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Predigten des Herrn Empfangen vom Herrn durch Gottfried
Mayerhofer in Triest, 22. November 1871 Vorrede. [PH.01_000,01] Schon seit vielen
Jahren wird in den Kirchen an jedem Sonntag ein Evangelium aus der Geschichte
Meines Erdenwandels den Besuchern vorgelesen und, je nach dem geistigen
Standpunkt des Predigers, den Zuhörern erklärt. [PH.01_000,02] Die Zeit naht heran, da
in dem ganzen christlichen Kultus eine Reform vorgenommen und vielleicht das
meiste, von den bisher ausgeübten Gebräuchen und Zeremonien ausgemerzt wird,
daß bei den Zusammenkünften einer christlichen Gemeinde nur die Predigt oder
die Erklärung Meines euch hinterlassenen Evangeliums übrigbleibt. Ich will
daher durch Meinen Schreiber allen jetzigen und künftigen echten Nachfolgern
und Verehrern Meines Worts eine Reihe von Bibeltexten aus dem Neuen Testament
näher erklären, wie sie eigentlich im innersten Sinn verstanden werden sollen
– wie sie aber bis jetzt noch von niemand ausgelegt und erklärt wurden –,
damit nicht falsche und irrige Auslegung zu Abgötterei und Anbetung von
Dingen führt, die höchstens verehrt, aber nicht angebetet werden sollten. [PH.01_000,03] Diese Reihe von Stellen
aus den Evangelien, welche euch Meine Worte wieder ins Gedächtnis rufen,
sollen so dargelegt werden, wie sie für euren Erdenwandel zutreffen, und
sollen euch nebenbei zeigen, wie diese Worte – vor beinahe zweitausend Jahren
gesprochen – in Erfüllung gehen; denn schon dort sagte Ich: „Die Welt und
alles, was darauf steht, wird vergehen, doch Meine Worte werden ewiglich
bleiben!“ Amen. 1. Predigt – Am 1. Advent. Die Zeichen der Zukunft. [PH.01_001] Luk.21,25-26: Und es
werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen; und auf Erden wird den
Leuten bange sein, und sie werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen
werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor
Warten der Dinge, die auf Erden kommen sollen; denn auch der Himmel Kräfte
werden sich bewegen. 23. November
1871 [PH.01_001,01] Dieses ist der erste
Evangelientext, mit welchem gewöhnlich das Kirchenjahr seinen Anfang nimmt.
Er wird alle Jahre den Gläubigen in der Kirche vorgelesen, alle Jahre erklärt
– so oder so –, wie es dem Prediger gerade zu seinem Zweck paßt. Wenn auch
mancher von Zeichen und Wundern spricht, so wissen doch wenige von ihnen,
worin diese Zeichen bestehen und auf welche Art sie die künftige Zeit
verkünden werden. Die meisten Prediger nehmen ihre Erklärungen für den Text
aus dem politischen Staatenleben und wollen so Geistiges durch Weltliches
erläutern. Das ist ein ebenso eitler Versuch, als wollte man die geistige
Welt durch die materielle erklären, während das Umgekehrte geschehen sollte,
sind doch die weltlichen Ereignisse eine Folge von geistigen Umwälzungen. [PH.01_001,02] Seht, Meine Kinder, als
Ich in jener Zeit von den Zeichen sprach und den Juden die Zerstörung ihres
Tempels voraussagte, glaubten wenige von ihnen Meiner Aussage, weil sie Mich
nicht kannten. Jetzt, da Ich euch das nämliche zurufe, gibt es ebenso viele
Zweifler und Ungläubige, die die Zeichen von woandersher erwarten, als von wo
sie wirklich kommen werden. [PH.01_001,03] In jener Zeit sagte Ich
den Untergang des Tempels von Jerusalem und das Aufhören des jüdischen
Stammes als selbständiges Volk voraus. Ich sagte ihnen voraus, daß die Art
und Weise, wie sie ihre Religionsgesetze beachten, gerade das Entgegengesetzte
von dem sei, was Moses und die Propheten ihnen geben wollten, und daß dieser
Art der Anschauung und werktätigen Ausübung ein Ende gemacht werden müßte,
eben durch die eigentliche Auslegung, wegen der Ich gekommen bin und auch
Mein Leben für diese Lehre gelassen habe. [PH.01_001,04] Sie wollten sich nicht
von dem längst als Glauben oder Religion Angewöhnten trennen. Für sie galt
der Tempel zu Jerusalem als Repräsentant des geistigen Religionsgebäudes. Da
es aber in diesem Tempel so heillos zuging, und die Religion so gepredigt und
ausgeübt wurde, wie es den Interessen der Priester und Pharisäer angemessen
war, mußte, sollte die Menschheit nicht im Sumpfwasser ihrer schlechtesten
Leidenschaften verfaulen, dieser materielle Tempel fallen. Erst auf seinen
Ruinen konnte ein anderer, geistiger, ewig dauernder Tempel erbaut werden, zu
dem Ich während Meines Erdenlebens den Grundstein gelegt habe. [PH.01_001,05] Schon von damals an,
sowie nach Meinem Heimgang bis zu Meiner nächsten Wiederkunft fehlte und
fehlt es nicht an Zeichen der Mahnung zur Umkehr; allein immer schien es
nicht an der Zeit, den jetzigen Tempel – nämlich Rom und seine Wirtschaft –
zu zerstören. Wenn auch vielen Menschen in besseren Augenblicken ein
Lichtstrahl der Zukunft das Herz erleuchtete, – in Rom blieb es finster, und
statt heller wurde es immer finsterer. [PH.01_001,06] Was einst in Jerusalem
geschah, wo die bewaffnete Macht der Römer lange Zeit die Religion der Juden
und ihre Gebräuche achtete und sie gewähren ließ, das geschah auch bis auf
den heutigen Tag, wo die Machthaber mit dem Schwert in der Hand dem Unfug in
Rom, wenngleich sie ihn kannten, nicht steuern wollten, sondern ihn zu ihrem
eigenen Interesse ausbeuteten. Allein, wie einst die Juden durch ihren
Übermut und ihre Empörungssucht den Fall des Tempels und den Ruin ihrer
eigenen Existenz herbeiführten, so wird auch jetzt das Gebäude des Unfehlbaren
auf Petri Stuhl in Rom durch Übermut und Blindheit seiner eigenen Mithelfer
fallen und wieder wie einst Meiner Lehre Platz machen müssen. [PH.01_001,07] Was bei Meiner ersten
Darniederkunft als Mensch geschah, wird sich wieder ereignen. Es werden
Zeichen geschehen. Wohl denen, die sie verstehen und sie zu ihrem eigenen und
dem Besten der Mitmenschen benutzen werden! [PH.01_001,08] Das Vorausgesagte wird,
im geistigen Sinn, mit ebendiesen Symptomen beginnen – und hat eigentlich
schon längst seinen Anfang genommen –, wie einst während Meines irdischen
Erdenwandels. Kriege und Empörungen, Verfolgungen Meiner Anhänger,
ängstliches Bangen der Dinge wegen, die da kommen würden, Krankheiten aller
Art, waren die Vorboten in jenen Zeiten; und auch jetzt werden sie nicht
fehlen. Nicht aber, daß Ich sie schickte, sondern dieses Schicksal bereiten
sich die Menschen nur selbst durch ihr Nichtverstehen Meiner göttlichen
Worte, die stets die gleichen bleiben werden. Auch jetzt weht der Wind der
geistigen Freiheit und durchdringt alle menschlichen Herzen. Die schon längst
mit Füßen getretenen Menschenrechte wollen sich Geltung verschaffen, wollen
geachtet und nicht, wie schon seit mehr als tausend Jahren, nur von einer
Sekte oder Kaste – nämlich der stärkeren – mit Füßen getreten sein. [PH.01_001,09] Man sagt auch: ,Der
Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird!‘ Nun, die geistlichen und weltlichen
Machthaber haben den Wurm lange genug getreten, wollten sich denselben ganz
untertänig und botmäßig machen und die menschliche Würde erst bei sich
anfangen lassen. Zuviel schadet! Und so ist, nachdem sie den Bogen zu sehr
gespannt haben, das Reißen nahe. Sie fühlen es wohl; daher ihre Angst, ihre
Suche nach Mitteln, selbem zu steuern. Aber umsonst! Wie einst zu Jerusalem,
so graben sich diese Machthaber selbst die Grube, in welche sie eigentlich
andere hineinwerfen wollten. [PH.01_001,10] Damals riet Ich Meinen
wenigen Anhängern, mäßig zu sein, ihre Seelen und Körper rein zu halten und
nicht zu schlechten Handlungen zu mißbrauchen, damit sie gereinigt vor dem
Menschensohne stehen können, wenn Er kommen wird. [PH.01_001,11] Und jetzt gilt derselbe
Mahnruf: Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet! Haltet euch
rein, stärkt euch mit dem Glauben an Meine Liebe und an Meine göttliche
Fürsorge, die, wenn sie auch das Schrecklichste zuläßt, doch nie die strafen
wird, welche Meiner Lehre mit kindlichem Gemüt angehangen und mit gläubigem
Eifer danach tätig waren. [PH.01_001,12] Die Zeichen der Zeit
werden dann spurlos an euch vorübergehen, wenn ihr euern Körper auf wenige
leibliche Bedürfnisse habt beschränken lernen, aber desto mehr auf das
Aufbauen eures geistigen Seelenmenschen bedacht seid. Sodann werdet ihr wie
einst in jenen Zeiten Meine Anhänger ein Halleluja ertönen lassen, auch über
rauchenden Trümmern weltlichen Glanzes und über Schlachtfeldern, wo zwar die
Materie erlegen, jedoch der Geist frei geworden ist, zum Zeichen Meiner
Größe, Meiner Liebe und Erbarmung. Amen. 2. Predigt – Am 2. Advent. Die Anfrage des Johannes. [PH.01_002] Matth.11,2-6. 27-30: Da
aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger
zwei und ließ ihm sagen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines
andern warten?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Gehet hin und saget
Johannes wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die Lahmen
gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf
und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an
mir ärgert!“ – Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand
kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der
Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr
mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Nehmet auf euch mein Joch
und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet
ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist
leicht. 4. Dezember 1871 [PH.01_002,01] Als in jener Zeit
Johannes im Gefängnis saß, schickte er einige seiner Jünger zu Mir, und ließ
Mich fragen, ob Ich derjenige sei, welcher als der verheißene Messias kommen
solle, um die Völker von ihrem materiellen Druck zu befreien und sie zur
geistigen Würde zu erheben, deretwegen die Menschen eigentlich geschaffen
wurden, – oder ob er auf einen andern warten solle. [PH.01_002,02] Diese Frage, ob Ich
eigentlich derjenige sei, von dem die Propheten weissagten, ist auch jetzt
wieder in den Gemütern, die nicht recht im klaren mit sich selbst sind,
aufgetaucht. Sie haben wohl eine leise Ahnung von einem künftigen geistigen Zustand,
der die alten herkömmlichen Religionsgewohnheiten zum Teil vernichten wird
und zum Teil auf ihr rechtes Maß zurückführen soll. [PH.01_002,03] Deswegen schicken auch
sie ihre Jünger und lassen fragen: „Bist Du derjenige, der da kommen soll,
oder müssen wir auf einen andern warten?“ [PH.01_002,04] Diese Jünger oder
Anhänger der eigentlichen, wahren Religionslehre sind noch befangen von den
ihnen von Jugend an eingeprägten Religionsgrundsätzen, die nicht immer Meine
Lehre ins rechte Licht stellten und, vermischt mit Gebräuchen, den Gläubigen
stets zum Schwanken brachten. [PH.01_002,05] Diese Jünger oder
Männer, welche sich an die Spitze der Religions- und Glaubensbewegungen
gestellt haben, sind noch nicht frei von Vorurteilen. Sie fragen in ihrem
Innern bei Mir an: ,Handeln wir so recht oder nicht?‘ Und Ich, der Ich jetzt
durch Meine Knechte die Lehre, wie Ich sie einst gab, wiedergegeben habe, und
noch fortwährend erläutere, sage ihnen: Seht Meine Taten; seht Meine Kinder,
wie sie die Gottes- und Menschenliebe auffassen; seht, welche Willenskraft in
einzelnen Wunder wirkt, nicht wie einst durch Meine eigene Hand, aber doch
so, daß sie in vielen Fällen eure Gelehrten und Doktoren zuschanden machen
werden. [PH.01_002,06] Auch damals sagte Ich:
„Ihr seid wie die Kinder! Ihr habt gepfiffen, und eure Gespielen wollten
nicht tanzen; ihr habt geklagt, und sie wollten nicht weinen!“ Und jetzt sage
Ich wieder: ,Ihr Unmündigen glaubt und hofft, die Menschen werden euren
Führern folgen, und ihr werdet das Gegenteil sehen! Ihr Menschen nebst euren
Führern werdet klagen und doch niemandem Tränen entlocken oder Mitleid
erwecken können!‘ [PH.01_002,07] Ja, wie einst, so ist
es auch jetzt und wird es stets sein: Dem Himmelreich muß Gewalt angetan
werden! Es muß mit Gewalt der alte Adam verdrängt und mit festem Willen der
neue angezogen werden, sonst ist alles Reformierenwollen umsonst. Mittelwege
einschlagen und teilweise Meine Lehre, teilweise Gebräuche veralteter
Institutionen gebrauchen wollen, geht nicht an. Ich bin ein Geist, und wer
Mich anbeten will, muß Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten. Mit
Wahrheit anbeten heißt: mit unerschütterlichem Vertrauen – mit Gewalt! Und
wer mit Gewalt den Himmel ergreift, dessen Eigentum wird er auch sein. [PH.01_002,08] Die Menschen von damals
und die Menschen von heute hatten und haben eine irrige Idee von Johannes,
Meinem Vorgänger, und von Mir selbst. Johannes glaubten sie zu finden, wie
sie selbst waren, nach ihren weltlichen Begriffen. Mich stellten sie sich
ebenfalls vor als einen die weltlichen Verhältnisse Verbessernden. Jedem
Vorgänger und ernsten Kämpfer für Meine Lehre wird es ergehen wie dem
Johannes; er wird ebensowenig begriffen werden wie Ich, der Ich schon in dieser
Meiner Lehre mehrere Jahre hindurch unter euch weile, mittelbar und unmittelbar
Mich euch kundgebend durch Meine Schreiber und Knechte. [PH.01_002,09] Überall möchten die
Menschen, wenn sie auch von Meiner Lehre etwas wissen oder neuerdings
erfahren, dieselbe dem Leben so anpassen, daß es keiner Aufopferung, keiner
Verleugnung bedarf, um Meine Jünger, Meine Kinder zu werden. [PH.01_002,10] Was Ich einst über die
Stadt Judas sagte, gilt auch heute noch für die großen Hauptstädte eurer
Erde. Dort, wo die größte Aufklärung walten sollte, herrscht die größte
Finsternis, und in jenen Städten, wo Ich Mich den Menschen direkt kundgebe,
dort nimmt man am wenigsten Notiz von Mir, wie einst in Kana, wo Ich das
erste öffentliche Wunder wirkte. [PH.01_002,11] Ihr seht, daß ein
Jahrtausend verflossen ist, aber die Menschen stets die nämlichen geblieben
sind. [PH.01_002,12] Einst sagte Ich: „Mich,
den Sohn, kennt nur der Vater, und den Vater kennt allein der Sohn.“ Und auch
jetzt muß Ich leider ebenfalls sagen: ,Mich, die mit Weisheit tätige Liebe,
kennt nur allein die Gottesliebe im höchsten Sinn.‘ [PH.01_002,13] Die Menschen möchten
Mich finden, doch verstehen sie nicht zu suchen. Noch sind Führer und
Geführte befangen, noch hängt ihnen, wie einst Moses, eine dreifache Decke
über den Augen, und wenn Ich sie auch lüften möchte, wenn Ich auch rufe:
„Kommet her, ihr alle, die ihr beladen seid, auf daß Ich euch erquicke!“, so
verstehen sie diesen Ruf nicht. Sie kennen des Hirten Stimme noch nicht, sie
sind verirrte Schafe, die erst nach langem Herumtappen im Finstern zum Licht
der Liebe, der Wahrheit und des freien Bewußtseins gelangen werden. [PH.01_002,14] Auch jetzt wird es so
sein, wie Ich einst sagte: „Den Hochmütigen wird vorenthalten werden, was den
Unmündigen, mit dem Herzen Suchenden geoffenbart wird!“ [PH.01_002,15] Alle Reformer, die sich
jetzt an die Spitze der Gläubigen gestellt haben, welche ein besseres
geistiges Los ahnen, werden so manches von ihren Lieblingsansichten fahren
lassen müssen wie ihre Nachfolger. Sie werden noch manches Bittere
durchzumachen haben, bis sie Mein Wort von damals begreifen, welches heißt:
„Mein Joch ist sanft, und Meine Bürde ist leicht!“ Lernt von Mir die Demut,
die Sanftmut und die Nächstenliebe oder in religiöser Hinsicht die Toleranz,
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele und auch fähig werden, anderen diese
Ruhe zu geben, die ihnen jetzt noch mangelt. [PH.01_002,16] So wie dort vor Meinen
Lehrjahren sich alle diese Ereignisse zutrugen und Johannes als Vorläufer in
der Wüste predigte, so ist es auch jetzt, ehe Mein wirkliches Darniederkommen
erfolgt. Meine direkte Kundgebung an einzelne ist wieder Mein Vorläufer. [PH.01_002,17] Der geistige Wind
bläst. Er kommt von Meinen Himmeln, um eure mit allerlei schlechten Dünsten
geschwängerte geistige Luft zu reinigen. Dieser geistige Wind ist der
Erwecker, Läuterer und Träger einer neuen Ära, damit die Menschheit ihrem
geistigen Ziele nähergebracht werde und endlich begreife, was Religion im
geistigen Sinne bedeutet, was es heißt: Mich im Geist und in der Wahrheit
anbeten. [PH.01_002,18] Noch immer klammern
sich die Menschen an Zeremonien und Gebräuche, – ein Zeichen, daß sie selbst
noch sehr materiell sind, nur Materielles wünschen und verstehen. [PH.01_002,19] Wenn die Menschen erst
geistig gebildet sein werden, wenn sie erkennen werden, daß Ich als Geist
kein materielles Mittel brauche, um von ihnen verstanden zu werden, wenn sie
einsehen werden, was eigentlich Geist und geistige Bildung heißt, dann werden
sie begreifen, wie weit sie vom rechten Weg abgekommen sind. Sie nötigten
Mich zu dem Ausruf, daß nur Ich als Sohn den Vater kenne und Er Mich. Dabei
lehrte Ich einst körperlich auf Erden, wie diese Erkenntnis auch euch
Menschen, die ihr doch alle einen Funken Meines göttlichen Ichs in eurem Herzen
tragt, welcher euch stets zur Vereinigung mit Mir antreibt, gegeben werden könne. [PH.01_002,20] Alle diese nun folgenden
Erklärungen der im christlichen Kirchenjahr festgesetzten Sonntagsevangelien
werden euch zeigen, wie die geistige Bildung der Menschheit stufenartig nach
und nach vor sich geht. Die Erklärungen werden euch zeigen, wie ihr selbst,
schon längst in diesem geistigen Strom mit fortgerissen, dem Weg der
Aufklärung entgegengeht, um das zu werden, wozu Ich euch geschaffen, erzogen
und bestimmt habe. [PH.01_002,21] Wacht auf, Meine
Kinder! Verschließt eure Ohren nicht den Worten des Predigers in der Wüste,
den Diktaten, die Ich euch in solcher Fülle schicke! Wacht auf, und höret die
himmlischen Harmonien, die von oben herabgesandt werden, um euch zu beweisen,
daß ihr – geistigen Ursprungs – ein anderes Ziel und eine andere Aufgabe
habt, als nur im Weltlichen zu leben! [PH.01_002,22] Es bläst der geistige
Wind und durchzieht alle Herzen; und wenn auch Tausende sein Tönen nicht
verstehen, so seid doch ihr nicht taub, die ihr seine Bewegung und seinen
Zweck deuten könnt! Wacht auf, werft das Weltliche weit hinter euch! Ihr seid
Geister, Bewohner einer andern, größeren, unendlichen, ewigen Welt! Vergeßt
nicht, daß dieses Erdenleben, das so flüchtig an euch vorübereilt, ein
Probe-, ein Prüfungsleben ist! Der größere, ja größte Teil harrt euer dort,
wo ewig keine Sonne mehr untergeht, wo die Nacht verbannt ist und nur Licht,
gleichbedeutend mit Liebe, als Erreger das ganze himmlische Gebiet
durchdringt. [PH.01_002,23] Laßt euch raten, jene
Worte des Evangeliums, die Ich einst vor mehr als tausend Jahren
ausgesprochen habe, in ihrem höchsten, geistigen Sinne zu deuten und zu
fassen! Sie enthalten Meine ganze Vaterliebe zu Meinen Kindern. [PH.01_002,24] Schon damals wollte Ich
dem Judenvolk beweisen, welche Liebe ein Schöpfer als Vater haben kann und
auch haben muß; allein sie verstanden Mich nicht. Und jetzt – leider muß Ich
es bekennen –, jetzt verstehen Mich die Menschen im ganzen noch weniger. [PH.01_002,25] Einst rief Ich ihnen
zu: „Mein Joch ist sanft!“, – und heute sage Ich es wieder: ,Wie kann denn
ein Joch der Liebe anders sein als sanft, wie die Last leichter, als wenn
Liebe sie tragen hilft?‘ [PH.01_002,26] Begreift es wohl! Laßt
die Welt, sie kann euch nur auf Augenblicke ergötzen, nie aber auf die Länge
befriedigen; denn mit dem Besitz eines weltlichen Gutes hört die Hoffnung
auf, es zu erlangen! Nicht aber so im Geistigen! [PH.01_002,27] Mein Reich ist
unendlich. Der geistige Besitz hat keine Grenzen und keine Schranken; daher
ist das ewige Fortschreiten möglich. Mit jeder Stufe ist ein größerer Genuß,
mit jeder Stufe größere Kraft und größere Fähigkeit zu erreichen. [PH.01_002,28] Während im Weltlichen
immer erst Verhältnisse und Umstände zusammentreffen müssen, um ein
Erwünschtes zu erreichen, bietet der geistige Fortschritt immer Gelegenheit,
vorwärtszugehen. Während im Weltlichen das meiste von andern abhängt, ist im
Geistigen euer Inneres die größte Fundgrube, wo alle Schätze einer
unendlichen, geistigen Welt verborgen liegen. Es ist euer Inneres, worin Ich
Mich als Vater, als Sohn und als höchster Geist kundgeben kann, von welcher
Kundgebung euer Friede und eure Ruhe abhängt, und wodurch ihr sodann alle
Mißhelligkeiten des Lebens nicht als Strafen, sondern nur als weise und
nötige Prüfungen ansehen lernt und den Satz erst ganz begreifen werdet:
„Kommet her zu Mir, die ihr beladen seid!“ Die Liebe, die ewige, unendliche
Liebe eines himmlischen Vaters hat euch diese Last zwar aufgeladen, – aber Er
hilft sie euch auch tragen. [PH.01_002,29] Die Leiden und
Mißgeschicke des menschlichen Lebens sind dann keine Plagen, sondern nur
Segnungen eines Vaters, der Seine Kinder nicht zu weltlichen Herren, sondern
zu geistigen Vorkämpfern Seiner Liebelehre hier und einst in jenem Reich ohne
Ende machen möchte. [PH.01_002,30] Dies nehmt alles wohl
zu Herzen! Das Endresultat wird euch gewiß beweisen, was am Ende des
Evangeliums steht: „Denn Mein Joch ist sanft, und Meine Last ist leicht.“
(Matth.11,30) Amen. 3. Predigt – Am 3. Advent. Das Zeugnis des Johannes [PH.01_003] Joh.1,1-27: Im Anfang war
das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im
Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe
ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war
das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die
Finsternis hat's nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der
hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß
sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugte
von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen
erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist
durch dasselbe gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum
und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab
er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht
von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines
Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte
unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen
Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von ihm, ruft und
spricht: „Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der
vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. Und von seiner Fülle haben
wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben,
die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. Niemand hat Gott je
gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns
verkündigt.“ Und dies ist das Zeugnis des Johannes, da die Juden sandten von
Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: „Wer bist du?“ Und er
bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: „Ich bin nicht Christus!“ Und
sie fragten ihn: „Was denn? Bist du Elia?“ Er sprach: „Ich bin es nicht!“
„Bist du der Prophet?“ Und er antwortete: „Nein.“ Da sprachen sie zu ihm:
„Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was
sagst du von dir selbst?“ Er sprach: „Ich bin eine Stimme eines Predigers in
der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat!“ Und
die gesandt waren, die waren von den Pharisäern und fragten ihn: „Warum
taufst du denn, wenn du nicht Christus bist, noch Elia noch der Prophet?“
Johannes antwortete ihnen und sprach: „Ich taufe mit Wasser; aber er ist
mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der ist es, der nach mir
kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, dessen ich nicht wert bin, daß ich
seine Schuhriemen auflöse.“ 9. Dezember
1871 [PH.01_003,01] Dieses Evangelium
handelt von Johannes dem Täufer, der als Vorläufer und Prediger, Mir den Weg
bahnen und das Judenvolk auf Mein Kommen und Meine Lehre aufmerksam machen
sollte; daher seine Antworten an die Abgesandten vom Tempel, daher seine
Beteuerungen, daß er nicht Christus, noch Elias, noch ein Prophet sei, und
daß er nicht einmal wert sei, Mir die Schuhriemen aufzulösen. [PH.01_003,02] Johannes war sich in
diesem Punkt seiner Mission erstens wohl bewußt, und war zweitens unter den
Juden das einzige Beispiel der Demut, der Unterwürfigkeit unter Meinen
Willen. [PH.01_003,03] Der Evangelist Johannes
fängt sein Evangelium mit den Worten an: „Im Anfange war das Wort, und das
Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ [PH.01_003,04] Sehet, dieser erste
Satz aus dem Evangelium Meines Lieblings Johannes beweist euch, welche
Stellung Johannes unter seinen Brüdern sowie zu Mir eingenommen hat. Was
Johannes der Täufer durch seine materielle Taufe ausdrücken wollte, das sagt
geistig Mein Apostel, indem er offen bekennt, daß das Wort oder die Idee
Gottes zuerst die geistige Taufe über ihn ausgegossen und er am ehesten unter
allen seinen Mitaposteln die Tiefe Meines Geistes begriffen und verstanden hatte.
Er war der erste, der begriff, daß durch das Wort (Ausdruck einer Idee, eines
Gedankens oder Willens) die ganze Sichtbarkeit geschaffen, daß das Wort,
Leben verbreitend, Licht schuf, und eben dieses Licht in jener Zeit von wenigen
begriffen und verstanden wurde. [PH.01_003,05] Er, Mein Liebling, war
es, der zuerst mit dem Herzen auffaßte, was dem Verstand allein nicht
begreiflich ist und nur dem Leben und Licht gibt, der die Liebe hat, so wie
sie im Weltall von Mir verbreitet, gehalten und verlangt wird. [PH.01_003,06] Er liebte Mich im
Geiste, und die anderen Apostel verstanden Mich in der Wahrheit. Deswegen
seine ersten Ausrufe im Evangelium, die von Meiner Macht, Meiner Liebe,
Meiner Schöpfung zeugen, und wie Ich als Christus körperlich als Lehrer
auftrat, in Meinem Eigentum aber nicht er-, sondern verkannt wurde. [PH.01_003,07] Zu diesen Ausrufen, als
Zeugnis seines tiefen Verständnisses Meiner Lehre und Meiner Sendung, trugen
die Bekenntnisse seines Namensbruders Johannes des Täufers wesentlich bei,
der vor Mir hergesandt war, die Wege zu ebnen und das Judenvolk zur Aufnahme
Meiner Lehre vorzubereiten. [PH.01_003,08] Ein Schritt wie der
Meinige mußte vorbereitet werden. Wie den Blinden nach Erlangung ihrer
Sehkraft das Licht des Tages erst in Form des Zwielichts oder der Dämmerung
gezeigt wird, da sie den hellen Sonnenschein nicht gleich ertragen können, so
war auch Johannes der Täufer der Erwecker und Bearbeiter der Herzen, um sie
für Edleres empfänglich zu machen. Daher rief Johannes aus: „Einer wird kommen,
der schon vor mir gewesen ist!“ Er meinte damit das Wort, welches das ganze
Universum schuf. Dieses Wort oder die mächtige Willenskraft ist es, die sich
bewogen fühlte, sich in menschliche Form einzukleiden und körperlich
wesenhaft selbst, wie bei der Schöpfung einst das materielle, jetzt das
geistige Licht und Leben denen zu bringen, die im Finstern wandelten. [PH.01_003,09] Denn der Ausruf des
Johannes: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott!“ will soviel sagen
als: Im Anfang war Gott, der mächtige Schöpfer, welcher das Licht und Leben
verbreitete und durch die weiten Räume sandte, um Leben zu erwecken. Und
jetzt ist es in Christus derselbe Gott, der wieder Sein Wort als Licht durch
die weiten Räume des geistigen Universums sendet, um dort Licht, Liebe und
Leben zu verbreiten. [PH.01_003,10] Und wie der Morgenstern
der Vorläufer der Sonne ist, so war Johannes der Vorläufer und Wegbereiter
Christi. Johannes der Täufer erkannte seinen Herrn, als er Ihn zum ersten
Male sah; denn die innere Sehe war ihm gegeben, und er sah in der Gestalt
einer Taube (geistig das Sinnbild der Unschuld) die Verbindung Christi mit
der geistigen Welt. Johannes vollführte die äußere Taufe an Mir, während Ich
die innere an ihm vollzog. [PH.01_003,11] Auch seine Jünger erkannten
bald, wer der eigentliche Herr und wer der Diener sei; deswegen folgten sie
Mir und verließen Johannes. Und Nathanael, welchem Ich Dinge enthüllte, die
nur er allein zu wissen glaubte, ward durch dieses Zeugnis für Mich gewonnen.
Damals sprach Ich die prophetischen Worte: „Wahrlich, wahrlich, von nun an
werdet ihr den Himmel offen und die Engel Gottes herabfahren sehen auf das
Haupt des Menschensohnes!“ [PH.01_003,12] Alles, was in jenen
Zeiten, im Anfang Meiner Lehrjahre, Meiner geistigen Geburt, auf Erden
geschehen ist, wird sich jetzt wiederholen und wiederholt sich täglich. [PH.01_003,13] Auch jetzt gibt es
Johannesse als Täufer und Johannesse als Meine Lieblinge und Apostel; nur ist
die Art und Weise des Wirkens anders als damals. [PH.01_003,14] In jener Zeit galten
unter dem Judenvolk nur Moses und die Propheten. Es handelte sich darum, sie
nicht umzustoßen, sondern ihre Worte vor Verunglimpfungen zu bewahren, das
Erz von den Schlacken zu reinigen und zu beweisen, daß Ich als Christus
nichts Neues bringen, sondern nur geistig erklären und ins Leben übertragen
will, was wörtlich verstanden und aufgefaßt wurde. [PH.01_003,15] In jetziger Zeit aber,
als dem Vorabend Meiner zweiten und letzten Ankunft auf diesem Erdball, ist
die Kulturstufe der Menschen und ihr Verstandesleben ein ganz anderes als
einst in jener Zeit. Jetzt habe Ich es mit grübelnden Philosophen und
Stubengelehrten oder mit fanatischen Anhängern des Worts im materiellsten
Sinne zu tun, mit Menschen, denen das angenehme Weltleben zu sehr am Herzen
liegt, als daß sie sich einer Religion hingeben möchten, die statt Vergnügungen
und Ergötzlichkeiten – Aufopferung und Verleugnung von ihnen fordert. [PH.01_003,16] Auch jetzt komme Ich
wieder unter euch Menschen wie einst. ,Und das Licht kam in die Finsternis,
und die Finsternis begriff es nicht.‘ [PH.01_003,17] Schon seit langer Zeit
erschallen Stimmen, die zur Rückkehr, zur Einkehr ins Innere predigen; in
verschiedener Form und Rede wird der eingeschlafene Menschengeist geweckt.
Die Johannesse predigen aber auch heute wie einst meist nur tauben Ohren. [PH.01_003,18] Selbst die, welche sich
als Meine Stellvertreter auf dieser Erde eingesetzt haben, sind taub und oft
noch tauber als die andern, denen sie Meine Lehre einprägen wollen. Auch
jetzt, wie einst, fallen die Anhänger von diesen Führern ab und suchen das
Licht, suchen das Wort – als Ausdruck ihres Gottes –, suchen, was ihnen ihre
eigenen Führer nicht geben können. So entsteht der allgemeine Drang nach
Licht, nach geistigem Leben, nach Liebe, nach erwärmender und rechter geistiger
Lehre. So regt sich die geistige Tendenz trotz allen Widerstandes derjenigen,
die bis jetzt nur ein verzinsliches Kapital für sich daraus machen wollten.
So regt sich der Drang nach Freiheit des Denkens, nach geistiger Freiheit,
und obgleich nun die Aufgeklärten eurer Welt mit ihrem Verstandeslicht die
geistige Fackel, die über ihren Häuptern brennt, nicht sehen, so wird doch
bald die Dämmerung des wissenschaftlichen Lebens durch sie verdrängt werden,
und den Unmündigen wird sich klar zeigen, was den sich mündig Dünkenden bis
jetzt verhüllt blieb. [PH.01_003,19] Das Wort, welches im
Anfang Himmel und Erde schuf, wie Moses sich ausdrückte, das Wort als
tatsächliches Leben und Licht, ist es wieder, welches von oben herabströmend
euch Wärme und Liebe in die Herzen gießt. [PH.01_003,20] Am Anfang war das Wort,
und das Wort war Ich, und am Ende wird das Wort noch ewig forttönen und Ich
werde ewig fortdauern, Licht, Leben mit Liebe verbreitend, nicht die vom
Geblüt, nicht die vom Fleisch, sondern die vom Geist Mir ergebenen Kinder
beglückend und führend. [PH.01_003,21] Das Wort ward einst
Fleisch, und die damals Lebenden sahen Seine Herrlichkeit, aber erkannten sie
nicht; und das Wort wird wieder Fleisch werden, aber vergeistigtes Fleisch,
und wird von den Lebenden in Seiner Herrlichkeit erkannt und begriffen
werden, und von Seiner Fülle werden sie alle Gnade um Gnade nehmen. [PH.01_003,22] Wie Johannes einst mit
Wasser taufte, so wird jetzt mit dem Geist getauft. Ströme des Himmelswassers
ergießen sich auf die Herzen der Menschen, erweichen und erwecken manche;
viele aber bleiben unberührt, oder verstecken sich vor diesem Regen. [PH.01_003,23] Glücklich, wer noch für
das Wasser von oben ein empfängliches Herz hat, das aufwärtsgekehrt den
Einflüssen himmlischer Segnungen den Eingang nicht wehrt! Es wird sich auf
alle diese, wie sich einst auf Christus ein Strahl göttlichen Lichts gleich
einer Taube herniedersenkte, das göttliche Gnadenlicht von oben ergießen und
Ruhe und Frieden in ihren Herzen und in ihrer Umgebung verbreiten. [PH.01_003,24] Viele werden Mir als
eifrige Diener, wie einst Johannes der Täufer, und viele als Meine Lieblinge,
wie Johannes der Apostel, Meine Lehre verbreiten und lehren. [PH.01_003,25] Schon regt es sich. Wie
der leichte Wellenschlag am Ufer des Meeres der Vorbote von größeren Wellen
ist, so ist die jetzige religiöse Bewegung der erste Anfang einer noch
größeren, hervorgebracht von der Bewegung des geistigen Lebens, das, zwischen
Materie und Geist gleichsam eingeklemmt, sich den Ausweg schaffen will, indem
das Geistige die Eigenschaft hat, daß es sich auch zusammendrücken läßt und
bei zu großem Zwange die Fesseln zersprengt. [PH.01_003,26] Auch ihr, Meine Kinder,
die ihr berufen seid, durch eure Taten und Worte zu bezeugen, daß ihr
Wegweiser und Ebner der geistigen Lebensbahn seid, werdet oft gefragt werden:
„Wer seid ihr? Was wollt ihr eigentlich?“ Die Welt wird auch euch nicht
sogleich alles glauben, wie einst dem Johannes; aber seid getrost! Streut Samen
aus, gebt gern denen, die euch um Nahrung bitten, und es kümmere euch nicht,
wenn oftmals der ausgestreute Same nicht die Frucht bringt, die ihr wünscht!
Auch in einem Walde wachsen nicht alle Bäume gerade. Es gibt dort verkrüppelte,
krumme und schlechte; aber deswegen ist der Wald mit seinen Bäumen doch ein
Wald, der Tausenden lebender Wesen Schutz und Nahrung angedeihen läßt, und in
welchem selbst die mißratenen Gewächse und Bäume noch vielen Nutzen geben. So
auch im geistigen Wald der Menschenseelen! [PH.01_003,27] Johannes predigte für
viele vergebens, wie später Ich selbst, und doch gingen Meine Worte nicht
verloren, sondern werden ewig bestehen, teils weil Ich sie sprach, teils weil
Meine Worte unumstößliche Wahrheiten sind. [PH.01_003,28] Trachtet vorerst
danach, euch selbst zu reinigen, euch vom Weltlichen loszumachen, wie es
Johannes getan hat! Auch er fröhnte nicht dem Wohlleben des Fleisches, als
dem vergänglichen Kleid eines unvergänglichen, ewigen Geistes; nein, durch mäßige
Lebensart – nach dem Sinne jener Zeit – machte er den Körper bereit, dem
Geist und seiner Seele zu dienen. [PH.01_003,29] Und so sollt auch ihr
alles Überflüssige, was den Körper verweichlicht, vermeiden. Euer Augenmerk
soll darauf gerichtet sein, den Geist und die Seele zu kräftigen. Nicht der
Taufe mit materiellem, nein, mit geistigem Wasser sollt ihr euch bestreben,
würdig zu sein, damit ihr stets Größeres sehen, Größeres erleben und mit
geistiger Sehe die Gemeinschaft der Geisterwelt mit der materiellen Welt begreifen
lernt. [PH.01_003,30] Euer Trachten soll
dorthin gerichtet sein: im Geiste wiedergeboren zu werden. Dann braucht ihr
nicht wie einst die zwei Jünger Johannes des Täufers zu fragen: „Rabbi, wo
ist Deine Herberge?“; dann ist Meine Herberge in eurem Herzen. Dort bergt ihr
den Herrn, der vom Anfang her das Wort, das Licht, die Liebe und das Leben
war und dies alles denen verleihen wird, die sich mit geistigem Wasser zu
Seinen Kindern taufen lassen. Amen. 4. Predigt – Am 4. Advent. Die Bußpredigt Johannes des
Täufers. [PH.01_004] Luk.3,2-20: Als Hannas und
Kaiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes an Johannes, des
Zacharias Sohn, in der Wüste. Und er kam in alle Gegend um den Jordan und
predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie geschrieben steht
in dem Buch der Reden Jesajas, des Propheten, der da sagt: „Es ist eine
Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und machet
seine Steige richtig! Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel
sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was
uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland
Gottes sehen.“ Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß es sich von ihm
taufen ließe: „Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem
zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße
und nehmet euch nicht vor, zu sagen: ,Wir haben Abraham zum Vater!‘ Denn ich
sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist
schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Welcher Baum nicht gute Frucht
bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen!“ Und das Volk fragte ihn
und sprach: „Was sollen wir denn tun?“ Er antwortete und sprach zu ihnen: „Wer
zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch
also!“ Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu
ihm: „Meister, was sollen denn wir tun?“ Er sprach zu ihnen: „Fordert nicht
mehr, als gesetzt ist!“ Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen:
„Was sollen denn wir tun?“ Und er sprach zu ihnen: „Tut niemand Gewalt noch
Unrecht, und lasset euch genügen an eurem Solde!“ Als aber das Volk im Wahn
war und alle in ihren Herzen von Johannes dachten, ob er vielleicht Christus
wäre, antwortete Johannes und sprach zu allen: „Ich taufe euch mit Wasser; es
kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die
Riemen seiner Schuhe auflöse. Der wird euch mit dem heiligen Geist und mit
Feuer taufen! In dessen Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne
fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, und die Spreu wird er mit
ewigem Feuer verbrennen!“ Und viel anderes mehr ermahnte er das Volk und
verkündigte ihnen das Heil. Herodes aber, der Vierfürst, da er von ihm
gestraft ward um der Herodias willen, seines Bruders Weib, und um alles Übels
willen, das Herodes tat, legte über das alles Johannes gefangen. 10. Dezember
1871 [PH.01_004,01] Dieses Kapitel
behandelt eine Bußpredigt Johannes des Täufers, welche er am Jordan an die um
ihn versammelte Volksmenge hielt, mit welcher er die Juden für Den
vorbereiten wollte, dem – wie er sagte – er nicht wert sei, die Schuhriemen
aufzulösen. [PH.01_004,02] Ein jeder seiner
Zuhörer fragte den Johannes, was er in bezug auf seine Lebensweise, auf sein
Gewerbe oder seinen Stand zu tun habe; und allen gab er zur Antwort: ,Das
Gesetz der Nächstenliebe!‘, das er ausdrückte in Worten, wie sie gerade zu
den Fragen paßten. [PH.01_004,03] Was damals Johannes
getan und gepredigt hat, das tue auch Ich schon seit langer Zeit. Auch Ich
mahne die Menschheit mit verschiedenen Mitteln, Worten und Ereignissen zur
Umkehr. Wie dort die Ankunft des eigentlichen Lehrers vorausgesagt und
vorbereitet wurde, so geschieht es auch jetzt schon seit längerer Zeit, als
Vorbereitung zu Meiner nächsten Wiederkunft. So wie die Juden damals dachten
und handelten, waren sie nicht geeignet, Meine Lehre richtig aufzunehmen und
zu fassen. Und wie die Menschen heute sind, da sie noch mehr im Schlamme des
Eigennutzes vergraben liegen, ist es noch dringender, sie zu wecken und zu
mahnen. Die Zeit zum Überlegen, was man eigentlich tun solle, oder wohin man
sich wenden möchte, ist kurz bemessen. Wie dem Schlafenden die Zeit seines
Traumlebens schnell entschwindet und Stunden wie Minuten vorüberfliehen,
ebenso eilt die Zeit mit Sturmesflügeln dahin für den, welcher so ohne
Nachdenken in den Tag hineinlebt. Daher die Ereignisse, Krankheiten, drohende
soziale Umwälzungen, welche nötig sind, um die so fest im Weltschlaf
versunkene Menschheit aus ihrer Trägheit aufzurütteln. [PH.01_004,04] Damals schon sagte
Johannes: „Der, welcher nach mir kommt, hat schon die Wurfschaufel in der
Hand, um auf der Tenne das Korn von der Spreu zu säubern.“ Und jetzt, da ihr
Maschinen erfunden habt, die mittels starker Luftbewegung das Getreide
säubern, jetzt brauche auch Ich statt der Wurfschaufel geschwindere Mittel,
um zu Meinem Zweck zu gelangen und die Gutwilligen von den Saumseligen und
Trägen zu scheiden. Schon dreht sich das Schaufelrad in Meiner geistigen
Wind- und Getreidesäuberungsmühle. Wirbelnd regt es die Massen auf, weit von
sich schleudernd das leichte, schalenartige Gesindel, welches gegen jede
Mahnung taub der Welt und ihren Freuden huldigt. Und wie Johannes einst
selbst des Herodes, des Vierfürsten von Galiläa, Lebenswandel rügte, ebenso
rügt auch jetzt die Volksmeinung die ehrgeizigen Pläne so mancher Herrscher.
Damals ließ Herodes den Johannes einsperren; jetzt möchten die Herrscher
ebenfalls die Zungen hemmen und dem Volk die Gedanken aus dem Kopfe treiben.
Allein das wäre jetzt – wie einst – vergebliche Mühe! Das Wort, der geistige
Träger Meines Willens, ist weit mächtiger als Waffen und Zwang. Es überschreitet
als körperloses Wesen die Schranken der materiellen Welt und regiert im
Geistigen alles, da Ich das Wort selbst bin. [PH.01_004,05] Dort hörte das Volk den
Johannes an; aber sobald es auf Verleugnung und Aufopferung ankam, wandte es
ihm den Rücken, wie einst der reiche Jüngling Mir. Und jetzt lacht die
größere Anzahl der Menschen auch über die, denen Ich Meine Lehre direkt
kundgebe. Hohnlächelnd blicken sie auf solche herab, sich mit ihrem
Weltverstand bei weitem gescheiter dünkend als jene mit ihrer Herzenssprache. [PH.01_004,06] Arme, verirrte Kinder!
Es wird eine Zeit heranrücken, wo all euer Weisheitskram nicht ausreichen
wird, euch einen Trost oder auch nur Ruhe zu geben. Bei den Ereignissen, die
über euch hereinbrechen, werdet ihr zwischen zwei Welten stehen und Gott und
euer Schicksal der Grausamkeit anklagen, weil die materielle Welt euch mit
Hohn zurückstoßen und die geistige euch nicht aufnehmen wird. [PH.01_004,07] Solche Seelen-Qualen
ahnte schon damals Johannes. Er wollte das Judenvolk wecken und zur Umkehr
antreiben; und heute, wo schon beinahe alle edlen Eigenschaften der
menschlichen Natur zu Grabe getragen wurden und nur der Egoismus mit all
seinen Eigenschaften herrscht, ergeht dieser Mahnruf wieder, bekräftigt mit
Unglücksfällen und Drangsalen, um mit Gewalt das zu erreichen, was mit Milde
bei der größeren Masse der Menschheit bis jetzt ohne Erfolg geblieben ist. [PH.01_004,08] Damals unterzog sogar
Ich Mich als Jesus der äußeren Taufe mit Wasser; jetzt sollt ihr euch
freiwillig der geistigen, unsichtbaren Taufe mit Meinem Geist unterziehen. In
jener Zeit strömte das göttliche Licht in Form einer Taube über Meinem Haupt,
Meine Abkunft, Meinen früheren und Meinen künftigen Wohnort bezeichnend. O
Kinder, tut jetzt, soviel euch möglich ist, auf daß die Ströme des Lichts und
der Gnade von oben nicht umsonst auf euch ergossen werden! Zeigt euch würdig
eurer Abkunft und eurer künftigen Bestimmung! Wie dort einst die Stimme ertönte:
„Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe!“, so möge
jetzt über eurem Haupt und in eurer Brust die nämliche Stimme ertönen, welche
euch versichert, daß ihr auf dem rechten Weg seid, Meine Kinder zu werden. [PH.01_004,09] Dort sprach Johannes:
„Wer zwei Röcke hat, der gebe einen weg, wer viel Speise hat, der teile sie
mit den Bedürftigen; wer etwas zu verlangen hat, der fordere nicht mehr, als
rechtens ist!“ All diese Beispiele sagen mit anderen Worten: Seid mildtätig,
seid gerecht, wie es euer Vater im Himmel ist! Gebet, damit auch euch
gegeben, – vergebet, damit auch euch vergeben wird! [PH.01_004,10] Laßt euch nicht betören
durch den Schein der Welt mit ihren Gütern! Es naht die Zeit, wo ihr alles
zurücklassen müßt und euch nur die Güter bleiben, die ihr im Innern errungen
habt, und die weder Pest noch Krieg, weder Bedrängnis noch der Tod rauben
kann. [PH.01_004,11] Laßt die sich gelehrt
Dünkenden mit ihrer Scheinweisheit! Ihre Zeit des Triumphs ist kurz. Folgt
Meinem Rat, Meinem Mahnruf, der nicht, wie des Johannes Bußpredigt, euch als
Otterngezücht, sondern als Meine Kinder betitelt, die Ich euch einst nach
Meinem Ebenbild geschaffen und wieder zu diesem Ebenbild neu gestalten will!
Damals war die äußere Gestalt mit der des Geistes eins, heutzutage ist wohl
äußerlich noch die Ähnlichkeit der schon längst verschwundenen paradiesischen
Schönheit in entfernter Form geblieben, aber die Seele, als Tempel und Sitz
Meines Gottesfunkens, ist zum Zerrbild geworden. Dieser Zwiespalt kann nach
Meinen Gesetzen nicht geduldet werden, und es muß das Innere zum Äußeren
wieder in Harmonie gebracht werden. Wenn ihr auch die äußere Hülle, auf
welcher die Leidenschaften ihre Spuren zurückgelassen haben, nicht mehr
ändern könnt, so trachtet doch wenigstens aus allen Kräften danach, den
inneren Geistmenschen wieder dem Urbild nachzubilden; denn es gibt kein schöneres,
größeres und geistigeres Vorbild in der Schöpfung. Es ist jenes Bild, von dem
jedes erschaffene Wesen mehr oder weniger als Abdruck gestaltet ist, und von
dem ihr, als letzter Ausdruck der ganzen materiellen und geistigen Schöpfung,
die Form in euch tragt, jenes Urbild, – das nicht allein euer Schöpfer und
Herr, sondern auch euer Vater sein will, der euch mit unerbittlicher Strenge
und Willenskraft Gesetze vorschreiben und euch entweder göttlich belohnen
oder unerbittlich vernichtend strafen könnte, aber statt Strafe nur Verzeihung
und Versöhnung, nur Liebe will. [PH.01_004,12] In jener Zeit war ein
Vorläufer nötig, der die Menschen auf Meine Ankunft vorbereitete; jetzt bin
Ich es selbst, der euch die Friedenshand entgegenstreckt, um euch hilfreich in
den Bedrängnissen zu leiten, welche nach und nach über die Menschheit
hereinbrechen werden, weil sie zu halsstarrig ist. Verstoßt diese Hand nicht;
denn ihr findet keine stärkere, keine kräftigere! Jeder menschliche Arm ist
zu kurz, nur der Meine reicht für alle Entfernungen und erreicht den
Flehenden selbst weit über jene Räume hinaus, in denen der letzte Stern seine
Strahlen verbreitet und das ewige Geisterreich seinen Anfang nimmt. Auch dort
noch ist es dieselbe Hand, die den Liebenden an sich zieht und ihn leitet. [PH.01_004,13] Hört auf die Stimme,
die, wie einst in der Wüste, euch auch jetzt in der Wüste des Welttreibens
zuruft: ,Vergeßt Den nicht, der über den Sternen Seinen Sitz hat, ihn aber
auch ebenso in jedes Menschen Brust haben möchte!‘ Johannes predigte in der
Wüste. Er tat dies absichtlich, weil die Wüste, in der alles vegetative Leben
aufgehört hat, den Zuhörern keine Ablenkung gab. Jetzt predige Ich euch in
der Wüste des geistigen Lebens, das – infolge des überheblichen
Menschenverstandes – leer geworden ist von allem, was das Herz erquickt. So
suche Ich, wie Johannes, inmitten des Sand- und Steinreichs die geistige
Blume der Liebe zu pflanzen, die, vom Erdreich keine Nahrung ziehend, Nahrung
nur von oben bekommt. Und jetzt, inmitten des vom Egoismus ausgetrockneten
Bodens der spekulativen Verstandeswelt, in der gedankenleeren Wüste des
geistig göttlichen Lebens, ergeht wieder der Ruf: [PH.01_004,14] ,Wacht auf! Vertieft
euch in euer Innerstes, um dort die Quelle der nie versiegenden Freude, des
nie endenden Trostes und der nie verwelkenden Liebe – als Grundprinzip alles
Geschaffenen und Belebten – zu finden. Erkennt Den wieder, der durch
blumenreiche Gärten, durch schattige Wälder und erhabene Berge weit hinauf
bis zur letzten Weltensonne immer derselbe ist, der sich nie ändert und –
eben weil Er alles erschaffen hat – von Seinen geschaffenen Wesen nur die
Erkenntnis fordert, die eine Mutter, ein Vater von ihrem Kinde als erstes Zeichen
der Verwandtschaft erwarten, nämlich die Liebe.‘ [PH.01_004,15] Während eure schwachen,
weltlichen Herrscher euch durch Gewalt und eine Menge Gesetze zur Achtung
zwingen wollen, setze Ich euch frei in die Schöpfung hinaus. Frei könnt ihr
wählen zwischen Liebe oder Haß, Leben oder Tod, Licht oder Finsternis. Noch
ist es jedem anheimgestellt, zu wählen. Die Zeit kommt stets näher, wo diese
Wahl entscheidend getroffen werden muß. [PH.01_004,16] Wie einst der Mahnruf
vor Meinem ersten Auftreten erscholl, so erschallt jetzt Mein zweiter Ruf,
damit ihr nicht schlaftrunken von den Ereignissen überrascht werdet, sondern
mit klarem Bewußtsein und ruhigem Herzen den Dingen entgegengehen könnt, die
nur für die bestimmt sind, die sich durch sanfte Mittel nicht wecken ließen. [PH.01_004,17] Während eure Herzen für
die leisen Harmonien der Liebe empfänglich sind, müssen dort die Posaunen
ertönen, von denen Mein Liebling, der Apostel Johannes, spricht, wenn die
Engel die Zornschalen über die Häupter der Harthörigen ausgießen werden, die
trotz aller Mahnungen Meinen Liebeworten kein Gehör geben. [PH.01_004,18] Oft genug habe Ich
verkündet: ,Es werden böse Zeiten kommen!‘ – Ich wiederhole es nochmals: Die
Zeiten werden böse werden! Trachtet, vor der Zeit gut zu werden, damit ihr in
diesem Bewußtsein der guten Tat einen Schild habt gegen alle bitteren
Ereignisse. Sie sind nur bitter für jene, die, stets an den Honig des
weltlich materiellen Genußlebens gewöhnt, das Bittere nicht als Heil-,
sondern als Vernichtungsmittel ansehen. [PH.01_004,19] Dies ist der Sinn von
jener Bußpredigt, für euch und für die jetzt kommenden Zeiten! Wer Ohren hat,
der höre! Amen. 5. Predigt – Am Weihnachtstage. Die Geburt Jesu. [PH.01_005] Luk.2,1-14: Es begab sich
aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle
Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur
Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich
schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch Joseph auf
aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids,
die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids
war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die
war schwanger. Und als sie daselbst waren, bekam sie ihren ersten Sohn und
wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten keinen
Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde
bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel
trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie
fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht!
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in
der Stadt Davids! Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in
Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!“ Und alsbald war da bei dem
Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ [PH.01_005,01] Dieses Kapitel handelt
von Meiner Geburt, einem Fest, welches ihr jedes Jahr nach kirchlichem Brauch
am 25. Dezember feiert. [PH.01_005,02] Schon früher habe Ich
Worte über dieses Fest gegeben. Die Einzelheiten, welche Meine Geburt
begleiteten, wißt ihr teils aus Meiner Jugendgeschichte, teils aus dem
Evangelium Meiner Apostel; und doch liegt noch manch Unaufgeklärtes in diesem
Akt Meiner ersten sichtbaren Erscheinung auf eurer Erde, dessen tiefere
Bedeutung ihr in geistiger Entsprechung noch nicht kennt. So will Ich,
veranlaßt durch den Text dieses Kapitels im Lukas, die weiteren Enthüllungen
für euch und alle Meine künftig gläubigen Kinder geben, damit ihr seht, daß
auch das Kleinste, was Mich und Meine Erscheinung auf Erden betrifft, eine
hohe Bedeutung hat und sich geistig bei Meiner Wiederkunft auf diesen kleinen
Stern, als Wohnort Meiner einst großen Kinder, wiederholen wird. [PH.01_005,03] Wie einst durch die
Verhältnisse der Erde gerade jener Zeitpunkt und jenes Volk bestimmt war,
Zeuge von dem großen Gnaden- und Liebesakt zu sein, welchen Ich für euch und
für die ganze Geisterwelt vollzog, so werden auch bei Meinem zweiten
sichtbaren Erscheinen Zeit und Land so gewählt werden, daß sie diesem
Schlußakt am meisten angemessen sein werden. [PH.01_005,04] Nicht umsonst habt ihr
dieses Fest „Weihnachten“ benannt. Es war eine geweihte Nacht, wo Ich Mich,
euch und der ganzen materiellen Schöpfung zuliebe, als Opfer der Demut weihte,
indem Ich, der unendliche Herr der Schöpfung, ein zerbrechliches,
verwesliches Kleid anzog, das unter Millionen anderer lebender Wesen auf
anderen Welten, was das Äußere betrifft, weit hinter der höchsten Urform
eines Menschenbildes zurücksteht. Viele Bewohner sind so ausgestattet, daß
der Mensch dieser Erde nur als eine schwache Nachahmung dessen erscheint, was
Ich als Abbild Meines eigenen Ichs in diese Form hineingelegt habe. Obgleich
die auf anderen Welten lebenden Menschen die Erdbewohner in vielem
übertreffen, so sind diese doch in geistiger Hinsicht zu etwas weit Größerem
bestimmt als die in den paradiesischen Welten und Sonnen Lebenden. Wenn jenen
auch ein ewiger Frühling lacht und sie in glücklichen Verhältnissen leben,
die sich eure Einbildungskraft nicht vorzustellen vermag, so geht ihnen doch
die klare Kenntnis Meines Ichs, Meiner geistigen Schöpfung und Meiner
Vaterliebe ab. [PH.01_005,05] Sie sind gut, weil
nichts Böses sie zum Gegenteil zu verleiten sucht. Sie erkennen ein höchstes
Wesen, sinken vor Ehrfurcht vor Ihm nieder; aber keines von ihnen wagt zu
denken, daß dieses höchste Wesen ein von Ihm Geschaffenes an Seine Vaterbrust
drücken wolle und ihm den süßen Namen des Kindes geben. [PH.01_005,06] Das ist nur jenen
vorbehalten, die solch eine Stellung durch Kampf und Sieg erringen müssen,
damit sie Kinder Gottes werden können. Wo also die Bildungsschule solcher
Kinder ist, muß neben der größtmöglichen geistigen Erhebung auch das Gegenteil,
die größtmögliche Erniedrigung, ja der Abfall vom Guten, stattfinden können.
Um euch zu zeigen, daß zwischen solchen Gegensätzen ein Fortschreiten zum
Besseren, ein Siegen über alle Hindernisse möglich ist, kleidete Ich Mich in
die Hülle einer der letzten, unangesehensten Menschengestalten. Ich stieg selbst
auf diesen finsteren Erdball hinunter, der in bezug auf Ausstattung und Größe
in Meiner Schöpfung so gerechnet werden kann wie der Rang eines Infusionstierchens
zwischen allen Schönheiten und Wundern eurer Erde. [PH.01_005,07] Wie aber in Meiner
ganzen Schöpfung alles mit gleicher Sorgfalt gebildet und das letzte Infusionstierchen
in seiner Art ebenso vollkommen gebaut ist wie der Mensch als Herr der Erde,
so zeigt euch Mein Schöpfungsprinzip, das durch alle Stufen des Geschaffenen
geht, daß Ich gerade im Kleinsten am größten bin und gerade im Kleinsten als
mächtiger Schöpfer und Herr dastehe. Dies war der Grund, warum Ich einen der
kleinsten Weltkörper wählte, um da Meine ganze Größe zu zeigen, indem Ich
Meiner Geister- und Seelenwelt bewies, daß gerade im Kleinsten nur das Größte
möglich, und in der größten Erniedrigung die größte Herrlichkeit zu erlangen
ist, ja, daß gerade der, welcher alles hingibt, würdig ist, alles zu
besitzen. [PH.01_005,08] So fand Meine Geburt
nicht in einem Palast und nicht von hochgestellten Menschen, sondern in
niedriger Stellung statt. Es mußte aber doch in allen Umständen, die dort
zusammentrafen, das Hohe, Geistige Meiner Geburt angedeutet werden. [PH.01_005,09] So war es bestimmt, daß
die Volkszählung durch Herodes anbefohlen wurde, und Ich nicht in einem von
Menschen erbauten Haus, sondern in Meinem Haus, d.h. unter freiem Himmel in
einer Höhle das Licht der Welt erblickte. [PH.01_005,10] Zeugen Meiner Geburt
waren nicht Kaiser und Könige, nicht einmal gewöhnliche Menschen, sondern nur
Tiere, – Geschöpfe, die, nicht verdorben, das waren, wozu Ich sie erschaffen
habe. [PH.01_005,11] Die Volkszählung mußte
dazu beitragen, daß Maria sich zur Reise nach Bethlehem aufmachte, um das zu
vollführen, was dem König aller Schöpfung zur Ehre gereichte. [PH.01_005,12] Millionen von höheren
Geistern sangen Mir das Loblied: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den
Menschen auf Erden!“ Diese und die Tiere, wie sie aus Meiner Hand
hervorgingen, waren bei Meiner Geburt gegenwärtig. Solche Zeugen gebührten
Mir, dem in Windeln eingehüllten Herrn aller Heerscharen. [PH.01_005,13] Durch die Volkszählung
konnte Meine Geburt nicht unbeachtet bleiben. Auch mußte gerade der grausame
Herodes als Landpfleger oder Vierfürst in Jerusalem herrschen, um Meine
fernere Erziehung und Meinen späteren Lebenslauf zu erschweren. Durch
Überwindung all dieser Schwierigkeiten sollte bewiesen werden, daß, obwohl
Ich Mich in die niedrigste Stellung gesetzt hatte, Ich im Angesicht Meiner
ganzen Geisterwelt Meine Aufgabe doch lösen werde, nämlich: außer dem
Beispiel der Demut und Verleugnung aus dieser kleinen Erde eine Pflanzschule
für Meine Kinder zu machen, die einst bestimmt sind, den auf den anderen
Sternen und Sonnen lebenden Wesen das Bild des großen Geistes und Schöpfers
aller sichtbaren Natur in das eines liebenden Vaters umzuwandeln. [PH.01_005,14] Was Ich vor Äonen von
Zeiträumen beschloß und vor mehr als tausend Jahren begonnen habe, das nähert
sich jetzt der Vollendung. Meine Religionslehre, Mein Wort, das mit keinem
besseren vertauscht werden kann – es mögen die Menschen noch so grübeln und
denken –, Meine Liebelehre muß zur allgemeinen Geltung gelangen! Es muß die
Liebe allein regieren, und alle Leidenschaften des menschlichen Herzens, die
nur darum von Mir in dasselbe gelegt wurden, um durch Kampf gegen sie die
Liebe zu verdienen und zu erringen, alle diese Leidenschaften des
menschlichen Herzens müssen beherrscht zu den Füßen des Altars der Liebe liegen.
Haß, Rache, Stolz und wie sie alle heißen, diese mächtigen Triebe des Bösen
im Menschen, müssen alle zum Schweigen gebracht werden. Das Kreuz, auf
welchem Ich einst angenagelt für die verirrte Menschheit um Verzeihung bat,
muß als Symbol der Versöhnung von jedem geliebt, geehrt und im Prüfungsfall
selbst getragen werden, zur Erinnerung an den Weg, den Ich gezeigt, und der
den Menschen allein zur geistigen Höhe führen kann. [PH.01_005,15] Wie in Meinem
Lebenswandel auf Erden gegen das Ende hin die Umstände scheinbar gegen Mich
arbeiteten, scheinbar Meinen Untergang und Tod herbeiführten und doch durch
die Auferstehung aus der Materie und die Heimkehr in Mein geistiges Reich
Meinen größten Triumph bewirken mußten, so mehren sich auch jetzt für die
Menschen scheinbar die Unglücksfälle, mehren sich die Anzeichen furchtbarer
Katastrophen. Der Mensch soll aus ihnen wie der Vogel Phönix aus der Asche
verbrannter, weltlicher Ansichten und Vorurteile unversehrt als geistiges Produkt
seines Schöpfers, als geistiges Kind eines noch höheren geistigen Vaters hervorgehen. [PH.01_005,16] Dahin zielt alles,
dahin treibt wie ein steuerloses Schiff die ganze Menschheit. Zerbrochen
werden müssen alle die künstlichen Schutzwände, die der menschliche Verstand
wie Eisenpanzer um das für die Liebe schlagende Herz gezogen hat. Es müssen
vernichtet werden die Schranken von Geburt, von Rang, von oberflächlichem
Wissen. Der Mensch muß aufhören, mit dem Verstand zu denken, und mit dem
Herzen fühlen lernen. Das warme Feuer der Liebe muß zuerst seine ganze Seele
erwärmt haben, dann erst kann die Weisheit, als regelnder Trieb der Liebe
Schranken setzen und die Menschheit all das fühlen lassen, womit Ich sie ausgestattet
und wozu Ich sie so und nicht anders erschaffen habe. [PH.01_005,17] Sooft Ich als Christus
auf der Welt Meinen Vater im Himmel anrief, war es stets die Weisheit, welche
die Liebe anrief, um durch dieses Anrufen ihr unbegrenztes Wirken zu zügeln.
So wie die Weisheit und Liebe nur miteinander bestehen können, ebenso war Ich
als Christus mit Meinem Vater, der Liebe, verbunden nur eins, und deswegen
konnte Ich sagen: „Mich kennt niemand als der Vater im Himmel, und nur Ich
kenne Ihn!“ oder „Ich gehe heim zum Vater!“ usw. Dadurch wollte Ich sagen:
Die ganze Welt ist geschaffen aus Liebe; aber die Weisheit hat ihre Bedingungen
geregelt. Die Liebe schuf, die Weisheit erhält. Die Liebe als ,Vater‘ stellte
das höchste Symbol der Reinheit auf, und Ich, die Weisheit, als ,Sohn‘ bewies
sie durch die Tat. Und wie Liebe und Weisheit, nur vereinigt, das ganze Ich
Meines eigenen Wesens ausmachen und dort im vollkommensten Abbild bestehen,
so soll auch der Mensch als Abkömmling von Mir der Ausdruck der Liebe und
Weisheit werden. Er soll zuerst lieben und dann weise sein lernen, um Mich,
Meine Schöpfung und seine Mission ganz zu erkennen und zu begreifen. [PH.01_005,18] Dahin zielt Mein
Streben mit euch, alle die Ereignisse treiben euch dahin, die Wiedergeburt
eures Jesus im Innern zu vollführen, Er möchte euch dort als Ausdruck von
Weisheit und Liebe führen und leiten, bis in kurzer Zeit dieser Schöpfer
alles Sichtbaren, der Herr aller Heerscharen, als Vater (Liebe) gepaart mit
dem Sohne oder Christus (Weisheit), in Person wieder sichtbar auf die Erde
treten und zum zweiten und letzten Mal aussprechen kann, was Er am Kreuz vor
mehr als tausend Jahren ausgerufen hat, nämlich: „Es ist vollbracht, – es ist
vollbracht das große Werk der Sühne!“ [PH.01_005,19] Ich habe Meinen
Geistern gezeigt, wie das für sie Unmögliche möglich geworden ist. Ich bin
mit dem Beispiel vorangegangen und habe nun Meine Wesen auf dieser kleinen
Erde zu großen Bürgern Meines unendlichen Reichs, zu Meinen einzigen Kindern
gemacht. [PH.01_005,20] Es ist vollbracht, was
Ich einst in der Wiege, in einer Höhle bei Bethlehem, als unmündiges Kind
begonnen habe, was dort schon von Millionen Engelsgeistern besungen, aber von
den Menschen nicht verstanden, höchstens von einigen schwach geahnt wurde. [PH.01_005,21] Ich habe es vollbracht
das Werk der Sühne, der Liebe, der Verzeihung. Gereinigt ist die Welt von
allen unreinen Schlacken des Eigennutzes, und wenn auch Drangsale und
Unglücksfälle die irdischen Körper der Menschen zerstören, – dem Geist- und
Seelenmenschen können sie nichts anhaben. Er steht hocherhaben über den
Trümmern der Welt, seine Arme ausbreitend nach dem göttlichen Retter, der –
wie einst dort – allen zurufen wird: Kommet her, ihr alle, die ihr beladen
seid, auf daß Ich euch eure Last abnehme und euch erquicke! Kommet her, ihr
Kämpfer für Liebe und Weisheit, euch sei die Krone des Lebens, euch seien die
Schranken der Geisterwelt geöffnet, damit ihr sehen möget, wie die
Engelscharen wieder frohlocken und Loblieder singen dem Herrn, dem Vater, mit
den nämlichen Worten wie einst: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den
Menschen auf Erden!“ Denn Er kam in Sein Eigentum, und Seine Kinder haben Ihn
erkannt. Amen. 6. Predigt – Am Sonntage nach Weihnachten. Die Darstellung
Jesu im Tempel. [PH.01_006] Luk.2,33-40: Und sein
Vater und seine Mutter wunderten sich dessen, was von ihm geredet ward. Und
Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser wird
gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen,
dem widersprochen wird (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen),
auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden!“ Und es war eine Prophetin,
Hanna, eine Tochter Phanuels vom Geschlecht Asser; die war wohl betagt und
hatte sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt nach ihrer Jungfrauschaft und war
nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren; die kam nimmer vom Tempel und
diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Diese trat auch hinzu zu
derselben Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die
Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem
Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder nach Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth.
Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes
Gnade war bei ihm. 25. Dezember
1871 [PH.01_006,01] Dieses Kapitel handelt
im Anfang von Meiner Geburt, später von Meiner Beschneidung und dann von den
drei Tagen, welche Ich im zwölften Jahr im Tempel zu Jerusalem zubrachte. Es
sind in diesem Kapitel die Ankunft der drei Weisen aus dem Morgenland, der
Kindermord und noch weiteres – wie die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr
nach dem Tod des Herodes – verschwiegen. Auch Ich will das meiste davon
übergehen, da ihr es aus dem Evangelium Jakobs, Meiner Jugendgeschichte, und
anderen Aufzeichnungen Meiner Apostel wißt. [PH.01_006,02] Wir wollen also bei dem
oben angeführten Text stehenbleiben, wo es heißt: „Joseph und Maria wunderten
sich.“ [PH.01_006,03] Worüber wunderten sie
sich? [PH.01_006,04] Sie wunderten sich über
die prophetischen Worte Simeons und die Aussagen Hannas, die beide mit
geistigem Auge in dem zur Beschneidung nach Jerusalem gebrachten Kind den
Erlöser nicht nur der Juden, sondern der ganzen Menschheit erkannten, welcher
gekommen war, den Geist von dem Zwang der Materie zu befreien. [PH.01_006,05] Daß Joseph und Maria es
nicht verstanden, was ihnen jene beiden prophezeiten, ist leicht einzusehen;
denn wer von der Empfängnis Marias angefangen bis zur Geburt und
Tempeltragung, all das rätselhaft Mystische in Betracht zieht, wird leicht
bemerken können, daß weder Maria noch Joseph wußten, wie sie sich dazu zu
verhalten hatten. [PH.01_006,06] Obgleich die Juden
gewohnt waren, durch Propheten direkte Mitteilungen von Mir zu erhalten, so
war es bei ihnen doch auch, wie es stets ist: sie glaubten ihnen wenig,
solange diese lebten, und ihre Aussagen gewannen erst Wert, wenn sie anfingen
in Erfüllung zu gehen. [PH.01_006,07] Sie hofften auf einen
Messias, – nur war ihre Hoffnung auf weltliche Wünsche gegründet; sie hofften
auf einen Messias, der, vielleicht in einem Palast geboren, als ein großer
Held sie einst vom verhaßten Joch der Römer befreien sollte. Daß aber ein
Kind eines Zimmermanns, als den sie Meinen Nährvater kannten, ihr Erlöser
werden sollte, das lag außer dem Bereich ihrer gehegten Hoffnung, außer ihrer
Fassungskraft. [PH.01_006,08] Deshalb staunten auch
Joseph und Maria ob der Worte Simeons und Hannas. Maria hatte ja in kurzer
Zeit so Wunderbares an sich erlebt, daß sie nicht wußte, was mit ihr
geschehen war und was sich noch ereignen würde. Sie gebar einen Sohn, ohne
die Hinneigung zu einem Mann gekannt zu haben. Sie war Mutter, ohne
eigentlich das Muttergefühl in seiner ganzen Fülle zu kennen; denn im allgemeinen
ist ein Kind erst das Glied, das die Lebenswege des Mannes und des Weibes
verbindet und sie zu einem Ganzen, zu einer Familie zusammenfügt. [PH.01_006,09] So war Maria Mutter und
fühlte wohl die Freude, eine Frucht ihres Leibes vor sich zu sehen; allein es
war mehr Mitleidsgefühl für den unmündigen Säugling als das Wonnegefühl einer
Mutter, ein Pfand der Liebe ihres Gatten an die Brust zu drücken. So begriff
sie nicht und konnte es nicht begreifen, was bei ihrer Empfängnis, was bei
der Geburt und ferner geschah; denn sie handelte nur nach Weisung höheren
Einflusses und verhielt sich dabei mehr passiv als aktiv, als Weib und Mutter
nur ihren Gefühlen folgend, welche sie an ihren Säugling banden. [PH.01_006,10] Dieses unbewußte Gefühl
wurde natürlich gesteigert, als sie zu den Zweifeln und bangen Ahnungen,
welche nur sie allein im Busen zu tragen glaubte, das gleiche und noch
Größeres von anderen erfuhr, als sie das Jesuskind in den Tempel trug. Durch
die gesetzmäßige Beschneidung und Opferung sollte Ich als Kind in die
israelitische Religion aufgenommen und in ihr erzogen werden. [PH.01_006,11] Was Simeon sagte, war
ihr ein noch größeres Rätsel, um so mehr, als er das Kind als Das erkannte,
wovon sie noch keine Ahnung hatte und haben konnte. Was sie aber noch weniger
begriff, waren Simeons letzte Worte, welche so lauteten: [PH.01_006,12] „Siehe, Dieser wird
gesetzt zu einem Fall und Auferstehen des Volkes Israel und zu einem Zeichen,
dem widersprochen wird (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen),
auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden!“ [PH.01_006,13] Daß aus ihrem Sohn
etwas Außerordentliches werden könnte, war für sie denkbar – waren ja die
Empfängnis, die Geburt usw. mit so außerordentlichen Erscheinungen begleitet
–; doch einen Gott als Mensch unter dem Herzen getragen zu haben und den zu
erwartenden Messias den geistigen Wiederhersteller nicht allein ihres Volkes,
sondern der ganzen Menschheit, das waren Begriffe, die in ihrem Kopf keinen
Platz fanden. Sie hat Mich noch bei Meinem Kreuzestod nicht als Gott, sondern
nur als Menschen, als ihren Sohn beweint; erst durch die Auferstehung wurde
sie, wie auch Meine Apostel, in dem bekräftigt, was Ich ihnen oft gesagt
hatte. [PH.01_006,14] Das Schwert, welches in
Zukunft durch ihre Brust gestoßen wurde, war der mütterliche Schmerz; denn
hätte sie gewußt und erkannt, wer Ich eigentlich war, so hätte sie nicht
trauern, sondern bei Meinem Hingang frohlocken sollen. [PH.01_006,15] Ich selbst habe es ihr
und Meinen Aposteln oft vorausgesagt, was Mir bevorstehen und wie Ich den Tod
und die Hölle überwinden werde; allein, wo ist die Überzeugung – besonders in
jenen Zeiten der Propheten und wunderwirkenden Essäer –, daß Ich, ein Mensch
mit Fleisch und Knochen wie sie, der ißt und trinkt, ein Gott, und zwar der
Herr aller Heerscharen sei, der in menschlicher Form, beim unmündigen Kind
angefangen, am Kreuz – in jener Zeit das Zeichen der Schande und Entehrung –
enden sollte! [PH.01_006,16] Deswegen waren Joseph
und Maria erstaunt. Sie begriffen nicht, wer Der sei, welcher gekommen ist
zum Fall und Auferstehen der Juden, – zum ,Fall‘: die Zerstörung des
Judenreiches fünfzig Jahre nach Meinem Heimgang, und zum ,Auferstehen‘ vieler
Juden zu Christen, sowie die Veränderung des Kreuzzeichens, – früher Zeichen
der Schande, später Zeichen der höchsten Verklärung. [PH.01_006,17] Und wenn Ich
wiederkomme, glaubt ihr, es werde dann mehr Verständnis unter den Menschen
sein? Mitnichten! Es wird auch dann eine Masse Bewunderer geben, die Mich,
für nichts anderes ansehen werden als einen von Gott begeisterten Menschen.
