Gottfried
Mayerhofer
(Lebensbeschreibung)
LEBENSGEHEIMNISSE
Eröffnungen über
wichtige Lebensfragen.
Durch das Innere
Wort empfangen von Gottfried Mayerhofer.
Nach der 5.
Auflage.
Lorber-Verlag Hindenburgstraße 5 D-74321
Bietigheim-Bissingen.
Alle Rechte
vorbehalten.
Copyright © 2000
by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.
1. Kapitel Licht,
Leben und Liebe.
30. Juni 1870
[Lg.01_001,01]
Du hast hier drei Worte gewählt. Richtiger und umfangreicher konntest du nicht
wählen im ganzen Wortreichtum einer menschlichen Sprache; denn diese Worte
bezeichnen den Inbegriff alles Geschaffenen, das Fortbestehen desselben und
dessen Dauer!
[Lg.01_001,02]
Siehe, alles, was von Mir geschaffen ist, wurde im Lichte geschaffen, Leben ihm
gegeben und aus Liebe ewig nie mehr vernichtet.
[Lg.01_001,03]
Was gibt es wohl in dem großen Kreise der Unendlichkeit, das nicht diesen drei
inhaltschweren Worten seine Existenz und seine ewige Fortdauer verdankte?
[Lg.01_001,04]
Mit dem Licht beginnt das Leben, mit dem Leben die Liebe. Das Licht
repräsentiert die schöpferische Kraft, die ewig Neues gebärt, immer ausströmend
nach allen Richtungen der Unendlichkeit, Leben erweckend, das Finstere
verscheuchend und dann durch die Liebe das Erhalten des Geschaffenen und immer
neues Schaffen bedingend!
[Lg.01_001,05]
Mit dem Licht entwickelt sich die Wärme, die Wärme entspricht dem Leben; denn
wo Kälte herrscht, hört das Leben auf, da hat die Liebe keinen Anhaltspunkt
mehr; denn auch die Liebe ist nichts anderes als der entzündete Eifer, alles
vollkommen glücklich und gesättigt zu sehen.
[Lg.01_001,06]
Wo also das Licht mit seinen sanften Strahlen die zerstreuten Elemente zur
Anziehung und Abstoßung anregt, da erzeugt sich durch dieses Regen und
Assimilieren die Wärme oder, wo es sich regt, da ist Leben.
[Lg.01_001,07]
Das Leben aber will gesättigt, will alles in allem sein, und das kann es nur
durch die Liebe werden.
[Lg.01_001,08]
Die Liebe will das Leben erhalten, während der Haß es zerstören will. Wo ihr
hinblicket, dort werdet ihr diese Elemente im Kampfe mit den Gegenpolen finden.
[Lg.01_001,09]
Licht hat den Kampf mit der Finsternis, Leben mit dem Tode und Liebe mit dem
Haß als Gegenpol zu führen. So sehr die ersteren alles erhalten und anziehen
wollen, ebenso wollen die anderen alles abstoßen und zerstören.
[Lg.01_001,10]
Ihr seht also in dem Vereine der ersten drei Meine Gottheit, als ewigen
Erhalter alles Geschaffenen, und in den letzten drei den Gegenpol, den Satan
mit seiner Kälte und seiner Zerstörungswut.
[Lg.01_001,11]
So zieht sich der Kampf vom Engel angefangen bis zum letzten, härtesten und
gebundensten Geist in der Materie hindurch; stets kämpfend erringt die Liebe
durch das Licht das Leben und zerstört die Finsternis mit dem Tode und dem Haß.
[Lg.01_001,12]
Hier habt ihr also in diesen drei Worten mit ihren Gegensätzen das einzige
Erhaltungsprinzip für alles Geschaffene.
[Lg.01_001,13]
Als Ich, das Licht Selbst, Mich entschloß, auch außer Mir Geister zu schaffen,
die Mich lieben, Mich verstehen und Mir nach und nach gleichkommen sollten, da
ward der erste Impuls gegeben des Werdens; deswegen leset ihr in den mosaischen
Büchern: Alles war wüst und leer, und der
Herr schuf das Licht!
[Lg.01_001,14]
Mit dem Licht erwachte die Tätigkeit der Elemente, und Geister begannen sich
ihrer selbst bewußt zu werden, sich anzuziehen, sich abzustoßen. Es begann mit
dem Licht das Leben; denn auch der Zerstörung, so scheinbar grausam sie oft
ist, liegt der höhere und schönere Zweck zugrunde, dem allerhöchsten Licht
näherzukommen, indem die niederen Formen verlassen werden, um höhere, dem
allgemeinen Lichte näherstehende anzunehmen.
[Lg.01_001,15]
Sobald also Licht und Leben erwacht war, sobald das Geschaffene anfing seines
Daseins sich zu freuen im Glanze des ewigen Grundlichtes aus den Himmeln, da
ward der dritte Gedanke erweckt, der alle diese Geschöpfe der sicht- und
unsichtbaren Welt vereinen sollte; es war die Liebe, der Grundgedanke des
Lichtes und des Lebens, der alles, was sich nun seiner Existenz freute, stets
vervollkommnend ewig erhalten wollte.
[Lg.01_001,16]
So wurden die reinsten Engel, die Liebe in Person, mit dem größten Lichte
ausgestattet und des intensivsten Lebens halber ausgesandt, von der Fülle ihres
eigenen Ichs allen andern lebenden Wesen von dem Gnadenstoff mitzuteilen, den
sie in solchem Maße zur Verfügung erhalten hatten.
[Lg.01_001,17]
Die andern Wesen, dadurch gestärkt, erleuchtet und erwärmt, vereinten sich,
erkannten ihr hohes Ziel, und jubelnd und kämpfend streben sie demselben nun
entgegen. Freudig zerbricht der niedere Geist seine Hemmschale, die ihn
hinderte, vorwärtszuschreiten; er zerstört seine eigene Existenz, um zu einer
höheren zu gelangen, wo er mehr Licht, mehr Leben und mehr Liebe von dem
alleinigen Urquell all dessen einsaugen kann.
[Lg.01_001,18]
Das also, was ihr blindlings Zerstörung nennt, ist nichts anderes als ein
Sichfreimachen zu einer höheren Stufe, da ein Geist schon seit seiner
Gefangennehmung in der Form die Materie dulden mußte und nur den Moment
abwartet, wo diese Fesseln fallen, und er, einzeln oder vereint durch das Band
der Liebe mit tausend andern Gleichgesinnten, im großen Kreise der Schöpfungen
einen höheren Platz einnehmen kann.
[Lg.01_001,19]
Die Liebe, die allbeseligende Wärme, die dem Urlicht entströmt, sie ist es, die
den Geist antreibt, sein Geschick selbst zu vollenden und so stufenweise
zurückzukehren zum Urquell des Lichtes, von Dem er ausgegangen ist.
[Lg.01_001,20]
So ergeht es allen Engelsgeistern. Nannten ja doch schon eure Vorgänger den
einen, obwohl jetzt gefallenen Engel, Luzifer Lichtträger.
[Lg.01_001,21]
Ja, er war ein Lichtträger durch alle weiten Räume Meiner Schöpfung; aber weil
er, sich seiner unermeßlichen Gnade von Mir aus bewußt, mit einer Macht sich
ausgestattet sah wie kein anderer, so verwandelte sich seine durch sein Licht
zu entwickelnde Wärme in zu großer Heftigkeit in das Entgegengesetzte der
Liebe, in Haß, gerade gegen Den, Der ihn mit so vieler Macht bekleidet hatte;
und noch jetzt ist er, ein gefallener Engelsfürst, Mein eifrigster Gegner, der
nur noch eine kurze Zeit frei bleiben, dann aber genau wird wählen müssen, ob
er Meine ersten drei großen Worte der Schöpfung annehmen oder bei ihren Gegenpolen
verharren will!
[Lg.01_001,22]
Mittelwege zu wählen und geschicktes Ausweichen gegen Mein Drängen, zu Mir
zurückzukehren, wird ihm nicht lange mehr gelingen; er wird bald sich
kategorisch erklären müssen, ob er zum ewigen Leben des Lichtes und der Liebe
oder zum ewigen Tode der Finsternis und der Kälte sich wenden will.
[Lg.01_001,23]
Und auch ihr Menschen, denen Ich mittels Meines Gnadenlichtes einen Funken
göttlichen Lebens in eurer Seele angezündet habe, bedenket doch, was ihr
eigentlich im Herzen tragt! Ihr traget göttliches Licht, Leben der Liebe, von
eurem Vater in der Brust!
[Lg.01_001,24]
Er gab euch diese Dreifaltigkeit als Pfand eures Ursprungs, eures Anfangs und
eures Endziels: verscherzet nicht so leichtsinnig diese göttlichen Geschenke, die
ihr, ihrer bewußt, als Gnadengeschenk vor Millionen anderer Geschöpfe
voraushabt. Begreifet wohl das göttliche Licht, geschenkt und eingehaucht mit
Liebe, welches euer Seelen- und Geistesleben ausmacht; gedenket des Gebers, Der
euch als Kinder einst mit Seinem Blute unter herbsten Leiden erkauft, wieder zu
dem machen will, was ihr in dem großen Kreis der geschaffenen Wesen sein sollt;
vergesset nicht, es ist Seine Liebe, die euch zum ewigen Leben führen möchte,
indem Er euch das Licht der Erkenntnis und göttlichen Bewußtseins angezündet
hat.
[Lg.01_001,25]
Strebet nach der Vollkommenheit, die euch als geschaffenen Wesen zu erreichen
möglich ist, damit ihr außer den erhaltenen drei Geschenken diese einst in
höheren Potenzen ertragen könnt! Denn Mein göttlich
Licht, ausstrahlend aus Mir in alle weiten Schöpfungsräume, hat keine Grenzen,
stets neues Leben erweckend will es alles Geschaffene einst liebend vereinen
und um Den sich scharen sehen, Der das höchste Licht des Lebens und der Liebe
ist.
[Lg.01_001,26]
So, Meine lieben Kinder, betrachtet diese drei Worte, sie haben den Urborn
alles Seins in sich, sie sind die Grundfundamente alles Geschaffenen, ohne sie
gibt es kein Wesen und kein lebendes Geschöpf. Wo sie mangeln, hat aller
Fortschritt aufgehört, da ist der Tod, die Finsternis und der ewige Haß!
[Lg.01_001,27]
Dort steht ein Lebensengel mit einer Siegeskrone und angetan mit einem
Lichtkleid, zum Beweis, daß die Dreifaltigkeit der Gotteseigenschaften stets
siegen wird, und verbergen muß sich bis in die innersten Winkel der Erde, wer
dagegen sich sträubt und dem Lichte die Finsternis, dem Leben den Tod und der
Liebe den Haß vorzieht!
[Lg.01_001,28]
Vorwärts, Meine Kinder, drängt alles; die Liebe, die nie gesättigte Liebe, die
alles gibt, um alles wieder zurückzuerhalten, das Licht, das alles erleuchtet,
damit jeder finstere Winkel aus der Schöpfung verbannt werde, und das Leben,
das nur Bewegung, Wechsel der Formen und Fortschritt von einer Stufe zur andern
bedingt! Alle drei rufen euch zu: Ohne uns keine Welt,
keine Vergangenheit und keine Zukunft! Wir sind deren Träger im Innersten des
höchsten Herrn; wir sprechen Sein ganzes ,Ich aus!
[Lg.01_001,29]
Also vorwärts, ihr Abkömmlinge des Lichtes! Schwinget euch hinauf, dorthin, wo
keine Sonne mehr untergeht, kein Tod mehr mit dem Leben wechselt, und kein
Streit, kein Zorn noch Haß das schöne harmonische Konzert der Liebe
unterbricht!
[Lg.01_001,30]
Höret die Engelsharmonien, die durch diese drei Worte getragen durch alle
Unendlichkeiten dringen, sie sind der immerwährende Lobgesang des einen und
einzigen Herrn und Schöpfers, eures Vaters, Der nur darin Sein ganzes Glück und
Seine Seligkeit findet, wenn Er sieht, daß die Geschöpfe, die Er geschaffen
hat, sich Seiner freuen, Ihn lieben und stets mehr begreifen lernen. Die so oft
mißdeutete Dreifaltigkeit ist nur in diesen drei mächtigen Worten und liegt im
Kleinen in jedem geschaffenen Wesen, mit dem Keim sich ausbilden zu können bis
zur höchsten Potenz eines Lichtengels, der an den Stufen des Herrn aller Himmel
steht!
[Lg.01_001,31]
Kinder, erkennet euer großes Geschenk! Seid stolz darauf, Meine Kinder werden
zu können, frohlocket! Es wird einst eine Zeit kommen, wo ihr, mit der
geistigen Sehe begabt, die unermeßlichen Räume der Ewigkeit durchblicken und von
dem Throne des Vaters bis zum letzten Raum, wohin nur ein Lichtstrahl noch
dringen kann, die Grundprinzipien Meines Wesens, verteilt in Millionen und
Millionen Wesen, in dem großen harmonischen Lobgesang zu Seiner Ehre werdet
vernehmen können!
[Lg.01_001,32]
Trachtet also danach, dieser Stufe der Aufklärung würdig zu werden; trachtet
danach, im wahren Sinne Meine Kinder zu werden, und ihr werdet dann fühlen,
daß:
[Lg.01_001,33]
Wohl in allen Räumen und Sternen, / In unermeßlichen Weiten und Fernen / Des
Vaters Licht und Leben nur strahlet. / Wo Seine Liebe mit Großem nicht prahlet
/ Und nur im Kleinen Er suchet zu finden, / Was Seinen Geist ans (Un-)Endliche
könnt' binden! / Da ist das Leben des Lichts und der Liebe / Als das Höchste
vom rein göttlichen Triebe.
[Lg.01_001,34]
Drei ist die Zahl der inhaltschweren Worte, / Sie tönen fort und fort von Ort
zu Orte. / Laßt nie sie verhallen, die himmlischen Töne, / Die allein nur
entwickeln das geistig Schöne! / Wo Licht, Leben und Liebe nicht wehet, / Da
alle Freude der Schöpfung vergehet; / Wo aber sie alle im Frieden stets walten,
/ Da wird sich des Vaters Lieb' auch entfalten! / D'rum getrost nur gebaut auf
Vaters Segen, / Er wird ja geben, woran jedem gelegen: / Des Lichtes Strahl,
des Lebens Reiz und der Liebe Freuden, / Ob derowegen auch die
Gefall'nen euch meiden, / Verharret bei Mir im Lichte, im Leben und
in der Liebe, / Ihr pflegt so der Schöpfung Gott-geistige Triebe. / Nur wer mit
diesen drei Worten sich weihet / Dem höchsten Vater, als Sein Kind sich
erfreuet, / Der hat den Grundstoff, die Liebe, als besten Samen / Zur
Kindesstatt bei Mir, und somit Amen!
2. Kapitel Himmel, Hölle, Erde.
9. Juli 1870
[Lg.01_002,01]
Du hast Mich um drei Worte gebeten, und deren Erklärung dazu, das versteht sich
von selbst. Nun, Ich gab dir diese drei inhaltschweren Worte: Himmel, Hölle und
Erde. Jetzt wollen wir sehen, was sich aus diesen drei Worten Erhebendes,
Erbauendes und Belehrendes für euch und die ganze Menschheit ziehen läßt.
[Lg.01_002,02]
Das erste der drei Worte ist das das Größte bezeichnende, so daß selbst ihr bei
dessen Aussprache den Ton erheben und die Sprachmuskeln in eine größere
Spannung bringen müßt, wollt ihr dieses Wort aussprechen, wie es verdient
ausgesprochen zu werden.
[Lg.01_002,03]
Wißt ihr aber, was ihr bei diesem Worte eigentlich aussprecht? Nein, das wißt
ihr nicht, sondern ihr könnt es nur ahnen; denn sehet, Himmel ist und bezeichnet den höchsten Wohnort, als Aufenthalt
der höchsten Geister, und auch Meine mehr bleibende Wohnstätte; Himmel ist die
höchste Potenz aller Seligkeiten, wo die Geister im reinsten Licht, ohne
Leidenschaften, ohne Fehler, ohne anderen als nur Meinen höchsten, Mir
eigentümlichen Eigenschaften nachkommend, sie alle ein Leben der Seligkeit
führen, das ihr hier nie begreifen und kaum ahnen könnt!
[Lg.01_002,04]
Es gibt zwar auch an diesen Orten verschiedene Stufen der Vervollkommnung; ja
die Vervollkommnung hört nie auf, weil Ich stets Neues schaffend, neue
Wirkungskreise sich entwickeln lasse.
[Lg.01_002,05]
Von dem Himmel aus gehen alle Lebensfunken aus Mir durch Meine größten
Engelsgeister bis in die untersten Schichten, wo nur noch ein Funke Meines Ich
schwach in schwere Materie eingeschlossen glimmt. In den Himmeln, die weit über
alle Hülsengloben und materiell erschaffenen Sonnensysteme hinaus liegen,
strahlt ewige Ruhe, ewige Liebe, dort ist aus Liebe zu Mir Meine
Befehle und Wünsche zu vollführen das erste Grundprinzip
des hohen geistigen Lebens, Meinen Eigenschaften nachzukommen die größte Seligkeit.
[Lg.01_002,06]
Dort in den höchsten Himmeln, wo ewige Harmonie der Geister ist, dort ist auch
Einfalt, Demut und die Nächstenliebe in ihrer höchsten Stufe, deren Ausdruck ja
Ich Selbst bin.
[Lg.01_002,07]
Dort habe Ich Mir Meinen Aufenthalt so eingerichtet, wie es Meinen Gedanken und
Wünschen nach in der ganzen Schöpfung sein sollte, und auch wohl nach
namenlosen Zeitläufen sein wird, wann alles geistig Verlorene sich
wiederfindend, durch Prüfungen geläutert, kämpfend zu Mir zurückgekehrt sein wird.
[Lg.01_002,08]
Wenn das der Fall ist, dann werden, wie Ich es schon einmal sagte, alle Welten
umgestaltet; denn dann haben sie alle als Prüfungs- und Läuterungs-Schulen
ihren Zweck erfüllt und alles vollendet, und müssen natürlich dann für höhere
geistige Wesen auch anders eingerichtet und mit größerem Glanz, Pracht und
Seligkeiten ausgestattet sein, damit dann eben diese geläuterten Geister wieder
neuen Stoff zu ihrer weiteren Vervollkommnung, zu ihrer höheren geistigen Reife
finden; denn unendlich ist der Raum, unendlich sind die Stufen der Vollendung,
und unendlich bin Ich Selbst als Höchstes All in
allem!
[Lg.01_002,09]
Dieser geistige Himmel, wo ewiges, mildes Gnadenlicht aus Mir in alle Geister
einströmt, wo die reinsten Harmonien den geistigen Ohren die größte Sehnsucht
nach Mir in die Herzen einhauchen, ist der Inbegriff Meiner unbegrenzten Liebe,
in Tönen, Farben und Worten ausgedrückt.
[Lg.01_002,10]
Dort lebt alles in allem, und jeder sieht sich nur glückselig in der Seligkeit
des andern!
[Lg.01_002,11]
Die größte Erhebung sei es im Gebet, im
Gedicht oder im Gesang, deren ihr Menschen auf dieser Erde fähig seid, und die
euch, wie ihr euch ausdrückt, bis in die höchsten
Himmel erhebt, und so euch den Vorgeschmack
eines besseren Seins bietet ist dort in Meinen
Himmeln die unterste Stufe der Seligkeiten, und zwar als ein bleibendes und
kein vorübergehendes Gefühl.
[Lg.01_002,12]
Ich kann es euch nicht erklären und noch weniger fühlen lassen wie es einem Geiste dort zumute ist; denn ihr ertrüget
es in irdischer Hülle nicht, und dann würde euch alles auf dieser Erde anekeln,
wenn ihr nur eine Sekunde solche Seligkeit in der Erinnerung behalten könntet;
auch hier sage Ich es euch nur, um euch anzuspornen, damit ihr begreift, welche
Genüsse euch einst erwarten, die dann dem Geprüften zum Lohn für seine Ausdauer
und für seine Liebe zu Mir bereit sein werden.
[Lg.01_002,13]
Was Ich euch hier von den höchsten Himmeln sage, wo kein Tag mit Nacht, nicht
Kälte mit Wärme, nicht Leben mit dem Tode wechselt, wo ein gleiches, stetiges,
ewiges Lichtmeer die seligen Geister umgibt und alles ihrer Umgebung
beleuchtet, dort ist auch ebenfalls alles Erschaffene der anderen Welten wieder
geistig dargestellt, wie zum Beispiel ihr sehet eine Blume,
deren Farbe euer Auge ergötzt, deren Geruch eure Nerven angenehm berührt, aber
ihr wißt ihre geistige Bedeutung nicht, ihr kennt nicht ihre geistige Substanz,
aus der sie besteht, nicht was Geistiges in ihren
Röhrchen oder Äderchen auf- und abströmt als lauter Ausflüsse einer höheren
Natur, die von der Sonne, deren Licht die Mutter dieser Blumenfarben und
Gerüche ist, bis hinauf zu den höchsten und feinsten Potenzen in Verbindung
steht.
[Lg.01_002,14]
Seht, diese Blume befindet sich auch in Meinen Himmeln, als geistiger Spiegel
alles Erschaffenen; würdet ihr diese Blume dort sehen können in Form nur Licht, in Farbe nur Leuchtfarbe, und ihr
Geruch in höchst geistiger Entsprechung ein ewiges Loblied ihres Schöpfers!
[Lg.01_002,15]
Dort würdet ihr erst begreifen, was das sagen will geistige Anschauung, und würdet erst recht erkennen, wie
stumpf eure Sinne auf dieser Welt sind; aber seid nicht beunruhigt über diesen
Zustand eurer Sinne auf dieser Erde, bedenket, nur die weise Hand eures
liebevollsten Vaters hat es so eingerichtet, und Seine Zwecke, wenngleich ihr
diese hier nicht begreift, noch je sie ganz begreifen könnt, sind doch der Art,
daß sie immer die höchste Weisheit und Liebe zum Grunde haben, und daß triftige
Ursachen vorhanden sein müssen, daß dies alles euch erst nach langen Kämpfen
und Zeiträumen, und auch dann nicht allen, sondern nur einzelnen (ihrer Liebe
gemäß), solche Glückseligkeit, zuteil wird.
[Lg.01_002,16]
Meine lieben Kinder, wollte Ich euch dies alles auf einmal genießen lassen (was
Ich nur denen aufbehalte, die Mich wahrhaft lieben, und also auch mit allem
Ernste danach gestrebt haben, Meine Kinder zu werden), so wären ohne Kampf
diese unaussprechbar großen Seligkeiten ohne großen Wert und ohne dauernden
Reiz; denn ihr hättet solche ja nicht selbst errungen, sondern gleichsam nur
geschenkt bekommen, und zwar ohne Mühe, weshalb dann deren Wert nur halb und
von kurzer Dauer wäre.
[Lg.01_002,17]
Nur was man mit Kraftaufwand erkämpft, das genießt man erst im vollen Maße, wie
es dem Verdienste auch gebührt!
[Lg.01_002,18]
Ein Fürst oder König, der als Königssohn geboren ist, wessen kann sich dieser
rühmen, wenn einst sein Haupt eine Krone ziert? Seid versichert, es ist ihm bei
weitem gleichgültiger, als die unter ihm Stehenden es glauben; was ist so ein
Geburtskönig gegen einen Menschen, der mit allen Leiden, körperlichen und
geistigen, gekämpft, und doch endlich sein Ziel erreicht, das er nie aus den
Augen gelassen! Er ist eine Geistesgröße, während der andere vielleicht gar
keine Größe, sondern auf seinem hohen Posten manchmal eine wahre Null ist.
[Lg.01_002,19]
Deswegen, wer Mein Kind werden will, für das Ich die größten Seligkeiten
aufbewahrt habe, der muß sich auch diesen Namen verdienen, dann erst wird er
alle Leiden und Kämpfe segnen, die ihn zu der Stufe der Seligkeit führten, wo
erst das Geistige alles Seins ihm begreiflich zu werden anfängt, und dort, eben
in der Ausführung und Ausübung aller Engelspflichten, die höchste Seligkeit für
einen geschaffenen Geist beginnt. Da Ich aber einst gesagt habe, daß jeder
Mensch das ganze Universum in sich trägt, so trägt er auch, obwohl im Kleinsten
nur, diesen eben beschriebenen Himmel in sich.
[Lg.01_002,20]
Bei jeder guten Tat, mit jedem über seine Leidenschaften errungenen Sieg,
dringt ein Lichtstrahl dieses kleinen Liebehimmels aus der Sphäre seines
Geistes in seine Menschenbrust. Es ist ein vorübergehender Strahl, ein Ahnen,
ein Aufjauchzen der Seele, aber (leider) nicht bleibend, es ist nur ein Moment,
wo der Geist dem Menschen zeigt, was er in sich trägt, was ihm dereinst wird,
wenn er treu aushält auf dem schwierigen Wege des Lebens.
[Lg.01_002,21]
Der Geist im Menschen läßt der Seele nur ein sanftes Nachwehen davon zurück,
sonst nichts. Der Strahl aus den Himmeln war nur ein Mahnruf, der sagen will:
[Lg.01_002,22]
Wanke nicht und harre aus! Einst wirst du bleibend haben, was hier mit
Blitzesschnelle nur an dir vorüberstreift!
[Lg.01_002,23]
Deswegen nicht verzagt, Meine Kinder, der Himmel steht euch offen. Soweit es
eure körperliche und geistige Konstitution erlaubt, lasse Ich euch denselben
auch manchmal fühlen, um euch aufzumuntern. Mehr könnt ihr ja nicht ertragen,
und würde auch einer von euch imstande sein, mehr zu ertragen, so wäre er
inmitten der andern Menschen unglücklich, und statt mit Eifer auf seiner Bahn
fortzuschreiten, würde Ermattung und Verzweiflung ihn zu Boden drücken.
Deswegen bedenket, daß Ich, euer Vater, alles wohlweislich so gestellt habe,
wie Meine Kinder es ertragen und auch Nutzen davon ziehen können.
[Lg.01_002,24]
Jetzt wollen wir zur Hölle übergehen.
[Lg.01_002,25]
Was Ich euch von den Himmeln gesagt habe, ungefähr dasselbe könnt ihr von der
Hölle annehmen, aber wie es sich von selbst
versteht im entgegengesetzten Sinne.
[Lg.01_002,26]
Ich werde euch aber von der Hölle, ihrer Einrichtung und Beschaffenheit nicht
soviel kundgeben, weil es Mir Selbst kein Vergnügen macht, an sie zu denken,
und auch wenig Nutzen bringt, sie genau beschrieben zu haben. Euch genügt zu
wissen, daß sie wirklich besteht, und zwar zu Meinem und eurem Schaden. Doch,
um euch wenigstens etwas von diesem Gegensatz Meiner Himmel zu sagen, so will
Ich euch bloß andeuten, daß sie besteht, und zwar ebenfalls in mehreren
Abteilungen und Stufen, welche so die Bosheit in verschiedenen Graden
vorstellen, in deren Zentrum der Sitz des Satans selbst ist!
[Lg.01_002,27]
Der Satan, als personifiziertes Böse, ist als Gegensatz zu Mir der Ausdruck
aller Leidenschaften, die Meinen Eigenschaften entgegengesetzt sind; so zum
Beispiel, indem Ich aus Liebe alles erhalten will, möchte er aus Haß gegen
alles Geschaffene alles zerstören, weil es
erstens von Mir geschaffen, und zweitens, weil es überhaupt geschaffen ist.
[Lg.01_002,28]
Er würde, ginge es nach seinem Willen, stets Geschöpfe aller Gattung erzeugen,
nicht aber um sich an ihrem Bestehen, sondern nur um sich an deren Zerstörung
wieder (satanisch) zu freuen, und sodann wieder neu schaffen, um das Spiel
stets von vorne anzufangen.
[Lg.01_002,29]
Seine untergeordneten Geister, die von Mir als lebende Wesen erschaffen, sich
so weit verfinsterten, daß sie nur an der Finsternis eine Freude haben, wie
Meine Engel am Licht, sind je nach der Intensität ihrer Bosheit dem Satan näher
oder ferner gestellt und in verschiedenen Abteilungen in und auf der Erde
verteilt, wo sie ihren (teuflischen) Vergnügungen nachjagen, sich bestrebend ihrem Herrn zu gleichen soviel als möglich, und so haben
sie die größte Freude, wenn sie durch alle möglichen Vorspiegelungen die
Menschen vom guten oder bessern Wege abwenden, und sie auf ihre breite
Heerstraße bringen können.
[Lg.01_002,30]
Da in ihnen wie in ihrem Herrn nur satanische Liebe ist, so freut es sie,
dieselbe auch in die Herzen der Menschen einzupflanzen, die ihren Einflüssen
Gehör geben wollen.
[Lg.01_002,31]
Dort ermangeln sie nicht, ihren Opfern die Welt und ihre Vergnügungen so
angenehm als möglich vorzustellen, ihnen nur an List, Trug, Wollust und allen
niedrigen Leidenschaften Geschmack einzuprägen, und sie so reif zu machen, ihre
würdigen Brüder zu werden.
[Lg.01_002,32] Ihr
werdet mich fragen aber wie konntest Du, Schöpfer, denn so mächtige Horden böser Geister nebst
ihrem Herrn fortbestehen lassen? Warum vernichtest du nicht mit einem
Machtspruch solche Wesen, die den sanften Trieben Deiner Liebe und Deiner
göttlichen Eigenschaften so entgegenstehen, und noch dazu warum hast Du sie gerade in und auf die Erde gebannt,
während doch Millionen anderer Erden und Sonnen in der Unendlichkeit
umherkreisen, deren Bewohner ungestört ihrem Besserungs- und Läuterungswandel
entgegengehen können, ohne solcher Plage ausgesetzt zu sein, und nur wir, die
Du uns ,Deine Kinder nennest, derentwegen Du
gerade auf diesen kleinen Erdball gekommen bist, daselbst ihretwegen gelitten
und geduldet hast, warum sind denn gerade wir diejenigen, die auf einer Seite
die Bevorzugten, auf der andern Seite aber gerade die am meisten Geplagten und
allen Verführungen und Versuchungen ausgesetzt sind?
[Lg.01_002,33]
Meine lieben Kinder, dieser Vorwurf, den ihr Mir da macht, ist von eurer Seite,
als von Menschen dieser eurer Erde gedacht, ganz natürlich, und Ich muß Mich
bei euch deswegen rechtfertigen, damit ihr, wenngleich der Anschein nicht dafür
zeugt, doch erkennt, daß Ich stets der liebevollste und gütigste Vater bin, und
alles nur zu eurem Besten von jeher angeordnet habe, und auch stets alles zum
Wohle Meiner Kinder leiten werde.
[Lg.01_002,34]
In einem früheren (dem vorstehenden) Worte tat Ich schon Erwähnung von einem
gefallenen Engel, der auch eine Unzahl anderer Geister in seinem Falle mitzog,
und in der Haushaltung erklärte Ich euch auch, daß dann aller Stoff aus seinem
ganzen Seelischen, in Parzellen geteilt und in die Materie gebunden, von ihm
genommen ist und nun auf der Vervollkommnungsstufe nach und nach wieder zu Mir
zurückkehrt; ferner, daß alles Geborene auf Erden, sofern nicht Geister von
anderen Welten zum Probeleben behufs Erreichung Meiner Kindschaft hierher
verpflanzt wurden, alles übrige Teile von dem Gefallenen sind, die dann auch
den nämlichen Weg wie alle in die Materie gebundenen Geister machen müssen.
[Lg.01_002,35]
Ferner sagte Ich noch, daß eben dieser gefallene Engelsgeist dorthin verbannt
wurde, wo eben Meine Pflanzschule für Meine Himmel ist, in die Erde, daß er
dort am meisten wirkt, zum Trotze gegen Mich und Meine Anordnungen.
[Lg.01_002,36]
Sehet, dieses alles habe Ich euch schon früher erklärt, und auch das Warum warum gerade da die größten Versuchungen und Gefahren sein müssen, wo
Geister und Seelen es sich zur Aufgabe gemacht haben, Mein Reich zu erwerben
und mitten durch Hölle und Verdammnis das Kreuz der Duldung und der Liebe zu
Meiner Ehre und zur Schande Meines großen Gegners zu tragen; und daß trotz
aller Verführungen und aller so scheinenden (scheinbaren) Annehmlichkeiten, mit
denen der Satan seine künftigen Zöglinge überhäuft, um sie in sein Netz zu
ziehen und später jede Vergnügung und jede Annehmlichkeit mit tausend Qualen
der Hölle zu vergüten, es doch Seelen gibt auf dieser Erde, die allen seinen
Versuchungen Trotz bieten, allen seinen großartigen Versprechungen den Rücken
kehren, unter Leiden und Kämpfen das Banner des Glaubens, der Demut und der
Liebe hochhalten und einst nicht ihm, sondern ganz allein Mir angehören wollen!
[Lg.01_002,37]
Als der Satan sich von Mir trennte, mußte Ich ihm und seinem ganzen Gefolge die
eigene Freiheit belassen, die jeder Geist haben muß, um als freier Geist Meiner
je würdig werden zu können.
[Lg.01_002,38]
Die Umkehr zu Mir muß von innen her und aus freien Stücken, nicht mit
Zwangsmaßregeln geschehen; ebendarum muß Ich das Gebaren dieses Meines größten
Gegners nebst seiner Brut geschehen und sie schalten und walten lassen, wie sie
wollen, so lange sie nicht Meine festgestellte Ordnung beeinträchtigen.
[Lg.01_002,39]
Daß aber von alledem, was sie tun, das Resultat immer gerade das Gegenteil und
das Entgegengesetzte zur Folge hat von dem, was sie bezwecken wollen, das ist
der Triumph der guten Sache, da auch das Böse, ja das Ärgste, was die Schöpfung
aufzuweisen hat, nur zu seiner (und ihrer) eigenen Besserung und zur Weiterbeförderung
des Guten im allgemeinen beitragen muß und kann.
[Lg.01_002,40]
Ebendeswegen ist der Satan auch mit seinem Reich dorthin verbannt, wo ihm
Gelegenheit gegeben ist, alles zu versuchen, was ihm nur möglich, um seine
Lebenstheorie gegen die Meinige geltend zu machen; ja, es wurde ihm sogar
erlaubt, Mich Selbst während Meines Erdenwandels persönlich zu versuchen, der
Ich nicht ein geschaffener Geist, sondern der Schöpfer alles Geschaffenen (und
seiner selbst) war. Weil Ich ihm nicht aus dem Wege ging, als er Mich als
Mensch, allen menschlichen Leidenschaften ausgesetzt, antraf, so wagte er auch
an dem Allerhöchsten den Versuch, welches ihm auch zugelassen wurde; doch mit welchem Erfolg, das wisset ihr, damit er dann
im Großen wie im Kleinen mit der Zeit erkennen möge, daß all seine Mühe umsonst
ist, und er durch so viele Zeitläufe vergeblich Widerstand geleistet hat, und
zwar gegen Denjenigen, welcher ihn erschuf, und Der, wenn er heute reuig
zurückkehren wollte, ihn mit offenen Armen wie einen verlorenen Sohn aufnehmen würde, so wie
Ich es euch in den Zwölf Stunden schon einmal kundgegeben habe, wie es nicht
auf einmal, sondern nach und nach geschieht und auch geschehen wird.
[Lg.01_002,41]
Was Ich von Meinen Himmeln sagte, daß ein jeder Menschengeist sie im Kleinen in
sich trägt, ebenso ist auch der Keim der Hölle oder die Lust zu sündigen und
gegen Meine Ordnung zu handeln, oder die Hölle im Kleinen in eines jeden
Menschen Brust.
[Lg.01_002,42]
Sie ist deswegen dort, weil Tugend ohne die Erkenntnis ihres Gegensatzes, das
Laster, keine Tugend und Liebe ohne das Entgegengesetzte keine Liebe wäre! Wäre
nicht die Finsternis. ihr wüßtet das Licht nicht zu schätzen, wäre nicht der
erstarrende Eindruck der Kälte, ihr begriffet nicht das Wohlgefühl der nach und
nach einfließenden Wärme.
[Lg.01_002,43]
Es mußte also, wo Meine Kinder-Pflanzschule ist, auch die Schule der Überwindung und Bezähmung aller
Leidenschaften sein!
[Lg.01_002,44]
Was wäre das Leben ohne Kampf? Ein einförmiges Dahinschwinden der
Zeitabschnitte, ohne sich dessen bewußt zu sein, wie einer kommt und der andere
geht. Das Leben hätte keinen Zweck, keine Würze!
[Lg.01_002,45]
So wie das Salz in allen euren Speisen, in allen Kräutern, Metallen, Pflanzen,
selbst in der Luft und auch in eurem Magen wegen der richtigen Verdauung einen
wichtigen Bestandteil ausmacht, der zum Leben reizt und dieses eben durch
solchen Reiz fördert, ebenso ist das Salz des
geistigen Lebens, die Versuchung oder die Tendenz, anders zu denken und anders
zu handeln, als man eigentlich tun sollte. Eben durch diesen Gegensatz oder
dieses Anreizmittel wird der bessere Teil eures Ich gekräftigt, das körperliche
und geistige Leben in euch wird durch diese Nahrung erhalten, sein Fortbestand
befestigt und der Genuß erhöht, wieder eine neue Stufe der Vervollkommnung
errungen zu haben, und zwar mit Kampf und durch
Entsagung errungen zu haben, während ihr im Gegenteil bei dem Fortschreiten
ohne Hindernisse euch des Fortschrittes gar nicht bewußt wäret.
[Lg.01_002,46]
Wenn die Sonne des Morgens die ersten Strahlen über die Fluren eurer Erde
herniedersenkt, wie jauchzt ihr die ganze lebende Natur entgegen! Alle Wesen,
jedes in seiner Art zwitschert, girrt oder sumset seinen Lobgesang dem Licht
und seinem Geber entgegen; selbst der Tautropfen, der am Blatt einer
Moospflanze hängt, bekleidet sich mit Diamantenschimmer, spiegelt die große
über ihm gewölbte Licht-Halbkugel ab und leuchtend freut er sich gleichsam des
nach der Finsternis wiederkommenden (Tages-)Lichtes! und warum? weil von einem Abend bis
zum nächsten Morgen die Nacht oder Finsternis alle lebenden Kreaturen den Wert
des Lichtes fühlen ließ!
[Lg.01_002,47]
So ist es auch in geistiger Hinsicht! Das süße Bewußtsein
geistiger Liebe, geistigen Fortschritts und geistigen, höheren Seelenlebens
erkennt die Seele eines geschaffenen Wesens erst dann, wenn sie die Abgründe
und Irrwege kennenlernte, welche ihr auf ihrem Prüfungswege drohen; erst dann,
wenn die Seele eine kleine Stufe errungen hat, freut sie sich derselben und
erneuert alle Kräfte zur Gewinnung einer nächsten; und so steigt der Reiz, der
Genuß und die Seligkeit nicht so sehr mit dem besseren Zustande, den man
errungen, sondern wegen der Hindernisse, die man besiegt hat.
[Lg.01_002,48]
Seht ihr, Meine Kinder, was wären alle Himmel ohne die Hölle! Wie viel
entbehren andere Geschöpfe in andern Sonnen und Erden an Seligkeit, die nur
Meinen Kindern vorbehalten ist, weil die andern Geschöpfe in andern Sonnen und
Welten nur Licht und wenig oder gar keine Finsternis kennen.
[Lg.01_002,49]
Habt ihr Mir nun noch Vorwürfe zu machen, warum die Hölle so nahe bei euch und
sogar in euch liegt? Oder möchtet ihr nicht, Mir dankend, vielleicht Mich um
mehr Hölle bitten, damit ihr noch mehr kämpfen, noch mehr leiden könntet, nur
um den Namen Meine Kinder in reicherem Maße zu verdienen?!
[Lg.01_002,50]
Seid deswegen ruhig, Ich weiß, was euch zur Probeschule not tut, verlanget
nicht mehr, als euch von Mir gegeben wird, und seid versichert ihr habt genug mit dem, was Meine liebende Hand euch
auferlegt; wäre es mehr, so würde es eine strafende Hand sein, und diese habe
Ich als euer Vater nicht!
[Lg.01_002,51]
Jetzt habe Ich euch also gezeigt, wie selbst das ausschließliche Böse, ja
Böseste in der ganzen Schöpfung, mit seinem Treiben und Tun doch von Mir zum
Segen alles Lebenden verwendet und ausgebeutet wird, und wie der Satan mit
seinen Gehilfen, statt Mir zu schaden, im ganzen gerade zum größten Segen
beitragen muß!
[Lg.01_002,52]
Jetzt wollen wir also zu eurem Wohnort, als dem dritten, oben gegebenen Wort die Erde übergehen, damit ihr auch
da wieder die Liebe und die weise Umsicht eures Vaters in ihrer ganzen
Herrlichkeit sehen mögt!
[Lg.01_002,53]
Beim Aussprechen des Wortes Himmel, wo ihr eure Stimme erhöhen und bei dem Worte Hölle dieselbe vertiefen müßt,
werdet ihr schon bemerkt haben, daß zur Aussprache eines jeden dieser Worte
eine andere Muskelbewegung im Sprachorgan stattfindet, und sehet, bei der
Aussprache des Wortes Erde ist diese Muskelbewegung wieder verschieden, indem ihr
dazu den Mund breit öffnen müßt. (Drei verschiedene Tonarten.)
[Lg.01_002,54]
Sehet, es ist beim Aussprechen dieser drei Wörter in eurer Sprache und den dazu
gehörenden Bewegungen des Sprechorgans alles so geordnet, daß Geister, die die
Entsprechungsformeln der Schöpfung besser kennen als ihr, in den Bewegungen der
Muskeln im Munde schon alles aufgeschrieben und aufgezeichnet finden, was das
eine oder andere ausgesprochene Wort zu bedeuten hat.
[Lg.01_002,55]
Bei dem Wort Himmel habt ihr gesehen, wie die Erhebung der Stimme mit der
näheren Beschreibung desselben zusammenhängt, bei dem Worte Hölle, wo der Mund bei der
Aussprache gleich einer Höhle geschlossen werden muß, wird euch die enge
Verbindung dieser Muskelbewegung und der Beschreibung der Hölle nicht entgangen
sein, wo noch nebenbei das Wort Himmel mit dem Aufblick nach oben und das der Hölle mit dem Blick nach unten
und gewiß nie nach oben und endlich die Erde mit der Öffnung des Mundes in der Breite gerade vor sich
hin ausgesprochen wird.
[Lg.01_002,56]
Die ersten beiden haben wir erörtert, jetzt bleibt uns nur noch das letzte
breitausgesprochene Wort und dessen geistige Entsprechung und die Erde selbst
als euer Aufenthalt übrig, um sie einer näheren Betrachtung zu unterziehen.
[Lg.01_002,57]
Daß zu dem Wort Erde den Mund breit dehnen, ja daß man beim Aussprechen
dieses Wortes die Lippen in die Höhe ziehen und die weißen Reihen der Zähne
zeigen muß, bedeutet, daß bei der geistigen Bedeutung der Erde, wie dort die
Lippen als Vorhänge in die Höhe gezogen und die Zähne gezeigt werden, bei der
Erde im geistigen Sinne das Weichere, nämlich das Fleisch zurückgezogen und die
festeren, kompakten Teile das Moralische, oder die
Zähne in Anbetracht zu ziehen sind.
[Lg.01_002,58]
Nun sehet, Meine lieben Kinder, in der geistigen Entsprechung bedeuten die
Zähne, als feste, knochenartige Teile, den bleibenden und ersten Halt, im
Menschen sowohl als in der Erde, der erstens dem Angesicht des Antlitzes eine schöne Form gibt, die
das moralisch Schöne dem ganzen Äußeren des Menschen, und zweitens in der Erde
selbst als Körper, seine innere Lebenskraft, die Schöne der Oberfläche der Erde
erzeugt.
[Lg.01_002,59]
Die Zähne bedeuten nebenbei auch noch das Moralisch-Seelische, das erste
geistige Verdauungsorgan, das im weltlichen Leben das Gute vom Schlechten
sondern sollte; und wie im Munde zum Zerquetschen der Speisen durch die Zähne
das Salz im Magensafte des Speichels sich dazumischt, ebenso ist das Salz
entsprechend der Reiz, stets gegen das Gute zu handeln. Und diesem Reiz
entgegenzukämpfen und darin am Ende auch zu siegen, ist eure Hauptaufgabe.
[Lg.01_002,60]
Hier, auf dieser Erde empfanget ihr alles gemischt, Gutes mit Schlechtem, Liebe
mit Haß, und Leben mit Tod; das heißt, es wechselt beides leicht miteinander,
oder es verkehrt sich jedes leicht in seinen Gegenpol.
[Lg.01_002,61]
Habt ihr genug Kraft, um das Böse und Schlechte auszuscheiden, so kann das
Böse, sooft es auch an euch herantritt, in eurer Seele doch keinen bleibenden
Eindruck machen, und im Jenseits gänzlich verschwindend, wird nur das Gute euer
eigentlicher Wert sein!
[Lg.01_002,62]
Daß ihr beim Aussprechen des Wortes Erde euren Mund breit in horizontaler Richtung öffnen müßt,
bezeichnet in Entsprechung, daß eure Erde in geistiger Hinsicht, obwohl
körperlich klein, weit über alle Sonnengebiete, ja bis zu Meinen Himmeln
reicht; indem dieser kleine Planet erstens der Wohnort Meiner Kinder, und
zweitens auch der Meinige ward, wo Ich durch Leiden und Sterben den Sieg über
das Böse errungen habe.
[Lg.01_002,63]
Würdet ihr diese Geistersprache etwas besser kennen, ihr würdet in jedem Wort,
das auf Mich bezug hat, den wichtigen und weit größeren geistigen Sinn
entdecken und euch nicht mit dem Verständnis des Wortes gleich der Rinde begnügen, sondern an dem
inneren Gehalte mehr Freude und Glückseligkeit empfinden, als euch je in den
Sinn gekommen ist.
[Lg.01_002,64]
Ihr würdet nebenbei dann auch finden, daß ein jedes Volk, je nachdem es in
seiner geistigen Stufe hoch, höher oder am höchsten steht, sich in seinen Mich
bezeichnenden Worten und Ausdrücken offenbaren wird, oder glaubt ihr denn, die
Sprachen sind erfunden worden, wie es eure Sprachforscher nachzuweisen glauben?
O da seid ihr in großer Irre!
[Lg.01_002,65]
Die Worte sind nicht immer mit den erfundenen Gegenständen und neuen Bedürfnissen
eines Volkes gemacht worden, sondern die Sprache als ein geistiges Produkt ging stets parallel mit
der geistigen Anschauung eines Volkes. Ihr könnt es ja selbst aus der
Geschichte der Nationen sehen, wie mit dem geistigen Steigen oder Sinken einer
Nation ihre Sprache ebenfalls sich erhob oder sank und mit dem Aufhören einer
Nation auch ihre Sprache (als lebend) ganz erlosch.
[Lg.01_002,66]
Die Sprache ist der Ausdruck der Seele, je höher und schöner die Sprache, desto
größer die Intensität ihrer Ausdrücke, was aber nur Geister zu würdigen wissen,
oder Geweckte durch Meine Liebe und Gnade, die dann hinter den verschiedenen
Wendungen der Mund- und Kehlmuskeln, zwischen den zwitschernden, schnalzenden,
trillernden und pfeifenden Tönen, die so und so zusammengestellt das eine oder
andere Wort ausmachen, einen höheren, geistigen Sinn entdecken, der euch wie
Hieroglyphen eines verlorenen Paradieses unbegreifbar geworden ist!
[Lg.01_002,67]
So ist die Erde auch darin verschieden von vielen anderen Welten. Während in
diesen nur eine Ausdrucksweise (Sprache) herrscht und alle Geschöpfe nur einen
und denselben Weg gehen, gibt es auf der Erde Tausende von verschiedenen
Sprachen, als Abarten einer einzigen; und so ist auf diese Art dem Bewohner
dieser Erde neben vielen Prüfungen seiner Geduld und Ausdauer noch diese
auferlegt, daß er, wenn er mit den Brüdern anderer Nationen verkehren will, er
ihre Sprache erlernen muß, um ihnen begreiflich zu machen, was er denkt und
fühlt, oder will er von seinem fremden Bruder etwas erlernen oder ihm selbst
etwas kundgeben, er sich in jener Sprache verständlich machen muß.
[Lg.01_002,68]
Soweit ihr die Erde betrachtet, von den wildesten Völkern bis auf euch
zivilisierte Nationen, so seht ihr die kleine Erde mit ihren unruhigen Geistern
sich über alles Bekannte ausbreiten. Freilich ist auch überall beim Haufen der
Eigennutz der Haupthebel; allein dieses führt doch die Völker zusammen, da
lernen sie sich kennen, einer den andern schätzen und lieben.
[Lg.01_002,69]
Die Forschenden in der Natur, in den Sternen, im Innern und auf der Oberfläche
der Erde, geben ihre Erkenntnisse der Menschheit als Gemeingut hin, was Ich aus
Gnade den einzelnen finden ließ; sie vollführen, auch ohne es zu wissen, nur
Meine, und nicht ihre Pläne, und so erziehe Ich die Seelen dieser Erde, welche
einst auf kurze Zeit auch Mein Aufenthalt war, zu einem besseren Leben.
[Lg.01_002,70]
Jetzt eilen die Gedanken der Menschen mit Blitzesschnelle von einem Pol zum
andern, und sie selbst rollen auf eisernen Wegen gleich einer Windsbraut von
einem Ort zum andern.
[Lg.01_002,71]
Die Wege sind von Eisen und die meisten darauf Fahrenden haben auch das Herz
von Eisen (wenigstens für ihre Menschenbrüder); aber das tut nichts zur Sache.
Meine Zwecke werden doch durch die schnelle Verbindung von Städten und Dörfern
und dem Zusammenkommen der darin wohnenden Menschen mehr gefördert, als alle
Eisenbahnbauer und Eisenbahnbesitzer glauben.
[Lg.01_002,72]
Hier habe Ich Himmel, Hölle und Erde, oder
geistig gut, böse oder materiell denkende Menschen in einem Wagen oft
zusammengestopft. Beim Einsteigen waren sie noch so ziemlich in ihrer Meinung
ein jeder für sich, beim Aussteigen hat vielleicht die Hölle sich an dem Himmel
und der Erde einen bleibenden Funken der Belehrung aus der Unterhaltung
herausgezogen, der dem Betreffenden in seinem ganzen Leben nicht mehr aus dem
Sinn kommen wird.
[Lg.01_002,73]
So vollführe Ich Meine Pläne, auch dieses zusammen Fahren benutzend, was früher durch starr abgegrenzte Kreise getrennt war,
da lasse Ich Vergessenheit der Vorurteile eintreten, und wenngleich Eigennutz,
der Trieb nach Genuß und Geld das Veranlassende ist, warum die Menschen
zusammenkommen, in andere Länder reisen, sich Gefahren aller Art aussetzen, so
habe dann Ich doch auch Meinen Zweck erreicht, nämlich den Zweck der
Verbrüderung. Jetzt gehört nur noch ein mächtiger Stoß und geistiger Impuls
dazu, und die Menschen stehen wie Brüder da, vereint, Mir als dem Ewigen Hirten
zu folgen! Dann ist die geistige Bedeutung der Erde auch erfüllt, dann ist die Zeit, daß Ich persönlich unter euch
wiederkommen werde, nachdem die Widerspenstigen entfernt, und nur die Willigen
geblieben sind.
[Lg.01_002,74]
Und so, Meine lieben Kinder, sehet ihr, wie Himmel, Hölle und Erde, im Großen
wie im Kleinen, nur den Zwecken der Liebe, der Grundidee Meiner Schöpfung
folgen müssen.
[Lg.01_002,75]
Rechnet jedoch nicht nach Jahren, bei dem was Ich soeben euch hier sagte, bei
Mir gibt es keine Zeit! Ich kenne weder Tag noch Nacht, um Zeitabstände zu
messen, bei Mir ist es stets Tag, stets glänzt die Sonne der Liebe, die allen
leuchtet und leuchten wird, bis alle den Weg zu Mir, ihrem liebevollsten,
gütigsten Vater, gefunden haben werden.
[Lg.01_002,76]
Jetzt glaube Ich, daß auch du mit dieser Beigabe zufrieden sein kannst; sie ist
wieder eine Leuchte in den großen Tälern Meiner Schöpfung. Bedenket es wohl,
welche Liebe und Gnade Ich euch angedeihen lasse, daß Ich euch soviel geistiges
Brot reiche, damit ja kein Zweifel in eurer Brust mehr aufsteigen möge, als
wäre nicht alles, was ihr sehet von Vaters Hand!
[Lg.01_002,77]
Dies zum Troste mit Meinem Segen! Amen!
3. Kapitel Gesundheit, Krankheit und Tod.
13. Juli 1870
[Lg.01_003,01]
Hier hast du wieder drei Worte, die im natürlichen Sinne genommen leicht zu
entziffern sind, und was sie eigentlich bedeuten.
[Lg.01_003,02]
Gesundheit bedeutet den normalen Zustand eures vegetativen Lebens, wenn alle
Organe ihre Funktionen erfüllen wie sie sollen, und eben dadurch euch keine
Schwierigkeiten machen, eurem Lebensberuf nachzugehen, sowie eurer geistigen
Entwicklung und materiellen Beschäftigung nachzukommen.
[Lg.01_003,03]
Die Gesundheit, die wahre Gesundheit, ist nur dann in einem Körper, wenn der
Mensch sich der Bewegungen und Funktionen seiner Organe nicht bewußt ist. Wo
eine Störung in diesen Bewegungen eintritt, da äußert sich das eine oder
mehrere beteiligte Organe im entgegengesetzten Sinn; es bereitet euch
Unannehmlichkeiten oder Schmerz, die Seele wird traurig, da sie sich in ihrem
Wirken durch den Körper gehindert fühlt, und es entsteht aus diesem Unbehagen
und Leiden das, was ihr Krankheit nennt.
[Lg.01_003,04]
Nimmt dieser Zustand überhand, verweigern noch mehr Organe ihren Dienst, oder
werden solche in ihren Funktionen durch einzelne leidende gestört, so breitet
sich dieses Unbehagen weiter aus, der ganze Lebensprozeß wird dadurch
unterbrochen, und mit dem Aufhören des regelmäßigen Einnehmens von neuem
Lebensstoff und Ausscheiden des Verbrauchten tritt endlich in der ganzen Maschine
der notwendige Stillstand ein, den ihr Tod nennt.
[Lg.01_003,05]
Es geschieht somit die Zersetzung des als Einzelwesen zusammengehaltenen
Körpers in seine früheren, primitiven Elemente. Aber die Seele, ihrer
Überhüllung entkleidet, muß sich um ein anderes Kleid, um einen andern Leib
umsehen, nachdem der frühere unnütz geworden und zu nichts mehr zu gebrauchen
ist.
[Lg.01_003,06]
Das scheinbar körperliche Leben hat aufgehört und es beginnt ein geistiges, das
mit seinen Stufen und Gradationen (Steigerungen), je nachdem die Seele gewillt
ist, dem Zuge nach oben oder nach unten folgt, ein neues geistiges Leben, wo
die Funktionen des Körpers durch Funktionen des geistigen Lebens ersetzt und
sich selbst ausbildend vervollkommnet werden.
[Lg.01_003,07]
Das ist der Verlauf des Lebens im Jenseits. Damit aber dieser Verlauf ein
leichter und sanfter wird, so muß der Gesundheit des Körpers auf der
materiellen Erde auch die Gesundheit der
Seele soviel als möglich nachstreben und gleichen Schritt mit ihr halten.
[Lg.01_003,08]
Denn so wie die Gesundheit des Körpers das Wohlbestehen desselben bedingt und
fördert, ebenso umgekehrt bedingt Gesundheit der Seele die des Körpers, wo die geistigen Funktionen der Seele
durch keine Wolken und Trübungen der Leidenschaften gestört werden.
[Lg.01_003,09]
Wo der im Menschen wohnende Geist regelmäßig seinen Einfluß auf die Seele
bewerkstelligen kann, da ist auch der Körper gesund, ja es wird im ganzen wie
in seinen einzelnen Teilen die moralische Schönheit der Seele in ihren Formen
entsprechungsweise sich ausdrücken, wie es in den meisten Fällen im Angesicht
des Menschen der Fall ist, wo alle Neigungen, Verirrungen und Leidenschaften
der Seele sich willenlos abspiegeln. Ihr könnt nur nicht diese Sprache der
wellenförmigen und eckigen Linien, die in eines jeden Angesicht den Stand
seiner Seele bezeichnen, lesen, sonst würdet ihr in diesem wahren Seelenspiegel
so manches erblicken, was statt euch an viele
Menschen anzuziehen euch von denselben
zurückweisen würde.
[Lg.01_003,10]
Ich habe es wohlweislich nicht zugegeben, daß dieses Geheimnis der Physiognomie
allen aufgedeckt werden sollte, wie Mein lieber Lavater es sich dachte; denn
durch dieses klare Lesen des Charakters eines jeden Menschen in seinem eigenen
Angesicht würde vielen Menschen das Fortschreiten zur geistigen Besserung
erschwert, ja sogar manchem unmöglich gemacht.
[Lg.01_003,11]
Und so lasse Ich es zu, daß unter dem Deckmantel einer schmeichelnden Rede oder
angelernter Höflichkeitsmanieren auch ein Teufel in die Gesellschaft der Guten
kommen kann, ohne daß die andern die mindeste Ahnung davon haben; und so ist
durch das Wort der Weg in der Gesellschaft nicht abgeschnitten, auch aus dem
verirrtesten Wesen mit der Zeit etwas Besseres zu machen, was unmöglich wäre,
kennete ein jeder sogleich seinen Nächsten an seinen Gesichtszügen wessen
Geistes Kind er ist; denn vor dem Bösen würde gewiß sich ein jeder dann
fernhalten, und dem Bösen selbst bliebe nichts anderes übrig, als der Verkehr
mit seinesgleichen oder die Isolierung und der Mangel an Mitteilung, die ihn
dann nur noch ärger machen würde, als er zuvor schon war.
[Lg.01_003,12]
Im Jenseits ist es freilich anders, da kennt ein jeder Geist den andern beim
ersten Anblick, kann also meiden, was schlecht ist, und zu dem sich gesellen,
was ihm gleich oder besser ist. Daher die große Schwierigkeit, dort sich zu
bessern, weil dort das Erkennen das erste, wie hier auf der Welt das Verbergen
das erste ist.
[Lg.01_003,13]
Darum, Meine Kinder, befleißet euch, gesunde Seelen zu haben, setzet den
Einflüssen des Geistes keine Hindernisse entgegen, bekämpfet alles, was eure
Seele beschmutzen und auch vielleicht auf eurem Antlitz unangenehme Eindrücke
hinterlassen könnte.
[Lg.01_003,14]
Seid versichert, diese Abdrücke der Leidenschaften auf eurem Angesicht, in
eurer Form, als wie in Hand und Bewegung des ganzen Körpers, oder wohl gar in
dem unheimlichen, nicht für euch zu erklärenden Licht, welches dem Auge
entströmt, sind nicht in eurer Macht, da hilft kein Verbergen der Gedanken, ihr
mögt sie so geheim als möglich halten, mit andern Worten verschleiern, aber den
Eindruck eines bösen oder unheimlichen Blickes könnt ihr nicht verbergen, wenn
er einem klaren, sich keiner Schuld bewußten Auge begegnet, dasselbe unangenehm
berührt, und die Seele dann zum Rückzug mahnt, indem hier hinter blumenreichen
Worten und Manieren die Schlange des Verrates lauert.
[Lg.01_003,15]
Daher befleißet euch der Gesundheit eurer Seele, damit euer Auge klar und ohne
Falsch jedem frei ins Angesicht schauen kann.
[Lg.01_003,16]
Seid versichert, es gibt nichts großes Geistiges im Menschen, das mehr seine
höhere Abkunft und seinen von Mir ererbten Adel erkennen läßt, als ein
seelenvolles Auge, ein Blick voll Milde, Sanftmut und Liebe!
[Lg.01_003,17]
Im Auge spiegelt sich äußerlich die ganze materielle Natur; aus dem Auge
strahlt die ganze Geisterwelt, von den höchsten Himmeln angefangen bis zur
untersten Hölle.
[Lg.01_003,18]
Solange ihr Mein Wort im Herzen tragt, solange ihr an Mir und nicht an der Welt
hängt, so lange wird auch eure Seele gesund, ja stets gesünder werden, bis
dieser Gesundheitszustand dergestalt wächst, daß der für den früheren Zustand
gesund gewesene Körper nur noch ein Hindernis für eure Seele in ihrem
Fortschreiten ist, wo dann die Seele, durch Meine Lehre, Mein Wort und Meine
Gnade vergeistigt, auch eine geistige und nicht mehr materielle Umhüllung als
Organ nötig hat.
[Lg.01_003,19]
Ist dieser Zustand eingetreten, dann werde Ich diese Bürde, die ihr während
eures irdischen Lebens mit euch herumgeschleppt habt, euch abnehmen und sie mit
einem ätherischen Leibe vertauschen, der noch sensibler euer Inneres
durchleuchten läßt und ganz die entsprechende Form eures inneren Ich annehmen
wird.
[Lg.01_003,20]
Deswegen werdet geistig schön, und im Jenseits werdet ihr dann ebenso geistige
Umkleidung haben, die der jugendlichen und unverwelkenden Schönheit eures
Geistes entsprechen und stets schöner, stets erhabener und durchsichtiger
werden wird.
[Lg.01_003,21]
Wie die Krankheit des Körpers eine Störung ist in den Funktionen seiner Organe,
ebenso ist das Nicht-nach-Meinen-Gesetzen- und Nicht-nach-Meiner-Lehre-Leben
eine Störung der Funktionen der Seele. Dieselbe wird durch weltliche Begierden
oder durch seelische Leidenschaften wie Haß, Zorn, Herrschsucht usw. vom
eigentlichen Wege abgezogen, sie lebt ein Schein- und kein wahres Leben im
Geiste; sie lebt für die Begierden ihres materiellen Teiles, des Körpers, wird
dadurch am Ende selbst materiell, verliert ihre ganze Bestimmung aus dem Auge
und verfehlt so ihre ganze Aufgabe und Mission auf diesem Erdball, der eine
Prüfungsschule sein sollte, um hier die Leidenschaften anfangs bezähmen zu
lernen und in der Folge solche gänzlich auszumerzen, um als geistig reiner Ton
in Meinen geistigen Sphären anzukommen.
[Lg.01_003,22]
Sie, die weltliche Seele, hat also, statt nach der geistigen Gesundheit zu
streben, die geistige Krankheit vorgezogen, statt daß ihr Verlangen sein
sollte, das Böse stets auszuscheiden und neues Gutes, neues Leben einzusaugen,
gerade das Verkehrte getan, sie ist statt zum Leben durch die Krankheit zum
Tode übergegangen! Schon beim Leibesleben hat sie aufgehört, statt den Körper
für ihre Zwecke zu gebrauchen und denselben zu vergeistigen, alles Edle, das
Ich als verzinsliches Gut gegeben, in sich selbst verkörpert, das Seelische,
Geistige eingebüßt, und ist pur Körper geworden, oder hat, mit andern Worten
gesagt einen geistigen Mord an sich selbst
begangen!
[Lg.01_003,23]
Wenn dann alle Mittel unmöglich geworden sind, eine solche Seele wieder aus
ihrer Verkörperung herauszureißen, so bin Ich gezwungen, diese Hülle, in die
sich solch eine Seele vergraben hat, aufzulösen.
[Lg.01_003,24]
Was sie dann für eine Umkleidung in der andern Welt haben wird, und wie diese
ausschauen wird, das könnt ihr euch leicht denken! Ein Kleid des Lichtes gewiß
nicht, da sie ja schon auf dieser Erde keine Freundin desselben gewesen,
sondern eine Freundin des Gegensatzes, des Materiellen, eine Freundin der
Finsternis war.
[Lg.01_003,25]
Hier hast du die drei Worte belehrend und warnend für euch und für alle, die
sie je einst lesen werden.
[Lg.01_003,26]
Mögen alle wohl bedenken, was sie tun und auf welchen Wegen sie wandeln! Meine
Gesetze der materiellen und geistigen Welt sind unwandelbar, und der
materiellen Schwere entspricht die geistige Schwere, und es ist so wie Mein
Paulus sagte: Wie der Baum fällt, so bleibt er
liegen! Sehet euch vor, daß ihr nicht
als nutzloses, halbverfaultes Holz fallet, sondern als grünende Zweige und
Reiser für ein besseres und schöneres Leben!
[Lg.01_003,27]
Der dürre Baumstamm, wenn er fällt, bleibt lebens- und regungslos liegen, es
ist kein Trieb, noch lebendiges Element in ihm, das zum ferneren Leben ihn
antreiben könnte, er zersetzt sich und verfault, geht in andere Formen und
Elemente über, die in kürzester Zeit von ihrer früheren Form als Bestandteile
eines Baumes keine Spur mehr an sich tragen.
[Lg.01_003,28]
Nicht so mit den grünen Zweigen und Reisern. Fallen dieselben auf feuchten
Boden, wo noch im mindesten nahrungsfähige Elemente sich in ihrer Unterlage
befinden, so treiben sie leicht Wurzel in die fruchtbare Erde, fangen an sich
zu erheben, fühlen sich heimisch in ihrer neuen Existenz, treiben Blätter,
Blüten und Früchte, und je nachdem der Boden so auch die Produkte.
[Lg.01_003,29]
Das Edle des Zweiges, verbunden mit edlen Elementen der Erde, verwandeln die
gefallenen Reiser zu einer schöneren und edleren Gattung und führen sie eine
Stufe näher ihrer Bestimmung.
[Lg.01_003,30]
So auch ihr, Meine lieben Kinder, trachtet, recht geistig gesund zu werden,
merzet allen Rost geistiger Krankheit aus, und wenn endlich auch ihr einer
besseren Umkleidung bedürfet, als euer materieller Körper bis jetzt war, dann
fallet als lebensfrische Reiser auf Meinen lebensfähigen geistigen Boden, wo
die Liebe der Dünger, und Demut und Nächstenliebe die Erde sind; dort streckt
eure Arme gleich Wurzeln in die Erde und nach dem Dünger aus; lasset euch dort
veredeln, damit aus dem hier ausgesäten Korn dort ein edler Zweig, und mittels
der neuen Erde noch höhere und geistige Früchte das Resultat davon seien. So
werdet ihr dann stets fort und fort durch eure Taten und eure Liebe zu Mir eure Früchte stets mehr veredelt, stets edlere Früchte
und höhere, geistigere Produkte liefernd, Dem immer näherkommen, Der euch schon
so oft mit Geistesfrüchten der andern Welt gespeist und den Trank des ewigen
Lebenswassers für eure durstige Seele gegeben hat.
[Lg.01_003,31]
Merket euch wohl, daß, unter welcher Form Ich euch auch geistige Speise
verabreiche, Meine Sorge nur immer die ist, daß ihr als gesunde Seelen nicht
mit Krankheit behaftet dem Tode, sondern zum ewigen Leben erzogen werdet.
[Lg.01_003,32]
Dies mit Meinem väterlichen Segen euch, Meinen Kindern (zum heutigen Morgen) von eurem guten Vater! Amen!
4. Kapitel Körper, Geist und Seele.
18. Juli 1870
[Lg.01_004,01]
Diese drei Worte sind in Meinen Kundgaben schon oft erörtert worden, und ihr
habt schon einen Begriff davon, was Körper, Geist und Seele im allgemeinen, und was in spezieller Hinsicht dieselben
bedeuten im geistigen Sinne.
[Lg.01_004,02]
Da aber in allen Worten von Mir Unendliches liegt und stets Neues, Geistiges
aus ihnen gezogen werden kann, so wollen wir es versuchen, ob wir nicht eben
auch diesen Worten noch eine andere Bedeutung abgewinnen können, die vielleicht
ebensowichtig wie die frühere oder wohl gar noch höher und erhabener sein
könnte!
[Lg.01_004,03]
Da Meine Belehrungen stets stufenweise gehen, und die Erklärung von Körper oder
Materie, oder als gebundene Geister in derselben, oder Meine Gedanken und Ideen in Materie fixiert eurer früheren Auffassungsfähigkeit entsprechen, so will
Ich jetzt, da ihr reifer geworden seid und in die Geheimnisse Meiner Schöpfung
schon tiefere Blicke gemacht habt, euch eben dieses Wort Körper von einer andern Seite
beleuchten und somit ein neues Feld zur Belehrung eurer Seele und zur Erhaltung
eures Geistes euch kundgeben, damit ihr daran ersehen möget, daß, wenngleich
Ich schon früher gebrauchte und erklärte Worte wiederbringe, Ich doch stets,
außer den früher gegebenen Erklärungen, noch andere Seiten daran auffinden
kann, so daß ihr in dem Gegenstand neue Wunder und neue Beweise Meiner Liebe und
Weisheit entdecken könnt. Ja, wollte Ich es versuchen, so würde Ich, dieses
Wort noch tausendmal umwendend, stets neue Seiten euren überraschten Blicken
zeigen. Doch zur Sache, also:
[Lg.01_004,04]
Wie Ich euch in früheren Kundgebungen erklärt habe, so war dort stets Körper mit Materie gleichbedeutend, und Ich
zeigte euch, daß auch in der Materie eigentlich nichts Materielles, sondern nur
geistig Gebundenes ist; oder Ich sagte euch, daß Materie Meine festgehaltenen
Gedanken und Ideen sind, die so lange Materie oder Körper bleiben, als Ich
Meine Gedanken und Ideen in denselben eingeschlossen und verkörpert nicht zurückziehe!
[Lg.01_004,05]
Diese Erklärungen sind alle richtig, erstens weil sie das Wahre bezeichnen, und zweitens weil Ich sie euch gegeben habe.
[Lg.01_004,06]
Wollen wir aber diesen Begriff Materie oder Körper von einer andern Seite auffassen, so frage Ich vorerst:
Was bezeichnet eigentlich das Wort Körper?
[Lg.01_004,07]
Sehet, um da gründlich zu sein und dann stufenweise aufwärts zu steigen auf der
großen Stufenleiter Meiner Schöpfungen und Meines Wesens selbst, müssen wir den
Begriff eines Wortes erst feststellen, und nicht so gedankenlos bei der
Aussprache des Wortes Körper stehenbleiben, ohne dessen Wesen näher zu bezeichnen.
Nun denn, so fangen wir also an, wie die Schulkinder, wenn sie lesen lernen,
beim Abc.
[Lg.01_004,08] Körper, dieses Wort bezeichnet
eigentlich ein separates (gesondertes) Ding, mit Dimensionen (Ausdehnungen)
nach Breite, Länge und Tiefe, das ein abgeschlossenes und abgetrenntes, für
sich selbst bestehendes Ding inmitten der grenzenlosen Unendlichkeit ist!
[Lg.01_004,09]
Der Körper ist daher ein Etwas, das einen Raum einnimmt, eine Umkleidung hat,
welche eben damit sein individuelles Sein vom ganzen allgemeinen All-Sein
trennt.
[Lg.01_004,10]
Ein Körper kann aber ebendeswegen doch alle Grade der Dichtigkeit und Schwere
durchmachen, er kann bis ins Unendliche fein, für euch nicht mehr wägbar
(imponderabel), aber auch bis zur härtesten Steingattung, wie Granit oder
besser Grundstoff der Erdfeste genannt, verdichtet sich vorfinden.
[Lg.01_004,11]
Immer bleibt er ein Körper, ein für sich bestehendes Etwas, das Dimensionen
annehmen kann, und zwar im verflüchtigten Zustande ungeheuer große, im
verdichteten aber außerordentlich kleine, die dann durch den Drang der
Anziehung und Aneignung von Gleichartigem, Steine, Erden, Welten,
Sonnen-Gebiete usw. bilden können.
[Lg.01_004,12]
Körper ist daher als Wort der Ausdruck für etwas für sich körperlich
Bestehendes, Gewordenes, aus dem Allsein herausgerissenes Getrenntes, für sich
allein dastehendes Ganzes.
[Lg.01_004,13]
Der Körper kann sich teilen lassen ins Unendliche, bis wo eure Augen und
Instrumente euch die weitere Wahrnehmung versagen; aber er existiert doch noch
immer und hat als Größe seine Dimensionen nach allen drei Seiten, wenngleich
für euch nicht mehr begreifbar, so wenig, als die Grenze, da seine Teilbarkeit
aufhört, und das in ihm gebundene Geistige seinen Anfang hat.
[Lg.01_004,14]
Ohne Körper gäbe es keine sichtbare Schöpfung!
[Lg.01_004,15]
Es gibt Körper oder Stoffe, die wohl durchsichtig sind und unwägbar, wie Licht
und Elektrizität, allein, sie sind solches nur für eure Augen, aber nicht für
die Augen der Geister!
[Lg.01_004,16]
Für eure Augen ist alles unsichtbar, was den Lichtstrahl durchläßt und
denselben nicht von seiner Oberfläche zurückwirft; aber bedenket ihr seht die Gegenstände nicht, und nicht den auf sie
fallenden, sondern ihr seht sie nur durch den von ihnen zurückprallenden
Lichtstrahl.
[Lg.01_004,17]
Einen Lichtstrahl, der in die Unendlichkeit hinausflieht, seht ihr nicht.
[Lg.01_004,18]
Wann also etwas Körper hat, aber von sehr geringer Dichtigkeit, das ist für
euer Auge nicht vorhanden; und wäre nicht die Scheidekunst (Chemie), die euch
da mehrere Elemente zeigt, wo ihr glaubtet nur mit einem zu tun zu haben,
wie zum Beispiel die Luft, in der ihr lebt, die ihr einatmet, sie in euren Lungen
chemisch zersetzt, den darin enthaltenen Lebensstoff herauszieht und dann das
Verbrauchte oder Verkohlte wieder aushaucht.
[Lg.01_004,19]
Alle diese Bestandteile sind für eure Augen nicht daseiend, während sie für
euren Körper fühlbar sind; denn wenn das Salz der Luft oder, wie ihr sagt, der Sauerstoff mangelt, und nur Kohle vorhanden ist, hört das
Leben für euch auf, und jedes lebende Wesen verfällt dem Tode, das allein nur
letztere einatmet; ebenso ist es auch mit dem dritten Hauptelement, der Luft,
dem Stickstoff!
[Lg.01_004,20]
Es sind aber in der Luft noch eine Menge anderer Stoffe enthalten, die alle
Körper haben, jedoch für eure Sinne unwahrnehmbar sind.
[Lg.01_004,21]
Was in der Luft schon dichter ist, das findet sich im Äther verfeinerter, und
je mehr die Luft sich den Erden nähert, die sie umgibt, desto gröbere, dichtere
Teile enthält sie; sie verdichtet sich im Wasser zur Flüssigkeit und wird sogar
fest wie Eis, indem also verdichtete Luft ohne Wärme ein dichter, kompakter
Körper geworden ist.
[Lg.01_004,22]
Vom Wasser gehen dann die Stufen der Verdichtung fort bis zu den
allerdichtesten und schwersten Metallen und Steinen des Erdinhalts.
[Lg.01_004,23]
Diese so aus dem Allsein herausgerissenen und getrennten Dinge, die durch den
Namen Körper bezeichnet sind, stellen die ganze Schöpfung Meiner
fixierten Gedanken in geregelter Stufenreihe dar, allwo Ich vom ersten
unwägbaren, aber doch körperlichen Atome angefangen die ganze Reihe von Dingen,
eines vollkommener als das andere, hinaufbaute bis zu Mir Selbst, durch alle
Sonnengebiete und Hülsengloben, bis in Meinen höchsten Himmel, in welchem auch
die zartesten Umkleidungen Meiner Schöpfungsgedanken doch noch etwas
Körperliches haben, welches jedoch, mit euren Sinnen gemessen, ein höchst Geistiges
wäre!
[Lg.01_004,24]
Das Bestehen dieser ganzen Körperwelt wird einfach dadurch bewirkt, daß, wie
die gleichen Geister sich gerne zusammengesellen, so auch alle elementarischen
Stoffe oder Körper von gleicher Beschaffenheit einem großen Drang der Anziehungskraft
nicht widerstehen können und gemäß Meines in ihnen wohnenden
Schöpfungsgedankens sich in gewissen Maßen aneinanderreihen, manchmal
bestimmte, von Mir gedachte Formen annehmen, und manchmal wieder in
unregelmäßigen Gestalten sich dem leiblichen Auge zeigen.
[Lg.01_004,25]
Diese ganze Körperwelt ist also, obwohl eines vom andern getrennt, doch durch
das gleiche Band der Liebe verbunden, der sicht- und unsichtbare Träger Meiner
Gedanken, oder der in sie gelegte Funke Meines Geistes ist in ihnen mehr oder
weniger gebunden.
[Lg.01_004,26]
Das, was diese Körper treibt, nach gewissen Gesetzen sich anzuziehen oder
abzustoßen, diese oder jene Form anzunehmen, ist der in ihnen wohnende Trieb,
den sie von Mir bekommen haben, und ist eigentlich der in der Materie gebundene
Geist; denn Geist (hier Naturgeist) oder Naturkraft, wie ihr es nennt, sind die
nämlichen (gleichen) Dinge.
[Lg.01_004,27]
Der Geist ist der notwendige Drang in jedem Körper, seine Gestalt, die er sich
nach seiner Intelligenz geformt hat, so lange zu erhalten, als die Existenz der
Körperhülle dem innewohnenden Geist entspricht.
[Lg.01_004,28]
Der Geist, erhaben über alle Vergänglichkeit wie eure Naturkraft, ist es, der
eingeschlossen den Körper zu dem macht, was er eigentlich ist.
[Lg.01_004,29]
Erleidet der Körper eine Veränderung, so entweicht der Naturgeist, der in ihm
wohnte, und zerteilt sich in Geistes-Partikel, oder vereint sich mit anderen
gleichen (Natur-)Geistern zu einem höheren Geiste auf der Stufe Meiner
Schöpfungsleiter, umkleidet sich dann mit anderem Körper, gemäß seiner
Intelligenz.
[Lg.01_004,30]
Die früher zusammengehaltene Materie oder der Körper geht dann in der
Verwandlung zum Teil eine Stufe auf- und zum Teil abwärts.
[Lg.01_004,31]
Das Geistige im Körper treibt denselben zur Veränderung, und der Geist, seinem
Triebe folgend, erfüllt wieder einen andern Schöpfungsgedanken, indem er so die
zur Substanz geläuterte Materie (Seelisches) zurückführt, von woher sie
gekommen war, oder durch Verbindung mit andern höherstehenden Körpern dieselbe
als Wohnort intelligenter Geister in Meinem großen All der Vervollkommnung
näherrückt.
[Lg.01_004,32]
Was ist eigentlich Geist!
[Lg.01_004,33]
Unter diesem Wort versteht man nächst dem oben Gesagten eigentlich ein
Unkörperliches.
[Lg.01_004,34]
Auch bei gewissen Flüssigkeiten in ihrer höchsten Verfeinerung und Zersetzung
entwickelt sich ein ätherisches Fluidum, sei es auf natürlichem oder auf
chemischem Wege, das nicht mehr durch die gröberen Sinne, sondern nur manchmal
noch durch die Geruchsnerven fühlbar ist.
[Lg.01_004,35]
Diese Art von Geist ist es aber nicht, welchen Ich euch erklären will, denn
dies ist noch immer ein Körper, wenngleich von feiner Art.
[Lg.01_004,36]
Was Ich unter Geist verstehe, ist ein Ausfluß aus Mir, ein Ableger Meiner
göttlichen Kraft, der, so beschränkt er auch sein mag in seiner Wirkungssphäre,
doch ein Unverwüstliches, nie Zerstörbares ist.
[Lg.01_004,37]
Diese Naturgeister sind es, die die ganze Schöpfung zusammenhalten, ihr den
eigentlichen Bestand und die ewige Dauer sichern, weil sie als Ausgänge aus Mir
unsterblich sein müssen, wie Ich Selbst es bin.
[Lg.01_004,38]
Geister, in Materie oder Körper gebunden, sind die untersten Schichten der
Schöpfung, ihre Grundpfeiler; ohne sie bestünde kein Körper, ohne sie würde das
Licht der Sonne nur in die Unendlichkeit hinaus sich verlieren; denn nur
dadurch, daß sie die Körper in ihrem Bestand erhalten, und diese so dem Lichte
kompakte Flächen entgegensetzen, und zwar in allen möglichen Formen, bewirken
sie durch das teils aufgenommene und teils zurückstrahlende Licht die tausend
und tausend Schönheiten der sogenannten stummen Natur, gegenüber der belebten,
großen geistigen.
[Lg.01_004,39]
Der Körper besteht durch den in ihm wohnenden Geist, der Geist als Funke Meines
Ich manifestiert (offenbart) sich dann in den höheren Stufen des lebenden
Organismus als eine höhere, sich mehr oder weniger bewußte Potenz (Kraft), als Seele.
[Lg.01_004,40]
Er beseelt den Körper und gibt ihm das große Lebensprinzip, von dem untersten
eingeschlossenen Geist angefangen, durch die Fakultät (Fähigkeit) sich
stufenweise höher hinaufzuschwingen, und in höher ausgebildeten Körpern
vermittels einer belebenden Seele sich seiner Existenz stets mehr bewußt zu
werden, und die Freude des Bestehens auch anderen Wesen mitteilen zu können.
[Lg.01_004,41]
So ist die dritte Stufe der Schöpfungsleiter die Reihe der beseelten Wesen, wo
der Geist schon mehr frei sich ein anderes intelligentes Wohnhaus in der
Materie als Körper errichtet hat, vermöge dessen er sich mehr äußern und auch
mit seinem materiellen Wohnhause mehr nach Belieben verfahren kann.
[Lg.01_004,42]
Dieses Seelenleben beginnt bei den untersten Tieren, die neben dem kunstvoll
eingerichteten Körper gemäß ihrer Individualität noch das für sich haben, daß
die meisten auch die Freiheit der Bewegung besitzen.
[Lg.01_004,43]
Der Körper tritt hier schon als Knecht auf, und nicht wie ein Herr im
Mineralreich.
[Lg.01_004,44]
Die Seele gebraucht denselben zu ihrer Erhaltung und zu ihren
Lebensbedürfnissen, geleitet freilich noch immer durch den Geist als Instinkt oder Gängelband der
Natur, womit der Geist die Seele jetzt zu diesem und dann zu jenem antreibt.
[Lg.01_004,45]
Eine freie Bewegung bedingt stets einen höheren Grad der Intelligenz; denn wenn
Ich einer Seele erlaube, ihren Körper freier zu bewegen, so muß Ich ihr doch
den Impuls eingeben, wie und wann und für welche Zwecke sie denselben bewegen
soll.
[Lg.01_004,46]
In dieser Stufenleiter der sich frei bewegenden Körperwesen geht es nun
aufwärts, ringend stets nach derjenigen Stufe, wo der Geist das Höchste, was
der Schöpfer geben konnte, der Maschine oder dem Körper alle mögliche geistige
Intelligenz darbietet; und endlich die Seele, ihrer Stellung in der Schöpfung
sich bewußt, ihre Abkunft erkennt, den kleinen, geistigen, göttlichen Funken,
der in dem letzten Atom eingeschlossen war, zu einer sich selbst bewußten
Potenz erhoben hat und nun, den Blick nach oben gerichtet, erst anfängt, ihren
Ursprung und ihre Abkunft vom Allerhöchsten zu begreifen.
[Lg.01_004,47]
Dieser Schlußstein aller Körper-, Geister- und Seelen-Welt ist der Mensch, den
Ich als Mein Ebenbild geschaffen, als ein Kompendium alles übrigen hingestellt
habe zwischen zwei Welten, der körperlichen und der geistigen, mit dem Drange,
seine körperliche Welt mittels seiner Seele zu vergeistigen, seinem mit allen
göttlichen Fähigkeiten begabten Geist die Tür zum Allerhöchsten zu öffnen,
damit durch den Einfluß des Geistes die Seele ein Geist und der Körper, statt wie bisher
seine materielle Umkleidung, einst seine geistige werde, welche dann im
Geistigen alles das wieder repräsentiere, was der Körper im Körperlichen besaß,
und so vergeistigt, körperliches Vehikel als feinste Substanz dem edelsten Menschengeiste sein herrlichstes Kleid
werde!
[Lg.01_004,48]
Hier, Meine lieben Kinder, habt ihr die große Stufenreihe Meiner Schöpfung, vom
ersten sich gestaltenden Atom und der kleinsten Monade bis zu Meinem letzten
Werk, dem Menschen, von wo aus dann in geistiger Produktion das Nämliche wieder
beginnt, bis in Meine letzten Himmel, wo die reinsten Geister mit den feinsten
Lichtkörpern die höchste Reinigung eurer körperlich möglichen Substanz aus dem
Schöpfungsraum zur Überkleidung ihrer Gott-Seelen nehmen, und dieselbe wie ihr
euren Körper gebrauchen können, der aus groben Stoffen zusammengesetzt ist.
[Lg.01_004,49]
Es ist ein langer, aber doch nicht unmöglicher Weg bis dorthin.
[Lg.01_004,50]
Befleißet euch, Meine Kinder, das zu werden, zu was Ich euch auf dieser
Stufenreihe bestimmte, das heißt, auf den Gipfelpunkt des Körperlich-Materiellen
und zum ersten Anfang der Geisterwelt euch zu schwingen, wo die Tür des Lichtes
und der Erkenntnis sich selbst auftun wird, und wo ihr vor euch die
unermeßliche geistige und hinter euch die nie endende körperliche oder Sinnen-Welt erblicken werdet, und
inmitten alles dessen Den, der alles schuf,
und Der nur daran eine Freude hat, wenn Seine Geschöpfe Ihn, den sie Herr und Gott nennen, nun Vater zu nennen gelernt haben.
[Lg.01_004,51]
Wenn ihr das alles einst mit einem Blicke werdet überschauen können, dann ist
auch Er nicht mehr fern von euch, Der euch, wenn ihr auch gelitten, geduldet
und gekämpft habt, dann beweisen wird, daß ohne alle diese irdischen Drangsale
ihr nicht da wäret, wo ihr dann wirklich genießet, das heißt den allerhöchsten
Begriff der Körper-, Geister und Seelen-Welt, eine Vater-Liebe, wie sie nur Der
euch fühlen lassen kann, Der hier wieder mit diesen drei Worten euch einen
kleinen Beweis geben will, wie sehr Er wünscht, daß ihr Seinen Lehren folgend alles Weltlich-Körperliche
gehenlassend nur nach Seinen himmlischen
Genüssen streben sollt! Amen!
5. - 8. Kapitel Knabe Jüngling Mann und Greis / oder / Winter, Frühling, Sommer und
Herbst / oder / Die vier Epochen der Welten- und Erden-Schöpfung / endlich / Geistes-,
Seelen-, Engels- und Gottesleben.
28. Juli 1870
[Lg.01_005,01]
Hier hast du vier Worte aus dem menschlichen Leben sowie Worte aus dem Erden-
und Worte aus dem Schöpfungs-Leben. Alle diese Worte sind für sich in
Zeitabschnitte abgeteilt. Die ersten bedeuten die vier Phasen (Werdestufen)
eines Menschen, oder seine Lebensperioden, in bezug auf seine körperliche und
geistige Entwicklung.
[Lg.01_005,02]
Was nun hier vom Menschen gesagt werden wird, das gilt in seiner Art auch für
die Völker, die diese vier Perioden in ihrer geistigen Erziehung durchlaufen
müssen, so wie die großen Abschnitte im Erziehen der gesamten Menschheit.
[Lg.01_005,03]
Um hier mit diesen vielen Bedeutungen und Erklärungen regelrecht anzufangen und
auch vernunftgemäß zu enden mit dem einen, dann sich an das andere wendend, um
es zu erklären, seinen geistigen Zusammenhang mit dem ersten zeigend, ferner
auf das dritte übergehend, der nämlichen Folgenreihe nach, dann euch in Meine
Werkstätte einführend, und endlich noch vier andere geistig große Worte in
ihrer höchsten Bedeutung beleuchtend, damit ihr das Ganze dann in harmonischer
Übersicht erblicken könnt, so wollen wir dieses
große Wort, das Ich dir hier gebe, in mehrere Abschnitte einteilen und also mit
dem ersten, das heißt mit Erklärung der ersten vier Worte, das Natürliche
vorausschicken; und so harret denn, Meine lieben Kinder, auf das, was der Vater
hier wieder Schönes für euch entwickeln wird!
[Lg.01_005,00]
1. Knabe, Jüngling, Mann und Greis.
[Lg.01_005,04]
Hier seht ihr vor euch den Stufengang eines Menschen, auf- und abwärts, während
seines Lebenswandels auf dieser Erde. Körperlich geht es auf- und abwärts auf
dieser Stufenleiter, geistig sollte es nur aufwärtsführen.
[Lg.01_005,05]
Der Knabe oder das Kind, unbehilflich geboren, seine Seele in einem Traumleben
befangen, weiß und erkennt nichts, muß alles erst lernen, selbst seine
Gedanken, die mit dem Entwickeln seines Ich sich vermehren, in eine Sprache
einkleiden, welch letztere anfangs mangelhaft, dann stets klarer und bezeichnender
wird, je mehr der Körper und das Begriffsvermögen voranschreiten.
[Lg.01_005,06]
Der Geist, als Funke von Mir, verhält sich ruhig, in das Innerste des Herzens
eingeschlossen, treibt nur hie und da die Seele an, auf die gesetzmäßige Weise
ihren Körper auszubilden, um denselben als tüchtiges Werkzeug gebrauchen zu
können, und um den aus dem regelmäßig ausgebauten Körper sich entwickelnden
Seelenleib für ein anderes Leben mit ins Jenseits hinüberzunehmen, wenn der
irdische Leib als die Umhüllung der Seele für sie nicht mehr brauchbar ist und
sie eines anderen bedarf.
[Lg.01_005,07]
Im Knaben oder Kinde schlafen noch alle Leidenschaften, höchstens der Eigensinn
und der Zorn sind es, die sich kundgeben; es sind dies die ersten
Schmarotzerpflanzen, die sich um den jugendlichen Lebensbaum ranken, sich an
ihn anklammern und, wenn nicht frühe Hilfe zur rechten Zeit dazutritt, den
ganzen Baum seiner Kräfte berauben, seine Säfte und Kräfte in die der beiden
Unkrautpflanzen verwandeln und dann den mit diesen Eigenschaften aufwachsenden
Menschen gänzlich verderben, indem er als Sklave dieser Leidenschaften beinahe
auf allen geistigen Fortschritt Verzicht leisten muß und viele
Unannehmlichkeiten sich und auch anderen bereitet, die mit ihm in Berührung
kommen.
[Lg.01_005,08]
Eigensinn und Zorn sind einige der mächtigsten Eigenschaften der satanischen
Natur; denn des ersten wegen will der Satan nicht auf den Weg zu Mir einlenken,
und wegen der zweiten Eigenschaft kann er keiner leisesten Spur von Liebe in
seinem Herzen Eingang geben, die ihn, statt wilder, sanfter machen würde.
[Lg.01_005,09]
So geht es dem Knaben, da gar oft dumme Eltern, statt diese beiden
Eigenschaften mit aller Gewalt zu bekämpfen, diese noch unterstützen, glaubend,
wenn man dem Kinde nicht gibt, was es will, man ihm an der Gesundheit schade,
oder mit der leichtfertigen Ausflucht gleich bereit sind: das Kind versteht ja nicht, was es will; wenn es größer
wird, wird es schon anders werden!
[Lg.01_005,10]
Törichte Eltern! Ja, es wird anders werden; das, was es als Kind mit Tränen und
unartikulierten Lauten ausdrückte, wird sich später in lieblose und kränkende
Worte gegen euch verwandeln, dann mit dem Wachsen des Kindes und eurem Abnehmen
vielleicht in tätliche Handlungen ausarten, wo ihr eure schöne Aussaat wieder
zurückbezahlt erhalten werdet, wie ihr es verdient habt.
[Lg.01_005,11]
Das Kind, welches wie eine Pflanze sich nach und nach entwickelt und immer mehr
seine Arme von der Mutterbrust in die weite Welt hinausstrecken will, um gerade
das zu erfassen, was von ihm am weitesten entfernt liegt, das Kind wächst mit
der Erkenntnis, und mit der Erkenntnis wachsen die Leidenschaften, und mit den
Leidenschaften wächst die Begierde, diese zu befriedigen.
[Lg.01_005,12]
So angekommen in einem Alter, wo dieser Strom geistiger, seelischer und
körperlicher Triebe, noch wie untereinander vermischt, geläutert werden muß,
tritt das Bedürfnis des Lernens und der Schule heran, das Kind muß einen
Begriff bekommen, was gut, was schlecht, was erlaubt, was verboten, was Tugend
und was Sünde ist.
[Lg.01_005,13]
Hier, in diesem Stadium der Läuterung aller jugendlichen Begierden und Wünsche,
müssen Eltern und Lehrer alles aufbieten, den von jugendlichem Übermut beinahe
überflutenden Strom aller Wünsche, Leidenschaften und Begierden in ein streng
abgeschlossenes Bett einzurahmen, ihm Dämme zu setzen, damit er nicht aus seinen begrenzten Ufern heraustritt.
