebe-Feuer, da alle Eigenschaften
der Kräfte ihren Willen in einem als in die göttliche Temperatur geben, da in
allen Eigenschaften nur ein einiger Geist und Wille regieret und sich die
Eigenschaften alle in eine große Liebe gegeneinander und ineinander begeben,
da je eine Eigenschaft die andere in großer feurischer Liebe begehret zu
schmecken und alles nur eine ganz liebliche, ineinander inqualierende
(zusammenwirkende) Kraft ist, und aber sich durch die Schiedlichkeit der
Scienz in mancherlei Farben, Kräften und Tugenden einführen zur Offenbarung
der unendlichen göttlichen Weisheit. 2,36. Wie wir dessen ein Exempel an der blühenden Erden haben, an den
Kräutern, da aus der Scienz der Temperatur aus dem guten Teil schöne
liebliche Früchte wachsen und dagegen aus der Scienz der feurischen Natur mit
Einfassung des Fluchs der Erden — indem sie der Herr wegen des Menschen und
des Teufels Falls halben verflucht und zu einem Abtreiben auf seinem Test
vorbehalten hat — eitel (nur) böse, stachlichte, distlichte Früchte wachsen,
welche doch noch ein Gutes in sich haben wegen ihres Urstandes, da in der
Quinta Essentia die Temperatur noch innen lieget und auch am Ende soll
geschieden werden. 2,37. Und sollen es an diesem Orte recht verstehen, daß in der göttlichen
Kraft, soviel Gott Gott heißet, als im Worte der göttlichen Eigenschaften
kein Wille zum Bösen sein könne, auch keine Wissenschaft vom Bösen inne sei,
sondern nur bloß in dem ist die Erkenntnis (des) Guten und Bösen, da sich der
ungründliche Wille in die feurische Scienz scheidet, da der natürliche und
kreatürliche Grund innen lieget. 2,38. Denn aus der göttlichen Liebe-Scienz mag keine Kreatur einig alleine
bestehen und geborgen werden, sondern sie muß den feurischen Triangel der
feurischen Scienz nach der Peinlichkeit in sich haben, als nämlich einen
eigenen Willen, welcher ein Particul (Teil) als eine ausgehauchte Scienz und
als ein Strahl vom ganzen Willen aus der Temperatur des ersten ungründlichen
Willens ausgehet, da sich das Wort der Kräfte im Feuer scheidet und aus dem
Feuer wieder in das Licht. 2,39. Allda urständen die Engel und Seele des Menschen als aus der feurischen
Scienz des Anfanges der ewigen Natur, da sich derselbe Strahl der feurischen
Scienz wieder soll in die Lichts-Temperatur eineignen als in das Ganze. So
isset sie von der heiligen Tinktur des Feuers und des Lichts, nämlich aus dem
geistlichen Wasser, darin das Feuer ein Freudenreich wird. 2,40. Denn das Geist-Wasser ist eine tägliche Ertötung der feurischen Scienz,
dadurch die feurische Scienz mit dem Liebe-Feuer eine Temperatur wird, so ist
alsdann auch nur ein einiger Wille darinnen, als nämlich alles zu lieben, das
in dieser Wurzel stehet, wie solches von den Engeln Gottes, auch von der seligen
Seelen verstanden werden soll, welche allesamt ihren Urstand aus der
Feuers-Scienz haben, in welcher Scienz das Licht Gottes scheinet, daß sie
einen steten Hunger nach göttlicher Kraft und Liebe haben und ihrem Feuer die
heilige Liebe zu einer Speise einführen, dadurch der feurische Triangel in
eitel Heiligkeit und Liebe in große Freude verwandelt wird. Denn nichts ist
oder besteht ewig, es habe denn seinen Urstand aus dem ewigen unanfänglichen
Willen, aus der feurischen Scienz des Wortes Gottes, wie hernach soll
gemeldet werden. * * * Von der Einführung
der feurischen Scienz in Gestaltnis zur Natur und zum Wesen; wie sich die
Scienz in Feuer einführe, was das sei und wie die Vielfältigung entstehe.
Die Porte des
großen Mysterii aller Heimlichkeiten 3,1. Als der teure Moses die Schöpfung der Welt beschreibet, spricht er,
Gott habe gesprochen, es werde! Gen. 1,3, so sei es worden. Und dann spricht
er: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erden, Gen. 1,1, und Joh. 1,12 stehet,
Gott habe alle Dinge aus seinem Worte gemacht. 3,2. In
diesem lieget nun der Grund und tiefe Verstand, denn von Ewigkeit ist nichts
als nur Gott in seiner Dreifaltigkeit in seiner Weisheit gewesen, wie vorne
gemeldet, und darinnen die Scienz als das Sprechen, aus sich Aushauchen,
Fassen, Formen und in Eigenschaften Führen. Das Fassen ist das »Schuf« und
die Scienz als die Begierde ist der Anfang aus der Temperatur1 zur
Unterschiedlichkeit. Denn der ganze Grund lieget in dem, da gesagt wird: Gott
schuf durchs Wort. Das Wort bleibet in Gott und gehet mit der Scienz als mit
der Begierde aus sich aus in eine Teilung. Die ist also zu verstehen: die
Scienz ist ewig im Worte, denn sie urständet im Willen. Im Worte ist sie Gott
und in der Teilung als in der Fassung ist sie der Anfang zur Natur. 1) harmonische Einheit in
Gott, dem Schöpfer Die erste Species Naturae 3,3. Der Natur erste Gestalt ist Herbe als die Faßlichkeit seiner selber.
Ihre Gestaltnisse, so in ihrer Infassung entstehen, sind diese: als 1.)
Finsternis, denn die Fassung überschattet den freien Willen in der Scienz;
zum 2.) ist es die Ursache der Härtigkeit, denn das Angezogene ist hart und
rauh und soll doch im Ewigen nur Geist verstanden werden; zum 3.) ist es eine
Ursache der Schärfe; zum 4.) eine Ursache der Kälte als der kaltfeuernden
Eigenschaft; zum 5.) eine Ursache aller Wesenheit oder Begreiflichkeit, und
ist im Mysterio Magno die Mutter aller Salze und eine Wurzel der Natur und
wird im Mysterio mit einem Wort Sal genannt als eine geistliche Schärfe, der
Urstand Gottes Zornes, auch der Urstand der Freudenreich. Von der zweiten Specie
Naturae 3,4. Die zweite Gestalt in der Scienz ist der Stachel der Empfindlichkeit
als das Ziehen selber, davon das Fühlen und die Empfindlichkeit urständet.
Denn je mehr sich die Herbigkeit impresset, je größer wird dieser Stachel als
ein Wüter, Tober und Zerbrecher. Seine Teilung in Gestaltnissen sind diese:
als Bitter, Wehe, Pein, Regen, Anfang des Widerwillens in der Temperatur,
eine Ursache des Geist-Lebens, auch eine Ursache des Quallens. Ein Vater oder
Wurzel des merkurialischen Lebens in den Lebhaften und Wachsenden, eine
Ursache der fliegenden Sinne, auch eine der erheblichen Freuden im Lichte und
eine Ursache der feindlichen Widerwärtigkeit in der strengen Impression der Härtigkeit,
daraus der Streit und Widerwille entstehet. Von der dritten Specie
Naturae 3,5. Die dritte Gestalt in der Scienz ist die Angst, welche in der
Widerwärtigkeit der Herbigkeit und stachlichten Bitterkeit entstehet als ein
Ens des Fühlens, der Anfang der Essenz und des Gemütes, eine Wurzel des
Feuers und aller Peinlichkeit, ein Hunger und Durst nach der Freiheit als
nach dem Ungrunde, eine Offenbarung des ewigen, ungründlichen Willens in der
Scienz, da sich der Wille in geistliche Gestaltnis einführet, auch eine
Ursache des Sterbens, als die Geburt des Todes, da doch nicht Tod, sondern
der Anfang des Natur-Lebens entstehet, und ist eben die Wurzel, da Gott und
Natur unterschieden wird. Nicht als eine Abtrennung, sondern wegen der
Temperatur in der Gottheit, daß allhie das lautbare sensualische (sinnliche)
Leben entstehet, daraus die Creation ihren Urstand genommen hat. 3,6. Diese drei obgemeldete Gestalten als Herbe, Bitter-Stachel und Angst,
sind die drei ersten in der Scienz des einigen Willens, welcher Vater aller
Wesen heißet, und nehmen ihren Grund und Urstand in der Scienz aus der
Dreiheit der Gottheit. 3,7. Nicht zu verstehen, daß sie Gott sind, sondern seine Offenbarung in
seinem Wort der Kraft als 1. Herbe, welches der Anfang zur Stärke und Macht
ist als ein Grund, daraus alles kommt und urständet, aus des Vaters
Eigenschaft im Worte. 3,8. Zum zweiten der bittere Stachel als des Lebens Anfang hat seinen
Urstand aus des Sohnes Eigenschaft aus dem Wort. Denn es ist eine Ursache
aller Kräfte und Schiedlichkeiten, auch des Redens, Verstandes und der fünf
Sinnen. 3,9. Zum dritten die Angst, die urständet aus des Hl. Geistes Eigenschaft im
Worte, denn sie ist die Ursache beider Feuer als des Lichtes Liebe-Feuers und
des peinlichen Feuers der Verzehrlichkeit und der wahre Urstand des
gefundenen kreatürlichen Lebens, auch des Sterbens zu Freud und Leid, die
Wurzel alles Lebens aus der Scienz des einigen ewigen Willens. 3,10. Diese drei Ersten werden in der Creation im Natur Leben nach der
Compaction (Verfestigung) in der Schöpfung, Sal, Sulphur und Mercurius
genannt, da sich das Geist-Leben hat in eine sichtliche, begreifliche
Materiam eingeführet, welche Materia in allen Dingen ist als in dem Leben, im
Fleische und in den Wachsenden der Erden, beides spiritualisch und
korporalisch, nichts ausgenommen, denn alle Wesen dieser Welt stehen darinnen
wie solches vor Augen und den Erfahrnen bekannt ist. 3,11. Denn also hat sich das Unsichtbare als die geistliche Welt mit diesen
drei ersten Gestalten in ein sichtbar, greiflich Wesen eingeführet als nach
den Geistern geistlich und nach den Körpern begreiflich. Auch urständet die
ganze Erde mit allen Materien daraus, sowohl das ganze Gestirne mit den
Elementen. Jedoch muß man weiter sehen und durch alle sieben Gestalten gehen,
wenn man die Sonne, Sternen und Elementen andeuten will, wie ferner folget. Von der vierten Specie
Naturae 3,12. Die vierte Gestalt in der Scienz aus dem einigen Willen ist nun des
Feuers Anzündung, da sich Licht und Finsternis scheiden, ein jedes in ein
Principium, denn allhie ist des Lichts Urstand, sowohl des rechten Lebens in
der Empfindlichkeit der drei Ersten (3,10), auch der rechten Scheidung
zwischen der Angst und Freude, und dies geschieht also: 3,13. Der erste Wille in Dreifaltigkeit, welche Gott außer der Natur und
Kreatur heißet, fasset sich in sich selber zu seinem eigenen Sitz in der
Gebärung der Dreiheit mit der Scienz und führet sich in Kraft. Und in der
Kraft in das gebärende Wort als in einen essentialischen (wesenhaften) Schall
zur Offenbarung der Kräfte; und weiter in eine Begierde zur Empfindlichkeit
und Findlichkeit der Kräfte als in die drei Ersten zur Natur, wie oben
gemeldet worden. 3,14. Als er aber in die Angst sich geführet nach dem Anfang zur Natur, als
in den Urstand des spiritualischen Lebens, so fasset er sich wieder in sich
mit der Lust der Freiheit, von der Angst frei zu sein, das ist: er fasset den
Ungrund als die Temperatur der göttlichen Lust und Weisheit in sich, welche
also lieblich, sanft und stille ist. Und in dieser Infassung geschieht in der
Angst ein großer Schrack, da die Pein vor der großen Sanft erschrickt und in
sich ersinkt als ein Zittern, davon das Gift-Leben in der Natur seinen Grund
und Anfang hat. Denn im Schracke ist der Tod, und im Schracke fasset sich die
Herbigkeit in Wesen als in ein merkurialisch Geist-Wasser, aus welchem in der
Impression im Anfange der Schöpfung der Erden, Steine, Metalle und das
merkurialische, sulphurische Wasser erboren worden, daraus Metalle und Steine
ihren Urstand haben. 3,15. Dieser Schrack macht in den drei ersten als in Herbe, Bitter und Angst
nach der finstern Impression in sich das feindliche, schreckliche Leben des
Grimmes oder Zornes Gottes, des Fressens und Verzehrens. Denn es ist des
Feuers Anzündung als die Essenz der Peinlichkeit oder Verzehrlichkeit des
Feuers und wird nach der finstern Impression die Hölle oder Höhle genannt als
ein eigen in sich selber infassend peinlich Leben, das nur in sich selber
empfindlich und offenbar ist und gegen dem ganzen Ungrunde billig eine
verborgene Höhle genannt wird, welche im Lichte nicht offenbar ist und doch
eine Ursache des Lichts Anzündung ist. Auf Art zu verstehen: wie die Nacht im
Tage wohnet und keines das ander ist. 3,16. So verstehet nun des Feuers Anzündung recht: Es geschiehet durch eine
Coniunction der drei Ersten in ihrer Einfassung in Grimm, und am andern Teil
von der lieblichen Freiheit des Entis (des Seienden) in der Temperatur
(Harmonie) da Liebe und Zorn ineinander gehen. Denn gleich so man Wasser ins
Feuer gießt, so ists ein Schrack, also auch, wenn die Liebe in den Zorn
eingehet, so geschieht auch ein Schrack. In der Liebe ist der Schrack ein
Anfang des Blitzes oder Glastes (Lichtscheins) da sich die einige Liebe
empfindlich macht als majestätisch oder scheinend als der Anfang der
Freudenreich, auf Art wie das Licht im Feuer scheinend wird. Auch ist in der
Liebe der Anfang der Schiedlichkeit der Kräfte, daß die Kräfte im Schracke
ausdringend werden, davon der Ruch und Schmack der Unterschiede entstehet.
Und in den drei Ersten wird die peinliche Natur des Feuers verstanden. 3,17. Denn 1. Herbe impresset und frisset, und 2. Bitter ist der Stachel des
Wehes, und 3. Angst ist nun der Tod und auch das neue Feuer-Leben, denn es
ist die Mutter des Schwefels. Und der Liebe Ens (Sein) giebet der Angst als
der Schwefel-Mutter eine Erquickung zum neuen Leben, aus welchem der Glanz
des Feuers urständet. Denn wir sehen, daß das Licht sanft ist und das Feuer
peinlich. Also verstehen wir, daß des Lichtes Grund aus der Temperatur als
aus der Einigung aus dem Ungrunde der einigen Liebe, welche Gott heißt,
urständet und das Feuer aus dem führenden Willen im Worte, aus der Scienz
durch die Impression und Einführung in die drei Ersten. 3,18. Im Lichte wird nun das Reich Gottes verstanden als das Reich der Liebe.
Und im Feuer wird Gottes Stärke und Allmacht verstanden als das geistliche
Kreatur-Leben. Und in der Finsternis wird der Tod, Hölle und Zorn Gottes und
das ängstliche Gift-Leben verstanden, wie solches an Erde, Steinen, Metallen
und Kreaturen der äußern geschaffenen Welt zu verstehen ist. 3,19. Und vermahne den Leser, nur den hohen übernatürlichen Sinn, da ich von
Gott und der Gebärung des Mysterii Magni rede, nicht irdisch zu verstehen.
Denn ich deute damit nur den Grund an, woraus das Irdische worden sei. Also
muß ich zum öftern reden, daß es der Leser versteht und ihm nachsinnet und
sich in den innern Grund schwinget, denn ich muß dem Himmlischen öfters
irdischen Namen geben, um des willen, daß das Irdische davon ausgesprochen
worden. 3,20. In der Feuers-Anzündung lieget der ganze Grund aller Heimlichkeit, denn
der Schrack der Anzündung heißet in der Natur Sal Nitri als eine Wurzel aller
Salze der Kräfte, eine Schiedlichkeit der Natur, da sich die Scienz in
unendlich scheidet und doch immerdar im Schracke als ein Schrack der
Scheidung im Wesen also bleibet. In des Feuers Anzündung — nach dem innern
magischen Feuer verstanden — macht sich der Geist Gottes webend auf Art, wie
sich die Luft aus dem Feuer urständet. Denn allda urständet das einige
Element, welches in der äußeren Welt in vier Elemente sich ausgewickelt hat.
Das verstehet also: 3,21. Im Blicke des Feuers und Lichts ist die Scheidung. Der Geist scheidet
sich über sich, versteht: in die feurische Scienz der Kräfte. Denn er gehet
aus dem Feuer-Schracke aus als ein neu Leben, und ist doch kein neues Leben,
sondern er hat nur also die Natur angenommen. Und das Ens der Liebe bleibet
inmitten als ein Centrum des Geistes stehen, und gibt aus sich ein Öle,
verstehet geistlich, in welchem das Licht lebet, denn es ist das Ens der
feurischen Liebe. Aus diesem feurischen Ente der Liebe gehet mit dem Geiste,
über sich in die Höhe aus, die Tinktur als das Geist-Wässerlein, die Kraft
vom Feuer und Lichte, welches Name heißt Jungfrau Sophia, 4. Esra 14,39 ff. 3,22. Ihr lieben Weisen, ob ihr sie kennet, gut wäre es euch. Dasselbe
Wässerlein ist die wahre Demut, welche sich also balde mit der Temperatur
transmutieret und vom Lichte wieder eingezogen wird. Denn es ist des Lichtes
Seele nach der Liebe, und das Feuer ist der Mann als des Vaters Eigenschaft,
nämlich die Feuer-Seele. Und hierinnen liegen die beiden Tinkturen als Mann
und Weib, die zwei Lieben, welche in der Temperatur göttlich sind, welche in
Adam geschieden worden, als sich die Imagination aus der Temperatur
auswendete und in Christo wieder geeiniget worden. 3,23. O ihr lieben Weisen, verstehet diesen Sinn, denn es lieget allhie das
Perllein der ganzen Welt, den Unseren (den geistig Gereiften) genug
verstanden, und sollen es nicht den Tieren geben. 3,24. Die dritte Scheidung aus dem Feuer kommt aus der Ertötung des Feuers
als aus dem Wesen der drei Ersten, aus dem Spiritu Sulphuris, Mercurii und
Salis, und gehet als ein stumm, unfühlend Leben unter sich, und ist der Wasser-
Geist, aus welchem das materialische Wasser der äußern Welt seinen Anfang
hat, darin die drei Ersten mit ihrer Wirkung haben Metalle, Steine und Erden
aus den Eigenschaften des Salnitri erboren; darinnen man doch auch das obere
Wesen aus der Impression des Liebe-Entis verstehen soll als in den edlen
Metallen und Steinen. Dieser salnitrische Grund wird durch die Sonne
aufgeschlossen, daß er ein wachsendes Leben hat, den Unsern allhie genug
verstanden, denn er ist mit dem Fluche bedeckt. Wir lassen uns billig an dem
begnügen, was uns ewig erfreuet, und wollen dem Tier nicht einen
Freuden-Affen einjagen und doch hernach andeuten, was uns nützet. 3,25. Die vierte Scheidung geht in die Finsternis, da auch alle Wesen innen
liegen und webend sind wie in der Licht-Welt und in der äußern elementischen
Welt. Aber es gehet alles in die Phantasei nach der Qualität Eigenschaft,
davon wir allhie nichts weiter melden wollen wegen des falschen Lichts, so
darinnen verstanden wird und auch der Menschen Verwegenheit halber. Jedoch
wird dem Pharisaeo1 hiermit angedeutet, daß er keinen wahren
Verstand von der Höllen und der Phantasei habe, was ihre Qualität und
Fürhaben sei und wozu das sei, sintemal2 außer Gott nichts ist und
doch außer Gott ist, aber nur in anderer Qual und ein ander Leben, auch ein
ander Natur-Licht, den Magis3 bewußt. 1) Unverständigen 2) zumal
3)Wissenden Von der fünften Specie
Naturae 3,26. Die fünfte Gestalt in der Scienz ist nun das wahre Liebe-Feuer, das
sich in dem Lichte aus dem peinlichen Feuer scheidet, darinnen nun die
göttliche Liebe im Wesen verstanden wird. Denn die Kräfte scheiden sich im
Feuer-Schracke und werden in sich begierig, da man alle Art der drei Ersten
auch darinnen verstehet, aber nun nicht mehr in Peinlichkeit, sondern in
Freudenreich und in ihrem Hunger oder Begierde, wie man es setzen möchte. Als
in der Scienz ziehen sie sich selber in Wesen, sie ziehen die Tinktur vom
Feuer und Lichte, nämlich die Jungfrau Sophiam in sich; die ist ihre Speise
als die größte Sänfte. Das Wohltun und Wohlschmecken, das fasset sich in der
Begierde der drei Ersten im Wesen, welches das Corpus der Tinktur heißt als
die göttliche Wesenheit, Christi himmlische Leiblichkeit. 3,27. Lieben Söhne, wo ihr es verstehet, da Christus Joh. 3,13 saget, er wäre
vom Himmel kommen und wäre im Himmel, — diese Tinktur ist die Kraft des
Sprechens im Worte und das Wesen ist seine Infassung, da das Wort wesentlich
wird. Das Wesen ist das Geist-Wasser, davon Christus sagte, er wollte uns das
zu trinken geben; das würde uns in einen Quellbrunnen des ewigen
Lebensquellen. Die Tinktur wandelt es in geistlich Blut, denn sie ist ihre
Seele. Es ist Vater und Sohn, aus welchen der Hl. Geist als die Kraft
ausgehet. 3,28. O ihr lieben Söhne, so ihr dieses verstehet, so lasset es eurem Geist
nicht zu, sich darinnen in Freude zu erheben, sondern bieget ihn in die
allergrößte Demut vor Gott. Und zeiget ihm seine noch Unwürdigkeit, daß er
nicht damit in eigene Liebe und Willen fahre, wie Adam und Luzifer taten,
welche das Perllein in die Phantasei (Illusion) einführten und sich vom
Ganzen abbrachen. Bedenket wohl, in welcher schweren Herberge die Seele
gefangen lieget. Demut und nichts wollen als nur Gottes Erbarmen, ist denen,
welche Jungfrau Sophiam erkannt haben, das beste und nützeste, das sie in
Übung nehmen sollen. Es ist ein Hohes, das euch Gott offenbaret. Sehet wohl
zu, was ihr tut; macht nicht einen fliegenden Luzifer daraus, oder es wird
euch ewig reuen. 3,29. Diese fünfte Gestalt hat alle Kräfte der göttlichen Weisheit in sich und
ist das Centrum, darinnen sich Gott der Vater in seinem Sohne durchs
sprechende Wort offenbaret. Es ist der Stock des Gewächses des ewigen Lebens,
item der geistlichen Kreaturen, eine Speise der feurischen Seelen, sowohl der
Engel und was man nicht aussprechen kann. Denn es ist die ewige immerwährende
Offenbarung der dreieinigen Gottheit, da alle Eigenschaften der heiligen
Weisheit in sensualischer (geistig-sinnlicher) Art innen qualifizieren als
ein Geschmack, Ruch und ineinanderqualifizierendes Leben des Liebe-Feuers.
Und heißt die Kraft der Herrlichkeit Gottes, welche sich mit in der Kreation
in alle geschaffene Dinge hat ausgegossen, und lieget in jedem Dinge nach des
Dinges Eigenschaft im Centro verborgen als eine Tinktur in dem lebendigen
Corpore, aus welcher Scienz alle Dinge wachsen und blühen und ihre Früchte
geben; welche Kraft in der Quinta Essentia innen lieget und eine Cura
(Heilung) der Krankheiten ist. 3,30. So die vier Elemente mögen in die Temperatur gesetzt werden, so ist das
herrliche Perllein in seiner Wirkung offenbar. Aber der Fluch des Zorns
Gottes hält es wegen der Menschen Unwürdigkeit in sich gefangen, den Medicis
(Ärzten) wohl verstanden. Von der sechsten Specie der
Natur 3,31. Die sechste Gestalt in der Scienz ist in der göttlichen Kraft das
Sprechen als der göttliche Mund, der Schall der Kräfte, da sich der Hl. Geist
in der Liebe-Infassung lautbarlich aus der ingefaßten Kraft ausführet, als
uns am Bilde Gottes am Menschen in seiner Rede zu verstehen ist. Also ist
auch ein sensualisch, wirkend Sprechen in der göttlichen Kraft in der
Temperatur, welches wirkende Sprechen in den fünf Sensibus (Sinnen) recht
verstanden wird als ein geistlich Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und
Fühlen, da die Offenbarung einen lautbaren Hall ausspricht, wie am Menschen
zu verstehen ist, sowohl auch an dem ausgesprochenem Wort in den geschaffenen
Kreaturen, den Lebhaften auch den stummenden Wachsenden (Pflanzen) und
dergleichen. 3,32. Denn allda wird verstanden, wie sich die geistliche Welt als der geistliche
Hall mit in der Schöpfung hat eingegeben, davon der Schall aller Wesen
urständet, welcher in den Materien eine merkurialische Kraft aus der
feurischen Härte genannt wird, darinnen die andern Kräfte ihre Mitwirkung
haben und geben, daß es ein Klang oder Sang wird, wie an den Lebhaften zu
erkennen ist, in den Stummen aber ein Klang ist, und wie man an einem
Saitenspiel siehet, wie alle Melodeien ineinander in einem einigen Werke
liegen, welche der Verstand kann hervorbringen. 3,33. Mehr ist uns in der sechsten Gestalt der wahre Verstand der Sensuum zu
verstehen, denn wenn sich der Geist aus den Eigenschaften hat ausgeführet, so
ist er wieder in der Temperatur und hat alle Eigenschaften in ihm. Wessen das
Corpus eine wesentliche Kraft ist, dessen ist der Geist eine fliegende Kraft
als eine sinnliche, in welcher das Gemüte verstanden wird, daraus die Sinnen
urständen. Denn die Sinnen urständen aus der Viele (Vielheit) der unendlichen
Eigenschaften aus dem Feuerschracke. Darum haben sie beide Centra als Gottes
Liebe und Zorn in sich. Weil sie in der Temperatur (Gleichgewicht) stehen, so
sind sie gerecht; sobald sie aber daraus ausgehen und sich in eigene Proba
ihrer selber schwingen, sich selber in Eigenschaften zu finden und selber zu
erkennen, so ist die Lüge geboren, daß sie vom eigenen Willen reden und die
andern Eigenschaften für falsch halten und verachten, und führen sich
alsobalde in eigene Lust, in welcher der schwere Fall Adams und Luzifers uns
zu betrachten und zu erkennen ist. 3,34. Denn Adam war in die Temperatur mit den Eigenschaften gesetzet. Aber
seine Scienz führete sich in die Zerteilung in falsche Lust durch des Teufels
Infizierung und sein Einhallen oder Einreden; in welchem Einreden die Lust
sich in der Temperatur erhob und in die Viele der Eigenschaften einführete
als eine jede Eigenschaft in eine Selbheit. 3,35. Denn die Seele wollte schmecken, wie es schmeckte, wenn die Temperatur
auseinanderginge als nämlich, wie die Hitze und Kälte, dazu Trocken und Naß,
Hart und Weich, Herbe, Süße, Bitter und Sauer und also fort alle
Eigenschaften schmeckten in der Unterschiedlichkeit, welches doch Gott ihm
verbot, nicht zu essen von diesem Gewächse, das ist: von der Offenbarung der
Erkenntnis des Bösen und Guten, in welchem Schmacke erst der feurige Hunger
entstund, daß die Lebensgestaltnisse des Manna als Gottes Brot aus der Liebe
Wesen verloren und nicht mehr schmecken konnten, wie es in der Temperatur in
einem einigen Willen wäre; davon die Lebensgestaltnisse alsobald sich in
einen großen Hunger infasseten und die Viele der Eigenschaften sich
impresseten, dadurch die Grobheit des Fleisches entstand und die viehische
Begierde in der Vielheit der Scienz, der Eigenschaften und der Kräfte in ihm
offenbar worden und auch zuhand (sogleich) die zerteilten Eigenschaften im
Spiritu Mundi in ihm eingedrungen als Hitze und Kälte, auch das
bitter-stachlichte Wehe ihn rührete, welches alles in der Temperatur nicht
hätte sein mögen, davon ihm auch zuhand Krankheiten entstanden, denn die
Eigenschaften waren in den Streit und Widerwillen kommen. 3,36. Sobald sich nun jetzo eine über die ander erhebet oder durch etwas
angezündet wird, daß sie sich in die Höhe schwinget in der Qualifizierung, so
ist es den andern ein feindlicher Widerwille, davon entstehet Wehe und Krankheit.
Denn der Streit führet sich alsobald in die drei Ersten ein, da sich alsdann
die Turba (Verwirrung) erbieret und des Todes Kammer aufweckt, daß die
Gift-Qual das Regiment bekommt. Und das ist eben der schwere Fall Adams. Von der siebenten Specie Naturae 3,37. Die siebente Gestalt in der Scienz ist in der göttlichen Kraft das
ingefassete Wesen aller Kräfte, da sich der Schall als das sprechende Wort in
der Scienz fasset als ein Wesen, darinnen sich der Schall zur Lautbarkeit
fasset. Die fünfte Einfassung mit der Liebe als in der fünften Gestalt ist
ganz geistlich als die allerlauterste Wesenheit. Diese siebente aber ist eine
Infassung aller Eigenschaft und heißet billig die ganze Natur oder das
geformte Wort, das ausgesprochene Wort als der innere göttliche Himmel,
welcher ungeschaffen ist, sondern mit in der göttlichen wirklichen Geburt der
Temperatur inne stehet und heißet das Paradeis als ein gründend Wesen der
gefasseten wirklichen göttlichen Kräfte, da man die wachsende Seele inne
verstehet auf Art wie die Scienz sich aus der Erden durch der Sonnen Begierde
in ein Gewächse des Holzes, Kräuter und Grases zeucht, denn die Scienz der
Erden hat auch ihren Urstand daher. 3,38. Denn als Gott die geistliche Welt nach allen Eigenschaften in ein
äußerlich Wesen einführete, so blieb das Innere im Äußern als das Äußere als
ein Geschöpf, das Innere aber als ein gebärendes Wesen. Und derentwegen sehen
wir die Welt nur halb, denn das Paradeis als die innere Welt, welches in
Adams Unschuld durch die äußere Erden mit ausgrünete, haben wir verloren. 3,39. Mehrers ist uns zu verstehen, daß die sieben Tage mit ihren Namen aus
diesen sieben Gestalten urständen, als nämlich alle sieben aus einem Einigen,
welcher war der Anfang der Bewegung des Mysterii Magni. Und der siebente ist
der Ruhetag, darinnen das wirkende Leben der sechs Eigenschaften innen ruhet,
und ist eben die Temperatur im Wesen, da das wirkende Leben der göttlichen
Kräfte innen ruhet. Darum befahl Gott in demselben zu ruhen, denn es ist das
wahre Bild Gottes, da sich Gott darinnen in ein ewig Wesen von Ewigkeit
immerdar gebildet. Und so wir doch sehen wollten, so ist er Christus, nämlich
der rechte in Adam geschaffene Mensch, welcher fiel und sich in den sechs
Tagewerken mit der Scienz in Unruhe einführte und die finstere Welt erweckte
und emporführte, welche Gott mit seiner höchsten Liebe-Tinktur in dem Namen
Jesus in dem Menschen wieder tingierte und in dem ewigen Sabbath der Ruhe
einführte. 3,40. Dieses sind also die sieben Eigenschaften der ewigen und zeitlichen
Natur als nach der Ewigkeit geistlich und in heller, kristallinischer,
durchscheinender Wesenheit also zu vergleichen und nach der äußern
geschaffnen Welt in Böse und Gut untereinander im Streite zu dem Ende (Zweck)
also worden, daß sich die inneren, geistlichen Kräfte durch die streitende
Scienz in kreatürliche Formen und Geburten einführeten, da die göttliche
Weisheit in Wundern der Formungen in mancherlei Leben offenbar würde. Denn in
der Temperatur mag keine Kreatur geboren werden, denn sie ist der einige
Gott. Aber im Ausgange der Scienz des einigen Willens, in dem er sich in
Particular scheidet (aufteilt), so mag eine Kreatur als ein Bild des
geformeten Wortes urständen. * * * Vom Urstande der
Creation
4,1. Günstiger Leser, ich vermahne dich, sei ein Mensch und nicht ein
unvernünftig Tier und laß dich der Sophisten (Unweisen) Geschwätz nicht irren
mit ihrem Kälberverstande, die da nicht wissen, was sie schwatzen, welche nur
zanken und beißen, wissen und verstehen aber nicht, was sie geilen, und haben
keinen Grund im Sensu. 4,2. Laß dich auch nicht irren diese Feder oder Hand der Feder (des Autors).
Der höchste hat sie also geschnitzet und seinen Odem dareingeblasen,
deshalben wir ein solches wohl wissen, sehen und erkennen und nicht aus Wahn
von anderer Hand oder durch astralische Einfälle als wir beschuldiget werden.
Uns ist eine Pforte in Ternario Sancto (Hl. Dreifaltigkeit) aufgetan zu sehen
und zu wissen, was der Herr zu dieser Zeit in den Menschen wissen will, auf
daß der Streit ein Ende nehme, daß man nicht mehr um Gott zanke. Darum so
offenbaret er sich selber, und das soll kein Wunder sein, sondern wir sollen
selber dasselbe Wunder sein, das er mit Erfüllung der Zeit geboren hat, so
wir uns erkennen, was wir sind und vom Streite ausgehen in die Temperatur des
einigen Willen, und uns untereinander lieben. 4,3. Die ganze Creation beides, der ewigen und auch der zeitlichen Kreaturen
und Wesen, stehet in dem Worte göttlicher Kraft. 4,4. Die Ewigen urständen aus der Scienz des Sprechens als aus dem einigen
Willen des Ungrundes, welcher mit dem Wort des Sprechens mit der Scienz sich
hat in Particular eingeführet. 4,5. Und die Zeitlichen urständen in dem ausgesprochenen Worte als in einer
Bildlichkeit der Ewigen, da sich das ausgesprochene Wort in seiner Substanz
in einen äußerlichen Spiegel zu seiner Beschaulichkeit wieder eingeführet
hat. 4,6. Der Scienz Austeilung aus dem Ungrund in den Grund mit der Einführung
des sprechenden Worts in ein Wieder-Aussprechen des Wesens aller Wesen, zu
und in Bösem und Guten, stehet also: Es gebären sich drei Principia in dem
Wesen aller Wesen, da je eines des andern Ursach ist, darinnen man auch
dreierlei Leben verstehet als drei Unterschiede göttlicher Offenbarung. 4,7. Erstlich die wahre Gottheit in sich selber in Dreifaltigkeit in der
Scienz des Ungrundes im einigen Willen, da Gott Gott gebieret, als nämlich
der einige Wille, der sich in die Dreiheit einführet, der ist kein
Principium, denn es ist nichts vor ihm. So kann er auch keinen Anfang von
etwas haben, sondern er ist selber sein Anfang, das Nichts und auch sein
Etwas. 4,8. Aber im Wort der einigen göttlichen Kraft, da sich die einige Scienz
der Gebärung der Dreiheit aus sich selber aushaucht, allda urständet der
Anfang des ersten Principii, und doch nicht im Grunde des Sprechens als der
Dreiheit, sondern in der Fassung der Unterschiedlichkeit, da sich die
Unterschiedlichkeit in Natur infasset zur Empfindlichkeit und Beweglichkeit,
da sich die Empfindlichkeit in zwei Wesen scheidet als in den Grimm nach der
Impression in der Finsternis in ein kalt peinlich Feuer, darinnen die Hitze
urständet, da verstehet man das erste Principium in der Feuerwurzel, welche
ist das Centrum der Natur. 4,9. Und das ander Principium verstehet man in der Scheidung des Feuers, da
sich die göttliche Scienz im Feuer ins Licht scheidet, allda sie sich hat in
Natur und Wesen eingeführet zur Offenbarung der göttlichen Freudenreich, da
das Wort der Kräfte in einer wirklichen Gebärung inne stehet, da das Mens im
Ens (das göttliche Gemüt im Wesen) wirket. Allda ist die Scheidung zwischen
zweien Prinzipien, da sich Gott nach dem ersten einen zornigen, eiferigen
Gott und ein verzehrend Feuer nennet, und nach dem andern einen lieben,
barmherzigen Gott, der nicht das Böse will oder wollen kann. 4,10. Das dritte Principium wird in den sieben Tagewerken verstanden, allda
sich die sieben Eigenschaften der Natur in der siebenten in ein Wesen zur
Faßlichkeit eingeführet; welch Wesen in sich selber heilig, rein und gut ist
und der ewige, ungeschaffene Himmel heißet als die Stätte Gottes oder das
Reich Gottes, item: Paradeis, das reine Element, das göttliche Ens oder wie
man es nach seiner Eigenschaft etwa nennen möchte. 4,11. Dasselbe einige Wesen des göttlichen Gewirkes, welches von Ewigkeit je
gewesen ist, hat Gott mit der Scienz seines ungründlichen Willens gefasset
und beweget und in das Wort seines Sprechens ingefasset und aus dem ersten
Principio der peinlichen, finstern Feuer-Welt und aus der heiligen
lichtflammenden Liebe-Welt ausgesprochen als eine Fürmodlung (Urbild) der
innern geistlichen Welt. 4,12. Und das ist nun die äußere sichtbare Welt mit Sternen und Elementen,
doch nicht zu verstehen, daß es vorhin sei in einem geistlichen Wesen im
Unterschiede gewesen. Es ist das Mysterium Magnum gewesen, da alle Dinge in
der Weisheit in geistlicher Form in der Scienz des Feuers und Lichts in einem
ringenden Liebe-Spiel gestanden ist, nicht in kreatürlichen Geistern, sondern
in der Scienz solcher Inmodelung, da die Weisheit also mit sich selber in der
Kraft gespielet hat. Dieselbe Inmodelung hat der einige Wille ins Wort
gefasset und die Scienz aus dem einigen Willen frei gehen lassen, daß sich
eine jede Kraft in der Scheidung im eigenen Willen in der freigelassenen
Scienz in eine Form einführe nach ihrer Eigenschaft. 4,13. Solches hat das göttliche »Schuf« als die Begierde der ewigen Natur,
welche das Fiat1 der Kräfte heißet, eingefasset als in eine Compaction2 der
Eigenschaften. So spricht nun Moses, Gott habe im Anfang als in derselben
Infassung Mysterii Magni3 Himmel und Erde geschaffen und gesaget: Es sollen
allerlei Kreaturen hervorgehen, ein jedes nach seiner Eigenschaft. 1) »es werde« 2)
Zusammenfassung 3) des großen Mysteriums der Schöpfung 4,14. Das ist uns nun zu verstehen, daß in dem Verbo Fiat ist das Mysterium
Magnum gefasset worden in ein Wesen als aus dem innern geistlichen Wesen in
ein greifliches; und in der Begreiflichkeit ist die Scienz des Lebens
gelegen, und solches in zwei Eigenschaften als in einer mentalischen und
entalischen (Mens und Ens), das ist in einer recht lebendigen aus dem Grunde
der Ewigkeit, welche stehet in der Weisheit des Worts und in einer
ausgrünenden aus des Wesens selbst eigener in sich erborner Scienz, welche
das Wachstum ist, darinnen das wachsende Leben stehet als das stumme Leben. 4,15. Aus diesem Mysterio ist anfänglich die Quinta Essentia als das Ens des
Wortes offenbar und wesentlich worden, an welcher nun alle drei Principia
gehangen sind, da sich denn das Wesen hat geschieden, als nämlich das
Geistliche in geistlich Wesen und das Stumme in stumm Wesen, als da sind
Erde, Steine, Metalle und das materialische Wasser. 4,16. Die drei Ersten haben sich erstlich gefasset in ein geistlich Wesen als
in Himmel, Feuer und Luft; denn Moses saget: Im Anfang schuf Gott Himmel und
Erden. — Das Wort »Himmel« begreift das geistliche Element als die geistliche
Oberwelt mit der Wirkung der vier Elemente, da sich das einige Element hat
ausgewickelt mit der Eigenschaft der drei Ersten, darinnen die Natur in ihren
sieben Gestalten innen lieget. Dasselbe geistliche hat von sich ausgestoßen
das grobe, gefassete, stumme Wesen als die Materiam der Erden und was
darinnen begriffen ist nach und aus Eigenschaft der sieben Gestalten der
Natur und ihrer Austeilung, da sich denn jede Gestalt mit ihrer Austeilung
oder Vielfältigung hat in Wesen eingeführet, wie man das an dem wachsenden
Geiste siehet, welcher aus dem salnitrischen Sude (materieller Grund) der
beiden Feuer die Scienz jeder Eigenschaft aus sich in die Höhe ausführet in
die Begierde des obern Geist-Lebens, von welchem denn auch die Erde Kraft
empfängt. In welcher obern und untern Kraft sich der Erden Scienz in ein
Gewächse einführet, welch Gewächse die Sonne mit ihrem Licht-Feuer anzündet,
daß Frucht daraus wächst auf Art wie die innere magische Sonne des Lichts
Gottes die innere Natur entzündet, darinnen das Paradeis wachsend und grünend
stehet, verstehet: in der Temperatur des einigen Elements, welches dem
Irdischen verborgen ist. In einer Summe wollen wir dem Leser andeuten, was
das Wesen aller Wesen ist. 4,17. Die innere, heilige, geistliche Welt ist das aussprechende Wort Gottes,
welches sich in Wesen und Wirkung einführet nach Liebe und Zorn, da man in
der Impression der Finsternis das Böse verstehet, und ist doch in Gott nicht
böse, sondern nur in seiner eigenen Fassung der Selbstheit als in einer
Kreatur, und da es doch auch gut ist, soferne nur die Kreatur in der
Temperatur innen stehet. 4,18. Und in der Fassung des Lichts verstehet man das Reich als den
offenbaren Gott mit seiner wirklichen Kraft, welche sich in der feuernden
Natur in ein lautbar Wort fasset zur göttlichen Offenbarung im Hl. Geiste.
Dasselbe wirkende Wort aus allen Kräften, aus Gutem und Bösen als aus dem
Licht- und Liebe-Feuer und aus dem peinlichen und finstern Natur-Feuer,
welches in der Ewigkeit in einem wirklichen Wesen in zweien Principiis als im
Licht und Finsternis gestanden, hat sich ausgesprochen in eine Zeit und
eingeführet in ein Wesen eines Anfanges und Endes und gebildet in die
Creation zu seiner Selbstoffenbarung. 4,19. Das ist diese äußere Welt mit ihren Heeren und alledem, was darinnen
lebet und webet; das ist geschlossen in eine Zeit eines Uhrwerks, das läuft
nun von seinem Anfange immerdar wieder zum Ende als wieder in das erste,
daraus es gegangen ist. Und das ist zu dem Ende also offenbar worden, auf daß
das ewige Wort in seiner wirklichen Kraft kreatürlich und bildlich sei, daß
gleichwie sichs von Ewigkeit in der Weisheit geformieret und gebildet hat,
also auch in einem Particular-Leben gebildet sei zur Herrlichkeit und Freude
des Hl. Geistes im Worte des Lebens in ihm selber. 4,20. Und darum hat Gott in der ewigen Scienz des ewigen ungründlichen
Willens Engel geschaffen aus beiden Feuern als aus dem Feuer der Natur und
aus dem Feuer der Liebe; wiewohl das Liebe-Feuer keine Kreatur geben mag,
sondern es wohnet in der Kreatur und erfüllet sie wie die Sonne die Welt oder
die Natur in der Zeit der Welt, auf daß der Hl. Geist also ein Freudenspiel
in sich selber habe. 4,21. Und sollet uns von den Engeln recht und wohl verstehen, denn allhie
lieget der Grund, darum die Frage wegen der Gnadenwahl gehandelt wird,
darinnen die Vernunft irreläuft. 4,22. Die heilige Schrift nennet die Engel Feuer- und Licht-Flammen, Psalm
104,4, und auch dienstbare Geister, Hebr. 1,7. Dem ist also: und ob sie wohl
ihre hochfürstlichen Regimente haben, so sind sie doch allesamt nur ein
zugerichtetes Instrument des einigen Geistes Gottes in seiner Freude, welche
er mit ihnen offenbaret, denn er offenbaret sich selber durch sie. 4,23. Ihre Substanz und Wesen, soviel sie ein Eigentum sind und Kreaturen
genannt werden, ist eine Infassung der ewigen Natur, welche ohne Anfang in
göttlicher Wirkung zu seiner Selbstoffenbarung in der ewigen Gebärung stehet.
Verstehet: nach der Kreatur sind sie der ewigen Natur aller sieben Gestalten
in großer Unterschiedlichkeit der Kräfte auf Art wie sich die drei Ersten in
der Natur in unendliche Unterschiede einführen und formen, also ist auch ihre
Kreatur in vielen Eigenschaften zu verstehen, ein jeder in seiner
Eigenschaft. 4,24. Und sind uns vornehmlich sieben hohe Regimente in dreien Hierarchien zu
verstehen nach dem Quel der sieben Eigenschaften der Natur, da sich denn eine
jede Gestalt der ewigen Natur in einen Thron gefasset als zu einem Regiment,
darinnen die Unterschiede verstanden werden, auch der Wille des Gehorsams
gegen den Thronfürsten. 4,25. Dieses haben sie in Verwaltung als Kreaturen göttlicher Gaben, da ihnen
Gott das Wesen, dessen sie ein Bild sind, zum Besitz gegeben, darin sie
wohnen, welches ist die heilige, geistliche Kraft der Welt der Temperatur.
Ihr allerinnerlichster Grund, welcher aus göttlicher Eigenschaft von Ewigkeit
urständet, ist der einige Wille des Ungrundes in Grund. Also urständen sie nach
dem Anfange zur Natur aus der Scienz des freien Willens, aus welchem und in
welchem freien Willen Gott sein Wort gebieret. Derselbe freie Wille hat sich
in der Natur-Geburt als im ersten Principio des Feuers Anzündung in
Schiedlichkeit eingeführet, und aus derselben Schiedlichkeit im Urstande des
Feuers sind die Engel im freien Willen als ein Particular des ungründlichen
freien Willens eingeführet worden, sich mit dem freien Willen in das erste
oder andere Principium einzuwenden und zu offenbaren. 4,26. Gleichwie Gott selber in demselben freien Willen frei und alles ist und
sich im selben freien Willen in der Natur im Feuer, Licht und Finsternis, in
Pein und Qual sowohl in Liebe und Freude einführet, also auch hat das
Particular Macht, aus dem ganzen freien Willen sich in kreatürliche
Eigenschaft einzuführen in den dreien Hierarchien oder Prinzipien, wie sie
wollen. Als, die Scienz mag sich in den dreien Hierarchien fassen und
offenbaren, worinnen sie Gewalt hat, gleichwie die göttliche Scienz sich in
Wesen und Wirkung hat eingeführet als ein Teil im feurischen nach der Kälte,
das andere im feurischen nach der Hitze, das dritte im feurischen nach dem
Lichte, das vierte in die Phantasei als in ein Spiel der Natur Selbheit, da
sie mit sich selber in der Ungleichheit spielet in den Eigenschaften. 4,27. Die drei Hierarchien sind uns in dreien Prinzipien zu verstehen als in
dreierlei Naturlicht: die erste Hierarchia stehet im Wesen des ewigen Vaters
Eigenschaft nach dem Feuer der Stärke als in der Feuers-Tinktur im Wesen der
Natur; die andere Hierarchia steht in der Licht-Feuer-Tinktur nach des Sohnes
Eigenschaft in der ewigen Natur und ist die heiligste; die dritte Hierarchia
stehet in der Natur Selbheit, als da sie in den Eigenschaften gegeneinander
spielet wie die vier Elemente in der Sterne Kraft spielen. Und diese ist nach
dem Centro der Finsternis offenbar, und sie hat auch ein Natur-Licht in sich
als den kalten und hitzigen Feuer-Blitz oder Blick, darinnen die Verwandlung
verstanden wird, als da sich die Kreatur mag bald in diese oder andere Form
verwandeln. Und wird in der Natur die falsche Magia genannt, in welche
Hierarchiam Fürst Luzifer sich gewendet hat und sich aus der Temperatur mit
der Scienz ausgeben, dessen Reich eine Höhle oder Hölle genannt wird, darum
daß es in sich selber in der Finsternis wohnet und ein falsch Licht hat, das
nicht mit in der Temperatur innen stehet, sondern führet eine Lust und
Begierde der Phantasei (Wahn) des Bauens und Zerbrechens, da jetzt eine
Gestaltnis formieret und gar bald nach den ringenden Gestaltnissen der Natur
wieder zerbrochen und in ein anders gewandelt wird; welch Reich mit im Loco
(Ort) der Welt im Geschöpfe im Regiment stehet, zwar nicht nach den vier
Elementen und dem Gestirne, aber doch darinnen verborgen und sich mit in die
Geschöpfe eindringend, darin die Teufel und Geister der Phantasei in den vier
Elementen wohnen. 4,28. Wenn die Sonne und das Wasser sollten aufhören, so wäre dasselbe Reich
offenbar. Es bildet sich mit in etliche Gewächse, item in Metalle, welche
nicht fix sind und im Feuer bestehen, item in Kräuter, Bäume und Kreaturen,
darinnen die falsche Magia der Zauberei verstanden wird und darinnen Christus
den Teufel einen Fürsten dieser Welt nennet. 4,29. Denn da er aus dem Licht verstoßen ward, fiel er in das Reich der
Phantasei, ins Centrum der Natur, außer der Temperatur in die Finsternis, da
er sich mag ein falsch Licht aus dem hitzigen und kalten Feuer durch die
Scienz der Macht der Ewigkeit eröffnen. Denn das ist Luzifers Fall, daß er
mit eigenem Willen das Reich der Phantasei in seiner Kreatur offenbarte, daß
er den ewigen Willen aus der Temperatur in die Zertrennung als in die
Ungleichheit der Phantasei einführte, welche Phantasei ihn auch zuhand fing
und darin in einen unerlöschlichen kalten und hitzigen Feuerquall in die
Widerwärtigkeit der Gestaltnisse einführte. 4,30. Denn der Grimm der ewigen Natur, welcher Gottes Zorn heißet, offenbarte
sich in ihnen und führte ihren Willen in die Phantasei, und darin leben sie
noch und mögen nun anders nicht tun, als was der Phantasei Eigenschaft ist,
nämlich Narretei treiben, sich verwandeln, das Wesen zerbrechen, item in
kalter und hitziger Feuers-Macht sich erheben, einen Willen in sich fassen
über die Hierarchien Gottes, der hl. Engel, auszufahren, sich in prächtiger
Feuers-Macht nach dem ersten Principio in ihrem Grimme sehen zu lassen. Ihr
Wille ist eine lautere Hoffart, item ein Geiz zur Vielheit der Eigenschaften,
ein stachlichter Neid aus dem bittern Wehe, ein Zorn aus dem Feuer, ein
Verzweifeln aus der Angst. 4,31. In Summa: wie die drei Ersten als der Spiritus der Natur im geistlichen
Sulphure, Sale und Mercurio ist, also ist auch ihr Gemüte, daraus die Sinnen
kommen. Verstehet: wie die drei Ersten außer dem Lichte Gottes in ihrem
Urstande sind, also ist auch der Teufel in seinem Willen und Gemüte, denn
seine Erhebung war nach dem ersten Principio, daß er möchte ein Herr über und
in allem Wesen, auch über alle englische Heere sein. Und darum wandte er sich
von der Demut der Liebe ab und wollte in Feuers-Macht darinnen herrschen,
welche ihn aus sich ausgespeiet und sich zu einem Richter und ihm die
göttliche Gewalt genommen hat. 4,32. Und wegen dieser Erhebung ist uns zu betrachten und hoch erkenntlich:
Dieweil die Engel vor der Zeit des dritten Principii in der ersten göttlichen
Bewegung geschaffen worden, wie sich das Reich der Phantasei im Grimme der
Natur so gewaltig beweget, geimpresset und gefasset hat, in welcher Fassung
die Erde und Steine ihren Urstand genommen haben, nicht daß sie die Teufel
geursachet haben, sondern sie haben die Mutter der Natur, als nämlich den
Grimm Gottes geursachet, daß er ihnen das Wesen hat in eine Compaction
(Verfestigung) verschlossen und in einen Klumpen gebracht, weil sie wollten
ihre Gaukelei in der Matrix Naturae (Schoß der Natur) treiben. Dasselbe ist
ihnen nun entzogen, daß sie nun müssen im spiritualischen Grunde in derselben
Mutter der Phantasei gefangen liegen; und sind die ärmsten Kreaturen, denn
sie haben Gott und sein Wesen verloren. Der da gar zu reich sein wollte, der
ward arm. In der Demut hatte er alles gehabt und mit Gott gewirket, aber in
der Selbheit ist er närrisch, auf daß erkannt werde, was Torheit oder
Weisheit sei. Also hat ihn Gott in seinen eigenen Willen durch sein eigen
Erheben in die Torheit geschlossen als in eine ewige Gefängnis. 4,33. So spricht die Vernunft: Es ist Gottes Wille gewesen, auf daß seine
Weisheit von der Torheit unterschieden würde und daß verstanden werde, was
Weisheit oder Torheit sei; sonst wüßte man nicht, was Weisheit wäre. Darum
hat ihn Gott fallen lassen und verstockt, daß er es hat tun müssen, sonst
wäre es nicht geschehen. — Alsoweit kommt die Vernunft, und mehr verstehet
sie nicht. 4,34. Antwort: Als sich der Ungrund mit dem einigen Willen in eine feurische
Scheidung eingeführet, da ward die Scienz in der Teilung in ihren eigenen
Willen. Und die Viele (Vielheit) der Willen wurden alle in die Temperatur
gestelltet und hatten an sich hangen die drei Hierarchien, Licht, Feuer,
Finsternis. Da mochte sich ein jedes Heer mit Einfassung seiner Kreatur in
diesen drei ersten in eine Hierarchiam einführen, wie es wollte. Und daß dies
wahr sei, ist offenbar an dem, denn die Teufel waren im Urstande Engel und
stunden in der Temperatur im freien Willen. Nun mochten sie sich wenden,
wohin sie wollten, dahin sollten sie bestätiget werden. 4,35. Sprichst du: Nein, Gott machte mit ihnen, was er wollte. — Antwort: So
verstehe es nur recht; die Scienz ist in Natur und Kreatur eingeführet.
Allein in der Scienz der Kreatur entstand der Wille, sich in die Phantasei
als ins Centrum zum Feuer-Leben einzuführen. Und darauf folgte die
Bestätigung und Scheidung, auch die Ausstoßung aus der Temperatur in den
Quall, darein sich die Scienz mit dem freien Willen gewandt hatte. 4,36. Dieselbe Hierarchia der Finsternis und der Phantasei nahm denselben
Willen an und bestätigte ihn in ihr. Also ward aus einem Engel ein Teufel als
ein Fürst im Grimme Gottes, allda innen ist er gut; denn wie Gottes Zorn ist,
also ist auch sein ingeborner Thronfürste. Er ist und bleibt ewig ein Fürst
mit seinen Legionen, aber nur im Reiche der Phantasei. Denn wie das Reich
derselben Kräfte in sich ist, also ist auch sein ingeborner Fürst. Des
grimmen Reiches Qual ist die Mutter seiner Selbheit als sein Gott. Er muß nun
tun, was sein Gott will. Und also ist er ein Feind des Guten, denn die Liebe
ist sein Gift und Töten. Und wenn er gleich in heiliger Kraft im Lichte säße,
so zöge er doch nur Giftqual in sich, denn sie wäre sein Leben und Natur.
Gleich als ob man eine Kröte in eine Zuckerbüchse setzte, so zöge sie doch
nur Gift daraus und vergiftete den Zucker. 4,37. So spricht nun die Vernunft: Hätte ihm Gott seine Liebe wieder
eingegossen, so wäre er wieder ein Engel worden; darum lieget es an Gottes
Vorsatz — Antwort: Höre, Vernunft, siehe eine Distel oder Nessel an, auf
welche die Sonne einen ganzen Tag scheinet und mit ihrer Kraft sich in
dieselbe auch eindringet und ihr gar gerne ihre Liebe-Strahlen in ihr
stachlichtes Ens eingiebet. Diese Distel freuet sich auch in der Sonnen Ente
(Wesen). Aber sie wächset dadurch nur in eine Distel desto stachlichter. Sie
wird dadurch nur stolzer. Also auch mit dem Teufel zu verstehen wäre: Ob ihm
gleich Gott hätte seine Liebe eingegossen, so hätte sich aber die Scienz des
ungründlichen Willens in Distel-Art eingeführet, nämlich der ewige Wille,
welcher außer Grund und Stätte in sich selber ein Wille ist, welchen nichts
brechen mag. 4,38. Und ist uns doch nicht zu verstehen, daß es der Wille des Ungrundes
getan hat, denn derselbe ist weder böse noch gut, sondern ist bloß ein Wille,
das ist: eine Scienz ohne Verstand (bloßer Wille) zu etwas oder in etwas,
denn er ist nur ein Ding, und ist weder Begierde noch Lust, sondern er ist
das Wallen oder Wollen. 4,39. Gleichwie die äußere Welt im Spiritu Mundi auch einen Willen hat oder
wie die Luft ein Wallen ist und weder böse noch gut, allein man verstehet,
wie sich die drei Ersten mit dem sensualischen Grunde darein eindringen und
den Willen in ihre Habhaftigkeit einnehmen; und da sie doch aus demselben
Willen urständen, noch dennoch fassen sie ihn in ihr Eigentum. 4,40. Also auch in gleichem ist uns von der Scienz als des einigen ewigen
Willens aus dem Ungrunde zu verstehen, welcher aus dem ewigen Einen urständet
und sich mit in die Kreatur der Phantasei als in den Grimm der ewigen Natur
zum Bösen hat eingegeben. Derselbe Wille ist nicht Ursache der Phantasei,
sondern die drei Ersten, darinnen die Kreatur verstanden wird als die Natur
im ewigen Band, aus welcher und in welcher der Verstand sowohl die Phantasei
urstände; dieselbe ist Ursache des Falls. Denn der ungründliche Wille ist
nicht die Kreatur, denn er ist keine Bildung. Allein in der ewigen Natur
urständet die Bildung und der kreatürliche Wille zum Etwas oder zur Vielheit. 4,41. Der ungründliche Wille ist Gottes, denn er ist in dem Einen, und ist
doch nicht Gott; denn Gott wird allein verstanden in dem. Oder wenn sich der
Wille des Ungrundes in ein Centrum der Dreiheit in der Gebärung einschleußt
und in die Lust der Weisheit ausführet. 4,42. Aus dem Willen, darein sich die Gottheit in die Dreiheit schleußt
(schließt) ist auch der Grund der Natur von Ewigkeit geboren worden. Denn da
ist kein Vorsatz, sondern eine Geburt. Die ewige Geburt ist der Vorsatz, als
daß Gott will Gott gebären und durch Natur offenbaren. 4,43. Nun schleußt sich die Natur in eigenen Willen als in ein peinlich und
feindlich Leben. Und dasselbe feindliche Leben ist die Ursache des Falls,
denn es hat sich in der Natur Phantasei oder Spiel der Gebärung eingegeben
und sich zum Führer oder Herrn derselben phantaseiischen Natur gemacht. Und
die Phantasei hat dasselbe Leben in sich genommen und sich demselben Leben
ganz eingegeben. Jetzt ist nun die Phantasei und das Leben ein Ding worden
und hat den Willen des Ungrundes als die göttliche Scienz, darinnen sich Gott
in Gott gebieret, in sich. Aber in dieser eingeschlossenen Scienz gebieret
sich Gott nicht. Er gebieret sich wohl darinnen, aber er wird in der Scienz,
soviel sie die Natur fasset und begreift, nicht offenbar. Gott ist unbeweglich
und unwirkend darinnen. Er gebieret nicht darinnen einen Vater, Sohn, Hl.