Bei Meiner künftigen Darniederkunft, welche natürlich nicht wie einst als
Kind, sondern im Mannesalter anfangen wird, wird es auch viele Zweifler geben,
und Ich werde vielen Mein Gottsein durch Wunder beweisen müssen, weil die
Kraft des Wortes allein bei ihnen nichts ausrichten würde. [PH.01_006,18] So wird sich Meine
Jugendgeschichte zumindest stets in ihren Hauptzügen und Ereignissen
wiederholen, nur nicht in materieller, sondern in geistiger Hinsicht, weil
dann das geistige Verständnis bei weitem ausgebildeter sein wird und die
Gläubigen in der Mehrzahl, die Ungläubigen und Zweifler in der Minderzahl
sein werden. [PH.01_006,19] Seht, Meine Kinder, wie
Ich Mich einst nach jüdischem Brauch der Beschneidung unterzogen habe, so
laßt auch ihr euch mit der geistigen Taufe – gleich der Beschneidung als
erster Schritt und Eintritt in eine Kirchengemeinde –, mit dem Geiste Meiner
Liebe taufen! Entfernt aus eurem Herzen, was nicht dorthin gehört, fangt an,
Mich und Meine Welt tagtäglich immer mehr zu begreifen, damit nicht auch euch
ein Schwert durch die Brust gestoßen werde und ihr, dem Weltlichen zu viel
Wert gebend, beweint, was der Trauer nicht wert ist! [PH.01_006,20] Befleißigt euch, die
Dinge zu nehmen, wie sie sind, und erfüllt so jeden Tag eure Aufgabe auf
diesem Erdball, solange euer Wandel hier noch bestimmt ist, damit ihr nichts
zu bereuen und nichts zu beweinen braucht, wenn die ernste Stunde des
Scheidens schlägt. [PH.01_006,21] So mögt ihr, wie Maria,
als Ich zum Vater heimging, Mich erkennen, – erkennen, daß Der, den ihr als
Christus wohl kennt, bei weitem größer und liebreicher ist, als ihr Ihn euch
vorgestellt habt, daß aber auch Meine Forderungen an euch strenger sind, als
ihr dachtet. [PH.01_006,22] Viele leben jetzt,
glauben und lieben Mich wie Maria Mich zu Lebzeiten geliebt hatte. Allein das
genügt nicht. Maria erkannte erst am Kreuz und bei Meiner Auferstehung, daß
Der, den sie geboren, kein Mensch, sondern Gottes Sohn, das heißt die von der
Liebe getrennte Weisheit war, der nach dreitägigem Im-Grabe-liegen wieder in
Sein Himmelreich zurückkehrte und später nicht mehr körperlich, sondern nur
vergeistigt Seinen harrenden Aposteln und Seiner Leibesmutter erschien. [PH.01_006,23] Macht, daß auch in euch
Christus auferstehe, wie Er ist und war, damit ihr euch einst nicht zu
verwundern braucht, wenn ihr Ihn anders als gedacht findet. [PH.01_006,24] Dies zur Mahnung und
Darnachachtung! Amen. 7. Predigt – Am 1. Sonntage nach Epiphanias. Der zwölfjährige
Jesus im Tempel. [PH.01_007] Luk.2,42-50: Und als Jesus
zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem nach Gewohnheit des
Festes. Und als die Tage vollendet waren und sie wieder nach Hause gingen,
blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie
meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und
suchten ihn unter den Gefreunden und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden,
gingen sie wieder gen Jerusalem und suchten ihn. Und nach drei Tagen fanden
sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte und
sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes
und seiner Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine
Mutter sprach zu ihm: „Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein
Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!“ Und er sprach zu ihnen: „Was
ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem,
das meines Vaters ist?“ Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen
redete. 26. Dezember
1871 [PH.01_007,01] Auch dieser Text ist
aus dem Evangelium des Lukas genommen und behandelt die drei Tage Meines
Aufenthalts im Tempel. Was Ich dort tat und lehrte, wißt ihr, da Ich es euch
vor Jahren näher erklärt habe. Wir wollen also diesen Akt aus Meiner
Jugendgeschichte übergehen und ihn nur insofern in Betracht ziehen, als er
sich geistig vor Meiner künftigen Darniederkunft ebenfalls wiederholen wird
und bereits wiederholt. Was ihr aus diesem geistigen Wiederholungsakt
Lehrreiches ziehen könnt, wird der Schluß dieses euch heute gegebenen Wortes
sein. [PH.01_007,02] Sehet, Meine Kinder,
schon öfter habe Ich euch gesagt, daß jede Handlung in damaliger Zeit, von
Meiner Geburt bis zu Meiner Auferstehung und Himmelfahrt, eine zweifache, ja
eine dreifache Bedeutung hatte. Was Ich tat und redete, war nicht nur für das
Judenvolk, sondern für die ganze damals lebende und zukünftige Menschheit, es
war auch, weit über eure Erde hinausreichend, für Mein ganzes Geisterreich
bestimmt, das mit neugierigen Augen Meinem Tun und Handeln folgte, um zu
sehen, ob und wie Ich als Erdenmensch Meine Mir selbst auferlegte Mission
vollenden werde. [PH.01_007,03] Da Ich ganz in die
menschliche Natur eines Erdbewohners eingekleidet war, mußte Ich, um wieder
aus derselben herauszukommen und vergeistigt dahin zurückzukehren, von wo Ich
gekommen war, alle Leidenschaften der menschlichen Natur bekämpfen. Ich
mußte, wie jedes Kind, nach und nach Meine Seele ausbilden, Meine Begriffe
und Anschauungen entwickeln, um die Mir selbst eingehauchte Seele Meinem
Geist anzupassen, damit Ich am Ende Meiner irdischen Laufbahn Meinen Geistern
zeigen konnte, wie Ich nicht allein Meinen eigenen Geist wieder in seiner
ganzen Größe zurückbrachte, sondern wie Ich auch Mein Seelisches zu vergeistigen
verstand. [PH.01_007,04] So zeigte Ich dem
großen Geisterreich, wie man zu Meiner Kindschaft gelangt, und gab als
lebendes, kämpfendes und duldendes Menschenkind das Beispiel, wie und um
welchen Preis die Vereinigung mit Mir erreicht werden kann. [PH.01_007,05] Wenn diese geistige
Entwicklung Meiner Mir eingekleideten Menschenseele schneller ging als bei
gewöhnlichen Menschenkindern, wenn Ich in Meiner frühesten Kindheit schon
Worte des Geistes sprach, wo andere Kinder noch unverständliche Laute
hervorbringen, wenn Ich, wie während des dreitägigen Aufenthalts im Tempel,
Aufklärungen gab und sogar Wunder wirkte, so müßt ihr bedenken, wessen Geist
in diesem Jesus verborgen lag, und wie leicht er bei der geringsten Erregung
durch die Menschenhülle durchleuchtete. Auch müßt ihr bedenken, daß Ich
nicht, wie andere Menschen, ein ganzes Menschenleben vor Mir hatte, sondern
nur dreiunddreißig flüchtige Jahre, innerhalb deren erstens bis zum
dreißigsten Jahre Mein Erdenmensch zum großen Werk reifte und zweitens dann
nur drei Jahre übrigblieben, in denen der Grundstein zur höchsten, nie
vergehenden großen Geistlehre gelegt werden mußte, ohne welche die
Geisterwelt und indirekt auch die materielle Welt nicht hätten fortbestehen
können. [PH.01_007,06] Es genügte nicht,
Geister mit ungeheuren Kräften und Eigenschaften geschaffen zu haben. Sie
mußten auch wissen, wozu und warum Ich ihnen diese Vollkommenheit gegeben
habe, damit sie, nur weisen Gebrauch von ihr machend, Mir, ihrem Schöpfer,
Ehre bringen, Mich ganz verstehen und Meine Schöpfung ganz begreifen lernen
sollten. Um das große Geisterreich rein göttlich zu errichten, dem Ganzen wie
dem Einzelnen seinen wahren, geistigen Wert zu geben und selbst in der
Materie nur gefestetes Geistiges sie erblicken zu lehren, welches ebenso wie
die Geister selbst – nur auf längerem Wege – den Gang der Vergeistigung
durchmachen muß, um – gleichsam als Teil Meines geistigen Ichs – einst vergeistigt
zu Mir zurückzukehren: das war der Zweck Meines Darniederkommens auf diese
Erde, diesem Zweck diente Meine ganze irdische Laufbahn, so wie ihr sie bis
zum Ende kennt! [PH.01_007,07] So waren die Ereignisse
Meiner Geburt, Meiner Flucht und Meiner Rückkehr nach dem Judenlande nur
einzelne vorausbestimmte Stufen in der geistigen Ausbildung der Mir gegebenen
Menschenseele. Auch im Tempel zu Jerusalem bestätigte sich das nämliche
Prinzip, indem Ich schon im zwölften Jahr anfing, einzelne Gedanken, die über
die damals gewohnten Lebens- und Religionsansichten weit hinausreichten,
aufzuzeigen. So mancher Meiner Zuhörer wurde dadurch zum weiteren Nachdenken
aufgeweckt, da im ganzen Judenvolk der Gedanke vom kommenden Messias, durch
die früheren Prophezeiungen angeregt, gerade auf diese Zeit Meines Erscheinens
gerichtet war. [PH.01_007,08] Daß sie alle einen ganz
anderen Messias wollten, war nicht anders zu erwarten, weil die Menschen –
und besonders das Judenvolk – in jener Zeit, unter dem Druck einer fremden
Nation stehend, einen Befreier mit aller Sehnsucht erwarteten. Sie hatten
alle den Blick nach unten gerichtet, während der Messias von oben kam. [PH.01_007,09] Was Ich im Tempel
lehrte – wo Ich, statt Fragen zu beantworten, den gelehrten Priestern Fragen
aufgab, die sie in Verlegenheit brachten –, hatte den Zweck, ihnen einen
kleinen Beweis ihrer oberflächlichen Kenntnis von dem zu geben, was sie
allein zu wissen vorgaben. Ich habe es im Tempel, der geistigen Schule jener
Zeit, und vor vielen Zuhörern getan, weil das Wort als Träger des unendlich
großen Geistigen ewig fortwirkte und so den Keim zu Meiner künftigen Lehre
legte. Ich erwarb schon während dieser drei Tage eifrige Verehrer Meiner
Person und Meiner Lehre, die es auch später geblieben sind. Wie Ich dort
Gönner gewonnen hatte, so machte Ich Mir die Pharisäer und Priester zu
Feinden; und eben durch diese beiden Gegensätze lebte Mein hingeworfenes
Stück geistiges Brot fort und brachte seine wohlberechneten Früchte. Wären
alle mit Mir einverstanden gewesen, hätte am vierten Tag kein Mensch mehr an
Mich und Meine Lehre gedacht, – zumal man Mich nur als einen aufgeweckten,
etwas kritischen Knaben betrachtete. [PH.01_007,10] Daß Ich Mich nachher
wieder unter die Scheinhülle eines Zimmermanns zurückzog und jahrelang die
Aufmerksamkeit von Mir ablenkte, hatte seine Gründe: erstens die früheren
Äußerungen Meines göttlichen Geistes – besonders im Tempel – vergessen zu
machen; zweitens erst als Mann mit Wort und Tat zu bekräftigen, was man Mir
als Knabe und Jüngling nicht geglaubt hätte. [PH.01_007,11] So verstand auch Maria,
Meine Leibesmutter, Meine Worte nicht, als Ich auf ihre Liebesvorwürfe, wegen
des langen Suchens, antwortete: „Wisset ihr nicht, daß Ich sein muß in dem,
das Meines Vaters ist?“ Joseph und Maria begriffen nicht, was Meines Vaters
war; sie waren selbst noch zu sehr dem jüdischen Kultus ergeben und glaubten,
die ganze Religion bestände in Haltung der Gebräuche. Sie kannten Mich nicht
– und Meinen Vater noch weniger; denn für sie gab es nur einen unteilbaren
Gott. Daher, hätten sie auch Mein göttliches Ich anerkannt, so wäre ihnen
dieses zweifache Wesen, Ich und der Herr – oder Sohn und Vater –, nicht
faßbar gewesen. [PH.01_007,12] So mußte es geschehen,
daß Mein Ich reif wurde, – zur Zeit der Lehre, in der die menschliche
Verwandtschaft ihrem Ende zuging und die große geistige für die Menschheit
und das große Geisterreich ihren Anfang nahm, – Meine Mission in vollem Maß
zu erfüllen, indem Meine Seele, mit dem göttlichen Geiste vereint, das lehrte
und wirkte, was ihr im Evangelium Johannes aufgezeichnet findet. Das ist seit
jener Zeit mit unvertilgbaren Schriftzügen auf den großen Plan der ganzen
Schöpfung geschrieben mit den Worten: ,Einsetzung und rechte Auffassung der
göttlichen Eigenschaften, Erklärung und richtiges Erfassen der menschlichen
und geistigen Würde im Hinblick auf den Schöpfer alles Seienden und das
wechselseitige Verhältnis.‘ [PH.01_007,13] Dieses war der Zweck
Meiner in jener Zeit gegründeten Lehre, die göttlich ist und bleibt, weil sie
Gott gegeben, weil sie Gott Seinen göttlichen Abkömmlingen als Maßstab
hinterließ und zeigte, wie man Gott als Herrn, als Schöpfer, aber auch als
Vater lieben und sich Ihm nähern kann. [PH.01_007,14] Und nun, Meine Kinder,
nachdem ihr begreifen könnt, warum Ich zur Welt kam, warum bis zu Meinem
zwölften Jahr sich die Ereignisse so und nicht anders gestalten mußten, will
Ich euch von jener Vergangenheit hinweg in eure Gegenwart führen und euch das
Knabenalter Jesu und Seine Fragen an die Priester in euren jetzigen
Weltverhältnissen vor Augen führen. [PH.01_007,15] Sehet, in der Welt geht
es oft so, daß man die Augen in die Ferne richtet und das Nahe nicht sieht,
oder wie ein Sprichwort sagt, den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. [PH.01_007,16] Was ist das Knabenalter
im allgemeinen? – Es ist das Erwachen des inneren Geistes, wo die Seele sich
intellektuelle Kenntnisse verschaffen will, und sie das Äußerliche, sie
Umgebende, einer tieferen Betrachtung unterzieht, auch nicht mehr taub ist
für die Stimme, die im Innern oft anders spricht, als man es wünscht. [PH.01_007,17] Dieses Knabenalter der
Menschheit, dieses Erwachen vom langen Glaubensschlaf, besonders in
religiösen Dingen, diese Zeit Meines zwölften Jahres ist jetzt da. Die
geistige Bewegung, die sich aller bemächtigt, zeigt sich in dem Abwägen des
zum Glauben Gebotenen, in den Fragen, welche die erwachten Gemüter den
geistigen Machthabern, den Theologen und Schriftgelehrten, die gelehrt und
allein unterrichtet sein wollen, zur Lösung geben, welche aber, weil sie
unfähig sind, die gestellten Fragen zu beantworten, Frage mit Frage lösen
wollen. [PH.01_007,18] Dieses ,zwölfte Jahr‘,
als Vorläufer Meiner späteren, reiferen Lehre, ist es, das die einen zur
Ruhe, die andern zur Verzweiflung führt. Es ist wieder das Wort: „Im Anfange
war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Das Wort ist
es wieder – als Ausdruck geistiger Gedanken –, welches, allmächtig durch alle
Herzen zuckend, tausend andere Gedanken hervorruft und zu tausend anderen
Worten Anlaß gibt. [PH.01_007,19] Auch in jener Zeit warf
Ich den Stein nur an den Abhang; seine Schwere zog ihn dann von selbst,
brachte ihn ins Rollen und endlich zum Fallen. So das Wort! Es ist wie eine
Lawine. Zwar klein im Anfang, vergrößert sie sich dann immer mehr und zieht
alles mit sich in den Abgrund. So wie die Lawine schneebedeckte Abhänge von
ihrer Decke befreit und dem Lichte der Sonne wieder den Zugang zur Mutter
Erde erleichtert, ebenso stürzt die Gedanken- und Wortlawine das künstliche
Gebäude von Lug und Trug ein, und der Gnadenschein des göttlichen Liebelichts
erleuchtet und erwärmt die unter der Eis- oder Schneedecke erstarrt gehaltenen
Herzen. [PH.01_007,20] So geht die Vorbereitung
zum großen Reinigungsprozesse vor sich. Selbst die sozialen Verhältnisse,
Resultate der geistig-religiösen, rühren sich und verlangen nach Ausgleich,
nach Wiedereinsetzung göttlich-menschlicher Rechte. [PH.01_007,21] Es ist das ,zwölfte
Jahr‘, das Frühlingsjahr, welches dem heißen Sommer, in dem die Früchte
ausgereift werden, vorausgehen muß, um im Herbst die volle Ernte halten zu
können. [PH.01_007,22] Auch Mein zwölftes
Jahr, Mein Knabenalter, war Mein Frühlingsjahr; Meine Zeit der Lehrjahre –
Mein Sommer; Meine letzten vierzig Tage bis zur Himmelfahrt – Meine
Erntezeit. [PH.01_007,23] So werdet ihr sehen,
wie sich alles nach diesen Gesetzen und Perioden entwickeln wird. Nach den
Frühlingsjahren, der Zeit der Gärung, werden die Sommerjahre des Ausreifens
mit ihren Stürmen und Gewittern – und dann die Herbstjahre kommen, in denen
Ich als Schnitter die Spreu vom Weizen sondern, das Bessere in Meine
geistigen Himmel und vergeistigten Erdkörper aufnehmen, das Schlechtere aber
in die gefestete Materie bannen werde, in der sodann auf weitem Wege das
erreicht werden muß, was auf kürzerem verschmäht wurde. [PH.01_007,24] Bereitet euch also vor,
im Frühjahr des geistigen Lebens – durch den Gärungs- und Läuterungsprozeß
jedes einzelnen in seinem Innern – dasselbe zu tun, was Ich im Großen
bewirkte. Reinige ein jeder sein Herz von allem Weltlichen soviel wie
möglich, damit er die Stürme und Gewitter des nachfolgenden Sommers mit
Geistesstärke ertrage und, wie die Pflanzen und Bäume auf freiem Feld,
siegreich aus dem Kampf hervorgehe, damit im Herbste nicht leere Blätter,
sondern schön ausgereifte Früchte in Taten und Worten, würdig eines Kindes
des göttlichen Vaters, das Endresultat sein mögen! [PH.01_007,25] So nur gewinnt ihr dann
Meine Liebe, Mein Reich und euren Seelenfrieden und seid durch Wind und
Wetter erstarkte Bäume und keine schwankende Schilfrohre geworden. [PH.01_007,26] Dieses ist der Grund
der Bewegung der Zeit, der Gemüter und die Bewegung auch in eurem eigenen
Herzen, das immer zum Vorwärtsschreiten drängt. Beachtet daher den Ruf, den
Ich nun in so vielen Formen an euch ergehen lasse! Er hat immer euer Bestes
zum Ziel, und dieses könnt ihr mit Meiner Gnade auch erreichen, wenn ihr nur
wollt. Amen. 8. Predigt – Am 2. Sonntage nach Epiphanias. Die Hochzeit
zu Kana. [PH.01_008] Joh.2,1-11: Und am dritten
Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus
aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein
gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben nicht Wein.“ Jesus
spricht zu ihr: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist
noch nicht gekommen!“ Seine Mutter spricht zu den Dienern: „Was er euch sagt,
das tut.“ Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt nach der
Weise der jüdischen Reinigung, und es ging in je einen zwei oder drei Maß.
Jesus spricht zu ihnen: „Füllet die Wasserkrüge mit Wasser.“ Und sie füllten
sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: „Schöpfet nun und bringet es dem
Speisemeister!“ Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den
Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, woher er kam (die Diener aber
wußten es, die das Wasser geschöpft hatten), ruft der Speisemeister den
Bräutigam und spricht zu ihm: „Jedermann gibt zum ersten guten Wein und, wenn
sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein
bisher behalten.“ Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana
in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an
ihn. [PH.01_008,01] Dieses Kapitel des
Johannes beginnt mit der Hochzeit zu Kana in Galiläa, wo Ich die erste
öffentliche Wundertat verrichtete, indem Ich Wasser in Wein verwandelte. [PH.01_008,02] Mit diesem Ereignis,
welches in den Anfang Meiner Lehrjahre fällt, wollte Ich, obwohl Ich noch
nicht lehrend aufgetreten war, gerade durch die Verkettung der Umstände bei
dieser Hochzeit die Aufmerksamkeit vieler auf Mich lenken; denn in Kürze war
Mein Wandel im Verborgenen zu Ende. [PH.01_008,03] Eine Hochzeit ist zwar
ein schon oft dagewesener und sich stets wiederholender Akt. Er wird aber,
obwohl viel Geistiges in ihm verborgen ist, von den meisten Menschen nur
materiell verstanden und begangen. [PH.01_008,04] Wenn es nur eine solche
Hochzeit gewesen wäre, so würde man Mich dort nicht gefunden haben. Ich hatte
weit größere Zwecke im Auge, die jedoch nicht durch zu auffallende Ereignisse
erreicht werden sollten. Es sollten die Juden langsam auf Mein künftiges
Lehr- und Tatenleben aufmerksam gemacht werden. [PH.01_008,05] Was diese Handlung und
alle weiteren betrifft, so ist ihre jetzige, geistige Wiederholung in einem
größeren und tieferen Sinne aufzufassen. Jetzt werden auch die Zeiträume
größer sein als während Meiner kurzen Lehrjahre und Meines Aufenthalts auf
eurer finsteren Erde. Dort war Mir nur kurze Zeit gegeben, um Großes für eine
ewige Dauer zu verrichten; jetzt, wo es sich um die künftige Vollendung der
geistigen Bildung der Menschheit handelt, fließt der Strom der Ereignisse
langsamer, aber desto gewaltiger, –, alle Hindernisse überwindend, die sich
bis zu Meiner letzten Ankunft gegen Meine Pläne erheben möchten. [PH.01_008,06] Um bei der Hochzeit zu
Kana wieder anzuknüpfen, muß Ich vorausschicken, was eine Hochzeit eigentlich
ist, wie sie bei euch gefeiert wird, und wie Ich sie gefeiert haben möchte,
damit ihr später die geistige Bedeutung derselben inbezug auf die ganze
Menschheit erkennen möget, indem die Verbindung zweier Menschen, in der
Entsprechung, auch für die ganze Menschheit ihre tiefe Bedeutung hat. [PH.01_008,07] Eine Hochzeit ist der
Abschluß eines vorhergegangenen Übereinkommens zweier Menschen verschiedenen
Geschlechts, welche, durch Sympathie angezogen, dem Drang ihrer Seele
nachgeben und gesonnen sind, diese einmal angefangene geistige Verbindung
während ihrer Lebensdauer nicht mehr aufzugeben, sondern, stets mehr eins
miteinander werdend, Freud und Leid gemeinsam zu tragen. So wird, infolge
dieser gleichen Gesinnung, durch einen gesetzlichen Akt die Ehe geschlossen,
in der die einzelne Individualität eigentlich aufhört, und ein gemeinsames
Leben, das Leben der Familie, vorgezogen wird. [PH.01_008,08] Solch ein Akt zweier
Seelen, die sich erkannt haben, und ihre dauernde Verbindung sollten nicht
nur für dieses kurze Erdenleben, sondern auch für das jenseitige Leben
gelten, wo beide durch das Streben nach gleichem Ziele sich stets mehr und
mehr vereinigen und am Ende – wie ihr sagt – „ein Herz und ein Sinn“ werden
sollen. [PH.01_008,09] Eine solche Verbindung
sollte die wahre geistig-sittliche Liebe als Grundlage haben, um darauf das
Familienleben zu gründen, welches gegenseitige Achtung bedingt. Durch das von
Mir bestimmte Naturgesetz der Paarung wollte Ich nicht allein das
Zusammenleben zweier Individuen bezwecken, sondern Ich wollte auch aus solcher
Liebe gezeugte Früchte haben, welche die besseren Eigenschaften des Gemüts
des einen und anderen fortpflanzen und noch mehr veredeln sollten. [PH.01_008,10] So war Mein Ehegesetz,
welches Ich in die Natur als Drang zur Fortpflanzung einlegte, die Ursache
einer ewigen Stufenleiter, von Wesen zu Wesen, bis zu Mir. Das wollte Ich, –
und was habt ihr Menschen daraus gemacht? Einen Markt mit Menschenfleisch und
Seelenverkäufern! [PH.01_008,11] Als Ich in Kana zur
Hochzeit ging, war es gewiß nicht die sinnlich-materielle Seite, die Mich
bestimmte, dieser Einladung Folge zu leisten, sondern Ich wollte einesteils
den Wünschen Meiner Leibesmutter nachgeben, andernteils aber schon dort den
ersten Grundstein Meines großen Geisterreiches legen. Daß Ich Wein aus Wasser
machte, und daß die Brautleute den Wein für den besten erklärten, ist eben
für die jetzige Zeit in geistiger Entsprechung von Bedeutung. [PH.01_008,12] Seht! was Ich euch von
der ehelichen Verbindung zweier Personen sagte, das soll nun geistig, auf der
Grundlage der in den Evangelien niedergelegten Liebelehre, zwischen den
verschiedenen Sekten der Christen geschehen; auch sie sollen sich in der
Liebe zu einer einzigen Familie verbinden. Schon nähert man sich, und tritt
mehr in geistigen Verkehr; man kommt nach und nach zu der Erkenntnis der geringen
Unterschiede in den Ansichten und Auslegungen der immer sich gleich
gebliebenen Bibel, durch welche die Trennung verursacht wurde. [PH.01_008,13] Schon beginnen sich
durch diesen Austausch von Meinungen die vermeintlichen Hindernisse zu
verringern, kleiner zu werden, um einst ganz zu schwinden. In der jetzigen
Zeit werden die Vorbereitungen zu einem gemeinschaftlichen Leben getroffen,
um dann einst das Vereinigungsfest, die Hochzeit, zu feiern, zu welcher es wahrlich
höchste Zeit ist. [PH.01_008,14] Wenn diese Vereinigung
ihrem Ziele nahen wird, dann werde auch Ich wieder das bis jetzt von allen
getrunkene Glaubenswasser in Meinen geistigen Liebewein verwandeln; und wie
einst der Speisemeister, werden dann die Harrenden fragen: „Warum haben wir
denn bisher den schlechten Wein getrunken und den besten bis zum Ende
aufgespart?“ [PH.01_008,15] Und Ich werde
antworten: ,Weil ihr früher nicht fähig wart, Meinen Liebewein gehörig zu
würdigen und zu schätzen, und nur Mißbrauch das Resultat gewesen wäre! Jetzt
aber, wo ihr euch an eurem schlechten, von Menschen zusammengemischten Wein
sattgetrunken habt, jetzt, wo ihr in der Trinklust ruhiger geworden seid und
Gutes von Schlechtem klarer unterscheiden könnt, jetzt komme Ich und gebe
euch nichts Neues, was ihr nicht schon kennet, sondern denselben Wein, den
ihr schon früher getrunken habt, nur von seinen schlechten Teilen getrennt,
als reinen göttlichen Trank, den nur jene verdienen, welche, die Sinnlichkeit
und das Materielle weit hinter sich lassend, ihre geistige Natur erkennen und
nur nach geistigem Trank und geistiger Speise lechzen.‘ [PH.01_008,16] Dahin zielt jetzt alles
Treiben der Menschen. Alle sind satt der schlechten Brühe, die ihnen als
göttlicher Trank vorgesetzt wurde. Sie ahnen etwas Besseres; jeder glaubt,
ein anderer habe vielleicht das, was ihm selbst fehlt. Durch dieses Suchen
und Fragen fallen die Hindernisse des religiösen Fanatismus, und die
Vereinigung wird möglich, wo Ich dann kommen werde und es nur einen Hirten
und eine Herde geben wird. [PH.01_008,17] Das ist die geistige
Bedeutung der Hochzeit zu Kana. [PH.01_008,18] Beachtet dieses Wort
wohl, und richtet euer Auge auf die kommenden religiösen Bewegungen, und ihr
werdet sehen, wie die gleichgesinnten Geister sich finden, sich einander
nähern, um den Hochzeitstag, den Tag der ewigen Verbindung zu begehen, wo
alle, miteinander vereint, Mir entgegenstreben werden, um den Namen zu verdienen,
welchen Ich allen vorbehalten habe, die Meine Lehre ausüben und den ersten
Grundsatz Meiner ganzen geistigen und materiellen Schöpfung zu ihren Lebensgrundsatz
gemacht haben, um des himmlischen Vaters würdige geistige Kinder zu werden.
Amen. 9. Predigt – Am 3. Sonntage nach Epiphanias. Die
Heilung eines Aussätzigen. [PH.01_009] Matth.8,1-4: Da er aber
vom Berge herabging, folgte ihm viel Volk nach. Und siehe, ein Aussätziger
kam und betete ihn an und sprach: „Herr, wenn du willst, kannst du mich wohl
reinigen!“ Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: „Ich
will es tun, sei gereinigt!“ Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und
Jesus sprach zu ihm: „Siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin und zeige
dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, zu einem
Zeugnis über sie.“ 11. Januar
1872 [PH.01_009,01] Dieses Kapitel Meines
Apostels Matthäus bespricht mehrere Heilungen und Wunder aus Meinen ersten
Lehrjahren. Es sind dies Taten, welche notwendig waren, um den
strenggläubigen Juden eine andere Idee von ihrer mosaischen Gesetzgebung und
von ihrem Jehova-Zebaoth zu geben. Ich mußte vor ihnen Taten vollbringen,
weil Worte allein nicht ausgereicht hätten. [PH.01_009,02] Hier ist angeführt, wie
Ich durch bloße Berührung einen Aussätzigen heilte. Diese Art der Heilung ist
jetzt nicht mehr möglich oder nicht in Meinem Willen gelegen; denn wenn ihr
die Krankheit ,Aussatz‘ im geistigen Sinn nehmen wollt, so müßte Ich viele
Menschen, und zwar nicht die besten, auf einmal zu Engeln machen, welches
aber weder für Mich und Mein Geisterreich, noch für den plötzlich verwandelten
Geist- und Seelenmenschen von Nutzen wäre. [PH.01_009,03] Was ist denn eigentlich
der Aussatz für eine Krankheit? Woher kommt er, und wie kann er geheilt
werden? [PH.01_009,04] Diese Fragen müssen wir
zuerst beantworten, ehe uns das geistig Entsprechende klar vor Augen treten
kann. Aussatz ist jene Krankheit, bei der man – sei es durch Ausschweifung,
sei es durch unnatürliche Lebensweise im Essen und Trinken, sei es durch
Unreinlichkeit – so viele fremde, giftige Stoffe in seinen Organismus
hineingeschafft hat, daß das ganze menschliche Uhrwerk nicht weitergehen
kann. Um nun die normale und natürliche Tätigkeit und Geschäftsleitung in
allen Teilen des Körpers wiederherzustellen, wirft die menschliche Natur alle
seit Jahren aufgenommenen fremden Stoffe oder Gifte auf ihr größtes und auch
sehr wichtiges Organ, auf die Haut, durch welche die größte und
ausgebreitetste Verbindung mit der Außenwelt besteht, erstens um auf diese
Weise sich ihrer fremden, lästigen Bürde zu entledigen, zweitens um selbst
durch dieses giftige Reizmittel eben die Haut anzuregen, mit mehr Tätigkeit
den ganzen Organismus zu unterstützen, und ihm so wieder zu seiner früheren
Gesundheit zu verhelfen. [PH.01_009,05] Geheilt wird diese
Krankheit natürlich am besten auf demselben Wege, auf dem sie entstanden ist,
d.h. der Aussatz kam von innen nach außen, und so muß auch die Heilung den
nämlichen Weg gehen. Das verdorbene Blut, welches seine schlechten
Bestandteile in der Haut abgesetzt hat, muß durch neues und gesundes ersetzt
werden. Von außen gehört natürlich auch die Reinhaltung der Wunden dazu,
damit das Zersetzte, dem Körper nicht mehr Taugliche, entfernt und dem
allenfalls noch Nachkommenden Platz gemacht wird. [PH.01_009,06] So erfolgt dann die
Heilung, wodurch bei Beachtung einer naturgemäßen Lebensweise der Körper sich
erneuert, seinem Organismus volle Kraft und dem Menschen ein langes, gesundes
Leben sichert. [PH.01_009,07] Hier habt ihr in kurzen
Umrissen ein Bild vom Wesen des Aussatzes als körperliche Krankheit. Jetzt
wollen wir dieselbe in ihrer geistigen Entsprechung betrachten, damit ihr
auch dort die Krankheitserscheinung und die Heilmittel erkennen mögt. Nur der
Wunderheiland, der diese Krankheit durch bloße Berührung oder durch ein Wort
zu heilen vermag, der wird und muß hier wegbleiben; denn in geistiger
Hinsicht muß jeder Aussätzige sich selbst heilen und so selbst sein Heiland
werden. [PH.01_009,08] Sehet, ,aussätzig‘,
d.h. mit vielen giftigen Beulen behaftet, ist ein großer, ja der größte Teil
der Menschen; aber eben, weil die Mehrzahl aussätzig ist, so nimmt man an
dieser Krankheit keinen Anstoß. Denn die wenigen von ihr Gereinigten ziehen
sich von den mit dieser Krankheit Behafteten nicht zurück, sondern pflegen
sie mit der Liebe und Geduld des christlichen Glaubens, um die Kranken, wenn
sie zu schwach sind, mittels Rat und Unterstützung zur Wiederherstellung
ihrer verlorenen moralischen Gesundheit zu führen. [PH.01_009,09] Der Aussatz ist eine Krankheit,
die niemand verbergen kann. Sie zeigt sich offen am menschlichen Körper. Das
bedeutet in geistiger Hinsicht das Offen-zur-Schau-Tragen aller schlechten Eigenschaften,
aller bösen Leidenschaften und Gewohnheiten, die das Resultat schlechter
Ansichten und vernachlässigter Erziehung sind. Wenn, geistig genommen, eine
Seele in ihrem Innersten so verdorben ist, daß sie beinahe ihren geistigen
Wert eingebüßt hat, so treibt der Geist, Mein in sie gelegter göttlicher
Funke, sie so weit, daß sie sich nicht mehr schämt, diese schmutzige
Innenseite selbst nach außen öffentlich zu zeigen. Die Seele wird durch
diesen Prozeß gleichsam gezwungen, ihr Gewissen dem Nebenstehenden zu
enthüllen und durch ihre Lebensart und Denkweise, die die Folge der
eingesogenen falschen Grundsätze ist, sich an der Welt zu stoßen, bittere
Erfahrungen zu machen, um am Ende doch zu der Einsicht zu kommen, daß ein
besseres, höheres, moralisches Bestreben und Wirken erst zum rechten Frieden
führt. [PH.01_009,10] Um diese geistig
Aussätzigen schneller zu heilen, lasse Ich Ereignisse in der Welt zu, durch
welche der Ausscheidungsprozeß schneller vor sich geht und auch zur Heilung
Kräftigeres, Geistigeres ins Innere, ins Seelenleben, eindringt. [PH.01_009,11] So wie die äußere
Heilung von innen kommen muß, so muß auch die geistige Genesung von dort
ausgehen. Dadurch, daß das Schlechte bis in die Öffentlichkeit gedrungen ist,
durch das Zusammenleben mit andern zersetzt und von der Außenwelt aufgenommen
wurde, wird im Innern das Leere durch moralisch-geistige Heilmittel wieder
ergänzt und so der Mensch zu seinem Normalzustande, als Ebenbild seines
Schöpfers, zurückgeführt und dem Geisterreiche wieder gewonnen. [PH.01_009,12] Wie der materielle
Aussatz ansteckend ist für den, der mit solchen Kranken in Berührung kommt,
ebenso ist auch der geistige Aussatz ansteckend, weil er durch seine
schlechten Grundsätze auch andere zu schlechten Handlungen verleitet. Und so
entstand, indem einer den andern ansteckte, diese unmoralische Welt, wie ihr
sie jetzt seht. Das, was Ich in jener Zeit getan habe, daß Ich durch
Berührung einen Aussätzigen heilte, weil sein geistiges Inneres nicht seiner
Haut entsprach, ist jetzt im Geistigen nicht möglich. Der Mensch muß sich
geistig selbst heilen. Mein Berühren besteht oft nur darin, daß Ich ihn in
Verhältnisse führe, durch die er schneller und mit Gewalt von seinen
anklebenden Unreinigkeiten befreit wird; aber ihn auf einmal geistig rein
herzustellen, würde ein Eingriff in die freie Würde des Menschen sein. [PH.01_009,13] Wenn Ich aus Teufeln
plötzlich Engel machen wollte und sie – ohne Kampf und Verleugnung zu ihrem
Besten – umgewandelt würden, – wo bliebe dann ihr Verdienst? [PH.01_009,14] Diese Art Wunderheilung
bleibt also in jetziger und künftiger Zeit aus; wohl aber wiederholt und
ereignet sich oft, was dem Hauptmanne von Kapernaum begegnet ist, der mit
starkem Glauben und fester Zuversicht der Macht Meines Wortes vertraute und
durch seine Rede: „Herr, ich bin nicht wert, daß Du eingehst in mein Haus;
sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund!“ zeigte, wie der eigentliche
Christenmensch beschaffen sein sollte, der trotz allem widrigen Anschein auf
Mich und Meine Führung vertraut, Meinen Worten glaubt und dabei – Meine Größe
öffentlich bekennend – seine eigene Unwürdigkeit nicht vergißt. [PH.01_009,15] Solche Seelen, die so
mit Mir reden, die bittend zu Mir kommen, sich selbst erniedrigend, die
berühre Ich mit Meinem Finger und heile sie mit Meinem Wort, d.h. Ich sende
ihnen Trost und Frieden ins Herz, die auf keine andere Weise zu erlangen
sind. Bei solchen Seelen gilt auch, was Ich in Kapernaum sagte, daß solcher
demütig Glaubenden das Himmelreich ist, – aber nicht denen, die sich noch mit
ihrem Aussatz brüsten. Diese müssen sich zuerst läutern und reinigen lassen,
oder sie werden die Finsternis ihres Herzens durch traurige Erfahrungen, erkennen
müssen, und daß es besser gewesen wäre, die schlechten Eigenschaften (den
geistigen Aussatz) auszumerzen, welche sie öffentlich zur Schau trugen und
sich sogar mit denselben brüsteten, da dieses nicht der Weg zum Geistigen,
nicht der Weg zum ewigen Leben, nicht der Weg zu Mir ist. [PH.01_009,16] Solange sie nicht
begreifen werden, daß Demut und Liebe, mit unbegrenztem Vertrauen verbunden,
die Schlüssel sind, um bei Mir alles zu erreichen und sich selbst am
schnellsten fortzuhelfen, solange werden Krankheiten und Mißhelligkeiten
aller Art auf sie einwirken, bis der Aussatz verschwunden und durch Lebens-,
Glaubens- und Liebeselemente ersetzt wird. [PH.01_009,17] Auch ihr habt noch so
manche Aussatzbeulen an eurer Seelenhaut, welche oft im Außenleben deutlich
zeigen, daß ihr noch lange nicht gereinigt seid, und noch lange nicht alle
geistige Nahrung, die Ich seit Jahren zu euch sende, bis in euer Außenleben
verwirklicht habt. Vieles ist es, das ihr wohl lest, manchmal auch glaubet,
das aber an der Außenseite der Lebenshaut noch keine Spuren gezeigt hat, als
wäre diese Gnaden- und Liebekost bis dorthin durchgedrungen. Nur wenige von
euch erkennen ihre Unwürdigkeit wie der Hauptmann zu Kapernaum, auf daß auch
sie ausrufen möchten: „Herr, ich bin so vieler Gnaden nicht würdig! Nur ein
Wort des Trostes genügt, und auch dieses ist schon zuviel für mich armes,
schwaches und wankelmütiges Kind!“ [PH.01_009,18] Die meisten von euch
glauben, wie die Juden jener Zeit, alles getan zu haben, wenn sie sich
buchstäblich an die Satzungen und Lehren Meiner Worte klammern. Sie sind aber
noch weit entfernt von der praktischen Ausübung der Worte ihres Vaters. Wie
die Juden oberflächlich nur das hielten, was ihnen materiell das Wichtigste
zu sein schien, so ist es auch bei euch! Mit der Begeisterung für Mein Wort,
mit dem Bekehrenwollen anderer, da seid ihr gleich bereit! Ihr wollt gleich
helfen, den Unrat vor anderer Leute Türen aufzuräumen; nur den eigenen laßt
ihr gemütlich liegen und wartet wie dieser im Evangelium genannte Aussätzige,
daß Ich vielleicht komme und mit Meiner Berührung euch gleich zu höchst moralischen
Wesen stempeln solle. [PH.01_009,19] Hier liegt der große
Fehler! Weil ihr eure Eiterbeulen nicht kennt, so sucht ihr sie auch nicht zu
heilen. [PH.01_009,20] Hier in diesem Worte
ermahne Ich euch: Untersucht eure Lebens- und Seelenhaut! Und wenn ihr solche
Aussatzgeschwüre entdeckt, so möge euch das ein Zeichen sein, daß ihr noch manches
Fremde, nicht eurem geistigen Wesen Angehörige, in eurem Innern bergt.
Trachtet danach, solches auszumerzen und durch neue, kräftige
Lebenssubstanzen zu ersetzen, damit ihr nicht Meine direkte Berührung,
sondern nur Mein Wort nötig habt, auf daß eure Seele gesund werde! Amen. 10. Predigt – Am Sonntage Septuagesimä. Das Gleichnis
von den Arbeitern im Weinberge. [PH.01_010] Matth.20,1-16: Das
Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu
mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen
Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um
die dritte Stunde und sah andere am Markte müßig stehen und sprach zu ihnen:
„Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist!“ Und
sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat
gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig
stehen und sprach zu ihnen: „Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig?“ Sie
sprachen zu ihm: „Es hat uns niemand gedingt.“ Er sprach zu ihnen: „Geht ihr
auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden!“ Da es
nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: „Rufe die
Arbeiter, gib ihnen den Lohn und hebe an bei den letzten bis zu den ersten!“
Da kamen, die um die elfte Stunde gedingt waren, und es empfing ein jeglicher
seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr
empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie
den empfingen, murrten sie wider den Hausvater und sprachen: „Diese letzten
haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir
des Tages Last und Hitze getragen haben!“ Er antwortete aber und sagte zu
einem unter ihnen: „Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht! Bist du nicht mit
mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin! Ich
will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu
tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich so gütig
bin? Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn
viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Den ... Januar
1872 [PH.01_010,01] Dieses Gleichnis, sowie
viele andere, hatte den Zweck, den damals lebenden Juden geistige Wahrheiten
in der Form von Vergleichen und Schilderungen aus dem praktischen Leben
leichter verständlich zu machen. Außerdem war damals – wie heute noch im
Orient – die Bilder- und Gleichnissprache mehr gebräuchlich als in heutiger
Zeit, wo man bei allen Mitteilungen die direkte Darstellung vorzieht. [PH.01_010,02] Es liegt in diesen
Gleichnissen immer ein tieferer, geistiger Sinn, der sowohl damals paßte, wie
auch für alle kommenden Zeiten stets den gleichen Wert haben wird. [PH.01_010,03] Diesen geistigen Sinn
wollen wir nun etwas mehr beleuchten und seine Bedeutung hervorheben, weil er
das Wesentliche, der Kern, – das Gleichnis nur seine Schale oder Umhüllung
ist. [PH.01_010,04] Seht, in jenem
Gleichnis sagte Ich: „Das Himmelreich gleicht einem Weinberge.“ Der geistige
Sinn dieser Worte muß auf den eigentlichen Begriff, was denn ein Weinberg
ist, zurückgeführt werden. [PH.01_010,05] Seht, ein Weinberg ist
ein Stück Land, aus dessen Boden durch Anpflanzung von Reben das Ätherische
der Erde in Geistiges, in der Traube zu Wein verwandelt wird. Durch
Zersetzung der Elemente werden gröbere Stoffe in feinere, geistigere
umgewandelt. [PH.01_010,06] Was ist aber neben der
Erde zum Ausreifen der Traube noch besonders nötig? [PH.01_010,07] Es ist das Licht der
Sonne; denn ohne den Wecker von oben entwickelt sich aus der Erde kein
geistiges Produkt. Die Sonne muß mit ihren Lichtstrahlen erst die in der Erde
schlafenden Elemente wecken, sie mit ihrer Wärme vergeistigen helfen und so
durch den Kreislauf im Rebstock, durch Wurzeln, Äste, Blätter und Blüten, das
Höchste absetzen, das endlich nach seinem Zersetzungsprozeß sichtbar zeigt,
welche Fülle geistigen Stoffes in der Traube verborgen lag, welch geistiger
Stoff sich jedoch erst dann zu zeigen beginnt, wenn die Traube aufgehört hat,
Traube zu sein. [PH.01_010,08] Hier habt ihr also den
Weinberg, bei dem drei Dinge – nämlich Erde, Wasser und Licht –
zusammenwirken müssen, um auf höherer Stufe etwas Geistiges hervorzubringen. [PH.01_010,09] Nun wird euch der
Vergleich Meines Reichs oder des Himmelreichs mit einem Weinberg schon
leichter verständlich sein, wenn ihr die oben angeführte Erklärung auf Mein
Reich anwendet. [PH.01_010,10] In Meinem Reich ist
ebenfalls das Höchste nur Geist; aber dieser Geist, verkörpert in geistigen
Wesen, kann erst aus den unter dem Geist stehenden, niederen Produkten der
Schöpfung gewonnen werden. So wie der ganze Bildungsprozeß des Weins, vom
eingesaugten Saft der Wurzel des Rebstocks bis zum im Fasse gärenden
Mostwein, ein fortwährendes Verwandeln, Läutern und Verfeinern der Stoffe
ist, so werden auch in Meiner ganzen Schöpfung alle geschaffenen Dinge –
stets weiter vorrückend – geläutert und verfeinert, bis nach ihrem Ende als
Materie, bei dem Zerfall des Bestandes, das Geistige mit leichter,
ätherischer Umkleidung heraustreten kann. So wie die Wurzel des Rebstockes
aus der Erde die ihr zusagenden Stoffe zieht, die zum weiteren Aufbau der
ganzen Pflanze gehören, ebenso liegt die Wurzel des einst Geistigen im
Materiellen vergraben. Dort sind ihre ersten Anfänge, von dort entbindet
sich, was einer höheren Stufe fähig ist, und steigt aus der Finsternis der
Erdrinde in die feinere Luft auf. Hier tun sodann Licht, Luft und Wasser das
ihre, um den Vergeistigungsprozeß zu vollenden und feste Elemente der Bestandteile
der Erde in wässerige umzuwandeln, die leichter Geistiges, Edleres enthalten
können, weil sie, – den unteren Regionen entwachsen, von Licht und Wärme durchdrungen,
sich den Einwirkungen der höheren Regionen leicht hingeben können. [PH.01_010,11] In entsprechender Weise
geht auch der Erziehungsprozeß zum Einwohner Meiner geistigen Himmel vor
sich. [PH.01_010,12] Durch den Licht- und
Wahrheitsstrahl von oben muß das im Grabe Schlafende aus der groben Materie
gezogen, dann geläutert und in ihm der Drang erweckt werden, stets höher und
höher zu steigen. Ihr seht es auf eurer Erde, wie alles sich von der gröbsten
Materie zur leichteren Existenz hindurchringt durch alle Klassen des
Erdreichs zum Pflanzen- und Tierreich und von dort, sich stets weiter
entwickelnd, aufwärtssteigt zum Menschen, der dann die erste geistige Stufe
zu Meinem Reich bildet. Er ist schon der Traube gleich, in welcher alle
Elemente zum köstlichen Weine vorbereitet liegen. [PH.01_010,13] Auch im Menschen ist
alles so geformt und gebildet, daß der Einfluß von oben der mächtigere und
der von unten der schwächere ist. Wenigstens war das so Meine Bestimmung. Die
Entartung und das Abweichen des Menschen von diesem von Mir ihm gebahnten Weg
wird später an der betreffenden Stelle dieses Gleichnisses zur Sprache
kommen. [PH.01_010,14] Durch die Auflösung der
menschlichen Hülle tritt der Mensch ins Geisterreich über, wo sich geistig
der nämliche Prozeß wiederholt. [PH.01_010,15] Wie der unterste, in
die feste Materie gebundene Geist vorher bis zur obersten Stufe, die auf
Erden möglich ist, zum Menschen emporstieg, so muß er im Geisterreich wieder
als einfache Menschenseele anfangen, um bis zum größten Engelsgeist, ja bis
zu Mir selbst, fortzuschreiten. [PH.01_010,16] In dieser Hinsicht also
gleicht das Himmelreich einem Weinberge, weil im einen wie im andern der
Läuterungsprozeß vom Groben zum Feinsten, vom Festen zum Beweglichsten, von
der Materie zum Geist vollzogen wird. In dieses Himmelreich als Weinberg –
wie das Gleichnis sagt – sucht also ein Hausherr Arbeiter, die den Weinberg
bearbeiten sollen. [PH.01_010,17] Was der Eigentümer
eines Weinberges im weltlichen Sinn sucht, das suche Ich im geistigen. Ich
suche ebenfalls Seelen, die sich selbst und Meine Schöpfung begreifen und
sich dazu hergeben, Meine Liebesgebote zu erfüllen, und die durch ihre Lehren
und ihr Beispiel dazu beitragen sollen, die in der Materie gebundenen Geister
zu befreien, um so das einst von Mir Ausgegangene Mir wieder – und zwar
geläutert, verfeinert, vergeistigt – zurückzuführen. [PH.01_010,18] Wie der Hausherr
frühmorgens ausgeht, die ersten müßig Dastehenden findet und sie zur Arbeit
dingt, so gehe auch Ich aus und suche auf Menschenseelen schon in den
frühesten Jahren einzuwirken, um sie für Mein Reich tauglich zu machen. Wie
dieser Herr des Weinberges zu verschiedenen Stunden ausgeht, um neue Arbeiter
zu finden, suche auch Ich in den verschiedenen Altersstufen, im Jünglings-,
Mannes- und selbst im Greisenalter, diejenigen wiederzugewinnen, welche – Mir
bis dahin verloren – nicht wußten, was ihre Mission auf dieser Welt war, und
was ihr Zweck in der andern sein wird. [PH.01_010,19] Wie Meine Kinder in den
verschiedenen Altersstufen stehen, so stehen auch – im größeren Maßstabe –
die Völker teils im Kindes-, teils im Jünglings-, Mannes- oder Greisenalter.
Auch die Völker gehen den gleichen Gang der Entwicklung wie der einzelne
Mensch in seinen Lebensphasen. [PH.01_010,20] Die ersten Anfänge
einer Lehre für Mein Reich waren die Zeiten des Glaubens, die dem Kindesalter
entsprechen. Dann kamen die Zeiten der Zweifel und des Fragens, – des
Jünglingsalters. Später folgten die Zeiten des klaren Bewußtseins, die des
Mannesalters, und endlich die Periode, die der nahe bevorstehenden
Verwandlung vorausgeht, das Greisenalter. [PH.01_010,21] Mein erstes Kommen fiel
in die Zeit des Jünglingsalters der Menschheit, als die erwachten Gemüter
anfingen, das ihnen als Religion Gegebene zu kritisieren und zu erklären,
woraus verschiedene Glaubensbekenntnisse entstanden. Damit nun diese große
Fragezeit die Menschheit ihrer geistigen Existenz nicht ganz beraube, trat
Ich gerade in jener Zeit auf und rettete so das in der Kindheit angenommene
Gute, entfernte das durch spitzfindiges Grübeln Angeklebte und gab so dem
Menschen seine Geisteswürde wieder, die sonst im weltlichen, egoistischen
Treiben verlorengegangen wäre. [PH.01_010,22] In diesem
Jünglingsalter, wo sich höchste Begeisterung und größte Erniedrigung die Hand
gaben, suchte Ich Meine Arbeiter für Meinen himmlischen Weinberg. Als
Märtyrer bestiegen viele den Scheiterhaufen – auf den wohl andere, aber nicht
sie hingehörten –, um ihre Mission zu vollenden. [PH.01_010,23] Unter diesem Treiben
und Hin- und Herwogen zwischen großen Ideen, zwischen Geistlehre und Materialismus,
reifte das Mannesalter der Menschheit heran. Mein in der Jugendzeit gelegter
Same trug seine Früchte, wenngleich an vielen Orten entartet. Und wieder ging
Ich aus und sammelte Kämpfer für Mein Reich – und fand sie, wenn auch
spärlich. Einige wagten es wieder, den Weizen von der Spreu zu reinigen,
damit nicht im reifen Mannesalter, trotz klarer Einsicht, die ganze geistige
Saat wegen weltlicher Interessen wieder unterdrückt werde. Es begannen die
Religionskriege und die Verfolgungen, man wollte mit Feuer und Schwert, mit
Haß und Rache bekämpfen, was nur allein durch Liebe und Duldung hätte besiegt
werden können. [PH.01_010,24] Auch dieses Mannesalter
mit seinem ernsteren Charakter ging vorüber. Diejenigen, die die Welt nach
ihren Ideen verdummen und sie mit Blindheit schlagen wollten, fielen in die
Grube, die sie anderen gegraben hatten. Sie gehen einer Reform entgegen, die
ganz anders ausfallen wird, als sie es sich dachten. [PH.01_010,25] Und so hatten Meine
Arbeiter, wenngleich noch nicht alles vollbracht, doch wenigstens bedeutend
dazu beigetragen, die Pflanze des Geistes, die den reinsten Wein des Himmels
enthält, vor der Zerstörung, vor der Verwesung zu bewahren. [PH.01_010,26] Nun komme Ich wieder im
Greisenalter der Menschheit, in welchem sie reif ist, bald einer geistigen
Verwandlung entgegenzugehen. Wiederum suche Ich Meine Arbeiter und finde
deren schon mehrere. Obwohl im Greisenalter der Menschheit – wie in dem des
einzelnen Menschen – viel Angewohntes ist, das nicht leicht auszurotten ist,
so wird doch die Kraft der Umstände das meiste dazu beitragen, mit Gewalt zu
entfernen, was nicht mit Sanftmut und Liebe einem Besseren weichen will. [PH.01_010,27] So dingte und sandte
Ich Meine Arbeiter, und wenn diese einst in Meinem Reich angekommen sein
werden, so mögen sie sich zu den anderen, schon früher Gegangenen scharen, um
mit ihnen das Fest des Sieges zu feiern und die Krone der Verdienste zu
teilen. [PH.01_010,28] Alle Menschen hatte Ich
zu diesem Läuterungswege berufen; allein nur wenigen gelang es, die
Auserkorenen genannt zu werden, die, über Elend, Gram, Sorge und Kampf
triumphierend, stets Meine Fahne des Glaubens hochtrugen. Manche haben auch
gelitten und erduldet in ihrem frommen, aber verkehrten, bis zum Fanatismus
ausgearteten Sinn. Diese werden im Jenseits die Murrer sein, wenn sie
diejenigen zuerst belohnt sehen, auf die sie bei Lebzeiten vielleicht mit
Verachtung herabschauten. Sie waren zwar auch die Auserwählten, doch es
fehlte ihnen an Kraft, die Auserkorenen zu werden; so werden sie sehen
müssen, wie die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten werden. [PH.01_010,29] Doch die ewige Liebe,
die alles ausgleicht, wird auch dort Mittel wissen, um die Wunden des
Eigenstolzes zu heilen, denen falsche Ansichten zugrunde lagen. [PH.01_010,30] Ihr, Meine Kinder, und
die ganze Menschheit seid jetzt in das Greisenalter eingetreten. Es naht die
Zeit der Auflösung – im geistigen Sinne genommen –, es naht Mein letztes
Kommen. Daher die Unruhe in den Gemütern, weil sie den baldigen Wechsel der
weltlichen und geistigen Dinge dunkel ahnen! Daher diese Hast, noch vor der
Zeit das Schlechte auszumerzen, um nicht von Ereignissen überrascht zu
werden, in denen das bis jetzt Geglaubte nicht ausreicht! Daher der Eifer der
Arbeiter am Abend, um in diesen wenigen Stunden des geistigen Lebens noch das
zu ersetzen, was sie bis dorthin nicht verrichten konnten! [PH.01_010,31] So ist der Hausherr des
Weinbergs bald mit der Lohnauszahlung beschäftigt. So werde auch Ich bald die
Kronen und Siegespalmen denen verteilen, die – ob spät oder früh – die wahren
Vertreter und Ausbreiter Meiner Lehre waren. [PH.01_010,32] Seht auch ihr, daß ihr
nicht nur zu den Berufenen gehört, Mein Wort zu vernehmen, sondern daß ihr zu
den Auserkorenen gezählt werdet, die, wie die fleißigen Arbeiter in einem
Weinberg, am meisten dazu beigetragen haben, noch am Lebensabend einer
greisenartigen Menschheit dem starren, lieblosen Treiben der Welt soviel
Geistiges wie möglich abzugewinnen, welches dann im Himmelreich, nach dem
Gärungsprozeß, geistige Früchte tragen soll! Amen. 11. Predigt – Am Sonntage Sexagesimä. Das Gleichnis vom
Sämann. [PH.01_011] Luk.8,4-15: Da nun viel
Volk beieinander war und aus den Städten zu ihm eilte, sprach er durch ein
Gleichnis: „Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte,
fiel etliches an den Weg und ward zertreten, und die Vögel unter dem Himmel
fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrte
es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen;
und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und etliches fiel auf ein
gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht.“ Da er das sagte,
rief er: „Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“ Es fragten ihn aber seine
Jünger, was dies Gleichnis wäre. Er aber sprach: „Euch ist es gegeben, zu
wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß
sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es
schon hören. – Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die
aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; danach kommt der Teufel und
nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und nicht selig
werden. Die aber auf dem Fels, sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das
Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie,
und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel,
sind die, die es hören und hingehen unter den Sorgen, Reichtum und Wollust
dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten
Land, sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen
und bringen Frucht in Geduld.“ 20. Januar
1872 [PH.01_011,01] Dieses Gleichnis vom
Sämann und dem Samen, das Ich einst Meinen Jüngern und dem Mich umgebenden
Volke gab, ist nach seiner Form, in der es gegeben ist, leicht zu verstehen,
um so mehr, als selbst im Evangelium die zeitgemäße Erklärung steht, wie Ich
sie Meinen Aposteln, aber nicht dem Mir zuhörenden Volke gegeben habe. [PH.01_011,02] Gemäß dieser Erklärung
ist der Same Mein Wort. Wo dieses auf den Weg fällt und zertreten wird,
bezeichnet es die Gleichgültigkeit derjenigen, welche es hören, aber sich
nicht darum kümmern, es mißachten und, ihren weltlichen Interessen allein huldigend,
darüber hinweggehen. Der felsige Grund, auf den der Same fällt, bezeichnet
diejenigen Herzen, die – wie die Gelehrten und Theologen – den Samen nur
insoweit annehmen, als er in ihre wissenschaftlichen Systeme paßt. Sobald
sich aber bei ihnen andere Ansichten geltend machen, so findet dieser Same
auf dem felsigen Grund keine oder sehr wenig Nahrung und muß verdorren. [PH.01_011,03] Wenn der Same zwischen
die Dornen fällt und mit ihnen aufgeht, so heißt das soviel, daß Meinem Wort
nur insofern geglaubt und danach gelebt wird, wie es sich mit den weltlichen
Ansichten vereinen läßt. Stößt es gegen diese an, oder verlangt Mein Wort
Aufopferung und Verleugnung, so wird es beiseitegesetzt und bringt deshalb
auch keine Frucht. Es bleibt dann höchstens bei schönen Worten, aber zu Taten
kommt es nicht! [PH.01_011,04] So weit die Erklärung,
die Ich schon Meinen Aposteln gegeben habe. Es kommt jetzt darauf an, wie
dieses Gleichnis auf die jetzige Zeit anzuwenden und ob ihm nicht noch eine
andere, wichtigere Seite abzugewinnen ist. [PH.01_011,05] Bevor wir in der
Erklärung weitergehen wollen, müssen wir uns erst folgende Fragen beantworten:
Was ist eigentlich der Same? Was bezweckt sein Ausstreuen, und was ist die
Absicht des Sämanns selbst? – Erst nach Beantwortung dieser Fragen kann eine
wahre Deutung und Erklärung durch geistige Entsprechung folgen; denn im allgemeinen
sprecht ihr der Worte gar viele aus und seid euch doch nicht ihrer tiefen und
geistigen Bedeutung bewußt. Nur wer der Worte tiefsten Sinn und deren
geistige Entsprechung kennt, der erst ist seiner Sprache mächtig. Er hat das
Geschenk, mittels seines Mundes Töne hervorzubringen, in geistigem Sinne aufgefaßt,
und jedes Wort, das aus seinem Munde fließt, ist ein Strahl des Geistlichtes,
welches in ihm die Seele erleuchtet, vergeistigt und sie stufenweise zur
Vereinigung mit Mir weiterleitet. Daher ist zwischen Sprechen und Reden ein
großer Unterschied. Man kann viel sprechen – und doch nichts sagen, während
der gewichtige Sinn einer geistigen Rede sich inhaltsschwer gestalten kann. [PH.01_011,06] So müssen wir also mit
dem Worte ,Samen‘ zuerst anfangen und es in seiner Bedeutung näher
betrachten. [PH.01_011,07] Seht, im Samen liegt
die Unendlichkeit. Aus einem Samenkorn entstehen immerfort Produkte derselben
Gattung, zu welcher der Same gehört. [PH.01_011,08] So war es bei der
Erschaffung der materiellen Welt begründet, daß Ich nur einmal die Dinge
einzeln erschuf. Ich legte in dieselben schon den Keim zur weiteren
Fortpflanzung, so daß die erste Wirkung, das Aus-sich-selbst-Entwickeln, in
Ewigkeit nie mehr aufhören wird, solange die Elemente bestehen, welche im
Erdboden und in der Luft zur Entwicklung des Samens vorhanden sind. [PH.01_011,09] Wie der Same eines
Baumes alle Keime seiner zukünftigen Bestimmung in sich trägt, ebenso Mein
Wort, welches als Produkt Meines Geistes fortwährend Neues zeugt, nie vergeht
und ewig fortdauert. – Daher sagte Johannes: „Im Anfange war das Wort, und
das Wort war Gott!“ [PH.01_011,10] Auch Ich bin das
Samenkorn, aus dem stets und ewig nur wieder Göttliches hervorgehen wird.
Wohin dieses Wort als Same fällt, erregt es den Grund, auf den es fiel, zur
Tätigkeit – oft bleibend, oft nur vorübergehend. [PH.01_011,11] Da Ich aber auch der
Sämann bin, der seinen Samen über die gesamte Schöpfung ausschüttet, so
geschieht es natürlich auch – wie im Gleichnisse gesagt ist –, daß nicht
aller Same gleich gedeiht. Der eine bringt mehr, der andere weniger, der
dritte gar keine Frucht. Erstens weil selbst die Welten Meiner Schöpfung
nebst ihren Bewohnern nicht alle auf ein und derselben Stufe stehen, und
zweitens, weil überall die Menschen ihren freien Willen haben, zu tun und zu
lassen, was ihnen gut dünkt. Deswegen die verschiedenen geistigen Resultate
auf allen Weltkörpern und bei allen Menschen, und deswegen die längeren oder
kürzeren Wege, die sämtliche erschaffene Wesen gehen müssen, um zu ihrem
Ziel, zur Vergeistigung ihrer Seele zu gelangen. [PH.01_011,12] Ich als Sämann streue
Meinen Samen überall aus. Wo er gleichgültig aufgenommen wird, liegt die
Schuld an den Seelen selbst, wenn sie durch bittere Zulassungen dann eine
herbe Schule durchmachen müssen. Wo Mein Same auf felsenharte Herzen fällt,
da des Bleibens nicht ist, weil jeder leichte weltliche Wind denselben
verweht und keine Spur von ihm zurückläßt, dort wird auch diese Härte der Herzen
mit der Zeit mürbe gemacht werden. Wo Mein Same auf dornigen Boden fällt und
mit dem Unkraut aufwächst, dort wird sein Schicksal auch das des Unkrauts
sein, welches mit der Zeit ausgerottet werden muß. Dann wird jenen Menschen
gar nichts übrigbleiben als die gänzliche Brachlage des Ackerfelds ihres
Herzens, auf welchem nichts bleibend fortkommen konnte, weder das Laster noch
die Tugend. Nur da, wo Mein Wort auf guten Boden fällt, wo die Herzen durch
Mich schon vorher bereitet wurden, dort wird der Same Meines Worts aufgehen,
blühen und Früchte tragen, an denen dann andere sich ein Beispiel nehmen
können. [PH.01_011,13] Mein Wort also, als
Same, wurde und wird noch täglich ausgesät, um die Menschen zu wahren
Menschen, um sie Mir würdig zu machen, damit sie als Ebenbilder Meines
göttlichen Ichs nach und nach das werden, wozu Ich sie bestimmt habe. [PH.01_011,14] Zu allen Zeiten, seit
Meinem Erdenwandel, wurde durch Mich und Meine Auserwählten Mein göttliches
Wort der Liebe ausgesät. Und weil einst Meine Zuhörer aus verschieden
gearteten Menschen bestanden, so wollte Ich durch das Gleichnis dem einen
seine Leichtfertigkeit, dem andern seine Gleichgültigkeit und dem dritten
seine Weltsüchtigkeit zeigen und ihnen damit beweisen, welches Endresultat es
hat, wenn man Mein Wort bloß hört und nicht tätig ausübt. Was Ich dort Meinen
Zuhörern und Aposteln zurief: „Wer Ohren hat, der höre!“, das sage Ich jetzt
wieder, da Ich als Sämann bald kommen werde, um von Meinem Samen Ernte zu
halten. [PH.01_011,15] Mehr als je ist jetzt
Mein Wort als geistiger Same zur ewigen Glückseligkeit auf allen Wegen
zertreten und von den Vögeln aufgefressen worden, welch letztere sich das
Wort nur für ihr Interesse zu eigen machen wollten. Es ist schon längst auf
zu steinigen Boden egoistischer Herzen gefallen, wo es, ohne Nahrung,
verdorren muß. Und wo noch hier und da ein Hälmchen blüht, steht es zwischen
den Genüssen der Welt, da es nur so lange gelitten und gepflegt wird, wie es
mit den Ansichten der Welt harmoniert. Verlangt es aber Opfer, so wird es bei
groß und klein über Bord geworfen. [PH.01_011,16] Wenige sind es, die
trotz aller Mißhelligkeiten, Kämpfe und Leiden Mein Wort im Herzen behalten,
es sorgfältig pflegen und es auch in Taten ausüben. Wie Ich einst sagte, daß
viele berufen seien, sich durch den Samen Meines göttlichen Wortes nach
diesem kurzen irdischen Dasein jenseits eine bleibende Seligkeit zu erwerben,
sind unter diesen vielen Berufenen nur wenige auserkoren, die Siegespalme zu
erlangen, die Ich selbst einst durch das Kreuz und am Kreuze als Mensch errungen
habe. [PH.01_011,17] Ich ging der Menschheit
als Beispiel voran. Wie Mein Leben sich nicht durch hohe Geburt und andere
günstige Verhältnisse auszeichnete und Ich schließlich vor der Menge als
Verbrecher am Schandpfahl Mein irdisches Leben lassen mußte, ebenso ergeht es
allen, die Mir folgen werden. Auch sie werden verfolgt, verachtet und
mißhandelt werden. Aber wie Meine Auferstehung und später die Heimkehr in
Mein Reich alle Pläne der Menschen zunichte machten und Ich vergeistigt in
Meinen Himmeln ankam, so werden auch diejenigen, welche ihr Herz als gutes Erdreich
Meinen Worten darboten, einst ernten, was Ich hier in ihre Brust gesät habe.
Sie werden belohnt werden durch das Bewußtsein, gekämpft, gelitten, aber auch
gesiegt zu haben. Sie werden den Lohn empfangen, da sie nie – wie eitle
Wanderer – Mein auf ihren Weg gestreutes Liebeskorn zertraten, noch ihr Herz
zu Stein werden ließen, noch wegen der weltlichen Freuden, welche die Dornen
fürs Geistige sind, die aufkeimende Frucht vernachlässigt haben. Sie werden
als gutes Erdreich edle Früchte tragen, wie auch Ich einst sagte: „An ihren
Früchten sollt ihr sie erkennen!“ [PH.01_011,18] So ist die Aussaat reif
geworden, damit endlich der Weizen von der Spreu gesondert, die Dornen und
Disteln einer feuerähnlichen Reinigung übergeben und das gereifte Korn in
Meine Scheunen gebracht wird. Schon seht ihr überall, wie die Sichtung
beginnt. Ich komme, um für Meinen ausgesäten Samen Verantwortung zu
verlangen. – Wie die Arbeit, so der Lohn! [PH.01_011,19] Mein Wort ist göttliche
Aussaat, ist Aussaat der Ewigkeit für die Ewigkeit. Wenngleich die Aussaat
mißachtet, wenngleich sie mit Füßen getreten wird, wenngleich sie unter
Dornen aufgeht, – stets bleibt der göttliche Keim, und ein Samenkorn genügt,
des Guten in Fülle zu zeugen und über die Welt auszugießen. Daher ist es ganz
gleich, wenn auch Tausende dieser Samenkörner vergeblich ausgestreut wurden.
Diejenigen, welche auf gutes Erdreich, in gläubige Herzen fielen, werden
Licht verbreiten über die Dunkel-Gebliebenen. Und so wird nie vernichtet werden,
was Ich als Schöpfer schuf, was Ich als Jesus mit dem Kreuzestode besiegelte,
und was Ich jetzt in kurzer Zeit als Erntemann von den Feldern des geistigen
Wirkens heimbringen werde. Wenn die Ernte auch klein sein wird, so liegt eben
im Kleinen der Beweis, daß das Große nie verwelkt und verwest, so es, im
Kleinsten eingehüllt, die größten Wirkungen hervorzubringen vermag. [PH.01_011,20] Daher laßt auch ihr
eure Herzen nicht versteinern, nicht mit Unkraut und Disteln bewachsen!
Haltet sie stets bereit, um Mein Wort, das in so verschiedener Weise eure
Seele erquickt, auch tatsächlich aufkeimen zu lassen, damit ihr nicht das
Schicksal derer teilet, die Mein Wort nur oberflächlich aufnehmen und dann,
wenn es zur Tat kommt, beweisen, daß der Same nur auf der Oberfläche ihres Herzens
klebte, nie aber in dasselbe tiefer eingedrungen ist! [PH.01_011,21] Bedenket wohl: ein
Sämann sät, um einst auch zu ernten! Die Erntezeit rückt heran! Machet auch
euch bereit, um in Meine Scheunen aufgenommen zu werden und nicht mit den
Dornen und Disteln den längeren Weg zur Besserung antreten zu müssen! [PH.01_011,22] Darum: Wer Ohren hat,
der höre, solange es noch Zeit ist! Amen. 12. Predigt – Am Sonntage Estomihi. Die Heilung eines
Blinden. [PH.01_012] Luk.18,35-43: Es geschah
aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er
aber hörte das Volk, das hindurchging, forschte er, was das wäre. Da
verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und
sprach: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich mein!“ Die aber vornean gingen,
bedräueten ihn, er solle schweigen. Er aber schrie viel mehr: „Du Sohn Davids,
erbarme dich mein!“ Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da
sie ihn aber nahe zu ihm brachten, fragte er ihn und sprach: „Was willst du,
daß ich dir tun soll?“ Er sprach: „Herr, daß ich sehen möge!“ Und Jesus
sprach zu ihm: „Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.“ Und alsobald ward
er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches
sah, lobte Gott. 21. Januar
1872 [PH.01_012,01] Hier habt ihr ein
Beispiel, in dem der feste Glaube eines Blinden an Meine Allmacht ihm das
Licht seiner Augen wiedergegeben hat. [PH.01_012,02] Wie viele Blinde gibt
es jetzt auf eurer Erde, die alle das Licht sehr nötig hätten, und doch sind
unter ihnen nur wenige, die den Drang haben, ihr Augenlicht wiederzuerhalten! [PH.01_012,03] Die meisten sind mit
ihrer geistigen Blindheit zufrieden und haben sich an sie so gewöhnt wie ein
Blindgeborener, der, weil ihm der Gesichtssinn von Geburt aus mangelt, seine
übrigen Sinne, besonders den Tastsinn, so verfeinert und vervollkommnet hat,
daß letzterer den ersteren beinahe ganz ersetzt. Sie sind mit ihrer Lage
zufrieden, weil sie keine bessere kennen. Sie bedauern den Mangel des Augenlichts
nicht, weil sie keinen Begriff von dem haben, was eigentlich Licht und seine
Wirkung ist. [PH.01_012,04] Wie diese
Blindgeborenen materiell in dieser Weise fortleben, so leben Tausende von Menschen
geistig fort. Durch Erziehung und Umstände wurde ihnen nie etwas von
geistigem Licht, von höheren Stufen der Auffassung selbst des Materiellen gesagt.
Für sie bestehen nur die Begriffe des Materiellen. Sie glauben, alles sei
Materie, und die Materie sei die eigentliche Welt, aus Materie werde alles
ausgeboren, und zur Materie kehre alles wieder zurück. [PH.01_012,05] Zu diesen Stockblinden
gehören auch jene Gelehrten und Naturforscher, die sich selbst um den letzten
Funken geistigen Lichts durch die verkehrte Richtung ihres Studiums gebracht
haben. Die ersteren sind blind und wissen nicht warum, – die letzteren wollen
blind sein, weil das Licht, wenn es über sie hereinbräche, nicht mit ihrer
Denk- und Lebensweise zusammenpassen würde. [PH.01_012,06] Außer diesen mit ihrer
Blindheit Zufriedenen gibt es noch eine andere Art Blinde, die den Wunsch
hegen, sehend zu werden. Das sind diejenigen, welche wie die blinden Bettler
am Lebensweg sitzen und die Vorübergehenden, wenn sie ihrer durch das
Geräusch gewahr werden, um geistige Nahrung bitten, damit ihre Blindheit
entweder erträglich oder gar geheilt werde. [PH.01_012,07] Solche Blinde sind jene
Menschen, die in ihrem Lebenswandel auf manches gestoßen sind, was sie zum
Nachdenken veranlaßte, worüber sie gerne Licht und Bescheid haben möchten,
aber sich selbst nicht von der Finsternis befreien können. Es sind dies jene
Menschen, die den religiösen Zeremonien huldigen, in sie mehr Wert
hineinlegen, als sie wirklich haben. In einzelnen Fällen fühlen sie sehr
wohl, daß über diesem Kultus doch noch etwas Höheres, Geistiges ist, das
ihnen den eigentlichen Trost in den Fällen geben könnte, wo sie die
menschliche Weisheit im Stich läßt. [PH.01_012,08] Diese Menschen sitzen
am großen Lebensweg der Geister, welche alle im Fortschreiten begriffen sind.
Sie sind es, die als Bettler um geistige Almosen bitten, damit auch sie an
der Erdenscholle, auf die sie ihr Schicksal gestellt hat, nicht ewig haften
bleiben, sondern damit auch sie den geistigen Flug antreten können, welcher
anderen zuteil wurde, die sie an sich vorüberrauschen fühlen. Manche gehen
diese große Heerstraße des geistigen Fortschritts; aber nicht alle fühlen
sich berufen und gedrungen, den Anflehenden zu helfen. Wie auch nicht alle
einem Bettler Almosen darreichen, sondern nur die, die den Begriff der
Nächstenliebe näher verstanden haben. So wird diesen geistigen Bettlern nur
spärlich der Lebensunterhalt gewährt, weil niemand – sei es aus Mangel an
Kraft, sei es aus Mangel an Kenntnis – den Bittenden geben kann, was sie
eigentlich verlangen, d.h. die geistige Sehe, welche nur wenige der Vorübergehenden
ganz besitzen. [PH.01_012,09] Damit aber eben diesen
nach göttlicher Speise Hungernden, sich nach dem Wahrheitslichte Sehnenden,
ihre Bitte erfüllt werde, und damit denjenigen das Gesicht wiedergegeben
werde, die, schon längst Meiner harrend, mit unerschütterlichem Vertrauen
abwarten wollten, bis Ich selbst als der große Lichtbringer ihnen das in
ganzer Fülle geben würde, was andere nur teilweise ihnen hätten darreichen
können, – so habe Ich Mich selbst auf den Weg gemacht. [PH.01_012,10] Wie der Bettler bei
Jericho von weitem Meine Stimme erkannte und Mich flehend anrief: „Du Sohn
Davids, erbarme dich meiner!“, ebenso rufen Mich in ihrem Seelendrange manche
an, und zwar im vollsten Vertrauen, daß Ich ihr Flehen erhören werde. Diesen
kann Ich dann Mein ganzes Gnadenlicht geben; denn ihr Glaube hat ihnen geholfen.
Sie waren fest überzeugt, daß Ich derjenige bin, welcher ihnen geistiges
Licht bringen und den rechten Weg zur Erlangung der Seligkeit zeigen kann.
Diese mache Ich sehend und lege ihnen die Worte ins Herz: „Sei sehend, dein
Glaube hat dir geholfen!“ [PH.01_012,11] Solche Blinde wart ihr
alle, Meine Kinder, die Ich aus vielen herausfand, weil ihr Mich aus innerem
Drang und Bedürfnis schon längst gesucht und in euch gefühlt habt, daß das
angelernte Glaubenswissen der christlichen Religion nicht ausreicht, für alle
Fälle des menschlichen Lebens stets den rechten Trost zu geben. [PH.01_012,12] Ich ließ Euch so manche
bittere Arzneien kosten, um euch desto eher von den verkehrten und falschen
Ansichten zu heilen, welche die Welt in euch hineingelegt hat. Euch erzog Ich
durch Verwicklung von Umständen zu den Vorkämpfern Meiner Lehre, wie sie
jetzt bald auf dem ganzen Erdenrund als einzige anerkannt werden soll, damit
ihr nicht allein durch Worte, sondern auch durch Taten das beweisen sollt,
was die Worte aussagen. [PH.01_012,13] Einzelnen von euch gab
Ich die Fähigkeit, Meine Stimme direkt in ihrem Innern zu vernehmen, damit
Meine eigentliche Lehre, wie Ich sie für das ganze Universum als ewig
bleibend aufgestellt habe, nicht wieder verfälscht und anders ausgelegt werde,
als Ich sie während Meines Erdenwandels Meinen Jüngern gegeben habe. [PH.01_012,14] Damals und für die
nachfolgenden Generationen, mußte Ich Mein Wort oft in Gleichnisse und
mystische Aussprüche hüllen; denn Ich wußte, was die nachfolgenden Generationen
mit diesem Worte machen würden. Ich wußte, wie viele Umwälzungen Mein Wort im
sozialen Leben hervorrufen und wie viele Verfolgungen und unschuldige Opfer
es Meine Anhänger kosten würde. Damit die Feinde, trotz allen Eifers, den
Kern Meiner Lehre zu vernichten, und bis auf den heutigen Tag, nur an seiner
Schale nagen, redete Ich in Gleichnissen. [PH.01_012,15] Jetzt, wo die
Menschheit reif geworden ist, und statt nur einzelnes aus dem jetzigen Religionsgebäude
auszuschalten, geneigt ist, das ganze Gebäude nebst seinen Bewohnern über den
Haufen zu werfen, ist der Zeitpunkt gekommen, wo klarer Wein, im allgemeinen
nicht mehr schädlich und für die Mehrzahl nur stärkend wirken kann. Jetzt
sind die Blinden am großen Wege zu Meinem Geisterreich fähig, das Licht zu
empfangen, das schon längst auf sie in Fülle herabströmt. Jetzt ist der
Zeitpunkt gekommen, wo das große Gebäude der Pfaffenwirtschaft – wie einst
die Mauern Jerichos – durch die Posaunenstöße Meiner göttlichen Lehre
umgestoßen wird, damit den hinter diesen Mauern harrenden Blinden die freie
Aussicht über das Tal des Jordans gegeben werde, in dessen Wellen Ich Mich
einst taufen ließ, und wo die Stimme aus den Himmeln erscholl: „Dies ist Mein
Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe!“ [PH.01_012,16] So sollt auch ihr jetzt
durch Mein Wort und Mein Licht aus der ewigen Quelle des unversiegbaren
Stromes Meiner Gnade getauft und sehend werden, damit auch Ich ausrufen kann:
Ihr seid Meine Kinder, an denen Ich Wohlgefallen habe! Ihr seid diejenigen,
die getauft mit Meinem Geist und begabt mit geistiger Sehe, den am Wege des
Lebens euch ansprechenden Blinden das Licht zu verleihen habt, welches Ich
euch in so großer Fülle und schon seit so langer Zeit gegeben habe. [PH.01_012,17] Bereitet euch vor,
würdige Schüler des Zimmermannssohnes, des Lehrers und Versöhners am Kreuz
und des Gottes und Vaters zu sein, der weit über alle Räumlichkeiten hinaus
mit großen, helleuchtenden Buchstaben Seine zwei Liebesgesetze in die ganze
Schöpfung eingeprägt hat! [PH.01_012,18] Bereitet euch vor,
Licht zu verbreiten, wo Blinde euch um dasselbe anflehen, damit auch sie der
Gnade teilhaftig werden mögen, damit sie durch direkte Mitteilung auf dem
kürzesten Weg erfahren, was andere oft erst sehr spät, nach langen Mühen und
Drangsalen erkannt haben, daß Ich – der Herr und Schöpfer alles Daseienden –
auch der Vater bin, der dem Flehenden nie etwas verweigert, wenn es zu seinem
Besten ist, und der gerne dem Blinden die Augen erschließt, damit er seinen
Vater in der Einfachheit des Jesus und in der Herrlichkeit des Schöpfers
erkenne und würdige! Amen. 13. Predigt – Am Sonntage Invokavit. Die Versuchung des
Herrn. [PH.01_013] Matth.4,1-11: Da ward
Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht
würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte
ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: „Bist du Gottes Sohn, so
sprich, daß diese Steine Brot werden!“ Und er antwortete und sprach: „Es
stehet geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem
jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!“ „Da führte ihn der Teufel
mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und
sprach zu ihm: „Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht
geschrieben: „Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich
auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest!“
„Da sprach Jesus zu ihm: „Wiederum steht auch geschrieben: „Du sollst Gott,
deinen Herrn, nicht versuchen!“ „Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf
einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre
Herrlichkeit und sprach zu ihm: „Das alles will ich dir geben, so du
niederfällst und mich anbetest!“ Da sprach Jesus zu ihm: „Heb dich weg von
mir, Satan; denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn,
und ihm allein dienen!“ „Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die
Engel zu ihm und dienten ihm. 21. Januar
1872 [PH.01_013,01] Dieses Kapitel handelt
von Meiner Versuchung durch Satan während Meines Erdenwandels. So, wie diese
Versuchung durch Satan in den Evangelien Meiner Apostel niedergeschrieben
ist, ist sie nicht wörtlich zu nehmen; denn es ist ganz natürlich, daß Satan
Mich wohl kannte und in Jesus seinen Herrn sah. Deswegen wäre es auch keine
Versuchung von seiner Seite gewesen, Mir anzubieten, Ich sollte aus Steinen
Brot machen – da er wohl wußte, daß Ich ganz anderer Dinge mächtig war –,
oder Mir anzuraten, Ich sollte Mich von den Zinnen des Tempels hinunterstürzen,
und es würde Mir, wenn Ich Gottes Sohn wäre, kein Leid geschehen. Führte doch
er Mich durch die Lüfte aus der Wüste bis auf diese Zinnen und wußte, daß Ich
weder der Erde ganz angehöre, noch daß die Anziehungskraft dieses Planeten
auf Mich eine Wirkung haben könne, wenn Ich nicht wolle. [PH.01_013,02] Oder wenn er Mich auf
einen Berg führte und Mir dort alles anbot, was Mein menschlich Auge von dort
aus erblickte, so wußte Satan wohl, daß er seinem Herrn und Schöpfer nicht
die winzigen Reiche eurer finsteren Erde oder gar die ganze Erde selbst
anbieten konnte; denn er konnte Mein unermeßliches Schöpfungsreich so wie
kein anderer Geist mit seinen geistigen Augen überschauen. [PH.01_013,03] Ihr seht, daß die
wörtliche Erklärung dieser Stellen – wie sie im Evangelium geschrieben sind –
nicht die Erklärung sein kann, die den Worten zu entnehmen ist. Der Sinn
dieser Versuchung, und was sie bedeutet, liegt tiefer und ganz wo anders!
Denn diese Versuchungen, wie sie im Evangelium beschrieben sind, sind wohl
für Menschen vielleicht solche, aber für den Gott und Schöpfer alles Endlichen
– wenngleich in Menschengestalt – können sie nie und nimmer solche sein und
werden. [PH.01_013,04] Seht, wenn sich bei
euch ein Student auf eine Prüfung vorbereitet, so schließt er sich gewöhnlich
mehr als sonst in sein Kämmerlein ein und studiert da Tage und Nächte fort.