[Lg.01_005,14]
Hier fängt die Seele an zu lernen, das heißt das erste ernste Wort des
geistigen Menschen; es ist die Bezähmung seiner Leidenschaften, die Kraft,
seinen Wünschen ein Ziel und seinen Eingebungen und Einflüsterungen ein
gerechtes Ja oder Nein entgegenzusetzen.
[Lg.01_005,15]
Mit der Schule und dem Beispiel der Eltern als erste Führer in ein weiteres
Feld eintretend, gleitet das Lebensschiffchen des Knaben zwischen Spiel und
Lernen, Belehrung und Bestrafung in das Jünglingsalter, mehr schon aufgeweckt
in Geist und Seele; sowohl mit andern ihm Gleichstehenden als Höheren oder
Älteren in Berührung kommend, drängt es die jugendliche Seele zu fragen über
Dinge, die sie zwar willenlos als Kind angenommen, aber nicht aus Überzeugung
in ihrem Innern zur Vergeistigung ihres eigenen Ich gemacht hat.
[Lg.01_005,16]
Mit dem Eintritt in eine höhere Lebenssphäre, die zwar auch noch voll von
Trugansichten ist, fängt das Fragen an: aber warum dieses, warum
jenes? ! ?
[Lg.01_005,17]
Gemäß der Aufklärung baut sich dann der geistige Mensch im Innern auf, es regen
sich im Jüngling endlich auch die geschlechtlichen Triebe, er sieht sich zum
weiblichen Geschlecht hingezogen, das ihm in seinen Schuljahren gleichgültig,
oft sogar verächtlich war.
[Lg.01_005,18]
Dieser Trieb, so gefährlich für die entfesselte Natur, ist doch einer der
heilsamsten, denn er zähmt oft die rohesten Leidenschaften eines verdorbenen
Kindes; und was Mutter, Vater und Lehrer nicht möglich war, das bezähmt ein
Blick aus einem Auge voll Liebe und Seelenglück eines sich dessen nicht
bewußten Mädchens, welches in dieser geistigen Magnetisierung etwas vollbringt,
das nur in den Himmeln begriffen, dort einst seine rechte Aufklärung finden
wird und hier auf dieser Erde nur einen leisen, leider nicht bleibenden
Nachklang zurückläßt.
[Lg.01_005,19]
Mit dem Eintritt dieses Wendepunktes im Jünglingsleben ist der erste Schritt
getan zum Mannesalter; die Liebe, die den Jüngling mit Rosen bekränzt, die ihm
einen Himmel offen zeigt, den er noch nicht begreifen und fassen kann, diese
Liebe, zuerst nur dem Gegenstand seiner Neigung zugewendet, leitet ihn dann zum
Bewußtsein des Mannes und seiner ernsteren Pflichten.
[Lg.01_005,20]
So geht der ungestüme Jüngling in den bedächtigeren Mann über, wo die
Lebensverhältnisse ernster werden, und der Mann, nicht mehr allein lebend,
sondern eine Lebensgefährtin suchend, von dem Einzelleben in das der Familie
eintritt, wo er seine Leidenschaften mehr bekämpfen muß, ein ernsteres
Anschauen seines eigenen Lebens, um sich und die Seinen zu erhalten, ihm
Pflichten auferlegt, von denen er als Knabe keine Ahnung, als Jüngling keinen
Begriff hatte, und deren ganze Tragweite er jetzt erst als Mann erfassen kann.
[Lg.01_005,21]
Wie ein lustiger, frischer Wildbach sprang der Knabe über Stock und Stein; in
der Ebene angekommen, noch von seiner Gefällsgeschwindigkeit zwischen den
Bergen in sich habend, rauscht er als Lebensstrom lustig zwischen blumigen
Ufern fort, doch stets mehr seine Geschwindigkeit verlierend und in der Ebene
sich mehr und mehr ausbreitend, gleitet er ins Mannesalter hinüber.
[Lg.01_005,22]
Als Mann tritt er mit seinen neuen Lebensbedürfnissen, neuen Lebenssorgen und
neuen Verpflichtungen gegen seine Familie schon in ein Stadium, wo der
geistig-seelische Mensch in ihm, mehr und mehr nach einem gewissen Gesetze
formiert (geformt), entweder die Tendenz zum Guten, das heißt den Weg zu Mir,
oder die entgegengesetzte, das heißt weg von Mir, angebahnt hat.
[Lg.01_005,23]
So treibt sein Lebensstrom fort, suchend, zweifelnd, aus dem Gefundenen sich
ein eigenes Ich aufbauend, vielleicht stets mehr und mehr ruhiger werdend,
glorreich aus allen Kämpfen und Zweifeln heraustretend, endlich als ruhiger
Fluß dem Greisenalter entgegenschleichend, wo die Bewegung beinahe aufhört und eigentlich wie der Hamster vom zusammengetragenen Kapital
während der Lebenssommerzeit, von selbem gelebt werden muß, da Neues schwerlich
hinzukommt, und alles, was die menschliche Laufbahn betrifft, durchgemacht ist,
ihre Täuschungen, ihre Freuden nun endlich die Ernte
der vollbrachten Taten einzuheimsen ist.
[Lg.01_005,24]
So steht der Greis am Rande eines sichtbaren Körperlebens, hinter sich eine
Vergangenheit, die nie zurückkehrt, vor sich eine unklare Zukunft, zwischen
zwei Welten, einer sichtbaren und einer unsichtbaren, den Augenblick abwartend,
wo seine Lebensuhr abläuft, und das so oft bewegte Pendel seines Körpers, das
Herz, stillesteht!
[Lg.01_005,25]
Wohl dem Greise, der am Ende, nach heftigen Kämpfen und vielfachen Störungen,
wenigstens doch so viel sich gerettet hat, daß das Kleid seiner Seele dem
Urtypus Meines Ebenbildes, wenn nicht gleich, doch sich ihm genähert hat; wohl
ihm, wenn er, sei es auch erst spät, doch seine Mission auf dieser Erde, seinen
Gott und Herrn und die andere Welt richtig erkannt hat; er wird den
Scheideaugenblick ruhig erwarten, wo die Kleider gewechselt werden, er wird die
Welt ohne Scheu und ohne Reu verlassen, denn er hat, wenngleich spät, seinen
Schöpfer, seinen Vater gefunden, Der ihm, dort oben, seinem stets jugendlich
gebliebenen Herzen gemäß, gewiß auch ein jugendlich frisches Kleid anziehen
wird, damit er dort als ewig schöner und stets geistiger werdender Jüngling auf
der Stufe der Vervollkommnung immer mehr und mehr sich Mir nähern kann, um des
Namens Gottes Kind ganz würdig zu werden!
[Lg.01_005,26]
Hier habt ihr den Weg des Kindes, des Jünglings, des Mannes und des Greises, in
wenig Umrissen dargestellt vor euch.
[Lg.01_005,27]
Jetzt wollen wir sehen, wie diese Lebensepochen analog (entsprechend) mit den Jahreszeiten
eures Erdballs übereinstimmen, und inwieweit Winter, Frühling, Sommer und
Herbst mit dem Kinde, Jüngling, Mann und Greis in ähnlicher Weise das nämliche
geistig aussprechen, was ihr im darauffolgenden Kapitel in einem noch höheren
Sinne vernehmen sollt! Also:
[Lg.01_006,00]
2. Winter, Frühling, Sommer und Herbst.
[Lg.01_006,01]
Es wird da so mancher fragen, wie kann wohl der Winter, wo die Natur eher mit
dem Tode zu vergleichen ist, wie kann man den Winter, wo statt Wärme, als
Quelle alles Lebens, die Kälte, gleichbedeutend mit dem Tode, herrscht, wie kann der Winter mit der beweglichen Natur eines
Kindes verglichen werden, wo alles Leben zeigt und alles von Leben strotzt?
[Lg.01_006,02]
Und doch, Mein lieber Zweifler, gibt es kein schöneres Beispiel, das
Kindesleben mit dem Winter und seinem Leben zu vergleichen, als eben dieses,
welches durch ein geistiges Band verbunden, das nämliche in seinem Wesen zeigt.
[Lg.01_006,03]
Warte nur ein wenig, Mein Freund, und Ich werde dir den so tot vorkommenden
Winter so lebendig, so warm darstellen, wie das Leben des Kindes ist; nur
wollen wir die Sache nicht von dem Standpunkt der gewöhnlichen
Darstellungsweise eurer Dichter und Poeten auffassen, sondern von dem
Standpunkt, von welchem Ich es für gut finde, dieselbe nach Meiner Manier (Art)
zu betrachten. Nun, so höre denn:
[Lg.01_006,04]
Siehe, Mein Freund, wenn du das ganze vegetative Leben des Kindesalters und
sein Seelenleben damit vergleichst, so ist es, wie Ich im Anfang gesagt habe,
ein Traumleben, ein Leben, wo alles Gute und Schlechte, alles Rechte und
Unrechte noch den festen Schlaf des Sich-nicht-Bewußtseins unter der Decke der
Unschuld schläft; denn Unschuld nennt man nur diesen Zustand, wo man keiner
Schuld sich bewußt ist, aber auch keine kennt, denn mit der Erkenntnis der
Unschuld hat dieselbe aufgehört.
[Lg.01_006,05]
Wie dieses Traumleben des Kindes, wo wie in einem Embryo alle Leidenschaften
und alle andern Triebe verdeckt ruhig nebeneinander schlafen und nur den
bessern Zustand ihres sie umschließenden Leibes erwarten, um dann zu erstarken
und sich entwickeln zu können, ebenso siehe, Mein lieber
Freund, welch passender Vergleich und wie geistig nahe! ebenso liegt unter der weißen Decke des Schnees (Weiß
ist ja die Farbe der Unschuld) die ganze künftige Existenz eines Teiles des
Erdballs im Schlafe begraben, nur wartend, bis eine höhere Macht, die Wärme der
Sonne, diese Decke der Unschuld lüftet, dieselbe vernichtet, und den tausend
und tausenderlei Leben ihren freien Lauf läßt, damit jedes gemäß seiner
Bestimmung wirken und seinen Daseinszwecken nachzukommen vermöge.
[Lg.01_006,06]
Wie beim Kinde gute und schlechte Eigenschaften mit der Ausbildung des Körpers
sich mehr manifestieren, so zeigt sich im Erdenleben bei aufwachender Natur ebenfalls
der Einfluß friedlicher und feindlicher Einwirkungen; anfangs, wie die
Leidenschaften beim Kinde, ruhig unter der eisigen Decke des Schnees beisammen
wohnend, trennen sie sich dann kämpfend und streitend, und so in stetem Kampfe
gehen sie dem Frühling oder einer besser entwickelten Zeit entgegen, wo schon
alles Lebende auf dieser Erde mehr erstarkt, auch im Kampf der Elemente und
sonstiger Einflüsse widerstehen und denselben siegreich ertragen kann.
[Lg.01_006,07]
Im Frühjahre drängt alles unbewußt seiner Bestimmung entgegen; das Pflänzchen
wird ein Bäumchen, bereitet alles vor, um einst als Baum seinen Zweck zu
erfüllen, und Tiere bauen Wohnungen für ihre Brut, von der sie noch nicht
wissen, woher sie kommt. Alles schafft und webt;
Zerstörung und Neuaufbauen, Formwechsel und Neugeburt sind des Erdballes
Aufgabe; es ist ihre Jünglingszeit, welche oft Mißarten und Afterbildungen
(Nachbildungen), die nicht in den Kreis des Gewöhnlichen hineingehören und
später wieder ausgeschieden werden, hervorbringt, wie bei dem Jünglinge seine
dummen Streiche und leichtsinnigen Fehler.
[Lg.01_006,08]
So bekränzt die Natur im aufgewachten Frühling sich mit den schönsten Blumen,
wie der Jüngling mit rosigen Wangen, und geht langsam dem Mannesalter entgegen,
der Periode der Reife der Früchte, welche aus dem Treiben und Drängen des
Frühlings hervorgehen soll, ganz im Sinne des Schöpfers.
[Lg.01_006,09]
Der Sommer oder das Mannesalter ist auch schon heißer, dem Manne rinnt der
Schweiß von der Stirn bei Gewinnung seines täglichen Brotes; dem
fruchttragenden Baum fehlt oft das Wasser oder die Feuchtigkeit, seine Kinder,
die Blätter und Früchte, zu ernähren und letztere auszureifen.
[Lg.01_006,10]
Ebenso hoffnungslos steht der Mann oft da, läßt seine ermüdeten Arme sinken,
wie der Baum seine Blätter; ein Sturmwind, ein Hagel entreißt ihm seine Kinder,
die nur mit Mühe hervorgebrachten Früchte.
[Lg.01_006,11]
Dem Manne rauben Krankheiten seine Sprößlinge, seine Gefährtin; und wo beide,
Mann und Baum, keinen Trost und keine Hilfe mehr erwarten, da türmt oft eine
Windsbraut Wolken des Segens und Regens auf; letzterer ergießt sich in Strömen
über die dürstenden Felder und Wiesen, befruchtet und befeuchtet die
verschmachtende Natur, reinigt die Lüfte, und siehe, die ewig nie verlorene
Naturkraft belebt wieder alle Wesen von neuem; der Sturm ist überstanden,
manches wohl verloren, aber dafür tausend anderes ersetzt worden.
[Lg.01_006,12]
Beim Manne, wenn vom Unglück gebeugt er keine Hilfe mehr weiß, wenn das ganze,
vielleicht von Jugend auf erbaute Religionsgebäude mit dem Sturm des Schicksals
zusammenbrach, da glimmt im Osten ein lichter Funke auf; es ist anfangs ein
kleiner Stern, er steigt höher und höher, vergrößert sich, wird zur Sonne, zur
Gnadensonne mit Meinem Bilde in der Mitte und mit Meiner Lehre als
Strahlenbündel umwebt, beleuchtet das zerrissene Gemüt des Mannes, gießt
sanften Trost und Licht in sein Herz, läßt den Tiefgeprüften, vielleicht zum
ersten Male, den geistigen Vorgeschmack eines Himmels, das Vorgefühl einer göttlichen
Liebe fühlen!
[Lg.01_006,13]
Der Mann richtet sich auf, begreift die Huld seines Vaters und segnet die
Schicksalsschläge, die ihn getroffen und endlich keinen andern Zweck hatten,
als ihn in die Arme Dessen zu führen, Der sie schon längst ausgebreitet hatte,
ihn zu empfangen, und nur keine andere Art wußte, dieses zu bewerkstelligen,
als durch ein dem Anschein nach vermeintliches Mißgeschick.
[Lg.01_006,14]
So wird der Mann dann reif zum Greisenalter, wie der Baum seine Früchte
ausreift zur Herbstzeit. Endlich kommt der Herbst, die Naturkraft, die während
des Winters ruhig unter der Decke des Schnees schlief, die im Frühling alles zu
neuem Leben weckte, im Sommer tätig war, alles seiner Bestimmung zuzuführen,
hat gegen den Herbst sich ausgebraucht, ist müde geworden, hat ihren Zweck
erfüllt und geht wieder schlafen.
[Lg.01_006,15]
Die Blätter fallen ab, der Baum, sonst in üppiger Fülle dastehend, verliert
seine äußere Form, und bald als Gerippe und Skelett zeigt er zwar das
Grundfundament, welches all das Hervorgebrachte getragen hat, aber die schöne
Farbe, die Lebensfrische ist dahin; der Baum ruht, um in einem andern Jahre
seine nächste Bestimmung anzutreten, entweder vollkommener als in dem
Vergangenen, oder aber auch umgekehrt, der Zersetzung in andere Elemente sich
nähernd.
[Lg.01_006,16]
So ist es ebenfalls mit dem Manne, nach und nach geht es dem Greisenalter zu;
die Tatkraft, das schnelle Entschließen fängt an sich zu mildern, die Farbe des
Gesichtes ändert sich, das Ergrauen der Haare (Zurückziehen des Eisens im Blut
anzeigend, als Träger der Tätigkeit) wird immer bedeutender. Die Außenwelt
schließt sich immer mehr, und der Greis beginnt ein inneres Leben, wie der Baum
im Herbst, wo auch bei ihm die Zirkulation der erneuerten Säfte aufhört, und
ein langsameres inneres Wirken, den menschlichen Blicken entzogen, sich
fortsetzt.
[Lg.01_006,17]
So erwartet der Baum seine Bestimmung fürs nächste Jahr, gemäß seiner
Tätigkeit, ob er als Brennholz dem Feuer übergeben oder zu anderen Zwecken
dienen soll, oder ob er als Baum, vielleicht veredelt, bessere und schönere
Früchte bringend, dem Menschen wieder körperliche und geistige Genüsse
verschaffen soll, körperliche durch seine materiellen Produkte, und geistige
durch sein Betrachten in bezug auf den allgütigen Schöpfer und Herrn.
[Lg.01_006,18]
Alle Früchte und Produkte der ganzen Natur, die den lebenden Wesen zur Nahrung
dienen, gehen durch ihre verschiedene Verwendung in eine höhere geistige Stufe
über, indem sie zur Erhaltung von höher stehenden Wesen dienen, deren
Körperliches befördern und das Geistige vervollkommnen helfen.
[Lg.01_006,19]
Was die Früchte bei den Erdprodukten, das sind bei den Menschen die Taten, sie
helfen dem am Rande des irdischen Lebens Stehenden sein geistiges Ich aufbauen,
um auch ihn zu einer höheren Stufe zu führen.
[Lg.01_006,20]
Was Ich euch hier gesagt, das Pflanzen- und Tierreich sowohl als den Menschen
in seinen vier Lebensperioden betreffend, das hat ebenfalls seine nämliche
Bewandtnis bei ganzen Völkern und Nationen.
[Lg.01_006,21]
Auch sie haben ihre Kinder-, Jünglings-, Mannes- und Greisenperiode; werden von
Mir nach und nach auf den Weg zur Erkenntnis, durch Unglücke, Kriege,
verheerende Krankheiten und durch sonst allerlei geführt, bis auch sie dann
ihre geistige Höhe errungen, einzeln als Individuen oder im Ganzen als Nationen
in höhere Sphären übergehen können; je nachdem ihre Neigung war, Meine
Ratschläge und Mahnungen zu beachten, wo dann das eine Volk früher, das andere
später zur Reife gelangen wird.
[Lg.01_006,22]
Hier habt ihr die zweite Reihe unserer Titelworte Winter, Frühling, Sommer und Herbst ; jetzt wollen wir uns auf einen höheren Standpunkt
schwingen und von da gleich Mir Meine Schöpfung in ihrem stufenweisen Wirken
betrachten, wo ihr dann wieder Meine Liebe und Meine, nur auf das Glück Meiner
geschaffenen Wesen bedachte Weisheit noch klarer erschauen möget!
[Lg.01_007,00]
3. Die vier Epochen der Welten- und Erden-Schöpfung.
29. Juli 1870
[Lg.01_007,01]
Da alles, was Ich tue, stets nur nach ein und demselben Grundprinzip geschieht
und als ein Schöpfungsakt bestimmt ist, etwas Zweckentsprechendes
hervorzubringen, und diesen Grundprinzipien gemäß alles stufenartig
nacheinander entwickeln und es vervollkommnend alles wieder zu Mir zurückführen
muß, so ist auch in dieser Hinsicht der innigste Zusammenhang zwischen den
beiden früher angeführten Abschnitten und dem jetzigen, wo Ich euch dasselbe
wieder zeigen werde, was zuvor in den vier Perioden des Menschenlebens, dann in
den vier Jahreszeiten oder Entwicklungs- und Ausreifungs-Epochen ebenfalls
vorgeführt wurde. Hier ist solches nur in größeren Dimensionen und in Äonen und
Äonen von Zeitläufen vollführt worden, ehe die früher angeführten Stufen ins
Leben treten konnten.
[Lg.01_007,02]
Ich sandte die anderen Abschnitte voraus, weil sie euch näherstehend euch
leichter begreiflich waren, und ihr dann in dieses dritte Problem eher
eingehen, und euch so besser zurechtfinden könnt.
[Lg.01_007,03]
Wie ihr im Kindesalter das geistig-seelisch einst zu großen Dingen sich
entwickelnde Leben gesehen habt, und wie im Winter unter der Decke des Schnees
alles Lebende und Vegetierende seiner Erlösung harrt, so war auch einst im
unendlichen Raum alles vermengt, gemischt und im untätigen Zustande ruhig
verharrend, bis Mein Machtwort es aus seinem Schlafe zur Tätigkeit erweckte.
[Lg.01_007,04]
Meine Ideen und Gedanken der Schöpfung, die vom Einfachsten ausgehend, wieder
in jedes einfachste Ding die Fähigkeit legten, aus demselben zahllose
seinesgleichen zu erzeugen, sie waren es, die der unendlichen Äthermasse den
ersten Anstoß gaben, wo bisher alles ruhig beisammen wohnte, ohne Anziehungs-
noch Abstoßungs-Gelüste, und als Mein Wille den
ersten Impuls dazu gab, so begann das Werden, das sich Zusammengesellen des
Gleichen zum Gleichen, und das Abstoßen des Fremdartigen.
[Lg.01_007,05]
Es schieden sich die einzelnen Elemente, getrieben durch geistige Kräfte, oder
es vereinten sich solche unter gewissen Meinen Gesetzen entsprechenden
Ordnungen; es begann das Leben, das Sichgestalten; was früher noch aufgelöst,
ohne Grenzen der Breite, Länge und Tiefe im Äther ruhte, begann sich zu formen,
zu bilden. Es begann auch hier der entsprechende Prozeß des Kindesalters oder
der Kampf der Elemente unter der Schneedecke, sobald der erste Strahl des
geistigen Triebes die Kindesseele erweckte, oder der erste Strahl der
lebenbringenden und erwärmenden Sonne die eisige kalte Schale des Schnees
zerbrach, worunter Millionen von gefesselten Leben ihrer Erlösung
entgegenharrten.
[Lg.01_007,06]
Der große Frühling des kosmischen Werdens nahm seinen Anfang, und die Welten,
Hülsengloben und Sonnen traten in das Jünglingsalter, wo noch nicht alles geschieden,
wo noch Gärungsprozesse ihre unruhigen Teile von der Haupt- oder Zentralsonne
ausschieden, welche dann wieder durch den nämlichen Prozeß zu kleineren Sonnen,
und diese erst nach langem Zerstückeln und Lostrennen einzelner noch kleinerer
Teile zu den wie Kinder sie umkreisenden Erden wurden.
[Lg.01_007,07]
Die Weltensonnen in ihrer ungeheuren Größe mußten, bildlich gesagt, ganz den
Jünglingsstand durchmachen. Nicht ruhig, sondern durch heftige Störungen mußten
sie ihren Entwicklungsgang voranschreiten, machten Revolutionen in ihrem Innern
wie an ihrer Oberfläche durch, welche ihr Inneres wie ihr Äußeres stets
veränderten, wie beim Jüngling die mächtigen Leidenschaften in seiner
jugendlichen Natur in seinem Innern geistige und im Äußeren körperliche Spuren
zurücklassen.
[Lg.01_007,08]
So ging der Kampf fort, unter Zerstörung manches Gewordenen und dessen
Erneuerung in einer höheren Stufe, alles vorwärts drängend,
bis endlich ein Gleichgewicht zwischen innen und außen hergestellt wurde, und
die Welten- wie die Nebensonnen und deren Erden in ihr Mannesalter traten, wo
geregelter Verlauf ihres Lebensprozesses eintrat, und die gewaltsamen
Umwälzungen und Zerstörungen nach und nach einer gesetzmäßigen Ordnung Platz
machen mußten, und von wo aus, stets den Trieb nach Vervollkommnung in sich
tragend, alles Geistige, durch die Materie Gebundene, in den Welten und Sonnen
nach und nach deren Formen und Hüllen veränderte und so durch viele Millionen
von Stufen es seinem geistig höheren Ziel entgegenführte.
[Lg.01_007,09]
Auf diese Weise werden auch die Welten, Sonnen und Erden nach langen großen
Zeiträumen wieder ins Greisenalter treten, wo dann die meiste Lebenskraft
verbraucht und in geistige Elemente verwandelt sein wird, die Materie verändert
ähnlich wie beim Baum, wenn nur
noch sein Skelett ohne Blätter und Früchte , und beim Menschen der
abgenutzte Körper seiner vorgeschrittenen Seele nicht mehr als Wohnhaus und
Werkzeug dienen kann, indem das starre Materielle dem verfeinerten Geistigen
nur hinderlich ist.
[Lg.01_007,10]
So geht es also mit den Welten, Sonnen und Erden; haben sie einst ihre
Tätigkeit so weit gesteigert, daß am Außenkleid derselben alles verbraucht, und
nur der große und mächtige Trieb im Innern geblieben ist, der noch mehr zum
Weiterschreiten zwingt, dann wird auch dieser innere Geistes-Komplex der großen
Welten, wie die Seele beim Menschen, die untauglich gewordene Schale
zersprengen, die ihr bisher als Umkleidung und Organ der Tätigkeit gedient hat,
und wird vergeistigt und vervollkommnet ein höheres Welten-, Sonnen- und
Erden-System daraus begründet werden, wo im Vergleich damit die jetzige
Schöpfung sich zu der künftigen verhalten wird, wie die Schlacke zum Eisen,
welches die erstere aus sich ausgeschieden hat, da solche in bezug auf das Eisen
und dessen Verwendung zu nichts mehr zu gebrauchen ist.
[Lg.01_007,11]
Das sind die großen Schöpfungsepochen, wie sie im unendlichen Raume von
Ewigkeit her vor sich gehen, und was sie ihrem Zweck getreu vollführen werden
nach Zeiträumen, für deren Dauer ihr keine Zahl habt, und für welche auch keine
für euch denkbar ist, während welcher Mein Wille sich vollführen wird.
[Lg.01_007,12]
Der jetzigen materiellen Schöpfung folgt eine geistige, wie dem irdischen
Menschenleben ein geistiges, wo auch die Produkte und Lebewesen nach solcher
Veränderung eine auf höherer Stufe gebauten Welt entsprechende Existenz haben
werden.
[Lg.01_007,13]
Jetzt will Ich euch noch eine andere, noch höhere geistige Stufenleiter als die
früheren, zeigen, und diese Stufenleiter des Geistigen und Höchsten bis zu Mir
Selbst heißt:
[Lg.01_008,00]
4. Geistesleben, Seelenleben, Engelsleben und Gottesleben.
[Lg.01_008,01]
Unter Geistesleben verstehe Ich hier eigentlich das Leben aller jener Geister
oder Naturkräfte, die den Zusammenhang des ganzen materiellen Universums oder
den Bestand aller Metalle, Steine und Erden und deren Fortdauer bewirken.
[Lg.01_008,02]
Diese Geister, die in allem die eigentlichen Träger aller Formen, aller
Produkte wie aller lebenden Wesen außer den Mir ähnlichen Bewohnern der
Weltkörper ausmachen, sind auf verschiedenen Stufen, gemäß ihrer Intelligenz,
allerdings lauter göttliche Funken, von Mir Selbst in alles Bestehende
hineingelegt; dieselben bedingen also das Bestehen der Dinge und deren
Vervollkommnung, indem sie auch von einer Stufe zur andern aufwärts steigen.
Sie sind aber noch keine Persönlichkeiten, sondern nur insoweit intelligent,
als sie auf die Materie, in die sie gebunden sind, zu deren Bestand wirken, und
werden es bei jeder höheren Daseinsstufe noch mehr, sie gehen also zuerst als
Trieb auftretend, und später als Tierseele nach und nach in ein sich selbst
bewußtes Geisteswesen über.
[Lg.01_008,03]
Diese Geister sind im großen Reiche der Geister das, was im Knaben die
schlummernden Triebe und Leidenschaften, und die unter dem Schnee liegenden
Embryonen, sowohl in den Pflanzensamen als auch in den Tierkeimen ruhenden
ersten Anfänge sind, die nur den ersten Anstoß erwarten, um ihr Leben und
Wirken zu beginnen, sich aus den tiefsten Schichten sodann emporarbeitend, zum
Jünglingsalter gelangen, bis sie als mehr selbstbewußte Seelen, jedoch immer
noch am Leitseil des allgemeinen großen Naturgeistes geführt werden, der durch
alle Welten und Räume weht, und alles Geschaffene antreibt, seinen Zweck zu
erfüllen, und euch als Instinkt bekannt ist.
[Lg.01_008,04]
Das Seelenleben beginnt in einer schon mehr begrenzt abgeschlossenen Form, es
ist ihm schon die Eigenschaft der Vervielfältigung durch Samen oder Zeugung,
und höher hinauf im Tierleben auch mehr oder weniger freie Bewegung gegeben.
[Lg.01_008,05]
Es ist wie das Jünglingsalter mit seinen Trieben und zu erlernenden
Eigenschaften als Vorbereitung zum Manne, dem Höhepunkt dieser Existenz.
[Lg.01_008,06]
Die reife Pflanze oder der Baum hat schon höhere Triebe, und die in ihnen
wohnende Seele drängt schon nach Höherem, nach dem Übergang ins Tierreich hin,
ist aber noch fest an die Erdscholle gebunden; es gibt wohl auch einige Kräuter
und Schlingpflanzen, denen sogar eine fortschiebende Bewegung eigen ist, und
die daher die nächsten Übergänge zum frei beweglichen Tierreich sind. Die
Seelen der Tiere, von den ersten Mollusken (Weichtieren) und Infusionstierchen
angefangen bis zu den Affen den eurer Form, aber nur
eurer Form, nicht eurer Seele nächststehenden Tieren , drängen alle schon nach Vervollkommnung, haben auch
diese Eigenschaft in gewissem Grade, sich vervollkommnen zu lassen, und
erreichen solches auch, besonders je mehr sie dem Menschen näherstehen und mit
ihm in Berührung kommen.
[Lg.01_008,07]
Sie veredeln ihre Intelligenz mehr und mehr und gehen auch nach ihrem Absterben
ihrer Bestimmung in schnelleren Schritten entgegen, als weiter vom Menschen
abstehende Seelen, wie zum Beispiel die in den Tiefen der Meere und Seen und in
dichtesten Wäldern und Wildnissen lebenden Tiere, die statt einen Hang zur
Annäherung an den Menschen zu fühlen, dessen größte Feinde sind, und anstatt in
seiner Nähe sich zu sonnen und sich zu erwärmen, sogar nach dessen Leben
trachten.
[Lg.01_008,08]
Die meisten anderen Tierseelen sind mit so viel Intelligenz ausgestattet, als
nur möglich, um sich euch Menschen zu nähern, und wenn ihr wüßtet, wie viel
Liebe, Hingebung und Anschmiegung oft in einer Tierseele liegt, die sich
glücklich fühlen würde, wenn ein hoher Menschengeist sich mit ihr abgäbe, ihr
würdet gewiß erstaunen, was für Eigenschaften in solchem Tier vorhanden sind,
welche manchen Menschen beschämen und ihn zwingen würden, seine stolze Idee,
der Beherrscher alles Geschaffenen zu sein, demütig zurückzuziehen.
[Lg.01_008,09]
Dieses ganze Seelenreich, mit seinen Millionen und Millionen von verschiedenen
Abstufungen, ist wie das Ende des Jünglingsalters, das zur Reife des Mannes
oder männlichen Charakters hindrängt, und dort seinen Schlußpunkt auf allen
Erden in dem zuletzt geschaffenen, aber schon mit rein geistigen Fähigkeiten
und Eigenschaften befähigten Menschen, als Ebenbild eines allumfassenden ewigen
Gottes, findet.
[Lg.01_008,10]
Hier und in allen materiellen Schöpfungen schließt der Mensch die geistige
Stufenreihe ab, und durch sein Emporringen und geistiges Wirken indem er seine Seele vergeistigen muß, um als geistiges
Wesen stets höher emporzusteigen geht er dem Weg zum
Engelsleben entgegen, einem Leben, das dem Mannesalter in geistiger Hinsicht
entspricht, indem dort größere, ernstere Aufgaben zu vollführen sind, und zwar
nicht mehr für sich, sondern für viele andere Millionen von geistigen Wesen, für
deren geistigen Fortschritt gesorgt werden muß.
[Lg.01_008,11]
Das entspricht dem Familienleben des Mannes, als große Pflanzschule für Kinder
Gottes.
[Lg.01_008,12]
Zu dieser Stufe des Engelslebens sind aber besonders die Bewohner eurer Erde
auserwählt, und alle andern lebenden Menschwesen und Bewohner anderer Erden und
Sonnenwelten, wollen sie Meine Kinder werden, müssen sich diesen Weg der
Einverleibung auf Erden gefallen lassen; denn außer diesem gibt es keinen
andern zu Mir, das heißt in Meine allernächste Nähe, wo dann Ich, als
entsprechend dem menschlichen Greisenalter, als vollkommenster Geist nur in
Meinem inneren Wesen lebend, der Endpol und der Gipfelpunkt alles Geschaffenen,
alles Wesenden und Lebenden Selbst bin.
[Lg.01_008,13]
Das ist dann das Gottesleben, ein Leben für sich, und doch durch alle für alle, der Zentral-,
der Schluß- und auch, wie früher gezeigt, der Anfangs-Punkt, wie die Form eines
Kreises Meine Wirkung und Meine Macht vorstellend, unendlich, indem alles von
Mir ausgeht, alle Phasen der möglichen Veränderungen durchläuft und dann stets
veredelter wieder zu Mir zurückkehrt.
[Lg.01_008,14]
Hier habt ihr also die vier Stufen des geistigen Lebens: in der Materie als
unbewußt Gebundenes, in der Seele als bewußt Tätiges, im Geiste als frei sich
selbst Überlassenes, und in Mir als Gott, Schöpfer und Herrn der ganzen
Schöpfung als allein waltend und regierend, und zwar nebenbei auch diese
höchste Stufe als eine edelste und erhabenste darstellend, statt als ein
unerbittlicher Richter die Zügel alles Geschaffenen handhabend, nur mit den
sanftesten Eigenschaften wirkend, und zwar als Vater und nur durch Liebe alles
zusammenhaltend, alles umschlingend, und so durch Milde an Mein Vaterherz
zurückführend!
[Lg.01_008,15]
Begreifet also wohl, Meine Kinder, nachdem Ich euch nun hier, wie ein
ungeheures Panorama, die ganze Schöpfung nach und nach entrollte, was für eine
Stellung ihr in diesem geistigen Reich von lebenden Wesen und Geistern
einnehmt.
[Lg.01_008,16]
Begreifet eure Stellung, zu was ihr auserkoren seid, und mit welchen Opfern
sogar Ich euch erkauft habe, um euch zu dem zu machen, zu was Meine Vaterliebe
unter Myriaden von Wesen euch bestimmte!
[Lg.01_008,17]
Trachtet dem nachzukommen, ergreifet die Vaterhand, die euch zu Sich hinaufziehen
will ganz in Seine Nähe; diese Vaterhand, die euch so viele andere
beschwerliche und langwierige Wege ersparen will, damit ihr nur recht bald zu
Dem kommt, Der ja keine andere Freude kennt, als die ganze Schöpfung Seiner
großen Ideen und Gedanken im Geiste und in den Herzen Seiner Kinder sich
widerspiegeln zu sehen, und als Lohn für alles, was Er getan, nur das
Bekenntnis von euch wünscht und nur den Titel, daß ihr Ihm entgegeneilend
ausrufen möget: Vater! Wer sind wir, daß
Du unser gedenkest!
[Lg.01_008,18]
Damit Ich, Meine Arme als Vater gegen euch ausstreckend, euch erwidern kann: Das, zu was Ich euch geschaffen habe, nämlich ,Meine
Kinder! Amen. Amen. Amen!
9. Kapitel Mädchen, Jungfrau, Mutter und Weib.
4. August 1870
[Lg.01_009,01] Nachdem
deine Gesellschaft beinahe in der Überzahl weiblichen Geschlechts ist, und eben
dieses Geschlecht auf die geistige Erziehung Meiner Kinder so wesentlichen
Einfluß hat, so will Ich denn, diesen deinen Schwestern zulieb, auch einige
Worte für sie geben, damit die einen erkennen, was sie eigentlich hätten tun
sollen, und die andern das in Betrachtung ziehen mögen, was ihnen noch zu tun
übrigbleibt, teils um den Namen Meiner Kinder zu verdienen, teils um dahin zu
wirken, daß alle Seelen, die Ich ihnen in die Hand legen werde, gemäß Meiner
höheren Bestimmung auch auf Meine Wege mögen geleitet werden. Also nun zur
Sache:
[Lg.01_009,02]
Wir wollen beginnen wie bei dem vorigen vierfachen Diktat, das heißt mit der
Jugend oder mit dem ersten Stadium als Kind oder im geschlechtlichen Ausdruck mit dem Mädchen.
[Lg.01_009,03]
Zunächst nach der Geburt, wo noch kein geschlechtlicher Unterschied vorhanden
ist in bezug auf Triebe und Leidenschaften, wo das vegetative Leben nur allein
das Vorherrschende ist, da zeigt sich beim Knaben oder Mädchen kein anderer
Unterschied als nur in der körperlichen Einrichtung, indem beim Mädchen der
schwächere Organismus, der ruhigere, leidende, passive vorherrscht, während
beim Knaben schon mehr das ungestüme und beweglichere Temperament
durchleuchtet, was demselben später seinen Charakter gibt, im Vergleich mit dem
sanfteren und schwächeren Mädchen.
[Lg.01_009,04]
Diese Epoche ist also die nämliche bei beiden Geschlechtern; alle
Leidenschaften und Tugenden schlafen ruhig den Schlaf des Gerechten, bis andere
Zustände sie zur Trennung und zum Kampf aufwecken, wo dann ebenso beim Mädchen
der Eigensinn und der Zorn die ersten bösen Eigenschaften sind, die sich
kundgeben, wie wir es beim Knaben gezeigt haben.
[Lg.01_009,05]
Was Ich dort über diese beiden Triebe gesagt, das gilt auch nun beim Mädchen;
nur ist hier der Eigensinn eine noch gefährlichere Leidenschaft beim Mädchen
als beim Knaben, indem der Knabe im späteren Alter doch mehr Willenskraft
besitzt, denselben eher zu bändigen, während das Mädchen, schwächer, nicht dem
Reiz widerstehen kann und auch noch leichter in all ihrem Tun deshalb bestätigt
wird, weil es als das schwächere Geschlecht überall Nachgiebigkeit findet,
welche Nachgiebigkeit gegen seinen Trotz aber später der Jungfrau und Mutter
böse Stunden bereiten wird, indem sie alsdann mit dem andern Geschlecht in
Berührung kommt, das von Mir Selbst bestimmt wurde zu herrschen, und nicht
beherrscht zu werden. Soviel also über diese beiden Eigenschaften.
[Lg.01_009,06]
Wer von deinen Schwestern Kinder zu erziehen hat, beachte wohl diese beiden
Giftkräuter, die, sosehr das Weib geschaffen ist, überall wo es nur auftritt,
den Frieden und Segen zwischen aufgeregten Gemütern herzustellen, ebenso im
Gegenteil den schönsten Himmel zur Hölle verwandeln kann, wenn das Weib diese
bösen Eigenschaften zu bezwingen nicht die Kraft hat, woraus dann die
schlimmsten Folgen erwachsen, nicht nur für das eigensinnige und zornmütige
Weib selbst, sondern auch auf Kind und Kindeskinder wie ein krebsartiger
Schaden sich fortpflanzen.
[Lg.01_009,07]
Was beim Knaben mit seinen fortschreitenden Jahren die Kampfeslust, das
Stärker-als-andere-Sein und Über-seine-Kameraden-herrschen-Wollen, eine
Lieblingsneigung ist, das ist im Gegensatz beim Mädchen die Eitelkeit. Der
Knabe möchte als der Stärkste, Gewandteste (und Gescheiteste) von seinen
Mitgespielen angesehen und als solcher gefürchtet sein, das Mädchen dagegen möchte die Schönste und
Bestgekleidete (und Reizendste) unter ihren Freundinnen sein; ersteres ist zwar
auch beim Knaben, aber eine bei weitem nicht so gefährliche Leidenschaft, als
jene bei Mädchen, wo sie als Eifersucht von desto größerer Tragweite ist.
[Lg.01_009,08]
Sie, die Eifersucht, ist die ärgste und furchtbarste Leidenschaft, die aus dem weiblichen
Gemüt alle andern besseren Eigenschaften verdrängt, sich mit Haß, Zorn und
Rache verbindet, und es ist so, wie Ich einst in einem Meiner Worte sagte: Wollt ihr den Satan in Person sehen, so schauet nur ein
eitel aufgeputztes Fräulein oder ein eifersüchtiges Weib an!
[Lg.01_009,09]
Ja, ein nur von Leidenschaften sich regieren lassendes Weib ist eine Furie in
Person; denn beim Manne ist trotz des Rache- und Zorngefühls doch fast stets
die Vernunft mehr Herrscherin; aber beim Weibe gibt es da kein Denken mit dem
Kopfe mehr, sondern nur das Herz, der Sitz alles Edelsten oder alles
Schlechtesten, ist der Leiter und Träger aller ihrer Entwürfe und Handlungen.
[Lg.01_009,10]
Ein Weib, besonders wenn ihre Stellung sie noch begünstigt, ihren Leidenschaften
Nachdruck zu geben, ist geeignet, die ganze Erde zu verwüsten, wenn es ihr
möglich wäre, und ist fähig, Ströme Blutes mit kaltem Blick fließen zu sehen,
Elend überall zu verbreiten; es genügt ihr, wenn nur ihre Rache gesättigt ist,
wenn nur ihr vermeintlicher Ehrgeiz das süße Bewußtsein in ihrer satanischen
Seele dann zurückläßt: Du bist gerächt!
[Lg.01_009,11]
Sehet die Geschichte der Menschheit eures Erdballs an, wie, seit das weibliche
Geschlecht aufgehört hat, das Untergeordnete zu sein, seit es angefangen hat,
aus dem häuslichen Leben, seiner eigentlichen Sphäre, herauszutreten, wie viel
Unglück dieses Geschlecht der Menschheit, sei es im Familien-, sei es im
Staatenleben, verbreitet hat! Während gerade diesem Geschlechte von Mir die
Palme des Sieges durch seine passive Macht der Sanftmut über die ungestümen
Leidenschaften des Männlichen zugedacht war, triumphiert es jetzt durch die
Künste des Satans, verführt und leitet den Mann statt zum Siege durch die
Liebe, zum Untergang und gänzlichen Verfall, durch seine Herrschsucht, so daß
Ich jetzt wieder einschreiten muß, um den Mann aus diesen mit Dornen umwundenen
und von Mir aus sein sollenden Rosenketten zu befreien, und aus dem weiblichen
Herzen diese schlechten und bösen Leidenschaften durch Elend, Armut und
Krankheit auszutreiben, damit Meine Schöpfung wieder ins rechte Geleise kommt,
in welchem das Weib die Stütze (Gehilfin) des Mannes, der besänftigende, nicht
aber der befehlende und allein kommandierende Teil auf dieser Erde sein soll.
[Lg.01_009,12]
Ich habe euch alles dieses vorausgeschickt, um euch zu zeigen, wohin eigentlich
dieses mit so vielen edlen Eigenschaften von Mir aus veranlagte weibliche
Geschlecht gekommen ist, und daß nur noch in wenigen Herzen bessere Gefühle als
Ehrgeiz und Putzsucht Platz haben.
[Lg.01_009,13]
Ich habe euch gezeigt, wie ein Funke, in der Jugend wenig beachtet, einst zum
Brande angefacht heilloses Unglück um sich her verbreiten kann, damit ihr seht,
vor was ihr euch selbst zu hüten habt, und vor was ihr eure Kinder schützen
sollt.
[Lg.01_009,14]
Jetzt wollen wir das Bild von einer andern Seite betrachten, nämlich von der
Seite, wie Ich eigentlich das Weib schuf, wie Ich alles in es hineinlegte, um
Meinem Zweck nicht hinderlich zu sein.
[Lg.01_009,15]
Ich will euch jetzt das Weib in seinen vier Epochen darstellen, wie es sein
sollte, wie es nur allein auf diesem Wege zu Meiner Kindschaft gelangen und so
seiner Aufgabe auf dieser Erde vollständig entsprechen kann.
[Lg.01_009,16]
Was bei der Erziehung notwendig ist, habe Ich euch im Anfang angedeutet. Suchet
das Herz eines Mädchens sanft zu erhalten, erwecket beizeiten die Liebe, die
alles besänftigende Liebe zu Mir und zum Nächsten, erwecket das Mitgefühl in
ihr; denn wenn ein Herz die Leiden eines andern Menschen fühlen lernt, so sucht
es auch Hilfe dagegen, so viel ihm möglich. Mitgefühl erhält das Herz weich und
bereit zu helfen, wo es kann, und entfernt viele andere böse Gelüste und
Gedanken, die sonst in einem stolzen Herzen den Platz für sich allein einnehmen
würden.
[Lg.01_009,17]
Mitgefühl leitet zur Achtung, Gleichheit mit seinem Nächsten und ist gerade das
Entgegengesetzte von Stolz, welchen der Wahn beherrscht, etwas Besseres als
andere zu sein.
[Lg.01_009,18]
Mitgefühl, diese Blume aus der Krone der Nächstenliebe, versüßt das Leben,
sänftet jeden Schmerz und tröstet in jedem Verhältnis; und wem habe Ich gerade mehr Mittel gegeben, dieses
Mitgefühl am wirksamsten auszuüben?!
[Lg.01_009,19]
Habe Ich euch, Meine lieblichen weiblichen Kinder, nicht die schönsten,
weichsten Formen, weiche Gesichtslinien, seelenvolle Augen gegeben, deren
Blick, durch Mitgefühl bis zu Tränen gerührt, niemand des stärkeren Geschlechts
widerstehen kann?!
[Lg.01_009,20]
Habe Ich euch nicht eine sanftere Stimme verliehen, deren einschmeichelnder Ton
Balsam auf die Wunden anderer hauchen sollte?
[Lg.01_009,21]
Und wie wird dieses alles bei den meisten von euch verwendet! Ich muß Meinen
Blick abwenden von diesem Gemälde, das Ich nun vor euren Blicken entrollen
könnte, wollte Ich schildern, was jetzt mit diesen göttlichen Geschenken
getrieben wird, wahrlich nicht zu Meiner Ehre! Doch genug davon, kehren wir zu
unserem Weibe zurück, wie Ich es schuf.
[Lg.01_009,22]
Also wachet über diese gefährlichen Eigenschaften im jugendlichen Herzen eines
Mädchens; einmal Jungfrau geworden, ist es zu spät, auch nur daran zu denken übelgeleitete Triebe auszurotten; denn dort in diesem
Blütenstande steuert das weibliche Herz mit vollen Segeln seinen Leidenschaften
dem ihm noch nicht klaren Stande entgegen, wo sie als Mutter und
Lebensgefährtin eines Mannes entweder alle ihre schönen Ideen eines häuslichen
Lebens verwirklicht sieht, und also im Hafen des Familienlebens an andere
Freuden denken kann; oder wo sie in allem enttäuscht, die nackte Wahrheit, die
sie vielleicht früher nie hörte, gerade aus dem Munde dessen hören muß, von dem
sie früher glaubte, es fließe nur Milch und Honig ihr entgegen; und wenn es in
der Tat so verkehrt ist, so ist es eine gerechte Bezahlung für die falsche
Erziehung, die das Mädchen und die Jungfrau erhalten hat, deren Nachteil auf
die Eltern und weniger auf das Haupt des Kindes fallen sollte.
[Lg.01_009,23]
Aber eben durch die Last fremder Schuld wird man klug, und so mildert
vielleicht die harte Wirklichkeit die Leidenschaften einer Neuvermählten, und
als Mutter wird sie, gerade durch Erfahrung gewitzigt, ihre Kinder nicht so
erziehen, wie sie selbst erzogen wurde.
[Lg.01_009,24]
So lenke Ich dann stets wieder die verirrten Gemüter durch eigene unangenehme
Erfahrungen dorthin, von wo sie früher hätten nicht abgehen sollen.
[Lg.01_009,25]
Die Mutter beim Krankenbett des Kindes blickt dann zu Mir hinauf, wendet ihr
Herz von den eitlen Dingen der Welt ab, kehrt ein in ihr Inneres, sieht da oft
mit Schaudern, wie verwüstet und leer es dort aussieht. Das sind dann ihre
Prüfungs-, ihre Resignations-(Selbstüberwindungs)Tage, und so, während die
Jungfrau glaubte, im Ehestand gehe es erst recht in Saus und Braus der
weltlichen Vergnügungen fort, findet sie dort, statt mit Freuden und Tanz
durchwachten Nächten, freudenleere Tage und kummervolle Nächte, Sorgen von nie
geahnter Tragweite.
[Lg.01_009,26]
Das Auge, das einst von Freudentränen feucht, dem Lebensgefährten den ersten
Liebesblick zusandte, ist jetzt vielleicht ebenfalls wieder voll von Tränen am
Kranken- oder Totenbette eines Lieblings; die Freudentränen dort führten von
Mir und Meinen Worten weg, die Tränen des Schmerzes aber sind die ersten
Wegweiser wieder zu Mir. Da stehe Ich dann in einsamer Kammer oft neben einer
trauernden Mutter mit offenen Armen, sehe das Mutterherz bluten, sehe ihre
Hoffnungen wie ein Kartenhaus zusammenstürzen, und o väterliche Freude! aus den Ruinen der
zusammengebrochenen Hoffnung wächst eine himmlische Blume heraus; es ist die
Blume des Glaubens und der stillen Ergebung in Meinen Willen.
[Lg.01_009,27]
Was nicht durch Freuden und weltliche Unterhaltungen je möglich gewesen, was
bei dem Mädchen und der Jungfrau vergebens an ihren tauben Ohren abgeprallt
ist, hier am Krankenbette eines Kindes blüht es auf, was selbst die Liebe nicht vermochte, die Angst hat es
vollführt, es hat Mir ein Herz wiedergegeben, welches unter anderen Umständen
verloren gewesen wäre!
[Lg.01_009,28]
Kennet ihr jetzt, Meine lieben Kinder, Meine Absichten, und wie Ich auch Meine
nicht so leicht nachgiebigen Kinder zu führen verstehe!
[Lg.01_009,29]
Ich lasse oft viele von eurem Geschlecht in dem großen Wirwarr des Lebens von
einer Unterhaltung zur andern, von einem Genusse zum andern forttaumeln.
Allein, seid versichert, wenn Mir daran gelegen, eine Seele zu retten, so
erspähe ich den Moment, und das Vögelchen, welches früher so frei und lustig in
der Luft der Ergötzlichkeiten umherschwärmte, sitzt dann da, läßt die Flügel
hängen und vergißt ganz, daß es Flügel hat, um dem Erdboden entschweben zu
können, weil eben an den Erdboden das geheftet ist, was ihm am liebsten war.
[Lg.01_009,30]
So geht die Mutter ihren Dornenweg fort, wird selten für das belohnt, was sie
für ihre Kinder ausgestanden hat, sieht aber eben dadurch am besten die
Nichtigkeit der Welt und ihrer verkehrten Ideen und Gewohnheiten ein, wendet
sich dann nach und nach zu Mir, und wenn einst alle
geschlechtlichen Umstände zur Ruhe gegangen, dann fängt auch das Weib an,
entweder an dem früher nicht so beachteten Lebensgefährten eine bessere Stütze
zu finden, oder allein die Stütze bei Mir zu suchen, wo sie auch Trost und
Hilfe genug finden wird.
[Lg.01_009,31]
Deswegen, Meine lieben Kinder, ihr, die ihr meist schon den Weg der Tränen und
der Duldung gegangen seid, ihr, deren Ich Mich erbarmt habe, und euch Mein Wort
habe zuteil werden lassen, verzaget nicht! Eure Vergangenheit wird bei Mir
nicht so hoch angerechnet werden, als es manche vielleicht glauben, und eure
Zukunft will Ich euch versüßen, soviel es Mir möglich ist, damit ihr Mich und
Meine Lehre nicht vergessen mögt!
[Lg.01_009,32]
Dies sei euch zum Troste gesagt, von Dem, Der euch ja ebenso wie alle Seine
Kinder liebt und segnet! Amen!
10. Kapitel Glaube, Vertrauen und Zuversicht.
4. Oktober 1870
[Lg.01_010,01]
Nachdem du gestern diese drei Worte in einem spiritistischen Buche gelesen hast
und sie dir nicht aus dem Kopfe gehen, so will Ich auf deine Bitte dir auch
einige Worte über diese drei wichtigen Eigenschaften geben, die für dich
besonders und auch für deine ganze Gesellschaft sehr notwendig sind; denn es
mangelt auch bei ihr am Glauben, noch mehr an Vertrauen, und Zuversicht ist
fast gar keine da. So höre denn:
[Lg.01_010,02]
Der Glaube, dieses schöne und edle Wort, welches ausdrückt, daß der Mensch oder
sein geistiges Wesen sich ganz dem hingibt, was er als Wahrheit erfaßt hat, und
darauf seine fernere Handlungsweise baut, seinen Frieden daraus erhält und
seine zukünftige Seligkeit darauf gründet dieser Glaube, wie
wenige haben ihn, und wenn er auch bei einzelnen vorkommt, wie gering ist seine
Dosis!
[Lg.01_010,03]
Der Glaube ist die Grundbasis in allem, wie Ich es erst vor kurzem in Meinen
Worten an deinen zweifelnden Freund gesagt habe. Ohne Glauben gibt es nichts,
was geistig begründet werden sollte. Der Glaube ist mit den ersten Begriffen
des Kindes das erste Band, das es an seine Mutter und an die Welt kettet. Was
die Mutter dem Kinde, das heißt seinem aufstrebenden Geiste vertrauensvoll ins
Herz legt, gläubig nimmt es das auf; es ist überzeugt, daß seine Mutter ihm nur
Wahrheit sagt, es hat diese feste Überzeugung durch die geistigen und körperlichen Bande geknüpft als die einzige angenommen, durch welche es mit der
Mutter und mit der umgebenden Welt in Verbindung steht; der Glaube an diese
ersten eingeprägten Wahrheiten ist oft so anhaltend, was seine Stärke beweist,
wenn er rein und aufrichtig ist, daß auch in den letzten Tagen des Greises der
Mensch die Wirkungen nicht vergißt, welche ihm die ersten eingeprägten Lehren
der Jugendjahre machten, welche er so ganz im Vollmaß als von seiner Mutter
kommend kindlich annahm, und sie als die ersten geistigen Schätze in seinem
Herzen aufbewahrte.
[Lg.01_010,04]
So mancher von euch Menschen wird oft ausrufen: O schöne Zeit der ersten Jugendtage, wo ich als unmündiges Kind den
lehrenden Erzählungen meiner Mutter horchte, und alles für wahr, ja nicht
anders möglich seiend, annahm, was sie mir damals ins Herz legte, und das noch
jetzt, trotz allen Widerwärtigkeiten des Lebens und entgegengesetzten
Erfahrungen, dennoch nicht aus dem Herzen zu verwischen ist.
[Lg.01_010,05]
Ja, der Glaube, diese Tugend, mit kindlicher Einfalt an dem zu hängen, was man
als Wahrheit erkennt, eben dieser Glaube ist der erste Grund, der den Menschen
in den Friedenstempel einführen und ihm als Stütze dienen sollte gegen alle auf
ihn einstürmenden Zweifel.
[Lg.01_010,06]
Wenn ich nun den Glauben im religiösen Sinne anwende, was sollte er erst da
noch sein! Die heilige Fahne, zu welcher
der begeisterte Mensch schwört, sie nie mehr zu verlassen, als Fundament aller
Lehren und Wahrheiten, die euch von Mir einst sichtbar und jetzt unsichtbar
durch geistiges Einfließen gegeben werden!
[Lg.01_010,07]
Manche schon haben zu dieser Fahne geschworen, sie bis zum letzten Atemzug
verteidigt, und sie auch öfters mit dem eigenen Blut besiegelt. Aber wie viele
andere haben sie verlassen und sind zu ihr nie mehr zurückgekehrt. Und wie
viele haben auch nebenbei ihren schönen Eifer des Glaubens in fanatische Wut
ausarten lassen, welche dann zu Schändlichkeiten führte, wie sie die Geschichte
des Priestertums bis auf den heutigen Tag in Unzahl aufweisen kann.
[Lg.01_010,08]
So ist es mit dem Glauben wie mit dem Feuer; das Feuer, ein so wohltätiges und
nützliches Element es ist für den, der es weise gebraucht, so furchtbar ist es
für den, welcher die Wirkungen desselben mißachtet und vernachlässigt, und
welchem es am Ende, statt ihm nützlich zu sein, den größten Schaden zuzufügen
imstande ist.
[Lg.01_010,09]
Alles, was Ich geschaffen habe, hat zwei Seiten, eine gute und eine schlechte;
ebenso der Glaube. Als reines Hingeben in den göttlichen Willen, welche sanfte
Wärme verbreitet er über das menschliche Herz, und wie brennend, wild und auflodernd, intolerant ist er, wenn von
schlechter Hand benutzt, er dem Frieden suchenden Menschen, statt ein kleines
Lämpchen als Wegweiser ihm eine Brandfackel in die Hand drückt!
[Lg.01_010,10]
Deswegen, Meine Kinder, hütet euch vor den Extremen, besonders in jetziger
Zeit; nehmet den Glauben als heilenden Balsam und achtet wohl darauf, daß er
nicht für euch ein verzehrendes Gift wird!
[Lg.01_010,11]
Um in allem sicherzugehen, glaubet nur Mir, höret nur auf Meine Stimme in eurem
Herzen, die trügt nicht, und lasset euch nicht betören durch schlaue, nur ihrem
eigenen Interesse folgende Ausleger Meines Wortes. Hier gilt das Wort: Was ihr hört und leset, das prüfet; das Gute behaltet,
und das Schlechte entfernt!
[Lg.01_010,12]
Wenn ihr diese Regel in eurem Leben stets treu beachten werdet, so wird die
Fahne des Glaubens euch stets das heiligste Palladium (Schutzbild) sein, mit
welchem ihr den Weg zu eurer Seligkeit und zu Meinem Herzen gewiß sicher finden
werdet.
[Lg.01_010,13]
Damit ihr aber auch euren Glauben stets mehr festiget, so müßt ihr auch das
zweite Wort im höchsten Grade besitzen, das heißt, ihr müßt unbedingtes Vertrauen
in Meine Worte legen, und wenn ihr es eigentlich genau nehmt, so ist Glaube und
Vertrauen beinahe dasselbe.
[Lg.01_010,14]
Der Glaube ist die feste Annahme der Wahrheit, und das Vertrauen besagt
ebenfalls nichts anderes, als die innigste Überzeugung, daß das Gesagte und
gläubig Angenommene nicht anders sein kann, und nur zu dem Endziel führt,
welches man wünscht, indem man festes Vertrauen darauf hat, daß so oder so
handelnd das Geglaubte durch die Tat bestätigt werden muß.
[Lg.01_010,15]
Um euch diese beiden Begriffe bildlich näher zu bezeichnen, so setze Ich den
Fall, ein Mann hat sich in einem Walde verirrt, er weiß keinen Ausweg mehr, da
begegnet ihm wie zufällig ein anderer, der, um Holz zu sammeln, in den Wald
gegangen war; der Verirrte fragt den andern um den Weg, welchen er einschlagen
soll, um aus dem Walde zu kommen; der Holzsammler bezeichnet ihm genau die
Richtung, die er zu nehmen hat. Der Verirrte glaubt den Aussagen des
Holzsammlers, verfolgt den bezeichneten Weg, fest vertrauend, daß er ihn aus
dem Walde führen wird.
[Lg.01_010,16]
Hier habt ihr den Unterschied zwischen Glauben und Vertrauen bildlich
dargestellt; wollt ihr nun dieses Bild auf euer eigenes Leben, auf das
Bekenntnis Meiner Lehre und auf das praktische Ausführen derselben anwenden, so
muß Ich euch sagen, daß ihr so manches von Mir Gesagte glaubt, aber nicht das
feste Vertrauen habt, daß beim Anwenden und leben danach das gewünschte und
vorausgesagte Resultat die Folge davon sein wird.
[Lg.01_010,17]
Es geht aus dem hervor, daß wenn ihr zwar dem Anschein nach glaubt, was Ich in
Meinen Evangelien und in Meinen nun euch gegebenen Worten sage, ihr aber doch
nebenbei nicht das unbegrenzte Vertrauen auf die Unfehlbarkeit des Gesagten
habt, dann geht es euch gerade so, wie dem Verirrten, den Ich früher anführte;
wenn er dem Holzsammler nicht unbedingten Glauben schenkt, nicht fest überzeugt
ist und ihm vertraut, daß der bezeichnete Weg der einzig wahre sei, so wird er
den Ausweg aus dem Walde nicht finden, indem er unterwegs von Zweifeln geplagt
unschlüssig zu werden anfängt.
[Lg.01_010,18]
So geht es euch gar oft, ihr glaubt, seid überzeugt, wenigstens für den
Augenblick, sobald es aber an die Ausführung des Geglaubten gehen soll, so
steigen leichte Nebel von Zweifeln auf, bald da bald dort ein Warum oder wer weiß, wenn ich so handle, ob der Erfolg wohl der sein
wird, wie man es mir vorausgesagt hat, usw.! Es mangelt das
Vertrauen, und alles noch so eifrig Geglaubte hilft nichts, oder: Die Worte
ohne Tat sind leerer Schall!
[Lg.01_010,19]
Es muß also zum rechten Glauben das rechte Vertrauen sich gesellen; das erste
ist der Baum, der gepflanzt, das zweite die Blüte, die gezogen, und das dritte die feste Zuversicht, die als Frucht erzielt werden
soll. Wo diese drei Eigenschaften vereint in einem Herzen walten, da gilt Mein
Wort, welches Ich einst zu Meinen Jüngern sprach, wo es heißt: Wenn ihr unerschütterlich glaubt und wollt, so heben sich
euch auch Berge hinweg! Das will soviel sagen
als: Habt ihr den Glauben an die Kraft des Wortes, ausgesprochen mit dem festen
Vertrauen der Untrüglichkeit, so ist auch die feste Zuversicht dabei, daß das
Gewollte erfolgen muß!
[Lg.01_010,20]
Wo aber findet sich dieses Kleeblatt von göttlichen Eigenschaften in einem von
euch vereint? Überall ist seichter Glaube, wenig Vertrauen und gar keine
Zuversicht. Hundertmal wiederhole ich es euch: Tuet und lebet nach Meinen Worten, und ihr werdet Wunder ersehen!
[Lg.01_010,21]
Des Glaubens schönste Eigenschaften, gekrönt durch unerschütterliches Vertrauen,
werden eure himmlische Zuversicht erhöhen, daß auch ihr gleich Mir Elementen
gebieten und gegen alle gewöhnlichen Gesetze der Natur Dinge ausführen könnt,
die den andern als Wunder erscheinen müssen, weil sie nicht wissen, daß euer
Wille gepaart mit dem Meinen das erste Gesetz ist, wovor sich alle übrigen
Gesetze beugen müssen.
[Lg.01_010,22]
Ich weiß recht wohl, daß bei jedem Versuch euch Zweifel in Menge aufsteigen
werden; denn solche Eingriffe in das Wesen Meiner Naturgesetze kann eben auch
nur einer wagen, der ein Wiedergeborener geworden, und auch nur Meine Hilfe in
sich anruft zu solchen Taten, wenn diese zum Besten der Menschen notwendig
sind, und nicht aus Scherz, Ruhmsucht oder Eitelkeit, wo ihn auch das Gelingen
im Stiche lassen würde.
[Lg.01_010,23]
Ich sage euch nur, daß es möglich und schon Meinen Jüngern und andern
begeisterten Menschen gelungen ist, aber nicht so leicht erreicht werden kann,
wenn nicht diese drei Eigenschaften der Glaube, das
Vertrauen und die Zuversicht im höchsten Grade bei
einem Menschen ausgebildet sind.
[Lg.01_010,24]
Die feste Zuversicht des Gelingens ist die Frucht des Glaubens und des
Vertrauens, darauf arbeitet hin.
[Lg.01_010,25]
Befestiget zuvor euren Glauben, daß er nicht wanke wie ein Schilfrohr, sondern
fest stehe wie eine Mauer; sodann bauet auf diese Fundamentmauer das
unerschütterliche Gebäude des Vertrauens, und die Vollendung des Ganzen wird
euch dann die Zuversicht geben; in diesem Hause, auf solchen Grund gebaut,
könnt ihr allen Stürmen von innen und außen trotzen und euren Weg der
Vervollkommnung ungehindert verfolgen.
[Lg.01_010,26]
Dies, Meine Kinder, bedeuten diese drei Worte!
[Lg.01_010,27]
Auch du, Mein lieber Schreiber, leidest sehr an Mangel dieser drei Tugenden,
und wenn diese Tugenden ebenfalls, wie Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe, in
Zahlen ausgedrückt werden sollten, so wäre das numerische Resultat für dich
sehr gering und nicht zu deinem Vorteil; denn du hast wenig Glauben, noch
weniger Vertrauen und beinahe keine Zuversicht, daß Meine Worte, die Ich dir
gegeben, in Erfüllung gehen werden, trotzdem Ich dir tagtäglich wiederholen
muß: Laß die Leute reden, bleibe bei Mir, bei Mir ist Wahrheit und keine Lüge!
[Lg.01_010,28]
Allein Ich kenne dein Herz und deine Gründe, welche dich zum Zweifel drängen.
Es sind Prüfungen, die Ich dir sende, du wirst sie überstehen, und dann werden
deine Kapitalien des Glaubens, Vertrauens und der Zuversicht schon zunehmen,
damit du auch die übrigen deiner Gesellschaft mit diesen Gaben bereichern
kannst, und dann statt wie jetzt der
Letzte der Erste werden wirst. Bedenke
diese wenigen Worte, es liegt viel darin, wie in allem, was aus Meinem Munde
fließt. (Hier einschließlich aus Diktat
vom 20. Januar 1871): Ihr alle müßt euch aber
nicht denken, daß Ich ihn wegen seiner besondern moralischen Eigenschaften zu
Meinem Schreiber gewählt habe, als sei er besser als ihr. Mitnichten, Ich
wählte ihn, weil seine Verhältnisse ihm mehr Zeit lassen, seine Kenntnisse Mir
mehr anpassen zur Entwicklung höherer Erklärungen, die ein anderer nicht so
fassen könnte; aber wegen seines moralischen Wertes und seines Vertrauens zu
Mir steht er nicht besser, als viele von euch. Ebendeswegen müßt ihr nicht
glauben, wenn er in eure Versammlung tritt, daß Ich bei ihm bin, da würdet ihr
ihm eine Verehrung zollen, die weit über seinen Bereich hinausgeht. Es ist da
wie bei einem Vater, der seinen Kindern schreibt, nur die Feder oder der
Vermittler ist er, mehr nicht! Wenn ihr einen lieben Brief empfangt, nach was
sehnt ihr euch denn bei Lesung desselben? Gewiß nicht nach der Feder, mit
welcher der Brief geschrieben worden, sondern nach dem Verfasser selbst.
[Lg.01_010,29]
So ist auch er ein Mensch, wie ihr alle, mit seinen Schwächen und Gebrechen,
mit seinen Wünschen und Sorgen; er kämpft ebenfalls täglich, alles dieses
loszuwerden, bittet auch oft Mich um Abrufung aus dem Jammertal, und zeigt eben
dadurch, wie ihr alle, daß er ganz wenig Vertrauen zu Mir besitzt und bei
weitem mehr haben sollte. Ihr seht aus allem diesem, daß überall das schwache
Vertrauen der Hauptmangel bei euch und das Haupthindernis bei eurem Fortschritt
ist.
[Lg.01_010,30]
Noch habt ihr alle nicht begriffen, warum Ich euch alle Tiefen Meiner
Schöpfung, alle innersten Falten Meines göttlichen Ichs aufdecke und erkläre. Seht,
Meine Lieben, alles dieses geschieht, um euch gerade eben das einzuflößen, was
euch allen mangelt, das ist das Vertrauen zu Mir. Denn, wenn ihr mit Mir die
unermeßlichen Räume Meiner Unendlichkeit durchfliegt, wenn Ich euch Meine
geistigen Himmel eröffne, euch ahnen lasse, was dort alles noch für euch
aufbewahrt und bereitet ist; wenn Ich euch Mein eigenes Ich erkläre, das nur
Liebe ist und Liebe nur wieder will; wenn
Ich euch bis in die kleinsten Atome beweise, daß Ich als Schöpfer und Vater
alles mit gleicher Liebe erhalte, so will Ich damit doch nichts anderes als
euch beweisen, daß ein Wesen mit dieser Macht und Kraft ausgestattet, wie Ich
Mich euch zeige, doch des Vertrauens wert sein sollte, und daß im Gegensatz zu
Meiner Allwissenheit und Allmacht euer Wirken und Treiben auf weniger als null
heruntersinken muß.
[Lg.01_010,31]
Bedenket diese wenigen Worte, es liegt viel daran, wie in allem, was aus Meinem
Munde fließt; vertiefet euch alle in den Sinn des Gegebenen, und ihr werdet
nicht allein Trost und Frieden, sondern, was die Hauptsache ist, ihr werdet
euren Standpunkt stets mehr und mehr erkennen, wo ihr dann das Wankende
befestigen und so Mir näherkommen könnt.
[Lg.01_010,32]
Kein Wort, das Ich euch durch Meinen Knecht sende, war und ist noch ohne seine
eigenen Zwecke; auch diese drei Worte führte Ich Meinem Schreiber eben jetzt
vor die Augen, weil gerade jetzt es anfängt, in eurer Gesellschaft etwas
wankend zu werden; es ist kein rechtes geistiges Leben da, viele von euch leben wieder nur ihren Geschäften und
Lieblingsideen, vergessen Mich und Meine Lehre fast ganz und denken nur an sie,
wenn zufällig ein oder der andere eine Ansprache in diesem Sinne gehalten hat.
[Lg.01_010,33]
Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet! Treibet nicht Scherz
mit Meiner Gnade! Ich gebe sie nicht so wie manche glauben denjenigen, welche
sich mit Mir und Meiner Lehre nur beschäftigen, wenn sie sonst nichts anderes
zu tun haben. Sie sollten sich in acht nehmen, es könnte ein Blitz aus heiterem
Himmel sie erschrecken, und dann sie zwingen aus Not einzusehen, daß sie das
als Nebensache betrachtet haben, was eigentlich die Hauptsache sein sollte!
[Lg.01_010,34]
Wer von Meiner Lehre nichts weiß und dagegen sündigt, ist nicht so strafbar;
wer aber Meine Lehre gelesen, sie so halb glaubt, aber kein rechtes Vertrauen
in bezug der Ausführung zeigt und an die Erreichung des eigentlichen Zweckes
mit keiner Zuversicht denkt, da werde Ich wohl genötigt sein, durch einen
direkten Rüttler ihn aufzuwecken, damit er nicht in den Schlaf der weltlichen
Dinge verfalle und Meine geistige Schule dabei vergesse! Heute mahne Ich noch,
wer außer Mir weiß, was Ich morgen tun werde? Eure Erdscholle, worauf ihr lebt
und ruhig darauf herumwandelt und euch eures Lebens freut, ist unter euren
Füßen hohl, furchtbare Abgründe bedeckt diese dünne Schale, und ihr mit dem
festen Glauben und dem festen Vertrauen blickt ja mit großer Zuversicht zu Mir
auf in der Hoffnung, Ich werde diese dünne Schale nicht einsenken und so euch
alle unverhofft den Tod schmecken lassen! Ruhig legt ihr euch über diesen
Abgründen nieder, während vielleicht unter euren Füßen euch unbegreifliche
Kämpfe der Elemente stattfinden, legt euch nieder mit festem Vertrauen und
Zuversicht, des andern Tages wieder gesund und gestärkt aufzustehen. Warum habt
ihr denn diese Zuversicht in diesem Falle und in geistigen Dingen nicht? Seht,
weil ihr glaubt, Ich werde es nicht tun! Und warum werde Ich es nicht tun? Weil ihr auf einen liebevollen Vater vertraut, der Seine
Kinder nicht ohne Grund mit der Vernichtung strafen wird. Was ist also eure
Zuversicht? Sie ist, daß das Gehoffte, nämlich die stete Angedeihung Meiner Gnade
gegen euch, nicht wanken wird!
[Lg.01_010,35]
Nun, wenn ihr in diesem Punkte so festen Glauben, Vertrauen und Zuversicht in
Mich habt, so erlaubet doch auch Mir, von euch wenn auch nicht in diesem Maßstabe göttlicher Langmut, doch in
menschlicher Nachsicht zu fordern, daß ihr in
geistigen Dingen ebenfalls mehr festen Glauben, stärkeres Vertrauen und größere
Zuversicht haben mögt; daß ihr begreifen sollt, daß alles, was Ich euch schon
gegeben habe, nur zu eurem Besten und nicht etwa für Mich zur Unterhaltung,
sondern nur deswegen geschehen ist, um euch die Ehre angedeihen zu lassen Meine Kinder werden zu können.
[Lg.01_010,36]
Ihr fordert von Mir unbegrenzte Gnade, und Ich fordere von euch unbegrenzte
Liebe. Beim Austausch dieser beiden Bedingungen gewinnt bloß ihr, indem Ich
euch mit einer Macht ausstatten will, die euch zu Herren alles Geschaffenen
machen soll!
[Lg.01_010,37]
Wenn Ich also solch große Gnaden euch in Aussicht stelle, so ist es doch auch
Mir erlaubt, diejenigen, welche einmal auf dem Wege zu Mir sind, falls sie
während des Gehens vom Schlafe befallen werden würden, durch sanfte Stöße
aufzuwecken, wie Ich es jetzt mit euch tue, damit ihr merken sollt, daß man
Meine Wege nicht mit geschlossenen Augen wandeln, sondern Aug und Ohr wohl offen
erhalten muß, um den rechten Weg nicht zu verfehlen und nicht auf Abwege zu
geraten.
[Lg.01_010,38]
Also nochmals, bedenket alle, was Ich euch hier gebe! Wachet und betet, auf daß
ihr nicht in Versuchung fallet! Dies sei euer Wahlspruch
zum steten Wachstum im festen Glauben, Vertrauen und
in der Zuversicht! Amen!
11. Kapitel Die Sprache.
30. Januar 1871
[Lg.01_011,01]
Gestern abend besprachen sich zwei deiner Brüder über den Stil oder die Art der
Wortfügung, die in Meinen Diktaten an euch öfters herrscht, und gemäß ihren
Ideen der deutschen Grammatik nicht immer angemessen ist.
[Lg.01_011,02]
Dein Bruder Mch brachte zuerst die kritische
Bemerkung, daß es ihm mehrmals begegnet, wo er ändern wollte, daß er doch
wieder zu der von Mir gesetzten Reihenfolge der Worte zurückkehren mußte,
worauf ihm dein Bruder L. ganz gut antwortete: man soll Meine Worte nicht mit dem Kopfe, sondern mit dem Herzen lesen,
dann wird der Sinn stets klar sein!
[Lg.01_011,03]
Da nun letzterer so recht den Nagel auf den Kopf getroffen hat durch seine
Bemerkung, so will Ich dir hier überhaupt über die Art und Weise sich
auszudrücken, über die rechte Wortfügung und endlich über eine Grundwahrheit
den Aufschluß geben, welche sich durch Meine ganze Schöpfung hindurchzieht, und
von dem eben angeregten Zweifel deines Bruders Mch anfängt und bei dem großen Geistesmenschen aufhört.
[Lg.01_011,04]
Bevor wir uns aber so ganz in die nähere Erklärung dieser Frage, warum Mein
Stil oft sich von dem eurigen unterscheidet, einlassen, müssen wir, wie
überall, bei dem eigentlichen Grund anfangen und sagen:
[Lg.01_011,05] Was ist die Sprache? Wie entstand sie? Und wer war der
eigentliche Leiter, welcher die Reihenfolge der Wörter so festsetzte, wie ihr
es jetzt gewohnt seid zu lesen, zu schreiben und zu denken?
[Lg.01_011,06]
Stets von dem Einfachsten ausgehend kommt man am leichtesten
zu einem wahren und wahrhaft tauglichen Schluß, der dann auf soliden, einfachen
und festen Grund gebaut, als wie ein auf Felsen fest gebautes Haus auch nimmer
umzustoßen ist.
[Lg.01_011,07]
Um nun also bei der allerersten Frage Was ist die Sprache? anzufangen, so müssen wir antworten:
[Lg.01_011,08]
Die Sprache ist eine Zusammensetzung von verschiedenen Lauten, die durch
Mundwerkzeuge hervorgebracht werden, und in ihrer Verschiedenheit, oft einzeln,
oft zusammenhängend, ein Wort und das Wort einen Begriff
ausdrücken.
[Lg.01_011,09]
Je niederer ein Volk auf der geistigen Bildungsstufe steht, desto weniger
Bedürfnisse hat es und braucht auch deswegen desto weniger Worte, um seine
Bedürfnisse und sonstigen Gegenstände zu bezeichnen.
[Lg.01_011,10]
Die Sprache also entstand, indem man durch die artikulierten Laute und
hervorgebrachten Töne entweder den Laut gewisser tönender Dinge nachahmen
wollte, oder eigentliche Laute erfand, die das eine oder andere Bedürfnis, sei
es des Körpers oder der Seele, ausdrücken sollten: so wie ihr es auch jetzt
noch in der Kindersprache findet, wo in jeder Familie vom ersten Lallen des
Kindes bis zur bessern Verständigung jedes Kind seine eigene Art hat,
kundzugeben, was es eigentlich will.
[Lg.01_011,11]
Was ihr bei den Kindern täglich seht, das war auch einst bei den ersten
Menschen, wo auch sie viele Worte sich selbst erfinden mußten, viele andere
aber durch die innige Verbindung mit Meiner Geisterwelt von dieser erlernten,
Worte, die stets in Entsprechung den betreffenden Gegenstand geistig
bezeichnen.
[Lg.01_011,12]
Nach Vermehrung der Menschen, nach dem Falle des ersten Menschen schon, wodurch
die Geistergemeinschaft abgeschnitten wurde, bis auf eure Zeit haben sich
Sprachen und untergeordnete Mundarten zu Tausenden ausgebildet; die Menschen
verstehen sich nicht mehr, und es müssen die Sprachen der Völker erlernt
werden, mit denen man sich in Verbindung setzen will, weil sonst ein
Sich-Verständigen nicht möglich ist.
[Lg.01_011,13]
Diese mehrere Tausende jetzt bestehender Sprachen haben auch natürlich von
ihrem Ursprung an bis auf die Jetztzeit viele Änderungen erlitten; manche sind
vorwärts, manche rückwärts gegangen, je nach dem Kulturstand und der geistigen
Bildung der Völker selbst.
[Lg.01_011,14]
Überall aber, wo eine Sprache besteht oder bestand, war eines ihrer
charakteristischen Merkmale, außer den der Sprache eigentümlichen Benennungen
der Gegenstände und Begriffe, auch die Art, die Worte zu einem Satz
zusammenzufügen, und endlich noch die Art dieselben schriftlich
oder bildlich aufzuzeichnen.
[Lg.01_011,15]
Bei der Wortfügung, wo eben deine beiden Brüder auch über die von Mir übliche
Art ihre Gedanken austauschten, ist die erste Frage: wie soll dieselbe eigentlich richtig gehandhabt werden?
[Lg.01_011,16]
Sehet nun, hier sind wir bei dem angekommen, wo Ich eben entgegen der euch
angewöhnten Art zu schreiben, öfters Mich anders ausdrücke.
[Lg.01_011,17]
Um euch dieses zu erklären, wollen wir uns in eine Diskussion einlassen und
vorerst fragen: ,,was ist ein Satz? Ein Satz ist der
Ausdruck eines Gedankens, dem entweder die Erklärung eines Begriffes oder die
einer Handlung zugrunde liegt.
[Lg.01_011,18]
Wenn ich also eine Handlung erklären will, so sollte eigentlich im Satz zuerst
das handelnde Zeitwort, als Willensäußerung des Handelns, und dann erst das die
Handlung bezeichnende Wort folgen.
[Lg.01_011,19]
Wenigstens in der Sprache eines jeden Geistes setzt sich vorerst der
Grundgedanke fest ich will etwas tun, und
dann kommt was ich tun will.
[Lg.01_011,20]
So zum Beispiel heißt es in der Bibel: Und Er schuf das Licht! und nicht: Er hat das Licht
geschaffen, wie ihr gewohnt seid zu
schreiben; es geht das Wort schaffen dem des Lichtes voraus.
[Lg.01_011,21]
Nun, in Meinen Diktaten findet sich sehr oft ebenfalls diese nämliche
Wortsetzung, und L. hatte ganz recht: Mit dem Herzen, das heißt geistig
gelesen, ist es recht, wie Ich es diktierte, und wie es beinahe in allen alten
Sprachen des Morgenlandes und Asiens und auch noch in einigen neueren der
Brauch ist, in der eurigen aber gerade vermieden wird, indem das Nennwort
zwischen dem Hilfs- und Haupt-Zeitwort eingeschaltet zu werden pflegt, ja oft
ganze Sätze so eingeschoben werden, daß erst am Ende das eigentliche Zeitwort
kommt, welches bezeichnet, was eigentlich geschehen soll.
[Lg.01_011,22]
Nachdem nun allem ein geistiges Warum zugrunde liegt, so ist es auch hier wieder das Geistige,
welches Meine Wortfügung rechtfertigt, und geistig mit Herz vertauscht soviel sagen will, als wenn ihr euer Verstandesleben beiseite laßt, und mit dem
Herzen wie Meine Geister denkt, so wird euch Meine Wortfügung ganz recht sein,
sobald ihr aber von der inneren Seelensprache abgeht und zum Gehirn- oder
Außenleben übergeht, so verliert ihr auch diese Ordnung, wie solches auch bei
dem Schreiben der Sprachen geschehen ist.
[Lg.01_011,23]
Die alten Sprachen Asiens und Afrikas sind alle wie die allgemeine
Geistersprache! Diese sollte von der Rechten zur Linken nur lesbar geschrieben
werden, während bei euren jetzigen der nach außen oder dem Verstande lebenden
Menschheit gerade das Gegenteil ausgeübt wird, das heißt von der Linken zur
Rechten.
[Lg.01_011,24]
Auch dieses Verkehren deutet wieder auf den nämlichen Unterschied hin, wie
Materielles und Geistiges.
[Lg.01_011,25]
Im Materiellen, wie zum Beispiel im menschlichen Körper, ist die linke Seite
die Herz-Seite, von wo das Blut in den ganzen Körper ausströmt, sie ist die
positive oder die geistige Seite; die rechte aber, wo das Blut zur Lunge und
später wieder dem Herzen zurückgebracht wird, ist die negative und materielle
Seite.
[Lg.01_011,26]
Was durchs Ohr zum Gehör- und Gefühlsorgan der Seele, oder dem geistigen
Menschen von der Außenwelt mitgeteilt wird, ist die negative, und was die Seele
durch ihre Bewegungs-Werkzeuge der Außenwelt kundgibt, ist die positive Seite.
[Lg.01_011,27]
Ein jedes Ding hat ebenfalls zwei Seiten, eine rechte und eine linke, eine
negative und eine positive, eine innere und eine Außenseite.
[Lg.01_011,28]
Die menschliche Haut ist innerlich linke Seite positiv, Außenseite rechts negativ! Sie scheidet aus als positiv, wechselt dann die
Pole, und saugt ein als negativ; was in jedem Augenblicke zahllose Male vor
sich geht; denn Abstoßen und Anziehen, Reibung und erzeugte Wärme, Zerstören
und Neuschaffen ist erstes Prinzip des Lebens!
[Lg.01_011,29]
Das Auge, als Aufnahmeorgan der Eindrücke von außen, ist negativ, aber als
Spiegel des Innern positiv.
[Lg.01_011,30]
Was hier als positiv und negativ bezeichnet wird, ist auch im Geisterleben, mit andern
Worten gesagt, ein Annähern oder ein Entfernen von Mir und Meinen Gesetzen!
[Lg.01_011,31]
In den ersten Zeiten, wo die Menschen und Völker noch mehr dem Geisterleben
näherstanden, erfanden sie ihre Sprachen ihrem geistigen Zustande gemäß; so war
ihre Wortsetzung, so ihre Schreibart; wie sie aber mit der Zeit von dem großen
Naturgesetz abfielen und den verkehrten Weg einschlugen, so wurden auch ihre
Ausdrucks- und Schreibweisen verkehrt, deswegen die meisten neueren Sprachen
verkehrten Stil und verkehrte Schreibart haben.
[Lg.01_011,32]
Die Menschen vertauschten die Herzens-Geistersprache mit der
Verstandes-Gehirn-Sprache, sind von Mir und ihrer eigenen Mission abgefallen,
und deswegen scheint ihnen auch in der Natur manches ganz verkehrt, was den
einst einfacher lebenden Naturmenschen gerade richtig erschien.
[Lg.01_011,33]
Ihr seht also, wie da vom Herzen, zum Herzen, oder durchs Herz, oder durch den
Verstand ein Ab und Zu, ein Nahen und Entfernen, ein Bessern und Verschlechtern
ist.
[Lg.01_011,34]
Was Ich euch früher von der Haut sagte, das gilt von jeder Frucht, von jedem
Baum und von jedem Ding, überall sind es zwei Dinge, wodurch die Intelligenz
des Innern sich der Außenwelt kundgibt oder von der Außenwelt Eindrücke erhält,
überall positiv negativ, überall rechts links, überall Annähern und Entfernen, Ausscheiden und
Einsaugen, gerade oder verkehrt.
[Lg.01_011,35]
So geht es fort in der ganzen Schöpfung bis zum großen
Weltenmenschen, dessen Eingeweide lauter Sonnen, Kometen und Planeten, und bis
zum noch endlos größeren Geist-Welten-Menschen, dessen innere Einrichtungen
lauter Himmel der verschiedensten Arten und Seligkeiten sind.
[Lg.01_011,36]
Auch diese saugen zu ihrem Bestande von außen ein, was sie dann in sich zu
Geistigem verkehren, und geben oder stoßen hinaus, was dem Weltenmenschen an
Geistigem gebricht.
[Lg.01_011,37]
Dort herrscht auch die rechte Ordnung, dort ist das Herz Mein Himmel im Zentrum
der große positive Pol, der alles Gute hinausströmen läßt, und die Geister in
der materiellen Welt der negative Pol,
welcher Mir wieder alles Geistige gereinigt zurückbringt, wo es sich aber
vorerst vom negativen in positiven Pol verändert haben muß, wodurch der Wechsel
von neuem beginnt.
[Lg.01_011,38]
Dieses ist das große Grundgesetz der Schöpfung, Ich, die Liebe positiver Pol, und ihr und Meine Geister und Engel, als
aufsaugende Teile der negative Pol, bis
nach vielem Aufsaugen und Abstoßen, was der Bewegung oder dem Leben
gleichkommt, endlich Mein positiver Pol, als geistig ewig und unveränderlich
bestehend, allein dastehen wird, und alles Aufgesaugte vergeistigt Mir gleich
dann ewigen Frieden und Seligkeit genießen wird, wo nur stets sanfte Anziehung,
aber kein Abstoßen mehr sich ereignen kann!
[Lg.01_011,39]
Äonen und Äonen von Zeiträumen werden zwar wohl bis dahin verrinnen, aber
geschehen wird es doch einmal, wo Geist und Materie so gereinigt und
vergeistigt ihre als ersten Impuls gegebenen Prinzipien verleugnen, und ruhig
neben und ineinander leben wird, was einst nur durch Kampf und Auflösung sein
Fortbestehen sichern mußte, und wo also Einigung zwischen allem bestehen wird.
[Lg.01_011,40]
Nun, seht ihr, Meine lieben Kinder, von der kleinen Frage und der Antwort Lks.
angefangen bis zum Geistesmenschen das nämliche Band geschlungen und in alle
Schöpfungen verflochten; dort als kleine Frage der Wortfügung in eurer Sprache,
und hier in ungeheuren euch nicht denkbaren Entfernungen als Attraktions- und
Repulsionskraft gegründet.
[Lg.01_011,41]
Ihr mögt aus dem ersehen, wie wenig dazu gehört, um eine ganze große Wahrheit,
ein großes Grundgesetz Meines göttlichen Haushalts zu entdecken und zu
erklären; freilich gehört aber eben auch Der dazu, Der es euch erklären kann;
Der all diesen großen und kleinen Welten, all diesen Produkten, seien es
geistige oder materielle, den nämlichen Weg verzeichnet hat; es gehört dazu
euer Vater, Der euch solch große Wunder in kleinen Fragen erläutern und wieder
dadurch zeigen will, wie viel und wie wenig dazu gehört, erstens Meine Größe,
und zweitens Meine Liebe zu begreifen und dieselbe schätzen zu lernen! Amen!
12. Kapitel Sprache, Kunst, Musik.
14. Januar 1871
[Lg.01_012,01]
Diese drei Worte bezeichnen drei Dinge, die in allen Welten und Sonnen
vorkommen, indem sie das Hauptleben und der Haupthebel zum Fortschritt im
Geistigen sind. Überall könnt ihr sie finden, den Größenverhältnissen der
Weltkörper und den Menschen in ihrer geistigen Entwicklung angemessen.
[Lg.01_012,02]
Da nun diese drei wichtigsten Lebens-Faktoren eben sich überall vorfinden, und
ohne sie kein Leben, ja kein Erkennen gegenseitig oder Erkennen der geistigen
Welt, und endlich kein Erkennen Meines Schöpfungsbaues und Meines eigenen Ich
möglich wäre, so stellt sich natürlich vor allem die Frage:
[Lg.01_012,03]
Was ist denn eigentlich Sprache? was Kunst? was Musik?, ferner: Warum sind diese
alle drei notwendig? Und was liegt Geistiges unter diesen in das äußerliche
Leben tretenden Erscheinungen verborgen? Sei es im Worte oder in artikulierten
Tönen, in der Form oder in durch begrenzte Flächen ausgesprochenen Ideen, oder
vermittelt durch den Ton, der nicht verstanden, sondern nur gefühlt werden
kann!
[Lg.01_012,04]
Also gehen wir zur ersten Frage:
[Lg.01_012,00]
Was ist die Sprache?
[Lg.01_012,05]
Die Sprache ist wie Ich es euch schon in
einem früheren Wort angedeutet habe eine Mitteilung des
Innern eines Wesens durch die Außenwelt an ein anderes.
[Lg.01_012,06]
Diese Sprache nun ist verschieden, sie kann sein durch artikulierte Töne, durch
Gebärden und Zeichen und durch unartikulierte Töne.
[Lg.01_012,07]
Artikulierte Töne begreifen alle Sprachen in sich, wodurch jeder menschliche
Geist seinem Mitmenschen dasjenige kundgibt, was er ihm begreiflich machen
will.
[Lg.01_012,08]
Diese Sprache ist, gemäß der geistigen Bildungsstufe der Menschen, auf allen
Welten und Sonnenkörpern verschieden; je edler die Seele, desto edler die
Sprache, je vernachlässigter erstere, um so ärmer letztere.
[Lg.01_012,09]
Nachdem aber die Sprache vermittels der Laute der menschlichen Seele nicht
genügt, so will sie durch analoge (entsprechende) Gebärden den Inhalt ihrer
Redeweise verstärken, wodurch dann eine Gebärdensprache entsteht, die selbst am
Ende bei vielen Menschen auch ohne Worte verstanden wird, wonach man bei euch
die sogenannte Mimik als Gebärdensprache in euren Schauvorstellungen künstlich
ausgebildet hat, wo ein Eingeweihter durch Gebärden alles ausdrücken kann, was
ihm durch Laute zu sagen während der Vorstellung verboten ist.
[Lg.01_012,10]
Endlich kommt nun auch die Zeichensprache; dahin gehört zum Beispiel diejenige,
welcher bei euch die Taubstummen sich bedienen; auch den Blinden wird durch
Zeichen, die fühlbar sind, das geistige Reich soweit aufgeschlossen, als es
mittels des Tastgefühls möglich, wobei das Gehör ergänzend den inneren Menschen
vervollständigen kann.
[Lg.01_012,11]
Die andere Zeichensprache, nämlich die durch Zeichen Worte, und
durch diese Gefühle auszudrücken und festzuhalten, gehört in die Formsprache,
und wird erst unter dem Wort Kunst ihre nähere Erörterung finden, wo nachgewiesen werden
wird warum alle Menschen Zeichen zur
Mitteilung haben müssen, und wie diese entstanden sind.
[Lg.01_012,12]
Jetzt kommen noch die unartikulierten Laute, welche aber keinen Begriff, sondern
Gemütszustände, als Freuden oder Schmerzen ausdrücken, und welche nicht allein
dem Menschen als vernünftigem Wesen, sondern mehr oder minder allen Geschöpfen
gegeben sind, um ihr Wohl- oder Mißbehagen ausdrücken zu können; auch diese
mangelhafte Ausdrucksweise gehört ins Reich der Töne, wo es dann klarer und
verständlicher euch gegeben werden wird.
[Lg.01_012,13]
Nun, die Sprache, warum ist sie allgemein? Warum ist sie ein Bedürfnis eines
lebenden Wesens? Das sind nun die Fragen, die Ich euch vorerst beantworten
will.