Geist und Weisheit, sondern eine Phantasei nach der finstern Welt
Eigenschaft. Gott ist wohl darinnen ein Gott, aber nur in sich selber
wohnend, nicht in der Kreatur, sondern im Ungrunde außer der Beweglichkeit
und außer dem Willen der Kreatur und außer dem Leben der Kreatur. 4,44. So nun die Kreatur etwas tut, so tut es nicht Gott in dem Willen des
Ungrundes, welcher auch in der Kreatur ist, sondern das Leben und das Wollen
des Lebens der Kreatur tut es, als uns denn zu erkennen ist an dem Teufel.
Ihn reuet es, daß er ein Teufel geworden ist, dieweil er ein Engel war. Nun
reuet ihn das nicht in seines Lebens Willen nach der Kreatur, sondern nach
dem Willen des Ungrundes, darinnen ihm Gott also nahe ist. Daselbst schämet
er sich vor Gottes Heiligkeit, daß er ein heiliger Engel war und nun ein
Teufel ist. Denn die Scienz des Ungrundes schämet sich, daß ein solch Bild in
ihrer Offenbarung an ihr stehet und daß sie im Äußeren eine Phantasei ist.
Derselbe Wille aber mag die Phantasei nicht brechen, denn er ist nur eines
und ist in sich keine Qual, auch keine Empfindlichkeit der Phantasei, sondern
er ist eine Scienz, darein die Phantasei sich bildet. Und dieselbe Phantasei
nimmt nichts an sich als nur eine Gleichheit. Die Gleichheit ist die Kraft
ihres Lebens. Käme aber was anders darein, so müßte die Phantasei vergehen.
Also verginge auch das mit, daraus sie geboren wird, nämlich die Natur. Und
so die Natur verginge, so wäre das Wort der göttlichen Kraft nicht sprechend
oder offenbar, und bliebe Gott verborgen. 4,45. Also verstehet, daß es alles ein unvermeidlich Ding sei, daß Gutes und
Böses ist, denn in Gott ist alles gut, aber in der Kreatur ist der
Unterschied. Das Leben der ewigen Kreatur ist in seinem Anfange ganz frei
gewesen, denn es ward in der Temperatur offenbar, als im Himmel wurden die
Engel geschaffen aus derselben Natur, Qualität und Eigenschaft. Die finstere
Welt mit dem Reiche der Phantasei war darinnen, aber im Himmel nicht
offenbar. Aber der freie Wille in den gefallenen Engeln machte das in sich
offenbar, denn er neigte sich in die Phantasei. Also ergriff sie ihn auch und
ergab sich ihm in sein Leben. 4,46. Nun ist dasselbe finstere Reich und die Phantasei und die Kreatur der
gefallenen Engel jetzo ganz ein Ding:, ein Wille und Wesen. Weil aber
derselbe abtrünnige Wille nicht allein in der Phantasei wollte wohnen und
regieren, sondern auch zugleich in der heiligen Kraft, darinnen er anfänglich
stand, so stieß ihn die heilige Kraft als die Scienz im Lichte Gottes aus
sich und verbarg sich vor ihm. Das ist: der innere Himmel beschleußt ihn, daß
er Gott nicht siehet, welches soviel gesaget ist: er starb am Himmelreich des
guten Willens und ist anjetzo in Gott, gleichwie die Nacht im Tage ist. Denn
sie ist am Tage in der Sonnen Glanz nicht offenbar und ist doch, wohnet aber
nur in sich selber, wie Joh. 1,5 stehet: Das Licht scheinet in der
Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. — Also auch nunmehr
vom Teufel und Gott zu verstehen ist, denn er ist in Gott, aber in der
göttlichen Nacht, im Centro der Natur, mit Finsternis in der Essenz seines
Lebens beschlossen, und führet ein magisch Feuer-Licht vom Ens der Kälte und
Hitze als ein schrecklich Licht vor unseren Augen; ihm aber ist es gut. 4,47. Die Schrift saget, der Großfürst Michael habe mit dem Drachen
gestritten und der Drache habe nicht gesieget, Apok.12,7.8; und an einem
andern Orte saget Christus: Ich sah den Satan vom Himmel fallen als einen
Blitz, Luk. 10,18. Dieser Fürst Michael ist ein Thronengel und hat in der
Kraft Christi als im Worte der heiligen Kraft mit ihm gestritten, in welches
Wort Adam geschaffen ward. 4,48. Dasselbe Wort der Kraft wird in allen drei Prinzipien verstanden, denn
als Luzifer fiel und sich in das Reich der Phantasei begab, so verlor er das
Reich in heiliger Kraft und ward ausgestoßen. Und solches geschah von der
Engel Wirksamkeit, welche ihn als einen Abtrünnigen durch göttliche Kraft
ausstießen. Und in derselben Kraft, im Wort aus allen drei Prinzipien, ward
der Mensch geschaffen. 4,49. Als aber den Menschen das Reich des Grimmes überwältigte und ihn aus
der Temperatur ausstieß, so offenbarte sich der höchste Name der Gottheit in
ihm als die allersüßeste Kraft Jesu, welche das Reich der Phantasei und des
Grimmes überwand und mit der höchsten Liebe tingierte. Und allda ward dem
Teufel sein Reich und Gewalt in der Kraft des Menschen zerbrochen. Und daher
urständet der Name Christus. * * * Vom Urstand des
Menschen
5,1. Moses sagt: Gott schuf den Menschen aus einem Erdenklos, Gen. 2,7,
verstehet: den Leib, der ist ein Limus der Erden; und die Erde ist ein Ens
aus allen drei Principiis, eine ausgehauchte, gefassete, koagulierte
(verdichtete) Kraft aus dem Worte aller drei Prinzipien, aus dem Mysterio
Magno als aus den drei ersten, aus den sieben Gestalten der Natur, welche
sich in der entzündeten Begierde als im Fiat ("es werde")
eingefasset und in ein Wesen geführet, eine jede Eigenschaft in sich selber
zu einer Compaction, welche Gott im Fiat als in der wesentlichen Scienz hat
in einen Klumpen gefasset, in welchem alle Kräfte der geistlichen Welt nach
Gottes Liebe und Zorn, auch nach der Phantasei in einer Fixheit inne liegen,
nicht nach Art des entis, sondern nach Art des Entis. 5,2. Im Mens (Gemüt, Geist des Menschen) wird die lebendige Wesenheit,
welche geistlich ist, verstanden als ein ganz geistlich Wesen, ein geistlich
Ens der Tinktur, da sich die höchste Kraft vom Feuer und Licht in ein Ens
einführet. 5,3. Und im Ens wird das Leben der sieben Eigenschaften der Natur verstanden
als das empfindliche wachsende Leben, nämlich das ausgesprochene Wort,
welches sich im Wachstum wieder ausspricht, formet und coagulieret. 5,4. Das Mens aber lieget im Ens wie die Seele im Leibe. Das mentalische
Wort spricht aus das entalische. Der Himmel beschleußt das Mens und die
Phantasei das Ens. Das verstehet also: Im Mens wird verstanden die göttliche
heilige Kraft in der Fassung des Worts, da sich das Wort der Kräfte einfasset
in ein geistlich Wesen, da das Wort der Kräfte wesentlich ist. 5,5. So ist das Mens das geistliche Wasser; und die Kraft darinnen, welche
sich im Geistwasser formet, ist nun die höchste Tinktur, welche in der
Temperatur stehet. Und der Grund derselben Tinktur ist die göttliche
Weisheit; und der Grund der Weisheit ist die Dreiheit der ungründlichen
Gottheit; und der Grund der Dreiheit ist der einige unerforschliche Wille;
und des Willens Grund ist das Nichts. 5,6. Also soll das Gemüte von ehe lernen unterscheiden, was in der Erden
verstanden werde, ehe es saget, der Mensch ist Erde, und die Erde nicht
ansehen als eine Kuh tut, welche denkt, die Erde ist eine Mutter des Grases,
die auch nicht mehr bedarf als Gras und Kraut. 5,7. Der Mensch aber will das Beste aus der Erden essen. Darum soll er auch
lernen erkennen, daß er das Beste aus der Erden sei, denn ein jedes Ens
begehrt von seiner Mutter zu essen, daraus es ist herkommen. Und wir sehen ja
wohl, daß der Mensch nicht begehret von der Grobheit des irdischen Entis zu
essen, sondern von der Subtilheit als die Quintam Essentiam begehret zu
seiner Lebenskraft, welche er auch im Paradeis zur Speise hatte. 5,8. Als er aber aus der Temperatur ausging in die Scienz der
Unterschied-lichkeiten, so setzte Gott den Fluch zwischen das Element der
Temperatur und vier Elementen, daß als der Mensch war mit der Begierde in die
Ungleichheit der Eigenschaften gegangen — welche sich auch in ihm in ein
solch tierisch, hart, begreiflich, fühlich und empfindlich der Feindschaft in
die Phantasei gefasset hatte als in die vierelementische Grobheit der Hitze
und Kälte, auch in die Giftqual der finstern Welt als in die Tödlichkeit — er
auch nun mußte dieselben Eigenschaften in sich essen. Denn der Ungleichheit
gehöret nicht die Temperatur des einigen heiligen Elements, sondern die vier
Elemente gehören ihr. Darum ist der Fluch das Scheideziel, daß nicht das
Unreine in das Reine eingehe, denn der Fluch ist anders nichts als ein
Fliehen des Guten, daß sich das einige Element in sich selber gefasset und
vor dem Wesen der Bosheit sich verborgen hat. 5,9. Denn in Adams Unschuld grünete das heilige Element in der Temperatur
durch die vier Elemente aus und gebar auch die vier Elemente himmlische
Früchte, welche lieblich anzusehen und gut zu essen waren, wie Moses saget.
Und in dem selben Ausgrünen wird das Paradeis verstanden, denn dieselbe
Frucht stand in der Qualität in der Temperatur, und Adam stand auch in der
Temperatur. Also sollte und konnte der Mensch Paradeisfrüchte essen. 5,10. Als Adam aber mit der Lust in die Vielheit der Eigenschaften als in die
Phantasei der Ungleichheit ins Zentrum sich einführte und wollte alles wissen
und klug werden und schmecken, wie Hitze und Kälte und alle anderen
Eigenschaften im ringenden Streite schmeckten, so fingen ihn auch dieselben
Eigenschaften im Streite und wachten in ihm auf und fasseten sich mit der
Begierde ins Wesen der Phantasei. Also ward das Bild Gottes in der Temperatur
zerstöret, und verlosch das Licht im Wesen des heiligen Elements in ihm, darinnen
er Gott erkannt. Also starb er in der Temperatur und wachte auf in den vier
Elementen und der ungleichen Scienz, welche ihn nun kränken und endlich
töten. Und das ist der wahre Grund. 5,11. Damit wir aber dem suchenden Gemüte, welches nach seinem Vaterland
fraget und auf dem Pilgrimswege ist, genug tun, so wollen wir ihm den
Menschen vorstellen, 1.) was er eigentlich sei, 2.) woraus er erschaffen, 3.)
was seine Seele und Leib sei, 4.) auch seinen Fall und 5.) seine Erlösung
oder Wiederbringung, damit wir ihm können den Grund göttlichen Willens gegen
ihn recht gründlich weisen. Hernach wollen wir es mit der Heiligen Schrift
belegen und dieselbe mit ihrem vermeinten Contrario (Widerspruch) weisen, ob
jemandem möchten seine Augen dadurch offen werden, welches wir treulich nach
unsern Gaben tun sollen. 5,12. Moses spricht gar recht: Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, ja
zum Bilde Gottes schuf er ihn; item: Gott machte den Menschen aus dem Limo
(Stoff) der Erden. Indem Moses spricht: Gott schuf den Menschen in seinem
Bilde, — so versteht Moses nicht, daß Gott ein Bild sei, daß er den Menschen
habe nach seinem Model geschaffen, sondern er verstehet die Scienz in der
Kraft, da sich von Ewigkeit die Dinge in der Scienz, in der Temperatur, in
den Kräften haben im Geiste der Weisheit eingemodelt, nicht als Kreaturen,
sondern gleichwie ein Schatten oder Fürmodelung Abbild) in einem Spiegel, da
Gott von Ewigkeit in seiner Weisheit gesehen hat, was werden könnte. Mit
welcher Bildung der Geist Gottes in der Weisheit gespielet hat. In dem
ingefasseten Model, da sich der Geist der Scienz in der Weisheit in der Natur
Kräften hat von Ewigkeit in ein Spiel gemodelt, welches Model keine Kreatur,
sondern als ein Schatten einer Kreatur gewesen, hat Gott den kreatürlichen
Menschen erschaffen als in des Menschen eigen Bilde, welcher doch kein Mensch
war, sondern Gottes Bildnis, darinnen sich der Geist Gottes aus allen
Principiis in einen Schatten einer Gleichförmigkeit des Wesens aller Wesen
einmodelte. Gleich als wie sich ein Mensch vor einem Spiegel besiehet, da im
Spiegel sein Bildnis ist, aber in keinem Leben, also ist uns auch das Bild
Gottes des Menschen von Ewigkeit zu betrachten, sowohl die ganze Creation,
wie Gott alle Dinge von Ewigkeit gesehen hat im Spiegel der Weisheit. 5,13. Als Gott alle Kräfte aller drei Prinzipien in der Scienz hatte in ein
Wesen gefasset und in einen Klumpen gezogen, welcher Erde heißt, als nämlich
in eine Fixheit der gebärenden geistlichen Kräfte, so bescheidete er die
Elemente in der Temperatur des einigen Elements in vier Elemente zu einem
webenden Leben und fassete weiter die geistlichen Kräfte der Natur — aus
welchen die materialische Fixheit, so in der Erden in den Materien verstanden
werden — in Sternen. Denn wessen Wesens die Erde korporalisch ist, dessen
sind die Sterne spiritualisch, und doch nicht als lebendige Geister, sondern
ein geistlich Ens als Kräfte, eine Quinta Essentia, nämlich die subtile
Kraft, davon sich die Erde als die Gröbe geschieden hat, welche Gott in der
Scienz seines Sprechens in Unterschiedlichkeit der Kräfte formte. 5,14. Sie heißen darum Sterne, daß es ein bewegliches, hartgieriges, strenges
Ens ist, darinnen der Natur Eigenschaften verstanden werden alles dessen, was
die Natur in sich spiritualisch in der Temperatur ist, das sind die Sterne in
ihrer Schiedlichkeit, als ich setze es also zu verstehen. Wenn die Sterne
alle zergingen und wieder in das Eine träten, daraus sie gegangen sind, so
wäre es die Natur, wie es von Ewigkeit gewesen ist, denn es stünde wieder in
der Temperatur, wie es denn also am Ende geschehen soll, jedoch daß alle
Wesen durchs Feuer probieret und in ihr eigen Principium geschieden werden.
Mit dieser Zerteilung und Infassung der Kräfte der Sterne und der vier
Elemente verstehen wir die Zeit und den kreatürlichen Anfang dieser Welt. 5,15. Als nun Gott die Erde und das Firmament der Sterne geschaffen und in
Mitten das planetische Rad der sieben Eigenschaften der Natur mit ihrem
Regenten der Sonne geordnet hatte, so eröffnete sich der Spiritus Mundi aus
allen Eigenschaften der Kräfte, aus Sternen und Elementen. Denn eine jede
Kraft ist ausgehend nach der ewigen Natur Recht (Naturordnung) im
aussprechenden Wort, welch ewiges Wort sich allhier aus dem Mysterio Magno
hatte in eine Zeit als in eine Figur des geistlichen Mysterii Magni
eingefasset und geschlossen als ein großes Uhrwerk, darinnen man das
spiritualische Wort in einem Werk verstehet. 5,16. Das ganze Werk ist das geformte Wort Gottes, verstehet: das natürliche
Wort, in dem das lebendige Wort Gottes, das Gott selber ist, im Innern
verstanden wird. Das spricht sich durch die Natur aus in einen Spiritum Mundi
als in eine Seele der Creation. Und im Aussprechen ist wieder die Scheidung
in der feurischen astralischen Scienz im Spiritu Mundi, da sich die feurische
Scienz in eine geistliche Scheidung ausführet; in welcher Scheidung die
Geister in den Elementen verstanden werden, und solche nach Entscheidung der
vielen Elemente, in jedem Element nach seiner Eigenschaft. 5,17. Denn es hat in jedem Element seine inwohnenden Geister, nach desselben
Elements Qualität, welche ein Schatten und Bild des Ewigen sind, und aber
doch in einem wahrhaftigen Leben aus der Scienz der Natur des ausgesprochenen
geformten Wortes, aus dem Mysterio Magno; nicht aus dem rechten göttlichen
Leben, sondern aus dem natürlichen, welche da herrschen im Feuer, in der
Luft, im Wasser und in der Erden, in Ordnungen wie das Gestirne seine
instehende Ordnung hat; also auch unter jedem Himmelspol zu verstehen ist. 5,18. Der Spiritus Mundi ist nun das Leben der äußern Welt. Das Gestirne
stehet rings umher und hat die drei Ersten (Sal, Sulphur, Mercurium) in
harter feurischer Scienz in sich. Ja, sie sind eben desselben Wesens selber,
aber in großer Teiligkeit und Schiedlichkeit. Diese Schiedlichkeiten der
Kräfte gehen aus sich aus und sind ein Hunger nach ihrem gehabten Wesen als
nach der Erden und derer Materien in ihren Eigenschaften. Und die Erde ist
ein Hunger nach dem Spiritus Mundi, denn sie ist aus ihm entschieden. 5,19. Also begehret das Obere des Untern und das Untere des Obern. Des Oberen
Hunger stehet mächtig nach der Erden, und der Erden Hunger nach dem Oberen.
Darum fallen alle Dinge, was materialisch ist, nach der Erden, wie denn auch
das Wasser gegen die Erde gezogen wird; und hingegen zeucht der feurische
Spiritus im Oberen das Wasser wieder in die Höhe in sich zu seiner Erlabung.
Er gebierets und gibts von sich, und zeuchts auch, nachdem sichs hat mit der
Erden temperieret, wieder in sich. Und sind beide gegeneinander wie Leib und
Seele oder wie Mann und Weib, welche miteinander Kinder gebären. 5,20. Aus dieser Geburt als der Matrice der Natur hat Gott im Verbo Fiat das
ist in der wesentlichen Begierde der Kräfte, am fünften Tage alle Kreaturen
aus jeder Scienz aus ihrer Eigenschaft heißen hervorgehen als das Corpus aus
der Fixheit der Erden und den Geist aus dem Spiritu Mundi. Das ist geschehen
in der Coniunction des Obern und Untern. Das ist: das innere göttliche Wort
sprach sich durch das äußere ausgesprochene Wort in jeder Scienz aus der
feurischen Eigenschaft der Kräfte in ein kreatürlich Leben. Das sind nun die
Kreaturen auf Erden, im Wasser und in der Luft die Vögel, eine jede Kreatur
aus seiner eigenen Scienz, aus Gutem und Bösem, nach aller drei Prinzipien
Eigenschaft, nach jedem ein Bild der Gleichnis des innern Grundes, aus dem
Reiche der Phantasei sowohl als auch dem urständlichen guten Leben; wie man
das vor Augen siehet, daß gute und böse Kreaturen sind, als giftige Tiere und
Würmer nach dem Centro der Natur der Finsternis, aus Gewalt der grimmen
Eigenschaft, welche auch nur begehren im Finstern zu wohnen, als da sind
diejenigen, so in den Löchern wohnen und sich vor der Sonnen verbergen.
Dagegen findet man auch viel Kreaturen, mit denen der Spiritus Mundi sich aus
dem Reiche der Phantasei gebildet hat, als da sind Affen und dergleichen
Tiere und Vögel, welche nur Possen treiben und andere Kreaturen plagen und
verunruhigen, daß also je eines des andern Feind ist und alles gegeneinander
streitet, auf Art wie die drei Principia miteinander in ihren Kräften
spielen. Also hat Gott dasselbe Spiel vor sich mit dem Spiritu Mundi in
seiner Scienz in ein lebendig kreatürlich Wesen eingeführet, wie man denn
auch gute freundliche Kreaturen in Nachmodelung der englischen Welt findet,
da sich der Spiritus Mundi in die guten ausgesprochenen Kräfte eingebildet
hat, welches die zahmen Tiere und Vögel sind, und da sich doch auch viel böse
Tiere als böse Eigenschaften mit unter die zahmen mengen, welche also in
vermischten Eigenschaften sind ergriffen worden. An jedes Tieres Essen und
Wohnung siehet man, woraus das herkommen sei, denn eine jede Kreatur begehret
in seiner Mutter zu wohnen und sehnet sich nach ihr, wie das klar vor Augen
ist. 5,21. Der Spiritus Mundi, daraus alle äußeren Kreaturen nach dem Geiste sind
herkommen, ist geschlossen in eine Zeit, Ziel und Maß, wie lange das währen
soll und ist wie ein Uhrwerk aus den Sternen und Elementen, darin der höchste
Gott wohnet und dies Uhrwerk zu seinem Werkzeuge brauchet, und hat sein
Machen darein geschlossen. Das gehet frei vor sich und gebieret nach seinen
Minuten, wie man es etwa gleichen möchte. Alle Dinge liegen darinnen, was in
der Welt geschehen ist und noch geschehen soll. Es ist Gottes Fürsatz
(Bestimmung) zur Kreatur und in der Kreatur, darinnen er alles waltet mit
diesem Regiment der Natur. 5,22. In Gott selber, soviel er Gott heißet und ist, ist kein Vorsatz zum
Bösen oder zu etwas, denn er ist das einige Gute und hat keine andere
Faßlichkeit in sich als nur sich selber. Und in seinem Worte, das er von sich
hat ausgesprochen als den Spiritum Mundi aus dem Mysterio Magno der ewigen
Natur, da hat er seinen Vorsatz gefasset und eingeschlossen in das freie
Uhrwerk, in den Spiritum Mundi. Das gebieret nun und zerbricht alles nach
seinem Instehen und Lauf, und bringet Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit. 5,23. Gott aber in seinem Wesen geußt seine Liebe-Kraft darein. Das ist: er
geußt sich selber darein gleichwie die Sonne in die Scienz der Elemente und
der Früchte. Das ist: die heilige göttliche Scienz gibt Kraft der natürlichen
Scienz. Gott liebet alle seine Werke und kann sonst nichts tun als lieben.
Denn er ist die einige Liebe selber. Sein Zorn aber wird in der ewigen und
zeitlichen Natur verstanden als in der ewigen im Centro der Finsternis, im
kalten und hitzigen Feuer-Quall. Und in der zeitlichen als im Spiritu Mundi
wird er auch in der feurischen Scienz der Scheidung aller Eigenschaften
verstanden. 5,24. Und so nun eine Stadt, Land oder Kreatur denselben Zorn in der
feurischen Scienz im Spiritu Mundi in sich erweckt, das ist: daß er den Ekel
in Grimm einführet, so ist er wie ein Holz im Feuer, darinnen der Grimm
qualifizierend wird und um sich frisset und das Leben in der Scienz der
Kreatur in höchste Peinlichkeit setzet. 5,25. So spricht alsdann das zornige, feurische Wort in der erweckten Turba
(Grimm der Natur) durch den prophetischen Geist in der Turba Magna: Ich will
rufen dem Unglück über Stadt und Land, und will meine Lust daran sehen, wie
der Zorn den Ekel frisset und wie er das böse Volk verzehret. Denn das ist
eben eine Freude und starke Macht des Grimmes in der Natur, wenn man ihm
(Gott) solch Feuerholz als Gotteslästern und andere Sünden und Schanden
einführet. Das frisset und verzehret er, denn es ist seine Speise, sonderlich
dieses, wenn die menschliche Scienz von Gottes Liebe sich abbricht und huret
mit dem Grimm der Natur. Allda mästet er sich stark, bis sich das Uhrwerk in
eine feurische Scienz einführet, da alle Wesen in der Proba stehen. Da zündet
er sich alsdann darin an, nachdem die Turba im Rade des Uhrwerks entzündet
wird, daß eine Eigenschaft darinnen offenbar wird. Also gehet auch alsdann
die Plage und also wird sie ausgeschüttet über dasselbe Land, Stadt und
Kreatur, als oft mit Gift, mit Pestilenz, öfters mit Unfruchtbarkeit, oft mit
Verbitterung der Gemüter der Obern, daraus Krieg urständet. Vom Menschen 5,26. Aus diesem großen Uhrwerk als aus dem Obern und Untern, da alles
ineinander innelieget, ist der Mensch geschaffen worden zum Bilde Gottes,
denn Moses saget, der Herr habe gesprochen: Lasset uns Menschen machen, ein
Bild nach uns, das da herrsche über allen Kreaturen auf Erden, in die Tiere,
Vögel, Fische und in alle Erde und Gewürme, das da auf Erden kreucht, Gen.
1,28. Sollen nun die Menschen in diese alle herrschen, so müssen sie auch
eben aus demselben Grunde und dazu aus der besten Kraft desselben sein. Denn
kein Ding herrschet tiefer als seine Mutter ist, daraus es kommt, es werde
denn in ein Besseres transmutieret, so herrschet es auch in dasselbe Bessere,
und nicht weiter als deren Grund ist. 5,27. Weiter saget Moses: Gott machte den Menschen aus dem Erdenklos und
blies ihm ein den lebendigen Odem. Da ward der Mensch eine lebendige Seele,
Gen. 2,7. Hier ist uns nicht zu verstehen, daß Gott sei auf persönliche
kreatürliche Art gleich einem Menschen dagestanden und habe einen Klumpen
Erde genommen und einen Leib daraus gemacht. Nein, das ist nicht, sondern das
Wort Gottes, als das Sprechen (Fiat) war in allen Eigenschaften — im Spiritu
Mundi und im Ente der Erden aus dem Spiritu Mundi — rege und sprach in alle
Essentien ein Leben, nämlich das Fiat, welches die Begierde des Worts in der
Scienz ist. Das war in dem ewig gesehenen Modell des Menschen, welches in der
Weisheit gestanden war, und zog das Ens aller Eigenschaften der Erden und was
darinnen immer sein mag, in eine Massam (Masse, Urmaterie) die war eine
Quinta Essentia aus den vier Elementen, in welcher die Tinktur aller Kräfte
aus allen drei Prinzipien lag, dazu die Eigenschaft der ganzen Kreation aller
Kreaturen als des Wesens aller Wesen, daraus alle Kreaturen waren entstanden. 5,28. Denn verstehet es recht: Die irdischen Kreaturen der Zeit sind mit dem
Corpore aus den vier Elementen. Aber der Leib des Menschen ist aus der
Temperatur, da alle vier Elemente ineinander in einem Wesen liegen, daraus
Erde, Steine und Metalle samt allen irdischen Kreaturen ihren Urstand haben.
Wohl aus dem Limo der Erden, aber nicht aus der Grobheit des eingefasseten
Wesens der Zertrennung in den Eigenschaften, da sich eine jede Eigenschaft in
ein sonderlich Wesen der Erde, Steine und Metalle gefasset hat, sondern aus
der Quinta Essentia, darinnen die vier Elemente in der Temperatur inneliegen,
da weder Hitze noch Kälte offenbar war, sondern sie waren alle im gleichem
Gewichte. 5,29. Denn sollte der Mensch in alle Kreaturen herrschen, so müßte er ja die
höhere Macht als das höchste Ens der Kreatur in sich haben, daraus die
Kreaturen einen Grad äußerlicher oder niedriger — oder wie man es geben
möchte geringer — waren, damit das Mächtige in dem Ohnmächtigen herrsche,
gleichwie Gott in der Natur, welche auch geringer ist denn er. Doch nicht zu
gedenken, daß im Menschen sollten die tierischen Eigenschaften kreatürlich
oder offenbar sein, sondern das Ens aller Kreaturen lag im menschlichen Ente
in der Temperatur. Der Mensch ist ein Bild der ganzen Creation aller drei
Prinzipien, nicht allein im Ente der äußern Natur der Sterne und vier
Elemente als der geschaffenen Welt, sondern auch aus der innern geistlichen
Welt Ente aus göttlicher Wesenheit. Denn das heilige Wort in seinem Ente
fasset sich mit in das ausgesprochene Wort, als nämlich der Himmel fassete
sich mit in das Wesen der äußern Welt sowohl das Grünen in der innern Welt
Wesen als das Paradeis; das heilige Element war in dem wallenden Regiment. 5,30. In Summa: Das menschliche Corpus ist ein Limus aus dem Wesen aller
Wesen, sonst möchte es nicht ein Gleichnis Gottes oder ein Bild Gottes
genennet werden. Der unsichtbare Gott, welcher sich hat von Ewigkeit in Wesen
eingeführet und auch mit dieser Welt in eine Zeit, der hat sich mit dem
Menschenbilde aus allen Wesen in ein kreatürlich Bild gemodelt als in eine
Figur des unsichtbaren Wesens. Hierzu hat er ihm nicht das kreatürliche,
tierische Leben aus der Scienz der Kreatur gegeben, denn dasselbe Leben mußte
in der Temperatur ungeschieden bleiben stehen; sondern er blies ihm ein den
lebendigen Odem als das wahre verständliche Leben im Worte der göttlichen
Kraft, das ist: er blies ihm ein die wahre Seele aller drei Prinzipien in der
Temperatur. 5,31. (1) Als von innen die magische Feuer-Welt als das Zentrum der Natur —
wie schon oben gemeldet — welche die wahre kreatürliche Feuer-Seele ist,
davon sich Gott nennet einen starken, eiferigen Gott und ein verzehrend
Feuer, als die ewige Natur. 5,32. (2) Und hiermit auch zugleich die Licht-Welt als das Reich der Kraft
Gottes; gleichwie Feuer und Licht ineinander sind ungeschieden, also auch
allhie zu verstehen ist. 5,33. (3) Und von außen blies er ihm auch hiemit zugleich den Spiritum Mundi
mit der Luft-Seele ein. Es blies das ganze sprechende Wort sich in aller
Natur ein nach Zeit und Ewigkeit, denn der Mensch war ein Bild Gottes, in dem
der unsichtbare Gott offenbar war, ein wahrer Tempel des Geistes Gottes, wie
Joh. 1,4 stehet, das Leben der Menschen sei im Wort gewesen und dem
geschaffenen Bilde eingeblasen worden. Als der Geist Gottes blies ihm ein das
Leben der Natur in der Temperatur als den Geist göttlicher Offenbarung, da
sich die göttliche Scienz in ein natürlich Leben einführet. Dasselbe
göttliche, natürliche Leben ist der Mensch, gleich den Engeln Gottes nach der
Seelen, als der geistlichen Welt, Matth. 23,43 und 22,30, da geschrieben
stehet: In der Auferstehung sind sie gleich den Engeln Gottes. Nun kommen wir
doch nur wieder in das erste geschaffene göttliche Bild und nicht in eine
andere Kreatur. 5,34. Also ist uns der Mensch recht zu erkennen: erstlich was er in der
Unschuld gewesen sei, zum andern was er hernach worden sei. Er war im
Paradeis. Dies ist die Temperatur. Er ward in einen gewissen Ort gesetzt, da
die heilige Welt durch die Erde ausgrünete und Paradeis-Früchte trug, welche
in der Essenz auch in der Temperatur standen; die waren gut und lieblich
anzusehen, auch gut auf himmlische Art zu essen, nicht in einen Madensack wie
jetzt in der aufgewachten tierischen Eigenschaft, sondern auf magische Art;
wohl im Mund, aber im Munde waren die Centra der Scheidung, als ein jedes
Principium in das seine auf Art, wie das in Ewigkeit sein mag. Gleichwie der
Spiritus Mundi aus den drei Ersten als aus dem feurischen Sulphure, Mercurio
und Sale das Wasser gebieret und von sich gibt als im Salniter der Scheidung
und auch wieder in sich zeucht von der Erden auf, und doch dessen nicht voll
wird; — also auch vom Menschen zu verstehen. 5,35. Adam war nackend und doch mit der größten Herrlichkeit bekleidet als
mit dem Paradeis, ein ganz schön hell, kristallinisch Bild, kein Mann, kein
Weib, sondern beides als eine männliche Jungfrau, mit beiden Tinkturen in der
Temperatur als die himmlische Matrix im gebärenden Liebe-Feuer; und dann auch
der Limbus aus der Natur des essentialischen Feuers, darinnen in diesen
beiden das erste und andere Principium der heiligen göttlichen Natur
verstanden wird, da Veneris Tinktur — als das Gebären und Geben aus des
Sohnes Eigenschaft — das Weib als die Mutter der Gebärerin ist und verstanden
wird; und die feurische Eigenschaft aus des Vaters Eigenschaft als die Scienz
der Mann verstanden wird, welche zwei Eigenschaften sich hernach in Mann und
Weib geschieden haben. 5,36. Denn so Adam hätte mögen bestehen, so wäre die Geburt und Vermehrung
der Menschen magisch gewesen als einer aus dem andern, gleichwie die Sonne
das Glas durchdringet und es doch nicht zerbricht; weil es aber Gott wohl
erkannte, daß Adam nicht also bestehen würde, so hat er ihm den Heiland und
Wiedergebärer vor der Welt Grunde geordnet und ihn aber ins wahre rechte Bild
anfänglich geschaffen und in das Paradeis gestellet, darin er ewig sein soll
und allda die Proba über ihn kommen lassen, auf daß er in paradeisische
Scienz fiele und daß das heilige Wort nicht dürfte in viehische Scienz
eingehen zur neuen Wiedergeburt, sondern in das, das allda verbleichen würde
als in das wahre Bild Gottes, wie hernach soll gemeldet werden. * * * Vom Falle des
Menschen und seinem Weibe
6,1. Allhie wollen wir nun den Liebhaber der Wahrheit vermahnen, unsern Sinn
recht zu fassen, denn wir wollen es ihm also weisen, daß er wird genug haben.
Mag er uns nur verstehen, wo der göttliche Wille zu Gutem und Bösem urstände,
da die Schrift saget: Er verstocket ihre Herzen, daß sie nicht glauben und
selig werden, Joh. 12,40; und auch hingegen wiederum: Gott will nicht den Tod
des Sünders, Ezech. 33,21. Damit er nicht nur also auf dem Wahn stehe, als
hätte ihm Gott einen Vorsatz (Vorbestimmung) gemacht, den einen Haufen zu
verdammen und den andern in seinem Vorsatz aus Gnaden selig zu machen; daß er
es lerne recht gründlich verstehen, wie es die Schrift, die also redet,
verstehet. 6,2. Nun betrachtet nur das Bild Gottes in Adam vor seiner Eva, das in der
Temperatur im Paradeis stand, denn Moses saget: Gott sah an alles, was er
gemacht hatte, und siehe, es war alles sehr gut. — Hernach aber sprach er: Es
ist nicht gut, daß der Mensch alleine sei; — auch verfluchte er die Erde um
des Menschen willen. 6,3. Lieber Mensch, sage mir: Warum machte nicht Gott bald im Anfang Mann
und Weib wie bei den andern Kreaturen? Was war die Ursache, daß er sie nicht
zugleich aus einer Massa schuf? — Antwort: Das war die Ursache, daß das Leben
beider Tinkturen nur ein einiger Mensch im Bilde Gottes ist und in der
Ewigkeit nicht in zweierlei Leben als männlich und weiblich stehen mag nach
Art des Vaters und Sohnes Eigenschaft, welche ineinander nur ein Gott sind
und nicht geschieden. 6,4. Also auch schuf er sein Bild und Gleichnis in ein einiges Bild, denn in
einer Tinktur stehet nicht die vollkommene Liebe, aber in beiden stehet sie.
Da eine in die andere eingehet, da entstehet die große feurische Begierde der
Liebe als das Feuer gibt das Licht und das Licht gibt dem Feuer Kraft, Schein
und Wesen zu seinem Leben, und machen diese beiden nur einen Spiritum als
Luft, und der Spiritus gibt Wesen als Wasser. Weil und solange aber diese
vier als Feuer, Licht, Luft und Wasser sich voneinander scheiden, so ist kein
Ewiges da. Wenn sie aber einander in der Temperatur gebären und nicht
voneinander fliehen, so ist es ein Ewiges. 6,5. Also ist es auch mit Adam zu verstehen: Da des Lichts und Wassers
Tinktur von ihm in ein Weib geschieden ward, so mochte er in diesem Bilde,
das er hernach ward, nicht ewig bestehen, denn sein Paradeis-Rosengarten in
ihm ward ihm genommen, darinnen er sich liebte. 6,6. So spricht die Vernunft: Warum tat Gott das, daß er Adam zertrennte und
in zwei Bilder brachte? Es muß ja sein Vorsatz also gewesen sein, sonst hätte
er es nicht getan. Dazu so hat er es vor der Welt Grunde gesehen, daß er es
tun werde und wolle. — Und allhie lieget die Vernunft nun tot und kann ohne
Gottes Wissen im Hl. Geist nicht weiter; und aus diesem kommt aller Disputat
und Streit. 6,7. Gottes Vorsatz und Verordnen und Gottes Vorhin-Sehen und -Wissen ist
nicht ein Ding. Es sind alle Dinge im ausgehenden Geiste, aus des Feuers und
Lichts Scienz, in der Weisheit Gottes von Ewigkeit gesehen worden, was werden
möchte, so sich Gottes Wesen nach der Gebärerin der Natur bewegt. 6,8. Als in der Eigenschaft der feurischen Scienz nach der Finsternis ist es
gar wohl gesehen worden, was ein Teufel sein würde; item auch in des
Lichts-Feuers Scienz, was ein Engel sein würde, so sich die feurische Scienz
vom Lichte scheidete. Gott schuf aber keinen Teufel; wäre ein göttlicher
Vorsatz je gewesen, so wäre ein Teufel in demselben Vorsatz geschaffen
worden. Der einige Wille Gottes gab sich allein in die engelische Figur. Aber
die feurische Scienz nach der finstern Welt Eigenschaft drang hervor und
faßte sich in einen Vorsatz und wollte auch kreatürlich sein. 6,9. Da das Licht und das scheinende Feuer kreatürlich war, so drang auch
das finstere, kalte, peinliche Feuer mit der Bildung der Phantasei hervor und
eineignete sich in die feurische Scienz, welche die feurische Scienz in sich
als einen Freud-Affen einfassete und aus der Temperatur ausdrang. Also war
der neue Wille wider die Temperatur geboren, welcher außer Gott verstoßen
ward. 6,10. Man muß verstehen, daß der Anfang der Schiedlichkeit nicht in Gott
urstände, daß sich Gott habe in einen Willen zum Teufel gefasset, sondern die
feurische Scienz in der ewigen Natur im Aussprechen des Worts nach Feuer und
Licht. Aus den drei Ersten ist das geschehen, daß sich ein fürstlicher Thron
in der feurischen Scienz hat in das Reich als in die Archiam (Herrschaft) der
Phantasei geschieden. 6,11. Das Reich der Phantasei nach der Finsternis aber ist von Ewigkeit
gewesen, welches auch eine Ursache des Teufels Falles ist, wiewohl die
feurische Scienz Luzifers in einem Willen stund und sich ohne Zwang und Drang
darein begab. 6,12. Der Mensch aber ward vom Teufel betrogen, daß er fiel. Denn als Fürst
Luzifer vor der Welt Grunde in der ersten Bewegung oder Infassung der Natur
fiel und aus seinem königlichen Loco ausgestoßen ward, so ward Adam in seine
Stätte geschaffen. Und weil der Luzifer nicht war bestanden, so schuf Gott
den Adam nach dem Leibe in ein materialisches Wesen als in einen
Wasser-Quall, daß er ihm helfen möchte. 6,13. Und al hat sich auch der heilige Name Jesus alsbald in den Menschen mit
eingeleibet zu einem Wiedergebärer. Denn der Christus in Adam sollte den
königlichen Stuhl Luzifers besitzen, weil er sich von Gott gewandt hatte. Und
daher kommt auch der große Neid, da der Teufel dem Menschen gram ist. Auch
urständet an diesem Ort die Versuchung Christi in der Wüsten, dieweil er dem
Teufel seinen Stuhl nehmen und seine Gewalt brechen sollte in der Creation
und sein Richter werden, der ihn ewig verstieße. 6,14. Die Seele des Menschen und die Teufel, sowohl alle heiligen Engel,
kommen alle aus dem einen Grunde, nur daß der Mensch auch das Teil der äußern
Welt an sich hat, welche doch auch der Teufel hat, aber in einem andern
Principio als in der Phantasei, in der falschen Magia. Derowegen konnte der
Teufel den Adam betrügen, denn er sprach des Adams feurische Scienz in der
Seelen ein und lobte ihm die Ungleichheit der Eigenschaften und führte seine
falsche Begierde in Adam; davon Adams freier Wille in der feurischen Scienz
infizieret ward, gleich als wie ein Gift in den Leib kommt, welches anhebt zu
qualifizieren, davon ein anfänglicher Wille zur eigenen Lust entstand. Da war
es geschehen um die Temperatur, denn die Eigenschaften der Creation, welche
alle in Adam in der Temperatur lagen, wachten, eine jede in ihrer Eigenheit
auf, und zogen den freien Willen in sich und wollten offenbar sein. 6,15. Auch zog der Spiritus Mundi der äußern Welt aus Adam die Temperatur als
das Teil der äußern Welt in Adam in sich und wollte in Adam herrschen. Item
das Reich der Phantasei griff auch nach Adam und wollte im Bilde Gottes
offenbar sein, sowohl der Grimm der Natur als Gottes Zorn in des Teufels
Neid. Alles zog an Adam. 6,16. Allda stand er nun in der Proba, ob er wollte bestehen. Denn die Scienz
— aus der Scheidung des magischen Feuers im Worte der Kräfte, aus des Vaters
Eigenschaft, aus dem Willen des Ungrundes war frei. Sie stand in drei
Prinzipien in der Temperatur. Sie mochte sich in eines wenden, wohin sie
wollte. Nicht daß sie in der Kreatur wäre frei gewesen, denn der ward das
Gebot gegeben, sich nicht von Gott abzuwenden in die Gelust des Bösen und
Guten. Aber der Grund der Kreatur als die feurische Scienz, als die Wurzel der
Seelen, stand in dem ungründlichen Willen des Anfangs aller Wesen und war ein
Particular (Teil) des ewigen Willens, welcher ewige Wille im feurischen Worte
der Scheidung der Natur sich in unterschiedliche Scienz geschieden hatte. So
war die Seele ein Teil der Schiedlichkeit, welche Schiedlichkeit im Worte der
Kräfte in der Natur — als in den drei ersten und in den sieben Gestalten der
Natur und ihrer Ausbreitung — in Kreaturen der Engel und hohen ewigen
Geistern figurieret ward, darinnen man auch die feurische eingeblasene Seele
verstehet. 6,17. Aber das ganze, heilige, sprechende Wort Gottes nach der Liebe als nach
der Dreiheit der ungründlichen Gottheit gab der feurischen Scienz der Seelen
ein Gebot und sprach: Iß nicht vom Gewächse der Erkenntnis des Guten und
Bösen, oder wo du das tust, so wirst du desselben Tages des Bildes Gottes
ersterben, Gen. 2,17. Das ist: die feurische Seele wird das Licht verlieren;
und also wird die göttliche Kraft im heiligen Ente aus dem andern Principio
in der Wirkung des Hl. Geistes verlöschen. 6,18. Der Geist Gottes offenbaret sich in keiner tierischen Eigenschaft, viel
weniger im Reiche der Phantasei. Darum sagte ihm Gott, er sollte nicht von
der Temperatur in die Lust der Eigenschaften eingehen, noch dieselben in
ihren Unterschiedlichkeiten probieren in ihrem Schmacke (Geschmack). Es würde
sich sonst die Tödlichkeit hervorwinden und sich in ihm offenbaren als der
finstern Welt Eigenschaft aus dem Centro der drei Ersten, und würde das Reich
Gottes in ihm verschlingen, wie denn auch geschah. 6,19. So spricht die Vernunft: Warum wehrete ihm das nicht Gott in seiner
heiligen Kraft? Ist er nicht allmächtig, daß er mochte die feurische Scienz,
daraus der Wille zur Lust entstand, brechen? 6,20. Höre Vernunft: Die feurische Scienz ist aus dem Willen des Ungrundes,
welcher Wille ein Vater aller Wesen heißet, in welchem Gott geboren wird als
vom Vater der Sohn, welcher Wille sich in Kräften zum Worte als zum
Aussprechen einführet. 6,21. So wisse nun, daß ein Particular der höchsten Allmacht, des Wesens
aller Wesen, in der Seelen verstanden wird als in der Scienz, welche von
Ewigkeit gewesen ist, welche Scienz durch Bewegung des Worts aller Kräfte
sich in ein Bild in den drei Ersten fassete. So ist nun dieselbe Scienz eine
Eigenheit aus dem Willen des Ungrundes, denn nichts ist vor ihr, das sie
brechen mag. Die Kreatur ist wohl nach ihr mit der Kreatur als in den drei
Ersten in Lust wider die Temperatur in der Natur eingeführet. Es ward ihr das
Gebot gegeben, sie sollte die Kreatur in der Temperatur behalten. Das ist:
sie sollte die Eigenschaften der Natur in der Gleichheit halten, denn sie war
die Macht, die es tun konnte als ein Funke der Allmöglichkeit. Dazu hatte sie
das Reich der heiligen Kraft im Lichte Gottes in sich. Was sollte ihr Gott
mehr geben, sie zu bändigen? Er hatte sich ihr selber gegeben wie denn auch
also dem Könige Luzifer. 6,22. Die Scienz aber brach sich von Gottes Kraft und Lichte ab und wollte
ein Eigenes sein. Sie wollte ein eigener wirkender Gott nach den Eigenschaften
der Natur sein und in Böse und Gut wirken, und solches Gewirke im Reiche der
heiligen Kraft offenbaren. Dieses war ein Widerwille in göttlicher Kraft und
Eigenschaft. Und um dieses willen ward König Luzifer und auch Adam aus dem
Reiche der heiligen Kraft ausgestoßen, nämlich Luzifer in das Reich der
Phantasei in die Finsternis, und Adam in die Ungleichheit der Creation in die
tierische Eigenschaft und in den Spiritum Mundi, daß also zuhand aller
Kreaturen Eigenschaften in Bös und Gut in ihm aufwachten, um welches willen
Gott das endliche Gerichte im Spiritu Mundi das Böse und Gute zu scheiden und
alle Dinge, ein jedes in sein Principium einzuernten, gesetzet hat. 6,23. Alldarinnen dann alle Dinge — was das große Uhrwerk im Mysterio Magno
im Spiritu sowohl nach der innern geistlichen Welt hat erboren — sollen auf
den Test des Feuers gesetzt werden. Das ist: es soll durchs Feuer der ewigen
Natur, da sich Gott ein verzehrend Feuer heißet, probieret werden. Denn wie
wollte Gott sonst die Kreatur richten, so sie eben nur das täte, das sie
unvermeidlich tun müßte, so sie keinen freien Willen hätte gehabt? 6,24. Das Jüngste Gericht ist anders nichts als eine Einernte des Vaters
aller Wesen und alles dessen, was er hat durch sein Wort erboren und worein
sich ein jedes Ding hat im freien Willen geschieden, darein wird es auch
gehen; denn in demselben ewigen Behalter, nach desselben Principii
Eigenschaft, ist es gut. 6,25. Gott hat ihm nichts zuwider geboren. In ihm ist alles gut, aber ein
jedes Ding in seiner Mutter. Solange es aber in einer fremden Mutter lauft,
so ist es im Widerwillen. Dessen geben wir ein Gleichnis: Sehet an Hitze,
Kälte, auch Feuer und Wasser. Diese kommen aus einem Urstande und teilen sich
auseinander, und gehet jedes in eigenen Willen als zu einem eigenen Quall.
Nun, so sie sollen wieder ineinandergehen, so ist es Feindschaft, tötet eines
das ander. Das macht der eigene Wille einer jeden Eigenschaft. Weil sie
beieinander liegen in der Temperatur, so haben sie großen Frieden. Sobald sie
aber auseinander ausgehen, so will ein jedes ein Eigenes sein und über das
andere herrschen. Daher auch der Streit im Spiritu Mundi ist zwischen den
vier Elementen als zwischen Hitze und Kälte. Ein jedes will herrschen, und
sieget gar bald eines, gar bald das andere. Bald regnets, bald wird es kalt,
bald heiß, bald reißet die Luft, jetzo so, bald anders, alles nach Gewalt der
sieben Eigenschaften der Natur und ihren Ausgängen in den drei Ersten, daraus
alles geschöpfet wird, was sich reget. 6,26. So spricht die Vernunft: Gott regieret dies, daß es so gehet? —
Antwort: Ja, das ist wahr, aber die Vernunft ist blind und siehet nicht,
womit Gott regieret und wie das zugehet. Sie verstehet nicht das entschiedene
Wort in den Eigenschaften, darinnen dieses Regiment stehet. 6,27. Denn im Spiritu Mundi kommt viel böser Wirkung hervor, welche scheinet
wider Gott zu sein; item daß eine Kreatur die andere erwürget und beleidiget;
item daß Krieg, Pestilenz, Donner und Hagel kommt. Dieses alles lieget im
Spiritu Mundi und entstehet aus den drei Ersten Sale, Sulphure und Mercurio,
darinnen sich die Eigenschaften in ihrem Widerwillen schöpfen. 6,28. Denn Gott kann nichts als Gutes geben. Denn er ist alleine das einige
Gut und wandelt sich nimmermehr in einiges Böses. Er kann auch nicht, sonst
wäre er nicht mehr Gott. Aber in dem Wort seiner Offenbarung, da die
Gestaltnisse urständen, als die Natur und Kreatur urständet, allda entstehet
die Wirkung im Bösen und Guten. 6,29. Dasselbe Wort hat sich in ein Uhrwerk einer Zeit gefasset. Und darin
stehet nun das Machen des Bösen und Guten nach der Schiedlichkeit der Kräfte
im Wort, wie sich die Kräfte göttlicher Offenbarung im Anfange in
unterschiedene Principia geschieden haben als in die Pein und in die Freude,
in Finsternis und Licht, in ein Liebe-Feuer des Lichts und in ein peinlich
Feuer der Natur, wie schon oben gemeldet worden. Darinnen wird nun der ganze
Grund des göttlichen Willens in den Unterschiedlichkeiten verstanden. 6,30. Es darf keine Kreatur sagen, daß ihr ein Wille von außen gegeben werde,
sondern der Wille zum Bösen und Guten entstehet in der Kreatur. Aber durch
auswendige Zufälle vom Bösen und Guten wird die Kreatur infizieret, gleich
als wenn eine auswendige, giftige Luft den Leib ansteckt und vergiftet. Also
auch verderben die auswendigen Dinge den eigenen Willen der Kreatur, daß sich
der eigene Wille im Bösen und Guten fasset. 6,31. Und darum hat Gott dem Menschen Lehre und Gesetze gegeben, daß er soll
am Gebot Ursache nehmen, die bösen Einflüsse zu verwerfen und nicht zu sagen:
Tue ich etwas Böses, so muß ichs tun, denn ich bin der bösen Neiglichkeit. Er
aber soll wissen, daß der Seelen Scienz, welche sich hat können in das Böse
fassen, eben auch in das Gute sich hat fassen können, und daß Gott keine
Ursache an des Menschen noch des Teufels Fall ist, hat ihn auch darein nicht
gezogen, soviel er Gott heißet. 6,32. Sondern die Unterschiedlichkeit des geoffenbarten Worts der Kräfte,
nachdem sie sich in Eigenschaften eingeführet haben, dieselben haben ihn
gezogen. Er stand in der Temperatur, aber die äußern Einflüsse vom Teufel und
von der finstern Welt, sowohl in der Creation im Spiritu Mundi, die haben ihn
als in das Bilde Gottes eingehaucht und die Unterschiedlichkeit im Bilde
Gottes in seiner Temperatur erweckt, daß sich die ewige Scienz der Seelen hat
in eine Lust zur Offenbarung der Eigenschaften gegeben. 6,33. Das verstehet also: Dieselbe seelische Scienz vergaffte sich an der
Creation des geformten Wortes in seiner Schiedlichkeit und wußte in sich eben
auch denselben Gewalt zur Unterschiedlichkeit, und erhub sich in Lust zur
Schiedlichkeit. Alsobald ward auch die Schiedlichkeit in der Kreatur nach
Seele und Leib offenbar. Aber der Teufel war die größte Ursache daran. 6,34. Denn als er als ein feurischer Geist war aus der Temperatur ausgangen
aus dem Bilde Gottes, also führte er nun auch seine Begierde in die seelische
Scienz des Menschen, dieselbe in eine Lust einzuführen. Denn er merkte wohl,
was Adam war, nämlich ein Thron-Fürste in seinem gehabten Stuhl im Reiche Gottes.
Aber den Namen Jesu wußte er nicht, daß sich derselbe in der Zeit im Menschen
würde offenbaren, denn sein Wissen in Gottes Liebe, darinnen der Name Jesu
die höchste Süßigkeit der Gottheit ist, war in seinem Abfall gestorben. Das
ist: es hatte sich in die Bosheit transmutieret. Darum wußte er anjetzo nur
die Bosheit. 6,35. Also verstehet man nun den Grund und Anfang des Teufels und des
Menschen Fall, nicht daß man sagen kann, Gott habe den gewollt, soviel er
Gott ist, sondern die Schiedlichkeit aus der Natur in die Kreatur, die hat
ihn gewollt; die heißet nicht Gott. 6,36. Gott führet seinen einigen Willen in die Formung und Fassung seines
Worts zur Schiedlichkeit als zur Offenbarung Gottes. Allda stehet die
Schiedlichkeit im freien Willen. Denn die Schiedlichkeit ist die Natur und
auch die Creation. Und in der Schiedlichkeit will Gott Böses und Gutes als in
dem, das sich in das Gute hat geschieden als die heiligen Engel. Da will er
Gutes innen. Und indem, das sich hat in das Böse geschieden als die Teufel,
da will er Böses innen, wie die Schrift saget: Welch ein Volk das ist, einen
solchen Gott hat es auch; in den Heiligen bist du heilig und in den
Verkehrten verkehrt, Ps. 18,26.27. 6,37. So spricht nun die Vernunft: So denn Gott in seinem ausgeflossenen, geformten
Worte selber alles ist als Böses und Gutes, Leben und Tod, worinnen stehet
dann der menschliche Streit, daß man um Gottes Willen streitet, nachdem Gott
in seinem geformten Wort alles ist und auch alles will, es sei böse oder gut,
ein jedes in seiner Eigenschaft, daraus es urständlich herkommen ist? 6,38. Siehe, darinnen stehet der Streit, daß die Vernunft in ihrem Dünkel
ohne göttliches Licht eine Närrin ist vor Gott und nicht weiß, was Gott ist.
Sie bildet ihr immer ein etwas Fremdes und Fernes, wenn sie will von Gott
reden, und macht in dem Ewigen, Unwandelbaren Gottes in seiner ewigen
Dreiheit einen anfänglichen Willen und Vorsatz und versteht nichts, wie alle
Anfänge und Vorsätze in dem geformten Worte durch die Natur urständen; allda
sich das Wort in Natur fasset und formet, und daß die Anfänge alle in der
Formung des Worts als in der Schöpfung oder Creation innen liegen als in dem
großen Mysterio der Schiedlichkeit, darinnen die Kreaturen urständen; also
daß alles Übel aus der Natur und Kreatur herkommt und daß die Verstockung in
der Natur und Kreatur in der Scienz der kreatürlichen Selbheit urstände, daß,
so sie sich in Grimm der Natur einwendet, daß sie darin ergriffen und
verstockt werde; daß sie das Sprechen im Zorne infasset und in sich hält und
daß alles — wenn geschrieben stehet: er verstocke ihre Herzen, daß sie nicht
glauben und selig werden — im geformten Worte der ewigen und zeitlichen Natur
geschehe. 6,39. Denn daraus redet auch Gott, wenn er im Psalm Davids saget: Du wirst
sehen und deine Lust daran haben, wie es den Gottlosen vergolten wird, Ps.
91,8. Item, du wirst dich freuen, wenn der Gottlose gestürzet wird, das ist:
wenn der Gottlose im Grimm verschlungen wird, welcher dem Heiligen ist ein
Gegensatz und stete Vergiftung gewesen, Ps. 64,8, wenn dasselbe Gift von der
heiligen Seelen weggenommen wird, so freuet sie sich, daß sie aus der Not
erlöset ist. Und darum stehet auch das Wort in Pein der Natur, auf daß die
Freude offenbar werde, aber die Schiedlichkeit aus dem Wort gehet ohne Zwang
in freiem Willen, eine jede Eigenschaft in sein Eigenes. Denn im heiligen
Wort ist alles gut, aber in der Einführung des eigenen Willens wird es böse. 6,40. Das geschieht nun in der Natur und Kreatur und gar nicht in Gott, sonst
müßte im Wort Gottes auch des Teufels Wille sein, so Gott in seinem Wort alle
Dinge in eine Unvermeidlichkeit triebe. Aber des Teufels Wille, sowohl Adams
sündiger Wille entstand in eigener Scienz in der Kreatur und nicht in Gott.
Sondern im Centro der Natur fassete sich die eigene Scienz in einen Willen
der Hoffart, wollend dem sprechenden Worte in der Dreiheit der Gottheit
gleich und noch mehr sein. Die Demut ward verachtet und verlassen und war an
dessen Statt die Feuers-Macht angenommen. 6,41. Das ist der Fall, daß Adam und Luzifer die Phantasei an Gottes Stätte
setzten; da wich der Hl. Geist aus ihrer Natur. Nun sind sie ein Geist in
eigenem Willen und sind in der Phantasei gefangen, als wir denn das in Adam
erkennen. Als sich der Seelen Scienz durch des Teufels Einhalten oder
Infizieren erhub, so wich der Hl. Geist in sein Principium. Da ward Adam im
Bilde Gottes matt und schwach als in der Temperatur und konnte nicht in der
Gleichheit magisch seines gleichen aus sich hervorbringen. Seine Allmacht,
welche er in der Temperatur hatte, war ihm gebrochen, denn die tierischen
Eigenschaften der Creation wurden in ihm rege. 6,42. Spricht nun Moses: Gott ließ ihn in einen tiefen Schlaf fallen, und er
entschlief, Gen. 2,21. Allhie ist er nun in der Temperatur eingeschlafen
(verstehe: der göttlichen Welt). Aus diesem Schlafe muß ihn nun Christus
aufwecken oder er mag in der Kreatur nicht mehr Gott sehen, denn das
Einschlafen war anders nichts als Gottes Licht in der Liebe, als das
Liebe-Feuer verlieren. Das verlosch in dem Ens von der himmlischen Welt
Wesen. Also war er schon halb tot. 6,43. Die Zeit, solange Adam im rechten Bilde Gottes gestanden, wird dir in
den Figuren Mosis und Christi fürgestellet, sowohl die Zeit des Schlafs. Bist
du sehend, so stelle Mosen in Christi Figur und Christum in Adams Figur, als
Adam in der Unschuld stand. 6,44. Vierzig Tage war Moses auf dem Berge, als Israel probieret war. Vierzig
Jahre war Israel in der Wüsten und vierzig Tage stand Christus in Adams Proba
in der Versuchung in der Wüsten. Und vierzig Tage wandelte er nach seiner
Auferstehung in der rechten vollkommenen Proba, da Adam inne sollte wandeln
in seiner Unschuld vor seiner Bestätigung zur magischen Geburt. Weil es aber
nicht sein mochte — welches zwar in Gott wohl erkannt war — so fiel Adam in
den Schlaf. So mußte hernach Christus in Adams Schlafe vierzig Stunden ruhen
und Adam in ihm im Reiche Gottes wieder aufwecken. Diesem denke nach, so
wirst du allen Grund im Prozeß Christi lernen verstehen. Stelle nun Christum
in Adams Stelle, so findest du allen Grund des Alten und Neuen Testaments.