Er entsagt deswegen manchen weltlichen Genüssen, entweder in Speise und Trank
oder in sonstigen Unterhaltungen, damit in ersterem Falle der Magen nicht
soviel Einfluß auf seinen Geist gewinne, und im zweiten Falle, damit nicht
Unterhaltungen seinen Geist zerstreuen, während er gerade zum Studieren ihn
gesammelt braucht. [PH.01_013,05] Was jeder Mensch tut,
der sich auf einen wichtigen Schritt in seinem Leben vorbereitet, das tat
auch Ich! [PH.01_013,06] Nachdem die Zeit
gekommen war, in der Ich Mein Lehramt antreten mußte – nämlich als Mensch, in
dessen Hülle Meine Göttlichkeit eingekleidet war –, mußte auch Ich Mich
sammeln, mußte die Nahrungsmittel für den Körper auf das nötigste heruntersetzen,
weil Mein Geist Geistiges und Ewiges schaffen wollte und von der Materie
nicht beeinträchtigt werden durfte. [PH.01_013,07] Mein irdischer Mensch
fastete, während Mein geistiger im Übermaße aller Seligkeiten schwelgte,
deren nur ein geistiges Wesen fähig ist, welches, mit Hintansetzung alles
Großen und Mächtigen, sich den von ihm geschaffenen Wesen und Geistern aus
Liebe opfern will. [PH.01_013,08] An Mich traten in jenen
Momenten alle Einflüsse menschlicher Leidenschaften heran. Nur dadurch, daß
Ich ganz Mensch wurde und das Göttliche sich in Mein Innerstes zurückzog,
konnte Ich Meinen Geistern das Beispiel geben, wie man siegen, wie man allen
Anfechtungen widerstehen kann. Ich wollte mit dieser Probe allen als ewiges
Beispiel vorangehen und ihnen begreiflich machen, daß derjenige, der Mein
Kind werden will, es nur durch Besiegung der mächtigen schlechten Einflüsse
werden kann. [PH.01_013,09] Der Hunger war das
erste, was Mich, als irdischen Menschen, belästigte. Der Sieg darüber steht in
den Worten, die Ich dem Teufel auf sein erstes Anerbieten geantwortet habe,
und die da lauten: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem
jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!“ Mit anderen Worten sagt
dies: Wenn leibliches Gelüsten des Menschen Seele bestürmt, so soll er dieses
Spruches gedenken, daß nämlich des Menschen geistiges, inneres Ich in erster
Linie genährt, ja sogar auf Kosten des Leibes gepflegt und erzogen werden
muß. Der Ausspruch, den Ich an den Teufel richtete, lautet für euch also:
„Gedenket stets, daß ihr nicht zur Pflege eures Körpers, sondern zur Vervollkommnung
eurer Seele geschaffen worden seid!“ [PH.01_013,10] Der zweite bildlich
dargestellte Versuch des Teufels bestand darin, die göttliche Macht, die in
Mir wohnte, zu versuchen. Dies heißt mit anderen Worten: Über Mich kam das
Begehren, Mich mit Meinen göttlichen Eigenschaften zu brüsten. [PH.01_013,11] Diese Versuchung
gleicht derjenigen eines Menschen, der – mit größeren Fähigkeiten und
Kenntnissen ausgerüstet, ja mit göttlicher Macht begabt, Dinge zu verrichten
imstande ist, die anderen Menschen versagt sind, und ihnen deswegen wie
Wunder erscheinen müssen. Wenn er solche Eigenschaften benützt, nicht um
seinen Mitmenschen zu helfen oder des Gebers Herrlichkeit zu vergrößern, sondern
diese Eigenschaften mißbraucht, um damit zu prunken. [PH.01_013,12] Hierher gehört meine
zweite Antwort an Satan: „Du sollst deinen Gott und Herrn nicht versuchen!“
Das heißt: „Du sollst dich nicht dem Wahn hingeben, daß der Herr, wenngleich
Er dir Macht verlieh, nicht auch imstande wäre, dir dieselbe zu nehmen,
sobald du sie zu deinen und nicht zu Seinen Zwecken gebrauchen willst!“ Ein
solcher Wunsch ist Erhebung über die eigenen menschlichen Fähigkeiten, ist
Mißbrauch eines göttlichen Geschenkes, der beim Gelingen nicht die Demut,
sondern nur den Hochmut nähren würde. Satan versuchte Meine menschliche Eitelkeit
zu wecken und glaubte, Ich würde aus dieser niederen Stellung, in der nach
Meiner Ansicht nur allein das Gelingen Meines großen Planes lag, vielleicht heraustreten. [PH.01_013,13] Der dritte Versuch war,
Meine Herrschsucht zu wecken; denn im menschlichen Herzen liegen als
Grundlage für alle anderen diese drei mächtigsten Leidenschaften: erstens der
Hang zum leiblichen Wohlleben, zweitens der Wunsch, mehr als andere zu sein –
d.h. eine soziale, glänzende Stellung innezuhaben, in der die Mittel zur
Befriedigung der ersten Leidenschaft liegen –, und endlich drittens die
Sucht, statt zu gehorchen herrschen zu können, statt der Letzte der Erste zu
sein, der anderen Gesetze vorschreibt, während er sich selbst über alles
Gesetz erhoben und sich von der Erfüllung auch nur des geringsten Gesetzes
losgesagt hat. [PH.01_013,14] Auf diesen dritten
Versuch Satans erfolgte die Antwort an ihn: „Hebe dich weg, Satan; denn es
steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott deinen Herrn und Ihm allein
dienen!“ Das heißt mit anderen Worten: Hinweg mit dieser schmutzigen Leidenschaft
des Herrschenwollens, die in ihrem Gefolge alle anderen Leidenschaften hat,
wie Hochmut, Haß, Rache, Zorn und Vergeltung! Das Geistige im Menschen
gebietet Demut, Liebe, Verzeihung und Bruderliebe. Das Geistige, dem Menschen
von Gott in die Brust gelegt, verlangt von dir, du sollst abwärts-,
heruntersteigen, sollst der Kleinste werden, sollst allen andern dienen
wollen, – wenn du einst über Großes gesetzt werden willst. Du sollst deine
Wünsche, den anderen zu unterwerfen, gänzlich aufgeben. Du sollst gehorchen
lernen, um einst befehlen zu können, aber nicht befehlen mit richterlichen
Worten, sondern befehlen mit Liebe, mit Geduld und mit der Überzeugung, daß
nur auf diesem Wege der Befehl nie hart erscheint und genau befolgt wird, –
weil der Gehorchende ebenfalls einsieht, daß dies alles nur zu seinem Besten
ist. So dient dann der Mensch seinem Gott und Herrn, wobei er, Meinem
Beispiele nachfolgend, im Kleinsten, im Niedrigsten, die größten Resultate
erreichen wird. [PH.01_013,15] Wie also Ich selbst als
Mensch einst alle menschlichen Leidenschaften durchkämpfen mußte, die Ich als
Schöpfer absichtlich in eure Natur gelegt habe, ebenso müßt auch ihr, wollt
ihr Mir nachfolgen, dasselbe tun. Den mächtigen Trieb des leiblichen
Wohllebens müßt ihr bekämpfen, müßt alle diese Genüsse einem höheren Zwecke
unterordnen, euch von Fesseln frei machen, die die Schwingen eurer Seele
hemmen. Ihr müßt die Eitelkeit – als erste Lügnerin – von euch verbannen, da
sie euch euer eigenes Bild schöner ausmalt, als es ist, und Triebe der
schlechtesten Art mit klügelnder Weisheit entschuldigt, wodurch ihr dann oft
glaubt, mehr und besser zu sein, als ihr wirklich seid, – was euch natürlich
im Fortschritt hindern muß. [PH.01_013,16] Traut euch keine Kräfte
zu, die ihr nicht besitzt! Denkt euch schwach und unwürdig, um im Glauben und
Vertrauen auf Mich zu erstarken, dann wird euch die dritte schlechte
Eigenschaft, die Herrschsucht, nicht übermannen, nicht zu Sklaven eurer
selbst machen! Es gibt nichts Schlechteres auf der Welt, als stets den
Eigendünkel zu haben, etwas Besseres als andere zu sein, und stets das
Bestreben zu haben, jedem Druck des Gehorsams auszuweichen und immer über die
Schultern anderer emporzuklimmen, wo dann der eine bloß Herr ist und die
andern Sklaven. Zum Herrschen über andere gehören ganz andere Eigenschaften
als die, die jetzt auf eurer Erde nach Herrschaft über ihre Mitmenschen
drängen! Um einen Maßstab zu haben, sehet nur Mich selbst an! Wie herrsche
Ich? Herrsche Ich mit Gewalt? Herrsche Ich durch augenblickliche Bestrafung
oder durch unerbittliches Richteramt über Gefallene und Verirrte? Herrsche
Ich durch Zorn, Rache und Bestrafung? Gewiß nicht! So wie ihr Mich kennt,
seht ihr, daß Ich nur durch und mit Meiner alles umfassenden Liebe herrsche,
daß Verzeihung Mein erstes Prinzip ist, und daß Ich nicht den verfolge, der
vielleicht ohne Verschulden fehlt, sondern ihm nachsichtig alle Mittel in den
Weg schiebe, sich zu bessern. [PH.01_013,17] Alles Schlechte, das
sich in der Welt augenscheinlich als solches zeigt, ist nicht von Mir geschaffen
worden, sondern ein Produkt des Mißbrauchs des freien Willens von seiten der
Menschen. Sie als freie Wesen können tun, was sie wollen, müssen aber auch
die Folgen davon nur sich selbst zuschreiben, – wie Ich in dem Wort über die
Wahrheit sagte: Es gibt nur eine Wahrheit, und wer dagegen sündigt, muß die
Folgen der Lüge fühlen! [PH.01_013,18] So ist dieses
Evangelium ein Beispiel, wie Ich als Mensch trotz Meiner großen Machtstellung
die Leidenschaften kräftigst bekämpfte, um euch und allen Geistern zu zeigen,
daß das Schlechte, wenn Ich es auch in der Welt zugelassen habe, doch nur zum
Besten, zum Fortschritt dient. [PH.01_013,19] Gott allein sollt ihr
dienen; ihr dienet Ihm aber nur, wenn ihr die großen Liebesgesetze befolgt,
die euch dazu antreiben sollen, euren Leib zu beherrschen und die schlechten
seelischen Eigenschaften der Eitelkeit und Herrschsucht zu bekämpfen. Nur
durch Verleugnung und Bekämpfung dieser starken Triebe eurer menschlichen
Natur könnt ihr einst in Meinem Reiche begreifen, was es heißt, über vieles
gesetzt zu werden, oder was der Spruch bedeutet: „Wer sich erniedrigt, der
wird erhöht werden!“ [PH.01_013,20] Auch dort werdet ihr
diese nämlichen Eigenschaften wiedertreffen, – die erste zwar nicht in
materieller, doch aber in geistiger Hinsicht, d.h. als Begierde, alles wissen,
alles begreifen zu wollen. Die anderen zwei Eigenschaften werden dort im
Jenseits mächtiger als hier in euch hervortreten; denn dort ist das
Bewußtsein einer Kraft noch größer als hier. Das seht ihr gerade an Luzifer
und seinen Scharen, welche – ebenfalls im Bewußtsein ihrer Kraft – das
Gleichgewicht verloren, von der Demut in Übermut übergingen und dann wie
Satan selbst sogar über Mich herrschen wollten. [PH.01_013,21] Um dort das rechte Maß
zu wissen, wie und wann man seine Kraft gebrauchen darf, um zu begreifen,
wieviel der Kenntnis bei jeder Aufgabe notwendig sein wird, um zu wissen, daß
man jenseits, wenngleich man über Großes gesetzt wird, doch dem niedrigsten
Wesen in dessen Bereiche ein Diener sein soll, – dazu müssen diese
Leidenschaften schon hier in diesem Prüfungsleben bekämpft und bezwungen
werden, damit man auch in jenen Verhältnissen, mit größerer Macht betraut,
ihr Herr sein kann. [PH.01_013,22] Deswegen nehmt euch
Meine Worte zu Herzen! Ihr wißt nicht die Hälfte eurer Mission, ihr kennt nicht
zum dritten Teil eure eigene Natur und wißt ganz und gar nicht, warum sie so
und nicht anders geschaffen ist. Eure Augen sind noch bedeutend mit dem Star
behaftet. Das Licht Meiner Weisheit kann noch nicht bis zu eurem Innersten
dringen, höchstens ein Funken der Liebe bewegt manchmal euer Herz und läßt
euch fühlen, daß es noch etwas Höheres, Größeres gibt. Aber kaum daß dieser
Lichtstrahl die innersten Kammern eures Herzens erleuchtet, so sind es diese
drei Leidenschaften – Egoismus, Eitelkeit und Herrschsucht –, welche jene
wieder verdunkeln. Sie raunen euch tausend Ausreden ins Ohr: „Ja, man kann
sich aber doch von der Welt nicht ganz lossagen!?“, „Ja, man kann nicht so
leben!“, „Ja, so ist die Welt einmal gemacht!“ usw., – lauter Ausflüchte der
Trägheit, weil ihr alle zwar Hörer Meiner Worte, aber keine Täter werden
wollt! [PH.01_013,23] Gerade jetzt, wo euch
von Sonntag zu Sonntag Mein Evangelium erklärt wird, wie ihr es nie gehört,
eben jetzt möchte Ich euch zum Nachdenken zwingen über Meine Darniederkunft,
damit ihr ein wenig ihre Größe und Wichtigkeit erkennen und einsehen möchtet,
was das heißen will: Gott, der Schöpfer der ganzen Unendlichkeit, stieg auf
eure Erde herab, und zwar in die niedrigsten Verhältnisse, ließ sich durch
euch verirrte und blinde Geschöpfe verfolgen und sogar leiblich kreuzigen! Er
machte alle Phasen eures Lebens durch, bekämpfte die menschlichen Leidenschaften,
um eben euch und allen Geistern als leuchtendes Beispiel für alle Zeiten
voranzuleuchten. Er zeigte, daß, will man geistig Ihm gleichen, man auch das
Geistige als Höchstes achten und ihm alles andere unterordnen muß, um so die
mächtigsten Leidenschaften bekämpfend, einst würdig zu werden, auch anderen
Geistern als Führer und Leiter zu dienen und in der Tat zu beweisen, daß der
Mensch nicht allein von materieller, sondern vor allem von geistiger Speise
lebt. Er zeigte, daß man Gott nicht in Seiner Gnade versuchen soll, daß man,
Seine zwei Liebesgesetze befolgend, sich und andere dorthin führt, wohin Er,
der Vater aller, euch schon längst haben wollte, das heißt: in Sein Reich als
Seine würdigen Kinder. Amen. 14. Predigt – Am Sonntage Reminiszere. Die Verklärung
Jesu. [PH.01_014] Matth.17,1-13: Und nach
sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen
Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. Und er ward verklärt
vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider
wurden weiß wie ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia, die
redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: „Herr, hier ist
gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mose
eine und Elia eine!“ Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine
lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: „Dies ist mein
lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ Da das
die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus
aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: „Stehet auf und fürchtet euch
nicht!“ Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand denn Jesus allein.
Und da sie vom Berge herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: „Ihr sollt
dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden
ist!“ Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: „Was sagen denn die
Schriftgelehrten, Elia müsse zuvor kommen?“ Jesus antwortete und sprach zu
ihnen: „Elia soll ja zuvor kommen und alles zurechtbringen. Doch ich sage
euch: Es ist Elia schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern
haben an ihm getan, was sie wollten. Also wird auch des Menschen Sohn leiden
müssen von ihnen.“ Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer
zu ihnen geredet hatte. 25. Januar
1872 [PH.01_014,01] Hier habt Ihr wieder
eine Begebenheit aus Meinem irdischen Lebenswandel, die Tiefes und
Himmlisches in sich birgt und wie einst für Meine Mich begleitenden Jünger so
auch für euch und die ganze lebende Menschheit ein bedeutungsvolles Ereignis
und in seiner geistigen Entsprechung von großer Tragweite für die Zukunft
ist, der ihr entgegengeht. Wir wollen dieses Ereignis betrachten, wollen
erklären, was es in jener Zeit und für Meine Jünger für eine Bedeutung hatte,
und wollen dann auf seine geistige, große Entsprechung übergehen: wie, wann
und wo es in jetziger Zeit sich wiederholt, und wie es als Regenerationswerk
jetzt ebenso wirken wird, wie einst auf Meine drei Mich begleitenden Jünger
und ihre fernere Lebensweise und Handlungen. [PH.01_014,02] Das Evangelium sagt,
Ich nahm Meine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg. Dort
sahen sie Mich verklärt, d.h. sie sahen Mich mit ihren geistigen Augen als
Denjenigen, der Ich eigentlich bin, war und sein werde. Sie sahen Mich vor
sich als einen hohen Geist, dessen Kleid, die Wahrheit, in Entsprechung weiß
war, und dessen Angesicht leuchtete wie die Sonne, d.h. von Liebe strahlte.
Sie sahen daneben zwei mächtige Stützen Meines ganzen zukünftigen Lehrgebäudes,
die am meisten dazu beitrugen, Mir Mein Werk zu erleichtern, und die Vorläufer
und Wegbereiter waren, – sie sahen Moses und Elias, mit denen Ich redete.
Ferner hörten sie aus einer Wolke eine Stimme die Worte sprechen, die einst
bei Meiner Taufe am Jordan ebenfalls ertönten: „Dies ist Mein lieber Sohn, an
dem Ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ [PH.01_014,03] Dieses Gesicht, das den
drei Jüngern von Mir zugelassen wurde, hatte den Zweck, ihnen einen
Vorgeschmack ihrer eigenen Bestimmung zu geben. Petrus, den Ich den ,Felsen‘
nannte, auf den Ich Meine Kirche bauen wollte, hatte eine ähnliche Aufgabe
wie einst Moses, der das jüdische Volk auf Mein Kommen vorbereitete. Er gab
ihnen Gesetze und Verhaltungsregeln, die das Judenvolk leichter als jedes
andere aufnehmen konnte, um es zu dem auserwählten Volk zu machen, in dessen
Mitte Ich Mein Darniederkommen auf eure Erde beschlossen hatte. [PH.01_014,04] Wie Elias, nach seiner
nochmaligen Einkleidung in die menschliche Form des Johannes des Täufers im
Kleinen dasselbe vollzog, was Moses im Großen bewirken mußte, so war
Johannes, Mein Liebling, bestimmt – durch sein spezielles Wirken und dadurch,
daß gerade er länger am Leben blieb als alle seine übrigen Mitjünger –, noch
in seinen letzten Jahren in seiner Offenbarung der Welt ihren geistigen Gang
bis zur Läuterung im voraus zu beschreiben und ein Zeugnis zu hinterlassen,
daß die Gesetze, die Ich in Meine Schöpfung gelegt habe – seien es moralische
oder physische –, nicht mit Füßen getreten werden dürfen. [PH.01_014,05] Diesen Jüngern als noch
Lebenden und dem Moses und Elias als Verstorbenen wurde es als Zeugen zuteil,
Mich in Meiner ganzen Herrlichkeit zu schauen, Mich als Den zu erkennen, für
dessen großes, geistiges Reich sie alles opfern mußten, um die
Dauerhaftigkeit Meines Werkes zu begründen. [PH.01_014,06] Sie sahen Mich in jener
Glorie, die ein menschlich Herz in irdischer Hülle nur auf wenige Augenblicke
ertragen kann, und eben diese nie geahnte Seligkeit und Wonne veranlaßte
Petrus auszurufen: „Herr, hier ist gut sein; willst Du, so wollen wir hier
drei Hütten bauen!“ [PH.01_014,07] Allein, da solche
Momente nur als Wecker, Aneiferer und Stärker dienen, wenn Gefahr droht oder
Wankelmütigkeit das Herz beschleicht, so waren sie von kurzer Dauer. Damit
sie aber in der Erinnerung von nachhaltiger Wirkung blieben, so erschollen
noch aus der weißen Wolke, als geistiger Überschattung Meiner Person, jene
geheimnisvollen, wichtigen Worte: „Dieses ist Mein lieber Sohn, an dem Ich
Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ Die Stimme riet also Meinen Jüngern,
noch mehr auf Meine Rede aufmerksam zu sein, sie recht ins Herz zu prägen,
damit aus ihnen einst des Lebens grünender Baum erwachse, der schirmend unter
seinem Schatten die ganze Menschheit versammeln soll, wo diese Schutz und
Trutz für alle Leiden und Unbilden finden wird. [PH.01_014,08] Daß Ich den Jüngern
auftrug, von diesem Ereignis zu schweigen, bis Ich Mein Lehrgebäude mit
Meiner Auferstehung gekrönt hätte, hatte darin seinen Grund, weil die anderen
Jünger an dem Gesicht gezweifelt oder es nicht verstanden hätten. Auch Meine
Jünger, wie alle Menschen, besaßen nicht gleiche Fassungsgabe. [PH.01_014,09] Dies war der
eigentliche Hergang jenes feierlichen Aktes, welcher sich auch jetzt wiederholen
muß. [PH.01_014,10] Was in jener Zeit Moses
war, der das jüdische Volk für Meine Lehre vorbereitete, das ist später
ebenfalls durch Petrus als Gründer der katholischen Kirche geschehen. Was
Elias als Johannes der Täufer in jener Zeit war, ist in eurer Zeit die Schar
der Männer gewesen, welche die von Petrus gegründete Kirche zu reinigen und
zu läutern hatten, damit sie den eigentlichen geistigen Wert nicht ganz einbüße. [PH.01_014,11] Was in jener Zeit
Petrus als künftige Stütze Meiner Lehre war, werden jetzt wieder andere
Männer werden, die Mein Reich von neuem aufrichten. Und wie das jüdische Volk
zu Meiner Zeit durch seine Pharisäer und Schriftgelehrten in die Irre geführt
wurde, so lebt jetzt ebenfalls das ganze Menschengeschlecht in Zeremonien und
Gebräuchen, lebt in Erfüllung des Buchstabens, ohne den geistigen Sinn der
Worte Meines doch so einfachen Evangeliums zu verstehen. Es muß also eben
jetzt wieder Männer geben, die Meine Lehre von neuem auf ihre erste Grundlage,
auf Meine eigenen Worte zurückführen. [PH.01_014,12] Wenn diese berufenen
Männer auch nicht gleich siegen werden bei dem Versuch, die ganze Menschheit
zu belehren – wie es auch Meinen Jüngern nicht auf einmal gelungen ist –, so
sind sie doch bestimmt, den Samen auszustreuen. Ob dieser nun überall auf
guten Erdboden oder auf den Weg oder auf steinigen Boden und Felsen fallen
wird, das tut nichts zur Sache. Die aufkeimende Saat wird das Verlorengegangene
wohl ersetzen und den Geistesboden so vorbereiten, daß er würdig sein wird,
Mein Wiederkommen mit Freude zu erwarten. [PH.01_014,13] Wie Ich in jener Zeit
die Jünger mit Mir auf eine Höhe nahm und ihnen einen kleinen Vorgeschmack
des Lohnes gab, welcher ihrer wartet, wenn sie bei Mir treu ausharren, so
geschieht es auch heute noch, daß Ich so manchen Mir Ergebenen, der im
einsamen Kämmerlein oder bei nächtlicher Stille sich Mir hingibt, ebenfalls
weit über die irdische Welt hinaufführte, ihm dort gleich einer großen Fernsicht
die glorreiche Zukunft zeige, welche er zu erwarten hat, wenn er Mir und
Meiner Lehre treu bleibt. Ja, Ich lasse manchen sogar die ganze Wonne Meines
mächtigen Einflusses auf sein Herz fühlen, wobei Ich ihm der höchsten
Wahrheit Schimmer im rosigen Lichte der Liebe zeige und ihm so in herrlicher
Verklärung Mein eigenes Ich kundgebe, ausgedrückt durch eine Seligkeit,
welche nicht hier, sondern nur in höheren Sphären in geistiger Umhüllung zu
ertragen möglich sein wird. [PH.01_014,14] Moses baute im
mosaischen Gesetz seine nie umzustoßenden Grundsätze der jüdischen Religion
auf die einzige Idee: Es gibt nur einen Gott! Und deswegen war das jüdische
Volk – und kein anderes – geeignet, Mich in Zukunft zu den Seinigen zählen zu
können. Denn da in jener Zeit überall Vielgötterei herrschte, so wäre es
unmöglich gewesen, alle Götter auf einmal zu entfernen und einen einzigen
dafür aufzustellen. Aber bei den Juden bestand der eine Gott; es ging also
bei ihnen der Aufbau einer göttlichen Religion leichter von statten. [PH.01_014,15] So war Moses der
Vorarbeiter, wie ein Arbeiter im Weinberg, der die Erde umgräbt. Nach ihm kam
der, welcher die Reben beschneidet, und das war Elias. Er beschnitt in seiner
Zeit, und später als Johannes der Täufer nochmals, die Rebenzweige, erregte
durch dieses Beschneiden die Tätigkeit, um bessere Früchte zu erzielen, damit
dann der Einsammler mit seinen Vorarbeitern zufrieden sei. So war Johannes
der Täufer der zweite Arbeiter in Meinem Weinberg, bis Ich selbst kam und die
letzte Hand anlegte, das Fehlende ergänzte und die Frucht zur Reife brachte,
d.h. aus der um den Stamm der Rebe im Verwesungszustande liegenden Erde neues
Leben hervorrief, welches den Stamm entlang sich verfeinernd, von der groben
Materie zur höheren, geistigen Frucht, der Traube ausgereift und erzogen
wurde. [PH.01_014,16] So wie Moses zuvor, war
später Petrus der Felsen, auf den Meine Kirche gegründet wurde. Alle
Umwälzungen und Stürme konnten sie nicht vernichten. Entstellt ist sie zwar
oft genug worden durch die Herrschsucht und Macht einzelner Menschen; aber
wie einst vor Meinen Aposteln Meine Verklärung zugelassen wurde, bei der
durch Meine irdische Form Meine geistige, göttliche hindurchleuchtete, so
geschieht es auch jetzt: Aus dem irdischen Prunk und den Zeremonien des
katholischen Kultus und seiner Irrlehren beginnt das geistige Gewand
hindurchzuleuchten. Die Klärung und Verklärung beginnt. Aus Nacht wird
Dämmerung, aus Dämmerung – Tag! [PH.01_014,17] Das Licht der so lange
zurückgehaltenen Wahrheit bricht durch. In allen Gemütern lebt die Ahnung
einer höheren Extase, einer Verklärung. Alle fühlen den Geisteswind, der
durchs Weltliche hindurchströmt und die Eingeschlafenen weckt. Wie wenn ein
Lichtstrahl durch einen Fensterladen auf einen Schlafenden fällt und dieser,
durch dessen Lebenskraft geweckt, anfängt, sich im Bette herumzuwälzen, und
doch nicht weiß, wie ihm geschieht, – so bricht diese Verklärung an. Es
dämmert schon in vielen Köpfen. [PH.01_014,18] Moses bereitete das mit
ihm lebende Judenvolk zu Meinem Empfange vor, Petrus das nach ihm kommende
Geschlecht, und die in der Jetztzeit von Meiner Lehre begeisterten Lehrer,
welche noch kommen, werden die Johannesse sein, die – wie einst Mein Jünger –
auch Meine Lieblinge werden und bis in ihr spätes Alter Zeugen Meiner Liebe,
Meiner Gnade sein sollen. So vollzieht sich stets der nämliche geistige
Läuterungsprozeß, zuerst vom Festen ins Leichtere, dann vom Leichteren ins
Flüchtige und vom Flüchtigen ins Luftartige und endlich ins Geistige! [PH.01_014,19] Wie Ich in jener Zeit
ans Kreuz genagelt, Meine Lehre verhöhnt und Meine Jünger beschimpft und
verfolgt wurden, so wird es wieder sein. Statt Meiner Person werden die
Menschen Meine Lehre ans Kreuz schlagen und sie verhöhnen. Meine Kämpfer
werden ebenfalls mit allerlei Unbilden zu kämpfen haben; aber auch sie werden
siegreich hervorgehen und Mich dann bei Meiner nächsten Wiederkunft verklärt
erblicken, und die Stimme ihres Gewissens wird ihnen dann zurufen: „Segen
euch, weil ihr Diesem treu geblieben, Seine Worte gehört, ausgeübt und auch
andern mitgeteilt habt, so, wie Er sie von den Menschen verstanden wissen
wollte!“ [PH.01_014,20] Die Verklärung wird
aber dann nicht – wie einst bei Meinen Jüngern – ein Ende haben, sondern
Meine Vorkämpfer werden Mich ewig von Angesicht zu Angesicht sehen können,
werden mit allen früher Hinübergegangenen sich Meines und ihres Sieges freuen
können. [PH.01_014,21] Dies ist der
entsprechende Sinn der Verklärung. Trachtet auch ihr danach, daß ihr solcher
teilhaftig werden möget, damit auch ihr zu jenen gezählt werden könnt, die,
alles Weltliche hintansetzend, nur Mich und Meine Lehre zum Hauptzweck ihres
Lebens, ihres Strebens gemacht haben! Dann werdet ihr in Momenten der
höchsten Wonne, wo eure geistige Sehe geöffnet wird, Den in Person verklärt
sehen können, der euch schon so lange mit Seinen Segensworten überhäuft und
zu Seinen Kindern machen möchte. Amen. 15. Predigt – Am Sonntage Okuli. Die Austreibung eines
Teufels. [PH.01_015] Luk.11,14-28: Und er trieb
einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da
redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen
sprachen: „Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der
Teufel!“ Die anderen aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm
vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: „Ein jeglich
Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüst, und ein Haus fällt
über das andre. Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins, wie will
sein Reich bestehen, dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch
Beelzebub!? So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen
treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber
durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt ja das Reich Gottes zu
euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibt das
Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn,
so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub
aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir
sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt,
so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet ihrer nicht; so
spricht er: ,Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin!‘
Und wenn er kommt, so findet er's mit Besen gekehrt und geschmückt. Dann geht
er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind denn er selbst; und
wenn sie hineinkommen, wohnen sie da, und es wird hernach mit demselben
Menschen ärger denn zuvor.“ – Und es begab sich, da er solches redete, erhob
ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: „Selig ist der Leib der dich
getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast!“ Er aber sprach: „Ja,
selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren!“ 27. Juni 1872 [PH.01_015,01] Um diese Tat zu
verstehen und zu würdigen, müßt ihr erst wissen, wie die Teufel in den
Menschen hineinkommen, und was sie in der Tat sind, damit euch das Austreiben
derselben verständlich werden kann. [PH.01_015,02] Um euch dieses deutlich
vor Augen zu führen, muß Ich weiter ausholen und euch in frühere Zeiträume
zurückführen, in denen noch keine materielle Welt, sondern nur das
Geisterreich bestand. [PH.01_015,03] Aus Übermut und Trotz
mißbrauchte der erste Engel, Lichtträger bis in die fernsten Räume des
Geisterhimmels, seine Macht und lehnte sich nebst seinem Anhang gegen Mich
auf. Da er, sowie seine Spießgesellen von einer Rückkehr nichts wissen
wollten, wurden sie in die Materie gebannt und mußten auf langen Wegen der
stufenartigen Läuterung den Rückgang zum einst gewesenen besseren Zustand
antreten, welcher Läuterungsprozeß auch heute noch fortdauert, bis alle
wieder das geworden sind, was sie einst waren, nämlich: Erkenner Meiner Macht
und Liebe und werktätige Förderer Meines großen Schöpfungsplanes. [PH.01_015,04] Nun seht, in jener
fernen Zeit, in der – wie jetzt noch gültig – die individuelle Freiheit des
Geistes als unantastbar festgesetzt wurde, stand es den Geistern, sowie Satan
selbst frei, von ihrer verkehrten Richtung umzukehren oder nicht. Da die
Geister aber nicht alle gleich an Erkenntnis, Güte und Einsicht waren – wie
es auch heute noch nicht zwei Geschöpfe gibt, die geistig einander gleichen
–, so war die Art und Weise jener Wesen, zu denken und zu handeln, sehr
verschieden. Dem einen genügte seine geistige Stufe, dem andern nicht. Der
eine war standhaft und widerstand den Anfechtungen Schlechterer, der andere
dagegen widerstrebte dem Einfluß Besserer. – So bestand nicht eine gleichsam
geordnete Stufenreihe, sondern, soviel es geistig denkende Wesen gab, ebenso
vielseitig waren auch die Ansichten und Vorstellungen von Mir, von der Welt
und von dem nötigen Fortschreiten. [PH.01_015,05] Diese große
Verschiedenheit, die sowohl bei den guten Geistern wie auch bei den
schlechten besteht, welche eher den Satan als Höchsten ansehen – wie die
guten Mich –, bedingte eben das geistige Leben und Treiben, welches zum Bestand
des großen Geisterreichs notwendig ist. [PH.01_015,06] Wenngleich die große
Masse abgefallener Geister unter ihren Hauptanführern eine andere Richtung
als die für alle bestimmte einschlug, so mußten doch auch ihre, Mir und
Meinem Prinzip des Guten entgegengesetzten Handlungen nur Meinen Zwecken
dienen. Sie müssen in den Resultaten, welche ihren Wünschen nicht
entsprechen, Meine Allmacht erkennen, der sie sich – sie mögen tun, was sie
wollen – nicht entziehen können. [PH.01_015,07] Das gleiche Sein und
Treiben der Geister findet sich bei den von allen Welten abberufenen Seelen,
die im Jenseits leben. Auch sie haben Willensfreiheit. Sie können vor- oder
rückwärtsschreiten, können tun, was sie wollen, können in einer Minute von
der Höllenqual eines peinigenden Gewissens bis zur Seligkeit eines Engels
gelangen, können das bleiben, was sie im Erdenleben waren, oder durch Umgang
mit anderen, schlechteren Seelen selbst noch böser, noch schlechter werden. Ihr
Wirkungskreis ist durch nichts beengt als durch die Existenzmittel, welche
jede geistige Stufe mit sich bringt. [PH.01_015,08] Ursprüngliche, noch
nicht inkarnierte Geister, sowie Abgeschiedene, aus menschlichen Leibern,
welche keinen Drang zum Vorwärtsschreiten haben, suchen – da Tätigkeit ein
Lebensgesetz ist, ohne das nichts bestehen kann – sich zu beschäftigen, indem
sie versuchen, entweder Geister oder noch lebende Wesen, deren Neigung eine
Beeinflussung zuläßt, in ihren Bereich zu ziehen und ihnen ihre Ansichten und
Neigungen beizubringen. Daher kommt es, daß der Mensch, je mehr er seine
eigenen bösen und schlechten Leidenschaften nährt, immer leichter diesem
jenseitigen Einfluß unterworfen ist und endlich ganz diesen bösen, von
Langeweile geplagten Geistern zur Beute wird. So wie durch Schreiben, Klopfen
und sonstige Mittel die Geister auf einzelne (empfängliche) Seelen einwirken
können und indirekt wenigstens dazu beitragen, daß die Ungläubigen zu der Erkenntnis
kommen: ,Es gibt eine andere Welt!‘, ebenso wirken die schlechten Geister der
Verstorbenen auf das Gemüt, ja auf die körperliche Organisation des Menschen
ein, wovon Tobsucht und andere Krankheiten die äußerlich sichtbaren Folgen
sind. [PH.01_015,09] So könnt ihr, würdet
ihr mit geistigen Augen sehen, eine ganz neue Welt in und um euch erblicken,
die ebenso wie die äußere materielle bemüht ist, euch den Gang zu Mir soviel
wie möglich zu erschweren. Deswegen rief Ich auch einst Meinen Jüngern im
Garten von Gethsemane zu: „Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung
fallet!“ [PH.01_015,10] Diese geistigen
Einflüsse sind anfangs so gelinde und sanft, unter spitzfindigen Gründen der
Eigenliebe ihr verderbliches Gift verbergend, daß ein feines Gefühl und stete
Wachsamkeit dazu gehören, um nicht statt des eigenen Willens den Willen
anderer zu tun. Ist aber Standhaftigkeit da und sieht der böse oder schlechte
Geist, daß seinen Einflüssen nicht Gehör gegeben wird, so läßt er von selbst
ab, weil auch er seine Zeit nicht unnütz verlieren will. [PH.01_015,11] Dieses unsichtbare
Beeinflussen und Verändern der Materie, dieses Entstehen und Vergehen und
In-andere-Formen-Übergehen, alles dieses würde – hättet ihr die geistige Sehe
– sich in der geistigen Welt vor euren Augen abwickeln, in einem noch größeren
Maßstab, weil ihr die Geister durchschauen und schon von vornherein bemerken
könntet, welche Idee jetzt den einen oder andern bewegt, dieses oder jenes zu
tun. Ihr würdet an diese geistige Welt einen ganz anderen Maßstab anlegen
müssen als an eure materielle Welt, da dort schon die Gedanken gewogen
werden, während in eurer sichtbaren Welt tausend Gedanken unbemerkt an euch
vorübergehen, bis vielleicht erst der letzte, durch die Tat, die Idee eines
anderen lebenden Wesens verrät. [PH.01_015,12] Ihr würdet staunen, wie
die Hinübergehenden dort anlangen, wie sie von anderen Geistern entweder mit
Liebe oder mit Haß empfangen werden. Ihr würdet staunen, welche moralischen
Kämpfe dort eine Seele durchmachen muß, bis sie ihren Weg selbständig gehen
kann. Dort hilft kein Verbergen, kein Heucheln und Verstellen. Dort ist der
Mensch als Geist nur der Abdruck seines geistigen Ichs, erworben hier auf
dieser Welt, und zwar nicht durch Taten, sondern bereits durch Gedanken; denn
diese waren die Urheber der Taten, und diese geben auch in der geistigen Welt
den Ausschlag. Jeder durch euern Kopf oder euer Herz flüchtig laufende
Gedanke ist in eueren inneren Geistesmenschen als unabänderlicher Abdruck
eingeprägt worden und wird einst die äußere geistige Umkleidung eures Seelenmenschen
bedingen. [PH.01_015,13] Wenn die Menschen
wüßten, was sie tun, wenn sie entweder mit Groll von dieser Erde scheiden,
oder wenn die Zurückgebliebenen den Hinübergegangenen fluchen, sie würden
schaudern vor den Folgen solcher Gedanken; denn solche Gedanken sind fähig,
Qualen auf Qualen – natürlich geistiger Natur – den Hinübergegangenen zu
bereiten und in ihnen den Wunsch entfachen, die noch Lebenden mit Rache zu
empfangen. Daher seid streng mit euren Gedanken! Ihr ruft oft mit einem
Gedanken ein Heer gleichgesinnter, schlechter Geister der andern Welt in eure
Nähe, und während ihr glaubt, ihr hinget diesen Gedanken bloß nach, sind es
diese Geister, die euch in ihr Netz zu verstricken trachten, die eure guten Eigenschaften
zu vernichten streben, um dann den Entschluß zu einer bösen Tat zur Reife zu
bringen, welche wieder unendliche Folgen für euch und andere Menschen und
Geister hat. [PH.01_015,14] Dies ist im Evangelium
ausgedrückt, wo Ich von dem mächtigen bösen Geist, der aus dem Kranken oder Stummen
getrieben wurde, sagte, daß er öde und wüst umherging, dann aber wieder zurückkehrte
mit sieben anderen Geistern, die ärger waren als er selbst. [PH.01_015,15] Das ist das geistige
Bild eines Menschen, der wohl eine Leidenschaft besiegt, glaubt einen Teufel
von sich entfernt zu haben, sich aber nachlässig wieder diesen Gedanken,
seinen Lieblingsideen hingibt. Dieser Mensch nährt ein Flämmchen, und wie die
Mücken, von weitem das Licht bemerkend, alle dorthin ziehen, ebenso ist diese
geistige Gedankenrichtung ein Licht, das in der Geisterwelt gerade den im
Finstern tappenden Geistern als Leitfaden dient. Dort strömen sie hin, beginnt
ihr teuflisches Spiel mit verstärkter und vereinter Kraft, bis der geplagte
Mensch in ihr Netz fällt und hier auf Erden und dort im Jenseits auf lange
Zeit für Mein Reich verloren ist. [PH.01_015,16] Die andere Welt, die
Welt des Unsichtbaren, ist nicht so rosig, wie eure Priester sie euch
vorstellen; sie ist aber auch nicht so höllisch, wie die Phantasie gewisser
Religionsfanatiker sie euch vormalen möchte. Das ganze Gemälde besteht darin:
Wie der Mensch geistig beschaffen ist, so sieht er auch die geistige Welt. So
seht ihr ja auch die materielle Welt, ob hüben oder drüben, das bleibt sich
gleich. [PH.01_015,17] Ein veredeltes, reines,
Mir ergebenes Herz wird dort nichts von alledem sehen, wie es auch hier
nichts davon sah. Es wird dort verirrte Geister, wie hier verirrte Menschen,
erblicken und helfend jedem unter die Arme greifen, wie es während seiner
Lebenszeit getan hat. Frieden mitbringend, sieht die Seele dort Frieden; Haß
und Stolz mitbringend, wird sie auch dort das nämliche von anderen erfahren
und das gleiche auch an anderen ausüben. [PH.01_015,18] Es ist nur ein Gesetz,
das in Meiner Schöpfung gilt, – es ist das Gesetz der Schwere, der
Anziehungskraft. Das Materielle wird gefestet und erhalten durch dieses
Gesetz; das Geistige ebenfalls. Je schwerer, d.h. je dichter ein Körper ist,
desto größer ist die Kraft, die seine Urelemente zusammenhält; er ist Stein
und ist auf festen Grund gebaut. Je leichter die Substanzen sind, und je
geringer ihre Bindekraft ist, desto leichter ist ihre Erhebung möglich. Je
fester die Atome zusammengefügt sind, um so weniger sind sie für Licht und
Wärme aufnahmefähig; je leichter sie sind, desto mehr sind sie empfänglich
für das von oben Kommende. [PH.01_015,19] So ist es auch in der
Geisterwelt. Das moralische Gewicht bannt die Geister an die Materie; je
leichter es ist, desto eher können sie sich von der Materie entfernen. Im
ersteren Falle sind die Geister finster, im zweiten desto lichter. Die
finsteren Geister also sind es, die sich am Licht anderer beleben und
erwärmen wollen, da ihnen selbst die Wärme fehlt. Deswegen suchen sie
entweder, so sie schlecht bleiben wollen, die anderen mit in ihre Finsternis
hineinzuziehen, oder sich selbst dieser zu entwinden. [PH.01_015,20] So ist das geistige
Treiben im ganzen Äther beschaffen: Ewig Kampf neben Ruhe, Verfolgung und
Abstoßung neben Einigung und liebender Zusammengesellung, da die Geister
ihren geistigen Prozeß erfüllen müssen. Auf die Zeit kommt es nicht an; denn
die Ewigkeit ist lang. Niemand wird gezwungen; was er sein will, das ist er,
oder wie Paulus sagte: „Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen!“ [PH.01_015,21] Daher gebet euch alle
Mühe, schon hier so viel Stärke zu erlangen, daß ihr dort den Versuchungen
widerstehen könnt und auch sogleich mit besseren Geistern zusammenkommt, bei
denen natürlich von Kampf und Verführung nicht die Rede ist! Enthaltet euch
der Flüche und Verwünschungen; denn die auf diese Art beleidigten, an ihrem
Fortschritte gehemmten Geister suchen sich zu rächen! Können sie es hier
nicht, so erwarten sie euch gewiß dort, um euch zu vergelten, was ihr in blinder
Eigenliebe an ihnen verschuldet habt. [PH.01_015,22] Im Evangelium sagte
Ich: „Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich; wer nicht mit Mir sammelt,
der zerstreut!“ Merkt euch das; es heißt: Es gibt nur zwei Wege: zu Mir hin –
und hinweg von Mir! Daher selig diejenigen unter euch, die Meine Worte hören
und auch befolgen werden! Vieles werden sie sich in jener Welt ersparen, was
sonst eine unausbleibliche Folge irdischen Handelns gewesen wäre. [PH.01_015,23] Ich könnte euch noch
viel über jene Welt sagen. Einen kleinen Blick in sie tatet ihr schon in der
Beschreibung der geistigen Sonne. Zwar ist das nur ein Schattenriß der großen
Wahrheit, aber genau durchdacht genügt er als Mahnwort, um Mich einst nicht
zu beschuldigen, als hätte Ich euch nicht einen Blick in jene Welt tun
lassen, die einst euer Aufenthalt, und zwar der bei weitem längere sein wird. [PH.01_015,24] Die extremen Fälle, in
denen ein oder sogar mehrere böse Geister einen Menschen derart in der Gewalt
haben, daß selbst sein physischer Organismus mit in ihrer Gewalt ist, sind
selten und oft sogar aus guten Gründen zugelassen. Um solch kranke und von
bösen Geistern besessene Menschen zu heilen, gehört ein willensstarker,
religiöser Mensch, der Mich und Meine Macht kennt und auch das Vertrauen zu
Mir hat, daß Ich ihm helfe, wenn er darum bittet. Da kann dann durch Gebet
und Händeauflegen in Meinem Namen geholfen werden, so wie Ich es während
Meines irdischen Lebenswandels getan habe; nur muß stets dabei gedacht
werden: wenn es Mein heiliger Wille ist, daß es geschehe! [PH.01_015,25] Hier habt ihr ein
kleines Bild des großen Geisterlebens, welches Ich euch bei diesem Anlaß aus
dem Evangelium geben wollte. Es ist zu wichtig, als daß ihr nur wisset, was
ihr sehet; ihr müßt auch nach und nach begreifen lernen, was außer der sichtbaren
Welt besteht, was derselben seinen Typus aufgedrückt hat und den weit
größeren und wichtigeren Teil Meines Reiches ausmacht. [PH.01_015,26] Geist bin Ich, Geist
seid ihr, und geistig wird selbst die Materie noch werden. Also diesen großen
Kreislauf mit all seinen Stufen zu erkennen, zu überblicken und in ihm sich
seine eigene Stellung zu erringen, das ist die Aufgabe, die euch gegeben
wurde. Zu ihrer leichteren Lösung scheue Ich kein Mittel, um euch den
unabweisbaren Weg zu erleichtern und zu verkürzen, damit ihr hier schon das
Meiste und Schwerste bewältigt – und dort nur Weniges und Leichteres zu
überwinden habt. Amen. 16. Predigt – Am Sonntage Lätare. Die Speisung der Fünftausend. [PH.01_016] Joh.6,1-15: Darnach fuhr
Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel
Volk nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus
aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern.
Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf und
sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: „Wo kaufen wir
Brot, daß diese essen?“ (Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte
wohl, was er tun wollte.) Philippus antwortete ihm: „Für zweihundert Groschen
Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig
nehme.“ Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon
Petrus: „Es ist ein Knabe hie, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische;
aber was ist das unter so viele?“ Jesus aber sprach: „Schaffet, daß sich das
Volk lagere!“ Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei
fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern,
die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den
Fischen, wieviel sie wollten. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen
Jüngern: „Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme!“ Da sammelten sie
und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die übrig
blieben denen, die gespeist worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen,
das Jesus tat, sprachen sie: „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt
kommen soll!“ Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß
sie ihn zum Könige machten, entwich er abermals auf den Berg, er selbst
allein. 16. Februar
1872 [PH.01_016,01] Hier habt ihr eine
jener Taten vor euch, die bei den Juden am meisten Aufsehen erregten, und
zwar in solchem Grade, daß die Augenzeugen Mich zum Könige ausrufen wollten und
Mich deshalb zwangen, ihren Absichten auszuweichen, indem Ich Mich allein auf
den Berg in die Einsamkeit zurückzog. [PH.01_016,02] Nun, die Handlung an
und für sich ist für Mich, als Herr und Schöpfer eine nicht so große und
wichtige gewesen, wenn Ich veranlaßte, daß sich aus den Stoffen der Luft die
fünf Gerstenbrote und die zwei Fische stets ergänzten, und zwar so, daß sie
bequem für fünftausend Mann ausreichten und vom Brote noch zwölf Körbe voll
übrigblieben. Für die Mich umlagernden Menschen aber war es wohl ein Wunder,
welches Meine göttliche Abkunft und Meine Macht schlagend bewies. Es wurde
von den Juden nicht geistig, sondern ihrem materiellen Interesse gemäß aufgefaßt,
da sie Mich nach dieser Handlung zu ihrem König ausrufen wollten. Ich mußte Mich
von ihnen zurückziehen; denn erstens war jenes nicht der Zweck Meines Erdenwandels,
und zweitens war Meine Zeit des ,Erhöhtwerdens‘ noch nicht gekommen, welches
Wort – sooft Ich es auch aussprach – ebenfalls nie begriffen wurde, bis die
Kreuzigung es erklärte und Meine Himmelfahrt auch geistig die Erhöhung in Erfüllung
brachte. [PH.01_016,03] Die Handlung des
Verteilens der Gerstenbrote und Fische hat aber ihre geistige Entsprechung,
die eigentlich das Wesentliche ausmacht. Schon einmal sagte Ich euch, daß
Mein ganzer irdischer Lebenswandel, besonders Meine Lehrjahre und Meine
während dieser Zeit gesprochenen Worte und ausgeübten Taten, sich bei Meinem
künftigen Wiederkommen wiederholen werden, und zwar geistig. [PH.01_016,04] So ist auch diese
Handlung eine derjenigen, die jetzt in ihrer Entsprechung vor sich geht. Was
einst für die fünftausend Mann gegolten hat, das gilt jetzt für die Menschen
im allgemeinen. Damals war Mein Wirkungskreis das Judenvolk, als der mit Mir
lebende, empfänglichste Teil der Menschheit, und sein Land, als die für Meine
Taten ausgewählte Welt. Jetzt, da Meine Lehre über die ganze Erde ausgebreitet
und, obgleich nur von wenigen befolgt, doch vielen bekannt ist, – jetzt ist
auch jede Tat aus jenen Zeiten im größeren, im geistigen Sinn zu nehmen, wenn
sie sich wiederholt, wie Ich es angedeutet habe. [PH.01_016,05] Nun fragt es sich: Was
haben die Gerstenbrote, was die Fische zu bedeuten? Warum waren es bloß fünf
Gerstenbrote und zwei Fische? Denn seht, bei Handlungen Gottes hat alles eine
geistige und tiefe Bedeutung, und es ist nicht wie bei euch Menschen, die ihr
oft viel redet oder sogar handelt, aber nicht im mindesten wißt, was ihr
sagt, oder was ihr tut. [PH.01_016,06] Um nun das erste –
nämlich die Frage: Was waren die Gerstenbrote, und was waren die Fische? – zu
erklären, muß Ich euch darauf aufmerksam machen, aus welchem Teil der Erde
das eine, und woher das andere seinen Ursprung hat. [PH.01_016,07] Die Gerstenbrote
stammen aus der Erde, aus der das Korn vom Dunklen der Erde entwachsend zur
höheren Lichtweihe der Sonne emporstrebt und so das in der Erde Aufgesogene
durch Licht und Wärme zur Frucht ausreift, welche Frucht dann, geistigere
Elemente enthaltend, durchs Brotbereiten geeignet wird, diese Erdstoffe in
geistig höhere des menschlichen Körpers umzuwandeln. [PH.01_016,08] Die Brote sind also das
Resultat von Prozessen der Erde und des Himmels. [PH.01_016,09] Die Fische sind
Produkte des im Wasser vorhandenen Stoffes, zu lebendigen Wesen ausgeboren. [PH.01_016,10] Das Wasser selbst ist
ein leichtbewegliches Element, ist verdichtete Luft. Und wie die Luft
verdichteter Äther ist und der Äther die Geburtsstätte aller Elemente, so ist
die Luft die Erzeugerin der Stoffe im Wasser und das Wasser selbst wieder
Erzeuger der festen Erdteile und der darauf vorkommenden Pflanzen und Tiere.
Das Wasser war und ist die große Mutter, aus welcher euer Erdball entstand,
und noch jetzt könnt ihr, wenn ihr chemisch die Körper der lebenden Wesen, ja
selbst euren Körper untersucht, sehen, daß das Wasser der Träger, Ernährer
und Erhalter eures eigenen Leibes ist. [PH.01_016,11] Was die Vögel in der
Luft sind, das sind die Fische im Wasser; sie sind die Vögel in der
verdichteten Luft. Wie das Gerstenkorn, aus Grobmateriellem bis zur höheren
geistigen Stufe sich herausringend, fähig wird, als Ausgleichsstoff vom
menschlichen Körper aufgenommen zu werden, so ist der Fisch ebenfalls ein
Bestandteil der im Wasser aufgelösten Stoffe, welche, in ihm zum Festen,
Körperlichen gestaltet, fähig gemacht werden können, sich mit den
Bestandteilen des menschlichen Körpers zu verbinden. Nur müssen vorher durch
die Wärme der Luft oder des Feuers seine festeren Teile von den Lichtteilen
getrennt werden, d.h. er muß getrocknet oder gekocht werden, um dem Menschen
in seinem Organismus nützlich zu sein, so wie auch das Gerstenkorn, nachdem
es zermalmt, zu Teig gemengt und durch die Wärme der wässerigen Bestandteile
wieder entledigt ist, dem Menschen zu gesunder Nahrung dienlich sein kann. [PH.01_016,12] Hier hätten wir also
die Bestandteile des Brotes und die der Fische erörtert; es handelt sich also
jetzt noch um die Zahl. Warum waren es gerade fünf Brote und zwei Fische? [PH.01_016,13] Seht, wenn ihr diese
Gegenstände zusammenzählt, so erhaltet ihr die Zahl Sieben, eine Zahl, die in
allen Dingen mehr oder weniger vorhanden ist und stets mit der Zahl Drei
einen Faktor ausmacht, welcher zur Erschaffung, Erhaltung und Verwandlung
eines jeglichen Dinges nötig ist, wenn es auf höhere Stufen fortschreiten
soll. [PH.01_016,14] Die Zahl Sieben ist,
ebenso wie die Zahl Drei, eine Meiner Grundzahlen, die Ich in Mir selbst, als
Gott, Schöpfer und Herr, vorstelle. [PH.01_016,15] Seht, wenn ihr die Zahl
Sieben genau betrachtet, so werdet ihr finden, daß drei auf der einen, drei
auf der anderen Seite und die vierte Zahl in der Mitte steht. Das heißt: Die
Göttlichkeitszahl Drei ist in der Gotteszahl Sieben zweimal enthalten und
gestaltet sich so, daß eben die vierte Zahl in der Mitte, vereint mit den
beiden drei auf jeder Seite, die heilige Zahl Sieben ergibt, die Mein
geistiges Ich ausdrückt. [PH.01_016,16] Wenn in jedem
geschaffenen Wesen die Dreizahl als Prinzip seiner Existenz nötig ist, so
steht diese Zahl in der Gottheit selbst zweimal da, und zwar noch mit dem
Zusatz einer Mitte, um die sich alles andere schart. [PH.01_016,17] Die geschaffenen Wesen
können die Dreizahl in ihrer höchsten Vollkommenheit wohl erreichen, wie die
Engelsgeister, – aber die Gottheit hat stets dieselbe Zahl im doppelten Maß
und eine nie erreichbare Mitte, welche sie zum Herrn alles Geschaffenen
stempelt. [PH.01_016,18] Daß ihr die Siebenzahl
in so vielen Gegenständen der Schöpfung findet, hat seinen Grund darin, daß
diese Gegenstände, in denen diese Zahl am meisten hervortritt, dem Schöpfer
alles Seienden am nächsten stehen und reine Ausflüsse von Ihm selbst sind. So
seht ihr z.B. die Siebenzahl in den Farben und in den Tönen, weil eben die
Lichtstrahlen in ihrer Brechung materiell die sieben Eigenschaften des
Schöpfers und die sieben Töne die sieben großen harmonischen Gesetze des
geistigen Lebens in sich einschließen. [PH.01_016,19] Wollt ihr nun diese
Siebenzahl von Broten und Fischen mit Worten ausgedrückt lesen, so heißen
sie: [PH.01_016,20] Liebet Gott über /
alles und / den-Nächsten wie euch-selbst! [PH.01_016,21] Die ersten vier Worte
bezeichnen die Gerstenbrote, die geistig den Menschen ernähren und ihn zum
höheren, geistigen Sein auszeitigen sollen, wovon wieder die ersten drei den
Grad der Liebe zu Gott ausdrücken, während die andern drei das Maß der
Nächstenliebe bezeichnen. Das Wort ,alles‘ und das Bindewort ,und‘ aber
bezeichnen den Mittelpunkt der göttlichen Liebe, d.h.: mehr als alles soll
die Liebe zu Gott sein, welche aber nur durch die Verbindung mit den
nächstfolgenden drei – den-Nächsten wie euch-selbst – in Ausführung gebracht
werden kann. Denn ihr könnt Mich als Gott nicht lieben ohne die
Nächstenliebe; ihr könnt Mich nicht über alles lieben, wenn ihr nicht euren
Nächsten wie euch selbst liebt. [PH.01_016,22] Also die drei ersten
Worte mögen erreicht werden, sowie die drei letzten nur das mittlere ,alles‘
nebst dem Bindungswort ,und‘ bezeichnen die Unerreichbarkeit, obwohl ewiges
Fortschreiten möglich ist; denn – was ist ,alles‘ und wo hört die Nächstenliebe
auf? [PH.01_016,23] Das ,alles‘, sowie die
größte Nächsten- und Vaterliebe gipfeln nur in Mir! Ich allein bin gesättigt
von dieser Liebe. Ich allein repräsentiere das ,alles‘ in seiner ganzen
Unendlichkeit, und in Meiner nie versiegenden Langmut und Geduld seht ihr die
Nächsten- oder Bruder- und Vaterliebe in ihrer höchsten Ausbildungsstufe in
Mir vereinigt. [PH.01_016,24] Wie Ich euch früher
sagte, daß das Gerstenkorn, aus der finsteren Erde zum Licht sich drängend,
seine Frucht zur Reife bringt, so ist es auch mit der Gottesliebe, welche den
materiellen Menschen aus seinen finsteren Leidenschaften zum höheren
moralischen Licht erheben und führen soll. [PH.01_016,25] Und wie Ich euch sagte,
daß die Fische Produkte der verdichteten Luft sind, also eines leichteren
Elements als der Erde, so soll die Nächstenliebe, euch vom festen Materiellen
abziehend und statt der Sorge für sich selbst, geistigeren Gefühlen in euren
Herzen Platz machend, die Ähnlichkeit der Gottesliebe ausdrücken; denn nur in
der Nächstenliebe könnt ihr zeigen, wie ihr Gott liebt, und das nie zu erreichende
,alles‘ erhält dort einen annähernden Maßstab in dem Worte ,wie euch selbst‘. [PH.01_016,26] Wie das Brot gemacht
wird aus zermalmtem Korn unter dem Einfluß von Wasser und Wärme, so soll auch
die Gottesliebe entstehen aus der Vernichtung des Materiellen, erwärmt durch
Meine Lehre. Und wie die Fische getrocknet oder gekocht werden, so soll auch
die Nächstenliebe, an der Sonne der ewigen Liebe alle ihre Nebengedanken des
Egoismus aufgebend, sich mit allem Eifer dem Wohle des Mitbruders widmen und
der Mensch kein anderes Wort als Maßstab seiner Handlungen erkennen als das
,Für dich, und nicht für mich!‘ [PH.01_016,27] So ist schon seit
längerer Zeit mit diesen wenigen Worten Meiner einzigen Gesetze, die Ich den
Menschen zur Befolgung gegeben habe, der Weg angebahnt worden, ihnen zu
entsprechen. [PH.01_016,28] Stets wird der Drang,
unter welchem diese zwei Gesetze ihre Beachtung fordern, reger werden; und es
muß auch der Zeitpunkt kommen, wo, durch diese sieben Worte des Himmels
gesättigt, die ganze Menschheit Mich zu ihrem König ausrufen wird. Dann werde
Ich aber nicht – wie einst –, Mich verbergen, den Wünschen Meiner Kinder
ausweichen, sondern in aller Glorie und Macht zu allen kommen, die Mich
gesucht, erkämpft und gefunden haben. [PH.01_016,29] Aber nicht einen König
werden sie finden, sondern einen Hirten, der seine Schafe dann in die Gefilde
des Lichts führen wird, wo jedes materielle Streben aufgehört hat und im
ewigen geistigen Fortschreiten die immer mehr zunehmende Gottes- und
Nächstenliebe Wonnen an Wonnen, Seligkeiten an Seligkeiten reihen wird, um
euch zu beweisen, daß Ich das, was Ich einst mit fünf Gerstenbroten und zwei
Fischen getan, nun auch mit sieben Worten des größten geistigen Inhalts ebenfalls
erreicht habe, nämlich: wie einst die materielle Sättigung Meiner Zuhörer und
Nachfolger, so jetzt die Sättigung Meiner vergeistigten Kinder. So ist immer,
auch im kleinsten Wort aus Meiner irdischen Lebensbahn, ein Stein zum
einstigen großen Geistesgebäude gelegt worden, in welchem alles den Endschluß
finden wird, der in der zwischen den Dreizahlen stehenden Mitte, Meinem Ich,
mit Meiner geistigen und materiellen Schöpfung das ,alles‘ ausmacht, aus dem
alles hervorging, und zu dem wieder alles zurückkehren wird und muß. Amen. 17. Predigt – Am Sonntage Judika. Der Juden Versuch,
Jesus zu steinigen. [PH.01_017] Joh.8,59: Da hoben sie
Steine auf, daß sie ihn würfen; Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel
hinaus. 17. Februar
1872 [PH.01_017,01] Hier habt ihr wieder
einen Beweis, wie wenig die Mehrzahl des jüdischen Volkes Mich, Meine
Mission, Meine Herkunft und Meine Lehre verstand. [PH.01_017,02] Wenn ihr dieses ganze
Kapitel vom Anfang bis zum Ende lest, so müßt ihr bekennen, daß Ich Ströme
des Lichts über Meine Zuhörer im Tempel ausgoß; aber es war umsonst! Die
meisten nahmen Meine Worte im buchstäblichen Sinn, die Pharisäer und
Schriftgelehrten, gekränkt durch Meine tief treffenden Worte wegen der
Ehebrecherin, schlichen sich davon, und die übrigen, an Einsicht Beschränkten,
verstanden nicht, was Ich sagte. [PH.01_017,03] Diese Mißdeutung Meiner
Worte in jenen Zeiten besteht heute noch ebenso, und vielleicht in noch
größerem Maße. Denn während damals der Verstand eines jeden Menschen die
Bibel und auch Meine Worte buchstäblich nahm, wollen jetzt eure Gelehrten und
Naturforscher aus der sichtbaren Natur euch beweisen, daß es weder einen
Gott, noch einen Schöpfer gibt, und daß daher auch keines Seiner Worte – sei
es durch Propheten oder durch Jesus gesprochen – göttlichen Ursprungs ist.
Damals wollten Mich die Juden steinigen, weil Ich ihnen nicht nur die
Wahrheit ins Gesicht sagte, sondern weil Ich Mir anmaßte, von Meiner
göttlichen Herkunft zu sprechen, von der sie keinen Begriff hatten, ob eine
solche möglich sei. [PH.01_017,04] Die Juden in jener Zeit
hielten zwar dem Buchstaben gemäß streng an ihren Satzungen, machten sich
aber die Lehren Mosis so bequem wie möglich. Es war daher nicht anders zu
erwarten, als daß Meine Lehre, den Geist vom toten Buchstaben trennend, ihnen
nicht behagen konnte, da sie sich bei Haltung Meiner Lehre einschränken und
ihren Leidenschaften hätten den Zaum anlegen müssen. Sie waren – was
heutzutage noch viele Tausende sind – reine Tempelläufer und Zeremonienreiter.
In dieser Hinsicht hatten auch die Priester ihr Volk erzogen, damit es ihnen
nicht aus der Hand schlüpfe, und sie es zu ihrem Interesse ausbeuten konnten,
wie sie wollten. [PH.01_017,05] Nehmt die Geschichte
zur Hand und lest sie aufmerksam durch, so werdet ihr sehen, daß von der Zeit
an, als eine Kirche mit den dazugehörigen Priestern ins Leben trat, nach
kurzer Zeit die Lehren Meiner Apostel zu dem Zwecke ausgebeutet wurden, dem
Priesterstande Macht und Ansehen zu verschaffen, worauf ja auch zu Meiner
Zeit das Hauptaugenmerk der Templer in Jerusalem gerichtet war. Die Erziehung
der Jünglinge zu dieser Kaste wurde planmäßig ausgerichtet, damit sie ja
nichts anderes lernen und verstehen sollten, als was den Zwecken der ganzen
Priesterschaft heilbringend war. So kamen dann infolge zu großen Unfugs die
Religionskriege, die Verfolgung und die Scheidung in zwei Hauptlager, in
Katholiken und Protestanten, zum Vorschein, welche zwei Klassen, stets in
Buchstabenauslegung ihr Heil suchend, wieder in mehrere Sekten zerfielen,
deren Grundlage – Meine Lehre – im ganzen die gleiche war, um deren
Auslegungen sie sich bekämpften. [PH.01_017,06] Jetzt, wo der
Reinigungsprozeß angefangen hat, treten die gleichen Kämpfe auf, nur auf
friedlicherem Wege. Jetzt streiten sich die Sekten und Kasten wieder.
Einzelne Männer verlangen Reinigung der großen Masse zeremonieller Gebräuche,
welche das ganze Religionsgebäude fast verdecken. Sie wollen dieselben
zurückführen auf den ersten Kultus, der einfach war, und in welchem jede
Zeremonie, wenn eine solche festgesetzt wurde, eine geistige Grundlage hatte,
die auch der Nichtpriester oder Laie verstehen konnte. Noch irren auch diese
Männer; denn sie leiden unter der Last der genossenen Erziehung, auch sie
begreifen noch nicht ganz, was Ich einst sagte: daß Mein Wort Geist und
Wahrheit ist, und wer Mich anbeten will, Mich im Geist und in der Wahrheit
anbeten muß. [PH.01_017,07] Mehrere Meiner Apostel
rieten den Gemeinden, die sich damals gebildet hatten, von zeremoniellen
Gebräuchen ab. Denn die Zeremonie tötet den Geist und wird leicht
mißverstanden; es wird ihr mehr Wichtigkeit beigelegt, als ihr zukommt, und
sie führt im ganzen, statt zu Mir, von Mir weg. [PH.01_017,08] Dieses Sehnen, das
jetzt viele Gemüter ergriffen hat, und das einen Religionskultus zum Ziele
hat, der mehr dem Zeitgeist und der Bildung der jetzt lebenden Christenheit
entspricht, ist aber der Übergang zum letzten, geistigen und höchsten Kultus,
welcher angebahnt wird durch Meine direkten Mitteilungen, die Ich euch schon
seit mehr als dreißig Jahren zukommen lasse. [PH.01_017,09] Noch gibt es viele,
denen Meine Lehre nicht zu ihren weltlichen Ansichten paßt, und die sie
totschlagen möchten, wie einst die Juden Mich steinigen wollten. Auch jetzt
geht Meine Lehre mitten durch diese Hindernisse hindurch ihren eigenen Weg
und wird der Menschheit zugänglich werden, wenn der geeignete Zeitpunkt durch
herbe Schicksale, Drangsale und Leiden herbeigeführt sein wird, wenn alle
trügerischen Hoffnungen auf weltliche Macht und Größe in ihrer Nacktheit als
Irrlichter dastehen werden, die den ihnen folgenden Menschen, statt auf trockenen
Boden, in Sumpf und Morast leiteten. Dann wird erst die klare Einsicht Meines
Worts sich geltend machen und selbst diejenigen zum Glauben zwingen, die sich
früher auf ihr Verstandeswissen stützend schon wähnten, es gäbe keinen Gott,
sondern der Gott – wenigstens für diese Erde – seien sie selbst, d.h. der
Verstandesmensch mit seinen ausgedachten Hirngespinsten. Meine Lehre wird sie
alle zuschanden machen, und sie werden notgedrungen einsehen müssen, daß das,
was sie andere glauben machen wollten – nämlich: es gäbe keinen Gott –, eine
verkehrte Schlußfolgerung all ihres einstudierten Krames war. [PH.01_017,10] So wie Ich in jener
Zeit im Tempel Meinen Mördern ausgewichen bin, weil Meine Zeit noch nicht
gekommen war, so weicht auch jetzt noch Meine Lehre, wie ihr sie empfangt,
den Kritikern aus. Und wenn auch hie und da einer oder der andere sie, wie
einst die Juden Mich, zum Tod verdammen möchte und all seinen giftigen Geifer
darüber ausschüttet, so schadet er sich nur selbst; denn die Zeit wird auch
ihn eines anderen belehren und ihm beweisen, daß das, was Ich will, geschehen
wird, und nicht das, was er in seiner beschränkten Einsicht haben möchte. [PH.01_017,11] Noch manche werden
Steine auf Meine Lehre werfen, Steine harter Worte, die unter ihrer Last die
sanfte Lehre der Liebe erdrücken sollen. Doch fürchtet nicht, daß sie siegen
werden! Denn wie in jener Zeit Mein Ich auch bestimmt war, noch härtere
Proben zu bestehen, bis Meine Verklärung vollführt und das Ende Meiner
Mission erreicht war, ebenso wird auch jetzt Meine Lehre gesteinigt,
verdammt, verhöhnt, gekreuzigt und dann, scheinbar besiegt, ins Grab gelegt
werden, aus dem sie aber – wie einst Ich selbst, den Tod besiegend –
glorreich auferstehen wird. [PH.01_017,12] Denn das müßt ihr
bedenken: Je mehr Meine Lehre Boden gewinnt, desto mehr werden sich
Hindernisse gegen sie auftürmen; denn sie greift viele in ihrem materiellen,
und noch mehrere in ihrem geistigen Wohlleben, in ihrer bis jetzt gewohnten
Lebens- und Denkungsart an. Es muß also sein, damit sich bis zu Meiner
nächsten Darniederkunft alles wiederhole, was einst sichtbar den Kern Meiner
drei Lehrjahre ausmachte. Dort legte Ich den Samen Meiner Lehre unter Disteln
und Dornen, und wenig fruchtbares Erdreich nahm ihn auf, wie er es verdient
hätte. Er wucherte dennoch fort, wenngleich nur auf einzelnen Stellen. Auch
jetzt fällt Mein Wort, das die Menschen frei machen will, auf steinigen
Grund, von wenigen beachtet, von den meisten zertreten und von den Schaden
witternden Füchsen mit Vernichtung bedroht. Und doch wird es ausreifen, wird
zur Himmelsblume werden, die Ich einst selbst auf eure kleine Erde gebracht
habe, und die Ich euch gleich einer Rose übergab, die durch Wohlgeruch die
Sinne ergötzt, aber gar leicht des Unvorsichtigen Hand durch ihre Dornen
verletzen kann! [PH.01_017,13] Die Rose ist die
schönste Blume auf eurer Erde, weil sie mit dem Wohlgeruch auch die schönste
Farbe vereint, von denen das eine die Liebe, das andere die Weisheit
ausdrückt. Wie nun die Rose in ihrem liebreizenden Gewand Schönheit mit Wohlgeruch
verbindet, so läßt auch Mein Wort, das Wort der Liebe, mit guten Taten
gepaart, den Liebreiz Meines göttlichen Wesens jeden Verehrer fühlen. [PH.01_017,14] Die Dornen sind die
weltlichen Leidenschaften, die vorerst durch Kampf und Leiden beseitigt
werden müssen. Und so will die Rose eigentlich sagen: „Ich kann nicht
bestehen ohne Dornen!“ Diese müssen überwunden werden. Wie nun die Rose durch
ihre Dornen Elektrizität einsaugt und sie zur Verschönerung ihres eigenen
Ichs verwendet, ebenso soll ein jeder, der Meiner Lehre folgen und sie ausüben
will, die weltlichen Unannehmlichkeiten so ausbeuten, daß ebenfalls aus
ihnen, wie aus den Dornen bei der Rose, Geistiges und Erhabenes erwächst. [PH.01_017,15] So pfleget auch ihr
Meine Worte! Lest sie nicht zum Zeitvertreib; denn es könnte eine Zeit
kommen, welche euch dieses Vergnügen vertreibt oder verbittert, wenn ihr
nicht durch Gedanken und Taten euer Ich veredelt habt! Handelt nach Meinen
Worten, damit ihr, gewappnet mit dem Bewußtsein guter Taten, nicht wie die
Mehrzahl hungrig am Buchstaben hängend, sondern an der Lebensquelle der
ewigen Liebe Wonne und Seligkeit trinkend, Mich, Mein Wort und Meine
göttliche Liebe als euren ,Vater‘ auch unter Drangsalen nicht vergessend, die
Fahne des Glaubens und Vertrauens hoch erhebt und nicht – wie vielleicht
viele – Steine des Unwillens, sondern Segens- und Dankeswünsche Mir
entgegensendet, wenn Ich kommen werde, die Palme des Sieges den Ausharrenden
zu überreichen. Amen. 18. Predigt – Am Palmsonntage. Der Einzug Jesu in Jerusalem. [PH.01_018] Matth.21,1-9: Da sie nun
nahe an Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner
Jünger zwei und sprach zu ihnen: „Gehet hin in den Flecken, der vor euch
liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen
bei ihr; löset sie auf, und führet sie zu mir! Und so euch jemand etwas wird
sagen, so sprechet: ,Der Herr bedarf ihrer!‘; sobald wird er sie euch
lassen!“ Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch
den Propheten, der da spricht: „Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König
kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der
lastbaren Eselin!“ Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen
hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider drauf
und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die
andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk
aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: „Hosianna dem Sohn
Davids! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der
Höhe!“ 18. Februar
1872 [PH.01_018,01] Dieses Kapitel beginnt
mit Meinem Einzug in Jerusalem. Auf einer Eselin, dem Bild der Demut, nahm
Ich als der demütigste Mensch die Huldigungen von so manchen Gläubigen
entgegen und begab Mich dann zu den Hochmütigsten jener Zeit, zu den
Hohenpriestern und Pharisäern, in den Tempel. Dort räumte Ich wohl dem Äußern
nach dieses Bethaus vom materiellen Mist, indem Ich die Wechsler und
Taubenhändler austrieb. Was die Reinigung von dem geistigen Unrate in den
Gemütern der Machthaber in jenen Mauern betrifft, mußte Ich es der Zeit
überlassen, welcher von ihnen einst gereinigt in Mein Reich gelangen werde. [PH.01_018,02] Was sich dort während
Meines Lebenswandels ereignete, das alles hatte seine geistige Bedeutung in
bezug auf das ganze Geister- und Seelenreich. Ich, als Menschensohn auf eurer
Erde, stellte das große Prinzip Meiner Liebeslehre vor, wie es alle
Entwicklungsstufen des Lebens durchmachen mußten, damit es, als Beispiel und
erreichbares Ziel nicht nur von allen geschaffenen Wesen angestrebt, sondern
durch Mein eigenes Beispiel ausgeführt, auch als Wegweiser auf dem langen
Wege der geistigen Vervollkommnung im Strahlenglanz Meiner göttlichen
Allmacht, Liebe und Weisheit euch zur Nachahmung anregen könne und solle. [PH.01_018,03] Was Ich im Tempel tat –
sowohl die Reinigung desselben als auch Meine Gleichnisreden an die
Schriftgelehrten und Pharisäer –, ist geistig genommen das gleiche, was in
eines jeden Menschen Herzen geschieht, sobald er sich nur im mindesten für
Meine Lehre empfänglich zeigt. Denn auch dort ziehe Ich dann ein unter dem
Bild der Demut und Sanftmut. Dort zieht Mir die frohlockende Seele ebenfalls
angeregt durch den in ihr ruhenden Geist, mit Lobgesängen der Freude entgegen.
Auch dort ist Mein erstes Augenmerk auf die Ausmerzung der weltlichen Leidenschaften,
hauptsächlich des Egoismus – der Handel ist ja das ausgeprägteste Bild
desselben –, gerichtet. Dann fange Ich an, der Individualität der
menschlichen Seele gemäß, geistige Nahrung zu verabreichen, welche den Gleichnissen
entsprechen, die Ich vor den Schriftgelehrten und Pharisäern redete, die zwar
alles nicht im geistigen Sinn begriffen, in welchem Ich es meinte, doch aber
die Wahrheit der Vergleiche nicht ableugnen konnten. [PH.01_018,04] Was taten die Pharisäer
und Schriftgelehrten nach Anhörung Meiner Worte? Sie trachteten Mir nach dem
Leben und verwarfen Meine Lehre. – Und was tun so viele Menschen, bei denen
Ich im Anfang mit Triumph eingezogen bin? Sie tun das gleiche. Sobald es im
Ernst auf Verleugnung und Aufopferung ankommt, kehren auch sie Mir den
Rücken, wollen lieber die Eindrücke Meines ersten Kommens vernichten, als ihr
materielles Streben nach Glücksgütern und zeitlichem Wohlleben einem
geistigen und höheren Leben unterordnen. [PH.01_018,05] Mein Einzug in
Jerusalem und im Tempel stellt auch die Epoche der Bekehrung des einzelnen
Menschen, wie der Menschheit im ganzen dar. Hierbei wurden die Vorarbeiten
zur geistigen Wiedergeburt in äußeren Verhältnissen angebahnt; dann, stets
näher und näher rückend, ging der Angriff auf den Lebenskern, auf das Herz
selbst über, um mit einem letzten Hauptversuch den ganzen Kampf gegen alle
äußeren Widerwärtigkeiten mit dem Sieg über das Hauptbollwerk zu vollenden. [PH.01_018,06] Auch während Meiner
Lehrzeit hielt Ich Mich größtenteils in abseitsgelegenen Städten und Dörfern
auf und suchte Mir gerade dort, unter dem mehr unverdorbenen Volk und unter
den Heiden, Gläubige zu gewinnen. Erst als das Ende Meiner irdischen Laufbahn
herannahte, begab Ich Mich, und zwar freiwillig, in jene Orte – wie eben
Jerusalem und sein Tempel einer war –, von denen Ich im voraus wußte, daß
Meine Lehre dort den größten Widerstand erfahren werde. Ich sah aber auch
voraus, daß, wenn mit dem weiteren Erfolg in Meiner Lehrzeit sich materiell
alles für Mich verschlimmern werde, dann gerade geistig der Triumph Meiner
Wahrheits- und Liebelehre am größten sei. Ich wußte wohl, daß, wenn Ich –
nicht wie früher, wo Ich Meinen größten Widersachern und Feinden aus dem Wege
ging – jetzt Mich in ihre Nähe begeben würde, Ich ihren Racheplänen nicht
entgehen werde; allein, so war es von Mir bestimmt, so mußte es kommen. Nur
so konnte Meine Lehre für die Ewigkeit Bestand und Dauer gewinnen. [PH.01_018,07] So würde der Same,
welchen Ich in Judäa und Palästina und anderen Orten säte, nicht auf unreifen
Boden fallen; denn mit Meiner Auferstehung krönte Ich Mein ganzes Werk, und
jede spätere Verfolgung, jede größere Trübsal und jedes Leiden, welches
Meinen Gläubigen zustieß, vermehrte und bestärkte Meine Anhänger. Jedes
Ereignis in diesem Sinne legte einen Stein zum großen Gebäude Meiner
geistigen Schöpfung, das einst als geistiges Jerusalem der Mittelpunkt alles
geistig-himmlischen Lebens sein wird. [PH.01_018,08] Was Jerusalem für die
Juden war, das soll Meine Schöpfung für Meine Geister und Seelen werden; und
was der Tempel als Wohnort Jehovas im Allerheiligsten war, das soll einst
jedes lebende Herz werden, – nämlich der Tempel, in welchem Ich Meine Wohnung
aufschlagen kann, ohne Mich Meiner Behausung zu schämen. [PH.01_018,09] Wie es mir in jener
Zeit ergangen ist, so wird es den Menschen im allgemeinen und dem Menschen im
einzelnen ergehen. Je mehr der Mensch anfangen wird, sein Inneres Mir
zuzuwenden, desto mehr der Widersprüche wird er vernehmen; denn mit dem geistigen
Fortschritte wachsen die Feinde, welche ihn bekämpfen und verhindern wollen. [PH.01_018,10] Ich ging in jener Zeit,
nach Meinem letzten Erscheinen im Tempel, den größten Leiden entgegen, die
ein Mensch ertragen kann. So geht auch der Mensch geistig bei seinem
Vorwärtsrücken auf geistiger Bahn stets mehr Schwierigkeiten entgegen. Die
Welt wird ihm stets fremder. Aber die Welt rächt sich dann auch ob dieser
Mißachtung. Es türmen sich Hindernisse in der sozialen und Einsprüche in der
geistigen Welt auf, die der beängstigten Seele das Wandeln auf Meinen Wegen
erschweren. Alles wird ein treues Bild Meiner eigenen Leiden und Kämpfe
werden, bis, angekommen an dem großen Wendepunkt, die Welt gänzlich verlassen
und das geistige Reich mit aller Kraft ergriffen werden soll. Dann wird die
Fahne des geistigen Triumphes auf der einen Seite und die der weltlichen
Freuden auf der andern Seite den Menschen entweder zu Mir oder von Mir führen.
Folgt er Meinem Beispiel, so wird auch ihm die Auferstehung in seiner geistigen
Wiedergeburt zuteil werden; folgt er aber der Welt, so wird sein Schicksal
das Jerusalems sein, welches, bei den Weltfreuden beharrend, nach kurzer Zeit
ein Trümmerhaufen war, und dessen Einwohner als Sklaven anderer Nationen in
allen Weltteilen zerstreut leben mußten. [PH.01_018,11] Der Einzug in Jerusalem
ist für die ganze Menschheit von einer weit größeren, geistigen Wichtigkeit,
als sie es ahnt. Der Einzug in Jerusalem bedeutet die Annäherung Meines Ichs
an die Menschheit und ist – wie dort – die eigentliche Weihe der lebenden
Menschen und Geister. Durch den Einzug in Jerusalem und im Tempel heiligte
Ich diese Mauern, erkannte sie offen als Mein Eigentum an, gab den Beweis,
daß Ich es nicht für zu gering erachtet habe, als Herr der Schöpfung, im schlichten
Kleid und auf einer Eselin reitend, demütig und sanft um Aufnahme bei den
Menschen zu bitten. [PH.01_018,12] Dieser Einzug besagt,
geistig genommen, folgendes: Ich will das menschliche Herz zu Meinem Wohnorte
machen. Dort will Ich verehrt und geliebt werden dadurch, daß Meine Lehre
befolgt wird. Wie der Tempel in Jerusalem zu Meiner Ehre als Gotteshaus
erbaut ward mit all dem Glanz und der Pracht, die jene Zeit aufbieten konnte,
so soll das menschliche Herz und die Menschenseele ausgestattet sein mit
allen geistigen Tugenden, die den Menschen zum Menschen, zu Meinem geistigen
Ebenbild stempeln, zu dem Ich ihn einst erschaffen und bestimmt habe. [PH.01_018,13] Der Tempel in Jerusalem
war ein Haus von weltlicher Pracht, und in ihm sollte geistige Herrlichkeit
wohnen; so soll auch der Mensch ein Wesen werden, das auf der Grenze zweier
Welten stehend den Fuß zwar auf Materielles stützt, aber den Blick und das
Herz nach Geistigem richtet und so durch das erste zum zweiten gelangt. Diese
Reinigung vom Materiellen und das Anziehen des Geistigen ist die Mission der
Menschen auf dieser Welt, ist die Mission der Geister; sie war Meine eigene
und ist noch immer die eure. [PH.01_018,14] Überall weht jetzt der
geistige Wind, um die Menschenherzen von weltlichen Dünsten zu reinigen; denn
der Herr und Vater ist in der Nähe. Er wartet, auf Seine Eselin, auf das
Symbol der Demut gestützt, den Augenblick ab, in dem Er triumphierend in eure
Herzen einziehen kann, damit auch ihr Ihm ,Hosianna‘ entgegensingen könnt! [PH.01_018,15] Die große Zeit der
geistigen Wiedergeburt steht vor der Tür, Eingang fordernd in jene Räume, die
schon seit Schöpfungsanbeginn nur für den Herrn alles Seienden geschaffen und
eingerichtet waren. Machet weit auf die Tore, damit der Liebewind eure Herzen
von Wechslern und Taubenverkäufern, d.h. vom weltlichen, egoistischen Treiben
reinige! Es kommt die Zeit, in der der Herr Rechenschaft begehren wird über
das euch anvertraute Gut, über die euch allen geliehenen geistigen Gaben. Wie
der Tempel in Jerusalem ein Gotteshaus hätte sein sollen, so ist auch euer
Herz bestimmt, Mein Wohnhaus zu sein. [PH.01_018,16] Bedenkt, die materielle
Zeit eilt, euer Leben schwindet von Minute zu Minute, und bald wird der
Todesengel den Rechenschaftsbericht von euch verlangen über das euch
anvertraute Gut! Vergrabet es nicht, sondern beutet es aus, damit das
Eintreten in ein großes geistiges Reich, in das große geistige Jerusalem
nebst seinem Tempel – als Wohnort eures Vaters – euch erlaubt sei und ihr
nicht, wie die verstockten Pharisäer, nachher als Sklaven eurer eigenen
Leidenschaften in allen den großen Räumen Meiner Schöpfung herumirren müßt. –
Wohl würdet ihr dort alles finden, was euch einst belustigte und Freude
machte, aber bei all diesem flüchtigen Genusse müßtet ihr doch den größeren,
weit wichtigeren Genuß, den Meiner Liebe, Meiner Gnade und Meines Wohnorts
missen. Denn wisset: Wenn nicht euer Herz Mein Wohnort ist und ihr nicht
überall, wohin ihr euch wenden möget, Mich stets im Herzen tragt, so bin Ich
für euch nirgends zu finden, selbst in dem großen geistigen Jerusalem nicht,
welches ja nichts anderes vorstellt als das geistige Liebesprinzip, welches
alles geschaffen hat, erhält und stufenweise vorwärts zu höheren Genüssen
führt. [PH.01_018,17] Dies beachtet! Seht mit
geistigen Augen eure Zeit, ihre Ereignisse und Tendenzen an, und ihr werdet
leicht begreifen, daß die Zeit nahe ist, in der Ich, der Herr, auf einer
Eselin reitend, Meinen Einzug in die geistige Welt, in die Seelen der Menschen
halten will! Wohl dem, der vorbereitet ist; denn ihn überrascht Meine Ankunft
nicht! Sie schreckt ihn nicht, sondern sie ist ihm das Fest des Einzugs in Jerusalem,
wie es einst von Meinen Anhängern vor mehr als tausend Jahren gehalten wurde. [PH.01_018,18] Bereitet euch also vor,
Mir und Meiner Liebelehre den gehörigen Empfang zu bereiten und ihr das
,Hosianna‘ entgegenzurufen! Amen. 19. Predigt – Am Ostersonntage. Die Auferstehung des
Herrn. [PH.01_019] Mark.16,1-8: Und da der
Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter,
und Salome Spezerei, auf daß sie kämen und salbten ihn. Und sie kamen zum
Grabe am ersten Tage der Woche sehr früh, da die Sonne aufging. Und sie
sprachen untereinander: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Und sie
sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzt war; denn er war sehr
groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten
Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetzten sich.