[Lg.01_012,14]
Nun sehet, eine Seele, sei es Menschen- oder Tierseele, ist ein lebendes Wesen,
das in sich stets die Eindrücke der Außenwelt aufnimmt, diese geistig verdaut,
für ihr eigenes Ich verarbeitet und dann das Resultat davon, wegen der ihr
angeborenen Liebe zu seinesgleichen, denselben mitteilen will, was es fühlt,
was es erlebt, und wie es dasselbe sich zum Nutzen gemacht hat.
[Lg.01_012,15]
Sowenig Ich, als Schöpfer Meiner großen Wunderwerke, solche nur Selbst
bewundern kann, sondern teilnehmende Herzen suche, welche Meine Freuden mit Mir
teilen, und wie Ich dann in der Freude anderer Wesen an Meinen Werken erst
Selbst wieder diese Freude genieße; ebensowenig kann ein lebendes Wesen die
Eindrücke der Außenwelt, die fortwährend auf dasselbe einwirken allein in sich
behalten, es muß andern seine dabei erwachten Gefühle und Gedanken mitteilen,
es muß gleichgesinnte Wesen zum Mitgefühl, zum Mitgenuß anregen, und um diesen
Drang zu befriedigen, erfand die Seele ihre artikulierte oder nicht
artikulierte Sprache, um ihren Mitgefährten auf der irdischen Lebensbahn das
mitzuteilen, was ihr allein zu haben zu viel war, indem erst die Mitteilung
desselben an andere sie den eigentlichen Genuß des Empfangenen doppelt fühlen
läßt.
[Lg.01_012,16]
Dieses Bedürfnis für die Mitteilung findet ihr in schwachen unartikulierten
Tönen bei den Tieren, in artikulierten beim Menschen, und in plastischen
geistigen Formen und nicht mehr laut gesprochenen, aber gefühlten Worten und
Ausdrücken bei den Geistern und höchsten Engeln, wo alles, was im Materiellen
durch Laut oder Ton mitgeteilt, dort nur durch geistige Entsprechung gefühlt
und verstanden wird, und zwar in einer Sprache, wovon ihr keinen Begriff haben
könnt, weil nur die Gedankenschnelle als der einzige Maßstab zur ähnlichen
Begriffs-Vorstellung angelegt werden könnte.
[Lg.01_012,17] Sprache ist also im allgemeinen verkörpertes Geistiges.
[Lg.01_012,18]
Die Innenwelt gibt sich da durch die Außenwelt kund, alle Fortschritte im
Geistigen bestimmen sich dadurch, ohne dieses wäre die Schöpfung nur ein
halbes, ja weniger als ein halbes Machwerk.
[Lg.01_012,19]
Alle Tiere haben eine Sprache, das heißt eine gewisse Art sich mitteilen zu
können, sei es durch Töne, sei es durch Gebärden, es muß das eine dem andern
begreiflich machen können, was es will, sonst ist die Schöpfung ohne Trieb.
[Lg.01_012,20]
Liebe und ihr Gegensatz, der Haß, sprechen sich in den Wesen angemessenen
Gebärden aus, oder in Tönen.
[Lg.01_012,21]
Das geistige Leben wäre nicht möglich ohne Sprache, ohne Mitteilung; denn nur
mittels derselben ist Leben, ist gemeinsames Leben, gemeinsamer Fortschritt!
[Lg.01_012,22]
Ich, Der die Welt mit so vielen Millionen von Geistern und Wesen erschuf, frage
euch was wäre die Welt ohne Sprache?
Was wären alle Meine Wunder-Einrichtungen, wo blieben die eigentlichen
geistigen Faktoren der ganzen Schöpfung, die Liebe, die Freude, die Wonne der
Seligkeit, wenn deren Ausdruck den Wesen versagt wäre?
[Lg.01_012,23]
Alle Wesen müßten vergehen unter dem Eindruck der Außenwelt, wenn sie sich
nicht dessen entledigen könnten, was ihnen das Herz voll Freude anschwellt,
oder von Schmerz zusammenpreßt!
[Lg.01_012,24]
Wo ein Einsaugen möglich, muß auch eine Entledigung sein, sonst ist kein Leben,
kein Austausch des Geistigen, kein geistiger Fortschritt möglich! Mitteilung
ist Lebensbedürfnis, ist das einzige Band, was alle zu einem verbindet, ist das
Band, was Tiere an Menschen, Menschen an Geister, und Geister, Menschen und
Tiere an Mich bindet.
[Lg.01_012,25]
Dieses gemeinschaftliche Band so unvollkommen und
beschränkt beim letzten Infusions-Tierchen bis zur begeisterten Sprache eines
größten Engels ist der Liebe Produkt,
ohne Liebe keine Sprache, und ohne Sprache keine Liebe!
[Lg.01_012,26]
So seht ihr dieses Bedürfnis als notwendigen Bestandteil der ganzen Schöpfung,
ja als seinen Grundpfeiler; denn ohne Sprache bliebe jedes Wesen, wie es
geschaffen wurde, ohne Sprache wäre kein Fortschritt, ohne Fortschritt kein
Leben, kein Zweck, warum etwas erschaffen werden sollte.
[Lg.01_012,27]
Dieses geistige Band, das uns alle umschlingt, uns alle zu einer Familie
verbindend uns vereint, uns alle belebt und einander nähert, das euch zu Mir
führte und Mich zu euch; dieses Band ist das große Lebensprinzip, welches
überall wo Licht, Leben, Liebe herrschen, alle zu einem gemeinschaftlichen
Zwecke verbindet, euch, Meine Geschöpfe, erhebt, und Mich zum zweiten Male
Meiner Schöpfung Wert und Schönheit fühlen läßt, das erste Mal als Schöpfer,
und das zweite Mal in weit schönerem Lichte, in dem Liebelichte eines Vaters
gegenüber Seinen Kindern!
[Lg.01_012,28]
Diese Sprache, die bei dem Ausdruck schöner freudiger Empfindungen das Tier in
schönerem Lichte zeigt, und beim Menschen sein Auge schöner leuchten macht,
seine Stimme erhebt und seinen ganzen Organismus mit Wonne durchzittern macht,
diese Sprache ist der Ausdruck, wo der innere Teil eines Wesens kundgibt,
inwiefern er die Eindrücke von außen erfaßt, und wie geistig und richtig er
dieselben verstanden hat.
[Lg.01_012,29]
Deswegen ist, außer der Belehrung durch die Sprache, auch noch die Frucht der
geistigen Verdauung der gesamten Eindrücke der Außenwelt, die gerechte und
schöngeformte Rede, oder die in schönen Formen gebildete Wiedergabe, die
begeistert von der Seele gesprochen wieder Begeisterung hervorrufen muß; und so
ist es zu verstehen, wenn es im Evangelium Johannis heißt: Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott! Ja, im Anfang war das Wort, und das Wort war Ich!
[Lg.01_012,30]
Ohne Mein Wort keine Schöpfung, ohne Schöpfung kein Wesen, keine Liebe, ohne
Liebe kein Leben, und ohne Leben keine Mitteilung!
[Lg.01_012,31]
Ich war vom Anbeginn das Wort, das heißt der Ausdruck und Typus eines ewigen
Begriffes, und eben weil Ich das Wort war, so mußte auch bei allen geistigen
Produkten als erstes Bedürfnis das Wort oder die Mitteilung durch das Wort Mir
alle Meine geschaffenen Wesen wieder zurückführen, die Ich durch das Wort in
die Ewigkeit hinausgestellt habe, auf daß sie kämpfend und streitend Mir
wiedergeben sollten, durch Worte, Gebärden und Töne, was Ich im ersten Wort in
sie hineingelegt habe.
[Lg.01_012,32]
Im Anfang war das Wort, Wort als Inbegriff einer Idee, und am Ende aller
Schöpfungs-Perioden wird wieder alles Lebende sich in einem Worte vereinigt
haben, und dieses Wort werde wieder Ich sein!
[Lg.01_012,33]
Das Wort, das aus Liebe Wesen und Welten schuf, wird wieder als Liebe seinen
Kulminationspunkt in seinen Geschöpfen erreichen, und am Ende im geistigen
Himmels-Menschen, in Mir als Zentrum, wieder durch alle geschaffenen Wesen
verherrlicht werden.
[Lg.01_012,34]
So ist der Begriff der Unendlichkeit gleich einem Kreise.
[Lg.01_012,35]
Von Mir ging das Wort aus: Es werde! scholl es hinaus in alle unendlichen Räume, und es ward!
[Lg.01_012,36]
Alles wurde, alles lebte, alles liebte und teilte sich mit und ging seinen
Fortschrittsplan durch Äonen von Zeitläufen durch, und kehrt einst zu Mir
vergeistigt, verschönert und verklärt zurück, mit dem Ausruf:
[Lg.01_012,37] Vater! Du riefst einst ,Es werde! Nun siehe, Deine Kinder haben diesem Rufe entsprochen
und stehen nun vor Dir, jubelnd und segnend ihren großen und mächtigen Schöpfer
und Vater; denn hier stehen wir als lebendiger Beweis es ward! Und so vom Worte
ausgegangen zum Worte zurückgekehrt ist der Zyklus der Schöpfungsperiode
vollendet, und ein neuer und ewiger beginnt in Dir und mit Dir! Amen!
[Lg.01_012,00]
Die Kunst.
[Lg.01_012,38]
Nun, im vorigen hättet ihr die Sprache als Mitteilung und das Wort geistig
aufgefaßt und erklärt vor euch; jetzt wenden wir uns zur Kunst, oder dem Drang,
welcher in allen Menschen liegt, ihre Gedanken und Begriffe in Formen oder
bildlich darzustellen!
[Lg.01_012,39]
Hier müssen die Tiere ausgeschlossen bleiben, denn was diese auch Künstliches verrichten, so ist es
von der Natur ihres eigenen Ich bestimmt und nur zum Erhalten und der
Fortpflanzung dienlich, daher die Tiere ihre künstlichen Arbeiten instinktmäßig
und nicht mit Überlegung verrichten, und deswegen auch kein Fortschritt und keine
Verbesserung bei ihnen möglich ist.
[Lg.01_012,40]
Die Kunst, oder der Drang, in Zeichen, Bildern oder plastischen Formen das
Geschaute wiederzugeben, ist ebenfalls eine Sprache der Seele. Es ist, wie eben
bei der Sprache gesagt wurde, der Drang, das Gesehene wiederzugeben, nur
mit dem Unterschied, daß wie bei der Sprache in artikulierten Lauten und Tönen
der innere Seelenzustand aufgedeckt wird, so drängt es die Seele in der Kunst
als Form- und Zeichen-Sprache, ihre Lieblingseindrücke in Formen, Zeichen und
Bildern fest vor sich hinzustellen, sie in materielle Formen einzukleiden und
so diesen Eindrücken von Dingen der Außenwelt einen bleibenden Gehalt zu
sichern und bei deren Anblick sich zu ergötzen, um so gleichsam die Eindrücke
sich öfter wiederholen zu können.
[Lg.01_012,41]
Dieses Bedürfnis gründet sich also darauf, den flüchtigen Verlauf der Rede oder
den Inhalt des Gedachten oder Gesagten oder Erschauten zu fixieren.
[Lg.01_012,42]
Alle Völker und alle menschlich-geistigen Wesen in allen anderen Welten haben
dieses Drängen mit euch gemein, überall lebt die Kunst, nur in verschiedenen
Manieren, so daß sie nur der geistigen Stufe der dort lebenden Wesen
entspricht, und ihr Inneres daraus zu erkennen ist.
[Lg.01_012,43]
Auch auf eurer Erde seht ihr, wie die niedrigsten, auf der untersten Kultur
stehenden Völker eine Freude daran haben, gewissen angenehmen Eindrücken durch
gezeichnete, gemalte und geformte Bilder einen bleibenden Bestand zu geben.
[Lg.01_012,44]
Stufenweise seht ihr dieses Bilden mit dem geistigen Ich der Völker und
Nationen wachsen, im Anfang ahmen sie das in der Natur Gesehene nach, nach und
nach idealisieren, stilisieren sie es, glauben es zu verschönern, nach ihren
ihnen eigentümlichen Kulturbegriffen; das Ideal verbessert, verschönert sich,
je geistiger der Mensch, desto schöner sind seine Ideen, und demgemäß auch
seine danach geformten Bilder und Produkte, weil er da überall seinen
Schöpfungen den Stempel der Göttlichkeit aufdrücken will.
[Lg.01_012,45]
Die Kunst hat ihre Perioden, wie der geistige Kulturzustand der Völker; diese
gehen auf- und abwärts, und mit ihnen ihre Vorstellungsweise, und ihre Art die
Welt geistig aufzufassen; da habt ihr auf eurer Erde Völker, die von einer
großen Höhe geistiger Bildung wieder durch Übermaß des Genusses oder durch
Abweichen vom Wege ihrer Bestimmung herabgestiegen, in die niedrigsten Stufen
zurückverfallen, und mit ihnen ihre Kunst und ihre geistigen Produkte
verschwunden sind; nur Abarten eines geistigen Typus der Weltanschauung leben noch
in ihren Ideen, und so auch die Abbildungen des Geschauten, als eingebildete
Zerrbilder der Natur, wo von einer geistigen Idealisierung nichts mehr gefunden
werden kann.
[Lg.01_012,46]
Die Sprache, dieses flüchtige Wiedergeben des Gefühlten und Erlebten, wollte
man bleibend für sich und andere erhalten, und so entstand die Schrift- oder
Zeichen-Sprache, wo gewisse Zeichen oder Bilder ihrer Form entsprechende
Begriffe bezeichnen sollen.
[Lg.01_012,47]
Auch dieses schon seit ältester Zeit gepflegte Bedürfnis erlebte seine
Umwandlungen gemäß der Bildung der Völker, indem mit der Bilderschrift
angefangen, endlich mit der Zeichenschrift und deren Vervielfältigung, dem
Druck, das Festhalten des Gesprochenen und Gedachten erleichtert, und so ein
Gemeingut für alle geschaffen wurde, was einst nur einzelnen zu genießen
vergönnt war.
[Lg.01_012,48]
Die Kunst in ihrem höchsten Sinne ist also nichts anderes als die
Verwirklichung der geistigen Ideen der Seele, wo diese durch das Mitgefühl
angeregt auch andern mitteilen will, was sie fühlt und denkt, und materiell es
herzustellen das Bedürfnis fühlt, weil sie glaubt, es wird auch andern den
nämlichen oder wenigstens einen ähnlichen Eindruck machen, durch welches
Verfahren sie in dem Wohlgefallen anderer ihr eigenes doppelt genießt und auf
sich zurückstrahlen sieht.
[Lg.01_012,49]
So ist die Kunst das Bindemittel zwischen Völkern und Nationen; es bindet die
Kunst als drittes Herzen zusammen, die sonst kalt aneinander vorübergehen
würden; das enge Band, welches als Sprache, wenn nicht durch Zeichen
festgehalten, nur flüchtig die Herzen erwärmt, sie einander näher zieht, und
sie so gemeinschaftlich wieder einer höheren geistigen Stufe und also auch Mir
näher führt, dieses Band der bildenden Kunst ist das materiell, was die Sprache
geistig ist.
[Lg.01_012,50]
Auch wäre die Welt ohne sie um vieles ärmer, aber durch sie gibt ein reiches,
von großen Ideen angefülltes begünstigtes Gemüt seinen Mitmenschen Genüsse,
wovon diese vorher keine Ahnung hatten, führt sie in eine schönere, höhere Welt
ein, zeigt ihnen in der idealen Nachbildung der Natur das Geistige, welches Ich
in alles gelegt habe, was aber nicht jedem gegeben ward, es aufzufinden.
[Lg.01_012,51]
Während das gesprochene Wort in der Luft verhallt, und nur der Gesamteindruck
des Gesagten übrigbleibt, und zu andern Gedanken und Ideenfolgen anreizt, ist
das von der Seele festgehaltene Bild eines Meiner Schöpfungsprodukte, oder ein
dargestellter Moment aus dem geistigen Menschenleben, ein immerwährender
Reizpunkt, darin der Mensch sich vertiefend, den Schöpfer und Vater wieder in
der Natur, in ihren Formen erkennen, Ihn lieben und verehren lernt. Ich spreche hier bloß von der Kunst im edelsten Sinne,
nicht eingedenk der Mißbräuche, wo dieses göttliche Geschenk, die Einbildungs-
und Vorstellungskraft und die Gabe der Darstellung, auf eine dem Menschen
unwürdige Art zu ganz andern Zwecken benützt wird.
[Lg.01_012,52]
So lebt die Kunst stets bildend, wie ein geschriebenes Wort, stets geistig
fort; wenn es auch von vielen nicht verstanden wird, so ist doch ihre Anregung
in jedem Beschauer wirkend und gemäß der geistigen Bildung desselben
verschieden.
[Lg.01_012,53]
In allen Welten, wie auch bei euch, wird die Kunst gepflegt, ins häusliche
Leben übertragen, zu Tempeln, Gebets- und Wohnhäusern benützt, um wie bei euch
die Begriffe auszudrücken, welche diese Menschen von ihrem Gott und Schöpfer
haben, und wie sie auch in ihrem häuslichen Schaffen das Geistige oder
Materielle vorwalten lassen.
[Lg.01_012,54]
Überall könnt ihr daraus, wie bei euch aus Liebe die Kunst gepflegt wird, den
geistigen Zustand der Menschen dieser Welten beurteilen.
[Lg.01_012,55]
Denn wenn in der Sprache flüchtig das Geistige dem andern gegeben wird und dort
Anklang findet, so auch mittels der Kunst, wo ebenfalls die Art und Weise, was
geschaffen und wie es von andern beurteilt wird, der richtige Maßstab der
inneren Bildung eines Volkes ist.
[Lg.01_012,56]
Geist ist überall das Bindemittel zwischen den Menschen, den Geistern und Mir!
[Lg.01_012,57]
Die Sprache lehrt durch in Worte und Sätze gelegte Begriffe und Ideen, die
Kunst durch in Farben, Formen und Zeichen verwirklichte Gedanken, und so
verbindet diese fixierte Anwendung des Gedachten und Gefühlten, als
Stufenleiter zwischen Bildner und Beschauer, zwischen dem Schaffenden und den
zu höheren Graden zu Erziehenden, den Menschen mit Mir und Meinem
Geisterreiche, den einen gebend, die andern empfangend!
[Lg.01_012,58]
Der eine erhob sich zu Mir und Meinem Reiche während des Schaffens, und der
andere, das Geschaffene betrachtend, fühlt die Grund-Idee des Bildners durch
die Materie hindurch, sie zieht ihn magnetisch in einen anderen Kreis von
Ideen-Verbindungen hinein, die nicht die seinigen waren, läßt ihn fühlen, was
der andere hat, und was ihm mangelt, und spornt auf diese Weise seine eigene
Seele an, den Berg der Begeisterung zu erklimmen, wo die Natur, der Ausdruck
Meiner Liebe zu allem Geschaffenen, in so schönen Formen verkörperlicht ihm
stets zuruft: Kommet her ihr, die ihr beladen
seid, auf daß Ich euch erquicke! In Betrachtung einer
Naturszene, eines schönen menschlichen Abbildes, einer großen edlen Handlung,
überall findet der Beschauer den Spruch verwirklicht, den ihm bei jedem
Spaziergang ein jedes Blümchen zuruft, indem es euch sagt: Sauge ein in vollen Zügen die Liebe deines Schöpfers und
Vaters, der dieselbe überall ausgegossen hat, um dir mit jedem Atemzug zu
beweisen, wie schal die Freuden der Welt sind, und wie wenig dazu gehört, um
glücklich und zufrieden zu sein!
[Lg.01_012,59]
Wenn der Beschauer eines Abbildes eines Menschen darin alle die geistigen
Eigenschaften herauslesen kann, die der Mensch als geistiges Abbild seines
Schöpfers haben sollte und leider nicht hat, wenn er dort selbst sieht, wie
hoch die Idee der menschlichen Form in geistiger Hinsicht steht, und er ihn
sich nebenbei denkt mit all seinen Gebrechen, und doch nicht umhin kann sich
selbst zu gestehen, wie weit er selbst von diesem Ideal der Menschheit entfernt
ist, und wenn er dabei bedenkt, daß trotz seiner Fehler die mächtige Hand
seines Schöpfers und Vaters ihn doch täglich unverdient mit Gnaden überhäuft,
dann muß auch er ausrufen: Was bin ich, o Herr, daß
du meiner also liebend gedenkest!
[Lg.01_012,60]
So, und in vielen andern Weisen, regt die (edelreine) bildende Kunst Gefühle
und Ideen im Beschauer an, die alle ewige Mahner zum Fortschritt, und ewige
Anreger zur Begeisterung bleiben, nicht nachzulassen, dorthin zu streben, wo,
wie in dem Künstler als eigenes geistiges Produkt eines schöneren Lebens,
solche Gefühle einst ein Gemeingut für alle werden sollten, und am Ende, sei es
in Sprache mit artikulierten Tönen, sei es in festgehaltenen Formen, sich der
geistige Faden überall durchzieht, der alle wie am Gängelbande leise auf der
geistigen Stufe weiterführt, wo sie von Welten zu Welten, von Sonnen zu Sonnen,
Sprache und Kunst stets verschönert, vervollkommnet, stets mehr vergeistigt Mir
sich mehr nähernd, erblicken werden, bis im geistigen Himmelreich Ich als
Zentrum, als Wort und Typus jedwelcher Form, als Mensch ihnen in höchster
Wonne die Eindrücke vergeistigt wiedergenießen lassen werde, die sie alle bei
Anhörung einer begeisternden Rede oder bei Anschauung eines erhabenen Bildes
als Abbild Meiner nie vergehenden Schöpfung empfunden haben!
[Lg.01_012,61]
So zieht die Kunst als geistige Bildnerin Meiner großen Ideen in der Schöpfung
die Seelen zu Mir, und was Sprache anregt, hält die Kunst fest, und um das
Kleeblatt der Dreifaltigkeit vollzumachen, so bildet sich in den
unaussprechlichen Tönen und Gefühlsregungen dann noch die Musik aus und somit schreiten wir zur letzten dieser
Drei-Einigkeit (Dreifaltigkeit) und zeigen euch, wo diese sich schließt, wie
sie anfing, und wie am Ende alles geistig vereinigt, Mich, Meine materielle und
Meine geistige Schöpfung in einem Bilde, das heißt in Mir Selbst als Wort, Form und Ton darstellt. Amen.
[Lg.01_012,00]
Die Musik.
[Lg.01_012,62]
Nun sind wir am dritten Faktor des menschlichen Geisteslebens angekommen,
nämlich an der Gefühls- oder einstigen Geistersprache, einer Sprache, die nicht
mit Worten übersetzt werden kann, weil deren Anfänge, als von der kreatürlichen
Welt unverstanden, von derselben nur geahnt werden können.
[Lg.01_012,63]
Diese Sprache nennt ihr allgemein Musik; aber obwohl ihr Musik im Zimmer, im Walde, in den
Lüften und manchmal unter der Erdschale vernehmt, so wißt ihr doch nicht ihre
geistige Bedeutung, was sie ist, warum sie ist, und was ihre eigentliche
Grundbedeutung sein wird.
[Lg.01_012,64]
Nun sehet, bei der Sprache in artikulierten Tönen habe Ich euch dargetan, daß
die Seele durch die Eindrücke von außen gedrängt und durch innerliches
Bedürfnis gezwungen sich ein Mittel erfand, ihresgleichen mitzuteilen, von was
ihr Inneres überfüllt war, habe euch ferner dargetan die ganze weitere Folge,
ihren Ursprung, ihre Wirkung und ihr Ende.
[Lg.01_012,65]
Bei der Kunst habe Ich euch gezeigt, wie diese die bildliche Sprache in
Zeichen, Bildern und Formen materiell ausdrücken will, was bei der Sprache in
Worten zu flüchtig vorgeht; schon bei dieser letzteren Ausdrucksweise mischt
sich eine andere Sprachweise mit ein; denn wenn Ich die erstere die Sprache des Kopfes nennen möchte, so ist
die zweite die Sprache der Hand oder der Tat, es mischt sich aber hier schon
bei höherer Begeisterung die Sprache des Herzens oder die Gefühls- (und
Ton-)Sprache mit ein, welche zwar auch bei der ersten, der Wortsprache, oft mit
in Anspruch genommen wird, jedoch nur in höchst erhabenen göttlichen Dingen, wo
das Wissen aufhört und das Glauben anfängt!
[Lg.01_012,66]
Jetzt wollen wir uns also mit der letzteren, erhabensten und den Geistern nur
eigentümlichen Sprache, mit der Gefühlssprache beschäftigen. Nun so höret:
[Lg.01_012,67]
Wenn eine Seele von erhabenen Gefühlen durchströmt, sich den Einflüssen der
Natur hingibt, insoweit diese durch das Gehörorgan in ihr Inneres dringen
können, so sind die durch die Schallwellen ans Ohr gelangenden Töne manchmal
von so erhabener Natur und erwecken in dem im Zentrum der Seele wohnenden
Geiste eine Sehnsucht nach seiner früheren eigentlichen Heimat, daß dann die
Seele ein gewisses Etwas empfindet, das geistiger Wohllust nahekommt, aber von
ihr in Worten, Zeichen, Bildern und Formen nicht dargestellt werden kann; nun,
dieses Zusammenströmen verschiedener Töne, nach Rhythmus, Tiefe und Höhe
zusammengefügt, ist eben das, was ihr unter dem Titel Musik kennt; es ist ein
Vibrieren des Geistes inmitten seiner kleinen Zelle, ein Erzittern vor Wonne,
hervorgebracht durch das Erzittern von Luftwellen, die ebenfalls angeregt sich
aneinander reiben und einander forttreiben bis an den Gegenstand des Anpralls,
Wärme entwickelnd, die gebundenen harmonischen Geister der in der Luft
liegenden Elemente entbinden, so daß diese wonnetrunken, ihrer Haft frei, in
freudigem Entzücken derselben entschweben und durch ihre große Freude einen
oder mehrere Töne hervorbringen, die, im Trommelfell des Ohres angelangt, die
gleichgestimmten Gefühle im Innern des Geistmenschen erwecken und sodann dieses
Gefühl der Seele und sogar auch dem Körper mitteilen!
[Lg.01_012,68]
Nachdem diese Töne als ein geistiges Produkt wieder nur einem Geiste
mitgeteilt, also nur von diesem verstanden werden können, so ist diese Sprache
der Seele nicht zugänglich, wie sie, noch zu wenig mit dem Geiste verbunden,
sie wohl ahnen, in künftigen Genüssen schwelgen, aber sie nicht sich deutlich
machen kann!
[Lg.01_012,69]
Deswegen geht auch die Musik mit ihrer großen Gewalt auf das menschliche Herz
und jedes andere Wesen unverstanden über diese Erde hinweg; die Erhabenheit fühlt
ein jeder, nur das Warum weiß keiner!
[Lg.01_012,70]
Ihr habt nun, um diese Luft-Schallwellen aufzufangen oder ähnliche Töne selbst
hervorzubringen, verschiedene Instrumente erfunden, welche geeignet sind,
dieses Vibrieren der angeregten Luftwellen, auch in den Stoffen, aus denen jene
zusammengefügt sind, ähnliches Erzittern der Bestandteile derselben
hervorzubringen, indem auch dort gebundene gleichgesinnte Geister sich lösen.
[Lg.01_012,71]
Dieses Lösen und Vermischen mit den freien Geistern der Luft gibt dann jedem
Instrument seinen eigenen Klang, wo bei manchen Instrumenten zwei, drei und
mehr verschiedene Gegenstände zusammenwirken müssen, um den rechten Ton
hervorzubringen, welcher dadurch bezweckt werden soll!
[Lg.01_012,72]
Nun, um aber zu wissen, wie ihr zu eurer Musik gekommen seid, so muß Ich euch
vorerst sagen, daß der Drang, seinen inneren Gefühlen durch unartikulierte Töne
Luft zu machen, ihr, sowie alle lebenden Geschöpfe, daher erhalten habt: Wenn ein Liebewind durch die ganze Schöpfung zieht, der
alles aufweckt, anregt und reizt, wo weder das Tier noch der Mensch weiß, warum
er so fröhlich und warum ihm so leicht zumute ist, da fühlt der Mensch ein
sanftes Drängen, das nicht im Reden, nicht in Bildern und Formen, nein, sondern
im Singen, Schreien, Jauchzen seine endliche Befriedigung erhält; und eben
dieses Gefühl, was den Menschen zum Singen und Jubeln anregt, regt auch das
Tier jedes nach seiner Weise an, dem Schöpfer und Urheber seines Wonnegefühls zu
danken und zwar in Tönen, die keine Worte, jedoch individuell weit mehr als
Worte ausdrücken wollen!
[Lg.01_012,73]
Nachdem Ich als Schöpfer keine tote Natur, sondern eine freudig Mir
entgegenkommende geschaffen habe, so legte Ich auch in die Organe der schon
höher im Gefühlsleben stehenden Tiere Einrichtungen, die das Hervorbringen von
Tönen erlauben, um bei ähnlichen ahnungsvollen, geistig-prophetischen
Stimmungen sich derselben bedienen zu können, und somit den Wesen, welchen die
Sprache in Worten versagt, die weit höhere, die Sprache der Töne gegeben ist!
[Lg.01_012,74]
So seht ihr die Singvögel, einen jeden nach seiner Art seinen Dank Mir bringen,
wenn durch die Wärme, oder, was gleichbedeutend ist, durch die Liebe ihr
Inneres vor Freude erzittert!
[Lg.01_012,75]
So seht ihr die Lerche am frühesten Morgen, wenn der erste Sonnenstrahl ihr
Auge trifft, sich zum Emporsteigen vorbereiten, singend und jubelnd steigt sie
höher und höher, und je höher sie steigt desto leichter wird es
ihr, desto mehr kann sie den in der Brust gefangenen Gefühlen Luft machen,
desto eher kann sie sich ihres Mir gewidmeten Lobliedes entledigen, bis sie,
wie ein kleiner Punkt in der Höhe angekommen, Mir die letzten Grüße sendet, und
das unerbittliche Gesetz der Schwere sie wieder zur Erde niederzieht, wo sie
dann nach kurzer Zeit den nämlichen Flug wieder beginnt; aber nur immer das
nämliche Resultat erzielt.
[Lg.01_012,76]
Könntet ihr die verschiedenen Loblieder der fliegenden, sumsenden und zirpenden
Welt verstehen, welche im Frühling bei neu erwachter Naturtätigkeit, beim
Aufgang der Sonne, täglich Mir entgegenströmen, ihr euch weise dünkende
Menschen müßtet euch beschämt verkriechen wegen eurer Gottlosigkeit und
Hartherzigkeit, da ihr unter so vielen Mir ergebenen Wesen allein mit
hartverschlossenem Herzen dastehet, obwohl ihr auch den kräftigen
Frühlingshauch durch eure Lungen ziehen lasset; aber dabei wer weiß an was nur an Mich nicht
denket!
[Lg.01_012,77]
Dieses Singen der Vögel und die Verschiedenheit ihres Gesanges, wisset ihr,
woher es kommt?
[Lg.01_012,78]
Sehet, auch das will Ich euch sagen; denn ihr müßt wissen, daß kein von euch
erfundenes Instrument woanders seinen Grund hat, als aus der Natur der
geschaffenen Wesen selbst, wo der aufmerksame Beobachter der Tierwelt dann dem
Instrument ähnliche Einrichtungen gab, die er sodann vervollkommnete, und aus
welcher immerwährenden Verbesserung die jetzigen bei euch gebräuchlichen
Musikinstrumente entstanden sind.
[Lg.01_012,79]
Sehet, zu vielen Instrumenten, hauptsächlich bei Blasinstrumenten, diente als
Norm die menschliche oder tierische Kehle, wo im Kehlkopf die ganze Vorrichtung
bis in den Kanal, die Luftröhre, die vibrierenden und zitternden Apparate
angebracht sind, wie die knorpelartigen Kreise im Kehlkopf selbst, sodann die
Stimmritze mit der in sie hineinragenden, kleinen vibrierenden Zunge, die beim
Tönen gemäß der Höhe oder der Tiefe desselben ihre Vibration modifiziert und
durch das Erzittern der Luftsäule im Innern der Luftröhre und durch ihr eigenes
Vibrieren den Ton hervorbringt, welchen die Seele hervorbringen will, welcher
Ton dann an dem Gewölbe des Gaumens anprallend, seinen eigentlichen
charakteristischen Laut bekommt.
[Lg.01_012,80]
Was dort die Stimmritze, das sind bei den Streichinstrumenten die meist
S-förmigen Einschnitte im Holz, die gewölbten Wände entsprechen dem Gaumen, als
Resonanzboden usw.; so werdet ihr bei ernster Betrachtung bei jedem
Instrumente, das bei euch üblich ist, als erstes Grundprinzip das menschliche
oder tierische Stimmorgan erkennen.
[Lg.01_012,81]
Da aber wie die Größe des Organs so auch die Stimme verschieden sein muß, und
besonders bei den Vögeln der Mund nach anderer Form, nämlich als Schnabel
gebildet ist, so wird auch dort der Ton wieder eigentümlich modifiziert, wie es
jedem Singvogel angemessen ist.
[Lg.01_012,82]
Ein großer Unterschied, der auch dazu beiträgt, die Töne, ihre Vibrationen und
Modulationen zu verändern, ist dies, daß wie beim Menschen so auch bei Tieren
die eingeatmete Luft eine andere als die ausgehauchte ist; in der einzuatmenden
Luft liegen andere Elemente gebunden, die im Körper des Tieres eingesaugt,
verarbeitet und chemisch zersetzt werden; beim Singen der Vögel zum Beispiel
ist der Klang meist aus den Elementen der eingeatmeten und ausgehauchten Luft
zusammengesetzt, das heißt aus für die Vögel belebenden und abgestorbenen
Elementen; nun sehet, ebendeswegen ist der Ton des Gesanges eines jeden Vogels
verschieden, weil er beim Einatmen wohl die gemeinsame Luft, aber beim Ausatmen
nur das ihm Unbrauchbare ausstößt, und dieses Ausgestoßene bei jedem Tiere
etwas anderes ist, so wie auch beim Menschen; so ist der Schall, welchen diese
ausgestoßenen Stoffe in Vereinigung mit der Luft hervorbringen neben den verschiedenen Gesangsorganen auch ein verschiedener, und so ist wie überall auch in
dieser Hinsicht aus einem einfachen Prozeß eines und des nämlichen Stoffes die
Verschiedenheit seiner Verwendung dasjenige, welches wieder Meine Göttlichkeit
und Meine Macht zeigt, indem Ich auch hier wie stets mit wenigem vieles zu
bewirken verstehe.
[Lg.01_012,83]
Sehet, es ist noch ein Grund, der in der ganzen Natur großen Einfluß hat.
Nämlich, ihr werdet aus der Naturgeschichte wissen, daß die meisten Singvögel,
arm an Feder- und Farbenpracht, auf der nördlichen Halbkugel eurer Erde zu
Hause sind, während auf der südlichen dieselben an Farbenpracht ihre
Mitgeschöpfe der nördlichen bei weitem übertreffen; aber dabei an Gesang so
stiefmütterlich bedacht sind, daß gerade die am meisten gezierten das
häßlichste Geschrei erheben. Nun, das hat seinen Grund wieder einfach in der
geistigen Erklärung der Musik.
[Lg.01_012,84]
Die nördliche Erd-Halbkugel mit dem Nordpol ist der Teil, welcher von dem
großen Ätherraum das Geistige für die Erde einsaugt, und der Südpol mit seinem
großen Wulst-Gebirge ist der Ort, von wo das in der Erde Verbrauchte wieder in
den Ätherraum sich ergießt.
[Lg.01_012,85]
Nun sehet, der nördliche Teil entspricht dem oberen Teil eines menschlichen
Körpers, wo Kopf, Herz und Lunge ihren Sitz haben, der südliche Teil entspricht
dem untern Teil des Menschen; die Erde ist auch anderseits oben Mann und unten
Weib, oben positiv und unten negativ, das heißt, im Norden lebt das Geistige
und im Süden das Materielle vorherrschend!
[Lg.01_012,86]
Im Norden ist der Einfluß des großen Äthers und der Sonne auf das Geistige
wirkend, bringt dort auch in den Produkten der Erde nicht die große
Mannigfaltigkeit, wohl aber die kräftigsten, nahrhaftesten Gewächse hervor.
Klein und unbeachtet ist sein Erdwuchs und seine Tierwelt, aber geistig höher.
[Lg.01_012,87]
Im Süden ist es umgekehrt; dort steht alles mit großen Ziffern angeschrieben:
was im Norden nur kleines Gewächs, ist im Süden baumartig groß, aber wenig
Frucht bringend, denn der Süden, der auf seinem Pol die verbrauchten Stoffe
ausstößt, und wo diese sich wieder von der Äther-Atmosphäre bis gegen den
Äquator heraufziehen, schwängert alle Gewächse viel mit Elementen, die wohl ihr
Wachstum fördern, bekleidet die Vögel mit Stoffen, die eine andere
Lichtstrahlenbrechung in den Farben ihrer Federn bedingen; und so verteilt der
Süden seine Lebenskräfte, gepaart mit den verbrauchten Elementen des Innern der
Erde, und fördert wohl das äußere Wachstum, während im Norden das Äußere
vernachlässigt scheint, aber die innere geistige Natur desto mehr gedeiht.
[Lg.01_012,88]
Daher die große Gesangskraft und Verschiedenheit der Vögel im Norden, und die
große Farbenpracht derselben im Süden.
[Lg.01_012,89]
Hier, im Norden, herrscht der göttlich eindringende Strahl des großen
Geistes-Menschen, und dort, im Süden, der Einfluß des Welten-Menschen, hier
Weisheit dort Form, hier Geist dort Materie!
[Lg.01_012,90]
Und wenn ihr euch nun hinausschwingen wollt, die Sphärenharmonie der einander
umkreisenden Welten zu belauschen, so würdet ihr auch dort diese Gegensätze finden,
dort im Kopfe und im Herzen Geistes- und im untern Teile Farben- und
Formen-Pracht; hier Liebes-, dort Verstandes-Leben; und weiter hinauf bis in
die geistigen Himmel geht der Ton stets verfeinert, stets harmonischer und
reiner und klangvoller, weil dort auch mehr geistiges Leben vorherrschend und
auch mehr nur die Sprache des Gefühlslebens gesprochen und verstanden wird.
[Lg.01_012,91]
Dort oben im großen Geistes-Menschen, wo die Musik ihre höchste Reinheit
erreicht hat, dort im Zentrum ist dann wieder in Mir als alles Umfassendes der
Ton in Meinem Ich personifiziert, dort vibriert alles, Licht, Luft und Ton, und
so erzitternd von nie gefühlter Wonne steigert sich das geistige Leben bis zur
höchsten Potenz.
[Lg.01_012,92]
Dort auch wird das Gefühlsleben nur allein verstanden; dort sieht man in jeder
Vibrierung der reinsten Luft- und Lichteswellen in Entsprechung die schönsten
Liebesworte und Dankgebete in einer Form ausgedrückt; dort lebt die Poesie, die
ja ebenfalls nur wegen des gereimten Rhythmus und dessen gleichen Klängen dem
Zuhörer erhabener als Prosa klingt; dort lebt die Harmonie in den Herzen der
Geister und im Verschmelzen der Töne; dort ist nur Ein Ton als Grundton, der
allem als Basis dient, und alles durchdringt, und dieser Ton bin Ich!
[Lg.01_012,93]
Und so von der Sprache angefangen, die dort die Weisheit Meiner Geister ist,
die Kunst, die dort die geistigen Urformen alles Geschaffenen sind, und endlich
die Musik, die dort die Sprache des Gefühls des Innersten ist, wo keine Sprache
Worte dafür hat, wo alles nur gefühlt, weder gesprochen noch gebildet werden
kann; dort ist alles vereint, was hier als Dreieinigkeit getrennt erscheint: in
Sprache, Kunst und Musik; in Weisheit, Form und Liebe; oder Ursache, Wirkung
und Grund; oder Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges; Wesen Sein und Werden; Wärme Licht und Leben; Gedanke Begriff und Idee; Jesus Mensch und Gott, (Der) nun vor euch steht.
[Lg.01_012,94]
Dort, im Zentrum, steht euer Vater, mit Seinen Armen Seine Schöpfung, Seine
geschaffenen Wesen erhaltend und sie alle mit Speisen aus dem göttlichen Borne
labend, und ruft euch allen zu: Benützet die Sprache, um
andere zu bilden; benützet die Kunst, um andere zu begeistern; benützet die
Musik, um anderen den Weg zum Gefühle und zu Mir zu zeigen!
[Lg.01_012,95]
Wie ich einst in einem Liede sagte: Ohne Ton wird nichts
geboren, ebenso sage Ich jetzt: Ohne Gefühlsleben gibt es keine geistige Ausgeburt!
[Lg.01_012,96]
Wo nur der Verstand waltet, oder nur die Außenform beobachtet wird, aber das
Gefühl fehlt, da ist nur halbes oder gar kein geistiges Leben, ist nur
pflanzenartiges (vegetierendes) Fortschreiten.
[Lg.01_012,97]
Wo aber des Herzens Türflügel weit offenstehen und zum geistigen Ohre,
vermittels der Schallwellen der Luft, geistige Reminiszenzen einer schöneren
und geistigeren Welt dringen, dort lebt das rechte Gefühls-Leben, das Leben,
das, obwohl vielleicht arm an Ohrenschmaus, doch reich an Lebensfülle ist, und
dessen Gipfelpunkt weit hinaus über alle materiellen und geistigen Welten alles
im Zentrum eines einzigen Wesens, in Meinem Ich, findet.
[Lg.01_012,98]
Mit Dem trachtet euch zu vereinen, dort strebet hin; dort, wo die Sprache, die
Formen und die Musik geistig in allen Schöpfungen verkörpert vor euren Augen
stehen wird; dort werdet ihr einst die Lösung von vielen andern
Schöpfungsrätseln erhalten, die hier in Tausenden von Jahren nicht
aufgezeichnet, aber dort mit einem Blick erfaßt und verstanden werden können!
[Lg.01_012,99]
Das ist euer Ziel! Jetzt wißt ihr, ob es
der Mühe wert ist, sich den Mißhelligkeiten (und Mühseligkeiten) während der
irdischen Lebensbahn zu unterwerfen, um einst dort im reinsten Ton euren Vater
wiederzufinden, der euch so manche Schönheiten und Seligkeiten während eures
irdischen Wahnlebens ahnen ließ!
[Lg.01_012,100]
Also gekämpft! Es lohnt sich der Mühe ein Kind Dessen zu
werden, Der für einen Blick der Liebe euch Sonnen- und Welten-Systeme geben
kann! Amen!
13. Kapitel Kraft, Stoff und Geist.
22. Februar 1871
[Lg.01_013,01]
Diese drei Worte bezeichnen Dinge, wovon sich die Menschen sehr viel irrige
Begriffe machen und besonders die ersten zwei den Materialisten viel zu
schaffen machen, weil sie darin das ganze Universum, den Grund seines
Entstehens, Bestehens und Vergehens gefunden zu haben glauben, bei welcher
Erklärung der Gott oder ein geistiges, alles regierendes Wesen dann ganz
wegdisputiert worden ist.
[Lg.01_013,02]
Nachdem nun gerade die Materialisten oder jetzigen hochgelehrten Professoren der Erd-, Tier- und Steinkunde mit diesen Worten so herumwerfen, sie als
erste Prinzipien aufstellen, und sie damit alles in allem gesagt zu haben
glauben, so müssen wir doch sollen wir diesen
gescheiten Herren Professoren etwas sagen, das ihre Unverständigkeit klar
beweist mit den Begriffen dieser Worte
anfangen; denn vor allem muß man erst wissen, was man als Werkzeug gebraucht,
ehe man sich ans Arbeiten macht, worauf dann der richtige Gebrauch des einen
oder des andern Werkzeugs erst die Geschicklichkeit des Meisters beweist.
[Lg.01_013,03]
Also was ist oder heißt eigentlich Kraft?
[Lg.01_013,04]
Sehet, ihr euch weise dünkende Herren Gelehrte, die ihr nach allem Forschen und
Untersuchen gerade da wieder ankommt, von wo ihr ausgegangen seid, ihr, die ihr
die Kraft als einen Faktor in der ganzen sicht- und unsichtbaren Welt bestimmen
wollt, seht, Ich muß euch sagen, daß Kraft, dieses hochgepriesene Wort auf den
Titelblättern eurer Bücher, nichts für sich Selbständiges noch
Alleindaseiendes, sondern nur das Produkt eines andern unsichtbaren Faktors
bezeichnet, den ihr eben nicht zugeben wollt, indem ihr frisch darauflos
erklärt: Kraft ist ein Naturgesetz, welches der Bewegung oder dem Leben
gleichkommt.
[Lg.01_013,05]
Nun fragen wir diese Gelehrten aber: Wenn eure ganze Welt nur aus Stoff und
Kraftäußerung besteht wer gibt denn dieser
Kraft den Impuls, daß sie sich so und nicht anders äußern kann und muß, und durch ihre Kraftäußerung auf den zweiten
Glaubensartikel eurer Wissenschaft, den Stoff, stets einwirkt?
[Lg.01_013,06]
Ihr seht den Stein vom Berge herabrollen oder aus der Luft herabfallen und habt
sogleich den Schluß fertig: Es ist die Kraft oder das Gesetz der Schwere, die
Anziehungskraft der Erde, welche den seiner Unterlage beraubten Stein
fortreißt, bis er wieder eine andere feste Basis erreicht hat, und dort
liegenbleibt, erwartend eine andere Kraft, die mit ihm etwas anderes vornimmt!
[Lg.01_013,07]
Nun, wenn Ich bei diesen Gelehrten in die Lehre gehen müßte, so fragete Ich,
nachdem Ich ihre weisen Gründe vernommen hätte, wie die Welt sich selbst
erschaffen hat, und wie sie sich selbst erhält, und sich selbst zerstören wird
(!): Meine Herren! Sie haben Mir die Wirkungen einer Kraft gezeigt, das ist
wahr; ja Ich habe es selbst versucht und fand diese von Ihnen aufgestellten
Sätze bestätigt; Ich möchte aber doch wissen, nachdem Ich die Kraft nicht
sehen, sondern nur ihre Wirkungen fühlen kann was sie denn so ganz eigentlich ist, Ich möchte gern eine Erklärung über
sie haben!
[Lg.01_013,08]
Die Herren Gelehrten antworten gleich einstimmig: Kraft ist ein Naturgesetz,
ohne welches die Natur nicht bestehen kann.
[Lg.01_013,09]
Gut, sage Ich, Sie haben recht! Aber jetzt möchte Ich auch wissen: Haben wir in
der Natur ein Beispiel, daß ein Ding sich selbst Gesetze gibt? Denn Sie, Meine
Herren, nehmen keinen Gesetzgeber an, obwohl Sie Mich mit dem Begriff von Naturgesetzen abspeisen wollen; nun,
Ich bin eben einer von den Schülern, die gern alles ganz wissen möchten und mit
nur halben oder gar nichts bedeutenden, wenn auch wissenschaftlichen Ausdrücken sich nicht
zufriedenstellen können!
[Lg.01_013,10]
Die Herren Gelehrten erzürnen sich über einen Zögling, der mehr wissen will als
sie selbst, und wenden Mir den Rücken zu, und so bin Ich denn gezwungen, Mich
aus dem Chaos von wissenschaftlichen Ausdrücken selbst herauszufinden, da der
Gelehrten Schiff auf zu seichtem Grunde ihrer Naturgesetze steckengeblieben ist.
[Lg.01_013,11]
Nun, da so viele Leute von Kraft, Naturkräften, Anstoß, Abprall, Schwere, Druck, Ziehkraft usw. reden, so wollen wir versuchen, uns zuerst eine
Idee zu machen, was denn eigentlich Kraft ist; dann sehen, wie sie sich in der Natur kundgibt und
wie sie auf organische und unorganische Leben einwirkt, das Leben gibt, das
Leben nimmt, es baut und zerstört, und so die Erhalterin des Universums
geworden ist.
[Lg.01_013,12]
Also vorerst: Was ist Kraft?
[Lg.01_013,13]
Sehet, Kraft ist nichts anderes als eine wahrnehmbare Äußerung an einem Dinge,
welches entweder seinen Platz oder seine Form verändern muß, gemäß eines andern
auf ihn einwirkenden Gegenstandes, was dadurch bewirkt wird, daß am Äußern oder
Innern eines Dinges eine Bewegung, eine Vergrößerung oder Verkleinerung oder
gar ein Vergehen bemerkt wird.
[Lg.01_013,14]
Nun, dieses Drängen eines fremden Gegenstandes auf irgendwelchen anderen ist
nichts als der in dem zweiten Wesen liegende Zug, sich den einwirkenden, es
umgebenden Elementen zu entziehen, es ist der Zug der Ruhe, als Gegensatz der
Bewegung.
[Lg.01_013,15]
Der Stein will ruhig liegenbleiben, das heißt, er will im Verbande seiner
Unterlage verharren, wo alle seine Teile, bis in die kleinsten Atome, in ihrer
Ausdehnung der Breite, Länge und Tiefe nach sich nicht gestört fühlen.
[Lg.01_013,16]
Sobald also ein anderer Gegenstand auf den Stein einwirkt, um ihn aus seiner
behaglichen Ruhe herauszureißen, so stemmt sich sein ganzes ich dagegen; alle
Teile in ihm, die sonst bewegungslos hart aneinandergeschlossen dalagen in
völliger Ruhe, alle diese Teile fangen an, sich entweder auszudehnen oder
womöglich sich zusammenzuziehen, in Vibration zu geraten. Kurz, der Stein,
wegen seines Widerstehens gegen den andern auf ihn einwirkenden Gegenstand, ist
nicht mehr der harte, leblose Stein geblieben, der er vorher war, sondern er
hat Leben bekommen, alles in ihm bewegt sich und vibriert.
[Lg.01_013,17]
Nun, was ist das Resultat, wenn ein sonst ruhiger Gegenstand in Bewegung kommt?
Sehet, das Resultat ist, daß er seine bisher gehabte Form und seinen Bestand
aufgeben muß, und etwas anderes zu werden gezwungen wird; denn seine Elemente
sind nicht mehr so zusammengefestet wie früher, und die einwirkende Kraft
gewinnt eben dadurch die Oberhand, zersetzt, zersplittert den Stein, und wenn
möglich löst sie auch seine Bestandteile in Staub auf.
[Lg.01_013,18]
Der Kraft der Schwere, oder der Anziehungskraft der Erde auf ihre Bestandteile,
steht also eine andere Kraft stets entgegen, nämlich die Kraft oder der Zug,
alles Bestehende zu zerstören und aus demselben wieder Neues zu formen.
[Lg.01_013,19]
Die Kraft, wie sie sich äußert und wie der Mensch sie wirken sehen und fühlen
kann, ist also als ein anderer Faktor, der weder im Stein noch in seiner
Umgebung liegt, sondern von andern Elementen bedungen und angeregt diese letztere
zur Veränderung ihrer Form und ihres Bestandes führt, Leben nimmt, Leben
hervorbringt, also zerstört und neu aufbaut, und so den ewigen Bestand nur
dadurch sichert, daß sie stets zerstörend Neues erzeugt.
[Lg.01_013,20]
Diese Kraft äußert sich in allen möglichen Richtungen und unter allerlei
Formen, das Bedingende derselben ist also eine höhere Potenz, die sich äußern
wollend als Kraft nur erscheinlich ist; daher Kraft als selbständiges Ding, so
wie es die Herren gelehrten Materialisten wollen, gar nicht existiert, nie
selbständiger Lebensfaktor, sondern das Produkt von zwei höheren Faktoren,
nämlich von Ruhe und Bewegung ist!
[Lg.01_013,21]
Durch diese beiden wichtigen (Grund-)Prinzipien des ganzen Universums besteht
die Welt, wurde sie erschaffen, wird sie erhalten und wieder in Neues
verwandelt.
[Lg.01_013,22]
Die Ruhe drückt sich auch im zweiten Namen aus, den wir ihr geben könnten,
nämlich im Stoff und die auf ihn einwirkende Lebenstätigkeit, die alles erhält
und alles belebt, ist der Geist, welcher Anreger der Kraft, Zusammenhalter des
Stoffes und so der Hauptfaktor des ganzen Lebens ist; denn ohne Geist gibt es
kein Leben, ohne Leben keinen Stoff und der Stoff braucht keine Kraft; denn die
Kraft ist das Produkt aus ersteren, fehlen diese, so fehlt alles!
[Lg.01_013,23]
Nun hätten wir die Kraft soweit im reinen. Jetzt können wir ans zweite gehen,
woran sich die Kraft äußert, das heißt an den Stoff; denn die Kraft kann nur
bestehen, wo Widerstand ist, und Stoff als Materielles gibt eben mit seinen Bestandteilen
den körperlichen Widerstand in dem Prinzip der Ruhe, wo er sich der Bewegung
entgegensetzt und so als Kraft sichtbar wird.
[Lg.01_013,24]
Nun fragen wir: Was ist der Stoff? Und die Gelehrten sagen: Stoff ist alles,
was einer Ausdehnung nach Länge, Breite und Tiefe fähig ist.
[Lg.01_013,25]
Gut, nun fragen wir weiter: Aus was besteht der Stoff? Und so werden die
Gelehrten wieder sagen:
[Lg.01_013,26] Stoff ist aus allem
zusammengesetzt, was im ganzen Universum entweder aufgelöst oder kompakt sich
vorfindet; Stoff ist alles, was man Grundelemente der Schöpfung nennen
kann.
[Lg.01_013,27]
Gut, nun fragen wir aber: Wie viele Stoffe gibt es denn, und wie kann man sie
unterscheiden oder auseinander scheiden?
[Lg.01_013,28]
Da sagen die Gelehrten wieder: Wir haben in der chemischen Analyse eine Unzahl
Stoffe gefunden, die (für uns bis jetzt) unauflösbar sind, und aus diesen ist
das Universum zusammengesetzt; ihre verschiedenen Vermischungen erzeugen dann
alles, was wir körperlich sehen oder fühlen können; diese Vermischungen oder
wie sie sagen chemischen Verbindungen sind aber gewissen Gesetzen unterworfen, wo das eine das
Assimilations-, das andere das Repulsions-Gesetz ist.
[Lg.01_013,29]
Nun fragen wir wieder: Aber, meine Herren, schon wieder reden Sie von Gesetzen,
wo Ich doch am Ende einen Gesetzgeber voraussetzen müßte.
[Lg.01_013,30]
Sie antworten darauf: Freund, das ist nicht so gemeint, die Stoffe im einzelnen
haben verschiedene Eigenschaften, wodurch ihnen nur eine oder die andere
Vermischung oder Annäherung erlaubt ist, andere aber für sie Unmöglichkeiten
sind.
[Lg.01_013,31]
Nachdem wir nun sehen, daß wir mit den Herren Professoren wieder nicht ins
reine kommen können, so müssen wir uns wieder auf uns selbst und unsere fünf
Sinne verlassen, und stellen also an uns selbst die Frage: Was ist der Stoff?
Und unser Inneres sagt uns einfach:
[Lg.01_013,32] Stoff ist gar nichts! Stoff ist ein zu allgemeiner Ausdruck, der, indem er alles in
einen Tiegel wirft, gar keinen Unterschied mehr zuläßt! Wollte man alles, was
in der sichtbaren Welt ist, als Stoff bezeichnen, so wüßte man am Ende keinen
einzelnen Namen für Kombinationen von dichten und feinen, starren und
beweglichen Massen.
[Lg.01_013,33] Stoff ist also höchstens der
große Äther-Raum außer dem Bereiche der Erd-Atmosphäre, wo alle Ingredienzen
aufgelöst beisammen sind, die zu allen andern Kombinationen, zur Erschaffung
der Weltkörper und ihrer sie umgebenden Luftarten gehören.
[Lg.01_013,34]
Nur dort ist Stoff, das heißt die große Vorratskammer zum Weltenbau; aber
in, auf und um die Erde ist der Stoff nicht mehr Stoff, sondern da sind schon, je nach
dem Zweck, gebundene zusammengefügte Elemente, die dann den andern
höherstehenden Potenzen, als Leben, Bewegung oder Kraft, ausgesetzt, zu
Veränderungen, Formwechsel gezwungen, wieder in andere Gestalten sich
verwandelnd, als etwas anderes auftreten, in einer neuen Form, nachdem in ihrer
früheren ihr Wirken aufgehört hat.
[Lg.01_013,35]
Hier, auf dieser Erde, ist der Stoff schon so gebunden, daß ein Trennen in
seine primitiven Formen nicht mehr möglich ist, da seine einzelnen Bestandteile
so eng verbunden sind, daß sie nur in dieser engsten Verschmelzung ein anderes
Ganzes ausmachen und jeder künstlichen Scheidung sich widersetzen; da glauben
dann die Herren Gelehrten, Gesetze oder sogenannte Naturgesetze entdeckt zu haben, weil ihnen das nicht gelingt, was
eine höhere Potenz, der über alles waltende Geist, mit Leichtigkeit ausführt.
[Lg.01_013,36]
Die Naturforscher und Gelehrten, welche natürlich nur da etwas sehen, wo die
Natur ihre Prozesse mit groben oder großen Mitteln bewirkt; diese Herren
begreifen nicht, daß trotz ihres Leugnens es doch Etwas gibt, das höher steht
als ihre chemischen Analysen, ihre Mikroskope und Fernrohre, ihre Baro-,
Elektro-, Thermo-, Anemo- u. a. Meter usw.; das, was sie beobachten, sind
lauter grobe Prozesse in den Retorten und Destillier-Apparaten. Sie sehen wohl
darin eine große Konsequenz, begreifen sie aber nicht. Und da sie keinen Herrn
und Gesetzgeber annehmen wollen, so legen sie diesen Stoffen die Intelligenz
bei und sagen: sie folgen nur dieser
oder jener Impulsion, wie sie selbst der
eigenen, materialistischen, das heißt der des Irrwahns, als wüßten oder sähen
sie wirklich etwas.
[Lg.01_013,37]
Das, was ihnen in der Natur ein Rätsel ist und auch an ihrem eigenen Körper
eine von ihnen nie zu erklärende Frage sein und bleiben wird, wie nämlich
Materie und Geistiges zusammenhängen, oder wie die Gehirnmasse, gewiß etwas
Materiell-Sichtbares, nur Geistiges hervorbringt, oder wie der Stoffwechsel in ihrem eigenen Leibe
vor sich geht, daß sie sich eines gesunden Lebens erfreuen können; dieses, das
heißt den Geist, wollen sie nicht finden!
[Lg.01_013,38]
Diese Herren die in der Natur keinen Herrn,
keine höhere Potenz anerkennen wollen, und doch in ihrem Körper selbst
tagtäglich, ja stündlich sehen können, wie der Geist über die Materie zu
gebieten imstande ist , diese Herren nehmen in
der Natur ein Gesetz an, das Kraft und Stoff zu dem bildet, was sie vor sich
sichtbar sehen und unsichtbar fühlen; in ihrem Körper aber, wo doch das
nämliche vorgeht, da wollen sie kein Naturgesetz anerkennen, sondern da wollen
sie allein Selbstherrscher sein.
[Lg.01_013,39] Wie schwach und einseitig seid ihr doch, ihr armen Blinden! Diese Stimme tönt aus lebenden und auch aus anscheinlich
toten Gegenständen der sichtbaren Natur euch entgegen, überall ruft sie euch
zu:
[Lg.01_013,40]
Wir sind! aber nicht aus Zufall oder nach euren Gesetzen zusammengekettet, sondern wir
sind aus und durch höhere Macht zusammengeformt, ziehen uns gegenseitig an und
stoßen uns ab, je nach der Individualität des Einzelnen; und das alles nur
darum, um euch Ungläubigen einen angenehmen Aufenthalt auf dieser Erde zu
verschaffen, und auch, wenn ihr es gleich nicht hören wollt, eurem
Weisheitsdünkel stets zuzurufen:
[Lg.01_013,41]
Wir sind! Aber wir sind nicht Kraft, nicht Stoff wie ihr Blinden glaubt , wir sind Geist, das heißt gebundenes Geistiges, gelöstes Geistiges,
Geistiges in Formen schaffend, und wieder dessen Formen zerstörend, um aus all
diesem Kampf am Ende vergeistigt hervorzugehen, und euch zu zeigen, daß in der
ganzen Natur alles Geist ist, und euch nur der Geist der Auffassung dazu fehlt,
und ihr euch trotz Offenbarung der sicht- und unsichtbaren Natur doch nicht zu
dem Bekenntnis bequemen wollt: Ja, jetzt sehen wir ein, daß wir nichts wissen!
Wann dieser Ruf in eurem Herzen und Kopfe zutage bricht, dann habt ihr den
ersten Schritt getan zu dem größten Ziele, das euch eben dieser große Geist
gesteckt hat, Der euch mit so viel Langmut und Gnade behandelt, und alles
Mögliche aufbietet, euch zu beweisen, daß Er ein Geist nichts Stoffliches,
sondern nur Geistiges schaffen kann!
[Lg.01_013,42]
Nun, jetzt also, da Ich euch so ziemlich den Unsinn aller materialistischen
Lehrgebäude gezeigt, treten wir auf unser Feld über, und wollen allen (gut
gewillten) Nicht-Glaubenden beweisen, daß weder Kraft noch Stoff sind, sondern daß es nur
Geist, Geister, und Einen geistigen höchsten Schöpfer gibt!
Amen.
23. Februar 1871
[Lg.01_013,43]
Gestern also haben wir behauptet, daß nur Geist der Hauptbestandteil und der
Haupt-Träger des ganzen Universums ist; jetzt müssen wir das, was wir gestern
behauptet, heute auch beweisen.
[Lg.01_013,44]
Nun seht, die erste Frage, die hier auftaucht, ist eigentlich wohl diese: Was
ist eigentlich Geist, und aus was besteht denn dieser?
[Lg.01_013,45]
Um diese Frage zu beantworten, wird es wohl etwas schwer gehen, jedoch
versuchen wir es, euch solches durch ein Beispiel klarzumachen, damit ihr Geist von Kraftäußerung wohl unterscheiden
könnt!
[Lg.01_013,46]
Sehet nun zum Beispiel: Jemand will eine gewisse Arbeit beginnen, die nach
seinen Begriffen, logisch angefangen und konsequent fortgesetzt, ein gewisses
Resultat hervorbringen soll. Nun, um dieses zu bewerkstelligen, wird er vorher
eine Idee fassen, dann diese überdenken und überlegen, dann den ganzen Gang der
Ausführung vom Anfang bis zum Ende im Geiste durchgehen, ferner, nachdem alles
genau überdacht und erwogen wurde, die dazu nötigen Mittel und Materialien
herbeischaffen, und diese unter steter Einwirkung der erstgefaßten Idee so
verarbeiten, vermischen und verbinden, bis das geschaffte Resultat endlich
herauskommt.
[Lg.01_013,47] Nun,
wenn ihr diesen Prozeß so ganz klar euch vorstellen wollt, so seht ihr, daß die
geistige Idee oder lebendig wirkende Potenz, die alle Fähigkeiten in sich
trägt, alles aus allem zu machen, was sie will, und die ihr auch Leben, nämlich
innerstes Leben nennen könnt, diese Potenz (Macht-Wille) ist; also der Träger,
Förderer und Schaffer der ganzen durch sie gestellten Aufgabe. Alles, was diese
Potenz zu ihrem Zwecke verwenden will, muß sie erst mit ihrer eigenen Kraft
durchdringen, damit sich unter der Einwirkung dieser Kraft nach und nach das
Ganze zu einem einheitlichen Bau zusammenfügt, und sodann die erstgefaßte Idee
in Wirklichkeit ausdrückt.
[Lg.01_013,48]
Dieses Vergeistigen der Materie oder Verwendung der Materie zu einer Handlung,
dieses Erwecken der in der Materie ruhenden Geistes-Elemente zu
gemeinschaftlicher Wirkung, ist nun das eigentliche Leben oder das Triebrad der
ganzen Maschine; diese bewegende, über allen ponderablen (wägbaren) und
imponderablen Elementen stehende Lebens-Kraft ist also eigentlich der Geist, der dann nach allen
seinen Abstufungen bis zu Mir, als Einzigem Schaffer und Herr des Geschaffenen,
alles in sich schließt, was diese Potenz in höchster Instanz sein kann.
[Lg.01_013,49]
Nachdem nun aber diese Potenz natürlich auch insoweit folgerecht eingerichtet
sein muß, daß auch sie folgerecht oder konsequent etwas schaffen kann, welche
Konsequenz ihr als Natur-Gesetz erkennt, so ist auch natürlich, daß, wenn etwas
konsequent zum Bestehen erschaffen wurde, dasjenige Urprinzip (Grundursache),
welches die Erschaffung veranlaßte, nicht dessen Zerstörung, sondern seine
Erhaltung will; somit muß auch diese geistige Potenz ein Wohlgefallen an dem Geschaffenen
haben, was nichts anderes als Zuneigung ist; und was ist Zuneigung anderes als die Liebe? gleich wie die Abneigung oder der Reiz zur Zerstörung
des Geschaffenen als Haß bezeichnet werden müßte.
[Lg.01_013,50]
Mithin ist der Urgeist oder die höchste Potenz ebendeswegen, weil Er
schaffendes, wirkendes Prinzip, weil Er unvergängliches Leben ist, auch die
Liebe, oder mit andern Worten gesagt:
[Lg.01_013,51]
Die höchste Potenz Gott ist die Liebe!
[Lg.01_013,52]
Wo Liebe, da ist keine Zerstörung, kein Haß möglich!
[Lg.01_013,53]
Nun, wenn der Geist in Meiner Person, als ewiges, selbständiges Ich die
Haupteigenschaft Liebe als Grundprinzip haben muß, so ist es natürlich, daß Ich
auch alle andern Eigenschaften besitzen muß, die der Liebe angehören, die nicht
ohne sie, und ohne welche die Liebe nicht bestehen kann.
[Lg.01_013,54]
Diese Eigenschaften sind: die Sanftmut, die Geduld, die Beharrlichkeit
(Konsequenz oder auch Treue), die Demut; und nachdem alle geschaffenen Dinge
Meine Produkte, gleichsam Meine Kinder sind, so ist in denselben auch die
väterliche Liebe im höchsten Grade ausgedrückt.
[Lg.01_013,55]
Nun sehet, um etwas zu erschaffen, so muß doch der Schöpfer etwas von Seinem
Ich in das Geschaffene hineinlegen, damit dasselbe ihm ähnlich, seinem Schöpfer
würdig sei!
[Lg.01_013,56]
Um also das Universum mit all seinen Welten und Sonnen, mit ihrem Pflanzen-,
Stein- und Tierreich ins Leben zu rufen, so mußte Ich doch jedem dieser Teile
eine gewisse Quantität Meines Ichs beigeben, damit allen Dingen des Universums
ein stufenartiges Emporringen, und ein Drängen in Mich wieder zurückzukehren, eingeboren ist; dadurch daß das Gleiche
doch stets zum Gleichen den Zug der Annäherung fühlt, ward also in allem
Geschaffenen ein geistiger Teil, wie ihr es begreifen und verstehen könnt,
verdichtet, oder wurden mehrere kleine Parzellen (Teilchen) in ein größeres
Volumen (Form) zusammengedrängt, daß, gemäß der verwandten Eigenschaft der
Geisterteilchen selbst, dann diese mehr oder minder dicht aneinanderhaften und
so einen Körper ausmachen.
[Lg.01_013,57]
Auf diese Art entstand also alles, was ihr Materie nennt, sei es in leicht
auflöslichen, flüchtigen oder festen Elementen bis zum härtesten Stein, diesen
mit eingerechnet.
[Lg.01_013,58]
Überall ist und war der Hauptbestandteil Geist, der in verschiedenen
Verbindungen mit seinesgleichen oder andern, größere oder kleinere, mehr oder
weniger dichte Massen hervorgebracht hat.
[Lg.01_013,59]
Ein sprechendes Beispiel habt ihr im Wasser, welches als bewegliches, leichtes
Element leicht in der Wärme sich in Luft verwandelt; aber umgekehrt, sobald ein
gewisser Grad Wärme aus seinen Teilen oder einzelnen Atomen entweicht, zum
starren, festen Eisklumpen wird.
[Lg.01_013,60]
Nur ist hier der Unterschied, daß das Wasser zu Eis wird wegen Mangels an Wärme
oder an Liebe der einzelnen Teile zueinander, während in der ganzen
geschaffenen Welt gerade die Liebe alles vereint; da die Liebe alles zwingt,
sich gegenseitig anzuziehen, und auch eben durch diesen Drang, sich gegenseitig
so nah als möglich zu vereinigen, den andern wichtigen Lebensfaktor aus der
Liebe hervorruft, nämlich die Wärme, die auch wegen ihrer unzertrennlichen
Gemeinschaft mit ihr gleichbedeutend mit der Liebe ist.
[Lg.01_013,61]
Wo nun die Liebe die gleichgesinnten Geistteilchen zusammengeführt hat, da
entsteht wonniges Drängen oder Wärme; wo Wärme sich entwickelt, da beginnt ein
allmähliches Freiwerden, ein Streben nach besserer Lage, schöneren, erhabeneren
Verbindungen; es entsteht mit einem Worte der andere sichtbare Faktor, das
Leben.
[Lg.01_013,62]
Wo keine Liebe ist keine Wärme, und wo
keine Wärme kein Leben!
[Lg.01_013,63]
Dieses Leben als Produkt aus Wärme und Liebe, oder Produkt aus dem
Aneinanderreiben der Bewegung der einzelnen gebundenen Geisterteilchen, bringt
wieder einen andern Faktor der Schöpfung hervor, nämlich wo Wärme, ist Reibung,
wo Reibung, entwickelt sich im gesteigerten Falle Hitze, und wo Hitze sich
steigert, entsteht das Verzehren oder Freiwerden der Geisterteilchen in andere
Formen, in höhere, leichtere, welches freudige Freiwerden sie durch heftige
Schwingungen oder Erzittern kundgeben, und dieses Kundgeben heißt dann endlich
Licht!
[Lg.01_013,64]
Also: wo Liebe, ist Wärme, wo Wärme Leben, wo Leben Licht!
[Lg.01_013,65]
Nun haben wir diese drei Hauptmomente beisammen, die zu einer Schöpfung
gehören, welche diese erschaffen und bestehen machen helfen, und ohne welche
nichts existiert; denn in allem Geschaffenen ist immer ein oder der andere
Faktor vorherrschend, und wo alle diese drei Lebens-Träger aufhören, da ist
kein Schaffen, kein Leben, keine Wärme, sondern Tod, Kälte und Zerstörung oder
Auflösung, damit diese aufgelösten Teile wieder in den Kreislauf des Lebenden
zurückkehren können.
[Lg.01_013,66]
Nun sehet, Kraft ist also nichts anderes als der geistige Drang, aus dem
Bestehenden Neues zu schaffen; dieses Bestreben, in der Wirklichkeit sich
äußernd, erkennen eure Naturforscher als Naturgesetze an.
[Lg.01_013,67] Stoff ist nichts anderes als
gefestetes Geistiges, das, wie ihr hier auf Erden seht, schon längst seine
primitiven Formen verloren hat, in festeren, gröberen Bestandteilen sichtbar
nicht mehr Stoff, sondern Materie ist, welche eben unter gegenseitiger
Einwirkung des Mächtigen auf das Schwächere, des Größeren auf das Kleinere,
deren Zersetzung und Veränderung bedingt, um die dort eingeschlossenen Geister
frei zu machen und ihnen den Weg zu höheren Stufen anzubahnen.
[Lg.01_013,68]
Dieses Zersetzen oder Einwirken des einen auf das andere gibt sich euren Augen
als Leben kund, als das große Naturgesetz Werden und Vergehen!, wo das eine sich
auflösend das andere ergänzen muß, um so die große Stufenleiter und den Rückweg
zu Mir anbahnen zu können.
[Lg.01_013,69]
Wo also eure Gelehrte nur Naturgesetze wittern, die unbekümmert um ihre Ideen
nur Meinem Willen folgen, ebendort lebt und entwickelt sich kein anderes, als
geistiges Leben, ein Leben, das über alles Greifbare hinaus weit höher steht,
als die Ideen und Begriffe eurer Gelehrten sich schwingen können.
[Lg.01_013,70]
Und ebendeswegen, weil das Geistige sich nicht ihrem Willen unterwirft und kein
Gemeingut für sie allein werden will, so haben sie beschlossen, am besten daran
zu tun, es ganz wegzuleugnen.
[Lg.01_013,71]
Für sie existiert kein Gott, kein Gesetzgeber, obwohl sie Gesetze in der Natur
annehmen; für sie ist es der Stoff, der sich die Gesetze selbst macht, also ein
intelligenter Stoff?!
[Lg.01_013,72]
Für sie sind die Gesetze nur ein gewisses Muß. Nach ihren Begriffen löst sich alles im Universum auf
in stoffliche Elemente und beginnt von dort wieder seinen maschinenmäßigen
Kreislauf, für sie gibt es keine Verbesserung, sondern ein ewiges Beim-Alten-Bleiben.
[Lg.01_013,73]
Wenn sie sich zufriedenstellen, nach ihrer Auflösung selbst ein Stück Sauer-, Kohlen- oder Stick-Stoff, oder sonst ein anderes wäg- oder unwägbares Element zu werden, so habe Ich
nichts dagegen; Ich kann ihnen sogar diesen Wunsch erfüllen und sie als ein
Quantum von Luftart einige Millionen Jahre in der Atmosphäre eines Planeten
herumschwimmen lassen; es wird dann doch die Zeit kommen, wo auch dieser
geträumte Zustand dem sich äußernden Bewußtsein lästig werden wird, aber nur
wird dann von einem Teile Luft bis zu einer Menschenseele der Weg etwas langsam
und schwierig sein!
[Lg.01_013,74]
Bis jetzt lasse Ich sie als freie Menschen machen, was sie wollen. Es ist ja
schon bei den meisten der Fall gewesen, daß wenn diese so kaltblütig gerühmte
Auflösung aller Dinge auch an sie herantritt in Form des Todes, sie dann selbst
alles Geschriebene widerrufen möchten, wenn es nur möglich wäre, und sie dann
selbst zurückschaudern vor dem trostlosen Bild, das sie sich von der Welt
gemacht haben und auch andere haben glauben machen wollen.
[Lg.01_013,75]
Wäre nicht Meine unbegrenzte Liebe und Mein Erbarmen mit diesen verirrten
Kindern, Ich müßte wohl anders verfahren mit ihnen; so aber mache Ich es wie
ein Sehender, der auch dem Blinden verzeiht, wenn dieser an ihn stößt oder ihn
gar umwirft; denn der Blinde weiß ja nicht, was er getan hat.
[Lg.01_013,76]
Geist ist überall, und mögen es eure Philosophen und Gelehrten wegleugnen,
soviel und sooft sie wollen, ohne Geist wäre keine Schöpfung, prangte keine
Sonne am Himmel, und wäre kein Leben!
[Lg.01_013,77]
Der Geist und das geistige Element ist es ja nur, was Leben verschafft, was dem
Starren schönen Impuls aufdrückt, was der totscheinenden, gefühllosen Materie Leben gibt, und alles zum
Jubelgesang für den höchsten, größten Geist, als personifizierte Liebe, zu Mir
empordrängt.
[Lg.01_013,78]
Ohne Geist wäre keine Liebe, und was wäre das Leben ohne Liebe!? ein Chaos, eine kalte Natur, nichts Erwärmendes, nichts
Tröstendes, nichts Heiligendes!
[Lg.01_013,79]
Selbst in eurem menschlich irdischen Leben, was ist das Leben ohne Liebe? Wo
gibt es ein Gefühl, das der Liebe gliche? Was macht auch die Natur schön und
erhaben? Was erweckt auch in der Musik zu erhabenen Gefühlen? Was begeistert,
erwärmt das arme, leidende, duldende Herz?
[Lg.01_013,80]
Es ist der Strahl der Liebe, der durch die materielle Natur euch anweht, der
die geistigen unsichtbaren Sphären durchzieht, euch bewegt, euch drängt zu
einer Umarmung, zu einem Annähern an eine andere Persönlichkeit, wo ihr wieder
das Pochen eines Herzens vernehmt, das wie das eurige für das Schöne und
Heilige schlägt.
[Lg.01_013,81]
Was wäre die ganze Sichtbarkeit, durchzöge dieses geistige Band nicht alle
lebenden Wesen, und was würde Mich mit euch verbinden, euch zu Mir und Mich zu
euch ziehen, wäre es nicht die Liebe?
[Lg.01_013,82]
Dieses heilige, selige Gefühl, das von den sinnlichen Grenzen eurer Natur noch
weit hinausreicht über alle Sterne, bis dorthin, wo in ewiger Seligkeit und
Ruhe Derjenige harrt, Der euch dieses Geschenk als Sein eigenstes Ich gegeben
hat und es euch fühlen lassen will, daß ohne die Liebe die Welt umsonst
geschaffen wäre!
[Lg.01_013,83]
Betrachtet diese Welt als nichts anderes, denn als ein geistiges Panorama, wo
die Geister in tausenderlei Formen verbunden stets nur das nämliche darstellen
und euch zurufen; so der Lichtstrahl einer von euch Millionen und Millionen
Meilen entfernten Sonne, wie der Wurm, der zu euren Füßen kriecht; alle stimmen
in das nämliche Loblied ein: Gott ist die Liebe!
[Lg.01_013,84]
Ja, Ich bin die Liebe, Ich bin der Geist, Der alles liebend erschuf, Der alles liebend erhält.
[Lg.01_013,85]
Ich bin der Gott, Der zu euch einst auf diesen kleinen Erdball herabstieg, um
Mein größtes Liebe- und Demut-Werk zu vollbringen.
[Lg.01_013,86]
Ja, Ich bin der Gott, Der als Geist oder höchste Potenz nicht allein in der
Schöpfung dastehen will.
[Lg.01_013,87]
Ich bin der Gott, Der Vater sein und liebende Kinder um Sich sehen will, die
Seine Macht zwar ahnen können, aber Ihn nur lieben sollen!
[Lg.01_013,88]
Dieses sind die Gründe, warum Ich jetzt nicht nachlasse, es euch immer und
immer ins Gedächtnis zu rufen:
[Lg.01_013,89]
Vergesset nicht euren Ursprung! Ihr seid Meine Geschöpfe, seid geistige
Produkte! Trachtet durch eure Handlungen, Mir würdig, Meine Kinder zu werden!
[Lg.01_013,90]
Deswegen rufen alle Himmel und alle Tiefen Meiner Schöpfung euch zu, damit ihr
überall den nämlichen Ruf vernehmen sollt:
[Lg.01_013,91] Liebet Gott über alles, denn Er ist die Liebe! Er hat uns
für Liebe und nur für Liebe erschaffen! Trachtet Seiner würdig zu werden, damit
Seine Worte an euch nicht umsonst verschwendet wurden!
[Lg.01_013,92]
So heißt es überall. Erwecket in euren Herzen die nämlichen Gefühle, und
erfreut euren Vater mit eurer Liebe, und beweiset Ihm dieselbe an euren
Nächsten: dieses wünscht euer Vater! Amen!
14. Kapitel Des Menschen Würde.
22. Oktober 1872
[Lg.01_014,01]
Nun, über diesen Gegenstand, was eigentlich des Menschen Würde heißt oder bedeuten soll, da herrschen ebenso viele
Ansichten, als es gebildete oder erzogene Menschen gibt; denn die wilden Völker
und die rohen verwahrlosten Menschen haben ja so keine Idee, was der Name
Mensch bedeuten soll, und wie sie sich dessen würdig machen könnten.
[Lg.01_014,02]
Nur wo der Mensch sittlich, moralisch erzogen und gebildet ist, nur da kann man
annehmen, daß eine Idee von der eigentlichen Würde des Menschen zu finden sei,
welche jedoch eben wieder gemäß der Erziehung, des Lebensberufes, verschieden
sein muß.
[Lg.01_014,03]
Alle diese gangbaren und vorherrschenden Ideen über den Begriff Würde des Menschen aber sind nicht der
Grund, warum Ich dieses Wort erklären will und warum euch sagen, in was denn
eigentlich die Würde des Menschen besteht, sondern Ich will euch nur dazu
verhelfen, eben Meine Lehre mit dem praktischen Leben zu verbinden, und so auf
diese Art würdig zu werden, als ein Wesen zwischen zwei Welten gestellt,
geistig und seelisch zugleich dem großen Schöpfungs-Gedanken eures himmlischen
Vaters zu entsprechen; denn auch ihr habt, obwohl schon vieles von Mir
empfangen, doch noch nicht die rechte Idee, was eigentlich Würde des Menschen heißen will, da ihr eben
nur zu sehr an andern seht, wie sie diesen Titel für sich wohl beanspruchen,
aber auch gemäß ihren Begierden und Leidenschaften ihn zu wenden und zu
erklären suchen, um nach ihren Begierden ein jeder in seiner Art ein würdiger
Mensch zu sein!
[Lg.01_014,04]
Um nun die Würde des Menschen besser zu begreifen und das Folgende leichter zu
fassen, so wollen wir wieder mit dem Begriff des Wortes beginnen, es aus der
Wurzel seines Entstehens herleiten und sodann den eigentlichen Begriff und Wert
desselben feststellen, wie es bei euch Gebrauch sein sollte, und wie Ich es Mir
vorstelle.
[Lg.01_014,05]
Sehet, das Wort Würde kommt von Werden her, und das Wort Werden ist eigentlich ein Wort aus dem Schöpfungsgedanken,
welcher als Grundlage Meines Wesens der ganzen sichtbaren Welt gegeben wurde;
denn ohne das Werden wäre keine Sonne, kein Planet, kein großes Welten-, kein
großes Geisterreich, da Ich nur durch den Ausspruch Es werde! die ganze Unendlichkeit
belebte, belebte zur Seligkeit der erschaffenen Wesen, und zur Seligkeit Meines
eigenen Ich, das die personifizierte Liebe ist, welcher Ausdruck Liebe aber nur heißen will alles für andere tun und schaffen, und an dem Verstehen
und Vervollkommnen anderer seine eigene Seligkeit, seine eigene Wonne finden.
[Lg.01_014,06]
Mit dem Ausspruch Es werde! war aber auch das Gesetz und der Weg gegeben, was ein
jedes Geistes- oder Seelenprodukt sein soll, oder zu welchem Grade der
Vervollkommnung es bestimmt war, wo natürlich die in die materielle Welt
gebundenen, gefesteten Geister einen andern Weg zu gehen hatten, als die
freigestellten sich selbst bewußten Geisterheere Meiner unendlichen
Geisterwelt.
[Lg.01_014,07]
Nun, mit dem Werde entstand natürlich auch die Frage, ob besonders die
freigestellten, sich selbst überlassenen Geister auch das geworden sind, was
sie werden sollten, das heißt, ob sie wurden, was Ich mit ihnen bezweckte.
[Lg.01_014,08]
Durch das Wort Wurde entstand ein Zustand, welcher, wenn er Meinen Absichten
entsprach, dem Titel Würde oder würdig entsprach, ebenso wie bei euch auf der Welt ihr
demjenigen eine Würde verleihet, oder ihn würdig heißet, welcher diese Stellung oder durch seine
Eigenschaften als geistiger Mensch das Prädikat würdig verdient hatte.
[Lg.01_014,09]
Was also ihr als Würde bezeichnet, drückt eigentlich aus, daß dieser Mensch,
der eine Würde bekleidet oder würdig genannt zu werden verdient, jene
Eigenschaften innehat, welche den Menschen als geistiges Wesen adeln ihn zu etwas Besserem stempeln sollten, als was die
übrige Anzahl seiner Mitbrüder erreichen konnte!
[Lg.01_014,10]
Diese Idee von Würde, die ihr im allgemeinen habt, eben diese Idee nur in
anderm Maßstabe, habe auch Ich in bezug auf die von Mir geschaffenen Geschöpfe.
[Lg.01_014,11]
Als Ich auf eurer Erde den ersten Menschen erschuf, setzte Ich ihn ein, wie ihr
einen höher gestellten Beamten mit einer Würde bekleidet, indem Ich ihm die
Macht einräumte, über vieles zu gebieten, erhabener zu sein als alles andere
geschaffene Geschöpf auf Erden. Ich verlieh ihm mittels seiner geistigen
Eigenschaften als Abkömmling von Mir Vollmachten, das zu sein, zu was Ich ihn
nämlich machen wollte, das heißt Herr der Erde zu werden! So sollte er seine Fakultäten (Fähigkeiten) ausbeuten,
zum Besten seiner selbst, und zum Wohle aller ihn umgebenden Welt.
[Lg.01_014,12]
Damit er aber auch seine eigene Würde erst in dem Sinne begreifen möge, wie Ich
sie verstanden haben möchte, so ließ Ich ihn frei, ließ ihn alle in ihn
gelegten Triebe benützen, zum Guten oder Bösen, damit er erst dadurch erkennen
möge, daß die ihm von Mir übergebene Würde nur darin besteht, wenn er nicht als
Maschine sondern als freies, selbsthandelndes Wesen seine Eigenschaften, Triebe
und Begierden zu regeln weiß, und daß er nur in der Beherrschung seiner
Leidenschaften die geistige Würde erlangen kann, wozu Ich ihm alle Mittel gegeben
habe, sie zu erreichen und ein würdiges Mittelglied zwischen der gebundenen und
der ganz freien Geisterwelt zu sein.
[Lg.01_014,13]
Ich rief ihm das Werde! zu, und er ward oder wurde was? das könnt ihr jetzt
überall sehen; leider nicht das, zu was Ich ihn berufen habe, sondern statt
Freiherr ist er Sklave seiner Leidenschaften geworden, und hat so ganz
entgegengesetzt seiner Bestimmung sich und die ihn umgebende Natur entwürdigt,
mißbraucht; und daher kommen auch alle Mißstände, welche in geistiger und
materieller Hinsicht den Menschen jetzt verfolgen mit Übeln und Leiden aller
Art, weil er entgegengesetzt seiner hohen Bestimmung, statt sich Meiner würdig
zu machen, sich vom Wege des Rechtes entfernt hat, unwürdig geworden ist, ein Mensch zu heißen, welchen Ich
einst, ihm Meinen geistigen Odem einhauchend, zu einem Kinde Meines großen
Geisterreiches stempeln wollte, welches große Geisterreich er jetzt erst auf
großen Umwegen, und mit aller Art von Übeln und Leiden kämpfend, erreichen
kann.
[Lg.01_014,14]
Nachdem nun die Menschen mit ihrer vermeintlichen Wissenschaft und
Gelehrsamkeit so weit gekommen sind, sich dieses Wort Würde des Menschen so bequem als möglich zu
machen, nachdem der Egoismus als Gegenpol Meiner Liebe und der Liebe überhaupt
das Hauptsteckenpferd der jetzt lebenden Menschheit geworden ist, nachdem aber
auch eben durch dieses tolle Treiben das Maß der Verirrungen auf eurer Seite
und das Maß Meiner Geduld ebenfalls zu Ende zu gehen anfängt, so ist eben
dieses Wort wieder euch gegeben, um noch vor dem allgemeinen Verfall so manchen
zu retten, damit er nicht ganz seine Würde seinen einzigen Anteil
an der geistigen Welt verlieren möge!
[Lg.01_014,15]
Wohl ist dieses und alle Meine Worte, die Ich bis jetzt euch durch Meine
Schreiber zukommen ließ, nur für wenige erst zugänglich; aber Geduld, die
Mißzustände des menschlichen Lebens werden bald noch manchen in euer Lager
führen, so daß er endlich, nachdem er alles vergeblich versucht hat, bei euch
einkehren und euch bitten wird mit den Worten:
[Lg.01_014,16] Freunde und Brüder! Habt ihr keinen Trost, kein Labsal
für meine wundgepeitschte Seele, ich fühle es, ich habe die Würde des Menschen
verloren, ich habe sie mit Füßen getreten, und jetzt, wo ich Trost und Ruhe von
all den Hirngespinsten verlange, die man mir als Weisheit, als religiöse Dogmen
angerühmt hat, jetzt erweisen sie sich alle als unzugänglich, als nicht
stichhaltig. Wie ein Nebelgebilde zerfließt aller Traum eines rationellen,
vernunftmäßigen Scheinwissens; gebet mir die Würde des geistigen Menschen
zurück, daß ich mich fühle als Mensch, als geistiges Wesen, welches einst rein
aus der Hand eines liebenden Schöpfers hervorgegangen, jetzt wieder Seiner
würdig zu Ihm zurückkehren möchte!
[Lg.01_014,17]
Dann, Meine Kinder, dann sind es die Worte, welche Ich unter Heutigem euch
gebe, welche dem Dürstenden Labsal und Trost bringen und ihn zu dem Rufe mit
dem Blick nach oben zwingen werden: Was bin ich, o Herr, daß
Du meiner gedenkest?
[Lg.01_014,18]
Das ist der Zweck, euch und allen Suchenden die Würde des Menschen wieder mit klaren, hell
leuchtenden Zügen darzustellen, damit der Suchende, der Fehlende, der
Zweifelnde erkennen möge, wie weit er von ihr abgekommen ist, und wo die Mittel
der Wiedergewinnung sind, um das verlorene Paradies wiederzufinden.
[Lg.01_014,19]
Denn wisset, wie Adam Meinem Befehle entgegen gehandelt hatte, verlor er sein
Paradies, das heißt, er verlor das Bewußtsein seiner geistigen Würde, und eben
dieser Verlust stürzte seine Nachkommen bis auf den heutigen Tag in den
Wirrwarr von falschen Ideen, Begriffen, Lebens- und Weltansichten, welche alle
nichts anders sind als das ewige Streben nach Wiedererlangung einer geistigen
Würde, welche den Menschen weit über alles Materielle, über alles Sinnliche
erhebt, ihn über Trümmer der Verheerung und Unglücksfälle mit einer Zuversicht
nach einer andern Welt blicken läßt, wo alle diese Kalamitäten, welche am Ende
doch nur das leibliche Wohl der Menschen angehen, als Null entschwinden, und
ihre Zulassung klar und einfach eingesehen wird als Mittel zu dem Zwecke, den
ins Materielle versunkenen Menschen wieder zum geistigen Weltbürger zu erheben,
zu welchem Ich ihn einst geschaffen habe, und welches er auch wieder werden
muß, wenn er gleich noch so viele Seitensprünge macht; es ist nur die Zeit
verschieden, aber das Endziel bleibt sich gleich. Was Ich hergegeben habe, muß
zu Mir wieder zurückkehren, denn es war Mein und muß es wieder werden!
[Lg.01_014,20]
Nun, nachdem Ich euch mit wenigen Worten gezeigt habe, was Würde ist, wie sie von Mir
euch gegeben, und wie sie von euch Menschen mißbraucht wurde, jetzt muß Ich
euch auch beweisen und streng mit Worten festen Abschlusses vor die Augen
stellen, was eigentlich Würde des Menschen nach Meiner Idee heißt, damit auch
ihr einen klaren Begriff bekommt von dem, was Ich euch gab und was Ich von euch
auch wiederbegehren kann, damit ihr Meinen Wünschen entsprechen mögt.
[Lg.01_014,21]
Nun sehet, Meine Kinder! Die menschliche Würde ist eigentlich nichts anderes,
als das fortwährende Handeln, Denken und Wollen nach Meinen Liebesgesetzen!
[Lg.01_014,22]
Ich, der Ausdruck der Liebe, habe euch aus Liebe erschaffen, ihr also
Erschaffene müßt eben diesem Schöpfer, der den Funken der Liebe in euch legte,
gleich zu werden trachten, soviel es in eurer Macht steht.
[Lg.01_014,23]
Dies ist der eigentliche Grundbegriff der Liebe, von der Würde des Menschen,
welcher, seine Leidenschaften des Zornes, des Hasses oder der Rache bezähmend,
nur alles aus Liebe, nur alles für andere tut, leidet und fühlt.
[Lg.01_014,24]
So wird der materielle, körperliche Mensch mit seinen menschlichen Bedürfnissen
durch die höhere Glut einer göttlichen Liebe geheiligt, vergeistigt, seiner
eigentlichen Abstammung mehr würdig, und eher fähig, Seinen Schöpfer zu
verstehen und sich Ihm zu nähern!
[Lg.01_014,25]
Die Würde des Menschen besteht also nur in der Unterjochung alles Unedlen, sei
es in Gedanken, Wort oder Tat! So ist der Mensch allein
nur erhaben über das Tier, das doch so manche Eigenschaften mit dem Menschen gemein
hat; allein eben diese Eigenschaften zu edleren Zwecken zu benützen, auch das
gemeinste sinnliche Begehren geistig zu verschönern, ihm einen edleren Anstrich
zu geben, ihm höhere Beweggründe zu unterlegen, das adelt den Menschen, das
gibt ihm seine angestammte Würde wieder, wodurch er ein Bürger eines
Geisterreiches wird, welches einst sein bleibender Aufenthalt sein wird.
[Lg.01_014,26]
Den Menschen adelt nicht das konventionelle Halten der Anstandsregeln und der
staatlichen Gesetze. Nein! Den Menschen adelt sein eigenes Gewissen, wenn er
das Bewußtsein hat, alles nur aus den edelsten, erhabensten Beweggründen getan
zu haben, alles gewirkt zu haben aus Liebe, aus Liebe zu seinem Schöpfer, aus
Liebe zu seinen Mitgeschaffenen.