Stelle Adam in das geformte Wort der Creation und laß ihn das Bilde der
äußern und innern ewigen Natur aller drei Prinzipien sein. Und stelle
Christum in das ewigsprechende Wort nach der wahren göttlichen Eigenschaft,
darinnen kein Böses entstehen mag, sondern nur die Liebe-Geburt göttlicher
Offenbarung nach dem Reiche der Herrlichkeit ist; und führe Christum in Adam
ein, daß Christus den Adam in sich neu gebäre und mit der Liebe tingiere, daß
er aus dem tiefen Schlaf aufwache, so hast du den ganzen Prozeß Adams und
Christi. 6,45. Denn Adam ist das ausgesprochene, geformte, kreatürliche Wort; und
Christus ist das heilige, ewigsprechende Wort. Also wirst du die Zeit in die
Ewigkeit einführen und wirst mehr sehen als du in allen Büchern der Menschen
lernen magst. 6,46. Denn als Eva in Adams Schlaf aus Adam gemacht ward, so geschah das im
Verbo Fiat im Spiritu Mundi. Allda wurden sie zu Kreaturen der äußern Welt
als in das äußere natürliche Leben in die Sterblichkeit als in das tierische
Leben gebildet, mit viehischen Gliedern in der Form, auch mit einem Madensack
zur irdischen Speise. Denn nachdem das Weib aus Adam kam, so war schon das
Bild Gottes in der Temperatur zerbrochen und mochte allda das Paradeis in ihm
nicht bestehen. Denn das Reich Gottes stehet nicht in Essen und Trinken,
saget die Schrift, sondern in Friede und Freude in dem Hl. Geist, Röm 14,17.
Das mochte in Adam und Eva nicht sein, denn sie hatten schon das Zeichen zu
tierischer Art, obwohl die tierische Art noch nicht ganz aufgewacht war, so
war sie doch in der Lust schon aufgewacht. 6,47. Der Versuch-Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen war eben die Proba,
wohin sich die menschliche, seelische Scienz aus dem Willen des Ungrundes
würde hinwenden wollen, ob sie wollte in der Kreatur in der Temperatur
bleiben stehen oder ob sie wollte in den Spiritum Mundi in die entschiedene
Eigenschaften sich einwenden, 6,48. So spricht die Vernunft: Warum ließ ihn Gott wachsen? — Antwort: Höre
Vernunft, dieser Welt Proba ist besser als das Centrum im Feuer nach der
Ewigkeit Recht zu probieren, wie Luzifer probieret ward. Auch erkannte Gott
wohl des Menschen Fall im Spiritu Mundi, denn was eine Scienz der Seelen
begehrte, das mußte die Erde geben. Denn ihre Lust ging in die Eigenschaft
der Erden. Also mußte die Erde der Lust fürstellen, was sie haben wollte.
Denn die Scienz der Seelen ist göttlicher Eigenschaft nach der Allmacht. Und
hierinnen lieget der Grund aller Verborgenheit, und bleibt der Fall einmal
wie das ander auf menschlichem eigenen Willen und in des Teufels Trug. 6,49. Der rechte wahre Fall des Menschen ist dieses: Als Eva aus Adam gemacht
ward, so stellete sich der Teufel in die Schlange und legte sich an den
Versuch-Baum und beredete die Eva, sie sollte davon essen, so würden ihre
Augen aufgetan werden und sie wie Gott sein. Sie würde wissen, was in allen
Eigenschaften wäre und was darinnen für ein Ens und Geschmack sei, wie alle
Kräfte in ihren Eigenschaften wären. Welches wohl alles wahr war, aber ihre
nackete Gestalt und wie Hitze und Kälte in sie dringen würde, das sagte ihr
der Teufel nicht. Auch kam er nicht in eigener Form, sondern in der Form des
listigsten Tieres. Auch so war es dem Teufel eben darum zu tun, daß er Evam
als die Matricem in Veneris Tinktur möchte monstrosisch (irdisch) machen, daß
sie sich an der Schlangen Listigkeit vergaffte, daraus ihr die Lust entstand,
Böses und Gutes zu wissen. Als es dann in der Schlangen List war, da sich die
Scienz der Natur hatte in die Phantasei in eine solche List eingeführet.
Nicht wie die Vernunft saget: Gott habe der Schlangen die Zunge gewappnet,
daß sie hätte das tun müssen. Man kann wohl sagen, der Teufel habe sie ihr
aus dem Reiche der Phantasei gewappnet, daß sie es getan habe. Aber von Gott
kann man das nicht sagen. 6,50. Die Schlange ist ein Ens in den drei Ersten gewesen, nämlich in Sal,
Sulphur und Mercurio, in der natürlichen Scienz, da sich das Feuer und Licht
scheidet, da der Verstand noch in feurischer Schärfe innen lieget. Denn der Geist
des Verstandes ist noch nicht vom Centro der drei Ersten geschieden, sondern
er ist mit der Peinlichkeit als mit der Wurzel der Gift-Qual gemenget. Darum
lieget in ihr die höchste Ursache zum Gift und dem falschen listigen Willen.
Und dann auch lieget in ihr die höchste Praeservation (Schutz) wider Gift,
wenn von ihr das Gift geschieden wird, wie solches vom Luzifer und seinen
Anhang zu denken ist. 6,51. Der Satan war auch der höchsten feurischen Scienz nach dem Reiche der
Natur und der schönsten einer im Himmel, dessen die feurische Scienz der
Natur eine Ursache war zu seiner glänzenden Herrlichkeit. Er hatte das
Böseste und auch das Beste an sich genommen, verstehet: die ewige Scienz
hatte die feurische Natur nach der höchsten Beweglichkeit, daraus die Stärke
und Macht bestehet oder entstehet, an sich genommen, darinnen sich denn auch
die Scienz des Ungrundes in eigenem Willen nach der Listigkeit Art hatte
geschöpfet und sich von der Demut abgebrochen und im Lichte Gottes, in seinem
Glaste (Schein), Leuchtkraft) in allen Kräften herrschen wollen, als er denn
auch in seinem Anfang tat; dadurch er das Wesen in der Scienz der Natur mit
solcher Eigenschaft vergiftete, aus welchem vergifteten Ens auch die Schlange
ihren Urstand in der Schöpfung genommen hat. Um welcher Vergiftung halben
auch Gott die Erde verfluchte, nachdem sie der Mensch noch mehr mit des
Teufels Gift und List vergiftete durch seine eingeführte falsche Lust, damit
er die Scienz im Wesen, daraus er war ausgezogen worden, vergiftete, daß sich
ihm das Paradeis entzog. 6,52. Also stellete auch nun der Teufel sein vergiftetes Wesen mit der
Schlange an den Baum, darin er hat sein Egest (Abschaum) und listigen Willen
vor Zeiten der Schöpfung der Erden in die Scienz der Natur und ihr
geistliches Wesen eingeführet, welches Wesen in der Scienz der Natur im
Anfang der Schöpfung der Creation auch mit in die Kreatur einging, wie denn
an allen giftigen Würmern dergleichen nachzudenken ist. Nicht daß sie der
Teufel habe geschaffen. Nein, sondern er ist nur ein Vergifter der Natur
gewesen auf Art, wie er seine eigene Natur sowohl die menschliche Natur
vergiftet hat. Das Fiat aber hat sie gemacht, eine jede Eigenschaft der
zerteilten Scienz in seine gleiche Form. Wie der Wille in der Scienz war in
der wirkenden Figur, also ward auch die Kreatur. 6,53. Denn das sprechende Wort in jeder Scienz Eigenschaft führte sich in ein
Bild. Also war die Schlange dem Teufel nahe in der Scienz der Natur, denn er
hatte ihr seinen giftigen Willen eingeschmeißt, da sie noch kein Wurm war.
Jedoch daß man mit den irdischen Kreaturen einen Unterschied halte zwischen
den ewigen. Denn der Teufel ist der ewigen Scienz als der ewigen Natur und
die Schlange aus der Zeit. Aber die Zeit ist aus der Ewigkeit ausgesprochen.
Darum sind sie auseinander geschieden. 6,54. Dieses giftige, listige Geschmeiß als das Egest des Teufels stellete
der Teufel der Eva für an dem Baum, daß sie sich sollte an ihrer List
vergaffen und monstrosisch machen, als denn auch geschah. Als Eva nach der
listigen Klugheit lüsterte, da schlüpfete der Teufel mit seiner Begierde mit
dem Schlangen-Monstro in die Scienz der Eva als in Seele und Leib. Denn Eva
ward begehrend der List als der Klugheit, daß ihre Augen mochten offen sein
und Böses und Gutes erkennen. Also führet er ihr der Schlangen Ens magischer
Art ein auf Art und Weise, wie die falsche Magia mit der Incantation
(Beschwörung) umgehet und dem Menschen ein böses Gift in die Scienz seines
Lebens einführet; und davon kriegte Eva den Willen, Gott ungehorsam zu sein,
und wagte es und aß von dem Baum der Irdigkeit, da Böses und Gutes offenbar
war, wie wir denn noch heutigen Tages nach dem Fall eitel solche Früchte
essen. Und als sie aß und nicht bald niederfiel und starb, so gab sie Adam
auch, und er aß auch davon, denn Adam hatte schon eingetaucht, da er im Bilde
Gottes stand, aber noch nicht in den Leib gessen bis anhero. * * * Von der tierischen
Offenbarung im Menschen, wie Adam und Eva ihre Augen aufgetan worden und wie
das im Grunde zu verstehen sei, nebst Beantwortung etlicher Fragen zum
Verstande der Sprüche von der Gnadenwahl und der Menschen Verstockung.
7,1. Wenn wir das Ebenbildnis recht in seinem magischen Grunde betrachten,
wie das zugehet, daß sich im Spiritu Mundi nach allen Dingen ein Gegenbildnis
formieret, wie wir das in einem Spiegel, sowohl im Wasser und am Schatten
sehen, so kommen wir bald und nahe auf den Grund, wie alle Wesen aus einem
Einigen urständen und wie alle Kreaturen im Spiritu Mundi als in dem
ausgesprochnen Worte Gottes innen liegen. Darum wir wohl mit Grunde sagen
können, daß alle Kreaturen auch in Adam sind gelegen, nicht daß sie aus Adam
sind ausgegangen und in das Geschöpfe getreten, sondern in der ewigen Scienz
der Seelen, in welcher Scienz das Wort Gottes sich formieret und bildet in
einen natürlichen und kreatürlichen Grund, darinnen werden alle Eigenschaften
verstanden, wie solches Moses bezeuget, daß der Mensch habe sollen in alle
Kreaturen herrschen. Aber nun nach dem Fall herrschen sie in ihm. 7,2. Denn als die Seele in der Temperatur innen stund, so drang der
Willen-Geist der Seelen durch alle Kreaturen und ward von keiner verletzt,
denn keine konnte ihn greifen. Gleichwie keine Kreatur mag der Sonnen Kraft
und Schein in einem Willen begreifen, sondern muß es leiden, daß sie durch
sie dringet, also war auch der Willen-Geist des Menschen. Als er aber in dem
Gift der Schlange im Willen des Teufels gefangen ward, so ward er allen
Kreaturen ein Feind und verlor diese Macht. 7,3. Auch kriegten die Kreaturen Gewalt in ihm und erhuben sich in ihm, wie
es denn nun vor Augen ist, da mancher in der Eigenschaft einer listigen
Schlange voller arger List und giftiger Bosheit ist, item ein anderer hat
Kröten-Eigenschaft in ihm, mancher eines Hundes, item einer Katzen, eines
Basilisken, Löwen, Bären, Wolfes und so fort, durch alle Eigenschaften der
Tiere und Würmer. 7,4. Sie haben von außen das erste figurierte Bild wohl an sich, aber in der
Eigenschaft sitzt ein böses Tier. Dergleichen ist auch von den guten zahmen
Tieren zu verstehen, daß mancher in der Eigenschaft eines guten Tieres Art
ist. Und ist wohl ein Mensch aus Adams Samen gezeuget, der nicht in dem
irdischen Leibe etwa eines Tieres Eigenschaft an sich habe; mancher ein
böses, mancher ein gutes. 7,5. Dieses wird nun in dem Falle verstanden, daß sich alle Eigenschaften in
dem Spiritu Mundi haben in dem Menschen geoffenbaret, alle feurische Scienz
nach Hitze und Kälte, auch alle andere Qualitäten insonderheit; item der
ganzen Natur Eigenschaft ward in ihm offenbart nach Bösem und Guten. Denn
sobald sie der irdischen Frucht in dem Leib aßen, so ging die Temperatur
auseinander und ward der Leib nach allen Eigenschaften in dem Spiritu Mundi
offenbar. Da fiel Hitze und Kälte auf ihn und drangen in ihn ein. Item alle
Eigenschaften der Natur, darinnen der kreatürliche Grund stehet, drängeten
sich in ihm in einen Widerwillen, davon ihm Krankheit und der Tod der
Zerbrechung entstand. 7,6. Und in diesem Bissen starb er an Gottes Reich und wachte auf dem Reiche
der Natur, und ward aus der Unleidlichkeit in die Leidlichkeit gesetzt und
ward nach dem äußern Leibe ein Tier aller Tiere als das tierische Bild
Gottes, da sich das Wort Gottes hat in irdischer Bildnis offenbaret. Also
ward der Mensch nach dem äußern Leibe ein Meister und Fürst aller Tiere, und
war doch selber nur ein Tier, aber einer edleren Essenz als ein Tier, und
nichts destoweniger hatte er ein Tier in der Eigenschaft. 7,7. Und zu dieser Stunde war im Menschen eine Pforte der finstern Welt in
Gottes Zorn offen, nämlich die Hölle oder der Schlund des Teufels sowohl das
Reich der Phantasei ward in ihm offenbar. Der zornige Gott — also nach dem
Reiche der Finsternis genannt — ward in ihm offenbar und fing ihn nach der
seelischen Scienz in der Kreatur. Nicht der Grund der seelischen Scienz mag
gebrochen werden, sondern die Kreatur aus den drei Ersten, Sale, Sulphure und
Mercurio als die ewige Natur und auch die zeitliche Natur im Spiritu Mundi.
Die zeitliche Natur ward in die irdische Eigenschaft gesetzt und die ewige
Natur in dem Grimm der finstern Welt dem Teufel zum Nachbarn. 7,8. Als nun diese Gefängnisse im Tode Christi sollten in beiden Naturen
gebrochen werden, so erzitterte die Erde darüber und verlor die Sonne ihren
Schein, anzudeuten: weil das ewige Licht nun wiedergeboren sei worden, so
müsse das zeitliche aufhören. 7,9. Dieses recht zu betrachten, was am Menschen sei im Fall gestorben, so
müssen wir nicht nur allein den zeitlichen Tod ansehen, wie der Mensch
stirbet und verweset. Denn das ist nur der tierische Tod und nicht der ewige
Tod. Auch müssen wir nicht also blind sein und sagen, die Seele sei gestorben
in ihrer Kreatur. Nein, das mochte nicht sein, denn was aus dem Ewigen ist,
das nimmt keinen Tod an, sondern das Ebenbildnis Gottes, das sich in die
kreatürliche Seele hat eingebildet als das göttliche Ens, dasselbe verblich,
wie der Feuer-Grimm aufwachte. Denn in Gott ist kein Sterben, sondern nur
eine Scheidung der Prinzipien auf Art zu verstehen, wie wir sehen, daß die
Nacht den Tag in sich verschlinget und der Tag die Nacht. Also ist eines im
andern wie tot, denn es mag sich nicht erzeigen. 7,10. Dies in einem Gleichnis zu verstehen: als ob die Sonne verginge, so
würde der Spiritus Mundi eine eitele rauhe Feindlichkeit und würde eine
immerwährende Nacht. So möchten die vier Elemente in jetziger Eigenschaft
nicht qualifizieren, und wüchse keine Frucht. Auch möchte keine Kreatur in
den vier Elementen leben. Also auch ingleichen starb Adam und seine Eva des
Reichs der göttlichen Sonnen-Kraft als des göttlichen Wesens und Willens, und
wachten auf der grimmen Natur, von innen nach der Seelen und auch von außen
in der tierischen Eigenschaft. 7,11. Der Seelen Scienz aus dem ungründlichen Willen, darinnen Gott gebieret,
die ist nicht gestorben. Denn nichts mag sie zerbrechen, sondern sie bleibet
ewig ein freier Wille. Aber ihre Form der Kreatur als die Seele, welche vom
Geiste Gottes in ein Bilde formieret ward, dasselbe Bilde aus der ewigen
Natur, das verlor das heilige Ens, darinnen Gottes Licht und Liebe-Feuer brannte.
Nicht daß dasselbe Ens sei ein Nichts worden. Wohl ward es der kreatürlichen
Seelen ein Nichts als unempfindlich, sondern die heilige Kraft als der Geist
Gottes, welcher das wirkende Leben darinnen war, die verbarg sich. Nicht aus
Vorsatz seiner selber, sondern die ewige Scienz als der ungründliche Wille
zur seelischen Kreatur ging vom Liebe-Willen aus in sein stachlicht Eigentum
der seelischen Natur. 7,12. Gott entzog sich der Seelen nicht, sondern die Scienz des freien
Willens entzog sich Gotte, gleichwie die Sonne der Distel nicht entzeucht,
aber die Distel entzeucht der Sonnen ihre stachlichte Scienz und führet sie
in stachlicht Wesen. Je mehr die Sonne darauf scheinet, je stachlichter und
stärker wird die Scienz des wirkenden Willens. Also ist es auch von der
Seelen zu verstehen. 7,13. Gott wohnet durch alles, auch durch die Finsternis und durch die
Teufel. Aber die Finsternis ergreift ihn nicht, also auch der Teufel und die
gottlose Seele nicht. Sprichst du: warum das? Darum der kreatürliche Wille zur
wahren gelassenen Demut, unter Gottes Gehorsam sich zu begeben, ist tot und
ist nur ein Distel- und Dornen-Wille im Leben der Kreatur. Also hält der
Dorn-Wille die edle Scienz des ungründlichen ewigen Willens des Ungrundes in
sich gefangen oder verdeckt, und sind ineinander wie Tag und Nacht. 7,14. Die kreatürliche Seele ward zur Nacht. Der Spiritus Mundi, welcher im
Anfange in der Temperatur im Leibe stand, der stand noch in Bösem und Gutem,
wie alle zeitlichen Dinge stehen. Aber des Teufels Distel-Samen war darein
kommen, darinnen der zeitliche Tod inne lag, und war allda anders nichts zu
verstehen als ein Tier aller Tiere. Die Gleichheit des geformten,
ausgesprochenen Worts stund in der Feindschaft und Widerwillen. Das
engelische Bild war ganz zerstöret, beides am Gemüte und Sinnen, wie wir denn
heute noch sehen, daß die Sinnen immerdar sich im tierischen Willen zur
eigenen Liebe fassen und gar schwerlich dahin kommen, daß sie Gott und die
Gleichheit lieben, sondern nur immerdar sich emporschwingen und wollen alles
alleine im Besitz haben, wollen gerne das schönste Kind im Hause sein, davon
die Hoffart, Geiz, Neid und Haß entstehn. Das alles ist der Schlangen Ens und
des Teufels eingeführete Eigenschaft, welches das Reich Gottes nicht erben
kann. 7,15. Diesem nun kam das lebendige ewigsprechende Wort der höchsten Liebe
Eigenschaft aus lauter Gnaden zu Hilfe und sprach sich wieder in das
verblichene Ens von dem himmlischen Welt-Wesen, zu einem wirkenden Leben ein.
Gleichwie des Teufels Wort sich hatte in die Seele eingesprochen, also kam
das Wort der Liebe Gottes und sprach sich wieder in das verblichene Ens ein:
mit anzudeuten, daß es sei ein Ziel eines ewigen Gnaden-Bundes, darinnen
Gottes Liebe in dem Namen Jesu wollte dem Teufel seine Werke zerstören, und
wollte das lebendige heilige Ens in den Namen Jesu in dieses Einsprechen oder
eingesprochenes Wort wieder einführen, welches in Christi Menschwerdung
geschah1. 1) Vgl. Jakob Böhme: Von
der Menschwerdung Jesu Christi. Insel Verlag Frankfurt 1995 (it 1737). 7,16. Allhie ist uns nun die Vorsehung oder Einsehung zu verstehen, daß der
Geist Gottes vor der Welt Grunde habe ins Feuer und Grimmes Eigenschaft der
Natur diesen Fall gesehen und den heiligen Namen Jesu mit dem höchsten Liebes
Ens darein versehen zu einem Wiedergebärer. Denn eine einige Wurzel des Entis
aus göttlicher Liebe — als das himmlische Welt-Wesen — verblich in Adam als
das wahre Ebenbild Gottes nach göttlicher Heiligkeit Eigenschaft. Und
dasselbe einige Bild, das in Adam in Gott verblich, hatte Gott das Ziel
seines ewigen heiligen Willens in Christo einverleibet. In dasselbe sprach
Gottes heiliges Wort, als jetzt die arme kreatürliche Seele an Gott war blind
worden. Des Weibes Samen soll der Schlangen Kopf zertreten. Und in derselben
eingesprochenen Stimme kriegte die arme Seele wieder göttlichen Odem und
Leben. Und dieselbe eingesprochene Stimme ward im menschlichen Leben als eine
Figur des wahren Ebenbildes in diesem Ziel des Bundes Gottes, welchen er
hatte in dem göttlichen Ens vor der Welt Grunde eingesehen (hinfort) von
Mensch auf Mensch als ein Gnaden-Bund gepflanzet. 7,17. Denn das Einsprechen des Teufels, daraus ein böser Wille entstand, das
geschah erstlich in Adam, da er Mann und Weib und doch der keines, sondern
ein Bild Gottes war; und drang von Adam in Eva, welche die Sünde anfing. Also
kam auch nun das Einsprechen Gottes und drang in Evam als in die Mutter aller
Menschen, und setzte sich dem angefangenen Sünden-Quall durch Evam in Adam
entgegen, denn in Eva lag die Tinktur vom Lichte und vom geistlichen Wasser.
Und in dieselbe leibte sich die heilige Tinktur im Worte in dem Namen Jesu
ein, daß sie wollte die tierische Matricem zerbrechen und in eine heilige
verwandeln. 7,18. Denn nicht durch Adams Feuer-Tinktur sollte es geschehen, sondern durch
und in dem Teil der adamischen Lichts-Tinktur, darinnen die Liebe brannte,
welche in das Weib geschieden war als in die Gebärerin aller Menschen. Darein
verhieß sich Gottes Stimme wieder das lebendige heilige Ens vom Himmel
einzuführen und das verblichene Bild Gottes, welches darinnen stand, in
göttlicher Kraft neu zu gebären. 7,19. Johannes im dritten Kapitel Vers 13 spricht Christus, er sei vom Himmel
gekommen. Da verstehet man Wesen, denn das Wort bedarf keines Kommens. Es ist
vorhin da und darf sich nur bewegen. Nun lagen alle Menschen nach der
verderbten seelischen Eigenschaft im Samen Adams; und lagen hinwieder alle
Menschen in Veneris Matrice als in der weiblichen Eigenschaft in Eva. Und in
Eva als in die Matricem der Liebe von der himmlischen Welt Wesen, welches in
Adam und Eva verblich als in das Teil vom Reiche Gottes, setzte Gott seinen
Bund und führte darein sein Wort, daß des Weibes Same — verstehet: den
himmlischen Samen, welchen das Wort wollte wieder einführen, darinnen Gott
und Mensch sollte wieder eine Person sein — sollte der Schlangen Egest
(Abschaum) und des Teufels Willen den Kopf seiner Macht zertreten und des
Teufels Werke, welche er würde in Seele und Leib wirken, zerstören. 7,20. Verstehet es recht: Der erste in Adam geschaffene Mensch als das Teil
von der himmlischen Welt-Wesen und dann zweitens das Teil, das im Worte
Gottes sollte eingeführet und drittens mit dem Menschlichen sollte ein Wesen
werden, der sollte es tun, als der Gott-Mensch und Mensch-Gott sollte er es tun;
nicht ganz ein fremder Christus, sondern dasselbe Wort, das den Menschen aus
sich in ein Bild Gottes gemacht hatte. So sollte es nun das machende Wort und
das gemachte Wort in Kraft des Hl. Geistes tun. Das himmlische Ens im Worte
als der Tempel des Hl. Geistes sollte im Weibes Samen einen seelischen Samen
an sich nehmen und auch einen leiblichen von Adams Wesen aus dem Limo der
Erden, auf Art wie Gott die Welt an sich hat genommen und wohnet doch im
Himmel im heiligen Ente. 7,21. Also nahm das Wort von innen das verblichene heilige Ens an sein
lebendiges und machte das verblichene in seiner Kraft lebendig. Und die
seelische und leibliche Natur von der innern (äußern) Welt hing am selben
Ente an, wie die Natur an Gott anhanget, durch welche er sich offenbaret.
Also wollte auch allhie das heilige Wort mit dem heiligen Ente durch die
seelische und leibliche Natur sich offenbaren und die Seele mit der höchsten
Tinktur wieder tingieren und dem Teufel sein gemachtes Raubschloß im Grimm
der ewigen Natur darinnen zerbrechen, welches alles im Prozeß Christi
erfüllet worden ist. 7,22. Nun sage mir jetzo allhie die Vernunft, wo der vorsätzliche Wille
Gottes zur Verstockung des Menschen urstände? Wo ist der Vorsatz, daß er
einen Haufen hat in seinem Vorsatz zum Verdammnis und den andern zum ewigen
Leben geordnet? Denn in Eva fing die Sünde an, und in Eva fing auch die Gnade
an, ehe sie eines Kindes schwanger ward. Sie lagen alle in Eva in gleichem
Tode, und lagen auch alle in dem einigen Gnaden-Bunde im Leben, wie denn der
Apostel saget, Röm. 5,18: Gleichwie die Sünde von einem kam und drang auf
alle, also kam auch die Gnade von einem und drang auf alle. Denn der Bund
ging nicht nur auf ein Particular als auf ein Stück aus Eva, sondern auf die
ganze Evam, ohne des Teufels Werke, welche er hatte in sie geschmeißt. Dies
sollte Christus zerbrechen. 7,23. Es sollte und konnte keine Seele aus des Teufels eingeführtem Ente
geboren werden, denn das Wort Gottes mit dem Bunde stand dazwischen. So drang
der Bund auf Evas Seele in Adam als aus des Lichtes Tinktur in Adams
feurische Tinktur. Denn Adam und Eva waren im Wort ein Mensch. Also drang
auch die Gnade auf denselben einigen Menschen Adam und Eva. 7,24. Wo ist nun der göttliche ewige Vorsatz, davon die Vernunft saget? Sie
will denselben mit der Hl. Schrift beweisen und verstehet dieselbe nicht,
denn der Schrift Worte sind wahr. Aber es gehöret ein Verstand dazu, nicht
ein auswendiger Wahn, da man von einem fremden Gotte dichtet, der etwa weit
und hoch in einem Himmel alleine wohnet. 7,25. Brüderlich wollen wir der Vernunft andeuten, wie die Schrift zu
verstehen ist, da sie vom Vorsatz und von Gottes Wahl redet, und ihr den
wahren Verstand geben, wie die Wahl urstände und was der Vorsatz sei, und
wollen gar niemanden darinnen oder damit in seiner gefaßten Meinung
verachten, sondern zu mehrerer Erkenntnis und christlicher Einigung des
Verstandes wollen wir die Schrift erklären, zu welchem Ende auch dies
Büchlein geschrieben ist. 7,26. Dasselbe nun zu verstehen, so wollen wir das erste und andere
Principium — als das Reich der Natur zu göttlicher Offenbarung, darinnen
Gottes Zorn und Verstockung verstanden wird, und dann das Reich der Gnaden
als das wahre göttliche Wesen — gegeneinander stellen und sehen, wie der
Grund der Verstockung urstände. Und wollen die Sprüche der Schrift, welche
scheinen widereinander zu sein, damit probieren, auf daß ein jeder seiner
Meinung Grund sehen möge. Und wollen uns an keine Meinung binden, jemanden zu
gefallen, sondern den Grund dartun, und solches allen Parteien der Meinungen
in Liebe zu brüderlicher Einigung: 7,27. Als Adam und Eva waren gefallen, so waren sie am Reiche Gottes blind
und als tot, und war keine Möglichkeit in ihnen, etwas Gutes zutun,
verstehet: nach der seelischen und leiblichen Kreatur. Aber die Scienz des
Ungrundes aus des Vaters Eigenschaft, in welcher eine Seele in dem feurischen
Wort formieret war, die ward ungebunden, weder böse noch gut. Denn sie ist
der einige Wille. In welchem ewigen Willen Gott der Vater seinen Sohn gebieret,
und heißet außer der Gebärung als der göttlichen Kraft nicht Vater, auch
nicht Gott, sondern der ewige ungründliche Wille zu etwas. In welchem Willen
die Geburt der Hl. Dreiheit sowohl der Urstand der Natur und aller Wesen
Anfang verstanden werden. 7,28. Derselbe Wille ist der ewige Anfang zu göttlicher Weisheit als zur
Beschaulichkeit des Ungrundes. Und ist auch der Anfang zum Worte als zum
Aussprechen des Feuers und Lichts. Das Sprechen aber geschieht nicht im
Willen des Ungrundes, sondern in der Fassung der Scienz, da sich derselbe
Wille in die Stätte Gottes als in die Dreiheit der Gebärung einfasset. Allda
spricht sich das Wort der Kraft in der Unterschiedlichkeit. Und in derselben
Unterschiedlichkeit der aussprechenden Scienz ist das Bild Gottes als der
Mensch, in göttlicher Kraft und Weisheit, in magischer Form ohne Kreatur, von
Ewigkeit gesehen worden. Und in diesem gesehenen Bilde hat sich Gottes Geist
in der höchsten Liebe, welche der Name Jesus ist, selber geliebet, denn es
ist eine Figur seiner Gleichheit nach der Kraft und Geburt gewesen. 7,29. Weil aber Gottes Liebe ohne die ewige Natur nicht offenbar wäre
gewesen, als das Liebe-Feuer wäre nicht offenbar ohne das Zorn-Feuer, so ist
die Wurzel der Scienz in seinem Grunde der Natur das Zorn-Feuer gewesen. Und
die Offenbarung des Zorn-Feuers ist das Liebe-Feuer gewesen, auf Art wie das
Licht aus dem Feuer kommt; und allhie verstehen wir den Grund. 7,30. Als das Licht in der kreatürlichen, ewigen, natürlichen Seelen
verlosch, so war die kreatürliche Seele nur ein Quall Gottes Zornes als eine
feurische Natur, Nun aber hatte sich Gottes Liebe als der hl. Name Jesus,
welcher das Unum (das Eine, das nottut) ist, wie man ihm möchte nachsinnen,
in dem ewig gesehenen Bilde in die Scienz des Aussprechens — verstehet: in
das menschliche ewige Bilde, darein die kreatürliche Seele geschaffen war —
eingeleibet. Und in dieser Einleibung ist der Mensch in Christo Jesu versehen
worden vor der Welt Grunde. Als aber die kreatürliche natürliche Seele fiel
und das Licht verlor, so sprach sich das Wort der Kraft, welches die Seele in
der feurischen Scienz hatte geformet, in den Willen des Ungrundes zur Kreatur
ein. 7,31. Von Ewigkeit ist der Name Jesus in einer unbeweglichen Liebe im
Menschen als in dem Gleichnis Gottes gestanden. Denn wäre sie beweglich
gewesen, so hätte das Bild ein recht Leben gehabt; nun aber war das wahre
Leben allein im Worte der Kräfte, Joh. 1,4. Als aber die Seele das Licht
verlor, so sprach das Wort den Namen Jesus in der Beweglichkeit und das verblichne
Ens von der himmlischen Welt Wesen ein. 7,32. Adam hatte das göttliche Licht vor seinem Fall aus Jehova, das ist aus
dem einigen Gott, in welchem der hohe Name Jesus verborgen stund. Nicht in
Gott stund er verborgen, sondern in der Kreatur, verstehet: in der Scienz zur
Kreatur stund er verborgen. Aber in dieser Not, als die Seele fiel, so
offenbarte Gott den Reichtum seiner Herrlichkeit und Heiligkeit in dem
ungründlichen Willen der Seelen als in dem ewiggesehenem Bild, und leibte
sich mit der lebendigen Stimme des Worts aus dem göttlichen Liebe-Feuer in
das ewige Bildnis ein zu einem Panier der Seelen, dahin sie sollte dringen.
Und wiewohl sie kein Eindringen vermochte, denn sie war an Gott als wie tot,
so drang aber der göttliche Odem in sie und vermahnte sie zum Stillstande der
boshaftigen Wirkung, auf daß seine Stimme in der Seelen wieder möchte anheben
zu wirken. 7,33. Und das ists, daß sich Gottes Stimme bei der Eva in des Weibes Samen
einsprach, denn das rechte Weib von der himmlischen Welt Wesen, da es noch in
Adam war, verstehet nach der Lichts-Natur, war Jungfrau Sophia als die ewige
Jungfrauschaft oder die Liebe des Mannes. Die war in Jehova in Adam offenbar.
Und jetzt ward sie in der Stimme des Einsprechens im Namen Jesu offenbar,
welcher sich hatte aus Jehova ausgewickelt mit solchem Bunde, daß der Name
Jesus wollte in Erfüllung der Zeit das heilige Wesen der Sophia als das
himmlische heilige Wesen aus der Liebe, damit die Liebe umschlossen ist oder
— wie man es setzen möchte, darin die feurische Liebe ein Wesen ist — in das
verblichene Wesen aus Jehova einführen. 7,34. Daß ich aber sage, das Wesen aus Jehova sei im Fall verblichen, das ist
wahr. Und ist eben der Tod, darinnen Adam und Eva starben, denn sie verloren
das rechte Feuer, und wachte in ihnen auf das hitzige und kalte Feuer der
Feindschaft, in welchem Feuer Sophia nicht offenbar ist. Denn es ist nicht
das göttliche Feuer-Leben, sondern das natürliche, und in diesem natürlichen
Feuer-Leben der Seelen ist nun der Unterschied zwischen Gottes Liebe und
Zorn. 7,35. Das natürliche Feuer-Leben ohne das Licht ist Gottes Zorn, der will nur
seinesgleichen haben. Dieser oder der verstockt die Seele und führet sie in
eigenen fremden Willen wie der des Liebe-Feuers Eigenschaft. Nun aber fähret
nicht etwa ein freier Wille eines Zorn-Feuers in die natürliche Seele, das
die Seele einnähme, sondern das eigene Feuer, dessen die Seele ein Wesen ist. 7,36. Der Grimm eigener Natur verstockt sich mit Einfassung des Ekels in den
drei ersten der Natur Urständen — Sale, Sulphure, Mercurio — als in der
finstern Welt Eigenschaft, welche in der falschen Begierde offenbar wird, und
dann auch von den auswendigen Zufällen, welches die falsche Lust aus der
feurischen Begierde in sich fasset, gleichwie sich Adam und Eva mit der
eingeführten Schlangensucht verstockten und vergifteten, da dann alsbald
dasselbe eingeführte Gift auch anfing zu hungern nach solcher Eigenschaft als
es selber war; da dann ein Ekel den andern gebar, wie der Apostel Paulus
davon saget, Röm. 7, daß nicht er im Geiste Christi die Sünde wolle und
wirke, sondern die Sünde im Fleische, das ist: die in der Natur ist als der
offenbare Grimm der ewigen und zeitlichen Natur. Und dasjenige, was die
viehische Lust in das Fleisch einführet, das tut es. 7,37. So verstehet mich nun recht: der erste und allerinwendigste Grund im
Menschen ist Christus, nicht nach der Natur des Menschen, sondern nach
göttlicher Eigenschaft in dem himmlischen Wesen, welches er hat neugeboren.
Und der zweite Grund der Natur ist die Seele, versteht: die ewige Natur,
darinnen sich Christus offenbarte und sie annahm, Und der dritte Grund ist
der geschaffene Mensch aus dem Limo der Erden mit Sternen und vier Elementen. 7,38. In dem ersten Grunde, welcher Christus ist, ist das wirkende Leben
ingöttlicher Liebe. Und in dem andern Grunde ist das natürliche Feuer-Leben
der kreatürlichen Seele; darinnen nennet sich Gott einen eiferigen Gott. Und
in dem dritten Grunde lieget die Creation aller Eigenschaften, welche in Adam
in der Temperatur stand und im Fall auseinanderging. 7,39. Im ersten Grund ist der Gott Jehova. Der hat die Menschen, welche im
Anfang seine waren, dem Namen und der offenbaren Kraft Jesu gegeben, wie
Christus saget, Joh. 17,6: Vater, die Menschen waren dein, und du hast sie mir
gegeben, und ich gebe ihnen das ewige Leben. — Erstlich stunden sie in Jehova
in des Vaters Eigenschaft. Nun stehen sie in des Sohnes Eigenschaft nach dem
inwendigen Grunde des Himmelreichs. Denn der inwendige Grund ist der innere
Himmel. Er ist der Sabbath als Christus, welchen wir heiligen sollen, das
ist: von unserm eigenen Willen und Werken ruhen, auf daß der Sabbath Christus
in uns wirke. 7,40. Der andere Grund ist nun das Reich der ewigen Natur nach des Vaters
Eigenschaft, darinnen Gottes Zorn und die finstere Welt verstanden wird,
darüber Gott seinen Sohn zum Richter gesetzt hat. Denn Christus spricht
Matth. 28,18: Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden von meinem Vater
gegeben worden. — In denen Worten ist auch das Gerichte aller Dinge begriffen. Etliche Fragen und
deren Beantwortung 7,41. Dieser Jesus spricht nun Matth. 11,28: Kommt alle zu mir her, die ihr
mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. 7,42. Frage: Nun ist die Frage: Warum sie nicht alle mühselig und beladen
sind und zu der Erquickung als zur neuen Geburt kommen. — Antwort: So spricht
Christus Joh. 6,44: Niemand kommt zu mir, es ziehe ihn denn mein himmlischer
Vater. 7,43. Frage: So ist nun die Frage: Welche zeucht der Vater zu Christo? —
Antwort: Die Schrift antwortet Joh. 1,13: Die nicht vom Fleische noch Geblüte
noch vom Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 7,43. Frage: Welche sind nun dieselben? — Antwort: Diese sind es, die aus der
Gnade geboren werden, die erwählet er ihm. 7,44. Frage: Was ist die Gnade? —
Antwort: Es ist der inwendige Grund als Christus, der sich als eine Gnade in
den verblichenen innern Grund wieder eingab. Welche nun aus demselben
inwendigen Grunde, aus Sophia als der himmlischen Jungfrauschaft neugeboren
werden, die sind Glieder an Christi Leibe und ein Tempel Gottes. Diese werden
zu Kindern erwählet, die andern sind verstockt, wie die Schrift durchaus
saget. 7,46. Frage: Wie kommts, daß sie verstockt sind?—Antwort: Sie sind in Adam
alle gestorben und können ohne die Gnade in Christo nicht das göttliche Leben
haben oder erlangen. 7,47. Frage: Kann ihr denn die kreatürliche Seele in eigenem Vermögen und
Willen in ihrer Selbheit nichts von der Gnade nehmen? — Antwort: Nein, sie
kann nicht, denn es lieget nicht an jemandes Selbst-Wollen, Laufen oder
Rennen, sondern an Gottes Erbarmen, Röm. 9,16, welches einig in Christo in
der Gnade ist. 7,48. Frage: Nun fragt sichs weiter: Wie kommt denn das Erbarmen in die Seele
und daß sie unter die Wahl kommt? — Antwort: Wie oben gesagt, die nicht vom
Fleische noch Blute, noch vom Willen des Mannes, sondern vom gebenedeiten
Saiten des Weibes geboren werden als aus dem inwendigen Grunde, da die Seele
Christus in sich zeucht. Nicht von einer angenommenen auswendigen Gnade, wie
die Vernunft saget, daß Gott den sündigen Menschen in Christo, welcher in
Sünden tot lieget, durch die vorgesetzte Gnadenwahl annehme, auf daß er kund
tue den Reichtum seiner Gnade, Röm. 9,23. Nein, das gilt nicht, denn die
Schrift saget Matth. 18,3: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet als die
Kinder, und werdet durch das Wasser und Geist neugeboren, sonst sollt ihr
Gottes Reich nicht schauen, Joh. 3,5. Die inwendige, ingeborne Gnade der
Kindschaft gilt alleine, denn Christus saget Joh. 3,6; Was vom Geist geboren
ist, das ist Geist, und was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch. Und
weiter: Fleisch und Blut soll Gottes Reich nicht erben, 1. Kor. 15,50. 7,49. Frage: Nun fragt sichs, wie ist denn die ingeborne kindliche Geburt,
sintemal sie in Adam alle tot sind? So müssen ihr ja nur etliche aus einem
Vorsatz zu Gottes Kindern geboren und erwählet werden und die andern in
Gottes Vorsatz verstockt bleiben? Was kann das Kind dazu, so es Gott nicht
haben will? — Antwort: Allhie heget die Nuß nun aufzubeißen, darum der Streit
ist. 7,50. Christus spricht Matth. 7,18: Ein fauler Baum kann nicht gute Früchte
tragen, und ein guter Baum kann nicht arge Früchte tragen. — So wir nun
dieses gründen wollen, so müssen wir denselben Baum des Wissens gründen, der
da ist böse und gut, und sehen, was er für Früchte tragen und aus welcher
Essenz eine jede Frucht wachse, so kommen wir zum Zweck als wir denn sehen,
wie sich eine jede Kraft in ein Ens und Willen einzeucht. 7,51. Die Schrift saget Sap. 11,22: Gott hat alle Dinge in Zahl, Maß und Gewicht
eingeschlossen, wie es gehen soll. Nun können wir aber nicht vom Menschen
sagen, daß er im Anfang sei in die Zeit geschlossen gewesen, denn er war im
Paradeis in die Ewigkeit geschlossen. Gott hatte ihn in sein Bild geschaffen.
Als er aber fiel, so ergriff ihn derselbe Schluß der Zeit, da alle Dinge in
Zahl, Maß und Gewichte inne stehen, und dasselbe Uhrwerk ist das
ausgesprochene geformte Wort Gottes nach Liebe und Zorn, darinnen lieget die
ganze Creation samt dem Menschen nach der Natur und Kreatur. 7,52. Nun hat sich in diesem ausgesprochenen Worte des Vaters Eigenschaft der
Name Jesus offenbaret, indem ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben
ist. Also ist alles sein, das Böse und das Gute, nicht in der Habhaftigkeit
seiner Selbst-Eigenschaft, sondern dem Guten zum Heil und dem Bösen zum
Richter. Und ist alles gegeneinander gesetzt, die Liebe wider den Zorn und
der Zorn wider die Liebe, auf daß eines im andern offenbar werde zum
Scheidetage des Richters, da er alle Dinge scheiden soll. Denn wenn er nicht
ein Herr über alles Böse wäre, so könnte er kein Richter der Teufel und
Gottlosen sein. Dieser Baum des Wissens
stehet nun in höchster Ängstlichkeit in der Geburt. An einem Teil ist er
Christus und am andern Teil ist er das Reich der Natur im Grimme Gottes des
Vaters nach der finstern und Feuer-Welt Eigenschaft. Die feurische Welt gibt
Ens zum Geist-Leben. Und Christus in der Liebe gibt Ens zum Wesen der Frucht
und tingieret (verwandelt) den Grimm daß er ein Freudenreich wird in dem
Wesen aller Wesen. 7,54. Hierinnen ist nun der Streit, denn in was für ein Ens das Centrum der
Natur als der Wille des Ungrundes in des ewigen Vaters Eigenschaft sich
einführet und bildet, entweder in der Gnade Christi in Sophia oder in des
grimmen Feuers Macht zur Phantasei, ein solch Bild stehet nach der Seelen da,
denn allhie gibt der Vater die Seele seinem Sohne Christo. Denn in des Vaters
Eigenschaft ist die Bildung der Seelen und in des Sohnes Eigenschaft ist die
edle Bildung Sophiae als der ewigen Jungfrauschaft in Christo. Nun liegt es
allhier jetzo am Willen des Ungrundes außer der Natur zur seligen Kreatur,
wohin dieselbe sich scheide, entweder in Selbheit, wie Luzifer tat, oder in
der Gebärung zur Hl. Dreiheit der Gottheit, auf daß er sich in Gott einlasse
oder selber wolle, laufe und renne. 7,55. Allhie ist nun die Wahl darüber und heißet nun allhie wie St. Paulus
saget Röm. 6,16: Welchem ihr euch begebt zu Knechten in Gehorsam, dessen
Knecht seid ihr, entweder der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam Gottes zur Gerechtigkeit. 7,56. So spricht die Vernunft: Was mag dessen ein Kind, daß es zu einer
Distel wird, ehe es sein Leben und Verstand hat? — Antwort: Höre, was mag
auch dessen Gottes Liebe in Christo, daß Adam aus der Temperatur in den Baum
des Wissens Gutes und Böses einging als in den Streit? Hatte er doch freien
Willen, warum brach er denselben selber wider Gottes Willen in ihm. Warum
ward er Gott ungehorsam? 7,57. So spricht die Vernunft weiter: Kommen denn alle Menschen in solchem
Begriff zur Welt? — Antwort: Nein, in keinem Wege aus Gottes Fürsatz also,
sondern aus dem Quall der wirklichen Sünden der Eltern und Voreltern. Denn
Gott spricht im Mose Exod. 20,5.6: Ich will heimsuchen und strafen die Sünde
der Eltern an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied. Aber denen, so
mich lieben, tue ich wohl bis in tausend Glied. 7,58. Hierinnen lieget nun der wahre Grund der Distel-Kinder und die
Verstockung, daß nämlich die Eltern des Teufels Bosheit in Fleisch und Blut
in das Mysterium des geformten ausgesprochenen Wortes Gottes einladen, als
Falschheit, Lügen, Hoffart, Geiz, Neid, Bosheit, auch öfters starke Flüche,
so ihnen aus Ursachen durch einen andern in Leib und Seele eingewünschet
werden. Und so sie derselbe Mensch verursacht hat, so bleiben sie ihm in dem
Baume seines Lebens und werden alsdann solche Zweige daraus geboren, welche
das Ens Christi nicht mögen erreichen, sondern werden nur von der Eltern
Fleisch und Blut im Willen des Mannes und Weibes geboren, da sich das
seelische Ens in eine Distel-Art einführet, öfters in Schlangen, Hunde oder
greulicher Tiere Eigenschaft. 7,59. Und über diese Distel-Kinder, welche auf Erden nichts Gutes wollen noch
tun, gehet die Wahl. Und ob gleich die Eltern öfters noch einen Funken
göttlicher Entis in sich haben oder behalten und endlich in die Buße zur
neuen Geburt treten, so werden doch in mittler1 Zeit solche
Distel-Kinder gezeuget. 1) mit der Zeit, inzwischen 7,60. Auch ist es gar ein sehr großer Unterscheid zwischen denselben, welche
der göttliche Ruf ergreift im wirkenden Baum des Lebens. Denn Christus saget:
Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet, Matth. 20,16. Der Ruf ist
nun also zu verstehen: Christus ist der Ruf, der rufet ohne Unterlaß in der
Essenz des Baumes: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. — Er
strecket seine Hand den ganzen Tag aus zu einem ungehorsamen Volke, das sich
nicht will ziehen lassen und das sich seinen Geist nicht will strafen lassen,
wie die Schrift durchaus klaget. 7,61. Nun der Ruf gehet über alle Menschen. Er ruft sie alle; denn es stehet
geschrieben: Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, 1. Tim. 2,4. Item:
Du bist nicht ein Gott, der das Böse will, Ps. — Gott will nicht in seinem
eigenen Willen, daß nur ein einig Distel-Kind geboren werde. Aber sein Grimm
nach der Natur ergreift sie. Aber es geschieht doch, daß der göttliche Ruf
auch etwas haftet und sich mit einwurzelt, daß in manchem ein Funke von
Christi Ens ist als vom göttlichen Gehöre der Stimme Gottes. Diesen lässet
nun Gott predigen und lehren und offenbaret ihnen seinen Willen. Denn sie
sind diejenigen, welche mit Sünden hart beladen sind und halb tot zu Jericho
liegen. Denen hat Christus die Taufe und Nachtmahl geordnet, und ruft
allezeit: Kommt, kommt, und arbeitet in meinem Weinberge. Nehmt mein Joch auf
euch, Matth. 11,29, nämlich die verderbte Natur des geformten ausgesprochenen
Wortes, welches Christo zu einem Joch worden ist, darinnen der Menschen
Sünden liegen. 7,62. Von denselben saget nun Christus: Einem sei ein Pfund, dem andern zwei,
dem dritten drei, dem vierten vier, dem fünften fünf gegeben worden. Damit
sollen sie wuchern und vier erwerben, Matth. 25,14.15. Ein solcher nun, der
nur ein Fünklein von Gottes Stimme in sich hat, der mag, so er selber will,
darinnen wirken und es in einen großen Baum ziehen. Denn solchen hat er Macht
gegeben, Gottes Kinder zu werden, Joh. 1,12, nicht in eigenem Willen oder
Vermögen, sondern in dieses Fünkleins Vermögen. Denn die Seele ruhet darinnen
und der Zug des Vaters in der Seelen zu Christo geschieht allda. Denn sobald
die Seele Gottes Gnade schmeckt, so eilet des Vaters Wille in der
ungründlichen Scienz zu dem Quellbrunnen Christo. Und ob gleich das Reich
Gottes erstlich klein ist als ein Senfkorn, so es nur die Seele annimmt und
mit ihrer feurischen Begierde darinnen wirket, so wächset es endlich groß als
ein Lorbeerbaum. 7,63. Welche Seele aber dessen sich nicht annehmen will, sondern gehet in die
Fleischeslust und buhlet mit dem Teufel, von denen saget Christus: Wer da
hat, dem soll gegeben werden; — das ist: wer da wirket in dem Wenigen, dem
soll gegeben werden; — wer aber nicht hat, — das ist: wer da etwas hat und
darinnen nicht wirken will, — von dem soll es genommen werden und dem gegeben
werden, der da viel hat, Matth. 25,29. Und allhie heißet es: Viele sind
berufen, aber wenige auserwählet, Matth. 20,16. 7,64. Denn ihrer viele haben das Pfand der Gnaden, aber sie treten es mit
Füßen und achten dessen nicht; ein Teil wegen der auswendigen Zufälle und ein
Teil wegen der Grobheit der viehischen Eigenschaft. Denn Christus säet seine
Stimme in seinem Worte aus wie ein Sämann seinen Samen. Es wird allen
Menschen gesäet, den Gottlosen sowohl als den Frommen. Nun liegets anjetzo,
wenn der Same gesäet wird, an der Qualität des Ackers, dahin der Same fällt.
Fället er in einen harten Weg als in eine viehische Eigenschaft, da im
Fleische in der Eigenschaft ein grobes Tier sitzt, so wird er von der
Grobheit und Unachtsamkeit zertreten. Sitzet aber ein geiziges Tier als ein
Hund, Wolf oder dergleichen Eigenschaft darinnen, so liegen die Sorgen des
Geizes im Wege und ersticken den Samen. Fället er aber in ein hohes Gemüte,
das in der Welt Macht und Ehre sitzet, so hat die Hoffart sich in den Weg
gesetzt. Dieser Same ist auf einen Felsen gefallen und bringt keine Frucht.