Er aber sprach zu ihnen: „Entsetzet euch nicht! Ihr suchet Jesus von
Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hier. Siehe da
die Stätte, da sie ihn hinlegten! Gehet aber hin und sagt's seinen Jüngern
und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn
sehen, wie er euch gesagt hat.“ Und sie gingen schnell heraus und flohen von
dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen ankommen. Und sagten niemand
etwas; denn sie fürchteten sich. 19. Februar
1872 [PH.01_019,01] Der vorherige
Evangelientext behandelte Meinen Einzug in Jerusalem und im Tempel; der
obenerwähnte beschreibt Meine Grablegung und Auferstehung, sowie Meine
Erscheinung bei verschiedenen Meiner Jünger und der Magdalena. Zwischen dem
Einzug in Jerusalem und Meiner Grablegung liegt Meine gerichtliche
Verurteilung, liegen Meine größten, als Mensch und Gott ausgestandenen Schmerzen,
Meine größte Demütigung als Schöpfer und Herr der Welt und der Beweis Meiner
größten Liebe, der nur Ich allein fähig sein kann, indem Ich ungeschaffener,
ewiger Gott und Herr Mich dem allem unterzog, um Meinen geschaffenen Wesen
und Geistern als Beispiel voranzugehen, damit sie alle sehen können, was dazu
gehört, ein Kind Desjenigen zu sein, der Welten, Sonnensysteme und große Geisterreiche
ins Leben rufen konnte und auch wieder aus demselben vertilgen könnte, wenn
Sein mächtiger Wille nicht eben durch die allumfassende Liebe zur Erhaltung
statt zur Vernichtung des Geschaffenen angeregt würde. [PH.01_019,02] Die letzten Tage Meines
irdischen Lebenswandels sollten allen Geistern den tatsächlichen Beweis
liefern, daß jeder, der einen Gottesfunken, in sich trägt, auch, weit über
alle Begriffe geschaffener Wesen hinaus, noch größerer Aufopferungen und Verleugnungen
fähig ist, und zwar nicht seines eigenen, sondern des Heiles anderer wegen. [PH.01_019,03] In nichts ist das
zweite Liebesgebot so ausgeprägt, so in seiner ganzen Fülle erfüllt worden
wie in den letzten Tagen Meines Leidens von Mir selbst. Ich erniedrigte Mich
als Mensch, alle menschlichen Leiden, die dem irdisch Geschaffenen die größten
scheinen – Torturen, Tod und öffentliche Entehrung –, geduldig zu ertragen,
und zwar als Mensch für alle anderen Menschen, sie als Meine Brüder betrachtend,
welche, obwohl feindlich gesinnt und Meine großen Wohltaten mit Undank und
Rache lohnend, Mich doch im letzten Atemzuge noch betend und Verzeihung für
sie erflehend am Kreuze sterben sahen. [PH.01_019,04] Was kann die
Nächstenliebe mehr tun, als was Ich in jenen Momenten getan habe? – Weil Ich
es tat, erhob Ich dieses Gebot der Nächstenliebe, das auch als soziales für
das Zusammenleben gilt durch den Satz: „Was du nicht willst, das man dir tu,
das tue auch anderen nicht!“, zu einem göttlichen, unzertrennlich verbunden
mit dem ersten, nämlich: den Schöpfer über alles zu lieben. [PH.01_019,05] Mein Scheiden von der
kleinen Erde, welche Ich unter Millionen und Millionen von Erdkörpern und
Sonnen zum Schauplatz Meiner größten, nur Mir möglichen Tat, auserkoren
hatte, dieses Scheiden besiegelte mit dem letzten Atemzuge die Göttlichkeit
der beiden von Mir aufgestellten Liebesgebote. Ich als Mensch übte beide in
ihrer größtmöglichen Erfüllung und hinterließ so der Menschheit das Ideal
eines Erdenmenschen, wie er sein soll. Ich zeigte als Geist Meinen höheren
Wesen und Engeln, was sie zu vollbringen imstande sein und nach was sie
streben sollen, wenn der Moment der Prüfung auch an sie herantritt. [PH.01_019,06] Auf der Erde war der
Schlußstein zur Gewißheit Meiner Göttlichkeit die Auferstehung von den Toten;
denn ohne sie wären Meine Lehre, Meine Taten, überhaupt Mein Lebenswandel
bald vergessen worden. Meine Jünger hätten sich zerstreut, wären für sich Mir
vielleicht noch angehangen, aber für ihre Mitmenschen nicht mehr
fruchtbringend gewesen. [PH.01_019,07] Meine Jünger glaubten
wohl an Meine Göttlichkeit unter dem Einfluß Meiner Gegenwart. Meine
persönliche Erscheinung, Meine Worte und Meine Taten waren zu gewichtig, als
daß sie nicht auf Meine Umgebung gewirkt hätten; jedoch, einmal Meiner Person
entledigt und frei von diesem moralischen Druck, hätte die Welt nach und nach
ihre Rechte wieder auf sie geltend gemacht und den von Mir gemachten Eindruck
während Meines Lebenswandels stets mehr geschwächt und endlich gar verwischt.
Wenn von Meinem Lebenswandel nichts übriggeblieben wäre als die Erinnerung an
Vergangenes – obgleich Wunderbares und Unbegreifliches –, mußte, sollte all
Mein Wirken nicht umsonst gewesen sein, durch ein Entgegenhandeln allen bis
jetzt gewohnten Gesetzen, die Auferstehung vom Tode Meine Göttlichkeit
beweisen und dadurch den Glauben Meiner Jünger und Anhänger kräftigen, um sie
dadurch erst zu ihrer ferneren Mission reif zu machen. [PH.01_019,08] So war Meine
Auferstehung der Schlußstein dieses nie zu vernichtenden Glaubens- und Religionsgebäudes,
welches bis jetzt allen Stürmen widerstand, und welches bald in seiner ganzen
Reinheit und seinem Glanz auf Erden prangen und so der Vermittler zwischen
zwei wichtigen Faktoren der Schöpfung sein wird, nämlich zwischen Materie und
Geist oder zwischen dem Reich des Materiellen und dem Geisterreich. [PH.01_019,09] Ja, so muß es geführt
werden, und so muß es kommen, damit auf eurer Erde überall anerkannt wird,
daß die Materie nur die Umkleidung des Geistigen ist, und daß die Materie
oder das Weltliche nur des Geistigen wegen geschaffen wurde. [PH.01_019,10] Alles Materielle muß
vergeistigt werden, damit die Menschen sich Meinem Geistigen Reich nähern
können, und damit die andern geschaffenen Wesen auf dem Erdball, der
Vervollkommnung der Menschen nachstrebend, ebenfalls höher und höher steigen,
bis der Erdball selbst, seiner Dichtigkeit entbunden, zur Auflösung keinen
Gewaltschritt, sondern nur den des sanften Überganges nötig haben wird. [PH.01_019,11] Um euch diesen
Vergeistigungsprozeß klar durchschaubar und begreiflich zu machen, was Meine
Auferstehung, sowie Meine Leidensgeschichte der letzten Tage Meines irdischen
Lebenswandels bis zu Meinem Tode bedeuten, muß Ich euch daran erinnern – was
Ich schon mehrmals wiederholt habe –, daß alle Meine Taten und Worte, ja
selbst die Weltereignisse während Meiner Lehrjahre, sich nach und nach bis zu
Meiner künftigen, nahe bevorstehenden Wiederkunft wiederholen werden, und
zwar in geistigen Entsprechungen und nicht tatsächlich an Meiner Person wie
in jener Zeit. [PH.01_019,12] Was Ich in jener Zeit
als Menschensohn auszustehen hatte, das galt auch für das Fortschreiten
Meiner Lehre, welche Mich jetzt auf eurer Erde geistig darstellt. Auch sie
wurde verunreinigt, verspottet und schändlicher Unfug mit ihr getrieben;
endlich hat man sie in euren Kirchen, als großen Grabgewölben, zu Grabe getragen
und auf sie einen schweren Stein, den Stein des nichtigen Kultus, gewälzt.
Dort sollte sie ewig ruhen und nur denen nützen die weltlichen, aber nicht
geistigen Nutzen daraus ziehen wollten. [PH.01_019,13] So war der Gang der
Weltgeschichte das genaue Abbild Meiner Lehrjahre. Allein, wie es in eurem
Leben in geistiger Hinsicht drei wichtige Abschnitte gibt, nämlich das
Kindesalter – entsprechend dem unbedingten Glauben –, das Jünglingsalter –
entsprechend dem Urteilen über das Geglaubte – und das Mannesalter –
entsprechend dem Unterscheiden von Schein und wirklichem Sein –, so folgte
auch Meine Lehre all diesen Phasen, teils während Meines eigenen Unterrichts,
teils später nach Meinem Hingang bis jetzt und weiterhin. [PH.01_019,14] Auch Ich zwang im
Anfang die Mich umgebende Welt teilweise durch Meine Wunder zum Glauben und
erzog die Menschen dann wie die Kinder. Und wenn sie Mich dann anfingen zu
verstehen, so fanden sie bei ihrer Beurteilung die rechte Wahrheit des früher
nur Geglaubten, d.h. kamen ins Jünglingsalter. Und als ihr Glaube und Wissen
auf diese Weise gefestet war, wurden sie reif, traten mit aller Überzeugung
für Meine Lehre, für Mich ein und bestätigten mit Wort und Tat, was ihnen als
das Heiligste und Höchste erschien. [PH.01_019,15] Die Geschichte Meiner
Religion, ihre spätere Verbreitung, lehrt euch die gleichen Übergänge, nur
mit dem Unterschied: Als Ich selbst lehrte, war kein Grund des Ausscheidens,
des Protestierens vorhanden; aber als Menschen, von menschlichen
Leidenschaften angetrieben und von weltlichen Ansichten und Interessen
geleitet, es Mir nachmachen wollten, verkehrten sie das Göttliche in
Weltliches, gaben den Menschen die Rinde statt den Kern des geistigen Lebens,
was zur Folge hatte, daß – nachdem das Menschengeschlecht herangereift war
und selbst urteilen konnte – von den meisten das Kind mit dem Bade
ausgeschüttet wurde. [PH.01_019,16] So kamen die Extreme
von Alles-Gläubigen und Nichts-Gläubigen zum Vorschein. Jetzt, wo dieses
geistige Sich-Regen stärker wird, wo der Leichnam im Grabe, mit Stein bedeckt
und versiegelt, sich zur Auferstehung vorbereitet, jetzt wollen sie noch
anfangen, wie einst Magdalena, mit irdischen Spezereien und Wohlgerüchen den
Leichnam vor der Verwesung zu bewahren. Wie aber die Magdalena sich damals
täuschte, weil sie das Grab leer fand, so werden auch jetzt die Hüter der
geistigen Grabstätte Meiner Lehre enttäuscht sein. Sie werden das Grab leer
und nur die Leichentücher finden, in welche sie den Leichnam meiner Lehre
eingehüllt hatten; doch Der, den sie dort unter Schloß und Riegel verwahrt
glaubten, wird auferstanden sein, wird Seine Anhänger und Jünger selbst
aufsuchen und ihnen durch Seine Gegenwart wieder neuen Mut und Eifer einflößen. [PH.01_019,17] Je mehr diese Zeit
herannaht, desto größer ist der Eifer, den Leichnam ja wohl zu verwahren und
zu bewachen. Wie einst römische Soldaten als Nichtgläubige Mein Grab
bewachten, so möchte man auch jetzt, daß bewaffnete fremde Macht die Schänder
und Richter Meiner Liebeslehre unterstütze. Allein es ist umsonst. Schon
bricht der erste Strahl hervor und trifft den Steindeckel des Grabes. Und wie
jeder Stein beim ersten Strahl der Morgensonne zu vibrieren anfängt und dieses
Zittern und Vibrieren fortgeht, bis dadurch der Stein erwärmt wird und dann
diese Wärme seiner Unterlage mitteilt, so vibriert auch schon dieser
Sargdeckel. Sein Zittern und Bewegen wird sich vermehren, je mehr ihn die Reaktion
zur ewigen Ruhe verdammen möchte. Der Strahl der geistigen Liebessonne wird
den Stein wegwälzen, die geistig eingeschlafenen Mächte verscheuchen und
ihnen und ihren Mithelfern nur die Leichentücher überlassend, den „Leichnam“
neu beleben und ihn zu seiner weiteren Vervollkommnung auf der Bahn des
Lichts weiterführen. [PH.01_019,18] Im Grabe herrscht
Finsternis. Der Lichtgott der göttlichen Wahrheit will jedoch nur Licht;
Licht aber verbreitet Wärme und Wärme Leben. [PH.01_019,19] So wird auch der
Leichnam meiner Lehre aus diesem Grabe, in das weltliche Selbstsucht und
Herrschsucht ihn gelegt hatten, auferstehen, Licht, Wärme und Leben da
vermehren, wo sie schon im Herzen glühen und diese drei Elemente segensreich
dort verbreiten, wo sie vielleicht gänzlich gemangelt haben. [PH.01_019,20] Das ist das geistige
Bild Meiner Auferstehung als Meine Liebelehre, welche Ich vor mehr als
tausend Jahren wirklich vollführte, und die jetzt bald auf dem ganzen
Erdenrund vor sich gehen wird. Wie Ich dort auferstand und Meine Jünger und
Anhänger sich der Auferstehung erfreuten, so wird auch diese Auferstehung von
der ganzen Menschheit und von jedem einzelnen im eigenen Herzen gefeiert werden.
So werde Ich auferstehen in den Herzen Meiner Gläubigen, wenn auch sie alle
Leichentücher, in welche sie Mich eingehüllt hatten, weit von sich geworfen haben,
alles Weltliche und Zeremonielle des Religionskultus weit hinter sich lassen,
nur dem Geistigen Meiner Lehre Glauben schenken und das Geglaubte auch
tatsächlich ausüben werden. [PH.01_019,21] Diese Auferstehung in
den Herzen wird die Wiedergeburt, wird der letzte Schritt zum Bruch mit der
Welt und der erste Schritt oder Anfang eines geistigen Lebens werden, wo kein
materielles Band mehr mächtig sein wird, den Menschen zu verführen oder ihn
auf seinem Vergeistigungsweg aufzuhalten. [PH.01_019,22] Daher wachet auf, Meine
Kinder! Öffnet eure geistigen Augen, Ohren und Herzen! Der Jesus, in Form
Seiner sanften Lehre von Duldung und Liebe, der dort am Kreuze nicht nur
Seinen Nächsten noch liebte, sondern selbst für Seine Feinde bat, dieser
Jesus soll in euch auferstehen! Und wie die Erde Seine Kirche, Sein Bethaus
werden soll, wo Friede, Ruhe und Seligkeit wieder einkehren sollen, so soll
auch euer Herz, paradiesisch geziert, nur Blumen der Liebe, der Gottes- und Nächstenliebe
tragen. [PH.01_019,23] Bereitet euch vor auf
dieses Fest der Auferstehung in euren Herzen! Es ist das Fest der
Vergeistigung, der Verklärung eures eigenen Ichs. [PH.01_019,24] Wie Ich damals verklärt
mit vergeistigtem Leib dem dunklen Grab entstieg, so sollt ihr ebenfalls
verklärt, vergeistigt, gebessert, veredelt und Meiner würdig eurem Grab
weltlicher Leidenschaften und Begierden entsteigen. Wenn euch bis jetzt Welt,
Erziehung und soziale Verhältnisse vielleicht mit Leichentüchern umhüllt, mit
Spezereien und Wohlgerüchen geziert hatten, um euren irdischen Menschen vor
Verwesung zu hüten, so werft sie weg, alle diese unnützen Mittel; denn sie
sind Werkzeuge der Materie und nicht des Geistes! Bedenkt, ihr seid nicht von
dieser Welt! Ihr wart vorher Geist und werdet wieder Geist werden. Dort ist
euer Heimatland, dort winkt euch Der, welcher, um euch das fühlen und
begreifen zu lassen, für euch den leiblichen Tod gestorben, aber auch geistig
wieder auferstanden ist, damit auch ihr – Ihm nachfolgend, rein wandelnd wie
Er und am Ende mit Triumph das Weltliche von euch werfend – geistig
auferstehen und so Ihm im Kleinsten vergelten könnet, was Er im Größten an
euch getan hat, indem ihr euch durch diese geistige Wiedergeburt zu Seinen
Kindern erhöht. Bedenkt, was es heißt, ein Kind des Schöpfers und Herrn der
Welt genannt und ein Bruder jener Geister zu werden, die schon längst, früher
als ihr alle, diese Schule durchgemacht und siegreich bestanden haben und
jetzt in ewiger Wonne und Seligkeit dieses immerwährende Auferstehen und
Wiedergeborenwerden ihrer Brüder mit Freude betrachten und mit Bruderliebe
teilen! [PH.01_019,25] So nehmt die
Auferstehung geistig, wie sie ist, und wie sie, als ewiges Denkmal und Beispiel
für euch und Mein ganzes Geister- und Seelenreich vollzogen, von euch
aufgefaßt werden soll! [PH.01_019,26] Ich in jener Zeit
streifte das Menschliche von Mir ab, nachdem Ich die menschliche Natur
überwunden und die göttliche wieder angezogen hatte. Tut auch ihr das
gleiche, so wird der Tag eurer geistigen Auferstehung oder Wiedergeburt euch
der wichtigste auf eurer Erdenbahn, der Schlußstein eurer irdischen und
Grundstein eurer geistigen Mission sein! Amen. 20. Predigt – Am Sonntage Quasimodogeniti. Die Erscheinung
des Herrn bei den Jüngern. [PH.01_020] Joh.20,19-31: Am Abend
aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen
verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein
und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Und als er das gesagt hatte,
zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie
den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: „Friede sei mit euch!
Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Und da er das gesagt
hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: „Nehmet hin den heiligen Geist!
Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie
behaltet, denen sind sie behalten.“ Thomas aber, der Zwölf einer, der da
heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern
Jünger zu ihm: „Wir haben den Herrn gesehen.“ Er aber sprach zu ihnen: „Es
sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger
in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht
glauben!“ Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen und Thomas
mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein
und spricht: „Friede sei mit euch!“ Darnach spricht er zu Thomas: „Reiche
deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege
sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas
antwortete und sprach zu ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ Spricht Jesus zu
ihm: „Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die
nicht sehen und doch glauben!“ Auch viel andere Zeichen tat Jesus vor seinen
Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind
geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes, und daß
ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen. 5. März 1872 [PH.01_020,01] Dieses Kapitel
bestätigt Meine Auferstehung und zeigt euch ihre Wichtigkeit und Notwendigkeit
als Bedingung, wenn Meine mit so großen Opfern erkaufte Lehre Dauer und Erfolg
haben sollte; denn ihr seht Meine Jünger furchtsam, ohne Mut und Glauben,
sich in die Wohnungen einsperren. [PH.01_020,02] War doch, als Ich
Meinen Jüngern – wie der Magdalena am Grabe – erschien, einer Meiner Jünger
so ungläubig, daß er erst durch unmittelbare Berührung Meiner Wunden sich von
Meiner Auferstehung überzeugen wollte. [PH.01_020,03] Dieses alles, was in
jenen Zeiten geschah, nebst den anderen Zeichen, welche Ich vor Meinen
Jüngern bei verschlossenen Türen ausübte – Zeichen, welche ihr später auch
erfahren werdet –, dieses alles wird auch bei Meiner nächsten Darniederkunft
sich nach und nach vor den Augen der Menschen abwickeln. [PH.01_020,04] Je mehr die Gläubigen
Meiner reinen Lehre, wie Ich sie euch jetzt gebe, sich vermehren werden, desto
mehr werden sie auch alle Stadien der Begeisterung, des Zweifels, des
Unglaubens und alle Erschütterungen des geistigen Lebens durchmachen müssen;
denn die Verhältnisse werden oft gegen Mich zeugen. Die Menschen werden Meine
Anhänger in ihrem Glauben irreführen, werden sie verfolgen, hassen und wo es
möglich sein wird, sich an ihnen rächen. [PH.01_020,05] Es wird auch in der
Zeit so Ungläubige wie Thomas geben, die irregeführt, entmutigt, allen
früheren Seelenfrieden und Glauben über Bord geworfen haben, und die erst
durch Mein persönliches Erscheinen zu heilen sein werden. [PH.01_020,06] Was in der Zeit Meines
Erdenwandels die Behausungen mit den verschlossenen Türen waren, das werden
künftig die Herzen der Menschen sein, welche verschlossen weder dem Weltlichen,
noch dem Geistigen einen Eingang erlauben wollen. Dort werde Ich auch
gezwungen sein, mit sanfter Einsprache in das Herz Meiner Anhänger den Ruf
ergeben zu lassen: „Fürchtet euch nicht!“ und: „Der Friede sei mit euch!“,
weil auch sie, ohne Halt und Stütze, auf dem Punkte stehen, alles zu
verlieren und in ewigen Zweifeln unterzugehen. [PH.01_020,07] Der ganz Ungläubigen,
wie Thomas, wird es dann viele geben, die – selbst Meiner Stimme nicht mehr
Gehör gebend – nur durch tatsächliche Beweise auf den früher betretenen Weg
zurückgeführt werden können. [PH.01_020,08] So müssen auch Meine
Gläubigen und zukünftigen Kinder die letzte Feuerprobe des wahren Vertrauens
bestehen; denn wenn sie, wie einst Meine Jünger, ausgesandt werden sollen, um
anderen Vertrauen und Glauben einzuflößen, so müssen sie diese im höchsten
Grad im voraus besitzen. Sagte Ich ja einst selbst: „An Meinen Worten und Taten
sollt ihr Mich erkennen!“ Ebenso müssen auch Meine Kinder und zukünftigen
Jünger an ihren Taten und Worten zu erkennen sein, und durch sie den anderen
den tatsächlichen Beweis liefern, daß Vertrauen und fester Glaube die erste
Bedingung sind, Meiner würdig zu werden. [PH.01_020,09] In jener Zeit sagte Ich
zu Thomas, nachdem er seine Finger in Meine Wunden gelegt hatte: „Du glaubst
nun; aber Ich sage dir: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ [PH.01_020,10] Auch ihr, Meine Kinder,
denen Ich schon so viel geistiges Brot gegeben habe, auch ihr seid nicht um
ein Haar besser, als Meine Jünger es einst waren. Auch ihr seid verzagt,
kleinmütig, fangt an zu zweifeln, grübelt an Meinen Worten und wendet euch
der Welt mit ihren verführerischen Reizen zu, wenn nicht alles gleich so
geht, wie ihr es wünschet. Auch ihr verschließt euch, wie die Schnecke in ihr
Haus, und wollt von der Innen- und Außenwelt nichts wissen, wenn dem Anschein
nach Widersprüche auftauchen, wo ihr gewisse Handlungen und Ereignisse mit
Meiner allumfassenden Liebe nicht vereinbaren könnt. Euch muß Ich dann zurufen:
„Was weint ihr? Spart eure Tränen auf andere Gelegenheiten! Der, welchen ihr
von euch geschieden, entfernt glaubt, ist euch nahe, nur nicht körperlich,
sondern geistig!“ Auch der Magdalena mußte Ich zurufen: „Weib, rühre Mich
nicht an!“; denn es war Mein vergeistigter Leib, welchen sie sah, der für
menschlich-körperliche Berührungen nicht tauglich war. Als Ich zu Meinen Jüngern
in ihre verschlossenen Wohnungen kam, ließ Ich es zu, als fühlten sie Mich
körperlich; aber im eigentlichen Sinne war Ich es nicht mehr. Denn als Meine
Mission mit dem Kreuzestod beendigt war, hörte das Menschliche auf, Meine
Umkleidung zu sein; es war schon vergeistigt, um nach wenigen Tagen sich mit
dem Quell seines Gottwesens wieder zu verbinden. [PH.01_020,11] Meinen Jüngern wirkte
Ich, wie dieses Evangelium sagt, noch andere Zeichen, d.h. Ich öffnete ihnen
ihr geistiges Auge und Ohr, damit sie, von Meiner Gottheit noch mehr
überzeugt, den Mut erlangen sollten, allen künftigen Gefahren zu trotzen,
welche die Umstände und ihr Lehrberuf mit sich bringen würden. [PH.01_020,12] Solange Ich körperlich
lebend unter ihnen wandelte, hatten sie noch keine feste Überzeugung, daß Ich
ein gottähnliches Wesen wäre, und daß Ich Kräfte und Eigenschaften hätte, die
dem gewöhnlichen Menschen nicht eigen sind. Sie sahen wohl Meine Wunder,
lebten und glaubten aber auch nur unter dem drückenden Einfluß derselben.
Kaum war Ich von ihnen genommen, kaum ließ dieser direkte Einfluß nach oder
hörte ganz auf, waren schon der feste Glaube, Zuversicht und das Vertrauen
hinweggewischt! Wäre Ich nicht auferstanden, hätte Ich nicht alle Meine
früheren Versprechungen erfüllt, so wäre nicht ein Mondesumlauf verflossen,
und Meine Jünger, zu ihren alten Beschäftigungen zurückkehrend, hätten das
mit Mir Erlebte nur als einen Traum angesehen, von welchem ihnen nur eine
Erinnerung übriggeblieben wäre, von dessen Wirklichkeit sie aber niemand
hätten überzeugen können. [PH.01_020,13] Und wie Ich damals Mein
Werk mit Meiner Auferstehung, mit Meinem vierzigtägigen Wandel unter Meinen
Jüngern bekräftigen und mit Meiner Himmelfahrt besiegeln mußte, ebenso muß
Ich auch jetzt euch, Meine Kinder, leiten, stärken und im Glauben und
Vertrauen festigen. [PH.01_020,14] Wenn Ich in jenen
Zeiten Meinen Jüngern den heiligen Geist einblies, wenn Ich ihnen die Macht
gab, die Sünden zu lösen und zu binden – eine Gewalt, die bei der späteren
Priesterschaft so falsch verstanden und mißbraucht wurde –, so geschah es
deshalb, weil sie zur festen Überzeugung gekommen waren, daß es nur einen
Gott gibt, der, über alles Materielle erhaben, ein Geist ist und nur als solcher
erfaßt werden kann, und daß eben dieser Gott, Jesus, ihr Führer war. So
konnte auch Meine Macht auf sie übertragen werden, so mußte sie wirken, da
Meine Jünger sie zu hohen Zwecken anwendeten und nur Mein geistiges Ziel, die
Menschen zu Meinen Kindern zu machen, als Endresultat anstrebten. [PH.01_020,15] So wie Meine Jünger
Wunder wirken und Kranke heilen konnten, bloß durch den Machtspruch des
Worts, ebenso sollt auch ihr und alle Meine künftigen Anhänger gestärkt werden,
im festen Vertrauen auf Meine Macht und Mitwirkung Taten zu verrichten, die
dem gewöhnlichen Menschen unmöglich, dem geistig Wiedergeborenen aber ein
leichtes sein werden. Die Zeiten und Verhältnisse werden euch dazu erziehen.
Viele habe Ich dazu berufen, aber das ,Auserkoren-zu-diesem-Zweck‘ zu
erreichen liegt bei euch allein. [PH.01_020,16] Verschließt euer Herz
nicht Meiner Vaterstimme! Verzagt nicht, wenn auch die letzten
Hoffnungsstrahlen schwinden! Ich bin und bleibe stets bei denen, die um jeden
Preis bei Mir bleiben wollen. Wartet nicht auf Mein persönliches Erscheinen
wie Thomas, sondern bereitet euch vor, fest zu glauben und fest zu vertrauen,
damit Mein Erscheinen nur eine Bestätigung und Bekräftigung des schon früher
Geglaubten und Gehofften ist! Ihr werdet dann tüchtig sein, Mir, euch selbst
und euren Nächsten in dem Sinne zu nützen, wie Ich selbst einst Meinen
Jüngern während Meines Wandels unter ihnen nützte. [PH.01_020,17] Laßt euer Herz nicht
von Zweifeln bestürmen, nicht mit Grübeleien euer Vertrauen schwächen! Meine
Kinder sollen ihr Herz nicht verschlossen halten; sie sollen, erhaben über
alles Weltliche den Blick nach oben richtend, stets Meines Opfers eingedenk
sein, Meiner Liebe und Meiner väterlichen Fürsorge für sie und alle lebenden
Kreaturen, damit ihr Herz, ein steter Tempel Meiner Liebe und des unerschütterlichen
Glaubens an Meine Unfehlbarkeit, ihnen eine echte Stütze in allen
Mißhelligkeiten des Lebens und ein fester Hort gegen alle Anfechtungen von
Zweifeln und Unglauben sei. Dann werdet ihr stets den Ruf in euch ertönen
hören: „Der Friede sei mit euch!“ Denn wo im Hinblick auf Mich und Meine
Liebe der Friede schon im Herzen thront, brauche Ich ihn nicht erst zu
bringen, sondern kann ihn nur bestätigen! [PH.01_020,18] So rufe Ich euch zu:
Der Friede sei mit euch und weiche nie aus euren Herzen, damit Ich stets dort
Eingang, und zwar freien Eingang, finde und nicht bei verschlossenen Türen
durch die Gewalt Meines Willens eindringen muß, sondern ungehindert euer
Gemüt bereit finde, Mich als Den anzuerkennen, welcher auch Seinen Jüngern in
jener Zeit nichts anderes war als ihr Führer, Leiter und Vater! Amen. 21. Predigt – Am Sonntage Miserikordias Domini. Der gute
Hirte. [PH.01_021] Joh.10,1-16: „Wahrlich, wahrlich,
ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt
anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Der aber zur Tür
hineingeht, der ist ein Hirte der Schafe. Dem tut der Türhüter auf, und die
Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie
aus. Und wenn er seine Schafe hat ausgelassen, geht er vor ihnen hin, und die
Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber
folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm, denn sie kennen der Fremden
Stimme nicht.“ Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht,
was es war, das er zu ihnen sagte. Da sprach Jesus wieder zu ihnen:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die
vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder; aber die Schafe haben ihnen
nicht gehorchet. Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird
selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Ein Dieb kommt
nicht, denn daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das
Leben und volle Genüge haben sollen. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte
läßt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des
die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und
flieht, und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber
flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin der
gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein
Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die
Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle;
und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören und wird
eine Herde und ein Hirte werden.“ 9. März 1872 [PH.01_021,01] Dieses Kapitel handelt
von dem wahren Führer zum Lichte der Wahrheit und von den falschen Führern,
die vorgeben, nur durch sie ginge der Weg zum Licht, während sie selbst die
ausgeprägteste Finsternis sind. Denn was dort ,Diebe und Mörder‘ bezeichnet,
ist in geistiger Bedeutung das Streben, der Seele des Menschen das ihr
gehörige Geistige entweder zu entwenden oder gar zu vernichten. [PH.01_021,02] Was im Evangelium
besagt ist mit der ,Tür‘, die nur Ich allein sei, bedeutet den einzigen,
rechtmäßigen Weg zur wahren Erkenntnis und will soviel heißen wie: Nur jene
Menschen, welche durch die Welt und ihr Treiben den geistigen Instinkt nicht
verloren haben, oder welche sich ihn nicht haben nehmen lassen oder, wenn er
ihnen einst genommen wurde, ihn wiederfanden, – nur jene Menschen wissen
Meine Stimme und Meine Lehre von der falschen Propheten Stimme und von der
unrechten Lehre zu unterscheiden, und nur jene werden Meinem Ruf folgen, weil
sie Meine Stimme erkennen und sie von den anderen verführerischen zu unterscheiden
wissen. [PH.01_021,03] Gerade jetzt seid ihr
in dieser geistigen Bewegung, wo – bildlich gesagt – in Mein Wohnhaus Diebe
und Mörder zu allen Fenstern und möglichen Öffnungen einsteigen, um sich des
Schatzes zu bemächtigen, welcher in ihm verborgen ist. Gerade jetzt seht ihr
in den aufgeregten Gemütern die religiöse Bewegung, wie sie die Herzen
ergreift, erweckt, sie hin- und herzieht, und wie es vor lauter Anpreisungen
schwer zu erkennen ist, wo eigentlich die wahre Tür und der wahre Hirte ist.
Denn je mehr der Instinkt die gläubigen Herzen zu Mir führt, desto mehr
wehren sich die andern, welche nur allein ihren Vorteil im Auge haben, damit
nicht Ich, sondern sie den Sieg davontragen möchten. [PH.01_021,04] Dieses Drängen,
Verleumden und Hassen wird sich stets steigern. Je mehr Mein Einfluß wächst,
desto mehr steigert sich der Widerstand. Meine Kinder werden dadurch auf die
härtesten Proben gestellt, in denen ihr Ausharren geprüft und ihr Glaube und
Vertrauen am meisten angegriffen werden. Meine Lehre ist nur eine, und das
ist die Liebe, während die Lehren der anderen vielseitig sind und gerade
statt Liebe – Haß, statt Demut – Stolz, statt Duldung – Unduldsamkeit
gepredigt wird, die jene Führer selbst ausüben. Und so wird es sich wiederholen,
was ihr im 8. Kapitel des Gr. Ev. Johannes lesen könnt, daß die Juden Mich
verfolgten, Mich steinigen, d.h. töten wollten. Auch jetzt wird Ähnliches
geschehen. Es werden Steine auf Mich und Meine Lehre geschleudert werden, die
falschen Ausleger Meiner Lehre werden Meine Lehre dem Satan zuschreiben und
die ihrige als direkt vom Himmel herkommend ausposaunen. Es werden sich die
Gemüter erhitzen statt erwärmen. Man wird die Ideen aus den Köpfen in die
Fäuste treiben, und da, wo Friede und Liebe gepredigt werden sollte, wird der
Fanatismus seine blutige Fackel schwingen und Opfer über Opfer seiner für
recht gehaltenen Lehre bringen. [PH.01_021,05] So muß sich Mein Wort
aus jenen Zeiten erfüllen, wo Ich sagte: „Ich bringe euch nicht den Frieden,
sondern das Schwert!“ Wie in der ganzen Schöpfung durch Reibung Licht und
Wärme entstehen und durch diese beiden Faktoren das Weltall besteht und
erhalten wird, so muß auch geistige Reibung den Läuterungsprozeß vollführen,
damit Licht der Wahrheit und Wärme der Liebe sich entwickeln. [PH.01_021,06] Gerade das Streben der
,Diebe und Mörder‘ wird den Sieg Meiner Lehre und Meine Zwecke beschleunigen.
Durch ihr zu leidenschaftliches Auftreten regen sie die Gemüter zum
Nachdenken, zum Vergleichen an. Und wenngleich anfangs viele dem Rufe
folgten, so werden sie auf die ihnen als falsch hingestellte Lehre aufmerksam
gemacht, werden ihr mehr Aufmerksamkeit schenken, als sie ohne diesen
Gegendruck getan hätten. Sie werden dann an dieser verpönten Lehre das nicht
finden, was ihnen vorgemalt wurde, daß es darin enthalten sei, und das
Endresultat wird sein, daß viele von ihnen den rechten Führer und die rechte
Türe finden werden, nur deswegen, weil jene Führer und Leiter sie von dem
Suchen abbringen wollten. So werden gerade die Bemühungen Meiner Gegner Mir
am besten in die Hand arbeiten und am Ende das erreichen, was sie verhindern
wollten, die Vereinigung Meiner Kinder mit Mir, die Vereinigung Meiner Schafe
mit ihrem einzigen Hirten. Sie werden sich wie Mietlinge bei großen Gefahren
zurückziehen, während Ich Meinen wahren Kindern allen Schutz angedeihen
lassen werde, an welchem Schutz auch Meine Nachfolger den eigentlichen Herrn,
den wahren Hirten und den mächtigen Beschützer der Seinen erkennen werden. [PH.01_021,07] So wird es kommen. Und eben
deswegen erschreckt und verzweifelt nicht, wenn gerade da, wo ihr im Glauben
und Vertrauen Mir sehr nahe zu sein glaubt, und wo ihr glaubt, es werde eure
Zahl sich mehren, eure größten Widersacher die stärksten und mächtigsten
Hindernisse auftürmen werden, um diese Gefahr für sich selbst abzuwenden! [PH.01_021,08] Beeifert euch aber auch
nicht in dem Suchen von Gleichgesinnten oder im Bekehrenwollen! Es ist nicht
so leicht, wie ihr es oft glaubt, andere auf den Weg der reinen Liebelehre zu
führen. Meine Lehre fordert Entsagung von dem, was dem Menschen in der Welt
am angenehmsten scheint, Meine Lehre ist ja nicht von und nicht für diese,
sondern für Meine große Geisterwelt. [PH.01_021,09] Um also alles seit
langer Zeit Angewöhnte, Geglaubte und Bequeme fahrenzulassen und den stets
stärker wachsenden Streit mit sich und der Welt zu beginnen, dazu gehört eine
große Liebe, eine große Aufopferungsfähigkeit. Schon in Meiner Lehrzeit habt
ihr ein Beispiel gesehen, als Ich einem, der Mir nachfolgen wollte, die Aufopferung
aller Güter, die er hatte, anriet, und er traurig von hinnen ging. So wird es
euch oft begegnen, sobald ihr einen vermeintlichen Anhänger an eure als wahr
und einzig geglaubte Lehre zur Tat anspornen wollt, er sich von euch entfernen
und vielleicht sogar statt Freund euer größter Gegner werden wird. [PH.01_021,10] Seht, das ist die
Folge, wenn Menschen noch unreif zur Auffassung Meiner Lehre sind! Daher
wartet, bis die Hungrigen selbst zu euch kommen! Denen gebt Brot, aber auch
das nur nach Maßgabe ihres Verständnisses, weil es sonst – wie jede
materielle Nahrung – nicht verdaut wird und statt zu nützen, nur schaden muß! [PH.01_021,11] Meine Stimme zu hören
und Meiner Lehre zu folgen, ist anderen nicht so leicht beizubringen. Selbst
ihr, die ihr schon so lange von Mir geführt und genährt werdet, wie schwach,
wie kurzsichtig benehmt ihr euch manchmal, als hättet ihr nie ein Wort von
Mir direkt bekommen! Wie oft wollt ihr in eurem törichten Wahne das Weltliche
mit dem Geistigen verbinden, weil das Befolgen des letzteren allein euch zu
viel Mühe kostet oder zu viel Entsagung von euch fordert! Wenn ihr so verfahrt,
was wollt ihr von andern erwarten, die, kaum an der Tür angelangt, noch nicht
den Mut haben, vorwärts zu gehen, die Schwelle zu überschreiten und alles
zurückzulassen, was ihnen früher so wichtig schien!? Daher seid vorsichtig
bei der Wahl eurer Freunde! [PH.01_021,12] Bekümmert euch nicht um
die Widersacher! Je mehr die Zeit fortschreitet und Meine Schafe sich mehren
werden, desto weniger kann diese Meine Lehre unbekannt bleiben, desto größer
wird aber auch der Widerstand gegen sie und ihre Anhänger werden. Der Kampf
muß entglimmen! Nur den Beharrlichen ist der Sieg beschieden, und diese werden
Meine Kinder sein, weil sie Meiner Stimme und Meiner Lehre nicht nur glauben,
sondern weil sie auch wissen, daß diese allein zum Ziel führt und nur Ich die
Tür und der einzige Weg bin, um in das unendliche Reich des Geistes zu
gelangen und dort nicht mit Leiden, sondern mit Seligkeiten für die ausgestandenen
Kämpfe belohnt zu werden. [PH.01_021,13] So entwickelt sich der
Lebensprozeß. Es muß das Geistige von der Materie befreit, das Seelische des
Menschen vom Weltlichen getrennt werden und sowohl des Menschen eigentliche,
geistige Bestimmung erreicht, als auch Mein einstiges Erdenwandeln mit seinen
Leiden und Kämpfen seine Erfüllung finden. [PH.01_021,14] Es soll die Welt nur
einen Hirten mit seinen Schafen beherbergen; zwei Herren kann man nicht
dienen. Wer der Materie huldigt, muß zur Materie herabsinken; wer aber dem
Geistigen zustrebt, wird das Schwere lassen. Die Materie ist zu dicht, sie
läßt kein Licht hindurch. Nur Geistiges ist fähig zur Aufnahme Meines Liebelichtes
aus den Himmeln, und nur dieses Licht entwickelt Lebenswärme, entwickelt den
in die menschliche Seele gelegten göttlichen Funken und führt ihn zu seinem
Urquell, zu Mir zurück. [PH.01_021,15] Das sollte der Zweck
Meiner Lehre, Meiner Darniederkunft in früheren Zeiten und Meines
Wiederkommens in baldiger Zukunft sein. [PH.01_021,16] Je näher Meine
Wiederkunft heranrückt, desto mehr werden Licht, und Finsternis sich
bekämpfen. Allein, wie an jedem Morgen die aufgehende Sonne die finstere
Nacht besiegt, wird auch Mein aufgehendes Liebelicht die Diebe und Mörder
verscheuchen, welche nicht bei Tag, sondern nur nächtlicherweise ihr Handwerk
treiben. Diese werden weichen müssen, sich bekehren oder in ewige Finsternis
zurücksinken, bis in ihrem Gemüte selbst, und zwar im freien Streben, das
Dämmerlicht nach und nach anbricht. [PH.01_021,17] Die Welt wird sich, wie
schon früher, Meinen Plänen, Meinen Absichten widersetzen wollen; aber gerade
ihr Widerstand wird Meinen Endzweck beschleunigen, und am Ende werden doch
Meine Kinder und Ich das Feld behaupten. [PH.01_021,18] Beharrung führt zum
Ziel! Und der Name ,Mein Kind‘ muß mit Entsagungen und Aufopferungen errungen
werden; denn der Preis ist des Kampfes wert. Daher seid alle bereit, nicht
von Mir zu lassen! Laßt die Welt und die Menschen gehen, bekümmert euch nicht
um die Ereignisse und die politischen Verwicklungen! Bedenkt, es sind
Millionen von Menschen, welche zu der rechten Türe des Lichts geführt werden
sollen, und um das zu erreichen, müssen auch ebensoviel verschiedene
Ereignisse und Umstände einwirken, die auf verschiedenen Graden der Intelligenz
stehenden Individuen zu einem gemeinsamen Ziel zu führen, – eine Arbeit, von
der ihr keinen Begriff haben könnt, und die nur Gott angemessen ist, welcher
auch da, wie überall, durch das Kleinste die größten Wirkungen zu erreichen
imstande ist. [PH.01_021,19] Soviel zum besseren
Verständnisse dieses Evangeliums des Johannes, damit ihr in dieser Zeit Meine
einstige Lehrzeit erst recht begreifen lernt und erkennt, wie schon vor mehr
als tausend Jahren die ganze spätere Entwicklungsgeschichte der Menschheit in
Meinen Lebens- und Wandeljahren auf eurer finsteren Erde vorausgezeichnet und
-bestimmt war. [PH.01_021,20] Deswegen blieb auch die
Bibel erhalten, damit sie euch den größten und stärksten Beweis geben soll,
wie dort schon alles aufgezeichnet ward, was in späteren Zeiträumen sich
stufenweise entwickeln mußte, was aber nur dem Wiedergeborenen, dem mit
geistigen Augen Sehenden, deutlich wie in einem Zukunftsspiegel vorleuchtet. [PH.01_021,21] So möget ihr getrost
den Blick zu Mir richten und eingedenk sein des Spruches: „Wer Mich nicht
verläßt, den verlasse auch Ich nicht!“ [PH.01_021,22] Bleibet bei Mir, und
ihr werdet stets mehr und mehr die Stimme des Hirten vernehmen und
infolgedessen auch stets mehr und mehr durch Wort und Beispiel beitragen
können, anderen Blinden diesen einzigen Weg des Heils zu zeigen, damit am
Ende nur ein Hirt und eine Herde sei! Amen. 22. Predigt – Am Sonntage Jubilate. Die Vorbereitung
auf den Heimgang des Herrn. [PH.01_022] Joh.16,16-23: „Über ein
kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet
ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater.“ Da sprachen etliche unter seinen
Jüngern untereinander: „Was ist das, was er sagt zu uns: ,Über ein kleines,
so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich
sehen‘! und: ,Ich gehe zum Vater‘? Da sprachen sie: „Was ist das, was er
sagt: Über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet.“ Da merkte Jesus, daß
sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: „Davon fraget ihr untereinander,
daß ich gesagt habe: Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und
aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber
werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden.
Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; denn ihre Stunde ist
gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die
Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt
auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich
freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an dem Tage werdet
ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr
den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben.“ 10. März 1872 [PH.01_022,01] In diesem Kapitel,
sowie in dem vorhergehenden, habe Ich Meinen Jüngern schon den Vorgeschmack
gegeben, wie es um sie stehen wird, wenn Ich sie verlassen muß und sie nicht
mehr unter Meinem sichtbaren Einfluß und Meiner Leitung stehen werden. [PH.01_022,02] Im 15. Kapitel Johannes
verglich Ich Mich mit dem Weinstock und Meine Jünger mit den Reben, welche
nur so lange Früchte tragen können, als sie am Stocke haften. [PH.01_022,03] Ich zeigte ihnen in
diesem Beispiel das Schicksal derjenigen, welche von Mir abfallen werden,
sagte ihnen, daß nur diejenigen Sünder sind, welche wissen, was sie tun und
glauben sollen, und doch dagegenhandeln, während die Unwissenden nicht
strafbar sind. Ich stellte ihnen im Gleichnis vor, daß der, welcher an Mich
glaubt, nicht ein Knecht Meines Gesetzes, sondern ein freiwilliger Ausüber desselben,
also nicht willenlos Mir untertan sein, sondern wie ein Freund den Ratschlägen
des Freundes folgen soll. Ich sagte ihnen, daß sie, wenn sie Mir und Meiner
Lehre folgen wollen, mit der Welt in Konflikt geraten werden, und daß die
Welt, während Ich sie lieben werde, sie mit Haß überhäufen wird. Ich gab
ihnen aber nebenbei die Hoffnung, daß sie, wenn Mein Geist sie überschatten
wird, Ersatz genug haben werden durch geistige Genüsse, wenn die weltlichen
sich nach und nach vor ihnen verschließen. [PH.01_022,04] Alles dies mußte Ich
Meinen Jüngern im voraus sagen; denn sie hatten ja noch gar keinen Begriff,
was und wie ihre Mission eigentlich sein werde. Sie lebten noch zu sehr unter
dem Einfluß Meiner Persönlichkeit, hatten, obgleich sie jeden Augenblick
bekannten: „Wir wissen, daß Du von Gott gesandt bist!“, doch keine rechte
Idee von Meiner Sendung, weder von der Wichtigkeit Meines Kommens, noch eine
entfernte Ahnung von der Art und Bedeutung Meines Heimganges; denn sie waren
Menschen und dachten menschlich. Deswegen war Ich auch gezwungen, ihnen öfters
von Meinem Heimgange zu sprechen, und auch eben dieses Kapitel Meines
Lieblings Johannes spricht davon, als Ich Meine Jünger wieder auf die
Ereignisse vorbereiten mußte, welche in kurzer Zeit stattfanden. [PH.01_022,05] Ich sprach zu ihnen von
Meinem Heimgang, von Meinem Scheiden, erklärte ihnen dessen Notwendigkeit;
doch es war eben so, wie es in diesem Kapitel steht: „Ich hätte euch noch
viel zu sagen, aber ihr könntet es noch nicht ertragen oder verstehen!“ So
waren Meine Worte für Meine Jünger rätselhaft, weshalb sie auch den
angeführten Spruch nicht fassen konnten, indem es hieß: „Und über ein kleines
werdet ihr Mich nicht sehen, und aber über ein kleines werdet ihr Mich sehen;
denn Ich gehe zum Vater.“ [PH.01_022,06] Wie wäre es möglich
gewesen, daß Meine Jünger dem Glauben Raum gegeben hätten, Ich könnte
gefangen oder gar getötet werden, wo sie Mich doch Gefahren aller Art so oft
ausweichen und sie vereiteln sahen!? Wie konnte es ihnen in den Sinn kommen,
daß ein von Gott Gesandter getötet werden könne!? Alles, was Ich von Meiner
Erhöhung, von Meinem Hingang, von Meiner Wiederkunft sprach, war ihnen nicht
faßbar, bis die harte Wirklichkeit sie nur zu sehr überzeugte, wie wahr Meine
Worte gewesen waren. Erst nach diesen Ereignissen verstanden sie, was ihre
Mission, was Ich und was die Welt war. [PH.01_022,07] Was Ich in jenen Zeiten
Meinen Jüngern vielmals vom Reiche Gottes, von der Wichtigkeit Meiner Lehre
und deren Befolgung vorpredigte, was Ich ihnen durch Beispiele erklärte, wie
es demjenigen ergehe, der sich von Mir und Meiner Lehre entfernt, all dies
predige Ich schon Jahrhunderte in allen Sprachen und durch tausend
verschiedenartige Ereignisse der Welt. Allen rufe Ich zu: „Verlasset Mich
nicht; denn ohne Mich ist kein Trost und kein Heil in der Welt!“ Und wie Ich
Meinen Jüngern Mein Scheiden voraussagte, ihnen jedoch die Hoffnung nicht
benahm, nach kurzer Zeit Mich wiederzusehen, ebenso rufe Ich es euch und
jedem Gläubigen zu: „Verlaß den betretenen Weg nicht! Denn weg von Mir ist
Finsternis, und selig wirst du sein, wenn du, nach kurzem Umherirren, nach
einer kleinen Pause Mich wieder zu Gesicht bekommst!“ Wehe aber denen, die
ihr Gesicht gänzlich von Mir abwenden! Sie gehen den Weg der Finsternis, der
groben Materie, wo lange Läuterungsprozesse dazu gehören, das Verlorene
wiederzugewinnen und das mit Füßen Getretene auszubessern. [PH.01_022,08] Meinen Jüngern teilte
Ich mit, daß es in dem Plan Meines Erdenwandels liege, wenn Ich sie verlasse.
Ich sagte ihnen vorher, daß Ich sie im Anfang nur auf ein kleines verlassen
werde, damit sie sich daran gewöhnen sollten, Meine Persönlichkeit auf
längere Zeit zu entbehren; aber Ich versprach ihnen als Ersatz für den herben
Verlust Meiner Sichtbarkeit den Tröster oder den Geist Gottes. [PH.01_022,09] Wenn Ich dem Menschen
in manchen Stunden ebenfalls zurufe: „Verlaß Mich nicht!“, so ist dies auch
so gemeint, wie einst bei Meinen Jüngern das Wort: „Verzaget nicht, wenn über
ein kleines ihr Mich nicht sehet!“ Es will so viel sagen: „Mein Kind,
verzweifle nicht in Meiner Abwesenheit, wenn Momente eintreten, in denen die
Welt und deren Ereignisse auf dich einstürmen und du Meine Hand nicht mehr
fühlst und Meine Stimme nicht mehr hörst! Wenn die Welt dich für deine Ergebung
mit Hohn, Haß und Verfolgung lohnt, harre aus! Über ein kleines wirst du Mich
wieder sehen, wieder fühlen, wieder hören, – wieder sehen in der Sprache der
Natur, wieder fühlen in der Lenkung der Ereignisse und wieder hören in der
sanften Stimme des wiedererlangten Friedens in deinem Herzen!“ [PH.01_022,10] Wie Ich Meinen Jüngern
voraussagte, daß sie bittere Stunden des Schmerzes würden durchmachen müssen,
so geht es auch jedem Gläubigen, der mehr an Mir als an der Welt hängt;
jedoch Meine Wiedereinkehr in das hartgeprüfte Herz des Menschen, seine nach
langen Kämpfen erlangte feste Überzeugung, daß die Sonne, wenn auch Wolken
sie verfinstern, doch am Ende siegen und glorreich, überall Wohltaten
verbreitend, wieder hervortreten wird, – dies alles wird die bitteren,
ausgestandenen Schmerzen vergessen machen und den Glauben an Mich und das
Vertrauen zu Mir festigen. [PH.01_022,11] Die Mission Meiner
Jünger nach Meinem Hingange war zu ernst, als daß sie nicht auch im Ertragen
des Herbsten geschult werden sollten. Sie mußten sich an Meine Abwesenheit
vorerst gewöhnen, um dann als selbsthandelnd auftreten zu können. [PH.01_022,12] Was Meinen Jüngern als
Schule vorgezeichnet war, ist auch jetzt der Weg eines jeden, der Meinen und
Meiner Jünger Fußstapfen folgen will. [PH.01_022,13] Den Jüngern sagte Ich:
„Die Welt wird euch hassen und verfolgen, weil ihr nicht von ihr seid!“ Und
Meinen jetzigen Kindern muß Ich das gleiche zurufen; denn je mehr sie Mich
lieben, je mehr sie Mir folgen, desto mehr kommen sie in Widerspruch mit der
Welt, mit der Mehrzahl der Menschen, bis Ich durch Ereignisse auch diese
zubereiten werde, daß sie für etwas Besseres empfänglich werden. [PH.01_022,14] Diese Folgen sind
erstens natürlich und zweitens notwendig; denn ein Kind des Schöpfers der
ganzen sicht- und unsichtbaren Natur werden zu wollen, erlangt man nicht so
leicht. Wenn ein Kind in geistiger Hinsicht fortschreitet, so muß es mit der
Welt und den gewöhnlichen Alltagsmenschen stets mehr in Zwiespalt kommen. Der
Haß der Welt wächst mit der Liebe zu Mir. Daher nicht verzagt, wenn über ein
kleines ihr Mich nicht sehet; über ein kleines werdet ihr Mich wiedersehen! [PH.01_022,15] Ich muß euch manchmal
euren Kräften allein überlassen; ihr müßt erproben, ob ihr auch wirklich
fähig seid, das öffentlich und ohne Scheu zu bekennen, was euch bei mancher
Vorlesung Meiner Worte so sehr begeistert Es muß die Frage an euch
herantreten, inwieweit ihr euch vor der Welt fürchtet. [PH.01_022,16] Glaubt ja nicht, daß
ihr einen so großen Heldenmut habt, wie euch oft scheint! Seht Meinen Apostel
Petrus an! Im Garten von Gethsemane verteidigte er Mich mit dem Schwert, und
kurze Zeit danach verleugnete er Mich. Wenn also ein Petrus fehlen kann, so
könnt ihr euch denken, wie es im Moment der Entscheidung mit eurem Mute
aussehen wird. Daher müssen öfters solche Umstände kommen, die euch stärken
und im Glauben an Mich befestigen sollen. Verleugnete Mich der, welcher Mich
persönlich kannte, was soll man von euch erwarten, die ihr Mich nie gesehen
habt, sondern Mich nur aus der sanften Stimme eures Herzens kennt!? [PH.01_022,17] Daher muß Ich euch
öfters verlassen, muß euch allein lassen, muß euch mit den Umständen und der
Welt ringen lassen, damit ihr ermessen könnt, was, ihr errungen habt, und was
euch noch fehlt. [PH.01_022,18] Gedenket stets der
Worte: „Der Wille ist stark; aber das Fleisch ist schwach!“ Sie sind gewichtig
und bezeichnen ganz die menschliche Natur. In dem Moment der Begeisterung
glaubt ihr einen Elefanten auf die Schultern laden zu können, und im
Augenblick des wirklichen Ausübens ist euch eine Fliege oft schon lästig. [PH.01_022,19] Daher forschet auch ihr
emsig in eurem Herzen nach, wieviel der Liebe, wieviel des Vertrauens ihr
besitzet, damit, wenn ihr manchmal scheinbar Meine Abwesenheit fühlt, ihr
nicht verzagt, sondern getrost dem Wiederkommen eures Führers und Vaters
entgegenharrt! [PH.01_022,20] Habt ihr eure eigenen
Schwächen erkannt, wißt ihr, wieviel Liebe dazu gehört, um praktisch
auszuüben, was euch im Gefühlsleben oft so leicht vorkommt, dann erst kennt
ihr, den Weg ganz, der zu Mir führt; dann wißt ihr auch, wie einst Meine
Jünger – durch Meine Abwesenheit geschult –, wieviel dazu gehört, die Mission
als Mensch und als Mein Kind im strengsten Sinne des Wortes zu erfüllen. [PH.01_022,21] Dies sage Ich euch
allen zur Warnung, daß ihr euch nicht in träumerischer Verwegenheit fähig
glaubt, Lasten zu tragen, denen ihr nicht gewachsen seid, und zum Trost,
damit ihr in herben Umständen und Verhältnissen, bei scheinbarer Abwesenheit
eures himmlischen Vaters, euch dessen erinnern mögt, was Er einst zu Seinen
Jüngern sagte: „Über ein kleines, so werdet ihr Mich nicht sehen; und aber
über ein kleines, so werdet ihr Mich wieder sehen!“ Amen. 23. Predigt – Am Sonntage Kantate. Die Frage nach der
ewigen Heimat. [PH.01_023] Joh.16,5-6: „Nun aber gehe
ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo
gehst du hin?, sondern weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz
voll Trauerns worden.“ 18. März 1872 [PH.01_023,01] Seht, dies ist der Text
für diesen Sonntag, und obwohl er dem Anscheine nach leicht verständlich ist,
so liegt doch bei weitem viel Tieferes darin, als ihr ahnen möget. [PH.01_023,02] Nach eurem Ermessen
sage Ich diese Worte deshalb zu Meinen Jüngern, weil Ich – immer von Vater
und Sohn sprechend – sie vorbereiten wollte auf die nächsten Ereignisse, die
der Abschluß Meines irdischen Lebenswandels waren. Weil Ich ihnen Mein
Verhältnis zu ihrem Jehova nicht anders begreiflich machen konnte, als unter
dem Bild von Vater und Sohn, einem Bilde, das ihrem Weltverstand näher lag
und auch in geistiger Entsprechung völlig das Verhältnis der Liebe zur
Weisheit ausdrückt, wie Ich zwar als Weisheit Mensch geworden, aber als Liebe
der ewige Erhalter und Schöpfer des ganzen Universums geblieben bin. [PH.01_023,03] Ich sagte dort: „Ich
gehe zu Dem, der Mich gesandt hat, und niemand fragt Mich: Wo gehst Du hin?,
sondern nur Trauer befällt euch alle wegen des Gedankens, ihr könntet Mich
verlieren.“ [PH.01_023,04] Diese unerwartete
Voraussage, daß eine Trennung zwischen Mir und ihnen möglich sei, dieser
Gedanke, der nicht in ihre Vorstellungen von Meiner Göttlichkeit und Meiner
Mission paßte, versetzte sie in Trauer, und sie wußten daher auf dieses Wort
weder zu antworten, noch eine Frage zu stellen. Deshalb erinnerte Ich sie mit
einer solchen, indem Ich sagte, daß niemand Mich frage: „Wo gehst du hin?“
Dies war die Frage, die sie selbst nie dachten. Es war ihnen unglaublich, daß
Ich Mich jemals von ihnen entfernen würde. Und wenn sie Mich als Gott
annahmen, der herabstieg, um die Menschheit von den weltlichen Banden zu
erlösen, wußten sie natürlich nicht, wohin Ich gehen sollte; denn obgleich
sie durch den Einfluß Meiner Worte und Wunder die Überzeugung Meines
göttlichen Ursprungs hatten, verkehrten sie doch viele geistigen Begriffe in
weltliche Ideen. Daraus mußten natürlich falsche Schlüsse folgen, was sehr
oft geschah, wenn sie Meine Bilder oder Meine Worte nicht verstanden und Mich
beschuldigten, Ich rede hart oder unverständlich. [PH.01_023,05] Ich sagte in jener
Zeit: „Ich gehe zu Dem, der Mich gesandt hat!“ Und jetzt, nach so vielen
Jahrhunderten, richte Ich an euch und an die ganze Menschheit die Frage und
sage: „Wo geht denn ihr hin, und wer hat euch denn gesandt?“ Denn so wie Ich
Meine Mission, Meinen Zweck oder ein ,Warum‘ des Daseins habe, so haben es
auch alle aus Mir geschaffenen Wesen, ja selbst die dichteste, rohe Materie,
da auch sie als sichtbarer Ausdruck gebundener, gefesteter Geister eben ihren
Zweck, ihre Mission haben muß. [PH.01_023,06] Ich frage also jetzt,
da die Prüfungszeit ihrem Ende naht, die Menschen durch politische, religiöse
und Elementarereignisse: „Wo geht ihr hin?“, damit sie sich besinnen sollen,
wer sie eigentlich sind, und warum sie eigentlich auf diese Erde gesandt oder
gestellt wurden. [PH.01_023,07] Der geistige Wind, der
Meinem baldigen Kommen vorausgeht, um, wie im materiellen Leben, die Luft von
schlechten Dünsten zu reinigen, regt wie die Frühlingslüfte alles zur
Tätigkeit an. Überall ertönen die Fragen: „Warum bin ich eigentlich da?“ und
„Was bin ich eigentlich?“ und „Was ist mein Endziel, oder wo gehe ich hin?“ [PH.01_023,08] Der denkende Mensch,
welcher einmal von diesen Gedanken überrascht wurde, sieht sich natürlich
zwischen zwei Welten gestellt, zwischen eine sicht- und eine unsichtbare. Es
genügen ihm die wenigen Anhaltspunkte, welche die Vergänglichkeit alles
Geschaffenen bietet, nicht mehr, um ihm Trost und Ruhe zu bringen. Alles, was
vor seinen Augen entsteht, sieht er wieder vergehen, sich verändern, sich
verwandeln. Und eben diese Beispiele regen auch ihn an, an die vor ihm entstehenden
und vergehenden Gegenstände, so wie an sich selbst, die Fragen zu richten:
„Wo kommt ihr her, ihr Geschöpfe voller Wunder und Geheimnisse, und wo gehet
ihr hin?“ [PH.01_023,09] So begrüßt er das
Ankommende, und so fragt er das Scheidende; und eben diese Fragen ist er auch
gezwungen an sich selbst zu richten, indem er selbst, wenn er nur ein bißchen
nachdenkt, noch ein größeres, unauflösbareres Rätsel ist als alle anderen,
vor ihm sichtbaren Dinge. Diese Fragen, die immer wieder auftauchen, sind es,
welche die Menschen, oder wenigstens viele von ihnen, zur besseren
Beurteilung des Bestehenden und des Angelernten zwingen. Und wo nicht genügend
Wahres und Klares das Endresultat solcher Forschung ist, dort steigt natürlich
das Heer der Zweifel auf, welche mit all dem Gefundenen nicht zufrieden, mehr
Gewißheit, mehr Klarheit haben wollen. [PH.01_023,10] Dieses Drängen war
stets der Anfang von geistigen und weltlichen Umwälzungen. Es war der
unvermeidliche geistige Wind, welcher die menschliche Natur stets wieder
aufweckte, sooft sie sich gerade in einen bequemen Schlaf weltlicher Freuden
und Genüsse versenken wollte. [PH.01_023,11] Da nun zwei Dinge
diesen Wind wieder erregten – erstens Mein baldiges Kommen als Ende und Krone
Meiner einstigen, auf eurer Erde vollführten Mission. Zweitens die Neigung
der ganzen Menschheit von oben bis unten, sich dem weltlichen Genusse
hinzugeben und das Geistige zu verleugnen –, so ertönt wieder in allen
Gemütern, den meisten unbewußt, der Ruf: „Wo gehen wir hin?“ und „Wozu sind
wir da?“ Die ungenügende Antwort, die die jetzige Geistesrichtung auf diese
Fragen gibt, veranlaßt den Umsturz alles Bestehenden, das Sehnen nach Neuem,
aber nicht Trügerischem sondern Wahrem. [PH.01_023,12] Die Menschen empfinden,
das unsichtbare Reich ist nicht abzuleugnen. Es ist umsonst, wenn manche
Gelehrte sich die Mühe geben, zu beweisen, daß nur Materie bestehe und
Geistiges nicht. Die Menschen fühlen die Leere in ihrem Herzen nicht
ausgefüllt, soviel grobes Material durch den Verstand auch in jenes geworfen
wird. Wie bei einem Faß ohne Boden verschwindet es, wie es gekommen ist, und
die alte Frage steht wieder neu vor ihrem Geiste. [PH.01_023,13] So wird die Menschheit
gedrängt, endlich einmal alle Fesseln abzustreifen, sich von dem Gängelbande
zu befreien, welches viele nur zu ihrem eigenen Vorteile benützen wollen. [PH.01_023,14] Dieses Verhältnis,
dieser Streit mußte Meinem Kommen vorangehen, damit Ich am Ende nur mit denen
zu tun hatte, die das Geistige dem Materiellen vorzogen und auch wußten,
woher sie kamen, warum sie da sind, und wohin sie zu gehen bestimmt sind. [PH.01_023,15] Es werden das
diejenigen sein, welche, alle Stürme überlebend, mitten im Schmutz des
weltlichen Egoismus und Leichtsinns sich rein gehalten haben; denn nur für
diese werde Ich der Hirte und nur sie werden Meine Schafe sein. [PH.01_023,16] Auch an euch, Meine
Kinder, die Ich unter so vielen auserkoren habe, damit ihr, geleitet durch
Mein direktes Wort, den andern als Beispiel vorangehen sollt, auch an euch
tritt diese Frage ernster Art heran. Auch an euch stellt die Lebenszeit,
welche euch noch auf Erden zugemessen ist, die Frage: „Wo gehst du hin?“ Sie
will damit sagen: Bedenket die Verantwortung, die ihr auf euch genommen habt,
das Wort eures Gottes, eures Vaters hören zu wollen! Mit diesem Hören habt
ihr euch der Verpflichtung unterzogen, dieses Wort auch auszuüben; denn ohne
Ausübung ist das Hören zu nichts nütze. [PH.01_023,17] Ihr, die ihr Mein Wort
hört, erfahrt und nun auch wißt, wie man demselben nachkommen soll, ihr seid
doppelt strafbar, wenn ihr die Ausübung unterlaßt. [PH.01_023,18] Meiner Jünger Herz
erfüllte sich mit Trauer, als Ich sprach von Meinem Hingange zu Dem, der Mich
gesandt hatte. Welches Gefühl wird denn euch überkommen, wenn auch ihr
hingehen müßt zu Dem, der euch gesandt hat? Trachtet darnach, daß ihr mit dem
anvertrauten Kapital, wohl benutzt und verzinst, in Mein Reich zurückkehrt
und nicht, wie der faule Knecht, euer Kapital vergrabet; denn sonst kommt ihr
unreif in einer Welt an, in der es euch selbst zur Last würde, als Unreife
zwischen Gereiften, als Unglückliche zwischen Glücklichen leben zu müssen! [PH.01_023,19] Wenn ihr hingehen müßt
zu Dem, der euch gesandt hat, so trachtet doch wenigstens danach, mit dem
Bewußtsein in jenes Geisterreich zu treten, alles getan zu haben, was gemäß
allen an euch ergangenen Worten von euch zu erwarten war! Trachtet danach,
Meine Worte und Meine Lehre so für euch und für andere zu nutzen, daß viele
guten Taten und nur wenige Fehler eure Lebensbilanz ausmachen, damit ihr dann
ruhig fortschreiten und den Mitbruder, der euch fragt: „Wo gehst du hin?“,
getrost nach dem Morgen des ewigen Liebelichts hinweisen könnt, indem ihr saget:
„Ich gehe dorthin, von wannen ich gekommen bin, und wo ewiges geistiges
Fortschreiten und stetes Annähern an meinen Schöpfer und Vater möglich ist!“ [PH.01_023,20] Auch Ich sagte: „Ich
gehe zu Meinem Vater, der Mich gesandt hat!“ Ich ging aber auch mit dem
vollen Bewußtsein, Meine Mission im strengsten Sinne erfüllt zu haben, obwohl
als Mensch das Herbste Mich noch erwartet. So sollt auch ihr einst sagen und
euch schon jetzt des Triumphes freuen können, wenn nach ausgestandenen
Kämpfen und besiegten Versuchungen ihr getrost die Hand nach der Siegespalme
ausstrecken dürft. [PH.01_023,21] Wer von Meinem Worte
nur dunkle Begriffe hat oder gar nichts weiß, den kann Ich für seine
Handlungen nicht so verantwortlich machen wie diejenigen, welche Meine Lehre kennen,
welche begreifen, wie und wann sie nach derselben handeln müssen. Diese, wenn
sie vorsätzlich dagegen sündigen, sind strafbar und werden – nicht von Mir,
sondern von ihrem eigenen Gewissen – des Wankelmutes, der Kleinmütigkeit
angeklagt werden, weil es ihnen so sehr an Kraft mangelt, und weil sie,
mitten unter dem Einflusse geistiger Hilfe von oben, sich so ins Netz der
weltlichen Genüsse verstricken ließen, daß sie darüber ihre geistige Würde
eingebüßt haben. [PH.01_023,22] Bedenket also alle
Meine Worte! So angenehm das Anhören derselben auch sein mag, so nehmt sie
doch recht ernst, da nur die Befolgung Meiner zwei einzigen Liebesgebote, im
strengsten Sinne, euch zu Meinen, zu Kindern des Schöpfers der ganzen
Unendlichkeit stempeln kann! [PH.01_023,23] Den Preis, welchen Ich
euch aussetzte, könnt ihr noch nicht im ganzen Sinn und in seiner ganzen
Tiefe begreifen, weil ihr Mein Geisterreich nicht kennt; aber würdet ihr
sehen, wie Engel und große Geister euch um diesen Vorzug beneiden, ihr würdet
gewiß stolz darauf sein, von Dem ausgegangen zu sein und wieder zu Dem
zurückkehren zu können, der die Liebe selbst ist, eine Liebe, die ein menschlich
Herz aber nicht fassen kann. [PH.01_023,24] Welch unfaßbare Liebe
liegt darin, daß die höchste göttliche Liebe euch zu ihren Kindern machen
will, daß diese Liebe den niedrigsten Stand auf eurer Erde vorgezogen hat, um
eben das zu beweisen, was sie als Jesus einst sagte, – daß sie als Weisheit,
nach vollendeter Mission, sich wieder vereinen will mit der Liebe, von
welcher sie ausgegangen ist, und zu welcher auch ihr kommen könnt, wenn ihr
euch derselben würdig zu machen wisset! [PH.01_023,25] Ich ging einst zu
Meinem Vater, der Mich gesandt hat; trachtet auch ihr, dahin zu gelangen, um
aus Seinen Händen die Siegeskrone für eure Kämpfe und Leiden zu erhalten –
wie Ich einst als Gottmensch und Jesus vor mehr als tausend Jahren! Amen. 24. Predigt – Am Sonntage Rogate. Die rechte Bitte. [PH.01_024] Joh.16,23: „Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem
Namen, so wird er's euch geben!“ 19. März 1872 [PH.01_024,01] Dieser Vers, der im
katholischen Kirchenjahr für diesen Sonntag bestimmt ist, sagt euch, wie Ich
Meinen Jüngern als Trost für den Verlust Meiner Person die Hoffnung gab, daß
sie, wenn es nötig sein werde, von Meinem Vater im Himmel alles erhalten
würden, um was sie bitten. Ich stelle ihnen diese Freude in Aussicht, weil
sie dadurch in geistiger Gemeinschaft mit Mir verbleiben konnten, indem Ich,
wenn ihnen auch nicht mehr sichtbar, doch ihre Bitten vernehmen und auch
erfüllen helfen würde. [PH.01_024,02] Der Satz, so wie er in
der Bibel aufgezeichnet ist, hat nicht viel Schwieriges, um verstanden zu
werden. Und doch liegt etwas bei weitem Tieferes darin, sobald ihr ihn nur ernstlich
betrachten wollt! [PH.01_024,03] Um euch näher in seine
geistige Entsprechung und Deutung einzuführen, müssen wir vorerst die Frage:
„Was ist denn eigentlich eine Bitte?“ beantworten. [PH.01_024,04] Sehet, es wird von euch
– wie Ich schon öfters gesagt habe – so manches Wort ausgesprochen, ohne daß
ihr nur im mindesten eine Ahnung davon habt, was es eigentlich bedeutet! Dies
ist ein Zeichen, wie wenig ihr die Tiefe, Kraft und Gewalt des Wortes, als
Ausdruck eines Gedankens kennt. Deswegen bin Ich öfters gezwungen, euch
vorher auf die einzelnen Worte, aus denen ein aus der Bibel angeführter Satz
besteht, aufmerksam zu machen, um euch so nach und nach in ihr Verständnis
einzuführen. Solange ihr die Zerlegung der Worte und ihre entsprechende
Deutung nicht kennt und zu finden vermögt, solange ist von einem eigentlichen
Verstehen der Bibelstellen, auch der einfachsten, keine Rede. Die Bibel mit
all dem in ihr niedergelegten Weisheitsschatz bleibt dann für euch
unverständlich; höchstens gewährt sie, wenn man sich mit dem oberflächlichen
Buchstabensinne begnügt, dem einen oder andern in schweren Momenten des
irdischen Lebens einigen Trost und Frieden. [PH.01_024,05] Um auf unseren Satz des
Evangeliums Johannes zurückzukommen, wollen wir vorerst die Frage
beantworten, was eine Bitte ist, und auf die geistige Bedeutung übergehen,
wie eine Bitte zu nehmen ist, wenn sie an Mich als allwissenden Herrn und
Schöpfer gerichtet wird. [PH.01_024,06] Nun seht, eine Bitte
ist ein Flehen um Hilfe bei einem Mächtigeren oder Stärkeren, wenn die
eigenen Kräfte nicht ausreichen. Es ist ein Ansuchen um tätigen Beistand
entweder für sich selbst oder für ein anderes Wesen, das der Unterstützung
oder Hilfe bedarf. [PH.01_024,07] Was bezeugt nun dieses
Anflehen? Es bezeugt die eigene Ohnmacht; diese veranlaßt zum Bitten, da man
nicht befehlen kann. [PH.01_024,08] Wenn nun ein
Bittsteller eine Bitte an jemand stellt und sich dabei auf andere,
wohlwollende oder befreundete Menschen bezieht und mittels der Nennung ihres
Namens oder mittels der Fürsprache der Person selbst bei Einflußreicheren
einen günstigen Eindruck machen will, so bezeugt dies wieder, daß der
Bittsteller durch die Anrufung eines Namens, der auch dem Dritten teuer und
angenehm ist, ihn um so eher zu bewegen hofft, dem angesuchten Begehren zu
willfahren. [PH.01_024,09] Wenn ihr also diese
einfache Bemerkung erwägt, so begreift ihr leicht, warum Ich als Jesus Meinen
Jüngern anempfohlen habe, in Meinem Namen den Vater im Himmel zu bitten, und
warum Ich ihnen im voraus versprochen habe, daß keine ihrer Bitten unerfüllt
bleiben werde. Ich wollte sie dadurch stets an ihre eigene Ohnmacht erinnern,
ihnen zu Gemüt führen, daß sie aus sich selbst nichts zu verrichten vermögen,
und wollte dabei auch nebenbei die Erinnerung an Mein Wirken und Leben unter
ihnen wach erhalten, weil sie nur so – dem geistigen Streben mehr zugewendet
– das Weltliche nach seinem eigentlichen Wert einschätzen und daher nie mißdeuten
würden. [PH.01_024,10] Diese Art zu bitten
sollte ein stetes Wachsen des Vertrauens zu Mir bewirken, der Ich, obwohl
nicht mehr sichtbar, doch geistig stets um sie war. Sie glaubten dadurch auch
mehr an Meine Abkunft von oben und konnten anderen diesen unerschütterlichen
Glauben an die Führung eines höchsten Wesens als Schöpfer, Erhalter, Herr und
Vater beibringen. [PH.01_024,11] Daß Ich als Gott ihre
Bitten nicht nötig hatte und schon seit Äonen von Zeiten vorauswußte, wessen
sie bedurften, und was zu ihrem Besten war, das versteht sich von selbst. Das
Bitten hatte nur den Zweck, in ihnen, wie in den Menschen überhaupt, das
Zutrauen zu Mir als höchstem Wesen zu erwecken, daß Ich nicht ein Gott bin,
vor dessen Größe der winzige Mensch erzittern soll, sondern daß Ich – wohl
ein Gott und ein höchstes Wesen – als liebender Vater Meinen Kindern und
erschaffenen Wesen zugänglich bin, und zwar durch demütiges Annähern, durch
inbrünstiges Bitten oder Gebet, welches nur von einem liebenden Vater, aber
nicht von einem streng richtenden Gott erhört werden kann. [PH.01_024,12] Daß Ich Mich als Jesus
zum Fürbitten anbot, daß Ich sagte: „Was ihr in Meinem Namen bittet, wird
euch der Vater im Himmel gewähren!“, das geschah deswegen, weil sie während
Meines Lebenswandels Meine Liebe, Meine Duldung und Geduld mit den Fehlern
anderer gesehen und begriffen hatten und sich so in schwachen Umrissen eine
Vorstellung von dem Vater machen konnten, der einem solchen Sohne, wie Ich es
als Jesus war, bei allen Gelegenheiten Seine Liebe bewies. Nur so wurde ihnen
der unzugängliche Gott Jehova zugänglich, nur so faßten sie Mut, ihr Herz zu
Mir zu erheben, und nur so vertrauten sie auch darauf, daß, wenn sie in Meinem
Namen beteten oder um Erhörung ihrer Bitten flehten, sie auch ein geneigtes
Ohr bei Mir finden würden. [PH.01_024,13] Auf diese Art ward die
geistige Verbindung, welche Mich als Jesus früher mit ihnen einerseits und
mit Meiner Liebe oder dem Vater anderseits verbunden hatte, nie gestört. Nur
so gingen Meine Jünger getrost in die Welt hinaus, lehrten und predigten Mein
Evangelium, taten Wunder und opferten sogar ihr eigenes Leben, weil ihre
Verbindung mit Mir, die nie abgebrochen worden war, sie stets von der
materiellen Welt ab- und zur geistigen hinzog. [PH.01_024,14] So gaben sie ein ewiges
Beispiel von der Gewalt des Glaubens, des Gebetes, wenn es, aus reinem Herzen
quellend und nur Geistiges verlangend, sich zu Mir erhebt und Mir den Dank
vorauszahlt für Wohltaten, welche Ich Meinen Kindern auch dann nicht entzogen
hätte, wenn sie nicht darum gebeten hätten. [PH.01_024,15] Seht also, Meine
Kinder, was hinter dem Wort ,Bitte‘ steckt, wie groß seine Bedeutung, sein
dem bittenden Herzen zugelassener Genuß ist! Und wie im Weltleben oft ein
Bittender sich der süßen Hoffnung hingibt, daß das Erflehte ihm gewährt werde,
und schon im voraus die Freude genießt, welche das Zutrauen zu dem
Angeflehten erhöht, die Liebe zu ihm vergrößert, ebenso ist im geistigen Maßstabe
das Annähern an Mich als Vater alles Geschaffenen der einzige Trost und die
einzige Beruhigung, daß ein gerechter, alles mit Liebe umfassender Gott
sicher nur das Rechte und Gute will und jede Bitte, wenn sie gerecht ist,
auch gewiß erfüllen wird. [PH.01_024,16] So ist die Verbindung
zwischen Geschöpf und Schöpfer stets vorhanden. Sie ist nicht gegründet auf
Furcht, auf Kriechen vor dem Throne eines allmächtigen, zürnenden und streng
richtenden Gottes, nein, sie ist gegründet auf Zutrauen, auf Liebe, welche
ein unmündiges Kind für seinen mächtigen Beschützer, für seinen Vater hegt. [PH.01_024,17] Es ist die Liebe und
nicht die Furcht, welche das Herz in höchster Bewegung erhält und es mit
freudigen Schlägen dem ewigen, sich stets gleich bleibenden Vater aller
Kreatur entgegenwendet. Es ist das schönste Band, das die Natur aufweisen
kann, das Band der Kindes- und Vaterliebe, deretwegen die ganze Schöpfung
erschaffen, erhalten und vervollkommnet wird, und welches Band nur das einzige
sein kann, das einem Geist wie Mir entspricht, und das einem Menschen oder geschaffenen
Wesen seinen geistigen Adel verschaffen kann. [PH.01_024,18] Daher begreift, Meine
Kinder, was es heißt: ,bitten‘, was es heißt: ,beten‘, was es heißt, zu Mir
im Namen Jesu sich zu wenden. Der Name ,Jesus‘ schließt Meinen größten Akt,
Meine größte Tat, Mein größtes Opfer ein, welches Ich euch und allen Geistern
zulieb vollbrachte. [PH.01_024,19] In Erinnerung an Mein
Dulden könnt ihr nicht stolz sein, in Erinnerung an Meine Liebe könnt ihr
nicht hassen, und in Erinnerung an Mein Opfer könnt ihr nicht geizig sein,
sondern nur bei Anrufung Meines Erdennamens allen diesen Tugenden
nachstreben, die Ich persönlich während Meines Erdenlebens ausgeübt habe. [PH.01_024,20] Die Bitte zu Mir soll
euch erheben über alles Weltliche, soll euch in Mein geistiges Reich führen,
in welchem Ich dem Bittenden gerne gewähre, was in geistiger Hinsicht ihm
oder seinem Nächsten zum Besten dient. [PH.01_024,21] Wenn ihr nun wißt, was
,bitten‘ heißt, wenn ihr wißt, wen ihr bitten müßt, so ist noch ein zweiter
Punkt in Betracht zu ziehen, nämlich: um was ihr bitten könnt, um wenigstens
im mindesten eine Gewährung zu erhoffen. [PH.01_024,22] Hier nun in diesem
zweiten Punkt wird von vielen am meisten gefehlt. Viele bitten erst, wenn die
Not sie dazu zwingt, und viele andere wieder dann, wenn es sich um weltliche
Vorteile oder sonstige unbedeutende Dinge handelt. [PH.01_024,23] Aus dem
Vorhergegangenen mögt ihr ersehen, was eigentlich eine Bitte, und zwar eine
Bitte an Mich, ist. Ihr mögt euch dabei erinnern, daß Ich öfters sagte: „Mein
Reich ist nicht von dieser Welt!“, und: „Wer zu Mir beten will, muß im Geist
und in der Wahrheit beten!“ [PH.01_024,24] Seht, diese Sätze
beweisen euch genau, daß es sich nicht um weltliche Dinge handelt, und daß es
von wenig Achtung und wenig Liebe eurerseits zeugt, wenn ihr Mich für so
einen gewöhnlichen Richter oder Monarchen haltet, an den man nur
Bittschriften einzureichen braucht, und bei dem man dann durch gewisse Fürsprache
seinen Zweck leichter erreichen zu können vermeint. [PH.01_024,25] Seht die Welt an,
wieviel Unsinn wird da von Mir verlangt! Wie viele eingebildete Fürsprecher
und Fürsprecherinnen werden angerufen, die bei Mir zugunsten der Bittenden
fürsprechen sollen. Wenn die Menschen nur ein wenig nachdächten über ihr
eigenes Gebaren, so müßten sie sich ihrer eigenen Kurzsichtigkeit schämen und
müßten erröten, wie sie Gott, den Schöpfer und Herrn der Unendlichkeit, zu
nichtssagenden Dingen ins kleinliche Weltleben herunterziehen möchten. Sie
bedenken nicht, daß die meisten Übel und Unglücke nicht von Mir, sondern von
dem Verhalten der Menschen selbst herrühren. [PH.01_024,26] Wenn Ich die Menschen
tun lasse, was sie wollen, und sie sich Krankheiten und Unglücksfälle
zuziehen, aus denen sie in der Folge geistigen Nutzen erreichen sollen, warum
soll Ich das verhindern, was gerade zum Besten der Menschen, zu ihrem
geistigen Heile dient? Ich kann doch nur das geistige Fortschreiten, aber
nicht das weltliche Wohlleben jedes einzelnen als Hauptzweck seines Erdenwandels
im Auge haben! Wie sollte Ich Meinen Kindern das angedeihen lassen, was
gerade zu ihrem Schaden wäre? [PH.01_024,27] Kurzsichtige,
leichtgläubige Menschen! Ihr kommt Mir oft vor wie Kinder, die mit Gewalt
ihre Hände ins Feuer stecken wollen, weil sie noch nicht die Erfahrung
gemacht haben, daß das Feuer nicht allein leuchtet, sondern auch brennt. [PH.01_024,28] Wie viele Fälle könnte
Ich euch aufzählen, um was alles gebeten wird! Da will einer Geld, der andere
Gesundheit, der dritte Gelingen seiner Unternehmungen, der vierte jammert,
weil der Tod Lücken in seine Familie gerissen hat, der fünfte möchte seine
Kinder in Luxus und Wohlleben so ganz der Hölle zueilen sehen usw.; aber alle
bedenken nicht, daß beim Gewähren ihrer Bitten das geistige Wohl und Wehe der
Beteiligten oft noch ärger, noch schlechter würde. Sie bedenken nicht, daß
gerade Leiden und Unglücke die Ecksteine sind, an welchen sich die Taumelnden
stoßen, wenn sie dem weltlichen Treiben huldigen und das geistige Fortschreiten
ganz beiseitesetzen möchten. [PH.01_024,29] Ihr Familienväter und
Mütter, ihr wollt für eure Kinder alles Gute haben, Gesundheit, Reichtum,
langes Leben und hohe Stellung in der Welt. Nun, was ihr wollt als winzige
Kreatur in Meiner Schöpfung, wird wohl Mir, glaube Ich, auch erlaubt sein! Es
wird wohl Mir auch erlaubt sein, Meine Kinder so zu ziehen, daß sie alles Gute
und Schöne, was Ich in Meiner Schöpfung, und zwar nur für sie, aufgehäuft
habe, im vollsten Maße genießen, daß sie geistig gesund, an Liebe reich und
Mir nahe über Großes gesetzt werden können. [PH.01_024,30] Seht, Ich will nichts,
als was ihr selbst wollt; und nur der Unterschied besteht, daß ihr Menschen,
um Meine Kinder zu werden, andere Schulen durchmachen müßt, als ihr eure
Kinder besuchen lassen wollt. Hier gehen also unsere Ansichten auseinander. [PH.01_024,31] Noch muß Ich nebenbei
bemerken, daß ihr euch nur um eine kurze Spanne Zeit bekümmert, in der es
euren Kindern nach euren Begriffen gut gehen soll, während Ich Sorge trage,
daß das ewige, künftige Leben Meiner Zöglinge voll von Seligkeiten und nie
geahnten Genüssen werde. [PH.01_024,32] Ihr seht aus dem, daß
Ich in diesem Punkte oft den Unerbittlichen spielen und eure Narrenbitten in
den Sand schreiben muß, damit sie der nächste Luftzug wieder verweht, während
Meine Anordnungen in nie vergehenden Steinen der Ewigkeit als Gesetze
geschrieben stehen. Daher bedenkt wohl eure Bitten und verlangt von Mir nicht
den Ruin Meiner Kinder! Ich habe sie fürs ewige Leben, fürs Geister-, fürs
Engelleben erschaffen und nicht für das Wohlleben in weltlichem Schmutz, um
Mir vielleicht einst eine befleckte Seele zu überbringen. [PH.01_024,33] Wenn ihr also bittet
und Meinen Beistand anruft, so bedenkt, daß Ich wohl schon im voraus weiß, um
was ihr Mich bittet, und daß ihr Mir nichts Neues sagen könnt! Bedenkt, daß
die Menschen, wenn es nicht Mein Wille gewesen wäre, sie durch ihre eigenen
Fehler zu witzigen, nicht in diese bitteren Verhältnisse geraten wären!