[Lg.01_014,27]
Nicht die Tat stempelt den Wert, sondern das Warum solche Tat geschehen ist! Die
Tat sieht wohl der Mensch, den Beweggrund kennen aber nur zwei Ich und der Handelnde, wo Ich bei ihm sein lohnendes
oder strafendes Gewissen repräsentiere.
[Lg.01_014,28]
Was sind denn Gewissensbisse anderes als die Unruhe, seiner geistigen Würde
zuwidergehandelt zu haben? Daher, so oft ihr etwas unternehmt, so oft Gedanken
euch beschleichen, seid aufmerksam auf sie, damit sie euch nicht entwürdigen;
denn ein jeder trägt sein Lebensbuch in sich, und am Ende seiner Laufbahn wird
er in einem Bilde erschauen können, welche Physiognomie (Gesichtsausdruck) sein
geistiger Mensch beim Scheiden aus dieser Welt erhält; denn der Abglanz des
weltlich gelebten Lebens wird der Ausdruck des seelischen Gewandes sein, wo die
Gesamtzahl aller Gedanken, Wünsche und Begierden den geistigen Menschen so
bezeichnend den andern Geistern darstellen wird, wie er nicht körperlich
geformt, wohl aber geistig sich ausgebildet hat.
[Lg.01_014,29]
Daß natürlich diese Form des würdigsten Menschenbildes bis zur Ungestalt
millionenartige Abstufungen haben muß, versteht sich von selbst. Ein jeder
prägt sich das Gesicht auf, wie er gelebt hat; je mehr seiner Würde gemäß,
desto reiner werden auch die äußeren seelischen Formen das innere Geistige
ausdrücken! Ist ja schon jetzt, obwohl nicht jedem, doch manchem lesbar, welche
Seele oft ein oder der andere Körper verbirgt, wo doch noch so viele
Verstellung im menschlichen Körper möglich ist, was in der andern Welt
wegfällt.
[Lg.01_014,30]
Deswegen sende Ich euch diese Worte und rufe euch zu:
[Lg.01_014,31]
Lebet eurer würdig! Lasset alles Scheinen weg, und zeiget euch auch andern als
Menschen, so wie Ich einst den ersten schuf, als Menschen, welche den Funken
des unsterblichen Geistes in sich tragen, als Menschen, welche gerade durch
alle früheren Vorkommnisse, wie selbst Meine Menschwerdung, zu so großen
Zwecken bestimmt und erschaffen wurden!
[Lg.01_014,32]
Verunglimpfet nicht eure Würde, seid streng gegen eure Gedankenwelt, sie ist
die erste Verführerin, welche euch so leicht über die Brücke des Schicklichen,
über das Edle ins Unedle führt.
[Lg.01_014,33]
Die Würde des Menschen ist ja euer einziges Heiligtum, durch sie werdet ihr
alles, ohne sie versinket ihr zur Tierwelt hinunter, werdet gleich Tieren
materielle Geschöpfe, die nicht eines göttlichen Funkens wert sind, werdet
eigentlich noch mehr (weniger) als Tier; denn wenn das Tier Handlungen begeht,
die für euer Auge grausam und hinterlistig sind, so weiß es solche nicht zu
beurteilen, sie liegen in seiner Natur; aber der Mensch sinkt eben deswegen
unter das Tier hinab, weil er die Fakultät (Fähigkeit) hat, seine Handlungen
und Gedanken zu beurteilen, abzuwägen, und wohl sich bewußt, daß er etwas ganz
anderes tun sollte, doch das Entgegengesetzte vollführt, weil es seiner
sinnlichen, nicht aber seiner göttlichen Natur schmeichelt.
[Lg.01_014,34]
Die Würde des Menschen ist das Palladium, welches heilig gehalten werden
sollte, und in dieser Reinheit liegt die Ruhe und der Trost bei Unglücksfällen
jeder Art; denn dieses Palladium führt zum Vertrauen auf eine leitende
Vaterhand, welche, wenn auch dem Anschein nach strafend, doch nur aus Liebe
bessern will!
[Lg.01_014,35]
Diese Würde des Menschen macht die Menschen zu Engeln, so wie der Verlust
derselben sie zu Teufeln in menschlicher Gestalt umwandelt.
[Lg.01_014,36]
Wenn nicht eben diese so viel mißverstandene Würde eigentlich der Grundpfeiler und
das Grundprinzip zu allen Gedanken und Handlungen wäre, so hätte Ich es euch
nicht näher auseinandergesetzt, damit ihr etwas strenger auf euch selbst
aufmerksam sein sollt und stündlich und täglich erkennen mögt wie oft ihr eben gegen diese Würde in Gedanken, Worten
und Taten fehlt oder sündigt!
[Lg.01_014,37]
Unbemerkt und unbelauscht gehen zwar die unlautern Gedanken an der Mitwelt
vorüber, aber an eurem Seelenmenschen bleiben sie haften. Dort werden einst
andere mit Schrecken lesen, wie so mancher Würdenträger eurer Welt nicht einen
Funken von Menschenwürde mehr besaß, welche Ich ihm als Mein Ebenbild auf seine
Lebensreise mitgegeben habe.
[Lg.01_014,38]
Lasset daher diese Hochgestellten ihre Sache mit sich selbst ausmachen; auch
sie werden in Verhältnisse kommen, wenn nicht in dieser doch gewiß in der
andern Welt, wo mit Grauen und Schrecken Wesen voreinander fliehen werden, die
hier mit Freundschaft aneinander hingen.
[Lg.01_014,39]
Die Enttäuschung wird kommen, wenngleich spät, für die Unwürdigen aber noch
immer zu früh! Bewahret daher eure Gedankenwelt rein! Dort lasset eure
Menschenwürde als reine Flamme der Liebe, der Duldung und der Verehrung
leuchten, und ihr werdet, wenngleich von euren Mitmenschen verkannt, den Himmel
schon auf Erden genießen, welcher hier nur flüchtig, dort einst bleibend in und
um euch sein wird!
[Lg.01_014,40]
Sehet, Meine Kinder, wüßte Ich nicht, was euch während eures Erdenwandels noch
erwartet, Ich würde euch diese menschliche Würde nicht so ans Herz legen; aber
ein guter Arzt weiß, wenn er Symptome (Anzeichen) von Krankheiten sieht, schon
als Vorsichtsmaßregeln Mittel anzuordnen, damit wenn eine Krankheit sich
einstellt, derselben vorgebeugt werden kann.
[Lg.01_014,41]
So auch Ich; bald werden Mißgeschicke auf Mißgeschicke sich häufen, der
Gärungs- und Scheidungs-Prozeß muß seinem Ende entgegengehen, die geistige Luft
eures Erdballs ist, wie oft die materielle Atmosphäre, mit gewitterschweren
Dünsten angefüllt, die Entladung muß folgen, und ebendeswegen rate Ich euch:
[Lg.01_014,42]
Fliehet zu Mir! Verletzet eure Menschenwürde nicht; denn nur so habt ihr
Vertrauen zu Mir und nicht zu euch selbst, so nur könnt ihr allen Stürmen
trotzen; denn diese geistige Würde erhebt euch über das gewöhnliche Leben, läßt
euch alle noch so großen Übel in einem andern Licht erblicken und erfüllt euer
Herz mit Vertrauen und Zuversicht auf euren Vater im Himmel, der ja nur, eben
weil der größte Teil der Menschheit schon längst seine Würde eingebüßt, solche
Mittel zulassen muß, um durch Elend und Not das zu erreichen, was mit Güte
nicht erreichbar war!
[Lg.01_014,43]
Die Würde des Menschen, oder das geistige Bewußtsein ich bin nicht von dieser, sondern von einer andern,
besseren und ewigen Welt dieses Bewußtsein erhebt
den Menschen, wenn er auch unter den allgemeinen Mißzuständen leiden muß, doch
über diese irdische Welt hinaus, und es ergeht ihm wie einem auf einem hohen
Berge Stehenden, er übersieht mit Gleichmut das Wirren und Treiben unter ihm
und erfreut sich einer größeren, weiten und schönen Aussicht. Es wird ihm dann
wohl der Gedanke oft aufsteigen:
[Lg.01_014,44] O warum sind diese Menschen so blind und vergessen ob der
weltlichen Dinge drunten im Schlamme der niedrigsten Leidenschaften das
Wesentliche, was sie eigentlich sein sollten! Ach, wenn es ihnen an Mut nicht
gebräche, wenn sie es wagten, zu Mir heraufzuklimmen, wie lächerlich, wie
töricht würden sie alles das finden, was ihnen jetzt so wichtig, so
unumgänglich notwendig erscheint; wie würde es sie schaudern bei dem Gedanken,
daß sie alles, was sie sich errungen zu haben glaubten, nur eben durch den
Verlust ihres einzigen Gutes erkauft hatten, durch den Verlust der geistigen
Menschenwürde!
[Lg.01_014,45]
So wird mancher denken, der über Schlamm und Schmutz der niedrigsten
Leidenschaften sich hinausgearbeitet und seine Würde wiedererlangt hat; so
sollt auch ihr denken, ihr, die Ich schon seit längerer Zeit mit Gnaden- und
Lichtworten überschütte, damit ihr, eurer Menschenwürde bewußt, euch des
erhabenen Standpunktes freuen sollt, auf welchen Ich euch gestellt habe, und
stets eingedenk eurer eigenen Würde danach streben mögt, auch selbst würdig zu
werden dessen, was Ich euch schon oft geheißen habe, nämlich Meine lieben
Kinder! Dieser Vaterruf ist nur für die, welche ihre Menschenwürde zu wahren
wissen; denn indem sie sie bewahren, erlangen sie auch stets mehr die Würde,
Meine Kinder zu werden, das, was Ich bei Erschaffung des ersten Menschen
wollte, daß er es werde, aber leider nicht wurde!
[Lg.01_014,46]
So seid streng! Wachet und betet, auf daß
ihr nicht in Versuchung fallet, so rief Ich einst
Meinen Jüngern zu. Ich wußte wohl in jener Zeit warum, und jetzt sage Ich es
euch nochmals: Wachet und betet, auf daß ihr euch nie entwürdigt und stets dem
getreu bleibt, was ihr durch so viele Worte von Mir leicht entziffern könntet,
daß nämlich nur durch den Seelen-Adel die Menschenwürde erlangt, gefestigt und
behalten werden kann, ohne welche alles Lesen und Beten nichts nützt! Der
innere Mensch muß Mir gleichsehen, dann wird sein Außenbild schon einst auch zu
seiner geistigen Umgebung im Jenseits passen, und daher trachtet, mit einem
geistig-seelischen Antlitz begabt in die andere Welt zu kommen; es ist besser,
das hier schon vorzubereiten, als es erst dort erlangen zu wollen! Hier gehört
dazu des Menschen Würde, dort ist des Geistes Würde eine andere Stufe, welche die Menschenwürde als
Unterlage hat, aber ohne sie nicht erreichbar ist!
[Lg.01_014,47]
Ich bereite euch vor, im kurzen irdischen Lebenswandel das zu vollbringen, was
dort bei weitem schwerer zu erreichen ist. Daher folget Meinen Worten, sie
kommen von eurem Vater, der eben euch Seiner würdig machen möchte, welches ihr
aber nicht werden könnt, bevor ihr nicht eurer selbst würdig geworden seid!
[Lg.01_014,48]
Dieses zur Danachachtung für euch und alle kommenden Durstigen und Hungrigen,
welche bei euch wiedererlangen wollen, was sie bewußt oder unbewußt oft
leichtsinnig verloren haben, das ist ihre eigene Würde, als
alleinigen einzigen Halt mitten im Leben, zwischen Kampf und Entbehrung aller
Art, als Anker des Vertrauens, der Hoffnung und der Liebe! Amen!
15. Kapitel Die Gedankenwelt.
25. November
1872
[Lg.01_015,01]
Vieles habe Ich euch schon gesagt über Meine Schöpfung, Ich habe euch in die
tiefsten Geheimnisse Meines geistigen Wesens so manche Blicke tun lassen, habe
euch erklärt die Wechselwirkung zwischen Geist und Materie, Ich habe euch die
Wichtigkeit und Notwendigkeit der großen Zentralsonnen so wie des kleinsten
Infusionstierchens erklärt, habe euch bewiesen, wie alles zusammenhängt, wie es
eine Kette bildet von Mir ausgehend bis zum letzten unauflösbaren Atom. Und
doch fehlt noch die Haupterklärung zu allem diesem, der Anfangs- oder
Grundstein, so wie der Schlußstein Meiner Schöpfung, Meines Ich und eurer
selbst, und dieser Schlußstein oder erste Motor alles Daseienden, welcher der
Urgrund von allem gewesen und stets sein wird, ist der Gedanke, von wo aus erst
alle andern Fäden auslaufen. Dieser Gedanke, und die ganze Welt der Gedanken
als nur geistige Faktoren, soll nun vor euren Augen entrollt werden wie ein
großartiges Panorama, von wo ihr eine, aber nur geistige Übersicht gewinnen
könnt über die ganze Schöpfung, über alles Dagewesene und noch Werdende!
[Lg.01_015,02]
Denn ohne einen Gedanken wäre kein Geisterreich und keine materielle Welt
entstanden oder erschaffen worden, ja wenn Ich euch Mein Wesen geistig
vorstellen wollte, so müßte Ich euch Dasselbe unter dem Gedanken der
Unendlichkeit vorstellen! Denn nur dieser Gedanke bezeichnet Mein Ich ganz, der
Ich unendlich in Zeit, Raum und Macht bin!
[Lg.01_015,03]
Wollt ihr euch in die frühesten Zeiten zurückversetzen, wo noch kein Stern am
Firmamente glänzte und keine Sonne um die andere kreiste, damals, wo selbst das
Geisterreich noch nicht geschaffen war, so ist es eben in jener Zeit, wo nur
Mein Gedanke, Ich allein, wesete, leuchtete und existierte!
[Lg.01_015,04]
Um Mich herum war alles finster, leblos und starr, nur Ich allein lebte, und
eben als lebender, ewiger Gedanke leuchtete Ich bloß allein in der ganzen
Schöpfung, oder besser gesagt, bloß Ich allein hatte das Bewußtsein des Seins,
wo eben der Gedanke Leben, und das Leben Licht, als Erreger des Lebens allein vorhanden war.
[Lg.01_015,05]
Sehet, dort bestand die Welt nur aus einem Wesen, Einem Gedanken im unendlichen
Äther mit all seinen schlafenden Elementen, ausgedrückt durch das in ihm
wohnende Zentrum, Mein Ich, belebt und wesend!
[Lg.01_015,06]
Dort wußte nur Ich allein Ich bin, Ich lebe; und
wenn ihr diesen Zustand im mindesten begreifen wollt, so vergleichet ihn mit
dem eurigen, wo ihr auch in der ganzen Schöpfung mit dem Bewußtsein ein
abgeschlossenes Ganzes zu sein, mitten in derselben steht, und ein jeder sich
bewußt ist, was heißen will: Ich bin, ich lebe.
[Lg.01_015,07]
Ihr sagt: Ich bin und doch tausend und tausend von andern verschiedenen
Prozessen gehen in euch vor, ohne daß ihr es ahnt; ihr rufet aus: Ich bin! und euer geistiges
Seelen-Gewand, welches sich bis zum letzten Haargefäß-Nerv eurer Haut ausdehnt,
umfaßt euer ganzes Ich, ohne daß ihr von der Ausdehnung oder Umspannung des
menschlichen Körpers Notiz nehmt.
[Lg.01_015,08]
So ist und war einst auch Mein Ich, Ich lebte, Mein ganzes Wesen umfaßte den
unendlichen Äther, und nur einer Anregung von innen bedurfte es, um diese weit
ausgedehnte, nie endende Außenseite Meines Ich zu belebender Tätigkeit
anzuspornen!
[Lg.01_015,09]
Also des Schaffens Erstes war der Gedanke; er war es, der vorerst Geistiges und
dann Geistiges im Materiellen schuf.
[Lg.01_015,10]
Ohne den Gedanken regte sich aus dem Zentrum, Meinem Ich, nichts! Und es war
also die Gedankenwelt, welche, vorerst belebt in allen Einzelheiten
ausgedrückt, Meinen außer Mich gestellten Geistern und Meiner materiellen Welt
den Impuls gegeben hat zu werden, zu bestehen, sich zu erhalten und zu
vervollkommnen.
[Lg.01_015,11]
So müßt ihr auch überhaupt die Gedankenwelt als eine geistige, abstrakte Welt
auffassen, wo eben sie (die Gedanken) die ersten Anreger, Verarbeiter und
Erhalter alles dessen sind, was sichtbar und unsichtbar die geistige und
materielle Welt heißt!
[Lg.01_015,12]
Mein erster Gedanke also, als Ich die Welt erschuf und in dem Bewußtsein der
Geister und lebenden Wesen Mein Eigenes sich widerspiegeln sehen wollte, wobei
aber stets das Verhältnis blieb wie Licht zum Reflex, Mein erster Gedanke also
war: Es werde! und mit diesem wurde alles belebt, von Meinem Innern
ausgehend bis zum letzten Atom; die Assimilation des Gleichgesinnten begann
geistig wie später materiell; und was die Funktionen bewirken in eurem Körper
bis in die kleinsten Lebensfasern, das war auch bei Mir der Fall, aus einem
Gedanken des Werdens entwickelten sich die Millionen und Millionen
Konsequenzen, als Folgen von Ursache und Wirkung, überall war der Gedanke das
anregende Prinzip, und seine weitere Ausarbeitung der weitere Erfolg, woraus
endlich aus einem Gedanken, von Mir als unendlichem Gott und Schöpfer gedacht,
die große Geister-Familie und die große materielle Welt entstanden, welche so
wie Ich ewig sind, und ebenso Meine Schöpfungsgedanken, auch ihr Gang vom
Entstehen, Sich-Bilden und Vervollkommnen ebenfalls ewig oder unendlich, stets
vorwärtsschreitend, einen Gedanken aus dem andern entwickelnd, ergänzend und
fortleitend.
[Lg.01_015,13]
Ich mußte euch alles dieses vorausschicken, damit ihr wenigstens von dem
Gedanken, seinem geistigen Bereich und seiner Tragweite eine entfernte Idee
bekommt, wie der Gedanke aus sich selbst sich herausbildend endlich eine Welt
voll Gedanken erzeugen kann, und wie am Ende alles, was besteht, nur die
sichtbare Überkleidung einer unsichtbaren geistigen Gedankenwelt ist.
[Lg.01_015,14]
Ich mußte dies alles voraussenden; denn ihr seid gewöhnlich mit dem Begriff
eines Wortes gleich fertig und haltet es nicht der Mühe wert, in dessen
tiefere, geistige Fassung einzudringen. Denn vom Denken, vom Gedanken redet ihr
oft, und zwar so gedankenlos, daß es erstaunlich ist, wie ihr intelligente
Wesen, Abkömmlinge von einem geistigen Wesen wie Ich, solch oberflächliche
Begriffe von dem haben könnt, was gerade euch als Bewohner zweier Welten
hinstellt, das heißt einer unendlichen geistigen und einer ewig sich
erneuernden materiellen Welt!
[Lg.01_015,15]
Nachdem Ich nun euch erwiesen habe, daß der Gedanke die Hauptsache bei allem
Geschaffenen ist, nachdem Ich euch erklärt habe, wie auch der weiter
ausbildende Faktor ist, welcher, nachdem er sich selbst ausbildete, auf die ihn
umschließende Materie geistigen Einfluß ausübt, so wollen wir von unserer
geistigen Schöpfungssphäre zurückkehren in engere, euch näherstehende Kreise,
die euch eher faßlich, eher begreiflich sind, weil sie teils euer Leben selbst
berühren, teils sogar euer geistiges und materielles Leben ganz ausmachen,
dasselbe formen, erhalten und vervollkommnen!
[Lg.01_015,16]
Denn hier ist der Punkt, wo Ich euch aufmerksam mache, daß wie im großen
Schöpfungsraum die Welten sich formten und ausbildeten durch den belebenden
Gedanken, ebenso formt und bildet sich euer materielles irdisches Gewand oder
der äußere Ausdruck in eurem Seelen-Menschen durch die Eigenheit der in ihm
wohnenden Gedankenwelt, welche dann der Außenseite den Typus aufdrückt, wie dem
Geistigen im Innern.
[Lg.01_015,17]
So werdet ihr sehen, wie diese große Gedankenwelt eigentlich nur die wahre
geistige Welt allein ist, nach welcher einst alles gerichtet und klassifiziert
werden wird; denn der Gedanke war bei Mir das erste anregende Element, und so
ist er auch in einem jeden lebenden Wesen der Faktor, welcher einst bemessen
den hieraus entspringenden Handlungen und Taten ihren Voll- oder Nenn-Wert
aufdrücken wird.
[Lg.01_015,18]
Als Ich den ersten Gedanken zum Werden der ganzen sicht- und unsichtbaren Welt
durch das Es werde! in die weiten Räume hinausrief, da begann alles Meinem
Wesen gemäß sich zu gestalten, und nachdem Ich als Gott unendlich, als Wesen
nur die Liebe mit unendlicher Weisheit verbunden bin, nur Geistiges oder
Materielles schaffen kann, welches Mir ähnlich ist, so waren also auch die
Welten und selbst die Geister so geschaffen, wie sie dem Schöpfer der Liebe und
Weisheit Selbst entsprechen konnten, das heißt, sie waren alle perfekt, ohne
Fehler, nach göttlichen Gesetzen geregelt, sich zu erhalten, zu vervollkommnen
und so Meinem großen Zweck als Schöpfer zu entsprechen.
[Lg.01_015,19]
Was Ich in jener Zeit getan habe, und wie Meine Werke Meinem Ich als Schöpfer
und ewigem Liebewesen entsprechen, ebenso ist auch bei euch als geistige Wesen
euer äußerer Umriß das getreue Abbild des Innern; doch ist es bei euch der
Fall, daß ihr voneinander nicht herunterlesen könnt, was in hieroglyphischen
Buchstaben die Seele oft auf euer Antlitz gezeichnet hat, nur manchmal verrät
das Auge als Spiegel der Seele, wie ihr es wohl nennt, was aus dem Innern
hervorleuchtet, ob ihr es wollt oder nicht!
[Lg.01_015,20]
Die Wissenschaft, welche einst ein eifriger Verfechter der Wahrheit und Liebe
aufstellen wollte die Physiognomik, ist
eben zum Besten der Menschheit nicht weiter verfolgt worden, sonst würde es in
der Welt ganz anders aussehen, wenn ein Mensch an dem andern ersehen könnte,
welch Geistes Kind er ist!
[Lg.01_015,21]
Wie aber dieses geschieht, auch das will Ich euch erklären, damit ihr seht, wie
analog (ähnlich) in der ganzen Schöpfung alles ist, und was im Großen als
stetiges Gesetz, auch im Kleinen das nämliche ist!
[Lg.01_015,22]
Ich habe euch vorher gesagt, daß das Bewußtsein: ich lebe, die ganze
menschliche Seele und mit ihr die irdisch-körperliche Außenseite erfüllt, in
ebendem Maße, wie Mein ganzes großes All von Meinem göttlichen Lebensbewußtsein
erfüllt, und dort der genaue Abdruck davon ist.
[Lg.01_015,23]
Was nun in Meiner Schöpfung geschieht, wo alles nach Meinen göttlichen Gesetzen
sich formend, nur Göttliches, Hehres, Schönes hervorbringen kann, da alle
Schöpfungs-Elemente vom Zentrum, Meinem Ich, bis in die letzten Räume
hinausgehend, überall wo nur noch eine Welt leuchten kann, überall die
nämlichen Prinzipien verfolgend und alles Geschaffene der Ab- und Ausdruck
Meines Ich in verschiedenen entsprechenden Bildern und Schöpfungen ist; ebenso
ist es in euch die Gedankenwelt, welche ohne euer Zutun ebenfalls so verfährt,
die verschiedenen Organe entweder mehr oder weniger ausbildet, welche zur
Ausführung des Gedankens nötig sind, und zwar diese Ausführung durch
entwickelten mechanischen Prozeß vollführt, wodurch die Haut oder sonst andere
den einzelnen Organen naheliegende Überkleidungen dann getreu im Äußern
abbilden und wiedergeben, was im innern Seelenmenschen die Lieblingsgedanken
des Menschen sind.
[Lg.01_015,24]
Durch die Gedanken oder Gedankenwelt wird der mechanische Lebensprozeß
beschleunigt, aufgehalten oder gar zerstört: Je nachdem die Gedanken die Nerven
anregen, ebenso die Wirkung der Nerven auf die Organe, welchen sie als Leiter
dienen. Und so ist sogar Gesundheit, Krankheit oder selbst der Tod zunächst
nicht Folge der Störung der Funktionen im menschlichen Körper, sondern der
leichte unsichtbare Gedanke, welcher die Nerven vibrieren macht, die
Ausscheidungsprozesse oder den Stoffwechsel beschleunigt, dieser ist der
eigentliche Urheber entweder eines gesunden oder kranken, der Bildner eines
schönen oder häßlichen Körpers, und da die meisten Leidenschaften als Resultate
von mit Liebe gehegten Gedanken im Angesicht der Menschen ihre Spuren
zurücklassen, so sind auch schöne und häßliche Gesichtsformen der Ausdruck des
innern Seelenlebens.
[Lg.01_015,25]
Ihr seht aus diesem leisen, aber fortdauernden Wirken eines geistigen
Seelenlebens, welche Freuden, welche Leiden für den Menschen daraus
entspringen, und wie sodann wieder gestörte Lebensfunktionen auf den Geist
rückwirkend selbst jenen verdüstern, wo dann der Mensch die Welt, die Verhältnisse,
sich selbst ganz anders beurteilt, als es wirklich der Fall sein sollte, und
wovon dann die Folgen sind Krankheit, Leiden,
Starrheit, oder gar ein verfrühter Tod!
[Lg.01_015,26]
Alles dieses entspringt aus der Gedankenwelt, welche insofern auf den Körper,
und der Körper wieder auf den Geist rückwirkend, auch den Menschen zu andern
Schlüssen, zu andern Handlungen bestimmt, die auch weil alles eine geistige Kette ist auf andere Menschen, Familien und Staaten einwirkt, wo
die geistigen Resultate eine andere Wendung erfahren, besonders wenn
machthabende Personen, geistig krank, Weh und Leiden über ganze Völker bringen,
die alle nicht wissen, warum ihnen so geschieht, es ihnen auch nie in den Sinn
kommen wird, daß eine Lieblingsidee eines Herrschers seine Gesundheit
untergräbt, ihn zu andern Schlußfolgerungen zwingt, und so namenloses Elend
verbreitet, wo dann gewöhnlich Mir die Schuld beigemessen wird, während Ich
doch ganz und gar nichts dabei zu tun habe, als nur das wieder zum Guten zu benützen,
was geistig und körperlich kranke Menschen Böses verursachen.
[Lg.01_015,27]
Wenn ihr so die ganze unsichtbare Welt der Gedanken betrachtet, welch Hin- und
Herwogen, welch reichhaltiger Stoff zum Guten und Bösen oft sich von einem
einzigen Menschen auf Tausende und Millionen verbreitet, wie ein in ein stilles
Wasser geworfener Stein Kreise und Kreise um sich bildet, bis diese Bewegung
die Ruhe des Wassers unterbricht an fernen Stellen, wo die kleineren Bewohner
dieser letzten Ufer nicht begreifen noch ahnen können, daß ein weit von ihnen
oft aus Mutwillen geworfener Stein Ursache ist, daß ihre Wohnungen zerstört und
ihre Jungen getötet werden.
[Lg.01_015,28]
So ist das Gedankenmeer ein ewig wogendes, flutendes; in allen lebenden Wesen
gären die Gedanken, steigen auf wie Luftblasen aus stehendem Wasser, alles
denkt, fühlt, sucht sich seine Verhältnisse, sein Leben zu verbessern, alles
baut, zerstört, versucht, gibt sich Mühe, vom Bekannten das Unbekannte zu
entziffern. So ist also diese große Gedankenwelt eigentlich der Hauptfaktor
Meiner Schöpfung, denn diese Welt ist wie die Meine unbegrenzt, ist ewig, und
wenn es die Umstände begünstigen, unendlich!
[Lg.01_015,29]
Daher trachtet wohl, diese geistige Welt der Gedanken im Zaume zu halten,
trachtet nur so zu denken, wie es Meinen Kindern geziemt; denn der Gedanke ist
der Bildner eurer Hülle diesseits und euer Abdruck für das Jenseits; dort kommt
ihr an mit dem Resultat, welches die Gedanken auf eurer Erde zurückgelassen
haben. Hier ist es euch und anderen verborgen; dort aber nicht; die Hülle von
außen richtet sich nach dem Innern, und wie innen so der Ausdruck von außen.
Dort herrscht keine Verstellung und dort gibt es kein Geheimnis vor andern, ein
jeder sieht im andern die Gedanken, und gemäß ihnen den moralischen Wert oder
Unwert des Individuums.
[Lg.01_015,30]
Diese Gedankenwelt als geistiger Träger der Materie ist eben deswegen so
mächtig, weil sie unermüdet Neues schafft, baut, zerstört, wechselt und ändert,
und auf diese Art nichts isoliert für sich, sondern als Ganzes angesehen
deswegen die größte Wichtigkeit hat, weil, wie die Umstände kommen mögen, aus
dem leichten aufsteigenden und wieder sich verflüchtigenden Gedanken die Tat
wird, deren Folgen dann nicht mehr in der Hand der Denkenden als einzelnen
liegen, sondern der ganzen geistigen und materiellen Welt angehören.
[Lg.01_015,31]
Man kann sich die Unendlichkeit nicht besser vorstellen als in dem Begriff
einer Gedankenwelt; denn alle bekannten Geschwindigkeiten, alle Entfernungen
und Zeiträume verschwinden gegen die Schnelle des Gedankens, gegen seine Macht
und seine Wirkung, besonders wenn ersteres ihm verliehen und das zweite ihn
begünstigt.
[Lg.01_015,32]
So nehmet auch ihr, Meine Kinder, euch in acht, in dem großen Reiche der
Gedankenwelt Meiner würdig zu wandeln, beschleicht euch ein nicht erlaubter
Gedanke, so vertilgt oder überwachet ihn; denn vom Denken zum Werden ist ein
kurzer Sprung, und die Folgen davon lasten auf euch als Urhebern des Gedankens!
[Lg.01_015,33]
Schmeichelt euch nicht mit der Idee, es waren ja nur Gedanken,
bis zur Ausführung hat es seine geweisten Wege! Es ist nicht wahr, ihr betrügt euch selbst damit; denn wie Ich oben sagte,
ist die Gelegenheit da, so wird der Gedanke zur Tat, welche, wenn auch bereut,
doch nicht zu verwischen ist, sie steht als Faktum, als eine Denksäule auf
eurem Lebensweg, deren ihr euch dann entweder freuen oder schämen mögt!
[Lg.01_015,34]
Nicht umsonst habe Ich euch dieses Wort gegeben. Alles hat sein Warum, und auch
hier liegt ein großes Warum zugrunde, weil Ich nur zu sehr weiß, wie leicht ihr es
mit dem Denken nehmt, und ihr gerade das für das Schwächste haltet, was
eigentlich das Stärkste ist; denn der Gedanke ist eine geistige Potenz, und mit
solchen Kräften ist nicht zu scherzen!
[Lg.01_015,35]
Ich muß euch belehren und eure Gewissens-Waagschale noch zarter machen; denn
ihr gehört für ewig Meinem Geister- und nur kurz dem materiellen Reiche an.
[Lg.01_015,36]
Lernet selbst denken! Lernet logisch denken! Lernet moralisch denken! Diese
drei Arten des Denkens müssen euch geläufig werden, dann werdet ihr die Zukunft
leichter entziffern, die Gegenwart leichter beurteilen, euer geistiges Ich
besser aufbauen und tüchtiger für das andere Leben vorbereiten können.
[Lg.01_015,37]
Suchet in dem weltbewegten Meer der Gedanken von Millionen von Wesen das
Steuer-Ruder eures geistigen Menschen nie zu verlieren; der Gedanke beglückt
oder verdammt euch; dieses ist euer innerer Wert, der nur allein endgültig für
jetzt und für immer ist.
[Lg.01_015,38]
Was hilft's, wenn die Menschen euch vergöttern und ihr euch selbst der
Schwäche, des Wankelmutes beschuldigen müßt, die Vergötterer werdet ihr einst
ob ihres Wahns, und euer eigenes Ich bedauern müssen.
[Lg.01_015,39]
Die Gedankenwelt, als Einschreibebuch eures eigenen Ich, ist das Vademecum
(Führer), welches euch begleitet, ist euer Geleitschein hier und euer Paß für
dort, wo sodann alles verzeichnet sein wird, was euch kenntlich macht und zu
eurer weiteren Befähigung den Ausschlag geben wird!
[Lg.01_015,40]
Suchet in eurem Lebensbuche weiße Blätter zu vermeiden, als Zeichen unbenutzter
Zeit; suchet aber auch zu vermeiden, daß nicht auf jenen Blättern Gedanken
aufgezeichnet stehen, deren ihr euch schämen müßtet, gelangten sie zu fremder
Einsicht.
[Lg.01_015,41]
Der Gedankenmensch ist eure lebendige Photographie, das Licht des Geistes malt
sie; trachtet danach, daß sie gelungen ausfällt und euch zeigt, wie ihr sein
sollt, wollt ihr einst Meine Kinder genannt werden.
[Lg.01_015,42]
Das materielle Sonnenlicht schont bei einem von einer Person abgenommenen
Lichtbild keine Mängel, alle trägt es schonungslos auf das für dieses Licht
empfängliche Papier; so auch Mein geistiges Wahrheits-Licht, auch dieses zeigt
dem im Jenseits ankommenden Menschen die Gestalt auf, wie sein innerer
Gedanken-Mensch es gebaut hat während des irdischen Lebens. Wohl dem, der aus
dieser Gedanken-Prüfung gut hervorgeht, und außer einigen Makeln willenloser
Fehler doch ein Bild darstellt, welches den Schönheits-, Liebe- und Weisheits-Regeln
entspricht, welche Ich als ersten Gedanken in alle Welt und in alle Wesen
gelegt habe!
[Lg.01_015,43]
Soviel über diesen Gedanken. Erkennet und erwäget Meine Worte! Die Zeit, die
alles verschlingende Zeit, raubt euch Minute um Minute, das Leben vergeht wie
ein Traum, und ein Erwachen erwartet euch im ewigen Lichte Meiner Geisterwelt,
wo Gedanken, unwägbare Dinge für dieses Leben, gewichtig in die Waagschale des
moralischen Wertes fallen; da dort Geister Geistiges wägen, und einem jeden
seine geistige Laufbahn von neuem bezeichnen!
[Lg.01_015,44]
So sei euch dieses Wort gegeben, um euch von der Materie die Brücke zu zeigen,
welche euch schon hier gegeben ist, um das Bürgerrecht einer Welt zu erringen,
in welcher ihr einst gewesen seid, und in welche ihr wieder zurückkehren müßt!
Einst gewesen, als göttliche Ableger Meines Schöpfungs-Gedankens, und bald
dorthin zurückkehren sollt ihr als gereinigte Geistes-Menschen, euch stets mehr
und mehr Mir und Meinen Geistern nähern! Amen!
16. Kapitel Vater unser!
11. November
1872
[Lg.01_016,01]
Viele Tausende plappern dieses Gebet des Tages oft viele Male herunter, und
kaum einer unter ihnen versteht, was er eigentlich sagt, oder was Ich damit
sagen wollte, als Ich es Meine Jünger lehrte.
[Lg.01_016,02]
Auch ihr selbst, die ihr doch schon besser unterrichtet seid wie viele, ja
sogar über dieses Gebet von Mir Selbst verschiedene Erklärungen erhalten habt;
auch ihr wisset doch nicht im tiefsten reinsten Sinne, was der Inhalt dieses
Gebetes ist, sonst würdet auch ihr es nicht allein oft im Aufblick zu Mir
beten, sondern ihr würdet kein anders formuliertes Gebet dem gleich achten
können.
[Lg.01_016,03]
Um nun wieder einen Lichtstrahl in euer Herz zu senden, der euch die Wunder
Meiner Geisterwelt von einer andern Seite beleuchten soll, so will Ich euch
dieses Gebet und die darin enthaltenen Worte näher erklären, damit ihr erkennen
möget, was das heißen will: ein Gott, ein liebender Schöpfer und Vater lehrte
euch dieses Gebet, damit ihr erkennen mögt, wie viel Geistiges in jenen Worten
liegt, die Ich Meinen Jüngern und der ganzen Menschheit hinterließ, um mit Mir
in geistige Gemeinschaft zu treten, und nebenbei noch die weltlichen sowie die
geistigen Verhältnisse des Menschen so ganz zu umfassen, als wie dieses Gebet
als Bitte zu mir, als Bitte eines Kindes zu seinem Vater es nur auszudrücken
vermag.
[Lg.01_016,04]
Nun, Ich will also Wort für Wort, Satz für Satz euch dieses einzige Gebet aus
Meiner Wanderzeit auf Erden erklären, dessen tiefen Sinn enthüllen, und so euch
um einen großen Schatz reicher machen.
[Lg.01_016,05]
Wenn ihr die Zeitverhältnisse ins Auge fassen wollet, in welchen Ich dieses
Gebet Meinen Jüngern vorsagte, so werdet ihr leicht erkennen, welch mächtiger
Unterschied schon darin lag, daß Ich Meinen Mitlebenden gegen alle religiösen
Gebräuche schon in den ersten Worten Meines Gebetes zeigte, wie wenig sie
selbst ihre religiösen Bücher verstanden, noch sie geistig auslegen konnten;
denn während den Juden es streng verboten war, den Namen ihres Gottes eitel zu
nennen, während sie ihren Gott als einen Gott der Rache und des Zornes ansahen
und höchstens ebendeswegen Ihn oft anflehten, mehr aus Furcht als aus Vertrauen
zu Ihm, so lehrte Ich sie in den ersten zwei Worten Vater unser diese Kluft zwischen ihrem
Gott und Schöpfer und den Menschen zu übersteigen, und aus dem strengen Richter
einen liebenden Vater zu machen.
[Lg.01_016,06]
Nur durch dieses Wort allein schon wurde der nachfolgende Inhalt des Gebetes
gerechtfertigt; denn einen Vater konnte sein Kind so bitten wie Ich es Meine
Jünger lehrte; aber kein Mensch durfte damals seinen Gott anflehen um Dinge,
welche nach dem Begriffe jener Zeit viel zu nichtig gewesen wären, als daß ein
Gott, den man sich weit hinter den Sternen in unzugänglichen Räumen dachte,
sich damit abgegeben hätte!
[Lg.01_016,07]
Das Wort Vater, und noch mehr bezeichnend unser, war also dieser große
Unterschied, welcher den entfernten Gott bis ins menschliche Leben niederzog
und dem Menschen erlaubte, als unmündiges Kind seinen Schöpfer mit Liebe zu
umfassen, während in allen andern Auffassungen göttlicher Würden, selbst bei
den heidnischen Völkern mit ihren Göttern, diese eigentlich nur einzig wahre
fehlte!
[Lg.01_016,08]
So war der erste Eingang dieses Gebetes auch der größte und mächtigste Impuls,
ein Gemüt in fromme Begeisterung zu erheben; denn der sanfte Ruf Vater! mein Vater! oder wie in diesem Gebet
der Begriff der Nächstenliebe in tiefster Bedeutung zugrunde liegt, unser Vater ist der größte,
mächtigste Hebel, ein Vertrauen zu erwecken zu Dem, zu Dem man betet, daß
dieses Gebet auch erhört werde, und daß dem Menschen als Kind sein Vater
angedeihen lassen wird, was zu seinem weltlich und geistig Besten ist!
[Lg.01_016,09]
Der nächste Satz heißt: im Himmel Diese Worte haben eine zweifache Bedeutung, erstens,
wenn ich einen Vater habe, welcher im Himmel als dem Sitze von reinen Geistern
und dauernder Seligkeit ist, so versteht sich wohl von selbst, daß entweder ich
von dort abstamme, oder doch wenigstens, wenn ich mich des Vaters würdig mache,
einst dort in die Nähe Dessen gelangen kann, Der mir erlaubte, Ihn Vater zu heißen.
[Lg.01_016,10]
Die zweite Bedeutung dieser Worte ist, daß ein Vater im Himmel ein Wesen sein
muß, welches trotzdem, daß Ich Ihn in die Himmel versetzte, doch
allgegenwärtig, allmächtig sein muß; denn sonst ist mein Bitten vergebens, Er
hört es nicht, oder kann es nicht erfüllen, um was man Ihn bittet.
[Lg.01_016,11]
Ferner ist noch dabei in Anschlag zu bringen, daß unser Vater im Himmel als
Geist, ebendeswegen auch geistig und in tiefster Ergebung angefleht werden muß,
wenn ich nur im mindesten Seine Größe und meine Winzigkeit in Anschlag bringen
will. Dieses bezeugt auch der nachfolgende Satz, wo es heißt: Dein Name werde geheiligt! Denn nur wer die ersten Worte im tiefsten Sinn begriffen hat, kann
erfassen, was es heißen will: Dein Name werde geheiligt!
[Lg.01_016,12]
Es will heißen, daß, als Unterschied zu einem weltlichen Vater, der Vater im
Himmel, als Geist, nur dann würdig geehrt werden kann, wenn man auch bei
Anrufungen, Beteuerungen und Schwüren den Namen des allerhöchsten Wesens nicht
mißbraucht und in weltliche Händel herunterzieht; denn dieser Schöpfer, der
euch erlaubte, Ihn als Vater anzurufen, ist zu erhaben, und du eben als Kind zu
hoch gestellt auf der geistigen Stufe aller denkenden Wesen, als daß du einen
solchen Namen und mit dem Namen selbst deinen Gott und Vater anrufen solltest,
als sollte Er Zeuge deiner ausgesprochenen Worte sein; denn nur wenn du den
Namen Vater, unser aller Vater, wenn du die Stellung dieses Vaters, nämlich im Himmel
als ewigem Freudenort, ganz auffassest und begreifst und danach handelst, dann
kannst du mit der Bitte hervortreten: Dein Reich komme zu uns! Nur dann bist du würdig, daß dieses Reich der Himmel,
dieses seelische Paradies auch herabsteigt in dein eigenes Herz und dich da im
Kleinen fühlen läßt, was dich einst im größeren Maßstabe erwarten wird.
[Lg.01_016,13]
Nur nach der Befolgung der ersten Sätze ist der Mensch würdig, in ein Reich
derjenigen Geister aufgenommen zu werden, welche den Schöpfer des Universums
als ihren einzigen Gott und ihren einzigen liebenden Vater anerkennen.
[Lg.01_016,14]
Damit aber dieses Reich auf Erden ein Bleibendes werde, so ist es nötig, daß
der Wille oder die göttlichen Gesetze eines höchsten Wesens, das du Vater
nennen darfst, auf Erden auch ausgeführt werden; denn dieses besagt als Beleg
des früheren Satzes der nächstfolgende, wo es heißt: Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel! Nur dann, wenn die Menschen, ihre geistige Abstammung
anerkennend und würdigend, den Gesetzen der Liebe zu Gott und dem Nächsten
nachkommen; nur dann ist es möglich, daß das Reich Gottes daniedersteige und
aus dem Erdenleben wieder das Paradies mache, aus welchem die ersten Menschen
vertrieben wurden. Nur dann, wenn auf Erden bereitwillig wie im Himmel diese
Liebesgesetze stets vollzogen werden, nur dann ist bleibender Friede sowie
stete Ruhe möglich.
[Lg.01_016,15]
Und wenn Ich dort Meinen Jüngern begreiflich machen wollte, wie das Erdenleben
verschönert werden könnte, so sagte Ich ihnen geistig, daß, wenngleich das
paradiesische Freudenleben nicht allgemein so leicht zu erzielen ist, es doch
einzelnen möglich ist, in ihrem Herzen diese reine Freude des ungetrübten
Bewußtseins zu erreichen, und so einen Vorgeschmack zu haben von dem, was in
künftigen Zeiten und höheren Regionen sie erwartet!
[Lg.01_016,16]
So soll die Macht des Gebets einen Zustand, wenngleich nur auf Augenblicke,
herbeiführen, der tröstend für sich und beruhigend im ferneren Lebenswandel der
Seele Stärke und Kraft geben kann.
[Lg.01_016,17]
Damit aber diese geistige Hebung, wo die Seele sich zu Ihm, dem Vater aller
lebenden Wesen erhebt, nicht durch weltliche Mißstände getrübt, damit auch auf
Erden euer Lebenswandel fruchtbringend für andere werde, und ihr nicht mit
Tränen der Not und des Schmerzes zu Ihm aufblicken müßt, so schließt sich
dieser früheren geistigen Bitte die weltliche an, nämlich: Gib uns unser täglich Brot immerdar! Nur wer sein tägliches Brot hat, kann seinen weltlichen
Verpflichtungen nachkommen, und auch wo es not tut, seinem Nächsten helfen.
[Lg.01_016,18]
Daß Ich, als Jesus, Meine Jünger dieses Gebet so lehrte, hatte darin seinen
Grund, weil eben die geistige Erhebung und geistige Nahrung nur dann erst im
vollen Sinne möglich ist, wenn der Körper, als notwendiges Bindungsmittel
zwischen hier und dort, nicht unter dem Druck der Verhältnisse leidet!
[Lg.01_016,19]
Meine Jünger mußten wohl in der ferneren Zeit nach Meinem Hingange manchmal
fasten, und es mangelte ihnen an dem Nötigsten; aber darum wendete Ich dieses
Gebet so, daß auch die weltlichen Bedürfnisse von Mir erfleht werden sollen,
und der Mensch sich nicht dem Wahne hingibt, als dürfte er bloß um Geistiges zu
Mir flehen!
[Lg.01_016,20]
Das Gebet, wie Ich es gab, schloß das ganze menschliche Pilgerleben in sich
ein, so wie alle Zehn Gebote, nebst Meinen zwei großen Liebes-Gesetzen.
[Lg.01_016,21]
Es mußte praktisch sein, für alle Lebensverhältnisse passen, und dem Menschen,
in welche Lage er auch kommen mag, wenn er es mit ganzer Inbrunst und geistig
tiefster Auffassung betet, den Trost und die Ruhe verschaffen, welche nur einem
Gott, einem himmlischen, liebenden Vater zu geben möglich sind. So folgt der weitere Satz: Vergib uns unsere Sünden! welches ein offenes Bekenntnis ist, daß Menschen, eben als Menschen und
nicht als geistige Wesen oder Kinder eines himmlischen Vaters, fähig sind,
gegen Seine Gesetze zu handeln, zu fehlen, oder wie es heißt, zu sündigen.
[Lg.01_016,22]
Die Bitte um Vergebung der Sünden schließt das Bekenntnis von Schwachheit in
sich ein; es zeigt, daß der bittende Mensch oder das flehende Kind seine
Schwäche erkennt, daß es fähig ist, zu sündigen, und zwar oft auch wider
Willen, wo zwar der Wille zu widerstehen vorhanden ist, jedoch entweder die
eigenen Leidenschaften oder die Welt zu mächtig sind, so daß das Kind mit den
besten Vorsätzen fehlt, und sich dadurch eben dieses himmlischen Vaters
unwürdig macht.
[Lg.01_016,23]
So, von Reue geplagt, soll das Kind sich hinwerfen zu den Füßen seines
geistigen Vaters, soll Ihm seine Schuld bekennen, und soll aber auch eben durch
diese Versicherung der Besserung, als Vorsatz denselben mit sich in die
weiteren Schritte der Welt mitnehmen, was im nächsten Satze ausgedrückt ist,
nämlich: wie auch wir vergeben allen, die
uns schuldig sind! Es soll dieses der
Vorsatz sein, eben wie der Vater im Himmel nur der Verzeihung und der Liebe,
nicht aber des Hasses und der Rache fähig ist, daß auch ihr, wenngleich im
geringern Maßstabe, göttlich, oder eures himmlischen Vaters würdig handeln
sollt, denen vergebend, die euch Böses getan haben; ein Wort von großer
Bedeutung, besonders in jener Zeit, wo es hieß: Aug um Aug, usw., wo die Rache erlaubt
war, ja sogar zu den göttlichen Attributen Jehovas gezählt wurde!
[Lg.01_016,24]
So seht ihr, wie dieses Gebet alle menschlichen Leidenschaften umfaßt, alles
Hohe, aber auch alles Niedere in Erwägung bringt, und so mit wenigen Worten in
Form eines Gebetes den als Mensch geschaffenen Wanderer auf dieser Welt zu
einem geistigen Weltbürger macht, wenn er diese wenigen Worte, die einst aus
Meinem Munde flossen, beachten will!
[Lg.01_016,25]
Damit aber dieser festgesetzte Vorsatz nicht zum Scheitern gelange, so enthält
eben dieses Gebet im nachfolgenden Satz die eigentliche Ursache, welche den
Menschen oft abtrünnig macht und ihn zwingt, anders zu handeln als er will. Es
ist seine Umgebung und die Verkettung der Umstände, welche ihm Versuchungen bereiten,
woraus er nicht immer als Sieger hervorgeht.
[Lg.01_016,26]
Obwohl diese Versuchungen in der Welt notwendig sind denn ohne Kampf keine Erstarkung im Glauben, im
Vertrauen zu Mir , so erkennt der Mensch
doch die Schwäche, die in seinem zweifachen Organismus liegt, nämlich dem
seelischen und geistigen, daß er nicht immer Herr seiner selbst ist, und eben
deswegen fleht er in diesem Gebete: Führe uns nicht in
Versuchung! was geistig heißen will: O Vater, erbarme Dich Deines schwachen Kindes und helfe
ihm, damit es nicht oft auch gegen seinen Willen den Versuchungen erliege, die
andere ihm bereiten!
[Lg.01_016,27]
Nur in der redlichen Anerkennung seiner eigenen Ohnmacht liegt die ganze
Inbrunst eines Gebetes zu einem Allmächtigen, Der Sich von Menschen Vater
nennen läßt, und Der eben diese Menschen zu Seinen Kindern erziehen und
heranbilden möchte!
[Lg.01_016,28]
So lange Stolz oder Überschätzung seiner eigenen Kräfte in einem Herzen
herrschen, kann kein aufrichtiges Gebet oder Bittgesuch zu Mir gelangen. So wie
Ich es einst sagte, so lautet es heute noch, wo es heißt: Und wenn ihr alles getan habt, was Menschen möglich ist,
so seid ihr doch noch immer faule Knechte!
[Lg.01_016,29]
Der Mensch, in welchen Verhältnissen er sich befinden mag, was für Umstände er
zu bekämpfen haben wird, stets soll er rechnen, daß das wenigste er, das meiste
aber Ich getan habe!
[Lg.01_016,30]
So wächst sein Vertrauen zu Mir, so erkämpft er sich seine Ruhe, seinen
Frieden, und nur wenn er vor Mir zerknirscht hinfällt und ausrufen muß: Herr! was bin ich, daß Du meiner gedenkest!, wenn er bekennt und erkennt, wie wenig seine Kräfte
allein ausreichen, um zu seinem geistigen ewigen Ziele zu kommen, dann erst
wird er begreifen, was die Hilfe seines geistigen Vaters wert und wie weit sie
verschieden ist von dem, was andere Mitmenschen ihm angedeihen lassen können!
[Lg.01_016,31]
Dieses Bekenntnis, daß ohne Ihn, den einzigen wahren und stets sich gleich
bleibenden Vater, nichts möglich ist; dieses allein kann dann den Menschen,
nachdem er seine Ohnmacht erkannt hat, zu dem Ausruf bewegen, mit welchem
dieses Gebet schließt, indem er sagt:
[Lg.01_016,32]
Da ich nun begriffen, daß ohne meinen Vater im Himmel ich eine Null bin, so
bitte ich Ihn, daß Er mich von allem Bösen fern halte, oder wie es im Gebet
heißt: von allem Übel erlösen möge! Die Erlösung, oder auch Freisprechung alles Getanen, ob
mit oder ohne Willen, muß natürlich geschehen, sonst ist ein Fortschritt nicht
möglich, ein Kind des Vaters im Himmel zu werden, nicht ausführbar.
[Lg.01_016,33]
Eben deswegen schließt auch dieses Gebet mit der Bitte: Entferne alles Gefährliche von mir, was mich auf meiner Bahn rückwärts statt vorwärts
bringen könnte. Verzeihe das Begangene und verhindere das böse Kommende.
[Lg.01_016,34]
Nur so kann der Mensch auch eine Ruhe, einen Trost in einem Gebet finden,
welches mit wenigen Worten ihm seine ganze Stellung als Mensch und Kind Gottes
beweist, daß er ein Wesen zwischen zwei Welten, zwischen Materiellem und
Geistigem ist, dem letzteren folgen muß, soll er dieses Namens würdig sein, mit
welchem er den Schöpfer alles Bestehenden anruft.
[Lg.01_016,35]
Deswegen fängt dieses Gebet mit dem Vater-Rufe an, und endet mit der Bitte,
eben an diesen Gott, welcher, wäre Er nicht Vater, den Menschen nicht von
seinen Übeln erlösen, nicht ihm verzeihen, nicht ihm Zutrauen einflößen könnte!
[Lg.01_016,36]
So, Meine Kinder, betet dieses Gebet zu Mir, denket mit dem ersten Anruf nicht
an euch allein, nein, umfasset mit dem Rufe: Unser Vater! die ganze Menschheit,
die jetzt mehr als je ein Haufe verirrter Kinder ist, welche alle willenlos und
ohne Zweck und Ziel dem Verderben entgegensteuern, weil die meisten eben diesen
Vater vergessen oder gar verleugnet haben, nicht wissend und nicht wissen
wollend, daß Er im Himmel ist, daß Er ihrer harret, um einst sie alle mit
liebenden Armen zu umfangen.
[Lg.01_016,37]
Betet zu Ihm, dem Vater aller Kreatur, daß Er verzeihen möge, wenn Sein Name
mißbraucht und in den Staub gezogen wird, statt geheiliget zu werden. Betet,
daß das Reich des Friedens, der dauernden Seligkeit, welches eben in jenem
Himmel, der Sein Wohnsitz ist, thront, auch zu euch herabsteigen möge, daß
nicht Mensch gegen Mensch in ewigem Haß und Hader, sondern daß Brüder gegen
Brüder in Wort und Tat die Nächstenliebe im höchsten Sinn ausführen mögen, da
nur dann die Welt ein Paradies werden kann, wenn der Wille des Vaters im Himmel
auch auf Erden ausgeführt wird!
[Lg.01_016,38]
Betet, daß allen Menschen auf Erden nicht der tägliche Unterhalt ermangele,
damit auch alle sich der aufgehenden Sonne erfreuen mögen, und nicht einen Tag
verwünschen, der höchstens nur Elend beleuchten muß.
[Lg.01_016,39]
Betet so in Meinem Gebet das Vater unser, dann werden eure Sünden vergeben werden in dem Maße,
als ihr selbst nachsichtig gegen andere seid. Die Versuchungen werden dann
weniger werden, eben weil ihr im Glauben erstarkt leichter sie bekämpfen könnt,
und so von allen Übeln dadurch erlöst werdet, weil rein geworden dem Reinen alles rein ist, und wo, wenn auch vielleicht anfangs leicht gewankt
oder gefehlt wurde, jetzt erstarkt durch das Vertrauen in Mich ihr an Gefahren
vorüberwandelt, die für euch schon längst den Stachel der Verführung verloren
haben!
[Lg.01_016,40]
So betet Mein Gebet, das Ich vor mehr als tausend Jahren Meinen dortigen
Kindern und Jüngern gegeben habe und nun euch, Meinen jetzigen Auserwählten,
wiedergebe!
[Lg.01_016,41]
Erkennet in diesem Worte, wie viel Erhabenes und Schönes in Meinen Worten
liegt, und begreifet damit auch, daß, wenn ein Gott euch beten lehrt, Er euch
Worte in den Mund gelegt hat, in welchen eine unbegrenzte Tiefe von Wahrheit
und eine unendliche Seligkeit für den erwächst, welcher, wie Ich es einst
sagte, Mich im Geist und in der Wahrheit anbetet; denn in diesem Gebet ist im
Anfang höchstes Geistiges, sodann mit weltlicher Wahrheit verbunden, wo ihr im
Anfang wohl, eurer göttlichen Abstammung bewußt, den Vater im Himmel anflehet;
aber in der Folge die Schwächen und Gebrechen der menschlichen Natur nicht
vergeßt, und während ihr in den ersten Worten voll Andacht vor dem großen
Schöpfer als eurem Vater daniedersinkt, später eure Schwächen anerkennend Ihn
um Hilfe anfleht, damit Er euch nicht im Schlamme der sinnlichen Leidenschaften
eure geistige Herkunft vergessen lasse!
[Lg.01_016,42]
So müsset ihr das Vater unser beten, und euer Vater wird euch als Kinder Seine
Vaterliebe im vollsten Maße fühlen lassen, wenn auch ihr wie Er, statt Strafe,
Rache und Zorn, nur Liebe und Verzeihung in eurem Lebenswandel praktisch
ausüben wollt; dann ist euer der Vater, welchen ihr in diesem Gebet mit so
bewegtem Herzen an Seine Gnade, an Seine Macht und an Seine nie verwelkende
Liebe erinnert habt, indem ihr neben Seiner großen Allmacht eure Ohnmacht reuig
bekennen wollet! Amen!
17. Kapitel Das Wort.
14. November
1873
[Lg.01_017,01]
Einfach ist der Titel, und doch so gewichtig und voll von Tiefe, daß ihr darob
erstaunen werdet; da durch das Wort einst die ganze Schöpfung entstand und noch
jetzt jedes Wort ein Entstehungs- oder Schöpfungs-Grund ist. Wie dieses zu
nehmen ist, wird euch das Folgende näher beleuchten.
[Lg.01_017,02]
Vor allem müssen wir erklären: Was ist das Wort?, um seine Bedeutung in der
größten Tiefe zu erfassen; denn ohne eine sichere Basis (Grundlage), ohne das
klare Bewußtsein dessen, was man eigentlich erklären will, kann kein
vernünftiges Resultat aus dem gefaßten Begriffe emporkeimen.
[Lg.01_017,03] Wort ist also, um es euch mit
wenigen Worten zu sagen, nichts anderes als ein verkörperter Gedanke, der zum
Begriff gediehen, als Wort sich erst kundgibt, und ebendeswegen ein
Schöpfungsakt; so wie es auch die Dreifaltigkeit in sich trägt, wie solches bei
allen Schöpfungen erweislich ist, nämlich Geist, Seele und Körper, analog mit:
Gedanke, Begriff und Wort.
[Lg.01_017,04]
So wie allem Geschaffenen eine Seele, wohlverstanden nicht immer eine sich
bewußte wohnt, welche geleitet von Meinem Geiste die Materie formt, sie erhält
und sie verwandelt, ebenso ist ein Wort der verkörperte Begriff, erzeugt durch
den Gedanken.
[Lg.01_017,05]
In der Schöpfung war zuerst der Geist, das heißt Mein Geist, der jedem Ding
sein inneres Bestehen, seine Zeit und seine Verwandlung anwies.
[Lg.01_017,06]
Dieses Bestreben ist seine Seele, die das Material nach Urgesetzen bildet,
erhält und wieder zerstörend es weiter vervollkommnet, vergeistigt oder dem
Urgeiste, Mir, wieder zuführt!
[Lg.01_017,07]
So ist der Gedanke das anregende Prinzip, das sich zum Begriff gestaltet;
dieser Begriff gewinnt Form, Gehalt und Bedeutung erst durch das Wort, das
sichtbare Zeichen einer unsichtbaren Schöpfung.
[Lg.01_017,08]
Und so wie Mein Gottes-Gedanke, als Schöpfungs-Idee oder Begriff sich äußernd,
erst in der sichtbaren Welt eine Umhüllung, wenn auch noch so fein, erhält, so
ist nur durch letzteren Akt jedes Geschaffene, Gedachte, Begriffene einzeln vor
sich hingestellt ein Ganzes im Ganzen, und doch einzeln für sich bestehend.
[Lg.01_017,09]
Durch diese Erklärung, angewendet auf das Wort, gewinnt auch dieses erst seine Bedeutung, weil auch das
Wort für sich freistehend ein Abgeschlossenes und doch mit der ganzen
Geisterwelt Verbundenes ist, das zwar für sich, je nach Ausdruck eines
Gedankens oder Begriffes, ein an Tiefe oder Weisheit Verschiedenes, Einzelnes,
und doch ein mit allem Bestehenden verkettetes Ganzes ist.
[Lg.01_017,10]
Wie in der Schöpfung ein Ding auf das andere einwirkt und Einfluß hat, so daß
kein geschaffenes Wesen oder materiell erzeugtes Ding sich diesem Bereich
entziehen kann, ebensowenig steht ein Wort ohne allen Erfolg, ohne Wirkung auf andere da in der
Geisterwelt; da eben das Wort ein selbstschaffendes, erregendes, in alle Schöpfungsverhältnisse
eingreifendes geistiges Produkt, aus Gedanke, Begriff, und durch Benützung der
materiellen sichtbaren Welt, ein körperlich sichtbares Zeichen eines geistigen
Lebens ist.
[Lg.01_017,11]
Mit dem Worte, wie euch die Schöpfungsgeschichte von Moses sagt, erschuf Ich
die Welt!
[Lg.01_017,12]
Mit dem Wort Es werde! stellte Ich alle einzelnen Geistesteile Meines Ich
hinaus, wies ihnen ihre gerechten Entwicklungs-Perioden, ihren Anfangs-,
Bestands- und Verwandlungs-Prozeß an; um nach gehöriger Prüfung wieder
geläutert, vervollkommnet zu Mir und in Meine Nähe zurückzukehren, um dort auf
höheren Stufen, vermittels geistiger Potenzen, ein neues Wander-, ein neues
Vervollkommnungsleben zu beginnen, das fort und fort steigend, nie ein Ende
haben wird, weil Ich der Schöpfer desselben ebenfalls unendlich bin!
[Lg.01_017,13]
Weil Ich aber eben unendlich bin, und als Schöpfer es auch sein muß, so ist
natürlich, daß alles Erschaffene nie fehler- oder mangelhaft gestaltet sein
konnte; denn der Fehler wäre ebenso unendlich, wie das Prinzip, nach welchem es
geschaffen wurde.
[Lg.01_017,14]
Es läßt also kein von Mir geschaffenes Ding eine eigentliche Verbesserung oder
Veredelung zu; wohl aber einen sich nach und nach zu höheren Stufen
fortbildenden Vervollkommnungs-Prozeß, der aber schon im ersten Embryo voraus
bestimmt und wohl ausgedacht war.
[Lg.01_017,15]
Diese Eigenschaften Meiner Schöpfung im allgemeinen wie im einzelnen, im
Materiellen ausgedrückt, wiederholen sich im Geistigen und im Seelenleben
ebenfalls; denn der Gedanke, der Begriff und das daraus entstandene Wort haben
die nämliche geistige Verbindung, das nämliche unfehlbare Prinzip wie Meine
Schöpfung im allgemeinen, nur mit dem Unterschied, daß ein seelischer,
verfehlter Gedanke einen irrigen Begriff und ein Wort erzeugen muß, das, wie
Mein Gedanke Begriff und Wort ewig nur Gutes hervorbringen muß, also der schlechte,
irrige Gedanke konsequent ebenfalls durch das in ihm bei seiner Entstehung
Verfehlte im Wort und dessen Wirkung nach außen und auf andere sich ergebende
Resultat, seinem Ursprunge gemäß, schlechte und irrige Wirkung hervorbringen
muß.
[Lg.01_017,16]
Ihr seht aus diesem allem eben Gesagten, daß auch die Worte aus Menschen- oder
Geistermund ebenso unfehlbar sind wie die Meinigen, nur in anderer Bedeutung,
weil bei geschaffenen Wesen die Vollkommenheit des Seelen- oder Geisteslebens
nicht mit dem Meines Ich in Vergleich gebracht werden kann; da Ich als Gott,
als die Liebe Selbst, nur diesen Prinzipien gemäß denken, handeln und sprechen
kann, während untergeordnete Geister, frei wie sie geschaffen sind, mit oder
ohne Willen im entgegengesetzten Sinne denken, reden und handeln können; aber
in dem Gebaren selbst schon liegt die natürliche Folge von solchem Verfahren
begründet, woraus der Satz hervorgeht, daß ein jeder, der gegen
Meine Gesetze sündigt, sich die Folgen selbst zuzuschreiben hat, weil die
Übertretung Meiner Gesetze sich immer selbst straft!
[Lg.01_017,17]
Alles dieses mußte vorausgehen, um euch aufmerksam zu machen, wie bedeutungsvoll,
wie wichtig es ist, ehe man ein Wort ausspricht, zu bedenken, was ihr
eigentlich damit sagen wollt, da das Wort wohl in eurer Macht, jedoch seine
Wirkung, seine Tragweite weit außer eurem Bereich liegt; denn jedes
ausgesprochene Wort gehört nicht mehr euch, gehört der ganzen Geister- und
Seelenwelt, gehört der Unendlichkeit an, wo stets fort und fort wirkend, es
seinem Ursprunge gemäß Gutes oder Schlechtes schafft!
[Lg.01_017,18]
Hier ist der Ort, wo Ich euch auch bemerken muß, wie und wo Mein Einwirken auf
euer Tun und Lassen ist, ohne euren eigenen freien Willen zu beeinträchtigen.
[Lg.01_017,19]
Nämlich Ich lasse euch denken und reden; doch die Wirkung des verkörperten
Gedankens, die Wirkung des Wortes auf andere, die behalte Ich Mir Selbst vor;
denn hier verkette Ich die Verbindungen zwischen Seelen und Geistern so, daß
auch das projektierte (beabsichtigte) Schlechte zum Nutzen gereichen muß, wohl
oft nur auf indirekte Weise, wie ihr sagt in dem Sprichwort: Durch Schaden (Erfahrung) wird man klug!
[Lg.01_017,20]
Ich nehme dem Worte nicht seine gute oder schlechte Wirkung, Ich füge bloß die
Umstände so, daß es dem Menschen nicht an Mahnungen fehlen wird, entweder mit
aller Glut der Liebe das Wort des Guten zu erfassen und es zu verwirklichen, oder
das Schlechte zur rechten Zeit zu gewahren und sodann zu handeln, damit die
eigene Individualität nicht eingebüßt werde!
[Lg.01_017,21]
Deswegen ist euer Sprichwort nicht unrecht, wenn ihr sagt: Der Mensch denkt, und Gott lenkt. Ja so ist es, ihr könnt denken, und reden auch, als
Ausdruck der Gedanken, was ihr wollt; aber die zu erzielende Wirkung der Rede
ist in Mein Bereich gefallen, weil es eine Anfrage an Meine Geisterwelt ist,
welche ihr mit dem Worte beeinflussen möchtet, und da habe auch Ich ein Wort mitzureden.
[Lg.01_017,22]
So wie Ich euch schon in der Gedankenwelt den großen Bereich und das eigene rege Leben der
Geistes-Produkte als Gedanken gegeben habe, ebenso gebe Ich euch hier die große
Wichtigkeit und Tragweite eines Wortes, abgesehen noch von der eigentlichen
Untersuchung der Tiefe eines jeden Wortes, oder des in ihm enthaltenen und
sichtbar ausgedrückten Begriffes oder Gedankens.
[Lg.01_017,23]
Daher bestrebet euch stets zweier Hauptsachen: Erstens, eure Worte wohl zu
überlegen, in bezug auf den Schaden oder Nutzen, welchen ihr damit anstiften
könntet, und zweitens, auf den Inhalt oder die Bedeutung eines Wortes genau
acht zu haben; denn Worte sind Träger geistiger Potenzen, die vieles oft unter
wenigem verbergen.
[Lg.01_017,24]
Mit dem Worte trat durch Mich eine Schöpfung voll des Großen und Schönen ins
Leben, und mit einem Worte könnt ihr, dasselbe zur rechten Zeit und am rechten
Orte ausgesprochen, Licht verbreiten, Gutes stiften, wo die größten Engel bis
in Meine Nähe noch eine Nachwirkung dieses einfachen Ausdruckes einer Mich
liebenden Seele verspüren.
[Lg.01_017,25]
Worte der Liebe verbreiten überall Liebe, Freude, Seligkeit; Worte der Trauer,
des Hasses oder Neides das Entgegengesetzte; sie müssen so wirken, weil in
ihnen der Keim dazu schon beim Ausspruch liegt. Daher befleißigt euch, Meinen
Worten vorerst Gehör zu schenken, nur Worte auszusprechen, die Göttliches
enthalten und nur Gutes bewirken sollen, so werdet ihr Ruhe und Frieden in euch
und um euch erzielen!
[Lg.01_017,26]
Ich muß euch wieder ein Sprichwort anführen, da solche Sentenzen meistens auf
reinem Grunde gewachsen, stets ihre Wirkung nicht verfehlen, und dieses
Sprichwort heißt: Ein gutes Wort findet
einen guten Ort. Ja, ein gutes Wort wird
nie verfehlen, eine wenn nicht so ganz gewünschte, doch eine ähnliche Wirkung
beim bittersten Feinde zu bewirken. Es ist die Macht des Inhaltes, welches den
Gegner entweder bewältigt oder entwaffnet!
[Lg.01_017,27]
Sehet Meine Lehrjahre an, wie gewogen, wie gewählt waren Meine Worte, weil Ich
eben nicht für diese drei Jahre Meines Erden-Lehr-Wandels, sondern für die
Ewigkeit gesprochen, geredet und gepredigt habe.
[Lg.01_017,28]
Und wenn diese Reden noch jetzt nicht ganz ergründet und in ihrer ganzen
Bedeutung erfaßt worden sind, so liegt eben der Keim des Göttlichen in
denselben, und keine Macht kann diesen inneren Kern vernichten, oder durch
etwas anderes ersetzen!
[Lg.01_017,29]
Meine Worte waren, sind und bleiben Träger des Lichts, Träger der Liebe, die
vom Himmel herunterstieg, um euch kleine Erdbewohner und eine ungeheure
Geisterwelt wieder zum Himmel hinaufzuführen.
[Lg.01_017,30]
So soll das Wort, dieses geistige Samenkorn, stets nur Gutes bergen, damit auf
guten Grund gefallen es wieder Gutes hervorbringe.
[Lg.01_017,31]
Das Wort ist das Senfkörnlein, das in gutes Erdreich gelegt zu einem Baum des
Glaubens anwachsen wird, unter dessen Schatten die Engel und Geister sowie alle
Seelen sich des himmlischen Segens erfreuen sollen.
[Lg.01_017,32]
So fasset den Begriff auf, was ein Wort ist, welche Tiefe, welche Tragweite ihm
innewohnt; und ihr werdet auch eure eigenen Worte zu bemessen, zu beurteilen
wissen, und nebenbei auch behutsamer verfahren in dem Aussprechen von Worten,
wenn ihr deren unendliche Fortwirkung erst im ganzen Sinne begriffen und erfaßt
habt.
[Lg.01_017,33]
So werdet ihr denn auch besser verstehen, wie Ich mit einem Wort eine ganze
Welt erschaffen konnte, wenn ihr es euch klar vorstellen könnt, welch
Unendliches in einem Worte verborgen sein kann.
[Lg.01_017,34]
Dieses alles euch zu beweisen, zu erklären, und auf so manche Mißbräuche euch
aufmerksam zu machen, die ihr mit der Gabe der Sprache treibt, war der Zweck
dieses Wortes von Mir, damit ihr wieder erkennen möget, wie klein die Anfänge
von so manchem großen Unendlichen sind, wo ihr am Großen euch erstaunet, dessen
Ursprung ihr ganz außer acht gelassen habt.
[Lg.01_017,35]
So leset das erste Kapitel Meines Johannes: Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort! In Ihm war das Leben, und das
Leben war das Licht der Menschen! Und das Licht scheinet in die Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht begriffen!
[Lg.01_017,36]
Ebendeswegen soll auch jetzt wieder jedes Wort von Mir diese Finsternis oder
die finstern Gemüter der Menschen nach und nach erleuchten, damit endlich die Finsternis das Wort begreife, das
vom Anfange her das Wort war bei Gott und durch Gott oder durch Mich euch Licht
und Leben brachte, obwohl es von den meisten nicht begriffen wurde, und auch
heutigentages noch mit Hohn und Verachtung zurückgewiesen wird!
[Lg.01_017,37]
Im Anfang war das Wort, und das Wort wird auch ewig das Wort bleiben.
[Lg.01_017,38]
Das Wort war Gott, das heißt das Wort, welches aus Liebe eine Welt voll großer
Schöpfungen materiell und geistig geschaffen hat, damit die Geschaffenen
erkennen mögen, daß die Liebe nicht allein sein kann, sondern daß sie etwas
haben muß, woran sie ihre Liebe beweist, und von selbem wieder wegen ihrer
Liebe geliebt und geehrt werde!
[Lg.01_017,39]
Das Wort der Liebe schuf Welten voll Glanzes, voll Herrlichkeit; das Wort der
Liebe konnte nichts anderes schaffen, als liebende Geister; das Wort der Liebe
erweckte Liebe, weil es selbst Liebe war, und so möge bei euch auch jedes Wort
Liebe erwecken; denn Liebe ist das (all-)mächtige Band, welches Herzen zu
Herzen führt, und erst am geliebten Gegenstande durch dessen Erwiderung seine
eigene Liebe ganz genießt.
[Lg.01_017,40]
So schuf Ich das Wort und die Welt, so schafft ihr eure geistige Welt um euch
herum; Liebe ist Leben, ist Licht der Menschen; Licht erwärmt, erleuchtet. Und
so mögen eure Worte stets nur als Worte der Liebe erwärmen, erleuchten, und
Liebe-Leben um euch verbreiten, damit die Wirkung des Liebeswortes bis in die
Unendlichkeit ebenfalls, wie einst Mein eigenes erstes Schöpfungswort, stets
Liebe, stets Wonne verbreitend, Geister, Seelen und Körper durch dieses sanfte
Band verbinde, damit die Dreifaltigkeit der Schöpfung, die Dreieinigkeit des
Wortes auch dreifache Wirkung bringe, welche die Materie vergeistige, das
Seelische veredle und den göttlichen Geist frei mache, um vereint mit allen
dorthin zurückzukehren, von wo es einst durch das Wort ausgesendet worden ist.
[Lg.01_017,41]
So möge das Wort, als Licht- und Lebensträger überall Seligkeiten und
Freuden bereitend, von euch in euch aufgenommen und an andere mitgeteilt
werden.
[Lg.01_017,42]
Dieses in seinem ganzen Gehalt zu fassen, dazu soll euch dieser langen Rede
kurzer Sinn dienen: Bedenket das Wort, bevor
es ausgesprochen wird; denn seine Folgen sind für euch unberechenbar!
[Lg.01_017,43]
So entgeht ihr manchen bitteren Stunden, wo ihr vielleicht übereilte Reden
bereuen und vor dem Richterstuhl eures eigenen Gewissens verdammen müßtet.
[Lg.01_017,44]
Dieses euch zu ersparen, scheue Ich keine Mühe, auf so verschiedene Weise euch
begreiflich zu machen, daß alles Sichtbare nur Nebensache, das Geistige allein
der einzige Träger, Erhalter und Richter alles Bestehenden ist!
[Lg.01_017,45]
So möget ihr wieder besser begreifen, wie im einfältigen Wort sowohl wie im
ernsten doch stets mehr Deutung liegt, als ihr oft vermutet, und wie die Folgen
und die Tragweite des Wortes ewig dauernd, auch euch an eure eigene
Verantwortlichkeit erinnern mögen, damit ihr nicht ein so köstliches Gut wie
die Rede, die Sprache zu unnützen Dingen, sowie die dazu verwendete Zeit nur so
verwerten sollt, daß keine Minute eine verlorene sei!
[Lg.01_017,46] Ihr
seid Kinder einer Ewigkeit und eines ewigen unendlichen Gottes, benehmt euch
danach, damit bei jedem Wort euer Anfang und eure Zukunft hindurchleuchten
mögen, so wird das Wort in eurem Munde nur Träger des Lichtes und Lebens auch
solches verbreiten, wo es an geneigten Ohren und ergebenen Herzen seinen
Widerhall finden wird, wie es einem Liebe-Wort geziemt.
[Lg.01_017,47]
Im Anfang war das Wort, und das Wort war Ich! So soll bei euch auch das Wort
euer Ich bezeichnen, es soll kein falsches, kein böses Wort über eure Lippen
kommen, das nicht Zeuge wäre, daß ihr Kinder jenes Schöpfers seid, der einst
eine Schöpfung aus dem Chaos hervorrief, wo auch das kleinste Atom Zeuge Seiner
Liebe und Seiner Güte war.
[Lg.01_017,48]
So soll euer Gebaren in der Geisterwelt dastehen, wenn ihr einst verantworten
sollt, was, wo und wie ihr gesprochen habt, damit nicht ein Wort euch die
Schamröte ins Gesicht treibe, und ihr beweisen könnt, daß ihr stets eingedenk
Meines Wortes die eurigen wohlgewählt zum Besten der Menschen benutzt habt!
Amen!
18. Kapitel Über die verschiedenen Formen und Arten der Tiere.
9. August 1872
[Lg.01_018,01]
Schon manche von euch und auch viele andere haben sich den Kopf zerbrochen,
warum es so viele verschiedene Tiere gibt, deren Nützlichkeit ihr als Menschen
nicht einsehen könnt, und die noch obendrein nicht im mindesten den
ästhetischen Grundsätzen gemäß eine dem Auge gefällige Form haben und nach
eurer Aussage häßlich sind, während man doch von Mir als Schöpfer erwarten
könnte, daß Ich alles, was Ich schaffe, Meiner würdig, das heißt mit den
schönsten Formen bekleidet schaffen sollte.
[Lg.01_018,02]
So urteilt ihr, so urteilen viele Menschen und Naturforscher, die überall die
Sache finden möchten, wie sie es sich einbilden, aber nicht wie Ich es gemäß
Meiner Weisheit gewollt habe.
[Lg.01_018,03]
Nun, wie euer Sprichwort sagt: Jeder Vogel singt, wie
ihm der Schnabel gewachsen ist, so muß man ja diesen
gelehrten Herren und so manchem Grübler und Kritisierer verzeihen, wenn er in
seiner Blindheit von Dingen redet, die er nicht versteht und nie verstehen
wird.
[Lg.01_018,04]
Um euch aber doch einen Beweis zu geben, daß Ich nachsichtig, wie Ich es immer
mit Meinen unmündigen Kindern gewesen bin, ihnen auch diese lächerlichen und
ungeschickten Urteile verzeihe, nebenbei aber doch will, daß wenigstens unter
einer kleinen Zahl Meiner Anhänger eine bessere Meinung herrsche, so will Ich
auch hier wieder wie schon bei andern
Gelegenheiten euch hinter den Schleier der
Isis blicken lassen und Meinen Anhängern und Verehrern beweisen, daß doch nicht
alles so ungeschickt gemacht ist, was auf der Welt euren Augen sich so
darstellt, und daß der alte Gott doch wohl schon lange früher gewußt hatte, was Er tut,
ehe nur die Idee da war, ob ein Menschenherz schlagen sollte oder nicht! Nun
also zur Sache.
[Lg.01_018,05]
Ihr seht so manche Tiere, deren Daseinsgrund ihr nicht begreifen könnt, während
ihr doch dabei annehmen müßt weil Ich sie geschaffen,
daß doch ein Warum dabei zugrunde liegen muß.
[Lg.01_018,06]
Seht, wenn ihr eure Rechenkunst wirklich verstündet, wie sie bei Mir zu Hause
ist, und nicht bloß eine kleine leise Ahnung von dem tiefen Sinn eurer
Mathematik hättet, so würdet ihr so manches leichter begreifen.
[Lg.01_018,07]
Es ist wahr, die Mathematik oder Rechnungskunst lehrt euch vom Bekannten auf
Unbekanntes schließen; sie lehrt euch regelmäßig denken, regelmäßig schließen,
von einem auf das andere, aber doch liegt zwischen diesem Denken und Schließen
immer wieder der Abstand eines endlich menschlich geschaffenen Wesens und eines
Gottes, der, wenn Er auch die nämliche Weise der Schlußfolgen beobachtet, die
ihr in der Mathematik entdeckt habt, doch noch auf eine ganz andere Weise
rechnet, schließt und denkt, als ihr noch schwache und unmündige Kinder eines
mächtigen Herrn und Gottes.
[Lg.01_018,08]
Aus diesem folgt also, daß wenn ihr euren Maßstab des Denkens und Schließens an
Meine Worte leget, stets Lücken entstehen, wo das menschliche Denken nicht
ausreicht, weil ein göttlicher Gedanke dazwischen liegt.
[Lg.01_018,09]
Ihr kennt zum Beispiel eine Menge Insekten, deren Nutzen ihr nicht begreifet,
aber deren Plagen ihr täglich verspürt, wenn ihr euch nicht mit allen Mitteln
dagegen schützt; ihr kennt eine Menge anderer Tiere, die nur leben, um wieder andere
unter ihnen stehende zu verzehren, die also nur des Raubes wegen leben.
[Lg.01_018,10]
Ihr kennt eine Menge anderer Tiere, die eurem Auge erst durch das Mikroskop
bekannt geworden, und die mit einer Produktionskraft, einer Lebensdauer
versehen sind, wogegen die höhergestellten Tiere und selbst der Mensch weit
zurückstehen muß.
[Lg.01_018,11]
Ihr seht also im Tierreich eine Menge Widersprüche, die ihr nicht erklären
könnt, und doch, wenn ihr ein einzelnes von diesen Tieren genau beobachtet, so
stellt sich heraus, daß es mit einem so wunderbaren Bau geschaffen, daß es mit
einer so großen Sorgfalt erhalten wird, damit seine Gattung sich nicht
verliert, woraus natürlich der Schluß hervorgehen muß, daß wenn ihr den Bau
eines solchen Tieres, sein Leben und seine ungeheure Fortpflanzung betrachtet,
doch ein großer Grund da sein muß, daß Ich solch winziges Tierchen mit
Eigenschaften bedacht habe, die Ich Selbst euch intelligenten Menschen, Meinen
Kindern, verweigert habe!
[Lg.01_018,12]
So steht ihr denn da zwischen Zweifeln, ohne zu wissen, was ihr von dem
Geschaffenen, was ihr vom Schöpfer halten sollt.
[Lg.01_018,13]
Sehet, um euch diese Anomalie (Ausnahme von der Regel) etwas näher zu
beleuchten, so muß Ich euch auf ein ganz anderes Feld als das Materielle führen;
denn wir müssen mit dem Geistigen anfangen, dem die Materie nur als Umkleidung
dient!
[Lg.01_018,14]
Nur mit geistigen Augen ist dann zu erschauen, was dem materiellen und auch dem
Verstandes-Auge ewig verschlossen bleiben wird.
[Lg.01_018,15]
Die Idee eines Gottes bedingt ja schon als geistiges Wesen von vornherein, daß
Seine Schöpfungen geistige Produkte sein müssen!
[Lg.01_018,16]
Wenn aber ein Gott eine Welt oder einen sichtbaren Ausdruck Seiner Göttlichkeit
schaffen will, so muß auch Er eine gewisse Stufenreihe im Geschaffenen
herstellen, welche Stufenreihe dem gesetzmäßigen Denken entspricht und als
Grundbasis des Bestehens und Erhaltens der geschaffenen Welt bestehen muß; denn
nur so ist dann ein Leben, ein Streben und ein Vorwärtsdringen des Untersten
zum Obersten möglich, welches in den Worten oder Begriffen Entstehen, Bestehen und Vervollkommnen seinen gerechten Zweck
findet.
[Lg.01_018,17]
Alles Geschaffene hat also mehr oder weniger ein geistiges Prinzip zur Unterlage;
in allem Wesenden steckt etwas von Meinem Göttlichen!
[Lg.01_018,18]
Wie nun dieses Göttliche sich zu weiteren Stufen verbreiten kann und muß, so
ist ihm auch ein analoger Körper, eine analoge innere Einrichtung und eine
analoge Lebensdauer anberaumt.
[Lg.01_018,19]
Es gibt in der Natur keine Sprünge, sondern stets leise Übergänge von einem
Tiere zum andern; diese Übergänge sind es, welche dann manche Schöpfungen nötig
machten, die als Mittelglieder eben diese Vorbereitungen des Übergangs von
einer Stufe zur andern möglich machten, und diese Mittelklassen im geistigen
Sinne genommen sind eben jene Tiere, die euch oft so viel zu schaffen machen,
weil ihr nicht wißt, warum sie eigentlich da sind.
[Lg.01_018,20]
Bei euren Schlüssen vergeßt ihr nämlich ganz, daß zu einem Fortschritt in
geistiger Hinsicht, so wie der Schöpfer eines Weltalls denken muß, noch ganz
andere Stufen der Logik gehören als die eurigen.
[Lg.01_018,21]
Bei vielen dieser Tiere ist aber noch ein anderes der Grund ihrer Form und
ihres Lebens gewesen, nämlich nicht nur allein als Mittelglieder und
Übergangs-Wesen zu dienen, sondern auch noch eine andere Wechselwirkung zur
Anregung des geistigen Fortschritts der ihnen weit überlegenen Wesen zu sein.
[Lg.01_018,22]
Sehet, die Wanzen, Läuse und Flöhe und alle andern Insekten, die euch besonders
plagen, sie sind für euch geistige Anreger, daß ihr euren Körper, eure Wohnung
so besorgt, daß ersterer dem intelligenten Geiste würdig, und die zweite durch
Achtung des Reinlichkeits-Prinzips auch eure Gesundheit fördert, damit ihr
nicht wie die Schweine im Dreck und Unflat eher ab- statt aufwärts steigt.
[Lg.01_018,23]
Diese Tiere und noch andere Plagegeister des Menschen haben bei weitem höhere
Missionen in ihrem Lebenszweck, als ihr glaubt; es verwirklicht sich in ihnen
die Vermittlungsstufe von einer kleinen Intelligenz zur etwas höhergestellten,
in einen Körper eingekleidet, welches freilich euch nicht begreiflich ist, die,
mit einer Produktion an Kraft und Ausdauer weit über die eurige hinausgehend, euch
wohl zeigen könnten (würdet ihr mit geistigen Augen die geistigen Stufen
betrachten), wie viel dazu gehört, um einen niederstehenden Gottesfunken
aufnahmefähig zu machen auch nur für einen millionsten Teil höherer
Intelligenz.
[Lg.01_018,24]
Tausenden und Tausenden der niedrigsten Tiere ist es ja gar nicht möglich, sich
höher zu entwickeln, und sie müssen den Stufengang aufwärts nur dadurch
antreten, daß sie als Nahrung für höhergestellte Tiere zu Tausenden erst
miteinander fähig werden, ein einziges höhergestelltes Tier auszumachen.
[Lg.01_018,25]
Die kleinsten Infusorien und Monaden, wie ihr sie heißt, sowie die Würmer der
Korallen und anderer Krustazeen (Krebstiere) sind ja nur da, um eure Erdrinde
mit ihren Leibern aufbauen zu helfen und dadurch die Solidität der Erdschale
sowie die gehörige Quantität von Mineralien und Steinen zu liefern, die sie aus
dem flüssigen Meerwasser in Festeres ihres eigenen Leibes und durch dieses in
gefestetes Gebirge oder Gestein umwandeln.
[Lg.01_018,26]
Wenn nun oft Millionen solcher Tiere in einem Wassertropfen allein leben
können, so begreifet ihr doch selbst, daß dort die Produktionskraft
außerordentlich sein muß, um in der von Mir festgestellten Zeit eine Erdrinde
mit ihren Gebirgen herzustellen, die alles auf ihr mit Leichtigkeit trägt und
der Expansionskraft der in Dampf verwandelten Elemente im Innern derselben
widerstehen kann.
[Lg.01_018,27]
Sehet, bei euch muß der Soldat seine Kleidung, seinen Unterhalt, ja alles, was
er braucht, aus der ihm zugeteilten Löhnung bestreiten. Es gibt keine
Fahrstraße in eurem Lande, wo nicht die Befahrer dieser Straße diese und ihre
Erhaltung durch selbstauferlegten Zoll bezahlen müssen, ja der ganze
Staatenkomplex eures Reiches lebt und besteht nur dadurch, daß alle, die in
dessen Grenzen leben, den Bedarf des ganzen Staates mit seinen Beamten und
Königen bezahlen müssen, so zwar, daß der Staat, der für sich selbst kein Geld
hat, nur der Verwalter des anvertrauten Geldes ist.
[Lg.01_018,28]
So wie ihr es in einem Staate macht, so mache Ich es in den Welten; eine jede
Welt muß sich aufbauen, selbst erhalten und selbst sich vervollkommnen, um
einst zum Übergang in andere Verhältnisse die dort dann notwendigen Formen in
sich vorbereitet zu haben!
[Lg.01_018,29]
Die kleinsten euch kaum mit freiem Auge bemerklichen Tiere bauen eure
Erdkruste, tragen zum Leben von Millionen anderer Tiere bei und helfen die
Oberfläche der Erde verschönern und festigen; die etwas höherstehenden Tiere,
in denen Mein göttlicher Funke schon als nahezu ausgebildeter Sinn sich auch
schon mehreres aneignen kann, müssen die Träger und Ernährer von wieder
höhergestellten Tieren sein, und so stufenweise fort bis zum Menschen. Wo große
Produktionskraft vorhanden, sind auch Verzehrer dieser Kräfte in der Nähe,
welche dieser Vermehrung die rechten Schranken anweisen, damit sie nicht über
das gesetzliche Maß hinausreiche!
[Lg.01_018,30]
So besteht die Harmonie des Ganzen. Von dem im festen Stein gebundenen Geist
bis zum freien Menschen geht ein leises Band der Assimilation, wodurch eines
durch das andere bestehen, eines durch das andere sich vervollkommnen und so
durch den Menschen in das Geisterreich wieder zurückkehren kann, aus dem es
gekommen ist.
[Lg.01_018,31]
Euch den Grund und das Warum zu erklären, von den kleinsten Infusorien bis zum
Elefanten, dazu würden Jahre nicht ausreichen, um nur eine Klasse der
niedrigsten Mollusken deutlich darzustellen, warum sie so geformt, warum diese
kleinen Intelligenzpartikel des vegetierenden Lebens in dieser Form, in diesem
Element, sei es Wasser, Erde oder Luft, und warum solche Verwandlungen nötig
sind, daß ein solches dem Anscheine nach verwahrlostes Tier so und nicht anders
geformt sein muß, um seinem Zweck zu entsprechen.
[Lg.01_018,32]
Ihr müßtet also vorerst diese Einrichtungen und ihr Warum erkennen, ehe ihr auf
die Frage kämet: Warum ist nun das ganze Tier da, zu welchem Zweck und auf
welcher Stufenleiter?
[Lg.01_018,33]
Wo ist eure Wissenschaft, die solches erklären könnte!
[Lg.01_018,34]
Sehet nur in einem lebenden Körper einen kleinen Nervenstrang an; was ist er?
Ist er der Leiter, ist er der Fortpflanzer organischen und animalischen Lebens?
Lebt er, oder pflanzt er das Leben nur fort?
[Lg.01_018,35]
Lauter solche Fragen müßten zuerst erörtert werden, wollt ihr das gesamte Tier
verstehen; wo sind die Bücher, die da ausreichen würden, euch den Faden durch
dieses Labyrinth von Warums zu geben?
[Lg.01_018,36]
Hier steht der Mensch als endliches Ding an der Grenze seines Wissens, an der
Grenze seines Begriffsvermögens; hier fängt der Gott, der Schöpfer an, der dem
Menschen nur sagen kann: Unmündiges Kind, was
willst du mit deinem beschränkten Fassen dessen, was ein Gott, ein unendliches
Wesen, geschaffen hat? Eine Nervenfaser ist und bleibt dir ein ewiges Rätsel,
wie willst du erst bekritteln und beurteilen ein geschaffenes Wesen, welches
aus Millionen Teilen besteht, die unter verschiedener Form doch nur eines
ausdrücken, nämlich die Stufe eines Geistes-Partikels, ein Minimum des großen
Schöpfers, welcher eben alle diese Vorrichtungen für nötig fand, um auch solch
einem kleinen Funken die Fähigkeit des Fortschreitens nicht für immer
abzuschneiden? Wo ist deine, wo ist Meine Weisheit? Eines nur erlaubte Ich dir,
daß du nämlich, mit geistig gewecktem Auge Meine Schöpfung durchspähend, den
großen Schöpfer, als deinen geistigen Vater, ahnen und Ihn lieben lernen
kannst! Aber Ihn begreifen, das liegt über den Grenzen selbst des ganzen
Geisterreiches; denn nur Ich allein bin vollkommen unendlich, nie geschaffen,
und ihr, wenn noch so nahe an Mir, seid doch als geschaffene Wesen ewig endlich
und unvollkommen!
[Lg.01_018,37]
Dieses, Meine Kinder, begreifet! Erfasset es, und dann werdet ihr auch leicht
erfassen können, daß, wie beim langsamen Vorwärtsschreiten der Geistespartikel
in einzelnen Wesen und Klassen, ebenfalls die äußere Form dieser Tiere dem
Bedürfnisse des Geistes und dem Bedürfnisse des ihm gegebenen Körpers
angemessen sein muß!