Fället er aber in eine gute Vernunft, da in der Eigenschaft ein Mensch als
eine wahre Demut ist, da wird er gefangen, und ein solcher ist ein guter
Acker. Denn Gottes Wesen ist Demut. So ist diese Eigenschaft eine Gleichheit
mit ihr. Allda gehet er auf und träget viel Früchte. 7,65. Darum soll man die Schrift recht betrachten, wenn sie saget: Viele sind
berufen, aber wenige auserwählet. — Sie verstehet es also: Sehr viel, ja der
meiste Hauf' ist im göttlichen Ruf ergriffen, und könnten zur Kindschaft
kommen. Aber ihr gottloses Leben, darein sie sich begeben und durch
auswendige Zufälle verderbet werden, das verstockt sie. Darum ist öfters ein
Kind seliger als ein Alter, und Christus saget auch: Lasset die Kindlein zu
mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes. Christus hat sie in seinen Ruf
oder Bund eingenommen. Wenn aber der Mensch zu den Jahren kommt und aus dem
göttlichen Ruf ausschreitet und ins Teufels Willen sich einergiebet und
tröstet sich gleichwohl einer von außen angenommenen Gnaden-Kindschaft, wie
Babel tut, und saget: O Christus hat es getan, er hat bezahlet, ich darf mich
des nur trösten und annehmen, seine Gnade wird mir als ein Geschenke
zugerechnet, ich werde in Gottes Vorsatz1 selig sein ohne alle
Werke meines Willens — bin ich wohl in Sünden tot und kann ohne ihn nichts
Gutes tun, er ziehe mich denn darein. Aber er wird an mir kundtun seinen
Vorsatz und mich zum Gnaden-Kinde machen durch sein von Außen-Annehmen und
mir meine Sünde schenken, ob ich gleich böslich lebe, so bin ich doch ein
Gnaden-Kind in seinem Vorsatze. 1) allein aufgrund
angeblicher Vorherbestimmung 7,66. Von diesem saget die Schrift Psalm 69,23: Mache ihren Weg zum Stricke
und zum Fall. Item, er läßt ihr Licht mitten in der Finsternis verlöschen und
verstockt sie in ihrem eigenen Wahn, denn ihre Wege sind schädlich. Über
diese gehet die Wahl, denn sie sind anfänglich berufen und werden noch
allezeit berufen, aber sie wollen nicht kommen. 7,67. So spricht denn Christus: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habet nicht
getanzt, Matth. 11,17. Item: O Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder
versammeln wollen wie eine Gluckhenne ihre Küchlein unter ihre Flügel, und du
selber hast nicht gewollt, Matth. 23,37. Du bist im Rufe Gottes ergriffen
worden und hast dich selber davon abgewandt in eigenen Willen. 7,68. So spricht die Vernunft: Sie haben nicht gekonnt. — Antwort: Warum
haben sie nicht gekonnt, so sie doch berufen waren? Der kann nicht, der nicht
im Rufe ist. Wer will aber sagen, wer der sei? Der Teufel in ihnen will
nicht. Der reißet das Wort von ihren Herzen, daß sie nicht glauben noch selig
werden, wie Christus saget. Darum werden sie in der Wahl verworfen. Denn die
Wahl gehet über sie zur Erntezeit, wenn das Kraut reif ist und wenn die
Missetat im Maße voll ist. Alsdann wenn man worfelt, so bleibt die Spreu,
welche zu leicht im Gewichte ist, dahinten. 7,69. Es gehet wie Christus saget: Das Himmelreich ist gleich einem Sämanne,
der guten Weizen aussäet. Alsdann kommt der Feind und säet das Unkraut
darein, Matth. 13,25. Und wenn das Unkraut aufwächst, so verdammet es den
Weizen, daß er nicht kann wachsen und Früchte tragen, also auch mit dem
Menschen. Es ist manche Seele ein gutes Körnlein, aber des Teufels Unkraut
verderbet das. 7,70. Sprichst du: Das kann nicht sein, dieweil Christus saget Joh. 10,28:
Meine Schäflein sind in meinen Händen, niemand kann sie mir herausreißen. —
Antwort: Dieses ist alles wahr; aber merke: solange der Wille der Seelen in
Gott bleibet, so kann sie der Teufel nicht daraus reißen. Aber wenn sich die
Seele abbricht vom Willen Gottes, so wird die Scienz des ungründlichen
Willens, darinnen Christus wohnet, verdunkelt, und wird Christus in seinen
Gliedern gekreuziget und getötet, und wird aus dem Tempel des Hl. Geistes ein
Hurentempel gemacht, verstehet: nach der Seelen. Nicht daß Christus getötet
werde, sondern sein Tempel als sein Gliedmaß. Denn allhie ist die Scheidung
in der Wahl. 7,71. Die Wahl ist der Geist Christi. Der gehet alsdann vor einer solchen
Seele vorüber, denn seine Stimme ist nicht mehr in der Seele. Sie hat kein
göttlich Gehör mehr, denn sie ist außer Gott. Darum spricht Christus: Wer von
Gott ist, der höret Gottes Wort, darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht
von Gott, Joh. 8,47. Sie haben die göttliche Stimme in sich verloren und
haben des Teufels Stimme eingenommen. * * * Von den Sprüchen
Hl. Schrift ... und von dem Baum des Lebens und der Erkenntnis des Guten und
Bösen
8,1. Wir wollen die hohen Geheimnisse in einem Bilde vorstellen dem
Schwachen, nachzusinnen wie die Kinder Gottes, und dann die Kinder der
Verderbnis von ihrem Urstand, und dann die Zeit ihres Lebens auf Erden
geboren werden. 8,2. Sehet an einen Baum, welcher aus seinem Ente und Samen wächst, in
welchem Samen die Tinktur des Wachstums samt dem Wesen des Corporis als des
Holzes inne liegen, darinnen alle vier Elemente samt dem Gestirne inne
liegen, so wohl der Sonnen Kraft. 8,3. Der Same fällt in die Erde. Die nimmt ihn an, denn sie ist auch ein
Wesen des Gestirnes und der Elemente. Und das Gestirne und Elemente sind ein
Wesen des Spiritus Mundi. Und der Spiritus Mundi ist Mysterium Magnum als das
geformte ausgesprochene Wort Gottes aus dem ewigen Sprechen. Und in dem
ewigen Sprechen wird die Schiedlichkeit zu Liebe und Zorn, als zu Feuer und
Licht verstanden. 8,4. Das Schiedliche aus dem Sprechen ist die ewige Natur. Und das Sprechen
in sich selber ist Gottes Wort. Das urständet aus der Kraft der Weisheit. Und
die Weisheit ist das ausgehauchte der Dreiheit als Gottes Findlichkeit,
darinnen der Ungrund im Grunde sich findet. Und die Findlichkeit ist der
einige ewige Wille. Der führet sich in sich selber in eine Scienz zur
Gebärung der Gottheit, welche er selbst ist, ein. Also sehen wir, wie sich
das Innerste hat ausgegossen in ein Äußerliches. Und wie nun das Innerliche
seine Gebärung und Wirkung hat, also hat es auch das Äußerliche. 8,5. Es werden vornehmlich drei Principia in dieser allwesenden Gebärung
verstanden, darinnen auch dreierlei Leben sind, und sind doch ineinander als
eines; alleine ein jedes ist in seiner Eigenschaft ihm selber offenbar und
dem andern nicht. So aber diese dreierlei Leben in einem Ding zugleich
ineinander offenbar sind, daß eines das andere in sich siehet und begreifet,
so ist das Ding göttlich, denn es stehet in der Temperatur. 8,6. Das eine Leben ist das feurische als das natürliche Leben. Das andere
ist das lichtische als das gebende Leben und das dritte ist das schallende
als das fühlende, wirkende Leben. Das feurische gibt Schiedlichkeit, und das
lichtische gibt Ens und Wesenheit, und das schallende gibt Kraft und Willen
als im Wesen ein Wachstum, und im Leben des Feuers und Lichts eine Vernunft
der Sinnlichkeit. 8,7. Das erste Principium ist das feuernde Leben und die erste Offenbarung
Gottes, darinnen die Natur verstanden wird. Das andere Principium ist Licht,
darin das heilige Leben des Verstandes samt dem Urstande des Wesens
verstanden wird, und wird Gottes Reich genannt. Das dritte Principium kommt
aus der Kraft des Wesens und hat seinen Anfang aus der Kraft des Feuers und
Lichts, aus dem feurischen Aushauchen aus Feuer und Licht in eine Form. Das
ist Mysterium Magnum, darinnen alles lieget, und dieselbe Form ist doch kein
Bild sondern ein Ens. Das ist der Spiritus Mundi, welchen das feurische Leben
in der hungerigen Scienz fasset und in Schiedlichkeit der wirkenden Kräfte
einführet und sich darinnen in eine Form führet, als das Feuer-Leben fasset
das gegebene Wesen des Lichts und zeucht sich darinnen auf in eine Form, wie
man das in einem Samen siehet sowohl in den vier Elementen, welche alle nur
ein Corpus des Spiritus Mundi aus dem Mysterio Magno sind. 8,8. Und ist uns fein zu verstehen, wie daß das Mysterium Magnum zum Bösen
und Guten in jedem Dinge lieget, welch Mysterium an ihm selber gut ist und
kein Böses in ihm gespüret wird, aber in seiner Auswickelung, indem es sich
in Schiedlichkeit führet, so wird es ein Contrarium der Eigenschaften, da
eine die andere überwältiget und abwirft von der Gemeinschaft, darinnen wir
die großen Geheimnisse Gottes verstehen, wie es mit der ganzen Creation
bewandt sei. 8,9. Sehet an einen Kern zu einem Baume, wie oben angedeutet. Darinnen
lieget das Mysterium Magnum nach des Kernes Eigenschaft, denn es lieget der
ganze Baum samt der Wurzel und Frucht darinnen, und ist doch keines nicht
offenbar, solange es nur ein Same ist. Sobald es aber in seine Mutter in die
Erde eingesäet wird, so wird es offenbar und hebet an, in der feurischen
Scienz zu treiben. Nun vermöchte die Erde das Ens im Kerne nicht anzuzünden,
darinnen sich die drei Ersten (Sal, Sulphur, Mercurius) offenbaren, wenn die
Sonne als das Licht sie nicht zuvor anzündet. Denn diese drei Ersten liegen
in der Erden in dem kalten Feuer verschlossen. Wenn aber die Sonne sie
anzündet, so wickelt das hitzige Feuer sich aus, aus welchem das Licht der
Natur urständet. Das ist: es wickelt sich auch darinnen aus, und in dieselbe
Auswicklung wird der Kern eingenommen; als die Kraft der Erden empfänget
allda in dem Kern ihren lieben Sohn, der aus ihr geboren ist, und nimmt ihn mit
Freuden an, denn er ist edler als seine Mutter nach dem Wesen. 8,10. Nun ist uns der Grund der Erden zu betrachten: Ob die drei Ersten an
einem Orte, da der Kern hingesäet wird, in ihrem gewirketen Ente dem Kerne in
seiner Qualität ähnlich sind; wo dieses ist, so nehmen sie den Kern als einen
lieben Sohn mit Freuden an. Also auch hinwiederum ergiebet sich des Kernes
Ens mit einer großen Begierde in seine Mutter die Erde, denn es findet seine
rechte Mutter, aus deren Eigenschaft es ist geboren worden. Also auch findet
der Erden Ens einen rechten gar lieben Sohn am Ente des Kernes, und er freuet
sich eines des andern und gehet das Wachstum an. 8,11. Ist aber das Ens der Erden am selben Orte dem Enti des Kernes ungleich,
so nimmt es die Erde wohl an, aber nur als einen Stiefsohn. Sie führet ihre
Freude und Begierde nicht darein, sondern sie lässet den Stiefsohn stehen. Er
mag Ens aus seiner rechten Mutter, welche an diesem Orte sehr tief verborgen
ist, aussaugen, von welcher Verborgenheit manch Kern verweset, ehe er mag
seine rechte Mutter seiner Eigenschaft erreichen. Und ob es gleich Ens von
der Ungleichheit annimmt, so stehet es doch in großer Gefahr, ehe es sich
kann in fremdes Ens mit seiner Essenz einverwandeln; und wird nimmermehr also
ein guter starker Baum, als so er wäre mit dem Kerne in seine rechte Mutter
eingesäet worden. Denn das widerwärtige Ens ist ihm doch immerdar zuwider,
und stehen die Essentien im Streite, davon der Baum also höckricht und krumm
wird, auch so wenige und oft — wenn äußerlich eine böse Konstellation
(ungünstiger Gestirnstand) auf ihn fällt — böse Früchte träget, auch wohl gar
verdorret und stirbet. Denn so sich das Ens der Erden mit der widerwärtigen
Konstellation vermenget und dieselbe einnimmt, so erfreuet sich die Erde in derselben
Konstellation Eigenschaft, weil sie gleicher Eigenschaft eines Willens sind
und wollen ihrer Koniunction einen neuen Sohn gebären, so wird alsdann der
Baum von dem Ente der Erden verlassen und verdirbet oder bringet böse und
wenige oder keine Früchte. 8,12. So wir nun desselben Baumes Wachstum betrachten, so finden wir erst den
verborgenen Grund aller Heimlichkeit. Denn erstlich nimmt er der Stiefmutter
Ens an sich und ergibt sein Ens der Stiefmutter, welche des Samens Ens auch
annimmt, aber nicht in solcher Freude, als wenn es ein gleiches Ens wäre. Sie
zeucht wohl das Ens des Samens an sich, darinnen die Wurzel entstehet. Aber
es ist bald Widerwillen in den drei Ersten der Mutter, davon die Wurzel
knörricht und bucklicht wird. 8,13. In diesem Streite zündet sich nun das Feuer im Ens des Samens durch der
Sonnen Gewalt an, in welchem Anzünden das Mysterium Magnum im Spiritu Mundi
offenbar wird. Diesen ergreift der Sonnen Ens und erfreut sich in ihm, denn
der Sonnen Kraft wird darinnen wesentlich und zeucht das Ens des Samens aus
der Wurzel in sich in die Höhe, daß sich möge eine Frucht darinnen gebären. 8,14. Die Sonne gibt sich mit ihrer Kraft ohne Unterscheid darein. Sie liebet
eine jede Frucht und Gewächse und entzeucht sich keinem Dinge. Sie will anders
nichts als in einem jeden Kraute oder was das ist eine gute Frucht aufziehen.
Sie nimmt alle an, sie sind böse oder gut, und gibt ihnen ihren Liebe-Willen.
Denn anders kann sie nicht tun, sie ist kein ander Wesen, als was sie in sich
selber ist. 8,15. Aber wir müssen das recht betrachten, wie sie dem Bösen auch ein Gift
ist und dem Guten ein Gutes, denn in ihrer Kraft entsteht die wachsende Seele
und in ihrer Gewalt verdirbet sie auch. Das verstehet also: Sind die
Gestaltnisse der Natur in den drei Ersten in der Wurzel des Baumes mit der
Mutter der Erden in gleichem Willen, so gibt die Erde der Wurzel mit großer
Begierde ihre Kraft und Saft. Da erfreuet sich der Sonnen Kraft darinnen und
eilet zum Wachstum. Ist aber die Erde und Wurzel einander widerwärtig, so
wird der Wurzel der Erden Kraft und Saft verhalten. So alsdann die Sonne mit
ihren Lichtstrahlen die Wurzel und den Baum anzünden, so entzünden sich die
drei Ersten als Sal, Sulphur und Mercurius darinnen in ihrer Bosheit und
verbrennen das Ens der Sonnen und vertrocknen das Wasser, so verdorren der
Stamm oder die Äste. Wenn aber die drei Ersten mögen der Erden Saft haben, so
bleiben sie in der Gleichheit und erwecken sich nicht im Streite, sondern
konkordieren (harmonieren) mit der Sonnen Lichtstrahlen, wie wir solches auch
im Mysterio im Spiritu Mundi sehen, wenn sich die feurische Eigenschaft
emporwindet, daß dieselbe die Sonne anzünden kann, wie alsdann eine dörrende
Hitze entstehet, daß Kraut und Gras niedergedrückt wird. 8,16. Mehrers sehen wir in dieser Figur, wie es zugehet im Wachstum der Äste.
Wenn der Stamm aufgehet, so gehet der Streit in der Natur mit auf, denn wenn
die Natur in ihrer Temperatur angezündet wird, so stehet sie ohne Unterlaß in
der Schiedlichkeit der Sonnen-Kraft, will immer die Bosheit der drei Ersten
von sich werfen, und sie eilen auch selber in eigenem Willen. Aus welchem
Trennen und voneinander-Gehen die Zweige aus dem Stamme ausdringen. Im Winter
schließt sie die Kälte mit ihrem Streite ein, und so der Frühling kommt, daß
sie nur können die Hitze erreichen, so treten sie wieder in den Streit.
Alsdann dringet sich der Streit wieder in Äste und Zweige aus, wie man denn
an jedem Baume seine Jahr-Gewächse also siehet. 8,17. So ist uns aber der innere Grund mit dem Austreiben der Äste zu
betrachten. Denn wir sehen, daß ein Ast groß wächst und Frucht träget, und
der ander verdorret. Das verstehen wir nun in der Schiedlichkeit der Natur
durch den Spiritum Mundi, da sich die Eigenschaften eine jede in eine
Eigenheit im Ente des Baumes fassen wollen und die Gleichheit verlassen.
Welche Eigenheit nun aus der Gleichheit in ihrer Hoffart über die andern in
der Feuers-Macht ausdringet und nicht will in dem Sonnen-Willen in der
Temperatur stehen bleiben, wie sie dieselbe in ihr aufzeucht, die erstickt,
wenn sie aus dem Stamme ausgedrungen ist. Denn dieselbe Scienz in derselben
Eigenschaft hat sich in eigenen Willen eingeführet, und wollen in Hoffart
eher ausdringen als die andern in der Gleichheit, und haben nicht Kraft
genug. Wenn dann von außen eine starke Konstellation des Gestirns in diese
hoffärtigen Zweige eindringet und sie sichtet und probieret, ob sie aus der
Gleichheit sind, so werden sie vergiftet und verdorren, denn sie sind
abtrünnige Zweige, auch dorret sie der Sonnen Hitze im Spiritu Mundi aus. 8,18. Die andern Äste aber kommen aus der Temperatur und kommen aus der
gewaltigen Ausziehung der Sonnen, da sich die Sonne in den Eigenschaften
erfreut und die Eigenschaften temperieret und sich in ihnen auszeucht.
Dieselben Äste zeucht die Sonne in ihrer Kraft groß, denn die Eigenschaften
stehen in ihrem Willen. Ein mehrers sehen wir, wie sich die Eigenschaften der
Natur in den Ästen, wenn sie auswachsen, von den auswendigen Zufällen
verderben als von dem Gestirne, item von der unreinen Luft, da die Sonne mit
ihren Strahlen nicht dazu kann, daß sie höckricht, krumm und bucklicht
werden, auch mancher Ast dadurch vertrocknet wird und abgeworfen, daß er
verdorret. 8,19. Und wie es nun zugehet mit dem Urstande und Gewächse des Baumes, also
auch gehet es zu mit dem Urstande und Gewächse des Menschen. Ob gleich der
Mensch in der Eigenschaft der Natur und des Lichts höher ist als die Gewächse
der Erden, so ist es doch aber alles in einer Ordnung, denn es gehet aus
einem Grunde als durch das ausgesprochene Wort Gottes, darinnen das göttliche
Sprechen im Mysterio Magno mitwirket, allein daß der Mensch in seinem Ente
des Leibes einen Grad höher ist als die Erde und ihre Frucht, und mit der
Seelen noch höher ist als der Spiritus Mundi. Aber sonst gehet es alles in
seinem Urstande aus einem Grunde und scheidet sich aber auseinander und
fasset sich in sonderliche Anfänge in der Creation. 8,20. Gottes einiger Vorsatz ist sein ewigsprechendes Wort, daß er durch die
Weisheit aus seiner Kraft in der Scienz der Schiedlichkeit zu seiner
Offenbarung ausspricht. Er hat keinen andern Vorsatz in sich mehr und mag
auch nicht sein, daß er mehr Vorsätze habe. Denn so das wäre, so müßte etwas
sein vor ihm, daran er Ursache nähme zu einem Vorsatz. 8,21. So ist nun das Sprechen seiner Kraft zu seiner Selbst-Offenbarung der
einige göttliche Vorsatz, nicht aber ein anfänglicher, sondern ein gebärender
Vorsatz. Und des Worts Vorsatz ist die Scienz der Schiedlichkeit und
Förmlichkeit der einige Gott in seiner Dreiheit hat von Ewigkeit in einen
Anfang durch das Wort ausgesprochen als in ein Ens aller Eigenschaften der
Schiedlichkeit, da alle Schiedlichkeiten ineinander innen liegen. Und
dasselbe Ausgesprochene ist das Mysterium Magnum und ein rechter einiger
Vorsatz des Worts. 8,22. Das Wort begehrt nichts mehr als nur seine heilige Kraft durch die
Schiedlichkeit zu offenbaren. Und in dem Worte wird die Gottheit in der
Schiedlichkeit durchs Feuer und Licht offenbar. Also sind die zwei als das
Wort und Mysterium Magnum ineinander wie Seele und Leib. Denn das Mysterium
Magnum ist des Wortes Wesenheit, darinnen und damit der unsichtbare Gott in
seiner Dreiheit offenbar ist und von Ewigkeit in Ewigkeit offenbar wird. Denn
dessen das Wort in Kraft und Schall ist, dessen ist das Mysterium Magnum ein
Wesen, es ist das ewige wesentliche Wort Gottes. 8,23. So verstehet uns nun recht: das geistliche, schallende Wort ist der
göttliche Verstand, der hat sich durch das Mysterium Magnum als durch das
ewige Wesen des Worts ausgesprochen in eine Förmlichkeit als in einen Anfang
und Zeit und Schiedlichkeit, so im Mysterio Magno in einem wirken den Ente
lieget, hat der ewigsprechende Geist offenbar gemacht, dessen es ein
wallendes, fassendes gebärendes Leben sei. Und dasselbe ist nun der Spiritus
der äußeren Welt. Sein Weben ist das kreatürliche Leben. Sein Wesen sind die
vier Elemente; die Scienz der Schiedlichkeit im Spiritu Mundi ist das
Gestirne, darinnen das wachsende Leben stehet. 8,24. Dieses ewige Mysterium Magnum hat sich im Anfange seiner Schiedlichkeit
durch das Aussprechen des Worts der Gottheit entschieden als das subtile Ens
von dem groben, koagulierten (verdichteten). Das subtilere Ens ist das
Gestirne als eine Quinta Essentia, und das grobe, koagulierte Ens ist die
Abwerfung, dasselbe ist die Erde, Steine und Metalle. Die Abwerfung ist
geschehen, daß in dem Spiritu Mundi eine Lauterkeit als ein scheinlich,
sinnlich Leben sein möge. Die Abwerfung ist auch zweierlei Eigenschaft als
eine subtile aus des Lichts Kraft im Worte und eine grobe nach der Infassung
der Finsternis in dem Urstande zum Feuer. Mit der groben wird die Erde
verstanden und mit der subtilen die Kraft im Ente der Erden, aus welcher
Kraft in der Schiedlichkeit Kräuter, Bäume und Metalle wachsen. Auch kommt
alles Fleisch aus dem subtilen Ente der Erden her. Alles was einig allein aus
der Zeit ist und im Leben des Spiritus Mundi innen stehet, das hat sein
Corpus aus dem Ente der subtilen Erden. 8,25. Dieser Spiritus Mundi mit dem Gestirne seiner Scienz und mit dem
subtilen Corpore des Feuers, Wassers und der Luft samt seiner Fixheit der
Erden und was darinnen ist, der ist nun das ausgesprochene Leben und Wesen
aus dem innern ewigen Mysterio als aus dem innern wesentlichen Worte Gottes,
welches ewige Wort Gottes im innern Grund in heiliger Kraft wirket und wohnet
und mit dem Anfang dieser Welt durch das innere Mysterium in ein äußer
Mysterium sich ausgesprochen hat. Und aus demselben äußern Mysterio ist die
ganze Creation der äußern Welt gegangen, und ist darein beschlossen als in
seiner Mutter Leibe, darinnen sich das ewige Wort mit der Scienz der
Schiedlichkeit aus den Kräften in ein figürlich Leben eingeführet hat. 8,26. Dieses äußere Mysterium des geformten Wortes ist nun in ein Rad gleich
einem Uhrwerk mit seinem gebärenden Leben eingeschlossen, da die
Eigenschaften im Ringen um den Primat sind. Bald ist eine oben, gar bald die
andere, dritte, vierte, fünfte, sechste und siebente, wie es denn auch mit
den sieben Eigenschaften, ihren Ausgängen also zu verstehen ist. Denn gar
bald sieget der Spiritus im Feuer, davon die Hitze entstehet, gar bald im
Wasser, davon es regnet, gar bald in der Luft, davon sie sich erhebet, gar
bald in der Irdigkeit, davon die Kälte urständet. Was eine Eigenschaft bauet,
das zerbricht die ander. Eine Eigenschaft gibt, die ander verstockt das
Geben, daß es verdirbet. Eine gibt gutes Ens und Willen, die ander gibt bösen
darein und verhindert das Gute, auf daß eines im andern offenbar werde. 8,27. In dieses äußere Mysterium der Eigenschaften, in welchem die
Schiedlichkeit des ausgesprochenen Wortes verstanden wird, hat nun Gott das
Licht der Natur aus dem Mysterio Magno durch und aus Kraft des ewigen Lichts
eingesprochen, daß also in dem bösen Ente ein guter Grund inne lieget als
eine gute Kraft aus dem heiligen Worte, und daß kein Böses ohne das Gute
allein ist. 8,28. Mehr hat Gott die Sonne zu einem wirkenden Leben in die Eigenschaften
der äußeren Welt eingegeben, daß sich alle Dinge mögen darinnen fassen und in
eine Gleichheit des Streits einführen, darinnen sie wachsen und Frucht tragen
mögen. Und ob gleich nun das Licht der Natur aus göttlicher Kraft in allen
Dingen mitwirket und auch die Sonne von außen in alle lebendigen und
wachsenden Dinge sich eingibt und eindränget, noch dennoch ist die feurische
Eigenschaft im Grimme also stark, daß sich die Eigenschaften also hart
impressen aus Gewalt der Finsternis, daß viel Kreaturen und Gewächse müssen
in der Bosheit leben. Denn der Hunger in der finstern Impression ist also
stark, daß er alle Kreaturen in seiner Gewalt hält. 8,29. Dieses wirkende Wesen in den Eigenschaften mit Licht und Finsternis,
darinnen nun die ganze Kreation begriffen, ist nun der einige Vorsatz Gottes
Worts, als nämlich daß er Leben und Kreaturen gebäre und das ausgesprochene
Wort in Bildlichkeit einführe, daß jede Kraft in der Scienz der
Schiedlichkeit in einem Leben und Bilde stehe, beides nach der Eigenschaft
der Licht-Kraft des hl. Wortes und nach den Eigenschaften der Feuer-Kraft.
Das Licht aber ist allen Dingen zu einer Temperatur gegeben, nicht daß das
Licht alleine das Wesen von außen anscheine, sondern es ist allem Ente
mitwirklich1 in alledem, das da lebet und wächst. 1) es wirkt in allem Wesen mit 8,30. Darum hat keine Kreatur über ihren Schöpfer zu klagen, daß er sie zum
Bösen erschaffen habe. Alleine der Grimm in der Natur verstockt ein Ding und
verhindert des Lichtes Kraft. Zum andern verhindert es der Fluch, daß die
heilige Tinktur des hl. Grundes des sprechenden Worts in dem ewigen Licht —
von des Teufels, sowohl des Menschen und der Kreaturen Eitelkeit wegen — in
sich wieder gegangen ist und sich nur allein dem eingibt, das in ein Bild der
Licht-Kraft sich einführet und mit der Scienz, die sich in dem Grimm der
Finsternis eingibt, nicht wirken will. Denn Ursache ist dieses: die
Finsternis ergreifet sonst die heilige Kraft und führet sie in ihre Bosheit.
So heißet es alsdann nach der Schrift, Psalm 18,26.27: Bei den Verkehrten
bist du verkehrt, und bei den Heiligen bist du heilig. Gleichwie die Sonne
leiden muß, daß die Distel ihr gutes Ens in ihre stachlichte Eigenheit
verschlinget und zu ihren Stacheln braucht, also will die höchste Tinktur in
das falsche der Scienz sich nicht eingeben, da sich der ewige ungründliche
Wille in ein Bilde der finstern Welt Eigenschaft gewandelt. 8,31. Der ander Vorsatz Gottes, durch das aussprechende Wort Gottes, damit
sich Gott durch das Mysterium Magnum hat wollen offenbaren, ist der
hochteuere hl. Name Jesus. Nachdem sich der Mensch von Gott in die Kreatur
gewandt hatte, da hatte er Gottes Stimme verloren; die sprach ihm Gott in
Gnaden in des Weibes Samen wieder ein mit dem eingebildeten Namen Jesus als
mit dem andern Vorsatz aus dem göttlichen Grunde. 8,32. Der erste Vorsatz mit der Natur und Kreatur ist aus des Vaters
Eigenschaft. Der ander Vorsatz, die Natur und Kreatur zu erlösen vom Fluche
und der Peinlichkeit, ist der Name Jesus als die höchste Tinktur der
göttlichen Kraft, dieselbe zu offenbaren durch das geformte, ausgesprochene
Wort in der Eigenschaft des Guten, das in den Bösen gefangen gehalten wird. 8,33. Diesen Namen Jesus hat Gott als den Vorsatz seiner Liebe in die Mutter
aller Menschen eingesprochen und als eine lebendige Kraft in einen ewigen
Bund eingeleibet und denselben Bund mit Einführung göttlichen Entis in
menschlicher Eigenschaft erfüllet; daß, gleichwie sie nun alle den Fluch und
die Verderbung mit zur Welt bringen, darinnen sie alle Kinder des Zornes
Gottes sind und unter dem Fluche beschlossen sind, also bringen sie auch alle
den Gnadenbund in dem eingeleibten Jesus mit zur Welt, welchen Bund Gott in
Christo mit dem Siegel der Kindertaufe bestätiget hat und bei den Alten mit
der Beschneidung der Vorhaut. 8,34. So wisset nun, daß Gott keinen andern Vorsatz hat durch sein Wort
geoffenbaret als den Grund der Creation, als die Natur der Schiedlichkeit,
darinnen die Vorsätze zur Bosheit urständen, da sich die Scienz des
gründlichen Willens in der feurischen Schiedlichkeit ein Teil in die
Licht-Kraft einführet und das ander Teil in die feurische Eigenschaft der
Peinlichkeit, und das dritte Teil in die Phantasei nach Feuer, Licht und
Finsternis als in die Eigenheit der Hoffart, wie Luzifer und Adam getan
haben. Was aber in die Kraft des Lichts geschieden wird, das ist gut, und was
in der Temperatur bleibet, stehet in der feurischen Scheidung, dem eineignet
sich in die höchste Tinktur der Kräfte. Den andern aber in der Schiedlichkeit
eineignet sich die Tinktur der Sonnen und des Spiritus Mundi. 8,35. Auf diesen Grund wollen wir euch die Gleichnis mit dem Baume in dem
Menschen von seiner Pflanzung zum Guten und Bösen ausführen und weisen, was
der Vorsatz Gottes, sowohl der Zug des Vaters im Guten und Bösen wie auch die
Wahl über die Menschen sei, und es hernach mit den Sprüchen der Schrift
vergleichen. 8,36. Der Mensch ist aus dem Vorsatze des ewigen und zeitlichen Wesens
Anfange in ein Bild aus dem sprechenden und ausgesprochenen Wort eingeführet
worden, in dem das sprechende Wort der Schiedlichkeit selber innen lieget.
Denn er ist nach dem äußern Leibe ein Ens der vier Elementen und nach dem
äußern Leben ein Ens des Spiritus Mundi. Und nach dem innern Leibe ist er ein
Ens des ewigen Worts Gottes als des höchsten Mysterii der wesentlichen Kräfte
Gottes. Nach dem inneren Geiste aber ist er in zweien Eigenschaften, als
erstlich die kreatürliche Seele ist aus des Vaters Natur als aus der ewigen
Scheidung des Worts Gottes im Licht und Finsternis. Diese Eigenschaft ist der
kreatürlichen Seelen Eigenschaft aus dem Grunde des ewigen Willens
herrührend. Die andere Eigenschaft ist die wahre göttliche in des Lichtes
Kraft, das ist Christus, in dem der Name Jesus offenbar worden ist. Und die
ist der wahre ewige Vorsatz Gottes vor der Welt Grunde, da die Seele noch
keine Kreatur, sondern nur ein Ens im Mysterio Magno war. 8,37. Diese andere Eigenschaft war im Menschen im Anfange vor der Sünden in
Jehova offenbar. Als sich aber die Seele davon abbrach und in die Creation
einwandte, so erstummete die kreatürliche Seele an Gott. Allda tat sich der
Fürsatz in dem heiligen Jesus als ein Gnadengeschenke hervor und trat in des
Lebens Licht. Dieses Gnadengeschenke ist nun nicht der kreatürlichen Seelen
Eigenheit. Sie hat es nicht für Naturrecht und bekommt es auch ewiglich nicht
für Naturrecht, sondern es stehet in der Seelen in einem eigenen Centro und rufet
der Seelen und bietet sich ihr an, sich in ihr zu offenbaren. 8,38. Die Seele soll von der Bildlichkeit der irdischen Kreaturen stille
stehen und nicht irdisches Ens in ihr Feuer-Leben einführen, daraus ein
falsch Licht entstehet. So will dieser göttliche Vorsatz in der höchsten
Tinktur aus dem heiligen Liebe-Feuer mit dem heiligen Licht sich offenbaren
auf Art wie ein Feuer das Eisen durchglühet, daß das Eisen scheinet, lauter
Feuer zu sein. Also auch wandelt das Liebe-Feuer dieses Vorsatzes des Gnadengeschenkes
die Seele in seine Eigenschaft; und behält doch die Seele ihre Natur,
gleichwie das Eisen im Feuer seine Natur behält. 8,39. Ein jedes Kind, aus Mannes- und Weibessamen geboren, hat dieses
Gnadengeschenke in seinem innern Grunde in des Lebens Licht entgegenstehen.
Es beut sich einer jeden Seelen an und recket seine Begierde, die ganze Zeit
des Menschen Lebens gegen der Seelen aus und rufet ihr: Komm her zu mir und
gehe von der irdischen Bildlichkeit im Grimme und von der Phantasei aus. 8,40. Dagegen stehet zum andern auch in einer jeden Seelen, alsbald ihr Leben
sich anfängt, der grimme erweckte Zorn Gottes in der Essenz der
Schiedlichkeit, darinnen auch das eingeführte Schlangengift mit des Teufels
Begierde innen lieget. 8,41. Zum dritten stehet ein jeder Same des Leibes nach der äußern Welt in
Gewalt des Spiritus Mundi in der Konstellation, wie das große Uhrwerk zu der
Zeit in der Figur innen stehet. Eine solche Figur gibt ihm auch der Spiritus
Mundi in der Eigenschaft des äußern Lebens. Ein solch Tier modelt es ihm in
die äußere Lebenseigenschaft ein. Denn der Spiritus der äußern Welt aus den
Elementen kann anders nichts geben als ein Tier. Und solches Tier entsteht
aus dem, daß im Menschen die ganze Creation lieget und daß er sich hat aus
der Temperatur in irdische Begierde und Bildlichkeit im Falle eingeführet,
daß der Spiritus Mundi in ihm mit seiner Schiedlichkeit offenbar worden ist. 8,42. Und also scheidet er sich nun noch immerdar in jedes Kindes
Lebensanfang in eine solche Figur. Wie das Gestirne in seinem Rade stehet,
ein solch Bild macht er in die Eigenschaft aus dem Limo (Stoff) der Erden als
in die vier Elemente, davon mancher Mensch von Mutterleibe nach dem äußern
Menschen einer bösen giftigen Schlangen, Wolfes, Hundes, Kröten, schlimmen
Fuchses, hoffärtigen Löwen, unflätigen Säuen, stolzen Pfaues, item mutigen
Rosses oder auch anderer guter, zahmer Tiere Art ist, alles nachdem die Figur
im Spiritu Mundi ist. Also füget auch dieselbe Konstellation aus dem äußern
Vorsatze des geformten Wortes manchem gute Vernunft und Sinnen, dazu Ehre und
weltlich Glücke ein, und manchem Elend, Unglück, Torheit, Bosheit,
Schalkheit, bösen Willen, dazu Laster, darauf mancher Mensch, so er nicht das
irdische eingepflanzte Tier immerdar tötet und den bösen Willen mit dem
göttlichen Gnadengeschenke bricht, dem Henker in seine Hände kommt. 8,43. Nun siehe Mensch, das bringet dir der äußere Vorsatz des geformten und
ausgesprochenen Wortes, da Böses und Gutes innen lieget, da die Scienz des
Samens in des Lebens Anfang sich in eine Eigenschaft scheidet. Und hierinnen
lieget nun der Zug aus des Vaters Eigenschaft zum Bösen oder Guten. Und in
was für ein Ens das Leben sich konstellieret hat, also zeucht sich dieselbe
Konstellation in seine Gleichheit. Es will immerdar gleiches bei und in
gleichem wohnen, als ein frommer Mann wohnet gerne bei Frommen und ein
Spötter bei Spöttern, ein Dieb bei Dieben, ein Fresser, Säufer, Spieler,
Hurer und dergleichen auch bei seinesgleichen. Dazu zeucht ihn seine Natur
aus der Eigenschaft des Zornes Gottes. So kommen auch die wirklichen Sünden
der Eltern mit in die Eigenschaft, denn ein jedes Kind wird aus dem Samen der
Eltern geboren. Wessen nun die Eltern sind, dessen ist auch das Kind, jedoch
wandelt es oft die Konstellation mit Gewalt und zwinget es in ihre Macht, so
sie stark ist. 8,44. Nun siehe: das ist der Zug des äußern Lebens, da Gott spricht: Wen ich
verstocke, den verstocke ich. Also wird der äußere Mensch verstockt und auch
fromm und sinnlich zur Demut und Hoffart gezogen. Das ist nun Gottes Vorsatz
nach seinem Zorn, welchen der Mensch in sich erweckt hat. Denn er ist das
äußere gebärende Wort Gottes, dadurch Gott mit der äußern Kreatur tut, wie er
sie in seinem Uhrwerk ergreifet, durch welches Uhrwerk er auch seine Herrlichkeit
offenbaret, beides nach Feuer und Licht, nach Verstand und Torheit, auf daß
eines im andern offenbar und erkannt werde, was gut sei. 8,45. Nun ist aber dieses Uhrwerk des ausgesprochenen Worts nicht Gott
selber. Es ist nur ein Bilde nach ihm als nämlich das äußere wesentliche
Wort, darein er die Creation beschlossen und daraus geschaffen hat. Denn aus
ganz göttlicher Eigenschaft mag keine Kreatur kommen, weil sie keinen Grund
noch Anfang hat. So mag sie sich auch anders in keinen Anfang formen als durchs
Wort der Kräfte, durch die Schiedlichkeit und aus der Schiedlichkeit des
Sprechens, da sich das Sprechen muß in Natur einführen, sonst würde das Wort
nicht offenbar. 8,46. Die innere Eigenschaft der Seelen lieget nun in der ersten geschaffenen
Konstellation, im ewigen anfänglichen Grunde. Die wird nicht in die äußere
tierische Konstellation mitgebildet. Denn die seelische Scienz hat einerlei
Form als ein magischer Feuer-Quall und scheidet sich im Leben selber in die
Figur des Leibes. Darinnen lieget nun der Grund der ewigen Natur und ist zum
Guten und Bösen tüchtig. Denn es ist die Ursache zum Feuer und Lichte, aber
er lieget hart und schwer in den Sünden gefangen. Denn allhie liegen die
Erbsünden im Centro der Natur; da hat der Teufel einen Sitz bekommen. Item
allhie liegen nun die angeerbten Sünden von Eltern und Großeltern als wie ein
böses Gift, davon Gott saget, er wollte sie an den Kindern strafen bis ins
dritte und vierte Glied. Auch liegen hierinnen der Eltern Wohltaten und
Gottes Segen, so über die Kinder gehen, Exod. 20,5.6. Diese Eigenschaften
konstellieren sich nun auch in eine Figur nach ihrer Art. Damit figurieret
sich die Seele entweder in ein Bild der Engel oder der Teufel. 8,47. Und hier lieget nun der schwere Grund, da die Wahl Gottes siehet, was
allda für ein Engel werden wird. Jedoch ist kein Schluß darüber gemacht, denn
das Gnadengeschenk stehet im innern Grunde und eineignet sich dem Centro der
Scienz des Ungrundes der Seelen als dem Willen des ewigen Vaters. Allhie
bittet Christus für die arme gefangene Seele, wie die Schrift saget. Denn die
Seele lieget an den Banden von Gottes Zorns und ist in ihren Sünden
verstockt. Allhier zeucht sich das Leben durch den Tod und prüft das, ob
irgend ein gutes Fünklein darinnen sei, das der göttlichen Kraft fähig sei,
so wird es gezogen. Denn Christus will offenbar sein, so will der Grimm der
Natur auch offenbar sein. So stehen nun diese beiden Vorsätze in geformtem
Wort im Streite um den Menschen als um das Bilde Gottes. Das Reich der Gnaden
im Lichte will das besitzen und sich in ihm offenbaren. So will es das Reich
der Natur im Grimm des Feuers in der Natur Schiedlichkeit auch haben und sich
in ihm offenbaren. Und dieses beides lieget im geformten Worte als des Vaters
Eigenschaft im Grimme und des Sohnes Liebe-Eigenschaft im Lichte. 8,48. So merket nun auf die angedeutete Figur vom Gleichnis des Baums: Das
Weib ist der Acker und der Mann ist das Korn zum menschlichen Baume, das
gesäet wird. So spricht die Vernunft: Gott füget sie zusammen, wie er sie
haben will? — Antwort: Ja, recht, aber durch seinen Vorsatz, welchen er im
Wort durch das große Uhrwerk der Natur in ein Regiment gefasset hat. Die
Constellationes im Uhrwerk ziehen sie zusammen, aber die meisten werden durch
eigenem Willen zusammengezogen, da sich der menschliche Wille, welcher aus
dem ewigen Grunde ist, selber konstellieret, da dann die äußere Konstellation
gebrochen wird. 8,49. Das sehen wir an dem, wie sich die Reichen mit den Reichen
konstellieren, item die Adeligen mit den Adeligen; sonst so dem Spiritu Mundi
seine Konstellation nicht gehorchen würde, so würde manche arme Dienstmagd
einem Edelmann zugefüget, welche äußerlich im Spiritu Mundi miteinander
konstellieren. Aber dieselbe gemachte menschliche seelische Konstellation aus
dem hohen Grunde ist mächtiger als die Konstellation im Spiritu Mundi. Darum
gehet es oft und meistenteils nach der Seelen Konstellation, welche die
äußere Welt in der Macht und Hoheit übertrifft. Gleichwie es am Sämanne
lieget, wo er sein Korn hinsäet, ob es gleich ein anderer Acker besser fähig
wäre. 8,50. So aber die Seele ihren Willen Gott ergibt und sich nicht selber in
diesen Orden konstellieret, sondern befiehlet sich dem Vorsatz Gottes, so
wird die männliche und weibliche Tinktur ins Wort eingefasset und in der
rechten göttlichen Ordnung nach der Seelen im Mysterio Magno und nach dem
Leibe im Spiritu Mundi konstellieret. Allda wird eine Liebe nach der wahren
Gleichheit seiner Eigenschaft in ihm erweckt. Und so alsdann der Mensch
derselben folget und siehet nicht an Reichtum, Adel oder Schönheit und
Wohlgeschicklichkeit, so krieget seine eigene Konstellation, die er von Natur
hat, die rechte wahre Gleichheit, und ist ein Acker, der dem Korne gleich und
angenehm ist. Also erhebet sich nicht also leicht und balde der Streit in der
Frucht, denn sie stehen miteinander in der Gleichheit. Und allda kann sich
die innere und äußere Sonne besser in der Frucht mit konstellieren. 8,51. Aber wie es in der Welt gehet, das siehet man dann, was die Natur
zusammenführet und bindet, da oft zwei junge Leute in höchster Liebe sich
konstellieren, welches aus dem großen Vorsatz der wahren Konstellation im
Spiritu Mundi im geformten Wort geschiehet. Das brechen die Eltern und
Freunde wegen Armut und Hoheit halber. So spricht denn Gott zu Noah: Die
Menschen wollen sich meinen Geist nicht ziehen lassen und nehmen zur Ehe und
beschlafen die Töchter der Menschen, nach dem, wie sie schöne sein, Gen.
6,2.3, reich und edel, welches alles doch Menschenwerk ist. Daher kommen dann
aus ihnen Mächtige und Tyrannen, welchen Gott die Sintflut seines Zornes in
ihre gemachte Konstellation entgegensetzet und ihren eigenen Willen
verstockt. Denn manche Leute wegen Hoheit oder Reichtum zusammen-gezwungen
und gekuppelt werden, die hernach einander feind werden und ihr Leben lang im
Gemüte den Tod und die Trennung wünschen. 8,52. Diese sollen nun ihre Tinkturen im Samen in eine Coniunction zu einem
menschlichen Leben eines Kindes ineinander einführen. Das Weib ist nun der
Acker und der Mann säet das Korn. Wenn nun die zwei Tinkturen ineinander
sollen eingehen und sich in eine wandeln als in dem weiblichen und männlichen
Samen, da sich das Ens soll in eine freudenreiche Gleichheit einführen, so
sind sie einander ungleich im Willen. Der Acker empfänget allda mit dem Korne
einen Stiefsohn. Er muß ja das Korn annehmen, denn es dränget sich ein und
zeucht das Ens aus dem Acker in sich. Aber der Acker gibt ihm nicht seinen
guten Willen. So muß das Ens des Samens seine Gleichheit im weiblichen Samen
suchen. Die lieget ihm aber alsdann in der Konstellation zu tief verschlossen
und kann sie schwerlich erreichen, daraus dann Unfruchtbarkeit und der Natur
Ekel entstehet. Und ob es nun geschieht, daß das Korn in die weibliche
Tinktur des Ackers eingewurzelt wird, so ist ihm doch die äußere
Konstellation im Spiritu Mundi in der wahren Ordnung des geformten
ausgesprochenen Wortes gram. Denn es stehet nicht in der Figur der
Freudenreich im großen Uhrwerke der Natur, sondern führet alsbald seine
Feindstrahlen aus der Turba Magna1 mit in Formierung der Kreatur, dadurch
manche Frucht verdirbt, ehe sie das Leben bekommt. 1) Zorn Gottes in der Natur 8,53. Was nun allhie für eine Wirkung im Centro der Natur zum Leben sein
möge, gebe ich der Vernunft nachzusinnen, und wie sich die Natur in ihrer
Widerwärtigkeit verstocke. Was für ein seelisch Feuer sie in sich erwecke und
gebäre, ist wohl zu ersinnen, davon die Schrift saget, Gottes Zorn verstocke
sie, daß sie nicht zum wahren heiligen Licht kommen. Denn wessen Eigenschaft
das seelische Feuer ist, ein solches Licht urständet auch daraus. Und im
seelischen Lichte stehet nun das Leben. Darum saget die Schrift: Bei den
Heiligen bist du heilig und bei den Verkehrten bist du verkehrt, Psalm
18,26.27; welch ein Volk das ist, einen solchen Gott hat es auch. 8,54. Das Licht der Natur, darinnen die Stimme Gottes im Paradeis in des
Weibes Samen sich wieder eingeleibet hat, in welchem Christus empfangen und
geboren ist, das stehet nun in dem inwendigen Grunde und soll sich durch das
angezündete Seelenfeuer offenbaren und mit in der Kreatur eingehen und
wirken. Die Seele soll nun dem Geiste Christi stillestehen, daß er in sie
wirken möge. Aber sie — verstehet: die seelische Eigenschaft, darinnen das
Seelenfeuer brennet und lebend wird — ist im Grimme des Streits. 8,55. Allhie ist nun der Zug im Zorne und auch der Zug Christi durch das
Licht der Natur, und heißet allhie recht. Wo sich die Scienz des
ungründlichen Willens aus der ewigen Natur Grunde in der seelischen
Eigenschaft hinwendet und zum Knecht in Gehorsam eingibt, dessen Knecht ist
sie, entweder dem Zorne Gottes im Grimme der ewigen Natur oder dem Leben
Christi in der Gnade, wie St. Paulus saget Röm. 6,16. 8,56. So spricht die Vernunft: Die seelische Essenz kann nicht, sie muß
leiden, was Gott mit ihr tut, dazu so ist sie verderbet und zum Grimm
geneiget? — Antwort: Ja, sie kann in ihrer Eigenheit nicht; aber Christus,
als er die seelische Eigenschaft annahm, hat den Grimm und die Turbam des
falschen Willens mit der Liebe zersprengt und seine Liebe in das kreatürliche
Wort eingeführet und dem seelischen Ente zum Gehilfen gegeben. Es lieget nur
bloß an dem, welche Eigenschaft die andere übertrifft, entweder die
licht-feurische oder die zorn-feurische, Gottes Liebe oder sein Zorn. Denn
das Ens zur Seelen hat noch keinen Verstand, aber den Grund des Willens hat
es aus dem ungründlichen ewigen Willen zur Gebärung der Stätte Gottes, da des
Vaters ungründlicher Wille den Sohn gebieret als die Kraft. 8,57. In diesem ungründlichen Willen stehet der Seelen Ens und will Gott von
ihm haben. Es soll göttliche Kraft gebären, und da es doch das nach seinem
Falle in eigenem Vermögen nicht tun kann, so hat er ihm das Reich seiner
Gnaden eingeleibet und in dem Namen Jesu offenbaret. So sich nun der seelische
ungründliche Wille dem Geiste Christi im inwendigen Grunde aneignet, so
ergreift ihn Christus und zeucht ihn in sich auf. Allda urständet das Können,
denn die Essenz des Zorns ist mit der eingeleibten Stimme göttlicher Liebe
zerschellet, und der Geist Christi durchdringet das Licht der Natur in der
seelischen Eigenschaft und wirket in sie, gleichwie das Licht der Natur in
der Erden in dem Samen zum Baume wirket und sich eindränget, daß der Same
möge einwurzeln. 8,58. Und diese Eindrängung des Geistes Christi in das Ens der Seelen ist der
göttliche Beruf, davon die Schrift saget: Viele sind berufen etc. Denn also
werden sie im seelischen Grunde berufen, ehe die Seele das Leben hat. 8,59. Frage: Warum saget aber die Schrift »viele« und nicht »alle«? — Antwort:
Christus stehet allen entgegen und rufet sie alle, denn die Schrift saget:
Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, 1. Tim, 2,4. Aber sie sind
nicht alle des Rufs fähig, denn manches Ens ist mehr teuflisch als
menschlich; dasselbe hat der Zorn überwältiget und verstocket. 8,60. Allda scheinet nun das Licht in sich selber in der Finsternis, und die
finstere Essenz der Seelen hat es nicht begriffen. Vor dieser seelischen
Essenz gehet nun der Ruf vorüber, denn die seelische Eigenschaft ist in der
Finsternis ergriffen. Das Licht durchdringet sie wohl, es findet aber kein
Ens der Liebe darinnen, daß es sich darinnen könnte anzünden. Darum bleibet
der kreatürlichen Seelen Ens außer Gott in sich selber wohnend und Christus
bleibet auch in sich selber wohnend, und sind doch einander nahe. Aber ein
Principium scheidet sie als die große Kluft beim reichen Mann und armen
Lazaro (Luk. 16,20), denn sie sind gegeneinander wie das Leben und der Tod. 8,61. Von diesen wird nun verstanden, daß Gott kund tue seinen Zorn und sie
verstocke, aber nicht aus einem fremden oder göttlichen Willen oder Vorsatze,
sondern aus dem, da er sein Wort in Natur und Schiedlichkeit eingeführet hat.
Nicht der heilige Wille Gottes entzeucht sich ihnen, daß sie verstockt müssen
bleiben, wie die Vernunft allhie irret. Denn er ist in ihnen und wollte sie
gerne haben und sich in ihnen offenbaren als im Bilde Gottes. Aber der Grimm
im Centro der Natur, da sich der Wille des Ungrundes in die Finsternis
scheidet, hat sie ergriffen und die zersprengten Porten der göttlichen Liebe
mit Greueln der angeerbten Sünden erfüllet. 8,62. Wozu die widerwärtige Konstellation der Ungleichheit hilft, da der Mann
und das Weib in ihrer beider Willen gegeneinander nur Haß und Fluch und eitel
Todeswillen ineinander einsäen. Sie fassen ihre Lebenstinktur in einen
feindlichen Willen und kommen nur in Vermischung ihres Samens in viehischer
Lust zusammen. Kein Wille ist dem andern treu, und meinen nur Gift und Tod,
fluchen einander alle Stunden und leben beieinander als Hunde und Katzen. Wie
nun ihr Leben und steter Wille ist, also ist auch ihre seelische Tinktur im
Samen. Darum saget Christus: Ein arger Baum kann nicht gute Früchte tragen; —
denn in ihrer Tinktur des Samens ist schon die Verstockung. Was mag dessen
nun Gott, daß sie eine Distel pflanzen? 8,63. So sprichst du: Was mag dessen aber das Kind — Antwort: Das Kind und
die Eltern sind ein Baum. Das Kind ist ein Ast am selben Baume. Darum höre,
Vernunft: Wann verändert die Sonnen einen Ast am saurem Baume, daß er süße
wird? Soll denn Gott seinen Vorsatz wider seinen Vorsatz seines
ausgesprochenen Willens um einer Distel willen handeln? Bedarf doch das Reich
der Finsternis auch Kreaturen, sie sind Gott alle nütze. Der Gottlose ist
Gott ein guter Geruch zum Tode, und der Heilige ein guter Geruch zum Leben,
2. Kor. 2,15.16. 8,64. Darum urständet der Wille zum Verderben im Ente zur Kreatur. Und der
Wille zum heiligen Leben urständet aus Gott in Christo. Und diese sind beide
ineinander als ein Ding. Aber in zweien Prinzipien verstanden. Weil sie beide
in Wirkung der Kreaturen sind, so werden sie auch von beiden gezogen. Ist es
aber, daß Christus keine Stätte seiner Ruhe finden mag, so besitzt der Teufel
die Stätte, da Christus sollte wirken. 8,65. Und allhie saget nun Christus: Wenige sind auserwählet, Matth. 20,16.
Warum? — Ihrer viele haben noch ein Fünklein des guten Entis in ihnen,
darinnen Christus wirket und sie ohne Unterlaß warnet und rufet. Aber das
falsche Ens ist also viel und stark, und zeucht einen Haufen böser Einfälle
von außen an sich und verdunkelt das Bild Gottes, und tötet das gute Ens und
Willen, und kreuziget das Bild Christi, das Christus hat in seinem
Durchbrechen mit seinem Blute besprenget und mit seinem Tode erlöset. Das
kreuziget er in ihm mit der Sünde und tötet Christus in seinem Gliede. 8,66. Und wenn dann der Hausvater kommt, seine eingeladenen Gäste zu besehen
zu der Hochzeit des Lammes, so siehet er, daß dieses erlösete Bild Christi,
das zur Hochzeit eingeladen ist, kein hochzeitlich Kleid anhat, so heißet er
seinen Zornknecht, diesem Gaste an Christi Stätte die Hände und Füße im Ente
des Lebens zu binden und in die Finsternis hinauswerfen, da Heulen und
Zähneklappern ist, wie Christus im Evangelio saget, Matth. 22,12.13. 8,67. Dieser böse Hochzeitsgast, ob er gleich Christi Namens sich rühmet,
wird nicht auserwählet zum ewigen Abendmahl des Lammes, sondern nur
diejenigen, deren Seelen Christum anziehen und den Willen der Sünden im
Fleische kreuzigen und immerdar töten. 8,68. Darum saget Christus: Wenige sind auserwählet. Denn nur diese werden zu
Kindern Gottes in Christo erwählet, welche der Stimme Christi in ihnen
gehorchen, welche in ihrem guten Fünklein auf die Stimme des Bräutigams
hören, wenn Christus in ihnen spricht: Kehre um, tue Buße, tritt in den
Weinberg Christi! So sie das annehmen hören und tun und nicht auf das warten,
bis Gott den falschen Willen überfällt und mit Gewalt bricht und selig macht,
wie die Vernunft die Sprache von der Gnadenwahl also irrig annimmt allen
Gleichnissen in den Worten Christi zuwider. 8,69. Denn Christus sprach zu seinen Jüngern, als er ihnen seinen Leib zur
Speise darbot: Nehmet, esset; nehmet und trinket, das ist mein Fleisch und
Blut, Matth. 26,26.28. Er hieß die Seele zugreifen und nehmen. Also auch im
inwendigen Grunde, wenn er sich der Seelen anbietet im Lebenslichte, so er
spricht: Komm zu mir, ich will dich erquicken; nimm mich an, sperre nur deine
Begierde gegen mir auf und tue die Türe deines Willens auf, so will ich bei
dir einziehen. 8,70. Er stehet vor der Tür des Seelen-Entis und klopfet an, und welche Seele
ihm auftut, bei der zeucht er ein und hält das Abendmahl mit ihr (Offb.
3,20). Sein Rufen und Anklopfen ist sein Ziehen und Wollen; aber die Seele
hat auch ein ewig Wollen und einen ungründlichen Willen. 8,71. In Summa: Die Seele ist des ewigen Vaters natürlicher Feuer-Wille, und
Christus ist des ewigen Lichts Liebe-Wille. Die stehen ineinander. Christus
begehret sich in diese Kreatur zu bilden, so begehret sich der Feuer-Wille in
seiner Eigenheit zu bilden. Welcher nun sieget, darinnen stehet die Bildung.
Dieser Streit der Bildung gehet alsbald im Samen an mit der Bildung der
Kreaturen in der Ungleichheit des Samens und Ackers, da mancher Zweig
alsobald in der Widerwärtigkeit und Feindlichkeit der Tinkturen zu einer
wilden Distel wird; welchem Distelkinde das Licht der Natur, darinnen
Christus im innern Grunde wohnet, sich doch nicht entzeucht, bis der Wille
der Seelen selber in seinem Naturlichte mit Gift des Zorns sich verdunkelt. 8,72. Gleichwie sich der Streit in der Wurzel des Baumes in einem
widerwärtigen Acker selber entzündet, davon der Zweig aus der Wurzel
verdirbet, ehe er aufwächst; und wie nun die Sonne dem Zweige des Baumes zu
Hilfe kommt mit ihrem Licht und Kraft, sobald er aus der Wurzel aussprosset,
also auch kommt Christus der Seelen, alsbald sie nur aus Mutterleibe kommt,
von außen wegen der bösen Zufälle zu Hilfe, und hat ein Bad der Wiedergeburt
mit der Taufe in seinen Bund gesetzt, darinnen er die kleinen Kinder mit der
ewigen Sonnen anscheinet und in sie dadurch wirket und sich ihnen in seinem
Bunde eingießt, ob sie seelische Essenz der angebotenen Gnade fähig sei. 8,73. Hernach wenn die Seele zur Vernunft kommt, so zeucht und ruft er sie
durch sein geoffenbartes, gelehrtes Wort aus dem Munde der Kinder Gottes und
bietet sich der Seelen für die Zeit des ganzen äußern Lebens an, und schallet
alle Tage und Stunden mit seinem Wort und Kraft in sie, ob sie ihm von der
tierischen Bildlichkeit stille stehen wolle, daß er sie neu gebären möge. 8,74. Gleichwie der Sonnen Kraft im Ens des Holzes im Baume sich mit
aufzeucht und die Eigenschaft der streitigen Natur temperieret, also auch
wendet sich Christus mit seiner Kraft aus dem innern Grunde ohne Unterlaß in
die Seele und temperieret die Lebensgestalten, daß sie sich nicht sollen in
den Widerwillen und Feindschaft trennen und von der Gleichheit in falsche
Lust ausgehen, durch welche falsche Lust die Eigenschaft der Seelen den
Giftquall in sich einführet. 8,75. Und wie der Stamm mit seinen Ästen am Baume höckricht und krumm wird
durch den innerlichen Streit der Natur und durch die äußerlichen Einfälle der
Konstellationen, also führet sie auch die Seele durch die innerliche
Widerwärtigkeit der Ungleichheit der Naturen von Vater und Mutter und dann
durch die äußern Einfälle von der Welt Bosheit in eine unförmliche Figur vor
Gott. 8,76. Da dann das Hochzeitskleid der Taufe in eine tierische Larve gewandelt
wird, da auch die Wahl vorübergehet, solange die Seele dieses höckrichte
Larvenbildnis an sich hat. 8,77. Diese Larve verhindert das Ens Christi, daß es nicht mag Frucht zum
Lobe Gottes wirken, denn der Teufel säet stets seine Begierde in diese Larve,
daß falsche junge Zweige daraus wachsen mit falschem abtrünnigen Willen,
welche sich in Hoffart in des Teufels Willen einführen und von der Demut
ausbrechen, wie die jungen Zweige aus dem Baume aus der Temperatur ausbrechen
und wollen eigene Bäume sein. Und wenn sie dann ausgebrochen sind, so stehen
sie in der Konstellation der Welt wie die Sprossen am Baume. So prüft sie
denn die Konstellation des Gestirnes mit spitzfindigen Menschen und führet
sie aus einem Vorwitz in den andern. Da fället Hoffart ein, gar bald der
Geiz, bald Neid, Zorn, Lügen, Trügen und alles das, was in der Welt regieret.