Bedenkt, daß euer einziger Trost das Vertrauen zu Mir ist! Auch Ich hatte Vertrauen,
als Ich im Garten von Gethsemane im Drange Meines größten Leidens, welches
Ich dort als Mensch fühlen mußte, und bat: „Vater, nimm den bittern Kelch von
Mir!“ Und doch wurde der Kelch nicht von Mir genommen, sondern Ich mußte ihn
leeren bis zum letzten Tropfen! Bedenkt, daß Ich dort sagte: „Nicht Mein,
sondern Dein Wille, o Vater, geschehe!“ [PH.01_024,34] Was Ich einst ausrief,
worauf Ich Mich willig in Mein Schicksal ergab, das möge auch euer einziger
Trost und Leitstern auf eurer irdischen Lebensbahn sein! [PH.01_024,35] Ja, bittet! Bittet in
Meinem Namen, fleht inbrünstig zu Mir! Das Flehen gibt euch Trost, gibt euch
Frieden, und ihr habt eure Pflicht und Schuldigkeit gegen Mich getan. Das
Erfüllen oder Nichterfüllen eurer Bitten überlaßt aber Mir! Ich sehe besser
und weiter und kann nicht alles gewähren, was blinde und unmündige Kinder
wünschen. Ihr gebt ja den Kindern auch nicht alles, was sie wollen, und warum?
Weil ihr als erwachsene Menschen klarer seht und verständiger seid. Und was
kleine Kinder in bezug auf euch sind, das seid ihr in bezug auf Mich, und
noch um vieles weniger. [PH.01_024,36] Daher vertrauet auf
Mich! Ich weiß zu geben und zu nehmen, wann es an der Zeit ist. Meine Wege
sind unerforschlich, und oft gerade da, wo bei euch Tränen des Schmerzes im
Überfluß fließen, feiern Meine Geister und Engel ein Freudenfest. [PH.01_024,37] Vertrauen in Meine
stets liebenden Absichten war es, was Ich einst Meinen Jüngern anriet.
Dasselbe Vertrauen möchte Ich auch in euch erwecken; denn ohne es könnt ihr
keinen Schritt vorwärts machen, ohne es müßtet ihr an eurem Schicksal
verzweifeln und bis zur Gottesleugnung gelangen. Vertrauen ist der Faden, der
euch aus dem Labyrinth des Lebens sicher hinausführt in die Hand eines liebenden
Vaters, der oft gerade da, wo Er euch am weitesten entfernt schien, am nächsten
war. [PH.01_024,38] Bittet und betet; aber
verlangt nichts Unmögliches, nichts Weltliches! Geist seid ihr, und Geist bin
Ich! Ich kann nur urteilen wie ein geistiges Wesen, und auch ihr müßt euch
angewöhnen, schon während eurer Lebenszeit das Geistige in euch dem
Weltlich-Materiellen vorzuziehen. [PH.01_024,39] Dann gilt auch euch,
was Ich einst Meinen Jüngern sagte: „Was ihr in Meinem Namen bittet, wird
euch gewährt werden!“ Dessen mögt ihr versichert sein, zumal Ich es euch nun
hier selbst wiederholend verspreche! Amen. 25. Predigt – Am Sonntage Exaudi. Die Verheißung des
Trösters. [PH.01_025] Joh.15,26 und Joh.16,7:
„Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater,
der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir.“ „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es
ist euch gut, daß ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der
Tröster nicht zu euch; wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.“ 20. März 1872 [PH.01_025,01] Dieser Vers findet sich
in zwei Kapiteln des Evangeliums Johannes vor, und zwar im ersten als ein
Versprechen, daß Ich Meinen verlassenen Jüngern den Tröster, den Geist der
Wahrheit senden werde, welcher ihnen zeigen wird, daß alles wahr und richtig
war, was Ich sie lehrte, – und im zweiten als ein Hinweis, daß Mein Hingang
notwendig war, um das zu bekräftigen, was Ich ihnen von Mir und Meiner
göttlichen Sendung gesagt hatte. Denn in diesem zweiten Kapitel heißt es:
„Wenn Ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch!“ Dadurch bewies
Ich ihnen, daß Mein Hingang zum ,Vater‘ – wie Ich Mich dort ausdrückte –
teils als Schluß Meiner Mission, teils auch als Anfangspunkt der ihrigen nach
Meinen Plänen, die Ich zur Rettung der Menschen entworfen hatte, unumgänglich
notwendig war. [PH.01_025,02] Wenn ein Meister seine
Zöglinge verläßt, ehe sie ganz reif sind, um auch ohne ihn den Lehrkurs
fortsetzen zu können, so ernennt er gewöhnlich einen Stellvertreter, der das
Weitere ausführt, was zur Vollendung des Ganzen notwendig ist. So tat auch
Ich. [PH.01_025,03] Meine Mission auf Erden
oder Mein Verweilen unter Meinen Jüngern war nur so lange von Nutzen, als sie
noch nicht ganz in Meine Lehre eingeweiht waren. Ich mußte Mein Dasein auf
eurer Erde erst mit der größten Tat der Demütigung und der Liebe beschließen,
was der praktische Teil Meiner Lehre war. Ich mußte Meinen Jüngern durch die
Tat zeigen, welche Opfer Meine Lehre und deren Erhaltung verlangt, und ihnen,
gleichsam vorausgehend, als ewiges Beispiel zeigen, was Meine rechten Jünger
auch zu ertragen imstande sein sollen, d.h. sogar ihr Leben für ihren Glauben
zu lassen, welchem Schicksal später viele von ihnen erlagen. Ich mußte ihnen
auch beweisen, durch Meine Auferstehung, wie wenig der Tod seine Macht an Mir
ausüben konnte. Damit sie sich aber in der Zwischenzeit bis zu Meiner Himmelfahrt
oder Rückkehr in Mein Reich nach dem harten Schlag, den ihnen die Abwesenheit
Meiner sichtbaren Person verursachte, recht fassen konnten, so war es Meine
eigene hohe Pflicht als ihr Meister und Lehrer, ihnen einen Ersatz für Meinen
Verlust in Aussicht zu stellen. So versprach Ich ihnen einen Tröster, den sie
sich, als Ich es ihnen sagte, wie auch später, als Ich es wiederholte, eher
als eine Persönlichkeit, denn als eine Kraft dachten. [PH.01_025,04] Als Ich ihnen diese
Worte und manches andere sagte, waren sie noch zu sehr weltliche Menschen;
sie konnten den geistigen Sinn Meiner Worte, ja Meiner letzten, größten und
tiefsten Abschiedsworte nicht im geistigen Sinn verstehen. Deswegen sagte Ich
ihnen ja auch: „Ich hätte euch noch manches zu sagen; aber ihr könnt es nicht
ertragen!“, was mit anderen Worten sagen will: „Ich kann euch Geistiges nicht
in weltliche Begriffe verwandeln. Ihr seid zwar gläubige, aber noch unmündige
Kinder, und es muß erst die letzte Weihe über euch kommen, die euch von
Kindern zu Männern ausreift, damit ihr geeignet seid, das von Mir Gehörte zu
verstehen und es anderen so wiederzugeben, wie ihr es von Mir empfangen
habt.“ [PH.01_025,05] Diese Überschattung
durch Meinen Geist machte sie zu Wiedergeborenen; denn Mein Geist vollzog
diesen Akt als Trennung des Geistigen vom Weltlichen. Das Verstandesleben
hörte auf, und das Leben des Geistes oder Herzens begann. So waren denn Meine
Jünger ausgerüstet mit geistiger Willenskraft, zu reden und zu wirken, wie es
Meine Lehre erheischte, um so dem von Mir begonnenen Erlösungswerk seine
ewige Dauer zu sichern. [PH.01_025,06] Was in jenen Zeiten mit
Meinen Jüngern geschah, das hat sich in jedem Jahrhundert mit einzelnen, von
Mir dazu erwählten Männern erneuert. Nie mangelte es an solchen, Mir ganz
Ergebenen, die ihr Leben für ihre Überzeugung ließen. Immer gab es solche
Mahner und Auffrischer Meiner für die Menschheit so teuer bezahlten Lehre.
Sie waren bestimmt, mitten unter dem groben Mißbrauch, den man mit der
Religion trieb, die Lehre des echten und wahren Glaubens nicht in Vergessenheit
geraten zu lassen. [PH.01_025,07] Auch in eurem
Jahrhundert mangelt es an solchen Begeisterten nicht, und jetzt, da die
Menschheit sich noch mehr ins Weltliche verirrt, jetzt, wo sich das Ende
dieser Prüfungsperiode für die Menschheit naht, vermehren sich auch die
Anhänger Meiner wahren Lehre, welche so zur Gründung Meines Reiches die
ersten Bausteine liefern sollen, damit Ich schon bei Meiner Ankunft gläubige
Herzen vorfinde. Denn zum zweiten Mal will Ich nicht tauben Ohren predigen,
sondern die Dämmerung des Morgenrots muß da sein, und die geistigen Augen
Meiner Verehrer müssen schon vorbereitet sein, das ganze Licht Meiner Liebe
und Meines Erscheinens ohne Schaden ertragen zu können. [PH.01_025,08] Wie Ich in jenen Zeiten
Meinen Jüngern den Tröster versprach, welchen Ich ihnen senden würde, so
lasse Ich auch jetzt in jedes fromme, Mir ergebene Herz den wahren Trost
einfließen, den nur Meine Lehre, nur die wahre Religion und das wahre
Glaubensbekenntnis geben kann, welches aus Meinen Worten erhellt. [PH.01_025,09] Jetzt ist der wahre
Tröster in den Menschen gelegt. Er erwächst aus der richtigen Befolgung
Meiner beiden Liebesgesetze, wenn sie richtig aufgefaßt, auch in diesem Sinne
ausgeübt werden. [PH.01_025,10] Um Mein Werk zu
beschleunigen, habe Ich Mich herbeigelassen, durch direkte Mitteilungen alles
klar auseinanderzusetzen, was den Menschen, wie Meine Jünger einst sagten, zu
hart oder zu unverständlich war. Jetzt, da Meine Mitteilungen so reichlich
fließen, bin Ich eigentlich schon geistig auf eure Erde hinabgestiegen, lehre
und führe Meine Kinder tatsächlich wie einst. Es fehlt nur Meine sichtbare
Erscheinung, welche die Zweifelnden aber nur zum Glauben zwingen würde, was
gegen die Freiheit des Menschen wäre. [PH.01_025,11] Jetzt wähle Ich wieder
Meine Jünger, die die goldene Saat Meiner Liebelehre aussäen sollen; nur habe
Ich jetzt nicht mehr nötig, sie so zu führen wie einst. In jener Zeit mußte
Ich andere Mittel anwenden, Ich mußte selbst kommen und ihnen das wirkliche
Dasein Gottes durch Meine Worte und Taten beweisen. Jetzt braucht es diese
Gewaltmittel nicht mehr; denn die Wissenschaft mit ihren Entdeckungen im
Gebiete Meiner Weltschöpfung hat den mit Geist und Herz beobachtenden
Menschen Wege genug geöffnet, Mich überall zu finden und Mein wirkliches
Dasein anzuerkennen. [PH.01_025,12] Der Glaubenslehre
parallel läuft heutzutage die Lehre durch Überzeugung. Nur ein absichtlich
blind sein Wollender wird das Dasein eines Gottes leugnen, welches doch in
allen Ecken und Winkeln der Schöpfung, unten und oben, ja selbst in des Menschen
eigenem Herzen trotz aller Gegenbeweise besteht. Nur ein solcher Mensch wird
leugnen, daß es einen Gott, einen Gesetzgeber und – wie das hinterlassene
Werk, eure Bibel, es euch lehrt – auch einen liebenden Vater gibt, der trotz
Verirrungen und Ausschweifungen aller erdenklichen Art der Menschen stets
Verzeihung statt Vergeltung, stets Geduld statt strengen Gerichtes übt und
stets das Leben und nicht den Tod, den geistigen nämlich, verbreiten will. [PH.01_025,13] Deshalb ist euch auch
jetzt der Tröster ins Herz gelegt, und ihr seid Herren eures Friedens und
eurer Ruhe. Ich brauche euch denselben nicht mehr zu senden, da ihr ihn schon
von Mir empfangen habt. Es ist an euch, das Empfangene gehörig in Wort und
Tat auszuüben, weil ihr dadurch zeigt, daß ihr Meine Kinder, Meine Jünger in
dieser Zeit seid. [PH.01_025,14] Kümmert euch nicht um
die Ausschreitungen auf religiösem Gebiet, die sich jetzt überall regen! Sie
sind wohl Wecker, doch ihren Anhängern wird über kurz oder lang der
Hauptfaktor, der Tröster, fehlen, den Ich damals nur denen versprach, die
Meine wahren Jünger waren, und denen auch ihr in allem nachfolgen sollt. [PH.01_025,15] Es mögen noch so viele
religiöse Lehrgebäude aufgebaut werden, – wer nicht zu Meinem einfachen Hause
zurückkehrt, in dem nur die Liebe, geleitet durch die Weisheit, allein
thront, dem fehlt in schweren Augenblicken der Tröster überall; denn ihm fehlt
neben dem wahren Glauben die wahre Überzeugung, ihm fehlt der Geist der
Wahrheit, den Ich einst Meinen Jüngern versprach und auch gesandt habe, und
der einem jeden zuteil wird, der Mich im Geist und in der Wahrheit begreift
und im Geist und in der Wahrheit Meine Lehre in der Tat anwendet. [PH.01_025,16] Wahrheit gibt es, wie
Ich es euch vor kurzem bewies, nur eine. Wer dieser nicht huldigt, der hat
auf Sand gebaut. Kommen dann die großen weltlichen und geistigen Stürme, die
zur Reinigung des Geist-Seelenwesens auf dieser Erde stattfinden müssen, so
wird solch ein Haus, auf flüchtigen Weisheits- oder Verstandessand gebaut,
samt seiner Unterlage spurlos verschwinden, als wäre es nie dagewesen. Nur
dasjenige Gebäude wird feststehen, allen Stürmen trotzen und sich als einzige
Wahrheit, als einziger fester Grundbau erweisen, welches auf Mein Wort, auf
das Wort des Gottes und Schöpfers des ganzen Universums, gebaut ist; denn was
ein Gott sprach und mit solchen Opfern Seinem ganzen Geisterreich auch durch
die Tat bewies, wie Ich auf eurer Erde, das kann nicht trügen, kann nicht
täuschen. Die Getäuschten sind diejenigen, welche allen Mahnungen und Rufen
aus der sicht- und unsichtbaren Natur ihre Ohren verschließen, den Tröster in
ihrem Verstandesleben suchen, während er nur allein im Herzen zu finden ist. [PH.01_025,17] Daher bedenkt jene
Worte, die gerade in diesen Kapiteln 15, 16 und 17 stehen, und die Ich einst
zu Meinen Jüngern gesagt habe! [PH.01_025,18] Sie sind die
wichtigsten, gewichtigsten und tiefsten; denn sie waren die Scheideworte
eures Vaters, der, ehe Er den letzten Liebesakt vollziehen mußte, noch einen,
und zwar den Schlußstein Seines geistigen Gebäudes, welches Er auf Erden zurückließ,
gelegt hatte, dessen Bedeutung weit über die jetzige Zeit hinausragt. [PH.01_025,19] Was Ich Meinen Jüngern
versprach als den ,Tröster‘, welchen Ich ihnen senden würde, das lag schon in
diesen, von Meinem Lieblinge Johannes aufgezeichneten Worten. Meine Jünger
verstanden sie nicht; aber ihr, die ihr jetzt schon so ziemlich geschult und
vorbereitet seid, Meine Lehre zu begreifen und zu fassen, wie Ich sie
verstanden und auch ausgeübt sehen möchte, ihr könnt in diesen hinterlassenen
Worten den Tröster finden, der euch erleuchten, erheben und stark machen kann
gegen alles Kommende, wie auch einst Mein Geist die Jünger bestärkte, um ihre
künftigen Schicksale mit der zu ihrer Mission notwendigen Seelenstärke zu ertragen. [PH.01_025,20] Euch erwachsen zwar
solche bitteren Momente nicht, wie einst Meinen Jüngern bei ihrem Lehramt:
aber desto mehr habt ihr zu kämpfen mit der Welt, mit ihren Annehmlichkeiten,
mit euren Mitmenschen, von denen die Mehrzahl nicht den Weg, den ihr geht,
sondern gerade den verkehrten eingeschlagen hat. [PH.01_025,21] Euch wird es so gehen,
wie Ich es Meinen Jüngern prophezeite: „Die Welt wird euch hassen, weil ihr
nicht von ihr seid!“, d.h. weil ihr anderen Grundsätzen, anderen Prinzipien
huldigt als die Mehrzahl der Menschen; aber hier ist der Tröster euch am
nächsten, der euch für dieses kurze Prüfungsleben einen längeren, größeren,
ja ewigen Genuß entgegenhält als Lohn für ein treues Ausharren bei dem einmal
festgesetzten Wort eures Vaters, eures Jesus, der Sein irdisches Leben gab,
um irdische Geschöpfe vom geistigen Verderben zu retten. [PH.01_025,22] Daher sei auch euch das
der beste Trost, den Ich jedem nach jeder vollbrachten guten Tat ins Herz
lege, das die beste Belohnung und die beste Beruhigung: Meinen Lehren, Meinen
Worten gefolgt zu sein, welche am Ende doch, trotz alles Weltglanzes und
aller Weltmacht, die letzten Stützen sein werden, welche den Kämpfenden als
Rettungspfeiler im großen Ozean der Weltereignisse bleiben werden. [PH.01_025,23] Verlaßt daher den
Tröster in eurem Herzen nicht, – und Der, welcher diesen Tröster in euer Herz
legte, wird euch nicht verlassen! Das versichert euch Der, welcher schon so
viel himmlisches Brot, so viel geistigen Segen und so viel wahren Trost über
eure Häupter ausgeschüttet hat. Amen. 26. Predigt – Am Pfingstsonntage. Der Herr und Seine Kinder. [PH.01_026] Joh.14,23: „Wer mich
liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir
werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ 24. März 1872 [PH.01_026,01] Diesen Vers zu erklären
genügen wenige Worte; denn es ist ganz natürlich, wenn jemand für einen
andern eine Zuneigung hat und dieser noch höher gestellt und weiser ist, daß
dann der erste alles mögliche tun wird, um sich die Achtung und Liebe seines
höhergestellten Freundes oder Herrn zu verdienen. Er wird seine Zuneigung und
Liebe durch Taten zu beweisen suchen und genau nach den Lehren und
Ratschlägen des höhergestellten Freundes oder Lehrers handeln. Wenn dieses
der Fall ist, so wird die Zuneigung des einen durch die Liebe des andern erwidert,
und es wird dadurch ein geistiges Einvernehmen hervorgerufen, wie bei in Eintracht
lebenden Familiengliedern. [PH.01_026,02] Das ist ungefähr der
Sinn dieser Worte, die Ich einst zu Meinen Jüngern sagte, und die eine
Mahnung waren, auch noch nach Meinem Hingang, nachdem kein sichtbarer Einfluß
durch Meine Worte und Taten mehr möglich war, auf dieser einmal
eingeschlagenen Bahn zu verharren und aus Liebe zu Mir Mein Wort zu halten
und danach zu leben. Ich sagte dieses Meinen Jüngern wohlweislich im voraus,
weil Ich wußte, welchen Versuchungen und Einflüssen der Welt sie bei Ausführung
ihrer Mission entgegengingen. [PH.01_026,03] Deswegen machte Ich sie
auch auf einen Punkt aufmerksam, den sie noch nicht begriffen hatten,
nämlich, daß Ich und der Vater eins sind, und daß derjenige, der Mich sah,
auch den Vater gesehen hat; denn – wie Ich schon in einer früheren Texterklärung
erwähnt habe – sie dachten noch immer zu menschlich. Sie konnten sich eine
geistige Welt, einen geistigen Einfluß und ein geistiges, höheres Wesen, wie
Ich eines bin, in körperlicher Hülle nicht recht vorstellen. Manchmal
glaubten sie wohl, jetzt hätten sie diesen Begriff ganz richtig aufgefaßt;
doch blieb ihnen diese Stimmung nicht. Wenn sie Gefahr lief, sich ganz zu
verlieren, so mußte Ich sie auffrischen und wieder in ihrem Herzen rege
machen, zumal in jener Zeit, in der die letzten Augenblicke heranrückten, die
Mir die bittersten waren und auch ihnen die härtesten Schläge versetzten, da
sie nie für möglich gehalten hätten, was nun vor ihren Augen geschah. [PH.01_026,04] Deswegen versprach Ich
ihnen einen Tröster und machte ihnen den Gedanken des Verlustes Meiner
sichtbaren Person so leicht erträglich wie möglich. [PH.01_026,05] Was Ich dort zu Meinen
Jüngern sagte, das gilt auch in fernen Zeiten für alle diejenigen, die
ebenfalls den rechten Weg des Glaubens und der Liebe einschlagen; denn alle
Menschen, die Mich wahrhaft lieben wollen, bewahrheiten dieses eigentlich nur
dann, wenn sie Meine Worte halten und befolgen. [PH.01_026,06] Das Befolgen Meiner
Worte, das Beweisen durch Taten ist erst der Probierstein, ob es den Menschen
ernst ist, Mir auf dem Wege der Demütigung und Selbstverleugnung, den Ich
selbst vorangegangen bin, zu folgen, indem sie, alle Annehmlichkeiten der
materiellen Welt dahintenlassend, den Blick nur nach dem geistigen, aber
ewigen Weltreich richten. [PH.01_026,07] Viele gibt es auf
dieser Welt, die das Wort ,Mich lieben‘ gar nicht verstehen oder es nur so
deuten möchten, wie es ihnen bequem ist; mit diesen aber bin Ich nicht. Ich
werde und kann nicht, weder als Sohn noch als Vater, in ihren Herzen Wohnung
nehmen; denn darin ist der größte Platz den weltlichen Sorgen eingeräumt. Und
es wird von ihnen Meiner und Meiner Lehre nur dann gedacht, wenn etwa ein
kirchlicher Feiertag oder bittere Erfahrungen und Unglücksfälle sie daran erinnern,
daß neben der materiellen Welt eine geistige, und dahinter der Regierer, Erhalter
und Leiter von beiden steht, der sich trotz der Vernachlässigung von seiten
der Menschen als liebender Vater finden läßt. [PH.01_026,08] Solchen Menschen, die
Mich nur so zur Not neben den Weltgeschäften herlaufen lassen, solchen
Menschen kann Ich freilich nicht das Versprechen erfüllen, in ihrem Herzen zu
wohnen; denn sie lieben Mich nicht, wie die Liebe zu Mir beschaffen sein sollte.
Sie haben nur eine Art von Wohlwollen für Meine Lehre und für Meine Person
übrig – wobei sie noch im Zweifel sind, ob diese besteht –, weil Ich durch
Mein Wort ihnen nur Gutes rate und ihr Bestes will. Allein, sich ganz Mir
hinzugeben, Mir und Meinen Fügungen alles aufzuopfern, so weit wollen sie
ihre Liebe nicht ausdehnen; denn da müßten sie gar vielen weltlichen
Vergnügungen und Genüssen entsagen, was nach ihrer Meinung doch nicht angeht,
da man einmal in dieser Welt sei und – wie sie sich entschuldigen – mit ihr
leben müsse. [PH.01_026,09] Diese Menschen – und es
gibt deren Millionen – haben noch einen weiten Weg von herben Erfahrungen zu
machen, bis sie zu der Einsicht gelangen werden, daß ihr so gleichsam nur
Liebäugeln mit Mir von keinem Wert und Nutzen ist, sondern daß man entweder
sich Mir ganz ergeben oder in der Folge der Welt verfallen muß. [PH.01_026,10] Überall werden sie Ruhe
und Frieden suchen, alles anklagen, Mich, die Natur, die Verhältnisse oder
das Schicksal, wie sie es nennen werden; aber nur sich selbst werden sie als
Urheber ihres eigenen Unglücks nie erkennen wollen. So wird ihr Schicksal
sein: kein Tröster, kein Friedensstifter wird zu ihnen kommen können, weil
sie nicht begreifen, daß er nicht von außen hinein, sondern nur von innen
heraus den Frieden herstellen kann. [PH.01_026,11] Wenn ihr jetzt die Welt
stets ärger, stets schlechter werden seht, wenn die Menschen stets
unzufriedener, stets mißmutiger, stets grausamer, stets egoistischer werden,
so ist überall der Grund der, daß niemand den eigentlichen Weg zum Frieden,
zur Genügsamkeit und zum völligen Ergeben in Meine Führung mehr erkennt. Je
mehr dieses Haschen nach flüchtigen Weltgütern und mächtigen Stellungen
fortgeht, desto mehr entfernen sich die Menschen von dem eigentlichen Quell
aller besseren Tugenden, und selbst das Wort ,Liebe‘ ist ihnen nur insofern
bekannt, als es sich auf ihre irdischen Genüsse bezieht, denen sie mit aller
Hast nachjagen, und die sie um jeden Preis erringen wollen. [PH.01_026,12] Hier seht ihr die Quelle
vieler Selbstmorde, als Folge von Überdruß, weil das Erwünschte sich nicht
erreichen ließ. Es ist dies auch der Beweis, wie wenig in solchen Herzen von
Religion oder von dem Begriff eines ewigen, geistigen Lebens vorhanden ist,
wo Vergeltung für Gutes und Böses den Dahingeschiedenen erwartet, indem er in
solche Lagen versetzt wird, in denen er, auf sich selbst beschränkt, alles
Schlechte und Falsche aus seinem Innern ausmerzen muß, bevor er eine bessere
Stellung im Geisterreiche erhalten kann. [PH.01_026,13] Unter solchen Menschen
ist natürlich denjenigen, welche wirklich Mir leben, Mir folgen und durch
Taten Mir beweisen wollen, daß sie Mich lieben, das Fortschreiten bedeutend
erschwert, weil sie gegen die Meinung der Mehrzahl ankämpfen müssen und, wie
einst Meine Jünger, für das Segenverbreiten nur Haß und Spott ernten. [PH.01_026,14] Aber dieses Kämpfen,
dieses Streiten gegen den mächtigen Strom der materiellen Welt, das auch
Meiner Jünger Los war, dieses Kämpfen ist notwendig, um Meine Kindschaft zu
erreichen. Denn wenn es nicht Gott, das höchste Wesen wäre, das euch zu
Seinen Kindern erziehen will, so wäre es nach menschlichen Begriffen und
Forderungen schon genügend, wenn ihr so wie die große Mehrzahl der Menschen
lebtet, d.h. wenn ihr Mir die Ehre zollet, euch wohl die besten Lehren
gegeben zu haben, es aber euch überlassen bliebe, wie und wann ihr diese bequem
mit euren weltlichen Bedürfnissen vereinbaren wolltet. [PH.01_026,15] Aber so habe Ich es
nicht gemeint, als Ich damals Meinen Jüngern sagte: „Wer Mich liebt, der wird
Mein Wort halten!“, und wie Ich euch auch jetzt wieder zurufe: „Wer Mich
liebt, der muß es durch Taten beweisen!“ [PH.01_026,16] Wie Meine Jünger in
jener Zeit entweder Heiden oder fanatische Juden vor sich hatten, denen sie Mein
Evangelium predigen mußten, so habt ihr jetzt ebenfalls Heiden, Ungläubige,
fanatische Buchstabenausleger und beschränkte Zeremonienreiter vor euch, von
denen die ersten gar nichts glauben, weil es ihnen so besser zusagt, und die
andern mit dem Halten des Religionskultus alles getan zu haben glauben, was
sie Mir schuldig sind. [PH.01_026,17] Wie Ich einst Meinen
Jüngern versprach, ihnen den Tröster zu schicken, der sie führen und leiten
wird, wenn sie überall Schwierigkeiten und Hindernissen begegnen, so wird es
auch jetzt denjenigen ergehen, welche Mich im wahren Sinne lieben und Mein
Wort halten wollen. [PH.01_026,18] Wäre dies nicht die
Verheißung Gottes, der alles Erduldete reichlich vergelten will, so wäre es
entschuldbar, wenn selbst die Eifrigsten in ihrer Mission scheiterten und die
Hoffnung verlören, auch nur den kleinsten Teil der Menschheit vom gänzlichen
Verderben zu retten. Da aber Ich als Schöpfer, Herr und Vater die Zügel der
ganzen Welt in der Hand habe, so werde Ich auch, wie Ich es Meinen Jüngern
versprach, bei denjenigen wohnen, die Mich lieben und Mein Wort halten, d.h.
Ich werde ihr Ratgeber und Führer sein. Ich werde ihnen die reifen Seelen in
den Weg führen, die durch bittere Schläge zugänglich und mürbe gemacht worden
sind, welche die Vergänglichkeit der Welt gekostet haben, und sich nach
Besserem sehnen. [PH.01_026,19] Ich werde Meine
jetzigen Jünger im Glauben und festen Vertrauen in Meine Fügungen stets mehr
bestärken, werde ihnen durch Mein Wohnen in ihren Herzen Ersatz geben für
alles, was sie Meinet- und Meiner Lehre wegen erdulden müssen, damit sie
mitten im trüben Gewirr aller menschlichen Leidenschaften die klare Fernsicht
behalten und das Ziel ihrer Aufgabe nicht aus den Augen verlieren. Daher
folgt unverdrossen Meinen Worten und Meiner Lehre! [PH.01_026,20] Wißt ihr, warum Ich
selbst nun durch Meine Knechte und Schreiber euch Meinen Willen mitteile? [PH.01_026,21] Der Grund, daß schon
seit mehreren Jahren Meine direkten Mitteilungen reichlicher fließen als in
früheren Zeiten, und daß Ich euch so viel Himmelsbrot gebe, wie es seit
Meinem irdischen Lebenswandel nie geschehen ist, ist der, weil gerade jetzt
der Zeitpunkt sich nähert, an dem die Welt ihren Gipfelpunkt in den
Verirrungen und im Abweichen von Meinen Schöpfungszwecken erreichen wird. Damit
nun – zumal dies Meine Wiederkunft bedingt – nicht alle Menschen verlorengehen,
so habe Ich bestimmt, daß von nun an einzelnen, wie einst Meinen Jüngern,
Mein Wort und Meine Lehre unverfälscht zukommen soll, nicht verschleiert wie
in den Propheten, sondern klar und verständlich, wie Meine Jünger es einst
die Völker lehrten. [PH.01_026,22] Dort war das Verbreiten
der Lehre schwieriger; heute aber ist durch eure Erfindung der Buchdruckerkunst
das Verbreiten Meiner Lehre bei weitem leichter, so daß überallhin, wo die
Finsternis der weltlichen Macht sich geltend machen will, der Schein Meines
ewigen Liebe- und Gnadenlichts dringen kann. [PH.01_026,23] Ich will jetzt den
Ungläubigen die Augen öffnen und den Buchstabenauslegern Meiner Bibel den
eigentlichen Sinn erklären, damit niemand sich entschuldigen könne, als hätte
er nichts davon gewußt, und durch diese Ausrede Mich beschuldigen möchte,
während doch die ganze Schuld auf ihn selbst fallen wird. [PH.01_026,24] Daher seid stark, ihr
wenigen, die ihr zerstreut in verschiedenen Gauen noch Meine Perlen im
eigenen Herzen bewahret! Vertraut auf Mich! Ich wohne bei und in euch, Ich
werde euch führen und nicht verlassen, solange ihr Mich liebt und Mein Wort
haltet. Euch habe Ich alles – Mein Ich, Meine Schöpfung und das Verhältnis
des Menschen zu beiden – durch viele Worte klar gezeigt. Für euch gibt es keinen
Entschuldigungsgrund, als hättet ihr es nicht gewußt. Nur das eine ist noch
bei manchen von euch der Fall, daß sie Mein Wort nicht in der größten geistigen
Tiefe auffassen. Doch dazu werde Ich euch schon Meinen Tröster und heiligen
Geist in Form von bitteren Erfahrungen und Zweifeln schicken, um auch diese
letzte Schattenseite aus den Herzen Meiner Ergebenen zu entfernen; denn wer
berufen ist, einst auf andere zu wirken, der muß in sich selbst fest sein und
genau wissen, was er zu tun und was er zu lassen hat. [PH.01_026,25] Meine Worte sind
einfach und klar, nur dürfen nicht die Selbstliebe der Dolmetscher und
falsche Ausleger dabei sein; denn sonst würde von euch manches entschuldigt,
was bei Mir nicht vergeben werden kann. [PH.01_026,26] Daher prüfet euch wohl!
Bedenket: Ich treibe keinen Scherz mit euch und will auch nicht, daß ihr mit
Mir nur so gelegentlich verhandelt, wie es euch gerade genehm ist! [PH.01_026,27] Ernst ist das Leben und
heilig Meine Sache! Hinter diesem flüchtigen, irdischen Scheinleben steht ein
ewiges, wahres Leben, in dem keine Ausflüchte, keine Entschuldigungen gelten
können und dürfen; denn es ist das Reich des wahren Gottes, der nur eine
Wahrheit und die Liebe zu ihr kennt. [PH.01_026,28] Darum befleißigt euch,
Mich zu lieben und Mein Wort zu halten! Ihr tut damit den größten Dienst euch
selbst; denn ihr erkämpft euch durch diese Liebe das ruhige Bewußtsein der
edlen Tat und eine bessere Stellung und ein leichteres Fortschreiten im
Jenseits. [PH.01_026,29] Ich bin kein strenger
Richter, kein zürnender Gott und will auch keiner sein. Ich bin – wie Ich es
euch oft gesagt habe – ein liebender Vater, ein voraussehender Hirte, der
seine Schafe auf gute Weideplätze und weit weg von jenen Gegenden führen
möchte, wo Abgründe oder sonstige Hindernisse ihrem geistigen Leben Gefahr
bringen könnten. [PH.01_026,30] Ich will nur das Gute,
weil Ich die Güte selbst bin! Ich will nur die Liebe, weil Ich die Liebe
selbst bin, und Ich will euch zu geistigen, höheren Wesen machen, weil Ich
als das höchste geistige Wesen selbst nur solche Kinder um Mich haben möchte,
die Mir und Meinem Reiche Ehre machen und ihren Frieden und ihre Freude nur
in Mir suchen. [PH.01_026,31] Dies bezeugt das Wort,
das Ich einst Meinen Jüngern sagte: „Wer Mich liebt, der wird Mein Wort
halten!“ [PH.01_026,32] Haltet also Mein Wort
und macht euch Meiner Liebe würdig, und das Wort im Evangelium ist auch an
euch erfüllt! Amen. 27. Predigt – Am Dreifaltigkeitssonntage. Der Abschied
des Herrn. [PH.01_027] Matth.28,18-20: Jesus trat
zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel
und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im
Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistiges, und lehret sie
halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle
Tage bis an der Welt Ende!“ [PH.01_027,01] Diese Worte sagte Ich
zu Meinen Jüngern, als Ich ihnen nach Meiner Auferstehung vom Tode auf einem
Berg in Galiläa erschien. Es waren dies Worte, welche nicht Jesus, der
Zimmermannssohn von Nazareth, zu Seinen Schülern sprach, sondern es waren
Worte, die Gott der Herr alles Geschaffenen zu Seinen Kindern und einzigen
Verehrern und Gläubigen Seiner Lehre redete. Denn mit dem Kreuzestod hatte
Mein irdisches Wandeln auf eurer Erde seinen Abschluß und mit Meiner Auferstehung
Meine Göttlichkeit ihre Bestätigung gefunden. [PH.01_027,02] Schon bei einer anderen
Gelegenheit sagte Ich zu Meinen Jüngern, daß Ich, der Sohn, und der Vater im
Himmel eins sind, und daß, wer Mich sieht, auch den Vater sieht; aber ganz
begreiflich war dieses Wort Meinen Jüngern doch nicht, weil sie Mich wohl als
einen, mit einer größeren Willenskraft als andere ausgestatteten Menschen
anerkannten, aber von ihrem Gott doch ein anderes Bild in ihrem Herzen
trugen, als daß es von ihnen mit Meiner Persönlichkeit hätte gleichgesetzt werden
können. [PH.01_027,03] Nach Meiner
Auferstehung, einer nach menschlichen Begriffen außergewöhnlichen Tat, stieg
ihre Idee von Meiner Göttlichkeit schon etwas höher; aber erst am
Himmelfahrtstag erreichte sie ihren Kulminationspunkt, wo sie Mich für das erkannten,
was Ich ihnen oft gesagt hatte. [PH.01_027,04] Ich muß bei diesen
wenigen Worten des Textes solche Bemerkungen vorausschicken, damit euch das
Verhältnis Meiner Jünger zu Mir in jener Zeit besser begreiflich ist, und
damit ihr die Anwendung dieser Texte auch auf euch und die jetzige und noch
kommende Zeit leichter einsehen lernet. [PH.01_027,05] Wie dort Meine Jünger
nach Meiner Grablegung verlassen und trostlos umherirrten und über den
Verlust ihres Führers trauerten, ja selbst an Meiner göttlichen Sendung
zweifelten, ebenso ist die jetzige Menschheit – gläubig oder ungläubig – unschlüssig,
ob sie etwas glauben, oder ob sie wohl alles verwerfen soll. [PH.01_027,06] Meine Jünger waren auch
nicht alle von gleicher Fassungskraft, nicht alle von gleichem Eifer für
Meine Lehre beseelt, nicht alle von Meiner Göttlichkeit überzeugt. Daher
mußte Ich manchmal, selbst nach Meiner Auferstehung, zu außerordentlichen
Kundgebungen greifen, um auch die Schwachen vollends zu überzeugen, daß Ich
Der sei, für den Ich Mich ausgab, und daß Meine Worte, wie Meine Lehre, nicht
für sie allein, sondern für die ganze Welt, für das ganze Geisterreich und
für die Ewigkeit bestimmt seien. [PH.01_027,07] Wie dort, so jetzt:
Auch jetzt muß Ich durch kräftigere Handlungen in den weltlichen Wirren auf
eurem Erdball die Eingeschlafenen wecken, die Halbwachen bestärken und die
Ganzwachen beschützen, damit nicht ebenfalls Zweifel und Grübeleien den
ausgestreuten Samen an seinem Aufkommen hindern. [PH.01_027,08] Denn seht: Wenn Ich
heute auf eurer Welt wieder sichtbar erscheinen werde, glaubt ihr denn, man
wird Mich so ohne alle weiteren Beweise für das halten, was Ich eigentlich
bin? Mitnichten! Es werden der Zweifler und Leugner, der Verfolger und Hasser
genug auftreten. Und wie in jener Zeit die Hohenpriester die römischen
Soldaten bestachen, daß sie aussagten, es wäre Mein Leichnam gestohlen worden,
so werden auch bei Meiner Darniederkunft die Vernünftler, die Gelehrten und
Priester alles aufbieten, um die Menschheit vom Gegenteil dessen zu
überzeugen, was Ich den Menschen sagen werde. [PH.01_027,09] Glaubt ja nicht, daß
diese Menge von Menschen, welche jetzt in Andacht vor den Mir gebauten
Altären und Kirchen kniet, sich so schnell mit der Idee vertraut machen wird,
Ich sei wiedergekommen, zumal wenn sie hören wird, wo Mein erstes Auftreten
und wie Meine Worte an sie gerichtet sein werden! [PH.01_027,10] In jener Zeit, in der
durch Elementarereignisse und sonstige Wunder die Juden sich wohl hätten
überzeugen können, daß derjenige, den sie kreuzigen halfen, etwas anderes als
ein gewöhnlicher Mensch war, konnte Ich Mich nach Meiner Auferstehung doch
nicht dem ganzen Judenvolk zeigen, sondern nur Meinen Jüngern, und konnte nur
den wenigen, die wahrhaft an Mich glaubten, den tatsächlichen Beweis geben,
daß die Worte, die Ich zu ihnen oft klar, oft in Bilder eingekleidet,
gesprochen hatte, und die von der Besiegung des Todes und von Meiner Auferstehung
handelten, wahr waren. [PH.01_027,11] Und wie in jenen
Zeiten, so wird es wieder geschehen. Nur einem kleinen Kreis Meiner
wirklichen Jünger wird es im Anfang zuteil werden, Mich als zurückkehrenden
Jesus, aber auch als Gott, Herrn und Schöpfer des Unendlichen ertragen und erkennen
zu können. Diesen werde Ich erscheinen und werde ihnen, wie einst Meinen
Jüngern auf dem Berg in Galiläa, zurufen: „Mir ist gegeben alle Gewalt im
Himmel und auf Erden! Gehet hin, lehret die Völker und taufet sie, d.h.
weihet sie alle ein in diese Lehre im Namen der göttlichen Dreieinigkeit, im
Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Lehret sie aber auch
halten, d.h. in Taten ausüben, was ihr selbst als Wahres erkannt habt, und
seid versichert, daß Ich bei euch sein werde von Anfang bis in alle Ewigkeit!
Amen.“ [PH.01_027,12] So wird der Ruf an die
kleine Schar ergehen, die Ich auserlesen habe zur weiteren Verbreitung Meines
göttlichen Worts, welches Ich einst als Mensch mit Meinem Blut erkauft und
besiegelt habe. So wird es geschehen, daß auch diese Neuerwählten, wie einst
Meine Jünger, als Wiedergeborene mit aller Macht von Mir ausgerüstet werden,
um ihre Worte durch Taten zu bekräftigen und Mir den Weg zu ebnen, damit Ich
nur Mir zugewandten, aber nicht entfremdeten Herzen begegne. [PH.01_027,13] Jetzt schon ist Mein
Darniederkommen eingeleitet, indem Ich, wenn auch nicht sichtbar, doch schon
geistig einwirke, um Mir eine Anzahl Jünger zu bilden, welche die Wege ebnen
sollen. Und was die Aufgabe Meiner Jünger in jener Zeit war, was Meinen
Auserwählten damals bei Meiner sichtbaren Ankunft aufgetragen wurde, das
müssen Meine jetzigen Anhänger geistig vollführen. Auch ihnen, sowie euch
allen, rufe Ich zu: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden! Zweifelt
nicht an Meiner Liebe, an Meiner Lehre und an Meinem Versprechen, welches Ich
der Menschheit, und somit auch euch, gegeben habe; denn ich bin, war und
werde stets der Herr sein, der Seine Kinder beschützen, führen und auch für
ihr Ausharren einst belohnen wird. [PH.01_027,14] Mir ist alle Gewalt
gegeben, Mir muß alles gehorchen, von Mir ging alles aus, und zu Mir muß
alles wieder zurückkehren. Streut Meinen Samen aus in die Herzen, welche
gutes Erdreich für solche Frucht zeigen! Vermehret Meine Anhänger, weiht sie
ein in das eigentliche Verständnis Meiner zwei einzigen Liebesgebote, damit
sie das Wahre vom Falschen unterscheiden und den Irrlehren Widerstand leisten
können! Mir ist die Macht gegeben, mit der sanftesten Liebelehre die
härtesten, verstocktesten Gemüter zu bekehren und zu erweichen. [PH.01_027,15] Taufet eure Mitbrüder
und Mitschwestern mit dem Geist der Duldung, der Aufopferung und der
Verzeihung! Lehret sie alle die Nachsicht, wie Ich sie gegen euch und die
ganze Menschheit schon seit unendlichen Zeiten geübt habe! Lehret sie den
geistigen Genüssen die weltlichen unterordnen! Lehret sie die große,
langandauernde Ewigkeit jenseits des Grabes nicht durch eitle, nichtige
Jagden nach Weltgütern verscherzen!“ [PH.01_027,16] So sollt ihr Meine
Lehre als geistigen Samen ausstreuen, damit auch ihr einen Anteil haben könnt
an dem Erneuerungswerk Meines geistigen Reichs, welches nach Meiner Ankunft
auf Erden herrschen soll. [PH.01_027,17] So vollführt ihr
geistig, was einst Meine Apostel tatsächlich getan haben. Und wie Ich Meinen
Jüngern dort in Aussicht stellte, daß sie alle einst bei Mir sein würden, so
erwerbet auch ihr euch dieses Recht, in Meiner Nähe die Liebe und die ganze
Seligkeit fühlen zu dürfen, die denen vorbehalten ist, die Mein Wort und
Meine Lehre sich so zu eigen gemacht haben, daß sie ganz zu ihrem Ich geworden
sind. [PH.01_027,18] Seht, Ich verspreche
euch viel; aber wie einst, so sage Ich auch jetzt: Mir ist alle Macht inne!
Ich bin der Herr und Schöpfer, bin aber auch zugleich euer Vater, euer
liebender, stets nachsichtiger Vater, der nur in den Freuden, geistigen Genüssen
und Seligkeiten Seiner Kinder Seine eigenen wieder verherrlicht sieht. [PH.01_027,19] Daher werdet ihr, wenn
es vielleicht euch allen nicht zuteil wird, Mein persönliches Erscheinen auf
dieser Welt mitzuerleben, von dorther, von wo Ich komme, Mich begleiten und
mit Wonne und Zufriedenheit Meine väterlichen Freuden mitgenießen, wozu ihr,
wie es euch euer Bewußtsein sagen wird, ebenfalls euer Scherflein beigetragen
habt. [PH.01_027,20] Dann werdet ihr Mich
und Meine Führungen preisen, wenn ihr klar erkennen werdet, wie die Worte
gemeint waren, welche Ich zu Meinen Jüngern einst sagte; denn ihr werdet Mich
in Meiner ganzen Macht, in Meiner ganzen Liebe, in Meiner ganzen Herrlichkeit
sehen, wie Ich wieder sichtbare Umkleidung wähle, um Meinen gläubigen, schon
längst sich nach Mir sehnenden Schafen der einzige und wahre Hirte zu werden.
Dann wird die Erde materiell dem Bilde der geistigen Welt auf ihr folgen; sie
wird wieder zu einem Paradiese werden, wenn der Seelenfrieden oder das
geistige Eden in allen Herzen seinen Wohnort aufgeschlagen hat. [PH.01_027,21] Diesen Genuß und diese
Feier weiter auszumalen, ist nicht möglich; denn ihr ertraget und begreifet
es nicht, aber daß sie euch vorbehalten ist, das kann Ich euch versichern, –
und Mein Wort trügt nicht. [PH.01_027,22] Jetzt schon bereitet
sich diese Umwandlung geistig auf eurem Weltkörper vor. Inniges Sehnen nach
dem geistigen Frühling hebt die bedrängten Herzen. Es regt sich überall.
Viele wissen nicht, wie ihnen geschieht. Die einen handeln mit, die andern
ohne vorgesetzten Zweck. Alle treibt es zu geistiger Reife; selbst die
größten Materialisten, die verstocktesten Ungläubigen und Gleichgültigen läßt
es nicht in Ruhe. Wie ein Sonnenstrahl, welcher durch eine kleine Öffnung
eines geschlossenen Fensterladens auf einen Schlafenden fällt und ihn
beruhigt, ebenso trifft dieser Liebestrahl, der Meinem Wiederkommen
vorausgeht, alle. Die einen wollen sich seiner Wirkung durch
Verstandesgrübeleien entziehen. Sie schwätzen sich selbst auf einige Zeit
Ruhe ins Herz; aber es hilft nichts. Neue Zweifel, neue ,Warum‘ steigen auf.
Immer wieder regt es sich; es bewegt sie der herrschende Geist, der schon die
ganze Welt in seine Sphäre eingehüllt hat. Vergebens ist es, diesen
Geisteszwang abschütteln zu wollen. Die Verhältnisse und Ereignisse lassen
die Menschen immer mehr fühlen, daß alles, was sie als Endziel, als Zweck
ihres Lebens betrachten, nicht das Ende, nicht das letzte Ziel ist.
Unaufhaltsam drängt es sie vorwärts. In Sturmeseile geht es der Zeit
entgegen, in der Meine Darniederkunft ihnen allen beweisen wird, daß nicht
Weltliches, sondern Geistiges angestrebt werden muß, daß nicht ein kurzes
Erdenleben, sondern die lange Ewigkeit der eigentliche Aufenthalt Meiner von
Mir als Geist geschaffenen Wesen ist. [PH.01_027,23] Unaufhaltsam drängt es
dem Schlußpunkt entgegen, wo Ich, wie einst Meinen Jüngern, Meinen neuen
Auserwählten die gleichen Worte sagen werde: Mein ist die Macht – auf der
Erde, wie im Himmel! Bereitet euch vor, Meine Kinder, wo ihr auch sein möget
– hier oder dort –, dieses Auferstehungsfest der geistigen Menschenwürde mit
Mir zu feiern; denn es ist nicht allein das größte Fest für euch Menschen,
sondern auch das wichtigste für Mein ganzes, großes Geisterreich, in welchem
dieser Schluß der Beweis sein wird, warum Ich einst auf eure kleine Erde herabstieg,
und warum Ich gerade euch unansehnliche und kleine Geschöpfe auf einem in der
Unendlichkeit herumkreisenden Sandkorn auserwählt habe, Meine Kinder zu
werden. [PH.01_027,24] Ich will wieder
beweisen, daß Ich im Kleinsten am größten bin. Wäre Mir nicht alle Macht
gegeben, so könnte Ich es nicht ausführen, wäre aber auch kein Gott, den
diese Macht weit über alles Geschaffene erhebt und selbst dem größten
Engelsgeist unerreichbar ist. [PH.01_027,25] Nehmt diese Worte, ihr
kleinen Kinder des großen Gottes, als Zeichen Seiner Liebe und erinnert euch
Seiner Worte, die Er als Jesus einst sagte: „Wer über Kleines gesetzt, es
pflichtmäßig verwaltet, dem wird einst Großes anvertraut werden.“ [PH.01_027,26] Wie Ich einst bei euch
winzigen Würmern in Meiner großen Schöpfung den größten Liebesakt vollzog, so
sollt auch ihr trachten, eben im Kleinsten, selbst bei sonst unscheinbaren
Vorkommnissen, Meine Liebesgesetze zu befolgen und sie am ehesten und
gewissenhaftesten auszuüben, damit auch ihr im Kleinsten eure größte
Seelenstärke zeigen und bewähren könnt. So seid ihr Meine würdigen Kinder,
die wert sind, einst über Großes gesetzt zu werden, wo ihr dann im Großen
Frieden und Seligkeit verbreiten könnt, wie ihr es nicht unterlassen habt,
sie auf eurer kleinen Erde bei den geringsten Verhältnissen an den Tag zu
legen. [PH.01_027,27] Dies merkt euch wohl!
Weiht auch andere in die Geheimnisse eures Herzens ein, lehrt sie ebenfalls
Mein Evangelium verstehen und begreifen, damit ihr, wie Meine Jünger,
Anspruch haben könnt, einst in Meiner Nähe die ganze Kraft der Liebe zu
genießen, deren ein göttlich-väterliches Herz fähig ist! Amen. 28. Predigt – Am 2. Trinitatissonntage. Das Gleichnis
vom großen Abendmahle. [PH.01_028] Luk.14,16-24: Er aber
sprach: „Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viele dazu.
Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahles, zu sagen den
Geladenen: ,Kommt, denn es ist alles bereit!‘ Und sie fingen an alle nacheinander,
sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: ,Ich habe einen Acker gekauft
und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.‘ Und
der andere sprach: ,Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt
hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.‘ Und der dritte
sprach: ,Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen.‘ Und der
Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und
sprach zu seinem Knechte: ,Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der
Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein!‘ Und der
Knecht sprach: ,Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber
noch Raum da.‘ Und der Herr sprach zu dem Knechte: ,Gehe aus auf die Landstraßen
und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf daß mein Haus voll werde!
Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl
schmecken wird!‘“ 27. März 1872 [PH.01_028,01] Dieses Gleichnis zeigt
euch Mein Streben, die Menschheit für Mich und Meine Lehre zu gewinnen, wie
auch die vorhergehenden Verse in einem Gleichnis sagen, daß Ich nicht
gekommen bin, die Gesunden, sondern die Kranken aufzusuchen und sie zu
heilen. Ferner zeigte Ich in den früheren Versen dieses Kapitels, wie ein
jeder beschaffen sein soll, der sich Mir oder Meinem Tische nähern will, daß
nämlich Bescheidenheit oder Demut die erste Eigenschaft eines Menschen sein
soll, der Mir nachfolgen will. Auch die weiteren Verse dieses Kapitels setzen
klar auseinander, wie derjenige, der Mir nachfolgen will, sein Herz von allem
abwenden und nur Mir untertan sein muß. [PH.01_028,02] Es sollte sich daher
ein jeder fragen, bevor er sich entschließt, Mir zu folgen, ob er auch Kraft
und Ausdauer besitzt, sich stets unter jeglichen Umständen und Verhältnissen
zum Banner Meiner Liebe- und Glaubenslehre zu bekennen und dasselbe zu
verteidigen. Daraus geht hervor – was Ich euch schon oft gesagt habe –, daß
Mir zu folgen, Meine Worte zu vernehmen und auszuüben eine ernste Sache ist,
die nicht leicht genommen werden darf, weil nur die im strengsten Sinne
verantwortlich, also Sünder sind, welche das Gesetz oder Meinen Willen kennen
und doch dagegen fehlen, wenngleich ihnen ihr Gewissen davon abrät. Deswegen
heißt es auch am Schlusse dieses Kapitels: „Wer Ohren hat, der höre!“, was
mit anderen Worten sagen will: Man lasse nicht Meine Worte zum einen Ohr
hinein- und zum andern hinausgehen, sondern nehme das Gehörte wohl in sein
Herz auf, überdenke es und handle danach! [PH.01_028,03] Um nun zum eigentlichen
Gleichnis vom großen Abendmahl zurückzukehren, müssen wir wieder, wie in den
meisten Fällen, mit der Worterklärung anfangen, wollen wir den tieferen Sinn
Meiner Rede klar vor Augen haben. [PH.01_028,04] Ich sagte also: Es gab
jemand ein Abendmahl. Was ist nun unter einem ,Abendmahl‘ zu verstehen? – Das
Wort ist zusammengesetzt aus ,Abend‘ und ,Mahl‘. Es obliegt uns also zuerst,
diese beiden Wörter einzeln näher zu erklären, dann auf die Bedeutung des
zusammengesetzten Wortes und endlich auf seine Anwendung, wie Ich sie im
Gleichnis machte, überzugehen. [PH.01_028,05] ,Abend‘ ist das erste
Wort und bezeichnet den letzten Teil eines Tages, wo die Arbeit aufgehört hat
und man Ruhe und Stärkung in der folgenden Nacht bis zum andern Morgen sucht.
Der Abend ist also eigentlich der Schlußstein alles Wirkens, das während des
ganzen Tages vollbracht wurde. Und wenn der Abend Ruhe und Zufriedenheit
bringen soll, so muß während des Tages natürlich alles das pflichtgemäß
erfüllt worden sein, was man sich beim anbrechenden Morgen vorgenommen hatte,
auszuführen. [PH.01_028,06] Daß der Mensch, welcher
den ganzen Tag geschafft und gearbeitet hat, sich am Abend auch danach sehnt,
seine verbrauchten Kräfte wiederzuerlangen, um am morgigen Tag seinem Lebensberuf
nachzugehen, versteht sich von selbst. Und da der Körper sowohl, als auch
indirekt die Seele durch aufgenommene Nahrung das während des Tages Verbrauchte
zu ersetzen sucht, führt das körperliche und seelische Bedürfnis die meisten
Menschen zu einem Mahl, welches, weil es am Abend eingenommen wird, eben den
Namen ,Abendmahl‘ erhalten hat zum Unterschied vom ,Mittagsmahl‘, welches,
inmitten des Tages eingenommen,
denselben Bedürfnissen entspricht. Es hat aber nicht, wie das Abendmahl, das
Ausruhen und die Wiedergewinnung der verbrauchten Kräfte zur Folge, sondern
ihm folgt wieder nach kurzer Pause tätige Beschäftigung und Anstrengung. Das
Mittagsmahl ist deswegen nur mit einem kleinen Ausruhen auf dem begonnenen
Weg zu vergleichen, während das Abendmahl, als Schluß des Tages, außer zum
Ausruhen auch noch nebenbei zum Überschauen des während des Tages
Vollbrachten anregt, wobei nur demjenigen Ruhe und Zufriedenheit wird,
welcher sich mit dem ruhigen Bewußtsein an den Tisch setzen kann, alles getan
zu haben, was seine Pflicht oder sein Gewissen forderte. [PH.01_028,07] Hiermit hätten wir die
Bedeutung des Abendmahls, gemäß seinem tieferen Sinn, näher bezeichnet, und
wir kommen nun zur zweiten Frage, nämlich warum – wie im Gleichnis angeführt
wird – jemand Gäste zu seinem Abendmahl geladen hat. [PH.01_028,08] Nun, hier ist wieder
die Hauptsache der geistige Sinn dieser Handlung, welcher uns zum Verständnis
dieses Bildes führt, das Ich in diesem Gleichnis Meinen Jüngern und den sonst
Anwesenden ans Herz legen wollte. [PH.01_028,09] Das Einladen anderer,
um ein Mahl mit ihnen zu teilen, beruht auf der wichtigen Tatsache, daß der
Mensch nicht allein Körper, sondern auch Geist ist, und daß, obgleich er oft
nur Körperliches verrichtet, sein Geist und seine Seele dabei nicht
vernachlässigt sein wollen. Es ist dies einer jener tiefen Beweise für die Doppelnatur
des menschlichen Organismus, abgesehen von Meinem Gottesfunken, welchen Ich
in euch gelegt habe. Selbst die Tiere fühlen dieses Bedürfnis des Beisammenlebens
und sind nur im Sich-aneinander-Anschließen, also nur vereint, fröhlich und
zufrieden. [PH.01_028,10] Eure klugen
Materialisten glauben, es sei die ganze Welt nur bewegt und erregt durch
Kraft und bestehe aus Stoff – zwei Dinge, die sie aber selbst nicht recht
erklären können. Sie sollten sich nur einmal bei einem einfachen Mahl selbst
belauschen, dann würden sie leichter als bei allen anderen Forschungen
erfahren, daß der Mensch zwei Seiten hat, aus Materiellem und Geistigem
besteht, wobei das eine nur gedeiht und gesund ist, wenn das andere beteiligt
wird. Sie würden sich überzeugen, daß eine Speise nur dann gedeihlich ist,
wenn sie mit geistiger Nahrung, mit Liebe vermischt ist und so den beiden
Hauptelementen des menschlichen Wesens entspricht. [PH.01_028,11] Dieser unbewußte Drang
der meisten Menschen, auch geistige Nahrung zu sich zu nehmen, ist der Grund,
warum sie ein Mahl in Gesellschaft dem allein zu verzehrenden vorziehen,
warum der Wunsch in jedem sich klar zeigt, auch andere zu einem Mahl
einzuladen, und weshalb schon das Familienleben für die Gesellschaft bei der
Mittags- und Abendtafel sorgt. [PH.01_028,12] Daß auch dieses
Bedürfnis nach fröhlichem Beisammensein ins Extreme ausarten kann, wobei der
Mensch sein geistiges Ich ganz vergißt oder durch Berauschung sogar verliert,
das gehört nicht in unsere Untersuchung, da Ich bloß von Menschen spreche,
deren Geistiges noch die Oberhand über das Körperliche hat. Wir übergehen
also diese beiden oft vorkommenden Fälle, in denen der geistig geschaffene
Mensch, trotz seiner höheren Bestimmung, weit unter das Tier herabsinkt. [PH.01_028,13] Wir sind an dem Punkt
angekommen, wo wir das Abendmahl, sowie den Grund des Einladens erklärt
hätten, und können nun zur näheren Betrachtung des Gleichnisses, wie Ich es
Meinen Jüngern und den Pharisäern gegeben habe, schreiten. [PH.01_028,14] In den vorangegangenen
Versen dieses Kapitels wird euch gezeigt, wie Ich den Pharisäern und
Höhergestellten einen kleinen Wink geben wollte, daß Bescheidenheit und nicht
Stolz die Zierde des Menschen sei. Ich erwähnte da, daß es besser sei, sich
als geladener Gast bei einem Mahle eher an den untersten als an den höchsten
Platz zu begeben, damit einem nicht die Beschämung einer Zurechtweisung
begegne. Ich sagte ihnen: „Wer sich selbst erhöht, soll erniedrigt werden,
und wer sich erniedrigt, soll erhöht werden!“, was mit anderen Worten sagen
will: Gebt nicht eurer Eigenliebe Gehör, um zu erfahren, was für einen
moralisch-geistigen Wert ihr habt, sondern erwartet dieses Urteil von
anderen, von Weiseren und Höhergestellten! So entgeht ihr jeder Zurechtweisung;
denn wer sich auf diese Art selbst richtet, ist auch schon gerichtet. [PH.01_028,15] Wenn Ich ihnen ferner
sagte, daß ein Mensch, wenn er jemand einladet, mit dieser Einladung
möglichst auch einen Akt der Bruderliebe verbinden soll, so tat Ich es, um
ihnen zu zeigen, daß der Mensch bei jeder Handlung, auch bei der geringfügigsten,
seines hohen geistigen Adels eingedenk sein soll. Deswegen sagte Ich ihnen:
Verpflichte nicht andere zur Erwiderung eines Liebesdienstes; denn wurde dir
ein solcher vergolten, so hört die Wirkung deiner guten Tat auf, gleichsam
als hättest du keine getan. Darum handle so – wenn auch Undank dein Lohn sein
sollte –, daß der Empfänger einer Wohltat sie dir nie oder höchstens schwach
vergelten kann! Damit zeigst du, daß du höheren Grundsätzen als bloß
weltlichen Interessen gefolgt bist. [PH.01_028,16] Die Folgen dieser
Einladungen, wie Ich sie im Gleichnis anführte, daß ein jeder geladene Gast
mit Ausreden sich entschuldigte, sollten Meinen Zuhörern zeigen, wie wenig
Dank und Anerkennung man erhält, wenn man Wohltaten und Begünstigungen an
solche austeilt, die ihrer nicht bedürfen. So sah sich der, welcher das
Abendmahl geben wollte, gezwungen, um es nicht umsonst bereitet zu haben,
seinen Knecht nah und fern auf die Straßen zu schicken, um alle Armen, Lahmen
und Durstigen zum Mahl zu sammeln, damit es nicht verlorenginge. [PH.01_028,17] In diesem Falle hat der
Hausherr freilich keinen Akt der Menschen- oder Nächstenliebe ausgeübt – denn
seine ursprüngliche Absicht war es nicht, solche Gäste an dem Tisch zu haben
–; aber die Not zwang ihn zu solchem Schritt. Es hat ihm aber in der Folge
zur Regel gedient, die geistigen Verhältnisse der Menschen mehr zu berücksichtigen
und nicht mehr nach weltlichen Glücksgütern den Wert oder Unwert seines
Nebenmenschen abzuwägen. [PH.01_028,18] Dieses und noch mehr
ließe sich aus diesem Kapitel erklären, da ein jedes Wort aus Meinem Munde
Unendliches enthält. Wir wollen aber damit abbrechen und uns zu der Erklärung
wenden, inwiefern dieses Gleichnis auf die jetzige Zeit oder auf die
Menschheit überhaupt anwendbar ist, damit ihr einen geistigen, bleibenden
Nutzen daraus ziehen könnt. [PH.01_028,19] Das große Abendmahl,
welches Ich der Menschheit gesonnen bin in Bälde zu geben, läßt sich aus
allem Vorhergehenden leicht erklären. Ich lade und habe schon längst die
ganze Menschheit zu diesem Mahl eingeladen, bei dem sie nach getaner Arbeit,
zufrieden mit sich selbst, des vollbrachten Lebenswandels sich freuen soll
und dann, nach der geistigen Ruhe, getrost dem neuen, anbrechenden Morgen
eines nie endenden Tages entgegensehen kann. [PH.01_028,20] Doch wie es dem
Hausherrn im Gleichnis erging, so ergeht es auch Mir. Vor lauter Weltgeschäften
entschuldigen sich die meisten und verschmähen oder scheuen Meine Tafel, auf
der Mein geistiges Himmelsbrot der Liebe, Demut, Sanftmut und des unbedingten
Vertrauens aufgetischt werden soll. Und warum? Weil sie auf ihrem ganzen
Lebenswandel gerade den entgegengesetzten Neigungen gehuldigt haben. [PH.01_028,21] So wird auch Mir nichts
anderes übrigbleiben, als Meine Knechte und Diener, die Mir treu geblieben
sind, in alle Welt hinauszuschicken, um unter den Armen, Krüppelhaften und
Lahmen Tischgäste zu suchen, die auf ihrer Lebensbahn genug Gelegenheit
hatten, wenn nicht Liebe, so doch Duldung und Sanftmut gegen ihre Mitbrüder
auszuüben. Dadurch, daß ihnen weltliche Glücksgüter zum Teil unbekannt waren,
oder daß sie wenig von ihnen genießen konnten, sind sie duldsamer und
leichter zugänglich geworden und genießen die auf Meinem Tisch aufgesetzten
Speisen mit Freuden, da ihnen in ihren körperlichen und seelischen Leiden
dieses Abendmahl, am Ende einer mühsam durchwanderten Lebensbahn, doch
wenigstens das Ende aller ihrer Duldungen und Entbehrungen ist. [PH.01_028,22] Das ,Lahme‘ und
,Krüppelhafte‘ muß auch auf das geistige Seelenleben bezogen werden, da es
doch bei weitem mehr geistige Krüppel gibt als körperliche. Auch ihnen wird
geholfen werden, weil sie – verwahrlost, aber nicht verdorben – die reine,
wahre, geistige Kost eher annehmen werden als jene, die in ihrem Eigendünkel
sich aufgeklärt wähnen und glauben, keiner Belehrung zu bedürfen. Es wird
ihnen bei Meinem Abendmahl ebenso ergehen wie den Juden, zu denen Ich einst,
als sie Meine Worte nicht annehmen wollten, sagte, daß es ihnen entzogen und
den Heiden gegeben werde. [PH.01_028,23] So wird denn das große
Abendmahl vor Meiner Wiederkunft die Würdigen von den Unwürdigen scheiden.
Den einen wird der Weg zu Mir bedeutend verkürzt, während die anderen, auf
lange zurückgewiesen, sich selbst überlassen werden, bis es auch in ihnen
tagt. Erst wenn sie den ganzen Tag fleißig gearbeitet, gekämpft und gelitten
haben, dann erst, nach langen Zeiträumen, ist auch bei ihnen ein Abendmahl
möglich. [PH.01_028,24] Auch jenes Abendmahl,
welches Ich vor Meinem Hingang mit Meinen Jüngern hielt, hatte denselben
Zweck, den die Auslegung dieses Gleichnisses euch sagt. [PH.01_028,25] Während Meines
Erdenwandels lud Ich das ganze Judenvolk, die Heiden und jeden, der Mich
hören wollte, ein; allein die meisten entschuldigten sich, und es blieben Mir
nur die Schwachen und Verwahrlosten übrig, die – obwohl nicht mit Glücks-, so
doch mit vielen Geistesgütern gesegnet – eher reif waren, Mein Brot, Meine
Lehre in alle Welt auszutragen. [PH.01_028,26] So seid auch ihr jetzt
in den gleichen Verhältnissen. Noch hat kein Richter, kein Hochgestellter
sich gemeldet, an Meine Tafel zu treten, auf der Ich ihm die Speisen einer
großen Geisteswelt auftischen könnte. Sie wenden sich alle weg von Mir, und
nur jene Hartgeprüften und von der Welt halb Verlassenen sind es, die Meinem
Wort Gehör geben. Aus denen werde Ich auch Meine Arbeiterschar bilden, die
für Mich auf den Landstraßen und hinter den Hecken die noch in stärkerem Grad
Krüppelhaften und Bedürftigen suchen soll. Solche sind am leichtesten fürs
Himmelreich zu gewinnen. Sie sind am leichtesten zu einem kindlichen Sinne
und zum Vertrauen auf Mich zu führen, weil in ihnen während ihres Lebens nie
der stolze Mannessinn erwacht ist, der gewöhnlich bei jenen zu finden ist,
die durch Güter der Welt eine Stellung erhalten haben, in der sie glauben,
das Geistige entweder verleugnen oder ganz entbehren zu können. [PH.01_028,27] Nehmt auch ihr dieses
Beispiel und Gleichnis aus Meinen Lehrjahren als Fingerzeig dafür, daß ihr
erstens jeder Handlung einen geistigen Stempel aufdrücken sollt, und
zweitens, daß ihr nur durch Liebe, Sanftmut und Geduld wieder Liebe, Zu- und
Vertrauen erwecken könnt! Trachtet danach, daß Ruhe und Zufriedenheit euer
Mahl würze und ihr nicht mit Angst und Bangen dem großen, heranbrechenden
Morgen des ewigen Liebereiches entgegensehet, wenn euer Lebenstag abgelaufen
ist und ihr euch zur Rechenschaft begebt! Handelt also alle Tage so, als
müßtet ihr heute von dieser Erde scheiden! Zieht euer Gewissen jeden Abend
zur Rechenschaft und fragt euch: „Wäre ich bereit, wenn jetzt der Herr, mein
Gott, mich zum Abendmahl laden würde?“ – Nur so könnt ihr, alle Tage etwas
verbessernd, langsam aber sicher euer Seelenhaus ausbauen, damit es dem Äußern
wie dem Innern gemäß das Haus einer von Mir durch Meinen göttlichen Funken
geadelten Seele werde, welche einst wert sein wird und mit Recht Anspruch
darauf hat, Mein Kind, ein Kind des Herrn der ganzen Schöpfung, genannt zu
werden. [PH.01_028,28] So seht ihr jetzt, wie
Ich euch helfe, durch jeden Text, durch jeden Vers euer Inneres zu
vergeistigen und zu veredeln, damit ihr, vorerst selbst als Werkzeug tüchtig,
Mir einst dienen könnt – und zwar mit Erfolg – zu der hohen Aufgabe, die Ich
mit euch im Auge hatte, als Ich es zuließ, daß ihr, aus so vielen bevorzugt,
die Gnade genießt, von Mir durch direkte Mitteilungen für Meinen Zweck und
fürs große Geisterreich erzogen zu werden. [PH.01_028,29] Merkt euch dieses! Ich
kann es euch nicht oft genug wiederholen: Harret aus! Das Ende wird euch
belehren, daß Meine Worte nicht Worte der Vergänglichkeit, sondern Worte der
Ewigkeit sind, wie Ich selbst ewig war, bin und sein werde! Amen. 29. Predigt – Am 3. Trinitatissonntage. Vom verlorenen
Schafe. [PH.01_029] Luk.15,3-32: Er sagte aber
zu ihnen dies Gleichnis und sprach: „Welcher Mensch ist unter euch, der
hundert Schafe hat, und wenn er deren eines verliert, der nicht lasse die
neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlornen, bis daß er's
finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit
Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn und
spricht zu ihnen: ,Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden,
das verloren war!‘ Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen
Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht
bedürfen. [PH.01_029] Oder welches Weib ist, die
zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde
und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie
ihn gefunden hat, ruft sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen und spricht:
,Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren
hatte!‘ Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über
einen Sünder, der Buße tut.“ [PH.01_029] Und er sprach: „Ein Mensch
hatte zwei Söhne. Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: ,Gib mir,
Vater, das Teil der Güter, das mir gehört!‘ Und er teilte ihnen das Gut. Und
nicht lange danach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne
über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun all das
Seine verzehret hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbige ganze Land,
und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger des
Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte,
seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie
ihm. Da schlug er in sich und sprach: ,Wieviel Taglöhner hat mein Vater, die
Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und
zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den
Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße;
mache mich zu einem deiner Taglöhner!‘ Und er machte sich auf und kam zu
seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und
es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. Der Sohn
aber sprach zu ihm: ,Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir;
ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.‘ Aber der Vater
sprach zu seinen Knechten: ,Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an,
und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und
bringet ein gemästetes Kalb her und schlachtet's! Lasset uns essen und
fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden;
er war verloren und ist gefunden worden.‘ Und sie fingen an fröhlich zu sein.
Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte
er das Gesänge und den Reigen. Und er rief zu sich der Knechte einen und
fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: ,Dein Bruder ist gekommen, und dein
Vater hat ein gemästetes Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat.‘ Da
ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und
bat ihn. Er aber antwortete und sprach zum Vater: ,Siehe, so viel Jahre diene
ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen
Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein
Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein
gemästetes Kalb geschlachtet.‘ Er aber sprach zu ihm: ,Mein Sohn, du bist
allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber
fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder
lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden!“ 30. März 1872 [PH.01_029,01] Dieses ganze Kapitel
Meines Evangelisten Lukas handelt vom Verlorenen und von der Freude des
Wiederfindens. [PH.01_029,02] Es wurde den anwesenden
Schriftgelehrten und Pharisäern in drei Gleichnissen erläutert, warum Ich
nicht die Gesunden, sondern die Kranken, nicht die Guten und Gerechten,
sondern die Sünder aufsuchte. [PH.01_029,03] Um auch diese
Gleichnisse im wahren Sinn aufzufassen, müssen wir – wie bei den meisten
Texten – die wichtigsten Worte in denselben etwas näher erklären; denn obwohl
ihr eine Sprache habt und euch ihrer Worte zum Ausdruck eurer Gedanken
bedient, so muß Ich euch offen sagen, daß ihr von allen gebrauchten Worten
die tiefe Bedeutung nicht versteht. Und so muß Ich sowohl als Belehrer und Erklärer
Meines Evangeliums, wie auch als Sprachlehrer bei euch auftreten. [PH.01_029,04] Hier in diesen drei
Gleichnissen – vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und vom
verlorenen Sohn – ist zu erklären: [PH.01_029,05] Erstens: Was heißt
,verloren‘? [PH.01_029,06] Zweitens: Warum sehnt
man sich so sehr danach, das Verlorene wiederzufinden? [PH.01_029,07] Und drittens: Warum hat
man eine solch außerordentliche Freude über das Wiedergefundene, eine Freude,
die oft bei weitem größer ist als die über das vielleicht Wertvollere und
Wichtigere, das man noch im Besitz hat? [PH.01_029,08] Seht, diese drei Fragen
müssen zuerst erörtert werden, ehe wir zur geistigen Erklärung und zur
geistigen Anwendung auf euch, auf das ganze Menschengeschlecht, ja auf die
ganze sichtbare Schöpfung schreiten können; denn wenn man um etwas fragt, so
muß man erst genau und klar die Bedeutung der Frage und deren Wert kennen,
indem dadurch die Antwort schon halb gegeben ist. [PH.01_029,09] So wollen wir nun
systematisch mit der ersten Frage beginnen, welche heißt: [PH.01_029,10] Was bedeutet das Wort
,verloren‘? [PH.01_029,11] Seht, dieses Wort
bezeichnet den Gedanken, welcher denjenigen überkommt, der etwas ihm
Gehörendes oder Wertes, sei es eine Person oder eine Sache, seinem
Wirkungskreise entrückt sieht und nicht mehr einen Gebrauch davon machen oder
einen Genuß davon haben kann! Verloren ist jedes Ding, welches einer andern
Bestimmung, einer andern Richtung als der ihm zugewiesenen gefolgt ist. [PH.01_029,12] Wenn nun diese
Bedeutung so tief in das Seelenleben des Menschen eingreifen kann, so
entsteht daraus die zweite oben angeführte Frage, welche heißt: [PH.01_029,13] Warum sehnt sich der
Mensch so sehr nach dem Verlorenen? [PH.01_029,14] Die Antwort darauf
lautet: Weil die Seelenruhe des Menschen durch den Verlust gestört worden ist
und der Mensch sich danach sehnt, das Gleichgewicht wiederzuerlangen. So hat
das Verlorene für den Besitzer eigentlich einen geistigen Wert, der oft bei
weitem größer ist als der materielle Wert desselben. [PH.01_029,15] Der Mensch sehnt sich
also danach, das Verlorene wieder in seinen Besitz, in seine Wirkungssphäre
zu ziehen. Er wird sich beim Fund freuen, weil das Mangelnde wieder an seinen
früheren Platz und an seine Stelle gelangt und er es wieder der Bestimmung
zuführen kann, welche er für die beste erachtet hatte. [PH.01_029,16] Aus diesem Sehnen
entsteht der Eifer des Suchens oder die Anwendung aller möglichen Mittel, um
sich wieder in den Besitz des Verlorenen zu setzen, eine Tätigkeit, welche
oft mit Mühseligkeiten und Anstrengungen verbunden ist, daraus sich dann von
selbst die dritte Frage löst, welche heißt: [PH.01_029,17] Warum freut man sich
des Wiedergefundenen mehr als dessen, was man schon im Besitz hat? Das läßt
sich leicht erklären. Weil nämlich das Wiederfinden, resp. das Suchen, Mühe
kostet und diese Anstrengung durch den Erfolg des Findens belohnt wurde! [PH.01_029,18] Da nun aber eine Freude
– welche auch immer – erst dann zur rechten Freude wird, wenn man sie mit
anderen teilen kann, so sind eben diese angeführten Gleichnisse auch deshalb
beachtenswert, weil sie auch diesen Seelengenuß nicht vergessen, sondern ihn
mit erwähnen. Ebenso ist in diesen drei Gleichnissen, die Ich aus
verschiedenen Lebensverhältnissen wählte, auch der Schmerz über etwas Verlorenes
jedem Bild entsprechend ausgedrückt. [PH.01_029,19] Voran geht der
Vergleich mit einem Hirten, der ein verlorenes Schaf sucht. Dieses Gleichnis
wendet sich gegen den Einwurf, daß Ich die Gesellschaft der in den Augen der
Schriftgelehrten und Pharisäer mit Sünden behafteten Leute aufsuchte. [PH.01_029,20] Was ist ein Hirte? [PH.01_029,21] Seht, ein Hirte ist ein
Mensch, dem eine gewisse Anzahl von Tieren anvertraut ist, die er auf die
rechten Weideplätze führen und im Notfall vor allen Gefahren schützen soll.
Der Hirte ist eben wegen dieses Auftrags seinem Herrn verantwortlich, daß
keines seiner ihm anvertrauten Tiere Schaden leide, und daß sie stets
genügend Futter haben, wozu der Hirte die geeigneten Plätze auszuwählen hat. [PH.01_029,22] Wenn Ich mit Sündern aß
und auf diese Weise bewies, daß Ich eben die Kranken gegenüber den Gesunden,
die keines geistigen Arztes bedurften, bevorzugte, so war gerade dieses Gleichnis
vom verlorenen Schafe am besten geeignet, Meinen Jüngern den Grund Meines
Verhaltens einleuchtend zu machen; denn ein verlorenes, verirrtes Schaf ist –
bildlich gesprochen – ebenfalls wie ein nichtbekehrter, nicht geistig
geführter oder kranker Mensch. [PH.01_029,23] Wie ein verirrtes Schaf
Unglücksfällen ausgesetzt ist, Raubtieren zur Beute fallen oder in Abgründe
stürzen kann, welche Gefahren zu beurteilen es oft nicht imstande ist, ebenso
läuft ein verirrter, geistig kranker Mensch, der – von der Welt verführt –
von seiner geistigen Bestimmung nichts weiß, Gefahr, seine eigentliche
Bestimmung als Glied eines zukünftigen, ewigen Reiches ganz zu verfehlen, um
erst nach langen Zeiträumen durch große Leiden und bittere Erfahrungen dahin
zu gelangen, wohin Ich ihn auf dem kürzesten Wege führen wollte. [PH.01_029,24] Ich sagte: Der Hirt ist
verpflichtet, seine Schafe auf gute Weideplätze zu führen, und dies war ja
auch Meine Pflicht, als Ich es unternahm, die Menschen von den Abwegen, auf
welchen sie sorglos wandelten, wieder auf den wahren Lebenspfad, zu ihrer
eigentlichen geistigen Bestimmung zurückzuführen. [PH.01_029,25] Das Beispiel vom Hirten
führte Ich deswegen an, weil es erstens den Menschen in jener Zeit am
leichtesten begreiflich war, und weil es Meinem Berufe als Menschensohn am
besten glich, indem Ich, die auf Erden herabgestiegene Weisheit, Meinem Vater
die verlorenen Kinder, wie verlaufene Schafe eines Hirten, wieder zurückzubringen
suchte. [PH.01_029,26] Wie die Freude eines
Hirten groß ist, der nach langem Suchen und Umherirren sein verlorenes Schaf,
das ihm anvertraute Gut, wiederfindet, so ist auch Meine Freude groß über
eine wiedergefundene Seele. [PH.01_029,27] Um diesen Vergleich
aber noch deutlicher zu machen, so wählte Ich das zweite Gleichnis, welches
von einem Weibe erzählt, das einen Groschen verlor und alles aussuchte, um ihn
wiederzufinden. [PH.01_029,28] Ich wußte wohl, welchen
Wert die Pharisäer und Gelehrten aufs Geld legten, und so war dies emsige
Suchen des Weibes – eben ihrer eigenen Denksphäre entnommen – ihnen leicht
begreiflich. Man kann ja auch um eine kleine Münze besorgt sein und so lange
suchen, bis sie gefunden ist! [PH.01_029,29] Ich folgte noch anderen
Gründen, als Ich ihnen das Gleichnis vom verlorenen Schaf als seelischem
Wesen zuerst, dann den Verlust materiellen Gutes von vermeintlichem Wert und
endlich den Verlust der geistigen Würde im verlorenen Sohn zuletzt vortrug.
Ich wollte ihnen damit sagen, daß seelische Verluste leicht, materielle
schwerer und geistige am schwersten zu ersetzen sind. [PH.01_029,30] Denn bei ersteren kann
durch Umstände und Verhältnisse der Verirrte von seinen falschen Ansichten
abgebracht werden, worauf er wieder den rechten Weg zu gehen anfängt.