[Lg.01_018,38]
Wie bei euch Menschen am Gesicht und an der ganzen Form die geistige Innenseite
zum Teil sich ausdrückt und man den Menschen an seinen Zügen zum Teil erkennen
kann, ob in ihm eine edle oder eine gemeine Menschenseele wohnt, so ist auch
die Form selbst der niedrigsten Tiere, bis in die Nähe des Menschen, bis zum
Affen, stets der Ausdruck des in ihn gelegten Funkens, weswegen bei noch
unentwickelten Sinnen und Fakultäten (Fähigkeiten) auch nicht die Formen den
ästhetischen Ideen einer menschlichen höchsten Geistesform gleichkommen können,
weil eben dieser Geist in seiner Unmündigkeit noch andere Bedürfnisse, andere
Einrichtungen braucht, um seinem Zwecke entsprechen zu können; der Geist selbst
ist da in seiner geistigen Form noch ein Embryo der kleinsten Ausbildungsstufe,
und kann deshalb, einfach wie er ist, so auch seine ihn umgebende Hülle nur
einfach sein!
[Lg.01_018,39]
Das einzige Maßgebende in der Form der Tiere ist die Region, in welcher sie
leben, sich mehren und fortpflanzen müssen; diese bedingt bei dem einen
tausend, bei dem andern gar keine Füße; beim einen ein Auge, beim andern viele
Augen; beim einen einen Apparat zum Tasten, bei andern viele; überall ist aber
die äußere Form der materielle Ausdruck der Stufe, auf welcher der in ihr
eingeschlossene Geistesfunke ist.
[Lg.01_018,40]
Und deswegen findet ihr oft Tiere, die ihr, weil ihr von oben herab urteilt,
häßlich findet; würdet ihr aber von unten hinauf die Klassen und Stufen geistig
sehen können, welche solch ein Geist durchmachen muß, bis er zu einem größeren
Bewußtsein seiner selbst kommt, so würdet ihr die für seine Isoliertheit
angemessene Form als die geeignetste finden, welche nur so und nicht anders
dessen geistigen und weltlichen Bedürfnissen entsprechen kann.
[Lg.01_018,41]
Eure Begriffe der ästhetischen Form habt ihr alle aus der menschlichen
hergeleitet, habt die menschliche Form als Grundbasis genommen, als
Grund-Typus, weil auch Ich einst euch nach Meinem Ebenbilde geformt habe; aber
die Formen der Tiere können nicht nach dieser menschlichen beurteilt werden,
weil eben bei den Tieren die innere geistige Form nicht vollendet, nicht ganz
klar ausgedrückt ist und noch viele Zusätze braucht, bis sie geistig und
materiell der menschlichen sich nähern kann; und selbst da, wo sie sich am
meisten dem Menschen nähert, wie beim Affen als Tier, das einzige aber höchste
mangelt, was den Menschen zum Menschen macht, nämlich das Freiwerden vom
Gängelbande der Natur (Instinkt), und die von Mir ihm, als Schlußstein der
Schöpfung gegebene höchste Geistesgabe des freien Willens, emanzipiert
(getrennt) vom Instinkt, als freies Wesen auch frei von allen Ketten und Banden
seiner ihm untergeordneten Natur, Herr seiner selbst und geistiger Herr der
Schöpfung zu sein!
[Lg.01_018,42]
Die Form einer Spinne, eines Käfers, eines andern Insektes, Vogels oder
vierfüßigen Tieres ist ebensogut nach ästhetischen, Mir nur allein bewußten
Grundsätzen gegeben, welche einzelne Uranfänge des Schönen, wie deren Ausgang
in der menschlichen Form ahnen läßt, die aber noch zu sehr verdeckt ist unter
dem Einfluß, welchen Aufenthalt, Nahrungsmittel und Zweck seines Daseins ihm
auferlegen mußten.
[Lg.01_018,43]
Mangelhaft schön ist da die verdeckte Geistesform, mangelhaft schön muß auch
ihre Umkleidung sein; aber dessen mögt ihr versichert sein, es geht eine Kette
von Ideen durch alle organische Welt, welche langsam eine Form aus der andern
vorbereitet, eine in die andere einführt, immer hinzusetzend, immer
vervollkommnend, bis im menschlichen Körper der Schlußstein alles Strebens
erreicht worden ist, welcher vom harten Gestein anfangend, bis zu ihm, dem
Menschen, die logische oder mathematische Idee eines höchsten Wesens, eines
Gottes entwickelt hat, welcher in den Menschen ein Ihm ähnliches Ebenbild
schaffen wollte, geistig (und formell), zu welchem alles andere Getier
ehrfurchtsvoll hinaufschauend, in ihm seinen Herrn, aber auch seinen Freund und
sein höchstes Ziel, wenn nicht erkennt, aber doch ahnt!
[Lg.01_018,44]
Nehmet aber nicht den Menschen wie er jetzt geworden ist, sondern denket euch
den Menschen, wie Ich ihn erschaffen habe, wie er rein und unbefleckt aus
Meiner Hand ging, ein Abbild von Mir, und ein höchstes Produkt von geistiger
Fähigkeit und schönster materieller Form!
[Lg.01_018,45]
So war die Menschenform einst der wahre Ausdruck seines von Mir abstammenden
Geistes; so muß er auch wieder werden!
[Lg.01_018,46]
Und wenn er sich so veredelt hat, wird auch die ihn umgebende Tierwelt an
dieser Veredelung teilnehmen; sie wird nicht zurückbleiben, damit der Mensch,
wenngleich veredelter, doch in den Verhältnissen bleibt, wie er zu der ihn
umgebenden Tierwelt stehen soll, und wie Ich ihn einst geschaffen habe.
[Lg.01_018,47]
Einst verstand der Mensch die Tierwelt besser als jetzt, einst gehorchte auch
letztere dem Menschen mehr und trat nicht feindselig gegen ihn auf; allein der
Mensch entfernte sich von seiner primitiven (ursprünglichen) Form, er wurde anders, während die Tierwelt die gleiche
geblieben ist, und so sieht die Tierwelt den
jetzigen Menschen mit mehr Scheu und mehr Angst als ihren Feind an, weil eben
der Mensch den meisten Tieren durch seine feindlichen Absichten bloß bekannt geworden
ist; das sanfte Verhältnis, welches von Uranbeginn zwischen beiden geherrscht
hat, ist zerstört, und an die Stelle des Freundes das des unerbittlichen
egoistischen Herrschers gestellt worden.
[Lg.01_018,48]
Jetzt ist der Mensch oft angewiesen, sein eigenes Leben vor dem Angriff von
Tieren zu schützen, die in frühester Zeit ruhig zu seinen Füßen lagen und nur
seinen Befehlen gehorchten.
[Lg.01_018,49]
So hat der Mensch seine Freiheit mißbraucht und die friedliche Welt zu einer
Mördergrube gemacht, wo natürlich nur Furcht und Haß, aber keine Liebe, kein
Zutrauen mehr herrschen können.
[Lg.01_018,50]
Euch, ihr wenigen, die ihr noch an Mich, an Meine Lehre glaubt, euch sende Ich
diese Zeilen, damit ihr darin einen neuen Beweis ersehen möget, wie Ich bemüht
bin, ohne eure von Mir euch gegebene Freiheit anzutasten, euch wieder zu
solchen Menschen zu machen, wie derselbe einst aus Meiner Hand hervorging, und
wie er, soll dieser Erdball wieder ein Paradies, ein Eden für seine Bewohner
werden, wieder werden sollte!
[Lg.01_018,51]
Euch diese Zeilen, damit ihr aus diesen lesen mögt die unendliche Liebe und
Güte, welche Ich für und mit euch habe, damit kein Seelen- oder
Geistes-Partikel verlorengehe, welches Ich einst ausgesandt hatte in die weiten
Räume Meiner Schöpfung, sondern damit es erstens gehörig geachtet und zu ihrer
Vervollkommnung soviel als möglich beitragend, alle einfache und komplizierte, Infusorien, Monaden, Tiere
und Menschen einstens auf dem langen Wege der
Vervollkommnung wieder gereinigt und ausgereift ins Geisterreich eingehen
mögen, von wannen Ich sie aussandte, um ihr Prüfungsleben durch alle Stufen
Meines Geister- und materiellen Reiches durchzumachen, und vereint mit dem
höchsten und intelligentesten Geiste der Welten- und Erden-Schöpfung im
Menschen ein Mir wohlgefälliges Ganzes bilden zu können!
[Lg.01_018,52]
Denn was ist der vielen Worte kurzer Sinn! Daß nur Liebe der Hauptfaktor ist,
der, wenngleich er anfangs die Geister trennt, doch nur den Zweck hat, sie am
Ende desto inniger (weil vervollkommnet) vereint zu sehen!
[Lg.01_018,53]
Um aber diese Vereinigung zu würdigen, wie es Geistern, Abkömmlingen von Mir
geziemt, so muß sie errungen, verdient werden. Denn nur dem Verdienste gebührt seine Krone!
[Lg.01_018,54]
Das Bewußtsein des Errungenhabens gibt die Seligkeit des Besitzes.
[Lg.01_018,55]
Daher strebt auch ihr danach zu erringen, was Ich euch vorgesetzt habe, damit
ihr des Namens Meine Kinder als Meine Ebenbilder auch würdig und wert seid!
[Lg.01_018,56]
Dies zu erlangen, dazu sind alle diese Gnadenlichter, die Ich euch von Zeit zu
Zeit sende, damit ihr immer mehr und mehr erkennen sollt, daß sowohl im
kleinsten Monadentierchen wie in eurem Nächsten der gleiche Gott stets das
gleiche euch predigt, was auch die Natur auf jedem Spaziergang und jeder
Pulsschlag als Zeitabschnitt euch zuruft:
[Lg.01_018,57] Vergesset nie, zu was ihr geschaffen seid! Benützt jede
Zeit und jedes Wort von Mir, diesem Zwecke nachzukommen; denn bald wird die Zeit kommen, wo das Korn von der
Spreu geschieden wird, und wohl denen, welche Zeit und Wort so benützt haben,
daß sie zum Korn als fruchtbringendes belebendes Brot für die Himmel erzogen,
den Weg der Vervollkommnung getrost weitergehen können, wann Ich kommen werde,
als alleiniger Hirte, Meine Schafe unter Meinem Schutze zu versammeln, was auch
in Bälde geschehen wird! Amen!
19. Kapitel Das Leben.
12. August 1872
[Lg.01_019,01]
Sehet, unter diesem Wort liegt wieder so viel Geheimnisvolles, so viel falsch
Aufgefaßtes und schlecht Bewiesenes von euren Gelehrten, Naturforschern und
Medizinern, daß Ich Mich bewogen fühle, euch wieder ein Licht anzuzünden, das
in Ewigkeit leuchten soll, euch und allen künftigen Geschlechtern!
[Lg.01_019,02] Was ist denn das Leben? Nun, wenn Ich diese Frage erörtern wollte, wie sie euch von euren
studierten Männern gegeben wird, so würde Ich ebenfalls so wie sie falsch
schließen müssen; denn alle insgesamt nehmen die Wirkung für die Ursache,
nehmen das Produkt für die Faktoren, indem sie nur nach dem urteilen, was ihnen
sichtbar oder greifbar ist.
[Lg.01_019,03]
Wollte Ich euch das Leben nach einem früheren Wort in seiner dortigen Beziehung
wiedergeben, wo es heißt: Wo Licht da ist Wärme, wo
Wärme Leben!, so würde Ich wieder die
sichtbare Wirkung oder Erscheinung des Lebens für das Produkt aus Licht und
Wärme erklären; Ich will aber mit diesem heutigen Wort euch weder das eine noch
das andere sagen, sondern Ich will euch das Leben von tieferer und höherer
geistiger Seite zeigen, um manchen Zweifler und Gottesleugner faktisch seines
Unglaubens zu überweisen (überführen), damit auch er, von den triftigen Gründen
überzeugt, nicht anders kann, als zu glauben oder zu ahnen, was er bis jetzt
mit so großer Hartnäckigkeit verleugnet hat.
[Lg.01_019,04]
Nun zur Sache; die Frage heißt also: Was ist Leben?
[Lg.01_019,05]
Sehet, wenn Ich die Sache so nehme, wie es euren Sinnen sich kundgibt, so ist Leben überall da, wo eine
Veränderung, ein Wechsel, eine Bewegung sich kundgibt; ihr sagt: die Pflanze,
dieses Tier, dieser Mensch lebt; dort, wo das Leben nicht sichtbar, euren
Gefühlen nicht bemerkbar ist, wie im Mineralreich, da nehmt ihr kein Leben mehr
an, sondern höchstens einen gesetzmäßigen Stoffwechsel, gemäß welchem auch der
Stein, wenngleich langsam oder unmerklich, einer Veränderung entgegengeht;
jedoch, wie ihr glaubt, einer unwillkürlichen, einer von den Einflüssen anderer
Elemente auf ihn bedingten.
[Lg.01_019,06]
So betrachtet ihr das Leben. Eure Botaniker beweisen euch durch ihr eifriges
Studium die Zirkulation der Säfte in den Pflanzen, sagen euch, soweit ihre
Mikroskope und sonstigen chemischen Analysen reichen, wie und aus was der Baum,
das Blatt, die Blüte und die Frucht bestehen, erklären euch die Fasern und
Kanäle und das Mark der Bäume und Pflanzen; erklären euch aber mit diesem nur
die Träger und Leiter des Lebens, aber nicht das Leben selbst.
[Lg.01_019,07]
Eure Anatomen zerschneiden lebende und tote Tiere, suchen bei den Martern der
ersteren oder bei Leblosigkeit der letzteren, freilich auf verkehrtem Wege, wenn
das Leben entflohen ist, dessen Wirkungen; sie erklären euch die Nerven, die
weiße, die graue Masse, als Gefühls- und Bewegungs-Faktoren, sie erklären euch
das organische Leben und das tierische Leben im Menschen, finden auch zum Teil
den Mittelpunkt, von wo alles Leben ausgeht, erklären euch endlich auch das
Gehirn mit seinen Windungen, Verzweigungen, seinen Sympathisierungen und seiner
Abhängigkeit von dem andern Nervensystem, als von den will- und unwillkürlichen
Nerven, erklären euch die Struktur der Nerven als Leiter des Willens und der
Lebenskraft; aber das Leben selbst wissen sie nicht zu ergründen. Warum der
Nerv wie ein Telegraphendraht den menschlichen Gliedern den Willen der Seele
oder des inwohnenden Lebens kundgibt, das wissen sie nicht; sie sagen bloß: der
Nerv sei so gebaut und geschaffen als Leiter zu dienen; aber das Fluidum,
welches diesen Telegraphen belebt, die Lebenspotenz selbst ist ihnen unbekannt
und wird es, so lange sie bloß mit dem Verstande suchen, auch bleiben; denn den
Gedanken, der in den Windungen des Gehirns bis zur Zunge oder schreibenden
Feder fortgeleitet wird, diesen imponderablen (unkörperlichen) Faktor werden
sie nie, obwohl durch das Gehirn kommend, mit diesem ergründen können!
[Lg.01_019,08]
Der Gedanke ist Geistes-Produkt, und das sieht und begreift nur der tiefer
sehende Geistes Mensch, wie und warum er entsteht.
[Lg.01_019,09]
Dieses Leben, das höher noch als das organische und tierische steht, ist
ebendeswegen noch weniger erklärbar; denn weder die Masse des Gehirns noch die
daraus entspringenden Nerven werden ihm je sagen können, wer oder was sie zu
dem fähig machte, die Innenwelt der äußern kundzugeben, oder von letzterer die
Eindrücke im Innern aufzunehmen und zum weiteren geistigen Aufbau des
Seelenmenschen zu benützen!
[Lg.01_019,10]
Umsonst plagen sich manche Materialisten ab, alle Bewegungen und Erscheinungen
im menschlichen wie auch im tierischen oder pflanzlichen Leben auf die
chemischen Assimilationsgesetze zurückzuführen, es ist und bleibt ein ewig
falscher Schluß; denn wenn eure Gelehrten euch alle Elemente hersagen, aus
denen euer Körper oder der eines Tieres oder einer Pflanze besteht; wenn sie
nachweisen, daß dieses oder jenes aus Phosphor, Kalk, Eisen, Salz usw. besteht,
so will Ich ihnen nur sagen: Nehmet alle diese primitiven Elemente und
vermischt sie, ob sich daraus eine Arterie, eine Vene, ein Nervenstrang oder
gar ein pulsierendes Herz je bilden wird?
[Lg.01_019,11]
Sehet, ihr schwachen blinden Gelehrten, ihr könnt wohl sehen, daß im
organischen Leben gewisse Grundelemente in ihren Mischungen Verbindungen
eingehen und wieder andere Stoffe höherer Ordnung erzeugen; aber das ganze
chemische Laboratorium wird aus allen diesen Stoffen keinen Grashalm zuwege
bringen, viel weniger ein mit organischem Leben bedachtes lebendes Wesen!
[Lg.01_019,12]
Zu diesem gehört eine andere Kraft, die die rohen Materialien der Stein- und
Mineralwelt nach anderen Gesetzen als denen der Attraktion (Anziehung) oder der
Abstoßung verarbeitet und daraus Organe als Träger organischen Lebens bildet.
Hierher gehört ein anderes Gesetz, ein anderes Leben, und eben dieses Leben ist
euch und so vielen ein Geheimnis, und der Zweck Meiner heutigen Worte.
[Lg.01_019,13]
Dieses Leben, was im Stein zu seiner Verwandlung drängt, was ihn entstehen,
vergehen oder in andere Elemente auflösen macht; dieses Leben, welches bei der
Pflanze ihre Organe baut, bei den lebenden Tieren ihren instinktmäßigen Führer
macht, und beim Menschen alles frühere Leben des Steines und der Pflanze
zusammenfassend, eben daraus das Geistige für eine andere und ewig dauernde
Welt entwickelt; dieses Leben läßt sich nicht mit chemischer Analyse, nicht mit
dem Mikroskop, nicht mit dem Seziermesser finden und klassifizieren; dieses
Leben steht höher, als ihr schwachen Forscher glaubt: denn dieses Leben ist
nicht ein Produkt der Materie, sondern ein Ausläufer Meines
eigenen, ewigen, nie endenden Lebens!
[Lg.01_019,14]
Wie wollet ihr endliche, schwache Geschöpfe das Leben des unendlichen Gottes
bemessen? Ihr seht sichtbar Seine Wirkung in allem, was euch umgibt, ihr könnt
es ahnen, wenn ihr nur euer eigenes Ich betrachtet, welches für so viele ein
Rätsel ist und bleiben wird!
[Lg.01_019,15]
Überall werdet ihr finden, daß es noch eine andere Potenz gibt als alle
Luftarten, als Magnetismus und Elektrizität; denn alle diese sind nur da, um
das Leben zu verbreiten und die ganze sichtbare Welt zu bauen, zu erhalten, und
so einem geistigen, höheren Ziel entgegenzuführen.
[Lg.01_019,16]
Alle Absurditäten der Herren Materialisten werden noch von ihnen selbst bereut
und verflucht werden, wenn der Moment herantritt, wo der Sarg sich öffnet und
das so viel gerühmte materielle Machwerk, der Körper, nolens volens in selben
hineingelegt der Erde übergeben wird, um wieder das zu werden, aus dem er
hervorgegangen ist.
[Lg.01_019,17]
Dort an dieser Brücke der Ewigkeit wird es ihnen schaudern vor der trostlosen
Aussicht, welche sie sich und andern haben weis machen wollen, als existiere
sie nicht, und die nun doch auch an sie herantritt!
[Lg.01_019,18]
Allein, dort wird es zu spät sein, sie werden in ein erbärmliches Jenseits kommen, in
ein Nichts, wie sie sich's gedacht haben; dort wird ihnen dann Zeit
gelassen werden, bis sie ihre materialistischen Schöpfungs-Gedanken abgestreift
haben und nach und nach ein wenig Geistes-Licht ertragen können!
[Lg.01_019,19]
Das wird ihr Schicksal sein, ein Schicksal, das nicht Ich, sondern sie sich
selbst bereitet haben. Sagte doch einst der Apostel Paulus: Wie der Stamm fällt, so bleibt er liegen!
[Lg.01_019,20]
Ungläubig fielen sie, und ungläubig werden sie auch dort wieder erwachen! Das
Gehirn- und Verstandesleben haben sie mit dem Apparate dazu der Erde übergeben
müssen, und das geistige Leben, was sie während ihres Erdenwandels leugneten,
ist auf Null herabgesunken; welch trostloser Zustand sie dort erwartet, Meine
Kinder, begreift ihr nicht und könnt es auch nicht fassen!
[Lg.01_019,21]
Doch lassen wir sie mit ihrem Weisheitsdünkel nur fortarbeiten und kehren wir
zu unserm Wort das Leben zurück; denn Ich will nicht das Los der Ungläubigen,
sondern jenes der Gläubigen schildern. Dieses wird euch in Aussicht gestellt,
das erstere ist jedem selbst anheimgestellt, daß er es sich selber so oder so
bereiten kann, wie es ihm gut dünkt.
[Lg.01_019,22]
Nun sehet also, das Leben, wie Ich es euch gezeigt habe, als Ausfluß Meines ewigen unvergänglichen Lebens ist es allein, welches die ganze Schöpfung durchwebt, im
Lichte bis in die weiteste Ferne dringt, dort durch Vibration die Wärme
hervorbringt, und dann nach Meinen unumstößlichen Gesetzen die primitiven
Elemente zuerst antreibt, sich miteinander zu verbinden, von Grad zu Grad
höhere Stufen im unorganischen Leben erringend, endlich langsam ins organische
Leben übertritt, wo vermittels der Organe alle früheren Elemente zu andern
Zwecken und durch andere Prozesse, vom Festen ins Flüssige umgewandelt, dem
neugestalteten Leben nur dienen können.
[Lg.01_019,23]
So wird der frühere, scheinbar leblose Stoff ein lebendiger, bei den Tieren ein seelischer, und
endlich beim Menschen als Geistiges verarbeitet.
[Lg.01_019,24]
Das angenehme Einatmen der Frühlingsluft ist nicht das Produkt von Sauer- oder
Kohlenstoff, wie ihr sie nennt, sondern es ist das geistige, neu aus dem
Winterschlaf erwachende Leben, welches die eine Halbkugel der Erde überkommt,
während die andere ihrem Ruhepunkte auf einige Monate entgegengeht oder -eilt.
[Lg.01_019,25]
Es ist nicht bloß materielles Wohlsein oder materieller Einfluß, den die
Gebirge auf den Wanderer äußern, wenn er zwischen ihnen wandelt, wenn er
rauschende Waldbäche von schroffen Felswänden herabstürzen sieht, oder
verwitterte Steinmassen und Schneefelder ihn aus unübersteigbarer Höhe
anblicken; es ist ein weit größerer, geistiger Zug des geistigen Lebens im
Menschen, welcher ihn beschleicht, ihn ahnen läßt, daß hoch über der stummen
Materie in der Natur noch ein anderer Geist weht, welcher freundlich zu ihm
spricht: Siehe, kleiner winziger Wanderer!
Das was du siehst und was du fühlst hier in meiner Nähe, ist Gottes Stimme,
welche zu dir spricht und welche hier im ewigen Walten, zum Besten von euch,
mit wenigen Mitteln Zufriedenheit, Ruhe und Glückseligkeit unter euch
verbreiten und euch sagen möchte:
[Lg.01_019,26] Verlieret euch nicht so, ihr Menschen, in materiellen
Interessen, die nur auf diese kurze Spanne Zeit des irdischen Lebens Bezug
haben! Achtet mehr auf eure geistige Ausbildung! Wir alten Zeugen einer
vorweltlichen Natur, die wir waren, ehe ihr den Fuß auf diesen Erdball gesetzt
habt, wir zeugen euch stets von Gottes Größe, von Seiner Allmacht, von Seiner
Liebe! Schließet euch an uns an! Seid einfach und stets gleich wie die Natur,
und euer physisches, wie euer geistiges Leben wird nicht wie unsere Gewässer,
rauschend und tobend sich zwischen Felsen und Engpässen Bahn brechen müssen,
sondern wird langsam und sanft dann zwischen blumigen Wiesen und schattigen
Wäldern seinem Ziel entgegengehen!
[Lg.01_019,27]
Betrachtet das Leben als Ausfluß aus eures Schöpfers Geist, durch Dessen
mächtigsten Willen auch wir gehoben wurden, um einst wieder verwittert zur
Tiefe herabzusinken; als hartes Gestein stehen wir da, Wind und Wetter
trotzend, bis auch unsere Elemente, unser Leben, zur höheren Stufe reif
geworden, in ein anderes, höheres übergehen kann.
[Lg.01_019,28]
So sprechen die Berge zu euch, so spricht das geistige Leben in ihnen zu eurem
Geiste, der im herabfallenden Wasser nicht Wasser, im bedeckten Schneehaupt
eines Berges nicht kalten Schnee, sondern geistige Entsprechungen lesen kann,
welche Speise für seine Seele und Nahrung für seinen Geist sind!
[Lg.01_019,29]
Dieses Leben kultiviert, und so fasset das Leben auf, welches wohl durch Gefäße
und Nerven geleitet euch Kunde gibt von etwas Höherem, Größerem, als bloß von
Anziehen und Abstoßen oder Assimilierung (Angleichung) verwandter chemischer
Elemente, und ihr werdet dann leichter begreifen, daß euer Gehirn mit seinen
Windungen wohl dasein muß, um euch das Leben mitzuteilen und es zu erhalten;
aber daß alles dieses nur Leiter, Behälter und Verbreiter eines höheren Lebens
ist, welches dem tierischen wie dem organischen und unorganischen Leben den
Impuls zur Manifestation gibt, aber doch nicht das Leben selbst ist!
[Lg.01_019,30]
Bedauert alle, welche die Äußerungen des vegetativen Lebens für Hauptsache
halten und kein höheres, über alle Mißzustände des Lebens erhabenes Geistiges
anerkennen wollen! Arme Geschöpfe! Sie plagen sich mit der Materie, die ihnen
nichts gewähren, nichts ersetzen kann; sie müssen eine große Masse von seligen
Eindrücken und Stunden entbehren, die derjenige genießt, welcher, ein höheres
Leben anerkennend, sich mit selbem trösten kann, wann gerade das Irdische,
Materielle ihn so recht in den Staub ziehen will, aus dem er geboren wurde!
[Lg.01_019,31]
Ja, Meine Kinder, es gibt ein höheres Leben, ein Leben, das weit über alles
Vergängliche hinausreicht, das selbst im Steine unendlich ist; denn auch er
verändert nur die Form und seine chemischen Verhältnisse, aber zu nichts wird
auch er nicht; und was im Steine schon, weil von Mir kommend, unendlich ist,
was im Pflanzen-, Tierreich und im Menschengeschlecht noch mehr ausgedrückt
ist, dieses unvergängliche Etwas, dieses ist das Band, welches die materielle
mit der geistigen Welt und beide mit Mir verbindet!
[Lg.01_019,32]
Je mehr das Gefühl vorhanden ist, daß das, was das pulsierende Herz treibt,
das, was die Seele zum Denken drängt, nicht mechanische Kraftanstrengung als
Produkt von materiellen Faktoren ist, desto mehr erhebt sich das Bewußtsein
eines höheren, geistigen Lebens, welches über diese vergänglichen
Kraftäußerungen des tierischen und organischen Lebens noch weiter hinausreicht
und, wo alle Materie aufhört, noch fortdauert.
[Lg.01_019,33]
So fasset das Leben, dieses Drängen nach vorwärts auf, und ihr werdet in den
kleinsten Monaden oder Infusions-Tierchen noch ein höheres Leben entdecken, das
nicht von den Bestandteilen dieses winzigen Geschöpfes abhängt, sondern ihr
werdet begreifen, daß alle, wenn auch euch nicht sichtbaren Organe dieses
Tierchens, ebenso wie die größten Welten, von der nämlichen Kraft belebt und
durchdrungen sind, welche diese Tierchen zur Vervollkommnung treibt.
[Lg.01_019,34]
Dieses geistige Leben äußert sich natürlich durch das Vegetative, durch das
Organische, weil es anders nicht möglich ist; aber es ist nicht dieses selbst,
sondern steht höher und ist dauernder als alles andere.
[Lg.01_019,35]
Das organische Leben äußert sich bloß, solange Organe vorhanden, solange diese
tüchtig sind, ihre Funktionen zu erfüllen. Sind die Organe nicht mehr tätig, so
entschwindet zwar scheinbar das Leben in ihnen; aber der Trieb, welcher sie zur
Tätigkeit drängte, hat nicht aufgehört, er ist eben nur wegen der Unfähigkeit
der Organe, ihn in sich aufzunehmen, nicht sichtbar.
[Lg.01_019,36]
Mein geistiges Leben hat nicht aufgehört; denn kann es so nicht
weiterschreiten, so führt es die Materie durch deren Auflösung wieder in neue
Kombinationen, wo auf höheren Stufen und in andern Verhältnissen das Leben von
neuem beginnt, um so dem Ziele, der einstigen Rückkehr zu Mir, näher zu kommen!
[Lg.01_019,37]
So ist das Leben als ewig ausfließender Geistesfunken aus Mir dasjenige,
welches den ersten Atomen im großen Äther die Kraft mitteilte, sich zu
verdichten, aus ihnen Welten und Sonnen machte, diese mit allen Wundern der
Schöpfung ausstattete, sie bevölkerte und sie einst auf demselben Wege
zurückführen wird, um aus den gebliebenen Überresten wieder andere, geistige
und höhere Wohnungen für freiere, größere Geister aufzubauen.
[Lg.01_019,38]
Das Leben aus Mir ist unendlich, und sein Wirken ebenfalls! Wer sein eigenes
oder das Leben der ihn umgebenden Welt nicht in diesem Sinne versteht, der
begreift nicht, was Gott, was Schöpfer heißt, der faßt nicht den Gedanken eines
liebenden Vaters, der ja alles tut und tat, um von Seinen Geschöpfen geliebt,
geehrt und auch gekannt zu werden, der begreift nicht, warum Ich eben gerade
jetzt mehr als sonst Kundgebung auf Kundgebung, Licht auf Licht auf euch
herabsende, damit ihr nicht im Finstern wandeln sollt, nicht mit Vorurteilen
und falschen Begriffen kämpfen, sondern das eigentliche Licht des wahren Lebens
recht erkennen möget, welches doch aus jedem Schlage eures Herzens euch zuruft,
daß jeder Pulsschlag eine Gnade, ein Ausfluß jenes göttlichen Lebens ist, das
nie Anfang noch Ende haben wird.
[Lg.01_019,39]
Nehmt euch diese Worte zu Herzen! Da verwahret und verdauet sie; denn da ist
der Sitz, wo geistiges Leben, durch organisches getragen, in euren Körper
einströmt und Gesundheit, Segen und Frieden euch verleihen kann.
[Lg.01_019,40]
So sollten alle Meine Worte nach und nach alle Lücken ausfüllen, alle Zweifel
verdrängen und euch stets mehr die Gewißheit geben, daß ihr nicht in einer
materiellen, sondern in einer Geisterwelt schon jetzt lebt, wo die Materie nur
die rohe Überkleidung ist, die wechselt, während das eigentlich Geistige,
Höhere, sich als Leben manifestierend, stets und ewig bleibend ist.
[Lg.01_019,41]
Es gibt keine abstrakte Materie, sondern nur gebundenes Geistiges, und dieses
ist es, welches zur Verwandlung der ersteren drängt, sich in Formen äußert, vom
Unorganischen zum Organischen, und von dem zu seinem eigentlichen Ursprung, zum
Geistigen übergeht.
[Lg.01_019,42]
Es ist also alles nur Mittel zum Zweck, was in der sichtbaren Welt euren Sinnen
entgegentritt; die Ursache liegt tiefer und ist nur als geistiges Leben mit
geistigen Sinnen zu ahnen und teilweise zu fassen.
[Lg.01_019,43]
Dort liegt der Herd eines nie versiegenden Lebensborns; dort ist die große
elektrische Batterie, welche durch ihre Telegraphendrähte an alle Welten ihre
Impulse aussendet, um alles zum Fortschritt, zur Vervollkommnung anzutreiben;
dort liegt das Leben, das geistige Grundelement, welches ewig wie Ich Selbst
nur Geistiges zum Ziele hat, nur Geistiges anstrebt, wenn es gleich je nach den
Organen sich materieller Mittel bedienen muß.
[Lg.01_019,44]
Dieses geistige Leben wird sich dieser Mittel so lange bedienen, als es ihrer
bedarf; ist einst alles vergeistigt, dann wird auch sein Wirken intensiver und
mächtiger werden, und was jetzt auf langsamem, materiellem Wege geschehen muß,
wird dort in kurzer Frist und mit ganzer Macht ausgeführt werden, so wie Ich
mit Meinem Willen auf einmal Welten entstehen lassen oder vernichten kann, wenn
es Mein großer Plan erheischt und Ich nicht den Weg der langsamen Entwicklung
beibehalten will.
[Lg.01_019,45]
Ihr kennt die Kraft dieses Geistlebens nicht, ahnen möget ihr es, und dazu euch
zu führen sollen diese Worte dienen, damit ihr stets im Auge haben möget, daß
ihr Kinder einer Geisterwelt eben Geistiges in euch habt und zu dessen Ausbildung
mehr verwenden sollt als ans Materielle, Irdische, Flüchtige, welches nur für
kurze Dauer ist, während das andere mit euch ewigen Geschöpfen ewig bleiben
wird.
[Lg.01_019,46]
So hat euer Lebenswandel einen Zweck, und euer einstiger Hingang in das andere
Leben ein gewisses Ziel, nämlich mit Benutzung der Zeit das in euch gelegte
Lebenskapital so auszubeuten, daß es euch im Jenseits die gerechten Zinsen und
Früchte tragen möge! Amen!
20. Kapitel Geister- und Welten-Leben.
24. Februar 1873
[Lg.01_020,01]
Schon früher habe Ich euch in einigen Worten, als wie in Die Gedankenwelt und wie im Leben, gezeigt, wie vielseitig
das geistige Leben ist, und wie es aufgefaßt werden muß, um einen schwachen
Begriff von Meiner Welt und Meiner Macht zu haben.
[Lg.01_020,02]
In dem Worte für Kurzsichtige habe Ich euch ermahnt, Meine Natur im Großen zu studieren;
denn einen großen allmächtigen Schöpfer könnt ihr leichter fassen und begreifen
in Seinen großen Werken, während einem tiefeingehenden Forscher Ich auch bei
seinem Rundgang in Meinen unscheinbaren Werken groß, unerreichbar in den
kleinsten Infusionstierchen erscheine.
[Lg.01_020,03]
Ich habe euch alles dieses vorausgeschickt, damit ihr eure geistigen Augen und
Ohren stets offen halten möget, um den Strom des geistigen Lichtes und den Ton
oder die Stimme Meiner geistigen Weltensprache zu vernehmen, wenn sie in und
aus allem Geschaffenen euch das große Lied der ewigen Liebe und des nie
versiegenden Erbarmens verkündet, das auf jedem Schritt und bei jedem
Pulsschlag euch des Vaters Liebe und Seine Gnade verkündet.
[Lg.01_020,04]
In dem Worte Zeit teilte Ich euch mit, was die Zeit ist und wie ihr sie
benutzen sollt; und in der Menschenwürde sagte Ich euch, was ihr tun und lassen solltet, um Meine
Kinder, angetan mit Meinem Ebenbild, zu werden, und wie ihr würdig dieses
Bildes handeln solltet; in der Gedankenwelt erklärte Ich euch, wie alles materiell Geschaffene,
alles Getane nur nach seinem Ursprung, der ihm zugrundeliegenden Idee einst
abgewogen und beurteilt werden wird; und jetzt sende Ich euch wieder ein Wort,
voll des hehren Schöpfungsgeistes, um euch in neuer Ansicht Meine Schöpfung,
Meinen Zweck mit ihr deutlicher vor Augen zu stellen, damit ihr einmal sehen
lernet und mitten im Weltgetümmel und Treiben weltlich-menschlicher
Leidenschaften erkennen sollt, daß weit über alles körperlich Materielle hinaus
der Geist, Mein Wille, der große Träger alles Geschaffenen ist, es entstehen
macht, es eine Zeitlang erhält und dann wieder durch Formveränderung einem
höheren Ziele entgegenführt.
[Lg.01_020,05]
In der Gedankenwelt sagte Ich euch, daß der Gedanke, die leitende Idee höher
steht als alles Materielle, ja daß er die Grundbasis alles Bestehenden ist. Und
jetzt will Ich euch beweisen, wie das rege Treiben der Gedankenwelt als ein
Geisterreich betrachtet, eben auch der eigentliche Faktor alles sich kundgebenden
Lebens, alles Bestehenden und Vergehenden ist, und daß, eben um Meine
Schöpfung, die nur ein geistiges Produkt ist, zu begreifen und zu fassen, ihr
als Geister denken, als Geister Mein Machwerk (Schöpfungswerk) anschauen und
als Geister den Verlauf des ganzen geistig-materiellen Lebens betrachten müßt,
wollet ihr eine rechte Idee von Mir, von Meiner Schöpfung, von deren Dauer und
von euch selbst haben; denn sonst seid ihr mitten im Glanzlichte Meiner Wunder
nur Blinde, mitten im großen Harmonie-Konzert Meiner Sphären- und Welten-Musik
den Tauben zu vergleichen.
[Lg.01_020,06]
Und so will Ich euch nun mit Mir nehmen auf einen geistigen Flug durch die von
aller Materie entkleidete Geisterwelt, damit ihr erkennen und begreifen möget,
wer Derjenige ist, welcher die euch umgebende Welt erschuf, warum Er sie
erschuf, und warum Er euch sowie alle geistiglebenden intellektuellen Wesen je
nach ihrer Fassungsfähigkeit mit Mitteln ausgestattet hat, Ihn, den
allmächtigen Herrn und Schöpfer sowohl als Ihn, den ewig nur liebenden Vater,
begreifen und fassen zu lernen.
[Lg.01_020,07]
Sehet, die Welt, sowohl die große Geister- als die materielle Welt, welche nur
eine Überkleidung der ersteren ist, ward geschaffen, um sichtbar das
auszudrücken, was für materielle Wesen unsichtbar im Geister-Reich, als dem
urewigen Träger alles Schönen, Wahren und Guten, von Mir als Ausdruck Meines
Ichs und Meiner Eigenschaften, schon längst bestand und ewig bestehen wird!
[Lg.01_020,08]
Diese sichtbare, materielle Welt, die also nur Geistiges verhüllend, demselben
zum Leiter und Vervollkommner dienen muß, diese materielle große Welt, von den
Zentralsonnen angefangen bis zum kleinsten Infusions-Tierchen, hat also keinen
andern Zweck, als das in sie gelegte Geistige durch die Materie zu einer
höheren Stufe zu führen. Das in die Materie aber geistig Eingeschlossene nur
allein ist bestimmt, erstens die Materie zu diesem Vervollkommnungs-Prozeß
stets anzuregen, um am Ende aller geläuterten und vergeistigten Materie allein
als bleibendes, nie zu vernichtendes Ewiges übrig zu bleiben, um so Zeugnis von
Dem zu geben, Der es schuf, Der, ein ewiger Gott, nur Ewiges, aber nichts
Zeitliches je erschaffen konnte!
[Lg.01_020,09]
Nun sehet, Meine Kinder! Erhebet euch über die Materie und betrachtet alles
Geschaffene als geistiges Produkt, so wird eurem geistigen Auge klar werden,
was geistiges Leben, was materielles Leben ist; denn geistiges Leben ist das
ewige Drängen des in der Materie gebundenen Geistes, und materielles Leben ist:
die durch dieses Drängen in der sichtbaren, materiellen Welt sich zeigenden
Veränderungen als Entstehen, Bestehen und Vergehen.
[Lg.01_020,10]
Nun, die ganze Unendlichkeit ist voll von geistigen Wesen, eben weil die
Unendlichkeit Mein Ich ausmacht, wie euer Körper ebenfalls das Ich eurer Seele
sichtbar vorstellt.
[Lg.01_020,11]
Alles dieses Geistige in der Unendlichkeit hat seinen zweckmäßigen Fortschritt,
alles hat seinen Zweck, sein Warum, wo es sich binden, wo es sich lösen muß;
und wenn es in Materie gebunden, wann es wieder von dieser befreit als
Geistiges nur selbst bestehen kann!
[Lg.01_020,12]
So entstand die jetzige Welt, so werden stets neue Welten aus den vergangenen
aufgelösten hervorgehen, und so begründet sich die Unendlichkeit als ein
Begriff, auch für endliche Wesen faßbar.
[Lg.01_020,13]
Wie das letzte geistige Partikelchen gebunden in festes Gestein, durch die
Materie sein Leben äußernd, stets den Stein treibt zur Veränderung, zur
Auflösung, um anderes auf höheren Stufen zu werden, so ganze Welten-Systeme, so
ganze Welten-Alle und selbst endlich die ganze sichtbare Welt. Dieses
geistig-materielle Streben, Leben genannt, weil es sich als Bewegendes, als Tätiges
kundgibt, dieses ist es, welches überall gleich, nach dem nämlichen Prinzip den
letzten Wurm wie den größten Sonnenkörper oder den noch in materielle Hülle
gekleideten Engelsgeist vorwärts treibt zu höheren Stufen, zu höheren
Seligkeiten und größeren Genüssen!
[Lg.01_020,14]
So wie euer eigener Körper nur dazu dienen sollte, die Seele zu vergeistigen,
indem er sich durch gerechte Lebensart und als gerechtes Werkzeug zu
menschenwürdigen Handlungen nur brauchen lassen sollte, um dadurch diesen
Vergeistigungs-Prozeß der euch innewohnenden Seele zu bewerkstelligen und zu
beschleunigen, ebenso die größte Zentralsonne und der ganze große Welten-Mensch
mit seiner in Zeiträumen nicht zu berechnenden Aufgabe, damit das Geistige
stets mehr entbunden frei, höheren Stufen entgegengeführt, seinem Zwecke
entsprechen kann!
[Lg.01_020,15]
So wie Ich euch in dem Worte Gedanken-Welt die ganze geistige Sphäre aufgedeckt habe, welche
eigentlich der Träger alles Sichtbaren ist; ebenso will Ich euch hier begreifen
und erfassen machen die Idee des geistigen Lebens, welches die Materie drängt,
sich zu vergeistigen, wodurch sie als materielles Leben euch sichtbar vor die
Augen tritt.
[Lg.01_020,16]
Unaufhörlich geht dieses Drängen und Treiben fort, wie der Strom der Zeit, wie
das Leben der Gedankenwelt; Entstehen, zeitweises Bleiben und wieder Vergehen,
das sind die sichtbaren Belege der nie ruhenden Geisterwelt; ewig drängt es
vorwärts und aufwärts! Von dem kleinsten
Äther-Atom angefangen, drängt alles zum Beginnen, zum Bestehen und Vergehen
oder Eingehen in höhere Ordnung.
[Lg.01_020,17]
Seht doch eure eigene Welt mit geistigen Augen an, wie vielfach ist dort der
Stoffwechsel, wieviel Geistiges wird in jedem Augenblick frei, freiwillig oder
gezwungen, um dann andere Verbindungen anzutreten.
[Lg.01_020,18]
Sehet bei den lebenden Wesen und Tieren aller Art, welch ein Verzehren, welch
ein Morden!
[Lg.01_020,19]
Ja selbst ihr Menschen, wie viele geistige Leben zerstört ihr selbst täglich,
um eurem Magen Nahrung oder ausgesuchte Leckerbissen zu bereiten!
[Lg.01_020,20]
Wie viele Tiere schickt ihr in die andere Welt, weil eben keine geistige
Unterhaltung euch beschäftigt, sondern wie bei Jagden ohne Not nur die Lust des
Mordens euch ein Zeitvertreib ist!
[Lg.01_020,21]
Millionen und Millionen von entbundenen Seelen der Tierwelt entgehen durch
dieses nicht immer zu rechtfertigende Treiben ihrer eigentlichen Bestimmung,
auf langsamem Wege ihr Ziel zu erreichen, und es müssen die größten Teile der
geistigen Partikel erst in dem Verzehrer und durch denselben den weitern
Fortschritts-Prozeß durchmachen.
[Lg.01_020,22]
Aber wenn dieses auch geschieht, und zwar so manches gegen Meinen Willen und
gegen Meine Gesetze, so hält es doch nicht im mindesten den allgemeinen
Entwicklungsgang auf, dem Ich die Welt unterworfen habe, sondern dieser
Entwicklungsgang wird nur durch solch wenngleich widerrechtliches Treiben
beschleunigt und befördert; und wenn Mißzustände aus dem Sündigen gegen Meine
Gesetze entstehen, so werden nur die Täter und Hervorrufer solcher Kalamitäten
selbst bestraft, und zwar durch ihr eigenes Gebaren. Mich aber hindert nichts
in Meinen Mir vorgesetzten Plänen, Meine Welten zur Reife zu bringen, Mein in
selbe gelegtes Geistiges wieder vergeistigt zurückzuerhalten!
[Lg.01_020,23]
So ist die ganze sichtbare Welt und ihr sichtbares Leben nur das Scheinende,
welchem das Geistige, Tiefere zugrunde liegt, und so ist, wie beim kleinsten
Tierchen oder festen Gestein, auch bei großen Welten die Dauer eines jeden durch
das Freiwerden seines in seine Hülle gebundenen Geistigen bedingt.
[Lg.01_020,24]
Wie bei euch Menschen nach natürlichem Verlauf eurer Lebensperiode der Tod erst
erfolgen sollte, wenn eure Seele zum Übergang ins Jenseits reif ist, ebenso bei
Welten und Zentral-Sonnen; wenn in ihnen alles vergeistigt ist, dann vergehen
sie oder lösen sich von Stufe zu Stufe auf, werden immer geistiger, haben immer
leichtere Materie, bis ins Luft- oder Gasartige, wo dann sie auch nur für Wesen
bestimmt sein werden, die mit den leichtesten materiellen Körpern umkleidet
dort wesen können!
[Lg.01_020,25]
So wie euer eigener Körper einst bei höchster geistiger Stufe auch nicht mehr
diese schwere Materie als Umkleidung haben wird, die ihr heute mit euch
herumschleppt, ebenso wird auch eure Erde einst vergeistigt, statt fester
schwerer Materie nur ätherische Stoffe, ätherische Bewohner haben, die mit
ihrem Erdball Schritt haltend, sich stets mehr und mehr vergeistigend, dann
ebenfalls nicht durch große
Elementarereignisse samt ihrem Wohnort in
andere Verhältnisse übertreten, welche dem geistigen Standpunkt angemessen sein
werden.
[Lg.01_020,26]
So seht ihr stufenweise das geistige Leben nach und nach sich aus dem
Materiellen entwickeln; seht, wie das eine nur Ausdruck des andern ist,
begreifet leichter, wie Ich die Welten geschaffen habe, und ahnet, wie groß die
Perioden sein müssen, die nötig sind, solche Vergeistigungsprozesse zu
bewerkstelligen. Und doch habt ihr noch kein geistiges Auge, um zu sehen, mit
welcher Gedanken-Geschwindigkeit dieser Entwicklungsprozeß vor sich geht; noch
habt ihr keine Idee, was eine Zeit-Sekunde in bezug auf diesen Läuterungs- und
Verfeinerungs-Prozeß millionenfaches leistet, und erkennt noch nicht, selbst in
dem weltlichpolitischen Treiben eures kleinen Erdballs, den geistigen Wind, der
die großen Saiten des geistigen Welt-Instruments vibrieren macht. Es schallen
die Harmonien durch die ganze Unendlichkeit; aber stumm und taub verhaltet ihr
euch dabei, erkennet nicht, sehet nicht, höret nicht, wie alles mit
Sturmeseile, mit der Geschwindigkeit der Gedankenwelt sich drängt, den Prozeß
der Befreiung vom gebundenen Materiellen anzubahnen!
[Lg.01_020,27]
Ihr leset Zeitungsartikel, aber versteht nicht
zwischen den Zeilen zu lesen, versteht nicht hinter den Worten, als materielle
Träger einer geistigen Gedankenwelt, zu ahnen, welch großes Geisterleben
dahinter steckt, welches weit erhaben über alle kleinlichen Berechnungen und
menschlichen Spitzfindigkeiten ungestört seinen Entwicklungsgang fortgeht, und
ebendeswegen will Ich euch wieder einen Fingerzeig geben, damit ihr aufwacht
aus euren weltlichen Träumen und klar erseht, wie weit hinaus über alle
Welt-Gebirge und Throne dort oben in jener Geisterwelt andere Gesetze walten,
als die im menschlichen Kodex geschrieben sind, welche einer Zentral-Sonne
sowohl wie dem kleinsten Atom sein Leben geben, um mittels dieses Lebens seinen
Zweck zu erfüllen, das heißt, sich vergeistigend dem Herde alles Lichtes sich
wieder zu nahen, von wo es einst ausgesandt wurde, um individuell, als großer
Weltkörper oder als Wurm, seinen Lebens- und Entwicklungsprozeß durchzumachen.
[Lg.01_020,28]
Noch treibt euch mehr Neugierde als Wissensbegierde zum Lesen Meiner Worte,
noch habt ihr nicht ein Wort erfaßt, wie ein geistiger Mensch, als Abkömmling
von Mir, es erfassen konnte; noch ist euer Leben zu sehr materiell, noch gehört
ihr immer mehr der Welt und nicht euch selbst oder gar Mir an, und ebendeswegen
muß Ich euch von Zeit zu Zeit Mahnworte schicken, auf daß ihr aufwachet, damit
ihr wenigstens in der Zeit eurer geistigen Konzentration fähig sein möget, euch
über das gewöhnliche Leben hinauszuschwingen, euer Aug und Ohr dem zu öffnen,
was stets und immerwährend aus allen Winkeln der Schöpfung euch
entgegenleuchtet und entgegentönt, nämlich daß ihr Geister seid, welche nur auf
kurze Zeit mit Materie umkleidet, bald wieder in Verhältnisse kommen werden, wo
eben nur euer geistiges, nicht aber euer materielles Leben in der Waagschale
etwas wert sein wird!
[Lg.01_020,29]
Daher lasset Mich nicht umsonst euch mahnen; die Zornschalen Johannis werden
geleert werden, und schon sind es einige; die Siegel des großen
Schöpfungsbuches werden gelöst werden, und es werden Zeiten kommen, wo ihr all
euer Geistiges brauchen werdet, um dem Weltlichen Widerstand zu leisten und
Stärke und Mut beizubehalten!
[Lg.01_020,30]
Daher trachtet, Meine Worte zu verstehen, sie zu fassen wie Ich sie euch gebe,
damit ihr von nichts überrascht werdet, wenn etwa das geistige Leben das
Materielle zum Zertrümmern alt-angewohnter Verhältnisse drängt, und Schlag auf
Schlag an eure Herzen angepocht werden wird, wie einst Ich es mit Meinen
Jüngern vor Meiner Gefangennahme getan, als Ich ihnen mehrmals zurief:
[Lg.01_020,31] Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet!
[Lg.01_020,32]
Dieses rufe Ich auch euch zu: Erkennet das Geisterleben! Wachet auf aus eurem
weltlichen Schlafe! Erkennet die Zeit, wie sie drängt zur Lösung, erkennet an
dem Verfall alles Edlen jetzt in der Welt, daß die Zeit nicht fern ist, wo die
Menschen ernten werden, was sie gesät haben. Erkennet den Strom des Lichtes,
der sich über eure Welt auszugießen anfängt, höret die Stimmen der Geisterwelt,
die in großen Schallwellen an eure Ohren schlagen; es sind die Mahnworte eines
liebenden Vaters, Der Seine Kinder im Drang der Ereignisse nicht verlieren,
nicht einbüßen, sondern sie erhalten, ja wenn möglich deren Zahl noch vermehren
will, damit das Geisterleben von ihnen gehörig und im wahren Sinne gewürdigt
werde und sie alle verstehen mögen, wenn auch Welten in Trümmer gehen: Die Liebe eines himmlischen Vaters kann nicht wanken,
kann nicht strafen, sondern nur Seinen Liebes-Gesetzen getreu alles in
festgesetzter Zeit zur Vollendung führen, damit alles wieder dorthin
zurückkehre, von wannen es ausgegangen ist, und damit doch endlich auch Vater
und Kind sich verstehen lernen, und das Kind begreift, was es heißt, von Ihm
geführt, geleitet zu werden, von Dem, der Welten um Welten kreisen macht, und
bei allen Wundern und allem Glanze einer unendlichen Schöpfung doch auch den
kleinsten Wurm nicht vergißt!
[Lg.01_020,33]
So soll euer Verständnis Meiner Schöpfung, so eure Auffassung des Geistes- und
materiellen Lebens werden; denn nur so kommt Ruhe in euer Herz, nur so lernt
ihr Meine Worte begreifen und verstehen, wie Ich sie euch und warum Ich sie
euch gebe!
[Lg.01_020,34]
Solange ihr nicht diesen Standpunkt erreicht habt, so lange seid ihr noch immer
Lehrlinge; aber keine Kinder von Mir!
[Lg.01_020,35]
Meine Kinder müssen mit geistigem, offenem Blick Meine Natur beschauen können,
müssen dort Geistiges vom Materiellen entkleidend, das Wahre erkennen lernen;
müssen die Stimme Meiner Geisterwelt verstehen, müssen ihre geistigen Ohren den
sanften Melodien Meiner himmlischen Musik leihen, damit sie alle begreifen und
verstehen lernen, daß, wenngleich die Materie das Überkleidungsmittel des
Ganzen ist, es doch nur so möglich war, einem lebenden Geschöpf das in der
Materie verborgene Geistige verständlich zu machen und ihm dadurch den Schöpfer
alles Geistigen und Materiellen näherzubringen.
[Lg.01_020,36]
Wenn so einst euer Auge und Ohr geistig geschult den ganzen
Vervollkommnungs-Prozeß alles Lebenden und Wesenden begreifen wird, dann habt
ihr selbst die Stufe erreicht, die geistig euch gebührt, und welche jeder
Mensch anstreben sollte. Dann hat die Zeit kein Maß und die Materie keine Dauer
mehr für ihn; er erkennt dann klar, daß hoch über allem Wesenden und Leiblichen
erhaben die Geisterwelt thront, und daß die Materie und das materielle Leben,
Vergänglichkeit genannt, doch nur vermittelnde Faktoren sind, welche als Mittel
zum Zweck zwar dasein müssen, aber nicht die Hauptsache sind.
[Lg.01_020,37]
Dieses ist der Schleier der Isis, welche die alten Ägypter als Göttin der
Wahrheit verehrten, und von welcher sie behaupteten, daß kein Sterblicher den
Schleier lüften könne.
[Lg.01_020,38]
Sie hatten recht; denn wer diesen Schleier lüftend der göttlichen Wahrheit ins
Antlitz schauen kann und darf, der weiß aber auch, daß er erstens Unsterbliches
geschaut, und zweitens, als eben auch selbst unsterblich, nur solches begreifen
und verstehen kann. Für ihn hat die körperliche Materie aufgehört, eine Last zu
sein, sie ist bloß eine Hülle, die gemäß der Erkenntnis der Wahrheit stets
leichter und leichter, ätherischer werden wird, wo, wenn auch die Materie durch
den leiblichen Tod vom Geistigen geschieden, es keine gewaltsame Trennung,
sondern nur ein leichtes, sanftes Hinübergehen von einem in den andern Zustand
sein wird, der ebendeswegen schmerzlos sein muß, weil die Bande des Geistes und
Körpers vergeistigt, dieselben keines Zerreißens, sondern nur ein leises
Auflösen bedürfen, um dem im irdischen Körper schon hier reinerer Geist
gewordenen Seelen-Menschen seine letzten Hemmnisse zu lösen, von wo er dann
getrost sich in höhere, geistige Verhältnisse aufschwingen kann.
[Lg.01_020,39]
Dieses, Meine Kinder, euch zu erleichtern, ist der Zweck all Meiner Worte; denn
im Jenseits erwartet euch eine Geisterwelt, mit andern Bedingungen und andern
Verhältnissen, und um euch zu diesem einst neuen künftigen Beruf tüchtig zu
machen, scheue Ich nicht die Mühe, durch Worte des Trostes, der Belehrung und
Mahnung euch begreiflich zu machen, daß es nur einen Gott gibt, der nur die
Liebe ist und euch ebenfalls nur zur Liebe erziehen will; denn Liebe ist Mein
eigenes Ich, Liebe ist der Ausdruck alles Geschaffenen, Liebe ist der Endzweck
alles Bestehenden und Werdenden, und nur mit Liebe und durch sie ist Meine
Schöpfung verständlich, und Liebe ist das einzige, was Meinen Geschöpfen den
Geistes-Adel aufdrückt, wodurch sie Meine Kinder genannt werden können!
[Lg.01_020,40]
Ein liebendes Gemüt versteht die Sprache Meiner Natur, versteht die Sprache
Meiner Geisterwelt und weiß die Materie, ihr Leben und ihre Form nach dem
Liebes-Gesetz zu deuten!
[Lg.01_020,41]
Lernet daher zuerst lieben! Verbannet alle andern Eigenschaften aus euren
Herzen, und ihr werdet eure geistigen Augen und Ohren Meinem
Liebes-Geistes-Leben den Eingang offen lassen; lernet den Inhalt Meiner Worte
erst geistig auffassen, und dann werdet ihr erst begreifen, warum Ich so viel
Geduld mit euch hatte, um euch zu liebenden Kindern eines ewig liebenden Vaters
zu machen!
[Lg.01_020,42]
So vergeistigt ihr dann euer Ich, nähert es dem Meinen und macht euch reif, mit
Ruhe und Frieden auch anderen mitzuteilen, was in euch selbst in Fülle lebt!
[Lg.01_020,43]
Dieses behaltet wohl, und nehmet dieses Wort als einen neuen Beleg Meiner Gnade
und Meiner nie wankenden Geduld an, die verirrten Kinder zum Herde des Lichtes
zurückzuführen, nachdem sie lange genug im Finstern gewandelt haben!
[Lg.01_020,44]
So soll euch dieses Wort über Geistes- und Welten-Leben eben wieder beweisen, daß noch lange nicht das rechte
Verständnis Meiner Worte bei euch eingetreten ist und Ich es immer noch nötig
finde, zu dem vielen schon Gesagten Neues hinzuzufügen, damit alle Geheimnisse
Meiner Schöpfung euch klar vor Augen liegen, und ihr eben durch sie erst recht
Mich, den Schöpfer derselben als solchen und als euren Vater erkennen möget;
denn je mehr ihr Mich und Meine Worte geistig auffasset, desto mehr vergeistigt
ihr euer eigenes Ich und bereitet euch auf diese Art vor zum Übergang in höhere
Stufen, die ohne diese Erkenntnis eben nicht zu erreichen wären, denn kurz ist
das Leben und lange die Ewigkeit!
[Lg.01_020,45]
Daher Meine Sorge für den Aufenthalt in der letzteren, wozu die Prüfungszeit in
dem ersteren nur als Probeschule oder Prüfungszeit gelten soll!
[Lg.01_020,46]
Benützt also die irdische Probeschule, um euch gehörig mit dem auszustatten,
was ihr einst als Grundbasis dort nötig haben werdet; benützt die Spanne Zeit
und Meine euch stets in Fülle gegebenen Worte, damit die Ernte dem Säen eine
Ehre mache, und ihr, ehe ihr noch ins Geisterleben eintretet, wisset, was
eigentlich Leben, was Geisterleben, was Welten-, was materielles Leben ist!
[Lg.01_020,47]
Nur so bewaffnet mit geistiger Kenntnis wird euer Fortschreiten leicht sein,
und ihr werdet an Erkenntnis und Weisheit wachsen, je nachdem ihr diesen
Bedingungen entsprechen werdet.
[Lg.01_020,48]
Ein Geist muß wissen, was Geistesleben ist, muß wissen, wie viel es wert und zu
was es da ist.
[Lg.01_020,49]
Ein Geist muß wissen, wie groß der Unterschied zwischen scheinbarem und
wirklichem reellem Leben ist, um beurteilen zu können, inwiefern die ihn
hemmenden Hindernisse geeignet sind, ihn statt rückwärts- gerade
vorwärtszubringen.
[Lg.01_020,50]
Nur mit dieser klaren Einsicht ausgerüstet, kann ein vergeistigter Mensch ruhig
der Zukunft entgegensehen; denn er erwartet den Himmel nicht von außen, sondern
trägt ihn in sich selbst, weswegen auch weltliche Störungen für ihn keine Störungen,
sondern nur Anregemittel sind, ihn in seinem Glauben auf seiner Bahn zu
festigen und zu kräftigen.
[Lg.01_020,51]
So müßt ihr durch inneres Erkämpftes gestählt werden, damit ihr eure Mission in
bezug auf euch und andere erfüllen könnt!
[Lg.01_020,52] Solange
bei euch selbst nur halber Glaube, halbes Vertrauen und wenig Geduld ist, so
lange erkennt ihr noch lange nicht das große Triebrad des Geister-Lebens,
welches, indem es alles bewegt, auch euch mit in diese Bewegung zum allgemeinen
Ziel befördern will.
[Lg.01_020,53]
Folget also Meinem Rate, erwäget Meine Worte wohl, bedenket, von Wem sie sind
und an wen sie gerichtet werden!
[Lg.01_020,54]
Ich als Vater aller Meiner geschaffenen Wesen lasse nichts unversucht, einem
jeden zu helfen und ihm seinen Weg zu erleichtern; wenn er sich aber nicht
helfen lassen will, so werden die Miß-Zustände, die daraus erwachsen nicht Mir,
sondern nur ihm selbst zur Last fallen!
[Lg.01_020,55] Erwäget also alles, und das Gute behaltet!
[Lg.01_020,56]
So sagte Ich einst, so rufe Ich es auch euch zu, damit ihr nicht fallet, wenn
etwa die Zeit der Versuchung kommen sollte, wo ihr euch selbst überlassen die
Folgen euch selbst werdet zuschreiben müssen!
[Lg.01_020,57]
Es ist einmal das Geistesleben die Hauptbasis alles Seienden, und das
materielle Leben nur sein sichtbarer Faktor. Wer beide verwechselt oder
ersteres gar verleugnet, der wird am Ende doch gewahr werden, daß mit dem
Verleugnen die Sache nicht abgetan ist, sondern erst dadurch das geistige Auge
ganz erblindet und die Seele taub gegen alle Stimmen der sie umgebenden Natur
wird.
[Lg.01_020,58]
Wäre der Prozeß des Geisteslebens nicht so furchtbar schnell, so würde man
sagen können, wie ihr es oft als Sprichwort gebraucht: Kommt Zeit, kommt Rat! Allein, dieses Kalkül ist
hier schlecht angewendet; denn die verlorene Zeit bringt nichts mehr zurück,
und die neue bringt stets Neues, nicht dem Vergangenen ähnlich, und so ist es
erstes Gesetz, die Zeit zu benützen, damit nicht Reue über die vergeudete das
Resultat des einstigen Erkenntnisses sei! Daher, Meine Kinder, nehmet alles
ernster, nehmet Meine Worte ernster, nehmet es mit eurer Zeit ernster, damit
Meine Worte nicht tauben Ohren gepredigt sein werden!
[Lg.01_020,59]
Dieses wünscht euer Vater zu eurer Belehrung und zu eurem geistigen
Fortschritt! Amen!
21. Kapitel Das Leben.
19. März 1873
[Lg.01_021,01]
Schon mehrere Worte habe Ich euch gegeben über dieses Thema, und von
verschiedenen Seiten wurde euch gezeigt, was Leben ist und was Leben heißt, und doch gibt es
noch viele Seiten, von wo aus das Leben betrachtet eine aufmerksame Beobachtung
verdient, um am Ende wieder weiter fortzurücken und einen Schritt vorwärts zu
machen in der Erkenntnis dessen, was Leben heißt, und wie eben dieses Leben
sicht- oder unsichtbar nur Mein eigenes geistiges Ich vorstellt, wie es,
wenngleich mit verschiedenen Mitteln und auf verschiedenen Wegen, wieder alles
zu Mir zurückführen muß!
[Lg.01_021,02]
In dem Geister- und Welten-Leben habe Ich euch gezeigt, wie nach und nach jedes gebundene
Leben stets sich frei machend zu höheren Stufen drängt, habe euch dadurch
bewiesen und begreiflich gemacht den Ursprung und Anfang des Geister- und
Welten-Reiches sowie das notwendige Ende des letzteren.
[Lg.01_021,03]
Ich habe euch in jenem Wort einen tiefen Einblick in Meine
Schöpfungsgeheimnisse gewährt, und doch fehlt noch ein anderer Faktor, der
vielleicht bei Betrachtung der verschiedenen Widersprüche in Meiner Schöpfung
mit Meinen Worten, die Ich einst gegeben und auch heute euch noch zukommen lasse,
sich vereinbaren läßt; nämlich die Erklärung, wie der Satz Gott ist die Liebe mit den verschiedenen
eben dagegen zeugenden Widersprüchen in der sichtbaren Natur zusammengereimt
werden kann!
[Lg.01_021,04]
Dieses nun euch noch näher zu beleuchten und faßlich zu machen, soll der Zweck
dieses Wortes sein, damit ihr noch klarer erkennen möget, daß Meine Worte
wirklich Worte eines Gottes, eines höchsten Schöpfers und ewig liebenden Vaters
sind!
[Lg.01_021,05]
Sehet, Ich habe euch gesagt in dem vorigen Worte, daß in der Materie überall
nur gebundene Geister, Ableger Meines eigenen göttlichen Ich, die ganze
sichtbare Schöpfung ausmachen, und daß eben nur diese Geisterpartikel der
Haupt-Bestandteil und die Hauptsache in dem Bestehenden sind; das Materielle aber
nur Nebensache oder nötige Überkleidung ist, um einzelne Geistesteile im ganzen
Universum zu wie für sich selbst bestehenden abgeschlossenen Wesen zu machen!
[Lg.01_021,06]
Dieses ist der erste Schöpfungsgrund gewesen, warum alles geschaffen wurde; der
zweite Grund aber: dieses Erschaffene einem allgemeinen Zweck unterzuordnen,
und ein geistiges Warum festzustellen, weswegen eben alles so in Materie
eingekleidet wurde, deshalb auch der ewige Drang eines jeden Bestehenden, sich
zu verändern, aus der Gefangenschaft sich zu
befreien, und in höhere Stufen aufzusteigen, wo mehr Freiheit, mehr geistiger
Genuß möglich und auch erlaubt ist!
[Lg.01_021,07]
Daher auch das Drängen und Treiben in allem Geschaffenen, seine Form zu
zerbrechen und unbewußt einer besseren Existenz entgegenzueilen!
[Lg.01_021,08]
Dieses Bestreben und Drängen ist es nun, welches sich als Leben kundgibt, und
welches, wo es auftritt, eben deswegen die drei Schöpfungs-Phasen in sich
birgt, das heißt Entstehen, Bestehen und Vergehen.
[Lg.01_021,09]
Durch diese Drei-Einigkeit, welche auch Meine eigentliche wesentliche Dreiheit
entsprechend ausdrückt, in Liebe, Weisheit und Göttlichkeit, und ebenfalls in
jedem geschaffenen Wesen enthalten ist, und zwar unter der Form von Geist,
Seele und Körper, durch diese drückt sich und manifestiert sich das Leben als
sichtbare Tätigkeit, die Meiner Schöpfung erst das sichtbare Siegel aufdrückend
beweist, daß ein höheres Wesen als alle Geschaffenen es sein muß, das nur auf
diese Weise Sich Selbst Seinen Wesen verständlich machen kann, und nur durch
sichtbares Leben das unsichtbare Geistige begreiflich und faßlich machen will
allen Wesen, denen es Vernunft, Verstand und Herz gegeben, um zu begreifen, von
woher sie gekommen sind, warum sie da sind, und was der Zweck ihres Daseins und
das Ziel ihres Lebens, ob materiell oder geistig, sei!
[Lg.01_021,10]
Nun, nachdem dieses Leben aber, wie Ich es euch gezeigt habe, von Mir
ausgegangen ist und wieder zu Mir zurückführen soll, so müssen doch auch alle
sichtbaren Erscheinungen desselben einen gerechten Zweck, ein geistiges Warum haben, warum gerade so
und nicht anders, welches Warum den aufmerksamen Beobachter in Meiner Schöpfung
zu manchen Irrschlüssen führen kann, und auch schon oft geführt hat!
[Lg.01_021,11]
Diese Irrschlüsse nun zu enträtseln und das scheinbar Unharmonische in
Harmonisches wieder aufzulösen, sei der Zweck, warum eben dieses Wort wieder
den Titel Leben trägt, weil eben dieses Wort weder in seiner Tiefe noch
Ausdehnung und Bedeutung von euch begriffen worden ist, woran Mir liegt, da der
Zeitpunkt nahe ist, wo Ich in Meiner Schöpfung keine Finsterlinge, sondern
helle geistig-sehende Wesen haben will, die Mich und Meine Schöpfung verstehen
sollen; darum falle auch der Schleier von dem anscheinlich Unenträtselbaren,
und es verschwinde wieder eine Decke, die bis jetzt über euren geistigen Augen
gehangen hat.
[Lg.01_021,12]
Sehet, Meine Kinder, als Ich die Welt oder das ganze Universum erschuf, so war
Mein Zweck mit dem Binden von Geistes-Partikeln nicht allein der, daß diese
durch den in sie hineingelegten Drang die Materie bloß verändern sollen, um
eine bessere Existenz zu erhalten, nein! Sondern während die gebundenen Geister
zur Vergeistigung der Materie beitragen müssen, sollten auch sie selbst durch
eine andere geistige Schule sich zur nächsten Stufe vorbereiten, sollten durch
Leiden, Entbehrungen, Kämpfe aller Art geschult werden, um nicht allein die
Materie zu einer besseren Stufe vorzubereiten, sondern vorerst sich selbst
geistig zu stärken, und so Dem sich zu nähern, der das Symbol aller höchsten Geistes-Eigenschaften, als
Liebe, Demut, Gnade, ihnen in allem
vorangegangen ist, und auch noch durch das Daniedersteigen auf diese kleine
Erde als winziger Erdenmensch, Sich den niedrigsten Verhältnissen unterziehend,
doch im Niedrigsten und in der größten Schmach den höchsten geistigen Charakter
eines Gottes bewiesen und mit Seinem Erdentode und Auferstehen sogar besiegelt
hat!
[Lg.01_021,13]
Alles, was Mir in Meinem Erdenleben zugestoßen ist, von Geburt bis zum Kreuze;
Meine Lehre, Meine Leiden und Meine Kämpfe, Meine Liebe und Meine Demut, Meine
Gnade und Mein Verzeihen und Vergessen aller Meiner Macht, Meine namenlose
Geduld mit den verirrten Menschen, alles dieses war in entsprechender Weise in
jedes kleinste Geistes-Partikel gelegt. Und was Ich als Beispiel auf Erden
erlebt, gelitten und erkämpft hatte, das war schon längst eben in jeder
Kreatur, in jeder Materie, wo immer ein Funke von Mir verborgen lag, bestimmt,
damit auch das kleinste Geistes-Atom konsequent mit seinem großen Schöpfer die
nämliche Laufbahn durchmache, die einst den Geist über die Materie erheben
soll, und so triumphierend von Stufe zu Stufe aufsteigend tatsächlich beweise,
daß, wie es nur Gesetze für die Materie, Gesetze der Abstoßung und Anziehung,
gibt, es auch Gesetze, moralische, hohe, geistige, gibt, die in Meinem Ich
begründet, Mein eigenes Wesen und das Bestehen alles Geschaffenen ausmachen.
[Lg.01_021,14]
So seht ihr den im Gestein gebundenen Geist, dessen erstes Prinzip die Ruhe
wäre, durch den Einfluß der Elemente, durch Einfluß der Tier- und Menschen-Welt
aus seiner Ruhe vertrieben, ihr seht, würdet ihr es begreifen können, auch
seine Leiden, sein Sträuben gegen alles Fremde, sich stets wehrend, bis er dem
Drange doch folgen muß, und während durch Licht, Wärme und Nässe seine
Überkleidung stets in vibrierendem Zustande das Bestehende verändert, und so
seine Form zerbricht, dem Geiste, wenngleich oft gegen seinen Willen zu dem
verhelfend, was ihm allein nötig und was ihm als Lebensprinzip angewiesen ist.
[Lg.01_021,15]
Wie im Steine oder in der festen Materie ebenso im Pflanzenreich, wo das
pflanzliche Leben des in der Pflanze wohnenden Geistes ebenfalls durch allerlei
Umstände dazu veranlaßt wird, seine eigene Geistes Existenz durch Leiden und Kämpfe zu befestigen.
[Lg.01_021,16]
Denn ihr wißt es nicht, wenn ihr eine Pflanze aus der Mutter Erde grausam
reißt, oder einen Baum umhauet, oder einer Pflanze den schönsten Schmuck, ihr
Bräutigamsleben, die Blume nehmt, ob nicht der Pflanzengeist in seinem höchsten
Wonneleben gestört auch ein Weh empfindet, als wie wenn euch etwas Unangenehmes
widerfährt.
[Lg.01_021,17]
Könntet ihr mit geistigen Augen die geistige Welt erschauen, ihr würdet vor
manchem mit Schaudern zurückbeben, wie viele Grausamkeiten ihr vernünftig sein
wollende Menschen oft verübt, die eben eine niederer gestellte Existenz mit
Stillschweigen ertragen muß, weil keine Sprache ihr gegeben wurde, um durch
Töne Freud und Leid auszudrücken.
[Lg.01_021,18]
Sehet den ewigen Kampf der Elemente mit dem harten Gestein, das Leben der
Pflanzen und das Leben der Tiere, die ebenfalls geistige Funken in sich bergen;
alle müssen kämpfen, müssen leiden, und nicht allein der oberflächliche Mensch
hat das Recht sich zu beklagen, daß dieses Erdenleben ein Leben voll Trug und
Täuschung ist, und daß es oft nicht der Mühe wert sei zu leben, bloß um zu
leiden!
[Lg.01_021,19]
Die Tierwelt, die von euch so mit Füßen getretene Tierwelt, leidet oft bei
weitem mehr als ihr, und leidet oft, nicht bloß durch Gesetze der Natur, welche
zu ihrem Fortschreiten auch Leiden und Kämpfe in ihr kurzes Leben hineingewoben
hat, sondern meist unschuldig durch das, was der Mensch ihr antut, und wogegen
eure Sklaventyrannei und sonstiger Despotismus (Gewaltherrschaft), den ihr
überall entfernen wollt, bei weitem an Herzlosigkeit übertroffen wird!
[Lg.01_021,20]
Dem Tiere sind neben seinen eigenen Feinden, durch die es, ihnen zur Nahrung
dienend, auf eine höhere Stufe gehoben wird, nebenbei auch Eigenschaften
gegeben worden, die zur Fortpflanzung und Erhaltung einer Gattung nötig sind;
dieses ist das Muttergefühl, die Liebe zu ihren Jungen, die Liebe für ihr
natürliches und künstliches Haus, eine Liebe, die bei den Tieren durch die
Natur geboten, bei euch Menschen durch eure sittliche Stellung ebenfalls
bedingt sein sollte, jetzt aber beinahe auf Null herabgesunken ist, wo so
manches dumme Tier den sich gescheit dünkenden Menschen beschämen könnte!
[Lg.01_021,21]
Und sehet, eben diese Liebe, Liebe als göttlicher Funke aus Mir ausgegangen,
sänftet das Tier gegen seine nächste Umgebung, läßt einen Lichtstrahl der
Freude, des Wohlbehagens in die kleine Tier-Seele fallen, damit auch sie, nicht
allein dem Nahrungs- und Erhaltungstriebe folgend, noch ein höheres geistiges
Vergnügen kennt, welches nicht an Materie, sondern Geist an Geist bindet.
[Lg.01_021,22]
Wenn dem Tier seine Brut, seine Wohnung vernichtet wird, betrachtet seine
Ängstlichkeit, seinen Schmerz, sein unruhiges Umherirren; betrachtet es und
schämet euch, daß ihr selbst so oft mit großer Unbarmherzigkeit solchen Akt der
Grausamkeit vollführt, weil ihr euch Herren der Welt glaubt!
[Lg.01_021,23]
Wenn Ich solche Dinge zulasse und nicht strafe, wie sie es verdienten, so ist
es eben, weil diese Leiden, so herb und bitter sie sind für die stumme Kreatur,
doch zur Stärkung ihres Seelen- und Geisteslebens beitragen müssen.
[Lg.01_021,24] Auch
das Tier findet sein Leben nicht auf Rosen gebettet!
[Lg.01_021,25]
Freilich soll euch dieses nicht das Recht geben, deswegen das Tier zu quälen,
sondern ihr sollt als Stärkere die Schwächeren beschützen und nicht, von ihrer
Schwäche Mißbrauch machend, oft euch die Zeit vertreibend mit unnützem Morden
bei Jagden und qualvollem Füttern, Mästen usw. zur Lust eures Gaumens, einem
unschuldigen Wesen sein Leben verbittern, das ihr ihm nicht gegeben, und also
auch nicht das Recht habt, dasselbe ihm zu nehmen!
[Lg.01_021,26]
Ihr Menschen solltet euch erinnern, daß Ich so nicht die Welt erschaffen habe,
wie ihr sie jetzt vor Augen habt, nein! In den ersten Zeiten lebte der Mensch
in Harmonie mit der Tierwelt; das Tier sah nicht seinen Feind in dem Menschen,
und der Mensch brauchte das Tier ebenfalls nicht zu fürchten; aber jetzt, wo
die Menschen auch dem Tiere gegenüber das Vertrauen in Mißtrauen verkehrt
haben, jetzt tragen sie auch die Folgen davon!
[Lg.01_021,27]
Das einstige Paradies bestand eben in der Einigung der ganzen geschaffenen
Welt, als immerwährendes Dankgebet zu Mir; und den Mißton des Eigennutzes, des
Hasses und der Rache hat nur der Mensch selbst in sie hineingepflanzt, weswegen
er auch nicht mehr Herr der Welt, sondern die Welt sein Herr geworden ist!
[Lg.01_021,28]
Die ihm drohenden Gefahren, die Aufgabe, sein eigenes und das Leben seiner
Familie zu beschützen, genügten dem Tierreich als Schule, um aus der Lethargie
der Ruhe geweckt zu werden. Es war nicht nötig neben Meinen Lebensgesetzen, daß
ihr Menschen noch andere Grausamkeiten hinzugefügt habt, um das so schon
scheinbar weit unter euch gestellte Tier noch mehr in seinem eigenen Leben zu
verletzen und zu plagen.
[Lg.01_021,29]
Allein, wenngleich dieses stumme Dulden und Leiden der Tierwelt doch in bezug
auf sein geistiges Fortschreiten ihm zum Vorteil gereicht, so ist auf der
andern Seite eben gerade dieses euer Gebaren, eure Grausamkeit und Freßlust,
die größte und erste Ursache, weswegen ihr Herren der Welt sein wollende
Menschen in tausend Fällen weit hinter der Tierwelt zurücksteht, und auch durch
Aneignung einer Masse nicht in eure Organisation hineingehöriger Elemente euer
Leben verkürzt, Krankheiten und Leiden heraufbeschwört, von denen eben das so
verachtete Tier keine Ahnung hat und es als Triumph eurer Weltherrschaft euch
ganz allein überläßt, damit auch ihr durch selbstverschuldete Fehler wieder
abbüßen müßt, was ihr so mutwillig an Grausamkeiten an allem unter euch
Stehenden verübt habt!
[Lg.01_021,30]
Nehmet nur alle diese Tiere, die euch nützen, für euch arbeiten, oder welche
ihr als notwendige Nahrungsmittel für euren eigenen Bestand nötig glaubt, welch
herzloses Gebaren zeichnet da den Herrn der Erde aus!
[Lg.01_021,31]
Wie lohnt er die willige Dienstfertigkeit derjenigen Tiere, die er eben darum
in seinen Bereich gezogen hat, weil ohne ihre Kräfte er nichts oder sehr
weniges ausrichten könnte?!
[Lg.01_021,32]
Sehet das Pferd, den Ochsen, das Schaf usw., welch trauriges Schicksal hat
nicht ersteres, wie leidet es oft stumm unter brutaler Hand Mißhandlungen als
Ersatz für Herleihung seiner ihm zu Gebote stehenden Kräfte?
[Lg.01_021,33]
Wo ist da die Sittlichkeit des Menschen? Wo ist eine ähnliche Grausamkeit im
menschlichen Leben? Zwischen Tieren selbst existiert sie nicht!
[Lg.01_021,34]
Der Ochse, der euren Pflug zieht, euch zu Brot und Nahrung verhilft, euch
gutwillig eure Lasten zieht, was ist seine Belohnung? Spärliches Futter, um endlich noch von euch aufgezehrt
zu werden!
[Lg.01_021,35]
Ihr nennt die Menschenfresser Kannibalen, und was seid ihr denn mehr, ihr
zivilisierten Städte- und Dorfbewohner?
[Lg.01_021,36]
Wie geht ihr mit den andern Tieren um, welche ihr zu eurer Nahrung auserkoren
habt, und zwar nicht zur notwendigen, sondern vielmehr zum künstlichen
Gaumenkitzel!
[Lg.01_021,37]
Wie herzlos geht ihr bei der Fütterung derselben, wie herzlos beim Verkauf mit
ihnen um!
[Lg.01_021,38]
Taub für eure Ohren erschallt der Angstschrei eines geplagten Tieres; ihr, nur
eure Freß- und Gewinnbegierde im Auge haltend, vergeßt, daß auch das Tier
Schmerz empfindet, daß es von Mir geschaffen wurde zu anderem Zweck, als gerade
nur zu dem ihr es gebrauchet!
[Lg.01_021,39]
Sehet, so ist die große Leidensschule, die Ich einst als Beispiel Selbst auf
eurer Welt erduldete, symbolisch, je nach der Gattungsstufe der geschaffenen
Wesen, eingewebt in ihrem Leben; und wenn Ich geduldig zusehe, wie dieses alles
geschieht, wie Tausende von Tieren noch weit vor ihrer Bestimmung schon aus dem
Weltleben entfernt werden, als Meine gesetzliche Dauer es bestimmt hatte, so
ist es der Grund, weil Ich doch wieder aus allen Verirrungen des menschlichen
Geschlechtes einen geistigen Nutzen für Meine minder begabten Wesen ziehen
kann, und die Strafe oder Entgeltung nur auf euch selbst zurückfällt, wo dann
auch ihr als Menschen das erlebt, was ihr den unschuldigen Tieren bereitet
habt, und so eine Welt voll Leiden und Kämpfen, voll von Begierden und
Entbehrungen euch selbst bereitet, welches natürlich eben das Verkehrte oder
Entgegengesetzte ist von dem, was ihr gehofft und zu erlangen gestrebt habt!
[Lg.01_021,40]
So zieht sich der Faden durch Meine ganze Schöpfung, welcher allen Geschaffenen
durch Leiden, Kämpfen, Entbehren und Erlangen den geistigen Weg zeigt, mittels
welchem nur allein geistiges Leben und geistiger Fortschritt bedingt werden
kann!
[Lg.01_021,41]
Ruhe als Glückseligkeit sucht der gebundene Geist in der gefesteten Materie;
Ruhe und ruhiges Nachgehen seinem Erhaltungstriebe sucht das Tierreich, und
Ruhe und gemütliches Behagen in seinen tierischkörperlichen Befriedigungen
sucht der Herr der Erde, der Mensch!
[Lg.01_021,42]
Aber ein hehres, großes Gesetz der Geisterwelt, das Ruhe nur mit Tod und
Nichtsein vergleichen würde, stört fortwährend diese Ruhe, regt fortwährend an
zum Kampfe, zum Streben gegen fremde Eindringlinge, und dieses Anstreben ist
das geistige Leben, das eben die von Mir in die ganze Schöpfung
hinausgestellten Geister-Partikel Meines Ich wieder zur Umkehr, zur
Verbesserung ihres Seins, zur Vervollkommnung zwingt!
[Lg.01_021,43]
Wie Ich einst zu Adam sagte: Im Schweiße des
Angesichts sollst zu dein Brot verdienen (1 Mose 3, 19), was
soviel sagen will als:
[Lg.01_021,44] Die Ruhe, welche Ich dir geben wollte, hast du nicht
verstanden, hast sie statt zum Leben zum Tode deines geistigen Ich benützen
wollen; diese Ruhe soll dir genommen werden, auf daß dein geistiges Ich nicht
verdorre unter dem Wuste von tierischen Leidenschaften, und kämpfend und
leidend sollst du erst erringen, was, frei aus Meiner Hand dir gegeben, du
verschmähtest und es mißverstanden hast!
[Lg.01_021,45]
Und wie die Welt, so wie sie nun ist, nur durch die Leidensschule für euch
Menschen ebenfalls zu etwas Besserem führen kann, und diese also nötig ward, so
war und ist es auch beim Tierreich eine eigene Lebensperiode, welche je nach
Umständen dem einen oder dem andern mehr zu dulden und zu leiden auferlegte, je
mehr es befähigt sein sollte, eine geistig höhere Stufe zu erlangen.
[Lg.01_021,46]
Was die Ausschreitungen und Grausamkeiten der menschlichen Rasse gegen das ihm
unterstehende Tierreich betrifft, so ist es damit Schritt für Schritt mit dem
Verfall seiner eigenen geistigen Würde gegangen und hat die Menschen geistig
und körperlich auf einen Standpunkt gebracht, der jetzt seinem Ende ebenfalls
bald entgegengehen wird, wo die menschliche geistige Würde bald wieder ihre
Stellung einnehmen muß, die er, der Mensch, dann ebenfalls nicht allein gegen
seinen Nächsten, sondern auch gegen alles unter ihm Stehende tätig ausüben
wird, wodurch die Erde mit geistigen Menschen belebt werden wird, und auch das
Tierreich ihnen weniger feindlich gegenübersteht, und so der Mensch das
einstige verlorene Paradies im Vereine alles Lebenden, als große geistige
Lebensschule anerkennen wird! Dahin strebt jetzt alles! Der geistige Wind zur
Regeneration bricht aus allen Ecken hervor. Die Menschen, wenigstens die
meisten von ihnen, wissen ihn nicht zu deuten, jedoch einzelne unter ihnen, und
besonders ihr, die Ich unter Meine eigene Obhut genommen habe, ihr sollt alle
erfahren, was geistiges Leben heißt, damit ihr die Anzeichen erkennen mögt, wo
alles darauf hinzielt, die menschliche Gesellschaft, nebst der sie umgebenden
Tier- und Pflanzenwelt, zu dem wieder umzugestalten, was sie einst war,
nämlich: zum Garten für Meine Kinder, zum Wohnort Meiner Geschöpfe, die alle
nach einem Liebes-Gesetz erschaffen, auch nach demselben Einen erzogen und
ausgebildet wurden, einst Mir all Mein Ausgesandtes reichlich mit Zinsen
zurückbringen sollen, damit Ich Mein Geisterreich aus der Materie ergänzend,
selbst letztere vergeistigt wieder erhalte, und so eine Welt von Geistern Mich
umgibt, die Meiner würdig und ihrer eigenen Lebensaufgabe gemäß das Ziel vor
Augen hat, mittels dessen der kleinste in die feste Materie gebundene Geist so
gut wie der Mir zunächststehende Engel alle ihre eigene Bestimmung erfassen,
Mich erkennen und lieben lernen, und in allem, wenngleich Materiellem, nur eine
Vor- und Probeschule ersehen mögen, wie Wesen, geschaffen von einem Gott, Seine
Kinder werden können!
[Lg.01_021,47]
Daher befleißet auch ihr euch zu erkennen und geistig aufzufassen, was das
geistige Leben ist, welches dem kleinsten Wurm so wie euch als Menschen- und
Gottes-Ebenbildern als Ziel gesteckt wurde. Lernet eure Menschenwürde erkennen,
wie ihr euch gegen das scheinbar leblose, aber doch auch lebende Wesen unter
euch benehmen sollt, damit ihr geistige Wesen, eingedenk eurer Abstammung,
stets als solche handeln möget; denn nur so befestigt sich der Adel der Seele,
nicht dort nur recht zu handeln, wo politische oder Familien-Gesetze es
erheischen, edel zu handeln, nein, sondern wo, wenn der Mensch auch grausam
ist, kein bestehendes Gesetz ihn bestraft, außer sein eigenes Gewissen; nur
dort, wo der Mensch keinen andern Richter hat als seinen freien Willen, wo er
mit diesem allein vor einem Gott und Schöpfer steht, dort aus freiem Antrieb,
aus edler innerer Liebe gedrungen Barmherzigkeit auszuüben, auch gegen das
letzte unbedeutendste Tier oder Wesen, in welchem Leben vermutet wird, dort
auch großmütig zu handeln, das erhebt, das belohnt. Nicht daß ihr einen Wurm
nicht zertreten habt, nein, sondern daß ihr, höheren Lebensgesetzen gehorchend,
eurer Leidenschaften Meister geworden seid, dieses Bewußtsein ist es, welches
euch über die Masse erhebt, eure Liebe und Barmherzigkeit übt, und so euch zur
zweiten Natur werden wird, wo ihr dann eurem Nebenmenschen nicht das versagen
werdet, was ihr einem schwachen, unmündigen Tiere angedeihen ließet!
[Lg.01_021,48]
Was macht denn Mich zum großen Gott, zum großen Schöpfer?
[Lg.01_021,49]
Vielleicht Meine Macht? Meine Allgewalt? Nein! Ich bin nur wahrhaft groß, weil
Ich eben liebend als Vater auch das kleinste Infusionstierchen mit derselben
Liebe und Geduld seine kurzen Wege führe, wie Ich dem höchsten Engelsgeist die
seinigen vorgezeichnet habe, und allem, was von Mir geschaffen ward, nie Meine
Macht, aber nur stets Meine Liebe, Meine Gnade und Geduld fühlen lasse.
[Lg.01_021,50]
Das macht Mich groß vor euch denkenden Wesen, das macht Mich zum liebenden
Vater, zu Dem ihr inbrünstig flehen könnt; aber nicht Meine Allmacht, vor deren
strengem Richterblick ihr euch als Sünder verbergen müßtet!
[Lg.01_021,51]
Werdet wie Ich, vergebt wo ihr vergelten, verzeiht
wo ihr bestrafen, und vergeßt wo ihr aus Liebe an das Unrecht nicht erinnern wollt!
[Lg.01_021,52]
So erhebet euch als freie Wesen über das Getriebe der Masse; sehet die Welt mit
geistigen Augen an und häufet nicht Leiden bei unschuldigen Geschöpfen zu deren
notwendigen Kämpfen, die Ich in die Lebensperiode des Tieres gelegt habe, damit
auch der kleinste, aber gebundene Geist dort auch in seinen geistigen Kräften
geübt, gestärkt und gefestet werde, um auf einer höheren Stufe leicht sich
zurechtfinden zu können.
[Lg.01_021,53]
So soll euer eigener Lebenslauf eine Kette von ungesehenen Wohltaten werden,
welche ihr, gleichviel wem, ob Tier oder Mensch angedeihen laßt, weil ihr
eingedenk Meines eigenen Beispiels, den Adel eures eigenen Herzens vorerst bewahren,
und als Kinder eines Gottes auch demgemäß göttlich handeln wollt, wo es die
Gelegenheit erlaubt.
[Lg.01_021,54]
So befördert ihr geistiges Leben im allgemeinen und im einzelnen, in fremder
und in eigener Brust. Das Bewußtsein solcher Taten, denen die Barmliebe, die
Geduld zugrunde liegt, gibt diese Ruhe, welche auch Ich Selbst als Mensch noch
am Kreuze hatte, und warum Ich auch dort ausrufen konnte: Verzeihe ihnen, o Herr, denn sie wissen nicht, was sie
tun!
[Lg.01_021,55]
Die Höhe des göttlichen Selbstbewußtseins, die Mich dort zu diesem Ausruf
veranlaßte, möge euch in seiner ganzen Tiefe einleuchten, wie hoch ein Mensch
moralisch stehen kann, wenn er trotz Unbilden und Leiden noch, statt Vergeltung
Verzeihung erflehen kann!
[Lg.01_021,56]
Dieses geistige Leben erfasset! Übet es im Kleinen, und es wird euch erheben,
beseligen; denn was Ich als Mensch mit Meiner göttlichen Gewalt gegen Meine
Mitmenschen war, das sollt ihr gegen eure Umgebung, ja gegen das letzte lebende
Wesen sein, das heißt eifrige Beschützer des Schwachen und Verteidiger des
Leidenden!
[Lg.01_021,57]
So fasset Meine Lebensgeschichte auf! Und es werden Strahlen des Lichtes über
euch sich verbreiten, die ihr, Mein Beispiel nachahmend, ebenfalls zur höchsten
Seligkeit verwenden könnt, indem ihr um euch nur Gutes, nur Wohltaten
verbreitet, euer eigenes Ich erhebt und Mir euch näher bringt, da ihr, in Meine
Fußtapfen tretend, dasselbe tut, was Ich getan habe und stets tue, das heißt,
daß ihr, eure Menschen- und Geistes-Würde wahrend, euch erhebt zu dem, was Ich
aus euch machen möchte, nämlich zu Kindern eines ewigen Gottes und stets
liebenden Vaters. Amen!
22. Kapitel Das menschliche Leben.
14. Januar 1875
[Lg.01_022,01]
Schon oft drang bis zu Mir der Klageton eines Menschen, der Mich der
Ungerechtigkeit, der Härte beschuldigte, weil sein Leben und die dasselbe
bestimmenden Ereignisse nicht so ausfielen, wie er es glaubte, hoffte oder
wünschte.