Da will der junge stolze Zweig in Künsten aufsteigen und verbrennet sich in
allen Dingen. Ists nun, daß die göttliche Sonne darein scheinet und will dem
abtrünnigen Zweige zu Hilfe kommen, und solches das feurische Leben
empfindet. So schwinget sich dasselbe in die Höhe wie Luzifer und misset ihm
selber Klugheit und Verstand zu und verachtet das Albere (Geringe). Daher
kommen dann die Vernunftweisen Leute, welche voll Hoffart und eigenehriger
Lust stecken, und verbrennen sich nur durch das Licht, das in ihnen aus
Gnaden scheinet, und brauchen es zur Fleischeslust. Also muß Christus ihrer
Schalkheit Deckel1 sein. 1) Verbrämung ihrer
Falschheit 8,78. Diese alle sind falsche Zweige, über welche die Wahl der Erntezeit
vorübergehet, denn sie sind in Christi Geiste berufen. Er hat sich ihnen
eingegeben, mit ihnen gewirket und ihre Vernunft erleuchtet. Aber sie sind
nicht aus Christi Geiste geboren worden, sondern in der Welt Wollust. Sie
haben Christum nur mit Füßen getreten und ihm nie gedienet. Christus ist ihnen
hungerig, durstig, krank, gefangen, nackend und elend gewesen, und sie haben
ihm nie gedienet (Math. 25). Sein Name hat wohl in ihrem Munde geschwebet,
aber ihre Seele hat sich stets in eigene Lust der Welt und des Teufels
eingewendet, und haben Christum lassen stehen und das Licht zu ihrer Bosheit
gehalten. 8,79. Diese haben sich aus dem Stamme der Temperatur ausgewandt, und sind
nicht in der wahren Sonnen Christi aufgewachsen und aus Gott geboren worden,
sondern in ihrer Natur eigenem Willen. Darum sind ihre Früchte auch nur
Menschentand. Und ob sie gleich in der Welt hohe Leute werden, viel Künste
und Sprachen lernen, so ists doch alles aus der Eitelkeit der Natur geboren,
und sind alle ihre Werke vor Gott wie ein beflecktes und besudeltes Tuch. 8,80. Welche Seele aber in einem guten Acker ihren Ursprung nimmt, da die
Eltern ihren Willen in Gott setzen und in rechtem Liebesbande stehen als in
ihrer wahren Konstellation und ihre Hoffnung in Gott setzen, da Christus in
ihnen wirket, lebet und ist, aus denen entspringen Ströme lebendigen Wassers,
wie Christus saget. Und obgleich nun die adamische Verderbung in ihrem
Fleische ist und auch öfters eine böse Konstellation ins Fleisch fället als
in den Sündenquall, so bleibet doch Christus im inwendigen Grunde der Seele
in ihnen. 8,81. So wird nun die Seele von der Seelen geboren und der Leib von dem Samen
des Leibes. Ob nun gleich der äußere Same irdisch und böse ist, und in einer
solchen Konstellation vergiftet wird, so besitzt doch Christus den seelischen
Grund im inwendigen Centro, und ist und bleibet doch im Ente der Seelen der
Ens Christi, und wird die Seele im Ens Christi empfangen und geboren. 8,82. Und allhie saget nun Christus: Wer aus Gott geboren ist, der höret
Gottes Wort, Joh. 8,47. Und zu den stolzen Pharisäern sagte er: Darum höret
ihr nicht, denn ihr seid nicht aus Gott; das ist: ob sie gleich sein Wort und
Gesetze im Munde führten, so war doch ihre Seele nicht im göttlichen Ente
geboren. Ob sie gleich das Licht der Natur hatten, so schien es doch aus
einem fremden Feuer, da Christus wohl hindurchschien, aber sie waren seiner
nicht fähig, denn ihr Grund war falsch. 8,83. Also wird ein guter Same gesäet, auch wohl bisweilen in einen bösen
Acker. Noch ist der Grund des Samens gut. Wo aber ein falsch Korn in einen
bösen Acker gesäet wird, so wächset hieraus die Gleichheit ihres Wesens. Und
wie nun ein gutes Korn öfters in einem bösen Acker stehen muß und doch Frucht
träget, so es die äußern Einfälle nicht verderben, also wird öfters ein
Glaubenssame von der einen Tinktur entweder Mannes oder Weibes gesäet. Und
das andere säet darein sein Gift, dadurch der äußere Mensch wilde und zum
Argen geneiget wird. Aber der inwendige Grund ist noch gut. Er tut gar balde
etwas Böses, daß ihn auch alsobald gereuet und er in die Abstinenz eingehet. 8,84. Item: Mancher wird so an dem einen Teile mit dem Sündenquall vergiftet,
daß er eine böse Neiglichkeit in sich hat zum Stehlen, Rauben und Morden;
item zur Unzucht, falscher Verleumdung etc. Aber das andere Teil in Christi Ente
zeucht ihn immerdar davon ab. Und ob er in Schwachheit übertritt durch des
Teufels Eingriffe, so kommt ihm doch noch das göttliche Ens zur Hilfe, so er
nicht bleibt in Sünde und Tod liegen, wie dem Schächer am Kreuze, Maria
Magdalena und andern großen Sündern mehr widerfahren. 8,85. Denn es ist auch wohl kein Mensch, der nicht im Fleische einen
Sündenquall hätte aus Begierde seines tierischen Fleisches. Und wie nun ein
Baum muß aufwachsen im Streit und Widerwillen, da allenthalben Unwillen auf
ihn fället, bald Hitze, bald Kälte, bald drücket ihn der Wind, daß er brechen
möchte, bald fället ein Gift vom Gestirne auf ihn. Noch wächset er in der
Sonnen Kraft und in seinem inwendigen Licht-Ente (Lichtwesenheit) der Natur
auf und träget gute Früchte, welche nicht der Erden Schmack haben, sondern
die edle Tinktur hat sich also in ein gut wohlschmeckend Corpus eingeführet;
also ist es auch mit dem Menschen zu verstehen. 8,86. Das göttliche Ens, welches geistlich ist, mag nicht offenbar werden als
durch den Streit der Natur. Es säet sich mit in das seelische Ens der ewigen
Natur und gibt sich in den Streit der Schiedlichkeit des Feuers, da es dann
sein Licht empfänget und aus dem Feuer in Kraft und Eigenschaften der
Liebe-Begierde sich ausführet. Im Feuer der Seelen empfänget es Eigenschaften
und Willen. Denn in Gott ist es einig und nur ein einiger Wille. Der ist das
ewige Gut, aber also ist er ihm nicht selber offenbar. In der feurischen
Schiedlichkeit aber der Seelen wird er ihm offenbar, daß die Kraft in vielen
Kräften der wirkenden Tugenden in eine Form und Bildung herfürgehen;
gleichwie der Baum im Streite mit seinen Ästen und Früchten offenbar wird,
daß man siehet, was im Mysterio des Korns zum Baume gelegen ist. 8,87. Und darum eineignet sich die göttliche Kraft der Seelen des Menschen,
daß sie darinnen mit aufwachse und ihre Tugend in der feurischen
Schiedlichkeit möge offenbaren, da Böses und Gutes untereinander wirket. Also
dränget der Geist Gottes in Christo in dem Guten aus und wirket zur Frucht
als zur göttlichen Förmlichkeit. Dieses möchte oder mag nun nicht geschehen,
das seelische Feuer esse denn des göttlichen Entis in sich, als welchem
Feuer-Essen eine rechte Kraft in dem Lichte der Natur ausgehet. 8,88. Das Feuer der Seelen muß ein recht Holz haben, soll es ein schön
kräftig Licht geben, denn aus dem Seelenfeuer wird Gottes Geist in seiner
Kraft schiedlich und offenbar in der Natur der Seelen; gleichwie das Licht
aus dem Feuer und die Luft aus dem Feuer und Licht offenbar wird und aus der
Luft ein subtiles Wässerlein ausgehet, welches nach seinem Ausgehen
wesentlich wird, davon das Licht die Kraft wieder in sich zeucht zu seiner
Speise. Darum sagte Christus Joh. 6,53: Wer nicht isset das Fleisch des
Menschensohns und trinkt sein Blut, der hat kein Leben in ihm. 8,89. Gleichwie der Baum nicht wachsen noch Frucht tragen könnte ohne das
Licht der Natur, welches die Sonne, die darein dringet, lebendig macht, und
wie das Licht der Natur sowohl der Sonnen Kraft nicht möchte im Baume
offenbar und wirkend werden ohne die feurische Scienz, nämlich den feurischen
Grund der Natur, welcher des Baums Seele ist. 8,90. Also auch im gleichen mag Christus im Menschen nicht offenbar werden,
ob er gleich in ihm ist und ihn zeucht und rufet, sich auch der Seelen
eindringet; die Seele esse denn des göttlichen Entis in ihre feurische
Eigenschaft, welche dem Hoffart-Feuer schwer eingehet, daß es soll vom
Wasserquall des Liebe-Lebens und der Sanftmut essen; es äße lieber vom
Sulphure und Mercurio als von seiner Gleichheit. So es aber isset, so wird
der Geist der Liebe und Demut als das göttliche Ens feurig, und greifet die
Feuerwurzel aus den drei Ersten an als Sal, Sulphur, Mercurium, und
transmutieret (wandelt) sie in sich, gleichwie eine Tinktur auf ein glühend
Eisen fället und wandelt das Eisen in Gold. Also auch allhie wird das
seelische Centrum aus des Vaters Feuernatur in ein Liebe—Feuer gewandelt, in
welchem Liebe-Feuer Christus offenbar und in der Seelen geboren wird; da
alsdann aus dem Seelenfeuer der rechte göttliche Luft-Geist aus dem Feuer und
Licht ausgehet und sein geistlich Wasser aus sich ausführet aus dem Lichte,
welches wesentlich wird, davon die Kraft des Lichts isset und sich in der
Liebe-Begierde in ein heilig Wesen darein einführet als in eine geistliche Leiblichkeit,
darinnen die Hl. Dreifaltigkeit wohnet, welches Wesen der wahre Tempel des
Hl. Geistes ist, ja Gott in seiner Offenbarung selber. 8,91. Und das ists, das Christus sagte, er wollte uns Wasser des ewigen
Lebens geben, das werde uns in einen Quellbrunnen des ewigen Lebens quellen,
Joh. 4,14. Und das geschieht nun, wenn die Seele sein Wort annimmt, das er
selber ist. So gießt er seine wesentliche Kraft, die er in unserer Menscheit
hat offenbar gemacht, in sie ein. Das ist ihre Tinktur, die ihre Feindlichkeit
der feurischen Eigenschaft in ein Liebe-Feuer wandelt. Denn allda stehet
Christus in der abgestorbenen seelischen Eigenschaft vom Tode auf, und wird
die Seele ein Glied an Christi Leibe und zeucht Christus an sich, ja sie wird
nach der Liebe Eigenschaft ganz in Christus gepflanzt. Darum saget Christus:
Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in
ihm, Joh. 6,56. Also geschieht das. Item, er saget: Wir wollen zu euch kommen
und Wohnung in euch machen, Joh. 14,23; das ist: der ganze Gott wird in
dieser neuen Geburt in Christo in der Seelen offenbar und wirket gute
göttliche Früchte. 8,92. Gleichwie der Sonnen Kraft im Baume offenbar wird und im Ente des
Schwefel-Geistes, im Mercurio, als in der harzigen Eigenschaft das Licht
anzündet, darinnen der Baum wächst und Frucht träget. Also auch wird Gott in
seinem geformten ausgesprochenen Worte als im Menschen, in welchem er seine
höchste Liebe-Tinktur in dem Namen Jesu eingeführet hat — offenbar und
tingieret die feurige Seele als den geistlichen Sulphur und Mercurium,
darinnen das Licht der ewigen Natur offenbar und scheinend wird, darinnen
Christus in seinem geformten Worte geboren wird und in einen herrlichen
göttlichen Baum, der also in das Bild Gottes wächst und viel guter göttlicher
Früchte träget. 8,93. Alsdann redet dieser Mensch aus Gott Gottes Wort. Das sind alsdann
göttliche Früchte, da Gottes geformtes Wort als die kreatürliche Seele den
Quellbrunnen göttlichen Sprechens aus sich spricht und Gottes Wort aus sich
ausspricht, und in seinem Aussprechen gebieret, gleichwie der einige Gott
sein Wort aus sich ausspricht und immerdar gebiert und das Sprechen doch in
ihm bleibet und das Sprechen und das Ausgesprochene ist. 8,94. Und obgleich diesem Menschen die verderbte Art im Fleisch der irdischen
tierischen Eigenschaft anhanget und ihn zuwider der Seelen anficht, das
schadet ihm nicht. Denn die Seele hat nun in Christo die grimme, verderbte,
feurische Eigenschaft überwunden; und Christus in der Seelen zertritt der
Schlangen Gift im irdischen Fleische stets den Kopf, und wirket durch das
Fleisch, und zeucht sich im Fleisch in einen neuen Leib auf Art, wie in einem
groben Steine ein köstlich Gold innen lieget und wächset, da die Grobheit muß
helfen wirken, ob sie gleich dem Golde nicht gleich ist. Also auch muß der
irdische Leib in sich Christus helfen gebären, ob er gleich nicht Christus
ist noch in Ewigkeit nicht wird, auch zum Reiche Gottes kein nütze ist.
Dennoch muß er ein Werkzeug zu helfen sein, ob er gleich gar andern falschen
Willen und Begierde hat und ein Raubschloß des Teufels ist; noch braucht ihn
Gott zu seinem Werkzeuge. Und davon sagte Christus, es wäre sein Joch,
nämlich unser irdischer Leib, den er uns hilft tragen. Der ist sein Joch in
uns. Das soll die hl. Seele in Geduld auf sich nehmen und lassen alles
Unglück von außen, auch mit des Fleisches Anfechtung vom Teufel und der Welt
Bosheit über sich gehen und unter die Kreuz- Geburt Christi unter sein Joch
sich bücken und in Geduld fassen, und also in Trübsal mit dem edlen
Perlen-Bäumlein Christi unter allen bösen Wesen aufwachsen und nach dem
wahren Gewächse eitel gute, heilige, himmlische Früchte wirken und gebären,
welche nicht von dieser Welt als von den vier Elementen nach dem Spiritu
Mundi von außen sind, sondern wie Paulus saget: Unser Wandel ist im Himmel,
Phil. 3,20. Item: ich habe euch von der Welt berufen, daß ihr seid, wo ich
bin, und darum hasset euch die Welt, daß sie weder mich noch euch noch meinen
Vater erkennet. Aber seid getrost, in mir habt ihr Friede, in der Welt habt
ihr Angst, Joh. 16,33. Das ist: in mir, im inwendigen Grunde der neuen Geburt
habt ihr Friede mit Gott. Aber im äußern Fleisch, in der Welt habt ihr Angst.
Aber ich will wieder zu euch kommen und euch zu mir nehmen, da ich bin, saget
Christus. Das ist: er will wiederkommen zu dem Menschen, der aus dem Limo der
Erden geschaffen ward, und will ihn wieder an sich als an den neuen
geistlichen Menschen annehmen und ewig anbehalten. Aber er soll von ehe in
die Putrefaktion (nach Alchymie – Verwesung) der Erden und der Schlangen Ens
samt dem eingemodelten Tiere und alle gewirkte Falschheit ablegen. Alsdann
will er wieder zu ihm kommen und den adamischen Leib vom Tode aufwecken und
an sich nehmen und ihm alle seine Tränen abwischen und in Freude wandeln,
Joh. 14,3. 8,95. Dieses ist, mein lieber Leser, der wahre Grund der neuen Wiedergeburt
und gar in keinem andern Wege, wie die Vernunft meinet, nämlich daß wir von
außen angenommene Gnadenkinder sein; item, daß wir durch einen göttlichen Vorsatz
von Sünden losgesprochen werden. Nein, es muß neugeboren sein aus diesem
obengenannten Wasser und dem Hl. Geiste. 8,96. Die Seele muß aus ihrem eigenen Willen im Zuge Christi umwenden und
ihren begehrenden Willen gegen der Begierde Christ — welche mächtig gegen
ihn, in ihm mit der Begierde in ihn eindringet — führen und den feurischen
Rachen als den geistlichen Schwefel-Wurm im Mercurio des Geist-Lebens
aufsperren, so dringet Christi Geist in die Essenz der Seelen ein. Und das
heißet glauben und nehmen, nicht nur wissen, trösten, kitzeln und Christi
Mantel von außen um sich nehmen und immerdar von Gnade sagen und wollen in
der Bosheit des Teufels Gnaden-Kinder sein. Sondern man muß im Geiste Christi
werden als ein Kind an seiner Mutter Brust, das nur der Mutter Brüste
begehret zu saugen und nichts mehr, denn in Christi Ente wächset alleine der
rechte neue Mensch. 8,97. Daß aber die Vernunft saget: Wir werden erst in der Auferstehung
neugeboren werden und im Fleische Christum anziehen, das ist Babel und kein
Verstand der Worte Christi. 8,98. Der Leib aus der Erden soll erst in der Auferstehung Christum
essentialiter (wesenhaft) anziehen. Die Seele muß in dieser Zeit Christum in
seinem himmlischen Fleische anziehen. Und in Christo muß der Seelen der neue
Leib gegeben werden, nicht von Mannsblut noch vom Fleisch, sondern aus dem
Wort und göttlichen Ente in das Verblichene vom göttlichen Ente, das in Adam
verderblich und an Gottes Wirkung stumm und unfühlend ward. In demselben muß
Christus neugeboren und ein Gott-Mensch und der Mensch ein Mensch-Gott
werden. 8,99. Also, lieben Brüder, verstehet es, daß an einem Teile Christus der
göttliche Vorsatz und Gnadenwille ist. Wer aus dem geboren wird und ihn
anzeucht, der ist in Christo versehen und ein Gnadenkind. Und am andern Teil
ist der Vorsatz Gottes der feurische Wille der Seelen aus dem Centro der
ewigen Natur, da sich Licht und Finsternis als nämlich der grobe
phantastische Sulphur, der subtile, reine aber gehet ins Licht. Worein nun
die Scienz des ungründlichen Willens zur Natur sich scheidet, darinnen wird
er eine Kreatur, entweder im Lichte oder in der Finsternis. 8,100. Der Vorsatz Gottes gehet durchaus aus dem seelischen Grunde. Denn der
innere Grund der Seelen ist die göttliche Natur zum ewigsprechenden Worte,
und ist weder gut noch böse. Aber in der Schiedlichkeit des Feuers als im
angezündeten Leben der Seelen, da scheidet sich derselbe Wille entweder in
Gottes Zorn oder in Gottes Liebe-Feuer. Und das geschieht anders nicht als
durch die Eigenschaft, deren die seelische Essenz in sich selber ist. Sie ist
selber ihr Grund zum Bösen oder Guten, denn sie ist das Zentrum Gottes, da
Gottes Liebe und Zorn in einem Grunde unausgewickelt lieget. 8,101. Also ist das der Vorsatz Gottes, daß er sich durch das ausgesprochene
geformte Wort, dessen die Seele im Sprechen der Schiedlichkeit ein Wesen ist,
will offenbaren. Da verstockt sich die Grobheit in den angeerbten sowohl in
den wirklichen eingefasseten Greueln selber. 8,102. Denn es ist sonst kein anderer Wille Gottes in dieser Welt Wesen als
nur der, der aus dem ewigen Grunde in Feuer und Licht, sowohl in Finsternis
offenbar wird. Die Seele wird in ihr selber zum Gnadenkinde erwählet, wenn
sie aus Christo geboren wird, aus dem göttlichen Ente, welches der einige Vorsatz
göttlicher Gnade ist, daraus Gottes Gnade in der Seelen offenbar wird. Und
sie wird auch in ihr selber zur Verdammnis erwählet aus dem Grunde ihres
eigenen Wesens, das ein falsches Ens ist, darin kein Licht mag geboren
werden. 8,103. Gottes Vorsatz zur Verstockung ist in ihrem, der Seelen, eigenem Wesen
als der ungründliche Wille zur Natur. Der offenbaret sich in jedem Wesen, wie
des Wesens Eigenschaft ist, als wir dann denken, daß er sich mit seiner
Infassung der Grobheit hat in die finstere Welt oder Hölle gefasset und
geschieden. Denn der Wille, der in der Hölle ist, und der Wille, der im
Himmel offenbar ist, die sind im inwendigen Grunde außer der Offenbarung ein
Ding. Denn im Aussprechen des Worts ist erst die Scheidung; ist doch Himmel
und Hölle ineinander wie Tag und Nacht. Und die Hölle ist ein Grund des
Himmels, denn Gottes Zorn-Feuer ist ein Grund seiner Liebe als des Lichtes. 8,104. Darum, liebe Brüder, werdet doch sehend! Zanket nimmer um den Willen
Gottes! Wir sind selber Gottes Wille zu Bösem und Gutem; welcher in uns
offenbar wird, das sind wir, entweder Himmel oder Hölle, unsere eigene Hölle
in uns verstockt uns, nämlich dieselbe Eigenschaft. Und unser eigen Himmel in
uns macht uns auch, so er mag offenbar werden, selig. Es ist alles ein Tand,
darum man bishero so lange Zeit gezanket hat. Christus ist funden worden.
Dafür sei ihm ewig Lob und Dank, auch Macht, Ehre und Reichtum samt aller
Gewalt im Himmel und auf Erden, Matth. 28,18. * * * Vom Gegensatz der
Sprüche in der Schrift, als vom rechten Verstande der Schrift.
9,1. Hat nicht ein Töpfer Macht, aus einem Klumpen Ton zu machen ein Gefäß
zu Ehren und das andere zu Unehren? Röm. 9,21. — Antwort: Der Klumpen Ton
deutet an das Mysterium Magnum, da der ewige Gott durchs Wort sich
ausgesprochen hat, da aus einem Wesen zwei Wesen gehen, als eines in der
feurischen Scheidung in die Finsternis nach der Grobheit der Impression, und
das ander im Lichte nach der göttlichen Eigenschaft Wesen. Diese beiden
kommen aus einem Grund. Desgleichen die falsche Seele und die heilige Seele
kommen beide aus Adams Seele als aus einem Klumpen des Grundes, da man doch
nur Geist im Mysterio verstehen soll. Aber doch scheidet sich eine Seele ins
Licht und der andere in die Finsternis. 9,2. Dieser Töpfer machet aus jeder Scheidung ein Gefäße, wozu die
abgeschiedene Materia nütze ist. Er nimmt nicht heiliges Ens und machet
selber einen Teufel daraus, sondern wie das Ens der Seelen ist, also ist auch
der Wille zum Machen. Gott sitzet nicht über dem Willen und machet ihn wie
der Töpfer den Ton, sondern er gebieret ihn aus seiner Eigenschaft. Warum
wollte nun der Gottlose sagen: Warum machst du mich also, daß ich böse bin? 9,3. Gott wirket ein Leben aus allen Dingen; aus bösem Ente ein böses Leben
und aus gutem Ente ein gutes, wie geschrieben stehet: Bei den Heiligen bist
du heilig und bei den Verkehrten bist du verkehrt, Psalm 18,27. Darum kann
Gott niemand beschuldigen, daß er ihm ein böses Leben gewirket habe. Wäre der
Ton besser gewesen, so hätte er ihm ein Gefäße zu Ehren daraus gemacht. So er
aber ihm zu Unehren diente, so macht er ihm ein Gefäß seines Zornes daraus. 9,4. Denn Gottes Wort ist aller Dinge Leben, Wesen und Anfang. Weil aber
auch der Zorn-Eifer darinnen ist, so führet er sich auch in ein Leben, denn
wer will ihm das wehren? Dem Menschen aber ist Christus zum Gehilfen aus dem
ewigen Wort kommen, und spricht: So wahr ich lebe, ich will nicht den Tod des
Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, Ez. 33,11. Ob aber der Seelen
Ens so böse und untüchtig wäre und des göttlichen Entis unfähig, was vermag
hier Christus? — Gottes Zorn macht keinen Willen mehr außer der Kreatur, denn
Christus sprach Matth. 28,18: Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden
gegeben. — So hat Christus nun alleine alle Gewalt in allen Dingen. Also
spricht er auch Joh. 3,16: Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. — So er
nun alle Gewalt hat, so ist kein anderer Macher zu Unehren vorhanden als der
im Ente der Seelen aus ihrem Centro entstehet. Denn es ist eben der zornige
Gott selber, der macht ihm ein Bild aus seinem Wesen, das seinesgleichen ist.
Darum saget Paulus: Hat der Töpfer nicht Macht zu machen, was er will? —
Dieser Töpfer ist Gott in dem Sprechen seiner Schiedlichkeit, dadurch er
seine Herrlichkeit offenbaret, wie vorne hinreichend nachgewiesen. 9,5. Denn weil Christus allein alle Gewalt hat, so mag kein ander Wille zu
machen außer ihm sein. Darum darf der Gottlose nicht sagen, Gott macht mich
böse. Sondern der Gott in ihm, in dessen Grund er stehet, der macht ihn, wozu
er sein kann nach der Möglichkeit. Der Grund seines Wesens, dessen er selber
ist, ist der Anfang. Sobald das Leben daraus geboren wird, so ist der Macher
im Leben als der zornige Gott; der wird ihm allda offenbar, der macht ihn. 9,6. Gleichwie Christus seine Kinder in ihnen seinen Willen einführet,
welche in ihm geboren werden, also auch Gottes Zorn in ihm mit seinen Kindern
tut, die aus ihm geboren werden. Denn in der Seelen ist Gott offenbar,
entweder in Liebe oder Zorn; die Natur ist die Seele, und das wirkende Leben
ist Gott selber, verstehet: nach dem Wort der Schiedlichkeit. 9,7. Denn der pure lautere Gott ohne Natur ist kein Macher der Willen, denn
er ist nur eines. Aber in seinem Worte, da es sich in Schiedlichkeit
einführet, da urständen die Willen zum Bösen und Guten. Aus jeder
Schiedlichkeit der Geschiedenen urständet ein Wille nach der selben
Eigenschaft, in was Qual der ungründliche Wille in der Schiedlichkeit sich
hat eingeführet, ein solcher Wille entstehet. 9,8. Adam aber hat sich in sich selber aus der Temperatur in die
Schiedlichkeit geführet. Nun stehen seine Zweige in der Schiedlichkeit, von
denen kommt ein neumachender Wille. Ein jedes Ens bekommt einen Willen nach
seinem Wesen. Der Vorsatz aber führet das Regiment, nämlich das feurische
Wort der Natur und das Liebe-Wort der Gnaden, diese beiden sind die Macher zu
Ehren und Unehren des Gefäßes, und die beiden sind im Menschen. Die höchste Porte von Kain und Abel, item von Ismael und
Isaak, von Esau und Jacob 9,9. Das Reich der Natur ist der Grund des sprechenden Worts, denn soll eine
Kreatur sein, so muß von ehe Natur sein. So ist nun das Wort Gottes der Grund
aller Wesen, der Eigenschaf ten Anfang. Das Wort ist das Sprechen Gottes und
bleibt in Gott. Aber das Aussprechen als der Ausgang vom Wort, da sich der
ungründliche Wille in Schiedlichkeit durch das Aussprechen einführet, das ist
Natur und Eigenschaft, auch ein eigener Wille. Denn der ungründliche Wille
scheidet sich vom Sprechen und fasset sich in ein Selbst-Eigensprechen in die
Schiedlichkeit als in einen anfänglichen Willen. Aus dem einigen, ewigen,
ganzen Willen sind die Eigenschaften entstanden und aus den Eigenschaften die
Kreation als alle Kreaturen. 9,10. Dieses ist nun der erste Vorsatz Gottes, da sich das Wort der Kraft aus
sich hat für sich gesetzt als das ungründliche, unfaßliche Wort des Lebens in
eine Faßlichkeit, darinnen es lebe. Diese Faßlichkeit ist Natur, und das
unfaßliche Leben in der Natur ist Gottes ewigsprechendes Wort, das in Gott
bleibet und Gott selber ist. 9,11. Der ander Vorsatz des Wortes ist dieser, daß die Faßlichkeit als der
eigene gefassete Wille, soll den unfaßlichen einigen Willen Gottes in sich
wohnen lassen. Denn also hat das einige Leben sich in die Faßlichkeit
eingesetzet und will in der Faßlichkeit offenbar werden. Die Faßlichkeit soll
das unfaßliche Leben in sich fassen und faßlich machen, wie man dessen ein
Exempel im Feuer und Lichte hat. Denn das Feuer ist die Natur als das
faßliche Leben, das fasset in sich das unnatürliche Leben, nämlich das Licht.
Denn im Lichte werden die Kräfte des unnatürlichen Lebens durchs Feuer
offenbar. So wohnet alsdann das Licht im Feuer und wird das unnatürliche
Leben im Lichte, in Kraft eingeführet als in Tinktur, Luft und Wasser. 9,12. Also auch verstehet, daß Gottes heiliges Leben ohne Natur nicht
offenbar würde als nur in einer ewigen Stille, da nichts inne sein möchte,
ohne das Aussprechen und die Faßlichkeit. Gottes Heiligkeit und Liebe würde
nicht offenbar. Soll sie aber offenbar sein oder werden, so muß etwas sein,
dem die Liebe und Gnade not tut und das der Liebe und Gnade nicht gleich ist.
Das ist nun der Wille der Natur, welcher in Widerwärtigkeit in seinem Leben stehet.
Diesem ist die Liebe und Gnade nötig, damit seine Peinlichkeit möge in Freude
gewandelt werden. 9,13. Und in derselben Wandlung wird das heilige unfaßliche Leben im Worte
offenbar als ein mitwirkend Leben in der Natur. Denn die Peinlichkeit
ursachet, daß sich der Wille des Ungrundes — welcher im Aussprechen in
Eigenheit sich geschieden hat — dem heiligen ungründlichen Leben wieder
eineignet, daß er gesänftiget wird. Und in der Sänftigung wird er im Leben
Gottes offenbar. Denn er fasset sich in dasselbe in seine Begierde, und wird
also auch das heilige Leben des Ungrundes in ihm offenbar. 9,14. Und in dieser Offenbarung des heiligen Lebens in der Natur heißet das
heilige Leben Kraft, und die Infaßlichkeit der Natur, die das begreifet,
heißet Tinktur. Denn es ist die Kraft vom Glanz des Feuers und Lichts, und so
dieses nicht wäre, so wäre kein Feuer scheinlich, denn der eigene Wille der
Natur ist nicht scheinlich, denn die Faßlichkeit ist eine Einschließung und
ist der Grund der Finsternis. 9,15. Also führen wir unsern tiefen Grund auf Adam und ferner auf Kain und
Abel. In Adam stund das Reich der Gnaden als das göttliche Leben offenbar,
denn er stund in der Temperatur der Eigenschaften. Er wußte es aber nicht,
daß Gott in ihm offenbar wäre, denn er hatte kein Böses erkannt. So wußte der
eigene Wille nicht, was gut wäre, denn wie wollte eine Freude sein, so kein
Wissen von Pein oder Traurigkeit wäre? 9,16. Das ist Freude, wenn die Natur als der eigene Wille von seiner Pein
erlöset wird, so freuet er sich des Guten, wenn es ihm widerfähret. So er
aber dasselbe Gute in eigener Macht hätte zu nehmen, so wäre es keine Freude,
denn der eigene Wille lebte wie er wollte, und er hätte keine Hoffnung, wenn
er alles selber vermöchte. So er es aber selber nicht vermag, so freuet er
sich dessen, was ihm aus Gnaden widerfähret oder dessen, das er hoffet, was
ihm widerfahren soll. Alle Freude stehet in der Gnaden Hoffnung, welche ihm
immerdar ohne die Macht seines Könnens und Nehmens widerfähret. 9,17. Und darum so stehet die Natur in Pein und Streit, daß das Gnadenreich
der Liebe in ihr offenbar werde und sie zu einer Freudenreich werde aus dem,
daß ihr immerdar widerfähret, indem Gottes Leben in ihr offenbar wird und sie
dadurch eine heilige Tinktur erlanget, welche die Pein tingieret und in
Freude als in ein Bilde des heiligen Lebens wandelt. 9,18. Als Adam in der Gleichheit stund, so wußte er das nicht. Er wußte
nicht, was das Böse in der Natur wäre; so wußte er auch nichts vom Reiche der
Gnaden, denn sie stunden beide in der Temperatur. Als aber der freie Wille in
die Schiedlichkeit des Worts der Kräfte sich einführete, so ward die
Peinlichkeit des Reichs der Natur in ihm offenbar. Allhie tat nun not, daß
sich die Kraft der Gnaden in ihm auch bewegte, welche das Reich der Natur
nicht tun konnte. Denn es ist keine Möglichkeit in ihrem eigenen Willen, denn
er ist faßlich, so in das Reich der Gnaden unfaßlich. Darum konnte ihr die
Seele als der faßliche Wille von dem unfaßlichen Leben nichts nehmen. Aber
also wäre auch Gott in diesem Bilde verborgen blieben und selber nicht
offenbar worden. 9,19. Darum sprach sich das unfaßliche heilige Leben in seiner Liebe in das
seelische faßliche, auf daß es etwas hätte, das es zu lieben Ursache hätte;
und formte sich mit in die Eigenschaften der seelischen Natur zu einem
Gehilfen. 9,20. Und das war der Schlangentreter1 welcher der Schlange
eingeführtes Gift und dem Willen der Peinlichkeit mit der Liebe-Begierde
wollte den Kopf zertreten. Dieselbe Infaßlichkeit kam dem Reiche der Natur
zuhilfe und stellete sich mit in die Figur. Und die jetzt hungerige Natur
nach der Gnaden ließ sich mit einfassen in ein Bilde der natürlichen Seelen
und des Leibes. 1) 1. Mose 3,15 als Hinweis
auf Christus 9,21. Und dieses Bild war Abel eine Figur im Bilde Christi, bis solange in
Erfüllung der Zeit dieselbe Infaßlichkeit der Liebe sich noch eines bewegte
und in ein Ens des Wesens in menschlicher Eigenschaft infassete, also daß die
Gottheit selber ein Wesen im menschlichen Wesen wäre; welches Wesen wohl zuvor
in Adam lag, aber er wußte es nicht. Und da er sich mit dem eigenen Willen
der Natur von diesem Wesen ausführte, so ward die Seele an Gott blind und
lebte nur in sich selber. 9,22. So wir nun jetzt sehen wollen und uns nicht selber blind machen, so
sehen wir den Kain und Abel. Kain muß der erste sein, denn er ist Adams Bilde
nach dem Fall, denn Adam war in das Reich Gottes geschaffen worden. 9,23. Kain ist das Reich der Natur als ein wahres Bilde, was Adam in sich
selber war außer der Gnaden. Und Abel ist das Bilde, was Adam in der
wiedereingesprochenen Gnade war. Das deutete Christum an, der sich wollte in
eine menschliche Natur eingeben und die Gnade der verderbten Natur in Kains
Bilde einsprechen. 9,24. Darum sagte Christus, ihm wäre alle Gewalt von seinem Vater übergeben
worden, auf daß er Macht hätte, die Gnade in den Willen der Natur
einzusprechen. 9,25. So stellete nun Gott die Figur mit Kain und Abel, auch mit Ismael und
Isaak, sowohl in Esau und Jakob dar, wie Gott wollte Christum in das Fleisch
senden, welchen er allhie in Adam und Eva in der Stimme seines Worts in Kraft
hatte eingesprochen als einen Quell zum Leben. 9,26. Dieselbe Kraft wollte er mit menschlichem Wesen erfüllen, welches in
Christo geschah, welchem Menschen Christo in derselben Kraft und Stimme war
Macht gegeben worden, die Sünde durch seine eigene Stimme zu tilgen und die
Natur wieder in ihm lebendig zu machen eines göttlichen Lebens. 9,27. Sollte aber solches geschehen, so mußte die Gnade in der Kraft der
Liebe in die Widerwärtigkeit der peinlichen Natur eingehen und in ihrem
eigenen Willen sich einergeben, daß sie die Natur fassete. Und in dem
Infassen der hohen Liebe ward die Natur in den göttlichen Liebe-Willen
transmutieret und erstarb des eigenen gefasseten Willens, nicht als ein
Sterben des Todes, sondern als eine Verlierung des eigenen Willens, welches
in Christo in unserer Menschheit geschah. 9,28. Wenn nun der eigene Wille sein Recht verlieret, so wird das
eingesprochene Wort wesentlich, welches eher nicht sein mag, der eigene Wille
der Scienz des Ungrundes übergebe denn sein Recht. Sonst zeucht er das
göttliche Ens in die Eigenheit und wandelt das in seine Bosheit, wie Luzifer
und sein Anhang tat, welche Engel waren und das göttliche Ens in sich hatten,
darinnen ihr Licht ein Schein war. Aber der eigene Wille aus der Scienz des
Ungrundes verderbte das. 9,29. Wer will uns nun jetzt mit Grunde sagen, daß in Kain nicht sei die
göttliche Stimme der Gnaden, welche in des Weibes Samen sich einsprach,
gelegen? Welche Schrift saget das? — Antwort: Wohl keine. Denn als Gott sein
Opfer ungnädig ansah, so ergrimmte er in sich über Abel als über Christi
Figur, welche von ihm aus Adams Ente sich geschieden hatte. So sprach ja die
eingeleibte Gnadenstimme in ihm: Herrsche über die Sünde und laß ihr nicht
die Gewalt. Denn das mag Gottes Vorsatz im Zorne in ihm nicht sagen, sondern
wohl die eingeleibte Gnadenstimme. 9,30. Wie kam es aber, daß Kain über die Sünde nicht herrschte, konnte er
denn nicht? Antwort: Nein, er konnte nicht. — Warum konnte er nicht; hatte
ihn Gott verstockt, daß er nicht konnte? — Antwort: Gott hatte ihn nicht
verstockt, sondern der adamische eigene Wille aus der Scienz des Ungrundes
hatte sich in Adam mit der Imagination in die tierische Eitelkeit als in der
Selbstbildung in Böses und Gutes eingeführet, darein der Teufel der Schlangen
giftiges Ens eingeschmeißt hatte, welches Eva hatte eingenommen. 9,3. Dieses war die Verstockung im eigenen Willen. Denn der Vorsatz Gottes
nach der grimmen Natur hatte sich darinnen in Kain gefasset und taub gemacht,
daß er die eingeleibte Gnadenstimme nicht hören konnte. Denn ob er sie gleich
von außen hörete, so hörete er sie aber nicht im Ente der Seelen, sonst hätte
sich die Gnade beweget, daß die Seele über der Schlangen Gift geherrschet
hätte. Er meinte, er wollte und sollte von außen über die Sünde herrschen,
darum erhob er sich über Abel. 9,32. Gleichwie die jetzige Vernunft meinet, von außen in einer angenommenen
Weise die Kindschaft zu erreichen als mit auswendigen Werken durch eine
Gnadendecke unter Christi Leiden und Tod als eine auswendige Genugtuum für
die Sünde, derer man sich nur von auswendig dürfte trösten und annehmen, ob
gleich der eigene Wille in der Schlangen Gift zur Herberge bliebe. Aber
dieses gilt soviel als beim Kain, es werde denn der innwendige Grund
angeregt, daß die Gnade in der Seele beweglich werde als die eingeleibte
Stimme Gottes in des Weibes Samen, welche ist Christus in uns, daß die Seele
Gottes Stimme in ihrer Essenz beweglich höret. 9,33. So spricht die Vernunft: So die Gnadenstimme in Kain unter der
Sündendecke gelegen ist, bewegte sie dann nicht Gottes Einsprechen, da er
sprach: Herrsche über die Sünde und laß ihr nicht die Gewalt. Denn so er den
inwendigen Grund der Seelen in der eingeleibten Gnadenstimme beweget hätte,
so hätte er ihn inwendig in der Seelen gehöret, welche ein Herr des Leibes
ist, so hätte sich der auswendige Grund nicht erheben mögen? 9,34. Antwort: Die Stimme, welche zu Kain geschah: Herrsche über die Sünde
und laß ihr nicht die Gewalt, — die war Gottes Gerechtigkeit in seinem
Vorsatze, nämlich in dem sprechenden Worte, da die göttliche Stimme will, daß
der eigene Wille der Scienz des ungründlichen ewigen Willens sich in eine
göttliche Gebärung zum Guten einführen soll. Dasselbe Wort fordert Gottes
Gerechtigkeit, daß er nicht das Böse will; und ist der wahre Grund des
Gesetzes im Alten Testament. Aber er erreicht nicht die Gnade, denn er
fordert das eigene Vermögen. Er ergibt sich auch nicht der Gnade, denn Gott
bedarf keiner Gnade. Die Gnade muß sich in ihn einergeben als in Gottes
Gerechtigkeit. Wie sich dann die Gnade, welche in Christo offenbaret ward als
in der eingeleibten Gnadenstimme in Gottes Gerechtigkeit einergeben mußte,
als nämlich dem ewigen einigen Vorsatz zur Offenbarung der Herrlichkeit
Gottes in seinem sprechenden Worte als in die Schiedlichkeit des Vaters; und
mußte den Willen des Menschen, welcher von dem Vorsatz der Gerechtigkeit war
abgewichen, in das Zornfeuer Gottes in sich und in seine Gerechtigkeit als in
den Urstand der Seelen einführen und der Seelen Willen, welcher war aus der
Gerechtigkeit abgewichen, in seinem Blute aus göttlichem heiligen Ente der
Liebe ersäufen, auf daß die Seele in der Gnaden in derselben Liebe Blut in
dem Vorsatz der Gerechtigkeit offenbar würde. 9,35. Und darum mußte Christus in der Gerechtigkeit Gottes in unserer
Menscheit in uns leiden und sterben, auf daß die Gnade in der Gerechtigkeit
offenbar würde. Denn in Kain war sie nicht in der Gerechtigkeit Gottes
offenbar, denn sie hatte noch keine Seele in sich genommen bis die Gnade in
Christo die Seele annahm. 9,36. So lag nun die Gerechtigkeit Gottes in der Seelen, denn sie war Gottes
Bilde. So forderte Gott seine Gerechtigkeit von der Seelen, daß sie sollte
über das Böse herrschen, gleichwie Gott über den abtrünnigen Willen der
Teufel herrschte und sie von der guten Ordnung der Gerechtigkeit ausstieß,
als die abtrünnig worden. Also auch allhie sollte Kain den Sündenquall von
sich ausstoßen. Aber es war ihm nicht möglich, denn die Sünde hatte ihn als
den freien Willen besessen, das menschliche Können war verloren und lag jetzt
nun in dem andern Vorsatz der eingesprochenen Gerechtigkeit in die Gnade, daß
die Seele ihren Willen derselben gebe und demselben Einsprechen stille
stünde. Denn im Sprechen der Gerechtigkeit Gottes war in der Seelen jetzt
eitel Not und Widerwillen. Denn die Gerechtigkeit forderte die Temperatur,
nämlich Gott stille stehen, als sein Werkzeug, dadurch er seine Stimme wollte
offenbaren. Aber das Werkzeug war zerbrochen und aus göttlicher Harmonei
ausgegangen. Darum lag es jetzt nicht mehr an Kains Wollen, Laufen oder
Rennen, sondern an der Gnade als am Erbarmen. 9,37. So spricht nun St. Paulus: Er erbarmet sich, welcher er will, und
verstocket, welche er will. — In diesem lieget nun der ganze Grund der Irrung
in der Vernunft. Sie verstehet das Gnaden-Wollen nicht, wie das geschehe,
denn was die Gnade will, das ist auch ein Wollen mit der Gnade. 9,38. Denn die Gnade hat kein Wollen im Teufel oder in der Höllen, sondern in
dem, was aus Gott geboren ist. Nicht ist das Gnadenwollen in dem Willen des
Fleisches und Blutes noch in dem Willen eines Mannes eigenem Samen (Joh. 1,13) sondern im göttlichen Ente.
Nicht in Kains eingeführten Schlangensamen wollte die Gnade sich einsprechen,
sondern viel mehr demselben den Kopf zertreten. Denn sie war ja auch aus
Adams Seele entsprossen, sondern der Schlangen Samen in der Seele, aber der
Schlangen Gift hatte die Seele in sich also und dem Zorne der Gerechtigkeit
einergab, daß sie derselbe annahm und zum Werkzeuge brauchte, da die
Gerechtigkeit in der Gnade den Menschen Christum als in seinem Vorbilde in
Abel tötete. 9,39. Denn durch menschliche Werke war die Sünde in die Seele kommen. Also
mußte sie auch durch menschliche Werke in der Gnade in Gottes Gerechtigkeit
getötet werden als es in der Menschheit Christi geschah durch Menschen-Töten
von den Pharisäern, welche das Gesetze Gottes der Gerechtigkeit führten und
hatten. 9,40. Darum mußte Abel als Christi Vorbild und auch Christus selber durch
Menschenwerke des eigenen adamischen Willens in Gottes Gerechtigkeit sterben;
und mußten diejenigen, welche Gottes Gerechtigkeit im Grimme seines Vorsatzes
ergriffen hatte, ein Werkzeug dazu sein, daß die Gnade von Gott in der
Gerechtigkeit des Vorsatzes in dem Zorne offenbar würde. Denn es stehet
geschrieben Matth. 18,7: Wehe dem Menschen der Ärgernis halben! Jedoch müssen
Ärgernisse sein, auf daß die Gerechtigkeit und Wahrheit mitten in der
Unwahrheit offenbar werde. 9,41. Denn die Gnade wäre sonst nicht offenbar, so nicht das Falsche ein
Gegensatz der Wahrheit wäre. Gleichwie der freie Wille nicht hätte mögen in
der Gnaden offenbar werden, wenn nicht die Gerechtigkeit denselben ertötet
hätte, welchen die Gnade, nachdem er den selbsterwählten Willen verlor, in
sich lebendig machte, auf daß er nicht mehr ihm selber wolle und lebe,
sondern der Gnade lebe und wolle, welche in Christo offenbar ward. 9,42. Darum sind wir in Christo in dem Gnaden-Leben alle nur einer, denn wir
haben das natürliche Leben der Gerechtigkeit Gottes in seinem ewigen Vorsatze
verloren und bekommen die Kindschaft in der Gnade. 9,43. Darum saget die Schrift: Gott will, daß allen Menschen geholfen werde,
1. Tim. 2,4. Nämlich die Gnade will solches, denn sie kann nichts anders
wollen als Erbarmen, denn sie ist sonst nichts in ihrem eigenen Wesen. 9,44. Aber die natürliche Gerechtigkeit im Vorsatze Gottes fordert die Seele
in den Gehorsam göttlicher Ordnung ohne Gnade, denn sie ward nicht in die
Gnade geschaffen, sondern in die Ordnung. Wo sie nun dieselbe nicht darinnen
findet, da nimmt sie dieselbe in ihre Eigenschaft der Schiedlichkeit des
Worts, derer die Seele ein Wesen ist. Also, ist sie ein falsches Ens, so
nimmt sie dieselbe Gleichheit an; also auch in Kain zu verstehen ist, da sich
der abgewichene adamische Wille habe in eine kreatürliche Eigenheit
eingeführet. Und die Einführung derselben Seelen-Entis in das Schlangengift
ist eine Distel1 welche der Gnade nicht fähig ist. Denn obwohl die
eingesprochene Gnadenstimme darinnen im innern Grunde lieget, so wächset doch
dasselbe Ens in eine Distel und kreuziget Christum in sich und wird an seinem
Tode schuldig. 1) Unkraut, zugleich
Sinnbild des Widergöttlichen 9,45. Gleichwie der Sonnen Ens in der Distel sich muß stechen lassen, aber
die Sonne entzeucht ihr den guten Willen als das heilige Leben, daß sie in
einem guten Kraute sonst offenbarete und lässet die Distel aus ihrem Ente
machen, was sie will, also auch gehet es dem gottlosen Distel-Enti der
Menschen, wie die Schrift saget Prov. 20,20. Er lässet ihr Licht mitten in
der Finsternis verlöschen als das heilige Leben in der eingeleibten
Gnadenstimme. 9,46. Sprichst du: Warum das? Denn so er das heilige Leben in ihnen
offenbarte, so würde die Seele heilig? — Antwort: Nein, ein Exempel haben wir
am Teufel, in welchem das heilige Leben offenbar war. Aber sein Willen-Ens
war eine Distel. Also auch braucht ein Distel-Kind die Gnade nur zur Hoffart
wie Luzifer. Denn Gott kennet die Scienz des Ungrundes, wie sie sich in Grund
geformet oder offenbaret hat, ob sie eine Wurzel aus der Finsternis als aus
dem finstern Feuerleben sei oder eine Wurzel aus dem scheinlichen Feuerleben. 9,47. So sprichst du: So ist Kain eine Wurzel aus dem finstern Feuer, darum
mag er die Gnade nicht erreichen? — Antwort: Nein, denn er war aus Adams
Seele. Aber das finstere Feuer aus dem Zorne oder die Eigenschaft der
finstern Welt hatte sich in die wahre Seele eingedränget, nicht von außen,
sondern aus dem Centro hatte es sich emporgeschwungen, und zwar solches im
Fall Adams. Aus welcher Wurzel Kain herkam. Darum mußte er ein Knecht sein
der Gerechtigkeit Gottes, damit die Gerechtigkeit den freien Willen in Abel
in der Gnade tötete. 9,48. Denn in Adams Samen schieden sich die Eigenschaften, nämlich der wahre
seelische, verstehet: der wahre seelische Wille, welcher im Anfang des Bildes
Gottes im Vorsatze Gottes in der einigen Seelen offenbar war, welcher ein
freier Wille war und aber vergiftet ward, daß er an Gott blind ward. Der
scheidete sich im Tode seiner Selbheit, denn Gott sagte: Du wirst sterben, so
du von Gut und Böse issest. Dieser trat ins Sterben, und in das Sterben
sprach Gott seine Stimme ein, auf daß der erste Wille in der Gnaden wieder
lebendig würde; und aus diesem kam Abel. 9,49. Der andere, in der Sünden neugeborene Wille, welcher nicht im Anfange
war gewesen, sondern im Falle entstanden war, der scheidete sich in das
Natur-Leben. Der war Kain. Darum war dieser Wille ein Distel-Kind, welches
Gott nicht geschaffen hatte, sondern es war aus dem Centro der Seelen
gegangen. 9,50. Nachdem die einige Seele aus der Temperatur ausging, daß sich der
finstere Grund in Kain offenbarete, so kam die Finsternis in ein Wollen der
Seelen, welches im Anfang nicht war. Nach der Seelen Wesen kamen sie beide,
Abel und Kain, aus einer Essenz. Aber nach dem Willen scheideten sie sich.
Nicht daß Abel sei rein und ohne Sünde geboren. Denn die Sünde ging ihm am
Willen des Todes an, da es doch kein Tod recht ist, sondern die Stimme der
Gerechtigkeit in der Gnade tötete ihn, auf daß sie ihn in ihr lebendig mache.
Aber im Fleische war der Wille der Sünden offenbar. Darum tötete ihn die
Gerechtigkeit Gottes durch Kain, denn er war auch nach dem Fleische dem
Gesetze der Sünden untertan. Aber den Willen der Seelen hatte die
Gnadenstimme in ihm getötet und in sich lebendig gemacht. Darum war er auch
ein Vorbild Christi und im Bilde Christi instehend. 9,51. Darum ist das der wahre Grund von Kains Verstockung, daß ihn nicht Gott
aus seinem göttlichen Willen verstocket hat, denn der kann auch nicht, weil
er allein gut ist. Alleine der neue entstandene Wille aus dem Centro der
Seelen verstockte sich in eigener Begierde. Denn als die Begierde im Grimm
der Natur in seine Gleichheit einging, so fand er in dem Vorsatz der Natur
als in der Schiedlichkeit der Finsternis und des Lichts seine Gleichheit.
Diese nahm ihn ein und besaß ihn, verstehet: den neuerstandenen falschen
Willen, welcher ein Mörder und Knecht Gottes Zorns war. Aber die wahre
geschaffene gebildete Seele aus Adams Essenz, darinnen die eingeleibte Stimme
Gottes lag, die war noch nicht gerichtet oder zur Verdammnis prädestinieret
(vorherbestimmt), wie die Vernunft also irret, welches Gerichte keinem
Menschen zustehet, sondern der Gerechtigkeit Gottes. 9,52. Und ist gar nicht also, wie etliche meinen, als ob Kain sei aus des
Teufels Willen, aus der Schlangen Samen geboren worden, sondern aus Adams
Seele und Leib. Aber Adams angenommener natürlicher Wille regierte ihn. Er
war ein Bild des gefallenen, unwiedergeborenen Adams, in dem die Verheißung
und die eingesprochene göttliche Stimme ohne ein wirklich Leben inne lag als
eine wahre Möglichkeit zur neuen Geburt. Aber dieselbe Möglichkeit stund
nicht in Kains Gewalt nach dem falschen Willen, sondern im Grunde der Seelen
lag sie und wartete auf Christi Stimme, der in derselben Möglichkeit sich in
dem teuren Namen Jesus erweckte und die armen Sünden zu Gnaden annahm und mit
seiner Stimme in die verschlossenen Sünder einrief und denselben
stillstehenden Grund der ersten Einsprechung erweckte, wie dem Schächer am
Kreuz und vielen mehr also geschehen ist. 9,53. Denn so das wäre, daß Gott in seinem vorgesetzten Willen hätte Kain
verstockt, so möchte kein Gericht durch die Gerechtigkeit Gottes über Kain
ergehen. Auch hätte kein Fluch in ihn mögen eingehen, denn was Gottes Vorsatz
machte, das verflucht nicht Gottes Gerechtigkeit, wie Kain geschah. 9,54. Denn die Gerechtigkeit ist die Ordnung des anfänglichen ausgesprochenen
Worts, daß alle Dinge in der Ordnung stehen bleiben, wie sie das Sprechen in
ein Leben hat eingeführet, und fället nichts ins Gerichte, was in seiner
Ordnung, darein es geschaffen worden, stehen bleibet. 9,55. So nun ein Wille aus Gottes Vorsatz, verstehet: aus göttlichem Vorsatz,
den Adam und Kain verstocket hätte, so hätte die Gerechtigkeit keinen
Einspruch, denn dieser Wille der Verstockung stünde in göttlicher Ordnung. 9,56. Darum so ist der Wille zur Verstockung in Adam und Kain im Abfall
entstanden, in der Ungleichheit der zerteilten Eigenschaften, da sich jede
Eigenschaften im Wesen fasseten und das Bild im Lichte verdunkelten und
töteten. 9,57. Gottes Vorsatz ist das Centrum des menschlichen Grundes, welches das
ausgesprochene und wiedersprechende Wort Gottes ist. Und ist derselbe
gefassete menschliche Wille recht in demselben Vorsatz Gottes verstockt
worden, wie die Schrift saget. Aber niemand will den Grund verstehen, sondern
man saget nur Gottes Vorsatz tut es, und niemand will des Vorsatzes Grund
forschen, daß er im Menschen selber liege und nicht in Gott. 9,58. So Gott hätte einen Vorsatz zum Teufel gehabt, so wäre derselbe Vorsatz
ein Wille des Teufels. Aber in der Schiedlichkeit des Sprechens ist der
Vorsatz zur Bosheit in ein Principium getreten, und ist in sich selber in der
gefasseten Schiedlichkeit aus dem Mysterio Magno offenbar worden, nach
welchem sich Gott einen zornigen Gott nennet, und ist doch nicht Gott,
sondern das Centrum der Natur als die Ursache göttlicher Offenbarung zur
Freudenreich. Denn in Gott ist kein Zorn offenbar, sondern nur eine brennende
Liebe. 9,59. Denn so in Gott ein Wille zur Verstockung wäre, so wären diese Sprüche
nicht wahr, die da sagen Psalm 5‚5: Du bist nicht ein Gott, dem gottloses
Wesen gefällt, item Ez. 1,23 und 33,11: So wahr ich lebe, ich will nicht den
Tod des Sünders; item die zehn Gebote, so das Böse verbieten. 9,60. So Gott hat wollen haben, daß Kain den Abel tötete, so ist das fünfte
Gebot nicht recht. Auch setzte Gott beim Kain eine schwere Strafe ein: Wer
Menschenblut vergieße, des Blut sollte wieder vergossen werden durch
Menschen, Gen. 9,6. So er es will haben, so dürfte (brauchte) niemand seine
Gebote halten. Wo bliebe dann seine Gerechtigkeit und das Gerichte in der
Wahrheit? Hos. 13,9. saget die Schrift: Israel, dein Unheil kommt aus dir
selber. 9,61. So sollen wir nun niemand verdammen als nur die Laster und Sünden, so
an dem Gottlosen offenbarlich erscheinen. Denn diese gehen aus dem kainischen
und adamischen entstandenen eigenen Willen, aus dem Centro der finstern Welt,
welchen Willen Gott im Menschen im Anfange nicht hat offenbaret oder erboren,
sondern der Teufel ist schuld daran. 9,62. Diesen falschen Willen in seinem Wesen und Tun sollen wir verdammen und
nicht die arme Seele, welche in diesem schweren Gefängnis in der
eingesprochenen Gnadenstimme verborgen lieget; welche Gnadenstimme der ersten
Einleibung (Menschwerdung) im Paradeis nach dem Falle wohl mag durch Christi
Stimme erwecket werden durch seine Kinder, in denen der Geist Christi wohnet,
wie am Schächer am Kreuze, am Zöllner, auch an Maria Magdalena und viel
hunderttausend armen gefangenen Seelen geschehen ist. Denn die Schrift saget
1. Tim. 1,15: Es ist ein teures, wertes Wort, daß Jesus Christus kommen ist
in die Welt, alle armen Sünder selig zu machen. — Und Apok. 3,20 stehet: Er
stehe vor der Türe und klopfe an, nämlich an der armen gefangenen Seelen
Türe; und Matth, 11,28: Kommt zu mir, alle Mühselige und Beladene, ich will
euch erquicken. 9,63. Er stehet in dem inwendigen, in Adam eingesprochenem Grunde der Gnaden,
im Centro der Seelen, und rufet ihr, solange die Seele den Leib auf Erden
träget, ob die arme Seele sich wollte gegen ihn wenden. So spricht er
alsdann, wenn es geschieht, daß sie sich zu ihm wendet: Klopfe an, so wird
dir aufgetan! Klopfe an die eingeleibte erste Gnadenstimme, so wird sie sich
bewegen. Item: Bittet, so werdet ihr nehmen; item: mein Vater will den Hl.
Geist geben, denen die ihn darum bitten, Luk. 11,9.13. 9,64. So lieget es nun jetzt nicht am Selber-Können und -Nehmen, sondern am
Bitten und Anklopfen, denn die Gnadenverheißung hat sich in Christo Jesu in
das Bitten eingesprochen, daß sie sich will dem Bitten einergeben. Denn es
stehet geschrieben: Christus ist kommen, zu suchen und selig zu machen, was
verloren ist, Matth. 15,24 und 18,11. 9,65. Frage: Wer sind nun die Verlornen? — Antwort: Kain, Ismael, Esau und
alle in der Sünde gefangenen verstockten Menschen. Diese ist Christus kommen
zu suchen und selig zu machen, und will, daß sie nicht verloren werden. Aber
den selbsterbornen falschen Mörder in Kain will er nicht, auch nicht den Spötter
in Ismael, sowohl den Jäger in Esau will er auch nicht, sondern den wahren
Grund der erstgebornen Seelen, in welchem die Gnadenstimme lieget. 9,66. Darum daß er den Spötter Ismael nicht will, so stieß er ihn mit seiner
Mutter aus dem Hause, verstehet: den Spötter in Ismael als den
selbstgefasseten und in Adam entstandenen bösen Willen, samt der Hagar als
die schiedliche Natur, verstehet: die zertrennte Eigenschaft der Natur. 9,67. Erstlich entlief Hagar von Sara und wollte sich nicht züchtigen lassen,
denn sie wollte mit dem Spötter herrschen in Abrahams Gütern. Als sie aber in
die Wüsten kam, sprach der Engel Gottes zu ihr: Wo kommst du her, Sarai
(Abrahams Weib Sara) Magd? Und sie sprach: Ich bin von meiner Frauen
entflohen. Und er hieß sie wieder umkehren und sich vor der Frauen demütigen,
und sprach weiter zu ihr: Ich will deinen Samen also mehren, daß er vor
großer Menge nicht soll gezählet werden. Du bist schwanger und wirst einen
Sohn gebären, des Namen sollst du Ismael heißen, darum daß der Herr dein
Elend erhöret hat. Er wird ein wilder Mensch sein, seine Hand wider jedermann
und jedermanns Hand wider ihn; und wird gegen alle seine Brüder wohnen. Gen.
16,8-16. 9,68. Diese Figur (Gleichnis) stellet uns den wahren Grund vor, wie Adam mit
dem Reiche der Natur sei von Gott ausgelaufen in die Wüsten der tierischen
Eigenschaften als von der Freien welche ist die Temperatur, und ist in der
eigenen Begierde als in dem eigenen entstandenen Willen des Spötters
schwanger worden. Nämlich das Reich der Natur hatte sich in den Eigenschaften
getrennt, daß je eine wider die andere ging, wie allhie von Ismael wird:
seine Hand wider jedermann, und jedermanns Hand wider ihn. Aber die
Eigenschaften der Natur waren darum nicht von Gott abgetrennt, wie allhie bei
Hagar zu sehen ist. Denn der Engel sprach zu ihr: Er wollte ihren Samen also
mehren, daß er vor großer Menge nicht sollte gezählet werden. Aber sie sollte
wieder umkehren zu der Freien und sich unter ihre Hand demütigen. Das deutet
an die Buße und Umkehrung des armen Sünders, daß ihm Christus mit seiner
Stimme in ihm in seiner Wüste der Welt begegnet und ihn tröstet, und spricht
ihm ins Gemüte ein: Ich habe dein Elend erhöret, du arme gefangene Seele, in
dieser Wüstenei. Kehre wieder um, du bist ja des Spötters schwanger aus dem
Reiche der Natur deiner Konstellation, und wirst ihn gebären. Aber ich will
dich segnen, und sollst aus dem Reiche der Natur zwölf Fürsten gebären,
welche sollen in meinem Segen kommen, derer Samen (Nachkommen) nicht mag
gezählet werden vor großer Menge. Und wie der arme Sünder, wenn er nur in
diesem Rufe des Engels wieder umkehret in dieselbe zwölfapostolische Gnade
kommt, aber er muß wieder zur Freien gehen mit der Seelen Willen. Der Spötter
aber wird in seiner Konstellation mit einem eigenen Willen geboren, welcher
Wille nicht soll Gottes Reich erben. 9,69. Denn Abraham mußte den Spötter hinaus aus der Erbschaft der Güter
stoßen, aber nicht ohne Geschenke. Denn solches wollte die Freie als die
Temperatur im Reiche Christi haben, daß der spöttische eigene Wille verstoßen
würde. Welche Freie die Sara andeutet, welches Gott dem Abraham in Christi
Figur hieß willigen. Das Geschenke aber, das Abraham der Hagar und Ismael
mitgab, das deutet nun das wahre Geschenke im Paradeis an. 9,70. Als Adam ausgestoßen ward, so gab ihm Gott von ehe das Geschenke als
das eingesprochene Gnadenwort. Und in demselben Geschenke stund der Segen.