Materielle Verluste aber üben gewöhnlich einen solch starken Druck auf die
Seele aus, daß sie im Vertrauen zu Mir wankt, ja ganz verzweifelt und wegen
des gewohnten Lebens alles mögliche aufbietet, um die weltlichen Genüsse
wiederzuerlangen. Das von Mir erwähnte Weib hätte sich mit den übrigen neun
Groschen zufriedenstellen können; allein, der verlorene Groschen war ihr so
ans Herz gewachsen, daß sie lieber alles durchstöberte, um ihn zu finden. [PH.01_029,31] Daß Ich auch bei diesem
Gleichnis nicht den materiellen Hergang, sondern nur das Geistige im Auge
hatte, ist natürlich. Deshalb sagte Ich auch bei der Wiederfindung des
verlorenen Groschens, als das Weib den Fund allen Nachbarinnen und
Freundinnen mitteilte, daß im Himmel eine ebensolche Freude sein werde über
einen Sünder, der Buße tut, d.h. über eine vom Untergang gerettete Seele. [PH.01_029,32] Was das dritte
Gleichnis, das vom verlorenen Sohn, betrifft, so hatte Ich Meine Zuhörer nun
schon so weit in den Bereich Meiner geistigen Auffassung gezogen, daß Ich
ihnen als größtes und letztes Beispiel eine Erzählung geben konnte, in welcher
es sich nicht um materiellen Verlust, sondern um den Verlust der geistigen
Würde eines Menschen handelt, welcher, uneingedenk seines eigenen Wertes, nur
der Welt und ihren Genüssen fröhnt, alle anderen Bande, die ihn an Haus und
Familie knüpften, zerreißt und in die Welt hinausstürmt, allen Leidenschaften
die Zügel lassend, bis er, ermattet und geistig vernichtet, im größten
Unglück erst die Tiefe des Abgrundes erkennt, in den er sich freiwillig
stürzte. [PH.01_029,33] Im ersten Beispiel war
es ein Hirte, der ein tief unter ihm stehendes Wesen, ein Schaf, vom
Verderben rettete, indem er es wieder zu den Seinen brachte. Im zweiten Fall
war es ein Weib, welches, ihr materielles Gut wiederfindend, sich glücklich
schätzte. In beiden Fällen ist nur Weltliches als Beispiel benützt. Im
dritten Gleichnis kommt aber zu all diesen möglichen Verlusten noch die
Vaterliebe hinzu, die einen noch größeren und wertvolleren Verlust erleidet.
Dieses Gleichnis war in bezug auf Mich, als den Vater aller Kreaturen, am
ehesten anwendbar, weil in ihm die Reue einer verlorenen Seele auf der einen
Seite und die nie versiegende Barmliebe eines liebenden Vaters mit all ihren
Folgen auf der andern Seite bildlich dargestellt ist. [PH.01_029,34] Das Beispiel vom
verlorenen Sohn war, dem menschlichen Leben entnommen, das allerwichtigste,
weil Ich darin Meinen Zuhörern neben den Banden der Familie zeigte, wie ein
Vater sein sollte, und wie es leider bei ihnen die wenigsten waren. Ich
wollte ihnen an der Freude des Vaters über den zurückgekehrten Sohn zeigen,
wie groß erst die Freude bei dem Schöpfer aller Wesen sein werde, wenn Er die
Menschen, die Er frei in die Welt hinausstellte, dann freiwillig wieder zu
sich zurückkehren sieht. Daß über einen solchen Zurückkehrenden die Freude in
Meiner Geisterwelt noch größer ist als im Familienleben bei der Heimkehr
eines längst vermißten Familiengliedes, konnte Ich ihnen in diesem Gleichnis
dadurch begreiflich und verständlich machen, daß Ich bildlich von dem Feste
sprach, das der Vater zur Wiederkehr seines schon längst tot geglaubten
Sohnes anordnete. [PH.01_029,35] So waren diese
Gleichnisse drei Bilder aus dem Menschenleben, welche nicht nur in jenen
Zeiten zu finden waren, sondern sich stets wiederholen und auch bei euch zu
finden sind. [PH.01_029,36] Um die verlorenen
Schafe und Söhne wieder zu retten, die ersteren selbst heimzuführen und die
letzteren zur freiwilligen Umkehr zu bewegen, scheue Ich keine Mühe.
Mahnungen, Bedrängnisse aller Art, Krankheiten und Todesfälle sollen ihnen
fortwährend vor Augen halten, daß es noch eine andere Welt als die eben
sichtbare gibt. Nichts unterlasse Ich, und selbst die gesamte Schöpfung ist
ja ein Beispiel dafür, auf welche Weise der verlorene Sohn nach und nach zu
mir, seinem Schöpfer und Vater, wieder zurückkehren muß. Schon seit Äonen
Zeiträumen, geht dieser Prozeß auf anderen Welten vor sich. Auf dieser eurer
Erde naht er sich bald einem Abschlusse. Dadurch wird ein großer Schritt
vollendet sein, damit das gebundene Geistige sich leichter und schneller
entwickeln kann, um zu der Bestimmung zu gelangen, zu welcher Ich diesen
Erdball und seine Bewohner auserwählt habe. [PH.01_029,37] Alles im ganzen
Universum muß sich vergeistigen, muß aufwärtsschreiten; aber ihr Menschen,
deretwegen Ich selbst zur Erde kam, habt eine größere Mission als Millionen
anderer Geister auf anderen Welten vor euch; denn nicht ohne Grund und Zweck
wählte Ich eure Erde und auf ihr Meine eigene Demütigung als Beispiel für
Mein ganzes Geisterreich. [PH.01_029,38] Deswegen seid ihr auch
alle hier mehr von Versuchungen umgeben, weil der Preis eurer künftigen
Existenz ein größerer ist als der vieler, auf anderen Welten lebender Wesen,
welche langsam ihren Läuterungs- und Verwandlungsprozeß durchmachen, während
ihr, mit dem großen Licht Meines Worts und Meines Beispiels ausgerüstet, bei
starkem Willen in kurzer Zeit dahin kommen könnt, wohin andere Wesen erst
nach undenklichen Zeiträumen gelangen. Hier auf dieser kleinen Erde muß der
Vergeistigungsprozeß schneller vor sich gehen. Es sind nun alle Mittel vorhanden
und alle Anordnungen getroffen, daß die Menschen, so wie sie sich selbst,
ihre Seele und durch sie ihren Körper vergeistigen, auch rückwirkend die in
finsterer Materie gebundenen Geister zum schnelleren Fortschreiten antreiben;
denn für grob gebaute Seelen ist eine grobe, starre Materie, für feinere,
geistig entwickelte Wesen auch eine leichtere Unterlage nötig. So wie sich
also die Menschheit vergeistigt, so folgt ihr Schritt für Schritt auch ihre
Welt nach, die ihr als Wohnort angewiesen ist. [PH.01_029,39] Daher beeilt euch, zu
diesem Vergeistigungsprozeß euer Möglichstes beizutragen! Fangt bei euch
selbst an; denn je mehr ihr selbst das Weltliche entbehren könnt, desto mehr
vergeistigt sich euer Inneres! Dieses leuchtet endlich durch die äußere Form
hindurch und bildet damit eine Abspiegelung des inneren Gehaltes. [PH.01_029,40] Dieses Fortschreiten,
je mehr es sich vorerst bei einzelnen, später bei vielen kundgibt, wird die
große Lösung Meiner geistigen Frage herbeiführen, wo Ich dann, als der eine
Hirte, euch alle als Meine Schafe auf den fetten Triften des Himmelslichtes
alles Geistige empfangen lassen werde, das ein liebender Vater euch seit
Äonen von Zeiten vorbereitet hat. [PH.01_029,41] Sorgt daher, diesem
Zweck soviel als möglich nachzukommen! Gedenkt der Freude der Geister und
Wesen, die an eurem Schicksal Anteil nehmen! Und wenngleich Leiden und Kämpfe
aller Art dieses Fortschreiten begleiten müssen, so ist doch das Endziel
aller dieser Mühen wert. Die eigene Freude, alle Mühen überstanden zu haben,
die Freude der mit euch Jubelnden im Jenseits, die Belohnung mit Meiner
ewigen Vaterliebe und die ewig dauernde Steigerung von Seligkeit zu
Seligkeit, von Genuß zu Genuß, werden euch die leichten Unbilden eines kurzen
Probelebens vergessen machen. [PH.01_029,42] Daher folgt dem Hirten
und verirrt euch nicht wieder auf andere Wege, nachdem Er sich so viele Mühe
gegeben hat, euch den rechten Weg zum ewigen Leben und zu Seiner Kindschaft
zu zeigen! Amen. 30. Predigt – Am 4. Trinitatissonntage. Der reiche Fischzug. [PH.01_030] Luk.5,1-11: Es begab sich
aber, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes (und er stand
am See Genezareth und sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren
ausgetreten und wuschen ihre Netze), da trat er in der Schiffe eines, welches
Simons war, und bat ihn, daß er's ein wenig vom Lande führte. Und er setzte
sich und lehrte das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehört zu
reden, sprach er zu Simon: „Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß
ihr einen Zug tut!“ Und Simon antwortete und sprach zu ihm: „Meister, wir haben
die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich
das Netz auswerfen.“ Und da sie das taten, beschlossen sie eine große Menge
Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern
Schiffe waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und
füllten beide Schiffe voll, also daß sie sanken. Da das Simon Petrus sah,
fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: „Herr, gehe von mir hinaus! Ich bin
ein sündiger Mensch.“ Denn es war ihn ein Schrecken ankommen und alle, die
mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander getan hatten,
desgleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons
Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: „Fürchte dich nicht; denn von nun an
wirst du Menschen fangen!“ Und sie führten die Schiffe zu Land und verließen
alles und folgten ihm nach. 1. April 1872 [PH.01_030,01] In diesem Kapitel
handelt es sich nicht um Gleichnisse und Bilder, in denen viel Geistiges
verborgen liegt, sondern Lukas erzählt euch von der Gewinnung eines Meiner
eifrigsten Jünger, des Petrus, früher Simon genannt, und seiner Mitarbeiter
Jakobus und Johannes, der Söhne des Zebedäus. Lukas erzählt euch, wie Ich den
Fischer Simon dadurch für Mich gewann, daß Ich ihm zeigte, daß, wer festes
Vertrauen zu Mir hat, nie in seinen Hoffnungen betrogen wird, vorausgesetzt,
daß seine Wünsche auch in Meinen Augen als billig und gerecht angesehen werden
und den geistigen Fortschritt bezwecken wollen. [PH.01_030,02] Das Auswerfen des
Netzes durch Simon, trotz seiner Überzeugung, daß es vergeblich sein werde,
und der reiche Fischfang haben zweierlei Bedeutung. Erstens bewies es dem
Fischer, daß Meine Macht größer als die obwaltenden Umstände war, und
zweitens zeigte es ihm, daß sein Vertrauen auf Mich nicht unbelohnt blieb.
Als hierauf Petrus den Unterschied zwischen Mir und sich erkannte, rief er bittend
aus: „Herr, gehe von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!“, und Ich, seinen
künftigen Beruf wohl vorauswissend, antwortete ihm: „Fürchte dich nicht! Von
nun an wirst du Menschen fangen!“ [PH.01_030,03] Daß Ich beinahe alle
Meine Jünger aus dem Fischerstand wählte, hatte seinen guten, geistigen Grund
darin, daß ihre Arbeit auf dem beweglichen Element, dem Wasser, und die damit
verbundenen Gefahren sie mehr an eine Gottes-, an eine Vorsehungslehre band
und sie deswegen religiöser, frömmer und auch vermöge ihrer Hauptnahrung, der
Fische, friedlicher gesinnt waren als andere, fleischessende Menschen. [PH.01_030,04] Ich lenkte die Umstände
gewöhnlich so, daß sie, ohne Meine Absicht zu merken und Meinen Einfluß zu
fühlen, selbst zu Mir kamen und Mir nachfolgten. Dieses war auch hier wieder
der Fall. Ich wollte durch ein Wunder – nach eurer Denkungsart – ihre Herzen
gewinnen und sie zu dem großen Schritt bewegen, alles im Stich zu lassen und
Mir allein nachzufolgen, was nicht so leicht war, wie ihr vielleicht glaubt.
Ich mußte diese Bedingung stellen; denn in jenen Zeiten, und gemäß dem
künftigen Lehrberuf Meiner Jünger, war Mir nachzufolgen und gleichzeitig der
Welt oder seiner Familie anzugehören eine Unmöglichkeit. [PH.01_030,05] Heutzutage habe Ich
nicht mehr nötig, Meinen Nachfolgern solch harte Bedingungen aufzuerlegen,
weil die Verhältnisse anders sind; und würde Ich solches verlangen, so würde
die Zahl Meiner Nachfolger sehr gering ausfallen. Denn bei einem so bequemen,
schon von Jugend an gewöhnten Familienleben und bei solch häuslichen
Verhältnissen würde es den meisten, welche sich jetzt so begeistert für Meine
Lehre zeigen, eine Unmöglichkeit sein, alles zu verlassen und Mir nachzufolgen,
wie es einst Meine Jünger taten. [PH.01_030,06] Auch unter euch, die
ihr euch für Mich und Meine Lehre so begeistert wähnt, würden wenige die
Charakterstärke besitzen, Mir zuliebe diesen Schritt zu tun, auch wenn sie
Mich, wie einst Meine Apostel, sichtbar in ihrer Mitte leben und wirken sehen
würden. Ich habe solche Mittel jetzt nicht mehr nötig und weiß wohl auch auf
anderen Wegen ebenso Meinen Zweck zu erreichen wie einst unter jenen Voraussetzungen,
deren Erfüllung Meine Nachfolger erst zu Meinen Jüngern machte. [PH.01_030,07] Jetzt verlange Ich von
euch und allen, welche Mir nachfolgen wollen, die Eigenschaften des Petrus,
nämlich sein unbegrenztes Vertrauen auf Mich und die klare Erkenntnis seiner
eigenen Unwürdigkeit. Weil er glaubte, er sei nicht würdig, in Meiner Nähe zu
bleiben und zu leben, diese freiwillige Erniedrigung vor Mir hat den Fischer
Simon zum Fels, zum ,Petrus‘ gemacht, auf welchen Ich Meine Kirche bauen
will, die Himmel und Erde nie zerstören werden. Sein festes Vertrauen auf
Mich, schon bei der ersten Begegnung, verstärkte sich noch fernerhin und ward
zum Fels wie sein Glaube. [PH.01_030,08] Wenn Ich also diesen
Text als Wort an euch und die gesamte gläubige Menschheit richte, so wählte
Ich ihn deshalb, damit Ich euch als Beispiel den Mann vor Augen führen kann,
dem ihr vor allem nachfolgen sollt. [PH.01_030,09] Auch Johannes, als
personifizierte Liebe, ist ein Leitstern erster Größe am geistigen Himmel;
aber um ihm ähnlich zu werden und seinen Beinamen ,Mein Liebling‘ zu
verdienen, müßt ihr vorerst durch die Schule Petri gehen, und diese Schule
ist für euch die Welt mit ihren Versuchungen. [PH.01_030,10] Zwischen den Klippen
der Welt, da alle möglichen Verhältnisse und Ereignisse dazu beitragen,
gerade das als schön, angenehm und besonders wichtig zu finden, was nur von
außen glänzt, aber keine Beständigkeit, sondern Verwesung in sich birgt,
gerade inmitten dieser Versuchungen muß sich vorerst euer Glaube und euer
Vertrauen stärken. Gerade da könnt ihr am besten sehen, wie gebrechlich ihr
seid, und auf welch schwachen Füßen eure eigene moralische Kraft steht.
Mitten in dem Weltgetriebe sind es diese zwei Hauptsektoren, die ihr stets im
Auge haben müßt: Meine Allmacht und eure Ohnmacht! Sonst ist es unmöglich,
zur Ruhe des Johannes zu gelangen, der nur Liebe und kindliche, innige
Verehrung für Mich fühlte. [PH.01_030,11] Diese zarten Regungen,
dieses Hingeben in Meine Hände, dieses Leben nur für das Geistige ist den
Menschen und auch Meinen Anhängern in jetzigen Weltverhältnissen nicht so
leicht möglich und nicht so leicht ausführbar, da der Verfall der Welt und
sein Eindringen ins geistige Leben der Menschen zu mächtig ist, als daß sich
jemand gänzlich von ihm befreien könnte. [PH.01_030,12] Eure Aufgabe und die
Meiner jetzigen und künftigen Anhänger und Nachfolger ist daher, vorerst das
innere, geistige Ich – wie Petrus – auf das Vertrauen zu Mir und auf den
festen Glauben zu stützen, daß Ich niemand verlassen werde, so drängend die
Umstände sich auch gestalten sollten, die auf andere Wege als zu Mir
hinzuführen scheinen. [PH.01_030,13] Was Ich als Sohn und
Vater, als Weisheit und Liebe, in der Schöpfung geistig bin, das stellten
Petrus und Johannes als Meine Jünger vor. Petrus war die der Welt gegenüber
zu beachtende Klugheit und Johannes die trotz alles Falschen in der Welt nie
schwindende Herzensgüte, von welchen Eigenschaften die erstere Meiner
Weisheit und die letztere Meiner Liebe entspricht. [PH.01_030,14] So sollt auch ihr
danach trachten, jene Worte, die Ich zu Meinen Jüngern sagte, geistig
aufzufassen: „Seid listig wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben!“
Denn die List der Schlange bedeutet in geistiger Entsprechung die
Weltklugheit, und die Einfalt der friedlichen Taube bezeichnet die nichts
Arges, nichts Schlechtes denkende und ausübende Tugend. [PH.01_030,15] So sehet ihr, wie in
den Worten, Werken und Wundern eures Jesus während Seiner Lehrjahre alles
geistigen Ursprungs ist und alles eine geistige Bedeutung besitzt. Es genügt,
daß man mit Geistesaugen die innere Bedeutung der Ereignisse erwägt, so daß
der dichte Schleier der Unverständlichkeit sich nach und nach lüftet und
reine, lichte Wahrheit da erscheint, wo man vorher nur mystische, unzusammenhängende
Worte gelesen hatte. So wie die Natur dem Wiedergeborenen, dem geistig Fortgeschrittenen
ein lebendiges Buch wird, aus dem er nicht nur Vorteile fürs weltliche Leben
herausliest, sondern in welchem er Mahnungen und geistige Winke für die sich
danach sehnende Seele aufgezeichnet findet, ebenso ist Mein euch
hinterlassenes Buch, die Bibel, eine ewige Fundgrube, in der die einzigen herrlichsten
Wahrheiten verborgen liegen, welche Ich jenen vorbehalten habe, die, durch
Petri Schule gegangen, bei der Liebe Johannis angelangt sind. [PH.01_030,16] Daher befleißigt auch
ihr euch, mitten zwischen Dornen dahinwandelnd, doch unverletzten Fußes, euer
Ziel zu erreichen, welches am Ende aller Versuchungen und Kämpfe die
unbegrenzte Liebe ist, die bildlich in allem Geschaffenen und geistig in
Meiner eigenen Nähe das Vertrauen und den Glauben, welche ihr während eures
Lebenslaufes gezeigt habt, reichlich belohnen wird. [PH.01_030,17] Erinnert euch Meines
Mahnrufes an Petrus vor Meiner Gefangennahme, als Ich diesen sich jetzt stark
Glaubenden durch Meine Vorhersage: „Ehe der Hahn kräht, wirst du Mich dreimal
verleugnen!“ an seine menschliche, schwache Natur erinnerte, die er einst
dort im Schiff bekannte, als er ausrief: „Gehe hinweg von mir, o Herr; denn
ich bin ein sündiger Mensch!“ Im Garten am Ölberg zeigte er sich stark,
schlug mit dem Schwert drein, war voll des Glaubens, des Vertrauens, und kurz
danach – seht die schwache menschliche Natur – verleugnete er Mich aus Furcht
dreimal! [PH.01_030,18] Deswegen gebt auch ihr
euch nicht dem Wahne hin, als wäret ihr schon die Auserwählten, die
Unfehlbaren! Vertraut auf Mich und nicht auf eure eigene Stärke; denn ein
leichter geistiger Windstoß genügt oft, und das ganze Gebäude geistigen
Selbstbewußtseins und moralischer Stärke liegt danieder, zusammengeworfen wie
ein von Kindern errichtetes Kartenhaus, und ihr habt dann das gleiche
Resultat an euch selbst erfahren, das der Fels Petrus in Meiner Nähe erlebte,
daß ohne Mich nichts, mit Mir aber alles ausführbar ist! [PH.01_030,19] So soll auch dieser
Text bei einem großen Fischzug anfangend, mit dem kleinen, aber wichtigen
Resultat endigen: Wenn ihr, gleichwie Simon, bestimmt seid, nicht Fische,
sondern Menschen in Mein Glaubensnetz zu ziehen, so müßt ihr zuerst bei euch
selbst anfangen und nie außer acht lassen, daß nicht Worte, sondern Taten,
ausgeübt im edelsten Sinne, es sind, welche die Nächsten, eure Brüder und
Schwestern, in Meine Hände führen. [PH.01_030,20] Aber bevor dieses
möglich ist, müßt ihr, die Lebensklugheit Petri und dann die Liebe Johannis
selbst schon im Herzen haben und stets eurer Schwäche und Meiner Stärke
eingedenk sein. Auf diese Art vollführt ihr Meinen Willen in bezug auf euch
und in bezug auf andere, wozu euch Mein Segen nie ermangeln wird. Amen. 31. Predigt – Am 5. Trinitatissonntage. Die echte Gerechtigkeit. [PH.01_031] Matth.5,20: „Ich sage
euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten und
Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!“ 2. April 1872 [PH.01_031,01] Hier in diesem Kapitel
liegt vor euch Meine ganze Lehre als Inbegriff alles dessen, was den Menschen
betrifft. Es wird euch gezeigt, inwiefern seine Leiden, seine Aufopferungen
und Kämpfe einst einen geistigen Wert haben werden, und wie er sein Gewissen
als die Waagschale und die Richtschnur zu allen Gedanken, Worten und Taten
gebrauchen soll, wenn er einst Mein Kind genannt werden möchte. [PH.01_031,02] Diese Bergpredigt war
die gewaltigste Predigt, welche Ich während Meines Erdenwandels gehalten
habe, und eben deswegen umfaßt sie alles, was Mich bewog, zu euch auf diese
finstere Erde herabzusteigen und die größte Schmach zu erdulden – zu Meinem
und Meiner Lehre größtem Triumph. [PH.01_031,03] In dieser Predigt
stellte Ich Meinen Zuhörern und Jüngern alle Seligkeiten in hoffnungsvolle
Aussicht, welche denen zuteil werden sollen, die Meine Liebesgebote halten
und ihretwegen Unbilden und Leiden ertragen. Ich stellte ihnen aber auch die
Wichtigkeit ihrer Mission in bildlichen Ausdrücken dar, daß Ich Meine Lehre
nicht vergebens predigen will, sondern daß jeder, der sie hört, sie auch anwenden
und verbreiten soll. Es sind jene Verse, die vom Salz der Erde, von der Stadt
auf dem Berg und von dem angezündeten Licht handeln, damit es leuchte und
nicht verborgen unter einem Scheffel brenne. [PH.01_031,04] Ich sagte ihnen, sie
seien das Salz der Erde, welches dem ätzenden oder anregenden Teile der
geistig-seelischen Welt entspricht, da es zur Tätigkeit, zur Ausscheidung des
Schlechten, zum materiellen Stoffwechsel notwendig ist. [PH.01_031,05] Wo kein Salz oder
Reizstoff ist, dort ist kein Leben, keine Bewegung, keine Wärme, kein Licht.
Wo das Salz dumm wird – wie es im Evangelium heißt –, d.h. wo es verdirbt, da
entstehen die umgekehrten Resultate, weshalb es ausgeschieden werden muß,
damit es die Leute zertreten. Zu Staub und Sand zertreten, wird es anderen
Schöpfungen auf anderer Basis zur weiteren Bildung behilflich sein, so wie
das durch Menschen verübte Schlechte, ebenfalls durch Meine Fügungen am Ende
zum Fortschritt, zur Besserung der geistigen Wesen beitragen muß, nur in anderer
Form und unter anderen Umständen. [PH.01_031,06] So ermahnte Ich das
Volk und Meine Jünger, daß sie Mein Wort nicht bloß hören und für sich
behalten, sondern daß sie es auch anderen mitteilen und es selbst in der Tat
verwirklichen sollten. Ich sagte ihnen auch, daß Meine Lehre nicht neu sei,
sondern daß sie nur die von Moses und den Propheten gegebenen Weisungen im
wahren Licht darstelle, den Sinn der Worte erkläre und so der ganzen
Menschheit zeige, wie alle diese göttlichen Vorhersagungen und Verordnungen
der von Mir gesandten Männer stets denselben Zweck hatten, nämlich die
Menschen ihren geistigen Wert erkennen zu lehren und sie alle auf dem
kürzesten Weg vorzubereiten, ins große Geisterreich eintreten zu können, wie
es Wesen geziemt, die einen göttlichen Funken von Mir im Herzen tragen. Ich
versicherte allen, daß Meine Worte ewige Dauer haben, weil sie von dem
ewigen, höchsten Wesen gegeben wurden. [PH.01_031,07] Ich sagte ihnen auch,
daß Ich jede Verunglimpfung dieser Meiner Gesetze bestrafen werde, hier und
jenseits, weil Ich im voraus wußte, daß in späteren Zeiten Menschen Meine
Gesetze der Liebe als Deckmantel benützen und, unter ihm ihren eigenen
Interessen nachgehend, die Leidenschaften des Hasses und der Rache ungestört
ausüben würden. Schon zu Meiner Zeit trieben die Pharisäer und
Schriftgelehrten mit den Lehren Mosis und der Propheten das gleiche Spiel,
weshalb Ich zu Meinen Jüngern und dem um Mich versammelten Volk die Worte
sprach: „Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Pharisäer und
Schriftgelehrten, sonst werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!“ [PH.01_031,08] Obwohl nur dieser Vers
für diesen Sonntag gegeben ist, mußte Ich die vorhergehenden Verse desselben
Kapitels zuerst erklären, damit wir folgerichtig auf diesen zwanzigsten Vers
kommen und von diesem aus weiterschreiten können. [PH.01_031,09] Weil Ich die falsche
und scheinheilige Gerechtigkeit jener Kaste anführte, der in jener Zeit die
Macht und das Recht gegeben ward, den Sinn, den Kultus und die Dogmen ihrer
Religion dem Volke beizubringen und zu erklären, und weil Ich wußte, auf
welche Weise sie es vollführten – nicht in Meinem, sondern in ihrem Sinne und
nach ihren Plänen –, so ward Ich natürlich gezwungen, dem Volk und Meinen
Jüngern diese schon vorhandenen Gesetze besser zu erklären und ihr Gewissen
empfindlicher zu machen. Auch deshalb mußte Ich es tun, weil in jener Zeit
die Priester und Gelehrten die Gesetze so erklärten, daß es sie nicht viel
Mühe kostete, diese zu erfüllen, und weil ihnen dadurch ein weiter Spielraum
blieb, die scheußlichsten Taten zu begehen, ohne dem Scheine nach gegen die
mosaischen Religionsgesetze zu verstoßen; ja den Anschein erwecken konnten,
als übten sie diese im strengsten Sinne aus. [PH.01_031,10] Daher folgen dem
zwanzigsten Vers alle anderen wahren Liebesgesetze, welche in jener Zeit
gerade als Gegensätze zu dem Geglaubten betrachtet wurden; denn
Wiedervergeltung, Rache, Haß und Verfolgung waren durch einzelne Sprüche der
Religion dem Anschein nach gerechtfertigt. Auch deshalb sah man sie als
Gegensätze an, weil es weit leichter ist, den Durst der Rache und des Hasses
zu kühlen, als dem zu verzeihen, der feindlich gesinnt ist, oder den mit
Wohltaten zu überhäufen, der nur Böses im Schilde führt. [PH.01_031,11] Eben deswegen ist diese
Predigt, besonders vom zwanzigsten Vers an, die wichtigste genannt worden,
weil in ihr das Symbol der Liebe, die Fahne der Nächstenliebe und die
Verzeihung von Mir als einzige Richtschnur für den Lebensweg aufgestellt
wurden, indem Ich allen zurief: „Nur unter dieser Fahne und mit dieser
allumfassenden Liebe, mit welcher Ich als Gott und Schöpfer alle Meine Wesen
umfasse, nur mit dieser Liebe könnt ihr Menschen Bürger eines geistigen
Reiches, Bürger Meines Himmels werden!“ [PH.01_031,12] Ich führte in den
nachfolgenden Versen verschiedene Lebensverhältnisse an, in welchen der
Mensch diese Bruder- und Nächstenliebe ausüben soll und kann. Ich zeigte, wie
weit diese Liebe gehen soll und muß, wenn ihre Taten vor Mir einen geistigen
Wert haben sollen. Ich setzte den Eckstein der Aufopferungsfähigkeit, an dem
sich leider in jener Zeit und bis auf den heutigen Tag viele gestoßen haben. [PH.01_031,13] Ich sagte Meinen
Zuhörern: Wie Ich als Gott die Sonne über Gute und Böse aufgehen lasse, wie
Ich die Felder der Schlechten wie der Guten mit segnendem Regen befeuchte, so
sollen auch Meine wahren Nachfolger – erhaben über alle menschlichen
Leidenschaften, Mein Beispiel als Schöpfer und auch als Jesus stets vor Augen
habend – allen mit gleicher Liebe helfen, unbekümmert darum, ob ihnen je Dank
zuteil wird oder nicht. [PH.01_031,14] Ich stellte in dieser
Predigt das Ideal eines geistig erhabenen Menschen auf und bewies selbst
durch Meinen Lebenswandel, daß man so leben kann, wenn man will. Der Inhalt
dieser Predigt, seien es die versprochenen Seligkeiten für die Leidenden,
Kämpfenden und geduldig Ausharrenden, als auch, wie weit sich die
Nächstenliebe erstrecken soll, hat heute noch dieselbe Geltung wie einst und
wird sie auch nie verlieren, solange Ich, Meine geistige und Meine materielle
Welt bestehen. Denn nur durch diese Gesetze und ihre Befolgung werden die
vernünftig lebenden Wesen geadelt und werden Zeugen ihres göttlichen
Ursprungs, während sie auf dem entgegengesetzten, am meisten gebräuchlichen
und leider auch jetzt noch von vielen als rechtlich bezeichneten Weg, statt
zur geistigen Höhe aufwärtszusteigen, zur materiellen Tiefe herabsinken. [PH.01_031,15] In den folgenden
Kapiteln des Matthäus wird diese Lehre noch weiter dargelegt, damit sich
niemand entschuldigen kann, als hätte er nicht gewußt, was Gottes- und
Nächstenliebe im eigentlichen Sinne sei. So findet ihr auch im 6. Kapitel das
einzige Gebet, welches Ich die Meinen lehrte, und das ihr heute noch als
Inbegriff aller Gebete ansehen könnt. Nur müßt ihr den tiefen, geistigen Sinn
eines jeden darin enthaltenen Wortes fassen; denn wisset, etwas anderes ist
es, wenn ihr mit euren eigenen Worten betet, oder wenn Ich euch Worte in den
Mund lege, die ihr bei Bedrängnissen, ja wohl auch täglich an Mich richten
sollt, damit Ich euch Meine hilfreiche Hand in den Wirrnissen eines jeden
neuen Tages reiche, auf daß ihr nicht fallet, sondern Meine Bergpredigt stets
im Sinn behaltet und als einzige Richtschnur auf dem Prüfungsweg dieses
irdischen Lebens vor Augen habt, um der im Anfang unseres Kapitels verheißenen
Seligkeiten teilhaftig zu werden. [PH.01_031,16] Ja, Meine Kinder, auch
an euch geht die gleiche Mahnung wie einst an jene, die Mir bei der
Bergpredigt zuhörten, wo Ich sagte: „Wenn ihr nicht gerechter werdet als eure
Pharisäer und Schriftgelehrten, so könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen!“
Auch euch sage Ich: Wenn ihr die Begriffe Gerechtigkeit, Liebe, Demut und
Verzeihung nicht strenger nehmt, als sie euch von vielen gepredigt und falsch
ausgelegt werden, so könnt ihr nicht in Mein Reich kommen und könnt nicht
Meine Kinder werden; denn zu Meinen Kindern können nur die gezählt werden,
die Meinem Beispiel folgend willig ihr Kreuz tragen, und die wie Ich, als
Beispiel der Demut und Selbstverleugnung, alle weltlichen Genüsse weit hinter
die geistigen zurücksetzen und bei Meinem Hauptgrundsatz verbleiben, der in
dem Spruch aufgezeichnet ist: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ [PH.01_031,17] Meine Kinder dürfen
keine Weltkinder sein. Sie müssen danach streben, die höchste moralische Höhe
zu erreichen, die überhaupt der Mensch erreichen kann. Sie müssen, wie Ich,
ihrer Leidenschaften Meister werden und vertrauensvoll hinnehmen, was Ich ihnen
zu ihrem Besten schicke. Sie sollen nicht die Welt als eine Gefahr fliehen,
sondern sie müssen inmitten derselben alle ihre Eigenheiten, Genüsse und
Versuchungen, damit sie diesen nicht unterliegen, dem wahren Werte nach
beurteilen. Sie müssen in Gedanken, Worten und Taten reinen Gewissens
dastehen, damit andere nicht allein ihren Worten Glauben schenken, sondern
auch in ihren Taten den wirklichen Beweis des Gesagten ersehen können. Sie
müssen, wie es im Evangelium heißt, als eine Leuchte dastehen, die weit
hinaus über alle Unebenheiten des menschlichen Lebens ihr ruhiges Licht ausströmen
läßt, das Licht der Liebe, des Vertrauens und der Verzeihung. [PH.01_031,18] So nur können sie, wenn
sie selbst gerechter, liebender, vertrauender als viele andere verirrte
Kinder sind, jenen zur Richtschnur und als Wegweiser dienen, und nur so
können sie nach vollendetem Lebens- und Prüfungslaufe Anspruch darauf machen,
von Mir an Kindesstatt angenommen zu werden und in Mein ewiges, großes
Geisterreich, in Meine Himmel einzugehen, wo ihnen für alles Ausgestandene
und Erlittene jene Seligkeiten zuteil werden, die beim Beginn Meiner Bergpredigt
verheißen werden. [PH.01_031,19] Dies nehmt euch zu
Herzen! Lest oft diese Predigt, welche Ich vor mehr als tausend Jahren Meinen
Jüngern und dem Volk gehalten habe! Sie enthält große Verheißungen und
Forderungen an euch und an Meine Geisterwelt. [PH.01_031,20] Wer diesen Bedingungen
nicht nachkommen will, dessen Leben gleicht einem schön eingebundenen Buche,
das aber nur weiße leere Blätter enthält. [PH.01_031,21] Trachtet daher, euer
Lebensbuch voll guter Gedanken, Worte und Taten ins andere Leben
mitzubringen! Ich habe euch ja in diesen Versen gezeigt, wie die Gedanken
schon ein Versündigen gegen Meine Liebesgesetze sein können; denn es mangelt
oft nur an der Gelegenheit, sie auszuführen. Wäre solche vorhanden, so
vollführte der Wille, was nur flüchtige Gedanken blieben. [PH.01_031,22] Daher hütet euch zuerst
vor sündigen Gedanken! Sie entwürdigen euren inneren Seelenmenschen. Flieht
ferner die Gelegenheit, solche Gedanken in Ausführung zu bringen! Bekämpft
die Gedanken, und ihr seid des Handelns eher mächtig! Gebt ihr aber den
ersteren Raum, so seid ihr schon in das Reich der Sünde verstrickt und nur
ein günstiger Augenblick, – und eure Seele ist durch eine unüberlegte Tat
ihres ganzen Schmucks, der Reinheit, der Ruhe und der Zufriedenheit und ihrer
schönen Vorsätze beraubt! [PH.01_031,23] Daher lest diese Verse
alle und sehr oft! Es wird euch so vieles darin gezeigt, worin ihr noch so
schwach seid und so oft sündigt gegen euch und gegen Mich. Dadurch seid ihr
noch weit davon entfernt, einen Anteil an Meinem geistigen Himmelreich zu
haben. [PH.01_031,24] Murrt nicht, wenn Ich
euch durch Verhältnisse stets Gelegenheit gebe, euch in dem zu üben, was euch
noch am meisten mangelt, nämlich das Vertrauen auf Mich und das stete
Wachsein über die Regungen des eigenen Herzens, um alles Böse und Schlechte
gleich im Keim zu ersticken! [PH.01_031,25] So, stets sich übend,
erstarkt eure Kraft; so werdet ihr fähig, aller Versuchungen zur rechten Zeit
Herr zu werden; und so, Meiner Bergpredigt eingedenk, werdet ihr auch einst
den Lohn Meiner Jünger erhalten, wenn eure Mission hier auf dieser Erde
beendet und der Sieg errungen ist, um dann dort mit neuer Kraft größeren
Anforderungen Genüge leisten zu können; denn wer hier weniges treu verwaltet,
den werde Ich dort über vieles setzen! [PH.01_031,26] Gedenkt eures Vaters,
der euch nicht umsonst alle diese Worte sendet! Gedenkt, daß Er euch zu dem
machen möchte, zu dem Er euch erschaffen hat, nämlich zu Seinen geistigen
Kindern und damit zu jenen Wesen, welche einst in Seinem Reich über Welten
und Millionen von Wesen das Licht der Liebe und der Gnade ihres ewig
liebenden Vaters ausstreuen sollen! Daß zu solchen Missionen in allem Leid
und Unglück erprobte, also gestählte Wesen gehören, versteht sich von selbst,
weil sie, Gedanken- und Tatenreinheit als Stempel auf ihrer Stirne tragend,
durch die Erhabenheit ihres Geistes die andern emporziehen können. [PH.01_031,27] Deswegen gab Ich euch
diese ausführliche Auseinandersetzung Meiner Liebesgebote, damit ihr nicht
den Einflüssen eurer Eigenliebe Raum gebt, um gerade das zu entschuldigen,
was bei Mir vielleicht die größte Sünde ist, nämlich die Gedankenspiele, die
der Same zu allerlei unreifen und bösen Taten sind. Amen. 32. Predigt – Am 6. Trinitatissonntage. Die Speisung
der Viertausend. [PH.01_032] Mark.8,1-9: Zu der Zeit,
da viel Volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu
sich und sprach zu ihnen: „Mich jammert des Volks; denn sie haben nun drei
Tage bei mir beharret und haben nichts zu essen. Wenn ich sie ungespeist von
mir heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn etliche sind
von ferne kommen.“ Seine Jünger antworteten ihm: „Woher nehmen wir Brot hier
in der Wüste, daß wir sie sättigen?“ Und er fragte sie: „Wieviel habt ihr
Brote?“ Sie sprachen: „Sieben.“ Und er gebot dem Volke, daß sie sich auf die
Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen
Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten. Und sie legten dem Volke vor. Und sie
hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch
vortragen. Sie aßen aber und wurden satt und huben die übrigen Brocken auf,
sieben Körbe voll. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten;
und er ließ sie von sich. 7. April 1872 [PH.01_032,01] Dieses Evangelium
handelt wieder von einer Speisung des um Mich versammelten Volkes, und zwar
von viertausend an der Zahl, wobei dann am Ende sieben Körbe voll Brot
übrigblieben, während es anfangs nur sieben Brote und einige Fische waren. [PH.01_032,02] Schon einmal
verrichtete Ich ein ähnliches Wunder, indem Ich fünftausend Menschen mit fünf
Broten und zwei Fischen sättigte, wobei dann zwölf Körbe Brot übrigblieben.
Was dort die fünf Brote und zwei Fische für geistige Bedeutung hatten, wißt
ihr; auch bei diesem zweiten Male, bei dem Ich statt fünftausend nur
viertausend Mann mit sieben Broten und einigen Fischlein speiste und dann
sieben Körbe voll übrigblieben – wie dort zwölf –, hat alles eine geistige
Bedeutung, welche Ich euch jetzt näher erklären will. [PH.01_032,03] Die zwölf
übriggebliebenen Körbe des ersten Wunders bezeichneten sowohl die zwölf Stämme
Israels, als auch die zwölf Gebote, die den Menschen nach Meinem Hinscheiden
noch verbleiben sollten. Die sieben Körbe, welche das zweite Mal übrigblieben,
bezeichnen Meine sieben Haupteigenschaften, welche den Menschen zur Festigung
und zur Richtschnur verbleiben sollten, wenn sie Mich nicht mehr persönlich
besitzen würden. Diese sieben Eigenschaften heißen: Liebe, Geduld, Demut,
Vergebung, Beharrlichkeit, Aufopferung und Barmherzigkeit. [PH.01_032,04] Als Ich dem jüdischen
Volke predigte, mußte Ich ihnen manchmal zurufen: „Wer Ohren hat, der höre!“
Dies war ein deutlicher Beweis dafür, daß eben bei ihnen vieles zum einen Ohr
hinein- und zum andern hinausging, und daß die Mehrzahl Meine Lehre nicht so
auffaßte, wie Ich es wollte. Das bildlich zu deutende Speisewunder am Ende
Meiner Ansprache an sie bezeugt das Übrigbleiben gerade des Wichtigsten. Wie
sie das Brot und die Fische nur verzehrten, um ihren leiblichen Hunger zu
stillen, und sieben Körbe Brot zurückließen, so faßten sie auch nur oberflächlich
den Inhalt Meiner Rede und ließen den Hauptinhalt derselben, Meine sieben
Grundeigenschaften, welche Ich ihnen durch Gleichnisse, Wunder und wirkliche
Lehren einprägen wollte, unbeachtet. [PH.01_032,05] Wenn auch all die
Gleichnisse, Worte und verrichteten Wunder dem Volke die Augen öffnen sollten,
so waren doch stets wieder Schriftgelehrte und Pharisäer genug da, welche
alles mögliche taten, um jeden Eindruck, den Mein Handeln auf das Volk
machte, abzuschwächen oder gar zu vernichten. So suchten sie darin, daß von
Mir und Meinen Jüngern die zeremoniellen Gebräuche der Kirche – Waschungen
usw. – nicht eingehalten wurden, einen Grund zur Verdächtigung. Sie nahmen
oft Anstoß an guten Werken, an Heilungen Kranker und dergleichen, wenn sie am
Sabbat oder sonst an einem kirchlich geweihten Tag geschah. Sie regten sich
darüber auf, wenn Ich nicht die vorgeschriebenen Fasten hielt oder gar mit
Menschen Mich abgab, die in ihren Augen grobe Sünder oder unehrliche Leute
waren. So waren sie bemüht, alles zu verdächtigen, was von Mir gesprochen und
getan wurde. [PH.01_032,06] Daher die verschiedenen
Mahnungen, welche Ich Meinen Jüngern und dem Mir zuhörenden und nachfolgenden
Volk gab, womit Ich ihnen beweisen wollte, daß bei Mir nur Geistiges und
nicht Materielles gilt! Daher die Worte: „Was in den Menschen eingeht, das
kann ihn nicht gemein oder unrein machen, sondern das, was von ihm ausgeht,
das ist es, was den Menschen erniedrigen kann!“ Aus dem gleichen Grunde
erging der Mahnruf an Meine Jünger, sich vor dem Sauerteig der Pharisäer und
des Herodes zu hüten, und aus dem gleichen Anlaß führte Ich an, was ein
früherer Prophet geweissagt hatte: „Dieses Volk ehrt Mich mit den Lippen;
aber sein Herz ist ferne von Mir!“ [PH.01_032,07] Als Ich diese
viertausend Mann mit sieben Broten und einigen Fischlein gespeist, sie also
materiell gesättigt hatte, blieben sieben Körbe Brot übrig. Wenn sie dem
Anscheine nach auch geistig gesättigt waren, so ließen sie doch die von Mir
als die höchsten bezeichneten Eigenschaften unbeachtet. Jeder Korb mit seinem
vielseitigen Inhalt von großen und kleinen Stücken Brot bezeichnet zur
Genüge, in wie vielfältiger Weise diese Meine vorher genannten Eigenschaften
im menschlichen Leben ausgeübt werden könnten, wenn nicht der Mensch seinen
eigenen Lebenskorb meistens mehr mit anderen, weltlichen Dingen angefüllt
hätte, worin dann Mein Brot und Meine Geisteseigenschaften keinen Platz mehr
haben. [PH.01_032,08] Wenige gibt es, die wie
das Weib aus Syrophönizia denken, welche auf Meine Rede: „Man soll Mein Brot
nicht den Hunden vorwerfen!“ doch vertrauensvoll antwortete, daß es aber den
Hunden doch erlaubt sei, sich von den Brosamen zu sättigen, welche die Kinder
unter den Tisch fallen lassen, was mit anderen Worten heißt: Wenn auch die
Schwachen, die noch Unmündigen nicht wert oder fähig sind, sich von direkter
Himmelsspeise zu nähren, so möge es ihnen doch vergönnt sein, vom Abfall das
herauszusuchen, was für ihren momentanen geistigen Zustand gedeihlich ist. [PH.01_032,09] Solch gläubige Seelen
gab es in jener Zeit nur vereinzelte, und jetzt sind sie gar zur höchsten
Seltenheit geworden. [PH.01_032,10] So wie Ich gegen alle
herrschenden Ansichten, seien es weltliche oder kirchliche, kämpfen mußte und
– wie Ich es manchmal selbst sagte – von den Juden weniger als von den Heiden
erhoffte, so ist es auch in jetziger Zeit, in der von jenen wenig zu erwarten
ist, welche sich Katholiken nennen und glauben, es auch wirklich zu sein,
wenn sie nur die vorgeschriebenen Gebräuche halten. Ja, gerade sie, die das
beste und fruchtbarste Feld für Meine Lehre sein sollten, gerade sie sind die
ärgsten Widersacher alles dessen, was sie aus ihrer so bequem eingerichteten
Religionslehre aufweckt und Aufopferungen und Entsagungen fordert, denen sie
nicht gewachsen sind, weil ihnen die moralische Kraft der Überwindung angewöhnter
Gebräuche und Ideen fehlt. [PH.01_032,11] Sie gleichen den
meisten Zuhörern jener Zeit. Sie suchen Mich überall nur in den Kirchen, aber
nicht auf dem Weg des Lebens, wo sie durch Taten beweisen sollen, was sie
sooft in den Kirchen geloben. Sie sind auch hungrig wie jene, lassen aber den
Hauptgrund Meiner Lehre, die sieben Körbe, ruhig stehen und verzehren bloß
dasjenige, was ihnen für den Moment am meisten mundet. [PH.01_032,12] Wenn Ich euch dieses
Beispiel der Sättigung von viertausend Menschen mit sieben Broten und einigen
Fischlein als Thema zu einer Sonntagspredigt anführe, so ergeht damit an
jeden einzelnen, wie auch an alle Zuhörer Meines Wortes die Mahnung, sich
nicht mit dem oberflächlichen Eindruck Meiner Worte zu begnügen, sondern die
darin verborgen liegende Geistesspeise herauszufinden, sich nach dieser in
seinen Handlungen zu richten und auch die anderen zu gleicher Ausübung
anzueifern. [PH.01_032,13] Daß in jener Zeit Meine
Zuhörer wenig fruchtbare Äcker für Meine Lehre waren, das wußte Ich wohl; Ich
wußte aber, daß Ich nicht nur für sie, sondern für die ganze Menschheit nach
ihnen redete und handelte. Ich baute nicht nur für die Gegenwart, sondern
Meine Pläne reichten weiter. Als die Pläne eines göttlichen, unendlichen
Wesens waren sie von ewiger Dauer und Wirkung. [PH.01_032,14] Selbst den Pharisäern
und Schriftgelehrten antwortete Ich auf ihre Forderung nach einem
Wunderzeichen, daß diesem Geschlecht kein Zeichen von Mir gegeben werde, was
soviel sagen will, daß dort, wo Meine sichtbare Erscheinung das größte
Wunderzeichen war, kein anderes, noch mehr beweisendes nötig sei, um Meine
Göttlichkeit und die Wahrheit und die ewige Dauer Meiner Lehre zu beweisen. [PH.01_032,15] Was Ich dort von den
Pharisäern und Schriftgelehrten sagte, gilt auch heutzutage allen
scheinheiligen Kirchenläufern und allen über die Materie philosophierenden
Gelehrten eurer Zeit. Auch sie werden keine Zeichen sehen, weil sie das
größte Zeichen, die Stimme eines Gottes und Vaters im eigenen Herzen nicht
anerkennen wollen. Ebensowenig glauben viele eurer Gelehrten, trotz des
steten Auffindens von Gesetzen in der Natur, daß es auch einen Gesetzgeber
geben muß. Sie disputieren sich und andere lieber ihr eigenes Ich hinweg, als
daß sie sich durch tatsächliche Beweise vom Dasein Gottes für besiegt
erklärten. [PH.01_032,16] Auch in dieser Zeit
tobt ein immerwährender Kampf zwischen Zeremonie und Geist, zwischen Trug und
Wahrheit, der alle Gemüter in Aufregung bringt. Alle Sekten, alle Gläubigen
mühen sich ab, das Neuauftauchende mit dem Alten, Angewöhnten zu verbinden
und zu vermischen; aber es ist vergebens. Zwei Herren kann man nicht dienen,
sondern: entweder der Materie oder dem Geist! Und weil sich viele nicht
entscheiden können oder nicht wollen, so ist dies schuld daran, daß sie,
soviel Ich auch die Menschen mit geistigem Brot sättigen will, bis auf wenige
das Nebensächliche genießen, ja danach haschen, aber das Eigentliche,
Wesentliche, geistig Wahre liegenlassen. [PH.01_032,17] So müssen Meine Jünger
der jetzigen Zeit, wie jene Meiner Lehrzeit, stets die übriggebliebenen
Stücke Meiner Himmelslehre oder des geistigen Brotes wieder sammeln und dann
bei anderen Hungrigen ihr Glück versuchen, bis endlich die sieben Körbe
Meiner göttlichen Eigenschaften leer sind und in den großen Lebenskorb der
Menschheit, wie auch jedes einzelnen, übergangen sind. [PH.01_032,18] So ergeht auch an euch
der Mahnruf: Befleißigt euch, Meine sieben Eigenschaften euch zu eigen zu
machen! Nehmt die geistige Sättigung nicht so oberflächlich, daß ihr etwa
glaubt, mit dem Hören oder Lesen genüge es schon! Weit davon entfernt! Denn
auch zu euch werde Ich einst den Sammler schicken und werde das
Übriggebliebene in Körbe legen und für Bessere, Würdigere aufbewahren lassen,
die eher fähig sind, den geistigen Inhalt zu verwerten, während ihr – im
Wahn, schon alles zu wissen – nicht einmal die erste Stufe geistiger
Erkenntnis erklommen habt. [PH.01_032,19] Befleißigt euch daher,
Meiner direkten Mitteilung – wie einst Meine Jünger – würdig zu werden!
Werdet auch ihr, wie eben diese Apostel, Verbreiter Meines Wortes! Streut es
aus, jedoch so, daß es nicht auf unfruchtbaren Boden falle! Seid immer
eingedenk dessen, daß alles, was ihr jetzt in so reichlichem Maße von Mir erhaltet,
nicht für euch allein, sondern durch euch einst auch für andere bestimmt ist!
Den einen oder andern werden Verhältnisse überkommen, wo er das Gelesene und
Gehörte erproben muß; er muß zeigen, inwiefern er es verstanden und sich zu
eigen gemacht hat, um es eben auch anderen so wiederzugeben, wie Ich es ihm angedeihen
ließ. [PH.01_032,20] Laßt also von Meinen
Broten nichts übrig! Verdaut sie geistig! Macht sie zu eurem eigenen Ich,
damit ihr als lebendig wandelnde Beispiele nicht nur durchs Wort, sondern
auch durch Taten beweisen könnt, daß Liebe, Geduld, Demut, Vergebung,
Beharrlichkeit, Aufopferung und Barmherzigkeit die Grundfesten eures
Glaubens, die sieben Körbe sind, in welche ihr eure guten Taten sammeln
wollt, um sie im eigenen Lebenskorbe als Eigentum Dem zu überbringen, der
euch stets mit so vielen Gnaden und so vielem Licht aus Seinen Himmeln
überschüttet hat! Amen. 33. Predigt – Am 7. Trinitatissonntage. Von den
falschen Propheten. [PH.01_033] Matth.7,15-23: „Sehet euch
vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen,
inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie
erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den
Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler
Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und
ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der
nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an
ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir
sagen: ,Herr, Herr!‘ in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun
meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: ,Herr,
Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem
Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viel Taten getan?‘
Dann werde ich ihnen bekennen: ,Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle
von mir, ihr Übeltäter!‘“ 10. April 1872 [PH.01_033,01] Dieses ganze Kapitel
handelt von Lebensregeln, wie sie, auf Meine Lehre gegründet, zu beachten
sind, damit die Menschen – und besonders in jener Zeit Meine Jünger und
Zuhörer wußten, wie sie ihre eigenen Religionsgesetze im praktischen Leben
ausüben sollten. Da besonders in jenen Zeiten die Auslegung der mosaischen
Gesetze nicht nach Meinem Sinn war, deswegen mußte Ich selbst kommen, um den
geistigen Lebensbaum der den Juden übergebenen Religion vor dem Verfaulen zu
retten, damit er wieder Früchte trage, die den Gesetzen Meiner Geisterwelt
entsprechen sollten. [PH.01_033,02] So lehrte Ich in diesem
Kapitel die Nachsicht mit den Fehlern anderer, sowie die Vorsicht, Meine
Lehre nicht ohne Vorbereitung einem jeden an den Hals zu werfen, ferner die
Mildtätigkeit und Liebe, welche die Menschen, Meinem Beispiel gemäß, gegen
andere ausüben sollen. Ihr seht das Gesetz der Nächstenliebe im weitesten
Sinne erklärt und werdet auch darauf aufmerksam gemacht, daß diese Meine
Forderungen nicht so leicht sind, weil den Aufopferungen für Meine Liebesgesetze
die Versuchungen der Welt und die leicht überhandnehmende Selbstliebe entgegenstehen. [PH.01_033,03] Ich predigte nichts
Neues, sondern erklärte nur Meinen Jüngern und Anhängern das schon Bekannte
in seinem wahren Sinn, damit auch sie in der Folge den Mitmenschen den wahren
Inhalt der Gebote mitteilen konnten. Ich mußte dabei zuerst den Lehrern und
dann den Lernenden gewisse Maßregeln und Kennzeichen geben, woran die
ersteren ihre wahren Wißbegierigen und Gläubigen, die letzteren aber ihre
Lehrer erkennen und die falschen Lehrer oder Propheten von den echten, wahren
unterscheiden konnten. Daher sind die Kennzeichen in Gleichnissen aufgezählt.
In wenigen Sätzen ist gesagt, daß nicht Worte genügen, um andere zu überzeugen,
sondern daß Taten als Beweise darlegen sollen, daß der Lehrende von der
Wahrheit seiner Worte wirklich durchdrungen ist. [PH.01_033,04] Dieser Maßstab, um
falsche von echten Führern zu unterscheiden, soll dem Urteil der Zuhörer bei
allen Gelegenheiten als Richtschnur dienen, weil sie sonst, durch Irrlehrer
verführt, auf ganz falsche Wege geraten könnten. [PH.01_033,05] Meine Zuhörer in jener
Zeit machte Ich deshalb darauf aufmerksam, weil Ich im voraus wußte, daß nach
Meinem Dahingang auch andere neben Meinen Jüngern auftreten würden, die unter
dem Deckmantel Meiner Liebelehre nur ihren eigenen Vorteil suchen würden. Ich
sagte ihnen auch im voraus, welches das Schicksal dieser falschen Lehrer,
sowie auch derer, die auf solche Wahnlehren ihr geistiges Wohl bauen, sein
werde, wenn geistige und physische Stürme ihr Lebensschiff in Gefahr bringen
würden, in denen nur derjenige mit Ruhe der Zukunft – wie immer sie sich auch
gestalten möge – entgegensehen kann, der Meine Lehre auch in der Tat ausübt.
Ich verglich sie mit Menschen, von denen der eine sein Haus auf einen Fels,
der andere auf Sand gebaut hatte. [PH.01_033,06] Was Ich nun in jenen
Zeiten Meinen Jüngern und Anhängern als Lebensregeln auf ihre dornenreiche
Bahn mitgegeben habe, findet seine Anwendung in allen Zeiten, bis auf die
heutigen und noch kommenden; denn Meine Worte sind ja Worte der Ewigkeit und
für die Ewigkeit. Sie können nie vergehen oder außer Gebrauch kommen, weil
sie, ebenfalls auf den Felsen Meiner Wahrheit gebaut, den Tempel Meines
Geisterhimmels ausmachen. [PH.01_033,07] So wie dort gilt auch
jetzt dieser Mahnruf. Er soll sowohl den Führern, als auch jenen zur
Richtschnur dienen, die sich ihren Händen anvertraut haben und von ihnen in
den bedrängten und noch bedrängteren kommenden Zeiten Trost und Hilfe verlangen. [PH.01_033,08] Viel Mißbrauch ist
schon mit Meiner Liebelehre getrieben worden, und viele sind den Irrlehren
zum Opfer gefallen; aber jetzt ist die Axt an den Baum gelegt, der die
Verirrten so lange beschattete und damit das eigentliche, göttliche Licht
hinderte, bis zu ihnen zu dringen. [PH.01_033,09] Bevor Ich komme, müssen
alle Schatten in geistiger Hinsicht beseitigt werden; denn Ich bin das Licht
und vertrage keinen Schatten. Meine Lehre ist gegeben, um alle Winkel der
materiellen und geistigen Schöpfung zu erleuchten. Euer Scheinleben hat wohl
Licht- und Schattenseiten, wie eure Erde den Tag und die Nacht, – allein, es
ist dies notwendig, weil ihr, sowie die ganze materielle Welt, neben der
Tätigkeit auch Ruhe haben müßt, in der das Verausgabte ersetzt und der
Organismus zur ferneren Tätigkeit gestärkt werden muß. Nicht aber so in der
geistigen Welt! Da gibt es keine Nacht als nur die, welche die Geister sich
selbst bereiten. Da ist ewiges Licht, ewige Wärme, ewige Liebe, ewige
Tätigkeit. [PH.01_033,10] Betrachtet nur eure
Seele! Auch sie, obwohl an einen irdischen Körper gebunden, schläft nicht,
sondern arbeitet Tag und Nacht an ihrem geistigen Leibe, um ihn möglichst
vollkommen ins große Jenseits zu bringen. [PH.01_033,11] Dasselbe Streben besitzt
die ganze geistige Schöpfung, und was sich diesem entgegensetzen will,
verfällt seinem Untergange, wie es euch die jetzige Zeit nur zu klar zeigt.
Einrichtungen, so schlau und wohlberechnet sie auch angelegt und seit
Jahrhunderten erhalten wurden und soviel Gutes sie anscheinend verbreiten
sollten, sind doch nur auf Sand gebaute Häuser, die dem Platzregen und den
Stürmen Meines göttlichen Wahrheitslichtes nicht widerstehen können. [PH.01_033,12] Wie sich der Kalkstein
bei der Berührung mit dem Lebens- oder Sauerstoff eurer Atmosphäre in einen
Brei auflöst, seine kompakte Form ändert und sich als feiner Staub, den
Winden preisgegeben, in alle Regionen verliert, ohne die geringste Spur
seines früheren Bestandes zurückzulassen – wenn er nicht, mit dem Sande
vermischt, als Vermittler in einer andern Form zum Festen eines Gebäudes
beitragen muß –, so wird es auch den irdischen Einrichtungen ergehen. Weil
sich aber ein solches schon lange bestehendes Gebäude und dessen Erhalter
nicht so leicht dem Drange der Umstände ergeben, so rufe Ich euch allen zu:
„Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen,
aber innerlich reißende Wölfe sind!“ [PH.01_033,13] Ich weiß sehr wohl, daß
von vielen diese Meine euch jetzt direkt gegebene Lehre im Anfang verhöhnt
und verdächtigt werden wird und, wenn es auf diese Weise nicht gelingt, ihren
Zweck zu erreichen, sie sich dann entschließen werden, diese Meine Lehre als
Deckmantel zu gebrauchen, um ihre Existenz zu fristen; aber da gilt, was Ich
einst zu Meinen Jüngern sagte: An ihren Taten werdet ihr erkennen, ob sie
wirkliche, eifrige Ausüber Meiner Liebelehre oder nur Wortverkünder derselben
sind! [PH.01_033,14] Es ist nirgends so
notwendig, auf seiner Hut zu sein, als gerade da, daß diese falschen Propheten
und falschen Ausleger Meines Wortes sehen, daß ihnen alle ihre Anstrengungen
mißlingen und sie sich entweder bekehren oder untergehen müssen. Denn sie
werden alle Mittel anwenden, die zu ihrem früheren Glanz, zu ihrer früheren
Macht führen sollen. [PH.01_033,15] Daher gilt hier wieder
Mein Mahnspruch: Seid listig wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben,
damit ihr die List eurer größten Widersacher von ferne wittert und durch die
Einfältigkeit eures Herzens alle Giftpfeile von euch und euren Mitgläubigen
abwenden könnt. Sollten euch einige treffen, so führen sie euch zum Leben
statt zum Verderben. [PH.01_033,16] Wie hauptsächlich der
Anfang dieses Kapitels euch Gläubigen und Verehrern Meines wahren Liebewortes
gilt, indem es euch Geduld und Sanftmut rät, so ist auch der weitere Inhalt
für euch geeignet, daß ihr eure Anhänger auf all die Gefahren aufmerksam
machen sollt, die ihnen im Gewirre der Welt drohen, wo neben Wahrem das
Falsche, neben echtem Sein sich der Schein breit machen, damit sie nicht,
durch falsche Lehrer und Propheten irregeführt, euch des Trugs beschuldigen. [PH.01_033,17] Seid daher auch
vorsichtig wie die Schlangen, und glaubt nicht blindlings jedem, der sich
euch nähert und um Himmelsbrot bittet oder – wie es im Evangelium heißt – zu
Mir ,Herr, Herr!‘ sagen wird! Sie haben ganz andere Absichten, als euch zu
folgen; sie wollen nur durch euch erfahren, was ihrem Zwecke dienlich sein
könnte. [PH.01_033,18] Lest dieses Evangelium
recht oft! Es liegt bei weitem mehr geistige, tiefe Wahrheit darin, als Ich
euch hier geben kann. Beachtet das Gesagte, damit auch ihr euer Haus nicht
auf Sand, sondern auf den festen Felsen des Vertrauens baut! Sonst geht es
euch wie vielen, die beim geringsten geistigen oder moralischen Unwetter das
Gleichgewicht verlieren und nicht wissen, wie ihnen zu raten und zu helfen
ist. [PH.01_033,19] Viele Worte und noch
viel mehr Geistiges gebe Ich euch unter tausenderlei Formen. Jetzt empfangt
ihr in diesen Sonntagspredigten gleichsam den Schlüssel zu Meinen Worten, die
Ich einst Meinen Jüngern und ersten Nachfolgern gegeben habe. [PH.01_033,20] Und wißt ihr, warum
dies alles geschieht? Seht, weil Ich eben nur zu gut weiß, wie sich die
Zeitverhältnisse fernerhin gestalten werden, in denen Stärke, Sicherheit und
festes Aushalten immer notwendiger sein werden! Bei manchem wird erprobt
werden, ob er sein geistiges Haus auf den Fels Meiner Glaubens- und Liebelehre
gebaut oder ob er sich nur mit dem Lesen und Anhören Meiner Worte begnügt
hat, was dem Hause auf dem Sande gleichkommt. So wie der Wind den Sand hinwegweht
oder der Regen ihn wegschwemmt, ebenso verwischt die Zeit die gehörten oder
gelesenen Worte aus dem Gedächtnis. [PH.01_033,21] Die festen Bausteine zu
Meinem und zu eurem künftigen, geistigen Wohnhause sind Taten, – Taten,
ausgeführt auf Grund der Gottes- und Nächstenliebe. Nur diese sind bleibend,
geben euch Ruhe und Frieden und leuchten als schöne Beispiele für andere,
welche euch an euren guten Werken als echte und nicht als falsche Propheten
und Lehrer erkennen werden, deren Herz nicht das der reißenden Wölfe, sondern
das der gutmütigen Lämmer ist und nicht Haß, Zorn, Neid, Eifersucht oder
Rache, sondern nur Liebe atmet, Liebe verbreitet und wieder Liebe ernten
will. [PH.01_033,22] So sollt ihr Meine
Auserwählten werden, die mit Meinen Worten in der Hand alle Schatten und
Zweifel verscheuchen und das Licht einer großen, über euch hoch erhabenen
Geisterwelt verbreiten sollen, damit bei Meiner Wiederkunft nur ein Hirt und
eine Herde sei und euer Wohnort, der Erdball, wieder zu dem Paradies
umgestaltet werde, welches er einst gewesen ist, und welches nicht durch
Mich, sondern einst durch die aus Liebe geschaffenen Menschen verlorengegangen
ist. [PH.01_033,23] Dies merkt euch, und
befolgt es soviel und sooft wie möglich! Nur so blüht euch Ruhe und Frieden,
und nur so seid ihr fähig, auch andern Trost zu geben. Amen. 34. Predigt – Am 8. Trinitatissonntage. Das Gleichnis
vom ungerechten Haushalter. [PH.01_034] Luk.16,1-13: Er sprach
aber auch zu seinen Jüngern: „Es war ein reicher Mann, der hatte einen
Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter
umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: ,Wie höre ich das von dir?
Tue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter
sein!‘ Der Haushalter sprach bei sich selbst: ,Was soll ich tun? Mein Herr nimmt
das Amt von mir. Graben kann ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich
weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie
mich in ihre Häuser nehmen.‘ Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn
und sprach zu dem ersten: ,Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?‘ Er sprach:
,Hundert Tonnen Öls.‘ Und er sprach zu ihm: ,Nimm deinen Brief, setze dich
und schreibe flugs fünfzig!‘ Danach sprach er zu dem andern: ,Du aber,
wieviel bist du schuldig?‘ Er sprach: ,Hundert Malter Weizen.‘ Und er sprach
zu ihm: ,Nimm deinen Brief und schreibe achtzig!‘ Und der Herr lobte den
ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte; denn die Kinder dieser
Welt sind klüger als die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlecht. Und ich sage
euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr
nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten! Wer im Geringsten treu ist,
der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch
im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer
will euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem Fremden nicht treu
seid, wer wird euch geben, das euer ist? Kein Knecht kann zwei Herren dienen:
entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem
einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott samt dem Mammon
dienen.“ 11. April 1872 [PH.01_034,01] Dieses Evangelium
handelt von einem ungerechten Verwalter, welcher, nachdem sein Herr von
seiner Untreue unterrichtet worden war, sich doch wenigstens die Hintertür
sichern wollte, damit er nicht, der Not ausgesetzt, zum Darben verdammt würde
oder durch schwere Handarbeit sein täglich Brot verdienen müsse. [PH.01_034,02] Ich sagte dies
Gleichnis den Pharisäern und Schriftgelehrten deswegen, weil sie am meisten
dem Gelde oder dem Mammon huldigten und, um dasselbe in Fülle zu erwerben,
sich keines Mittels schämten, ihren Zweck zu erreichen. [PH.01_034,03] Was in diesem Gleichnis
der ungerechte Haushalter getan hat, nämlich daß er Schuldverschreibungen
seines Herrn von den Schuldnern auf die Hälfte herabsetzen ließ, um sich bei
ihnen in größere Gunst zu setzen, das taten auch die Pharisäer in ihren
Religionsgesetzen, indem sie den Reichen die Befolgung derselben
erleichterten, wenn diese sehr gut dafür bezahlten. So waren sie mit den
Armen streng und mit den Reichen nachsichtig, wie es eure Priesterschaft noch
heute ist. [PH.01_034,04] Die Lehren, welche Ich
Meinen Jüngern gab: Meine Mahnung, sich mittels des Mammons Freunde zu
erwerben, auf daß sie im Notfall nicht zu darben brauchen; dann der
nächstfolgende Vers: „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen
treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht!“;
ferner: „So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch
das Wahrhafte anvertrauen?“; und ferner: „So ihr in dem Fremden nicht treu
seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist?“; wie auch der folgende
Vers: „Kein Hausknecht kann zwei Herren dienen; entweder wird er den einen
hassen und den andern lieben, oder umgekehrt!“, was geistig auch heißt: „Ihr
könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!“; – alle diese Verse enthalten, mit
nur wenig Unterschied, das gleiche; nur der neunte Vers steht in scheinbarem
Widerspruch mit den folgenden, weil dort angeraten wird, sich mit dem Mammon
Freunde zu machen, auf daß im Falle der Not eine Freundeshand uns unterstütze,
während in den anderen Versen gerade mehr darauf hingewiesen wird, daß man
nicht zwei Herren dienen könne, und im dreizehnten Vers es sogar deutlich
gesagt ist: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!“ Denn wie kann sich
jemand mit dem Mammon Freunde erwerben und dabei Gott dienen? [PH.01_034,05] Ihr seht, hier bestehen
dem Scheine nach Widersprüche; denn Gott und der Mammon, d.h. die materielle
Welt, ihre Schätze und ihre Genüsse, sind doch gewiß entgegengesetzte Dinge,
und es ist ganz natürlich, daß derjenige, der dem Mammon oder der Welt
huldigt, nicht ebenfalls Gott lieben und Seinen Lebensregeln folgen kann. [PH.01_034,06] Um die Widersprüche zu
lösen, wollen wir diese Verse etwas näher betrachten und versuchen, trotz
ihres scheinbaren Gegenüberstehens das gemeinsame Bewegen nach einem Ziel
nachzuweisen. [PH.01_034,07] Seht, wenn Ich in
diesem Gleichnisse sagte, daß der schlechte Haushalter die Schuldverschreibungen
seines Herrn bedeutend herabsetzen ließ, so bedeutet das geistig eigentlich
nichts anderes, als daß die Fehler des Menschen, welche er gegen Mich als
höchstes Wesen begangen hat in Rücksicht auf seine eigene Natur und auf die
Verhältnisse, in welchen er leben muß, milder betrachtet werden. Wollte Ich
ohne diese Berücksichtigung eure Taten beurteilen oder euch gar bestrafen, so
stünde es wohl sehr schlecht um die ganze Menschheit. Das Ende müßte eine
zweite Vernichtung des ganzen Menschengeschlechts, wie einst bei der Sündflut
sein. Die Menschen wieder neu erschaffend, müßte Ich sie – wollte Ich nicht,
daß sie in dieselben Fußstapfen fielen – zu Maschinen, aber nicht zu freien
Menschen machen. [PH.01_034,08] Wenn es heißt: „Erwerbt
euch Freunde mit dem Mammon!“, so will das soviel sagen als: Erleichtert dem
mit Sünden und Gewissensbissen Beladenen seine Last! Stellt ihm vor, daß
seine Schuld gegen Mich zwar groß ist, aber von seiner Seite nicht als
untilgbar angesehen werden soll! Beweist ihm, daß der Mensch ohne die Welt
nicht auf Erden leben kann, sondern daß er mit seinen Nebenmenschen leben
muß; nur soll er das Gute wirken, soviel in seinen Kräften steht, wenngleich
er durch schlechte Einflüsse daran gehindert werden sollte. Lehrt ihn, daß er
Mich nicht als höchsten, strengen Richter, sondern als liebenden Vater
ansehen soll, welcher bei Vergehungen wohl weiß, wieviel eigene Schuld und
wieviel Schuld der Welt in Anrechnung zu bringen ist! [PH.01_034,09] Auf diese Art macht ihr
selbst den Beunruhigten ihre Last leichter und versöhnt sie mehr mit der
Welt, der sie sich vielleicht aus zu großem Eifer entziehen wollten. Indem
ihr ihnen, sie so tröstend, guten Rat erteilt, entspricht euer Handeln den
Worten: „Machet euch Freunde mit dem Mammon!“ So gewinnt ihr die Herzen
anderer, welche auf anderen Wegen, vielleicht verzweifelnd, entweder sich der
Welt ganz in die Arme geworfen hätten oder an Gott, Ewigkeit und sogar an der
Existenz ihrer eigenen Seele verzweifelt wären. [PH.01_034,10] Der nächste, zehnte
Vers, welcher besagt, daß derjenige, der im Geringsten treu ist, es auch im
Größten sein wird, bedeutet: Wenn ein Gläubiger es einmal erfaßt hat, daß er
mit seinen schwachen Kräften der Welt widerstehen kann, indem er sich von ihr
nicht verleiten läßt, sondern allem nur den Wert zuerkennt, den es eigentlich
hat, so wird er sich durch materiellen Glanz nicht blenden lassen und,
sollten ihn die Verhältnisse einst weltlich höher stellen, auch dann seine
Treue in bezug auf seine Grundsätze bewahren, wie er es bei geringen Kräften
und in beschränktem Wirkungskreise früher ebenfalls getan hat. [PH.01_034,11] Das bestätigt auch der
zwölfte Vers; denn das ,Fremde‘ bedeutet eure materielle und das ,Eigene‘
eure geistige Bestimmung. Sich ganz dem einen oder dem andern hinzugeben, ist
natürlich nur dann möglich, wenn man das eine ganz hintansetzt und nur dem
andern huldigt (was besagen will, daß man nicht zwei Herren dienen kann),
während es doch angängig ist, daß man das eine benutzen kann, um im andern
seinen Zweck vollends zu erreichen. Nur so ist es möglich, daß Menschen sich
Mir nähern und ihre geistige Vervollkommnung anstreben können, nämlich wenn
sie, wohl in der Welt lebend, diese und alle ihre Reichtümer und Schätze
benützend, doch keinen andern Zweck im Auge haben, als durch weise Anwendung
des ihnen Anvertrauten dem Nächsten und durch ihn Mir selbst am meisten zu beweisen,
wie sie Meine zwei Liebesgesetze aufgefaßt haben. [PH.01_034,12] Das nachfolgende
Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus sollte Meinen Zuhörern
noch mehr zeigen, welche Folgen es hat, wenn man sich dem Mammon ganz
hingibt, statt ihn zu geistigen Zwecken zu verwenden. Es sollte ihnen zeigen,
daß auf diese Art der eine seinen Lohn schon auf Erden empfängt, während dem
andern die Vergeltung für ein anderes, und zwar längeres Leben aufgespart
wird, und daß das eine Leben von kurzer, das andere aber von ewiger Dauer
sein wird. Der Weg zur Seligkeit wird dem weltlich Gesinnten ebenso unmöglich
sein – außer aus seinem Innern heraus – wie dem schon Guten der Rückschritt
zur Welt. [PH.01_034,13] Daß der Reiche in
seiner Qual gebeten hatte, wenigstens seine Brüder zu retten, worauf Abraham
ihm antwortete, daß den, der seiner Religion und ihren Grundsätzen nicht
glaubt, auch die Toten – kehrten sie auf die Welt zurück – nicht bekehren
würden, will sagen, daß diejenigen, welche sich der Welt oder dem Mammon ganz
hingegeben haben, wenig darauf achten würden, wenn selbst überirdische
Einflüsse bei ihnen sich geltend machten, weil sie, selbst zu niedrig
gesinnt, das Überirdische längst als nicht bestehend ansehen und durch Taten
und Worte verleugnet haben. [PH.01_034,14] Aus dem ganzen
Evangelium vorn ungerechten Haushalter geht also hervor, daß ihr Menschen –
und besonders auch ihr, welche Ich mehr als andere in Meine
Schöpfungsgeheimnisse und in Meine Lehre einführen will –, wollt ihr euch
Freunde und Mir Kinder erwerben, ihr vorerst nicht durch zu überspannte
Anforderungen den andern den Weg erschweren dürft, und daß ihr selbst bei
euch, wenn ihr fehlet, es Meiner Gnade überlassen sollt, inwieweit Ich euch
eure Fehler anrechne oder nicht. [PH.01_034,15] Das Zuviel ist in
keiner Hinsicht von Nutzen, sondern überall nur schädlich. Ihr müßt euch und
andern den Weg zu Mir nicht erschweren, nicht Meine Geister sein wollen,
während ihr noch schwache Menschen seid! Dieses Streben verträgt eure menschliche
Natur nicht. Ihr könnt doch ganz Liebe für Mich, ganz Liebe gegen euren
Nächsten sein und mitten in dem weltlichen Treiben eure sittliche Reinheit
bewahren; ihr könnt Mir ganz dienen, ohne der Welt den Rücken wenden zu
müssen. [PH.01_034,16] Seht ihr denn nicht,
wie Ich selbst die weltlichen Ereignisse benütze, um die Menschheit geistig
zu erziehen? Ich selbst verachte nicht und kann nicht hassen, was Ich selbst
geschaffen habe; nur ist dies der Unterschied, daß alles Gebaren der
Menschen, so schlecht es auch von seiten des einen oder andern sein mag, Mir
doch zur geistigen Vervollkommnung Meiner Kinder und der gesamten Menschheit
dienen muß. [PH.01_034,17] So wie Ich als höchster
Richter und Regent verfahre, so sollt auch ihr tun! Ihr sollt die Umstände,
Verhältnisse und Zusammenhänge, die euch auf eurem Lebensweg begegnen,
ebenfalls so benutzen, daß ihr am meisten durch die Taten an euren
Nebenmenschen Meinen Zweck fördern helft. Dann ist es nicht nötig,
Verstorbene heraufzubeschwören – wie der Reiche im Gleichnis glaubte, verlangen
zu sollen –, wenn ihr Lebenden die besten sichtbaren Zeugnisse dafür seid,
daß mitten im Weltgetümmel die menschliche Seele, eingedenk ihrer hohen
Mission, nicht zwei Herren, sondern nur einem Herrn, und zwar dem Herrn des
ganzen Universums, nämlich Mir allein, dienen kann, ohne die Verhältnisse
unbenützt zu lassen, die wohlweislich nur dazu da sind, um die große Aufgabe
der Menschenkinder zu beschleunigen und glorreich zu Ende zu führen. [PH.01_034,18] So erseht ihr aus einem
Gleichnis, in dem die Ungerechtigkeit als Beispiel dient, wieviel Nutzen
selbst aus Umständen gezogen werden kann, die dem Anscheine nach schlecht
sind, deren Endresultat aber das Herrlichste ist, das Ich als Gott, als Jesus
angestrebt habe, und das ihr als Meine Kinder mit vollenden helfen sollt!
Amen. 35. Predigt – Am 9. Trinitatissonntage. Die Trauer des
Herrn über Jerusalem. [PH.01_035] Luk.19,41-46: Und als er
nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: „Wenn doch
auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet! Aber
nun ist's vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen,
daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen,
dich belagern und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen und
keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit,
darin du heimgesucht bist.“ Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben,
die darin verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: „Es steht geschrieben:
,Mein Haus ist ein Bethaus‘; ihr aber habt's gemacht zur Mördergrube!“ 12. April 1872 [PH.01_035,01] Schon in den
Mitteilungen über ,Die geistige Sonne‘ findet ihr erklärt, was es heißen
will: „Und Jesus weinte!“ [PH.01_035,02] Dort ist euch gezeigt,
daß diese Worte in geistiger Beziehung den tiefsten Schmerz Gottes
ausdrücken, welcher Seinen Kindern Sein ganzes Himmelreich auf ihre Erde
brachte, ja ihnen ihren Schöpfer und Herrn aller Welten in sichtbarer Gestalt
zeigte, und wie die Verblendeten trotz alledem Ihn, den Ausdruck der höchsten
Liebe, Demut und Gnade nicht erkannten. Sie verübten an Ihm was nur Verächtliches
und Schmerzliches an einem Menschen geschehen kann, wie sie auch Seine Lehre,
die Lehre der Liebe, der Versöhnung und des Vergessens, mit Füßen traten.
Eben diese große Verblendung der meisten Seiner Zeitgenossen war es, welche
dem großen Schöpfer, sichtbar als Jesus verkörpert, die Wehmutstränen auspreßte.
Er weinte über den Verfall der Hauptstadt des Judenvolkes und sah dessen gänzliches
Aufhören als selbständige Nation voraus, woran sich bis in ferne Zukunft auch
die entgegengesetzte Geistesrichtung knüpfte, welche diese einst von Mir zum
Größten ausersehene Nation bis auf den heutigen Tag verfolgt hat. [PH.01_035,03] Das Frohlocken Meiner
Jünger, welche in Meinem Einzug in Jerusalem den Gipfel Meiner Mission zu
erkennen wähnten, war den Pharisäern und Schriftgelehrten nicht recht, und
auf die Forderung, Meinen Jüngern eine Zurechtweisung zukommenzulassen,
antwortete Ich: „Lasset sie frohlocken; denn wenn sie schweigen, werden die
Steine reden!“ [PH.01_035,04] Ich wollte diesen
betörten Menschen damit sagen, daß wenn das Frohlocken Meiner Jünger sich in
Trauer verwandeln wird, kurze Zeit darauf die Steine der zerstörten Mauern
ihrer Stadt und ihres Tempels ihnen zeigen werden, daß sie Mich nicht erkannt
haben, der Ich in ihre Mauern mit der Friedenspalme einzog. Sie erkannten
weder den göttlichen Lehrer, noch Seine himmlische Lehre, und sehnten sich
nur nach weltlichem Glanz und Prunk und nach einem weltlichen Messias, der
sie in ihrem Wohlleben und unlauteren Genuß noch mehr bestärken und festigen
solle. [PH.01_035,05] Keine fünfzig Jahre
waren nach Meinem Tod vergangen, und Mein Mahnruf ging schon in Erfüllung.
Das auserwählte Volk hatte aufgehört, als selbständiges Volk zu existieren.