[Lg.01_022,02]
Schon oft hörte Ich das Flehen einer gedrückten, mit allem Elend des menschlichen
Lebens kämpfenden Seele, wenn sie ausrief, im Drange ihres höchsten Schmerzes: Aber Vater und Herr, was habe ich denn verschuldet, daß
Du mich mit allen möglichen Drangsalen verfolgst, während Du andern das Glück
in Fülle in den Schoß schüttest, ohne daß sie wissen, warum sie eigentlich es
verdient haben!
[Lg.01_022,03]
So und auf tausenderlei Arten werden Klagen gegen Meine Gerechtigkeit, gegen
Meine Worte, daß Ich die Liebe sei und nicht strafen könne, und weitere Klagen
geführt; gegen Mich als unerbittlichen Richter, als strengen, aber nicht
liebenden Vater Beschuldigungen erhoben, die dem Anschein nach oft sogar nach
menschlichen Begriffen gerechtfertigt erscheinen.
[Lg.01_022,04]
Um nun alle diese Klagen und Beschuldigungen ins rechte Licht zu stellen und
auch noch die Frage zu erörtern, warum es in der menschlichen Gesellschaft so
viele verschiedene Stände, Professionen und Gewerbe gibt, warum es im
menschlichen Gemüt so verschiedene Neigungen zu einem oder dem andern
Lebensberuf gibt, will Ich euch, nachdem Ich oft genug das geistige Leben nach
dem Tod euch erklärt habe, auch diese Fragen des euch am nächsten liegenden
menschlichen Lebens lösen, damit ihr erstens doch einmal aufhört, Mich zu
beschuldigen, und zweitens, damit ihr einsehen lernt, zu was das menschliche
Leben da ist, gerade so wie es ist, und nicht, wie ihr es euch konstruieren
möchtet.
[Lg.01_022,05]
Stets hat den Menschen das am meisten zu Forschungen angeregt, was er am
wenigsten begreifen konnte; er verwendete dort Zeit und Mühe aufzuklären aus
dem Suchen in der Ferne, was eigentlich seine Lösung in seiner nächsten Nähe
gefunden hätte.
[Lg.01_022,06]
Und so ist es auch im menschlichen Beisammenleben, in den wechselseitigen
Verbindungen der Menschen zueinander, wo Verhältnisse entstanden sind, die zwar
Ich nicht gemacht, wohl aber vorausgesehen und zugelassen habe, jedoch stets
mit dem Vorbehalt, alles zu Meinen großen Schöpfungs-Zwecken zu benützen!
[Lg.01_022,07]
Ehe Ich aber auf die Erklärung der oben angeführten Klagen und Fragen eingehen
kann, muß Ich weiter ausholend erst euch wieder Dinge näher ans geistige Auge
rücken, welche ihr bis jetzt nur einseitig, das heißt menschlich betrachtet
habt, und wo immer noch menschliche Vorurteile bei deren Beurteilung den
Ausschlag geben.
[Lg.01_022,08]
Bevor wir also den Menschen in seinem Verhältnis zu seinem Nächsten oder
Mitmenschen betrachten, müssen wir vorerst fragen: Was ist eigentlich der Mensch, aus was besteht er denn,
und was ist seine Mission auf diesem Erdball?
[Lg.01_022,09]
Dieses vorerst klar begriffen, wird uns dann schon zu einer näheren Beleuchtung
der sozialen Verhältnisse des menschlichen Geschlechts behilflich sein!
[Lg.01_022,10]
Sehet, der Mensch besteht, wie ihr wißt, aus drei Dingen, nämlich aus Körper,
Seele und Geist.
[Lg.01_022,11]
Nun, diese drei Dinge habt ihr alle im allgemeinen so aufgefaßt, daß ihr sagt: Der Körper ist Materie, die Seele ist dem
materiell-geistig Gebundenen vom Fall des einen großen Geistes entnommen, und
der Geist ist ein göttlicher Funke, der die Seele erheben, vergeistigen und
dann diese ebenfalls durch ihre Verfeinerung auch die Elemente des materiellen
Körpers auf eine höhere Stufe bringen soll, damit alles nach und nach seinen
Stufengang der Vervollkommnung gehen kann, wie es im großen Schöpfungszweck
voraus schon bestimmt war.
[Lg.01_022,12]
Hier in diesen Schlüssen liegt schon der erste irrtümliche Begriff, da ihr nur
euren Geist als göttlichen Funken annehmt, der alles veredeln solle, während,
hättet ihr nicht immer (oft unbewußt) aristokratische Ideen, welche ihr auf
Meine Person anwenden wollt, ihr leicht einsehen und begreifen würdet, daß
alles, was geschaffen ist, im Grunde göttlich ist und unendlich sein muß, weil
es von Mir abstammt, von Mir ausgegangen ist und zu Mir zurückkehren muß!
[Lg.01_022,13]
Der Körper als materielles Werkzeug während eurer Lebensdauer besteht ebensogut
aus den edelsten, erhabensten Elementen Meines geistigen Ichs wie Seele und
Geist, nur sind diese Elemente in Materie gebunden gezwungen, nur so sich zu
äußern, wie es ihre momentane Organisation erlaubt.
[Lg.01_022,14]
Diese feinsten geistigen Elemente, welche die Körper schon im Mutterleibe
aufbauen helfen, ringen ebenfalls nach Vervollkommnung, nach Vollendung, prägen
ihre Tendenz in der Form des Körpers aus, soweit eine plastische Form ein
geistiges Prinzip ausdrücken kann, suchen durch den an sie gestellten Beruf im
menschlichen Leben das zu ergänzen, was höhere, göttliche Elemente in der
Seele, im Geiste dann weiterführen werden.
[Lg.01_022,15]
Sie sind die Handlanger, Mitarbeiter zum großen geistigen Bau einer vollendeten
göttlichen Idee, ebenso wie kein Architekt ein Haus allein bauen kann, sondern
tausend Hände braucht; die aber, wohlbemerkt, nicht maschinenmäßig, sondern
ebenfalls wieder, durch andere Intelligenzen geleitet, den ganzen Bau ausführen
helfen.
[Lg.01_022,16]
So wirken im Menschen, so in allem Geschaffenen, im starren Steine, im
vegetierenden Pflanzen- und im sich selbst bewußten Tierreich stets die Formen
bildenden Kräfte, tragen zur Veredelung, zur Verfeinerung des Ganzen bei,
während die Art und Gattung noch tausend anderen, verschiedenen Einflüssen
unterworfen ist, wo die ursprünglich in sie gelegten Fähigkeiten nicht zur
Vollendung gedeihen können, weswegen auch überall, trotz des gemeinsamen
Geschlechtes und derselben Abkunft, doch wieder ebensoviele verschiedene
Resultate entstehen, als Geschaffenes im ganzen Weltraum besteht.
[Lg.01_022,17]
Die Seele, als Ableger oder Abkömmling eines großen gefallenen Lichtbringers,
mußte vorerst eine ihr angemessene Umkleidung und ferner ein ihr verliehenes
höheres, geistiges Prinzip besitzen, welches sie antreibt, ihre Ausbildung
nicht allein hier zu vollenden, sondern noch nach Ablegung jeder irdischen
Hülle als Basis für eine geistige Welt zu dienen.
[Lg.01_022,18]
So ist die Seele des letzten Infusionstierchens wie die des Menschen stets
angetrieben, vorerst ihren Lebenszweck hier zu erfüllen, in dem Maße, als die
Umkleidung sie dazu befähigt und ein unbewußtes Geistiges, welches ihr unter
dem Namen Instinkt oder die Natur bezeichnet, ihr den Weg zur Vervollkommnung in anderen
Formen und andern Verhältnissen anbahnt.
[Lg.01_022,19]
Der Geist beim Menschen ist ebenso der nämliche wie beim letzten Stein, nur hat
er dort eine geordnetere Organisation vor sich, die seiner eigentlichen
Wirkungssphäre nicht so widerstrebt, sondern sogar all seinen Bestrebungen zu
folgen geschaffen ist.
[Lg.01_022,20]
Es ist also nicht ein geistiger Funke Meines Ich, welchen Ich dem Menschen allein
gegeben haben soll, sondern es ist in allem nur göttlicher Funke, und nur dort
ein dem Geistigen sich mehr anpassender Leib, welcher der größten Ausdehnung
der geistigen Kräfte ganz entspricht.
[Lg.01_022,21]
Sehet, eine einförmige Gegend, ein monotones Leben zeigt euch schon genug, daß Leben nur besteht, wo
Abwechslung, wo Verschiedenheit ist; denn eben durch das, daß nicht alles auf
gleicher Stufe steht, nicht alles in gleichem Schritt fortschreitet, ist das
Leben als anregendes Streben das zu erreichen, was zwar allen bestimmt ist,
nicht aber auf jede Art erlangt werden kann!
[Lg.01_022,22]
Verschiedenheit ist die Basis des Lebens. Verschieden sind die Welten,
verschieden ihre Geschöpfe und verschieden sogar der Weg, den sie zur
Vervollkommnung durchgehen müssen. Ohne diese Verschiedenheit wäre kein Leben,
kein Bewegen, kein Fortschritt. Nur so, mit dem Keim aus sich stets Neues aber
Höheres zu gestalten, konnte eine Schöpfung in die Wirklichkeit gesetzt werden,
eine Schöpfung, die erstens ihrem Schöpfer Ehre macht, und auch wie Er eben den
Keim der Unendlichkeit in sich tragen kann.
[Lg.01_022,23]
So müßt ihr diese ganze sicht- und unsichtbare Welt auffassen, vom feinsten
Atom im Weltenraum bis zu Meinem großen Geisterreich, wenn ihr je begreifen wollt,
warum Ich denn das alles und warum Ich es so und nichts anders geschaffen habe.
[Lg.01_022,24]
Bei Mir ist nicht annehmbar, daß Verbesserungen, Reparaturen oder
Modifikationen je eintreten können; denn sie setzen Fehler, falsche Schlüsse
voraus, die bei einem Gott nicht möglich sind.
[Lg.01_022,25]
Daher weg mit euren menschlich beschränkten Ideen! Die Welt ist so, wie Ich sie
euch beschreibe, wo Ich beinahe tagtäglich ein Schöpfungsgeheimnis ums andere
euch aufdecke und erkläre, damit ihr doch einmal einsehen lernt, daß euer
Lebenszweck ein ganz anderer ist, als wie ihr ihn herauskonstruieren und auch
noch dazu die Mittel so eingerichtet haben möchtet, wie es eurer leiblichen,
aber nicht der geistigen Natur und Bestimmung am meisten passen sollte!
[Lg.01_022,26]
Ihr seht also, Körper, Seele und Geist sind Träger Meines göttlichen Funkens,
und wie in denselben und durch dieselben die Ausdrucksweise verschieden
ebenfalls die Menschen wieder verschieden macht, ebenso mußte auch bei größerem
Zusammenleben der Menschen diese Verschiedenheit der Fähigkeiten auch
verschiedene Berufsgeschäfte hervorrufen, welche sodann im ganzen zum
gemeinsamen Leben nötig, in sich jedoch verschiedenartig gestaltet werden
mußten.
[Lg.01_022,27]
Schon in einem andern Wort sagte Ich euch, daß alles, was geschaffen ist, von
den ersten geistigen Atomen an verschiedenes in sich aufnehmend, ebenfalls auch
verschiedenartige Äußerungen haben muß.
[Lg.01_022,28]
Beim Menschen, der aus allen Elementen seiner Erde zusammengesetzt, als letztes
Glied oder Kompendium des ganzen Erdballs dasteht, mußte diese Vielfältigkeit
alles Geistigen noch mehr hervortreten, weil er in der Art der Mitteilung
seiner Gedanken und Ideen höher stehend als alles andere, auch die Fähigkeit
besitzt, sein Geistiges durchleuchten zu lassen und es verwerten zu können;
woher auch die Neigungen zu einer oder der andern Beschäftigung teils durch die
Eindrücke der ersten Jugendzeit, teils durch die vorherrschenden Elemente bei
der Zeugung als angeerbtes geistiges Gut natürlich ihren Einfluß ausüben und
auch im Leben sich geltend machen mußten, was gerade da am meisten geschah, wo
die größten Hindernisse zu deren Befriedigung sich entgegensetzten.
[Lg.01_022,29]
So entstand mit den wachsenden Bedürfnissen der Menschen, analog mit dem
Streben der Bequemlichkeit und dem Drang der Leidenschaften, eine Menge
Gewerbe, um dem Menschen sein materielles Leben so angenehm wie möglich zu
machen.
[Lg.01_022,30]
Dieses Bedürfnis erweckte in den Menschen die Liebe zu einzelnen Kunsterzeugnissen,
welche die andern wieder veranlaßten, um eben gemütlich zu leben, ein jeder
nach seiner Anschauungsweise sich der Anfertigung des Verlangten zu
unterziehen.
[Lg.01_022,31]
So entwickelte sich sodann nach und nach der Wettstreit der Bestbefähigten, und
aus diesen entstand endlich die verschiedenartigste Klassifikation aller
Stände, wo einer mittels des andern gewinnen und gemütlich lebend nur seinen
Leidenschaften frönen wollte.
[Lg.01_022,32]
Daß bei diesem Wettstreit Übelstände durch die Eifersucht, größere Befähigung,
guten oder bösen Willen, überhaupt durch den Drang aller menschlichen
Leidenschaften (Mißverhältnisse) entstanden, daß diese wieder auf das soziale
Leben der einzelnen einwirkten, wo zwischen Not und Überfluß stets kämpfend und
ringend eure ganze jetzige menschliche Gesellschaft herauswuchs, das ist leicht
einzusehen, denn nur das zeitliche Leben veranlaßte solche Zustände. Nach den
moralischen Gesetzen könnte der Niedrigste wie der Höchstgestellte auf Erden
von den gleichen Grundsätzen beseelt sein, da die Moral und Meine göttlichen
zwei Gesetze für Bauer und König gleich sind.
[Lg.01_022,33]
Allein eben weil die göttlichen Gesetze, höher stehend als die irdischen,
keinem Wechsel unterliegen, keine verschiedene Deutung zulassen, ebendeswegen
sind die aus dem sozialen Leben entstandenen Mißverhältnisse oft die Ursache,
warum die Menschen Mich dann anklagen, so sie wohlverstanden selbst im
allgemeinen daran schuld sind.
[Lg.01_022,34]
Es ist wohl richtig, daß das Bauernkind ebenso viele menschliche Rechte besitzt
wie ein schon in der Wiege gekrönter Prinz, vor Mir sind beide gleich, jedoch
die Fähigkeiten, die in dem einen schlummern, sind oft sehr verschieden von
denen des andern, und ein jeder bringt schon ein großes Stück seiner späteren
zu durchlebenden Laufbahn mit auf die Welt, als ererbtes Gut seiner Eltern, wo
dann noch das eigene dazukommen wird, um den Besitz entweder zu vergrößern,
oder zu verkleinern.
[Lg.01_022,35]
Verschieden sind alle geschaffenen Wesen, verschiedenartig ihre zu gehenden
Wege, und ebendeswegen auch verschieden die anscheinliche Glücks- oder Unglücks-Bahn, die sie verschuldet oder unverschuldet durchlaufen müssen.
[Lg.01_022,36]
Wäre nicht hinter diesem materiellen Leben ein großes geistiges, wäre nicht das
moralisch Göttliche Meines Ichs, was allem innewohnt; schon längst wäre die
menschliche Natur zum Tier und unter dasselbe herabgesunken, indem der Mensch,
stets nur seinen Leidenschaften frönend, alles auf der Erde zu deren
Befriedigung ausbeuten möchte.
[Lg.01_022,37]
Allein eben weil das Materielle nur zeitlich und oft nur momentan beglücken
kann, weil rohe und finster gewordene geistige Elemente nicht mit hohen, feinen
sich vereinigen können, und deswegen alles weltliche Glück von kurzer Dauer
ist, so ist es die notwendige Folge, daß erstens der Mensch durch Tausende von
Mißverhältnissen gedrängt, doch einsehen lernt: Die materielle Welt genügt nicht, es muß eine andere geben! Und nachdem er doch trotz allen
Leugnens am Ende auch gestehen muß:
[Lg.01_022,38] Es muß doch einen Jemand geben, Der diese sichtbare sowie
die geahnte unsichtbare Welt erschaffen hat, so daß er gezwungen
wird, sich einen Gott zu schaffen, wenn er seinen inneren Drang stillen will,
da bei Mißzuständen kein weltliches Ding Ersatz geben kann, da der Mensch ein
geistiges Produkt und nur auf kurze Zeit in materielle Hülle eingekleidet
wurde, um darin als Prüfungsleben das an ihm haftende Gröbere abzustreifen, um
höherem Geistigen entgegenzugehen.
[Lg.01_022,39]
Alles, was ihr seht, hat geistigen Grund, hat höhere Tendenzen (Ziele) als bloß
das flüchtige Leben; eben darum müßt ihr auch alles vom geistigen Standpunkte
aus betrachten. Die Jammertöne, welche bis zu Mir erschallen wegen Plagen und
Unglücksfällen, zeugen nur von Unkenntnis der menschlichen Verhältnisse, von
nicht geregelter Auffassung, inwieweit Materielles, wenn man ihm zu sehr
huldigt, nur geistiges Übel hervorrufen kann und muß.
[Lg.01_022,40]
Den Trost, daß hinter diesem materiellen Leben ein geistiges ist, haben viele
Menschen sich selbst geraubt, weil sie wieder Menschen glaubten, statt Mir, der
Ich es sogar für gut fand, auf diesen Erdball Selbst herabsteigend, auch im
allgemeinen Rettungs-Prozesse sie nicht zu vergessen.
[Lg.01_022,41]
Wenn also Klagen und Vorwürfe kommen, wo Meine Regierung bekrittelt wird, so
zeigt es klar, auf welch schwachen Füßen die Ansicht von der Welt, wie sie
eigentlich ist, steht.
[Lg.01_022,42]
Alle können nicht in gleichen Verhältnissen geboren, alle können nicht mit
gleichen Talenten ausgestattet werden; es muß Verschiedenheit herrschen, da
eben in der Verschiedenheit das Leben und der Fortschritt liegt!
[Lg.01_022,43]
Nebenbei kommt noch dazu, daß auf eurer Erde viele Geister aus anderen Welten
die Prüfungsschule zu Erreichung Meiner Kindschaft durchmachen wollen, welche
natürlich nicht ohne Mitgabe aus jenen Welten hier ankommen und manchmal für
das eine oder andere eine gewisse Vorliebe haben, ungeahnt, daß es einst in
besseren und feineren Organisationen von ihnen ausgeübt wurde.
[Lg.01_022,44]
Diese, und deren gibt es viele, werden es einst schon erfahren und erklärt
finden, warum so mancher geistige, ihnen unbewußte Drang sie stets zu der oder
jener Beschäftigung trieb, die zwar materiell war, aber doch unter dieser Hülle
viel Geistiges verborgen hatte.
[Lg.01_022,45]
Ich als Gott und höchste Liebe schuf die Welt, schuf die einzelnen Sonnen und
Erden. Aber diese Liebe darf nicht nach euren Ideen von Liebe beurteilt werden;
diese Meine Liebe ist eine ganz andere, welche zu verstehen euch nicht möglich
ist, wohl aber sie euch ahnen zu lassen Ich keine Mittel scheue, da nur aus dem
Verständnisse dieser Liebe die richtige Beurteilung alles Seienden sowie die
Ereignisse eures menschlichen Lebens beurteilt werden können.
[Lg.01_022,46] Meine
Liebe ist eine allgemeine in dieser Hinsicht, weil sie nur die großen Zwecke
einer Schöpfung im Auge behalten muß, denen alle anderen sich unterordnen
müssen. Liebe, wie Ich sie verstehe, vergißt auch den Wurm nicht und nicht den
fühllosen Stein, und noch weniger die größeren und feiner ausgebildeten Wesen;
aber diese Liebe hat andere Gesetze, hat andere Absichten, hat andere Zwecke.
[Lg.01_022,47]
Wenn nicht Meine Liebe wäre, wie sie eben ist, so müßte Ich ein Rache-Gott
sein, wie Mich bei euch so manche Menschen machen möchten, Ich wäre dann ein
strenger Richter, ein unerbittlicher Bestrafer, lauter Eigenschaften, die ihr
nach euren Gesetzbüchern erlernt habt; die aber in Meinem Gesetzbuche nicht
stehen.
[Lg.01_022,48]
Eben aus Liebe verwandle Ich alles Böse, was die Menschen einander antun, in
Gutes; eben aus Liebe richte Ich nicht, fahre nicht mit Bannflüchen und
Donnerkeilen zwischen streitende Menschen.
[Lg.01_022,49]
Die Menschen machen sich die Übel nur selbst, und Mein Geschäft ist kein
anderes, als das tröstende Wort aus einer besseren Welt in die Brust der
Bedrängten einfließen zu lassen; wohl ihnen, wenn sie es beachten, was leider
selten der Fall ist, daher die Klagen und Vorwürfe, die man Mir macht.
[Lg.01_022,50]
Allein deswegen bleibt die materielle Welt wie die geistige doch die gleiche,
sie ändern ihre Gesetze nicht, sondern der Mensch bestraft sich nur selbst, der
dagegen fehlt!
[Lg.01_022,51]
Das was dem Anschein nach unverschuldetes Leiden ist, dieses ist oft, wie bei
Krankheiten, eine nötige Medizin, wo im allgemeinen die bittersten am ehesten
kurieren; nicht daß Ich sie schicke, sondern Ich könnte helfen, tue es aber
nicht, eben weil Meine Ansichten und Zwecke mit den Menschenseelen andere sind,
als wie das bedrängte Menschenkind es sich einbildet.
[Lg.01_022,52]
Es stirbt kein Mensch, weil Ich es will; es geschieht kein Unglück, weil Ich es
will; es wird keiner in armen und keiner in reichen Verhältnissen geboren nach
Meiner Idee; alles dieses lasse Ich nur zu. Der Mensch ist frei, und so kann er
tun, was er will; er kann sich durch regelmäßiges Leben dasselbe verlängern,
durch unregelmäßiges verkürzen; Glück und Unglück wenn sie über die Menschen hereinbrechen, aus von ihnen
selbst hervorgerufenen verkehrten Anordnungen sind eine Schule für die Menschheit, wodurch sie für Mich erzogen werden,
so daß es Mir dabei möglich ist, geistig auf sie einzuwirken, das heißt, daß
sie endlich doch auch Meine Stimme hören, was zwar früher ebenfalls hätte sein
sollen, aber eben nicht geschehen ist.
[Lg.01_022,53]
Ob reich oder arm geboren, jeder kann in seiner Stelle Mein Kind werden, sich nach und
nach reif machen für eine andere längerdauernde Geisterwelt, seine Armut kann
ihm zu reichen Geistesschätzen verhelfen, während der Reichgeborene seine
materiellen Reichtümer verlieren kann, ohne daß sie durch Geistiges ersetzt
werden.
[Lg.01_022,54]
Überall finde Ich Mittel, Meinen Zweck zu erreichen. Ich benutze bloß die
Umstande, führe sie aber nicht herbei. Dieses überlasse Ich dem Menschen, der
so gern sich stolz den Herrn der Erde nennt und alles zu regieren und zu unterjochen wähnt,
während er selbst gleich einer Windfahne durch alle geistigen Strömungen, die
durchs Weltall gehen, unbewußt bald nach dieser, bald nach jener Richtung
segelt, stets sein zeitliches materielles Glück suchend, ohne zu bedenken, daß
mit dem einen selten das andere das geistige, länger
anhaltende zu vereinbaren ist!
[Lg.01_022,55]
Daher, Meine Kinder, klaget nicht Mich an!
[Lg.01_022,56]
Ich bin Der, welcher alle Schuld in den Sand schreibt, nicht flucht, nicht
haßt, nicht vergilt, sondern stets bereit war und ist, Balsam auf klaffende
Wunden zu streuen. Ich bin nie ein ungerechter Gott gewesen, ebensowenig ein
strenger Vater gegen Meine Kinder!
[Lg.01_022,57]
So wie ihr nun seid, habe Ich euch ja nicht geschaffen, sondern zu dem habt ihr
euch selbst gemacht. Und wenn Ich jetzt komme und eure Leitung wieder direkt in
die Hand nehme, so ist es, weil es Mir zu bunt wird, weil Ich nicht zusehen
kann, wie die Menschen sich und ihr ganzes ferneres Dasein so ganz mißverstehen
und mißachten, keinen Glauben, keine Liebe und keine Furcht vor Mir haben. Ich
muß nun alle Mittel anwenden, um die Verirrten zum rechten Wege wieder
zurückzuführen!
[Lg.01_022,58]
Das geistige Element wird zu sehr in den Hintergrund gedrängt, zu sehr
vergessen und verleugnet; daher diese Übelstände, Unglücke nach allen Seiten,
und wenn dabei so mancher Leidende zu Mir aufschreit, was ein Zeichen ist, daß
er wenigstens noch an Mich glaubt, so ist es an Mir, ihm doch mit wenigen
Worten zu zeigen, daß sein Leiden nicht von Mir kommt, sondern daß, will er
Trost für diese Plage haben, er solchen nur bei Mir finden kann!
[Lg.01_022,59]
Daher eben auch dieses Wort; denn so manches könnte sich ereignen, was die im
Anfang angeführten Vorwürfe auch von euch zu hören Veranlassung geben könnte,
und damit dieses nicht geschehe, damit ihr, ehe ihr den Mund zum Klagen
aufmacht und eure Stimme zu Mir erhebt, ihr doch bedenken möget, wer anzuklagen
ist, Ich, der ewigliebende Vater, oder er, der nur nach der Sättigung seiner
Leidenschaften drängende, verirrte Mensch!
[Lg.01_022,60]
So nehmet dieses Wort, und es wird euch wieder einen ruhigen Blick in das wirre
Getriebe der Menschen selbst machen lassen! Amen!
23. Kapitel Das kosmische Leben.
14. Juli 1876
[Lg.01_023,01]
Schon manches habe Ich euch gesagt in bezug auf Leben, habe es euch in
verschiedenen Phasen gezeigt, wie es sich äußert und was es eigentlich ist, und
doch bleibt stets noch etwas darüber zu sagen übrig, wie dieses Leben als
scheinbare Ausströmung einer geistigen Potenz eigentlich nichts anderes ist,
als die Willenskraft aus Mir, die sich in Millionen verschiedener Äußerungen
kundgibt!
[Lg.01_023,02]
Um euch nun auch in dieses geistige Leben einzuführen und euch noch deutlicher
den Unterschied zwischen Geist und Materie zu zeigen, so soll dieses Wort unter
dem Titel kosmisches Leben euch das geistige Leben im allgemeinen und ferner auch
im einzelnen näher erklären, wie es immer dasselbe Prinzip, dasselbe Motiv ist,
welches vom kleinsten Ätheratom angefangen bis zum höchsten Engelsgeist nur
Mein göttliches Wesen ist, welches auf verschiedenen Stufen und in
verschiedenen Formen sich äußernd, nach Entwicklung und Vervollkommnung
ringend, den geistigen Fortschritt erweckt, ihn bedingt und als Leben in allem
sichtbar auftritt.
[Lg.01_023,03]
Wenn Ich sage kosmisches Leben, so nehme Ich den Begriff so, wie dieses aus der
altgriechischen Sprache hergeleitete Wort es bezeichnet und ein allgemeines, das ganze Universum umfassendes Leben besagen will.
[Lg.01_023,04]
Denn alles, was existiert, muß einen Grund-Gedanken gehabt haben, warum es
erschaffen wurde, zu was es bestimmt war, und zu was es endlich auch führen
soll!
[Lg.01_023,05]
Gemäß euren wissenschaftlichen Forschungen und deren regelmäßigen
Untersuchungen bestreben sich auch eure Gelehrten, alles auf den letzten Grund
zurückzuführen, auf die letzten und einfachsten Grundkräfte, welche alles
bewegen und zu Ende führen. Und so will auch Ich euch eben diesen letzten Motor
aufdecken, welcher der Grund oder die Basis alles Wesenden ist und alles zur
weiteren Entwickelung nach und nach vorbereitet.
[Lg.01_023,06]
Wenn ihr das ganze Universum mit geistigem Auge betrachtet, mit der Kraft des
Gedankens das Gebiet des unendlichen Ätherraumes durchfliegt, so werdet ihr
darin nichts anderes entdecken können als Äther-Atome oder allerfeinste Bestandteile von materiellen Stoffen,
aber eure Werkzeuge wie Mikroskope, Elektrometer usw. würden nie imstande sein,
diese eurem fleischlichen Auge bemerkbar zu machen.
[Lg.01_023,07]
Diese feinsten Ätherteilchen haben alle in ihrem Zentrum einen Ableger
geistigen Inhaltes von Mir, von Meinem Wesen, welcher ihnen dadurch die ewige
Fortdauer und den immerwährenden Trieb nach Entwicklung, Erhaltung und
Fortschritt einprägt. Ein geistiger Partikel Meines Ich ist in jedem Atom, so
wie, um es euch deutlicher zu machen, etwas in eurem Organismus innerlich und
äußerlich bis in die letzten und feinsten Ausläufer eures Nervensystems als Gefühl
in der Haut besteht, welches als seelisches Prinzip keinen anderen Zweck hat,
als den Körper zu bilden, ihn zu erhalten, und ihn zu vergeistigen.
[Lg.01_023,08]
So wie nun eure Seele im Bereich eures Körpers allwissend ist, eben wegen des
feinen Nervenfluidums, welches euren Körper durchströmt und selbst noch als
Dunsthülle (Atmosphäre, Außenlebensäther) von außen euch umgibt, so ist auch in
jedem Ätheratom etwas von Mir, und dadurch, wie Ich es in einem andern Wort
anführte, gibt es keinen Punkt in dem sicht- und unsichtbaren Reich Meiner
geistigen und weltlichen Schöpfung, wo Ich nicht stets gegenwärtig wäre, alles
sehe und fühle, was sich ereignet.
[Lg.01_023,09]
Auf dieses gründet sich eben die sogenannte Allwissenheit und Allgegenwart, wie
ihr sie ebenfalls in eurem Körper habt, nur mit dem Unterschied, daß das
geistige Leben in euch, die Seele und der Geist das Physische und Psychische
aufbauen, wo bei Mir das erstere hinwegfällt, da Ich keine Materie, sondern nur
Geistiges sehe, auch da wo ihr Elementarstoffe zu entdecken glaubt.
[Lg.01_023,10]
Nun, um wieder zu den Äther-Atomen zurückzukehren, so muß Ich euch vorerst
erklären, wie dieses Atom beschaffen ist, was es für eine Mission hat, und
welches sein Zweck ist, warum es existiert! Nun höret also:
[Lg.01_023,11]
Ein Äther-Atom ist, wenngleich nach euren Begriffen ein unkörperliches, oder
mit gelehrtem Ausdrucke bezeichnet, ein imponderables Ding; aber doch ein für
sich Abgeschlossenes, Begrenztes, da es sonst ohne Grenzen sich wieder in etwas
anderes auflösen müßte.
[Lg.01_023,12]
Ein solches Atom hat also trotz seiner Kleinheit doch Dimensionen der Breite,
der Tiefe und Länge, wie jeder Körper.
[Lg.01_023,13]
In diesem Atom ist ein Funke von Mir eingeschlossen; denn Ich habe es
erschaffen, es muß also etwas von Mir und ebendeswegen nur Meine Eigenschaften
besitzen.
[Lg.01_023,14]
Es ist in ihm der Trieb des Weiterbildens, und da ein jedes Atom in
quantitativer und in qualitativer Beziehung von anderen Atomen verschieden sein
muß, um alle Elementarstoffe darzustellen, welche zur Erschaffung des
Universums nötig sind, so entwickelte sich zwischen den Atomen mittels ihrer
sie umgebenden Dunsthüllen die Assimilation und die Assoziation; wo sodann (wie
bei vielen Insekten die Fühlhörner) (nach Abschrift Joh. Busch korrig.) die
respektiven (jeweiligen) Dunsthüllen das Homogene (Gleichartige) anziehen und
das Heterogene (Fremdartige) abstoßen.
[Lg.01_023,15]
Auf diese Art bildeten sich aus Atomen Moleküle, aus diesen Zellen und
Kristalle; es entwickelte sich Wärme, Licht und Leben und beschleunigte die
Bildung größerer Körper.
[Lg.01_023,16]
Nach Bildung der Weltkörper begann sodann das organische Leben, aus diesem das
Geistige und aus dem Geistigen das Streben, dem Göttlichen ähnlich zu werden,
wodurch endlich der in die kleinsten Atome gelegte Gottesfunke stufenweise
dahin wieder zurückkehren muß, von wo er ausgegangen ist.
[Lg.01_023,17]
Daß natürlich da, wo Ich lebende Wesen erschaffen will, Ich ihnen vorerst einen
Wohnort und einen Trieb geben mußte, der sie fähig machte, als einzelne Wesen
inmitten der ganzen Unendlichkeit ihren geistigen vorgezeichneten Lebensweg zu
gehen, das versteht sich von selbst.
[Lg.01_023,18]
Da Ich aber neben der Eigenschaft als Schöpfer, wie ihr es aus vielen Meiner
Worte wißt, auch nur die Liebe in Person bin, und Liebe nur darin besteht,
andere glücklich zu machen und im Glücke anderer, in ihrer Seligkeit seine
eigene wiederzufinden, so mußte Ich als Gott der Liebe euch Wohnorte der
Seligkeit erschaffen, mußte die Wesen selbst als Ebenbilder Meines Ich mit
Formen ausstatten, die die Liebe als Göttliches in denselben ausdrücken
sollten. Und so entstanden aus den kleinen Ätherteilchen die Welten, und nach
ihrer materiellen Ausbildung erst die lebenden Wesen, die alle gewisse Eigenschaften
Meines Ich repräsentierten, wo dann, wie zum Beispiel bei euch auf Erden, der
Mensch als der Schlußstein der materiellen Schöpfung in seiner Mission als
Erdenmensch die nächste geistige Stufe als künftiger Bewohner eines
Geisterreiches anbahnen muß, da kein Sprung, sondern nur ein sanfter Übergang
von einer Stufe zur andern, der allmähliche Fortschritt in Meinem Reiche
bedungen ist!
[Lg.01_023,19]
So formten und bildeten sich auch die Welten aus dem ungeheuren Vorrate im
Ätherraum, und ebendeswegen das Herumkreisen derselben, welches durch die
Reibung, mit welcher sie sich fortbewegen, Wärme und Licht entwickelt, die
feinsten Atome aus ihrer Ruhe aufjagt und sie zur Amalgamierung (innigen
Verbindung) zwingt, wo sie in ihren großen Zeitumläufen durch Regionen geführt
werden, wo das Verbrauchte stets wieder Neues findet, und zwar meistens
dasjenige, was in früheren Stellungen nicht vorhanden war.
[Lg.01_023,20]
Das Umkreisen einer Welt um die andere, das sich Umherschwingen um ihre eigene
Achse hat keinen andern Zweck, als durch diese beiden Bewegungen Leben zu
erwecken und Leben zu verbreiten!
[Lg.01_023,21]
Sehet, überall regt sich dieser Trieb, nicht in Ruhe zu lassen; denn alles, was
eine Schwere besitzt, sucht einen Ruhepunkt und würde auch dort verbleiben,
wenn nicht entweder im Innern der Zersetzungsdrang oder die Einflüsse der
Außenwelt stets an seinem Bestande rütteln würden.
[Lg.01_023,22]
Bewegung ist Leben, und dieses Bewegen, sei es das große kreisförmige der Welt,
sei es das vibrierende des Lichtes und der Wärme, alle müssen dazu beitragen,
den Gegenstand oder das Wesen aus seiner Lethargie herauszureißen, es zur
weiteren Entwicklung, zur Neugestaltung zu zwingen, da nichts Geschaffenes
bleibend ist, sondern stets sich verändernd fortschreiten muß.
[Lg.01_023,23]
So bildeten sich die Millionen und Millionen von Sonnen und Welten im großen
und weiten Ätherraum, so bilden sich noch jetzt die Kometen als erste Anfänge
ganzer Weltensysteme, umkreisen in langen elliptischen Bahnen ihren großen Zentralkörper,
aus welchem sie hervorgegangen sind. Und so hat das scheinbar materielle Reich
den Keim des Weiterbildens in sich, bis auch die Welten, sie mögen so groß sein
als möglich, ihren Zyklus vollführt, alles in ihnen vergeistigt, verfeinert
haben und andere Verbindungen eingehen, um dann als höherstehende Weltkörper
ganz natürlich auch für höhere geistige Wesen Wohnorte zu bilden.
[Lg.01_023,24]
Wie die Materie von Stufe zu Stufe das in ihr wohnende Leben ausbildet, bis
auch sie vom groben Sichtbaren zum feineren Ätherischen übergehen kann, ebenso
bilden sich die Wesen aller Art, welche sich gradatim (stufenweise)
vervollkommnen müssen, weil die Wohnorte für sie mit ihrem geistigen Zustande
korrespondieren sollen.
[Lg.01_023,25]
Wie Ich einst sagte: In Meines Vaters Hause
sind viele Wohnungen, so wiederhole Ich es
jetzt: Ja, sehr viele Wohnungen oder
geistige Aufenthalte gibt es, wo die analogen (gleichartigen) geistigen Wesen
jene Seligkeiten genießen werden, die ihrer eigenen Geistes-Konstitution angemessen
sind, und die da so beschaffen und so eingerichtet sind, daß sie neben dem
stetigen Genusse auch das Vorgefühl von größeren Seligkeiten und reineren
geistigen Wohnorten haben können, da bei Mir kein Stillstand möglich, sondern
eine stets größere Annäherung zu Mir das Gesichtsfeld immer weiter eröffnet,
weil Ich unendlich bin und Meine Welt denselben Charakter tragen muß.
[Lg.01_023,26]
So sehet ihr das kosmische Leben, angefangen im kleinsten Ätheratom, sich
hinaufringend vom unbewußten Materiellen zum geistig sich selbst bewußten
Engelsgeist, der mit einem Blick die materielle Welt überschauend, Meine Ideen
fassen kann und auch die Macht besitzt, dieselben auszuführen.
[Lg.01_023,27]
So bestehen diese Welten-Inseln als Hülsengloben, deren es unzählige gibt, die alle immer wieder als ein
abgeschlossenes Ganzes im großen Ganzen ihren Entwicklungsprozeß machen müssen.
[Lg.01_023,28]
So bestehen diese großen Welten mit ihren analogen Geschöpfen, wo eure
Phantasie nicht hinreicht, weder ihre Entfernung noch ihre Größe zu ermessen,
welche alle, obwohl durch große Entfernung voneinander getrennt, im großen
Äther-Raum eine Selbstbewegung haben, um die auf ihnen lebenden Wesen und
Bewohner zu ferneren Zwecken auszubilden und zu vervollkommnen, damit, wenn das
materielle Reich einst seinem Ende entgegengeht, nur großartigeres Geistiges
aus dem Vorhandenen hervorgehen kann.
[Lg.01_023,29]
Daher sagt die Schrift: Bei Mir sind tausend
Jahre gleich einem Tage! Ich aber sage euch: Bei Mir sind Millionen Jahre nur ein Augenblick!, denn unzählige materielle Welten kreisen in der großen
Schöpfung umher, wo Millionen von Jahren nicht zu zählen sind, welche
vergingen, bis sie sich zu Welten gestalteten, bis sie ihre Planeten und
Kometen bildeten, und bis sie sich soweit vervollkommneten, um Wohnorte für
fühlende Wesen zu werden.
[Lg.01_023,30]
Eure Lebensjahre, der Umlauf eurer Erde um die Sonne, die ganze Umlaufszeit
eures Sonnensystems um seinen Zentralpunkt, alles dieses ist weniger noch als
eine Sekunde auf der großen Zeitenuhr, wo Meine kosmische Schöpfung ihre Dauer
oder ihre Existenz aufgezeichnet findet.
[Lg.01_023,31]
Daher euer Erstaunen und eure Bewunderung beim Betrachten Meiner Schöpfung,
weil ihr einen zu kleinen Maßstab anlegt, um die Schöpfung eines Gottes, eines
unendlichen Wesens zu beurteilen oder zu bemessen.
[Lg.01_023,32]
Es gibt Sonnensysteme und ganze Hülsengloben, von wo der Lichtstrahl Millionen
Jahre braucht, um zu euch zu gelangen. Was wisset ihr von diesen Welten, wie
groß müssen sie sein, daß sie nur als kleinste Sterne für euch sichtbar werden!
Wo ist eure Rechenkunst, die diese Entfernung in Zahlen begreift oder
aussprechen kann, wo eure Phantasie, welche die Größe solcher Welten zu denken
und auszumalen wagt!
[Lg.01_023,33]
Und doch, Meine Kinder, auch diese Welten sind noch nicht die letzten
Marksteine Meiner Schöpfung. Weit hinter diesen entfernten Welten stehen noch
Weltensysteme, deren Strahl noch lange nicht bis zu euch gedrungen ist, und es
werden vielleicht eure Erde und Sonne nicht mehr bestehen, ehe ein Lichtstrahl
von dort den Platz durchfliegt, wo einst euer Sonnensystem kreiste.
[Lg.01_023,34]
Erhebet euch, und fasset diese Größe, wenn auch nur der materiellen Welt,
vertiefet euch in den Begriff der Allmacht, die dieses schuf, und zwar mit
wenig Mitteln, mit Attraktion (Anziehung) und Repulsion (Abstoßung), mit Licht
und Wärme; begreifet diesen Herrn und Schöpfer, in dessen Auge eure Sonne mit
all ihren Planeten und Kometen nur als ein Punkt erscheint! Der, wäre Er nicht,
was Er wirklich ist, ein Vater Seinen Kindern, schon längst ein Geschlecht wie
das eurige hätte in Verfall kommen lassen müssen, welches nach alle dem, was Er
schon für dieses getan, so widerspenstig und abtrünnig sich gegen Ihn benimmt;
begreifet diese Liebe, welche, wie er einst sagte, die Sonne über Gute und Böse alle Tage aufgehen läßt, und welche die Menschen trotz aller Verirrungen und
Verleugnungen des Göttlichen doch in jeder Sekunde mit Millionen von Gnaden
überhäuft!
[Lg.01_023,35]
Begreifet diesen Gott, Der zu euch schwachen Geschöpfen einst in
Menschengestalt vom Himmel herabgestiegen ist, Der euch Lehren der Liebe, der
Duldsamkeit, der Verzeihung hinterließ; vertiefet euch in den Gedanken Seiner
Größe, Seiner Macht, Seiner unendlichen Schöpfung, und bemesset aber dabei
auch, was es heißen will, daß Er, dieser unendliche Schöpfer und Herr, euch
nichts von diesen euch erdrückenden Attributen (Eigenschaften) fühlen lassen,
sondern daß Er nur euer Vater, euer liebender Führer sein will, und Der jetzt sogar
schon längere Zeit mit euch direkt verkehrt, euch zu Sich zu ziehen versucht,
euch alle Geheimnisse Seines Ich, Seiner Schöpfung erklärt und aufdeckt, und
nur deswegen, damit ihr Ihn liebenlernen, damit ihr euren geistigen Weg
leichter finden sollt, welcher allen vorgezeichnet ist, die von Ihm und durch
Ihn geschaffen wurden!
[Lg.01_023,36]
Dieses alles bedenket, und wenn ihr in ruhigen Stunden euer Herz zu Ihm erheben
wollt, so trachtet, solches Seiner und euer würdig zu tun; denn nur so könnt
ihr Erhörung eurer Wünsche von Ihm erwarten; denn Er ist ein Geist, und wer Ihn anbeten will, der muß Ihn
im Geist und in der Wahrheit anbeten!
[Lg.01_023,37]
Vor mehr als tausend Jahren sprach Ich dieses aus, und noch begreifet ihr es
nicht, verliert euch in weltliche Sorgen, bittet Mich um nichtssagende Dinge,
und vergeßt dabei ganz, daß ihr Abkömmlinge von Mir, einst Teilnehmer geistiger
Seligkeiten, andere, höhere Missionen und Endzwecke habt, als gerade in diesem
irdischen Leben an flüchtigen Dingen zu hängen und darin euer ganzes Heil zu
suchen!
[Lg.01_023,38]
Daher die Enttäuschungen, daher die nichterfüllten Hoffnungen; denn ihr habt
nie Mich, noch Meine Welt verstanden, habt nie begriffen, daß Ich andere
Absichten mit euch habe, welche oft euren Wünschen zuwiderlaufen müssen, weil
ihr oft Nebensachen als Hauptsachen nehmt!
[Lg.01_023,39]
Ihr kennet, trotz aller Worte, die Ich euch bis jetzt zuteil werden ließ, noch
nicht, was es heißt: geistig leben, was es ist: kosmisches Leben!
[Lg.01_023,40]
Dieses allgemeine Leben, welches das Grundgesetz der ganzen Schöpfung ist,
worin ein jedes Warum seine Enträtselung findet, ihr kennet es nicht!
[Lg.01_023,41]
Würdet ihr diese großen Gesetze ganz durchschauen können, ihr würdet bei weitem
leichter begreifen, daß kein Wesen sich diesen Gesetzen entziehen kann, und daß
jeder Übergehung (Übertretung) derselben die Strafe auf dem Fuße folgen muß.
[Lg.01_023,42]
Solange ihr nicht fähig seid, euch mit großen, tiefen Ideen zu befassen, bleibt
ihr an der Scholle dieser kleinen Erde hängen, habt nur einen kleinen
Gesichtskreis zu überschauen, der nicht über euer häusliches Leben
hinausreicht.
[Lg.01_023,43]
Deswegen Meine Worte, Meine Mahnungen, Meine Erklärungen; deswegen Meine
vielfachen Aufdeckungen, wie durch das Kleine nur das Große erreicht werden
kann, damit ihr Mir folgen sollet, damit ihr auch in eurem irdischen Leben
klein werdet, um sodann geistig groß zu wachsen und euch zu erheben und euch
hinaufzuschwingen auf jene Höhe des menschlichen Begriffes, wo ihr klar und
ruhig den Bildungsverlauf der materiellen Welt in den kosmischen Gesetzen, aber
auch deutlich erkennen lernet, wie selbst diese Gesetze geistig und unendlich
für den materiellen Anfang, erst in der geistigen Vollendung ihren Kulminationspunkt
(Höhepunkt) finden, wo von Stufe zu Stufe vorwärts schreitend, stets euch Mir
nähernd, ihr erst erkennen werdet, was Ich als Schöpfer bin!
[Lg.01_023,44]
So bedingt sich die Liebe dann von selbst, wenn sie auf Achtung gegründet, nur
die natürliche Folge der letzteren ist, da, wenn man den Meister aus Seinen
Werken erkennen gelernt, es erst recht begriffen werden kann, welche
Eigenschaften Ihn zieren müssen, und warum bei solcher Macht noch so viel Güte
und Liebe vorwaltend ist!
[Lg.01_023,45] So
nehmet dieses Wort wieder aus Meiner Hand, es ist die Vaterhand, welche euch zu
Mir hinaufziehen möchte, verschmähet sie nicht, denn sonst wird der Schaden nur
auf eurer Seite sein! Amen!
24. Kapitel Zucker, Salz und Essig.
1875, an
Pfingsten
[Lg.01_024,01]
Sehet, Meine Kinder! Hier gebe Ich euch drei Worte, die Dinge bezeichnen,
welche ihr alle wohl kennt und doch nicht wisset, was sie, die bezeichneten
Stoffe nämlich, in der materiellen Natur eigentlich für eine Rolle spielen, und
noch weniger aber, was sie geistig entsprechend vorstellen.
[Lg.01_024,02]
Damit also wieder ein neuer Bereich in den Naturgegenständen eurer sichtbaren
Erde euch geliefert oder aufgeschlossen werde, und damit ihr wieder, wie schon
oft, von neuem sehen und erfahren möget, welch wichtige Eigenschaften oft in
Dingen verborgen liegen, die, eben weil ihr sie alle Tage vor Augen habt und
sie alle Tage zu verschiedenen Bedürfnissen braucht, gerade nichts Auffallendes
für euch haben, so soll mit diesen drei Dingen, Zucker, Salz und Essig, ein
neuer Beweis gegeben werden, wie sehr das Geistige mit der Materie verbunden,
durch sie ausgedrückt und in ihr enthalten ist, damit ihr verstärkt erkennen
möget, wie sehr der Mensch sich befleißen sollte, die geistige Struktur der
ganzen Welt zu erkennen, welche Erkenntnis ihn sodann viel zur richtigen
Beurteilung Meines Selbst leiten kann!
[Lg.01_024,03]
Sehet, der Zucker oder Zuckersaft findet sich im Pflanzenreich überall vor,
auch im Tierreich, und selbst in der menschlichen Organisation fehlt er nicht.
[Lg.01_024,04]
Der Zuckersaft oder der süße, im allgemeinen eine angenehme Empfindung bei
seinem Genusse hervorbringende Saft ist so in der Natur verteilt, daß es
beinahe kein lebendes Geschöpf gibt, welches nicht dessen Annehmlichkeiten
kennt.
[Lg.01_024,05]
Die vielen Pflanzen, welche in ihrer Organisation die Fähigkeit besitzen, den
Zuckerstoff aus der Erde zu ziehen, auf welcher sie wurzeln, sie sind wieder
die größten Ernährer vieler Tiere, welche diesen so bereiteten Zuckerstoff in
Blumen oder Früchten zu ihrem eigenen Unterhalt sammeln, verzehren und
verarbeiten.
[Lg.01_024,06]
In den Früchten, und in früherer Zeit selbst in den wenigen Arzneimitteln,
welche die Menschheit kannte, spielte der zuckerhaltige Nahrungsstoff die
Hauptrolle, während in jetziger Zeit, bei der Verkommenheit der menschlichen
Rasse, die Gifte an seine Stelle gesetzt worden sind.
[Lg.01_024,07]
Zuckersaft oder zuckerhaltige Substanzen waren die Ausgleicher bei Krankheiten,
waren die mildernden Hilfsmittel, welche den meisten lebenden Wesen bis auf den
Menschen ihr materielles Leben sozusagen versüßten, solange ganz natürlich
dessen Gebrauch mäßig oder geregelt war; denn ausschließlich von zuckerhaltigen
Substanzen leben zu wollen, vermag weder Mensch noch Tier.
[Lg.01_024,08]
Nachdem ihr nun seht, wie der Zuckersaft, welcher durch künstliche Fabrikation
aus den Pflanzenstoffen ausgezogen, in kristallisierter Form bei euren
Nahrungsmitteln als Mischung unter selbe so eine außerordentliche Wichtigkeit
erlangt hat, so entsteht wohl dann leicht die Frage: Warum denn gerade der süße Saft, Zucker genannt, so
angenehme Genüsse beim Essen oder Trinken verursacht, während es doch auch
andere Stoffe genug gibt, die aus allen Reichen der Natur entnommen zu unserer
Nahrung verwendet werden, und die wohl vielleicht entbehrt werden könnten, wo
hingegen durch Mangel an Zuckersaft viele Speisen ganz ungenießbar sein würden?
[Lg.01_024,09]
Nun, hierauf antworte Ich mit einer andern Frage: Was ist denn der Zucker, in geistiger Hinsicht
betrachtet? Und durch die Antwort auf diese
Frage werdet ihr die obige Frage ebenfalls beantwortet finden. Denn wenn ihr
die Grundlage wisset, auf welcher alle diese materiellen Erfahrungen,
materiellen Wünsche und materiellen Gelüste fußen, so werdet ihr leicht das
Warum erkennen, weshalb mit Zucker versüßte Speisen und Getränke euch so
munden.
[Lg.01_024,10]
Seht, der Zucker, geistig entsprechend, repräsentiert in der materiellen
Schöpfung die Liebe!
[Lg.01_024,11]
Wie die Liebe nur das Bestreben ist, angenehme Gefühle zu erwecken, zu erhalten
und sie fortzupflanzen, so ist der Zucker, als Beigabe zu anderen Dingen, der
Hauptvermittler, daß viele Stoffe genießbar werden.
[Lg.01_024,12]
Die Liebe unter jeder Form kann und muß den Menschen ihre Lage versüßen, und
das tut entsprechend ebenfalls der Zucker.
[Lg.01_024,13]
Die Liebe mildert alle herben Gefühle, streut Balsam auf offene Wunden,
tröstet, beruhigt, gleicht aus und macht manches erträglich, was sonst
unerträglich scheint.
[Lg.01_024,14]
Die Liebe ist und war der Grundgedanke der Schöpfung, der Grundpfeiler Meines
eigenen Ich, der Hauptfaktor, um den Menschen zum Menschen zu machen.
[Lg.01_024,15]
Ohne die Liebe wäre die Welt ein Chaos, ein gesetzloses Konglomerat (Gemisch)
von Stoffen und Elementen, welche sich stets selbst bekriegen und zerstören
würden.
[Lg.01_024,16]
Die Liebe also ist, eben weil im Geistigen die höchste Potenz, ebenfalls im
Materiellen der mächtigste Faktor, und so wie dem Menschen und selbst teilweise
dem Tiere in seinem Seelenleben Fakultäten (Fähigkeiten) gegeben wurden, die
Liebe zu fühlen, zu fassen, sie stets zu suchen, ebenso ist der Zuckerstoff in
der ganzen Welt oder das süße angenehme Gefühl, welches beim Genießen von
Produkten der Erde dem lebenden Wesen beigegeben ist, der Hauptfaktor, um das
materielle vegetative Leben zu versüßen und angenehm zu machen, und dieses
angenehme Bewußtsein, welches euer Gaumen dabei erhält, entspricht der Liebe,
welche ebenfalls nur versüßend oder liebend alles Unebene, alles Bittere ausgleicht.
Und so seht ihr im Zucker, sei es als natürlicher Saft oder künstlich erzeugt
und kristallisiert, den bildlich der Liebe entsprechenden Faktor, dessen
Bereich niemand entgehen kann, sondern dessen sanfte Wirkung alles Lebende
aufsucht, daran sich ergötzt und beim Schlürfen desselben, wie bei dem Gefühl
der Liebe, alles andere leicht vergißt.
[Lg.01_024,17]
Und wer bereitet euch denn diesen schmackhaften Zuckerstoff? Wer entlockt ihn
der finsteren Erde? Wer regt Pflanzen und Tiere an, ihn zu suchen und zu
sammeln?
[Lg.01_024,18]
Es ist der Sonnenstrahl, es ist das Licht, als Erguß Meiner göttlichen Liebe,
welche Ich in die unendliche Welt ausströmen lasse, zur Freude, zum Genusse und
zum Leben alles dessen, was Ich erschaffen habe, damit alles Lebende im Lichte
Meine Schöpfung sehe, und im Lichte die Liebe als dessen Trägerin erkenne, die
weit durch Äonen von Meilen ihre Kraft mitteilt, alles anregt, schafft, erhält
und zur Verwandlung, zum geistigen Fortschritt zwingt!
[Lg.01_024,19]
Was das Licht als Liebe geistig, das ist im Materiellen der Zucker bildlich.
Die sanften Worte der unendlichen Liebe oder die sanft erwärmenden Strahlen des
Lichtes, oder der angenehme süße Geschmack in den Früchten, alles dieses ist
gleichbedeutend; Liebe heißt dieses große Wort, Liebe, wie ein Schöpfer sie
hatte, als Er alles dieses erschuf, Liebe, die dem Erschaffenen eingegossen,
und Liebe, die selbst noch in der starren Erde als Zuckersaft durch Sonnen-
oder Liebe-Licht herausgezogen, dem Genießer der Erdprodukte den nämlichen
Genuß, den Geschmack verursachen soll, den ein liebendes Wort, ein erwärmender
Sonnenstrahl dem Gefühl erweckt, wenn ein oder das andere Tieren und Menschen
begegnet.
[Lg.01_024,20]
So, Meine Kinder, erkennet im süßen Zucker, daß ihr vorerst selbst aus
Liebe-Elementen gemacht, das Liebliche in der Natur instinktmäßig aufsucht, und
daß zweitens, wenn ihr süße Früchte esset, oder den Zucker mit Getränken
vermischt zum Stillen eures Durstes verwendet, es nur immer die Liebe ist,
welche in tausenderlei Formen das nämliche verlangt, bewerkstelligt und
auszuführen bestrebt ist, was in dem Worte lag, als Ich zur Grundbasis Meiner
Schöpfung neben dem Werde! das Licht betonte (1. Mose 1,3), weil Licht Liebe bedeutet, und
nun Ich eben auch durch die vielen Worte, die Ich euch gebe, Licht in euren
Herzen machen will, damit es seine eigene Licht-Welt erkenne, damit es
begreifen lerne, daß selbst in dem Unansehnlichsten, Alltäglichsten noch der
große Schöpfer gefunden werden kann, wenn ein der Liebe fähiges Herz seinen
Vater als personifizierte Liebe suchen will und daß es Ihn finden kann, wenn
Licht und offenes Auge und Verständnis der ganzen Schöpfung Hand in Hand gehen.
[Lg.01_024,21]
Jetzt habt ihr also die geistige Bedeutung des Zuckers, was er ist, wie ihr ihn
ansehen sollt, wenn ihr Mich begreifen wollt.
[Lg.01_024,22]
Und jetzt wollen wir zum Zweiten übergehen, zum Salze, welches dem Geschmack
nach gerade das Entgegengesetzte des Zuckers ist, und auch dort versuchen, was
Geistiges hinter ihm steckt, und wie seine Wirkung, sein Dasein selbst
entsprechend ausgebeutet werden kann, damit ihr Mich als euren Vater und als
den großen Schöpfer der großen Natur eben auch in diesem Mineral wieder
erkennen sollet.
[Lg.01_024,23]
Um also logisch diese Sache anzufangen, so betrachten wir das Salz einfach, als
was es sich zeigt, wo es sich vorfindet, und warum es eben notwendig ist.
[Lg.01_024,24]
Sehet, Salze gibt es verschiedene, und so gut wie der Zucker emsig gesucht
wird, ebenso wird besonders bei Tieren und Menschen das Salz gesucht, da ohne
dieses vieles nicht zu genießen wäre, um so mehr, weil gerade bei der
Zubereitung der Speisen in eurer Küche ihr aus den Rohstoffen, die ihr dort chemischen
Prozessen aussetzet, durch das Kochen die in diesen Substanzen enthaltenen
Salze entfernt, und dann natürlich mit anderen Salzen, das heißt durch euer
Kochsalz sie wieder ersetzen müßt.
[Lg.01_024,25]
Salz ist in beinahe allen Teilen der Materie enthalten.
[Lg.01_024,26]
Salz besteht als Mineral, und Früchte und Pflanzen haben es auch, selbst der
Zucker enthält Salz, sowie auch im Blut, im Magen von vielen lebenden Wesen das
Salz ein Haupt-Element ist.
[Lg.01_024,27]
Nun fragt sich also wie früher: Woher dieses Begehren,
woher diese unausweichbare Sucht nach Salz?
[Lg.01_024,28]
Sehet, hier ist wieder wie beim Zucker die geistige Erklärung die Antwort auf
das Vorkommen des Salzes in der Materie.
[Lg.01_024,29] Salze sind da entsprechend,
was Leben im Universum ist, Salze sind Anreger, Anreger zur
Erschaffung, zur Erhaltung, zur Vervollkommnung.
[Lg.01_024,30]
So ist das Salz das entsprechende Element, welches Leben gebäret, Leben
entwickelt, und Leben stufenweise weiter führt.
[Lg.01_024,31] Daher
das Salz als Reizmittel von Tier und Menschen gesucht wird; daher das Salz in
den Schächten der Erde sich vorfindet, wo diese Ablagerungen als Magazine des
eben für den Bedarf dort Überflüssigen vorhanden sind, damit das Überflüssige
im Innern der Erde zur Deckung des Bedürfnisses der Außenwelt diene.
[Lg.01_024,32]
Wie Meine Liebe die alles ausgleichende Macht ist, so ist das Leben die alles
anregende Kraft, welche das aus Liebe Geschaffene zum Leben anregt, es zur
Vervollkommnung zwingt, um es nach Verwandlung und Verwandlung veredelt wieder
dorthin zurückzuführen, von wo es ausgegangen ist.
[Lg.01_024,33]
Daher ist im Meer das Salz als erstes Anregungsmittel noch heute in Masse
vorherrschend, weil das Element des Wassers (als verdichtete Luft) die Mutter
alles Festen war und stets sein wird.
[Lg.01_024,34]
Mein Machtwort Es werde, Leben bezeichnend, schuf diesen Trieb, der stets
fortbestehend sowohl die Materie als die lebenden Wesen drängt, ihre Missionen,
ihren Bildungszyklus zu vollenden.
[Lg.01_024,35]
Was das Salz als Reizmittel, was das Salz als Verdauungsmittel, das ist das
Salz geistig genommen im menschlichen Leben, im Kampf mit der Welt und mit
seinen eigenen Leidenschaften; die Widerwärtigkeiten, die Mißgeschicke sind das
Salz des Lebens, was notwendig ist, ohne welches das Leben keinen Reiz hätte,
wie die Speisen keinen Geschmack ohne Salz hätten.
[Lg.01_024,36]
Was im Organismus seine Organe reizt oder anregt, ihre Funktionen leichter zu
erfüllen, das ist das geistige Salz der Mißgeschicke, welches Geister und
Seelen stärkt, sie fähig macht, Größeres zu leisten und der gesetzmäßigen
Vervollkommnung leichter nachzukommen.
[Lg.01_024,37]
Und dieses Reizen, dieses Anregen ist das Leben.
[Lg.01_024,38]
Liebe kann sich nicht äußern ohne das Leben; denn die Liebe will die Wirkung
ihrer Tatkraft sehen, sie will nicht umsonst alle Mittel angewendet haben ohne
Resultat, Liebe will Gegenliebe, und um diese zu erreichen, gehört Bewegung
oder Tätigkeit, oder Lebenskraft dazu, damit die Forderungen der schaffenden
Liebe erfüllt werden können.
[Lg.01_024,39]
Dies ist der Zweck der Salze in der Materie, sie bewirken Leben, helfen der
trägen Materie zum Fortschritt und bezwecken so den Grundtypus (Grundzug) der
ganzen Schöpfung, wo Leben der Hauptzweck, Liebe seine Hauptgrundlage ist.
[Lg.01_024,40]
So sehet ihr, Meine Kinder, wie ein unbedeutendes, euch allen bekanntes und
täglich gebrauchtes Element, geistig entsprechend aufgeklärt, ein wichtiger
Faktor in der ganzen elementaren Schöpfung werden kann, und eine Wichtigkeit
erreicht, von welcher ihr gar keine Ahnung hattet.
[Lg.01_024,41]
Das Salz als Heilmittel ist ebenso heilbringend, im rechten Maße gebraucht, und
erhält die lebende Bewegung in den Organen menschlicher und tierischer Körper,
wie das Salz des Lebens oder die weltlichen Verhältnisse die Tätigkeit und
Lebenskraft der Seelen erhöhen.
[Lg.01_024,42]
So tragen beide Faktoren, Liebe als Zucker und Leben als Salz, am meisten dazu
bei, daß die einmal von Mir geschaffene Welt in ihren ersten Grundprinzipien
schon die Keime der Ewigkeit hatte, indem alles aus sich selbst sich aufbauend
entsteht, besteht und sich verwandelt.
[Lg.01_024,43]
Es fehlt uns also noch das letzte oben angeführte Wort, der Essig, seine
Bedeutung im materiellen Leben, sein Gebrauch und seine geistige Entsprechung.
[Lg.01_024,44]
Nun fangen wir auch bei diesem, ebenso wie bei den vorhergehenden an, seine
Eigenschaften als Essig zu definieren, wo wir dann seine Bestimmung und weiteren
Gebrauch von selbst herausfinden werden.
[Lg.01_024,45]
Also, was ist Essig oder, wie die Chemiker es benennen, Oxos? Woher dann Oxydation hergeleitet ist; denn
ihr müßt nicht allein den Essig oder die Säure-Substanz nehmen, welche ihr in
der Küche und bei Getränken gebraucht, sondern dieses Wort als den allgemeinen
Ausdruck für den sauren Stoff auf alle Materie ausdehnen, wo ihr beim Oxydieren usw. ebenfalls diesen
Stoffen begegnet, die mittels ihres Verbindungs-Prozesses mit ihnen oxydierend,
verändernd wirken.
[Lg.01_024,46]
Das Sauerwerden oder Oxydieren ist eigentlich nichts anderes, als wenn
ein Stoff oder eine Substanz an dem Wendepunkt angekommen ist, in andere Formen
oder Verhältnisse überzugehen, wozu sie eben das Salz angeregt hat.
[Lg.01_024,47]
So entsteht das Zersetzen in andere Elemente, welche dann des früheren
Verbandes ledig, andere Wechselverbindungen eingehen.
[Lg.01_024,48]
Selbst euer Tischessig ist nichts anderes als ein zersetztes, früher anders
geordnetes Ding, und so ist die Oxydation diejenige Form, in welcher eine
Verwandlung bewerkstelligt wird, wo alle chemischen Teile andere Verbindungen
eingehen können und müssen.
[Lg.01_024,49]
Dieser Prozeß, der in der ganzen Natur stets vor sich geht, da ein Zersetzen
des einen ein Entstehen des andern ist, weil im ganzen Universum nichts
bleibend ist, selbst das Bilden oder Ausbilden zu einer Form nur aus dem
Zersetzen des Früheren hervorgehen kann, so ist dieses entsprechend bezeichnet
das, was in der Natur Oxydation, in der geistigen Form als Fortschritt
betrachtet, auch wirklich also ist.
[Lg.01_024,50]
Fortschritt oder Vervollkommnung ist das große Wort, ohne welches Meine Schöpfung
nicht bestehen könnte, Fortschritt bezeichnet auch der Flug der Zeit, auch die
Stunden, Minuten und Sekunden fliehen, und mit ihnen Millionen ausgelebte
Produkte der Welten vergehen, und aus ihrem Vergehen, aus ihrem Tod entkeimt
eine neue Saat, eine neue Frucht, wo alles vorwärtsdrängend vom Materiellen zum
Geistigen, zum Endpunkte alles dessen, zuerst zu Meinem Geisterreiche und dann
zu Mir Selbst sich drängt.
[Lg.01_024,51]
Sehet, die Liebe schuf die Welt, das Leben erhält die Geschaffene, und der
Fortschritt, das Erschaffene stets läuternd, führt der Liebe wieder zurück, was
sie gebunden entsandte und frei wieder sich nahen sieht.
[Lg.01_024,52]
So ist es in der unorganischen, und so in der organischen Welt. Süß und sanft
sind die ersten Anfänge, welche als Salz oder Leben im Zweiten zu reizen haben,
damit es seine Energie nicht verliere, und die immerwährende Oxydation,
Resultat des Reizmittel-Salzes, befördert eben durch die Zersetzung die
Elementarstoffe von Stufe zu Stufe, zu höheren, reineren, wichtigeren
Verbindungen, wo endlich das Materielle stets geistiger werdend, endlich eine
feinere Überkleidung erhaltend, dem Geistigen sich mehr und mehr amalgamiert
(innig verbindet), bis die gesamte Materie des ganzen Universums vergeistigt
neue Verbindungen eingehend, die Liebe als Seligkeit oder Zuckersüße stets
stärker, das Leben oder Salz stets intensiver und der Fortschritt oder die
Oxydation stets leichter werdend, die Verwandlung herbeiführen wird, welche
sanft, ohne Reiz fühlen zu lassen, eine ewige Glückseligkeit begründet, wo das
Entstehen eine Seligkeit, das Leben eine Wonne, und der Fortschritt ein Zustand
ist, von dem ein in körperlicher Hülle lebender Mensch sich keine Vorstellung
machen kann; da selbst nur die höchsten Geister ahnungsvoll begreifen, daß auch
über ihnen noch ein weites Feld liegt, wo von ihnen bis zu Mir noch zahllose
Schöpfungen ewigfort stattfinden werden, die stets fortschreitend die Genüsse
erhöhen, die Fernsicht des geistigen Auges erweitern, und jeder fühlenden Geistes-Seele
nur zu sehr beweisen werden, was eigentlich Unendlichkeit, was eigentlich die
höchste Liebe, was eigentlich das tiefste Leben, und was der ewige Fortschritt
ist; wo ebenfalls, wie im groben Materiellen, aus Grobem Feineres, aus
Materiellem Geistiges und aus Geistigem Göttliches entstehen kann, welches
wieder, die nämlichen Phasen durchmachend, im unendlichen Raum den unendlichen
Gott in Seiner unendlichen Liebe bei jedem Schritt gezeichnet findet!
[Lg.01_024,53]
Daher trachtet auch ihr, die ihr auf eurer kleinen Welt schon von Millionen von
Wundern umgeben seid, wo jede Minute, jede Sekunde euch Zeugen abgeben könnten;
trachtet auch ihr, Meine geliebten Kinder, diese Liebe eures Vaters zu
begreifen, das göttliche Leben, was in allem Wesenden von Minute zu Minute sich
manifestiert, und den Fortschritt, den ewigen Oxydationsprozeß zu begreifen,
wie aus dem ersten Liebesprozeß durch Licht und Wärme, durch Salze und Oxyde,
selbst in der materiell totscheinenden Natur, sich der ewige Gesetzesgang
erfüllt, der die Welten im leeren Raum unaufhaltsam vorwärts treibt, wo der
große Liebes-, Lebens- und Oxydations-Prozeß durch die Fortwälzung und
Umdrehung um sich selbst das nämliche bewirkt, wie im Schoße eurer Erde die
Metalle und Erdarten, all die verschiedenen chemischen Elemente, durch die
Liebe hineingelegt, durch das Salz als Leben zur Oxydation oder zum Fortschritt
vorbereitet, den nämlichen Gesetzgang gehen, wie im geistigen sich selbst
bewußten Menschenleben, die Liebe wirkend, das Leben reizend, und die Scheidung
endlich oder Unterordnung des Materiellen unter das Geistige, den nämlichen
Fortschrittsprozeß bewirkt, der aus dem Menschen einst einen großen Geist, wie
Salze und Oxydation aus einem plumpen Stein eine Pflanze, aus der Pflanze das
Tier und aus dem Tiere den letzten Schöpfungsakt dieser Erde, den Menschen
hervorbringt; wo sodann dieses letzte Glied der materiellen Schöpfung, als
Bürger zweier Welten, die Prozesse der materiellen und geistigen Ordnung auf
dieser Welt durchgemacht, dann in ein Geisterreich eintritt, wo zwar seine
verfeinerten Sinne Dinge sehen werden, wovon jetzt sein Herz keine Ahnung hat,
aber auch Verhältnisse und Forderungen an ihn herantreten werden, die auch ganz
andere Aufgaben von ihm zu lösen verlangen, als wie er sie bis jetzt gewohnt
war.
[Lg.01_024,54]
Auch dort existiert Zucker, Salz und Essig; aber der Zucker,
wenngleich süßer als alle irdischen, muß erst gewonnen werden, wenn durch die
Essig- oder Säure-Gärung (oder Oxydation) das Leben als Reizmittel oder Salz die Tätigkeit
erhöht hat, und es der reinen Seele möglich wird, in jenen Sphären zu leben,
die feinerer Oxydationsprozesse fähig sind, aber auch höhere, intensivere Liebe
dem geben, der durch das Salz des geistigen Lebens angeregt, seine eigene Oxydation überstanden hat, zur
Liebe geläutert und edel zurückkehrt, so wie die Liebe den Lohn angemessen
hatte, damit dann auch dem Sieger seine Krone gereicht werden könne!
[Lg.01_024,55] O
wenn ihr wüßtet, was euch dann erwartet, wenn ihr wüßtet, wie es errungen
werden kann, und welche Seligkeiten, welche Wonnegefühle dort stets behalten,
nicht wie hier nur in flüchtigen Momenten genossen werden; ihr würdet alles
Mögliche tun, um ja ganz vorbereitet dort anzukommen, wo der Grenzstein
zwischen Materie und Geist ist, und wo dann das Fortschreiten ein leichtes,
sanftes, nur durch Liebe geleitetes ist!
[Lg.01_024,56]
Sehet, euch große Schöpfungsräume, große Schöpfungsgedanken, große
Schöpfungsgesetze und -prozesse oder Welten zu beschreiben, wäre vergebliche
Mühe, um durch sie Mich zu begreifen, ihr würdet höchstens vor Erstaunen vor
Mir niederfallen, denn die Welt ist zu groß, als daß ihr kleinen Menschen deren
Distanzen, deren Größe fassen könntet; allein in ganz nahen, euch oft
unscheinbaren Dingen Meine Größe, Meine Liebe, Meine Geduld und Sanftmut euch
fühlbar zu machen, dieses ist weit leichter, um damit zum Ziele zu gelangen.
Denn gerade wenn ihr sehet, daß Ich neben den großen Welten- und
Sonnen-Komplexen auch die unbedeutendsten Dinge so eingerichtet habe, daß auch
in ihnen der nämliche Gottesgedanke sich widerspiegelt, der euch im Sternenzelt
in Erstaunen setzt, nur dann begreifet ihr, daß Gott etwas anderes, Höheres,
Größeres sein muß, eben weil für Ihn alles gleich wichtig, und der letzte Wurm
so wie die größte Sonnenwelt das nämliche ist, wo überall Seine Liebe, Sein in
alles eingepflanztes Leben und Sein im ersten Schöpfungsakt bedungener
Fortschrittsdrang ist, welcher alles vorwärts drängt von Stufe zu Stufe, bis im
Geisterreich das große Jenseits mit anderen Gesetzen der Liebe, anderen des
Lebens und anderen des Fortschritts ihm beweisen wird, daß Zucker, Salz und
Essig oder Liebe, Leben und Fortschritt nie enden werden, so lange Gott mit
Seiner Liebe, mit Seinem Lichte die Schöpfung erleuchtet, erwärmt und zur
Annäherung an Ihn anregt.
[Lg.01_024,57]
Diese große Lehre aus diesen drei kleinen Worten nehmet hin als Beweis Meiner
Liebe, einer Liebe, die, ganz verschieden von der eurigen, nur Vergessen,
Verzeihen und Vergelten kennt.
[Lg.01_024,58]
Machet also, daß Ich wenig zu vergessen, zu verzeihen; aber viel euch zu
vergelten habe, und ihr werdet der Seligkeiten in Fülle genießen, wenn diese
drei als Titel angeführten Worte ihren Prozeß während eurer Lebensbahn erfüllt
haben werden! Amen!
25. Kapitel Wachsen.
13. September
1875, Triest
[Lg.01_025,01]
Schon vor geraumer Zeit wolltest du sowohl die Bedeutung dieses Wortes als den
eigentlichen Begriff vom Wachsen deinen Freunden und Schwestern
auseinandersetzen; allein, bald mangelte dir der Gedankenstrom, diesen Stoff so
zu behandeln, wie er behandelt deinen Brüdern zum Nutzen gereichen sollte.
[Lg.01_025,02]
Nun, jetzt will Ich dir sowohl dieses Wort als wie den Prozeß beim Wachsen in
geistiger und materieller Weise erklären, und mit dieser Erklärung wieder einen
Baustein zum großen Bau der geistigen Erkenntnis hinzufügen, damit ihr wieder
erkennen möget, wieviel noch von euch ungekannt ist, und wieviel, wollte man
nur einzelne Vorkommnisse in der Natur betrachten, noch zu beleuchten wäre, bei
Dingen, die, eben weil ihr sie alle Tage vor Augen habt, euer Interesse nicht
im mindesten in Anspruch nehmen.
[Lg.01_025,03]
Wir fangen wieder bei der Bedeutung des Wortes selbst an, und fragen ganz
einfach: Was heißt eigentlich wachsen?
[Lg.01_025,04]
Wachsen heißt zunehmen, und zunehmen will sagen: zu dem Bestehenden etwas
hinzufügen, wodurch sodann in der materiellen Welt der Gegenstand an Umfang
(und Gewicht) gewinnt und in der geistigen Qualität sich verbessert.
[Lg.01_025,05]
Nun, ihr seht um euch herum alles wachsen, und solange ihr jung seid, könnt ihr
das Wachsen oder Zunehmen selbst eures Körpers an euren Kleidern beobachten;
aber das eigentliche Wachsen, weder um euch noch in euch, versteht ihr deswegen doch
nicht. Es interessiert euch auch wenig, weil ihr gewohnt seid, dieses Treiben
in der Natur alle Tage vor euch zu sehen. Und doch, würdet ihr den Prozeß ganz
kennen, welcher vor sich geht beim Wachsen nur eines Grashalmes, ihr würdet
bald bemerken, daß beim Wachsen noch bei weitem mehr dahintersteckt, als euer
gewöhnlicher Weltverstand zu begreifen fähig ist.
[Lg.01_025,06]
Selbst eure Gelehrten können euch nicht zuviel über den Prozeß des Wachsens
sagen, weil auch sie, trotz aller mechanischen Mittel, doch den geistigen
Apparat nicht begreifen können, der beim Wachsen eines jedwelchen Gegenstandes
oder Wesens die Grundbasis ist, um so mehr, da sie beim Wachsen oder Zunehmen auch im nämlichen
Augenblick ein Abnehmen bemerken könnten, welch letzteres mit der Zeit und der
Lebensperiode gemäß vorherrschender wird und den Tod des materiellen Lebens oder Verwandlung in
anderes herbeiführt.
[Lg.01_025,07]
Um euch nun eine schwache Idee zu geben von dem, was beim Wachsen eines
Gegenstandes, sei er lebend oder leblos, vorgeht, so muß Ich euch vorerst noch
eine Frage beantworten, und diese heißt:
[Lg.01_025,08] Was treibt denn jeden Gegenstand an, daß er wachsen will
und muß?
[Lg.01_025,09]
Sehet, hier werden die Gelehrten oder Naturforscher gleich mit der Antwort
fertig sein, und diese wird so lauten: Es ist das Gesetz der
Natur, das alles Geschaffene vervollkommnen will, bis es den Standpunkt seiner
höchsten Ausbildung erreicht hat!
[Lg.01_025,10]
Nun, mit dem Gesetz der Natur mag sich ein jeder zufriedenstellen, wenn er mag; aber
wer geistig sich ausbilden will, wer die Materie in ihren geistigen
Geheimnissen belauschen und erforschen möchte, wie sie dort geheimnisvoll in
kleinen, euch unsichtbaren Zellen, Gefäßen und Wesen den Lebens-Urgrund, Mein
eigenes Ich in Parzellen (Teilchen) vorerst geistig, dann körperlich
zusammenwebt, dem genügt die Antwort als Naturgesetz nicht, denn sein Wissen möchte sicherere Beweise haben,
daß eben im Kleinsten wie im Größten Ich der Schöpfer und Vater alles
Geschaffenen immer der Nämliche bin und Ich überall Meine Haupteigenschaft, die
Liebe, allein wirken lasse. Und eben für solche Wissensdurstige, welche überall
nur Mich suchen, in allem nur Mich erkennen wollen, eben für solche soll dieses
Wort wieder als Aneiferung dienen, nicht nachzulassen, auch im Kleinsten Mich,
den Größten, wieder aufzusuchen, um Ihn noch besser verstehen und lieben zu
lernen.
[Lg.01_025,11]
Sehet, solche Forscher, wie Ich sie hier bezeichnete, solche Forscher sind auf
dem Wege, auch Meine Kinder zu werden, weil sie nur den Gedanken als Hauptmotiv
ihres Suchens haben Mich, ihren Vater, so
genau wie möglich kennenzulernen, und für sie soll auch der Schleier eines
alltäglichen Lebensprozesses besser gelüftet werden, damit ihr Sehnen gestillt
und aus dem Ahnen, Fühlen und Forschen eine geistige Gewißheit erwachse.
[Lg.01_025,12]
Sehet, in jedem Samenkorn liegt ein Trieb der Ausbildung verborgen, der
dasselbe, sobald es in die rechten Verhältnisse eingetreten ist, welche seine
Entwicklung begünstigen können, zur Ausbildung des in ihn Gelegten antreibt,
und so seine Transformation in andere Gefäße und Organe bewirkt, beschleunigt,
und so lange forttreibt, bis aus dem Samenkorn alles hervorgegangen ist, was in
ihm lag, und von seinen primitiven (anfänglichen) Bestandteilen selbst nichts
mehr übriggeblieben ist.
[Lg.01_025,13]
Dort, wo eben die ersten Anfänge sind, in dem mikroskopischen Zellgewebe des
Samens, dort reagiert das große Lebensprinzip des Universums und bildet die
Zellgewebe aus nach seinen Substanzen, welche wieder mit andern Stoffen in Verbindung
gebracht, sich verhärten, sich aneinander ankleben, und so eine Zelle um die
andere bilden, in welchen dann nach ihrer Ausbildung die Bildung anderer Organe
wieder vorbereitet wird.
[Lg.01_025,14]
So sind im ersten Anfang Magnetismus und Elektrizität als Wärme-Entwickler
tätig, welche durch die Wärme andere Stoffe zersetzen, sie in Verwesung bringen
und durch die Verwesung des Fremden die Entstehung des Eigenen begründen.
[Lg.01_025,15]
Zuerst ist der geistige Trieb, der die ganze Schöpfung durchdringt, der Mein
eigenes Ich ausmacht, und ewig unendlich wie Ich Selbst nur von Stufe zu Stufe
vervollkommnen, ergänzen will, welcher das geistig feinste Fluidum in Säfte verkörpert.
Diese Säfte selbst sind aber wieder nur kleinste Kügelchen, welche in feiner
Haut umschlossen die ersten Anfangs-Prinzipien eines ewigen Lebens als
Körperteile enthalten, welche dann, je weiter dieses Transformieren geht, von
Stufe zu Stufe dichter und so nach vielen Verwandlungen erst euch Menschen mit
euren Instrumenten sichtbar werden.
[Lg.01_025,16]
So geht der Prozeß in jedem Ding fort und fort, überall dehnen sich die
Zellgewebe aus, geben von dem ihrigen etwas ab, was nicht mehr zur Erhaltung
des eigenen Lebens nötig ist, und nehmen stets neue Substanzen auf, die wieder
teils zum eigenen, teils für anderes Leben ihnen in jedem kleinsten
Zeitpartikel zugeführt werden.
[Lg.01_025,17]
So verkörpert sich, was euch unsichtbar, unfühlbar und unwägbar ist, zu fester
Masse, wird scheinbar flüssig, durch die Wärme zur Tätigkeit angeregt,
verdichtet sich dann nach und nach ebenfalls wieder nach dem Bedürfnis des
Zusammenhaltens, ob auf kurze oder längere Dauer, bis wieder eine andere Stufe
erreicht ward, wo diese ersten Zellen andern komplizierteren Platz machen
müssen.
[Lg.01_025,18]
So ist dieser Prozeß, der unaufhaltbar in dem ganzen Geister- und Weltenreich
gleichmäßig fortgeht, der erste Anreger alles Erschaffenen, um es seinem Ziel
entgegenzuführen, und so ist dieser Trieb das, was ihr Wachsen, Ich aber geistiges Leben nenne, welches mitten im
scheinbar Starren die geistige ewige Idee eines segnenden Schöpfers und Vaters
festhält und so die Kette bildet, vom ersten Gedanken oder der Idee, als
Bestandteil Meines Ichs hervorgegangen, die Ewigkeit, die Unverwüstbarkeit, die
Unendlichkeit in sich tragend, um so am ehesten beweisend, daß selbst im harten
Stein wie im letzten geistigen Engel die nämliche Macht, das nämliche Prinzip
obwaltet, welches im Materiellen Gleiches zu Gleichem, auch im Geisterreich
demselben Grundsatz huldigend, alles gleichzumachen strebt, damit aus allem
materiell Geschaffenen Geistig-Verwandtes werde, und dort wieder weiter und
weiter vorwärts gehend reiner, feiner, höher und schöner seinem Urheber sich
nähernd, vervollkommnet das Ziel wieder erreichen kann, von wo aus es vor
Millionen von Jahren als einzelner Lichtstrahl in die weiten Räume der Schöpfung
gesendet wurde.
[Lg.01_025,19]
Sehet, ihr stumpfen Geschöpfe, in denen der Keim einer Unendlichkeit liegt,
sehet, alle Tage geht die Sonne als Lebensträgerin über euren Häuptern auf,
bringt euch Leben, Licht und Wärme, aber ihr geht gleichgültig unter ihr herum.
Niemand denkt ja nur einen Augenblick an das, was wohl ein Lichtstrahl, wenn er
auf eure Erdscholle auffällt, dort bewirkt. Niemand begreift, wieviel von
göttlicher Lebenskraft, geistigem Material in diesem einzelnen Lichtstrahl, der
aus Millionen Meilen weiter Entfernung auf die atmosphärische Umhüllung eines
andern Körpers gesendet, von dort reflektiert zu euch kommt, hier chemische
Verbindungen erweckt, Leben verbreitet, zur Tätigkeit alles anspornt, damit ein
jedes seinen Zweck erfülle, damit das Gedeihen, das Wachsen, das Zunehmen
vollführt werde, so wie Ich es in Meiner unendlichen Liebe gedacht und schon
lange vorausbestimmt habe.
[Lg.01_025,20]
Und eben ein solcher Lichtstrahl, der Sonne geborgt von einer andern, ist auch
nicht Eigentum dieser zweiten, sondern ward auch ihr von andern noch größeren
Welten gegeben, wo sodann die Wechselwirkung fortgeht bis an die Grenzen der
materiellen Welt, wozu erst der Hauptfaktor alles Lebens ebensoviel
Verwandlungen im Geistigen durchmachen mußte, wie ihm beim Eingang ins
materielle Leben noch bevorstehen.
[Lg.01_025,21]
Von Mir geht der Strahl des Geisteslichtes aus, durchdringt die ganze
Geisterwelt, sättigt sie, belebt sie, vervollkommnet sie und geht dann in die
materielle Welt von Sonne zu Sonne, von Planet zu Planet, von Komet zu Komet,
überall wieder durch Zersetzung, Verwandlung neues Leben hervorbringend,
welches endlich in den Welten, in ihrem Innern zur Vervollkommnung der eigenen
Masse, bis zum scheinbar toten Stein verkörpert, dort durch Zersetzung nach und
nach verfeinert wieder aufsteigt, durch die ganze Stufenleiter einer
Vegetation, einer Tierwelt, eines Menschengeschlechts, bis im Alter die
Verwandlungsperiode ihre Materie löst, und wo dann geistig erst noch
vervollkommnet wird, was in Materie nicht zu lösen war.
[Lg.01_025,22]
So nimmt der Grashalm von der Erde in sich auf, was die Sonne durch ihr Licht
und ihre Wärme in derselben für ihn zubereitet; so entwickelt er sich, wächst
und geht seiner Bestimmung entgegen, um dann die Elemente und Nahrungsstoffe zu
enthalten, die für andere Organismen tauglich sind.
[Lg.01_025,23]
So geht in seinen Wurzeln, hervorgegangen aus dem ersten Samen, der erste
Prozeß vor sich, der dann in doppeltem Streben sich kundgibt, im Aufsaugen von
unten und im Einsaugen von oben.
[Lg.01_025,24]
So steht ein Grashalm, ein unbedeutendes Ding für Millionen von Menschen,
zwischen zwei Welten, zwischen der Welt seiner Erdscholle, auf der er wächst,
und zwischen einer Welt voll geistiger Einflüsse, die von ferne herkommend in
ihm das ergänzen müssen, was von unten herauf allein nicht möglich ist; so
wächst der Grashalm, so wächst jedes geschaffene Ding, jedes Tier und jeder
Mensch!
[Lg.01_025,25]
Und was ihr hier im Materiellen seht, das ist im Geistigen individuell in jedem
einzelnen Leben das nämliche; das geistige Leben eines jeden Tieres ist erstens
zur eigenen Ausbildung, sodann zur Bildung anderer Leben bestimmt; fort und
fort, von Stufe zu Stufe reihen sich die Geistes-Entwickelungen, die
Geistesfähigkeiten fortschreitend aneinander, bis im Menschen die andere
geistige Bestimmung sich noch mehr geltend macht, weil ihm auch die Mittel
gegeben sind, welche allen andern Geschöpfen nur dürftig verliehen wurden, die
Mittel der Mitteilung, wo einer dem andern mit wohlartikulierten Worten sagen
kann, welchen Eindruck die umgebende Natur auf ihn macht, und welche Eindrücke
und Gefühle sich in seinem Innern regen.
[Lg.01_025,26]
Es ist die Sprache, die Mitteilung, obwohl noch beschränkt; denn es gibt noch
andere Mitteilungen, die bei weitem besser und leichter das auszudrücken
vermögen, was eine Seele in den höchsten Momenten fühlen kann, als eure
irdische Wortsprache. Aber es ist nicht so leicht, dieses alles euch
verständlich zu machen, weil ihr Menschen doch im Grunde nur menschlich denken
könnt!
[Lg.01_025,27]
Eben weil beim Menschen das Hereinragen einer Geisterwelt, oder sein
Hereinragen in diese, sich öfter und stärker manifestiert als bei allen Tieren,
ebendeswegen ist es ihm zur Pflicht gemacht, diese Eindrücke zu benützen und
sich seiner geistigen Heimat würdig zu machen!
[Lg.01_025,28]
Ebendeswegen, weil ein Geisteslicht, eine geistige Sonne ihn bescheint,
ebendeswegen muß und soll er auch geistig wachsen, geistig zunehmen, um sich
seines Schöpfers würdig zu machen, Der ihn mitten in eine Welt des Wunderbaren
als selbst das größte Wunder gestellt hat, damit er seiner Stellung sich
bewußt, wie des Einflusses des materiellen Sonnenlichtes so auch des geistigen,
noch intensiveren sich bewußt werde, um zu wachsen, sich zu vervollkommnen,
sich würdig zu machen, bis die große Transformation an ihn heranrückt, die
geistige Verwandlung und Abstreifung des materiellen Leibes, um einen leichten
geistigen anzuziehen, der schon bei Lebzeiten aus dem materiellen Erdenleib
gewoben, ihm als Umkleidungsmittel dienen solle; wo, je feiner er ist, desto
leichter dann auch die großen Strahlen einer Geistessonne durchdringen können,
um auch in ihm, wie beim Grashalm auf der Erde, das in ihm Schlummernde zu
wecken, und er so, das über ihm ausgebreitete Lichtmeer einsaugend, ein wahrer
Bürger eines Geisterreiches werde, wo, wie die Blume auf dem Felde sich freudig
nur der Sonne zuwendet, er ebenfalls nur der großen Sonne im Geisterreiche,
Mir, sich zuwenden kann, und von dort dann in vollen Zügen einschlürfen möge,
was im irdischen Leibe ihm unmöglich war.
[Lg.01_025,29]
So soll der Mensch dann geistig wachsen, geistig zunehmen und Bürger eines
Geisterreiches und Kind eines Schöpfers werden, in Dessen Behausung keine Sonne
mehr untergeht, sondern das Licht der Wahrheit stets fort und fort leuchten
wird!
[Lg.01_025,30]
Betrachtet also die euch umgebende Welt mit etwas mehr aufmerksamem Auge,
erwecket euer geistiges Verständnis; es liegt noch vieles Geistige in der
materiellen Schöpfung verborgen, welches aber nur ein Hellsehender, kein
Blinder bemerken kann.
[Lg.01_025,31]
Allsehend bin Ich, wollet ihr Meine Kinder werden, so müsset auch ihr schärfere
Augen haben und weit hinaus über Materie und deren Dauer den eigentlichen
Grundkeim alles Wesenden, den eigentlichen Endzweck des ganzen Universums klar
vor Augen haben, nur dann ist neben eurem körperlichen Wachstum, neben eurer
körperlichen Vervollkommnung und neben eurer irdischen Mission ein geistiges
Wachsen, ein geistiges Gedeihen und ein geistiger Himmel voll Seligkeiten
erreichbar, der vorerst in eurem eigenen Innern, dann um euch sich ausdehnend
bis zu Mir reichen soll, wo ihr in allem den ewig liebenden Vater erkennen
werdet, Der aber nur denen die größten geistigen Genüsse vorbehalten hat, die
sich auch innerlich dazu fähig gemacht haben, sie zu ertragen und zu fassen!
[Lg.01_025,32]
Wachset also, Meine Kinder, an Erkenntnis, an Einsicht in Meine materielle
Schöpfung; verlieret euch nicht in eitlen irdischen Dingen, welche von kurzer
Dauer sind, suchet das Unzerstörbare, das Ewige, suchet Mich, und ihr werdet
bei diesem Tausch zwischen Materiellem und Geistigem nichts verlieren, sondern
bloß gewinnen, oder wachsen, so wie Ich das Wachsen im Materiellen wie im Geistigen
verstanden wissen möchte! Amen!
24. September
1875, Triest
[Lg.01_025,33]
Im letzten Wort erklärte Ich euch das Wachsen, was es bedeutet, und wie es
sowohl in der materiellen als in der geistigen Welt vor sich geht. Ich zeigte
euch bildlich sowohl im Wachstum eines Grashalmes als in der geistigen
Fortschreitung des Menschen und der ganzen Geisterwelt, wie man wächst, und wie
man sich stets vervollkommnend ewig fortschreitet, um seine Mission zu
erfüllen.