Aber das Reich der Natur mußte die zwölf Fürsten geben. Das deutet an, daß
die Seele aus der ewigen Natur her
sei, und dieselbe Ordnung müsse bleiben; es könne keine neue Kreatur in dem
Menschen hervorkommen, ob sie gleich in den zerteilten Lebensgestalten einen
Spötter geben, so sei doch der inwendige Grund Gottes Wort. 9,71. Darum soll die Natur nicht vergehen, sondern nur der falsche
selbstentstandene Wille aus der Ungleichheit soll ausgestoßen werden und
sterben. Dessen haben wir allhie die Figur. Denn als Hagar mit Ismael
ausgelaufen war und sie doch noch
des Ismael schwanger war, daß sie der Engel tröstete, so hieß sie den Namen
des Herrn, der mit ihr redet: »Du Gott siehst mich«, das ist: du siehst
meinen inwendigen Grund der Seelen, darinnen das adamische Geschenke inne
lieget, denn sie sprach: Hier habe ich gewißlich gesehen den, der mich
hernach angesehen hat. Das ist, die arme Seele sprach: Ich war von der Freien
— nämlich der Temperatur, von Gottes Reich — ausgelaufen und war blind worden
an Gott. Nun aber hab ich den gesehen, der mich in meinem Blende mit seinem
Einsehen der Gnade angesehen hat. Das ist: Hernach sah er mich, da ich schon
blind war an Gottes Sehen, das heißet hernach, da schon das Reich der Natur
war ein Spötter worden mit dem neuen Willen. Darum hieß sie denselben Brunnen
einen Brunnen des Lebendigen, der mich angesehen hat, welcher Brunnen ist zwischen
Kades und Bared. 9,72. Dieser Brunn ist Christus in dem eingesprochenen Gnadenworte. In
demselben Gnadenworte des Schlangentreters ist der Brunnquell der süßen Liebe
Gottes in dem Namen Jesu aus Jehova. Der ist der Brunn des Lebendigen, der
die arme Seele nach dem Fall ansah und der die Hagar und Ismael im
Mutterleibe ansah. Denn der Spötter aus den zerteilten Eigenschaften der
Natur als derselbe spöttische Wille war ihr angedeutet, daß er würde aus dem
Reiche der Natur urständen, welchen die arme Seele in ihrem Gefängnis und
Blindheit würde müssen tragen. Aber Gott habe ihr und des Knaben Elend
angesehen aus dem Brunnen des Lebendigen als im Centro der Seelen in ihrem
inwendigen Grunde. Denn der auswendige werde wohl ein Spötter sein. Aber Gott
wollte ihm aus dem inwendigen Grunde, da sich die Gnade hatte darein
verleibet, zwölf Fürsten hervorbringen, deren Same unzählig sein würde. Aber
auswendig würde die Natur in zwölf Fürsten der verderbten Natur im Regiment
stehen, als dann zwölf Fürsten äußerlich aus ihm kamen. Also deutet der Geist
Gottes in Mose auf den innern Grund, und wir sehen das klar vor Augen. 9,73. Denn als Ismael geboren war, so war der auswendige Grund nach dem
verderbten Reiche der Natur ein Spötter. Diesen hieß Gott ausstoßen. Als er aber
ausgestoßen ward und die Hagar den Knaben von ihr weggetan hatte, daß sie ihn
nicht sehen dürfte, wie er stürbe in der Wüsten, so lag der Knabe Ismael und
weinete. Da erhörte Gott die Stimme des Knaben. Und der Engel Gottes rief vom
Himmel der Hagar zu und sprach: Was ist, Hagar? Fürchte dich nicht, stehe
auf, nimm den Knaben und führe ihn bei der Hand; denn ich will ihn zum großen
Volke machen. Und Gott tat ihr die Augen auf, daß sie einen Wasserbrunnen
sah. Da ging sie hin und füllete die Flasche mit Wasser und tränkte den
Knaben. Und Gott war mit dem Knaben, Gen. 21,17-20. Und sie wohnten in der
Wüste Bersaba bei dem Brunnen des Lebendigen und Sehenden. 9,74. Diese Figur ist also sonnenklar und offenbar wider die irrigen
Meinungen, die da Ismael richten und verdammen, daß sie nicht klarer sein
könnte, wenn sie nur ihre irrige Meinung sehen möchten. Denn der Spötter
Ismael im äußern Reiche der Natur war böse und aus der Kindschaft verstoßen.
Aber als er lag und weinete, welches die Buße andeutet, so tat Gott der Hagar
als dem Reiche der innern Natur nach der Seelen die Augen in dem eingeleibten
Gnadenbrunnen auf, daß sie den Brunnquell Christi sah, und tränkte den Knaben
als die arme Seele aus dem Brunnen zu Bersaba, als in den zerteilten
Lebenseigenschaften. 9,75. Welches Tränken die Taufe samt der Beschneidung andeutet, da Christus
aus seinem Brunnen wollte die zerteilten Lebensgestalten in ihrem Durste
tränken. Aber Ismael, der Spötter nach der äußern Natur, sollte von ehe durch
die Beschneidung abgeschnitten werden, welches durch Buße und Abwerfung des
spöttischen Willens geschieht. Alsdann taufet Christus aus dem Brunnen des
Lebendigen und Sehenden mit dem Hl. Geiste. So wohnet alsdann die Seele bei
demselben Brunnen und Gott ist mit ihr wie mit dem Ismael. 9,76. Denn nicht der spöttische Wille ist der Same, welchen Gott segnete,
sondern der innere Grund in dem Gnadengeschenke. Denn Gott sprach zu Abraham:
In Isaak soll dir der Same gesegnet sein, als in Christo soll Ismael den
Segen haben. Denn nicht der verderbte Naturwille soll der Erbe sein in Gottes
Reich, sondern er soll allezeit verstoßen sein. Aber die Natur in ihrem
Grunde und Urstande ist Gottes Wort als das ausgesprochene Wort in seiner
Schiedlichkeit, darinnen der Brunnquell des Lebens aus Jehova ist, als der
Quell der Liebe im Namen Jesu entsprossen; der soll es erben. 9,77. Diese innerliche Natur deutet auch an den Japhet, Gen. 9,27, welchem
der Geist Noahs sagte, er sollte in Sems Hütten wohnen, nämlich in Isaaks,
das ist: in Christi Brunnen. Die Hütte Sems deutet an die neue Geburt aus
Christo, darein Japhet und Ismael sollten kommen. Denn der Text saget: Und
Gott war mit dem Knaben Ismael, nicht aber mit dem Spötter, sondern im
inwendigen Grunde, welcher sollte in Christo offenbar werden. So denn Gott
mit ihm gewesen und er samt seiner Mutter haben bei dem Brunnen des
Lebendigen als bei Christo in seinem Gnadengeschenke gewohnet, wer will ihn
denn verdammen, wie die irrige Welt tut? Wohl recht wird der äußere Ismael
als der Wille der Spötterei verdammet, aber nicht Abrahams angeerbte rechte
Natur aus dem Segen, sondern Abrahams irdischer Wille aus der Schlangen
Samen. 9,78. Denn Ismael ist ein Bild des Reichs der Natur nach dem armen verderbten
Adam, welcher in uns muß sterben und verwesen und aber nach dem
erstgeschaffenen Bilde in Christo wieder auferstehen und den Spötter Ismael
in der Erden lassen. Und Isaak ist ein Bild des neuen Menschen, in der
Menschheit Christi, da Adams Natur und Christus ineinander sind, da der
falsche Wille in Christo tot ist. Obwohl Adams Natur allda ist, so lebet sie
aber im Geiste Christi, Gal. 2,20. 9,7. Darum nahm Jesus Adams Natur an sich, aber nicht Adams selbsterbornen
falschen Willen, sondern die arme zertrennte Lebensgestalt in der Natur in
Gottes Gerechtigkeit und Vorsatze, auf daß der erste Adam in Christo in
seiner Gerechtigkeit bestünde. 9,80. Also war Ismael aus dem Bilde der Gerechtigkeit Gottes, das er in Adam
schuf, und Isaak im Bilde der Gnaden, das sich in Christo in Gottes
Gerechtigkeit eingab und sie mit Liebe erfüllete und den Zorn stillete. Denn
Christus sollte den Spötter in Ismael, welcher war in Gottes Gerechtigkeit
offenbar worden, mit seiner Liebe-Tinktur seines Bluts verwandeln, daß er
könnte in Christo wieder zur Kindschaft kommen, daraus ihn die Gerechtigkeit
als aus Abrahams Gütern hatte ausgestoßen, als vom Erbe der Natur des
geformten und ausgesprochenen Worts Gottes. 9,81. Die Figur mit Jakob und Esau ist nun das Gegenspiel, wie Christus aus
dem Reiche der Natur ihres erbornen falschen Willens ausgestoßen werde. Denn
als er hatte unsere Sünde in der adamischen Natur, verstehet: den Quell,
daraus die Sünde quallet, als die zerteilten Lebensgestalten in menschlicher
Natur, auf und an sich genommen, so sprach er darnach Joh. 18,36: Mein Reich
ist nicht von dieser Welt, als in den zerteilten vier Elementen, sondern in
der Temperatur. 9,82. Weil aber Christus die Menschheit in den zerteilten Eigenschaften hatte
angenommen, so wollte ihn die Gerechtigkeit der äußern Ordnung in sich auch nicht
dulden, denn er war aus einer andern als aus der himmlischen Gerechtigkeit
entsprossen und kam in unsere arme Menschheit, in dieser Welt Eigenschaft,
uns zu helfen. 9,83. Darum sagt er: Des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege,
Matth. 8,20, und sagte doch auch, ihm sei alle Gewalt gegeben im Himmel und
auf Erden von seinem Vater, Matth. 28,18. Da meinte er den innern Grund aller
Wesen, nämlich die Ewigkeit, welche in dieser Welt verborgen heget und in
Christo war offenbar worden. Dieselbe Offenbarung war nicht in dieser Welt
daheim und besaß nichts von dieser Welt Wesen zum Besitz und Eigentum. 9,84. Dies Bild, wie Christus sollte von dieser Welt ausgestoßen und
vertrieben werden, das war Jakob, welchen sein Bruder Esau als das Reich der
äußern Naturgerechtigkeit immerdar wollte töten, daß Jakob vor Esau mußte
fliehen, wie auch Christus vor der pharisäischen Gerechtigkeit im Reiche der
Natur, bis solange, daß Jakob mit seinem Geschenke von Laban kam und zu Esau
einging und sich ihm ergab, ob er ihn tötete oder lebendig ließe. Aber Jakob
war noch nicht der rechte, welchen die Gerechtigkeit der Natur in Gottes
Vorsatz sollte fassen und töten, sondern Christus war es. 9,85. So sehen wir nun allhie abermal die Figur Christi und Adams, so war
Esaus Zorn zerschellet und in große Erbarmung gestellet, daß er Jakob um den
Hals fiel und weinete, Gen. 33,4 und ihm nichts tat, sondern in Liebe annahm.
Also ist die Figur von Christo in unserer Menschheit. 9,86. In unserer Menschheit lag der Zorn des Vaters als der zornige Esau in
der Gerechtigkeit im Zorne erweckt, wie Esau wider Jakob. Aber Christus
schickte sein Gnadengeschenke als die Liebe in seinem Blute von der
himmlischen Welt Wesen dem Zorne des Vaters in unsere Natur in Gottes
Gerechtigkeit als in die erste adamische Geburt, der Natur entgegen. Und als
sie diese in sich sah und fühlete, so ward Gottes Zorn in seiner
Gerechtigkeit der Natur in große Erbarmung gesetzt, davon der Zorn all sein
Recht verloren und zerschellet war, davon die Sonne ihren Schein in Gottes
Gerechtigkeit verlor und die Erde in dieser Zerschellung erbebte, die Felsen
zerklüben und die Toten, welche Gottes Gerechtigkeit hatte im Tode
verschlungen, in dieser Erbarmung aufstunden. 9,87. Denn dem Esau war es um die Gerechtigkeit der Erstgeburt zu tun, welche
er Jakob verkauft hatte, und doch nicht wußte wie es Gott also geschickt
hatte, daß er die Figur Christi und Adams also vormalte. Und darum feindete
er den Jakob an, daß Jakob den Segen Abrahams hatte. Denn die Gerechtigkeit des
eigenen Naturwillens wollte ihn in Esau als in Adams verderbte Natur haben.
Aber die Natur des eigenen Willens hatte das Erbe Gottes verloren, das
brachte der andere, neue Adam in Christo wieder in die Natur. Also mußte nun
das erste Recht als das erste natürliche Leben sterben und in Christo wieder
lebendig werden, und konnte Esau in seinem Jäger Gottes Reich in der
Gerechtigkeit nicht erben, sondern er war ausgestoßen, auch noch im
Mutterleibe, da die Kinder weder Böses noch Gutes getan hatten, auf daß Gottes
Gerechtigkeit in seinem Vorsatze der Schöpfung der Kreaturen genug geschehe. 9,88. Aber in Christo nahm er ihn (Esau) nach dem Gnadengeschenke nach dem
innern Grund des rechten adamischen Menschen wieder an; nicht nach dem Rechte
seiner Lebensnatur, darinnen er Esau hieß oder genennet war. Denn des »E« ist
der innere Grund, da das paradeisische Geschenke innen lag. Aber die »sau«
war das verworfene Tier des Reichs, des eigenen Willens nach der Irdigkeit,
von dem die Schrift saget Röm. 9,13: Esau hab ich gehasset, da er noch im
Mutterleibe war, auf daß die Wahl Gottes bestünde, daß nicht Esau in seinem
falschen eigenen Naturleben sollte Gottes Kind sein, sondern Christus in der
rechten adamischen Natur in Esau. 9,89. Die adamische Natur sollte ihr Recht ganz in »sau« verlieren nach ihrem
Willen und Leben. Aber das Wesen der adamischen Natur, welches war das
geformte ausgesprochene Wort Gottes, sollte in Christo bleiben und mit dem
Geschenke Christi im Zorne versöhnet werden; welches Bild war, da Jakob dem
Esau das Geschenke entgegenschickte und ihn seinen Herrn hieß. Da ward der
Zorn in Esau wegen des Naturrechts versöhnet und hub an, sich in die größte
Erbarmung einzustellen, und fiel dem Jakob um seinen Hals und küßte ihn und
gab seinen Willen in die Erstgeburt in Jakob, Gen. 33,4. 9,90. Denn Christus mußte sich ganz in den Tod eingeben und das menschliche
Naturrecht seinem Vater als der Gerechtigkeit untergeben. Da starb Esau ab.
So weckte Gott den ersten Adam als den rechten Menschen, der in Gottes Vorsatze
war geschaffen worden, in der Gnade der Liebe, welche hatte die Gerechtigkeit
vor Gott erfüllt, auf; da war es nicht mehr Esau, sondern ein Glied Christi. 9,91. Daß aber die Schrift also auf die Prädestination gehet, das ist gar
recht. Denn Esau ist das Bild Gottes Zornes, das in Adam entstund. Und das
ist verdammt, auf daß der Gerechtigkeit Gottes genug geschehe und der
Reichtum seiner Gnade in Jakob als in Christo in Gottes Gerechtigkeit
offenbar werde. Denn das Leben in dem Naturwillen, das Esau hieß, war Adams
neues Leben nach den aufgewachten Eigenschaften der finstern Welt, wie auch
bei Kain und Ismael also. Dieses Leben hatte Gottes Gerechtigkeit im Zorne
ergriffen und sich darin offenbaret. Und das war verdammt, aber nicht der
seelische Grund als das ganze Centrum der Natur, nämlich das geformte Wort
nach der Seelen, das war darum nicht von Gott verstoßen; nein, nein, sie
waren aus den Kindern der Heiligen entsprossen, nicht von der »Sau« wie jetzo
in vielen geschieht, da der innere Grund voll Teufel ist. 9,92. Das Gnadengeschenke der eingeleibten Stimme lag im innern Grunde, aber
nicht im Ente des Lebens als wie in Jakob, Isaak und Abel, welches Ens
Christus war, der sich mit seiner Stimme in dieses eingesprochene Wort, in
dem innern Grund der armen Seelen im Zorne Gottes gefangen, einsprechen
wollte, wie geschrieben stehet: Ich bin kommen, zu suchen und selig zu
machen, das verloren ist, — nämlich den Ismael, Esau und ihresgleichen,
welche in Gottes Haß ergriffen und verloren waren. So sagte Christus nun, er
wäre kommen, den armen Sünder zu suchen, der verloren wäre, und nicht den
Gerechten, Matth. 9,13. 9,93. Denn Jakob, Isaak und Abel waren die Gerechten, denn die Gnade hatte
sich in ihnen offenbaret und den eigenen Willen der Sünden im Seelenleben
ertötet und sich dem wahren erstgehabten Lebensgrunde zu einem neuen Leben
eingegeben. Also waren sie nun in demselben neuen Leben gerecht und hatten
Frieden mit Gottes Gerechtigkeit, verstehet: nach der Seelen. Aber nach dem
äußern Leben waren sie noch unter dem Fluche. Darum mußte ihr äußerer Leib
sterben. Denn nicht sie selber von Natur waren die Gerechten, sondern die
Gnade machte sie gerecht; welche Gnade in ihnen in ein Ens des Lebens sich
einergab, darinnen das Leben brannte, welches neue göttliche Feuer den Haß
Gottes Zorns in Liebe wandelte, darinnen sie gerecht waren. 9,94. So sprichst du: Warum auch nicht also in Kain, Ismael und Esau? —
Antwort: Nein, der Vorsatz Gottes muß bestehen, nämlich die Ordnung seines
ausgesprochenen Worts. Er wendet dasselbe nicht wieder zurücke; sein Zorn
mußte nicht getötet und zerbrochen werden, denn er ist eine Ursache, daß die
Gnade offenbar würde. Dazu ist er die Ursache, daß die Gnade in Freudenreich
verwandelt wird. Auch ist er die Ursache, daß die Gnade eine feurische Liebe
wird. Christus aber ist der andere Vorsatz. Denselben offenbarete er in Abel,
Isaak und Jakob, und stellete die Figur dar, wie es gehen sollte. 9,95. Denn Christus sollte in der Gerechtigkeit Gottes Zornes offenbar
werden, daß erkannt würde, was Gnade wäre. Adam stund in Gottes Gnade und in
seinem Zorn. Aber in der Temperatur war keines in seinem Leben offenbar, denn
sie stunden in gleichem Gewichte. Sollte nun die Gnade offenbar werden, so
mußte der Zorn vorhin oder zuerst offenbar werden, auf daß die Gnade
geursachet würde, sich im Zorne zu bewegen, und dem Zorne zu ergeben und ihn
zu tilgen; welches Einergeben und Tilgen die Ursache der göttlichen
Freudenreich und feurischen Liebe im Leben des Menschen ist, daraus Gottes
Erbarmen auch Glauben, Liebe und Hoffnung als das Vertrauen in Gott, seinen
Urstand im Menschen genommen hat, welches in der Temperatur nicht sein
mochte. 9,96. Denn ein Ding, das in gleichem Gewichte inne stehet, das hat kein
Bewegen oder Begehren zu etwas. Es ist eines und ist sein selber. Wenn es aus
der Temperatur ausgehet, so ists viel, dazu zerbrechlich, und verlieret die
Selbheit. Dem tut nun Hilfe, als Gnade und Erbarmen not. So aber das nicht
bald geschieht, daß ihm geholfen wird, so tritt es doch in die Hoffnung. Und
so der Hoffnung zugesaget wird, daß ihr soll Hilfe geschehen, so tritt es in
Glauben. Und der Glaube ursachet die Begierde in der Hoffnung. Und die
Begierde nimmt die Zusage in sich ein und fasset dieselbe in sich, daß sie
wesentlich wird. Und in demselben Wesen ist nun die Gnade und das Erbarmen.
Denn dasselbe Wesen wird in der Zusage genommen und in Wesen gefasset;
welches Wesen sich dem ersten Rechte, das das Ding in sich gemacht hat,
einergeben muß. Und so das geschieht, findet das erste machende ein neu Leben
in sich, das aus der Hoffnung und aus dem Glauben und der Begierde mit dem
Insich-Fassen entstanden ist, und findet, daß es mehr geistlich ist als das
erste, daraus das Ding entstanden ist. Darum kann es ihm nicht Widerstand
tun, sondern muß das geistliche Leben lassen in sich wohnen. 9,97. Und allhie urständet die Wiederbringung des ersten Wesens, das sich
zerbrochen hatte, und daß der letzte Leib besser ist als der erste, denn er
ist ganz geistlich, aus Glauben, Hoffnung und Liebe erboren. Denselben
entzündet das erste Feuer mit seiner Begierde, davon die feuernde Liebe
entstehet. 9,98. Also verstehet uns doch nur recht: Adam war das ganze Bild Gottes in
Liebe und Zorn. Aber er stund in der Gleichheit der Eigenschaften, und war
keines vorm andern offenbar. Als er sich aber durch des Teufels Trug und Lust
verführen ließ, so zerbrach dasselbe Bild und entschieden sich die
Eigenschaften der Temperatur. Nun tat ihm Hilfe not; so sprach ihm Gott das
Wort ein. Das nahm die hungerige Begierde nach der Hilfe an und faßte das und
setzte seinen Willen darein als in eine Hoffnung, daß ihm würde geraten
werden. Und die Begierde fassete die Hoffnung in ein Ens des Wesens. Jetzt
ward das eingesprochene Wort wesentlich und hieß Glaube, als Einnehmen, das
die Scienz des ewigen Willens in sich nahm und sich darein ergab. Denn dieses
Wesen war edler als das erste aus dem Vorsatz des gesprochenen Worts. Also
ging die feurische Liebe aus dem Zornfeuer in dem Vorsatze der ewigen Natur
an. Denn dies Ens des Glaubens war unzerbrechlich und bestund im Zornfeuer.
Und in diesem Einnehmen des Zornfeuers ward das Feuer des Grimmes in die
freudenreiche Liebe gewandelt. 9,99. Und dieses ist nun der Grund Christi aus dem eingesprochenen Worte. Der
scheidete sich in Adam in eine eigene Figur in dem Ente der Natur. Daraus kam
Abel, und aus der zerbrochenen Figur kam Kain. Nun hatte aber Abel auch Kains
Natur in dem Glaubens-Ente, darinnen die Seele stund. Aber der zerbrochene
Wille war verwandelt in einen ganzen, denn die Zerbrechung ruhete im Ente des
Glaubens; das war Christi Figur. Nun war aber Adams Seele zugesagt,
verstehet: der zerbrochenen Natur der seelischen und des Leibes Eigenschaft,
daß des Weibes Same sollte der eingeführten Schlangeneigenschaft den Kopf
zertreten und Adam helfen. Also mußte derselbe Schlangentreter eine andere
Person sein als Adam, in welchem Gott offenbar wäre, der das tun könnte und
der in Adam das eingesprochene Wort erweckte, das ist: auch die Macht und
Kraft des Einsprechens hätte. 9,100. Denn obwohl das Einsprechen in Adam lebendig und offenbar war, so war
es aber doch um seine Kinder zu tun, welcher eingesprochene Grund mit der
Sünden bedecket und noch nicht geschieden war wie mit Kain und Abel, und auch
darum, daß das menschliche Ens in dem Sünder, welches Gottes Gerechtigkeit im
Zorn ergriffen hatte, eine Gnadenstimme hätte, die in ihn einsprach und den
innern ersten eingesprochenen Grund des Worts göttlicher Kraft erweckte. 9,101. Denn der Gott Jehova sprach den Namen Jesus in Adam, nach dem Fall, in
ein wirklich Leben, das ist: er offenbarte ihn im himmlischen Ente, welches
verblichen war. Derselbe Name Jesus ward in der Seelen, indem ihn Gott in die
Seele einsprach, ein Leben; durch welch Einsprechen der Seelen Adams wieder
eine göttliche Begierde aus dem Sterben erwecket ward. Dasselbe fassete der
Seelen erweckte Begierde in sich, und dieselbe erweckte Begierde ward der
Anfang des Glaubens. Die scheidete sich von der falschen Begierde Eigenschaft
in ein Bild als in ein Ens; daraus kam Abel; und aus der adamischen Seelen
Eigenheit nach der irdischen Lust kam Kain. 9,102. Nun lag aber im Grunde der Seelen Eigenheit in dem kainischen Ente auch
der Schall des Worts, das Gott einsprach. Aber dies Ens war des göttlichen
Lebens im Einsprechen des Worts nicht fähig, denn der aufgewachte Grimm
Gottes in seinem Vorsatze des Aussprechens zur Natur in der Schiedlichkeit
war darinnen offenbar worden. So bedurfte jetzt dasselbe seelische Ens eines
andern und noch mehr Einsprechens in das ausgesprochene Wort, daß es auch
lebendig im Seelen-Ente wurde. 9,103. Dieses mochte nun nicht geschehen, es käm denn aus einem göttlichen
Halle oder Einsprechen, da das Sprechen zugleich aus göttlichem Leben und
auch aus seelischem Lebensgrunde ging, da eine göttliche heilige Seele wäre,
die sich der verderbten und an Gott blinden Seele in seelischer und
göttlicher Kraft einspräche, daß die seelische in das Seelische und die
göttliche in das Göttliche einginge und sich eines im andern aufweckte. 9,104. Denn darum war es Gott zutun, daß er die arme verderbte, recht
adamische Seele nicht wollte verlassen, sondern stellete sie in Kains Bilde
dar und stellete den Namen Jesus in der andern Linea gegen ihn, darinnen auch
der seelische Grund war, daß sich der Name Jesus mit dem neuen Leben des
seelischen Grundes in Kains Seele einsprechen sollte. Und dieses Bild war
Abel, aus welcher Linea Christus nach unserer Menschheit kam. Und der war
kommen, den armen, im Haß Gottes gefangenen Sünder zur Buße zu rufen. Der
hatte eine menschliche in Gott neugeborne Seele, und konnte in die Seele und
auch in das eingesprochene Wort Gottes, im Paradeis geschehen, einsprechen
und die Seele in einem neuen göttlichen Hunger in sich erwecken, daß sie dies
eingesprochene angeerbte Wort in sich einnahm, davon ihr auch ein neu Leben
entstund. 9,105. Darum versteht uns recht, wir reden teuer, als wir es wohl erkennen in
Gottes Gnade. Das Bild Kains, Ismaels, Esaus und ihresgleichen sind alle
unwiedergeborne Menschen und sie sind der rechte Adam nach dem Fall. Diese
rufet Gott mit seinem einsprechenden Worte, das er uns in Christo gelehrt hat
und das er noch heute in den neugebornen Kindern in diese verderbte adamische
Kinder einspricht und sie damit rufet: Kommt alle zu mir? — nicht nur
etliche, sondern alle. 9,106. Und das Bild Abels, Isaaks und Jakobs sind alle Menschen, welche sich
durch das Einsprechen lassen erwecken, in denen das göttliche Einsprechen
anfängt. Diese bekommen in der Seelen ein neu Leben und Willen als einen
göttlichen Hunger, welcher Hunger das erste paradeisische eingeleibte Wort in
sich in dem Namen Jesus anfängt, infasset und wesentlich machet. Da alsdann
Christus in ihnen geboren ist und sie nach demselben neugebornen Grunde nicht
mehr in dieser Welt sind, sondern im Himmel. Denn es ist selber der heilige
Himmel als der wahre Tempel Gottes, da Gott Mensch und Gott innen ist, da das
Wort Fleisch wird, verstehet: himmlisch geistlich Fleisch, welches heilige
Seelenfeuer von Christi Fleisch isset und sein Leben davon hat. 9,107. Also stellen wir euch nun das Verständnis mit Esau vor, da die Schrift
saget, er habe Esau gehasset und Jakob geliebet, da die Kinder weder Böses
noch Gutes getan hatten, auf daß der Vorsatz Gottes bestünde, Röm. 9,11.13.
Esau war Adams verderbtes Bild, und Jakob war das Bild Christi. Das zeiget
Gott allhie in der Figur, wie der Haß im Vorsatze des ausgesprochenen Worts
sei in Adam offenbar worden, darinnen er im Tode und Gottes Zorn lag und ein
lauterer Haß Gottes war. Denn das heilige Leben war tot, dessen Bild war Esau.
Er war in Gottes Haß im Mutterleibe empfangen. Denn das Bild Christi hatte
sich von ihm in Jakob geschieden. Das stund nun mit einer heiligen Seele
gegen Esau und sollte in Esau einsprechen und die arme, kranke, gefangene
Seele mit seinem inwohnenden göttlichen Halle bewegen, daß die verderbte
adamische Seele in dem Einsprechen des Namens Jesus erwecket würde. 9,108. Aber das Einsprechen sollte nicht vorübergehen, sondern in Gottes
Gerechtigkeit als in den Haß und Zorn sich einergeben, gleichwie Christus in
Gottes Haß in die Gerechtigkeit sich einergeben mußte und das Erbarmen mit
seiner Liebe in dem Namen Jesu erwecken und das Zornfeuer mit seinem
Einergeben in ein Liebefeuer als in eine große sehnende Erbarmung der lieben
Kindschaft verwandeln. Gleichwie Jakob seines Bruders Esau Zorn in große
Erbarmung wandelte, als er ihm sein Geschenke zuvor hinschickte und ihm sagen
hieß, er ergebe sich in seine Gnade als in seinen gerechten Zorn in ihm ein.
Weil er ihm hatte die Erstgeburt weggenommen und daß er möchte durch dieses
Geschenke Gnade bei ihm erlangen, so wollte er sich mit allem dem, was er
hatte, dem Esau, seinem Bruder, zum Eigentum ergeben, welches in Christo
erfüllet ward. Denn er hatte unsere Seele in sich genommen. Aber er hatte das
heilige Kleinod Gottes, das in Adam verborgen lag, mit aus Adam in sich
genommen, darum der Haß entstanden war um die erste Geburt als um die
Gerechtigkeit Gottes. Denn das Kleinod gebührte dem ersten adamischen Bilde
in Gottes Gleichnis; das nahm Gott mit Abel in eine neue Figur aus Adam. 9,109. Und allhie war nun der Haß in dem Bilde wegen Gottes Gerechtigkeit um
das Kleinod, darum Esau mit seinem Bruder Jakob in Christi Bilde zürnete.
Darum mußte Jakob dem Esau sich mit samt dem Kleinod und alledem, das er
hatte, einergeben. Also auch mußte Christus sich mit demselben Kleinod des
Namens Jesu der Gerechtigkeit des Vorsatzes Gottes ganz einergeben und das
Kleinod in den Haß des Vorsatzes wieder einergeben. 9,110. So sprichst du: Warum führte Gott solch einen Prozeß? Mochte er das
Kleinod dem Adam nicht lassen, der es in Naturrecht als der Erstgeborne im
Wort des Vorsatzes Gottes in göttlicher Bildung hatte? Antwort: Nein. —
Frage: Warum? — Antwort: Darum daß das Kleinod in der höchsten Liebe Gottes
im Menschen als im Bilde Gottes wäre verborgen blieben. Also mußte es durch
solchen Prozeß in der Wiedergeburt offenbar werden, auf daß die Liebe und
Gnade Gottes erkannt und im Menschen offenbar würde, und daß der Mensch
Ursache hätte, Gott zu lieben und sein Lob in die Gnade zu erheben. Welches
Erheben eine lautere göttliche Formung und Gebärung in der Weisheit Gottes
ist, da das Wort Gottes auch dadurch im Menschen geboren wird und der Mensch
auch Gott gebieret, daß er also ein wesentlicher Gott sei und als eine
Harmonie der göttlichen Freudenreich. 9,111. Denn als Christus das Kleinod der Gerechtigkeit Gottes in den Haß
einergab, so wandelte sich der Zorn in eine hoch triumphierende Freudenreich
und ward das Lob Gottes offenbar, welches in Adam nicht sein mochte, als er
in der Temperatur stund. Denn der Grimm erfreuete sich nun, daß er war aus
der Feindschaft in ein Feuer der Liebe verwandelt worden. 9,112. Und dieses ist nun die Auferstehung Christi und seiner Kinder, die er
also in ein Liebe-Feuer durch seinen Prozeß wandelt, daß wenn sich die Seele
lässet ziehen, wenn ihr Christus in ihr rufet, so muß sie sich in ihn
ergeben. Alsdann so stehet Christus im Zorn-Feuer auf und wandelt dasselbe in
göttliche Freudenreich in das Lob Gottes. 9,113. So vernehmt es doch, lieben Brüder, wie Gott habe Esau gehasset,
wiewohl nicht Gott, sondern Gottes Vorsatz als die Gerechtigkeit in der
schiedlichen Scienz dieses hassete dies Bild, darum daß es nicht das erste
rechte Bild war, das in der Gerechtigkeit war geschaffen worden. Denn das Kleinod
als das Ens göttlicher Liebe war darinnen verloschen, und Jakob hatte
dasselbe. So hassete nun der Vorsatz Gottes dieses Bild Esau, daß es nicht
Gottes erstes Bild in der Liebe war, sondern im Zorne. 9,114. Esau war das Bild des Hasses selber, denn nicht Gott konnte ihn hassen,
sondern der Vorsatz als die feurische Natur in der Schiedlichkeit seines
Sprechens, da sich das Feuer anzündet und in ein Principium zur Offenbarung
Gottes infasset, darin das kreatürliche Leben stehet. 9,115. So verstehet es doch nur, daß das kreatürliche Leben ohne die
Offenbarung des Lichtes ein lauter Feuer, Haß, Zorn und Neid ist. Und das war
Adam nach dem Fall, ohne das Wieder-Gnaden-Einsprechen, sowohl Kain, Ismael,
Esau und alle Menschen außer dem Gnaden-Ente der Liebe, daraus das Licht
urständet. 9,116. Nun ist jetzt die Frage, ob Gottes Gerechtigkeit in dem Vorsatze habe
Esau zum ewigen Verderben gehasset. — Antwort: Ja, in eigener Macht konnte
anders nichts mehr sein. — Mehr fraget sichs: War das des lautern, wahren Gottes
Wille, daß Esau, Kain und viel tausend ewig verderben sollten? — Antwort:
Nein, sondern Christus war Gottes Vorsatz, soviel Gott ein Gott heißet. 9,117. In Christo will Gott, daß allen Menschen geholfen werde, 1. Tim. 2,4;
aber sein Zorn will alle verschlingen, in denen er offenbar ist. Aber die
Schrift saget: Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt als in die Menschheit
gesandt, daß er sie richte, verstocke und verderbe, sondern daß er sie selig
mache, Joh. 3,17. So sprichst du: Ja, welche er will. — Antwort: Ja, er rufet
sie alle zu ihm, sie sollen alle kommen. Warum kommen sie nicht alle? So
sprichst du: Er zeucht sie nicht in ihnen zu sich. — Antwort: Das ist nicht
wahr; er zeucht sie alle, er lehret alle in ihnen, denn sie wissen im Lichte
der Natur, da er dem Gottlosen in seinem Verstande entgegnet und ihm das
Recht weiset, was recht ist, welches sie auch selber lehren und bekennen, daß
es recht sei, aber nicht tun. Frage: Warum aber das? — Antwort: Christus
spricht: Vater, ich will, daß die, so du mir gegeben hast, seien, wo ich bin,
Joh. 27,24. Item: Es kommt niemand zu mir, es ziehe ihn denn mein Vater zu
mir, Joh. 6,44. — Frage: Wie gehet das zu, daß er sie nicht alle zeucht? —
Antwort: Da lieget der Grund, liebes besudeltes Hölzlein; rieche in deinem
Busen! Wonach riechst du? Bist du nur im Vorsatze des Grimmes in seiner
Konstellation ergriffen wie Esau, Ismael und dergleichen, so ist wohl Rat.
Bist du aber eine Distel aus der angeerbten wirklichen Sünde, da sich Gottes
Vorsatz im Zorne in eine Figur des Lebens eingemodelt hat, davon Gott sagte
in seiner Gerechtigkeit des Vorsatzes, er wolle die Sünde der Eltern an den
Kindern strafen bis ins dritte und vierte Glied, so ist es gefährlich. Denn
dieser lebendige Vorsatz im Zorne Gottes hat schon vorhin eine Figur in der
Scienz des sprechenden Worts, und ist aufs neue von dem eingeleibten Grunde
der Gnaden geschieden, nicht aus Gottes Vorsatz, sondern durch den Quell der
Sünden. Welcher Quell mit dem Zorne im Vorsatze sich ganz vereiniget hat und
in ein Leben der Finsternis eingeführet. Allda lieget die eingeleibte Gnade
ferne, und ist Christus gestorben und ruhet im Grabe. Und ehe er aufstehet,
so ist dieser böse Geist in den Abgrund gefahren. Diese hält nun der Vorsatz
Gottes und gibt sie nicht der Gnaden Christi, denn sie sind Distel. Ihr Wille
ist ein lebendiger Teufel in Engelsgestalt unter andern Menschen. 9,118. Der Vorsatz Gottes kennet ein jedes Ens, solange es noch ein Same in
Mann und Weib ist, und weiß, wozu dieses Holz, wenn es wird zum Baume werden,
nütze ist. Und nicht allein kommt die Distel vom Mutterleibe aus dem ersten
Grunde, sondern auch durch äußerliche Einfälle der Zeit, da dann die meisten
verderben. 9,119. Diese alle rufet Christus. Ihrer viel haben auch noch ein Fünklein
göttlichen Zuges in ihnen, daß sie der Vorsatz Christo als seiner Stimme
gibt, daß sie zu Zeiten Christum in ihnen hören lehren. Und diese sind nun
gerufen und berufen. Aber die äußeren Einfälle verderben das wieder und
kreuzigen Christi Stimme und Einrufen, ehe er in ihnen Mensch geboren wird,
und führen an Christi Stätte das Schlangen Ens ein. Und wenn es dann zur Wahl
kommt in der Erntezeit, da man das Korn ausdrischt und worfelt, so ist dies
nur eine Spreu des Korns und hat nicht göttlich Gewicht und Schwere in sich.
Da bleibts alsdann dahinten im Centro der Finsternis in Gottes Gerechtigkeit
im Zorne. So heißts alsdann: Wenig sind auserwählet; — denn der Vater wählet
ihm nur die gute Frucht zu seiner Speise. Das ander gibt er dem Vieh, also
auch allhie. Was nicht im göttlichen Ente aufwächst und aus Gott geboren
wird, das kann Gott nicht schauen. 9,120. So sprichst du nun: Ist dann Esau aus Gottes Haß endlich neugeboren und
selig worden? — Antwort: Das sollen wir nicht richten, denn Gott spricht: die
Rache ist mein, ich will in meiner Gerechtigkeit vergelten, Röm. 12,19. — Wir
sagen mit Grunde, daß Esau in Adams Sünde als ein wahres Bild Adams nach dem
Fall geboren und im Mutterleibe im Vorsatz Gottes Zorn ergriffen gewesen wie
alle armen Sünder; und Jakob im Bilde Christi in der neugebornen Liebe als
ein Vorbild Christi, welcher Christus kommen war, den armen Sünder zu rufen
und ihn selig zu machen, so ferne ihn die Gerechtigkeit Gottes im Zorne
lässet folgen wegen der angeerbten und in die ewige Scienz eingefasseten
Greuel, so wohl der wirklichen Greuel, welche das Halten sind. 9,121. Weil aber Esau von heiligen Eltern herkommen und geboren ist und nur in
der Schiedlichkeit als ein Bild der verderbten Natur allda stund und Gott
auch das Bild Christi aus demselben seiner Eltern Samen geschieden hatte, als
seinen Bruder Jakob, und gegen ihn gestellet; welcher Jakob ihn auch
letztlich in die größte Erbarmung durch sein Geschenk und Demut brachte,
welches das Geschenk Christi in Esau andeutet, daß ihn also wollte umwenden
und aus dem zornigen ergriffenen Vorsatze der Gerechtigkeit Gottes ziehen,
daß er in Reue seines bösen Willens sollte also weinen und Buße tun, wie er
tat, da er den Jakob umfing und an seinem Halse weinete und den Mordgeist
sinken ließ wider Jakob, — so sollen wir ihn mit nichten verdammen. Wir
verdammen ihn nur nach der Schrift, welche ihn in Adams Bosheit, als er noch
nicht neugeboren war, verdammet; in welchem Begriff Gottes Gerechtigkeit
genug geschieht und aber die Gnade in der Buße offenbar wird. 9,122. Wir wissen nicht, ob ihn Gott nicht bekehret habe, welches die Figur,
als Jakob von Laban zu ihm kam, wohl andeutet. Denn in Adam war er tot, aber
in Christo mochte er lebendig werden, denn die Gnadenpforte stund gegen ihn
sowohl offen als seinen Eltern, welche in Christi Linea waren, Daß sie aber
auch Adams Gift und Tod im Fleische gehabt haben und den Quell der Sünden von
Adam, das bewähret sich an Esau, Ismael und Kain. (Vgl. die Zusammenhänge Gen. 29 ff.) 9,123. Aber der Vernunft sollen wir allhie nicht glauben, die da saget, Gott
habe Esau verstocket, und zwar zur ewigen Verdammnis geurteilet. Es ist in
heiliger Schrift nicht zu beweisen, daß Gott den Esau verstocket habe und daß
es der göttliche Wille sei; sondern der Vorsatz in Gottes Gerechtigkeit, der
hat es getan, nicht durch einen Eingriff eines gefasseten göttlichen Willens,
sondern aus der verderblichen Natur aus Adams Eigenschaft in Esau seinem
Wesen selber, und nicht ein fremder Zufall oder Eingriff, wie die Vernunft
richtet, welche nichts von Gott weiß, was er ist, und immerdar den Menschen
weit von Gott malet, da doch Gott in allen Menschen offenbar ist, in jedem
Menschen nach seiner Eigenschaft seines Lebens. Diesen Grund haben wir dem
Leser also weitläufig erkläret, daß er unsern Sinn in nachfolgenden kurzen
Schlüssen verstehe. * * * Kurze Verfassung
der Schrift Einwürfe, welche die Vernunft gefangen halten, wie sie zu
verstehen sind
10,1. Die Epistel an die Römer, sonderlich das 9. und 11. Kapitel, irritieren
die Vernunft und sind den Gottlosen ein Stein des Anstoßes und ein Fels der
Ärgernis, aber den Heiligen ein Licht des Lebens. Denn allda stehet Röm.
9,7-9: Sie sind nicht alle Israeliten, die von Israel sind, auch nicht alle,
die Abrahams Same sind, sind darum auch Kinder; sondern in Isaak soll dir der
Same genennet sein. Denn das sind nicht Kinder die nach dem Fleische Kinder
sind, sondern die Kinder der Verheißung werden für Samen gerechnet; denn das
ist ein Wort der Verheißung, da er spricht: Um diese Zeit will ich kommen und
Sara soll einen Sohn haben. 10,2. Erklärung: Die Vernunft verstehet, als ob die Verheißung in diesem
Abrahams-Samen anfange. Wir aber sehen, daß die Verheißung im Paradeis sich
angefangen hat und allhie beim Abraham in eine Figur nach dem Reiche der
Natur in Ismael und nach dem Reiche der Gnaden in Isaak sich geformet als in
ein Bild des Künftigen, wie denn auch mit Kain und Abel. 10,3. Das Reich der Natur war im Menschen im ursprünglichen Fürsatze zum
Menschenbilde im Zorn ergriffen worden. Und das konnte nicht mehr Gottes
Kinder und rechten Samen Gottes gebären, sondern Kinder des Zorns und des
verderbten Fleisches. Darum sagte Paulus, daß nicht alle Kinder und Samen von
Abraham Kinder Gottes werden, sondern die aus der Verheißung neugeboren
werden als aus dem eingeleibten Worte im Paradeis, welches Gott in Abraham
verneuerte, als er sein Bildnis aus der Verheißung darstellen wollte. 10,4. Denn ein jeder Mensch, der da selig soll werden, in dem muß das Wort
der Verheißung von der Gnade ein Ens und Wesen werden, welches nicht allen im
Mutterleibe geschieht wie dem Isaak, sondern in der Buße und Bekehrung, wie
Gott im Jesaja saget Kap. 1,18: Ob eure Sünden blutrot wären, so ihr euch
bekehret, so sollen sie schneeweiß als Wolle werden. — Das geschieht, wenn
sich das Reich der Gnaden im Reiche der Natur offenbaret, das heißt: recht
wie zu Abraham gesaget ward Gen. 18,10: Das ist der Bund; um diese Zeit will
ich kommen, soll Sara einen Sohn haben, Röm. 9,9. 10,5. Das ist, wenn der arme Sünder nun Buße tut, so kommt Gott in Christi
Geiste und gebieret einen neuen Sohn aus Christi Fleische und Blute in ihm;
das ist: die Seele ergreift Christum in sich im Glauben und in der Hoffnung
und impressete die Hoffnung in ein Ens, darinnen das lebendige verheißende
Wort innenlieget. Allda gehet die Schwängerung der neuen Menschheit aus
Christo an. Das ist alsdann ein rechter Glaubenssame, daraus Gottes Kinder
geboren werden, wie der Tau aus der Morgenröte. Alsdann hanget ihnen der alte
Adam nur an, wie an dem Abraham, Isaak und Jakob, welche nach dem äußern
Menschen auch sterblich und sündlich waren, aber der Tempel Gottes des
inwendigen Menschen in ihnen war heilig; also auch in uns. 10,6. Ferner Röm. 9,10.13: Nicht allein aber ists mit dem also, sondern auch
da Rebekka von dem einigen Isaak, unserm Vater, schwanger ward, ehe die
Kinder geboren waren und weder Böses noch Gutes getan hatten, auf daß der
Vorsatz Gottes bestünde nach der Wahl, ward zu ihr gesaget — nicht aus
Verdienst der Werke, sondern aus Gnade des Berufes — also: Der Größere soll
dienstbar werden dem Kleinem, wie denn geschrieben stehet: Jakob habe ich
geliebet, aber Esau habe ich gehasset. — Erklärung: Allhie lieget nun die
Vernunft blind, und es ist eben wie vorne nach der Länge erkläret. Denn das
war Gottes Vorsatz, welchen er Adam nach dem Fall schenkte. Der erste Vorsatz
ist der natürliche erste Adam. Der war der Größere als das erste Bild Gottes
im Vorsatz der göttlichen Scienz aus dem sprechenden Wort der Schiedlichkeit
der Kräfte. Aber in ihm war die Gnade nicht offenbar, viel weniger die große
Liebe und Demut in Jesu. 10,7. Darum kam Gott mit dem andern Vorsatz, der in der Gnade verborgen lag,
und gab ihn in das erste Bild ein und offenbarte die Gnade durch das erste
Bild, und tötete das erste Leben in der Gnaden, und erhub das Leben der
Gnaden in dem ersten Vorsatze über den Vorsatz des größern Bildes als des
ersten Natürlichen. 10,8. Darum saget der Text in Mose zu Rebekka: Der Größere soll dem Kleinem
dienen, Gen. 25,23, auf daß der Vorsatz in der Gnadenoffenbarung bestünde.
Denn Esau in dem größern ersten Bilde Adams habe ich gehasset, da er wollte
ein eigener Herr sein und in Böse und Gut leben und die Gnade nicht erkennen.
Aber Jakob in meinem rechten göttlichen Vorsatze, welchen ich aus meinem
göttlichen Willen der Gnade von Ewigkeit geboren habe, den habe ich geliebet
und ihn zum Herrn über die Natur gesetzet. Darum sagte Christus, ihm wäre
alle Gewalt gegeben worden, Matth. 28,18; denn er war der Kleinere als aus
Gottes Demut und Liebe; die setzte Gott über das Reich seines Zorns, auf daß
das Reich seines Zorns in dem Kleinem als in Gottes Gnaden Gott diene und
offenbar werde. 10,9. Und darum ward auch dem Ismael äußerlich das Erbe entzogen, anzudeuten,
daß Gott hätte das Erbe dem Menschen, welcher aus der Gnaden geboren würde,
gegeben. In diesem Hassen irret nun die Vernunft und versteht nicht den
Grund, wie oben gemeldet. 10,10. Ferner Röm. 9,14-18: Was wollen wir denn hie sagen? Ist denn Gott
ungerecht? Das sei ferne, denn er spricht zu Mose: Welchem ich gnädig bin,
dem bin ich gnädig, und welches ich mich erbarme, des erbarme ich mich. So
liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes
Erbarmen. Denn die Schrift saget zu Pharao: Eben darum habe ich dich erwecket,
daß ich an dir meine Macht erzeige, auf daß mein Name verkündiget werde in
allen Landen. So erbarmet er sich nun, welches er will, und verstocket,
welchen er will. — Erklärung: Also lieget die Vernunft gar tot und ohne
göttlich Licht, wie denn geschrieben stehet: Der natürliche Mensch vernimmt
nichts vom Geheimnis Gottes; es ist ihm eine Torheit, 1. Kor. 2,14. 10,11. Also verteidiget St. Paulus Gott und saget, daß er recht tue oder
richte, indem er sich erbarmet, welcher er will, Röm. 9,14.15. Und das ist
auch eben der Grund, denn er will keiner in seinem Erbarmen als nur dieser,
die aus seinem Vorsatz der Gnaden aus Christo geboren werden. Dieser armen
gefangenen Seelen erbarmet er sich, das ist: wenn die Seele das Wort der
Verheißung ergreifet und fasset wie Abraham, so wird ihm dieselbe Fassung des
neuen Gnaden-Entis zur Gerechtigkeit gerechnet wie dem Abraham, da
geschrieben stehet: Abraham glaubte Gott, und das ward ihm zur Gerechtigkeit
gerechnet, Röm. 4,3. 10,12. Denn Glauben heißet Nehmen und Infassen, nämlich das Wort der
Verheißung in sich fassen, daß es wesentlich wird. Da gehet das Erbarmen
darinnen auf, denn der Kleinere, welcher anfänglich nur ein Wort der Kraft
ist, der wird also groß, daß er den Großen als die feurische Seele der ewigen
Natur an Gottes ersten ewigen Vorsatz überwältiget. 10,13. Daß aber stehet: Er erbarmet sich, welcher er will, und verstocket,
welche er will, — das verstehet man in den zweien Vorsätzen, als in Christo
ist der Göttliche. Da erbarmet er sich derer, denn Christus ist sein Wollen
zum Erbarmen. Es ist sonst kein ander Wollen in Gott zum Erbarmen als nur das
einige, das er in Christo hat geoffenbaret. 10,14. Denn das erste göttliche Wollen in Adams erstem Bildnis, da er in
Unschuld war, ist im Menschen verblichen, wie ein Licht in der Kerzen
auslischt. Dasselbe Wohl-Wollen ist verloren, nicht in Gott, sondern im
Menschen. Und aus dem selben Wohl-Wollen, welch Wollen der Name Jehova ist,
hat sich das Wollen der Liebe und Gnade in dem Namen Jesu in Adam nach dem
Fall eröffnet durch das Einsprechen vom Schlangentreter (Christu). Denn mit
diesem neuen Wohl-Wollen in dem Namen Jesu gab Gott das Wohl-Wollen im
Menschen seinem Sohn Jesu, wie Christus sagte Joh. 17,6: Vater — das ist: du
großer Gott oder Jehova im Feuer und Licht — die Menschen waren dein, und du
hast sie mir gegeben, und ich gebe ihnen das ewige Leben. 10,15. Das ander Wollen ist in dem Vorsatz des ersten Grundes des Gottes
Jehova, da das Teil des Lichtes in Adam verblich. So ward die feurische
Eigenschaft in diesem Wollen als der zornige Gott offenbar. Dieser will nun
nach seiner Eigenschaft alles verzehren und in die Finsternis setzen. 10,16. So redet nun allhie der Geist in Mose vom Wollen Gottes nach Liebe und
Zorn aus beiden Vorsätzen als aus der ersten Gerechtigkeit, darinnen Gott den
Adam schuf, und dann aus dem Vorsatz Christi aus der Gnade, als: welches ich
mich erbarme in der Liebe — und welchen ich darin ergreife — des erbarme ich
mich; und welchen ich in meinem Zorn finde mit der Todsünde befleckt und im
Sündenquall eines falschen Lebens einer Distel und Teufelswillen, denselben
verstocke ich in meinem Vorsatze des Eifers. Er kennet sie wohl, wozu ein
jeder dienet. 10,17. Soll man allhie durchaus nicht erwähnen, daß in Gottes Vorsatz soviel
er Gott heißet, ein Wille zur Verstockung von außen in den Menschen fahre,
sondern in des Menschen eigenen Grund, im Vorsatz der Gerechtigkeit Gottes
ist der Quell und Urstand zur Verstockung, denn es ist des Zorns Wollen;
darein verstockt er, welchen er will. Denn die ganze Kreatur des Menschen in
Gottes Zorne ist dasselbe Wollen zur Verstockung, denn sie will nur die
Eitelkeit und die verstocket sie auch. 10,18. So lieget es nun nicht am Wollen, daß der Gottlose will selig werden,
auch nicht an dem Werke seiner Hände, sondern an Gottes Erbarmen, daß er
umkehre und werde mit dem falschen Willen als ein Kind, und werde aus dem
Erbarmen der Gnade neugeboren. Sonst so es am Wollen der eigenen Natur läge,
so könnte die adamische verderbte Natur zur Kindschaft kommen. Aber nein, sie
muß des eigenen Willens sterben und aus dem Willen der Gnaden geboren werden,
daß die Gnade Christi in Gottes Willen offenbar werde, darinnen ist allein
das Erbarmen und Wohlwollen. Das heißet nun: welche er will in Liebe und
Zorn; den Gottlosen will er im Zorn und den Heiligen in der Gnade, einen
jeden aus und in seinem Grunde. 10,19. Das verstehet recht: Zu Pharao ward gesaget: Darum habe ich dich
erwecket und verstocket, daß ich meinen Namen kundmache allen Landen, Röm.
9,17. Pharao war nicht aus der Gnade als aus dem Gnaden-Wollen geboren,
sondern aus dem Zorn-Wollen. Und da Gott wollte seinen Namen kundmachen, wie
er ein Herr sei und wie seine Gnade über den Zorn herrsche, so erweckte er
den Zorn in dem verstockten Pharao und ergriff ihn im Vorsatze seines Zornes
in ihm, und hielt ihn, daß er die Werke Gottes nicht sehen mochte, denn er
war an Gott blind, bis Gott die Gestalten seines Grimmes in Turba magna1
sehen ließ. 1) im großen Zorn Gottes 10,20. Daß aber diesmal die Missetat der Ägypter sei alle gewesen, das deutet
die Schrift an, da sie saget, daß Israel würde den Ägyptern dienen müssen
vierhundert Jahr. Und alsdann wollte Gott dasselbe Volk richten, denn ihre
Missetat zur Verstockung sei noch nicht alle, Gen. 15,13. Aber beim Pharao
war sie alle und die Verstockung bei ihm vorhanden, darum so brachte ihn der
Vorsatz Gottes im Zorne zum Werkzeug. Denn die Ägypter hatten die Plagen
erwecket so mußte sie auch zur herrlichen Offenbarung göttlicher Gnaden über
Gottes Kinder dienen, daß Gott also: an den Gottlosen seinen Zorn und an
seinen Kindern die Gnade sehen ließe. 10,21. Denn die Zeit Pharaos war eine Zeit eines Zieles, da alle Dinge in
Ziel, Zeit, Maß und Gewichte innenliegen, Sap. 11,22. 10,22. Der vermeinte Vorsatz von außen wird in diesem einigen Texte St. Pauli
gewaltig zu Boden geworfen, da die Vernunft meinet, Gott erwähle ihm etwa ein
sonderlich Volk sonderlichen Namens, wie die Sekten in ihrem Streit also
wüten, und wollen in ihrem Namen selig und berufene Kinder sein vor andern
Völkern. 10,23. Ferner: Da St. Paulus saget Röm. 9,24.26: Welche er berufen hat,
nämlich uns, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden; wie er
denn auch durch Hoseam spricht: Ich will das mein Volk heißen, das nicht mein
Volk war, und meine Liebe, die nicht die Liebe war; und soll geschehen an dem
Ort, da ihnen gesaget ward, ihr seid nicht mein Volk, sollen sie Kinder des
lebendigen Gottes genennet werden. — Erklärung: Allhie sehen wir den ersten
Beruf im Paradeis, durch das eingesprochene Gnadenwort gewaltig, welches von
einem auf alle dringet. 10,24. Denn die Heiden waren nicht aus Abrahams Samen, mit dem Gott einen Bund
machte. Es lag aber der erste Bund des in Gnaden eingesprochenen Worts in
ihnen als ein Grund. Darum saget St. Paulus, daß Gott nicht allein die Juden
in ihrem Bunde, sondern auch die Heiden im Bunde Christi berufen und erwählet
habe, und habe das Volk seine Liebe geheißen, das ihn nicht kannte und von
außen in der Unbekenntnis nicht sein Volk war. Aber der Vorsatz der Gnade,
welcher sich im Paradeis nach dem Falle hatte einverleibet durch das
Einsprechen. Der lag in ihnen; nach demselben nannte sie Gott seine Liebe,
welches eingeleibte Wort er in ihnen durch den Geist Christi als dieselbe
Gnadenstimme hatte eine Seele angenommen erweckte, daß ihre Seele, welche in
der Finsternis verschlossen lag, die eingeleibte Gnadenstimme in der Stimme
Christi als durch ein Erwecken eines neuen Einsprechens hörte und die Liebe
in der Seelen angezündet ward; und daß Gott nicht nur auf der Menschen Wissen
sehen und ihm also ein Volk aus seinem Vorsatze zur Kindschaft erwähle, das
vor andern Völkern von seinem Namen wisse zu reden, sondern daß Gott auf
seinen Vorsatz im Paradeis aufgerichtet, welchen Vorsatz er von Ewigkeit in
der unbildlichen Figur des Menschen gehabt, sehe, als auf den ersten Grund
zur Menschheit, da der Mensch im Namen Jesu in göttlicher Weisheit ohne
Kreatur in magischer Inbildung gesehen worden ist. Welche Inbildung auch nach
dem innern Grunde in den Heiden gewesen ist als von einer Inbildung auf alle,
ausgenommen die Kinder des Zorns, da sich dieselbe Inbildung im Zorne
gebildet hat. Welche Inbildung des Zorns nicht über ganze Völker gehet,
sondern über die, im Vorsatze des Zorns, in ihren angeerbten und wirklichen
Sünden ergriffene Distel-Kinder. 10,25. Wie denn zu Elia gesaget ward, als er zu Gott sagte: Israel ist ganz
von dir abgewichen, und ich bin alleine übrig blieben, und sie stehen mir
auch nach dem Leben, — antwortete Gott: Ich habe mir lassen noch siebentausend
überbleiben, die ihre Knie vor dem Baal nicht gebeuget haben (1. Kön. 19,18).