Wie Ich einst im Tempel die Verkäufer und Käufer austrieb, die aus dem
Bethaus eine Marktbude gemacht hatten, so wurden später die Juden aus
Jerusalem vertrieben, weil sie, was früher im Tempel geschehen war, auch in
der Stadt fortgesetzt hatten, d.h. sie hatten das geistige, höhere Leben des
Menschen gänzlich vergessen und nur weltlich gesinnt nach Genüssen, nach
Macht und Reichtum getrachtet. So erfüllten sie selbst Meine Weissagung, die
Ich vom Schmerz betrübt über die Mauern Jerusalems und ihren Tempel
aussprach. [PH.01_035,06] Wie Ich in jener Zeit
den verirrten Menschen Meine Klageworte zugerufen habe, so möchte Ich sie auch
jetzt dem lebenden und kommenden Geschlecht wieder zurufen; denn Ich bin nun
ebenfalls betrübt über das Schicksal so mancher Seelen, die Ich selbst als
Gott nicht retten kann, weil Ich ihnen ihre Freiheit des Handelns nicht
nehmen darf. [PH.01_035,07] So sehe Ich auch jetzt,
wie das Schiff der Menschheit mit vollen Segeln gegen Felsen und Klippen
steuert, sehe das Zerschellen aller ihrer Hoffnungen und geträumten
Glückseligkeiten voraus, sehe, wie viele Tausende und aber Tausende erst
spät, ja zu spät erkennen werden, was sie hätten tun sollen, aber doch nicht
getan haben. Auch zu ihnen möchte Ich, wie einst zu Jerusalem und seinen Einwohnern,
sagen: „Möget ihr doch bedenken, was euch zum Frieden dient; denn es wird die
Zeit kommen, wo ihr alle bitter fühlen werdet, was ihr nicht erkannt habt zu
der Zeit, als ihr durch Meinen Segen und Meine Gnade heimgesucht worden
seid!“ [PH.01_035,08] Die Wehklagen über
Jerusalems unausweichbares Schicksal könnte Ich auch heute wiederholen; denn
die törichte Menschheit erkennt auch heute nicht ihre Mission, den Zweck
ihres Geschaffenseins und den Zweck des jetzigen und künftigen Lebens. So muß
denn auf ganz natürlich-geistigem Wege die Reaktion eintreten, welche, Meinen
göttlichen Gesetzen gemäß, die Geister, Seelen und Wesen wieder in jene
Schranken zurückweist, in welchen sie allein den Grad der Vervollkommnung erreichen
können, den Ich ihnen als höchstes Ziel gesetzt habe. [PH.01_035,09] Traurig ist es oft für
einen irdischen Vater, wenn er sieht, wie seine Kinder trotz aller Aufopferung,
Liebe und Sorgfalt, die er für ihre geistige und moralische Erziehung
verwendet hatte, doch mißraten und den verkehrten Weg einschlagen, statt
einst der Trost und die Freude seiner alten Tage zu werden, wie sie ihm mit
Gram, Sorgen und oft mit Schande vergelten, was er aus Liebe für sie getan
hat. Aber was bleibt ihm, dem Enttäuschten, übrig? Er kann die Individualität
seiner Kinder nicht beherrschen; sie sind geistig frei und können denken und
tun, was sie wollen. So sieht ein Elternpaar oft all seine so schön
aufgebauten Hoffnungen eine nach der andern verschwinden, wie Luftschlösser
zusammensinken, ohne im mindesten helfen zu können. [PH.01_035,10] Was hier den weltlichen
Eltern geschieht, das geschieht in noch intensiverem Grade auch Mir. Ich, der
Schöpfer des ganzen Universums, muß sehen, wie Meine Geschöpfe, von Mir zur
höchsten geistigen Würde erschaffen, gerade den verkehrten Weg gehen, statt –
eingedenk ihrer hohen Abkunft – dem Geistigen entgegenzueilen; Ich muß sehen,
wie das Geistige mit Füßen getreten, höhnisch verlacht und als Hirngespinst
verrückter, fanatischer Frömmler hingestellt wird, während man den
grob-materiellen Genuß des weltlichen Lebens als Höchstes preist; Ich muß
sehen, wie gerade das äußere Kleid als Hauptsache und der geistige Inhalt,
welcher unter dieser Umkleidung steckt, als Nichts betrachtet wird. [PH.01_035,11] Auch hier gilt, was Ich
einst zu den Pharisäern sagte: Wenn auch Meine Jünger und Meine Anhänger
schweigen, so werden doch die Steine – d.h. das ganze, materielle Naturreich
– reden und dem Menschen überall zurufen: „Wache auf, Mensch, aus deinem
weltlichen Taumel! Vergebens suchst du deine Bestimmung und deinen Schöpfer
wegzuleugnen! Wenn du auch Seinen hinterlassenen Lehren aus der Zeit Seines
sichtbaren Lebenswandels keinen Glauben schenken willst, wenn du auch die
Stimme in deinem eigenen Herzen übertäuben willst, die dir als etwas
,Gewisses‘ doch immer wieder zuruft und dich ermahnt, wenn du all dieses
ableugnen willst, – so betrachte die Natur!“ [PH.01_035,12] Die eifrigsten Grübler,
Naturforscher und Untersucher der Materie, alle kommen am Ende dazu und
müssen trotz ihres Sträubens dazu kommen, daß hoch über der Materie ein
großer Geist lebt, der die kleinsten Atome wie auch die großen Welten zu
einem Ganzen vereinigt, und der, wie aus allen Werken zu ersehen ist, nur ein
Gott der Liebe, der Gnade und der Langmut sein kann, der – wie einst im
Beispiel vom verlorenen Sohn gesagt wurde – über einen Wiedergefundenen mehr
Freude hat als über neunundneunzig Gerechte, die des Trostes nicht bedürfen. [PH.01_035,13] ,Es ist ein Gott!‘
Dieser Ruf tönt aus allem hervor. Selbst die Verkettung der politischen und
sozialen Verhältnisse zeigen dem aufmerksamen Beobachter deutlich genug, daß
nicht immer geschieht, was der Mensch bezwecken will, sondern daß sowohl beim
einzelnen Menschen, wie auch bei ganzen Völkern die Ergebnisse des
Angestrebten oft ganz andere als die erhofften sind. Überall zeigt sich diese
Macht der Gottheit – liebend den Liebenden, zürnend den Zürnenden, versöhnend
den Versöhnenden. [PH.01_035,14] Und wie Ich einst über
die Blindheit der Bewohner Jerusalems Tränen des göttlichen Schmerzes vergoß,
weil Ich voraussah, wie diese verirrten Kinder sich zuerst an Mir –
körperlich –, dann an Meiner Lehre – geistig – vergehen würden, und wie sie
endlich selbst den Tod erleiden würden, als Nation für immer aufzuhören, weil
sie es selbst nicht anders gewollt hatten, so füllt sich auch jetzt Mein Herz
ob der Blindheit des Menschengeschlechts mit Trauer. [PH.01_035,15] Überall lasse Ich
Funken Meines Himmelslichts ausstreuen, überall ertönt Mein Vaterruf: ,Kehrt
um, ihr Betörten! Vernehmt Meinen Ruf, vernehmt die Stimme eures himmlischen
Vaters, der euch mahnt, ehe die große Katastrophe heranrückt – wie einst über
Jerusalem und seine Einwohner! Vernehmt die Stimme, die euch die Augen öffnen
und euch zeigen möchte, wie leichtsinnig ihr alle am Abgrund der Ewigkeit wie
Betrunkene umhertaumelt und jeden Augenblick in Gefahr seid, auf lange Zeit
von diesem verschlungen zu werden. Unreif, unzeitig werdet ihr dann in jenen
zeitlosen Räumen nur unter vielen Beschwerden und mit großen Mühen das erreichen
können, was hier in diesem irdischen Probeleben mit so leichter Mühe zu
gewinnen ist!‘ [PH.01_035,16] So wie damals die
Zerstörung Jerusalems nur kurze Zeit nach Meinem Hingang erfolgte, so wird es
auch jetzt nicht mehr lange währen, bis eure sozialen Verhältnisse, von denen
ihr glaubt, sie bestünden für immer, zusammenstürzen werden. [PH.01_035,17] Damals galt die Zerstörung
einer Stadt und einem Volke, jetzt gilt sie vielen Städten und vielen
Nationen, sie gilt der ganzen Erde und der darauf lebenden Menschheit. [PH.01_035,18] Damals hörte nach der
Zerstörung Jerusalems der jüdische Kultus im großen und ganzen auf, und Meine
Lehre fing an unter den Heiden statt unter Meinem Volk, den Juden, die ersten
Früchte zu tragen. Ebenso werden jetzt die sogenannten Vertreter Meiner Lehre
aufhören, ihr sündiges Spiel mit Meinen Worten und Meiner Lehre zu treiben.
Dort fielen die Mauern des Tempels, welche gleichsam das Volk vom Heiligtum
trennten; jetzt fallen die geistigen Mauern. Was bis jetzt Eigentum einer
Kaste war, wird nunmehr Gemeingut werden. Vom Tempel blieb kein Stein auf dem
andern, Verwüstung und Greuel nur bezeichneten die Stätte, an der der große
Gott, aber falsch und unverstanden, verehrt wurde. Die zerstörten Ringmauern
der Stadt waren die einzigen Überreste, welche andeuteten, daß dort die
Hauptstadt eines Volkes stand. [PH.01_035,19] Ebenso wird es jetzt im
Geistigen werden. Man wird nur mit Mühe erkennen können, wo einst unter
lauter Lügengeweben die reine Wahrheit verborgen und vergraben lag. Die
Finsternis wird schwinden, und nicht die trübe Lampe eines Tempelgewölbes,
sondern die allmächtige Sonne des geistigen Lichts wird alles erleuchten und
alles erwärmen. Auf den Ruinen des Wahns und des Truges wird man den ewig
grünenden Baum der Hoffnung pflanzen, welcher – stets nach oben, nach dem nie
vergehenden Himmelreich strebend – ein Symbol des Wegs für die übriggebliebene
Menschheit sein wird. [PH.01_035,20] Daher, Meine Kinder,
weil Mein Gnadenlicht auf die große Masse der Verirrten umsonst scheint, was
Ich mit betrübten Augen und bekümmertem Herzen erkennen muß, so nehmt ihr das
Gnadenlicht auf, und bedenkt, daß Ich euch unter so vielen Tausenden deshalb
auserwählt habe, um einst nach dem zerstörten Wahngebäude des Truges die
ersten festen Bausteine des neuen Tempels eines neuen Jerusalems zu sein! [PH.01_035,21] Einst wandelte Ich
sichtbar unter Meinen Kindern, und sie erkannten Mich nicht; jetzt aber, wo
ihr Mich erkennt oder wenigstens die Gelegenheit dazu habt – sei es durch
Meine Worte, sei es durch Meine Werke –, Mich als liebenden Vater zu erfassen,
jetzt trachtet doch wenigstens ihr danach, euch vom allgemeinen Verfall zu
retten, damit ihr, wenn die Mauern des Alten, Angewöhnten einstürzen,
aufrecht stehen bleibt! Beweist durch eure Ausdauer und euer Vertrauen, daß,
wenn Ich auch jetzt wieder über viele Verlorene Tränen des Schmerzes
vergießen muß, es doch noch einzelne gibt, die den Liebesblick des Vaters zu
begreifen und zu verstehen wissen und die, trotz des vielen Traurigen, ein
Anhaltspunkt einer künftigen, nie versiegenden Freude werden können! [PH.01_035,22] Wenn andere Tränen des
Mitleids verdienen, so trachtet ihr danach, daß in Meiner Geisterwelt über
euch, euer Verhalten und eure Ausdauer Tränen der Freude und der Wonne
vergossen werden, welche die größten Beweise eures Sieges sein sollen! Amen. 36. Predigt – Am 10. Trinitatissonntage. Das Gleichnis
vom Pharisäer und Zöllner. [PH.01_036] Luk.18,9-14: Er sagte aber
zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten
die andern, ein solch Gleichnis: „Es gingen zwei Menschen hinauf in den
Tempel, zu beten; einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer
stand und betete bei sich selbst also: ,Ich danke dir, Gott, daß ich nicht
bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser
Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was
ich habe.‘ Und der Zöllner stand von ferne, wollte seine Augen nicht aufheben
gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: ,Gott, sei mir Sünder
gnädig!‘ Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem.
Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst
erniedrigt, der wird erhöht werden.“ [PH.01_036,01] In mehreren Evangelien,
die Ich bis jetzt erklärt habe, waren Gleichnisse, durch deren Vorkommnisse
im gewöhnlichen Leben Meine Lehre oder eigentlich nur Meine zwei Liebesgebote
erläutert wurden, und von denen noch mehrere folgen werden. [PH.01_036,02] Diese Erklärungen haben
vor allem den Zweck, anderen Deutungen vorzubeugen, wie auch Moses Meine
Gebote in zehn anderen näher bezeichnete, weil die Menschen sich nur zu oft
bloß an den Buchstaben haltend, des Wahnes sind und auch waren: was in den
Gesetzen nicht besonders erwähnt werde, sei auch nicht verboten. [PH.01_036,03] Da Ich während Meines
Erdenwandels als Lehrer die Beschränktheit der Begriffe Meiner Jünger und
sonstiger Zuhörer wohl kannte, wählte Ich öfters Beispiele, Gleichnisse und
Vergleichungen von materiell Bestehendem mit geistig Unsichtbarem, um niemand
in Zweifel zu lassen, wie er Meine Lehre auffassen und wie er die ihm schon
früher gegebenen kirchlichen Gebote verstehen solle. [PH.01_036,04] Hier in diesem
Evangelium seht ihr wieder, wie Ich besonders den Pharisäern, welche stets im
Eigendünkel lebten, als seien sie besser als das andere Volk, ein Gleichnis
gab, welches ihre Fehler berührte; denn sie glaubten, wenn sie nur die religiösen
Gebräuche hielten, so sei alles getan, und der Gott ihrer Religion könnte
sich damit zufrieden geben. [PH.01_036,05] Ich erzählte ihnen von
zwei Menschen, von denen der eine, welcher die Satzungen seiner Religion in
den verschiedenen Gebräuchen dem Anscheine nach hielt, so ganz mit Hochmut
und Verachtung auf einen andern herabsah, welchen er weit unter sich glaubte,
weil sein Lebensberuf einer von denjenigen war, die in jener Zeit nicht im
besten Rufe der Redlichkeit standen. [PH.01_036,06] Nun, dieser Vergleich
des einen, der in seinem übermütigen Stolze glaubte, nie oder nur wenig
gesündigt zu haben, mit dem andern, der in vollster Demut sich seiner
Vergehen, die von der menschlichen Natur oft nur zu leicht begünstigt werden,
bewußt ist, – dieser Vergleich war geeignet, den unbändigen Stolz der
Pharisäer zu demütigen. Er gab auch Meinen Jüngern und Zuhörern über manche
Meiner Taten, die gegen die gewöhnlichen Gebräuche der Juden verstießen, eine
Aufklärung, damit sie alle erkennen sollten, was für ein Unterschied es ist,
ein Gesetz dem Worte oder Buchstaben nach zu halten oder es im geistigen
Sinne zu verstehen und zu befolgen. [PH.01_036,07] Als Erklärung dieses
Beispiels sagte Ich Meinen Jüngern: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden!“ [PH.01_036,08] In den folgenden Versen
dieses Kapitels ist zum Ausdruck gebracht, daß ,gut‘ niemand genannt werden
kann als nur Gott, wobei Ich Mich, als Menschensohn, selbst nicht ausnahm.
Ich tat dies geflissentlich, damit sie alle hören und begreifen sollten, daß
das Wort ,gut‘ als Eigenschaft nicht so leicht zu erwerben und zu verdienen
ist, und daß viel, ja sehr viel dazu gehört, um auf eine solche Benennung
Anspruch machen zu können; denn das Wort ,gut‘ hat hier auch die Bedeutung
des Begriffes ,sündenfrei‘. [PH.01_036,09] In der weiteren Folge
dieses Kapitels sagte Ich bei der Gelegenheit, als man die Kindlein zu Mir
brachte, daß die Menschen, wollen sie auf Mein Reich Anspruch machen, den
Kindern gleichen müssen in bezug auf die Einfalt ihres Herzens, ihre Unschuld
und das unbeschränkte Vertrauen zu ihren Eltern. Denn nur derjenige, der
diese Eigenschaften des Kindes besitzt, wird durch Beten und Bitten den Eingang
in Mein Reich erzwingen können, – weswegen der erste Vers dieses Kapitels
sagt, daß man stets beten und nicht davon ablassen, d.h. daß man alles im
Hinblick auf Mich und Meine zwei einzigen Gebote vollführen solle. Um das
aber tun zu können, muß man auch fähig sein, seine Lieblingsgewohnheiten, das
am schwersten Entbehrliche nötigenfalls zu opfern, was Ich durch den Vorfall
mit dem Obersten näher erklärte; denn von diesem Manne verlangte Ich gerade
die Opferung dessen, was ihm am meisten ans Herz gewachsen war. [PH.01_036,10] Das Gleichnis, daß ein
Kamel (Schiffstau) leichter durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in
den Himmel komme, will besagen, daß das erstere leichter zu bewirken sei –
obwohl es zu den Unmöglichkeiten gehört –, als daß ein Mensch, der noch an
weltlichen Dingen hängt, in Mein Reich des Geistes gelangen könne; denn nur,
wenn alles Weltliche dem geistigen Zwecke untergeordnet wird, ist von der
Stufe des Weltlichen ein Aufschwung ins Geistige möglich. [PH.01_036,11] Das, was Petrus bei
diesem Vorfall mit dem Obersten zu dem Schlusse veranlaßte, sie seien Meine
Jünger, eben weil sie alles verlassen hätten und Mir nachgefolgt wären, zeigt
klar, wie leicht die Menschen ihre gebrachten Opfer überschätzen und schon auf
dieser Erde die Belohnung dafür erwarten, während diese ihnen vielleicht erst
im Jenseits, in dem Bewußtsein erfüllter Pflicht, zuteil wird. Meine Jünger
hatten davon deshalb eine andere Auffassung, weil sie alle noch sehr unter
dem Einfluß Meiner sichtbaren Persönlichkeit standen und daher nicht zur eigenen
Reife gelangen konnten. Ja, als Ich ihnen Meine Leidensgeschichte voraussagte,
begriffen sie es nicht; denn sie glaubten, wenn ihnen schon wegen ihrer
materiellen Aufopferungen hier und dort Seligkeiten versprochen würden,
umsomehr müßte Ich, der sündlos und rein vor ihren Augen einherwandelte, deren
teilhaftig werden. [PH.01_036,12] Sie waren blind wie der
Blinde am Wege gen Jericho, sie hörten Mich wohl, aber sie verstanden nicht
den Sinn Meiner Worte. Und wie Ich diesen Blinden sehend machte, weil er fest
an die Möglichkeit der Heilung durch Meine Hand glaubte, so ward auch ihnen
mit der Ausgießung Meines Geistes über sie der geistige Star gestochen, und
sie begriffen dann erst ganz und sahen im hellsten Licht, was Ich ihnen in
vielen Gleichnissen und Bildern während Meiner dreijährigen Lehrzeit gesagt
hatte. Da erst begriffen sie, wer Ich war, was Meine Lehre zu bedeuten habe,
und was ihre eigene Mission sei. [PH.01_036,13] Seht, dieses Evangelium
sagt euch vom Anfang bis zum Ende mit wenig Worten immer das gleiche! Es sagt
euch, wie im praktischen Leben das ,gut‘ oder ,ohne Sünde sein‘ so schwer
ist, und wie die Aufopferungsfähigkeit so viele tausend verschiedene
Abweichungen hat. Der Buchstabe des Evangeliums drückt eben nicht nur das
vermeinte Eine aus, sondern der Sinn des Evangeliums zielt im ganzen darauf
hin, den menschlichen Dünkel, man sei besser als der andere, herabzustimmen.
Daher der Hinweis auf die Demut, wie sie im Zöllner als Tugend, dann beim
Obersten als höchst Gefordertes, in den Kindlein als unbewußte Unschuld
versinnbildlicht, Meinen Jüngern als künftige Belohnung verheißen und von Mir
als irdischer Mensch auf Meinem letzten Leidensgange als höchstes Beispiel
ausgelebt worden ist! [PH.01_036,14] So seht ihr die Stufen
der Demut vor euch, das Herabwürdigen der eigenen Natur vor dem zu
erreichenden geistig höchsten Standpunkt, den Ich euch als Mensch als ewiges
Beispiel zeigte. [PH.01_036,15] Beachtet dieses
Evangelium, in welchem der Lehren tiefste in Worten und in Meinem eigenen
Lebensgang vor euren Augen stehen! Glaubt nicht, als wäret ihr schon etwas
Besseres, weil euch Mein Wort vor vielen anderen zuteil wird und ihr
gleichsam aus Meinem eigenen Munde erfahret, wie man es auffassen und im
Leben ausüben soll! [PH.01_036,16] Auch unter euch sind
noch viele wie der Oberst. Wenn für euch die Stunde heranrücken wird, wo auch
ihr dem Teuersten dieser Welt, welches ihr bis jetzt mit so vieler
Ängstlichkeit bewahrt habt, entsagen müßt, da seid versichert, daß viele von
euch traurig sein und sich von dannen schleichen werden wie der Oberste. Dann
wird der Probierstein an eure menschliche Natur gesetzt, wieviel des
Geistigen ihr aus Meinem euch so vielfach gespendeten Himmelsbrote mit eurem eigenen
Ich vermischt und euch angeeignet habt. Deswegen geht auch an euch der Ruf
des ersten Verses dieses Evangeliums: Betet und lasset nicht ab, damit euch
stets Kraft genug bleibe, unter allen Umständen und Verhältnissen nicht zu wanken,
sondern fest bei Mir zu stehen; denn nur den Ausharrenden werden im Jenseits
ihre weltlichen Verluste vergütet werden, den Schwankenden und Zweifelnden
aber nicht! [PH.01_036,17] Betet ohne Unterlaß,
daß euch in jeder Beziehung der Hochmut oder der Stolz verlasse, und zieht
das Kleid der Demut an! Werdet wie die Kindlein! Glaubt vertrauensvoll an
Meine Verheißungen; denn das, was Ich euch jetzt sage, ist ja nichts Neues!
Schon vor mehr als tausend Jahren wurde es von Mir Meinen Jüngern und
gläubigen Zuhörern gegeben! Schon lange liegt es, wie ihr sagt, schwarz auf
weiß vor euren Augen; aber blind wie der Bettler von Jericho seht ihr nicht
das Licht, das aus diesen Worten strahlt. In eurem Herzensdrange rufet auch
ihr oft zu Mir: „O Herr, mach mich sehend!“ Und es ergeht auch denjenigen
unter euch, die vertrauensvoll wie der Blinde von Jericho sich Meinen Händen
anvertrauen, so, wie es in diesem Evangelium heißt: „Wer ohne Unterlaß betet
und bittet, den werde Ich erhören!“; denn auch ihnen wird ihr Glaube, wie
jenem Blinden der seine, helfen. [PH.01_036,18] Ihr bekommt jetzt in
diesen Sonntagspredigten so viel Licht aus Meinen Himmeln, daß es unmöglich
scheint, daß ihr über den eigentlichen Sinn Meines Wortes, wie es einst
gesprochen wurde, noch Zweifel hegen könnt, ferner darüber, wie es ausgeführt
werden soll, und daß es jetzt selbst in der sozialen und politischen
Entwicklung eures gesamten Weltteils, dem Endresultat, der endlichen Vergeistigung
der menschlichen Seele entgegengeht. [PH.01_036,19] Ich sagte Meinen
Jüngern Meine Leiden und Meinen Tod voraus, sagte ihnen aber nicht, daß eben
diese Leiden und dieser Tod der größte Triumph, der größte Sieg des Geistigen
über die menschliche Natur seien und bleiben würde. Ich verschwieg es, weil
sie Mich nicht verstanden hätten; aber nun sage Ich es frei heraus, daß alles
dahin drängt, zur Reife zu bringen, was Ich in jenen drei Lehrjahren als
Samen ausgesät habe. Meine Lehre wird trotz aller blutigen und scheußlichen
Vorgänge, denen sie in vielen Jahrhunderten als Deckmantel dienen mußte, am
Ende doch siegend hervortreten, wenn die Menschheit durch Leiden und Trübsale
gezwungen sein wird, sich all des Unflats zu entledigen, welcher ihr noch
anklebt. [PH.01_036,20] Was Mir in jenen Zeiten
geschah – die Leiden und Kämpfe und selbst der Tod, der aber durch die
Auferstehung und Himmelfahrt zum Sieg gekrönt wurde –, das geht jetzt mit der
Menschheit vor. Was Ich damals als Mensch litt, wird jetzt die Menschheit
leiden müssen. [PH.01_036,21] Das Weltliche muß
verspottet, verachtet, gekreuzigt werden, soll das Geistige im Menschen
auferstehen, soll eine Annäherung mit Meinem Geisterreich möglich werden! [PH.01_036,22] Ich ging in jener Zeit
mit dem Beispiel voran, und die Menschen müssen jetzt nachfolgen. Wohl dem,
der schon früh Hand anlegt und abstreift, was als weltlicher Ballast sein
Aufschwingen in höhere Geistesstufen hindert! Er gewinnt viel im voraus, und
die zu tief in der Materie stecken und Meinen Ruf zum Erwachen nicht
vernehmen wollen, denen wird es ergehen wie den Mauern von Jericho, welche
bei den Trompetenstößen einstürzten. Sie werden ihrer Vernichtung ebenfalls
nicht entkommen, weil sie, nur Materie, in das Geistige Reich nicht aufgenommen
werden können. [PH.01_036,23] Nicht umsonst sind
diese dreiundfünfzig Predigten für die Menschheit kundgegeben. Für euch und
für alle die, welche einst durstig nach Lebenswasser lechzen werden, sind sie
gegeben. Alle sollen sehen, welche Fülle von Liebe, Wahrheit und Lebenswärme
in den von Meinen Jüngern aufgezeichneten Evangelien verborgen liegt, für
welche aber bis jetzt noch das geistige Verständnis bei der Mehrzahl fehlte. [PH.01_036,24] Um euch also die
Evangelien, mit mehr als sieben Siegeln verschlossen, zu öffnen und durch
diese Bücher den Weg zu Mir und Meinen Himmeln anzubahnen, sende Ich euch
diese Erklärungen. Sollen sie Nutzen bringen, müssen sie nicht allein gelesen,
sondern im Leben ausgeübt werden, damit Ruhe, Frieden und Trost denjenigen im
vollsten Maße werde, welche es sich zum Ziel gesetzt haben, Meine Kinder zu
werden. Amen. 37. Predigt – Am 11. Trinitatissonntage. Die Heilung
eines Taubstummen. [PH.01_037] Mark.7,32-37: Und sie
brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und baten ihn, daß er die Hand
auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die
Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge und sah auf gen
Himmel, seufzte und sprach zu ihm: „Hephata!“, das ist: ,Tu dich auf!‘ Und
alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und
er redete recht. Und Jesus verbot Ihnen, sie sollten's niemand sagen. Je mehr
er aber verbot, desto mehr sie es ausbreiteten, und das Volk wunderte sich
über die Maßen und sprach: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er
hörend und die Sprachlosen redend!“ 17. April 1872 [PH.01_037,01] Die schnelle Heilung
eines Taubstummen, von der diese Verse erzählen, war eine von jenen Taten,
mit welchen Ich von Zeit zu Zeit Meine Lehre bekräftigen mußte, damit Meine
Jünger, sowie das Volk, welches Mir nachfolgte, auch durch Taten überzeugt
wurden, daß Meine Worte göttlicher Abstammung sind. Diese Taten sollten auch
Mein Dasein auf eurer Erde als eine höhere Mission als die eines Propheten
und Sehers begründen und beweisen. Denn das Volk, durch scheinbare
Wunderwerke der Magier und Essäer daran gewöhnt, Dinge vor seinen Augen
verrichtet zu sehen, welche es nicht begreifen konnte, legte nur zu leicht
dem einen oder dem andern einen Namen oder eine Kraft bei, die ihm nicht
eigen war, weswegen Ich hauptsächlich nur Heilungen oder solche Wunder
vollführte, die jenen Gauklern und Magiern nicht zu verrichten möglich waren. [PH.01_037,02] Was den Akt der Heilung
selbst betrifft, so wie Ich ihn verrichtete, hat er einen tieferen, geistigen
Sinn als nur den, daß Ich einen Taubstummen heilte, damit er dann von Mir und
Meiner Wunderkraft reden sollte. Ich hatte derlei Anpreisungen nicht nötig,
ja – wie einer der Verse deutlich sagte – Ich verbot dem Geheilten sowie den
Zeugen, von dieser Tat weiter zu reden. Dies wurde aber nur selten befolgt;
denn eben durchs Verbot erwacht der Drang zum Sündigen noch stärker. Auch
Mein Jünger Paulus empfand dies, indem er seufzend sagte: „Wäre nicht das
Gesetz, so wäre nicht die Lust, dagegen zu sündigen!“ Er bekannte in diesen
Worten die Schwäche der menschlichen Natur und warnte zugleich vor der zu
großen Sicherheit, eine gewisse Stärke erlangt zu haben, damit man nicht
unverhofft desto tiefer falle. [PH.01_037,03] Was das Verständnis der
geistigen Bedeutung dieser Heilung des Taubstummen für euch alle betrifft, so
müßt ihr die Worte ,taub‘ und ,stumm‘ recht ins Auge fassen und dann aus der
gegebenen Erklärung die geistigen Schlüsse herausfinden. [PH.01_037,04] Die Handlung wurde
einer Sonntagspredigt deshalb zugrunde gelegt, um euch Mir näherzurücken.
Denn ihr müßt wissen, daß in jedem Wort, das Ich sprach, und noch mehr in
jeder Handlung, die Ich während Meines Erdenwandels verrichtete, die
Hauptsache bei weitem mehr das Geistige war als der Akt der Tat, die
Gelegenheit oder die Umstände, bei welchen Ich Meine Lehre dem Mir nachfolgenden
Volk kundgab. Jedes Meiner Worte hatte einen weittragenderen Sinn, als jene
Zuhörer ahnten und auch heutzutage noch die meisten Bibelerklärer und
-forscher gefunden haben. [PH.01_037,05] Deswegen muß Ich auch
hier diese beiden Worte ,taub‘ und ,stumm‘ etwas näher erklären, damit wir
durch geistige Entsprechung leichter herausfinden können, was jetzt zu Meinem
Zwecke paßt, und was schon in jener Zeit in Meinem Wort ,Hephata‘ und in der
Handlung, wie auch in der Person, an welcher Ich die Handlung vollzog, lag.
Denn es war kein Zufall, daß ein Taubstummer auf diese besondere Art von Mir
geheilt werden mußte, während Ich bei anderen Gelegenheiten Blinden, Lahmen,
Aussätzigen und anderen nur durch Mein Wort oder durch Auflegen Meiner Hände
die Gesundheit wiedergab. [PH.01_037,06] Seht, um dies alles
geistig aufzufassen und zu begreifen, müssen wir diese beiden Worte ,taub‘
und ,stumm‘ näher betrachten, woraus sich das Weitere dann von selbst erklären
wird. [PH.01_037,07] ,Taub‘ sein ist ein
Zustand, bei dem der innere Geistesmensch, um einen Sinn ärmer, so manches
von den Annehmlichkeiten und geistigen Einflüssen der Außenwelt entbehren
muß, was dem gesunden Menschen durch das Gehör von allen Seiten zuströmt.
Letzterem wird dadurch bewiesen, daß selbst in dem Vibrieren der Materie, das
den Schall bewirkt, weit Größeres, Geistigeres liegt, als er wähnte; denn die
Eindrücke des Schalls bilden, vom leisesten Geräusch bis zur höchsten
Harmonie der Musik oder bis zum noch höheren Ausdruck aller geistigen
Begriffe im Wort, eine große Stufenreihe von Genüssen, Erklärungen und
Kundgebungen Meiner Göttlichkeit und Ewigkeit in der ganzen materiellen Schöpfung,
welche alle dem Tauben fremd und nicht erklärbar sind, sowenig wie dem
Blinden die Farben, zumal wenn diese Mängel von Geburt an bestehen. [PH.01_037,08] ,Stumm‘ ist wieder das
Entgegengesetzte von ,taub‘. Während nämlich im Tauben der innere Mensch
tausender Einflüsse von außen durch das Nichthören beraubt wird, so muß
umgekehrt der Stumme, des Mittels der Sprache beraubt, den Mangel fühlen, die
Einflüsse, welche die ihn umgebende Außenwelt auf ihn ausübt, nicht kundgeben
und die durch das Äußere in seinem Innern sich abspiegelnde Welt anderen
durch das größte und umfassendste Werkzeug, durch die Stimme und Sprache,
nicht mitteilen zu können. Es stehen ihm im besten Falle neben Gebärden und
Zeichen unartikulierte Laute zu Gebot. [PH.01_037,09] Wie Ich in einem
anderen Wort an euch schon sagte, daß gegenseitige Mitteilungen ein
Hauptbedürfnis, ja ein notwendiges Mittel zum Fortschritt auf dem geistigen
Wege sind, so versteht es sich von selbst, daß derjenige, welcher stumm ist,
eine ungeheure Menge von Genüssen entbehren muß, was ihm erst dann zum
Bewußtsein kommt, wenn er das von außen Empfangene wieder durch Mitteilung
zurückstrahlen möchte. [PH.01_037,10] Nachdem Ich euch die
Bedeutung dieser beiden Worte und die Nachteile des Verlustes der einen oder
der andern Eigenschaften näher erklärt habe, so könnt ihr euch einen rechten
Begriff von denjenigen Geschöpfen und Menschen machen, welche nicht nur den
einen oder den andern Sinn, sondern beide entbehren müssen. [PH.01_037,11] Das Fühlen oder die
Aufnahme der von außen kommenden Harmonien und das Wiedergeben der durch
dieselben auf den Innenmenschen hervorgebrachten Eindrücke fehlen. Es liegt
in diesem Mangel ein ungeheurer Hemmschuh des Fortschritts im Geistigen; denn
wer nur durch andere Mittel als durch das Gehör das außer ihm Liegende
aufnehmen und das Aufgenommene notdürftig wieder mitteilen kann, der entbehrt
in Meiner großen Schöpfung vieles, was anderen, ohne es zu wissen, in vollem
Maße in den Schoß fällt. [PH.01_037,12] Nicht ohne Grund bat
Mich in jener Zeit das Volk, diesen Taubstummen zu heilen. Es war von dem
Gedanken geleitet, daß auch er Meine Worte vernehmen sollte, und daß er so,
wenn sein Inneres mit einem großen Reichtum von nie geahnter Geistesfülle
genährt sei, seine und auch Meine Mission auf Erden begreifen könne. [PH.01_037,13] Wie viele Menschen
haben noch jetzt ihr geistiges Ohr Meiner Schöpfung und Meinen Lehren
verschlossen, und wie vielen ist noch bis jetzt Meine ganze Schöpfung ein
stummes, zusammengeworfenes Gemisch von Stoff und Materie, dessen Gesetze
nach ihrer Meinung nur dem Zufall entstammen. Wie vielen rufe Ich zu:
„Hephata!“, d.h.: „Tuet auf eure Ohren, vernehmt den Jubelgesang der ganzen
Natur, die vom letzten Atom bis zur größten Zentralsonne nur Liebe predigt!
Macht auf eure Ohren und vernehmt das geistig Tiefe, welches euch in Meiner
Lehre gegeben wurde, um euch zu etwas Höherem, zu etwas Größerem zu erziehen
als zu vegetierenden kräuter- und fleischfressenden Tieren, die nur mit
größerer Intelligenz als die anderen begabt sind!“ [PH.01_037,14] Wie vielen rufe Ich
dieses alle Tage, jede Stunde, ja jeden Augenblick zu, und jede Gemütsbewegung,
jede Idee, die doch nicht Produkt des Stoffes oder der Materie sein kann,
zeigt ihnen deutlich, daß in dem körperlichen Tiermenschen ein geistiger,
höherer Mensch verborgen liegt, der den äußeren Menschen so vergeistigen
sollte, daß er eine würdige Umkleidung des Innern und ein Geschöpf werde, das
seinem Schöpfer Ehre macht. [PH.01_037,15] Und seht, Tausende
haben sich selbst zur Taubstummheit verdammt. Sie begreifen nicht, welch großer
Schatz geistiger Seligkeiten in Meiner Natur auf sie einwirken will; sie sind
kalt oder stumm bei diesen Eindrücken. An ihren Ohren gehen alle geistigen
Harmonien unbeachtet vorüber, und ihr Inneres ist leer oder nur von
Eindrücken angefüllt, die aus der niedersten Sphäre der Materie oder der Sinnlichkeit
herrühren und sie vom Menschen zum Tier herabdrücken. [PH.01_037,16] Ihr Inneres ist leer,
und weil sie nichts Geistiges geben können, empfangen sie auch von andern
nichts. Für sie herrscht nur die Materie, und Geistiges ist ein Erzeugnis
eines verrückten Gehirns. [PH.01_037,17] Durch dieselben Worte,
welche Ich euch schon seit mehreren Jahren zukommen lasse, rufe Ich Meinen
verirrten Kindern das ,Hephata!‘ zu, lege Meine Finger in ihre Ohren, um sie
noch zu retten, solange es möglich ist und ehe noch die ganze Natur mit
Posaunentönen, statt mit sanften Harmonien, ihnen ins Ohr tönen wird, was sie
auf friedlichem Wege nicht verstehen wollen. [PH.01_037,18] Ich habe die Menschen
nicht erschaffen, daß sie gegen alle Meine Werke taub seien, und habe Meine
Schöpfung nicht mit so vielen Wundern ausgerüstet, daß sie Meinen geistigen
Wesen ein stummes Buch sein solle. [PH.01_037,19] Taubstumm ist und soll
nichts sein in Meiner gesamten Natur! Alles, was lebt, soll die Sprache
seines Schöpfers, seines Vaters vernehmen. Denn Er will mit den Eindrücken
Seiner Schöpfungen die Seele der geschaffenen Wesen so erfüllen, daß in der
Mitteilung des Geschauten, Gefühlten und Gehörten die ganze Wonne des Daseins
liegt. [PH.01_037,20] Nicht stumm soll Meine
Natur sein; denn ,stumm‘ ist soviel wie ,geistig tot‘. Jubelnd soll alles
bezeugen, daß es lebt, daß es sich des Lebens freut, und daß es in allen
Schöpfungen der Außenwelt seinen Schöpfer, seinen liebenden Vater wieder erkennt!
So soll die materielle Schöpfung die Unterlage des Geistigen sein und die
geistige Schöpfung das Materielle vergeistigen! [PH.01_037,21] Taub oder stumm ist und
soll nichts sein in der Welt, am wenigsten der Mensch, der als letztes
Produkt der materiellen Schöpfung auf dieser Erde Mein geistiges Ebenbild in
sich trägt! [PH.01_037,22] Wie Ich dem Taubstummen
das Gehör wiedergab, damit er höre, was und wie alles in der Natur Mich lobt
und preist, so sollte er auch nicht mehr stumm sein, damit er in diesen
Jubelgesang mit einstimmen könne und Mich als seinen Herrn, aber auch als
seinen liebenden Vater erkennen möge. [PH.01_037,23] Wie Ich jenen
Taubstummen heilte, so laßt auch ihr euch heilen, damit ihr, nicht taub gegen
Meine Worte, den andern laut mit der Macht der Stimme voller Überzeugung
verkünden könnt, daß jene Taten und Wunder, vor mehr als tausend Jahren von
Mir verrichtet, geistig nur andeuten wollten, was Ich mit der ganzen
Menschheit im Sinne hatte, als Ich sie schuf, und als Ich euch Menschen auf
dieser Erde zu Herren einsetzte! [PH.01_037,24] Ich wollte nicht Taube
und nicht Stumme, sondern Wesen für Mein Reich erziehen, die offene
Geistesohren und beredte Zungen haben sollen, Mich und Meine Schöpfung zu
vernehmen und laut zu verkünden: „Hosianna in der Höhe! Heil Ihm, der uns
diese außerordentliche Gnade gab, Ihn zu vernehmen, und uns nebenbei auch die
Mittel verlieh, das Vernommene wiederzugeben, damit es nicht für uns allein,
sondern für alle diejenigen ein Gemeingut werde, die Seine Kinder werden
wollen!“ [PH.01_037,25] So wünsche Ich, daß ihr
Mir den täglichen Lobgesang darbringt, damit ihr der ganzen Welt durch Wort
und Tat beweist, daß ihr während Meiner Lehrzeit weder taub noch stumm
gewesen seid! [PH.01_037,26] Dies beachtet zu eurem
Heil, wie auch zum Besten eurer Nächsten! Amen. 38. Predigt – Am 12. Trinitatissonntage. Das Gleichnis
vom barmherzigen Samariter. [PH.01_038] Luk.10,25-37: Und siehe,
da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte Jesus und sprach: „Meister, was
muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?“ Jesus aber sprach zu ihm: „Wie
stehet im Gesetz geschrieben? Wie liesest du?“ Er antwortete und sprach: „Du
sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von
allen Kräften und von ganzem Gemüte, und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Er
aber sprach zu ihm: „Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben!“
Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: „Wer ist denn
mein Nächster?“ Da antwortete Jesus und sprach: „Es war ein Mensch, der ging
von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder. Die zogen ihn aus,
schlugen ihn, gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich aber
ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging
er vorüber. Desgleichen auch ein Levit, da er kam zu der Stätte und sah ihn,
ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah,
jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, goß drein Öl und
Wein, hob ihn auf sein Tier, führte ihn in die Herberge und pflegte sein. Des
andern Tages reiste er, zog heraus zwei Groschen, gab sie dem Wirte und
sprach zu ihm: ,Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's
bezahlen, wenn ich wiederkomme‘. Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien
der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?“ Er sprach:
„Der die Barmherzigkeit an ihm tat.“ Da sprach Jesus zu ihm: „So gehe hin und
tue desgleichen!“ 10. April 1872 [PH.01_038,01] Diese Verse erzählen
euch das Gleichnis vom Samariter. Mit diesem handgreiflichen Bild wollte Ich
dem Pharisäer auf seine Frage: „Wer ist mein Nächster?“ zeigen, wer dieser
sei, und wie das zweite Liebesgebot – ,Du sollst deinen Nächsten lieben wie
dich selbst!‘ – im geistigen Sinn verstanden werden solle. [PH.01_038,02] Die Menschen machten
und machen zu allen Zeiten zwischen Menschen-, Bruder- und Nächstenliebe, die
alle in eine Liebe zusammenfließen, einen großen Unterschied, worüber Ich
euch vor längerer Zeit ein ausführliches Wort gegeben habe, welches hier
eingeschaltet werden könnte, wenn keine andere Erklärung möglich wäre. [PH.01_038,03] Da man aber in jenen
Zeiten, als Ich dieses Gleichnis gab, durch die Unterschiede der Stände oder
Kasten, wie auch durch die Ansichten der Menschen weit von dem entfernt war,
was Ich unter ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!‘ verstanden haben
wollte – was auch aus der Antwort des Pharisäers hervorgeht, welcher erst
fragen mußte: „Wer ist denn eigentlich mein Nächster?“ –, so war es ganz
natürlich, daß Ich aus diesen triftigen Gründen ein Beispiel aufstellen
mußte, um zu zeigen, wer eigentlich der Nächste jedes Menschen sei. Es
besteht in allen künftigen Zeiten über den Begriff ,Nächster‘ und über die
Ausübung der Liebe zum Nächsten kein Zweifel mehr, denn mit einem Wohlwollen
allein, oder mit frommen Wünschen ist dem Nächsten, der Menschheit und Mir am
wenigsten geholfen. [PH.01_038,04] Soviel schon über
dieses zweite Liebesgebot geschrieben und geredet wurde, so haben doch die
wenigsten Menschen eigentlich verstanden, was die Nächstenliebe und wer der
Nächste ist. [PH.01_038,05] Der allgemeine Schluß
ist gleich gemacht: „Die ganze Menschheit ist mein Nächster, und durch das
Gesetz, daß ich den Nächsten lieben soll wie mich selbst, ist auch der
Maßstab der Liebe bestimmt!“ [PH.01_038,06] Ganz recht, sage Ich;
aber jetzt kommt es darauf an: „Inwiefern ist die Menschheit oder jeder
Mensch mein Nächster, und was heißt: sich selbst – aber wohlgemerkt – im
gerechten Maß lieben?“ [PH.01_038,07] In diesen beiden
Begriffen liegt der Schlüssel zu Meinem Reich, weshalb Ich unter allen
erdenklichen Geboten gerade dieses Gebot der Nächstenliebe zum zweiten
Hauptgebot nicht allein für eure Erde, sondern für alle Welten und selbst für
das große Geisterreich gemacht habe. [PH.01_038,08] Es ist vor allem
deshalb das Gebot der Liebe, weil es ohne Liebe keine Wärme, ohne Wärme kein
Leben, ohne Leben keine Schöpfung – was immer für eine denkbare – gibt. Die
Liebe ist der erste Trieb, welcher zur Tätigkeit anspornt; die Tätigkeit
erzeugt entsprechend Wärme. Die Wärme – Ausdruck für Bewegung, Vibrieren –
zeigt sich als Leben, und Leben ist Entstehen, Bestehen und Vergehen, als
sichtbares Zeichen des Lebens oder der Schöpfung in ihrer ganzen Ausdehnung. [PH.01_038,09] Die Liebe adelt alle
Wesen, die sie fühlen und gegen andere ausüben. Ohne Liebe gäbe es keinen
geistigen Maßstab der Handlungen, und ohne Liebe bestände weder Ich, noch
etwas Geschaffenes, das ein Bleibendes werden könnte. [PH.01_038,10] Nun, wie die Liebe in
Mir Meine Geister, die lebenden Wesen und selbst die Materie schuf und sie
alle mit gleicher Glut umfängt, sie ernährt, erhält und leitet, zum
größtmöglichen, geistigen Ziel, zum Inbegriff der höchsten Liebe, – ebenso
soll auch der Mensch seine Umgebung, die Welt, in welcher er leben muß, mit
gleicher Liebe umfassen. Alles Geschaffene, aus Liebe und durch Meine
göttliche Liebe erzeugt, soll steter Beweis sein, daß Ich ein liebender Vater
erst dann bin, wenn Meine erschaffenen Wesen, Meine Nächsten, ihre Pflicht,
ihre Mission so erfüllen, wie Ich sie Mir gedacht habe, und wie Ich sie aus
freiem Antrieb und nicht durch Zwang ausgeführt haben möchte. Der freie Wille
adelt das Geschöpf, im Gegensatz zu dem durch den Instinkt geführten Wesen,
das so handeln muß und nicht anders kann. [PH.01_038,11] Diese über alles sich
ausbreitende Liebe soll der Maßstab für die Menschenliebe sein, welche in
jedes Menschen Brust ihren Wohnort aufschlagen und als bleibendes Denkmal
einer höheren Abkunft auch alle Gedanken, Worte und Taten auf sie beziehen
soll. Diese Liebe soll aber auch, wie die Meine, keinen andern Zweck kennen
als den, alles zum Besten seiner Mitmenschen und seiner mitlebenden Wesen zu
tun, wobei man natürlich dem Nächsten das von ihm Gewünschte nicht immer
gewähren darf, sondern ihm auch manches versagen muß, so das Gewähren vielleicht
Schaden statt Nutzen bringen würde. [PH.01_038,12] Betrachtet Mich! Ich
liebe euch Menschen alle, liebe euch mit einer Liebe, die ihr nicht
begreifen, nicht fassen und nicht erwidern könnt, und doch sage Ich nicht zu
allen Bitten, mit denen ihr Mich überhäuft: „Ja!“, sondern meistens das Gegenteil:
„Nein!“ Und warum? Weil ihr oft Dinge wünscht, die euch geistig schädlich
wären! Und wenn diese Verweigerung dann Leiden und Kämpfe, Unglücks- und Trauerfälle
über euch und die Eurigen bringt, so ist sie doch nur Ausfluß der Liebe, der
Liebe eures himmlischen Vaters, der euretwegen alles erschaffen, euretwegen
so manches erduldet hat und euch stets Undank, Verhöhnung, Verleugnung mit
Segen vergilt. [PH.01_038,13] Hier seht ihr, wie die
Liebe aufgefaßt werden muß, wenn sie nicht Böses, sondern Gutes bewirken
soll. So müßt auch ihr eure Menschen- oder Nächstenliebe auffassen! Wie ein
Vater auf Erden seinen unmündigen Kindern nicht alles gewährt, was sie in
ihrem Unverstand von ihm verlangen, sondern immer den höheren Erziehungszweck
im Auge behält, ebenso sollt auch ihr nur dann eurem Nächsten Gutes tun, wenn
ihr überzeugt seid, daß gemäß eurer Einsicht nicht etwa ein Laster genährt
oder euer Nächster im Nichtstun bestärkt, statt zur Arbeit gewöhnt wird. [PH.01_038,14] Dies ist die Liebe, mit
welcher Ich aus Meiner Weisheit heraus Meine Welten regiere. Ebenso sollt
auch ihr mit euren Verstandeskräften den Trieb des Wohltuns bezähmen und
regeln, damit nicht das entgegengesetzte Resultat die Folge eures, wenngleich
edelsten Willens ist. [PH.01_038,15] Der zweite zu erwägende
Punkt ist: „Ihr sollt den Nächsten lieben wie euch selbst!“ [PH.01_038,16] Nun, auch hier sind so
viele Begriffe möglich, wie es geistige Stufen der menschlichen Natur gibt,
die von der Verleugnung einer Selbstliebe bis zum höchsten Egoismus steigen
kann, – und so entsteht die Frage: [PH.01_038,17] „Wann ist meine
Selbstliebe die gerechte, die mir und andern nützliche?“ [PH.01_038,18] Nur nach Beantwortung
dieser Frage weiß man, welche Liebe und wie sie anderen erwiesen werden soll!
Ihr seht, daß, genaugenommen, die Worte ,Liebe‘ und ,sich selbst‘ ganz andere
Begriffe ergeben als bei deren oberflächlicher Betrachtung. [PH.01_038,19] Die Bedeutung der
Selbstliebe muß erst klar vor euren Augen stehen; ihr müßt wissen, wie und
was ihr an euch lieben sollt, um dann nach dieser Erkenntnis eure Liebe auf
andere übertragen oder die Liebe, mit welcher ihr andere behandeln sollt,
genau beurteilen zu können. [PH.01_038,20] Es ist in jeden
Menschen der Trieb gelegt, sein Leben zu erhalten, es zu verlängern und so
angenehm wie möglich zu gestalten. Dieser nötige Erhaltungstrieb für die
äußere Hülle oder Umkleidung des geistigseelischen Menschen mußte tief in ihn
gelegt und eingepflanzt werden, damit er nicht bei den geringsten
Mißhelligkeiten während seiner irdischen Lebensbahn auf den Gedanken kommt,
diesen hindernden Trieb zu unterdrücken und sich seines Körpers noch vor der
Reife des inneren Menschen zu entledigen. [PH.01_038,21] Dieser Erhaltungstrieb
ist so mächtig und nötig, daß nur Menschen, welche auf alles Geistige
verzichten, keinen Glauben und keine Religion im wahrsten Sinn haben oder
durch verkehrte Weltansichten oder geistige Störungen in ihrem Lebensorganismus
geschwächt sind, dahin kommen können, die so tief eingewurzelte Liebe zum
Leben zu zerstören und ihrem Dasein von sich aus früher ein Ende zu machen,
als es im Plane Meiner göttlichen, überall gültigen Gesetze bestimmt war. [PH.01_038,22] Solche
Selbstmörderseelen werden im Jenseits einen mit weit schwierigeren Umständen
verknüpften Weg zur Ausreife zurückzulegen haben, weil sie unreif aus dieser
Welt gegangen und ebenfalls unreif in eine andere eingetreten sind. [PH.01_038,23] Die zweite Art der
Selbstliebe ist eine höhere, nämlich der Erhaltungs- und Vervollkommnungstrieb
des Geistigen. Der Mensch sucht sein geistiges Ich soviel als möglich Dem
gleich zu machen, der diesen Funken göttlichen Bewußtseins in ihn gelegt, ihn
damit weit über die Materie erhoben und an die Grenze zweier Weiten gestellt
hat, so daß er der körperlichen Hülle nach der Materie und dem Geist nach der
Geisterwelt angehört. [PH.01_038,24] Sowohl im materiellen
wie im geistigen Wesen des Menschen kann ein Mangel oder ein Überfluß an
Selbstliebe vorhanden sein. [PH.01_038,25] Der Mangel an
materieller Selbstliebe gibt sich durch Lebensüberdruß kund, wobei der körperliche
Erhaltungstrieb so gering wird, daß der Mensch oft wegen geringfügiger
Unannehmlichkeiten des irdischen Lebens sein Körperleben vernichtet. Dieser
Zustand wird häufig durch eine verkehrte Erziehung, durch Nichtglauben an
einen Gott oder an ein Fortleben der Seele, oder durch geistige Störungen
hervorgerufen. [PH.01_038,26] Diesem Extrem des
Mangels an Selbstliebe steht dann wieder ein Übermaß an Eigenliebe gegenüber.
Der Mensch, sein leibliches Wohl als Höchstes achtend, will nur dem fröhnen,
was der schmutzigste Egoismus ist. Er ergreift alle Mittel, um seinen Zweck
zu erreichen. Es gibt für ihn nichts als sein eigenes Ich, und er ist, jedes
Band der Nächstenliebe verleugnend, stets nur allein sein Nächster. Diese
Menschen stehen auf der untersten geistigen Stufe; denn sie entziehen sich
aller Kämpfe und aller Aufopferungen. Sie wollen nur Genuß, und zwar nur für
sich allein, und alle Mittel – erlaubte oder unerlaubte, gesetzliche oder
ungesetzliche, göttliche oder teuflische – werden ergriffen, wenn sie nur zu
ihrem angestrebten Ziel gelangen. Solche Eigenliebe schließt alle
Nächstenliebe gänzlich aus. [PH.01_038,27] Eine Eigenliebe kann
auch bestehen, wenn der Mensch nur seiner selbst willen seinen inneren
Menschen so ausbilden, so vervollkommnen will, daß ihm selbst sein Körper zur
Last wird und er sich desselben sobald wie möglich entledigt fühlen möchte. [PH.01_038,28] Hier habt ihr die
beiden Extreme: Mangel und Überfluß an Selbstliebe, sei es im materiellen,
sei es im geistigen Wesen des Menschen. Wenn aber eine Mittelstraße
eingehalten werden soll, wo weder dem einen noch dem andern Extrem zu nahe
gekommen werden darf, so fragt es sich, wie es mit der Nächstenliebe steht,
die sich doch nach der Selbstliebe regeln soll. [PH.01_038,29] Auch hier gilt das
gleiche, was Ich schon im Anfang erklärte: Die gemäßigte, durch den Verstand
geleitete Liebe, die das eigentliche, geistige Ziel des Menschen und das Ziel
seiner irdischen Laufbahn stets im Auge hat, diese Liebe soll die Eigenliebe
in solche Bahnen lenken, daß der Körper nicht unter dem Einfluß des Geistes
und der Geist nicht unter dem des Körpers leide oder gar verkümmere. Der
Mensch soll stets bedenken, daß ihm auch sein Körper als ein Gut anvertraut
wurde, und wie er einst von seiner Seele wird Rechenschaft geben müssen, so
wird auch die Frage an ihn ergehen: „Hast du deinen Körper zu dem Zweck
gebraucht, zu dem er bestimmt war, oder hast du ihn mißbraucht?“ So wird die
Rechenschaft, die der Mensch über seinen Geist und die ihm anvertrauten
Talente abzulegen hat, mit derjenigen, die er über das materielle Leben zu
geben hat, zusammenfallen. [PH.01_038,30] Beides, Geist und
Körper so zu gebrauchen, so zu erziehen und derselben so Meister zu werden,
daß alle Handlungen nur im Hinblick auf Mich, den Geber, geschehen und so den
Stempel der Göttlichkeit tragen. Diese Art zu denken, zu handeln und zu
wirken soll auch der Maßstab dafür sein, wie ihr dem Nächsten eure Liebe
angedeihen lassen sollt! Diese Liebe soll dem Nächsten alles Gute gewähren,
insoweit es Meinen eigenen, sittlichen Grundsätzen entspricht. [PH.01_038,31] Der Mensch muß vorerst
an sich selbst erkennen, was er zu leisten imstande ist, um auch die
Leistungsfähigkeit anderer zu bemessen. Er muß vorerst bei sich das Gute und
Schlechte unterscheiden lernen. Er muß lernen, was dem Geist und was dem Körper
nützt oder schadet, ehe er aus blinder Liebe anderen angedeihen läßt, was sie
nur zum Ruin und nicht zum höheren Ziel führt. [PH.01_038,32] Daher regelt vorher
eure Eigenliebe! Haltet darin gerechtes Maß und Gewicht, und es wird euch die
rechte Selbstliebe am besten zur Nächstenliebe führen! Denn nur da, wo klare
Ansichten herrschen, können auch vollgültige Taten das Resultat sein; sonst
tappt ihr im Finstern herum, verkennt oder mißbraucht eure Liebe zum Schaden
anderer. Überall in der ganzen Welt sind die Extreme schädlich und führen zu
nichts: im Lieben wie im Hassen, im Geben wie im Verweigern, im Reden wie im
Schweigen. [PH.01_038,33] Daher seid bei jeder
Handlung eurer höheren Bestimmung eingedenk und vergeßt dabei nicht, daß ihr
Menschen und keine Götter seid, und daß zu große wie auch zu geringe Liebe
für sich selbst ebenso zu schlechten Resultaten führt, wie zu hoch oder zu
niedrig gespannte Begriffe von Nächstenliebe dem Nebenmenschen eher schaden
als nützen können. [PH.01_038,34] Erkennt zuerst eure
eigenen Schwächen, um nachsichtig gegen die anderer zu sein! Prüft, ob die
Gewährung einer Bitte bei euch Gutes oder Schlechtes hervorbringen möchte,
und regelt danach eure Liebesgaben, eure Aufopferungen gegen euern Nächsten!
Nirgends kann soviel Schaden gestiftet werden, als mit dem wörtlich
genommenen Begriff der Nächstenliebe. [PH.01_038,35] Seht, Ich bin euer
Nächster und tue alles, damit ihr Meine Nächsten, Meine Brüder und
Schwestern, ja, Meine Kinder werdet; und doch bin Ich trotz aller Liebe und
Weisheit nicht so willfährig, den Menschen alles zu geben, was sie oft in
ihrer Unmündigkeit von Mir verlangen, weil Ich als Geist, und zwar als
höchster Geist, am besten weiß, was Meinen Kindern, Meinen geistigen Brüdern
und Schwestern am zuträglichsten ist, und weil Ich sie erziehen und nicht
verziehen will! [PH.01_038,36] Daher nehmt euch ein
Beispiel an Mir, wie Ich Meine ganze Schöpfung zusammenhalte und ihre Teile
gemeinschaftlich zum großen Ziel der Erlösung aus der Materie führe, und ihr
werdet gewiß den rechten Weg zwischen Geben und Nehmen, zwischen Gewähren und
Verweigern finden! Dann wird das zweite große Liebesgebot erst den
eigentlichen geistigen Ausdruck nicht allein im Wort, sondern auch in der Tat
finden, wenn ihr euern Nächsten das tut, was ihr – wärt ihr in der Lage und
in den Verhältnissen eures Nebenmenschen – als geistige Wesen für euch selbst
für das beste halten würdet. [PH.01_038,37] Stets das Geistige
hoch, ja höher als alles andere haltend, müßt ihr darin den Anfangs- und
Ausgangspunkt aller eurer Handlungen suchen, damit sie mit Meinen großen
Schöpfungsgedanken übereinstimmend, euch veredeln und adeln und ihr Mich
dadurch als euern liebevollsten Vater stets mehr verklärt und als das
erkennt, was Ich allen sein möchte, nämlich euer geistiger Führer, Leiter und
Vater. Amen. 39. Predigt – Am 13. Trinitatissonntage. Die Heilung
der zehn Aussätzigen. [PH.01_039] Luk.17,5-19: Die Apostel
sprachen zu dem Herrn: „Stärke uns den Glauben!“ Der Herr aber sprach: „Wenn
ihr Glauben habt wie ein Senfkorn und sagt zu diesem Maulbeerbaum: ,Reiße
dich aus und versetze dich ins Meer!‘, so wird er euch gehorsam sein. Welcher
ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt oder das Vieh weidet,
wenn er heimkommt vom Felde, daß er ihm sage: ,Gehe alsbald hin und setze
dich zu Tische?‘ Ist's nicht also, daß er zu ihm sagt: ,Richte zu, was ich zu
Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke; danach
sollst du auch essen und trinken?‘ Dankt er auch dem Knechte, daß er getan
hat, was ihm befohlen war? Ich meine es nicht. Also auch ihr; wenn ihr alles
getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: ,Wir sind unnütze Knechte, wir
haben getan, was wir zu tun schuldig waren.‘“ [PH.01_039] Und es begab sich, da
Jesus gen Jerusalem reiste, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als
er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von
ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: „Jesus, lieber Meister, erbarme
dich unser!“ Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: „Gehet hin und zeiget
euch den Priestern!“ Und es geschah, als sie hingingen, wurden sie rein.
Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er gesund geworden war, kehrte um und
pries Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und
dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach:
„Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst
keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser
Fremdling?“ Und er sprach zu ihm: „Stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat dir
geholfen!“ 14. April 1872 [PH.01_039,01] In diesen Versen wird
erzählt, wie Ich durch Meinen Willen zehn Aussätzige heilte. Als sie sich,
durch den Glauben an Meine Worte gestärkt, den Priestern zeigen wollten,
verschwand beim Eintritt in den Tempel der Aussatz; denn mit Aussatz behaftet
wäre ihnen der Eintritt in den Tempel verboten gewesen. Aus
Gesundheitsrücksichten hielt sich jedermann, auch außerhalb des Gotteshauses,
von Menschen fern, die von solchen Krankheiten befallen waren. [PH.01_039,02] Diese Tat war ein
Beweis, was der feste Glaube und das unerschütterliche Vertrauen vermögen,
wenn die Seele davon ganz beherrscht wird. Ich wollte durch dieses Beispiel
diese Kraft zeigen und sagte zu Meinen Jüngern – im gleichen Kapitel, Vers
sechs – die Worte: „Wenn ihr Glauben habt, so groß nur wie ein Senfkorn, und
sagt zu diesem Maulbeerbaum: ,Reiße dich aus und versetze dich ins Meer!‘, so
wird er euch gehorsam sein!“ [PH.01_039,03] Was diese Worte geistig
bedeuten, das zeigte Ich kurz nachher durch die Heilung dieser zehn Männer.
So folgte der Theorie die Praxis auf dem Fuß, damit Meine Jünger an anderen
die Stärke des Glaubens beobachten könnten, welcher ihnen selbst bei so
vielen Gelegenheiten mangelte. [PH.01_039,04] Da Ich euch dieses
Beispiel festen Glaubens als Sonntagspredigt gebe, wollen wir das Wort
,Glauben‘ ein wenig näher betrachten, damit ihr und viele andere verstehen
lernt, was eigentlich ,Glauben‘ ist. Denn auch dieses Wort ist eins von denjenigen
Wörtern, welche in vieler Mund, aber in weniger Herzen sind. [PH.01_039,05] Ich muß diese Erklärung
vorausschicken, sonst versteht ihr nicht einmal das Gleichnis vom
Maulbeerbaum, das Ich den Jüngern gab, – um so weniger dann die Handlung mit
den zehn Aussätzigen. Habt ihr erfaßt, was Ich unter ,Glauben‘ verstehe, dann
erst können wir zu seiner Beziehung auf euch, auf die jetzigen, sowie
künftigen Zustände übergehen, wobei auch des einen Samariters gedacht werden
wird, welcher zurückkehrte, um Mir zu danken. [PH.01_039,06] Alles hat seine
natürliche Folge! Wer ein Haus baut, fängt nicht beim Dach, sondern bei den
Grundmauern an. Wenn diese fest sind, ruht auch das Dach auf sicherer
Grundlage. Wie im materiellen, so im geistigen Leben! Daher die vielen Erklärungen,
die Ich euch gebe; daher die vielen Beleuchtungen oft ein und desselben
Gegenstandes, damit ihr eure geistigen Ohren und Augen öffnet und es euch
nicht geht wie einem Menschen, der an etwas denkt und sich dabei nicht bewußt
ist, wie sich während dieser Zeit viele Tausende von Wundern Meiner Schöpfung
auf der Netzhaut seines Auges abspiegeln, weil seine anderweitig beschäftigte
Seele keine Notiz davon nimmt. [PH.01_039,07] In der vorhergehenden
Predigt erläuterte Ich die Selbstliebe und die Nächstenliebe. In der heutigen
sollt ihr den wahren Sinn des Wortes ,Glauben‘ erfahren, desjenigen Wortes,
welches so oft mißbraucht und gewiß unter Hunderten nicht von einem geistig
in seiner höchsten Bedeutung aufgefaßt wird. [PH.01_039,08] Seht, in jener Zeit
wußten Meine Jünger nicht, was eigentlich ,Glauben‘ ist. Ich mußte es ihnen
begreiflich machen, indem Ich sie sichtbar und persönlich führte und vor
ihnen Wunder tat, – und doch begriffen sie die Bedeutung des Wortes ,Glauben‘
nicht. Glaubt vielleicht ihr, die ihr von Mir fast täglich so viel
Himmelsbrot erhaltet, daß ihr wißt, was ,Glauben‘ heißt? Ich muß euch sagen:
Ihr begreift dieses Wort ebensowenig und zeigt täglich und stündlich, daß ihr
sehr wenig Glauben habt, obgleich ihr meint, wenn auch im Lieben schwach, so
doch im Glauben stark zu sein. Dieses euch zu beweisen, soll der Zweck Meiner
Worte sein. [PH.01_039,09] Was heißt eigentlich
,Glauben‘? [PH.01_039,10] Nun, die meisten von
euch werden mit einer Antwort verlegen sein, oder sie wird so ausfallen: „Ich
,glaube‘ heißt soviel als: ich bin ,überzeugt‘, daß dies oder jenes wirklich
so ist, wie man es mir sagte oder mich lehrte.“ – „Glauben stützt sich auf
die Autorität desjenigen, welcher mir dies oder jenes sagt.“ – „Ich glaube
es, weil derjenige, der es mir sagt, davon überzeugt sein wird.“ [PH.01_039,11] Solche und ähnliche
Antworten werdet ihr überall zu hören bekommen, die aber alle auf eins
hinauslaufen und nur immer besagen, daß dieser Glaube auf so schwachen Füßen
steht, daß der leiseste Windstoß ihn umwirft oder zunichte macht. [PH.01_039,12] Einen solchen Glauben
meinte Ich nie. Denn der Glaube, den Ich Meinen Jüngern in oben angeführtem
Gleichnis – Vers sechs – erklärte, indem Ich sagte: „Wenn ihr glaubet, so
heben sich die Berge hinweg!“, dieser Glaube bedeutet etwas ganz anderes, als
man gewöhnlich annimmt, wenn es z.B. heißt: ,Der Glaube macht selig!‘ Jener
Glaube bedeutet einen ganz anderen Zustand, als je durch Glauben, wie ihn die
Priester dem Volke lehren, erreicht worden ist. Ich zweifle sehr, ob mit dem
angewöhnten Glauben schon jemand selig geworden ist, wenn er ihn nicht nach
Meinem Sinn, sondern nach dem der Priester aufgefaßt hat. [PH.01_039,13] Der Glaube also, den Ich
Meine Jünger lehrte, und den Ich ihnen durch die Heilung der zehn Aussätzigen
zeigen und begreiflich machen wollte, ist eine weit mächtigere Kraft in der
Geisterwelt, als ihr glaubt und wähnt; denn dieser Glaube ist die feste
Überzeugung, daß dies oder jenes unwiderruflich geschehen muß, wie es sich
bei Meinem Wort ereignete. Dieser Glaube ist ein Eingreifen in Meine Macht,
eine Teilung Meiner Allmacht, die Ich gerne denjenigen Kindern zulasse, die
wahrhaft diesen Namen verdienen, die aber auch – wohlgemerkt – diese
ungeheure Kraft nie mißbrauchen werden, weil sie nur zu klar und deutlich
einsehen, wie groß dieses Geschenk von seiten des allmächtigen Schöpfers ist,
das nur ein liebendes Kind als Geschenk vom Vater erhalten kann. [PH.01_039,14] Dieser Glaube war es,
welchen die zehn Aussätzigen so fest erfaßt hatten, daß sie noch mit der
Krankheit behaftet ruhig zu den Priestern hingingen, fest überzeugt, Mein
Wort – als göttliches Wort – könne nicht trügen und müsse sich erfüllen, weil
Ich es wollte und sie es glaubten und ganz darauf vertrauten. [PH.01_039,15] Diese Art des Glaubens,
wer hat sie von euch? Legt die Hand auf euer Herz und fragt euch selbst, und
es wird euch wie Meinen Jüngern ergehen! Das Geständnis wird sein: „Solchen
Glauben begreifen wir nicht! Solcher Glaube, solch feste, unwandelbare
Überzeugung, solch festes Vertrauen in Deine göttlichen Verheißungen fehlt
uns gänzlich; wir sind dessen nicht fähig!“ [PH.01_039,16] Und Ich antworte euch:
„Ja, Ich weiß es, daß ihr solchen Glaubens noch lange nicht fähig seid; sonst
würdet ihr die Seligkeit – wie es heißt: Glaube macht selig! – in euch
verspüren, wenn ihr mit Gottesmacht ausgerüstete Götter in menschlichen
Körpern wäret.“ Welch großes Feld der Wirksamkeit sich da vor euch öffnen
würde, wieviel Gutes ihr da stiften könntet, und wie erhaben ihr über dem
niedrigen Getriebe der gewöhnlichen Welt stündet, das könnt ihr nicht
begreifen. Da wäre jenes Wort erfüllt; denn ein solcher Glaube macht euch
selig, überglücklich und zufrieden. Ihr würdet das langsame Aufgehen eures
Ichs in dem Meinen gewahren, wenn ihr euch mit solcher Macht ausgestattet
fühlen würdet, wie sie teilweise den ersten Menschen verliehen war, aber von
ihnen selbst wieder verscherzt wurde. [PH.01_039,17] Dieser Glaube, diese
feste Überzeugung war und ist es, was Meinen Jüngern fehlte und auch euch und
allen Menschen mangelt; und eben deswegen will Ich euch diesen Glauben, der
sich auf die Liebe zu Mir gründet, ans Herz legen, damit auch ihr danach
streben sollt. Denn wenngleich er nicht so leicht zu erringen ist, da viel
Beherrschung und große Sittenreinheit dazu gehört, so könnt ihr dessen doch
teilweise und in Momenten der höchsten Begeisterung teilhaftig werden, wenn
ihr einmal die Idee dieses mächtigen Werkzeugs Meiner göttlichen Macht und
Liebe begriffen habt. [PH.01_039,18] Ihr habt das Wort ,Ich
will!‘ noch nicht begriffen; denn dieses Wort gründet sich auf den Glauben,
daß das, was man will, auch geschehen muß. Diese Macht der Willenskraft ist
derjenige Glaube, der Berge versetzt, der selbst der Natur ihre geheimsten
Gesetze abringt, und durch den manches möglich ist, was bis jetzt zu den
Unmöglichkeiten gezählt wird. [PH.01_039,19] Allein – alles, was ihr
wollt, muß erstens zu geistigen Zwecken und zweitens nur durch Mich und Meine
Macht gewollt werden; denn ohne sie seid ihr ohnmächtig, und nur mit ihr
allmächtig! [PH.01_039,20] Was ist es denn beim
Magnetismus anderes als die Willenskraft oder dieser Glaube, der fest und
unerschütterlich auf Mich vertrauend, durch Auflegen der Hände Übel in kurzer
Zeit heilt, die sonst einen längeren Verlauf hätten!? [PH.01_039,21] Diesem Glauben allein
weicht alles! Nicht, daß das Bewirken außer dem Bereich der Naturgesetze
läge, nein, sondern diese Gesetze, die sich bis jetzt der menschlichen Macht
entzogen haben, werden dem Menschen dienstbar und gehorchen ihm als geistigem
Wesen, als Abkömmling von Mir, während sie dem materiellen Menschen, seinem
Grübeln und Forschen Hohn sprechen. [PH.01_039,22] Sobald sich aber dieser
Glaube in das Menschenherz eingebürgert hat, so wird auch das als zweites im
Evangelium Erwähnte, nämlich die Danksagung und Anerkennung für das erhaltene
Geschenk von oben erfolgen. [PH.01_039,23] Im Evangelium heißt es
im fünfzehnten Vers: Einer der zehn Geheilten kehrte zurück und bedankte sich
bei Mir. [PH.01_039,24] Um es den Juden recht
fühlbar zu machen, was Undank über empfangene Wohltaten bedeutet, mußte es
gerade ein Samariter sein; denn diesen Stamm des jüdischen Volkes sahen die
Juden als den verächtlichsten an, bei dem sie alle schlechten, aber keine
guten Eigenschaften vorhanden glaubten. [PH.01_039,25] Schon im vorigen
Evangelium war es ein Samariter, welcher den Priestern und Pharisäern als
Beispiel dafür dienen sollte, daß man Menschen nicht verachtet, welchen
Stammes oder welcher Abkunft sie auch seien. Auch diesmal mußte wieder einer
aus jenem verachteten Stamme die stolzen und sich besser dünkenden Juden
beschämen, ihnen beweisen, daß niemand, weder Zöllner noch Samariter, so
schlecht sei, daß er nicht Nächstenliebe üben könne, und daß man bei ihm
nicht auch gute, ja oft bessere Eigenschaften antreffen könne als bei manchen
sich hochrühmenden Kasten, – ein Beispiel für heutige Zeiten, in denen so
mancher auf seine Mitmenschen wie jener Pharisäer auf den Zöllner oder ein
Jude auf einen Samariter herabblickte! [PH.01_039,26] Daß von den zehn
Aussätzigen nur einer, und zwar derjenige zurückkehrte, von welchem man es am
wenigsten erwartete, zeigt daß der wahre Glaube nur in ihm Wurzel geschlagen
hatte und er, übermannt von der Gnade des Herrn, nicht anders konnte, als Dem
die Ehre zu geben, von dem die Gnade ausgegangen war. [PH.01_039,27] So wird es auch mit den
Gnadenspenden im Leben aller Menschen sein. Nur diejenigen werden sich der
schönen Resultate ihres festen Glaubens und Vertrauens auf Mich und ihre
eigene Willenskraft zu erfreuen haben, welche offen und frei die Worte des
zehnten Verses bekennen, der lautet: „Und wenn ihr alles getan habt, was euch
befohlen ist, so bekennet, daß ihr unnütze Knechte seid und nur getan habt,
was ihr zu tun schuldig wart!“ [PH.01_039,28] Ich ließ es bei diesem
Akt der Heilung zu, daß neben dem festen Glauben der Geheilten doch auch die
größere Eigenschaft, die Dankbarkeit für die erhaltenen Wohltaten, nicht
vergessen wurde. Eine empfangene Wohltat ohne Dankgefühl gegen den Geber ist
eine halbe, ja oft gar keine Wohltat. Statt daß eine erteilte Gnade den
Empfänger demütigt, macht ihn die Vernachlässigung des Dankes stolz. Das
erste ist Ausdruck der Liebe, das andere Ausdruck des Hasses; das erste ist
ein offenes Bekennen der eigenen Ohnmacht, das zweite ein Bereuen, daß
Umstände es erheischen, anderen dankbar sein zu müssen; das erste ist
himmlischer, das zweite höllischer Natur. [PH.01_039,29] So wollte Ich in diesem
Akt dem nachdenkenden Erforscher dieser Tat noch nach Jahrtausenden ins
Gedächtnis zurückrufen, daß die Macht des Glaubens, so schön sie auch bis zur
höchsten Steigerung sein kann, doch gleich null ist, wenn ihn nicht vor wie
nach der Tat der Aufblick nach oben zuerst seine eigene Ohnmacht und danach
die Allmacht Dessen begreifen läßt, der den Menschen als winzigen Wurm in der
Schöpfung mit solchen Kraftmitteln ausstatten kann. [PH.01_039,30] Dem Menschen, der sich
seines göttlichen Ursprungs bewußt ist und nur nach oben blickt und alles von
dort Geschenkte wieder demütig und dankend auf dem Altar der Liebe
niederlegt, einem solchen Herzen wird die Kraft seines Wollens durch Meinen
Willen verstärkt werden. In einem solchen Herzen lebt als eine Frucht der
Überzeugung der rechte Glaube, welcher dem Menschen durch das Bewußtsein der
Kraft die Seligkeit gibt, die nur ein Kind genießen kann, wenn es die Macht
seines liebenden Vaters erkennt und sich derselben würdig fühlt. [PH.01_039,31] Nach dieser Würde
trachtet! Und wo dann die Dankbarkeit ist, da wird auch das Vollbringen des
Gewollten eure Wünsche krönen! [PH.01_039,32] So nehmt dieses
Evangelium auf als Wegweiser durch das Labyrinth des Lebens. Baut auf einen
soliden, festen Grund, und das Dach, welches dann das ganze Haus unter seine
Obhut nehmen wird, wird Meine Geisterwelt sein, unter deren Schutz ihr, je
nach Maßgabe eures Glaubens, von Stufe zu Stufe über höhere Wesen gestellt
werdet und ihnen beibringen könnt, was Ich euch während eurer Lebens- und
Probezeit oft fühlen ließ, nämlich die unendliche Liebe als Vater und die
unendliche Macht als Kinder, wenn ihr fest glauben und vertrauen gelernt
habt! Amen. 40. Predigt – Am 14. Trinitatissonntage. Die Warnung
des Herrn vor irdischem Sinn. [PH.01_040] Matth.6,24-34: „Niemand
kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern
lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt
nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer
Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr
anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr
denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an! Sie säen nicht, sie
ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater
nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist aber unter
euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget?
Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie
sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß
auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie
derselben eines. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch
heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel
mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen:
,Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?‘
Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß
ihr des alles bedürft. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach
seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht
für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es
ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.“ 20. April 1872 [PH.01_040,01] Diese Verse geben
Verhaltungsmaßregeln für das Leben Meiner Jünger. Wörtlich genommen haben sie
einen ganz speziellen Charakter, indem sie, dem Leben Meiner Jünger angepaßt,
ihnen Vertrauen für die Zukunft, wenn Ich nicht mehr unter ihnen wandeln
würde, einflößen sollten. [PH.01_040,02] Das ganze sechste
Kapitel enthält Maßregeln für das künftige Berufsleben, welchem Meine Jünger entgegengingen.
Es waren die letzten väterlichen Ermahnungen, die Ich ihnen gab, damit sie
Meine Worte in ihrem geistigen Sinn und nicht buchstäblich auffassen lernten,
was oft geschah; denn sie mußten erst selbst darüber im klaren sein, ehe sie
andere belehren und auf den Weg der wahren Erkenntnis führen konnten. [PH.01_040,03] So enthält dieses
Kapitel ausführliche Auseinandersetzungen über die Art und Weise, wie man
Almosen geben, wie man beten und die kirchlichen Gebräuche geistig und zum
Nutzen der Seele ausüben soll. Ferner ist darin der eigentliche Wert der
zeitlichen, materiellen und der ewigen, geistigen Güter gezeigt und die Art,
wie man die Lebenssorgen mit dem Vertrauen auf Mich verbinden kann. Letzteres
war ein wichtiger Punkt, da Meine Jünger nach Meinem Hingang zwischen Geist
und Welt oder – wie es dort geschrieben steht – zwischen Gott und Mammon zu
wählen hatten. [PH.01_040,04] Meine Jünger verließen
alles, was sie an die Welt band, und folgten Mir, die weltlichen Güter und
Bande den geistigen Gütern opfernd. Es war also wohlverständlich, daß,
nachdem Ich ihnen so oft Meinen Hingang vorausgesagt hatte, in ihnen der Gedanke
auftauchte: „Was wird aus uns werden? Es ist wahr, in Seiner Nähe hatten wir
für nichts zu sorgen; aber wenn Er nicht mehr unter uns wandelt, – was dann?“ [PH.01_040,05] Auf diese sich oft
einschleichenden Gedanken mußte Ich ihnen antworten, um ihre aufgeregten
Gemüter nicht allein während Meines Erdenwandels, sondern auch für spätere
Zeiten zu beruhigen, damit auch die Sorge um Nahrung und Kleidung nicht so
schwer auf ihnen laste, wodurch ihre geistige Mission bedeutend gelitten
hätte. Deswegen die väterlichen Worte, deswegen der Hinweis auf die Lilien
des Feldes und darauf, daß der liebende Vater im Himmel nichts vergißt, was
Er erschaffen hat, und Er aus diesem Grund auch sie, die Auserwählten für die
höchsten Zwecke, nicht im Stich lassen werde! [PH.01_040,06] Alle diese Worte, zu
Meinen Jüngern gesprochen, hatten für sie in den Verhältnissen, in welchen
sie lebten, eine wörtliche Bedeutung, sind aber für euch und alle künftigen
Geschlechter geistig zu deuten; denn ihr lebt in anderen Verhältnissen und
habt nicht nötig, euch von allem zu entledigen, um Mir geistig auf dem
bezeichneten Weg zu folgen. [PH.01_040,07] Wenn Ich in jenen
Zeiten sagte: „Man kann nicht zwei Herren dienen!“, so wollte Ich damit
sagen, daß man unmöglich zwei verschiedene Dinge mit dem gleichen Grade der
Liebe umfassen kann. ,Entweder Gott oder dem Mammon dienen‘ will soviel sagen
als: entweder das eine oder das andere als höchstes Ziel vor Augen haben;
denn ,dienen‘ bedeutet: sich mit ganzer Seele dem hingeben, das man vor allem
andern liebt. [PH.01_040,08] In solchem Sinne gilt
dieses Wort auch für euch und das lebende und kommende Menschengeschlecht. Wer
ganz der Welt und ihren Genüssen lebt, nur nach Befriedigung derselben strebt
und alle Mittel aufbietet, das zu erlangen, was ihm als Höchstes erscheint –
d.h. das zeitliche Wohl –, der kann natürlich von Gott und geistigen Gütern
nur einen mittelmäßigen Begriff haben, und diesen Begriff wird er stets den
andern Begriffen unterordnen, weil nur weltliches Wohl und nicht Geistiges
sein höchstes Ziel, sein einziger Wunsch ist. In dieser Hinsicht ist das Wort
wahr: „Man kann nicht Gott und dem Mammon dienen!“ [PH.01_040,09] Aber den Mammon, die
weltlichen Güter zu geistigen Zwecken benützen und demselben keinen größeren
Wert beilegen, als er wirklich hat, ihn zum eigenen und zum Besten seiner
Nebenmenschen verwenden, zumal wenn Ich einzelne mit besonderen Glücksgütern
beschenkt habe, das ist eine andere Sache! [PH.01_040,10] Auch gab es Reiche,
Begüterte und Hochgestellte, welche dennoch nur Mir anhingen und die Welt so
betrachteten, wie Ich es wünschte. Die ihnen anvertrauten Güter waren daher
nur Mittel zum Zweck, aber nicht ausschließlich das einzige Endziel all ihres
Strebens. [PH.01_040,11] Daher ist für diesen
Satz: „Man kann nicht zwei Herren dienen!“ das rechte Verständnis äußerst
notwendig. [PH.01_040,12] Auch die übrigen
Trostworte, die Ich Meinen Jüngern gab, sind nicht im wörtlichen Sinn zu
nehmen; denn bei den jetzigen Lebensverhältnissen ist es sogar Pflicht eines
jeden, für die irdischen Bedürfnisse zu sorgen. Nur soll diese Sorge nicht so
weit gehen, daß sie einen Menschen hindert, sein geistiges Ziel zu verfolgen
und seinem Nebenmenschen Gutes zu tun! [PH.01_040,13] Wahr ist es wohl: ,Die
Vögel säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und
der Vater im Himmel sorgt für sie‘; allein die Tiere sind unmündig, und ihre
Erhaltung bewirkt der Instinkt, durch den die Hungrigen zur Nahrung, die
Durstigen zur Quelle geführt werden. Die meisten Tiere haben auch nur für
sich allein oder für ihre kleine Familie zu sorgen, und für letztere nur auf
kurze Zeit. [PH.01_040,14] Nicht so ist es mit dem
Menschen. Er ist frei. Nicht die Stimme der Natur, nicht der Instinkt,
sondern sein Geist treibt ihn, mittels des Verstandes seine Lage derart zu
verbessern, daß er nicht von Sorgen für seinen körperlichen Organismus gestört
werde, an seinem geistigen Ich zu arbeiten. Er muß also für sein künftiges
Leben, für sich und seine Familie sorgen, weil diese einer längeren Fürsorge
bedarf als die der Tiere. [PH.01_040,15] Der Hauptzweck seines
Lebens muß allerdings das Reich Gottes und seine höhere, geistige Bestimmung
sein, die nach diesem kurzen Prüfungsleben im Jenseits ewig fort gilt. Es ist
also seine Pflicht, die ihm anvertrauten Geschenke – die Talente und
Glücksgüter – so zu verwerten, daß er dabei nie sein geistiges Kleid für jene
lange Lebensdauer einbüßt. [PH.01_040,16] Es heißt wohl in diesen
Worten: „Sorget nicht für den morgigen Tag; denn jeder Tag hat seine eigene
Plage!“; aber dieses Wort war für Meine Jünger in anderem Sinn gesprochen,
als es für euch jetzt gedeutet werden muß. Es will – wie auch alle
vorhergehenden Verse – nur soviel sagen, daß der Mensch seine Sorgen nicht zu
weit ausdehnen und nicht in die Räder des Schicksals oder in die göttliche
Führung des einzelnen eingreifen soll, weil hier sein Bereich aufhört. [PH.01_040,17] Ihr Menschen sollt
euren Sorgen und Anstrengungen nur so weit Raum geben, als sie durch Meine
Lehre, durch Mein Wort gutgeheißen werden und einen Erfolg versprechen. Dann
sind sie gerecht, aber auch nicht zu groß; denn stets werdet ihr den
kleineren, Ich aber den größeren Teil eurer Wünsche zu erfüllen haben. Wenn
ihr dabei noch bedenkt, daß eure Einsicht als endliche Wesen stets
beschränkt, die Meinige als die des allmächtigen Herrn und Schöpfers aber
unbeschränkt ist, so müßt ihr auch einsehen, daß das durch Flehen sehnlichst
Erwünschte nicht immer erfüllt werden kann, sondern daß Ich dasselbe oft
verweigern muß, weil Ich weitblickender bin, als ihr es seid. [PH.01_040,18] Ihr seht aus der
Deutung dieser Verse, wieviel Mißverständnis durch einseitige Auffassung
dieser in jener Zeit ganz anders gemeinten Worte herbeigeführt werden kann.