[Lg.01_025,34]
Jetzt in diesem Wort will Ich euch nun wieder aus der materiellen Welt die
geistige erklären, und wie bei der Pflanze, zum Beispiel beim Grashalm, das
Wachsen sichtbar zu einem andern Produkte, zur Blüte oder Blume drängt, so auch
selbst im Menschen, irdisch betrachtet, derselbe Prozeß sich entwickelt, wobei
aber auch im Geistigen dieser Prozeß und das Produkt in der großen Geisterwelt
stets ebenfalls das nämliche, der Blüte oder Blume entsprechend, stattfindet,
was aber nur in Entsprechung angedeutet werden kann.
[Lg.01_025,35]
Sehet, wenn eine Pflanze, aus dem Samenkorn sich entwickelnd, anfängt zu
wachsen, sich auszubilden, sich zu entfalten, so ist ja doch die nächstliegende
Frage, die man an einen Schöpfer derselben stellen könnte, diese: Zu welchem Zweck wächst sie denn?
[Lg.01_025,36]
Nun, da Ich als geistig denkender Schöpfer des ganzen Universums bei allem, was
Ich schuf, einen Zweck haben mußte, ebenso wie ihr, wenn ihr etwas zustande
bringen wollt, so ist natürlich die Antwort auf diese Frage:
[Lg.01_025,37] Daß Ich die Pflanze nicht aus Zeitvertreib geschaffen und
auch ihre ganze Einrichtung nicht aus Zufall so angeordnet habe, wie ihr bei
näherer Untersuchung es leicht entdecken könnt, sondern ihr werdet bald
einsehen, daß alles Drängen, Bilden und Treiben im Organismus einer Pflanze
einem gewissen Zweck entgegentreibt, und dieser Zweck als nächstes Stadium ist
neben der Ausbildung von Stamm und Blättern die Blüte oder Blume, wo dann in
andern Formen ein anderer Organismus hervorgegangen ist, der dem früheren nicht
im mindesten ähnlich ist, und der wieder in seinem Schoße noch eine Phase der
Entwicklung anbahnt, welches das Endziel der Pflanze ist, nämlich die Frucht
oder der Same zu einer neuen Pflanze ihresgleichen.
[Lg.01_025,38]
So beim Pflanzenreich, so beim Tierreich, und so selbst beim Menschengeschlecht,
soweit es sich um Ausbildung ihres Körpers handelt, der als Werkzeug zur
Vervollkommnung einer in ihm wohnenden Seele dienen soll!
[Lg.01_025,39]
Nun wollen wir beim Pflanzenreich vorerst den ganzen Prozeß der Weiterbildung
aufmerksam, nämlich geistig betrachten und dann auf das Ähnliche in den andern
Reichen übergehen.
[Lg.01_025,40]
Sehet, ihr habt letzthin gehört, wie im Grashalm Zelle an Zelle, Faser an Faser
sich anbaut, sich entwickelt, wie die (bildlich gesagt) Blutkügelchen ihre
Säfte in alle Räume der Pflanze treiben, dort verwandeln, zersetzen und
ausbilden; ihr habt gesehen, wie eine geistige Macht diese Bewegung leitet, sie
zu etwas, was in der primitiven Bildung noch nicht ersichtlich ist, antreibt,
und jetzt, wo ihr alle wißt, daß die Blüte oder Blume der zweite Ruhepunkt ist,
welcher eine Neubildung genannt werden kann, jetzt wißt ihr auch, daß neben
allen den Erhaltungsmitteln des Bestehenden noch andere Elemente von der Mutter
Erde aufgesaugt, durch Stamm und Blätter dem Prozeß des Lichtes ausgesetzt, bei
vielen Pflanzen duftende Blüten hervorbringen, die mit Farbenglanz euren Augen
und mit Wohlgerüchen euren Sinnen wohltun.
[Lg.01_025,41]
Nun, die Blüte oder Blume ist nichts anderes als das Produkt von
Grobmateriellem, feinerem Seelischen und Göttlich-Geistigem. Sie ist der
Zustand einer geistigen, freudigen Wonnezeit, wo nach langem Arbeiten, vom
Samenkorn angefangen, durch Stamm und Blätter hindurch das Schönste, dem Lichte
Nächstverwandte zu einem geschlossenen Komplex verarbeitet wurde, welches ihr
bildlich als den Brautstand der Pflanze ansehen könnt, wo sie sich ihrer
Errungenschaften freuend, im Hochzeitskleide ganz dem Sonnen- und geistigen
Schöpfungslichte hingibt, nachdem sie alles Dazugehörige mit Mühe und Kampf dem
Grobmateriellen abgerungen hat.
[Lg.01_025,42]
Sie schwelgt in dem Bewußtsein des Errungenen, wiegt sanft ihr Köpfchen
zwischen leichten Lüften, stets der Sonne sich zuwendend und Duft und
Wohlgeruch als Entsprechendes ihres Wesens der sie umgebenden Luft, den Pflanzen,
Tieren und Menschen mitteilend.
[Lg.01_025,43]
Die Pflanze steht da im Brautschmuck; das Feinste, am meisten dem Lichte
Verwandte, ist eingekleidet in zarte Blätter, die noch mit einer Masse kleiner
Saugadern vom Lichte aufsaugen, was für ihr neubegonnenes Werk nötig ist; denn
die Pflanze ihren Brautstand errungen habend
bleibt dabei nicht stehen;
vorwärts drängt es sie, höher und höher stets zu andern geistigen Zwecken;
immer mußte das Feinere vom Gröberen geschieden werden. So entstanden aus dem
Samenkorn durch Verwesung der äußern Umkleidung die ersten Elemente, die
Wurzeln, mit denen sich der innere Teil des Samenkornes mit der es umgebenden
Erde in Verbindung setzte; so saugen dann die Wurzeln die ersten Elemente ein,
welche zur Bildung des Stammes gehören, so aufwärts treibend verfeinerten sich
die Säfte des Stammes zur Blätterbildung; und nachdem natürlich im Stamme nur
das, was des Stammes, im Blatte, was des Blattes, aufgenommen werden konnte, so
trieb der Organismus des primitiven Samenkorns noch andere Substanzen, andere
Elemente in die Höhe, dem Lichte der Sonne, dem Lichte der ganzen Sternenwelt
und des ganzen geistigen Universums zu, welches sodann als das Feinste, geistig
aus Materie entwickelt, in der Blume oder Blüte eingeschlossen, das Resultat
des Brautstandes, die Befruchtung, die Fortpflanzung weiterbildet, wodurch eben
alles von Mir Geschaffene nur einmal ins Leben gerufen, ins Leben gerufen durch
einen unendlichen Gott und Herrn, ebenfalls den Keim der ewigen Fortdauer in
sich bergen mußte; denn nur solche Schöpfungen sind eines Gottes, sind Meiner
würdig und angemessen.
[Lg.01_025,44]
So wie der Brautstand die Wonnezeit eines erreichten Zieles sein sollte, so ist
auch die Blütenzeit in der Pflanzenwelt das Stadium des höchsten, intensivsten
Lebens, wo alle Fakultäten (Fähigkeiten) entwickelt, wo alle Nerven und Fasern
gespannt mit Ungeduld dem Augenblick entgegenharren, wo die höchste Wonne ihre
Befriedigung, wo der höchste Zweck erreicht und das Göttliche, Ewige seinen
größten Triumph feiert.
[Lg.01_025,45]
Dieser Akt ist ebendeswegen von dieser großen Bedeutung und die Natur bei jedem
kleinsten Produkt feiert denselben mit all ihren Mitteln, weil es eine
Vorbereitung zu einem Schöpfungsakte ist, welcher nicht materiell, nicht bloß
geistig, sondern gottverwandt ist.
[Lg.01_025,46]
So ist nun die Pflanze an dem Punkte angelangt, wo sie, die Geschaffene, eine
Schaffende wird.
[Lg.01_025,47]
Begreifet ihr nun den Wert einer Blüte, einer Blume; ihr, die ihr soviel
Mißbrauch mit diesen höchsten geistigen Schöpfungen macht, ohne je dabei zu
bedenken, wenn ihr eine Blume oder Blüte pflückt, wie geistig weh ihr einer
Pflanze tut, da ihr derselben gerade den Dolch ins Herz stoßet, wo sie vor
Wonne, vor Seligkeit, vor Dankgefühl für ihre Existenz überfließen möchte, weil
sie ihre höchste geistige Stufe erreicht hat und der Fruchtbildung
entgegengeht.
[Lg.01_025,48]
Stumpf seid ihr Menschen alle, ihr wisset nicht, was im geringsten Prozesse der
lebenden Natur vorgeht, ihr kennt nur eure eigenen Gefühle, achtet wenig oder
gar nicht die der ganzen Tierwelt, und von dem geistigen Leben einer Pflanzen-
oder Steinwelt habt ihr keinen Begriff. Und doch sage Ich euch, daß alles, was
Ich erschuf, geistiges Leben hat, ein Leben der Unendlichkeit, ein unzerstörbar
Ewiges, das, wenngleich von euch verleugnet, doch existiert, aber als zartes
geistiges Leben auch nur einer zarten, höchst fein gebildeten Seele zu
begreifen möglich ist, aber nicht Geschöpfen, die, obwohl hochgestellt im
Schöpfungsplan, doch noch bis über die Ohren im Schlamme der niedrigsten
Leidenschaften stecken.
[Lg.01_025,49]
Daher die vielen Beleuchtungen von verschiedenen Naturprodukten, von
Naturgesetzen und Einrichtungen der ganzen geschaffenen Welt, welche Ich euch
gegeben habe, damit ihr eure geistigen Augen weit aufmachen sollet, um die
große Geisterwelt zu erkennen, welche weit über die Materie hinaus in alles
eingreift, überall schafft und webt, und überall, selbst in dem anscheinlich
Materiellsten, den großen geistigen Schöpfungsgedanken der ewigen Liebe in
Millionen von verschiedenen Formen euch vor Augen gestellt hat.
[Lg.01_025,50]
Was vom Pflanzenreich, vom Grashalm, von seiner Blüte, von seiner Frucht gesagt
wurde, das gilt ebenfalls vom Tier- und Menschengeschlecht.
[Lg.01_025,51]
In der Bildung des tierischen oder menschlichen Körpers ist es ebenfalls ein in
eine kleine Zelle eingeschlossener göttlicher Funke Meines Geistes, der von
dort angefangen den Körper, das Nerven- und Blutsystem bildet, und wie die
Pflanze zur Blüte, so auch beim Menschen und Tier am Ende seines Knochenbaues,
als gleichsam Blume, als Blüte, die Gehirnmasse aufbaut, wo alle Intelligenz,
alles Geistige sich konzentriert, was zum Leben, zur Aus- und Fortbildung des
Geschlechtes nötig ist.
[Lg.01_025,52]
Beim Tier sind diese Blütenperioden oft durch heftige Kämpfe, große Erregungen
im ganzen Nervensystem bezeichnet. Das Tier wird noch an Meiner Hand geführt,
und nur wenn es Zeit ist zur Begattung, fühlt es Meine Macht im höchsten Grade,
welche es zu etwas treibt, was es wohl oft ahnt, aber nicht gewiß weiß.
[Lg.01_025,53]
Kein Schöpfungsakt kann ungestört (das heißt ohne mächtige Erregung) vollzogen
werden; es ist derselbe ein erlaubtes Eingreifen in Meine Macht, und da muß
natürlich der Prozeß alle Lebensorgane so in Anspruch nehmen, damit, obwohl nur
Gemisch des Materiellen, doch wieder Geistiges sich entbinde, das aber wieder
in der Materie gebunden doch so viel Kraft besitze, sich selbst nach und nach
zu entwickeln und einer geistig höheren Stufe entgegengehen zu können.
[Lg.01_025,54]
So wie beim Tier meistens schon die Stirn mehr nach oben gewendet, ist beim
Menschen auch das Gehirn mit seinem gallertartigen Stoff, mit seinen Windungen
der Sitz aller geistigen Eigenschaften, welche die Seele nötig hat, erstens, um
sich in steter Verbindung mit der Außenwelt zu halten, und zweitens, um eben
dort durch Ausbildung, Vergeistigung des Materiellen den geistig-seelischen
Menschen als Bewohner eines ewigen Jenseits vorzubereiten, um sich zu
vervollkommnen und Mir ähnlich zu werden, soweit es sein Organismus und seine
geistigen Fähigkeiten schon auf Erden erlauben.
[Lg.01_025,55]
Was beim Tier Instinkt, bei der Pflanze Gesetz, das ist beim Menschen frei ihm gegeben zur Benützung,
damit, obwohl der höchsten Erregungen fähig, er sich selbst beherrschen lerne,
auf daß er so ein Mir ebenbürtiges Wesen werde, welches frei ohne Zwang die
Schranken des moralischen Gesetzes nie überschreiten sollte, was aber leider
nun bei den meisten doch geschieht, jedoch müssen die Folgen eben von ihnen
selbst auch getragen werden.
[Lg.01_025,56]
Sehet, beim Menschen ist es das Gehirn, da alles Erhabene gedacht und gefühlt
wird. Das Gehirn ist der Sitz der geistigen Eigenschaften; aber das Gehirn
allein könnte für sich selbst nicht bestehen, würde es nicht durch einen andern
Nervenkomplex stets in Tätigkeit erhalten, wie alle anderen Organe, und dieser
Nervenkomplex ist euch bekannt unter dem Namen Sonnengeflecht oder Nerven-Zentrum der
unwillkürlichen Bewegungen; dort ist eigentlich der Sitz der Seele, von dort
aus bildet sie, webt sie den Leib, erhält und verbessert, wo Schaden ist, von
dort aus bewegt sie das Herz in rascheren Schlägen, bei Gemütsbewegungen, bei
Leid und Freud.
[Lg.01_025,57]
Von dort gibt sie durch Sprache und Blick der Außenwelt kund, was im Innern
vorgeht, und dort wird geistig verdaut, was durch Ohr und Auge ins Innere
gedrungen ist.
[Lg.01_025,58]
So wie die Pflanze durch das Licht, seine Wirkung und seine Strahlen, mit der
ganzen geistigen Welt in Verbindung stehend, ihre Wonnezeit, ihren Brautstand
genießt, so genießt der Mensch ebenfalls bei Annäherung seiner Blütezeit diesen
Einfluß der höheren Geisterwelt, die ihn umgibt und die in ihm und außer ihm
lebt, webt und alles erhält, so wachsen die Gefühle der ersten Liebe, des
Erwachens eines Zustandes, welcher das materielle Leben ganz zurückdrängen
möchte, und den bei euch einst ein griechischer Weltweiser als höchstes Stadium
des Menschen hingestellt hat, und der euch noch unter dem Namen platonische Liebe bekannt ist.
[Lg.01_025,59]
Ja, so sollte diese erste Liebe auch aufgefaßt werden; denn es ist die
Blütenzeit der menschlichen Natur, die zum Schöpfungsakte der Zeugung eines
neuen Wesens drängt, welches aber ebenfalls nicht ein materielles, sondern ein
geistiges Produkt werden sollte.
[Lg.01_025,60]
Daß durch die Berührung der Körper die schönsten Illusionen wieder vergehen
müssen, ist ja natürlich; denn Ich habe in euch nicht körperlose Geister (siehe
Predigt 49), sondern irdische Menschen geschaffen, welche ebenfalls das, was
sie als geistige Wesen gekostet hatten, als irdische Wesen, als Keim in ein
neues zu werdendes Wesen niederlegen sollten!
[Lg.01_025,61]
Diese Liebe, dieses Wonnegefühl, diese Seligkeit, die beide Geschlechter
zueinander führt, diese Liebe soll nur der Impuls sein zur Erschaffung eines
Wesens, das ebenfalls einst Mir ähnlich werden sollte!
[Lg.01_025,62]
Um solche Wesen zu zeugen, gehört eben vorerst selbst die höchste geistige
Würde dazu, damit das Ergebnis seines Schöpfers würdig sei!
[Lg.01_025,63]
Eure sozialen Zustände, eure niederen Leidenschaften haben meist verhindert,
daß diese erste Liebe auch auf Erden die letzte geworden ist, und eure
Genußsucht hat längst schon durch Mißbrauch eurer Triebe eine Welt geschaffen,
deren Bewohner, kaum geboren, schon wieder dem Tode entgegeneilen, nachdem die
meisten Menschen beiderlei Geschlechtes mit Not, Elend und Enttäuschung
gekämpft, aus Langeweile Kinder gezeugt haben, welche den Eltern gleichen, in
allem ihnen nachfolgen werden, und am Grabe angekommen, ebensowenig wie sie,
ihre Eltern, wissen werden, warum sie geboren wurden und warum sie sterben
müssen.
[Lg.01_025,64]
Seid versichert, Meine lieben Kinder, Ich habe die Welt ganz anders erschaffen,
als ihr sie jetzt seht. Ich habe dem Menschen die schönsten Formen gegeben, Ich
habe ihn mit seiner Blume oder Blüte (das Gehirn), dem ganzen Universum
entgegengestellt, ihm die Fähigkeit eingehaucht, mit dem Gedankenflug über alle
weltlichen Räume hinweg bis zu Mir zu dringen. Ich habe ihm Organe gebaut, die
es erlauben, trotz Materie ihn eine geistige, große erhabene Welt fühlen zu
lassen, die, wenngleich weit über ihm, doch nur in ihm selbst ist. Ich habe ihm
die Sinne gegeben, das Auge, Meine Wunder zu betrachten, das Ohr, Meine
Harmonien zu hören, und die Sprache, um seinen Mitmenschen sein ganzes großes
geistiges Inneres aufzuschließen, denn was wäre alles Geschaute, alles Gehörte
ohne Mitteilung?
[Lg.01_025,65]
Ich habe ihn, den Menschen, wie zum Beispiel hier auf eurer kleinen Erde, zum
Herrn dieses Erdballes hingestellt, damit er sich nicht beklagen könne, Ich
hätte ihn stiefmütterlich behandelt, Ich habe ihm durch Mein einstiges
Daniedersteigen eine Lehre gegeben und zurückgelassen, die allein schon genug
ist, auf ewige Zeiten der ganzen Menschheit ihre Würde stets ins Gedächtnis zu
rufen.
[Lg.01_025,66]
Ich habe ihn mit Geistesgaben ausgerüstet, sich alles auf dieser Erde zum
materiellen Leben zunutze zu machen, damit das materielle Leben kein Hemmschuh
in der Ausbildung des geistigen sein möge.
[Lg.01_025,67]
Ich ließ ihn frei, selbst kann er handeln, selbst urteilen und wählen, wie er
will!
[Lg.01_025,68]
Ich habe ihn hingestellt, für diesen Erdball als gleichsam den Alleinherrn, und
wie hat er alles mißbraucht, seinen Körper, seine Umgebung und seine unter ihm
stehende Pflanzen- und Tierwelt! Und jetzt erschloß Ich ihm sogar noch das
Geisterreich, zeigte ihm, noch lebend, was er erst nach seinem Hinscheiden
erfahren sollte, und doch alles vergebens!
[Lg.01_025,69]
Wie ein Wütender raset er fort; nur seinen niedrigsten Leidenschaften
gehorchend, nur weltlichen Interessen frönend, leugnet er Mich, Meine Gesetze,
tritt selbst die Menschenwürde mit Füßen, und wird auf diese Art die Folgen
sich selbst zuzuschreiben haben, welche daraus erwachsen müssen.
[Lg.01_025,70]
Ich erschuf diese kleine Erde, so wie die großen Sonnen- und Weltkörper, zu
ganz anderen Zwecken, als wie die Menschen es glauben.
[Lg.01_025,71]
Ich erschuf Mein ganzes Universum zu einer großen Sphären-Harmonie, wo alles
Liebe atmen, aber nicht mit Haß und Neid einer den andern verfolgen sollte,
oder wo einer Tausende seiner Mitbürger zu egoistischen Zwecken knechtet und
hinschlachtet.
[Lg.01_025,72]
Nein, diese schönen Gefühle, die Ich euch in der Pflanze, im Wachsen, im Blühen
und im Fortpflanzen entwickelte und selbst bei Menschen und Tieren nachgewiesen
habe, sie sind nicht umsonst in aller Brust gelegt; so muß und so wird Meine
Welt wieder werden; denn was gegen Meine Gesetze anstrebt, straft sich von
selbst; und wenn Ich Selbst jetzt sogar direkt mit euch wenigen verkehre, so
geschieht es ebenfalls bloß deswegen, weil zwischen Meinem Wort und dem Worte
der Menschen ein großer Unterschied ist, und weil erst, wenn die Menschheit
durch eigenes ungeschicktes Verfahren sich selbst viele Trübsale zuzog, sie so
mürbe geworden ist und fähig, Besseres aufzunehmen, damit dann das Material
schon fertig daliegt, mittels welchem der alte, längst vergessene, zerrüttete
Bau des geistigen Menschenlebens wieder aufgebaut werde, und zwar nicht
vorübergehend, sondern bleibend!
[Lg.01_025,73]
Dann wird ein anderes Geschlecht auch andere Kinder zeugen, wird wieder die
Liebe fühlen, wie Ich sie in ihr Herz gepflanzt hatte, und wird aber auch
eingedenk seiner eigenen Würde, von keiner Eigenschaft, die Ich dem Menschen
gegeben habe, Mißbrauch, sondern nur den rechten Gebrauch machen.
[Lg.01_025,74]
Die Erdwelt wird wieder werden, was sie einst war, ein Paradies, wo nur diese
Eigenschaft die vorherrschendste ist, welche Mein ganzes Ich allein ausmacht;
es wird Liebe gegeben, Liebe empfangen, und so der Erde und ihren Einwohnern das rechte
Maß gegeben werden, gemäß welchem sie in der großen Kette all Meiner
Schöpfungen eine solche geistig bedeutende Stellung stets eingenommen hat.
[Lg.01_025,75]
Wachset also, Meine Kinder! Öffnet eure Augen; nicht allein materiell, sondern
geistig, und erkennet, wie um euch herum alles selbst die Pflanze oder der Grashalm, welche ihr oft gedankenlos mit Füßen
tretet ein geistiges Leben hat, und daß
hinter dieser scheinbaren Hülle auch des kleinsten Dinges ein unbekanntes Etwas
stets ohne Unterlaß geschäftig ist, zum großen Vervollkommnungsplan beizutragen
und Mir alle Meine kleinsten Partikel wieder zurückzubringen, welche Ich einst
zur Prüfung vor Äonen von Jahrtausenden ausgesandt habe.
[Lg.01_025,76]
Jede Sekunde gehen Millionen von Wesen und Dingen ins Geistige über, und jede
Sekunde werden wieder Millionen von Wesen ins Materielle einverleibt. Alles ist
eine Kette, wie in einem Ziehbrunnen der eine Eimer herauf-, der andere
hinabgeht, so im Schöpfungsraum Vergehen und Kommen sich stets die Hand bieten!
[Lg.01_025,77]
Es gibt auf eurer Erde keinen Ort, wo es ewig Nacht oder ewig Tag ist. Der
Sonnenuntergang einer Gegend ist der Aufgang für eine andere; hier legen die
Menschen arbeitsmüde sich zur Ruhe, dort erweckt der nämliche Sonnenstrahl,
welcher euer müdes Auge trifft, den Schlaftrunkenen zu neuer Arbeit. So ist es
in Meiner Schöpfung, stets im Wachsen, stets
im Blühen, stets im Neu-Erschaffen geht die Zeitenuhr ihren Lauf; aber nur der
geistige Mensch kann sich dieses ewige Streben nach dem höchsten Ziel
begreiflich machen, und nur dem geistigen Forscher und aufmerksamen Beobachter
Meiner sichtbaren Natur kann der Schlüssel gegeben werden, um auch hinter
dieser materiellen Verwandlung den großen geistigen Prozeß zu entdecken, der
eigentlich die Hauptsache, das Urprinzip und das Endziel alles Geschaffenen
sein wird!
[Lg.01_025,78]
Immer und immer sage Ich euch und rufe es euch zu:
[Lg.01_025,79]
Erhebet euch von euren irdischen Welt- und Verstandes-Kenntnissen! Lasset euch
nicht für Augenblicke bloß begeistern von Meinen Worten, sondern behaltet sie
stets im Herzen; wo ihr geht, wo ihr steht, möge euch der Gedanke begleiten,
daß nicht alles das ist, was es scheint, und daß es Gesetze gibt, gegen welche man
nicht ungestraft handeln kann!
[Lg.01_025,80]
Begreifet diese Gnade Meiner direkten Mitteilung! Sie ist weit ernster zu
nehmen, als ihr es meistens tut; denn jede Vernachlässigung, jedes Lauwerden
wird sich an euch selbst strafen.
[Lg.01_025,81]
Schon vor mehr als tausend Jahren rief ich Meinen Jüngern zu: Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet! Auch heute sage Ich es euch wieder: Wachet und betet, damit euch nicht eure
eigenen Leidenschaften ins Schlepptau nehmen und euch zu Sklaven machen,
während ihr zu Herren geboren worden seid!
[Lg.01_025,82]
Es ist ja bei euch die Sklaverei so verhaßt, ein jeder will frei sein, überall
hört man über Knechtung, über Tyrannei schimpfen, und doch, wer ist denn der
jetzigen Menschheit größter Tyrann, als ihre eigenen Leidenschaften selbst!
[Lg.01_025,83]
Die Menschen sind schon längst von dem Herrscherthron heruntergestiegen, auf
welchen Ich sie alle gestellt habe; nur einzelne begreifen noch, was Ich mit
dem Menschen wollte, jedoch noch sind sie zu schwach und zu wenig, um maßgebend
auf die Schicksale der ganzen Menschheit einwirken zu können; aber Geduld! Auch
hierin wird sich ein Wachsen und ein Blühen zeigen, die Knospe der geistigen
Erkenntnis wird ebenfalls noch sich entfalten, und wie eine Blume einer anderen
Welt als Nahrungssaft ihren Honig gibt, so wird auch diese Knospe im
herrlichsten Lichte und mit den schönsten Farben strahlend, ebenfalls Tausende
die Süße ihres Inhalts fühlen lassen, wenn des Bitteren genug zuvor genossen
wurde.
[Lg.01_025,84]
So, Meine Kinder, nehmet auch dieses Wort als Fortsetzung des letzteren und
machet es euch eigen; nicht bloß zum Durchlesen habe Ich es euch gegeben,
sondern zum Danachhandeln!
[Lg.01_025,85]
Bedenket, die Zeit flieht, und weit schneller als ihr
es ahnet die Stunden, die Tage, die Jahre
verrinnen, und so mancher wird am Ende seiner Laufbahn bei weitem früher
stehen, als er glaubte.
[Lg.01_025,86]
Trachtet, daß es nicht zu spät ist und ihr nicht in der andern Welt mit Mühe
erst erringen müsset, was euch hier in Fülle in den Schoß geschüttet wurde!
[Lg.01_025,87]
Dieses als Mahnungs- und Danachachtungs-Wort! Amen!
26. Kapitel Noch ein Wort über die Sprache und ihren Ursprung.
9. November 1875
[Lg.01_026,01]
Schon einige Worte habe Ich dir über diesen Titel gegeben, aber jetzt will Ich
dir dieses Wort Sprache von einer andern Seite zeigen, um mit dessen Erklärung
den Gelehrten eurer Welt von neuem zu beweisen, daß sie eigentlich nichts
wissen, oder wenigstens, daß ihre Folgerungsschlüsse in manchen Fällen ganz
verkehrte sind.
[Lg.01_026,02]
Sehet, wenn ihr die Sprachforscher im allgemeinen fragt, woher die Sprache
ihren Ursprung nahm oder wie sie sich gebildet hat, so antworten sie ganz
einfach: Die Sprache als nötige Mitteilung
zwischen Menschen war im Anfang nur auf sehr wenige Worte beschränkt; erst mit
Steigerung ihrer Kultur, mit Vermehrung ihrer Bedürfnisse aber waren sie
gezwungen, neue Worte zu erfinden, und so gestalteten sich nach und nach die
Sprachen in der Welt, den Intelligenzen der Menschen und Völker gemäß.
[Lg.01_026,03]
Dieses ist das ganze Resultat aller Sprachforschungen, mit wenigen Worten
ausgedrückt.
[Lg.01_026,04]
Wem es genügt, der kann es dabei bewenden lassen.
[Lg.01_026,05]
Nachdem aber Ich anders denke und andere Absichten mit Meinen Erdkindern habe,
als daß Ich sie mit solchen Weisheitsdeutungen abspeisen will, so sollt ihr
eben heute wieder eine Mitteilung von Mir erhalten über ein allgemein bekanntes
Wort, nämlich die Sprache, wo so mancher von euch mehrere spricht und in ihnen
sich ausdrücken kann, ohne je geistig nachgeforscht zu haben, wie denn
eigentlich Sprachen überhaupt, nämlich ihr regelmäßiger, wohl überlegter Bau
entstanden ist, so wie ihr deren noch manche aus dem Altertum und der Neuzeit
kennt?
[Lg.01_026,06]
Nun sehet, hier will Ich euch eine Frage aufwerfen und sagen: Habt ihr noch nie darüber nachgedacht, wie es denn
möglich ist, daß eine Sprache mit all ihren Zeit-, Nenn-, Bei- und Fürwörtern
usw., mit allen Deklinationen, Konjugationen und ihren Veränderungen entstanden
ist, wo doch, wenn ihr nur die Zeitwörter allein betrachtet, eine logische
Folgerung, ein korrektes Denken herausschaut, und wo die verschiedensten
Handlungen in allen möglichen Zeitepochen geregelt bezeichnet sind?
[Lg.01_026,07]
Ist euch noch nie der Gedanke gekommen, wie es wohl möglich ist, daß die ersten
Menschen und ihre nächsten Nachkommen sich schon so ausdrücken konnten, daß
ihre Mitteilungen untereinander verständlich und ihren Bedürfnissen
entsprechend waren?
[Lg.01_026,08]
Denn daß die ersten Menschen, ehe sie den Mund zum Sprechen öffneten, sich
vorerst in Gedanken mit einer Grammatik oder Sprachlehre beschäftigten, dieses
könnt ihr gewiß nicht annehmen.
[Lg.01_026,09]
Nun, wenn ihr die Sprache von dieser Seite betrachtet und die Sentenz eurer
Sprachforscher, welche Ich oben schon angeführt, daneben haltet, so könnten
doch einige Zweifel in eurem Kopfe auftauchen, deren Lösung euch und euren
Gelehrten nicht so leicht werden möchte und die Ich allein zu entziffern
imstande bin.
[Lg.01_026,10]
Um nun dieses zu bewerkstelligen, wie es euch verständlich und lehrreich werden
kann, so müßt ihr Mir auf ein anderes Feld folgen, wo Ich mit anderen Fragen
anfangen muß, damit aus deren Beantwortung erst diese Sprachenfrage erläutert
werden kann.
[Lg.01_026,11]
Glaubt denn ihr, Meine Kinder, in der Epoche, als die Welt, nämlich die eurige,
geschaffen wurde, existierten noch keine anderen Sonnenkomplexe (Sonnenwelten)?
Oder seid ihr der Meinung, das ganze Universum sei auf einmal entstanden, das
heißt mit den entferntesten Hülsengloben, die eure Augen mit den schärfsten
Fernrohren nur mit Mühe entdecken, wo sie euch als schwache Nebel erscheinen,
bis zu eurem Planetensystem mit seiner Sonne und den sie umkreisenden Planeten,
Monden und Kometen?
[Lg.01_026,12]
Darauf muß Ich euch antworten, daß die Erschaffung des ganzen Universum
ebenfalls nur nach und nach in großen Zeitepochen, und zwar auf die nämliche
Art und Weise entstanden ist und ewig fortgebaut wird, wie heute noch, um euch
ein Beispiel zu geben, aus dem Samen die Pflanze und aus der Pflanze der Same
wieder sich bildet.
[Lg.01_026,13]
So entstanden und entstehen heute noch die Welten, Sonnen, Planeten und
Kometen; denn eben in dem Schöpfungsprozeß auf solch eine Art ist die
Unendlichkeit gegründet und festgestellt. So ersetzt und ergänzt sich alles,
das Kleinste wie das Größte, nur wieder aus sich selbst!
[Lg.01_026,14]
So wurde auch euer Sonnensystem aus anderen Systemen und aus dem Äther
gebildet, vorerst als Komet durch Äonen von Jahren im Äther herumkreisend,
alles aufsaugend, was zum Bestand seiner eigenen Welt und der aus ihm
entstehenden Erden und Monde nötig war, wo sodann die Erden und Monde ihre
eigenen Revolutionen durchmachen mußten, während die Kometen neuen Bildungen
entgegengehen, bis sie für lebende Wesen tauglich werden, wie ihr es auf eurer
eigenen Erde seht, wo übrigens die Bildungs- oder Entwicklungs-Perioden nicht
aufgehört haben, sondern eure Erde wie die auf ihr lebenden Geschöpfe, dem
Drange nach vorwärts gehorchend, stets zu einer höheren Stufe vorwärts
schreiten, bis auch für sie der Zeitpunkt gekommen sein wird, wo der materielle
Erdball mit seinen Inwohnern ein geistigerer, feinerer geworden ist!
[Lg.01_026,15]
Diese Welten und Welten-Systeme in Unzahl, welche das materielle Weltengebäude
ausmachen, haben und hatten alle diesen nämlichen Prozeß durchzumachen und sind
noch stets im Verwandeln, im Vervollkommnen begriffen.
[Lg.01_026,16]
Weltensysteme gibt es, deren Anzahl zu bezeichnen ihr keine Zahlen habt, und
ebenso keine zur Bestimmung ihrer Dauer.
[Lg.01_026,17]
Millionen von Welten wurden geschaffen und vergingen, ehe eure Sonne nur als
leichter kometenartiger Stern im Ätherraum herumkreiste. Diese Welten und
Sonnen waren mit Wesen bevölkert, und sind es noch, weit verschieden an Körper-
und Geistes-Organisation.
[Lg.01_026,18]
Geister aus dem großen Geisterreich ließen sich als Wesen in sie einkleiden, um
als Prüfungsschule ihren Fortschritt zu beschleunigen, und vergeistigter wieder
aus ihnen zu scheiden, um so stufenweise sich Mir nähern zu können, von wo sie
alle ausgegangen waren.
[Lg.01_026,19]
So war die Kette oder Verbindung zwischen Geister- und Weltenreich überall.
[Lg.01_026,20]
So wie die Geister, eingekleidet in Wesen der verschiedenen Welten, ihre
Mission erfüllten, ebenso war auch zu diesem Zweck eine Sprache als
Mitteilungsmittel nötig, welche gemäß der Intelligenz der Bewohner manchmal
viele Worte und Laute, manchmal wenige bedurfte, um ihre Gedanken auszudrücken.
Wie Millionen von Welten, so millionenmal verschieden die Sprache der einen von
der andern.
[Lg.01_026,21]
Diese Einkleidung, Inkarnierung der Geister, oder Seelen-Wanderung von einem
Sterne zum andern, stets durch freiwilliges Begehren bedingt, fand und findet
noch immer statt, und so kamen auch auf eurer Erde die ersten Menschen schon
mit einer gewissen geistigen Sprachfähigkeit auf dieser Welt an, wo die
grammatikalische Konstruktion der Sprache nicht ihr Werk, sondern ihr Erbteil
von andern Welten war.
[Lg.01_026,22]
So entstanden die bis jetzt euch bekannten Tausende von Sprachen nebst ihren
Abarten auf eurem kleinen Erdball, welche alle nur Anfänge von Sprachen sind,
die Geister aus anderen Welten herüberbrachten und dann dem Bedürfnis und
Bildungsgrad der verschiedenen Völker gemäß zu euren lebenden Sprachen mit der
Zeit umgestalteten.
[Lg.01_026,23]
So seht ihr eine jede Sprache, wenngleich mangelhaft, doch immer nach
rationellen Prinzipien gebildet, die nicht auf eurem Boden gewachsen sind; wozu
auch später noch das Bedürfnis gekommen ist, das Gesprochene aufzuzeichnen, was
dann die Schrift-, Zeichen- und Bilder-Sprache zur Folge hatte.
[Lg.01_026,24]
Von Tausenden und Tausenden von Welten strömten die Geister zu diesem kleinen
Planeten, teils schon in der Voraussicht seiner künftigen Wichtigkeit im
Geistesleben, teils später, als Ich für alle Geister diese kleine Erde als
Meinen Gnadenort einsetzte, wo Ich als Mensch das größte Beispiel der Demut und
der Duldung allen geistigen Wesen geben wollte, welche materiell oder
immateriell im ganzen Universum leben.
[Lg.01_026,25]
So entstanden die Sprachen, verbessert durch Menschen, deren größerer
Lebenszweck eben war, sie zu verbessern und sie den Bedürfnissen der Völker,
gemäß ihrem eigenen Kultur-Fortschritt, anzupassen.
[Lg.01_026,26]
So bildeten sich aus einzelnen Muttersprachen die Abarten, vorerst nur als
Dialekte, später als eigene Sprachen, je nachdem die Völker im sozialen Leben
eine mehr oder minder bedeutende staatliche Stellung eingenommen hatten.
[Lg.01_026,27]
Dieses ist der ganze geschichtliche und staatliche Verlauf, wie Sprachen
entstanden sind, längere Zeit bestanden und wieder aus dem Gebrauch kamen oder
sich so veränderten, daß von ihrer ersten Muttersprache nichts übrigblieb, je
nachdem in der Kultur die Völker vor- oder rückwärts geschritten sind.
[Lg.01_026,28]
Nachdem bei allen Völkern nur immer es einzelne Menschen sind, die auf den
geistigen und materiellen Fortschritt der Völker einwirken, und diese Menschen
meist aus besseren Welten übersiedelte Geister waren, so findet ihr in der
Geschichte auch einzelne Völker im Glanze höchster geistiger Kultur oder
materiellen Fortschritts. Allein, entweder der Übermut im Glück oder der
Verfall in tierische Leidenschaften verhinderten den ferneren Fortschritt. Das
Einkleiden besserer Geister wurde seltener, sie machten niedereren Platz,
welche sodann nach und nach die Völker in Verfall brachten, sie entnerven
halfen.
[Lg.01_026,29]
Und so seht ihr jetzt Nationen, die einst große Einsichten in Meine
Naturgeheimnisse hatten, vertiert, nur den niedrigsten
Leidenschaften und materiellem Interesse sich hingebend, wo von aller Größe
ihrer Vorfahren höchstens noch einige Überreste in der Sprache geblieben sind,
welche Zeugnis geben von den Fähigkeiten, die einst hier tätig waren, um die
Menschen den geistigen Weg zu führen, wozu jetzt niemand mehr weder Willen noch
Tatkraft besitzt.
[Lg.01_026,30]
Beispiele davon seht ihr in Indien, Persien, Ägypten, auch bei Völkern
Amerikas, deren Spuren längst von der Erde verschwunden sind.
[Lg.01_026,31]
So, Meine Kinder, ist auch eure Sprache noch nicht die letzte, welche auf
dieser Erde ihren Abschluß finden wird. Es wird eine noch intensivere,
geistigere dieser nachfolgen, die die Menschen erst dann erlernen werden, wenn
ihre Annäherung zum Geisterreich so frei sich gestaltet, daß ein Hinüber- oder
Herübergehen nur ein sanfter Übergang und leichter Stoffwechsel sein wird, und
die intelligenten Bedürfnisse der materiell verkörperten Menschen mit denen der
Geister vom Jenseits in besserem Einklang stehen werden.
[Lg.01_026,32]
Jetzt ist es der Fall, daß eure Sprache, so ausgebildet und reich an Ausdrücken
ihr sie auch wähnt, doch für manche Gefühle und Seelenzustände noch keine Worte
hat, um das auszudrücken, was gerade euer Herz so erfüllt, wie zum Beispiel in
den höchsten Augenblicken der höchsten Wonne der ersten Liebe, oder des Abschiednehmens
und des Wiedersehens oder gar, wenn ihr harmonischen Akkorden und Tönen
wörtlichen Ausdruck geben wolltet. Wie viel möchtet ihr da mit einem Worte
sagen, und eure Sprache muß sich höchstens mit einem Blick voll Seligkeit,
einem Händedruck, einer Umarmung begnügen, da alle eure Worte zu arm und
unfähig sind, im mindesten das auszudrücken, was in eurer Seele mit geistiger
Flammenschrift geschrieben steht und in dem Worte Liebe gipfelt, aber sich nicht
näher beschreiben läßt.
[Lg.01_026,33]
Nachdem aber alles dieses Gesagte nur zu oft aus euren eigenen Erfahrungen
bewiesen werden kann, so möget ihr daraus schließen, wie eben ihr Menschen auf
der großen Geisterstufe noch nicht die letzten seid, und viele Grade noch über
euch liegen, ebenso auch eure Sprache ebenfalls nicht die letzte ist, sondern
es noch andere Arten des Ausdrucks gibt, wovon ihr keinen Begriff haben könnt,
solange ihr noch in Materie eingeschlossene Seelen seid.
[Lg.01_026,34]
Ihr müsset ja stets im Auge haben, daß, je mehr euer Auge geistig geschärft
Größeres, Seligeres in sich aufnehmen kann, und je mehr sich einst die Wunder
einer Geisterwelt vor euch entfalten werden, desto mehr werdet ihr auch
Ausdrücke benötigen, welche solches im rechten Maße ausdrücken können. Also je
höher der Standpunkt, desto geistiger die Sprache, nachdem es sich dort nicht
mehr um äußere Formen, sondern um geistigen Inhalt handelt.
[Lg.01_026,35]
Wie Ich im Anfange sagte, daß der nämliche Prozeß es ist, wie aus dem Samen die
Pflanze und aus der Pflanze der Same erwächst, so entsteht auch im großen
Weltenreich der geistigen Intelligenz aus einer Sprache wieder eine andere, je
nach dem geistigen Bedürfnisse stets fortschreitend, vom verdorbenen Dialekt
des Landvolkes angefangen bis zur reinsten Mundart eines gebildeten Menschen.
[Lg.01_026,36]
Dieser Unterschied, wenngleich für euch hier nur berührt, ist im geistigen
Sinne in der Ausdrucksweise, in der Sprachbildung zwischen intellektuellen
Wesen ein großer, weit ausgedehnter, welcher keine Grenzen kennt, da die
Sprache als Ausdruck geistig unendlicher Begriffe ebenfalls unendlich in ihrer
Erweiterung und Vervollkommnung sein kann und muß.
[Lg.01_026,37]
So ist die Sprache nicht, wie die Gelehrten glauben, ein von Sprachforschern
zusammengesetztes Machwerk, sondern eine Erbschaft aus anderen Welten, wobei
meistens vieles hinweggelassen werden mußte, weil entweder die Geistesfähigkeit
der Menschen es nicht benötigte, oder weil selbst die umgebende Natur und der
Kulturstand auf Erden anders war als dort, von woher diese Sprachelemente von
euren Wandergeistern gebracht wurden.
[Lg.01_026,38]
Es ist immer der Eigendünkel des Erdenmenschen, welcher glaubt, sie hätten
alles gemacht; sie wüßten Pflanzen zu veredeln, Tiere zu höheren Stufen, wenn
es nur möglich wäre, selbst zu Menschen zu machen! Alles dieses glauben die
Menschen bewerkstelligen zu können, und bedenken nicht dabei, daß, was Ich
geschaffen, von ihnen weder veredelt noch besser erzogen werden kann!
[Lg.01_026,39]
Es liegt ja schon in einem einzelnen Worte soviel Tiefes, soviel Bezeichnendes,
das nur ein Tiefdenkender ahnen, aber nie ergründen kann, um wieviel mehr in
einem ganzen Sprachenbau, wo, wäre nicht schon im Menschen selbst geistig die
Sprachfähigkeit gegründet, die Sprachforscher gewiß oft in Zweifel wären, wie
sie eine Handlung in allen möglichen Veränderungen bezeichnen sollten.
[Lg.01_026,40]
Seid versichert, keiner eurer Professoren wäre je imstande gewesen, nur das
Zeitwort sein mit seinen Zeitabänderungen zu erfinden.
[Lg.01_026,41]
Denket nur über das Gesagte nach, und ihr werdet leicht einsehen, daß es ganz
etwas anderes ist, eine bestehende Sprache auszuforschen, oder aber eine neue
zu erfinden, ohne alte Sprachen nachzuahmen, solches ist für euch Menschen eine
Unmöglichkeit!
[Lg.01_026,42]
Daher ließ Ich dieses Wort euch geben, damit ihr daraus wieder erkennen möget,
wie klein, wie beschränkt euer Wissen ist, und wie am unrechten Platz der Stolz
eurer Gelehrsamkeit, wo, wenn man's beim rechten Licht betrachtet, ganz wenig
Neues eure Errungenschaft, sondern das meiste Meine Gnadengabe ist, die weiter
sieht, und die auch überall und stets gewußt hatte, was sie tut, wie sie es zu
Werke bringt, wenn der Zeitpunkt dazu da ist, und welche Mittel dazu
erforderlich sind.
[Lg.01_026,43]
Das geistige Element, welches in der materiellen Natur liegt, ist ebenfalls in
der Sprache, da sie ja fähig sein soll, einst dem geistig hellsehenden oder
wiedergeborenen Menschen als Ausdrucksweise zu dienen.
[Lg.01_026,44]
Diese Sprache muß also alles in sich tragen, um solchem Bedürfnisse zu
entsprechen, und ebendeswegen ist auch die Sprache, ihre Grammatik oder Lehre,
so rationell und konsequent zusammengesetzt, daß für einen Wiedergeborenen
stets das rechte Wort zum richtigen Begriff vorhanden ist.
[Lg.01_026,45]
Nachdem nun alle Menschen einst in den Zustand des Wiedergeborenseins eintreten
müssen, um die zukünftige vergeistigte Erdenwelt zu bevölkern, so muß auch ihre
Sprache sich nach und nach diesen geistigen Erfordernissen anpassen, sich nach
und nach vergeistigen, damit dort mit geistigen Begriffen auch endlich selbst
für die höchsten Gefühle entsprechende Ausdrücke in der Sprache vorhanden sind.
[Lg.01_026,46]
Millionen von Welten und Millionen von Jahren mußten vergehen, während welcher
sich die Sprachen für die Zukunft vorbereiten mußten, wovon jetzt ganze
Generationen erst den Vorteil genießen, in einer wohlgebauten Wort- und
Schriftsprache ausdrücken zu können, was ihrem geistigen Bedarf angemessen ist,
und selbst nicht allein den jetzt Lebenden, sondern auch ihren fernen
Nachkommen noch zugute kommen wird.
[Lg.01_026,47]
So soll euch auch dieses Wort wieder den Beweis liefern, wie die Gnade eures
Vaters nichts unterläßt, teils einfältigen Menschenstolz zu dämpfen, teils euch
Mittel zu geben, das geistige Weltenreich zu begreifen, wo eben nach allem
Gehörten, Gesehenen und Gefühlten nur die Sprache, das Wort allein gegeben ist, um
auch andern mitteilen zu können, was einzelnen Eingeweihten, welche selbst mit
der Geisterwelt in Verbindung standen, in manchen einsamen Stunden zuteil
geworden ist, wo die Liebe des Vaters den schwachen Kindern Seine Gnade fühlen
ließ, und ihnen zeigte, wie vor Äonen von Jahren angebaut wurde, was jetzt erst
zur Ernte reifen wird! Amen!
27. Kapitel Die Unendlichkeit.
28. März 1876
[Lg.01_027,01]
Hier steht ein Wort vor euch, das oft gedankenlos ausgesprochen wird, dessen
Bedeutung aber noch nie ein lebendes Wesen in seiner Tiefe erfaßt hat, und so
will Ich euch wieder einen Blick in Mein Universum, einen Blick in Meine große
Schöpfung, und einen Blick in Mein eigenes Ich machen lassen, wo ihr sodann
mittels dessen ersehen könnt, was alle eure Wissenschaften, alle eure tiefen
Denker, alle Philosophen nie entdeckt haben, das aber ein unmündiges Kind am
Gängelbande der Liebe leicht begreifen kann, nämlich, daß Liebe der erste
Faktor war von allem Geschaffenen, und daß Liebe der Erhalter und
Vervollkommner alles Wesenden stets bleiben wird!
[Lg.01_027,02]
Wenn Ich euch dieses Wort unendlich erklären soll, so müsset ihr von einer großen Masse
eingelernter Begriffe abgehen, müßt weit über alles Wissenschaftliche hinaus
den Begriff dieses Wortes nicht nach menschlicher Weise, nach irdischen
Vernunft-Gesetzen, sondern gemäß eures göttlichen Funkens, den Ich in euch gelegt
habe, sonach als Geister, nicht aber nach endlicher Anschauung entziffern
wollen; denn sonst kann nie ein scheinbar endliches Wesen, wie ihr seid, den
unendlichen Gott und seine unendliche Schöpfung begreifen.
[Lg.01_027,03]
So wollen wir bei dem Wort und dessen Definition anfangen und wie gewöhnlich
dann Schritt für Schritt weiter gehen, wo von einem denkbaren Begriff
angefangen bis zum ahnenden Bewußtsein des Ewig-Unendlichen fortgeschritten
werden kann.
[Lg.01_027,04]
Was heißet ihr unendlich? Unendlich heißt ganz einfach ein Ding oder
Zustand, der kein Ende hat.
[Lg.01_027,05]
Gut, diesen Begriff könnt ihr euch in eurer Phantasie ausspinnen, so lange und
so weit ihr nur immer wollt, und er bleibt euch als Begriff faß- und denkbar.
Aber dieser Begriff, angewandt auf Meine Schöpfung oder auf Mein eigenes Ich,
langt nicht aus; denn da tritt euch ein anderer Faktor entgegen, welcher in
eurem menschlichen Gehirne keinen Anhaltspunkt findet oder euch nicht denkbar
ist, weil ihr selbst nur eines Anfangs euch bewußt, auch bei allem einen
solchen nur euch vorstellen könnt, was bei Mir und Meiner Schöpfung aber nicht
angewandt werden kann; denn Ich und Meine Schöpfung haben neben dem Unendlichen
der Fortdauer auch keinen Anfang aufzuweisen.
[Lg.01_027,06]
Hier gewinnt also das Wort unendlich eine andere Bedeutung, weil es sich auf zwei Seiten hin
bezieht, auf keinen Anfang und kein Ende; für euch ist diese Unendlichkeit auf
einer Seite wohl, aber auf der andern nicht denk-, noch begreifbar.
[Lg.01_027,07]
Nun, hier will Ich euch helfen, wenn ihr Mir in Meinem Ideengange folgend euch
hinaufschwingen könnt über alles Irdisch-Geschaffene; wenn ihr als Geister Mich
beurteilen und von der Schöpfung eine dem Schöpfer gerechte Idee erhalten
wollt; denn als Menschen, wie ihr jetzt erzogen und ausgebildet seid, gibt es
keine Möglichkeit, sich einen Begriff von etwas zu machen, das nie einen Anfang
hatte.
[Lg.01_027,08]
Es muß also hier als göttlicher Geist, weit über euren Verstand hinaus, alles
geistig angeschaut, und selbst eure eigene Existenz von einem andern
Gesichtspunkt aufgefaßt werden.
[Lg.01_027,09]
Rühmt sich doch der Mensch mit seinen wissenschaftlichen Kenntnissen, als wüßte
er etwas, und hat im Grunde doch wenig von dem erfahren, was ihn umgibt, wie es
fortbesteht, und was sein Endzweck ist.
[Lg.01_027,10]
Ist ja dem Menschen trotz aller Forschungen sein eigenes Leben, oder die Lebenskraft, mit der er fühlt, denkt
und handelt, ein Rätsel; um wieviel mehr muß ihm alles fremd vorkommen, was
außer dieser Sphäre liegt, wo er, dieses winzige Geschöpf, in sein kleines
Gehirn den Schöpfungsgedanken nach seinen eigenen, von ihm konstruierten Ideen
hineinzwängen möchte!
[Lg.01_027,11]
Welch eitles Abmühen und Abplagen! Mich und Meine Schöpfung versteht nur ein Geist,
ein Abkömmling von Mir, welchen Geist zwar jeder von euch im Herzen trägt; aber
er weiß ihn nicht zu kultivieren und bringt ihn meistens so in seiner
Einfachheit ins Geisterreich mit, wie er ihn bei seiner Geburt von Mir
empfangen hat. (Paulus 1. Kor.2,10)
[Lg.01_027,12]
Also, vor allem vergeßt eure menschliche Hülle, euer menschliches Dasein, euer
menschliches Wissen! Vergeßt euren kleinen Erdball, vergeßt eure Sonne, die
Wärme und Licht euch täglich spendet, vergeßt alle Materie, alle Welten, deren
Anzahl als Summe von euch nie gedacht werden kann!
[Lg.01_027,13]
Schwinget euch hinauf in den unendlichen Raum, wo alle die Welten, eine um die
andere kreisend, ewig und ewig ihr Ziel der Vervollkommnung stillschweigend
verfolgen! Schwinget euch hinauf, mit Mir in Gedanken hinauf, wo das Licht und
die Zeiten keine Grenzen mehr finden, wo, wenn es so zu nennen wäre, der
unbegrenzte Raum stets nur im unbegrenzten Maße denkbar ist; schwinget euch mit
Mir hinauf, wo kein Licht, keine Wärme, sondern nur Finsternis, ewige
Finsternis herrscht; wo die großen Elemente für alles Geschaffene
aufgespeichert liegen.
[Lg.01_027,14]
Schwinget euch mit Mir inmitten dieses Raumes, wie es euch scheinen würde, und wenn es euer Geist oder
eure Einbildungskraft fassen kann, so steht ihr vor der Unendlichkeit und ihrem
Schöpfer und Herrn, welcher aus ihr alles erzeugte, was sicht- und unsichtbar
im Raume webt und lebt.
[Lg.01_027,15]
Und dort in dieser Unendlichkeit wird euch dann faßbar, wie Gott ebenfalls unendlich diesen unbegrenzten Raum
gleichsam wie jedes andere Ding oder Wesen als Seine geistige Atmosphäre um
Sich hat, und inmitten welcher Er thront, inmitten welcher Er das Symbol der
Liebe, aus diesem Dunstkreise die materielle und aus Seinem Ich die geistige
Welt erschaffen oder ins Leben gerufen hat.
[Lg.01_027,16]
Ohne Anfang müsset ihr Mich denken lernen; denn sonst müßte ein anderer Gott
Mich erschaffen haben, diesen aber wieder ein anderer und so fort, wo ihr
ebenfalls nach eurer Erschaffungstheorie nie fertig würdet.
[Lg.01_027,17]
Ich sagte euch in einem andern Wort, daß die jeden Gegenstand oder jedes Wesen
umgebende Atmosphäre an den Gegenstand oder an das Wesen abgibt, was sie von
außen einsaugt, und wieder in sich aufnimmt, was von selbem verbraucht ihr, der
Atmosphäre, zurückgegeben wird.
[Lg.01_027,18]
Nun, hier habt ihr den Schlüssel zur Unendlichkeit.
[Lg.01_027,19]
Der unendliche Raum mit allem Wesenden darin ist Meine Atmosphäre, unendlich
wie Ich Selbst, in welche alles ausströmt von Mir, hinausgehend ins Unendliche,
um den großen Reinigungs-Prozeß durchzumachen, da es durch diese Atmosphäre
teilweise schon materiell geworden ist; und dieser unendliche Raum gibt Mir
wieder all das Geistige zurück, was in ihm gebildet, verbraucht, aufgehört hat,
materiell zu sein, und ergänzt so Mein geistiges Wesen wieder, indem es Mir in
anderen Wesen aller Art Meine Liebe, Meinen Geist in allen Abstufungen geistig
wiedergibt, und so das Mich umgebende Geisterreich bildet, wo die Liebe als
Idee, verwirklicht in Gestalten und Formen, vor Mir steht, die alle geistig
ausdrücken, was von Mir ihnen einst geschenkt, jetzt als vergeistigter
Geistes-Mensch oder geistiges Wesen vollendet ist.
[Lg.01_027,20]
Sehet, so wie alle euch umgebende Atmosphäre, so wie der Dunstkreis eines jeden
Dinges oder Wesens die einzige Kette ist, mit welcher eines mit dem andern in
Berührung kommt, und eines an das andere abgeben kann, was es selbst nicht mehr
benötigt, ebenso der unendliche Raum, in welchem alle Materie in feinste Atome
aufgelöst stets das Assimilations-Vermögen hat, Gleiches mit Gleichem zu
verbinden.
[Lg.01_027,21]
Als die materielle Welt sich gemäß dem großen Gesetze aus dem unendlichen Raume
gestaltete, da lag schon in jedem einzelnen Dinge der Keim und der Trieb des
immer sich Neugestaltens.
[Lg.01_027,22]
Einmal wurde dieses Gesetz in alles gelegt, und so folgt es noch jetzt seinem
ihm vorgeschriebenen Weg.
[Lg.01_027,23]
Meine großen Schöpfungs-Gedanken riefen nur einmal das Es werde in die unendlichen
Räume; da fing alles an sich zu regen, in das Chaos oder Konglomerat aller
materiellen Stoffe drang Mein Geist; es ward Leben, Abstoßen und Anziehen,
Bilden und Verwandeln begannen, und so wird es ewig fortgehen, weil kaum ein
Atom dem Ätherraum zurückgegeben, es neue Verbindungen suchen muß.
[Lg.01_027,24]
Sehet die großen Welten an, wie Millionen und Millionen von euren Jahren als
Zeitrechnung zu gering wären, um deren Bildungs-Prozeß bestimmen zu wollen,
seht die Unzahl derselben an, wie sie vom ersten Atom angefangen, sich
bildeten, wie durch gegenseitige Anziehung die Atome zu Molekülen, die Moleküle
in mikroskopische Körper, in Zellen, diese wieder mit den sie umgebenden
Atmosphären in Dunsthüllen verdichtet, später nach und nach fester wurden,
endlich eine haltbare Kruste über einen lichtwarmen Kern bildeten als
Oberfläche solcher Welten, wo die im Innern verschlossene Kraft und Leben ein
eigenes Leben schufen, wo vom Wärmeverbrauch gebildet und durch Niederschlag
sich dann aus den Dünsten Gewässer, äußere Atmosphären, Vegetation und lebende
Wesen bildeten!
[Lg.01_027,25]
Sehet alle diese Welten an, denket euch deren Unzahl, deren Größe, wo vom
kleinsten Sandkorn bis zu den darauf lebenden Menschen als letztes Glied der
Keim der Fortpflanzung überall tätig ist! Denket euch die Zahl eurer kurzen und
kleinen Jahre für solch einen Bildungs-Prozeß, denket euch die ausgeschiedenen
materiellen und geistigen Elemente eines einzelnen solchen Weltkörpers, welche
dann Anlaß zu Kometenbildungen gegeben haben, die nach den nämlichen Gesetzen
sich formen, sich ausbilden müssen, bis auch sie, eine feste Masse geworden, in
dem Bereich eines Sonnensystems ihre weitere Laufbahn und Entwicklung als
kreisende Planeten fortsetzen!
[Lg.01_027,26]
Denket euch das große Heer der sichtbaren Sterne, welche ihr mit freiem Auge
oder durch eure künstlichen Fernrohre entdeckt; denket euch diese Welten, und
die Zeit ihrer Bildung, ihres notwendigen Bestehens, ihrer gesetzmäßigen
Verwandlung, wie alles nach dem Gesetz der Anziehung und Abstoßung stets
fortgeht, und die ganze Unendlichkeit steht vor euren geistigen Augen in ihrer nie
zu begreifenden Größe, die wie im Samenkorn einer kleinen Pflanze, oder der
Fortpflanzung eines Infusionstierchens das nämliche Gesetz befolgt, daß ewig
und ewig aus Verbrauchtem Neues sich gestalten muß, daß von Stufe zu Stufe
zuerst die feinsten Atome Materie werden, und dann die Materie in ihren
millionenfach verschiedenen Abstufungen als Materielles eines dem andern
nützlich sei, beim Verwandeln stets höher und höher steigend, endlich sich
selbst vergeistigend, vom Leblosen zum Lebenden, und vom Lebenden zum geistigen
Leben vorwärts schreitet; wo dann alles von Mir durch den großen Ätherraum
Hinausgegangene wieder zu Mir in die geistige Heimat zurückkehrt, um dort den
Preis und Entgelt zu empfangen für alles, was zu erdulden war; wo sodann ein
von der Liebe ausgesandtes, eben wieder durch die Liebe zurückgeführtes,
geistig denkendes Wesen, Meine Allmacht, Meine Liebe und Meine Schöpfung ganz
durchschauend und begreifend, als Kind eines liebenden Vaters die Seligkeiten
genießen kann und wird, die allen vorbehalten sind, die treu ausharren, und
stets daran denken, von wo sie einst ausgegangen sind, und wohin sie als
Endziel gelangen müssen!
[Lg.01_027,27]
So wie bei euch eure materiell-geistige Atmosphäre den einen an den andern
geistig bindet, unwillkürlich ihn anziehen, ihn beglücken will, ebenso die
große Anziehungskraft der Liebe von Mir zu jenen Wesen, welche Mir ähnlich
werden wollen.
[Lg.01_027,28]
So fasset die Unendlichkeit oder das Wort unendlich auf.
[Lg.01_027,29]
Unendlich ist die Kraft, die aus Mir in alles Lebende einströmt, unendlich ist
Meine Liebe, die nie versiegen wird, und auch unendlich ist die Fortpflanzung,
welche vom Kleinsten bis zum Größten nach dem nämlichen Gesetz fortschreitet.
[Lg.01_027,30]
So könnt ihr die Unendlichkeit der Welten und des Raumes begreifen, so könnt
ihr auch den großen Weltenmenschen oder das ganze materielle Weltensystem
auffassen, welches ebenfalls eine Atmosphäre um sich hat, in weitem Kreise um
seine geistige Zentralsonne kreiset, an den großen Ätherraum der Unendlichkeit
alles Verbrauchte abgibt, und bei jedem Schritt neues Belebendes wieder
aufnimmt.
[Lg.01_027,31]
So seht ihr die Unendlichkeit, oder die Unmöglichkeit, etwas zunichte zu
machen, sei es auch nur das geringste Atom, ebenfalls noch bildlich im
geistigen Leben, wo der geistige Gedanke stets einen andern hervorruft, wo der
Gedanke die Idee, die Idee das Wort, und das Wort endlich auch das Werk oder
die Tat erzeugt, und so den geistigen Schöpfer zeigt, und was Er im Materiellen
Geistiges ausdrücken wollte.
[Lg.01_027,32]
Unendlich ist alles, unendlich seid auch ihr! Nicht daß ihr mit eurer Geburt
erst angefangen, nein, schon längst, ja von Ewigkeit her seid oder waret auch
ihr, bloß nicht als Menschen, als einzelne Individuen, sondern als Materie, mit
ebenso unvergänglichem Stoffe wie alle Materie; das Geistige in euch, ein Funke
aus Mir, Meines göttlichen Ich, welcher sich erst seiner Existenz bewußt ward,
als die andern zwei Faktoren, Seele und Körper, mit dem Geiste die
Dreieinigkeit ausmachten, wie sie bei Mir ebenfalls ist; denn auch Mein Ich
besteht erstens aus all dem Geschaffenen und Wesenden als Materie, zweitens aus
dem ganzen Seelenreiche, welches alles zu einem Zweck vorwärts treibt, und
drittens aus dem göttlichen ewigen Prinzip, welches dem Vorhergesagten die
unendliche Dauer und seinen göttlichen Wert gibt.
[Lg.01_027,33]
So sind wir, Ich im Großen, Körper, Seele und Geist, und ihr und alles, was
lebt und webt, im Kleinen ebenfalls aus denselben Prinzipien geformt; und
ebendeswegen strebt auch das Körperliche zu Seelischem, das Seelische zu
Geistigem, sich auszubilden, welches der Stufengang alles Unendlichen ist, sein
muß und sein wird.
[Lg.01_027,34]
Das Wort Vernichtung gibt es in Meiner Schöpfung nicht, nur Verwandlung, wenn
diese auch oft unter dem Schein der ersteren auftritt!
[Lg.01_027,35] Unendlich sind die Keime des
Göttlichen, unendlich ist ja der Schöpfer Selbst, wie sollten die Produkte aus
Ihm nicht den nämlichen Stempel tragen?! Allein nach beschränkten menschlichen
Begriffen, nach den Gesetzen der menschlichen Vernunft ist dieser Gedanke nicht
faßbar. Deswegen führte Ich euch hinaus in den großen Ätherraum, zeigte euch
dort die nämlichen Verhältnisse als Gott, die ihr als Menschen ebenfalls habt,
die jedoch nur geistig aufgefaßt, gleichbedeutend gedacht werden können.
[Lg.01_027,36]
Nur in diesem Sinne bin Ich euch faßbar, bin Ich euch nahe, und könnt ihr Meine
Liebe, Meine Opfer und Meine Geduld mit euch begreifen.
[Lg.01_027,37]
Hätte Ich nicht größere Absichten mit der Welt, wäre vor Mir nicht das ganze
Universum ausgebreitet wie ein offenes Buch vor Mir liegend, wo Ich alles sehe,
alles weiß, aber auch alles zu dem großen Ziele der Vereinigung mit Mir führe,
so hätte Ich nach euren menschlichen Urteilen und Begriffen schon längst euren
ganzen Erdball aus dem Bestehenden verschwinden lassen sollen; aber wie Ich am
Kreuze einst sagte: Verzeihe ihnen; denn sie
wissen nicht was sie tun!, so ist es auch jetzt
noch. Verirrte Kinder seid ihr, und viele Millionen mit euch!
[Lg.01_027,38]
Die großen Gedanken, welche euch über das Irdische erheben sollten, ihr könnt
sie nicht fassen, habt keine Kraft, keine Energie, euch dorthin zu schwingen,
wo alle menschlich-weltlichen Sorgen in ein Nichts zusammensinken, wo trotz aller
Worte, direkt von Mir gegeben, ihr noch nicht begriffen habt, was es heißt Mensch oder gar Kind Gottes zu sein!
[Lg.01_027,39]
Daher Meine Worte zu euch, daher die Verschiedenheit derselben, daher Meine
Erklärungen von allem Geschaffenen, um euch eure geistigen Augen zu öffnen.
[Lg.01_027,40]
Seligkeiten über Seligkeiten habe Ich geschaffen; aber nicht für Blinde, nein,
sondern für Sehende, welche geistig sehen, geistig begreifen sollen, Wer sie
führt, und wohin Er sie führen will.
[Lg.01_027,41] Sehende
will Ich in Meiner Schöpfung haben, die Meine Werke bewundern und aus ihnen den
Schöpfer derselben erkennen und Ihn liebenlernen sollen!
[Lg.01_027,42]
Sehende will Ich haben, die klar begreifen sollen, daß sie nicht für die Spanne
Zeit, bei euch Leben genannt, geschaffen wurden, sondern die einsehen sollen,
daß sie, eben weil sie unsterblich sind, den Keim des Göttlichen in sich
tragen; aber auch ihn zur Geltung bringen sollen, um Meine Welt und Mich ganz
zu verstehen!
[Lg.01_027,43]
Sehend will Ich Meine Kinder haben, damit sie in dem Bewußtsein des Unendlich oder Unsterblich begreifen sollen, wessen
Bürger sie sind, daß sie Bürger eines Geisterreiches waren, und es wieder
werden müssen, wo die Geistige Sonne nie untergeht, sondern wo alles Licht, von
Mir ausströmend, dem kleinsten Atom wie dem menschlichen Geiste sein Licht
gibt, wenn er es benutzen will zur Erkenntnis, daß er selbst als ein
unendliches Wesen von einem unendlichen Gott geschaffen wurde!
[Lg.01_027,44]
So möge dieses Wort wieder ein geistiger Stoß für eure beinahe eingeschlafenen
Herzen sein, damit ihr erwacht aus dem weltlichen Traum und klar seht, daß,
wenn euer Lebenstraum ein Ende hat, ihr in diese eben jetzt beschriebene Welt
als unsterbliche Wesen eintreten werdet.
[Lg.01_027,45]
So sei es euch gegeben zum Trost und als Rat! Möge es euch nicht vergebens
geworden sein; denn ihr werdet es büßen müssen, weil ihr, nicht eingedenk der
göttlichen Gesetze, endlich fortleben wollt, während doch die Unendlichkeit eurer Ziel ist! Amen!
28. Kapitel Die Schattenseite der Natur.
5. Februar 1877
[Lg.01_028,01]
Schon in vielen Worten habe Ich euch Meine Natur von ihrer schönsten geistigen
und materiellen Seite gezeigt, euch darauf hingewiesen, wie alles nur aus
Liebe, nur zur Freude der lebenden Wesen geschaffen wurde; und doch findet sich
in der sichtbaren Natur, in dem Leben der Tiere und selbst des Menschen so
manches, was gegenüber allem diesem früher Gesagten als Gegensatz erscheint, wo
vielleicht so mancher sagen könnte: Wenn ich die Welt und das
Leben auf dieser Erde genau betrachte, so ist nicht alles so rosig, wie es
gemäß den eben geschilderten Worten sein sollte; ich sehe hier
Elementar-Ereignisse, die der Menschen Leben und ihr sauer erworbenes Gut
zerstören, sehe nur Raub und Mord beinahe im ganzen Tierreich, sehe Gifte aller
Art, sehe Ungeziefer, die Menschen und Tiere plagen, sehe, wie selbst Menschen
und Tiere wieder der Wohnort abscheulicher Würmer sind, wo letztere nicht
warten können, bis der Körper tot ist, sondern die Menschen und Tiere diese
ungeladenen Gäste noch bei lebendigem Leibe mit sich herumtragen und sie nähren
müssen, sehe neben wohlduftenden Blumen, Ölen und Gewürzen eine Masse von
Dingen, die einen pestilenzialischen Gestank verbreiten, und sehe neben üppigem
Leben die alles zerstörende Verwesung, welche Menschen und Tiere durch üblen
Geruch von sich zurückstößt.
[Lg.01_028,02]
Alles dieses ist doch nicht zur Freude, zum angenehmen Aufenthalt auf dieser
Erde geschaffen, und nicht da, als sollte es uns unseren Lebenswandel versüßen
oder gar noch ein Zeichen von der allgepriesenen großen Vaterliebe unseres
Schöpfers sein!
[Lg.01_028,03]
Diese und noch andere Einwürfe können Mir gemacht werden, und zwar natürlich
nur von Menschen, welche das Scheinbare fürs Wirkliche halten, und welche
keinen Begriff von Meiner Weisheit haben, und sich nicht in die Lage versetzen
können, von welcher Seite Ich Meine Schöpfung und das Leben selbst anschaue und
wirklich betrachten muß.
[Lg.01_028,04]
So, wie Ich es euch schon einmal in einem andern Wort gesagt habe, rief ein
Gelehrter von euch Erdenmenschen in seinem Unmut aus: Wenn es einen Gott gibt, und ich seine Stelle vertreten
müßte, so würde ich mich schämen, eine Welt so erbärmlich eingerichtet zu
haben, wie sie wirklich besteht!
[Lg.01_028,05]
Um nun alle diese Vorwürfe zu beseitigen, und da auch bei euch, einem oder dem
andern, ähnliche Zweifel gegen Meine weisen Anordnungen aufgestiegen sind, will
Ich euch nun Mich, Meine Schöpfung und das scheinbar Widersprechende soviel als
möglich aufklären und die sogenannte Schattenseite Meiner Natur auch in eine
Lichtseite verwandeln.
[Lg.01_028,06]
Vorerst muß Ich aber all diesen Aufschlüssen eine Erklärung Meines großen
Haushalts und eine klare Ansicht vorausschicken, wie ich das Leben anschaue!
[Lg.01_028,07]
Es geschieht dieses, damit wir einander verstehen; denn sonst sind alle Worte nur
leeres Stroh gedroschen, da es ohnedies nicht ermöglicht wird, von Meinem
Standpunkte aus die Welt zu betrachten, die doch Ich geschaffen habe und daher
Ich allein nur wissen kann, warum Ich sie so und nicht anders gebaut und
eingerichtet habe.
[Lg.01_028,08]
Es ist gerade, wie (als Gleichnis gesprochen) wenn zwei, der eine auf einem
Berg und der andere in der Ebene, über eine gewisse Fernsicht sich verständigen
wollen, was natürlich nur dann möglich ist, wenn beide auf ein und demselben
Standpunkte sich befinden, da der in der Ebene nie das sehen kann, was dem
anderen auf dem Berge ganz klar vor Augen liegt.
[Lg.01_028,09]
Also, Meine Kinder, wollt ihr Mich begreifen, so müsset ihr zu Mir
heraufsteigen; denn bei Mir ist ewiges Licht, und bei euch und vielen anderen
ewige Finsternis oder im besten Falle leichte Dämmerung.
[Lg.01_028,10]
Um also die Schattenseite Meiner Natur zu würdigen, müßt ihr vorerst bedenken,
daß Ich als Schöpfer des ganzen Universums, als ewiger Herr des ganzen überall
sich manifestierenden Lebens eine ganz andere Idee von demselben habe, als ihr
schwachen Menschenkinder, denen der Tod in tausend verschiedenen Formen
entgegentritt, während es für Mich und vor Mir keinen Tod gibt, sondern
höchstens eine Verwandlung oder einen Stufenwechsel.
[Lg.01_028,11]
Also das Schreckliche, was ihr in und auf eurer Erde mit Tod bezeichnet, ist
nur eure Ansicht, auf welche ihr dann die meisten Belege dafür gründet, aber
nicht die Meinige!
[Lg.01_028,12]
Ferner müßt ihr bedenken, daß eure Erde nicht die Hauptsache in der ganzen
Schöpfung ist, daß viele Hunderte von Planeten wie der eurige und Millionen von
Sonnen Mein materielles Weltenreich ausmachen, und daß ebendeswegen Meine Sorge
die Erhaltung des Ganzen ist, während ihr nur für den Bestand eurer kleinen
Erde ein Interesse habt, welche bei Mir wie ein Tautropfen im großen Weltmeere
verschwindet.
[Lg.01_028,13]
Denn ihr müßt Meine Welt so auffassen, daß Meine ganze Schöpfung ganz gut ohne
eure Erde, ja ohne euer ganzes Sonnensystem bestehen könnte; aber eure Erde
nicht ohne ihre Sonne, ohne die Verbindung mit den andern Welten, weil alles
wie eine Kette zusammenhängt und wie ein vielkompliziertes Räderwerk
ineinandergreift.
[Lg.01_028,14]
Ihr werft Mir die Elementar-Ereignisse vor, welche den Menschen oft um Hab und
Gut und selbst um sein Leben bringen, worauf Ich euch antworte, daß im ganzen
Weltenreiche ein ewiges Bewegen, ein ewiges Verwandeln und Verbrauchen und
Erneuern im größten Maßstabe besteht.
[Lg.01_028,15]
Der Äther, dieser unermeßliche Raum, ist nie ruhig, seine kleinsten Atome gehen
immer Prozesse durch, wo alles erzittert, alles sich bewegt. Eure Luft,
ebenfalls ein leicht bewegliches Element wie der Äther, nur etwas dichter, kann
sich dieser Bewegung nicht entziehen, wird mitbewegt, mitangeregt, um an dem
großen Erhaltungs-Prozeß teilzunehmen, um so mehr noch, da der Einfluß der
Sonne durch ihre Wärmestrahlen die Ausdehnung und Zusammenziehung der
Luftschichten bewirkt, welche sodann immerwährende Störungen in der Atmosphäre
veranlassen, so daß stets die kalte Luft mit der wärmeren sich ausgleichen will
und muß.
[Lg.01_028,16]
Diese Ausgleichungen bestimmen und begründen die Feuchtigkeit oder Trockenheit
der Luftschichten, und diese wieder die Wolkenzüge, die Phänomene und
Elementar-Ereignisse, welche den Menschen im einzelnen oft Schaden bringen; im
ganzen aber nur Segen verbreiten.
[Lg.01_028,17]
Hierbei ist aber noch in Betracht zu ziehen, daß die Menschen in manchen
Gegenden durch ihre Gewinn- und Habsucht selbst oft das meiste dazu beitragen,
daß solche Elementarereignisse sich öfters ereignen, indem man ihnen die Türen
weit öffnet und zum Beispiel durch Vernichtung der Wälder Stürmen und Gewittern
leichteren Eingang gestattet, und selbst die klimatischen Verhältnisse
einzelner Länderstriche dadurch gänzlich ändert.
[Lg.01_028,18]
In Meinem großen Haushalt ist alles wohlberechnet, und ein Eingreifen durch
Menschenhand kann sich nur wieder an ihr selbst rächen, weil es ihre
Berechnungen höher als Meine stellt.
[Lg.01_028,19]
Ich muß im Großen für das nötige Gleichgewicht sorgen, habe Meine Gesetze so
geordnet, daß diese, wo sie gestört werden, sich von selbst wieder herstellen,
unbekümmert, wenn auch einzelne des Ganzen wegen Schaden erleiden.
[Lg.01_028,20]
Ihr fangt ja auch oft Kriege an, zerstört erbarmungslos Haus und Hof usw. von
unschuldigen Landleuten, verwüstet ihre Felder, ihre Saaten, ihre Herden,
verbreitet Unglück und Elend überall, und was für Entschuldigungen könnt ihr
von euren Machthabern darob erhalten? Sie sagen: Höhere Zwecke erheischen es, fürs Vaterland, fürs Ganze in die Schranken zu
treten, wo Glück oder Unglück des einzelnen nicht in Betracht gezogen werden
könne!
[Lg.01_028,21]
Ihr in eurem kleinen Land findet diese Erklärung ganz gerecht, und wenn Ich in
Meinem großen Haushalt ebenfalls wegen allgemeiner Erhaltungsprinzipien so
manches Elementarereignis für nötig halte, so habe Ich nach eurem beschränkten
Urteil Unrecht getan, habe gegen Meine Eigenschaften als Vater und Verbreiter
der Liebe gefehlt!
[Lg.01_028,22]
Seht, wie leicht ihr den Stab über Mich brechen möchtet, während ihr doch
selbst unnötigerweise oft bei weitem größeres Elend verbreitet, dessen
Tragweite ihr nicht kennt, und dessen üble Folgen ihr nicht gutmachen könnt!
[Lg.01_028,23]
Was das Morden und Rauben im ganzen Tierreich betrifft, wo doch ihr Menschen
selbst die größten Räuber und Mörder seid, und zwar meist um eures Bauches
willen oder als mutwilliger Zeitvertreib halbverwildeter Menschen, da muß Ich
euch auf das früher Gesagte hinweisen, wo Ich euch sagte, daß für Mich kein Tod
existiert, sondern nur stufenweises Fortschreiten! (Siehe
Gr.Ev.Joh.VII,Kap.17-19)
[Lg.01_028,24]
Nun, wie kann denn dieses Fortschreiten geschehen, wenn nicht teils materielle,
teils geistige Partikel der umstehenden Tiere in die höheren einverleibt
werden, welche eben zu ihrem Bestande all diese Elemente und Stoffe nötig
haben. Was tut denn ihr selbst? Nehmt ihr nicht ebenfalls aus allen
Naturreichen Nahrungsmittel zu euch, wo stets Partikel, seien es geistige oder materielle,
darin vorhanden sind, die teilweise ihr zum Aufbau eures Körpers für nötig
glaubt!
[Lg.01_028,25]
Was sind denn eure Jagden von dem Treiben der Tiere viel verschieden? Der große
Unterschied ist nur der, daß ihr die Tiere zu Tode hetzt zum Zeitvertreib und
nicht aus Not, wie der Löwe oder Tiger seine Beute suchen muß; und während das
Tier aus Instinkt so zu Werke geht, so ist es bei euch sogenannten vernünftigen
Geschöpfen eine Seelenlust, ein Tier leiden zu sehen, was im Tierreich nicht
vorkommt.
[Lg.01_028,26]
Ihr wollt Mir Grausamkeiten zuschreiben, und übt deren bei weitem mehr als Ich
aus!
[Lg.01_028,27]
Schauet eure Hetzjagden an, und schämet euch vor euch selbst; denn in diesem
Punkte steht ihr weit unter dem niedersten Tier!
[Lg.01_028,28]
Sehet, eure Naturforscher und Gelehrten haben aus den Formationen der Erdrinde
euch bewiesen, daß gerade, je kleiner die Tiere sind, desto größer ihre
Produktionskraft; und wenn dieses wirklich der Fall ist, wo ja ein großer Teil
der Erdrinde und Gebirge aus den Schalen und Skeletten solcher Tiere bestehen,
so könnt ihr daraus entnehmen, daß Ich bei Erschaffung solcher Einrichtungen
ganz andere Zwecke hatte, als nur Leben zu verbreiten.
[Lg.01_028,29]
Sehet, da die Erde von ihrem ersten Anfang bis auf die letzte Revolution
mit diesen Tieren so reich gesegnet war nebenbei aber auch Tiere
existierten, die längst ausgestorben eure jetzt lebenden, was Größe anbetrifft,
bei weitem in den Hintergrund stellen würden , so findet ihr neben den vielen Produzenten auch die Konsumenten, die
wieder nach jeder neuen Umwälzung als Materie zu einer neuen Schicht der
Erdrinde dienen mußten.
[Lg.01_028,30]
Das Leben war dort im allgemeinen in Betracht gezogen, und es konnte auf
einzelnes keine Rücksicht genommen werden, sondern alles mußte dazu beitragen,
die Erde so bald wie möglich zur bleibenden Wohnstätte des Letztgeschaffenen,
des Menschen herzurichten, wo dann diese Verwandlungen im großen Maßstabe
aufhörten und die jetzt hie und da eintretenden Phänomen- und Naturereignisse
nur schwache Nachklänge jener großen Schöpfungsprozesse sind.
[Lg.01_028,31]
In jener Zeit, wo eure Erde, von der Dunstform zur festen Masse
fortgeschritten, ihren Entwicklungsprozeß durch Millionen von Jahren
fortsetzte, war ja sie es nicht allein, die sich all diesen Verwandlungen
unterziehen mußte, sondern alle Planeten eures Sonnensystems standen im
gleichen Bildungsprozeß, überall regte es sich; der Äther lieferte die Elemente
zur Atmosphäre, und der Niederschlag der letzteren bildete die ersten Anfänge
der Erdrinde.
[Lg.01_028,32]
Habt doch auch ihr eure Jugendjahre, wo alles in euch gärt, das Blut in
rascheren Schlägen durch den Körper kreist, und der Bildungsprozeß schleuniger
und schneller zum Jünglings- und später zum Mannesalter treibt.
[Lg.01_028,33]
Eben solche Phasen macht eure Erde, ja selbst das ganze Planetensystem durch.
[Lg.01_028,34]
Moses sagte euch in seiner Schöpfungsgeschichte, wann es auf Erden Licht ward,
wann Festes vom Wäßrigen sich schied.
[Lg.01_028,35]
In eurem Leben wann wird es licht, wann
gewinnt euer Geistiges festere Gestalt? doch ebenfalls erst im
späteren Alter!
[Lg.01_028,36]
So war es bei dem großen Pflanzenwuchse und bei den großen Tieren.
[Lg.01_028,37]
Die allgemeine gleiche Wärme der Erdrinde, ihre ungeheure Produktionskraft an
Tieren aller Art, welche mit jeder Umwälzung andern Schöpfungen Platz machen
mußten; alles dieses waren die Jugendjahre der Erde, ihre Blütenzeit, die nur
für Mich und Meine großen Schöpfungsgedanken von Wert waren, wo jetzt Gelehrte
und Naturforscher in den Schichten der Erdrinde lesen können, was Ich einst mit
weiser Hand geordnet, und daß Ich erst den Menschen von Meiner Schöpfung Zeuge
werden ließ, als der Gärungsprozeß im Großen vollendet die Erde in ein
ruhigeres Stadium trat, um dem Menschen als bleibende Wohnstätte zu dienen.
[Lg.01_028,38] Was
die Gifte, die pestilenzialischen Gerüche anbelangt, welche ihr auf eurer Erde
neben balsamischen Düften antrefft, so ist diese Sache relativ. Gift ist nicht
für alle Wesen Gift, und übler Geruch nicht für alle lebenden Geschöpfe das
gleiche.
[Lg.01_028,39]
Was heißt denn eigentlich Gift? Sehet, alle Welt hat dieses Wort im Munde, und
niemand will es auf seinen Grund zurückführen, so will denn Ich es tun, damit
wir uns besser verstehen.
[Lg.01_028,40]
Gift ist nur der Gegensatz von dem, was der einen oder der andern Natur zusagt!
Gift ist zum Beispiel fast jede
Arznei, die ihr nehmt, was ihr daran bemerken könnt, mit welcher Hast die Seele
dieses genommene Heilmittel wieder aus dem Körper entfernen will. Gift ist also
für den Menschen so manches, was den Tieren nicht schadet, sondern sogar ihnen
oft als Heilmittel dient.
[Lg.01_028,41]
Wenn die Schlangen Giftzähne haben, so ist es für sie vorerst eine Waffe, und
zweitens ein Mittel, dem zu verzehrenden Tier den letzten Moment des Sterbens
zu erleichtern.
[Lg.01_028,42]
Gift in den Pflanzen, in den Mineralien mittels chemischer Prozesse gewonnen,
sind allerdings Stoffe, welche für den Menschen
entweder lähmend auf sein Nervensystem oder zerstörend auf andere Organe
wirkend ihm den Tod bringen können. Dazu
hat aber der Mensch auch seinen Verstand und sollte sich mittels desselben vor
solchen Giften zu schützen wissen.
[Lg.01_028,43]
Warum diese Gifte in Meinem Haushalte sind, dieses für euch zu ermitteln, wird
etwas schwer halten, weil ihr die Stufenleiter, auf der alles sich nach oben
drängt, nicht kennt und nie begreifen werdet, wie vom ersten Äther-Atom
angefangen eine geordnete Stufenleiter sanft von einem zum andern, Höheren
führen mußte.
[Lg.01_028,44]
Hierher gehört auch der Vorwurf wegen des Vorhandenseins des Ungeziefers, davon
manche die Tiere und Menschen plagen, und wo der Mensch keine Ursache und kein
Warum findet, weil er nur immer sich als Erstes betrachtet.
[Lg.01_028,45]
Auch dieses Ungeziefer hat in seiner Stellung einen gewissen Platz auszufüllen,
wo von einem Tier zum andern kein Sprung gemacht werden kann, und wo neben der
materiellen und geistigen Bildung dieser Geschöpfe auch noch ein Höheres mit
verbunden war, welches darin bestand, den Menschen nicht unter das Tier
herabsinken zu lassen, da in bezug auf seinen eigenen Körper das
Reinlichkeitsprinzip ihn zwingen sollte, selbst an seinem Körper den geistigen
Adel zu bewahren, für welchen er auf der Welt ist, und welch geistigen Rang er
gegen die Tierwelt stets behaupten sollte.
[Lg.01_028,46]
Diejenigen Völker, die dieses Prinzip vernachlässigen, stehen weit unter dem
Tier, welchem es als Instinkt gegeben ist, seinen Körper rein zu halten, wobei
es aber einzelne Ausnahmen gibt.
[Lg.01_028,47]
Was die Verwesung und den meistens damit verbundenen Geruch anbelangt, so ist
selbst in der Schöpfung dafür gesorgt, daß schadenbringende Ausdünstungen und
deren üble Folgen durch Tiere, wie Fliegen, Würmer und andere Insekten, welche
auf sie als Nahrungsmittel angewiesen sind, eben dadurch vereitelt werden,
indem diese Tiere solche euch schädliche Stoffe in ihr eigenes Ich verwandeln
und so wieder ihren Körper für höherstehende Tiere als Nahrung zubereiten.
[Lg.01_028,48]
Der Geruch ist wieder ein Zeichen, daß das Reinlichkeitsprinzip euch Menschen gegeben
ist, um als Geister nur Würdiges in eurer Nähe zu lassen, während alles übrige,
was dem gröberen materiellen Reiche angehört, von euch entfernt bleiben sollte.
In eure Sinne legte Ich den Impuls, euch stets als Menschen, als Meine
Abkömmlinge zu erhalten, damit ihr nie unter das Tier zu stehen kommt!
[Lg.01_028,49]
Jeder üble Geruch, jede unästhetische Form, jedes triviale (gemeine) Wort
sollte euch mahnen, daß ihr Bürger einer geistigen Welt werden, und nicht ins
Materielle von Stufe zu Stufe abwärts steigen sollt, wo nur einzelne
Tiermenschen ihre Gelüste und ihre Freuden im Schlamm gleich den Schweinen
finden.
[Lg.01_028,50]
Was ihr Mir vorwerft, daß selbst euer Körper schon bei Lebzeiten ein Wohnort
von einer Masse Infusorien ist, davon seid ihr am ersten selbst schuld, indem
eure meisten Nahrungsmittel aus solchen Stoffen bestehen, wo die Eier solcher
Tierchen in eurem Leibe und durch die natürliche Körperwärme zur Ausbrütung
gelangen. Diese kleinen Tierchen sind nur dort zu Hause, wo die Verwesung und
Zersetzung ihnen Nahrungsstoff liefert.
[Lg.01_028,51]
Je mehr Leichtverwesliches (und Halbverwestes) ihr in euren Magen aufnehmt,
desto mehr ähnliche Elemente erzeugt ihr in eurem Blut, und desto mehr
begünstigt ihr die Bildung und Fortpflanzung solcher Tiere, welche sodann bis
in die feinsten Haargefäße eures Blutsystems dringen.
[Lg.01_028,52]
Würdet ihr aus euren Nahrungsmitteln diejenigen verbannen, die solchen Einschub
erlauben, so wäre es auch mit eurer Gesundheit und Lebensdauer besser!
[Lg.01_028,53]
Allein, so seid ihr einmal gewöhnt, so (verkehrt) zu leben, und so muß Ich es
dabei bewenden lassen, bis eine Krankheit euch zwingt, in den Nahrungsmitteln
eine engere Auswahl zu treffen.
[Lg.01_028,54]
So seht ihr aus all dem Gesagten, daß nicht alles so grausam und schrecklich
ist, wie so mancher aufgeklärt sein Wollende es euch vormalen möchte, und könnt
ihr aus allem dem Vorhergegangenen entnehmen, daß eine höhere Absicht stets
Mich leitete!
[Lg.01_028,55]
Wenn Ich aber in allem Geschaffenen das Selbsterhaltungs-Prinzip als Erstes
hingestellt habe, so sollt ihr dabei auch bedenken, daß neben dem Eingesogenen
auch Verbrauchtes sein muß, daß wenn ersteres Lebendes, letzteres
Unbrauchbares, dem Anschein nach Totes, das Belebende angenehme Wohlgerüche,
letzteres das Gegenteil desselben enthalten muß; wenn also Neubelebendes in
seiner Form als Nahrungsmittel für Pflanzen, Tiere und Menschen angewiesen ist,
das Verbrauchte nicht wieder dieselbe Form, sondern eine andere erhalten muß,
und daß, wenn die Urstoffe zu diesem ersteren Zweck in schönen Formen
eingekleidet, sie in letzteren, wo sie wieder andern Zwecken dienen müssen,
auch in allem das Gegenteil von dem sein werden, was sie früher waren.
[Lg.01_028,56]
Deswegen ist die Verwesung oder Zersetzung selbst ein Verbrennungsprozeß, damit
der Übergang beschleunigt werde, welcher von einer Kombination
(Zusammenstellung) zur andern nötig ist.
[Lg.01_028,57]
Die meisten von euch, die Mir die Schattenseite der Natur als Vorwurf gemacht
haben, hatten nur das Bild des Scheinbaren vor Augen, wollten mir als ästhetischem Gott nicht verzeihen, daß Ich
etwas erschaffen habe, was gegen ihre Augen und Nasen anstößig wäre.
[Lg.01_028,58]
Ich habe aber dem Menschen seine Gefühls- und Gesichtsorgane gegeben, daß er sich
als Mensch nie seiner geistigen Würde entledige.
[Lg.01_028,59]
Deswegen stehen diese Organe als Mahner stets auf der Wacht, um den Menschen zu
hindern, Tier zu werden.
[Lg.01_028,60]
Meine Ansichten und Meine Schöpfungsgedanken sind zu groß und zu tief, als daß
ein Mensch sie beurteilen oder ergründen möchte.
[Lg.01_028,61]
Es genügte freilich, aus so manchem bis jetzt auf wissenschaftlichem Wege
Gefundenen auf das Unerklärliche zu schließen, wo das Resultat kein anderes
sein könnte, als ein günstiges für Mich; denn nirgends haben da die aufmerksam
Suchenden einen Fehler entdeckt oder etwa aufgefunden, als hätte Ich das eine
oder andere stiefmütterlich behandelt. Überall werden sie gefunden haben, wie
alles wohl bedacht, ja auf Ewigkeit festgestellt war, und wenn sie in Tausenden
von Fällen diese Ordnung eingestehen müssen, so glaube Ich doch, daß sie Mir
soviel zutrauen könnten, daß auch in dem Unerklärbaren, nicht leicht zu
Entziffernden, ebenfalls ein geistiger höherer Grund liegt, warum Ich gerade
diese scheinbaren Gegensätze oder diese Nachtseite nicht von Gelehrten
beleuchten ließ.
[Lg.01_028,62]
Diese Toleranz dürfte Ich bei dem Menschen voraussetzen, allein sein Stolz auf
sein bißchen Verstand läßt es nicht zu; er glaubt sich in seiner Ansicht als
vernünftiger Mensch beeinträchtigt, wenn er nicht gleich alles weiß! Und doch,
wenn man es bei Lichte betrachtet, so ist so wenig Positives in seinem Wissen,
daß es nicht der Mühe wert ist, sich dessen zu rühmen.