Das sind diese, welche, ob sie wohl von außen mit den Heiden liefen und unter
den falschen Juden wohnten, so war ihr Herz doch in den wahren Gott
gerichtet, und eiferten in Blindheit und Unverstand wie Saulus, bis sich die
Gnade in Saulo erweckte, daß er sehend ward. 10,26. Denn Saulus meinte, er täte dem wahren Gott einen Dienst daran, wenn er
diejenigen vertilgete, welche das göttliche Gesetze wollten in einen andern
Schein, den er nicht konnte wandeln. Er eiferte im Gesetz Gottes aus seines
Herzens Grunde, Gott damit zu gefallen. Das tat er nun nicht aus dem Vorsatz
Gottes Zorns, daß ihn derselbe ergriffen und in das Leben der Finsternis
versetzt hatte, und daß ihn Gott als einen ganz im Tode Verstockten aus einem
sonderlichen Vorsatze sonderlicher Wahl angesehen habe. — Nein, er war auch
einer unter den siebentausend, in welchen der Bund der Gnaden vom wahren
Samen Abrahams und der Verheißung im Paradeis innen lag. Aber der Weg zu
derselben Gnade war ihm noch nicht offenbar. Er eiferte im Gesetze der
Gerechtigkeit und forderte das, was er selber nicht tun konnte. Aber die
verborgene Gnade in ihm konnte es tun, welche sich in seinem Eifer
offenbarete und zum Werkzeuge des Zeugnisses von der Gnade brauchte. 10,27. Darum ist das eine Blindheit und Unwissenheit, daß ein Volk saget: Wir
haben Christi Lehre, Gott lässet bei uns Christum predigen und bei jenem
Volke nicht. Darum hat uns Gott aus seinem Vorsatze zu Kindern der Gnade
erwählet. Und ob wir wohl im Leben nicht besser sind als jene, so hat er uns
aber in seinem Vorsatze erwählet und in Christo unsere wirklichen und
angeerbten Sünden gebüßet, daß wir uns dessen nur dürfen trösten und es als
ein Gnadengeschenk annehmen. Denn unsere Werke gelten nichts vor Gott,
sondern die Wahl seines Vorsatzes, da er den Gottlosen in seinem Vorsatze
gerecht machet, da er mit dem Vorsatze seines Willens den Gottlosen aus der
Hölle zeucht und selig machet. 10,28. Höre, du blinde Babylon, unter Christi Purpurmantel bedecket als eine
Hure unter einem Kranze, welche voll Lust der Hurerei stecket und sich doch
Jungfrau nennet: was ist die Wahl und die Gnade derer du dich tröstest und
denselben Mantel der Gnaden über deine Hurerei und Laster aller Bosheit über
dich deckest? Wo stehet das in der Schrift, daß eine Hure zur Jungfrau werde
durch Herrenbriefe und Gnadengeschenke? Welcher Kaiser kann eine Geschändete
zur Jungfrau machen, wegen seiner Gunst und Wohlwollens? Mag das auch sein?
Wo bleibet die Jungfrau im Herzen und in der Keuschheit? Gott fordert den
Abgrund des Herzens und saget Matth. 5,18: Es soll nicht ein einiger Punkt
seines Gesetzes der Gerechtigkeit vergehen, bis alles erfüllet werde. Womit
willst du die Gerechtigkeit erfüllen, so du ohne göttlich Wesen in dir bist? 10,29. Sprichst du: Christus hat sie einmal für mich erfüllet und dem Gesetze
genug getan. — Antwort: Das ist wahr, was gehet aber dich das an, der du
außer Christo bist und wandelst? Bist du nicht in Christo in der wirklichen
Gnade, so hast du keinen Teil an ihm, denn er sagte: Wer nicht mit mir ist,
der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet, Luk.
11,23. 10,30. Es gilt keine zugerechnete Gnade von außen zu, sondern eine ingeborne
kindliche, aus Christi Fleisch und Blut, die das Verdienst Christi in sich
anziehe. Nicht der Mensch von Mann und Weib geboren aus der verderbten Natur
erlanget die Gnade der Kindschaft, daß sich dieselbe dürfte trösten und
sagen: Christus hat es getan, er spricht mich von Sünden los, ich darf es nur
glauben, daß es geschehen sei. — Nein, der Teufel weiß das auch, sowohl der
Verdammte, welcher sich dieser zugerechneten Gerechtigkeit und Gnade tröstet.
Was hilft ihm aber das, da er doch verdammt wird? Denn nicht alle, die da sagen:
Herr, Herr, sollen in das Himmelreich eingehen, sondern die den Willen tun
meines Vaters im Himmel, saget Christus Matth. 7,21. 10,31. Was ist aber derselbe Wille, den sie tun müssen, daß sie zur Kindschaft
kommen? Da saget Christus: Die da umkehren und werden als die Kinder, Matth.
18,3, und werden aus Wasser und Geist aus Gott geboren, Joh. 3,5. Diese sind
es, denn Christus ist der Wille Gottes, und die denselben tun wollen, die
müssen aus Christo, aus seinem Fleisch und Blut, aus dem Worte, das Mensch
ward, das den Tod und die Sünde in der Menschheit tilgete und in die Liebe
wandelte, geboren werden. Und das Verdienst Christi in der Seelen anziehen
und nach dem innern eingeleibten Gnadengrunde der lebendige Christus werden
als eine wahre Rebe an seinem Weinstocke. 10,32. Nicht durch Trösten eines angenommenen fremden Scheins, sondern
essentialiter (wesenhafte) selbständige, wesentliche Kinder Christi, da der
eingesprochene Gnadenbund mit dem Wesen erfüllet wird, da die Seele von
Christi Fleische und Blute isset und lebet, und solches nicht von außen,
sondern an ihr selber, da Christus immerdar zur feurischen Seele in Gottes
Gerechtigkeit spricht: Nimm und iß mein Fleisch und trink mein Blut, so
bleibest du in mir und ich in dir, Joh. 6,56. 10,33. Die feurische Scienz der Seelen nach dem innern ewigen Grunde der
wahren Gerechtigkeit Gottes in seinem Vorsatz zur Kreatur der Seelen muß sich
in Christi Fleisch und Blut in ein Wesen einführen, und nicht durch fremden
Schein, sondern durch den, welchen Gott in Adam nach dem Falle offenbarte und
in Christo mit der Menschheit erfüllete, da Gott Mensch und Mensch Gott ward;
also auch nun in seinen Gliedern, die aus derselben Wurzel entsprießen, in
denen Christus im eingeleibten Gnadenbunde lebendig wird und die Seele und
Menschheit an sich nimmt. 10,34. So lieget es nun jetzo nicht allein am äußern Wissen, daß ich weiß, daß
ich einen gnädigen Gott in Christo habe, der die Sünde der Menschheit hat
getilget, sondern an dem lieget es: 1.) daß es auch in mir geschehe, daß
Christus, der vom Tode auferstanden, auch in mir auferstehe und über die
Sünde in mir herrsche; 2.) daß er auch die Sünde als die Natur in ihrem bösen
Willen in mir töte, daß derselbe in Christo in mir auch gekreuziget und
getötet werde; 3.) und ein neuer Wille aus der Natur in Christi Geiste, Leben
und Willen in mir aufstehe, welcher Gott wolle, ihm lebe und gehorsame,
welcher das Gesetze erfülle, das ist: der sich in Gehorsam ins Gesetze
einergiebet und dasselbe mit dem göttlichen Liebe-Willen erfüllet, daß das
Gesetze in seiner Gerechtigkeit der Liebe-Begierde untertan werde und sich
auch in der Liebe mit erfreue. 10,35. Alsdann sinket der Zorn Gottes von der Seelen. Und sie wird im
Liebe-Geist von Pein erlöset und lebet in Gott. Dazu gehöret nun ernste Buße,
in welcher die arme Seele ihren Rachen als den Feuermund in Gottes Vorsatz
des Zorns aufsperret und fasset sich in der eingeleibten Gnade mit der
Verheißung Christi, daß er will den Hl. Geist geben denen, die ihn darum
bitten, Luk. 11,13. Diese angebotene Gnade muß als ein lebendiges sprechendes
Wort in den innern Grund der ersten in Adam eingesprochenen Gnadenstimme
eingefasset werden durch die Seele als durch das Centrum der Natur und durch
die göttliche Scienz des Ungrundes, daß es ein Vorsatz zur Buße und zur
Umwendung des Greuel-Willens werde, in welchem Vorsatze der Geist Christi im
ersten Grunde der eingeleibten Gnade, da sie von einem auf alle dringet
vermöge der Schrift, ein neu Leben gebieret; in welchem neuen Leben der Wille
zur Sünde stirbet und untergehet und ein wahrer Ast aus Christi Baume
auswächset, da die Sünde hernach nur in dem sterblichen Fleische herrschet.
Derselbe neue Zweig aber ist in Christo durch den Zorn Gottes in dem Vorsatze
des Zorns durch den ewigen Tod zum Leben der Gnaden hindurchgedrungen, wie
Christus saget: Wer an mich glaubet, der wird nimmermehr sterben, sondern er
ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen, Joh. 5,24. 10,36. So ist nun der Glaube nicht ein auswendig Ding, daß einer saget: bei
uns ist die Gnadenwahl, denn es wird Christus gelehret und bekannt, er hat
uns vor andern Völkern erwählet, daß wir seine Stimme hören; ob wir wohl böse
sind, so hat er uns aber unsere Sünde in seinem Vorsatze vergeben und in
Christi Verdienste getötet, wir dürfen uns nur dessen annehmen und trösten,
es wird uns von außen zugerechnet und als eine Gnade geschenket. 10,37. Nein, nein, es gilt nicht. Christus selber ist die zugerechnete Gnade
und das Geschenke samt dem Verdienst. Wer den in sich hat und derselbe in
seinem innern Grund selber ist, der ist ein Christ, und ist mit Christo
gekreuziget und gestorben und lebet in seiner Auferstehung. Dem ist die Gnade
in Christi Geiste und Leben zugerechnet, denn er darf sich nicht auch lassen
ans Kreuze hängen, sondern zeucht Christum in seinem ganzen Verdienst an. Er
zeucht den gekreuzigten und auferstandenen Christum in sich an und nimmt nun
sein Joch auf sich. Aber es heißet nicht nur Wissen und Trösten, denn
Christus wohnet nicht im Leibe der Bosheit. 10,38. Soll Christus in dir auferstehen, so muß der Wille des Todes und
Teufels in dir sterben. Denn Christus hat den Tod zerbrochen, die Hölle
zerstöret und ist ein Herr über Tod und Hölle worden. Wo er in einem Menschen
einzeucht, allda muß Tod und Hölle in dem innern Grunde als in der Seelen
alles zerbrechen und weichen. Er zerstöret dem Teufel sein Reich in der
Seelen und gebieret sie zu Gottes Kinde und zu seinem Tempel, und gibt ihr
seinen Willen und tötet den Willen der verderbten Natur. Das ist: er
transmutieret ihn in das wahre Bild Gottes, denn es stehet geschrieben 1.
Kor. 1,30: Christus ist uns zur Gerechtigkeit gemachet worden durch sein Blut
— will nun ein Mensch diese Gerechtigkeit haben, so muß er sein Blut trinken,
daß es ihn rechtfertige, denn die Rechtfertigung geschieht im Blute Christi
im Menschen, in der Seele selber, nicht durch äußerlichen, zugerechneten,
fremden Schein. 10,39. Das ist der zugerechnete fremde Schein, der uns im Blute Christi in der
Gnade gegeben wird, da wir in Sünden tot sind. So gibt uns Gott dieses
Gnadengeschenk in uns zu einem neuen Leben, welches neue Leben die Sünde und
den Tod tötet und uns als Kinder der Gnaden vor Gott stellet Denn Christus
erfüllet mit seinem Blute der Liebe in uns Gottes Gerechtigkeit im Zorne und
wandelt denselben in göttliche Freude. 10,40. So sich nun ein Mensch in göttlichem Willen oder ja in einer herzlichen
Begierde zum Wollen nicht befindet, daß er gerne wollte Buße tun und Gott
gehorsamen und Christum anziehen, der sage nicht, daß er ein wahrer Christ
sei, das Mundgeschwätze, da man mit der Zungen Christum für Gottes Sohn
bekennet und sich seiner Gnade tröstet und aber die Schlange mit ihrem
Giftwillen zur Hoffart, Geiz, Neid und Bosheit im Herzen — nur wollend ferner
Übel tun — behält. Das hilft alles nichts. Ein solcher Mensch kreuziget nur
Christum und spottet seines Verdiensts, denn mit der Zungen bekennet er ihn
und mit dem Schlangen Gift im Herzen wirfet er ihn mit Kot und Steinen. Er
tut nichts mehr als die Teufel, welche Christum für die Kraft Gottes bekannten,
wenn er sie aus den Besessenen trieb. 10,41. Denn nicht die Christum allein mit dem Mund bekennen, sind darum
Kinder, sondern die den Willen seines Vaters tun, der im Himmel ist, also in
Christo selber. Denn Christus ist des Vaters guter Wille, den niemand tun
kann, er sei den in Christo und tue ihn in Christi Geiste und Leben. 10,42. Denn nicht alle, die von Abraham kommen, sind Gottes Kinder, sondern
die Kinder des verheißenen Samens, aus demselben neugeboren, die sind Kinder,
welche aus dem Blute Christi neugeboren werden, des ersten Grundes im Blute
Christi, in der Gnade und Liebe Gottes ersterben und auferstehen ein neuer
Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott lebet1, denen
nur die Sünde im tierischen, sterblichen Fleische mit einer Lust anhanget,
über welche Sünde der neue Mensch in Christo herrschet und dieselbe zähmet
und des Fleisches Willen verwirfet. Welcher aber nach des Fleisches Willen
lebet und tut, der ist lebendig tot, und sein Mundbekennen hilft ihm nichts. 1) Anspielung auf M.
Luthers Kleinen Katechismus, Hauptstück von der Taufe 10,43. Denn das Mundbekennen ohne den innern wesentlichen Grund Christi ist
der wahre Antichrist, der da Christum bekennet und mit der Kraft verleugnet
und sich selbst in Christi Stelle gesetzet hat. Ein anders saget er und ein
anders will und tut er. Darum saget der Prophet Hosea, daß der Herr das seine
Liebe nennet, das nicht seine Liebe war, Hos. 2,23, nämlich diese, welche
Christum im Namen und Wesen nicht kennen und von seiner Offenbarung in der
Menschheit nichts wissen, und gehen aber mit der Seelen in ihren inwendigen
Grund, da die Gnade im Paradeis mit dem Einsprechen eingeleibet ward und
ergreifen die Gnade in Gottes Erbarmen. Das ist: die das Evangelium nicht
hören noch haben, glauben aber an den einigen Gott und geben sich in allen
Kräften in ihn ein und wollen gerne Gott erkennen und lieben, wüßten sie nur,
was sie tun sollten, eifern auch mit ganzem Herzen der Gerechtigkeit, —
dieselben, weil sie Christum in seiner geoffenbarten Stimme nicht hören noch
kennen, sind äußerlich nicht Gottes Liebe. Aber nach dem inwendigen Grunde
sind sie in die Liebe der Gnaden als in den paradeisischen Grund in das
eingeleibte Wort eingewurzelt. Diese, saget Gott, wollte er herzuführen zu
seinem Abendmahl, denn sie waren seine Liebe. Und eben darum, daß sie
bezeugen in der Kraft, daß des Gesetzes Werk und die Liebe der Gnaden Gottes
sei in ihr Herz geschrieben, so sind sie ihnen selber ein Gesetz, Röm. 2,14.
Welches Gesetze Christus in seiner Gnade einmal durch sein Blut erfüllet hat,
welches von einem auf alle drang, auf alle, die aus der eingeleibten Gnade im
Willen-Geiste geboren werden. 10,44. Denn obwohl der Text Joh. 3,18 saget: Wer nicht glaubet an den Namen
des eingeborenen Sohnes Gottes, der ist schon gerichtet, — so kann man aber
nicht sagen, daß diese Vorgenannten nicht an ihn glauben. Zwar der äußere
Mensch an ihnen glaubet und bekennet ihn nicht, denn sie wissen nicht, daß
Gottes Sohn Mensch worden ist. Aber derselbe ihr innerer eingeleibter Grund
des eingesprochenen Worts der Gnade, dem sie sich haben mit der Seelen
verleibet, der glaubet in ihnen, bis auf den Tag der Offenbarung Jesu
Christi, da er sein Reich will offenbaren. 10,45. Denn auch die Väter der Juden kannten Christum nicht im Fleisch,
sondern im Vorbilde als in der eingeleibten Gnade, welche sich mit der Figur
im Bunde in ihrem Gesetze offenbarte, und zogen Christum nicht im Fleische an
bis auf seine Offenbarung im Fleisch. Aber im ersten eingeleibten Bunde und
Worte in der Kraft zogen sie ihn an. Als aber Christus denselben Bund mit der
Menschheit erfüllete und das Gesetze des Zorns in der Sünden mit seinem Blut
erfüllete und die Sünde in ihren, welche die Menschheit hatte aufgehalten,
tötete, da zogen sie Christum im Fleische an. Alle, die an ihn in seinem
Bunde geglaubet hatten, das ist: welche den Bund in der Kraft als im Geiste
hatten angezogen, in denen ward der Bund mit himmlischen Wesen erfüllet. Auch
in denen, welche nach dem äußern Leibe waren lange verweset, deren Seele im Bunde
der Kraft lebte. Alle diese zogen Christum in seiner Auferstehung in ihnen
an, und stunden ihrer viel mit ihm nach seiner Auferstehung auf vom Tode in
seinem Leibe und ließen sich zu Jerusalem sehen zu einem Zeugnis, daß sie in
Christo waren auferstanden, und hatten Christum im Fleische angezogen,
welcher ihren Glauben in der Menschheit erfüllet hat. 10,46. Darum wird dirs gesaget, du blinde Christenheit mit deinem
Mundgeschwätz, daß du ohne Christo im Fleische so weit und viel weiter von
Christo bist als die frommen Heiden, Türken und Völker, welche Christum nicht
kennen und gehen aber auf den inwendigen ersten Grund. 10,47. Denn außer Christo hat der Mensch keinen Gott, denn der Gott Jehova hat
die Menschen Christo als den Namen und der Kraft Jesu, welche sich aus Jehova
offenbaret, gegeben. So nun ein Fremdling zu dem Gott Jehova sich nahet und
ihm sich einergiebet, demselben gibt der Gott Jehova Christo. Denn Christus
sagte auch: Vater — das ist Jehova — ich habe der keinen verloren, die du mir
gegeben hast; das ist: der Gott Jehova wird in der Seelen offenbar in dem
bekehrten Sünder. Dieser Offenbarung giebet sich der eingeleibte Gnadenbund
zum Eigentum, welcher Gnadenbund mit seiner Einnehmung der Seelen soll
offenbar werden, wenn Gott das Verborgene der Menschheit offenbaren wird an
dem Tage der Wiederkunft des Fleisches und der Auferstehung von den Toten. 10,48. Darum wird dir, du Titel- und Maulchristenheit, gesaget im Eifer
Gottes, daß du in deinem Mundgeschwätze ohne Christi Geist, Fleisch und Blut
in dir — ebenso wohl heidnisch, türkisch (moslemisch) und vor Gott fremd bist
als sie. Deine vermeinte Wahl sonderlicher Annehmung der Kindschaft außer der
neuen Geburt ist dein Strick und Fall. Der Zorn Gottes machet deinen falschen
Weg, welchen du gehest, zum Strick deiner Berückung und führet dich in deinem
auswendigen Schmuck in die Grube des Todes und der Höllen, daß deine Kinder
nichts als Mörder, Geizige, Hurer, Diebe, Neidige, Boshaftige, Meineidige,
Treulose, Störrige, der Wahrheit Widerstrebende, Hoffärtige, im Sinn des
Teufels nach Macht, Ehren und Gewalt Stehende, den Elenden zu unterdrücken
und untertreten im Herzen sind. Auswendig gleißen sie mit einer Heuchelei und
decken die Gnade Christi über diese Falschheit. Deine Wahl und Vorsatz, o Gott,
muß ihrer Schalkheit Deckel sein, da du dir doch nichts als Christum in den
Gliedern, so aus ihm geboren sind, erwählet hast und nur Christus die
Gnadenwahl selber ist. Aber deine Gerechtigkeit in deinem Eifer, nicht Gott,
findet sie in deinem Grimm; darum gehet es so übel zu. 10,49. O tiefe Gnade Gottes, erwecke dich doch noch in uns armen, verwirrten,
blinden Kindern und reiß ab des Antichrists und des Teufels Stuhl, welchen er
in Gleißnerei hat aufgebauet, und laß uns doch einst sehen dein Antlitz. Gott,
die Zeit deiner Heimsuchung ist ja da, wer kennet aber deinen Arm vor der
großen Eitelkeit des Widerchrists in seinem aufgebauten Reiche! Zerstöre du
ihn, Herr, und reiß ab seine Macht, auf daß dein Kind Jesus offenbar werde
allen Zungen und Völkern und wir von des Widerchrists Macht, Hoffart und Geiz
erlöset werden. Halleluja! Von Aufgang der Mitternacht zischet der Herr mit
seiner Kraft und Macht, wer will das wehren? Halleluja. In alle Land siehet
sein Auge der Liebe und seine Wahrheit bleibet ewiglich. Halleluja. Wir sind
erlöset vom Joch des Treibers, das soll niemand mehr aufbauen, denn der Herr
hats beschlossen in seinen Wundern! * * * Weitere
Vergleichung und Erklärung der Sprüche von der Wahl
11,1. St. Paulus spricht Röm. 10,6-9: Die Gerechtigkeit aus dem Glauben
spricht also: Sprich nicht in deinem Herzen, wer will hinauf gen Himmel
fahren. Das ist nicht anders, denn Christum herabholen. Oder wer will hinab
in die Tiefe fahren, das ist nichts anders, denn Christum von den Toten
holen. Aber was saget sie? Das Wort ist dir nahe, nämlich in deinem Munde und
in deinem Herzen. Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. —
Erklärung: Wer will uns von einer fremden angenommenen Gnade predigen, so daß
das Wort vom Glauben allein ist, das in unserm Munde und Herzen in Kraft
schwebet? 11,2. Wie will der Gottlose bekehret werden durch fremden Schein einer
angenommenen Kindschaft, er nehme denn das Wort, das er in seinem Munde
führet, da er Christentum mit bekennet, in sein Herze, daß es die Seele fasse
in ihrem allerinnersten Grunde? Wo ist die angenommene Kindschaft, ohne wo
das Wort im Herzen der Seelen wurzelt und wohnet? Wo nimmt Gott die in Sünden
toten Menschen an, in welchen allein sein Zorn lebet und zwinget sie durch
eine absonderliche Wahl in den Vorsatz seiner Gnaden? Er lässet das Wort in
dem Munde des Gottlosen schweben, auch in seinen Ohren. So es aber sein Herze
in der Seelen nicht fasset, so lässet er das Licht im Wort in der Gottlosen
Ohren und Herzen verlöschen, und solches darum, daß der Gottlose im Vorsatz
seines Zorns ergriffen und die Seele das Leben der Finsternis mit ihrer
angeerbten und eingeführten Eitelkeit erwecket und angezündet hat, daß es ein
Distel- und Schlangen-Leben ist, dem sich das Wort Gottes der Liebe nicht
eineignet. 11,3. So uns nun das Wort, das in unsern Mund und Herzen schwebet, zu den
Kindern des Glaubens machet, so mag keine fremde Annehmung gelten durch
sonderlichen von außen erwählten Schein, sondern das Ingeborene und wieder
aus der selben Ingeburt aussprechende Wort, da Christus aus seinem Grunde mit
der Seelen und durch die Seele redet, das ist die Kindschaft der Annehmung.
Denn so du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und
glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so
wirst du selig, Röm. 10,9. Aber nicht durch einen absonderlichen Wahn,
sondern der Geist Christi muß in dir bekennen, daß Jesus Christus in dir von
den Toten auferstanden sei. Dein Maul-Bekennen ohne die Auferstehung Christi
in dir hilft dich nichts, denn Christus sprach: Ohne mich könnt ihr nichts
tun; item: niemand kann Gott einen Herrn heißen, ohne Christum in ihm. Denn
er ergreift das Wort Herr ohne Christum nicht in der Kraft, darum ist sein
Herr-Heißen ohne Leben. Denn es ist kein Unterscheid unter Juden und
Griechen, es ist allzumal ein Herr, reich über alle, die ihn anrufen, Röm.
10,12. 11,4. Ferner Röm. 10,13: Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, der soll
selig werden. — Erklärung: Hie macht St. Paulus keinen Unterschied unter den
Völkern, sondern wer Gott in seinem Herzen begehret, dem giebet er die
Seligkeit, welche er in Christo anbietet. 11,5. Wo bleibet nun allhie das erwählte Volk, das sich rühmet, Gott habe es
vor andern Völkern erwählet, daß es kann von Christi Menschheit sagen, so er
sein Reich unter Juden und Griechen hat und daß der allein ein Jude ist und
ein Christ, der es im Herzen der Seelen ist? Wo ist denn die auswendige
zugerechnete Gnade ohne die Kindschaft der Seelen? Wann hat Gott einen Teufel
erwählet und zum Kinde Gottes gemacht? Wohl niemalen. 11,6. Also merke das: Die Gnade kommt nicht aus Verdienst der Werke, sondern
aus dem Lebensbrunnen Christi alleine, aber die Werke bezeugen, daß die Gnade
in Christo in der Seelen lebendig sei. Denn folget das Werk nicht, so ist
Christus in dir noch nicht auferstanden aus dem Tode, denn wer aus Gott
geboren ist, der tut göttliche Werke. Wer aber aus der Sünde ist, der dient
der Sünden mit seinen Werken. 11,7. Es soll sich keiner einen Christen rühmen, er begehre denn göttliche
Werke in der Liebe Christi zu wirken, anders ist es nur ein fremder Schein
ohne das Leben Christi. 11,8. Die Wahl zur Kindschaft gehet allein über diese, welche in der Gnade
lebendig sind und in der Gnade gute Werke wirken. Die andern aber, so sich
der Kindschaft durch eine Gnadenannehmung trösten und in ihren Herzen nur
Greuel wirken, die verstocket der Vorsatz des Zorns Gottes. Von denjenigen
aber, welche nicht aus der Gnade geboren sind und wollen aber durch ihre
Werke und Verdienst dazu kommen, welche auswendig gleißen und inwendig tot
und nur zum Schein also gleißen, saget St. Paulus. 11,9. Röm. 11,7: Wie denn nun, was Israel sucht, das erlanget er nicht. Die
Wahl aber erlanget es, die andern sind verstockt, wie geschrieben stehet Jes.
6,10. Gott hat ihnen gegeben einen erbitterten Geist, Augen, daß sie nicht
sehen, und Ohren, daß sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag. Und David
spricht: Laß ihren Tisch zu einem Strick werden und zu einer Berückung und
zum Ärgernis und ihnen zur Vergeltung. Verblende ihre Augen, daß sie nicht
sehen, und beuge ihren Rücken allezeit, Ps. 69,23.24. 11,10. Erklärung: Welche von Israel meinet allhie der Geist, Jes. 6,10 und St.
Paulus, die nicht unter der Wahl sind, daß sie Gott wolle in seinem Zorn also
verstocken? — Antwort: Diese meinet er, welche, wenn sie das Wort hören, so
nehmen sie das in ihre Ohren und fassen das in bloße Lehre in die Vernunft
und fassen es nicht in die Seele ein, daß es in den Abgrund wurzelt. Es
erreicht nicht die erste eingeleibte Gnade, denn die Hoffart und Eigenheit
lieget davor, auch die Sorge des Bauchs. Der Geiz ist ein Riegel davor und
die Hoffart der Selbheit, eigene Fleischesliebe hat sich an Gottes Statt
gesetzt. 11,11. Diese prangen auswendig mit der Gnade und fassen dieselbe in ihrer
Hände Werk und wollen die Gnade durch das Werk verdienen, wie die falschen
Juden taten, welche allein am Werk hingen und den Glauben nicht im Grunde der
Seelen hatten. Von denen saget St. Paulus: Das Israel im Werke suchet, das
erlanget er nicht, die Wahl aber erlanget es, Röm. 11,7. Denn die Wahl ging
nur auf diese Juden, welche im Abgrunde der Seelen Juden und aus dem
Glaubenssamen geboren waren, welche aus dem verheißenen Samen als aus dem
eingesprochenen Wort in dem Bunde Abrahams und Adams geboren waren, welche
durch das Wort in ihrem Herzen beschnitten worden. 11,12. Denn nicht die Beschneidung der Vorhaut am Fleische galt vor Gott,
sondern die im Herzen. Die im Fleische aber war das Siegel und Zeichen des
inwendigen Grundes, wie die Gnade die Sünde von der Seele abschnitte. Bei
denen aber, so nur mit dem äußern Werk umgingen, war es nicht also, denn sie
waren unter Israel wie Unkraut unter dem Weizen, welches sich über den Weizen
ausbreitet und groß daherflattert und will gesehen sein, daß es ein groß
Gewächse sei. Aber es träget keine gute Frucht und ist auch sonst nichts
nütze, als daß man es verbrenne zur Erntezeit, denn es sticht nur um sich und
nimmt den Raum ein. 11,13. Also auch der falsche Mensch setzet sich wohl in den Tempel Gottes und
nennet sich einen Christen, treibet auch viel Scheinwerke, dadurch er will
das Ansehen haben, als sei er der beste Christ. Er lernet Kunst, studieret
und weiß viel von Gott zu sagen. Er lehret andere, aber um Nutzens und Ehre
willen, wie die Pharisäer taten, welche große Heiligkeit vorgaben und große
Säume an den Pfaffenröcken trugen und lange Gebete zum Schein äußerlicher
Frömmigkeit verwendeten. 11,14. Aber Christus sagte: Sie fressen der Witwen Häuser und umzogen Land und
Wasser und macheten einen Judengenossen, und wenn sie den gemachet hatten, so
machten sie ein Kind der Höllen aus ihm, zwiefältig mehr als sie waren,
Matth. 23,25. Das sind nun diejenigen, welche solchen großen Schein vorgeben
und sagen, sie sitzen an Christi Stätte, ihre Worte sind Gottes Wort. Diese
breiten sich aus und ziehen sich selber groß und trachten im Herzen nur nach
Ehren, Geiz und Hoffart. Was sie sagen, soll man halten, als ob es Gottes
Stimme vom Himmel sei. Und ob gleich die Stimme aus falschem Gemüte sich in
das geschriebene Wort hat eingesetzet und unter dem Buchstaben des Worts wie
Unkraut unter dem Weizen flattert, noch soll es Gottes Wort sein. Wer
dawiderredet und das falsche Kind andeutet, da schreiet die eigene Hoffart:
er ist ein Schwärmer und verachtet das Amt; hütet euch vor ihm, er verführet
euch; kommt nur zu mir her, denn allhie ist das rechte Amt, das von Gott
eingesetzet ist. — Und ob sie gleich nicht von Gott, sondern durch
Menschengunst eingesetzet sind, und auch nicht Gott dienen, sondern ihrem
Bauche, der Hoffart und eigenen Liebe; noch sind sie in ihrem Gemüt das
schöne Kind der Gnaden, welche vermeinen, soviel Gnade zum Überfluß zu haben,
daß sie es andern aus der Gewalt vermeinter großer Heiligkeit ums Geld teuer
verkaufen mögen. Aber wer das kauft, der kauft eine Distel für guten Samen. 11,15. Der andere Part der falschen Israeliten von Abrahams natürlichem Samen
sind diese, welche aus der Macht der Natur über Israel zu Fürsten und
Regierern in allen Ämtern, wie sie einen Namen haben, vom größten bis zum
kleinsten gesetzt werden, daß sie sollen Beschirmer der Gerechtigkeit sein.
Diese alle geben einen großen Schein unter der Wahrheit vor und ziehen sich
unter den Ämtern also hoch in eigenem Dünkel, daß sie meinen, sie sind
eigenmächtige Götter; sie tun, was sie wollen, so sei es recht; ihr Amt habe
die Gewalt, daß man müsse alles recht heißen, was sie tun, und suchen doch
nicht die Gerechtigkeit Gottes in seinem Fürsatze der Ordnung der Natur, viel
weniger die Gerechtigkeit in der Liebe, welche er hat durch die Gnade Christi
offenbaret, sondern setzen ihre eigene erdichtete Gerechtigkeit zu ihren
eigenen Ehren der fleischlichen, wollüstigen Hoffart an die Seele göttlicher
Gerechtigkeit und Wahrheit, und schweben nur im Munde mit dem Gesetze Gottes,
das Herze aber hat sich in das Recht einer Distel gefasset, welche über das
gute Kraut flattert und um sich sticht und sich weit ausbreitet, und träget
selber keinen guten Samen. 11,16. Diese beiden Parten — ausgenommen die Kinder Gottes, so noch darunter
sind, — die sind nun die Hure und das Tier in der Offenbarung Johannis, durch
welche der Teufel ein Fürst dieser Welt unter den Menschen ist, das der Engel
in Abgrund des Schwefelpfuhls stürzet; und sind nicht rechte Israeliten aus
dem Samen der Verheißung geboren, und erreichen nicht die Kindschaft, sondern
die Wahl, welche allein des Glaubens Kinder in der Gerechtigkeit der Gnade
suchet und annimmt, die erreichet es. Die Hure samt dem Tier aber sind in
ihren Lüsten der Bosheit, der Hoffart, Geizes, Neides, Zorns und der
Ungerechtigkeit verstocket, und sind der Antichrist als der Titel- und
Maulchrist, ein Teufel in Engelsgestalt, wie Luzifer im Himmel war, welcher
ausgeworfen ward als ein falscher Same, also auch diese. 11,17. Denn die Wahl des Hausvaters aller Wesen suchet nur guten Samen. Sie
wählet nicht Distelsamen und machet Weizenkorn daraus, wie die Vernunft
meinet, Gott nehme den ganzen falschen Samen und mache ein Kind Gottes
daraus, daß er also seinen Reichtum der Gnaden eines sonderlichen Vorsatzes
sehen ließe. Nein, das geschieht nicht. Der Gottlose, das ist, welcher aus
einem rechten Samen entsprossen ist und aber durch seine angeerbte
Konstellation die Neiglichkeit der Greuel in sich eingeführet hat, der tue
Buße und gehe in seinen inwendigen Grund und werde aus der Gnade geboren, so
mag es geschehen. 11,18. Denn Gott sagte zu Mose: Ich will wohltun an denen, die mich lieben und
meine Gebote halten, ins tausendste Glied, Exod. 20,6. Dieses Wohltun ist
anders nichts als eine Pflanzung des Gnadenbundes in ihrem Samen, wie
Abraham, Isaak, Jakob und David verheißen ward, daß er ihren Samen nach der
verheißenen, eingeleibten Gnade also sehr segnen und mehren wolle, daß er
nicht möge gezählet werden. 11,19. Aber das Reich der Natur in Gottes Vorsatze der Gerechtigkeit stund
auch mit in diesem Samen nach der seelischen Eigenschaft. Das sollte
mitwirken, aber in vielen wendete sich der Seelen Willen von dem Reiche des
Fürsatzes der Gnaden ab; welcher Seelen nun im Reiche der Natur im Zorne
ergriffen und in die Distel wuchsen, das war nun nicht Gottes Schuld, sondern
der Scienz des seelischen Grundes aus dem ewigen Grunde zur Natur als des
freien Willens des Ungrundes zum Naturgrunde der Seelen. 11,20. Allda lieget der erste Grund der Distelkinder, welche die eingeleibte
Gnade des eingesprochenen Worts mit Füßen ihrer falschen Lust treten und
nicht wollen der Gnadenkinder sein, davon Christus als diese Pforte der
Gnaden selber saget, Mich. 7,1 er wäre wie ein Weingärtner, der da
nachlieset; item, er habe Israel seine Kinder oft versammeln wollen als eine
Gluckhenne ihre Küchlein unter ihre Flügel, aber sie haben nicht gewollt,
Matth. 23,27. 11,21. So spricht die Vernunft: Sie haben nicht gekonnt, ja sie können nicht.
— Antwort: Warum? — Vernunft: Sie sind Distelkinder. — Antwort: Warum? —
Vernunft: Es ist aus Gottes Vorsatz. — Antwort: Aus dem Vorsatz göttlicher
Gerechtigkeit nach der Ordnung der Schöpfung der Natur als aus der
Schiedlichkeit des Sprechens im Wort, da sich die Scienz als die Selbheit des
Ungrundes in ihren ersten Grund fasset, das ist es. Denn daselbst fasset sich
Gottes Grimm im Centro der Natur in dem Samen der Menschen aus ihren
angeerbten Sünden, sowohl künftiger wirklicher Greuel mit ein; da Gottes Zorn
öfters eine Wurzel in der Eltern Sünde machet und sich in die Scienz des
Ungrundes einfasset, daraus hernach im Samen eine Distelwurzel entstehet, da
Gott die Sünde der Eltern an ihrem Samen strafet bis ins dritte und vierte
Glied, vermöge der Schrift. 11,22. Diese Distelkinder kommen alsdann auch von Israel, aber nicht aus der
Gnade, das ist: die Gnade, so in sie im Paradeis eingeleibet ist, wächset
ihnen in ihnen zum Gericht. Gleichwie der Sonnen hitziges Ens sich wohl in
die Distel giebet, aber nicht nach der Liebe-Tinktur, sondern nach der Distel
Art, denn die Distel kann sie anders nicht einnehmen als in ihrer Essenz
Gleichheit, wie eine Kröte auch nur Gift aus dem guten Ente sauget. 11,23. Und wie der Sonne Hitze die Distel endlich ausdorret und sie in ihrem
Leben hinrichtet, also auch sitzet Christus mit seiner eingeleibten Gnade in
dem gottlosen Menschen auf seinem Richterstuhl. Es lässet ihn den heiligen
Namen Gottes eine zeitlang zum Schwur seiner Falschheit in seinem Munde
mißbrauchen und sich unter Christi Verdienst in seinem vermeinten Amte —
damit er meinet Gott zu dienen und die Gnade zu erwecken — rühmen, er sei ein
wahrer Christ. Er lässet ihn heucheln und gleißen wie er will, lässet ihn
auch in Christi Namen weissagen wie Kaiphas, welcher riet, es wäre besser,
daß ein Mensch für das Volk stürbe, als daß es gar verdürbe. Er lässet ihn
auch in seinem pharisäischen Amte sich wohl mästen und großziehen. Er giebet
ihm auch die berufene Gnade in seinen Testamenten, gleichwie die Sonne mit
ihrer guten Kraft sich der Distel eingiebet, und lässet sich die Distel
darinnen mästen und großziehen bis zur Erntezeit. Alsdann dörret sie dieselbe
aus und richtet sie zum Tod, denn sie hat falschen Samen in ihr geboren.
Darum jätet sie der Hausvater aus und wirft sie ins Feuer. 11,24. Davon saget allhie St. Paulus und zitiert den Propheten Jesaja an, Kap.
6,10 und den königlichen Propheten David, Ps. 69,23: Laß ihren Tisch zu einer
Berückung werden, — das ist: sie essen von Gottes Wort in ihrem Munde, aber
es wird ihnen von ihrem Herzen der Seelen weggerücket, daß das Heilige nicht
in die Distel eingehe. Und der Satan, saget Christus, reißet das Wort von
ihren Herzen, daß sie nicht glauben und selig werden, denn der Satan sitzet
in der Distel des Grundes der Seelen. Und allhie nennet ihn Christus einen
Fürsten dieser Welt. 11,25. Und der Zorn Gottes hat ihnen gegeben einen verbitterten Geist, Augen,
daß sie den Grund der Gnade nicht sehen, und Ohren, daß sie Christi lebendige
Stimme nicht hören. Darum saget Christus zu den Pharisäern: Ihr seid von
unten her, von dem Vater dieser Welt; item: von dem Vater, dem Teufel, Joh.
8,44, und höret meine Worte nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Wer von Gott
geboren ist, der höret Gottes Wort. Darum höret ihr nicht, denn ihr seid
nicht von Gott. 11,26. Also auch die jetzigen Streiter, Zänker und Verächter der Kinder Gottes
sind nicht von Gott, sondern nur aus dem Mundgeschwätze, aus der
pharisäischen Wurzel, und hören nicht Christum in ihnen lehren. Sie wollen
auch nicht, sondern stoßen ihn vorsätzlich von ihnen und setzen sich an seine
Stelle. Sie sind nicht Apostel Christi, noch ihre Nachfolger, sondern dienen
ihrem Abgott Mausim, der in ihrem Munde schwebet als eine Distel über dem
Weizen. Sie laufen, und niemand hat sie gesandt als nur ihres Herzens Gedichte
zur Wollust menschlicher Ehren, und dienen dem Amt Mausim des Antichrists,
welchen sie haben zu Christi Statthalter gesetzet. Christus nennet sie
reißende Wölfe, Joh. 10,12, welche die einfältige Herde mit ihrem Lästern
fressen und mit Gift der Spötterei Christi töten und sich als Disteln unter
dem Weizen emporschwingen und in menschliche Lehre setzen, und verwirren die
Welt, und ursachen, daß die Distelkinder Krieg und Verwüstung der Länder und
Leute anrichten, dazu sie getreulich mit ihrem giftigen verbitterten Geiste
helfen einraten und dienen. Darum sind diejenigen, davon St. Paulus saget,
Röm. 11,8-10, welcher den Propheten David zitiert, Ps. 69,23: Laß ihren Tisch
zu einem Strick werden und zu einer Berückung und zum Ärgernis und ihnen zur
Vergeltung: Verblende ihre Augen, daß sie nicht sehen, und beuge ihren Rücken
allezeit. Das ist, daß sie ihnen vergelten einander selber in ihrer
Blindheit, indem sie in Christi Amte nur nach Macht und Wollust trachten, daß
sie einander verfolgen, schmähen, verachten und Christi Namen in ihnen dem
Teufel zuschreiben, auf ihrem Lager nur dahin trachten, wie sie einander
wollen mit Listen begegnen und ihre Sache mit der Schrift beschönigen, als
täten sie das aus göttlichem Eifer der Wahrheit, Gott zu gefallen und ihren
Brüdern damit zu dienen. 11,27. Diese laufen als die rasenden Hunde, Wölfe und böse unsinnige im Grimm
des entzündeten Zorns Gottes und fressen den Namen Christi aus der Laien
Munde, und schütten ihre Herzen und Mund voll Lästerei ihres Herzens falschen
Gedichtes, daß ein Mensch den andern um Christi Namen, um ihrer gedichteten
Meinung halben verachtet, lästert und verketzert und für untüchtig hält; und
fressen sich doch nur selber also, daß eine Partei die andere ausrottet, und
vergelten einander ihre Bosheit und Falschheit, wie allhie David saget. 11,28. Diese sind es nun, davon Christus sagte, die in der Schulen obenan
sitzen und auf dem Markte sich gerne grüßen lassen, Matth. 23,6.7., welche
vernünftigen Schein vorgehen, aber ihre Herzen sind voll bitterer Galle. Und
ihre Wege sind schädlich, Ottergift ist unter ihren Lippen, und dienen mir
vergeblich, sagt der Prophet. Diese alle sind nicht unter der Wahl der Kinder
Gottes, sondern nur diese, davon Christus saget: Liebet einander; dabei wird
man erkennen, daß ihr meine Jünger seid, Joh. 13,35; item: so ihr an meiner
Rede bleibet, selig seid ihr, so ihrs tut, Joh. 13,17; item: wer nicht
verlässet Häuser, Geld, Gut, Weib, Kinder und verleugnet sich selber und
folget mir nach, der ist nicht mein Diener, Luk 14,26.33. Alles muß das Herze
übergeben und nichts für eigen halten, sondern denken, daß er nur ein Diener
Gottes und seiner Brüder sei in seinem Stande und mit dem er das zu verwalten
hat, also tun sollte, wie es Gott von ihm fordert und haben will, und nicht
den Mantel Christi mit seinem Verdienste über sich decken und darunter ein
Geiziger, Hoffärtiger, Neidiger, Zorniger bleiben. 11,29. Diese alle, so viele derer sind, so lange sie solche sind, sind diese,
davon St. Paulus und David allhie sagen, sie seien wohl berufen, aber nicht
unter der Wahl der Gnaden, sie kehren denn in Zeit der Gnaden um und
verlassen alles in ihrem Herzen und folgen Christo nach. 11,30. Keine von außen zugerechnete Gnade nimmt sie an, sie werden denn Kinder
der Gnaden. Alsdann nimmt sie die zugerechnete Gnade, welche ist Christus, in
sich ein. Außer Christo sind lauter Pharisäer und Heuchler. Sie gleißen
gleich mit der zugerechneten Gnade wie sie wollen, so sind es Wölfe, vor
denen uns Christus hüten heißt. Ob sie gleich sagen: Hie ist Christi Kirche,
— so ist es alles nichts; an ihren Werken sollt ihr sie erkennen, saget
Christus Matth. 7,16. Folgen sie Christo nicht nach, so sind sie Diebe und
Mörder, saget Christus. Ob sie gleich das einwerfen, daß das Amt Menschen zu
hohen Priestern mache, welche Schwachheiten haben und sich damit wollen
decken, so gilt es alles nichts. Das Herze muß in Christo sein und wandeln.
Und obwohl St. Paulus sagete, daß dem Fleische die Lust anhanget und die
Sünde im äußern fleische wohnet, Röm. 7,17, so siehet man doch wohl, welche
die Lust zu töten und Christo nachzufolgen begehren, denn wo Geiz und Hoffart
innen ist, da ist ein Pharisäer zur Herberge. Entschuldige dich, wie du
willst, so hast du ihn am Halse. 11,31. Ferner Röm. 11, 15.16: Denn so ihrer, der Juden Verlust der Welt
Versöhnung ist, was wäre das anders denn das Leben von den Toten nehmen? Ist
der Anbruch heilig, so ist auch der ganze Teig heilig. Und so die Wurzel
heilig ist, so sind auch die Zweige heilig. — Erklärung: Dieser einige Text
wirft alle Meinungen, daß Gott dem Gottlosen die Gnade zurechne, zu Boden und
setzet es auf den Grund der Wurzel und deutet an, daß Gott nicht aus seinem
Willen etliche verstocke, daß er wolle durch dieselben beweisen, was seine
Gnade sei. Denn also saget St. Paulus: Was wäre das anders als das Leben von
den Toten nehmen ! Er setzet die Verstockung auf die Wurzel, nämlich daß ein
böser Baum böse Früchte trage und ein heiliger Baum heilige Zweige und der
Zorn Gottes Kinder des Zorns gebäre, und solches aus der Menschen Sünde und
Eitelkeit, welches doch den Heiden zum Lichte dienen muß, wie er Röm. 8,28
saget: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen, welche
aus dem Vorsatz der Gnaden berufen und geboren sind. 11,32. Die Vergebung der Sünde, da die Schrift saget, er vergiebet ihnen die
Sünde und rechnet ihnen die Gnade zu zu einer Rechtfertigung, gehet allein
über diese, in welchem inwendigen Grunde Christus lebet und ihnen die Sünde
im Fleische, wie David und andern mehr, anhanget, daß sie oft fallen, denen
hilft die Gnade in ihnen wieder auf und tilget die Sünde und Übertretung. 11,33. Den Verstockten ohne Buße und ganzer Umwendung gehet das nicht an. Sie
dürfen darauf nicht sündigen, indem sie in ihrem Willen in Sünden tot liegen,
daß Gott werde eine Ursache an ihrer Verdammung nehmen. Seine Gnade an ihnen
mit einem sonderlichen Ruf und Zwange sie zu bekehren, sehen zu lassen, als
ob er aus einem Teufel einen Engel mache aus sonderlichem Vorsatze, sonst
hätte das Luzifer mit den Seinen auch zu hoffen. Sondern er lässet ihnen
seine Sonne den ganzen Tag ihres Lebens in ihren Munde und Ohren scheinen,
und rufet sie und saget: Verstocket eure Herzen nicht mit der wirklichen
Sünde, daß das Wort möge in eure Herzen schallen und wurzeln. 11,34. Denn es ist wohl möglich, daß ein armer toter Sünder bekehret werde, so
er will von den Bildern (der Scheinwelt) stillestehn und einen Augenblick
hören, was der Herr in ihm redet. Aber der verstockte, verbitterte Geist will
des Herrn Stimme in ihm selber nicht hören reden, sondern saget nur:
Buchstabe, Buchstabe — das geschriebene Wort sei es allein. Das zeucht ihn
hin und her, und er rühmet sich dessen, aber das lebendige Wort, das den
Buchstaben hat ausgesprochen, das will er in ihm nicht dulden noch hören.
Soll er aber zur Erkenntnis kommen, so muß er sich den Buchstaben vorhin
töten lassen. Alsdann machet ihn der Geist im Buchstaben erst recht lebendig.
Das ist, er muß allen Buchstaben absterben und sich so unwürdig halten, daß
er des buchstabischen Worts nicht wert sei, wie der arme Zöllner im Tempel;
und daß er keine Gerechtigkeit mehr am buchstabischen Worte habe als der
alles verloren habe und nicht wert sei, daß er die Augen zu Gott aufhebe und
daß ihn die Erde trage und er unter die Zahl der Kinder Gottes solle
gerechnet werden. Also hat er alles verloren, und hat ihn der Buchstabe
getötet, denn er giebet sich also in Gottes Gerichte ein. Hierbei muß er nur
auf die lautere Barmherzigkeit Gottes ohne alle seine Würdigkeit hoffen und
in dieselbe sich einersenken als ein Toter, der kein Leben in ihm hat, was
die mit ihm immer tue, und muß an allen seinen Werken verzagen und bloß mit
der Hoffnung in die allerinnerste, lauterste Gnade Gottes sich ersenken. 11,35. Das muß die Seele tun. Und so sie das tut und also einen Augenblick
darinnen verharren mag, so ergreifet sie der erste eingeleibte Bund als die
geschenkte Gnade und giebet sich der Seelen ein. Jetzt, sobald das geschieht,
so stehet der Geist Christi als das insprechende lebendige Wort in der Seelen
auf, und hebet an, Gottes Wort zu sprechen, und gehet zur Stund der Hl. Geist
allda vom Vater und Sohne aus und vertritt die Seele in Gottes Gerechtigkeit
mit unaussprechlichem Seufzen im Gebete, wie geschrieben stehet Röm. 8,26. 11,36. Wir, das ist: die arme Seele, weiß nicht, was sie beten soll, sondern
der Geist Gottes vertritt sie mit unaussprechlichem Seufzen, wie es Gott
gefället. Und allda machet der Buchstabe, welcher im Gesetze der
Gerechtigkeit Gottes sie getötet hat, wieder lebendig und setzet sie ein zum
Lehrer seines Worts, beides in der Kraft des lebendigen Worts und in dem
buchstabischen Worte. Denn diese gehen hernach erst zur Türe in den
Schafstall Christi ein, und die Schafe hören ihre Stimme, wie Christus saget. 11,37. Die andern aber alle miteinander, wes Namens die sind, welche nicht
durch die Türe des lebendigen Worts durch das buchstabische Wort eingehen,
die steigen anderswo hinein und sind Diebe und Mörder, Joh. 10,1-3, wie
Christus sagte, und die Schafe hören nicht ihre Stimme. 11,38. Denn Christus alleine ist die Türe, verstehet: der lebendige Christus
in seinem Leben und Sprechen in und aus der Seelen. Der gehet durch das
buchstabische Wort in die Herzen der Menschen wie durch Petri Predigt am
Pfingsttage. Wer sich anders zu einem Lehrer des buchstabischen Wortes
aufwirft, der ist nicht von Gott gesandt und kommt nur, daß er stehlen will,
nämlich Christus will er seine Ehre stehlen und ihm nehmen. 11,39. Und also mag der arme in Gottes Zorn getötete Mensch wieder lebendig
werden, ob er gleich schon tot wäre. Denn Christus ist kommen, die Sünder zur
Buße zu rufen und nicht die Gerechten. Und so ein solcher im Zorn Gottes
verschlossener armer Sünder kommt, so ist Freude im Himmel vor Gottes Engeln
mehr als über neunundneunzig Gerechten, Luk. 15,7, die da sind ergriffen und
Zweige der Heiligen sind und solchen Grundes nicht erst bedürfen, sondern der
Grund lieget vorhin in ihnen. Bei diesen aber wird der Grund in Gottes Zorn
offenbar. Und allhie beweiset Gott an denen, wie das Leben aus dem Tode
entsprosse und wie Christus dem Teufel sein Reich zerstöre und die Hölle
zerbreche. 11,40. Darum ist das unser wahrer Schluß, daß über keinem Menschen ein
vorsätzlicher Schluß zur Verdammnis sei gemacht, daß es nicht möglich sei,
daß er könne bekehret werden. Denn ob wohl der Mensch sich selber nicht kann
bekehren, so hat aber seine Seele Macht, von ihrem Unstande aus der ewigen
Scienz des Ungrundes her sich in den Abgrund zu schwingen, in den Grund,
darinnen Gott sein Wort gebieret und spricht. In welchem Abgrund der Kreatur
das Gnadengeschenke in allen Menschen innelieget und sehr gegen die Seele
sich neiget als die Seele gegen diese tiefe Gnade. Allda mag die Seele in
Gottes Gnade wohl ergriffen werden, daß sie Christo in seine Arme also einfället,
welcher ihr das Können und Vermögen viel lieber giebet als sie es begehret. 11,41. Daß aber einer sagen wollte, die Seele könne sich nicht in den Abgrund
schwingen, der redet als einer, der noch lange nichts vom Geheimnis Gottes
verstehet, was die Seele und was ein Engel ist, und will den Zweig vom Baume
abbrechen, darinnen er doch stehet. 11,42. Die Seele ist aus dem Abgrunde in eine Kreatur gesprochen worden. Wer
will nun der Ewigkeit ihr Recht brechen, daß der ewige Wille der Seelen der
aus dem ewigen Willen der Kreatur sich nicht wieder dürfte in seine Mutter
einschwingen, daraus er gegangen ist? 11,43. In das Licht, welches dem Willen erloschen ist, kann er in eigenem
Vermögen sich nicht einschwingen. Aber in die Ursache zum Lichte, da weder
Böses noch Gutes innen ist, kann er sich schwingen, denn er ist selber
derselbe Grund. So er sich nur aus seiner Bildlichkeit in sich selber auf den
Abgrund ersenket, so ist er schon da. Und in diesem Abgrunde lieget sein
Perllein, und Christus stehet allda vom Tode auf und sitzet allda zur Rechten
in der Kraft Gottes im Himmel im Menschen. Ob wir doch einst sehen wollten,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzet. 11,44. O ihr Menschen, seid doch nicht also blind! Wie tut euch Gott seine
Gnadentüre so weit auf, nehmets doch in acht. Sehet doch die Zeit an, eure
Heimsuchung ist geboren. Tretet doch in das Gnadengeschenke göttlicher
Gnadenoffenbarung nicht mit Füßen eurer tauben Vernunft. 11,45. Weil der Mensch lebet, so hat er eine offene Gnadenpforte gegen ihn. Es
ist kein Schluß aus göttlichem Willen über ihn zum Tode, denn der Vater hat
den Schluß seiner Gerechtigkeit in die Gnade Christi als seinen Sohn gegeben.
Eure Verstockung kommt aus euch selber. Gottes Zorn verstocket euch in euren
angeerbten und wirklichen Sünden, und kein fremder einfahrender Wille. * * * Kurzer Bericht
etlicher Fragen, welche die Vernunft irren, darinnen sie meinet, Gott
verstocke den Menschen
12,1. In der Apostelgeschichte Kap. 13,48 stehet: Es wurden gläubig, soviel ihrer
zum ewigen Leben versehen waren. — Das ist der Vernunft ein Anstoß, und
verstehet es nicht. 12,2. Wann hat die Vorsehung angefangen? Sprichst du, von Ewigkeit vor der
Kreatur? — Ja, ich sage auch also, aber in der Kreatur nicht von Ewigkeit,
denn sie war noch nicht. 12,3. Gott sah in Liebe und Zorn, was werden würde, so er die ewige Natur in
Kreatur infassete. Denn er sah von Ewigkeit in sich wohl, so sich die
Temperatur würde in eine Schiedlichkeit ausführen und die Schiedlichkeit in
kreatürlichen Willen sich einfassen würde, daß es würde ein Contrarium sein,
und ist auch eben der Grund göttlicher Offenbarung. Die Schrift saget aber
nicht, daß Gott die Willen in der Schiedlichkeit von Ewigkeit zum ewigen
bösen Wollen und zum ewigen guten Wollen verordnet habe, daß sie ein jedes,
wozu es unvermeidlich geordnet, also wollen müssen. Denn das beweiset
Luzifers und Adams Veränderung ihres Wollens, daß sie frei waren im Wollen,
aber im Fall verlor Adam das Wohlwollen. 12,4. Nun im angezogenen Text Apg. 13,48 heißt es jetzt allhier nach dem
Fall: Die aus dem ewigen Wollen hierzu auf diesmal versehen waren, denn der
Text lautet: Und der Herr tat hinzu, soviel ihrer versehen waren oder im
Gnadenlichte ersehen waren, denen das göttliche Auge offen war, die waren diesmal
aus- und in dem inwendigen Grunde ersehen und versehen, wie Apg. 2,47 klarer
stehet: Der Herr tat hinzu täglich, die da selig wurden. — Nicht die da von
Ewigkeit selig waren, sondern die da selig wurden, sagt der Text, die da aus
der ewigen Wahl in Christo Jesu selig wurden, die tat er täglich zu der
Gemeinde. 12,5. Frage: Warum nicht auf einmal? — Antwort: Sie waren noch nicht selig
geworden, sie waren wohl in der Versehung oder Sehung Gottes, daß sie würden
selig werden, aber die Verordnung kam erst mit dem Zutun zu der Gemeinde,
wenn sie selig wurden. 12,6. Warum bekehrten sich am Pfingsttage nur dreitausend Seelen und doch
hernach mehr? — Antwort: Sie waren noch nicht in ihnen versehen, das ist:
versehen an diesem Orte, wenn sich die Gnade erhebet und durch das
"ver" als durch den Zorn bricht, so gehet das Versehen aus dem
ewigen Gnaden sehen oder Einsehen an. Denn wie mag ein Ding von Ewigkeit
verordnet werden, das nicht von Ewigkeit gewesen ist? 12,7. Wie mag die Seele von Ewigkeit, als sie noch ein Ens und Spiel in
göttlicher Weisheit war, verordnet sein worden, daß sie solle ein Teufel
werden, welches greulich zu denken oder zu reden wäre und doch keinen andern
Verstand leiden würde, so man auf eine von Ewigkeit Verordnung gehen wollte,
also wäre alle Lehre umsonst? Was darf die Gnade denen predigen, die nicht
irren noch fallen mögen und die in einer unwidersprechlichen Prädestination
stehen? 12,8. Dieses von Ewigkeit Versehen verstehet man in Christo, daß welche
gläubig worden, die waren von Ewigkeit in der Weisheit versehen, daß wenn
sich Gott einst bewegen würde und die Natur in Schiedlichkeit zur
kreatürlichen Offenbarung einführen, der Name Jesus als die höchste Liebe
Gottes sich in die Scienz des feurischen Willens in der Schiedlichkeit einergeben
und in der feurischen Scienz in die Freudenreich sich einführen und den Grimm
in ein Liebe-Feuer in der Seelen des Menschen, welche aus der feurischen
Scienz mußte urständen, wandeln wollte, da die Gnade in dem Namen Jesu zu
einem Panier in den seelischen Grund sich einvermählen wollte, wie denn im
Paradeis nach dem Fall geschehn. Das selbe Panier ward in des einigen Weibes
Samen gestecket, da die Versehung innen lag, aus welcher alle Menschen
herkommen. Aber die Schiedlichkeit in der feurischen Scienz die wäret also
lange, als Seelen geboren werden. 12,9. Es ist keine gewisse Verordnung von Ewigkeit über jede Seele, die da
sollte geboren werden, sondern nur eine allgemeine Gnadenversehung. Die
Verordnung gehet mit der Zeit des Baumes an. Auch ist das Sehen noch in dem
Samen, ehe er eine Kreatur wird, so kennet Gott den Grund, was werden wird,
aber das Gerichte gehöret der Erntezeit, wie Christus in allen Gleichnissen
also redet. 12,10. Von der Purpurkrämerin Lydia, da geschrieben stehet Apg. 16,14: Der
Herr tat ihr das Herz auf, daß sie vernahm, was Paulus redete, und gläubig
ward an den Namen Jesus. — Das ist es eben mit der Lydia wie mit allen
fremden Völkern, welche den Namen Jesu nicht kennen, und gehen aber auf den
inwendigen Grund außer aller Bildlichkeit und begehren den einigen Gott zu
erkennen und ihm sich zu ergeben. Die werden von der eingeleibten Gnade des
eingesprochenen Worts ergriffen und ohne der Vernunft Wissen zu Kindern der
Gnaden erwählet und geboren, als denn auch von dieser Lydia zu gedenken ist.