[Lg.01_028,63]
Tausende und Tausende von Wundern sind noch vor den Augen der Menschen
verborgen, viele davon, ja die meisten, wird er im körperlichen Zustande nie
erschauen, und wenn er noch so viel entdeckt, wird er doch immer beim Alpha
stehenbleiben müssen.
[Lg.01_028,64] Dieses ist der deutlichste
Beweis, daß Ich auf das Lob der Menschen nicht stolz bin, sonst würde Ich alles
klar vor ihnen ausbreiten, würde ihnen den ganzen Mikro- und Makrokosmos
zeigen, und sie zur Verehrung zwingen, um sie vor Meiner Allmacht in den Staub
zu drücken.
[Lg.01_028,65] Seht, dieses könnte Ich; tue
es aber doch nicht, und warum?
[Lg.01_028,66] Erstens, weil ihr Menschen
nicht alles fassen und begreifen könnt, und zweitens, weil nicht die Masse von
wunderbaren Einrichtungen dieser Welt euch von Meinem Dasein überzeugen soll,
sondern weil ihr als Geister Mich geistig erkennen und gemäß dieser Erkenntnis
im Geist und in der Wahrheit Mich anbeten (das heißt lieben) sollt!
[Lg.01_028,67] So wird dann das Verhältnis
hergestellt, welches zwischen Mir und jeder geschaffenen Kreatur bestehen soll.
[Lg.01_028,68] Es solle der Mensch vorerst
Meine Allmacht, Meine All-Weisheit erkennen, und dann begreifen lernen, daß bei
allen diesen Schöpfungen die Liebe der Hauptfaktor war.
[Lg.01_028,69] So wenig Ich euch mit Meinen
Worten unterhalten will, ebensowenig will Ich mit Meinen wohldurchdachten
Einrichtungen Meines Universums eure Neugierde befriedigen.
[Lg.01_028,70] Was nützt euch zu wissen, wo
die Grenze ist, aus welcher euch die letzte Sonne den Lichtstrahl sendet, was
nützt es euch, die Einrichtungen aller dieser Millionen Welten zu kennen, was
nützt es euch, im Kleinsten die Grenze zu wissen, wo die ersten Anfänge des
Lebens sind, wenn ihr nicht schon beim ersten Schritt in dieses Labyrinth von
Wundern den liebenden Vater, den wohlmeinenden Schöpfer erkennt, Der nichts für
Sich, sondern alles für seine geistigen Wesen erschuf, die Seine Güte, Seine
Allmacht auch schon im kleinsten Sonnenstäubchen fühlen sollen, welches
fröhlich im Äther sich schwingt! Das Wissen als Vernunftresultat langt nicht
aus, es muß das Herz dabeisein, welches über die Grenze des Faßbaren hinaus
ahnet, daß noch bei weitem mehr des Großartigen in der Welt der Geister ist, als
die Materie euch bieten kann.
[Lg.01_028,71] Viel Unerklärliches findet ihr
schon auf eurer Erde, noch mehr erwartet euch im Jenseits, wo die Grenze scharf
gezogen ist zwischen Fühlen und Begreifen.
[Lg.01_028,72] Mich Selbst möchtet ihr im
Jenseits sehen und sprechen, und doch sage Ich euch: Mich als Schöpfer, als
Herrn der Unendlichkeit in Meiner ganzen Allmacht von Angesicht zu Angesicht zu
schauen, ist nie möglich; denn es kann der Geschaffene den Ungeschaffenen nie
begreifen, nie mit Ihm sich ganz vereinigen! Es ist ein ewiges Annähern; aber
kein Erreichen denkbar.
[Lg.01_028,73] Schaudert ihr doch vor dem
Gedanken Unendlichkeit zusammen, ihr könnt euch wohl eine
unendliche Fortdauer denken; aber nie einen Anfang gehabt zu haben, das ist
eine Phrase für euch, die aber kein Gefühl je ausfüllen kann.
[Lg.01_028,74] Daher begnüget euch mit dem,
was Ich euch von Zeit zu Zeit angedeihen lasse, seid zufrieden mit den kleinen
Entdeckungen und Erfindungen, welche Ich aus Liebe zu euch zulasse, um euer
materielles Leben noch angenehmer, noch freier zu machen, damit ihr dem
geistigen, tieferen Leben mehr nachspüren könnt.
[Lg.01_028,75] Suchet nicht Geheimnisse zu
entschleiern, welche euch geistig doch nicht viel weiterbringen, machet es wie
mit euren Astronomen, auch ihnen glaubt ihr, wenn sie Sonnen- und
Mondfinsternisse auf Jahrhunderte vorausberechnen, wo sie stets wirklich auf
Minute und Sekunde eintreffen.
[Lg.01_028,76] Auch bei ihnen zweifelt ihr
nicht, wenn sie euch von andern Welten mit fabelhaften Entfernungen, von
Planeten- und Kometen-Bildung Kunde geben, wo Rechnungen dazu erforderlich
sind, die ihr, als nicht vom Fach, nicht verstehen und nicht begreifen könnt.
[Lg.01_028,77] Die Astronomen sagen euch, was
euer Verstand fassen und ertragen kann, so mache es auch Ich, Ich gebe euch,
was euch zum Nutzen ist, und ziehe den Schleier über Hieroglyphen (Rätsel),
durch welche, könntet ihr sie auch lesen, ihr doch nicht gescheiter würdet.
[Lg.01_028,78] Seid überzeugt, die Welt ist
vollkommen und ohne Fehler geschaffen worden; alles steht an seinem rechten
Platz und alles hängt zusammen, so daß eins ohne das andere nicht bestehen
kann!
[Lg.01_028,79] Das Wie und Warum sind aber
Dinge, die mehr als Menschenverstand erfordern, der schon ganz verblüfft vor
dem Anblick eines Infusionstierchens stehen bleibt, weil er trotz seiner
Forschung noch kein Ende sieht und auch keines ahnen kann!
[Lg.01_028,80] Die Welt ist einmal so, und
Ich bin ebenfalls so, wie Ich es euch schon oft gesagt habe; nämlich, die Welt
ist unendlich, hat keine Grenzen, und es gibt keine Zahl, ihre Dauer zu
bestimmen, wie auch Ich als Schöpfer unendlich bin.
[Lg.01_028,81] Es hilft alles Sträuben
nichts; so ist es, so war es, und so wird es sein!
[Lg.01_028,82] Suchet euch nur in diese
Gedanken hineinzufinden, und es wird bald mit dem festen Vertrauen auf Mich
auch auf der Schattenseite der Natur Licht werden, in dem euch alles beweisen
wird, daß ein allweiser Schöpfer ebenso wie ein Vater vor seinen Kindern
Geheimnisse hat, welche Er ihnen nicht enthüllen kann, nicht weil Er nicht
will, sondern weil sie diese nicht fassen können.
[Lg.01_028,83] So vertrauet auf Mich! Da Ich
die großen Welten in Anzahl von Millionen erschuf, so glaubet, daß Ich auch im
Kleinen wußte, warum Ich das eine oder das andere so einrichtete.
[Lg.01_028,84] Glaubet und vertrauet Meiner
Liebe, und bekrittelt nicht, was ihr nicht verstehen werdet und höchstens als
Vernunftschluß eines Ahnungsgefühls euch sagen könnte:
[Lg.01_028,85] Derjenige, welcher die
sichtbare Welt in allen Dingen so eingerichtet hat, wie wir sie sehen, wird
wohl auch Seinen Grund haben, wie es dem allgemeinen Zweck dienlich ist, das
Unsichtbare ebenso perfekt herzustellen; und mit diesem Glauben wird die
Schattenseite der Natur aufgehört haben, eine dunkle zu sein, welche wohl
Zweifler, nicht aber gläubige Herzen beschäftigen kann, die wohl wissen, daß
ein Schöpfer als Vater, als Liebe nur so alles anordnen konnte, wie es zum
Besten aller lebenden Wesen nötig gewesen ist! Amen!
29. Kapitel Die Schattenseite der
Natur in bezug auf das menschliche Leben.
21. Februar 1877
[Lg.01_029,01] In Meinem letzten
(voranstehenden) Wort habe Ich Mich gegen die Einwürfe verteidigt, welche
manche oder eigentlich viele Menschen Mir in bezug auf die Widersprüche machen,
welche sie in Meiner sichtbaren Natur zu finden glauben, wenn sie diese mit
Meinen überall verkündeten Worten der Liebe, der Sanftmut und der versprochenen
Freuden vergleichen.
[Lg.01_029,02] Soweit es möglich war, habe
Ich euch diese Schattenseite beleuchtet und euch das es könnte anders,
aber es muß doch so sein, wie es wirklich ist erklärt.
[Lg.01_029,03] Nun bleibt Mir noch eine
wichtige Beleuchtung eures eigenen Lebens übrig, wo auch so mancher sagt: Sehet
doch einmal das menschliche Leben an, von Geburt bis zum Grabe ist es nichts
als Kampf, Leiden, Enttäuschung, und sehr wenig Liebe, Freude und sonst
versprochene Dinge, wenn der Mensch sich solche nicht selbst zu verschaffen
weiß!
[Lg.01_029,04] Was ist das Leben auf dieser
Erde anderes als ein Jammertal, wo man eben weil man nichts Besseres
weiß auf Religions-Dogmen und sonstige Kundgebungen hingewiesen ist,
welche von einem andern Leben nach dem Tode stets sprechen, von Vergeltung und
Ersatz für ausgestandene Leiden, während sie den Menschen hier auf Erden mit
allen Mißhelligkeiten kämpfen lassen.
[Lg.01_029,05] Was kümmert mich eine andere,
jenseitige Welt, von welcher ich eigentlich nichts Gewisses weiß, und an welche
ich nur blindlings glauben soll!
[Lg.01_029,06] Wenn ich diese hier mich
umgebende Welt so erbärmlich sehe, wer steht mir gut dafür, daß die künftige
Welt nicht ebenso widersprechend als die hier wirkliche ist, wo statt Freuden
nur Leiden, körperliche oder geistige, miteinander abwechseln, und selbst das
mit Mühe Errungene nicht diese Genüsse uns gibt, wie sie manche davon erwartet
haben!
[Lg.01_029,07] So und in tausend andern
Formen werde Ich angeklagt, den Menschen Versprechungen gemacht zu haben,
während Ich doch nie im Sinne hätte, auch nur eine einzige zu halten!
[Lg.01_029,08] Derjenige Mensch, welcher nur
das Daseiende, ihm Sichtbare, als eigentlich existierend annimmt und kein
geistiges Leben außer seinem Verstandesleben anerkennen will, der hat ganz
recht, so zu urteilen, weil er im voraus nur dasjenige als bestehend
betrachtet, was er entweder mit seinen Händen greifen oder mit seinen fünf
Sinnen fassen kann.
[Lg.01_029,09] Es ist dieses so ganz die
Theorie aller Materialisten, welche aus zufälliger Vermischung aller
Schöpfungs-Elemente die ganze sichtbare Welt erstehen ließen und selbst das
geistige Streben in ihrem eigenen Gehirn nur als Produkt solcher
Zusammenmischungen ansehen.
[Lg.01_029,10] Daß ihre Theorie leicht viele
Anhänger findet, ist ganz natürlich; denn sie legt dem Menschen keinen Zwang
an, er braucht seinen Leidenschaften nur zu frönen, soweit es polizeiliche
Gesetze erlauben; denn er denkt nur: Nach diesem irdischen Leben ist ja
so alles zu Ende, also ,leben wir (nach seinen Begriffen) so gut wie
möglich!
[Lg.01_029,11] So schaut er die Nachtseite
des menschlichen Lebens nur, wo materielle Verluste, Krankheiten, Mißhelligkeiten
und Enttäuschungen aller Art miteinander abwechseln.
[Lg.01_029,12] Und um diese Vorwürfe auf ein
geregeltes Maß zurückzuweisen, und dem Menschen zu zeigen, wenn das menschliche
Leben wirklich so ist, wer eigentlich daran die Schuld trägt, soll dieses Wort
dienen, da Ich auch bei euch oft solche Klagen aussprechen höre, und noch
ärgere in euren Gedanken lese, wo ihr wie verirrte Seelen, welche nur
das materielle Wohlleben voransetzen möchten , dem geistigen nur manchmal
ein Stündchen widmen wollt, wenn ihr eben nichts anderes zu tun habt! Nun zu
Sache!
[Lg.01_029,13] Daß euer Leben nicht in lauter
Freude dahinfließt, sondern meistens gerade das Gegenteil ist, das kann Ich
Selbst nicht ableugnen.
[Lg.01_029,14] Daß ihr Menschen, die ihr gern
bloß materiell leben möchtet, von einem geistigen Leben gar keine Notiz nehmen,
ja selbst alle geistige Verbindung und das Dasein eines höheren alles ordnenden
Wesens ableugnen möchtet, dieses seht ihr in mehr als tausend Beispielen, wohin
ihr nur euren Blick wenden wollt!
[Lg.01_029,15] Und woher kommt dieses? Es
kommt daher, weil die Menschen die Welt so konstruieren möchten, wie es ihren
Ideen anpassend wäre, und weil sie nicht annehmen wollen, daß es anders ist,
und auch anders sein muß, wenn sie bestehen soll.
[Lg.01_029,16] Sehet, der Mensch, will er die
Welt verstehen oder begreifen, muß vorerst bei sich selbst anfangen. Nur wenn
er sich selbst erkennt, wenn er die Dreifaltigkeit zwischen Körper, Seele und
Geist klar begriffen hat, nur wenn er über sich selbst richtig zu urteilen
vermag, nur dann kann er auch Schlußfolgerungen über seine Nebenmenschen und
die ganze ihn umgebende Welt machen.
[Lg.01_029,17] Wer aber sich nicht selbst
kennt, der kennt die andern Menschen auch nicht, beurteilt sein Handeln und das
anderer ebenfalls falsch, und erwartet von der Welt, was sie nicht hat und
deswegen ihm auch nicht geben kann!
[Lg.01_029,18] Daher das Wehklagen und das
Jammergeschrei über diese Welt!
[Lg.01_029,19] Solange der Mensch nicht
annehmen will, daß sein Leben, so wie er denkt, fühlt und handelt, nur obigen
drei Dingen entspricht, so lange werden ihm nur Widersprüche begegnen; denn
überall stellt er nur sein materielles Ich in den Vordergrund und vergißt dabei
ganz seine intellektuellen Fähigkeiten, welche ihm über die Materie
hinaushelfen sollten!
[Lg.01_029,20] Der Mensch hat leibliche
Bedürfnisse; aber er hat auch geistige, die sich im Denken manifestieren, ihn
sodann zum Handeln drängen, um so durch die Materie auszudrücken, was geistig
in ihm lebt und webt.
[Lg.01_029,21] Bei diesem Denken, selbst über
die materielle Welt, ist es unmöglich, daß nicht auch Gedanken auftauchen,
welche in Fragen sich äußern, als wie: Ich sehe die Dinge um mich her,
sehe ihre Mannigfaltigkeiten, bewundere oft anhand der Wissenschaft ihre
gesetzmäßige Ordnung, ihre schönen geistigen Formen, und unwillkürlich drängt
sich mir die Frage auf:
[Lg.01_029,22] ,Wer hat doch dieses alles so
gestaltet, so geordnet?
[Lg.01_029,23] Die Theorie der Materialisten
genügt dann einem solchen Denker nicht; denn er findet, daß sie dem
Geschaffenen gegenüber nicht haltbar ist; er geht also um einen Schritt weiter
und sucht selbst in seinem Innern nach, wo er eine Seite aufdeckt, welche ihm
ahnend sagt, daß er am rechten Wege ist, weil er selbst oft Regungen in sich
wahrgenommen hat, die ihn gern über das materielle Leben emporgehoben hätten.
[Lg.01_029,24] So bei sich selbst anfangend,
gelangt der Mensch dann nach und nach zum Begreifen der äußeren, ihn umgebenden
Welt.
[Lg.01_029,25] Er bemerkt vorerst in sich das
materielle, nicht seinem Willen gehorchende Leben der Organe, er wird sich des
Denkens, Schließens und richtigen Folgerns bewußt, welches als Verstandesleben
mehr zu seiner eigenen materiellen Erhaltung Hilfe leisten muß; er bemerkt
nebenbei auch oft erhabene Stimmungen, die nicht vom Pulsieren des Herzens und
noch weniger vom kaltberechnenden Verstand herrühren und feiner, intensiver als
die früheren sind.
[Lg.01_029,26] Diese Gefühle oder geistigen
Kundgebungen führen ihn endlich dazu, daß er diese auch auf die ihn umgebende
Natur überträgt und so vom Geschaffenen auf einen Schöpfer geführt wird, was
dann mit dem Wort der Mensch hat Religion bezeichnet werden kann,
da er sich einen geistigen Kultus gründet, und zwar Vernunft-Religion,
weil sie aus dem Vernehmen erbaut ward.
[Lg.01_029,27] So entstanden alle Religionen,
alle späteren religiösen Gebräuche, welche symbolisch ausdrücken wollten und
sollten, was sonst in Worten sich nicht sagen ließ.
[Lg.01_029,28] So gründete sich die Religion
der Wilden vom großen Geiste, so die indische Religion des
Buddhismus und die der andern heidnischen Völker mit ihrer Unzahl von Göttern.
[Lg.01_029,29] Nachdem nun einmal das
geistige Leben im Menschen geweckt war, so folgte ganz natürlich, daß einzelne
sich mehr diesem Nachdenken hingaben, dadurch ins geistige Leben mehr
eindrangen, die Geheimnisse der Natur mehr belauschten und durch dieses
Verfahren eine Fernsicht über das Materielle erlangten, welche weit darüber
hinaus ins geistige Wirken reichte!
[Lg.01_029,30] Diese Menschen fühlten dann
den Drang, das Gesehene und Gefühlte auch andern Menschen mitzuteilen, und so
schrieben sie es nieder, wodurch sie Propheten, (Seher) und Weise
ihrer Völker wurden.
[Lg.01_029,31] Aus diesen erleuchteten
Männern gestaltete sich später die Priesterkaste, welcher sich dann viele
anschlossen, weil sie neben dem geistigen Leben darin auch die Quelle
materiellen Wohlseins erblickten.
[Lg.01_029,32] Wie es weiter mit den Religionsbekenntnissen
ging, und wie die einzelnen Wahrheiten mißbraucht wurden, dieses könnt ihr aus
der Geschichte der Völker selbst lesen.
[Lg.01_029,33] Mir war nur darum zu tun, euch
zu zeigen, wie das geistige Leben, abgesehen von geistiger Erziehung, von
selbst aus des Menschen eigener Organisation herauswuchs und somit trotz aller
materiellen Theorien nie zu zerstören sein wird.
[Lg.01_029,34] So entstanden die heiligen
Bücher Indiens, wie bei den Juden das Alte Testament, welches dann durch das
Neue ergänzt wurde, in welchem Ich als Jesus alle jene Andeutungen eines
geistigen Lebens, die zerstreut in den verschiedenen Büchern vorhanden waren,
auf einfache große Wahrheiten als Meine Lehre zurückführte, die ewig
unzerstörbar sein wird.
[Lg.01_029,35] Nun, um auf die Vorwürfe wegen
der Schattenseite des menschlichen Lebens zurückzukommen, so ist es schon aus
alledem klar bewiesen, daß neben dem materiellen, neben dem Verstandes-Leben
noch ein anderes Geistigeres, Tieferes existiert, welches die ersten zwei nur
zum Ausdruck seines eigenen Gebarens verwenden will!
[Lg.01_029,36] In der Natur, wohin das Auge
nur schweift, erblickt der Mensch nur strenge Gesetze; im Verstandesleben sind
sie ebenfalls vorhanden, da korrekte Folgerungen von einem auf das andere keine
zweite Deutung zulassen.
[Lg.01_029,37] Im Geistesleben ist es der
nämliche Fall, auch dort gibt es unwandelbare Gesetze, die jeden strafen, der
dagegen sündigen will.
[Lg.01_029,38] In diesem
Entgegenhandelnwollen den geistigen Gesetzen gegenüber liegt alles Unglück,
alles Leiden und alle Täuschung im irdischmenschlichen Leben, während, in der
Harmonie mit diesen Gesetzen, denkend, handelnd und wirkend, die Freude, der
Trost und die Zufriedenheit liegen, als geistiges Produkt der als geistiges
Wesen erfüllten Pflichten!
[Lg.01_029,39] Diejenigen Menschen, welche an
kein geistiges Leben, an keinen Gott glauben, sind ebendeswegen unglücklich,
weil alles andere, was nicht aus geistiger Quelle stammt, auch nicht fähig ist,
als Trostgründe bei vorkommenden Unglücksfällen, bei unvorhergesehenen
Mißhelligkeiten usw. das zu ersetzen, was der Mensch eben verloren hat.
[Lg.01_029,40] Daher die falschen
Beurteilungen, sowohl der Mitmenschen als auch der sie umgebenden Welt.
[Lg.01_029,41] Die Welt ist ganz einfach
gebaut, die scheinbare Materie birgt Geistiges, wer dieses leugnet, täuscht
sich in seinen Erwartungen, denn, wer seinen materiellen Gelüsten folgen will,
der findet den ersten Gegner in seiner eigenen Lebens-Organisation, wenngleich
er sein Verstandes- und Gefühls-Leben übertäuben möchte!
[Lg.01_029,42] So straft sich alles selbst,
was die ewige göttliche Ordnung nicht liebt! Das Elend, das über den Menschen
hereinbricht und ihm sein ganzes Leben verbittert, ist ebendeswegen mehr sein
eigenes Werk als das von andern, oder gar wie viele glauben, Mein
Wille!
[Lg.01_029,43] Wenn ich einst sagte: Von
nun an sollst du (Mensch) dein Brot im Schweiße deines Angesichts
verdienen, so war es der Ausspruch eines weit voraussehenden Gottes, der
wohl wußte, daß der Mensch mehr seinen tierischen Eigenschaften als seinen
geistigen Gaben gehorchen und dann bald nicht mehr die sichtbare Welt ihm
untertan sein werde, sondern daß er mit der Materie kämpfend seinen leiblichen
Unterhalt sowie seinen geistigen Fortschritt erringen müsse.
[Lg.01_029,44] Ich sah voraus, daß der Mensch
auf diese Art mit Schweiß sein Brot verdienen, und daß er unter Schmerzen
geboren werden müsse, weil er die Natur und seine eigene Mission falsch
auffaßte; Ich sah voraus, daß er unter Schmerzen wider seinen Willen geistig
erzogen werden müsse, und selbst am Ende seines (irdischen) Lebens mit Kampf,
Furcht und oft mit Verzweiflung in die andere Welt übergehen wird.
[Lg.01_029,45] Dieses Schicksal, statt eines
paradiesischen Lebens der Eintracht und Liebe, hat sich der Mensch selbst
gegründet, und statt mit sanften Übergängen von einem Zustand zum andern, muß
er kämpfend und streitend körperlich und geistig sich fortschleppen, seine und
die Fehler seiner Voreltern abbüßen, um sich auf diese Art von dem Schlamm zu
reinigen, welcher moralisch und physisch ihm in seiner ganzen Lebensperiode
stets anhing.
[Lg.01_029,46] Die Menschen klagen über
schweren und sauren Erwerb des Lebensunterhalts. Wer macht ihnen denselben so
schwer? Nicht Ich, nicht die Welt, sondern einer dem andern!
[Lg.01_029,47] Ein jeder sucht Gewinn aus dem
zu erzielen, was er entweder mühsam erlernen mußte, oder was unberechnet ihm in
den Schoß fiel. Wer ist es anders als gewissenlose Menschen, die selbst das
Unglück ihrer Mitmenschen dazu benutzen, sich zu bereichern und so den
Lebensunterhalt verteuern!
[Lg.01_029,48] Und weil solche Menschen eben
jetzt die Mehrzahl ausmachen, die kein enges Gewissen haben, keine geistige
Mission anerkennen und an keinen Gott noch die Unsterblichkeit der Seele
glauben, ebendeswegen seht ihr, wie einer den andern zu übervorteilen sucht,
und keiner dem andern sich zeigt, wie er ist. Selbst die glatte, verkünstelte
Erziehung hilft noch dazu, damit auch das, was den Kindern zu ihrer Erziehung
gegeben wird, nur Deckmantel sei, um mit größter Heuchelei die schlechtesten
Laster zu verdecken!
[Lg.01_029,49] So ist die ganze Welt nun wie
ein Maskenball, wo die Maske bei den meisten von dem Wesen des Trägers
derselben verschieden ist.
[Lg.01_029,50] Wenn nun die Menschen über die
schlechte Welt klagen, so frage Ich: Wer hat sie denn so schlecht gemacht? Ich
oder ihr selbst?
[Lg.01_029,51] Daher klaget nicht Mich an,
Ich bin ein langmütiger Gott, sehe geduldig zu, wie von den höchsten bis zu den
niedrigsten Klassen alles einander beherrschen will!
[Lg.01_029,52] Herrschsucht ist das große
Laster, welches die Menschen beseelt, und welche sie bei jedem Schritt den
Nebenmenschen fühlen lassen wollen.
[Lg.01_029,53] Umsonst predigte Ich in Meinem
Leben die Liebe, die Duldung, die Verzeihung, und sagte ihnen sogar: sie
sollten ihre Feinde lieben!
[Lg.01_029,54] In jener Zeit wandten die
meisten ihr Ohr weg von solchen Forderungen, und jetzt, wo ihr behauptet, es
sei ein aufgeklärtes Zeitalter(?), tut ihr etwas anderes?
[Lg.01_029,55] Diese von Mir gepredigten
Eigenschaften hätten ein friedliches Beisammenleben der Menschen erzielt.
Allein der Mensch mit seinen tierischen Leidenschaften gab sich letzteren mehr
hin, er selbst hat sich diese für alle gleich ausgestattete Erde zur Hölle
gemacht, aus welcher er sich nicht mehr retten kann, so daß es Mich Mühe genug
kostet, einzelne vom gänzlichen Verfall (ins Materielle) abzuhalten!!
[Lg.01_029,56] Aus diesem wilden tierischen
Leben, aus dem alles genießen wollenden Leben ging dann, wie aus der Büchse der
Pandora, das Heer von Krankheiten hervor, welche das Kind im Mutterleibe schon
mit Fehlern seiner Eltern belastet, wobei es in späteren Jahren die seinen noch
hinzufügt!
[Lg.01_029,57] Sehet die ganze Welt an; alles
ist (ursprünglich) vollkommen, alles ist so gestaltet, daß es keines Zusatzes,
keiner Wegnahme bedarf; wie könnt ihr also glauben, daß Ich das letzte Glied
der Erdenschöpfung mit Mängeln erschaffen habe!
[Lg.01_029,58] Auch der Mensch war
vollständig das, was er sein sollte; er war in Gestalt und Körperbau sowie an
Geistesfakultäten (-fähigkeiten) so ausgerüstet, daß er stets der Herr
der Erde bleiben sollte.
[Lg.01_029,59] Aber das Wort Herr
verstand Ich so, wie Ich der Herr der Welt wirklich bin, indem Liebe Meine
Haupteigenschaft ist, und nicht wie der Mensch, der ein alles zerstörender,
alles vernichtender Herr der Welt sein möchte!
[Lg.01_029,60] Meine große Welt ist Mir
untertan, mit Liebe gehorcht alles gern Meinen Gesetzen (der Liebe); der Mensch
aber wollte mit Gewalt die Welt unterjochen. Diese, dem höheren Gesetz
gehorchend, widersetzte, empörte sich und machte dann den Menschen zu ihrem
Knechte.
[Lg.01_029,61] Einst gebot der Mensch den
Elementen und der ganzen Materie; aber jetzt ist alles feindlich ihm
gegenübergestellt!
[Lg.01_029,62] Die Elemente gehorchen ihm
nicht mehr, und beinahe jedes lebende Tier ist des Menschen Feind, weil bei dem
(jetzigen) Menschen nicht Liebe, nicht Fürsorge für andere, sondern der
schmutzigste Gewinn die Triebfeder all seiner Handlungen ist!
[Lg.01_029,63] So ist die Welt geworden, was
sie jetzt ist. Statt ein Paradies zu sein, wo alles gemütlich leben könnte, und
der Austausch von verschiedenen Geistesanlagen das materielle Leben angenehm
gemacht hätte, statt dessen ist sie nun ein Tummelplatz, wo Mord und Raub das
tägliche Ereignis sind, und wo nur über dem Ruin eines Menschen ein anderer
eine Stufe höher steigen will!
[Lg.01_029,64] O ihr törichten Menschen! Was
habt ihr aus Meiner Erde, was aus eurem eigenen Ich gemacht, welches Ich
körperlich und geistig nach Meinem Ebenbild geschaffen, indem Ich euch zu
Bürgern zweier Welten, der geistigen und der körperlichen, gemacht habe?!
[Lg.01_029,65] Wie Ich einst die Händler und
Verkäufer mit der Geißel aus dem Tempel jagte, indem Ich ihnen zurief: Wie,
ihr wollt Meinen Tempel zu einer Mördergrube machen?, ebenso sollte Ich
dieses verkommene Geschlecht von der Erde hinwegfegen; denn auch es hat diese
Erde zu einer Mördergrube umgestaltet, wo auf der einen Seite materieller Mord
und Raub nichts schonen, und auch auf der andern Seite geistig gemordet wird,
soviel es nur erlaubt ist.
[Lg.01_029,66] So sollte Ich als gerechter
Gott, als Herr Meiner Schöpfung verfahren, wäre Ich nicht der Gott der Liebe,
hätte Ich nicht die Willensfreiheit bei allen Meinen Geister-Wesen obenan
gestellt, da Ich liebende Kinder und keine Sklaven erziehen wollte!
[Lg.01_029,67] So lasse Ich euch Menschen
eben fortwirtschaften gegen alle Meine Gesetze, lasse euch einen dem andern das
Leben verbittern, bis das Maß voll ist, und ihr im eigenen Schlamm der
Leidenschaften erstickt!
[Lg.01_029,68] Mir bleibt es immer
vorbehalten, selbst alle Mißstände, alle Unglücke zu Meinen Zwecken zu
benützen.
[Lg.01_029,69] Wer auf dem sanften Pfade der
Liebe den Weg zu Mir nicht suchen will, der muß durch Unglück aus eigenem
Verschulden dann klüger werden.
[Lg.01_029,70] Bei Tausenden und aber
Tausenden von Menschen nützt das Predigen nichts. Unglücksfälle aller Art,
langwierige Krankheiten, unfreiwillige Opfer usw. müssen sie mürbe machen;
trostlos muß ihnen alles erscheinen, die Welt ihnen den Rücken kehren, der
Körper seinen Dienst versagen, alle angelernten Religionsformeln sich als
unhaltbar erweisen, bis sie endlich ernstlich anfangen, über ihr eigenes Ich,
ihre allenfallsige Mission auf Erden, über die materielle Welt etwas kühler
nachzudenken, um eine Ahnung zu haben von dem, was außer ihr liegt!
[Lg.01_029,71] Dann erst sind sie fähig,
etwas Ernsteres, etwas mehr Haltbares anzunehmen, wenn sie den Becher der
materiellen Vergnügungen bis zum Grunde geleert und noch einen andern voll von
bitteren Erfahrungen und Enttäuschungen als Zugabe erhalten haben.
[Lg.01_029,72] So bin Ich gezwungen, diese
Welt und diese Menschen zu erziehen, die Mein eigenes Gut sind, deren geistiger
Funke, aus Mir genommen, Mir wieder zurückgegeben werden muß. So müssen die
Menschen auf verkehrtem Wege dahin kommen, wohin Ich sie bestimmt habe, und so
rechtfertigen sich alle Klagen derselben, wenn sie über dieses Jammertal
des menschlichen Lebens losziehen, welches sie sich selbst zubereitet haben, es
selbst gewollt haben, und wofür sie natürlich nun auch die Folgen tragen
müssen.
[Lg.01_029,73] So wie Ich in dem
vorhergehenden Wort bewiesen habe, daß nicht alles so schwarz ist, wie ihr es
gern sehen möchtet, sondern alles an seinem Platze perfekt und nicht anders
sein kann, ebenso suche Ich auch hier zu erklären, daß wenn in dem
Tierreich und in der ganzen Anordnung des tellurischen (irdischen) Lebens eine
Ordnung herrscht, wo bis auf den heutigen Tag jedes Ding wie jedes lebende
Wesen noch immer den Zweck erfüllt, zu dem es einst von Mir geschaffen wurde
also die Schattenseite des materiellen Lebens gerade das Gegenteil ist und sein
muß; denn dort ist gebundenes, instinktmäßiges, und hier ungebundenes, freies
Leben, wo der Mensch die von Mir bezeichneten Wege nicht eingehalten hat, und
ebendeswegen auch bezahlen muß, was sein freier Wille ihm bereitet hat.
[Lg.01_029,74] In allen euren Staaten, in
allen euren Zeitungen wird fortwährend geschwärmt für Fortschritt,
und Freisinnigkeit ist das große Wort auf allen Lippen.
[Lg.01_029,75] Aber so wenig wie die
Menschheit diese Freiheit versteht, ebenso begreifen auch die Völker nicht, daß
zwischen absoluter und gesetzmäßiger Freiheit ein großer Unterschied ist.
[Lg.01_029,76] Die Marktschreier in euren
Zeitungen wollen noch immer mehr Freiheit, wollen keine Schranken,
keine Gesetze, und doch begreifen diese Schwachköpfe nicht, daß, wenn sie auch
alle erdenkliche Freiheit zum Handeln hätten, die auf dieser Welt möglich ist,
sie doch nicht zufrieden wären, weil sie den Geist, den Ich in die Seele des
Menschen legte, nicht kennen, nicht zu würdigen wissen!
[Lg.01_029,77] Diese Freiheit, die alle
Menschen träumerisch suchen, geht weit über die Materie hinaus, dorthin, wo nur
geistig alles webt und lebt.
[Lg.01_029,78] Diese Freiheit des Denkens und
Handelns ist der ewige Impuls, der ein immerwährendes Fortschreiten verlangt
und nur darin sein Leben und seinen Zweck erkennt.
[Lg.01_029,79] Glaubet denn ihr kurzsichtigen
Menschen, daß Ich, ein Geist ohne Anfang und ohne Ende, Herr einer
unermeßlichen Schöpfung, euch diesen Funken Meines Ich für dieses kurze
Erdenleben nur gegeben habe, wo Millionen von Menschen nicht wissen, wie sie in
dasselbe gekommen und wie sie aus demselben gegangen sind?
[Lg.01_029,80] Glaubt ihr denn, daß dieser
Geist sich mit solchen Errungenschaften begnügt, die ihr hier auf Erden
erreichen könnt, oder daß sein Drang im Jenseits sogleich gestillt wird?
[Lg.01_029,81] Zu was denn ein unendliches
Leben, wenn es mit ein paar Momenten Erdenlebens und einigen Spannen in den
Sphären des Geisterreichs abgetan wäre?
[Lg.01_029,82] Nein, der Drang der Freiheit,
des freien Willens, den Ich in alle Geister legte, hat eine geistige und weit
tiefere Bedeutung; allein, ihr müsset diese Freiheit als eine Meinem Willen
untergeordnete annehmen, wo nicht Zwang, sondern Überzeugung, daß nur so und
nicht anders vorwärts geschritten werden kann, alle Geister beseelt und leitet.
[Lg.01_029,83] Denn da Ich der vollkommenste
Geist bin, so kann keine Meiner Anordnungen anderes als den Stempel der Ordnung
tragen!
[Lg.01_029,84] Diese Freiheit hat in ihrem
Wirkungskreise keine Grenzen.
[Lg.01_029,85] So erklärt sich die ganze
Bewegung in allen Welten; so wird deutlich, was Ich meinte, als Ich den
Menschen nach Meinem Ebenbilde schuf; ihr müßt euch mit solchen Gedanken
vertraut machen, euch hineindenken und sie fassen lernen, und ihr werdet über
allen menschlichen Mißzuständen eures gesellschaftlichen Lebens noch eine
Sphäre erblicken, wo euer Geist erst die echte Weihe der Wahrheit erhält, wo
ihr erst zu lernen anfangen werdet, daß selbst Unglücke und Leiden ihre
nützliche Seite haben, da in Meinem Haushalte nichts geschehen, nichts
vorkommen kann, das nicht zum allgemeinen Vorwärtsschreiten dienen müßte.
[Lg.01_029,86] Klaget also nicht über die
Kalamitäten des menschlichen Lebens, machet es wie ich: Ich ziehe aus allem
Nutzen für den Bestand Meines großen Geisterreiches. Was bei Mir Mein
Geisterreich, das ist für euch eure Seele, der Komplex eures Ich.
[Lg.01_029,87] Ich habe euch eben erklärt,
daß an allem, was euch auf Erden das Leben sauer macht, ihr selbst schuld seid.
Benützt also diese Schule als Aufwecker eures geistigen Lebens, suchet Trost
und Ruhe in den Regionen, wohin die Mißhelligkeiten des menschlichen Lebens
nicht mehr reichen, und wie Ich einst zu Meinen Jüngern sagte: sie
könnten Gift essen und auf Schlangen wandeln, ohne daß es ihnen schaden werde,
ebenso könnet auch ihr dann, selbst aus den bittersten Ereignissen, die große
Lehre ziehen und die Überzeugung in euch festigen, daß dieses Leben zu kurz
ist, um den geistigen Reichtum eurer Seele ganz zu entfalten, wo bei
unbedingter Freiheit im Jenseits erst ein Wirkungskreis euch eröffnet wird, der
jetzt nicht begriffen werden kann.
[Lg.01_029,88] Alles, was die Welt euch
zufügen kann, sollen nur Lehren sein; wenn sie auch bitter sind, doch den Zweck
als Lehren sollen sie nie verfehlen!
[Lg.01_029,89] Alles dergleichen zieht von
der Welt ab und nach oben hinauf; widersetzet euch diesem Drängen nicht; denn
es ist ja nur zu eurem geistigen Wohl!
[Lg.01_029,90] Wenn ihr einst die Welt im
Rücken haben werdet, dann werdet ihr erst erkennen, welch lächerliche
Wichtigkeit ihr oft Dingen und Verhältnissen beigelegt habt, die nicht wert
waren, euch derentwegen nur eine Minute zu kümmern oder beunruhigen zu lassen.
[Lg.01_029,91] So soll euch dieses Wort im
Unglück aufrichten, wenn ihr traurig in die Zukunft blickt und nicht wißt, was
sie bringen wird.
[Lg.01_029,92] Daß das Gesetz Liebe
deinen Nächsten, wie dich selbst! aus dem Bereich des menschlichen
Wirkens verschwunden ist, und nur ein jeder sich selbst liebt, das ist fürwahr
nicht Meine Schuld; denn deswegen sind alle Leiden, die aus der Nichtbefolgung
dieses Gesetzes erwachsen, nicht Meine, sondern der Menschen Werke!
[Lg.01_029,93] Bei ihnen beklaget euch, bei
ihnen suchet wenigstens in eurer nächsten Umgebung dieses einfache Gesetz
auszuüben, und wenn der Erfolg nur im mindesten günstig ausfällt, so habt ihr
in dem Bewußtsein, dazu beigetragen zu haben, schon eine Quelle des Trostes und
der Ruhe, als Gegensatz der Unbilden, die euch andere Menschen verursachen,
welche nur ihren eigenen Interessen folgen!
[Lg.01_029,94] Suchet euren eigenen
Geistesadel zu retten und lasset das andere Mir über! Zum Guten leite Ich
alles, um des Guten willen verschwende Ich auch so viele Worte an euch, um euch
wenigstens den Weg zu zeigen, den ihr im Labyrinth der Weltereignisse gehen
sollt, um eure Seele zu retten und Meinen in euch gelegten göttlichen Funken
nicht herabzuwürdigen. Amen!
30. Kapitel Worte an einen
Rationalisten (I) (Verstandes-Menschen).
22. September 1870, G. M. T.
[Lg.01_030,01] Dein Bruder Mch hat dich
gebeten um eine Antwort für einen seiner Freunde, der, nur mit der
Verstandeslaterne allein versehen, die ganze Schöpfung, ihr Warum
und Was erleuchten möchte, nachdem er das Gefühls- oder Herzens-
oder innerstes Geistes-Leben verworfen hat und also trotz allem Forschen und
Grübeln nicht zu etwas Befriedigendem kommen kann.
[Lg.01_030,02] Nun, Ich will es versuchen,
einer Seele, die zwar hungrig und durstig ist, aber noch nicht weiß, welche
Speise oder welche Getränke ihr eigentlich den Hunger und Durst befriedigen
könnten, die geeigneten Nahrungs- und Linderungsmittel darzureichen; ob diese
Seele sie annimmt, und wie sie diese geistig verdauen wird, das werden wir in
der Folge sehen.
[Lg.01_030,03] Dein Bruder M. fühlt es sehr
gut, daß, um seinem Freunde den eigentlichen Trost und Frieden zu verschaffen,
nicht menschliche Suppositionen (Lehrmeinungen) ausreichen, weil es nur immer
ein aus Vernunftgründen zusammengestoppeltes System wäre, welches einem andern
entgegengesetzt wird, und am Ende, von Meinem Standpunkt aus betrachtet, eines
so wenig Halt und Festigkeit hat, wie das andere; er wandte sich deswegen an
Mich mit der innigsten Bitte, es möchte doch auch diesem Freunde die Ruhe und
der Friede gegeben werden, wie er ihn durch Lesung und Danachlebung Meines
(neuen) Wortes so reichlich genießt.
[Lg.01_030,04] So will Ich es denn versuchen,
einer irrenden, aber dem Guten nicht abgewandten Seele, wie die Mutter einem
neugeborenen Kinde die Mutterbrust, so auch ihm die ersten geistigen
Nahrungsmittel zu verabreichen; auch neugeborene Kinder verschmähen oft die
Mutterbrust; wir wollen nun sehen, wie deinem Freunde diese neue Kost, und zwar
aus ihm ganz unbekannten Händen munden wird!
[Lg.01_030,05] Daß ein Gott, ein Schöpfer und
Vater aller Kreatur, sich einem menschlichen Wesen vermittels eines andern
Menschen kundgibt, ihn belehren, ihn geistig erziehen und bessern will, das
wird diesem Freunde deines Bruders wohl im Anfang nicht so recht zu seiner
bisher gewohnten Denkungsart passen; denn er wird wahrscheinlich antworten: Das
ist nicht möglich! Wie kann oder will ein Gott, vorausgesetzt, daß einer
besteht, Sich in Seiner unendlichen Größe mit uns Würmern abgeben? Wie soll
Ihm, dem Allmächtigen, etwas daran gelegen sein, wie ein oder der andere Mensch
denkt, geistig fortlebt, oder je gänzlich verlorengeht? Es beweist doch die
ganze Schöpfung und alles Sichtbare in jedem Augenblick, daß am Zerstören eines
einzelnen Lebens, ja von tausenden Ihm nichts gelegen ist!
[Lg.01_030,06] Und dieser von euch törichten
und leichtgläubigen Menschen verehrte Gott sollte sich herablassen, auf diesem
kleinen Sandkorn von Erde ein noch tausend und tausendmal kleineres, allda
vegetierendes Würmchen, den Menschen, belehren zu wollen! Nein, das grenzt an
Narrheit oder furchtbaren Unsinn!
[Lg.01_030,07] So, liebes Kind, denkt wohl
dein Freund, und sieh, er auf seinem Standpunkte, wo er jetzt steht, hat recht;
er kann und muß so denken, gemäß dem, was er teils von seinen Erfahrungen und
von seiner Anschauung der Schöpfung insgesamt, teils aus den in seine Hand
geratenen Büchern, denen er allein vollen Glauben schenkte, eingesogen hat.
(Bücher: Darwin u.a.)
[Lg.01_030,08] Bevor Ich also auf auch nur
einen seiner Zweifel eingehen kann, muß Ich es versuchen, ihm erst das
begreiflich zu machen, daß solche außerordentliche Kundgebungen möglich und
schon seit den frühesten Zeiten vorgekommen sind und noch stets sich ereignen
können, und nun mehr als je den Menschen zufließen.
[Lg.01_030,09] Dieser Freund deines Bruders
teilt sein Leben in Gefühls- und Verstandesleben ein, er macht zwischen beiden
einen großen Unterschied. Nun will Ich ihn bloß fragen: Hat er sich jemals wohl
einen klaren Begriff machen wollen, was denn eigentlich Gefühlsleben und was
Verstandesleben ist, wo das eine und wo das andere herkommt? Bei genauer
Betrachtung wird er eigentlich keine befriedigende Antwort geben können, die
jeden Einwurf zurückweisen könnte. Nun, so will Ich also vorerst Selbst Fragen
aufstellen, und dann diese Fragen auch Selbst beantworten, da Mir daran liegt,
diesem Freunde Meine Ansichten zu erläutern, und nicht die Seinigen
entgegenzunehmen, die Ich schon längst weiß.
[Lg.01_030,10] Was heißt überhaupt
Gefühl, was Gefühlsleben? Wo kommt es her, zu was führt es, und welcher
Unterschied besteht im Vergleich mit dem Verstandesleben?
[Lg.01_030,11] Lauter Fragen, die inhaltschwer
genug, erläutert werden müssen, wenn man nur im mindesten auf solche Fragen und
ihre respektiven (entsprechenden) Antworten ein geistiges Gebäude, ja die
Einrichtung der ganzen Unendlichkeit aufbauen will, und zwar fest und
dauerhaft, daß nicht ein Windstoß neuer aufgetauchter Ideen eines sogenannten
Gelehrten dasselbe wieder umstoßen könnte. Also nun zur Sache!
[Lg.01_030,12] Was heißt Gefühl? Dieses war
die erste Frage; nun so antworte Ich: Gefühl ist etwas, was man
fühlt. Was heißt aber fühlen? Hier steckt es; denn Denken und Fühlen sind
weit voneinander unterschieden.
[Lg.01_030,13] Mit seinen äußerlichen Sinnen
fühlt der Mensch alle Eindrücke der ihn umgebenden Natur; mit dem inneren
Gefühlsvermögen nimmt er wahr die Einflüsse einer geistigen Natur, die, er mag
sie verleugnen wie er will, aber doch da sind!
[Lg.01_030,14] Dahin gehört die Stimme des
Gewissens, die eben, wie es eure Sprache nennt, etwas Gewisses ist; und trotz
alles philosophischen und wissenschaftlichen Streites der Gelehrten und Nichtgelehrten
doch (jeden) mit ihrem eigenen Raisonnement (Folgerungen) verfolgt, das oft
nicht zu dem paßt, was die Gelehrten anderen aufdrängen möchten, während sie
doch mit sich selbst nicht im reinen sind.
[Lg.01_030,15] Dieses Gefühl und Gefühlsleben
ist also nicht materiellen, sondern geistigen Ursprungs, das heißt, es führt
uns zur Annahme, daß außer allen sichtbaren und unsichtbaren Naturelementen
noch eine höhere Stufe von geistigen Dingen existiert, die wir nicht wägen,
nicht sehen und nicht chemisch zersetzen können; die im Ganzen da sind, sich
wohl fühlen, aber weder sehen, noch hören, ja sogar nicht denken lassen, wie
zum Beispiel das Gefühl, das einen jeden ergreift bei Anhörung erhabener Musik;
was könnet da ihr Menschen, könnt ihr auch einen Akkord denken, oder vielmehr
nur dessen Eindruck auf eure Seele fühlen?
[Lg.01_030,16] Nachdem wir nun festgestellt
haben, daß ein Gefühl und Gefühlsleben existiert, so müssen wir doch auch
natürlich auf den nächsten Gedanken kommen: Von wo kommt dieser Strom der
seligsten Empfindungen, deren ein menschliches Herz fähig ist, her? Wo ist sein
Anfang, und wo sein Endziel oder Gipfelpunkt? Das nun bewiesene geistige
Reich, das höher als alle elementare Materie ist, muß natürlich in aller
Materie mehr oder weniger vorhanden sein, um deren Bestehen zu bewirken.
[Lg.01_030,17] Wenn die Menschen einen Baum
umhauen, eine Pflanze ausreißen, wissen sie wohl, ob der Baum oder die Pflanze
bei diesem gewaltsamen Akt etwas fühlt? Sie wissen es nicht! Mit dem
Nichtwissen ist aber noch nicht bewiesen, ob der Baum oder die Pflanze nicht
materiell Schmerz und geistig den Tod fühlt! Denn was eure Sinne für den Moment
nicht wahrnehmen, ist noch kein Beweis von dessen Nichtexistenz; dieses
Gefühlsleben ist also wahrscheinlich in allem Geschaffenen mehr oder weniger
vorhanden, gemäß der Individualität (Wesenheit).
[Lg.01_030,18] Nun liegt die Frage doch wohl
nahe: Wenn das Gefühl gewissen Gesetzen gemäß da ist, wer hat denn diese
Gesetze festgestellt, wer sie in ihre geregelten Schranken gewiesen, über
welche sie nicht hinaus können?
[Lg.01_030,19] Wo Gesetze, muß auch ein
Gesetzgeber sein; denn Elemente und Naturkräfte gestalten sich nicht von
selbst; wann also aus den Gesetzen der Gesetzgeber naturgemäß bedingt ist, so
versteht es sich von selbst, daß bei allerweisesten Gesetzen auch ein
allerweisester Gesetzgeber sein muß, Der der Gipfelpunkt aller Weisheit ist.
[Lg.01_030,20] So viel ihr Menschen in der
Natur bis jetzt habt erforschen können, so habt ihr im Großen wie im Kleinen
überall die gleiche Vollendung erkennen können; nirgends habt ihr
stiefmütterliche Behandlung gesehen, eine Zentralsonne ist so perfekt wie eine
Grasmilbe.
[Lg.01_030,21] Was geht aus diesen
Entdeckungen hervor? Es geht das große Grundgesetz daraus hervor, daß dem
Gesetzgeber und Erhalter des Universums von dem letzten Sternbild bis zum
kleinsten Infusionstierchen auf eurer Erde nicht eines wichtiger als das andere
ist, sondern daß alles auf seiner Stufe mit gleicher Sorgfalt eingerichtet,
erhalten, und zu seinem Zweck des Fortschreitens weiter ausgebildet wird.
[Lg.01_030,22] Wenn ihr nun dieses bloß aus
euren Forschungen schon annehmen müßt, so geht natürlich daraus hervor, daß,
wenn dem Schöpfer eine Milbe von Wichtigkeit ist, es doch auch der menschliche
Geist mit all seinen Eigenschaften sein muß, und daß, wenn der Schöpfer kein
Atom vergehen oder sich verlieren läßt, Er noch weniger eine menschliche Seele
oder ganze Völker als verloren ansehen will.
[Lg.01_030,23] Nun, wenn die Menschen mit
ihren guten, aber auch bösen Eigenschaften und ihrem völlig freien Willen so
weit von dem eigentlichen Ziele abgekommen sind, weswegen sie der Schöpfer
erschaffen hat; sollte es da nicht möglich sein, daß dann eben dieser Gott oder
Schöpfer zu besonderen Mitteln greift und durch Sein Einfließen in das Herz
eines einzelnen von ihm erwählten Propheten oder Mediums (wie ihr es jetzt
nennt) die andern verlorenen Geister und Seelen wieder auf den rechten Weg
zurückbringen möchte?! Hier sind wir also endlich auf einem Punkte angekommen,
wo unser Freund vielleicht sich überzeugen könnte, daß (wenn auch nur in
außerordentlichen Fällen) ein solches Einfließen möglich ist.
[Lg.01_030,24] Dieses Einfließen kann jedoch
nur in dem Organe geschehen, welches dem geistigen Geber entspricht, und dieses
Organ ist das Gemüt, das Herz oder das Gefühl, das als Erstes, Höchstes, und
zum erhabensten Aufschwunge, dem Gott ähnlichen Geistesflug allein geeignet
ist.
[Lg.01_030,25] Der Verstand gehört der Welt,
ihren Bedürfnissen und ihren materiellen Interessen.
[Lg.01_030,26] Das Gefühl ist das Organ des
geistigen Lebens, das nur flüchtig hier auf dieser Welt gekostet werden kann,
hier nicht bleibend ist, und höchstens eine leise Ahnung einer geistigen
höheren Welt zurückläßt.
[Lg.01_030,27] Ich mußte so weit ausholen, um
diesem Freunde wenigstens einen kleinen Wink zu geben, teils aber auch ihn
ahnen zu lassen, was das für eine Gnade ist, wenn jemand, wie er jetzt eben,
von Mir, dem Herrn alles Geschaffenen, belehrt wird.
[Lg.01_030,28] Ich liebe ihn, wie alle Meine
Kinder, wie alles Geschaffene. Nichts will Ich verlieren, und so auch ihn
nicht, der eben nicht eine der unedelsten Seelen ist, die auf diese Erde zur
kurzen Prüfungszeit versetzt wurde.
[Lg.01_030,29] Dein Freund beklagt sich in
seinem Brief an deinen Bruder über die verschiedenen Mißtöne, die er in der
Schöpfung, die er im menschlichen Leben, ja die er überall sieht, wohin er sein
Auge wendet; er führt Redeweisen von Gelehrten an, die Mich verurteilen und von
Meinen Einrichtungen sprechen, wie der Blinde von der Farbe.
[Lg.01_030,30] Mein lieber Freund! Schon oben
habe Ich es gesagt: der Verstand gehört zu der Beurteilung von Weltdingen,
Maschinen zu erfinden und Entdeckungen zu machen, um euer Leben bequemer
einzurichten, oder dem einen oder dem andern mehr Macht zum Herrschen
einzuräumen und so weiter. Aber was ihr auch alles mit dem Verstande nur immer
aushecken möget, Meine Schöpfung, ihr Warum so und nicht anders
könnt ihr damit nicht ergründen. Mit dem Gefühl könnet ihr es wohl ahnen, aber
auch nicht begreifen; nur erst, wenn Ich Mich ins Mittel lege und euch einen
Blick in Mein Wirken machen lasse, nur dann wird euch etwas Licht werden, und
dann werdet ihr aber auch mehr den liebenden Vater, als den unerbittlichen Gott
in Mir finden, Der nie zerstören, sondern stets aufbauen und sammeln will!
[Lg.01_030,31] Dein Freund sagt ferner in
seinem Briefe, es werde sehr viel auf Gemütserziehung verwendet, ja mehr als
auf Bildung des Verstandes.
[Lg.01_030,32] Hierauf muß Ich ihm bemerken,
daß Ich gerade der entgegengesetzten Meinung bin; es wird nun beinahe in allen
Erziehungsanstalten das Gemüt, das Herz mit seinen edlen Eigenschaften fast
ganz vernachlässigt und nur der Weltverstand allein ausgebildet; ebendeswegen
herrscht so viel Schlechtigkeit unter den Menschen, weil sie bloß Kopf und kein
Herz haben; ebendeswegen auch Meine Zulassung von Elend und Unglück in der menschlichen
Gesellschaft, um das in der Jugend vernachlässigte oder irregeführte Gefühl zu
wecken, um der inneren Stimme wieder Gehör zu verschaffen, um zwischen
weltlichem und geistigem Wohlsein und Vorteil das letztere dem ersteren wieder
vorziehen zu lernen.
[Lg.01_030,33] Durch Elend und Mißgeschicke
wecke Ich die schlummernden Herzen auf; im Elend suchen sie dann Mich, Mich,
den sie im Wohlleben ganz vergaßen, ja oft auch ganz verleugnet hatten.
[Lg.01_030,34] Von diesem Standpunkte aus die
Erde nur als eine Übergangsperiode betrachtet, muß dein Freund alle Leiden, die
ihm oft Mitleidsseufzer auspressen, ansehen, und er wird (wie Meine Engel und
reinen Geister) dort segnen, wo er jetzt fluchen möchte.
[Lg.01_030,35] Was wäre der Mensch, wenn er
nicht am Ende, als letzte Zufluchtsstätte gegen alle Mißgeschicke, sein eigenes
Herz, sein inneres Leben hätte?
[Lg.01_030,36] Der Verstand mit all seinem
Wissen ist kalt; und wo Kälte, da ist kein Leben!
[Lg.01_030,37] Das Gefühl erwärmt; dort, wo
geistige Sonnenstrahlen, Embleme (Zeichen) der ewigen Liebe, das gefolterte
Herz durchzucken, dort facht sich die Flamme der Begeisterung an; dort genießt
der Mensch nun die höhere Weihe der Ahnung eines weit über diesem Erdenleben
nur manchmal durch den Sargdeckel durchschimmernden Lichtes einer höheren und
schönern Welt.
[Lg.01_030,38] Wer hat nicht schon solche
Stunden empfunden, die ihm das Betrachten der Natur, oder die Produkte wahrer
Dichter und Musiker geboten haben?!
[Lg.01_030,39] Und alle diese schönen
Empfindungen, wohin führen sie denn eigentlich? gewiß nicht zu einem
zerstörenden, streng richtenden Gott, nein, sondern zu einem liebenden Vater
und Erhalter aller Seiner geschaffenen Wesen.
[Lg.01_030,40] Auch in der Natur trügt der
Schein, wenn das menschliche Auge nur mit menschlicher Vernunft dieses
Zerstören eines Tieres durch das andere, dieses Würgen und Morden mit
Weltvernunftansichten beurteilt.
[Lg.01_030,41] Ihr Menschen beurteilt da oder
dort mit mitleidigem Herzen die Zerstörungen in der Natur, die ihr seht, und
die von Mir aus weisen Gründen so und nicht anders festgesetzt sind; aber wo es
eure Unterhaltung oder die Tötung der Zeit, die ihr mit nichts Besserem
vertreiben könnt (oder zu können wähnt), angeht, da beachtet ihr nicht, wie ihr
aus Langeweile unschuldigen Tieren auf der Jagd das Leben raubt, um eure
Mordlust daran zu kühlen.
[Lg.01_030,42] Ihr verurteilt den Vogel, der
unbarmherzig die Insekten verzehrt, was er nur zur Erhaltung seines eigenen
Lebens tut, dort findet ihr einen ungerechten Gott; bei eurer Freßlust aber, wo
alles nur für euren Magen lebt, wo ihr bei weitem mehr noch würget und mordet
als viele Tiere, und das nicht aus Not, sondern aus Übermut und Langeweile, da
findet ihr schwache Geschöpfe euer Treiben gerecht, ja sogar lobenswert,
während ihr dort einem liebevollen Schöpfer das vorwerft, was vielleicht gerade
zu eurer Existenz mehr notwendig ist, als ihr es euch je vorstellen könnt!
[Lg.01_030,43] Deshalb, Mein lieber Freund,
lerne zuvor lieben und ehren Den, der dir mit jedem Pulsschlag Tausende von
Gnaden angedeihen läßt; lerne die Sprache der Natur verstehen, und du wirst
nicht so viele Dissonanzen mehr darin finden, wie bis jetzt!
[Lg.01_030,44] Sei versichert, die Welt ist
stets die gleiche; ein liebendes Gemüt sieht nur Liebe, wo ein erbittertes Haß
und Zwietracht findet!
[Lg.01_030,45] Nicht die Welt selbst, sondern
den Spiegel derselben nur siehst du in deinem Herzen; reinige den Spiegel, und
das Abbild Meiner Natur, die stets die gleiche bleibt, wird sich dir bald auch
reiner zeigen!
[Lg.01_030,46] Lies Meine alten und neuen
Worte, dort liegt der Friede und die Ruhe, die du in Büchern von Gelehrten
vergebens suchst.
[Lg.01_030,47] Die Gelehrten schreiben ihre
Bücher, die meisten, um sich die Ruhe zu verschaffen, die ihnen selbst fehlt;
oder sie wollen andern den Frieden und die klare Ansicht von der Welt geben,
welche ihnen selbst in allen Ecken gemangelt hat.
[Lg.01_030,48] Gebrauche deinen Verstand für
deine weltliche Laufbahn, lasse aber auch hier den Verstand durch Liebe
begleitet sein; dann wird es in dir schon ruhiger werden, du wirst Gott, den
Schöpfer und den Vater, näher kennen und lieben lernen, und wirst nicht mehr
andere weder bedauern noch beneiden dürfen.
[Lg.01_030,49] Folge Meinem Rate, und bald
wirst du diese Stimme, die jetzt durch einen andern Menschen zu dir spricht, in
dir selbst vernehmen, die dir dann Friede, Trost und wahre Ansicht der Welt und
ihres Lebensprozesses geben wird!
[Lg.01_030,50] Dieses sei dir gesagt als
Trost, Ich schätze dich, weil Ich dein Herz kenne; es braucht nur den rechten
Leiter, um es auf den wahren Weg zu bringen; dieser Leiter will vorderhand Ich
Selbst sein; und so folge Meinem Rate, und du wirst es gewiß nie bereuen. Dies
sagt dir dein huldvollster Vater! Amen!
31. Kapitel Worte an einen
Rationalisten (II).
8. Dezember 1870, G. M. T.
[Lg.01_031,01] Du bist schon wieder
angegangen worden, für den Freund deines Bruders M. als Antwort auf dessen
letzten Brief Trostworte und Erklärungen von Mir zu erflehen.
[Lg.01_031,02] Nachdem es euch beiden am
Herzen liegt, aus eurer Bruderliebe diesem Freunde soviel als möglich seine
Zweifel und seine von Weltgelehrten eingesogenen Begriffe zu erläutern, und
ihn, der zwar nach Aufklärung seufzt, aber dabei doch das früher Aufgenommene
nicht fahren lassen will, den gewünschten Trost und die Ruhe wiedergewinnen zu
helfen, so wollen wir sehen, ob wir nicht dieser Seele, statt ihres
vermeintlichen wissenschaftlichen Lichtes, ein anderes geistiges
Licht anzünden können, das sich zu dem früheren verhält, wie Sonnen- zum
Kerzenlichte.
[Lg.01_031,03] Dein Freund ist natürlich in
Aufregung gekommen durch Meine Worte, die ihr ihm gesandt habt. Diese Kost ist
ihm neu, zwar nicht hart, aber doch ungewöhnlich; denn sie ist eine Kost für
das Herz und nicht für den Kopf.
[Lg.01_031,04] Eure Weltgelehrten, die, wie
Ich es schon das vorige Mal sagte, nicht gerade alles glauben, was sie
schreiben, und auch öfters auf dem Totenbett alles widerrufen, was sie
geschrieben haben, diese Gelehrten, wie sie sich irrtümlich nennen, bauen oft,
ja meistens ihr ganzes System auf eine Hypothese, die falsch oder nicht, für
sie wenigstens beweisbar ist; sie wissen dann mit so schönen Worten und so
vernünftig scheinenden Schlüssen auf dieser Hypothese ein Gebäude aufzubauen,
daß, wer den ersten Satz (der Hypothese) als wahr annimmt, natürlich auch alles
andere glauben muß.
[Lg.01_031,05] Aber am Ende eines jeden so geistreich
abgefaßten Buches, was ist denn da der gewöhnliche Schluß? Er ist, daß
bis hierher die materielle und rationelle Forschung geht, und weder
geschichtlich noch experimentell weiter nachgewiesen werden kann, indem
Erfahrung und die Instrumente nicht ausreichen, diese so schön ausgearbeitete
Behauptung weiter verfolgen zu können.
[Lg.01_031,06] Was haben eure Gelehrten nicht
alles schon geschrieben über die Entstehung der Erde, über ihre Formation, ihr
Alter usw., und was ist das Endresultat? Daß sie nichts wissen! Denn diese
Erd-Erschaffung, ihr nach und nach entwickelter Ausbau, ihre Bevölkerung von
den untersten Schaltieren bis zum Menschen, umfaßt solche Zeiträume, daß die
Geologen noch so viel herumgraben mögen in den letzten Schichten der Erdrinde,
und sie werden dort nichts Erhebliches finden von dem, was Ich nur allein weiß.
[Lg.01_031,07] Was haben die Astronomen auf
den mühsamen Wegen der Mathematik herausgefunden, aus dem großen
Sternengewölbe, das jede Nacht über ihren Häuptern ein Meer von Wundern für den
menschlichen Geist ausbreitet? Nur die Entdeckung von einer kleinen Zahl von
Planeten, die eure Sonne umkreisen; außer diesen wissen sie nichts. Die
allernächste Sonne, die außerhalb eures Sonnensystems kreiset, bleibt für sie
trotz aller ihrer besten Instrumente ein kleiner Stern, und ein großes Rätsel.
[Lg.01_031,08] Was wissen sie von den großen
Sternen- oder Sonnenkomplexen, die ihr Nebelflecken nennt? Nichts! Eure
Fernrohre reichen nicht bis dahin, und eure Zahlen langen nicht aus, die
Entfernungen auszudrücken, wo noch Sonnen voll Glanzes und voller Wunder mit
Mich liebenden Wesen einander umkreisen und Mir, dem Herrn, ein beständiges
Loblied singen; während dein Freund mich nur zur Not als daseiend annimmt (und
das alles erst in eurer für euch unendlichen Hülsenglobe; was können sie erst
von dem wissen, was außerhalb deren Haut liegt, wogegen diese ganze für euch
unendliche Hülsenglobe im Universum nur ein Atom ist?).
[Lg.01_031,09] Was wissen die Gelehrten eurer
Welt vom Tierreich, was wissen sie, wie die Tiere die Welt und die Menschen
sehen? Sehet, ein Ochs ist für euch eine ganz fremde Welt; ihr wißt nicht, ob
er euch grau, rot und blau, klein oder groß sieht; sein geistig intellektuelles
Leben ist euch und allen Gelehrten ewig ein Rätsel, und so das Leben eines
jeden Tieres.
[Lg.01_031,10] Die Gelehrten können nur die
Tiere der Gattung nach äußerlich einteilen, sie zerschneiden, ihren materiellen
Bau und seine Ähnlichkeit mit dem nächststehenden Tiere nachweisen, einzelne
Eigentümlichkeiten in ihrer Lebensweise belauschen; aber warum das Tier da ist,
wissen sie mit all ihrem Forschen nicht; und wenn sie dann aus dem Labyrinth
von Rätseln nicht mehr herauskommen, in das sie sich selbst hineingearbeitet
haben, dann fangen sie an, Mich anzuklagen, und glauben in ihrer Stubenweisheit
an Meiner Stelle alles gescheiter gemacht zu haben, als Ich Selbst.
[Lg.01_031,11] Was wissen denn eure Ärzte und
Anatomen samt ihrem unaufhörlichen Leichenzerschneiden (NB. und gar
Vivisezieren) und dem chemischen Analysieren der Elemente, aus denen der menschliche
Körper zusammengesetzt ist?
[Lg.01_031,12] Sie kommen Mir alle vor wie
ein Schneider, der aus den Kleidungsstücken, die er zur Ausbesserung bekommt,
den Charakter und die geistigen Eigenschaften dessen herauszufinden wähnt, der
sie getragen hat. Das Materielle, ja das Grobmaterielle nur ist ihnen sichtbar,
aber die stille Kraft mit Intelligenz, die diese Gefäße bis ins Kleinste mit
gleicher Vollkommenheit baut, sie belebt und sie von der Zeugung an aufbaut und
bis zum Tode erhält, diese Intelligenz kennen sie nicht; denn mit dem Sezieren
läßt sie sich nicht finden.
[Lg.01_031,13] Seht das Gehirn eines Menschen
an; was ist denn dieses Gewebe von verschiedener in feine Häute abgeschlossener
und getrennter Masse mit ihren Windungen?
[Lg.01_031,14] Warum sind diese Windungen,
warum nicht eine Masse, warum ist die graue und warum die weiße Masse? Zum Teil
glauben eure Gelehrten entdeckt zu haben, wo diese oder jene Fähigkeit ihren
Sitz hat. Was ist aber Fähigkeit oder Leidenschaft? Ist es ein Fluidum, ein elektrischer
oder magnetischer Strom? Wie geht das Denken vor sich? Was geschieht dabei in
den Gehirnmassen?
[Lg.01_031,15] Sehet, alles dieses! Wäre auch
das Gehirn zutage gelegt und der Beobachtung zugänglich, so würden diese
Gelehrten doch nichts sehen; denn ein Gedanke hat keinen Körper.
[Lg.01_031,16] Gerade hier in der
halbkugelförmigen, weißgrauen Masse des Gehirns grenzen zwei Welten aneinander,
die trotz alles Bestreitens doch da sind.
[Lg.01_031,17] Mag auch so mancher
Materialist mit sophistischem Unsinn es wegleugnen wollen, an ihm selbst, noch
im Wegleugnen beweist es sich, daß es existiert.
[Lg.01_031,18] Siehe nun, dein lieber Freund
hat in diesen Büchern das süße Gift der menschlichen Weisheit aufgesogen; er
ist diesen Gelehrten Schritt für Schritt gefolgt, hat ihre Beweisgründe auch in
seinem Leben oft dem Anschein nach bestätigt gefunden, und so ist er nun die
Beute eines Pseudo-(falschen)Wissens, das ihn nicht befriedigt und
nicht tröstet, sondern ihn verdammt, das traurige Schicksal, das diese
Gelehrten dem Menschen in der Schöpfung angewiesen haben, leider mit ihnen zu
teilen, nämlich geduldig abzuwarten, bis nach vielem Unglück und Leiden des
menschlichen Lebens endlich auch seine Stunde schlägt, die ihn aus diesem
Jammertal entführt und ihn vielleicht zu einem Stück Wasser, oder Äther, oder
Stickstoff macht (nach ihrer Idee)! Diese untröstliche Aussicht ist es, die ihn
daniederdrückt, und da (zu ihm!) noch niemand gekommen ist, der ihn eines
Besseren belehrt hätte, so ist er seines Lebens satt und seiner Existenz müde.
[Lg.01_031,19] Ja, Mein liebes Kind, du hast
wohl recht, wenn du die Welt so anschaust, wie du es wirklich tust, daß du
gleichsam den Tag verfluchen möchtest, an dem du das Licht der Welt erblickt
hast, und wo du schaudernd daran denkst, wenn der Tag kommt, an dem du wieder
in ein unbewußtes Nichts zurückkehrst, aus dem du gekommen zu sein glaubst.
Diese Aussicht ist freilich traurig, hoffnungslos nach so vielen Drangsalen,
Leiden und Krankheiten, die den Menschen auf seiner ganzen irdischen Laufbahn
begleiten, am Ende auf gar keine Vergeltung zu hoffen und nicht einmal den
Grund zu wissen, warum man gelebt hat!
[Lg.01_031,20] Dies ist wirklich einem Gott
nicht angemessen, Menschen erschaffen zu haben, die während ihres ganzen Lebens
sich untereinander plagen, um am Ende wieder zu vergehen und sozusagen gar
keinen Zweck gehabt zu haben, weder auf diese Erde zu kommen, noch von selber
wieder wegzugehen; man müßte nur annehmen, es gäbe einen Gott, der Sich an den
Qualen der Menschen weiden möchte, und da Er nichts anderes zu tun habe, sie
bloß zu Seinem Zeitvertreib erschuf.
[Lg.01_031,21] Wenn du aber, Mein liebes
Kind, so in einsamen Stunden diese Sache einer ernsten Betrachtung unterziehen
willst, so frage Ich dich, ist es dir denn nie aufgefallen, daß trotz aller
Mißhelligkeiten im menschlichen Leben auch andere Gefühle, andere Bewegungen
sich in dir oft geltend machten, die nicht immer Überdruß und Verzweiflung
verkündeten, die dir sanftere, tröstendere Seiten des geistigen Lebens
enthüllten!
[Lg.01_031,22] Hast du nie Mitleid, nie einen
Drang gefühlt, nach oben zu blicken? Ist dir nie das sanfte Gefühl der Liebe im
Herzen aufgetaucht, mit dem du, der ganzen Menschheit verzeihend, sie doch
lieben könntest?
[Lg.01_031,23] Hast du nie, sei es bei großen
Naturereignissen oder in stiller Nacht beim Anblick des gestirnten Himmels,
eine heilige Ahnung gefühlt, die, wärest du ihr gefolgt, dich höher getragen
hätte in geistige Sphären, wo das Menschengetriebe verschwunden wäre und einem
schöneren sanften Gefühle Platz gemacht hätte, dem Gefühl der Verzeihung und
der Liebe?
[Lg.01_031,24] Ist dir nicht in solchen
Augenblicken dein Gott in schönerem Lichte vorgekommen, als wie Ihn die tote
Wissenschaft dich lehrte, wo Er als ein unerbittlicher Tyrann regieren sollte?
Gewiß, Ich weiß es nur zu gut, es kamen solche Momente in Fülle, die dein Herz
beschlichen, du wolltest ihnen nur kein Gehör schenken.
[Lg.01_031,25] Jetzt aber, wo Ich dich auf
andere trostreichere Wege führen will, jetzt muß Ich dich daran erinnern:
Siehe, diese Augenblicke waren die Stunden der Weihe, wo Mein Geist zu dir,
verirrtes Kind, sprach; es waren Momente Meiner geistigen Nähe, Ich wollte dich
trösten, wollte deine Wunden heilen, die dir eure philosophischen Grübler und
Büchermacher geschlagen haben; wollte dir zeigen, daß weit über alle
vermeintlichen wissenschaftlichen Forschungen erhaben noch etwas anderes lebt
und webt, das selbst die größten Disharmonien und Grausamkeiten des
menschlich-irdischen Lebens auflösen kann in harmonische Lieder des Dankes
gegen Den, den du zwar suchst, aber noch nicht gefunden oder Ihn wenigstens
nicht verstanden hast, so wie Er von euch Menschen verstanden sein möchte!
[Lg.01_031,26] Noch vieles liegt dir im
dunkeln; du verlangst Wunder, und glaubst: es gibt keine Wunder!
[Lg.01_031,27] Nun frage Ich dich, was heißt
denn eigentlich Wunder? Siehe, so manche Erfindung, die jetzt bei euch das
kleinste Kind begreift, wären vor einigen Jahrhunderten Wunder gewesen. Was
waren sie denn eigentlich?
[Lg.01_031,28] Es waren Naturgesetze oder
Kräfte, die die Menschen noch nicht kannten, oder falls sie diese auch kannten,
sie doch nicht zu benutzen verstanden!
[Lg.01_031,29] Glaubst du denn, das Land der
Entdeckungen sei schon ausgebeutet? Liegt nicht vielleicht noch das meiste im
dunkeln begraben, besonders was geistig ist; und wenn Ich bald da oder dort
solches Auffinden der Zugänge zum geistigen Leben zulasse, damit die Menschen
Mich, den reinsten Geist, näher kennenlernen sollten; muß es deswegen denn
gerade ein Wunder sein, welches die Menschen dann willenlos zum Glauben zwingen
würde?
[Lg.01_031,30] Wie du in deinem Briefe
schreibst wenn sich deine Stahlfeder plötzlich in einen Bleistift
verwandelte, so wolltest du glauben; aber wenn Ich solches zuließe, was
geschähe dann? Siehe, du wärest gezwungen, wenigstens im ersten Augenblick an
eine Möglichkeit einer solchen Verwandlung zu glauben, und doch weiß Ich nicht,
ob in ein paar Stunden du dir selbst nicht wieder dieses Wunder weggestritten
hättest; hättest vielleicht gedacht, es muß eine Verwechslung beider
Gegenstände stattgefunden haben, die du in Gedanken selbst verübt hast, ohne
derselben gerade ansichtig geworden zu sein!
[Lg.01_031,31] Mein liebes Kind, Wunder gibt
es keine, denn alles hängt von den schon längst von Mir geordneten Gesetzen ab!
[Lg.01_031,32] Weißt du, was eigentlich ein
Wunder ist oder wäre? Sieh, Ich will es dir sagen: Ein Wunder wäre, wenn
entgegengesetzt Meinen von Anbeginn der Schöpfung festgesetzten unwandelbaren
Gesetzen Ich etwas zulassen oder bewerkstelligen würde, was schnurstracks gegen
diese Gesetze wäre, und Ich Mich damit einer Inkonsequenz (Widerspruch)
beschuldigen müßte; denn wisse, Meine Gesetze sind so gemacht, daß ein Handeln
dagegen nicht möglich ist, wenigstens nicht von Meiner Seite.
[Lg.01_031,33] Ihr handelt zwar oft gegen
Meine Gesetze, allein dem Überschreiten derselben folgt die Strafe auf dem Fuße
nach.
[Lg.01_031,34] Wo aber Meine Gesetze anfangen
und aufhören und wie viele noch vorhanden sind, wovon eure Forscher und
Philosophen keine Ahnung haben und sie auch nie entdecken werden, das ist eine
ganz andere Sache.
[Lg.01_031,35] Deswegen, Mein Kind, sieh, du
liesest hier, was Ich als Gott zu dir spreche; du begreifst dieses Ereignis
nicht; denn es ist dir in deinem Leben noch nicht vorgekommen, daß ein sein
sollender Gott, Schöpfer all dieser unermeßlichen Welten, Sich mit dir
unterhalten sollte, und trotz deines Erstaunens und Kopfschüttelns tue Ich es
doch, denn Ich liebe dich als Mein Geschöpf zu sehr, als daß Ich dich möchte
verloren sehen, eine Beute des Materialismus und des Unglaubens!
[Lg.01_031,36] Wisse, du trägst einen
göttlichen Funken Meines göttlichen Ich in dir, der dir von der Geburt schon
eingelegt war; du hast eine ganz andere Bestimmung als die ist, welche du bis
jetzt als deine einzige glaubtest; du hast eine höhere; und um dich nicht zu
verlieren, so ließ Ich es zu, daß du durch (scheinbar) zufällige Verbindung mit
einem Manne (Meinem jetzigen Schreiber) in Berührung kamst, der Meinem Herzen
schon nähersteht und Meine Stimme schon öfter deutlich in sich vernahm. Siehe,
dieser Mann, der auf dem Wege ist, das zu werden, was alle Menschen einstens
werden sollten, dieser Mann hat dir jetzt den Weg zu Mir durch direktere
Verbindung erleichtert; es gelangen auf diese Art Worte an dich von einer
Region, die du nie geahnt hast, daß sie existiere.
[Lg.01_031,37] Nun denn, versuche diese dir
neue Kost geistig zu verdauen, vielleicht wirst du in ihr doch finden, was du
in den philosophischen und anderen Schriftstellern nicht gefunden hast, das
ist: eine schönere Weltanschauung und eine bessere Idee von Mir, deinem
Schöpfer!
[Lg.01_031,38] Vergleiche Meine Worte mit
jenen der Stubengelehrten! Welche kann man öfter lesen, ohne sich daran
sattgelesen zu haben? Und du wirst nach und nach schon finden, daß Der, den du
über allen Sternen wähnst, dir oft so nahe stand und mit mitleidigem Blick voll
väterlicher Liebe dich ob deiner geistigen Verirrung bedauerte!
[Lg.01_031,39] Aller Anfang ist schwer! Ein
altes bequemes Kleid abzulegen und ein neues dafür anzuziehen, kostet so
manchen eine Überwindung; versuche es auch du, vielleicht wird die Folge dir
zeigen, daß du den Kleiderwechsel nicht bereuen darfst. Dieses sagt dir dein
Vater, Der alles in Seiner Schöpfung nicht mit Tyrannenklauen, sondern mit den
Banden der Liebe zusammenhält, und Der nicht will, daß sich auch nur ein Atom
verliere, geschweige eine Menschenseele, wie es die deinige ist! Amen!
32. Kapitel Die Alchimisten. (An Brd.
S. in K.)
6. Juli 1871, G. M. T.
[Lg.01_032,01] (Vorbemerkung aus einem Brief:
Und so müssen Worte des Herrn Sie dazu bestimmen, mit verborgenen
Wünschen und Zweifeln ans Tageslicht zu treten, um vom Herrn Selbst die weitere
Erklärung dieses gewünschten Themas zu erfahren, und so hören Sie denn:)
[Lg.01_032,02] Mein lieber Sohn, als du
in jenen Zeiten in diesen Werken (der Alchimisten usw.) Mich, deinen Vater
suchtest, da erkanntest du freilich noch nicht, was Wahres und was Falsches in
diesen Büchern war, und es erging dir, wie heutigentages noch einer Menge von
Menschen, die die Bibel ebenfalls nicht verstehen, weil sie den geistigen Sinn
darin nicht auffinden können.
[Lg.01_032,03] Jene Männer, welche schon seit
den ältesten Zeiten sich mit der Nachtseite der Wissenschaft abgaben und
Magier, Astrologen, Alchimisten hießen, jene Männer hatten alle eine ferne
Ahnung, daß hinter dem, was die Natur sichtbar dem Menschen zeigt, noch bei
weitem etwas Größeres, Erhabeneres dahintersteckt.
[Lg.01_032,04] Sie belauschten in nächtlicher
Stille den Lauf der Sterne, studierten meistens eben bei Nacht, weil der Geist
bei Nacht mehr konzentriert als bei Tage war; in der dunklen Nacht umschwebte
sie der große Geist des stillen Wirkens, welcher Mein ganzes Universum
durchdringt; sie ahnten seinen Einfluß; kannten aber den Geist Selbst nicht,
und warum? Weil sie selbst nur zu weltlich gestimmt waren, nur auf ihren
Eigennutz bedacht, alles was sie finden würden, nur zu ihrem Einfluß und zu
ihrer Machtstellung benützen wollten.
[Lg.01_032,05] Daher der Grund, warum sie
alle nichts (Rechtes) fanden, weder den Stein der Weisen noch das
Arcanum longae vitae, sie wurden nicht gescheiter, und mußten
sterben, wie alle, die geboren werden.
[Lg.01_032,06] Das, was diese verirrten
Kinder bald mit lateinischen, bald mit griechischen Namen als den
Universal-Geist bezeichneten, ist, war und bleibt nichts anderes als Mein Wille
oder die stets wirkende Macht, die alles erhält, alles zerstört und alles
wieder neu schafft, um so in einer Reihe von Verkettungen und Transformationen
alles auf den geistigen Weg zu Mir wieder zurückzuführen.
[Lg.01_032,07] Manchmal tauchte ein
Lichtgedanke in dem Gehirne eines solchen nächtlichen Studierenden auf, er
wollte aber mit dem Verstande fassen, was nicht des Verstandes war, betitelte
es mit fremden Namen unter mystischem Anstrich, um das Dumme noch dümmer zu
machen, wollte andere Menschen glauben machen, was er selbst nicht glaubte,
nämlich als wisse er mehr als andere, er hüllte sich dem Anscheine nach in
einen Mantel von hoher Gelehrsamkeit. Niemand sah, daß aus seinem mystischen
Anzuge als Zauberer, Alchimist oder Astrolog ein paar gewaltig große Eselsohren
hervorragten.
[Lg.01_032,08] Was der von dir angeführte
Pseudo-Philosoph als Salpeter, als wirkende Kraft bezeichnet, welche der Wind
als den gesuchten Geist im Bauche getragen habe, ist nichts als die tätige
Lebenskraft, die eben der Wind oder jeder Luftzug in sich birgt. Denn was ist
eigentlich Salpeter, was ist Salz, und was ist der tätige Lebensgeist in der
Schöpfung?
[Lg.01_032,09] Siehe, Mein lieber Sohn, das
ist alles ein und dasselbe, nur mußt du es etwas genauer anschauen.
(Siehe das Wort: Zucker, Salz und Essig).
[Lg.01_032,10] Salpeter oder Salz ist eine
Substanz, welche, aus der Zersetzung anderer Elemente genommen, wieder alles
zersetzt, mit dem es vermischt wird.
[Lg.01_032,11] Was heißt aber zersetzen?
Siehe, Zersetzen in Meiner Sprache ist nichts anderes als Anregen, als
Lebenstätigkeit entwickeln, als Gebundenes frei machen.
[Lg.01_032,12] Wenn der Salpeter aus
verwesten anderen Elementarstoffen sich in kristallinischer Form wieder frei
macht, so ist er aus dem Ausgeschiedenen das feinste Geistige, steht gegen das
Frühere auf einer höheren Stufe, um dann woanders, wo er hinzutritt, auch
höheres Leben zu entwickeln, und so sich vergeistigend, auch alles andere durch
die Zersetzung frei machend, eben den Weg zum geistigen Fortschritt anzubahnen.
[Lg.01_032,13] Das Ätzende desselben, wie des
Salzes, ist der Wecker, Anreger zum höheren Leben, ist also nichts anderes als
Mein mächtiger Wille, der alles Geschaffene auf seiner Bahn weitertreibt.
[Lg.01_032,14] Wenn dein Philosoph sagt: Der
Wind trägt den gesuchten Geist im Bauche, so heißt dieses dann mit andern
Worten: Die hervorgebrachte Bewegung in der Luft, welche zum schnelleren
Stoffwechsel antreibt, diese Bewegung ist die Ausgebärerin des tätigen Lebens;
denn wie das lebende Tier und der Mensch (das weibliche Geschlecht) die
künftige Frucht im Bauche zur Auszeitigung trägt, so liegt auch in der Luft
alles zur weiteren Beförderung bereit, was bei einer schnelleren Bewegung,
schleunigerem Prozesse der Ausscheidung, als Wind oder Luftbewegung bemerkbar,
zur Entscheidung treibt. Es ist der Geist, den Ich in Meine Natur legte, welcher
alles anregend zersetzen und wieder neu schaffen muß.
[Lg.01_032,15] Und wenn die alten Alchimisten
von einem ewigen, nie zu vernichtenden Leben etwas ahnten, so war es nicht ihr
körperlich-irdisches Leben, sondern das Leben ihres in sie hineingelegten Geistes,
welches sie aber in ihren nächtlichen Einflüsterungen einer höheren Geisterwelt
nicht verstanden und falsch auslegten.
[Lg.01_032,16] Es ist der Erde Vater oder
Mutter nicht die Sonne noch der Mond, der Vater alles Geschaffenen bin Ich, und
die stets ausgebärende Mutter, die fortwährend schafft, antreibt, erhält und
neu kreiert (erschafft), ist Mein Wille, ausgedrückt durch alle Stoffe im
Äther, welche alle den Impuls in sich tragen, wie die Salze anzuregen, zu neuen
Formen zu zwingen, zu verkörpern und wieder als Salze zu zersetzen, und in
neuen Verbindungen sich dem geistigen Weltenbau zu nähern, aus dem sie kamen
und wohin sie, durch Meinen Willen getrieben, im Kreislauf wieder zurückkehren
müssen.
[Lg.01_032,17] Dieses, Mein Sohn, sind die
eigentlichen Träger Meiner Schöpfung gewesen und sind es noch.
[Lg.01_032,18] Es ist Mein Wille als werktätige
Kraft, die als Magnetismus anzieht, als Elektrizität abstößt, als Licht
anregt, als Wärme entwickelt, als Feuer zerstört, und endlich das durch die Salze
und Säuren Veränderte, als Allerwecker, wieder in neuen Formen, aber mehr
vergeistigt wie zuvor, einen anderen Zyklus von Schöpfungen durchzumachen
nötigt.
[Lg.01_032,19] Und was ist denn dein eigenes
Leben? Ist es etwas anderes?
[Lg.01_032,20] Sieh, Mein Kind, die
verschiedenen Verkettungen im Lebensweg sind die Salze, die Anreger, die
Wecker, sie reizen dich zu denken, zu fühlen, zu handeln.
[Lg.01_032,21] Sie zersetzen die durch die
Außenwelt aufgenommenen Eindrücke; es geht aus diesem Prozeß der Charakter oder
die eigentliche geistige Physiognomie (äußere Erscheinung) des Menschen hervor.
[Lg.01_032,22] Diese Erfahrungen treiben
deinen Geist weiter, läutern, entbinden und verknüpfen die Lebenseindrücke zu
einem Ganzen.
[Lg.01_032,23] Mein Wille als geistiger Wind
durchzieht deine Seele, gebärt dort neue Gedanken, neue Ideen aus, die dann, zu
Handlungen sich gestaltend, dich auf bessere Wege geleitet und so dir den Weg
zu Mir bedeutend abgekürzt haben.
[Lg.01_032,24] Das ist der Salpeter und das
Salz des Lebens, das du überall findest, auf Bergen und in Tälern, in Grotten
und auch bei dir zu Hause; es ist das anregende Prinzip der Verkettungen der
Umstände, wie in der ganzen Schöpfung das immerwährende Anziehen und Abstoßen
der gleichen und ungleichen Substanzen.
[Lg.01_032,25] So geht die Welt, und so gehst
auch du deiner Veränderung entgegen.
[Lg.01_032,26] Hier hast du mit wenigen
Worten deine, aus alten Büchern noch übriggebliebenen Nachklänge vergeistigt,
erläutert.
[Lg.01_032,27] Von jeher war es dem denkenden
Menschen ein Bedürfnis, nach dem Unbekannten zu forschen, und je weniger er es
erreichen oder entziffern konnte, desto mehr reizte es ihn, sei es im
materiellen, sei es im geistig-seelischen Fach.
[Lg.01_032,28] Daher stammen alle diese Verirrungen
des menschlichen Geistes, der auch heute noch nur bei wenigen ganz klar sieht
und seine Mission erkennt.
[Lg.01_032,29] Du, Mein Kind, bist nun aus
dem Dunkeln ins helle Licht gelangt, folge Meinen Lehren und Meinen Worten, und
du wirst, nicht mit dem Verstande, wohl aber mit dem Herzen aus der ganzen dich
umgebenden Natur herauslesen und erkennen, daß es dein Vater ist, der aus allen
Produkten und aus allen Winkeln deines Herzens dir zuruft: Es gibt nur einen
Gott, einen Schöpfer und einen Herrn, aber auch nur einen Vater, Der mit Seinem
Willen als allgemeines Lebenssalz alles erweckt, anregt und führt, damit es,
als aus dem geistigen Ich Seines Wesens Hervorgegangenes, einst wieder dorthin
zurückkehren könne! Amen!
33. Kapitel Freimaurer.
7. Mai 1870, empfangen durch G. Mhfr.
[Lg.01_033,01] Wollt ihr vielleicht wissen,
was die Freimaurer heutzutage sind, so betrachtet nur den jetzigen christlichen
Kirchenkult; seht, er ist auf Schein gerichtet, und so ist es auch bei den
jetzigen Freimaurern. In leere Zeremonien und Phrasen legen sie ihre
Hauptsache. Den Zweck, den Menschen zu helfen, schützen sie vor; denn obwohl
Könige und Kaiser und andere hochgestellte Personen ihre Mitglieder waren, so
könnt ihr aus dem Treiben derselben ersehen, ob ihnen die Rechte der Menschheit
wirklich so über alles am Herzen gelegen waren.
[Lg.01_033,02] Was Ich einst zu den Essäern
sagte, daß sie nichts im geheimen, sondern alles offen treiben sollten, das
sollte auch zu diesen heutigen Freimaurern gesagt werden. Bei ihnen gilt wohl
als Grundsatz: die Menschenrechte der Gleichberechtigung, alle sollen Brüder
sein; ja sie waren und sind es; aber nur in der Loge selbst, außer derselben
hört alle Gleichheit wieder auf, und der König ist wieder König, und der
Unbemittelte im Gegensatz zu ihm ein Nichts, indem er nur als ein Mittel zum
Zweck gebraucht wird.
[Lg.01_033,03] Wißt ihr, was die Freimaurerei
eigentlich sein sollte? selbst nach den Statuten der jetzigen
Gesellschaft, nichts anderes als die Repräsentanz der Ausübung Meines zweiten
Gebotes, der Nächstenliebe!
[Lg.01_033,04] Wie schön und wie erhaben wäre
es, wenn in diesem Sinne alle Freimaurer wären; aber nicht nur allein in ihren
Versammlungen, sondern während ihres ganzen Lebenslaufes, so wäre für Mein
Reich schon bei weitem das meiste gewonnen; allein, so lange es nur bei
Zeremonien bleibt, ist es eben, wie bei kirchlichen Zeremonien, auch meist
leeres Flitterwerk, dem zwar bei weitem Höheres zu Grunde liegt, wovon aber die
jetzigen Menschen, welche den Gebräuchen beiwohnen, weder von dem eigentlichen
Grunde etwas wissen, noch kaum je danach gehandelt haben!
[Lg.01_033,05] Seid auch ihr Freimaurer, aber
im edelsten Sinne des Wortes! Unterstützet die Armen als eure Brüder; was ihr
tut, tuet alles, als wenn es vor aller Augen geschähe, also offen, wenngleich
eure Tat im geheimen geschieht, es genügt, daß ihr euch nicht zu schämen habt
vor Meinem allsehenden Auge, das andere bekümmere euch wenig!
[Lg.01_033,06] Wenn ihr so die Mauern Meiner
Lehre aufbauet, frei und offen, daß jedermann es sehen kann; dann habt ihr das
Recht, den Titel Frei-Maurer eher zu tragen und zu verdienen, als
solche, die nur in gewissen Hand-Zeichen und sonstigen nichtssagenden Deutungen
ihre Brüderschaft einander zu erkennen geben!
[Lg.01_033,07] Folget so Meiner Lehre, und
Ich Selbst werde dann der erste Freimaurer und euer Präsident
(Meister vom Stuhl) sein, und dann werden wir in kurzem eine (segensreiche
Schutz-)Mauer der Wahrheit und der Liebe erbaut haben, die weder Zeit- noch
Elementar-, noch politische Ereignisse umstoßen können!
[Lg.01_033,08] Dies zur Aufklärung über
Freimaurerei und ihre Mitglieder, wie sie eigentlich sein sollten; aber eben
leider nicht sind; und somit genug davon für heute. Amen!