Ob sie wohl anfangs Paulum für einen fremden Lehrer mochte gehalten haben.
Als sie aber hörte, daß er das Gesetz der Gerechtigkeit predigte, wie daß das
Gesetz der Sünden, welches den Menschen gefangen hält, sei in einer solchen
Gnade erfüllet worden, so bewegte sich in ihrem Hunger nach der
Rechtferti-gung der innerste Grund in der eingeleibten Gnade, und ward
Christus in ihr lebendig, daß sie Christi Stimme in den Worten Pauli vernahm,
was Christus in ihr lehrte, denn Christus ward in ihr hörend. 12,11. Den andern Heiden aber war es nicht also, denn sie stunden nur in der
Bildlichkeit. Ihr Herze war nicht zu dem einigen Gott gerichtet, denselben zu
erkennen, denn sie hatten ihre heidnischen Abgötter, denen sie dienten, und
wollten nur etwas neues von Paulo hören. Nichts desto weniger ging das Wort
in ihre Ohren hinein und drängte sich in diese ein, welche eines guten
Grundes waren, welche sich hernach noch haben bekehret, als sie mehr hörten
von Christo predigen; wie ihrer denn hernach an demselben Orte viel tausend
bekehret worden, da sie das Wort noch mehr ergriff. Also sind auch ihrer noch
viel von denen hernach bekehret worden, welche Petrum am Pfingsttage hörten,
und noch denselben Tag ihn verspotteten. Als ihnen aber das Wort mehr einschaltete,
so kam die Stunde ihres inwendigen Hörens. Gleichwie Longino1 der
Christum in die Seite stach, auch erst die Stunde seiner Bekehrung kam, als
er hörte von vielen sagen, Christus wäre Gottes Sohn; und ward ein Märtyrer
um Christi willen, wie die Historien melden. 1) in der Legende der
römische Hauptmann Longinus 12,12. Und soll man allhie nicht sagen, Lydia sei vor andern von Ewigkeit
hierzu verordnet worden, daß sie Paulum allein hören sollte, Apg. 16. Sie war
diesmal in göttlicher Bereitung und wollte gerne den wahren Grund von Gott
verstehen. Ihr Herze sehnte sich danach. Darum tat ihr Gott das Herze auf.
Die andern aber waren diesmal noch nicht bereitet, sondern da der Hl. Geist
begann, an ihr Herz anzuklopfen, fasseten sie es nur in die Ohren, bis sie
ihm auftaten, und dachten dem nach und forschten in der Schrift, obs sichs
also verhielte, wie Paulus sagte, Apg. 17,11. Als auch von den Ephesern
gesaget wird, da sie das Wort mehr hörten, so hatten sie schon eine hungerige
Tür des Herzens offen, da Christus mit seinem Wort Raum hatte. 12,13. Also ist es mit allen Heiden ergangen und auch mit den Juden, welche
Christum erstlich spotteten, als er am Kreuze hing. Als sie aber sahen, was
da geschah, schlugen ihrer viel an ihre Herzen, wendeten um und sagten:
Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen, Luk. 23,47. 12,14. Dieses geschah denen Juden, welcher inwendiger Grund diesmal
offenstund, denen tat Gott die eingeleibte Gnade im Geiste Christi auf, als
man denn in Historien viel findet, daß mancher Mensch in seiner eingemodelten
heidnischen Bildlichkeit eine lange Zeit Christum verspottet und doch
endlich, wenn er ist in den ernsten Grund seiner selber gegangen, und
eigentlich vernehmen wollen, was doch für Fabeln von Christo gesaget würden,
bekehret worden. 12,15. Denn sobald das Herze von der Bildlichkeit stillestehet und sich in den
Grund seiner selber schwinget, so dringet die Stimme Christi im Worte hinein
und klopfet in der Essenz der Seele an. 12,16. Die Einbildlichkeit des irdischen Wesens verhindert das Herze, daß es
nicht mag Gott stille stehen und in seinen inwendigen Grund, da Gott lehret
und höret, kommen. Denn, ist doch Gott selbst an allen Orten durch alles
gegenwärtig, wie geschrieben stehet: Bin ichs nicht, der alles erfüllt? Jer.
23,24. Was braucht denn die Seele sich anders wohin schwingen, Gott zu hören,
als nur eben in ihren Abgrund? Da ist und wohnet Gott von Ewigkeit zu
Ewigkeit. Er darf nur in der Kreatur offenbar werden. Dazu stehet er in dem
Geiste Christi in demselben innern Grunde und klopfet an die Seele an. So
sich nun die Seele gegen ihn wendet, so machet ihr Christus die Gnadentüre
selber auf und zeucht bei ihr ein und isset das Abendmahl mit ihr und sie mit
ihm, Apok. 3,20. — Erklärung des Spruchs Matth. 13,11 und Luk. 8,10. 12,17. In diesen Orten stehet: Euch ist gegeben das Reich Gottes zu verstehen,
den andern aber im Gleichnis, daß sie es hören und nicht verstehen. Item: er
legte ihnen das Gleichnis aus, und den andern nicht. 12,18. Allhie liegt nun die Vernunft also tot, daß sie nichts siehet ohne das
göttliche Licht, und meinet anders nicht, als Christus habe es den andern
nicht gönnen wollen, sie wären dessen nicht wert gewesen, unangesehen daß ihm
das Volk nachzog und mit hungriger Begierde ihn hörete lehren. Aber es hat
allhie ein ander ABC und Verstand. Christus sagte zu seinen Jüngern: Mein
Vater will euch einen andern Tröster senden, den Geist der Wahrheit, der vom
Vater ausgehet; wenn der kommen wird, der wird euch erinnern alles dessen, was
ich euch gesaget habe, denn von dem Meinen wird er es nehmen und euch
verkündigen, Joh. 16,13.14. 12,19. Nicht des Vaters Stimme in Christo in Gottes Gerechtigkeit sollte in
der Laien und Zuhörer Herzen und Ohren also eingehen, ausgenommen etliche,
durch welche der Vater Wunder wirken wollte, sondern diese Stimme sollte in
sie eingehen, welche der Hl. Geist aus Christi Leiden, Tod und Auferstehung
mitbrachte als die Stimme der offenen Gnadentüre. 12,20. Denn vor Christi Leiden war die Stimme des Hl. Geistes in Christo noch
in Gottes Gerechtigkeit als im Gesetze. Aber in Christi Tode ward das Gesetze
der Gerechtigkeit Gottes erfüllet. Also ging hernach der Hl. Geist durch die
Erfüllung, durch Christi Wunden, Blut und Tod in der größten Erbarmung im
Geisti Christi aus. Diese sollten die armen Sünder hören, welche ihm mit
Begierde nachzogen. Den Jüngern aber ward des Vaters Stimme in Gottes
Gerechtigkeit gegeben, daß sie die aus Christo sollten hören. Denn sie
sollten erstlich mit derselben feurischen Gerechtigkeit angetan werden, in
welcher des Vaters Allmacht stund als der seelische Grund. Hernach ward ihnen
am Pfingsttage der Hl. Geist aus der Gnadenliebe aus Christi Erfüllung der
Gerechtigkeit gegeben in die feurische Gerechtigkeit des Vaters. 12,21. Da das geschah, so wurden in ihnen die Zungen als des Vaters
Gerechtigkeit zerteilet, und ging der Geist Christi durch die Zerteilung
Gottes Gerechtigkeit mit der Liebe Flamme aus. Und das geschah ihnen darum,
daß sie im Geiste des Gesetzes und Evangelii von der Gnade im Geiste
gegründet würden, denn sie sollten Wunder tun. So kommt aber die Kraft der
Wunder aus des Vaters Allmacht und Eigenschaft und nicht durch die
Eigenschaft der Liebe und Demut, welche nur leiden soll und sich in Gottes
Gesetze und Gerechtigkeit in Zorn einergeben und den Zorn mit Lieben und
Leiden erfüllen und auch in Liebe der Erbarmung wandeln, wie wir solches klar
an Christi Person sehen. 12,22. Wenn Christus wollte Wunder tun, so betete er erst zu seinem Vater als
in die feurische Allmacht, in die Gerechtigkeit. Als er aber des Vaters
Gerechtigkeit mit seiner Liebe und Demut in seinem Blut der Liebe-Tinktur des
Namens Jesu erfüllet hatte, so ward des Vaters Gerechtigkeit im Zorne der
Liebe Christi untertan. Und aus derselben Untertänigkeit sollten die andern
Menschen außer den Jüngern nach Christi Himmelfahrt den Hl. Geist hören reden
und die Gleichnisse Christi verstehen, als es denn auch also geschah, daß sie
hernach alle Geheimnisse wohl verstunden. Denn der Geist Christi aus seiner
Erfüllung aus seiner Auferstehung tat ihnen das Verständnis auf, wie dann
auch den beiden Jüngern auf dem Wege nach Emmaus und dem großen Volke, das
den Geist Christi aus der Apostel Munde nach seiner Auferstehung durch den
rechten Sender aus Christi Leiden und Tod hörete die Gleichnisse ohne
Sprichwort reden. 12,23. Darum lehret Christus, als er auf Erden vor seinem Leiden wandelte, in
eitel Gleichnissen, daß sie denselben Geist Christi nicht sollten empfangen
als in des Vaters Gerechtigkeit. Denn es war noch nicht der Grund, den er
ihnen wollte aus seiner Gnade schenken, sondern der war es, der am
Pfingsttage aus seinem Verdienste, da er die Sünde getilget und in Gottes
Gerechtigkeit zugesiegelt hatte, kam, Matth. 13,34. 12,24. Sie sollten nicht alle in Wundern und Taten einhergehen, wie die
Jünger, welche dazu verordnet waren aus des Vaters Gaben, da Christus sagte:
Vater, ich habe der keinen verloren, die du mir aus deiner Gerechtigkeit
gegeben hast, als nur das verlorne Kind, — das vorhin verloren war, daß die
Schrift erfüllet würde. Joh. 17,12. Damit meinete Christus diejenigen, welche
ihm sein Vater hatte zur Ordnung und zum Amte des Einladens in sein Reich
gegeben. Die andern aber sollten durch den Geist der Demut aus Christi Liebe,
aus dem Prozeß des Leidens und Todes Christi geboren werden und ihm in seinem
Prozeß unter der Kreuzfahne in Geduld nachfahren und sich aus Gottes
Gerechtigkeit mit ihrer Demut im Geiste Christi einergeben und aufopfern, aus
welchem das Morden der Juden und Heiden anfing. 12,25. Denn durch der Christen Blut ward Gottes Gerechtigkeit im Zorne in die
große Liebe-Erbarmung gebracht, daß in Gottes Gerechtigkeit solche Wunder und
Taten in der Demut Christi bei den Christen geschehn, welches jetzo eine
zeitlang wohl gefehlet hat, seit man den Geist Christi im Menschen hat wollen
auf weiche Kissen und fette Bäuche in Macht, Pracht und Herrlichkeit setzen,
welcher doch nur darum ist erschienen und offenbar worden, daß er will leiden
und Gottes Zorn in seiner Gerechtigkeit mit Einergeben seines Leidens
erfüllen. 12,26. Darum beschaue dich, du genannte Christenheit, ob deine Gerechtigkeit
in der Geduld des Leidens Christi jetzo stehet? Ob du auch was mehrers in
deinem Christennamen suchest, als daß Christus mit seiner Liebe in seinem
Leiden und Tode in dir offenbar werde, daß du allein begehrest, seinem Bilde,
damit er Gottes Gerechtigkeit erfüllet hat, ähnlich zu werden. 12,27. Beschaue dich doch nur, suchest du nicht eitel Ausflüchte und deckest
das Leiden Christi über dein heidnisches, abgöttisches Bilde? Was tust du, du
vermeinte Christenheit? Mit Disputieren und Forschen willst du ein Christ
sein, fremde Sprachen sollen dich zum Apostel machen, Streiten, Greinen und
Zanken ist dein apostolisch Herze, darunter nichts als deine eigene Ehre steckt,
voller Sucht des schwarzen Teufels. Wo hast du das Leiden und die Geduld
Christi in seinem Gehorsam hingetan? Du Böse, siehe, es kommt ein Bote aus
Gottes Gerechtigkeit und fordert das von deinem angehängeten Christennamen
mit Feuer und Schwert, dich als treulos zu vertilgen und seine wahren Kinder
des Gehorsams in seiner Liebe zu offenbaren. Das wirst du nahe erfahren;
reden wir, als wir sollen. Amen. Von den Worten
Christi: Vater, vergib ihnen! 12,28. Item; es werden auch die Worte Christi am Kreuz mit eingeworfen, da er
sagte: Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun, Luk. 23,34. —
Erklärung: Wie oben gemeldet worden, den Juden waren die Geheimnisse vom
Reiche Christi und von der wahren Rechtfertigung des armen Sünders vor Gott
ehe nicht offenbar, bis die Rechtfertigung im Blute Christi geschehen war.
Also sollten nun diejenigen, welche der Vater zum Werkzeuge und Prozeß
Christi erkoren hatte, zuvorhin nicht wissen, was sie taten. Aber nachdem sie
es getan hatten, so tat ihnen Gott das Verständnis zur Bekehrung auf. Darum
hat Christus des Vaters Gerechtigkeit, welche diese Mörder und Blutrichter im
Zorne verschlingen wollte, daß Gottes Gerechtigkeit ihnen in Christi Blute
vergeben wollte. 12,29. Niemand kannte den Weltheiland recht, auch die Apostel selber nicht,
bis auf die Offenbarung aus seinem Tode, und soll man nicht sagen, Gott habe
diese Männer in Sonderheit dazu verstocket, daß sie Christum nicht haben
kennen mögen. Nein, es kannte ihn wohl keiner recht, was sein Amt war, bis
nach seiner Erfüllung dessen, darum er kommen war. 12,30. Diese Männer, welche Christum urteilten und töteten, die saßen im Amte
des Gesetzes der Gerechtigkeit Gottes. Das Gesetze als Gottes Gerechtigkeit
tötete Christum. Sie aber meinten, sie taten Gott einen Dienst daran, und
eiferten in Gesetze Gottes Gerechtigkeit, welches Gesetze sie auch zum
Werkzeuge der Erfüllung des Gesetzes in Christo als des Gesetzes Amtleute
erkoren hatte. 12,31. Wie denn auch Saulum also, daß er in dem Gesetze der Gerechtigkeit
Gottes eiferte mit wahrem göttlichen Eifer, wie es das Gesetz erforderte, bis
ihn die Erfüllung des Gesetzes im Eifer seines Fürhabens ergriff und ihm
andeutete, daß dieser Eifer im Gesetze sei mit Blut erfüllet worden. Er
sollte hinfüro nicht mehr im Gesetze der Gerechtigkeit des Vaters im Feuer
eifern, sondern in der Erfüllung in der Liebe Christi. 12,32. Denn das sind nicht die größesten Sünder, die Christum gekreuziget
haben, denn sie sollten es tun vermöge des Amts im Gesetze, das sie trugen;
sondern das sind vielmehr die größesten Sünder, welche nach des Gesetzes
Erfüllung Christum spotten und in seinen Gliedern töten, auch selber in
Sünden tot bleiben, nachdem ihnen schon die Gnade in des Gesetzes Erfüllung
in Geistes Kraft mit Wundern und Taten war angeboten, welche ihre Ohren
zustopften und nur dawider lästerten. Diese lästerten den Hl. Geist im
Verdienst Christi in seiner herrlichen Offenbarung und angebotenen Gnade. 12,33. Darum sollen wir die Schrift recht ansehen und nicht von einer
sonderlichen Verstockung sagen, indem Christus sagte: Sie wissen es nicht,
was sie tun. — Es wußte es keiner, wer Christus war, bis in seinen Tod; da
erkannten sie ihn erst. 12,34. Ob nun hernach einer nach den Worten Christi sagen wollte: Ich tue dies
und das und weiß nicht, was ich tue, Gott hat mich also verstocket, ich muß
es tun. Item, ich muß stehlen, lügen, auch wuchern, geizen und zürnen und
damit Hoffart treiben. Der sehe sich wohl an, was er ist und ob er nicht ein
Kind des Teufels sei, welcher ihn mit solcher Einbildung verstocket habe. So
ihn Gott also verstocket hat, daß er tun muß, so ist das Gesetze seiner
Gerechtigkeit von ihm ab und auch die Lehre des Evangelii, denn er tut, was
er tun soll und muß und kann unvermeidlich anders nicht sein. Welches alles
wider das Gesetze der Gerechtigkeit des Vaters und wider das Gesetze des
Sohnes in seinem Evangelio läuft und er dessen keinen Beweis hat, damit er
sich entschuldige, wenn ihn Gottes Wahrheit als einen Lügner in die Hölle
wirft, deren Kind er im ergriffenen Zorn Gottes auch ist als aus dem Vater
der Lügen geboren, wie Christus vom Satan sagte, Joh. 8,44. 12,35. Mehr wirft die Vernunft ein: Christus bat für Petrum, daß sein Glaube
nicht aufhöre, Luk. 12,32, warum auch nicht für die andern, daß deren Glaube
nicht aufhöre? Also muß ja ein Vorsatz sein, saget die Vernunft. 12,36. Erklärung: Wie schon gesagt worden, Petrus und die andern Apostel
empfingen den Grund des Glaubens aus Christi Stimme vor der Erfüllung des
Gesetzes. Ihr Glaube ruhete noch im Gesetze des Vaters als im Geiste der
Gerechtigkeit Gottes. Darum sagte Christus zu ihnen, er wollte ihnen einen
anderen Tröster senden als den Geist der Wahrheit, der den Glauben aus
Christi Erfüllung und Tode aus seiner Auferstehung und Wiederbringung nehmen
würde, der würde bei ihnen bleiben und sie in alle Wahrheit leiten, und es
von dem Seinen nehmen und in ihnen verkündigen. 12,37. Der erste Glaube ward ihnen aus dem Vater gegeben, da er sie zu seinen
Jüngern gab, darinnen lag noch Gottes Gerechtigkeit im Zorn. Diesen Glauben
begehrte der Satan zu sichten und zu durchdringen, ob er der sei, der ihm
solle und wolle sein Reich im Menschen nehmen und die Hölle zerstören.
Welcher Glaube im Zorn Gottes auf dem rechten Teste der Probierung im Feuer
noch nicht bestehen konnte, darum habe der Name Jesus für sie, daß doch
dieser Grund, darinnen sie hernach in dem Glauben, der Liebe und Demut
sollten Wunder tun, in ihnen nicht aufhörte, sonst würden die Wunder also
feurisch nicht sein erfolget über Leben und Tod als über Gottes Gerechtigkeit,
welche die Liebe im Blut Christi überwand. 12,38. Den andern aber war dieser Glaube noch nicht gegeben, denn sie waren
nicht Apostel, sondern mußten warten auf die Verheißung. Da ward ihnen der
Gnadenglaube gegeben, und in demselben Gnadenglauben bittet Christus auch für
sie, wie für Petrum, daß ihr Glaube nicht aufhöre, wie geschrieben stehet: Er
sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns, und bittet ohne Aufhören die
Gerechtigkeit Gottes mit unaussprechlichem Seufzen für uns in uns selber. So
wir doch die Schrift wollten einmal lernen sehen und verstehen und von dem
unnützen Geschwätze ausgehen in den Grund der Wahrheit! 12,39. So soll nun niemand sagen, Christus bitte nicht für alle Menschen, wie
er für Petrum bat, daß ihr Glaube nicht aufhöre, denn er ist das wirkliche
Bitten als das Gebet in uns selber. Was gaukeln wir denn lange mit solchen
Einwürfen? Welche wir auf Begehren haben erklären sollen, und meinen es
treulich, denn da Christus sagte: Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie
tun, — da bat er für alle, die ihn noch nicht kannten und aber noch würden
kennen lernen. 12,40. Daß aber eingeworfen wird, Judam ließ er verzagen, — da siehe die
Schrift an, was sie von Judas saget. Christus saget Joh. 17,12: Ich habe der
keinen verloren, die du mir gegeben hast, ohne das verlorne Kind, daß die
Schrift erfüllet würde, die da saget, der mein Brot isset, tritt mich mit
Füßen, Psalm 41,10. Siehest du nicht, daß Christus ihn ein verloren Kind
hieß, welcher schon vorhin eine Distel war, welchen der Zorn in Gottes
Gerechtigkeit in sich geboren hatte zu seinem Leben. 12,41. Also mußte dieser Judas zu einer Figur und zum Verräter Christi ein
Apostel genennet sein, anzudeuten, was für Leute unter Christi Lehren künftig
sein würden, als sie würden das Brot des Kelchs Christi essen unter dem
Scheine großer Heiligkeit, und würden doch nur Christum in seinen Gliedern
verraten und zum Tode helfen urteilen, wie solches eine lange Zeit die Diener
der antichristlichen Kirchen in den Sekten getan haben und noch heute tun,
welche die wahren Christen nur verraten und sie verleumden und Christum
helfen kreuzigen und töten. 12,42. Also sagte Christus, daß dadurch die Schrift müsse erfüllet werden,
welche von Christo deutet, daß er stets in seinen Gliedern also verraten und
getötet werden sollte, auf das Gottes Gerechtigkeit stets auch in Christi
Gliedern bis an der Welt Ende erfüllet werde. Also müssen diese Judas-Brüder
ein Werkzeug der Gerechtigkeit Gottes im Zorne dazu sein und müssen mit unter
die Apostel gezählet werden, daß man ihnen glaubet, sie sind Apostel. 12,43. Sie müssen apostolischen Beruf von Menschen haben und an Christi Stelle
sitzen und das Brot Christi essen, auf daß ja Christus in seinem Prozeß in
seinen Gliedern immerdar verraten werde und der Prozeß Christi nicht aufhöre,
bis er wiederkomme und seine Braut heimhole. Denn diese Judas-Brüder dienen
auch Gott in seiner strengen Gerechtigkeit, auf daß dieselbe stets im Blute
Christi in seinen Gliedern erfüllet werde. Denn der Gottlose ist Gott ein
guter Geruch zum Tode und der Heilige zum Leben. 12,44. Weil denn Gott ein zorniger und auch ein lieber Gott ist, so mußte und
muß noch allezeit die Figur in Christi Amte nebeneinanderstehen, auf daß eine
die andere treibe und ineinander offenbar werden, zum Lobe der Herrlichkeit
Gottes am Tage seiner Erscheinung. 12,45. Es kann niemand mit Grund sagen, daß Gott Judam aus sonderlichen Willen
und Vorsatz verstocket habe, daß er sich nicht hätte bekehren können, sondern
die Gerechtigkeit Gottes im Zorne hatte ihn ergriffen und in eine Distel
formieret und geboren, ehe er ein Apostel war, auch noch im Samen, ehe die
Seele geboren ward, als aus angeerbter Sünde, da Gott bis ins dritte und
vierte Glied strafet. 12,46. Also stellt Gottes Gerechtigkeit mit Juda eine Figur dar, wie der
Mensch zum Verdammnis des Todes in Gottes Gerechtigkeit Christum zum Tode
offenbaren sollte, daß er solle in der Gerechtigkeit für das Volk der Sünden
sterben und der Gerechtigkeit genug tun. Also stellete der Zorn seine eigene
Figur mit dem Juda neben Christo in sein Amt, daß man erkennen sollte, es
wäre Gottes Wille, daß sein Zorn im Menschen sollte getilget werden, und
blieb doch des Zornes eigener Wille in Gottes Gerechtigkeit in sich selber
wohnend als ein Zentrum zur Offenbarung Gottes, wie vorne vom Centro
ausgeführet worden. 12,47. Daß aber einer sagen wolle, was mag des ein Kind im Mutterleibe, daß es
eine Distel wird, — dem wird gesaget, daß es der Wurzel, dessen die Distel
selber ist, schuld ist, wie Christus sagte Matth. 7,18: Ein arger Baum kann
nicht gute Früchte bringen. — Der Zorn Gottes will auch kreatürlich sein,
aber solches nicht aus Gottes Vorsatze, sondern aus des Grimmes Vorsatz der
ewigen Natur selber, welcher aber nicht Gott, sondern Grimm und als eine
Ursach des Feuers ist, daraus das Licht offenbar wird. Siehest du allhie
nichts, so rate dir Gott! 12,48. Daß man aber sagen wollte, Juda sei sein Verbrechen leid gewesen, das
ist wohl wahr, ist es doch dem Teufel auch leid, daß er nicht ein guter Engel
sein kann, sondern ein Teufel, und daß er solches nicht sein kann. So
verzaget er an der Gnade Gottes, das ist seine ewige Hölle. 12,49. Also auch Judas; ihm war leid, daß er von Gottes Gnade verstoßen war.
Aber der Gnade begehrte er nicht, denn der Quell zum Gnaden-Begehren war
nicht in ihm. Er war nicht aus dem Glauben geboren als aus dem verheißenen
Samen. Und ob er wohl aus derselben Natur herkam, da der Glaube innen lag und
auch das eingeleibte Wort im Abgrunde der Seelen hatte, so hatte aber seine
Seele schon eine Figur der Finsternis, welche in der Gnade ganz tot und gar
untüchtig zum Leben war. Denn obgleich eine Distel mit Honig gesetzet würde,
so wüchse doch nur eine fette Distel aus. Diesen gehöret nicht die Gnade,
denn Christus sagte seinen Jüngern: Nehmet hin und trinket, das ist mein
Blut, das für euch und für viele vergossen wird. Im Blute war die Tinktur.
Die Sonne giebet ihre heilige Tinktur nicht der Distel, welche Distel ein
falsch Leben gegen die Tinktur hat. Die giebet ihr wohl Ens und Wesen, aber des
Kleinods ist die Distel nicht fähig. Sie ziehet nur aus der Sonnen eine
Eigenschaft nach ihr, wie sie ihr dienet. Also ist es auch allda zu
verstehen. St. Paulus saget: Darum daß ihr nicht unterscheidet den Leib des
Herrn, empfänget ihn der Gottlose zum Gerichte wie die Distel die Sonne, 1.
Kor. 11,29. 12,50. Item, es wird ferner in der Vernunft eingeworfen vom Blinden, Joh. 9,2,
da die Jünger Christi fragten: Wer hat gesündiget, dieser oder seine Eltern?
— denen Christus zur Antwort gab: Es haben weder seine Eltern noch dieser
gesündiget, sondern daß die Werke Gottes offenbar würden. 12,51. Erklärung: Gott hat das Reich dieser Welt in Zeit, Ziel, Maß und
Gewichte eingeschlossen, Sap. 11,22. Und stehen die Werke Gottes in einer
wirkenden Figur. Wenn die Figur soll offenbar werden, so stehet auch dasselbe
da, darinnen und damit es soll offenbar werden. 12,52. Da Christus in diesem gläubigen Blindgebornen sollte offenbar werden
vor seinem Leiden und Erfüllung des Gesetzes der Natur, so mußte ihn das
Gesetze mit den Augen der Natur von ehe töten, auf daß ihm Christus die Augen
des Glaubens möchte auftun, welche Glaubensaugen hernach auch die Natur ihre
Augen durch die Gnade auftun. Und war eine Figur, wie wir in Adam an Gott
blind worden waren und wie wir in Christo wieder sehend würden. Denn diesem
Blinden kam seine Blindheit nicht aus sonderlicher angeerbter Sünde. Denn er
war ein Glaubenssamen, in welchem Christus mit seiner Annehmung der
Menschheit war rege geworden, darinnen er auch an ihn glaubte. Aber dies
innerliche Glaubenssehen aus Christo galt noch nicht. Er sollte erst durch
menschliche Stimme sehend werden. 12,53. Denn als Jesus Mensch ward, da ward das Menschliche in Gottes Sehen
geboren. Aber das Gesetze Gottes hielt dies Sehen in den armen Sündern noch
gefangen, bis unsere Augen aus seinem Tode aus des Gesetzes Erfüllung sahen.
Darum da dieser in Glaubenssamen im Mutterleibe durch Christi Eingehung und
Offenbarung in der Menschheit sehend worden war, so tötete die Natur sein
Sehen, daß er nicht mußte mit dem Glauben durch das Licht der Natur sehen,
denn es war Gottes Gerechtigkeit im Gesetze der Natur noch nicht geschehen. 12,54. Also mußte dieser blind geboren werden, auf daß das göttliche Auge im
Glauben ihn sehend machte, durch das Einsprechen des heiligen Namens Jesu,
daß die Herrlichkeit Gottes offenbar würde. Und soll man nicht sagen, daß
dieser Blinde durch einen sonderlichen Vorsatz blind sei geboren worden,
sondern er war einer aus der Wurzel des Glaubenssamens, welchen Glauben der
Name Jesu als Gottes Licht in der Liebe sehend machen sollte. Er war einer im
Uhrwerke Christi zu seinem Prozeß von Gott dem Vater Christo gegeben,
gleichwie die Pharisäer im Uhrwerke des Gesetzes der Gerechtigkeit Gottes
auch mit zum Prozeß Christi kamen. 12,55. Item: Es wird auch der Spruch Matth. 24,24 in der Vernunft eingeworfen,
damit sie will erhalten, Gott wolle, daß die Menschen verführet und verdammet
würden, da Christus spricht: Es werden falsche Christi und falsche Propheten
aufstehen, daß in Irrtum, so es möglich wäre, auch die Auserwählten verführet
würden. 12,56. Erklärung: Dieser Text saget, sie werden aufstehen; er saget aber
nicht, daß sie von Gott gesandt seien, viel weniger aus Christo, dem alle
Gewalt gegeben war im Himmel und auf Erden. 12,57. So sollten diese falschen Propheten aus dem Vorsatz Gottes Zorns als
aus dem Eifer der Gerechtigkeit entstehen und der falschen Maulchristen Herze
sichten, welche sich Christen nennen. Diese sollten durch diesen verbitterten
Geist Gottes Zorns aus dem Prozeß Christi gesichtet werden, daß sie glauben
den Geistern der Lügen, dieweil sie sich Christen nennen und aber nicht
Christus in ihnen ist, sondern sie Kinder des Zornes sind. So sollten sie
ihre Bilder der Greuel und falschen Deutelei darstellen, auf daß ihnen die
Kinder des falschen Namens Christi, mit Christi Purpurmantel bedecket,
anhingen und sich die wahren Christen von ihnen absonderten, auf daß erkannt
würde, wer Christus sei, und auch durch die falschen Propheten der Prozeß
Christi mit Beraten, Töten und Leiden offenbar und immerdar Christus von den
Pharisäern und Heiden um ihres falschen Gottesdienstes willen getötet würde. 12,58. Denn Gottes Gerechtigkeit fordert die Kirche Christi im Blute und
stellet immerdar eine Ursache mit falschen Propheten und Christen dar, welche
falschen Propheten mit den Heiden als Tyrannen ohne Unterlaß Christum in
seinen Gliedern töten und der Gerechtigkeit Gottes aufopfern, dadurch Gottes
Zorn in den wahren Christen getötet wird. 12,59. Wenn man dieselben falschen Propheten jetzo will kennen, wer die sind,
so sehe man nur diese an, welche ihnen den Buchstaben Meinung
zusammengefasset haben und etwaige stattliche Postillenz (Andachtsbücher)
voller Schmähkarten und Knitteln des Zorns Gottes gesetzet, da eine Sekte die
ander mit in die Augen schläget und für falsch ausschreiet, und leben doch
dieselben Schreier einer wie der ander, und schreiben nur zu ihren Ehren, daß
sie wollen für hochgelehrte Leute gesehen sein, auf welche alle Welt sehen
soll, daß sie Christus sind, und sind aber nur der Titel- und Maul-Christus
ohne die Gnade, leben auch ganz außer Christi Prozeß in eitel Gelüsten des
Fleisches, und dichten täglich mehr, wie sie mögen Ränke erdenken eines neuen
Ordens und Gottesdienstes, darunter sie einen gleißenden Schein bekommen und
man sie desto besser ehret und mit Reichtum zur Bauchfülle ihres Gottes
Mausim des Bauchs begabet. 12,60. Diese haben nicht Christi Geist in ihnen, sind auch nicht Apostel
Christi, sondern alle miteinander nur falsche Propheten, welche aus dem
Buchstaben ohne Wissen deuten, denn was sie sagen, das wissen und glauben sie
selber nicht, und sind eben die reißenden Wölfe, von denen Christus sagte,
sie haben nicht Christi Wissen in ihnen und weissagen auch. 12,61. Aber von denen, welche in Christo sind, sagte er, es sei nicht möglich,
daß sie mögen verführet werden. Das sind nun diese, in welchen Christus ist
Mensch worden. Die sind nach dem innern Grunde in Christo im Himmel, in Gott,
und hören Christum in ihnen reden, denn sie hören nur Gottes Wort und nicht
die falschen Propheten. Wenn man dieselben falschen Propheten jetzo in allen
Sekten sollte ausjäten, so würde die apostolische Schar klein werden, welche
sich Apostel nennen. 12,62. Darum soll man mitnichten sagen, daß Gott darum verhänge, daß solche
falschen Propheten kommen, daß er den Menschen, welche sonst möchten zur
Seligkeit kommen, die Seligkeit nicht gönnen wollte, wie die Vernunft also
irret, daß ihm Gott einen Haufen zur Seligkeit geordnet habe und den andern
zur Verdammnis, und das wolle Gott haben, darum sende er ihnen kräftigen
Irrtum, daß sie nur fallen sollen, daß er möge seinen Zorn an ihnen beweisen. 12,63. Ihr lieben Brüder, die ihr mit solchem Wahn bestürzet seid, wir raten
euch das: Lehret nicht Wahn, seid dessen von ehe in Christi Geiste in euch
aus dem Grunde versichert, ihr werdet sonst in Gottes Gerechtigkeit mit in
der falschen Propheten Zahl ergriffen. Habt ihr nicht die Türe Christi in
eurer Seelen offen, daß ihr möget im Geiste Christi aus- und eingehen und
wahre gewisse Weide für die Schafe finden, daß ihr sie möget in Christi Grase
weiden, so lasset es nur bleiben. 12,64. Eure Schulenkunst, da ihr einander mit Worten der Vernunft schlaget und
überwindet und hernach solche Vernunft-Überwindung für Christi Wahrheit schreibet
und lehret, das gilt euch nichts vor Gott, denn Christus hieß diese Diebe und
Mörder, welche außer seinem Geiste und Wissen zu einer andern Türe als durch
Vernunft-Schlüsse ohne Christi Wissen und Willen einstiegen. Seid ihr nicht
mit Christi Geist gewappnet, so ziehet nicht in den Krieg wider einen solchen
mächtigen feind, den Teufel und wider Gottes Gerechtigkeit im Zorne; ihr
werdet mit euren Vernunft-Schlüssen ohne das Blut Christi in euch allda
nichts erhalten, sondern ihr werdet nur in Gottes strenger Gerechtigkeit in
euren Vernunft-Schlüssen gefangen und zu falschen Propheten im Zorne Gottes
erwählet. 12,65. Denn keiner ist ein Prophet, er sei denn in dem großen Uhrwerk
göttlicher Ordnung im ausgesprochenen Wort, im Ziel derselben Zeit, aus Gottes
Gerechtigkeit geboren, da der Hl. Geist Gottes durch dasselbe Ziel in
göttlicher Ordnung redet. Er muß ein Ziel sein in dem Uhrwerk im Mysterio
Magno durch welches der Geist Gottes auf ein ander Ziel der Offenbarung
deutet. Wie denn die Propheten solche waren und noch heute sind, welche im
Ziel des großen Uhrwerks in der Gnaden-Versehung in Christo Jesu stehen, da
uns Gott in Christo Jesu vor der Welt Grund versehen als gesehen hat. Er muß
in Gottes Gerechtigkeit mit seinem prophetischen Geist inne stehen. Und eben
in dem Ziel, da Gott hat den Namen seiner Liebe in die Gerechtigkeit
einversehen, auf daß er aus dem Grunde des Gesetzes der Gerechtigkeit Gottes
Vorsatzes und dann auch aus dem Grunde der vorgesetzten Gnade geboren sei,
daß er möge Gesetz als Gottes Gerechtigkeit und auch Evangelium als Gottes
Liebe und des Gesetzes Erfüllung lehren. 12,66. Dieser ist ein rechter Prophet und kein anderer, denn er ist das Ziel
eines Reichs im Mysterio Magno, dadurch und daraus die Ordnung der Reiche auf
Erden urständen. Er ist desselben Reichs Mund. Weil er aber lehren muß, wie
daß Gottes Gerechtigkeit im Zorne mit der Gnaden getötet werden soll und daß
die Gnade von ehe dem Zorn sich ganz einer geben müsse in die Tötung der
Gerechtigkeit, so wird er auch im Prozeß Christi derselben Gerechtigkeit
Gottes von den falschen Propheten und Pharisäern mitgeopfert. Denn das soll
und muß sein, auf daß sein Ziel auch im Blut Christi hindurch durch den Zorn
geführet werde und das Ziel der Gerechtigkeit in die Gnade gesetzt werde.
Darum müssen die Propheten Christi Märtyrer werden. 12,67. Dieses merket wohl alle, die ihr wollet lehren und meinen, ihr seid
dazu berufen! Sehet euren Beruf in euch wohlan, ob ihr auch von Gott in
seinem Uhrwerk in Christo berufen seid. Ob euch Christus in euch mit seiner
Stimme hat berufen, wo nicht, so seid ihr anders nichts als nur falsche
Propheten, die da ungesendet laufen und nicht zur Türe Christi in den
Schafstall eingehen. 12,68. Daß ihr euch auf Menschenruf steuret, das gilt wohl vor Menschen, und
Gott lässet sich das auch gefallen, was Menschen tun, wenn es in seiner
Ordnung geschieht, sonderlich wenn ihr euch aus Menschenruf in Gottesruf
einergebet und auch denket, wie ihr des göttlichen Rufs in eurem Menschenrufe
fähig werden wollet. Wo das nicht ist und ihr nur im Menschenrufe in eigenem
Willen bleibet, so sitzet ihr auf dem Stuhle der Pestilenz und seid Pharisäer
und falsche Propheten. Und wenn eurer gleich viel hunderttausend wären, so
machet das Amt euch nicht zu Propheten und Hirten Christi, ihr gehet denn
durch Christi lebendige Tür ein. Und ob dieses wohl dem Pharisäo nicht
schmecken wird, so ist doch die Zeit geboren und das Ziel vorhanden, daß es
soll offenbar werden, und davor hilft keine Menschenlist mehr. Weh dem Volk,
das dieses verachtet, es wird in Gottes Gerechtigkeit im Eifer gefressen
werden. 12,69. Item, die Vernunft wirft auch den Propheten Jonam ein zu ihrem Beweis,
daß Gott die Menschen zum Bösen und Guten als zu seinem Vorsatz zwinge, wie
er Jonam zwang, daß er mußte gen Ninive gehen, Jona 1. 12,70. Erklärung: Höre, Vernunft, irre dich nicht! Gottes Geist lässet sich
nicht von der Vernunft richten. Jonas war ein Prophet, geboren aus dem Ziel
des Bundes, und stund in Christi Figur1 wie Christus dem Zorne
Gottes im Rachen des großen Walfisches göttlicher Gerechtigkeit, dieselbe zu
erfüllen, eingeworfen werden sollte, wie er in das Meer des Todes eingehen
sollte und wie ihn der Zorn Gottes, welchen er in demselben Walfische des
Todes überwand, wieder lebendig und ledig aus sich ausgehen lassen sollte,
wie Jonas aus dem Bauche des Walfisches. 1) d.h. ein Gleichnis auf
Christus hin 12,71. Es war eine Figur Christi und aus dem Ziel des großen Uhrwerks, aus
Mysterio Magno, aus beiden Vorsätzen Gottes als aus seiner Gnade und aus
seiner Gerechtigkeit geboren und zur Figur als zu einem Spiel des Geistes
Gottes dargestellet, da der Geist in dieser Figur auf Christum sah und
deutet, wie die Menschheit Christi als unsere angenommene Menschheit vor
Ninive als vor der Gefahr des Lebens sich entsetzen würde, wie denn Christus
sagte, als jetzt die Zeit da war, daß er sollte gen Ninive als in Gottes Zorn
eingehen: Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir, Luk. 22,42.
Item, er verbarg sich öfters vor den Pharisäern als den Niniviten wie Jonas
vor Ninive. 12,72. Auch deutet diese Figur an, daß wenn wir arme Joniten dem Volke die
Strafe und Gerichte Gottes ansagen sollen und unser Leben unter sie um der
Wahrheit willen wagen müssen, wie man Ausflüchte suchet und sich auf das Meer
der Welt begiebet, unter die fetten Tage, und fleucht vor Gottes Befehl,
schweiget stille aus Furcht vor den Niniviten, als dann kommt der Walfisch
Gottes Zornes und schlinget die Propheten in seinen Mund. 12,73. Daß aber Jonas mit Gewalt hinzugetrieben ward, deutet an, daß der
Vorsatz Gottes des Vaters in Christo sollte und mußte bestehen, daß, obgleich
Adam von Gottes Gehorsam sich abgewandt in die Bildlichkeit dieser Welt,
dadurch der Mensch dem großen Walfische, dem Tode, übergeben war, noch sollte
Gottes Vorsatz bestehen und Adam in Christo aus dem Bauch des Todes
aufstehen. 12,74. Das ist die Figur mit Jona, ihr lieben Brüder, und nicht euer Vorsatz
und Zwang zum Bösen und Guten. Es ist Christi Figur, darum lasset ab von
solchen Schlüssen und lästert nicht den Hl. Geist in seinen Wundern in der
Figur Christi mit Andeutung irriger
Meinung, oder ihr werdet mit euren Schlüssen in das Meer Gottes Zorns
geworfen werden, sollen und wollen wir euch in Liebe brüderlich warnen. * * * Summarischer
Schluß aller dieser Fragen
13,1. Die Vernunft führet auch endlich den Spruch Christi ein, Joh. 17,6, da
er saget: Vater, ich habe deinen Namen offenbaret den Menschen, die du mir
von der Welt gegeben hast. — Damit will sie beweisen, daß Christus seinen
Namen niemandem offenbare, der Vater gebe ihn denn ihm zuvorhin aus seinem
Vorsatze, ob er wolle oder nicht. 13,2. Erklärung: O du gar jämmerlich verblendete Vernunft, wie bist du so
blind! Weißestes du, was des Vaters Geben ist? Es ist das Centrum der Seele
als des Vaters Willen in der Scienz der ewigen Gerechtigkeit, da die Scienz
entweder mit Begierde des Greuels oder mit göttlicher Liebe der Gnaden
beladen wird, dahin giebet sie das sprechende Wort in Gottes Gerechtigkeit,
entweder in eine Wurzel einer Distel oder in eine Wurzel des Glaubenssamens.
Der Wurzel im Glaubenssamen wird Christus offenbar, denn es ist Christi
Wurzel, daraus ein Christ in Christo geboren wird. Denen oder diesen
Christenmenschen hat Christus von der Welt her sich immerdar offenbaret und
ihnen Gottes Namen gegeben, denn er selber ist Gottes Name. 13,3. Dieser Text ist nicht zu verstehen, als wenn Gott vor dem Anfange der
Welt einen Schluß gemachet hätte und den Schluß in eine gewisse Ordnung und
Zwang gesetzet, wieviel er ihm geben wollte und welche; und darüber könnte
nicht geschritten werden, wie es die gefangene Vernunft also verstehet: Nein,
nein, der Baum Christi ist unmeßlich, Gottes Gnade und auch seine
Gerechtigkeit im Feuer sind unmeßlich alle beide. Denn hätte Gott ein Ziel in
Liebe und Zorn gesetzet, so stünde dasselbe in einer Meßlichkeit in einem
Anfange, also müßte man auch denken, daß es ein Ende nehmen würde. Nein,
nein, der Baum der Erkenntnis Gutes und Böses stehet in dem ewigen Grunde, da
keine Zeit noch Ziel innen ist. Gottes Gnade in Christo ist unmeßlich und von
Ewigkeit, also auch das Reich der Natur im Mysterio Magno, daraus die
feurische Scienz aus dem Willen des Ungrundes sich offenbaret hat. Wie
Christus den Menschen als der Wurzel des Glaubenssamens vom Anfange der Welt
Namen offenbaret hat, also auch bis ans Ende der Welt, denn also sagte er
auch zu seinen Jüngern, als sie ihn vom Ende der Welt fragten: Wie der Blitz
aufgehet und scheinet bis zum Niedergang, also sollte auch sein die Zukunft
des Menschensohns, Matth. 24,27. Wie die Sonne den ganzen Tag allen Dingen
sich einer giebet und auf sie scheinet und in alle Dinge sich eindränget, es
sei gut oder böse, also auch die göttliche Sonne Christi als das wahre Licht
der Welt. 13,4. Christus entzeucht sich niemandem mit seinem Licht der Gnaden. Er rufet
sie alle und scheinet mit seiner Stimme in sie, gar keinen ausgenommen. Aber
sie hören und sehen ihn nicht alle, denn sie sind nicht von Gott. Die Scienz
des ungründlichen Willens des Vaters der seelischen Kreatur hat sich in
fremde Bildlichkeit zu einer Distel der Schlangen eingeführet. Diese siehet
und höret nichts, wenn Gottes Gerechtigkeit an ihr spricht: Tue recht oder
ich will dich töten, denn dies und das ist Sünde; tue es nicht oder du wirst
von Gott verstoßen. 13,5. Wenn dieses die Seele in ihr höret, so kommt der Teufel in seinem
Schlangengebilde und spricht in die Scienz: Harre noch im Fleische in dieser
und jener Lust als in Geiz, Hoffart, Neid, Zorn, Hurerei, Völlerei und
Spötterei, es ist noch wohl Zeit, daß du Buße an deinem Ende tuest; sammle
dir von ehe einen großen Schatz, daß du der Welt nicht mehr bedarfst, alsdann
tritt in ein frommes Leben, so kannst du einsam leben, ohne der Welt Spott,
und bedarfst ihrer nicht. 13,6. Also wird ein Tag und Jahr auf das ander gesetzt bis an die Stunde des
Todes. Alsdann will man auch ein Gnadenkind und selig sein, da man doch die
ganze Zeit in der Schlangen gesteckt hat. Da soll denn der Priester mit
Gottes Leichnam kommen und die neue Engelsgeburt mitbringen, da sie mancher
Priester selber nicht hat und eben auch an dem Orte zu Gast ist. 13,7. Diese, weil sie in der Schlangen stecken, sind Christo nicht gegeben,
sondern dem Zorn Gottes. Der Zorn lässet sie nicht los, die Scienz der Seelen
wende sich denn in ihr zu der Gnaden. Und so das geschieht, so ist es das
Geben, denn die göttliche Sonne scheinet alsbald in die stillstehende Scienz
und zündet sie an. Und das Anzünden ist nun der Name Gottes welchen Christus
der Seelen giebet, davon sie anhebet, in Christo zu schöpfen und Buße der
Vergebung zu wirken, wenn sie anhebt, von der Einbildung der Falschheit
stillezustehen. 13,8. Denn man spricht: Nichts mehr tun ist die größte Buße. Das geschieht,
wenn der Grund der Seelen anhebt, stille zu sein von der Einbildung und gehet
in ihren Abgrund, welches sie zu tun Macht hat, sie sei denn schon eine
Distel, so laufet und wächset sie ans Ende der Zeit. Jedoch ist kein Gerichte
von außen über sie als nur ihr eigen Gerichte, weil sie im Leben dieser Welt
ist bis zur Erntezeit. Aber schwer ists, so der innere und auch der äußere
Grund der äußern Konstellation falsch ist; die laufen gemeiniglich bis ans
Ende also. Als dann kommt nur Judas-Buße, und hilft sie das Kitzeln mit dem
Leiden Christi wenig, wenn nicht das Ens des Glaubens da ist. 13,9. Die Pracht mit den herrlichen Begräbnissen des toten Tiers ist nur des
Teufels Spott, daß er sie damit spottet, denn die zugerechnete Gnade gilt
nicht von außen, daß wir mit auswendigen Gnadenworten losgesprochen werden,
wie ein Herr oder Fürst einem Mörder das Leben aus Gnaden schenket. Nein,
nein, es muß die zugerechnete Gnade Christi in uns in dem inwendigen Grunde
der Seelen offenbar und unser Leben werden. 13,10. Man soll die Buße nicht ans Ende sparen, denn ein alter Baum wurzelt
übel, ist Christus nicht in der Seelen, so ist keine Gnade oder Vergebung der
Sünden. Denn Christus selber ist die Vergebung der Sünden, welcher die
eingeführten Greuel in Gottes Zorne in der Seelen mit seinem Blute in uns
transmutieret und in das göttliche Feuer verwandelt, wie er zu den Pharisäern
bei dem gichtbrüchigen Menschen sagte, als er sprach: Deine Sünden sind dir
vergeben. — Das geschah, da er Christi Stimme in seiner Seelen fing, da
vergab ihm das lebendige Wort in ihm seine Sünde, das ist: er überwältigte
die Sünden und trat der Schlangen eingeführten Greuel mit dem Feuer der Liebe
auf den Kopf ihres Willens. 13,11. So kann nun niemand die Sünde vergeben als Christus im Menschen, denn
da Christus sagte: Nehmet hin den Hl. Geist; welchen ihr die Sünden erlasset,
denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie
behalten. — Das gehet auf die wahren Apostel und ihre rechten Nachfolger,
welche den Hl. Geist aus Christo genommen haben und welche selber in Christo
leben und sind und Christi Stimme in sich haben. Diese haben Macht, in die
hungerige Seele einzusprechen das lebendige Wort Christi, das in ihnen
wohnet, und der andern keiner nicht, sie heißen und gleißen gleich wie sie
wollen. So müssen sie Christi Apostel sein, wollen sie sein Amt verwalten,
sonst sind sie nur Pharisäer und Wölfe. 13,12. Auch so muß die Seele ihren hungerigen Mund gegen das Einsprechen
auftun, sonst gehet das Wort in sie nicht ein. Als es dann nicht in alle
ging, wenn Christus selber predigte und lehrte, sondern nur in die hungerigen
und durstigen Seelen, von welchen Christus sagte: Selig sind, die da hungern
und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden, — verstehet:
mit der Fülle seines Wortes. 13,13. Denn nicht bei Menschen stehet das Sünden-vergeben, sondern in Gewalt
des Worts Christi, das im Menschen wohnet. Nicht des Menschen Sprechen
vergiebet die Sünde, sondern Gottes Sprechen im Menschenwort. Das gehet nun
nicht in die falsche Distel, sondern in die Seele, wo der Glaubenssame im
Schall der Bewegnis lieget und wo die Seele von der Bildung der
Schlangenbegierde stillestehet. 13,14. Darum verlasset euch nicht auf Menschen! Sie können euch die Sünde
nicht vergeben und die Gnade nicht geben, ihr hungert denn und dürstet selber
nach der Gerechtigkeit. Die Buße sparen bis an das Ende, das ist eine
Judas-Buße. Es gilt nicht nur Trösten, sondern Neu-geboren-werden. 13,15. Also, ihr lieben Brüder, habe ich auf angeregte Punkte kurz aus dem
Grunde antworten wollen, und ist dies meine Meinung, daß der Schrift Sprüche
alle wahr sind, aber die eigene Vernunft irret und verstehet dieselben außer
Christo nicht. Der Apostel saget: Wir haben nicht einen knechtischen Geist
empfangen, daß wir uns abermal fürchten dürfen, sondern einen kindlichen
Geist, der da schreiet Abba, lieber Vater, Röm. 8,15. Nicht der Welt oder des
Fleisches Sinn haben wir empfangen in der verheißenen Gnade, sondern den
kindlichen Sinn Christi, der uns freigemachet hat von dem Gesetz der Sünden.
Darum soll ein jeder gesinnet sein wie Jesus Christus, der einige Mensch in
Gnaden, sagt der Apostel Phil. 2,5. Und wer diesen Sinn nicht hat, der
vernimmt nichts, was des Geistes Gottes ist. Es ist ihm eine Torheit und
begreift es nicht, 1. Kor. 2,14. 13,16. Ob wir nun in die sehr scharfen Ausführung manchem stumm sein möchten
und ein Anstoß oder Ärgernis, indem er sagen wollte, wir brauchten fremde
ungewöhnliche Reden in unserm Grunde, so sagen wir mit Wahrheit vor Gottes
Augen, daß wir es anders als es uns in Christi Sinn ist gegeben worden zu
geben nicht haben. Wer aus Christo ist, der wird es wohl verstehen. Den
andern Spöttern und Klüglingen, welche die Vernunft zum Meister haben, denen
haben wir nichts geschrieben. 13,17. Wir vermahnen aber unsere lieben Brüder in Christo, solchen Traktat mit
Geduld durchzusehen und zu lesen, denn sein Name heißet »Je länger je
lieber«, je mehr gesucht, je mehr gefunden. Weil Christus uns selber heißet
suchen, anklopfen und bitten und uns die Verheißung getan, daß wir sollen
empfangen und finden, so sollen wir nicht in Sünden wollen stillestehen und
auf das warten, bis uns die Gnade Gottes überfalle und zwinge, auch gar nicht
denken, daß Gottes Geist aus Bös ein Gutes machen wollte als nur den armen
Sünder, welcher noch nicht gar eine Distel ist, denselben überfället er
freilich manchmal in seinen Sünden und zeucht ihn davon ab. Lässet er sich
nun ziehen, so ist es gut; will er aber gar nicht, sondern tritt wieder in
die Schlange und kreuziget Christum, der lästert den Hl. Geist, von dem die
Schrift saget, er habe keine Vergebung ewiglich, Hebr, 6,6.7; Kap. 10,26. 13,18. Es ist kein Mensch, welcher sagen darf, er sei nicht etwa etliche Male
gezogen worden, sonderlich in seinen Gedanken, auch der Gottlose also.
Christus scheinet allen Völkern, einem wie dem andern; dem einen in seinem
geoffenbarten Namen, dem andern Volke aber in einem Namen des einigen Gottes.
Er zeucht sie alle. Und wegen seines Zuges und der Wissenheit, welche in ihre
Herzen geschrieben sind, daß sie wissen, daß ein Gott sei, welchen sie ehren
sollen, und sie das nicht tun, so werden sie gerichtet werden. 13,19. Wieviel mehr aber werden wir gerichtet werden, die wir uns Christen
nennen und das wahre Wissen haben, halten aber die Wahrheit auf und
verwandeln sie in Lügen um einer gefasseten Meinung willen, die wir uns
einmal eingebildet und bei der Welt damit bekannt gemacht haben. Und ob wir
hernach gleich an das Licht geführet werden, so gönnen wir uns der Ehren mehr
als Gott und wollen das Licht mit fremder Deutelei verbergen, beschmuddeln
und zudecken, auf daß der Menschen Wahn als ein Abgott in Christi Stelle
sitze, wie es denn vielmal also gehet und Babel ganz darinne stehet, daß
mancher nicht nachlässet, seine einmal bekannte Meinung zu verteidigen, und
sollte er die ganze Schrift bei den Haaren herbeiziehen. 13,20. Liebe Herren und Brüder, lasset uns Christo die Ehre geben und uns
untereinander freundlich mit züchtigen Worten und Unterweisung begegnen. Tue
einer dem andern seine Gaben im brüderlichen Willen dar, denn es sind mancherlei
Erkenntnis und Auslegungen. So sie nur aus dem Sinne Christi gehen, so stehen
sie alle in einem Grunde. 13,21. Wir sollen uns wegen der ungleichen Gaben nicht verfolgen, sondern
vielmehr in der Liebe untereinander erfreuen, daß Gottes Weisheit so unausschöpflich
ist, und denken auf das Künftige, wie uns so wohl geschehen soll, wenn alle
diese Wissenheit wird aus einer und in einer Seelen offenbar werden, daß wir
alle Gottes Gaben erkennen und unsere Freude aneinander haben werden, und
sich jeder des andern Gabe erfreuen wird, wie die schönen Blumen in ihren
unterschiedlichen Farben und Tugenden auf Erden nebeneinander in einer Mutter
sich erfreuen. Also auch ist unsere Auferstehung und Wiederkunft. 13,22. Was wollen wir denn allhie zanken um eine Wissenheit der Gabe? In
Christo liegen alle Schätze der Weisheit; wenn wir den haben, so haben wir
alles; verlieren wir aber den, so haben wir alles verloren und auch uns
selber. 13,23. Der einige Grund unserer Religion ist, daß wir Christum in uns lieben
und uns untereinander lieben, wie uns Christum geliebet hat, daß er hat sein
Leben für uns in Tod gegeben. Welche Liebe in uns nicht offenbar wird, es
werde denn Christus in uns Mensch geboren und offenbar, der giebet uns seine
Liebe, daß wir uns in ihm lieben, wie er uns liebet. Denn er giebet unserer
Seelen sein Fleisch und Blut immerdar zu essen und zu trinken, und welche
Seele dieses nicht isset und trinket, die hat kein göttlich Leben in ihr,
Joh. 6,54. 13,24. Darum vermahne ich den liebhabenden Leser, ob ihm in diesem Traktat
etwas zu scharfsinnig sei; er wollte Gott die Ehre geben, beten und dies
recht lesen. Es lieget alles, was die Sonne bescheinet und der Himmel
begreifet, sowohl die Hölle und alle Tiefen im Menschen. Er ist ein
unausschöpflicher Quell. Er mag diesen hohen Grund, den uns Gott als einem
einfältigen Menschen gegeben hat, mit der Weile gänzlich und gar wohl
begreifen und ergreifen. 13,25. Allein vor Schmähen wollen wir ihn, als lieb ihm Seele und Ewigkeit
ist, gewarnet haben, denn er wird uns nicht rühren, sondern den grimmen Zorn
Gottes in ihm selber. Mich aber, der ich zu diesem Werk verursachet gewesen
bin, kann er wohl rühren, denn ich stehe ohne sein Rühmen in Christi Banden.
Ich will ihn aber in Liebe vermahnet haben, sich als einen Bruder in Christo
zu erzeigen und wo er es in göttlichen Gaben vermag, eine noch hellere
Erklärung zu machen. So ich alsdann dieselbe sehen werde, so will ich mich in
seiner Gabe erfreuen und dem Höchsten danken, der uns allerlei Gaben so
reichlich giebet. Amen. ________________________ Vollendet am 8. Februar
1623. Jakob Böhmes »Von der
Gnadenwahl« im Kontext von Leben und Werk Vorrede des Autoris an den
Leser Von dem einigen Willen
Gottes und von Einführung seines Wesens seiner Offenbarung Vom Falle des Menschen und
seinem Weibe Von den Sprüchen Hl.
Schrift ... und von dem Baum des Lebens und der Erkenntnis des Guten und
Bösen Vom Gegensatz der Sprüche
in der Schrift, als vom rechten Verstande der Schrift. Weitere Vergleichung und
Erklärung der Sprüche von der Wahl Summarischer Schluß aller
dieser Fragen ________ * ________ |