Damals waren sie dem künftigen Lebensberuf und der sozialen Stellung Meiner
Jünger angepaßt; heutzutage sind sie zwar ebenfalls wahr – denn nur Wahrheit
konnte ja aus Meinem Munde kommen –, jedoch muß mehr ihr geistiger Sinn der
Leitstern eures Tuns und Lassens sein. Die Meinen ersten Jüngern gegebenen
Trostworte müssen Meinen jetzigen, vielleicht letzten Jüngern, in ganz
anderer Bedeutung erscheinen. [PH.01_040,19] Wahr bleibt alles, was
Ich sprach; aber der geistige Standpunkt eines jeden einzelnen motiviert das
Verständnis der Wahrheit. Wenn sie stets den eigenen Verhältnissen angepaßt
und auf Mich bezogen wird, so kann sie die Resultate bringen, die Ich einst
beabsichtigte, und die Ich jetzt bei der geistigen Erklärung derselben wieder
bezwecken will. Ich wiederhole hier, daß das rechte Verständnis Meiner Worte
– die, weil von Mir herrührend, von ewiger Dauer und ewiger Schönheit sein
müssen – euch Dinge offenbart, welche ihr oft in einzelnen Augenblicken ahnt,
aber deren Schleier ihr nie gänzlich zu entfernen vermöget. [PH.01_040,20] Befleißigt euch also,
das geistige Verständnis zu erlangen, damit das in euch einstrahlende Licht
in seiner ganzen Stärke eure Seelen erleuchten, erwärmen, beleben und mit
Meinem Geist verbinden kann! Dann ist der Augenblick gekommen, wo die Decke
der materiellen Schöpfung für euer Auge nicht mehr existiert, wo sie dem
geistigen Auge gewichen ist und euch überall nur Geistiges und Mich als Herrn
des Geistigen, als ewig liebenden Vater erkennen läßt. [PH.01_040,21] Dort blüht euch der
Friede und die Ruhe, als Endziel aller gerechten und eitlen Sorgen; dort ist
die Vergeltung für alles bitter Erlebte, die Belohnung für alles gerecht
Verdiente; dort sind die letzten Bausteine der materiellen Welt zu den ersten
der geistigen umgewandelt, auf denen der ganze, große Bau einer nie endenden
Geisterwelt ruht. Den materiellen Dingen wird ihr geistiger Platz und den
geistigen Wesen ihr zur weiteren Läuterung nötiger Weg angewiesen, damit sie
– von Stufe zu Stufe, von Welten zu Welten, von Sonnen zu Sonnen emporsteigend,
stets mehr Fähigkeiten empfangen, stets mehr Seligkeiten genießen und als
Endziel aller Mühen endlich die Stufe erreichen, wo der Vater, als der eine
Hirte, von Seinen Kindern, als der einen Herde, umringt wird, deren Sammlung
im körperlichen Leben angefangen und im geistig-höchsten geendet hat. [PH.01_040,22] Das ist euer Ziel, und
das ist der Zweck all Meiner Kundgebungen an euch! Ich tue, wie ihr seht und
wohl ahnen könnt, Mein möglichstes. Es liegt nur an euch, Meine vielen Worte
so aufzufassen, wie Ich, der Ich Geist bin, sie nur gemeint haben kann. [PH.01_040,23] Befleißigt euch, deren
Verständnis zu gewinnen, und das Endresultat wird euch beweisen, daß nur auf
diesem Weg ein Vater seine Kinder zu solch einem Ziel führen konnte! Amen. 41. Predigt – Am 15. Trinitatissonntage. Die Erweckung
des Jünglings zu Nain. [PH.01_041] Luk.7,11-17: Und es begab
sich danach, daß Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger
gingen viele mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadttor kam,
siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einziger Sohn seiner Mutter
war, und sie war eine Witwe; und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und
da sie der Herr sah, jammerte ihn derselben, und er sprach zu ihr: „Weine
nicht!“, und trat hinzu und rührte die Bahre an, und die Träger standen. Und
er sprach: „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!“ Und der Tote richtete sich
auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle
eine Furcht an, und sie priesen Gott und sprachen: „Es ist ein großer Prophet
unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht.“ Und diese Rede
von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder. 22. April 1872 [PH.01_041,01] Hier habt ihr wieder
eine jener Wundertaten, die das Volk und Meine Jünger im Glauben bestärken
sollten, daß Ich nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, nicht nur ein Prophet,
sondern etwas Größeres sei, damit sie alle nach und nach williger in Meine
Wege eingehen sollten und sich leichter führen ließen. [PH.01_041,02] Auch die Essäer
erweckten Tote; das ,Wie‘ aber habe Ich euch schon in dem Großen Evangelium
Johannes kundgegeben. Es war, wenn Ich ein Wunder wirken wollte, immer der
Umstand zu bedenken, daß Meine Wunder auf eine andere Art gewirkt sein mußten
als die Wunder anderer. Nur auf diesem Weg und nur durch die schlagendsten
Beweise konnte Ich dieses in den Mosaischen Lehren und Zeremonien verrannte
Volk eines Besseren belehren. [PH.01_041,03] Eine Totenerweckung wie
bei dem Jüngling zu Nain war ihnen noch nicht vorgekommen; daher ihr
gerechtes Staunen ob Meiner Macht über Leben und Tod, welche sie bei Menschen
noch nicht gesehen hatten. [PH.01_041,04] So erzog Ich Meine
Jünger und viele des Volkes, auch Heiden, zu Fortpflanzern Meiner Glaubens-
und Liebelehre. Die Echtheit Meiner Worte und die Wichtigkeit Meiner Sendung,
den Grund, warum Ich auf diese Erde kam, und was das Ziel und der Zweck
Meiner irdischen Laufbahn als Mensch war, das alles bewies Ich ihnen bald
durch Gleichnisse, bald durch Reden, bald durch Wunder. Wenige verstanden
Mich; aber doch war der Same in ihre Herzen gelegt, der nach und nach aufging
und, wenngleich spärlich, doch Früchte zu tragen anfing. Überall paßte Ich
mich den Umständen an; entweder hielt Ich gewaltige Reden oder Ich wirkte
Wundertaten, welche dazu beitragen mußten, den Menschensohn als das zu
verkünden, was er eigentlich war. [PH.01_041,05] Die Wundertat der
Erweckung des Jünglings zu Nain ist aber, wenn sie als Predigt von Nutzen
sein soll, geistig zu nehmen. Wir müssen den Akt des Natürlichen entkleiden,
um seine für alle Zeiten gültige Bedeutung herauszufinden, damit ihr erkennt,
daß in jeder Tat aus Meinen Lehrjahren etwas verborgen liegt, was für alle
Ewigkeiten Geltung hat. [PH.01_041,06] Hier in diesem
Evangelium habt ihr ein einfaches Leichenbegräbnis vor euch, bei dem eine
weinende Mutter dem Sarg ihres geliebten, einzigen Sohnes folgte. Ein gewöhnliches
Vorkommnis, das euch täglich – entweder in eigener Familie oder bei Freunden
und Bekannten – begegnen kann. Überall werdet ihr einen starren Leichnam und
weinende Nachfolgende treffen. [PH.01_041,07] Um diesen Akt einer
natürlichen Gesetzesfolge im menschlichen Leben geistig zu erklären, müßt ihr
auch das, was einem Leichenbegängnisse vorangeht, geistig auffassen lernen. [PH.01_041,08] Seht, jeder Todesfall
ist ein Übergang von einem Extrem zum andern, vom Leben zum Tod, eine
Verwandlung des festen Körpers in einfache Elemente, eine Scheidung des
Geistigen vom Materiellen oder, wenn ihr es noch besser ausdrücken wollt, der
Anfang des geistigen und das Ende des materiellen Lebens. [PH.01_041,09] Es gibt in der
Schöpfung einen materiell-scheinbaren und einen geistig-wirklichen Tod. Insofern
ist ein Begräbnis entweder als ein Begraben des Geistigen im Menschen oder
als ein Verlassen alles Weltlichen anzusehen. [PH.01_041,10] Hier in diesem Falle
beweint eine Mutter ihren einzigen Sohn und folgt seinem Sarg. Zu dieser
traurigen Schmerzensszene kam Ich hinzu. Die Mutter dauerte Mich. Ich ließ
die Träger anhalten und erweckte ihren Sohn, damit er noch ferner die Stütze
seiner ihn liebenden Mutter bleibe. [PH.01_041,11] Diese Handlung, geistig
aufgefaßt, will folgendes sagen: Jetzt und noch oft werden Eltern über ihre
Kinder, die eine falsche Richtung eingeschlagen haben, weinen. Sie werden
trauern, wenn sie sehen, wie diese – ungeachtet ihrer Mühen und Sorgen –,
gleich einer materiellen Leiche nichts Geistiges mehr in sich bergend, nur
der Welt und ihren Genüssen nachgehen und so dem geistigen Tod entgegeneilen. [PH.01_041,12] Zu manchen solcher
weinenden und trauernden Eltern trete Ich bei solchen Ereignissen, wo Vater
und Mutter leider nur zu spät erkennen müssen, daß an dem frühen Geistestod
ihres Kindes sie selbst auch Schuld tragen, hinzu und rufe die in Sünde und
Laster versunkenen Kinder wieder ins Leben, ins geistige Leben zurück, indem
Ich sie die Folgen ihres Lebenswandels in bitterster Weise verkosten lasse.
Ich erwecke sie durch Leiden und Krankheiten, zerstöre ihre körperliche
Gesundheit und ihre weltlichen Verhältnisse und gebe auf diese Weise dem zum
Leichnam gewordenen Kind das Geistige wieder zurück, damit es von neuem
anfangen möge, das Verlorene wiederzugewinnen, und so seinen Eltern durch
reuige Umkehr die Selbstvorwürfe lindere und ihr Gewissen erleichtere. [PH.01_041,13] Solche Leichenzüge gibt
es täglich im gewöhnlichen wie auch im geistigen Leben. Auf eurer Erde ist
jetzt mehr Fäulnis als geistiges Leben vorhanden; beinahe die ganze
Menschheit liegt in materiellen Gelüsten vergraben, gleichsam unbeweglich im
Sarge weltlicher Sorgen und Genüsse. Und die wenigen, welche noch geistiges
Leben besitzen, sind die Leidtragenden, die hinter diesem Sarg einhergehen
und zu Mir um Abhilfe und Rettung flehen, da sie die Toten, ihre Nächsten,
bedauern, bemitleiden – und doch nicht retten können. [PH.01_041,14] Dieser Leichenzug im
Kleinen wie im Großen, wie auch das Wehklagen der wenigen Besseren veranlaßt
Mich, zu diesem Sarg hinzutreten und die Schlafenden oder scheinbar Toten
aufzuwecken, damit sie fürs geistige Leben nicht verlorengehen. Ich erwecke
sowohl einzelne Menschen als auch ganze Völker durch Ereignisse und
Unglücksfälle aller Art und lasse sie die Folgen ihres verkehrten Lebenswandels,
da sie das Geistige so ganz außer acht lassen, fühlen. [PH.01_041,15] Seht, dieser große
Leichenzug bewegt sich langsam an den Ort, an dem die Zersetzung des
materiellen Körpers stattfindet. Der seelische Zustand vieler Menschen, wie
auch der staatliche der Völker, fängt an, in Fäulnis überzugehen, und es
manifestiert sich ein allgemeiner Zersetzungs-, Reinigungs- und
Scheidungsprozeß, wie es bei jedem Körper geschieht, der vom Leben verlassen
und den natürlichen Gesetzen unterworfen, anderen Bildungen wieder als
Grundlage und als Förderungsstoff dienen muß. [PH.01_041,16] Mitten in diesem
allgemeinen Auflösungsprozeß der ganzen Menschheit, die – bildlich gesprochen
– leblos im Sarg der Weltgenüsse liegt, trete Ich hinzu, lasse durch Meine
Boten und Schreiber neues Leben, neue Kraft, neuen Geist in die Pulsadern der
menschlichen Seele strömen und rufe den eingeschlafenen Weltmenschen, wie
einst dem Jüngling zu Nain, zu: „Jüngling! Ich sage dir, stehe auf!“ [PH.01_041,17] Die Menschheit, wie sie
jetzt ist, gleicht mit der kurzen Dauer ihres Prüfungslebens einem Jüngling,
der seine Mission noch lange nicht erfüllt hat. Auch die Menschheit muß ins
Mannes- und dann ins Greisenalter übergehen, damit sie reif wird und sich
anschickt, ihre alten Kleider halbvermoderter Weltansichten auszuziehen und
ein geistiges, nie verwesendes Kleid anzuziehen, welches über dieses kurze
Erdenleben hinaus auch fürs andere, größere, ewige Leben tauglich ist. Dieser
in die Verwesung übergehenden Menschheit rufe Ich zu: „Stehe auf; denn du
bist nicht geschaffen, den langwierigen Weg der Materie, sondern den kürzeren
des Geistes zu wandeln! Stehe auf und beachte Meinen Ruf, ehe der gänzliche
Zerfall aller sozialen Bande dich nur zu bitter belehren wird, daß es noch
eine ganz andere Welt gibt als die, an welche du bisher gedacht hast, und die
nur aus lauter Spekulationen, Betrug und Machthaberei besteht!“ [PH.01_041,18] Seht, wie einst, so
jammert Mich auch jetzt dieser Zustand der Fäulnis! Es jammern Mich die
besseren Leidtragenden, aber auch die Toten, die – da sie Mein Wort nicht
kennen – der Verwesung, dem geistigen Zersetzungsprozeß unwiederbringlich
anheimfallen würden und den langen und beschwerlichen Weg der Erkenntnis von
innen heraus, freiwillig, antreten müßten. Mich jammert es, die Menschheit
als Leiche vor Mir zu sehen, da Ich doch bei Erschaffung der Menschen einem
jeden einen geistigen Funken Meines eigenen Wesens als Mitgift gab. Später
durch Mein Herniedersteigen auf eure Erde habe Ich nicht allein diesen Funken
wieder zur Wirkung gebracht, sondern – was Ich durch Demütigungen und Opfer
bezahlen mußte – euch Menschen vor so vielen anderen Geschöpfen auserkoren,
Mich nicht nur als höchsten Geist, sondern auch als Vater zu erkennen und mit
Mir und durch Mich zur Weiterbildung anderer Welten beizutragen, welchen ihr
dann neue Seligkeiten und neue Wahrheiten bringen dürft. Das Geben derselben
wird euch selbst noch größere Seligkeiten bringen, und ihr werdet als Kinder
Meiner Liebe erst empfinden, was es heißt, die Bevorzugten des allmächtigen
Schöpfers und Herrn des ganzen Universums zu sein! [PH.01_041,19] Darum jammert Mich
dieser Leichenzug, und deswegen ertönt durch Meine Worte und Himmelsgaben,
die Ich auf euch und die ganze Menschheit seit Jahren herniederströmen lasse,
stets der Ruf: „Steht auf, erwacht von eurem weltlichen Schlaf! Erwacht zum
geistigen, zum ewigen Leben; denn nur dort ist die Löse eurer eigenen
Existenz! Dort allein ist der Anfang und das Ende des Menschengeschlechts!
Ihr braucht euch nicht wie der materielle Körper aufzulösen, um anderen
Formen, Wesen und Dingen anzugehören! Nein, ihr sollt eures einfachen
Ursprungs wohl eingedenk, als unmündige Seelen das Knaben-, Jünglings- und
Mannesalter durchleben, um im Greisenalter mit dem Bewußtsein schöner Taten
und mit erhabenen Empfindungen in jene Welt übergehen zu können, wo keine
Verwesung des Weltlichen mehr hinreicht, sondern wo alles Geist, alles Liebe,
alles Licht ist, wo alles Wärme und ewiges Leben atmet, wo es keine
Leidtragenden, sondern lauter freudige, jubelnde Geister gibt! Sie sollen mit
und durch euch zum großen Endziel, in Mein unendliches Geisterreich, geführt
werden, und Ich werde als Vater Meiner Kinder die Erweckten zum ewigen Lichtborn
des Lebens führen. Dann werden sie Mich als Vater erst ganz begreifen. [PH.01_041,20] Diese Auferstehung aus
dem Materiellen, dem weltlichen Sarg, will Ich mit all Meinen Worten
bezwecken, wie Ich einst mit Meinen Wundertaten, Worten und Gleichnissen
ebenfalls die damalige Welt beschützen und vorbereiten wollte, daß sie geistig
nicht verwese. [PH.01_041,21] In jener Zeit waren die
Propheten, Meine Jünger und sonstige Gläubige die Leidtragenden; heutzutage
seid ihr es, denen Ich das Wort des Heils und des ewigen Lebens gegeben habe,
damit auch ihr, soviel wie möglich, zum Rettungswerk beitragen könnt! [PH.01_041,22] Arbeitet zu diesem
Zweck in euren eigenen Familienkreisen! Laßt dort keine Tote oder Verwesende
aufkommen! Säet den Samen des Lebens, den dann Mein geistiger Wind, wie die
Herbststürme den materiellen Samen auf zu befruchtende Felder, in die durch
Leiden und Unglücksfälle zubereiteten Herzen führen wird, damit auch dort das
Auferstehungsfest sich wiederhole! Dann wird vom ganzen leblosen Leibe der
Menschheit nichts als der Sarg, die Welt selbst übrigbleiben, die sich dann –
will sie dem Menschen nützlich sein – durch den Einfluß der vergeistigten
Menschheit ebenfalls vergeistigen muß. So wird das einstige Paradies wieder
erstehen, in welchem der Mensch, als geistiges Geschöpf Meiner Schöpferhand
entstiegen, wieder geistiger Herr über alles Getier und selbst über die
Elemente ist, – was nur der lebende, nicht aber der tote ,Jüngling zu Nain‘
vermögen wird. Amen. 42. Predigt – Am 16. Trinitatissonntage. Die wahre Sabbatfeier. [PH.01_042] Luk.14,1-6: Und es begab
sich, daß Jesus in ein Haus eines Obersten der Pharisäer kam auf einen
Sabbat, das Brot zu essen; und sie hatten acht auf ihn. Und siehe, da war ein
Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den
Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: „Ist es auch recht, am Sabbat zu
heilen?“ Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilte ihn und
ließ ihn gehen. Und er sprach zu ihnen: „Welcher ist unter euch, dem sein
Ochse oder Esel in den Brunnen fällt und der nicht alsbald ihn herauszieht am
Sabbattage?“ Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. 23. April 1872 [PH.01_042,01] Der Anfang dieses
Kapitels spricht von der Heilung eines Wassersüchtigen, und zwar im Hause
eines Obersten der Pharisäer und an einem Sabbat, an dem nach den strengen
Vorschriften der Juden nichts weiter getan werden sollte, als den kirchlichen
Gebräuchen und Zeremonien nachzukommen. [PH.01_042,02] Daß diese Heilung unter
den angeführten Umständen vorgenommen wurde, hatte seinen guten Grund. Dieser
Oberste war zwar ein Anhänger Meiner Lehre, jedoch faßte er die Satzungen des
Tempels nur im buchstäblichen Sinne auf; auch hörte er Mich gern an, wenn Ich
nur nichts unternahm, was gegen seine Ansichten und gegen seine Würde als
Pharisäer verstieß. Ich ließ es daher zu, daß, während Ich am Tisch bei ihm
saß, ein mit der Wassersucht behafteter Mann ins Zimmer trat und Mich um Heilung
seiner Krankheit anflehte. [PH.01_042,03] Daß Ich ihn heilte,
bezeugt das Evangelium. Aber weil Ich ihn gerade an einem jüdischen Sabbat
heilte, war das ein Stein des Anstoßes. Gerade dadurch wollte Ich den
Pharisäern klar zeigen, wie schlecht sie ihre eigenen Satzungen verstehen,
und wie falsch sie diese dem Volk beibringen. Daher der Einwurf, indem Ich
sagte: „Wenn euch ein Ochse oder ein Esel am Sabbat in den Brunnen fällt, so
ziehet ihr ihn doch heraus, weil es eben euer eigenes Interesse verlangt;
aber am Sabbat ein gutes Werk an anderen oder für andere zu verrichten, das
haltet ihr für Sünde!“ [PH.01_042,04] Ich wollte ihnen
dadurch beweisen, daß Wohltaten und gute Handlungen nicht den vorgeschriebenen
Feiertag oder Sabbat entheiligen, sondern ihn eher heiligen als viele
nutzlose Gebräuche und Zeremonien, welche gedankenlos vollführt werden. [PH.01_042,05] Bei dem jüdischen Volke
gab es derlei Mißstände in Menge. Obwohl sie die Gesetze Mosis und die
Propheten hatten, so wußten sie doch ihren Wortlaut nicht geistig zu deuten.
Sie wurden von den Pharisäern und Schriftgelehrten im Wahne buchstäblicher
Auffassung bestärkt, weil den letzteren sehr viel daran lag, die Gesetze so
auszulegen, und daß es nicht viel Mühe kostete, ein Jude im Buchstabensinn zu
sein. [PH.01_042,06] Daher Mein Darniederkommen
gerade inmitten dieses Volkes, welches schon lange eine Religion besaß, die
als Unterbau zu Meiner Lehre am ehesten tauglich war. Es kam nur darauf an,
die alten Gesetze nicht umzustoßen, sondern sie dem Judenvolk gereinigt
wiederzugeben, geistig zu erklären und auf diese Weise die Menschenwürde zu
retten, welche nahe daran war, in lauter zeremoniellen Gebräuchen des Tempels
und in egoistischen Weltgenüssen unterzugehen. [PH.01_042,07] Während Meiner drei
Lehrjahre verfolgte Ich stets diesen Zweck. Ich suchte Gelegenheiten auf oder
ließ solche zu, welche den Anlaß gaben, gegen die falschen Ansichten und
Vorurteile der Juden anzukämpfen. [PH.01_042,08] So war auch die Feier
des Sabbats eine Frage, die Ich als Stifter Meiner göttlichen und einzig wahren
Religion nicht gleichgültig übergehen konnte. Um diese Vorurteile
auszumerzen, fing Ich gerade im Hause eines Obersten der Pharisäer an,
dagegen zu handeln, damit diese Handlung einen Grund zur Aussprache geben
sollte. Weil nun die Pharisäer die ersten sein und alles besser wissen und
verstehen wollten, darum mußten auch sie zuerst von ihren irrigen Begriffen
gereinigt werden, wenn je dem Volk reiner Wein eingeschenkt werden sollte.
Deshalb wirkte Ich diese Heilung gerade vor ihren Augen und antwortete ihnen,
daß sie verstummen mußten, wie die Verse 5 und 6 bezeugen. [PH.01_042,09] Die Obersten des
Tempels hatten vom Wohltaten erweisen eine ganz andere Ansicht, so daß Ich
Mich oftmals genötigt sah, ihnen die Worte von der Nächstenliebe in
Beispielen und Gleichnissen näher auseinanderzusetzen; denn nach ihrer
Ansicht waren Wohltaten nur dem Tempel und ihrer Person zu erweisen. Alles
andere, das an Menschen getan wurde, war für sie nicht der Beachtung wert. [PH.01_042,10] Schon in jener Zeit
wurde die Feier des Ruhetags jede Woche falsch aufgefaßt; und heutzutage wird
dieser Tag ebensowenig richtig gefeiert oder – mit anderen Worten gesagt –
der geistigen Erziehung gewidmet wie damals. Es ist deshalb wohl auch jetzt
nicht unrecht, wenn Ich, anschließend an diesen Heilungsakt am Sabbat, über
die Feier dieses Tages einige Bemerkungen anknüpfe und euch zeige, daß auch
ihr noch sehr weit davon entfernt seid, diesen Tag so zu feiern, wie es Moses
gemeint hatte und Ich selbst es verstanden wissen möchte! [PH.01_042,11] In der Welt, wie sie
war und noch ist, gibt es stets Befehlende und Gehorchende. Es war von jeher
der Fall, daß die Befehlenden, nur ihren eigenen Nutzen im Auge behaltend,
oft die Gehorchenden und ihre Arbeitskraft mißbrauchten, ihnen wenig Ruhe,
wenig Zeit gönnten, um auch nur wenigstens einmal in der Woche das Zeitliche
beiseitesetzen und entweder ein Wort geistigen Sinnes vernehmen oder eine
Betrachtung höherer Art anstellen zu können über den wahren Grund ihrer
eigenen Existenz, darüber, was sie als Menschen sind oder als mit göttlichem
Geist begabte Wesen werden sollen. [PH.01_042,12] Dies war der Grund,
warum Moses in seinen Gesetzen das, was die Mächtigen nicht freiwillig
wollen, als von Gott anbefohlen hinstellte. In der bildlich dargestellten Schöpfungsgeschichte
ließ er den obersten Herrn und Schöpfer selbst nach sechstägiger Arbeit den
siebenten Tag als den Tag der Ruhe einsetzen. [PH.01_042,13] Diese Anordnung, die
zur Bewahrung der moralischen Würde des Menschen notwendig war, ist auch von anderen
Völkern angenommen worden und besteht jetzt fast überall. Wenn auch die damalige
Woche anders eingeteilt war, als es eure jetzige Zeitrechnung tut, so ist
doch immer ein Tag in der Woche festgesetzt, der zum Ausruhen von körperlicher
Anstrengung, zur Einkehr in sich selbst und zum Nachdenken über die geistige
Mission des Menschen bestimmt ist. [PH.01_042,14] Was die Juden zuviel
taten, indem sie durch buchstäbliche Auffassung ihrer Satzungen zu weit
gingen, das ist bei den christlichen Völkern schon seit langer Zeit umgekehrt
der Fall. Während bei jenen als strenges Gebot die Heiligung des ganzen Tages
anbefohlen war, genügt bei den Christen zeitweiser Kirchgang; die übrige Zeit
wird mit Vergnügungen, Prassen und Schlemmen zugebracht. Am Sonn- und Feiertag
wird im ganzen mehr Schlechtes getan als während der ganzen Woche, wo wegen
Beschäftigung und Mangel an Mitteln die nötige Zeit und Gelegenheit fehlt. [PH.01_042,15] Was bei den Juden die
Pharisäer taten, das befolgten später die christlichen Priester. Sie dachten
nur an ihr eigenes Ansehen und ihre Macht. Die Pharisäer setzten den Tempel
als erstes voran, und die Priester der Christen ihre Kirche. Bei den ersten
dehnte sich die Weihe des Feiertages auf 24 Stunden aus – auch außerhalb des
Tempels mußte der Feier des Tages noch gedacht werden –, bei den Christen
beschränkt sie sich nur auf einige Stunden in der Kirche. Die meisten
Menschen glauben, sich mit Mir abgefunden zu haben, indem sie ein paar
Stunden in einer Kirche saßen, standen oder träumten, nichtssagende Gebete
herunterplapperten oder gemütlich einschlafend den Predigten der Priester ein
natürliches Stillschweigen entgegensetzten. Damit ist freilich dem Ehrgeiz
der Priester geschmeichelt, sehen sie die Kirchen voll menschlicher Leiber;
aber die Seelen derselben beschäftigen sich entweder mit gar nichts oder mit
etwas ganz anderem als mit dem, was die Kirche oder Meine von Mir gestiftete
Religion erheischt. [PH.01_042,16] So greift der Mißbrauch
immer mehr um sich, und jetzt fängt man sogar an, auch diesen Tag nicht mehr
als Ruhetag gelten zu lassen, da man das Gewissen der Gehorchenden durch Geld
zu beschwichtigen weiß und ihnen das wenige, was sie noch glauben,
hinwegdisputiert, ohne ihnen dafür etwas Besseres zu geben. [PH.01_042,17] So geht der Verfall von
Stufe zu Stufe fort. Die Befehlenden glauben dadurch einen Gewinn erreicht zu
haben, daß ihr Eigennutz nun freiwillig von der arbeitenden Klasse, die
ebenfalls wieder aus Eigennutz schafft, unterstützt wird. Doch sie irren sich
gewaltig! Sie werden sehen, wohin es führen wird, wenn man dem
Minderbegüterten die wenigen geistigen Elemente, die auch den Mächtigen ganz
fremd geworden sind, entzieht und ihm durch Vermehrung des Gewinns seine
Laster vermehrt. Sie verachten alles, was sich auf Mich und Meine Lehre
bezieht. Und dieses Beispiel wird auch von den Untergebenen gewissenhaft
befolgt. So siegt endlich das Materielle über das Geistige, bis Ich die
Verhältnisse so stellen werde, daß die Machthabenden die Früchte ihres
Egoismus – welche ganz anders ausfallen werden, als sie es sich erträumen –
ernten müssen. [PH.01_042,18] Der Sonn- und Feiertag
soll ein gewisser Hemmschuh sein; er soll der Tag sein, an dem die Mächtigen
den Niederen eine Anerkennung für das Geleistete zu geben haben. Und für die
Gehorchenden soll der Sonn- und Feiertag der Tag sein, an dem sie sich daran
erinnern sollen, daß ein Tag zu Betrachtungen über seine eigene geistige
Bestimmung nicht zuviel ist; er soll der Tag sein, an dem die Geschäfte zu
ruhen haben. [PH.01_042,19] An diesem Tag spricht
Meine Natur ihre ewig gleiche Sprache zu allen Herzen: „Vergeßt über all
euren Arbeiten den Schöpfer nicht, der so viel Wunderbares und Herrliches auf
dieser Erde geschaffen hat, um euch stets daran zu erinnern, daß ihr nicht
für diese Welt allein bestimmt seid, daß eure Arbeit nicht immer materiell,
sondern auch geistig sein soll! Erkennt Den, der mit so viel Liebe und Geduld
euch schwache Kinder führt, und der euch mitten unter die Herrlichkeiten
setzte, die wenigstens an einem Tage der Woche euch eure schwere Arbeit vergessen
machen möchten!“ [PH.01_042,20] Ich selbst als Schöpfer
setzte den Tag der Ruhe nach Moses Schöpfungsgeschichte am siebenten Tag ein.
Er war gleichsam das Bild dafür, daß Ich, nachdem Ich Mich mit Materie beschäftigt
hatte, am siebenten Tag in die bis dahin starre Hülle den Geist eintreten
ließ. Und dieser Tag, an dem Ich die Materie zu etwas Geistigem erhob, war
der Tag der Feier oder der Weihe. Daher soll er auch vom Menschen gefeiert
werden, wenn er – gleich Mir – sechs Tage geschafft und gearbeitet hat. [PH.01_042,21] Am siebenten Tag soll
der Mensch sein Werk betrachten, um darin die geistige Idee wahrzunehmen,
welche ihn leitete, solches hervorzubringen. Es soll dieser Tag ein Tag der
Feier in geistiger Hinsicht werden, an dem er erkennen soll, daß sein
wöchentliches Schaffen und seine eigene Existenz nicht eine materielle,
sondern eine geistige Grundlage hat, deren er sich eben an diesem Tag mehr
als an anderen erinnern soll. An diesem Tag, wo keine Pflicht, keine
Arbeitsstunde ihn zum materiellen Handwerk zwingt, soll er sich Meiner
Schöpfung, Meiner Lehre, Meiner Liebe und Meiner Aufopferung für ihn im
einzelnen, wie für die ganze Menschheit erinnern. [PH.01_042,22] Dieser Tag soll ihm
deswegen ein Tag der Weihe werden, weil er an ihm das Materielle abstreifend
sich mehr dem geistigen, hehren und erhabenen Ziel nähern kann, zu welchem er
und die Gesamtschöpfung gelangen sollen. [PH.01_042,23] So soll ein jeder
Mensch den Sonntag feiern als einen Erinnerungstag Meiner Liebe und zum
Andenken an alles, was Ich für ihn getan habe. Dann wird dieser Tag für alle
Werktage ein sanftes, religiöses Gefühl zurücklassen, durch welches auch die
materiellste Arbeit geheiligt wird. So kann der Mensch allem, was er tut und
leistet, den Stempel seiner eigenen Göttlichkeit aufdrücken. [PH.01_042,24] So soll der Sonn- oder
Ruhetag von euch verstanden und gefeiert werden. Ihr sollt euch stets
erinnern, daß es einst einen solchen Tag für Mich gegeben hat, und daß ein
jeder einen solchen Festtag dann erleben wird, wenn er, der materiellen Hülle
ledig, in der anderen, ewigen Welt als vergeistigter Seelenmensch ankommt und
als Erinnerung das Bewußtsein mitbringt, allen seinen materiellen Beschäftigungen
den Stempel eines großen Menschengeistes, der ihn adelte und dessen er würdig
war, aufgedrückt zu haben. [PH.01_042,25] Daher haltet auch ihr
diese Ruhetage in einem höheren, geistigen Sinn! Seht durch des Buchstabens
harte Rinde das Geistige hindurchleuchten! Dieses ist, was beseligt.
Vergeistigt alles, eure Umgebung, euch selbst, eure Taten und Worte! [PH.01_042,26] Nicht allein der
siebente, sondern ein jeder Tag, an dem ihr geistig vorwärtsschreitet, wird
dann für euch ein Sonn- und Feiertag sein, der – wie die Sonne, nach welcher
dieser Tag bei euch benannt ist – Licht, Wärme und Leben über euch und eure
Umgebung ausströmen wird. Jeder Tag wird ein Tag der Feier oder der Wonne
werden, wenn ihr – eures Schöpfers würdig und euer Ziel klar erkennend – von
Stufe zu Stufe vorwärtsschreitet, bis euch der ewige, nie endende Feiertag,
der Tag der Feier der ewigen Seligkeit in jenen Räumen zuteil wird, in denen
jeder Tag ein Tag der Weihe und des Friedens ist, wie ihn ein liebender Vater
Seinen Kindern schon von unendlichen Zeiten her bereitet hat. Amen. 43. Predigt – Am 17. Trinitatissonntage. Das größte Gebot. [PH.01_043] Matth.22,34-40: Da aber
die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte,
versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte
ihn und sprach: „Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?“ Jesus
aber sprach zu ihm: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen,
von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte
Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als
dich selbst. In diesen beiden Geboten hanget das ganze Gesetz und die
Propheten.“ 24. April 1872 [PH.01_043,01] Über die Antwort,
welche Ich dem Pharisäer auf seine Frage: „Welches ist das vornehmste Gebot?“
gab, ist euch schon manches gesagt worden, und es wäre eigentlich nicht
notwendig, hier über die beiden Liebesgebote: „Liebe Gott über alles und
deinen Nächsten wie dich selbst!“ noch weiter etwas zu sagen. Allein da es
hier als eine Sonntagspredigt besonders angeführt ist, wie die Pharisäer und
Schriftgelehrten Mich versuchten, um einen Anklagepunkt gegen Mich zu finden
– weil ihnen Mein Treiben und Meine Wahrheiten lästig waren –, so wollen wir
diese zwei Gesetze einer näheren Betrachtung unterziehen. Ich werde euch
sowohl die dortige Lage der Dinge, als auch ihre analoge geistige in jetziger
Zeit etwas näher auseinandersetzen, damit ihr den Zusammenhang Meiner Worte
und Taten in jener Zeit mit den jetzigen Ereignissen leichter in Einklang bringen
könnt. [PH.01_043,02] Seht also, in jenen
Zeiten meines Erdenwandels war die Priesterkaste ebenso ehr- und habsüchtig,
wie sie es in allen späteren Zeiten gewesen ist, und wer ihre Macht schmälern
oder gar vernichten wollte, war natürlich ein Feind der Kirche, weil er ein
Feind der Priester war und das Volk von ihnen abwenden wollte, was sie dann
besonders in bezug auf ihre Macht und am meisten an ihren Geldsäcken verspürt
hätten. Sobald also ein Lehrer auftrat, wie Ich es tat, dem sie wegen seiner
klaren Worte wenig Widerspruch entgegensetzen konnten, waren sie nur darauf
bedacht, ihn als gefährlichen Aufwiegler gegen die bestehenden politischen
Einrichtungen unter irgendeinem Vorwand der Obrigkeit zur Bestrafung zu
überliefern, welches ihnen auch gelang, als die Zeit Meiner Mission auf Erden
zu Ende ging. So oft sie es früher versuchten, wich Ich ihren gelegten Fallen
persönlich und ihren verfänglichen Fragen durch wohlbedachte Antworten aus. [PH.01_043,03] In diesem Kapitel
findet ihr verschiedene Fragen, verschiedene Versuche, Mich mit der Obrigkeit
zu verwickeln, damit sie ihren Zweck erreichen könnten, ohne daß es den
Anschein hätte, als wären sie die Urheber Meiner Gefangennahme, weil sie das
Volk fürchteten, das Mir anhing und nachfolgte. Daher solche Fragen, wie die
wegen des Zinsgroschens und mehrere andere dieser Art. Auch die Frage eines
Schriftgelehrten: „Welches ist das vornehmste Gebot?“ war auf einen Fang
abgesehen; denn dieser Fragende erwartete von Mir eine Antwort, aus welcher
eine Mißachtung der bestehenden weltlichen Gesetze herausgefunden werden
könnte, worauf die Diener und Knechte des Statthalters triftigen Grund gehabt
hätten, Mich den Gerichten zu überliefern. Da Ich jedoch ihre Gedanken und
Absichten im voraus wußte, hütete Ich Mich wohl, ihnen vor der Zeit Anlaß zu
lügnerischen Beschuldigungen zu geben. Meine Antwort fiel so aus, wie sie
schon in ihren Gesetzen lag, nur war Meine Deutung dieser Gesetze von ihrer
Deutung verschieden, verschieden war auch die Anwendung dieser Gesetze, also
die Art und Weise, wie Ich sie befolgt haben wollte. [PH.01_043,04] In den mosaischen
Gesetzen waren die beiden einzigen und wichtigsten Gesetze ebenfalls
enthalten. Doch die Deutungen und Erklärungen der Priester und
Schriftgelehrten machten sie dem Volk nur von der Seite zugänglich, von
welcher für den geistigen Menschen wenig herausleuchtete und es ihm schwer
wurde, seine richtige Stellung zu Mir und zu seinem Nächsten, sowie zur ganzen
Schöpfung herauszufinden, ein Verhältnis, welches auch jetzt noch von wenigen
in dem Sinne aufgefaßt wird, wie es dem Geiste nach sein sollte. Damals hielt
sich das Volk an den Buchstaben, und jetzt, nach mehr als tausend Jahren,
klebt es noch immer ängstlich an demselben wie eine Fliege an einer Leimrute,
welche gerne frei sein möchte, der aber die nötige Kraft fehlt, sich selbst
frei zu machen. [PH.01_043,05] Wenngleich Ich dem
Pharisäer diese zwei einzigen Gebote als die größten bezeichnete, so begriff
er sie ebensowenig wie die Antwort auf Meine Frage: „Was haltet ihr von
Christus?“ Diese Antwort war einem Psalm Davids entnommen und zeigte ihnen in
Fernsicht, daß Mir als Herrn der Schöpfung am Ende doch alles untertan und zu
einem Fußschemel wird, auf dessen Fläche Meine Füße ruhen werden, d.h. worauf
Meine Lehre als Gebäude aufgerichtet werden wird. [PH.01_043,06] Was es heißt: „Gott
über alles lieben“, begriffen damals und begreifen heute noch viele nicht;
und was es heißt: „Seinen Nächsten lieben“ – ein Ergänzungsgebot des ersten
–, ist vielen Menschen ebensowenig klar. [PH.01_043,07] Seht, „Gott über alles
lieben“ ist ein Wort, das leicht auszusprechen, aber nicht so leicht
verstanden und noch schwieriger auszuführen ist! Da muß Ich wieder zuerst
fragen: „Warum sollen denn die Menschen Gott über alles lieben?“ – Diese
Frage muß zuerst beantwortet werden, ehe über Liebe und das Maß derselben
gesprochen werden kann. [PH.01_043,08] Nun, wenn ihr diese
Frage mit kühlem Verstand betrachtet, so geht aus dieser Betrachtung eine
andere Frage hervor, nämlich die: „Warum soll ich denn Gott lieben?“ Hier ist
nun in Betracht zu ziehen, daß der kalt urteilende Mensch so antworten wird:
„Wenn ich so recht nachdenke, finde ich keinen Grund, einen Gott zu lieben,
erstens, weil ich etwas Unsichtbares nicht lieben kann, und zweitens, weil
ich dem Gott, der mich erschuf, nicht zum Dank verpflichtet bin. Als Er mich
erschuf, hat Er mich nicht gefragt, ob es mir recht ist oder nicht! Er hat
dabei nur sein Vergnügen des Erschaffens im Auge gehabt, aber nicht danach
gefragt, ob ich als erschaffenes Wesen dann mit meinem Zustand und meiner Stellung,
die Er mir unter den andern Wesen angewiesen hat, wirklich zufrieden bin, und
ob ich mich glücklich fühle.“ [PH.01_043,09] Aus diesen Schlüssen
ginge hervor, daß von seiten des Menschen gar keine Verpflichtung vorläge,
seinen Schöpfer zu lieben, selbst wenn Er ihn auch in die glücklichsten
Verhältnisse gestellt hätte, um so weniger aber, wenn in Betracht gezogen
wird, mit welchen Drangsalen, Leiden und Mißhelligkeiten der Mensch von
Geburt an bis zum Tode kämpfen muß. Deswegen sollten die Menschen Gott
lieben, und dazu noch über alles? Das wäre doch etwas zuviel verlangt! So
manche Menschen möchten zu ihrem Schöpfer sagen: „Wenn Du mich nicht als
Mensch erschaffen hättest, könntest Du noch eher Anspruch auf meine Liebe
erheben; aber unter diesen traurigen Lebensverhältnissen, gehört eine zu
große Dosis Einfalt dazu, Den zu lieben, der mich im Materiellen in mancher
Hinsicht unter das Tier gestellt hat, und der mir nur die Fähigkeit verlieh,
meine Lage so recht beurteilen und beweinen zu können!“ [PH.01_043,10] Seht, Meine Kinder, so
urteilt, und nicht mit Unrecht, der Verstandesmensch, dem die kalte
Wirklichkeit – d.h. das, was er vor sich sieht, mit Händen greifen und mit
seinen Sinnen wahrnehmen kann – die ganze Welt ausmacht. Eine solche
Denkungsweise war schon seit Entstehung des Menschen immer bei einzelnen die
Basis ihrer Handlungen, und in jetziger Zeit predigen solches eure gelehrten
Materialisten ohne Scheu und finden ein großes Publikum, welches ihren
Ansichten ganz beistimmt und ihnen Beifall klatscht. [PH.01_043,11] Wenn Ich also das
Gebot: „Du sollst Gott über alles lieben!“ in dieser Predigt wieder berühre,
so geschieht es deswegen, um dem größten Teil der Menschen ihre falschen
Ansichten von Mir und der Welt – nebst den damit zusammenhängenden
Fehlschlüssen – vor Augen zu halten, und um derer willen, die noch für etwas
anderes Sinn haben, als nur Verehrer der vergänglichen Materie zu sein, und
welche fühlen, daß noch etwas Besseres und Tieferes sich in ihrem Innern
bewegt und sie zu geistigem Leben antreibt. [PH.01_043,12] Wenn Ich ein Gebot
gegeben habe, so muß doch ein Grund dazu vorhanden sein, warum das Gebot
ausgeführt oder befolgt werden soll. So muß also auch ein Grund bestehen,
warum Ich dieses Gesetz der Liebe als das vornehmste und größte in Meiner
Schöpfung bezeichnete, und warum es zu deren Fortbestand, Zusammenhang und
Vervollkommnung eingesetzt wurde. [PH.01_043,13] Nun seht, bei jedem
Gesetz kann leicht beurteilt werden, was der Beweggrund war, das Gesetz so
und nicht anders zu geben, und ob das Gesetz aus Liebe, also zum Besten
anderer, oder nur aus Eigennutz für den Gesetzgeber selbst gegeben wurde. [PH.01_043,14] Wenn nun Ich als
Schöpfer Meinen geschaffenen, Mir gleichenden Wesen als erstes Gesetz die
Liebe vorschreibe, die sie gegen ihren Erschaffer haben sollen, so ist doch
klar, daß man den Grund oder das Warum dieses Gesetzes auch in Meinen
Anordnungen erkennen muß, und begreift, daß überall – es mag geschehen, was
will – Liebe zugrunde liegt. [PH.01_043,15] Was ist denn eigentlich
,Liebe‘? [PH.01_043,16] Seht, auch diesen
Begriff müssen wir erklären, um dessen Größe besser beurteilen zu können! [PH.01_043,17] Liebe ist nichts
anderes als eine gewisse Zuneigung zu einem belebten oder unbelebten
Gegenstand. Diese Zuneigung bedingt die Erhaltung dieses Gegenstandes in dem
Maße, in dem er eben unsere Liebe in Anspruch nimmt. Unter lebenden Wesen ist
Liebe eine Zuneigung oder ein Hingezogenwerden zu anderen Wesen, die wegen ihrer
Eigenschaften mit ihren Gefühlen harmonieren. Beim Menschen kommt hinzu, daß
der, der Liebe gibt, auch wieder Liebe empfängt. Der Liebende möchte mit dem
geliebten Wesen im Austausch seiner Gesinnung und Gefühle bleiben und, Liebe
wieder von ihm zurückerhaltend, sich gleichsam mit ihm vereinen und ein
geistiges Ganzes ausmachen. Die Liebe, welche keinen andern Zweck hat, als
den Geliebten so glücklich wie möglich zu sehen, ist ferner die Eigenschaft,
welche uns fähig macht, dem Geliebten alles zu geben und für uns nichts zu
behalten als nur das Bewußtsein, ihn so glücklich gemacht zu haben, wie es
unsere Kräfte erlaubten. [PH.01_043,18] Nun, wenn der Mensch
diese Liebe von seiten seines Gottes, Schöpfers und Herrn begriffen und
erfaßt hat, dann ist ihm auch das Gesetz der Liebe leicht verständlich,
welches ihm gebietet, dem Gott, der alles hergegeben hat, um Seine Geschöpfe
glücklich, ja ewig selig zu machen, auch aus ganzer Seele und mit aller ihm
möglichen Kraft zu lieben. [PH.01_043,19] Wie beweist aber Gott
dem Menschen diese Liebe, die Er für ihn geopfert hat, um seine menschliche
Liebe so anzuregen, daß sie über alles Irdische, Sichtbare und Unsichtbare
hinaus den Schöpfer des großen Universums über alles lieben lernt? [PH.01_043,20] Seht, hier gibt es zwei
Wege, die dem Menschen die Liebe seines Schöpfers beweisen und klar machen
können: die geistige, unsichtbare, in ihm wohnende Welt, und die materielle,
sichtbare, ihn umgebende Welt. Beide Wege, obwohl verschieden in ihrer
Ausdrucksweise, führen zum gleichen Ziel, d.h.: den Schöpfer als liebenden
Herrn und Vater zu erkennen. [PH.01_043,21] Betrachten wir zunächst
den ersten Weg. [PH.01_043,22] In früheren Zeiten, als
man die Natur weniger kannte, wurden durch die Gelehrten so manche Anfänge
des Unendlichen im Großen wie im Kleinen aufgedeckt. In jener Zeit war es der
innere Mensch, der die begeisterten Gesetzgeber, wie Moses und die Propheten
und Seher beschäftigte. Sie machten den Menschen auf sein Inneres aufmerksam
und stellten das als Gebot hin, was eigentlich aus freiem Antrieb geschehen
sollte. [PH.01_043,23] Damals stand dieses
Gesetz der Gottesliebe als Gesetz, nicht aber als Liebesgebot vor dem
Menschen. Deswegen fragte auch der Pharisäer, welches das vornehmste Gebot
sei, weil er dieses Gebot nicht für so wichtig hielt und vielleicht glaubte,
von Mir eine Antwort zu bekommen, welche auf ein bürgerliches Gesetz
hindeutete. Denn Liebe, wie Ich sie gebot, war diesem Pharisäer und auch
vielen anderen Menschen in jenen Zeiten fremd, wie auch jetzt noch die Liebe,
wenn sie etwas anderes bedeutet als nur Liebe für sich, Millionen Lebender
trotz aller Aufklärung ein unbekanntes Ding ist. [PH.01_043,24] Um dieses Gesetz Meiner
großen Schöpfung zur Geltung zu bringen, stieg Ich selbst auf eure dunkle
Erde hernieder und zeigte euch durch Wort und Tat, was Liebe zu Gott und was
Liebe zum Nächsten ist. So brachte Ich den Menschen aus seiner materiellen
Richtung und erhob ihn zu einem geistigen Geschöpf, das zwar die Wurzel,
seine Füße auf Erden, im Materiellen, jedoch seinen Kopf oder die geistige
Blume in Regionen emporhebt, welche mit der Materie nichts zu tun haben. [PH.01_043,25] So wie Ich Meinen
Mitlebenden die Gottesliebe erklärte, so zeigte Ich ihnen auch in vielen
Gleichnissen, Worten und Taten, was eigentlich Nächstenliebe ist, wie sie
verstanden und ausgeübt werden soll, zeigte ihnen wie das zweite Gebot, das
der Nächstenliebe, nur dann erfüllt werden kann, wenn man das erste ganz im geistigen
Sinne aufgefaßt hat, und wie umgekehrt die Gottesliebe nur dann echt und rein
ist, wenn sie am Nächsten und an der ganzen, den Menschen umgebenden Welt als
Bruderliebe ihren Ausdruck findet. [PH.01_043,26] Der zweite Weg, die
Liebe Gottes durch die Natur zu beweisen und in ihr Gottes Sprache auf jedem
Schritt zu gewahren, war späteren Jahrhunderten vorbehalten, obwohl auch
schon in jenen Zeiten Meines Erdenwandels und noch früher die Priesterkasten
mit den Geheimnissen der Natur vertraut waren, so gut, wie es jetzt nur
wenige sind. Lange blieb diese Stimme, durch welche Ich den Menschen von
Meiner allumfassenden Liebe tausend und abertausend Beweise geben wollte,
unbemerkt. Auch jetzt noch ist es nur einzelnen vorbehalten, diese Stimme bei
ihren Forschungen zu vernehmen. Leider kennen die meisten im Gebiet der
Naturwissenschaft Herumwühlenden nur die Materie und ihre von Mir ihr
aufgedrungenen Gesetze, statt den leisen Ruf der Liebe zu vernehmen, der
ihnen aus jedem Atom entgegenweht, weil eben in jedem Atom ein Liebeshauch
Meines göttlichen Ichs verborgen liegt, der ebenfalls auf seine weitere
Entwicklung nach den Liebesgesetzen wartet. [PH.01_043,27] Es war für euch jetzt
Lebenden das Fernrohr, das euch die weiten Räume über euch erschloß; es war
das Mikroskop, welches euch die Wunder des Kleinsten enthüllte. Durch beide
Instrumente könnt ihr die Unendlichkeit und den Unendlichen selbst wohl
ahnen, aber nicht begreifen. [PH.01_043,28] Beide Wissenschaften,
Astronomie und Naturwissenschaft, sind dem Menschen gegeben, um seinen Stolz
zu dämpfen, seinen Dünkel zu beseitigen und ihn doch als Geist hoch über alle
Räume zu erheben, weil sie dem Endlichen die Fähigkeit gaben, das Unendliche
zu erfassen und zu ahnen. [PH.01_043,29] Beide Wissenschaften
sollen zur Gottesliebe, die Gottesliebe zur Menschenwürde und die
Menschenwürde zur Nächstenliebe führen, die sodann wieder zu Dem zurückführt,
der alles so geordnet hat, daß jeder Funken Liebe seinen Kreislauf vollenden
kann, indem er, von Mir als Gott ausgegangen, zu Mir wieder zurückkehrt. [PH.01_043,30] So soll denn die
Gottesliebe sich von selbst in den Herzen der Menschen bilden und ihren
Ausdruck in der Nächstenliebe finden, indem diese auf die erstere gegründet
den Kreislauf beschleunigt und sich so beide Gesetze, aus denen alles
hervorgegangen ist, und zu denen alles zurückzukehren sucht, als die
höchsten, aber auch die einzigen bewahrheiten. So sind diese Gesetze die
vornehmsten; denn sie sind auf Liebe, auf die Hinneigung von Gleichem zu Gleichem
gebaut und können nur Harmonie, d.h. Ruhe, Glückseligkeit und Wonne bereiten. [PH.01_043,31] Wenn auch der Mensch
auf seiner Lebensbahn so manche Kämpfe und bittere Leiden zu ertragen hat,
sieht doch der geistige Seelenmensch darin nicht die Folge materieller oder
sozialer Verhältnisse, sondern er sieht in ihnen die Schulung zu einem
höheren Leben. Es müssen zuerst die Versuchungen der materiellen Welt
überwunden sein, ehe die geistige in ihrer ganzen Wichtigkeit erfaßt und
verstanden werden kann. So sind ihm, dem Sohn eines Gottes, Kämpfe und Leiden
nur ein Ansporn zum Vorwärtsschreiten, nicht aber ein Grund zur Enttäuschung;
so fühlt er sich im Kampf mit der materiellen Welt erhaben und als geistiges
Kind eines ihn ewig liebenden Vaters stark genug, sie zu besiegen, wie Ich
zur größeren Bekräftigung euch als Jesus ein glänzendes Beispiel gegeben
habe. [PH.01_043,32] In diesem Bewußtsein
begreift der Mensch, warum er Gott über alles – d.h. weit über jede andere Neigung
hinaus – lieben, die Liebe zu Gott somit als Höchstes achten und nur ihr
genügen soll, und warum er seinen Nächsten, ebenfalls ein aus Gottes Hand
hervorgegangenes geistiges Wesen, ebenso wie sich selbst lieben, d.h. ihn so
achten soll, wie er selbst, als Gottes Ebenbild, angesehen und geachtet sein
will. [PH.01_043,33] So sollt ihr Mich als
Gott lieben, und diese Liebe an dem Nächsten beweisen, damit ihr die wahren
Abkömmlinge dessen seid, der allem so viele Wunder eingehaucht hat. Dann wird
euch klar werden, daß eine Welt nur dann bestehen kann, wenn Liebe ihr
Grundwesen, Liebe ihr Bestehungs- und Vervollkommnungstrieb ist. [PH.01_043,34] Das ist es, was Meine
beiden Gesetze euch predigen, was sie euch von der Wiege bis zum Grabe in
tausend Formen und Verhältnissen sagen und weit über dieses Erdenleben hinaus
immer wiederholen werden, daß ohne Liebe kein Vater sein kann, aber ohne
Liebe auch keine Kinder bestehen können. Amen. 44. Predigt – Am 18. Trinitatissonntage. Die Heilung
eines Gichtbrüchigen. [PH.01_044] Matth.9,1-8: Da trat Jesus
in das Schiff, fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da
brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun
Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: „Sei getrost, mein
Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ Und siehe, etliche unter den
Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: ,Dieser lästert Gott.‘ Da aber
Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: „Warum denkt ihr so Arges in euren
Herzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder
zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen
Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben (sprach er zu dem
Gichtbrüchigen): Stehe auf, heb dein Bett auf und gehe heim!“ Und er stand
auf und ging heim. Da das Volk das sah, verwunderte es sich und pries Gott,
der solche Macht den Menschen gegeben hat. 25. April 1872 [PH.01_044,01] Dieses Evangelium gibt
wieder mehrere Wunder kund, die Ich wirkte, und erzählt, wie Ich die Einwürfe
und Bemerkungen der Pharisäer abfertigte, mit welchen sie Meine Lehr- und
Handlungsweise stets kritisierten. [PH.01_044,02] Schon das erste Wunder
an dem Gichtbrüchigen störte sie in ihrem priesterlichen Eifer, weil Ich, ehe
das Wunder der Heilung getan wurde, zu dem Kranken sagte: „Deine Sünden sind
dir vergeben!“ Ich vergab dem Gichtbrüchigen die Sünden seines Glaubens bzw.
seiner sicheren Überzeugung wegen, welche er und seine Verwandten und Bekannten
hatten, und dann vergab Ich ihm die Sünden, weil er – so wie die meisten
Kranken, die sich die Übel selbst zuziehen, weil sie sich gegen ihre Natur versündigen
– nun die Folgen davon tragen mußte. [PH.01_044,03] Die Pharisäer und
Hohenpriester glaubten, nur sie hätten das Recht Sünden zu vergeben; deswegen
ihre Aufregung. Allein, Ich wollte ihnen zeigen, daß Ich nicht nur die Sünden
vergeben kann – und das im wahrsten Sinn –, sondern daß Ich auch die Macht
besitze, die Folgen der Sünden zu heilen, was sie nicht konnten. [PH.01_044,04] Der Grund ihres Neides
und Hasses war, daß Ich das Volk durch solch schlagende Beispiele von
Wundertaten für Mich gewann und es nach und nach von ihnen entfernte. [PH.01_044,05] Es war in jener Zeit
notwendig, Meine Worte durch solche Taten zu beweisen und zu bekräftigen,
weil die Masse des Volkes noch nicht auf jener religiösen Bildungsstufe
stand, durch geistige Beweisgründe allein auf den rechten Weg des Heils
gelangen zu können. Und so seht ihr in diesem Evangeliumsabschnitt, wie Ich
die geistigen Krankheiten und falschen Ansichten Meiner Umgebung zu berichtigen
suchte, und wie Ich durch Taten stets das als wahr bewies, was Ich eben
gelehrt hatte. Es bestanden in jenen Zeiten unter den Priestern des Judenvolkes
sehr viele Vorurteile, welche Ich erst beseitigen mußte, wollte Ich Meine
Lehre allgemein machen; denn vor Mir waren alle Menschen gleich, alle hatten
durch den in sie gelegten göttlichen Geist Anspruch auf Meine Kindschaft. [PH.01_044,06] Ich mußte die falschen
geistigen Ansichten durch Meine Worte widerlegen und durch die Tat die
körperlichen Krankheiten zum Beweise Meiner Macht vertilgen. Daher seht ihr,
wie Ich und Meine Jünger öfters gerade das Gegenteil von dem taten, was die
religiösen Zeremonien der Juden vorschrieben, damit das Volk dadurch
aufmerksam gemacht werde, daß die Haltung der Tempelgesetze dem Wortlaut nach
noch nicht Religion, noch nicht dasjenige sei, was Moses, die Propheten und
Ich wollten. [PH.01_044,07] So arbeitete Ich daran,
alle mißverstandenen Gebräuche auf ihren rechten Wert zurückzuführen, um Meiner
rein geistigen Lehre Platz zu machen. Deswegen sprach Ich die Worte: „Die Gesunden
bedürfen des Arztes nicht, aber die Kranken!“ – „Ich habe Wohlgefallen an der
Barmherzigkeit und nicht am Opfer!“ – „Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße
zu rufen und nicht die Frommen!“ – und bei dem Einwurfe wegen des Fastens:
„Wie können die Hochzeitsleute Leid tragen, solange der Bräutigam unter ihnen
ist? Es wird aber eine Zeit kommen, da der Bräutigam ihnen genommen wird,
alsdann werden sie fasten!“ – „Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Fleck
von neuem Tuche!“ – „Man faßt nicht Most in alte Schläuche!“ usw. [PH.01_044,08] Aus all diesem erseht
ihr, wie Ich unter verschiedenen Formen, durch Worte und Gleichnisse, die
alten Vorurteile bekämpfte, damit Meine Lehre als geistig anerkannt werde,
und damit man einsehe, daß sie nicht durch Zeremonien und Tempellauferei zu
ersetzen sei und der Spruch zur Wahrheit werde: „Wer Mich anbeten will, der
muß Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten!“ [PH.01_044,09] Auch Meine Jünger
erinnerte Ich daran. Ich zeigte ihnen die vielen verirrten Kinder und sagte
ihnen, daß die Ernte groß, aber wenig Arbeiter seien. Deswegen ermahnte Ich
sie: „Bittet den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte sende!“ [PH.01_044,10] Seht, Meine Kinder! Bei
der Heilung des Gichtbrüchigen sagte Ich vorher zu ihm: „Deine Sünden sind
dir vergeben!“ Seine Krankheit rührte von Sünden gegen seinen eigenen
Organismus her. Ich vergab ihm die Sünden; denn er wußte nicht, daß er sich
dieses Übel durch die Jagd nach sinnlichen Genüssen zugezogen hatte. Ich
sagte auch nicht zu ihm: „Gehe hin und sündige nicht mehr!“; denn er war noch
weit davon entfernt, diese Sünden zu begreifen und zu bereuen. [PH.01_044,11] Seine plötzliche
Heilung bloß durch Mein Wort sollte ihn zum tieferen Nachdenken erwecken und
ihm beweisen, daß nicht das, was ihm anfangs so viel Vergnügen und später so
viel Leiden verursachte, das eigentliche Leben des Menschen ausmacht, sondern
daß es noch etwas Höheres, Geistigeres im Menschen gibt, welches ihn in
schönere Regionen ziehen will, in denen andere Reize als bloß schnöde
Sinnenreize die Hauptsache sind. [PH.01_044,12] Mit Meinen Worten
wollte Ich diesen kranken Gichtbrüchigen erhöhen und den Stolz der Pharisäer
erniedrigen, damit sie ihre Ohnmacht fühlen sollten, da sie nicht imstande
waren, ihren Worten solchen Nachdruck zu geben. Worte verhallen, doch die Tat
spricht fort! So waren Meine Bemerkungen, welche Ich bei verschiedenen
Anlässen machte, dahin gerichtet, den aufgeblasenen, stolzen Menschenverstand
in seine Grenzen zu weisen, damit er sich demütig vor der hohen Macht des
Geistes beuge. [PH.01_044,13] Alles, was Ich in jener
Zeit bei dieser Gelegenheit geredet und getan habe findet jetzt und in allen
Zeiten seine Anwendung. Gichtbrüchige, Blinde, Lahme, ja Tote gibt es
überall, wohin das Auge sich wenden mag. Überall herrscht mehr Finsternis als
Licht, höchstens Dämmerung. Auch jetzt gibt es viele, die geistig lahm oder
gelähmt sind ob der falschen Richtung ihrer Seele, und die sich an Dinge
vergänglicher Natur hängend, das Geistige gänzlich verachten und
hintansetzen. Die Folge dieser geistigen Lähmung ist die verkehrte Ansicht
über Geist und Materie. Dies sind die Sünden, die Ich ihnen tagtäglich
vergeben muß, wenn der größte Teil der Menschen nicht zugrunde gehen soll. [PH.01_044,14] Auch jetzt geschehen
Wundertaten in Menge in der Welt; aber die Menschen nehmen sie nicht als
solche an. Sie suchen mit dem Verstand alle Naturereignisse und alle
politischen Ereignisse auf ganz gewöhnliche Ursachen zurückzuführen und bemerken
dabei nicht, wie Ich ihnen selbst aus der Schlinge helfe, wenn sie sich ob
ihres Eigensinns in ein Labyrinth von Hypothesen und verhängnisvollen
Ereignissen verwickelt haben. [PH.01_044,15] Allein, wie Ich einst
sagte, daß Ich die Kranken und nicht die Gesunden aufsuche, so geschieht es
auch jetzt. Die Kranken, Schwachen, Gichtbrüchigen, Blinden und mit allerlei
Übeln behafteten Seelen suche Ich auf und bestrebe Mich, sie zu heilen, indem
Ich ihre eigenen Sünden zu ihrer Schule wähle, aus welcher sie womöglich
gestärkt und gekräftigt hervorgehen sollen. So manchen heile Ich, weil er
festen Glauben hat. Ich bringe ihn in Verhältnisse, die ihm Zeit geben, über
seine Lebensbahn und über seine Irrtümer nachzudenken und sie zu berichtigen. [PH.01_044,16] Auch euch, die ihr in
vielem schon besser erkennt, was Ich eigentlich mit dem Menschen bezwecken
will, und wozu Ich ihn auserkoren habe, muß Ich oft die Sünden vergeben, weil
ihr euch dessen noch nicht ganz bewußt seid, woher so manche Mißhelligkeiten,
die euer Dasein verbittern, kommen. Noch kann Ich zu euch nicht, wie zu der
Ehebrecherin, sagen: „Gehe hin, und sündige nicht mehr!“; denn nicht alle
sind so weit zur Einsicht gekommen, daß sie trotz des besten Willens und der
größten Aufopferung nur unnütze Knechte sind. [PH.01_044,17] Auch jetzt seufzt so
mancher unter dem Druck der Erkenntnis seiner Schwächen. So soll er nur, wie
der Kranke im Evangelium, sich Mir nahen mit dem festen Glauben, daß Ich ihn
heilen werde, und er wird bald in seinem Innern die Stimme hören, die ihm
zuruft: „Deine Sünden oder lrrtümer sind dir vergeben! Nimm dein Bett und
gehe heim!“ Das will besagen: „Verlaß dich nicht auf andere, nicht auf
kommende Ereignisse und bessere Verhältnisse, sondern wirf die Schwachheiten,
in deren Bett du bis jetzt gelegen hast, von dir! Nimm deine falschen Ansichten
und Irrtümer auf die Schulter, trage sie und gehe festen Fußes deiner
Vervollkommnung entgegen! Deine Ansichten und Irrtümer, auf denen du seither
wie ein Kranker gelegen bist, sollen dich, da dir jetzt leichter ist, nicht
auf dem Weg nach vorwärts hindern, und du wirst sie fortschreitend auch
gänzlich loswerden! Nur muß vorher das umgekehrte Verhältnis eintreten.
Früher lagst oder ruhtest du auf ihnen, jetzt mußt du sie, wohlbewußt ihrer
Bedeutung, selbst auf deine Schultern nehmen, ohne daß sie dir infolge ihrer
Schwere lästig werden dürfen.“ [PH.01_044,18] So sollt auch ihr, die
Ich vor vielen bevorzugt und mit Meiner Lehre vertraut gemacht habe, mit der
Heilung bei euch selbst anfangen. Ich schicke euch dazu die Verhältnisse,
unter welchen eure Seelenstärke erprobt und geübt werden soll; denn auch
jetzt muß Ich die Kranken aufsuchen. Ich muß ihnen helfen, damit sie geheilt
als gutes Beispiel für andere dienen können. [PH.01_044,19] Auch Ich kann auf ein
altes Sündenkleid keinen neuen Fleck heften und keinen neuen Most in alte
Schläuche bringen. Beide halten das nicht aus. Das Kleid zerreißt, und der
Schlauch zerspringt. Es muß also vorerst das alte Kleid oder der alte
Schlauch beseitigt, der alte Adam ausgezogen werden, soll der neue an dessen
Stelle treten. Es müssen zuvor die Sünden, die Urheber des Übels, vergeben,
d.h. ausgemerzt werden, – dann erst kann der frühere Kranke als geheilt
rüstig seine Wege weitergehen. Zu alldem muß aber jedes Wort, jede Tat, jedes
Ereignis beitragen, um die Arbeiter zu vermehren, die zur Ernte nötig sind. [PH.01_044,20] Schon einmal sagte Ich:
„Viele sind berufen, doch wenige auserwählt!“ Viele Lahme, Blinde und Gichtbrüchige
gibt es noch. Sie müssen alle gesunden. Dazu bedarf es tüchtiger Arbeiter in
Meinem Weinberge, und diese Arbeiter, sollen sie ihren Dienst erfüllen,
müssen selbst jeder Arbeit gewachsen sein. Dies ist nur dann möglich, wenn
auch sie durch die Schule der Erkenntnis, die sie andern bringen wollen,
gegangen sind. [PH.01_044,21] So bildet sich für sie
eine Kette von Prüfungen, Leiden und Kämpfen, die als letztes Resultat das
Abstreifen des Angewohnten und die Erneuerung mit dem Kleid der göttlichen
Wahrheit haben sollen, damit auch sie alle dem Ruf folgen können: „Steh auf,
nimm dein Bett und gehe heim!“ [PH.01_044,22] Ihr alle wart krank,
mehr oder minder gichtbrüchig. Ich habe euch die Mittel zur Heilung in Fülle dargereicht.
Wenn ihr ganz geheilt sein werdet, werdet ihr die Arbeiter zur Ernte sein,
die binnen kurzem in größerem Maßstab als bis jetzt betrieben werden wird. [PH.01_044,23] Trachtet daher danach,
daß ein jeder von euch seine Pflicht, wie Ich sie von ihm verlangen kann und
darf, auf seinem Platz recht erfülle, da es bei euch an Heilmitteln nicht
fehlt! Amen. 45. Predigt – Am 19. Trinitatissonntage. Das Gleichnis
von der königlichen Hochzeit. [PH.01_045] Matth.22,1-14: Jesus
antwortete und redete abermals durch Gleichnisse zu ihnen und sprach: „Das
Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit machte. Und er
sandte Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen, und sie wollten
nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: ,Saget den
Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein
Mastvieh ist geschlachtet, und alles bereit; kommt zur Hochzeit!‘ Aber sie
verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andre zu seiner
Hantierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhnten und töteten sie. Da
das der König hörte, ward er zornig, schickte seine Heere aus, brachte diese
Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: ,Die
Hochzeit ist zwar bereit; aber die Gäste waren's nicht wert. Darum gehet hin
auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet!‘ Und die Knechte
gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden: Böse und
Gute; und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu
besehen, und er sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid
an. Er sprach zu ihm: ,Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein
hochzeitlich Kleid an?‘ Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen
Dienern: ,Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus!
Da wird sein Heulen und Zähneklappern. Denn viele sind berufen; aber wenige
sind auserwählt.‘“ 26. April 1872 [PH.01_045,01] Hier liegt das
Gleichnis einer Hochzeit vor euch, mit dem Ich den Pharisäern ihre eigenen
Umtriebe und deren Folgen begreiflich machen wollte; denn sie lebten stets in
dem Wahne, daß niemand ihre Schliche durchschaue. Ich aber, dem an ihrer Besserung
gelegen war, verhüllte bei vielen Gelegenheiten Meine Worte und Mahnungen,
welche Ich an sie richtete, durch Gleichnisse, welche den Pharisäern wohl,
aber dem Volk nicht immer verständlich waren. Ich wollte ihre Autorität, ihr
Ansehen beim Volk nicht ganz vernichten, solange sie noch einer Besserung
fähig waren. Weil Ich aber stets den Nagel auf den Kopf traf, so war ihr
Ingrimm gegen Mich stets im Wachsen, bis ihnen endlich, wie es bestimmt war,
Gelegenheit und Macht erteilt wurde, an Mir zu erfüllen, was die Propheten
schon längst vorhergesagt hatten, und was auch, Ich Meinen Jüngern als Mein
künftiges Schicksal und Ende prophezeit hatte. [PH.01_045,02] Hier nun, in diesem
Gleichnis, verglich Ich das Himmelreich oder den Vater im Himmel mit einem
König, der zum Festmahl seines Sohnes Einladungen an Freunde und Bekannte
ergehen ließ, jedoch überall eine ausweichende oder abschlägige Antwort
erhielt. Der König, darüber erzürnt, rächte sich an ihnen, indem er ihnen Hab
und Gut verbrannte und sie selbst töten ließ. [PH.01_045,03] Bei der zweiten
Aussendung seiner Knechte ließ er alle einladen, die sie auf den Straßen und
Plätzen finden würden, und die Knechte brachten Gute und Böse zum Tisch des
Herrn. Unter diesen hereingebrachten Gästen befand sich auch einer, der kein
hochzeitliches Kleid anhatte. Als er nichts zur Entschuldigung antworten konnte,
wurde er hinausgewiesen in die äußerste Finsternis, um dort seinen Fehler zu
büßen. Und das Ende des Gleichnisses waren die gewichtigen Worte: „Viele sind
berufen, aber wenige sind erwählt!“ [PH.01_045,04] Das ist der Inhalt
dieses Gleichnisses. Um es aber geistig auffassen zu können, müssen wir alle
in ihm angeführten Umstände genau prüfen, bis wir zu dem eigentlich geistigen
Sinn des Gleichnisses kommen und seine Anwendung auf jene, sowie auch auf die
jetzige und künftige Zeit deutlich finden. Ihr müßt immer bedenken, daß in
den Worten aus Meinem Mund eine größere Bedeutung liegt, als es die Zuhörer
in jener Zeit ahnten und es auch viele Leser der jetzigen und künftigen Zeit
vermuten werden. Wir wollen also vorerst mit der Form dieses Gleichnisses anfangen,
damit ihr seht, wie alles seine tiefe, geistige Bedeutung hat, wenn es
geistig beleuchtet vor das innere Auge des Seelenmenschen gestellt wird. [PH.01_045,05] Ich verglich das
Himmelreich mit einem König, der seinem Sohn ein Hochzeitsmahl geben wollte.
Nun seht, dieser Vergleich bedeutet im höchsten Sinne die einstige, gänzliche
Vermählung oder Vereinigung des Materiellen mit der Geisterwelt oder die
Auflösung der Materie und die Befreiung des in der Materie eingeschlossenen
Geistes, um ihre Vereinigung mit dem Höherstehenden zu verwirklichen. [PH.01_045,06] Das erste Bild – eine
Hochzeit – bedeutet die Vereinigung zweier zu einem geistigen Wesen, wenn
auch getrennt in zwei Körpern. Die Hochzeit ist das Bild der hohen oder
höchsten Zeit, in der Gleichgesinntes sich findet und vereint das vollführt,
was dem einzelnen nicht möglich gewesen wäre. [PH.01_045,07] Zu dieser Vereinigung
oder Hochzeit, welche – wie gebräuchlich – auf Erden mit einem
Hochzeitsschmause gefeiert wird, waren alle geladen, die solcher Teilnahme
für würdig befunden wurden; das Gleichnis aber sagt, daß die Eingeladenen
ihre Teilnahme an dem Hochzeitsmahle verweigerten. [PH.01_045,08] Seht, dieses
Hochzeitsmahl bedeutet die ganze Periode von der Erschaffung der Menschen bis
zur Sündflut. Die Erde, in ihrem Hochzeitsschmuck prangend, lud alle Menschen
zur geistigen Vereinigung ein. Als materielles Abbild des freudigen Entwicklungsprozesses
der ganzen Schöpfung wollte sie die geistigen Wesen, die Menschen zu diesem
Freudenfeste heranziehen. Die Menschen aber, der Sinnenwelt und ihren
Genüssen mehr als dem Geistigen huldigend, achteten nicht auf die Einladung
und Aufforderung, sich nach oben zu richten, sondern zogen das Streben nach
unten vor. Und so mußte, damit die Vereinigung Meines Geisterreiches mit der
Materie doch geschehe, die Sündflut der ganzen damals lebenden Menschheit ein
Ende machen, und gerade jene Menschen treffen, welche Ich mit allen Vorzügen
ausgestattet hatte und durch alle möglichen Mittel belehrte und erziehen
ließ. [PH.01_045,09] Nach dieser Katastrophe
erging an die übriggebliebenen Nachkommen in späteren Zeiten wieder eine
Einladung, sich zum Vereinigungsfest anzuschicken, und es verlangte die
damals lebende Menschheit, erschreckt vom früheren Strafgericht, als auch vom
inneren Gefühl getrieben, eine Vereinigung des Geistigen, des in ihrem Körper
Gebundenen mit den höheren Regionen der Geisterwelt. Dieses Verlangen war
jedoch nicht klar ausgeprägt und wurde von den verschiedenen Menschen
verschieden gedeutet; deswegen kamen zu diesem Hochzeitstisch – wie das
Gleichnis sagt – Gute und Böse. [PH.01_045,10] Nun – fährt das
Gleichnis fort – befand sich auch ein Mensch unter diesen Geladenen, welcher
das Hochzeitskleid nicht anhatte und deshalb in die äußerste Finsternis hinausgestoßen
wurde. Dies will soviel sagen als: Alle, die wenigstens einen Drang nach
geistiger Besserung empfanden, waren der süßen Hoffnung, ihre Wünsche, ihre
Ideen erfüllt zu sehen. Sie waren alle voll freudiger Hoffnung, d.h. ein
jeder zog – bildlich gesprochen – das Beste, das er hatte, als Hochzeitskleid
an. So trugen die Guten ihre innere Liebe, ihr inneres, wahres Streben, stets
reiner und besser zu werden, offen zur Schau, ja, selbst die weniger Guten
und sogar die Bösen zierten sich nach außen hin mit den Abzeichen der
Frommen, weil sie doch besser scheinen wollten, als sie in Wirklichkeit
waren. [PH.01_045,11] Nur ein einziger – wie
das Gleichnis sagt – kümmerte sich weder um das Sein, noch um den Schein. Er
wollte sich zeigen, wie er war, wollte aber auch an dieser Vereinigung
teilnehmen, vorausgesetzt, daß sie seinen Ansichten entsprechen würde. Und
dieser einzige, der Mir, dem König, so frech die Stirn bieten wollte, ist
niemand anders als der von Mir längst verstoßene Geist Luzifer oder Satana,
welcher als personifiziertes böses Prinzip den Gegenpol Meines eigenen Ichs
ausmacht. Nun, dieser Böse, mit Willen böseste Geist, wurde in die äußerste
Finsternis gestoßen, in der Heulen und Zähneklappern ist, oder – mit andern
Worten gesagt – in der er, der Finsternis des eigenen Gemüts überlassen, so
lange harren kann, bis eine in ihm selbst auftauchende Besserung seine
Rückkehr möglich macht. [PH.01_045,12] Was nun der Satan als
Person ist, das vertritt auf eurer Erde diejenige Gattung von Menschen, die
des Guten und Edlen wohl kundig ist, doch mit Willen das Böse liebt und
ausübt. Mit der Bezeichnung ,Gute‘ und ,Böse‘, die am Hochzeitstisch saßen,
sind alle jene gemeint, welche sündigen, weil sie zu schwach sind, aber,
teilweise ihren eigenen Schwachheiten unterliegend, doch nicht im mindesten
den Trieb zum Besserwerden verloren haben, ihn weder verachten noch mit Füßen
treten. Die Ärgsten, Unverbesserlichsten und die am meisten in der Schöpfung
Zurückstehenden sind jene Geister und Seelen, welche das Gute wohl kennen,
aber es aus Haß gegen dasselbe nicht ausführen und womöglich andere zum
Abfalle von demselben verleiten wollen. Dieses Trachten ist teuflischer
Natur, weil der in alle Geister und Wesen von Mir eingelegte Trieb der Liebe
sich statt dem Guten dem Schlechten zugewendet hat. [PH.01_045,13] Daß die Pharisäer unter
dem Bild des Menschen ohne Hochzeitskleid sich getroffen fühlten, das war es,
was sie mit Ingrimm erfüllte. Sie merkten, daß sie aus eigener Schuld von
allen künftigen Genüssen im Geisterreich ausgeschlossen seien, solange nicht
freiwillige Umkehr sie würdig mache, sich Mir zu nähern. Daher lautet das
Schlußwort des Gleichnisses: „Viele sind berufen, aber wenige sind
auserwählt!“ Dies will soviel sagen als: Allen Geistern Meiner Schöpfung
waren und sind die Tore Meines großen Geisterreiches offen, aber nur wenigen
wird es gelingen, in jene Räume zu dringen, wo ewig Friede, Ruhe und
Seligkeit herrschen. Es wird nicht eher möglich sein, als bis sie alles
Weltliche und Sinnliche aus ihrem Herzen vertrieben haben. Nur dann sind sie
als Auserwählte der Teilhaftigkeit an Meinem Reich fähig; nur dann kann ihr
geistiges Auge – wenn aus demselben ein ähnlicher Himmelsstrahl leuchtet, der
nur im Widerscheine des großen Geisterlichthimmels seine Befriedigung, seine
gänzliche Sättigung finden kann und muß – den Glanz Meines Liebe- und Lichthimmels
ertragen. [PH.01_045,14] Hier habt ihr die
geistige Bedeutung dieses Gleichnisses, welches von der Zeit an, da es von
Mir gegeben wurde, bis auf heute seine Bedeutung bewahrt hat. [PH.01_045,15] Seit jener Zeit sandte
Ich Meine Knechte aus, um alle zum Hochzeitsschmaus in Meine Wohnung
einzuladen; aber unverrichteter Sache kehrten sie oft wieder zurück. Ein
Jahrhundert nach dem andern rollt hinab in den Abgrund der Vergangenheit, und
Ich ließ nicht ab einzuladen. Es kamen wohl Geladene; aber töricht erwarteten
sie von Mir und Meinem Reich, was Ich von ihnen forderte. Sie kehrten dem
Geisterreich den Rücken und zogen die lange Straße dem kürzeren, beschwerlicheren
Weg vor. [PH.01_045,16] Noch immer lasse Ich
nicht ab, Boten auszusenden, die Meinen Willen verkünden, die den Menschen
begreiflich machen sollen, was der eigentliche Zweck ihres Daseins ist, und
daß sie trotz allen Sträubens über kurz oder lang doch dahin kommen müssen,
wohin Ich sie haben will. Viele wenden ihre Ohren ab, um die Stimme der
Liebe, des Friedens nicht zu vernehmen; sie sind auf lange Zeit verloren. Mit
Trauern sehe Ich, wie die große Masse anfängt, Mir nach und nach den Rücken
zu kehren und statt Mir zu folgen, dem folgt, das ihnen als böse bekannt ist. [PH.01_045,17] Wie Ich einst, da Mein
Einladen umsonst war, durch die Sündflut die verlorene Menschheit retten
mußte, so werde Ich auch jetzt gezwungen sein, um der Guten willen und um den
Zweck der Menschheit nicht aus dem Auge zu verlieren, eine ähnliche
Katastrophe über die Menschheit ergehen zu lassen. Nur wird das materielle
Wasser jener Zeit durch das geistige Wasser Meiner Lichtwahrheit ersetzt
werden. Und wie damals die Menschen sich vor dem Steigen der materiellen Flut
retten wollten, so werde Ich sie jetzt mit Licht übergießen und werde bessere
Geister erwecken, daß sie dasselbe verbreiten; und wenn dann überall Licht
sein wird, bleibt den Finsterlingen nichts anderes übrig, als vor dem Glanz
desselben zu fliehen und sich in der äußersten Finsternis ihrer eigenen
Schwächen zu verbergen. [PH.01_045,18] So wird sich geistig
erfüllen, was Ich den Pharisäern bildlich sagte. Auch jetzt werden sich
manche über dieses gewaltige Licht erzürnen, weil es ihren lange im Finstern
gehaltenen Bau erleuchten wird. Allein, es muß Licht werden, – und mag sich
Satana noch so sträuben; denn Mein Reich ist ein Reich des Lichts! Entweder
in ewiger Finsternis der eigenen Seele, der dichtesten Materie gleich, einen
langen Reinigungsprozeß vor sich sehend oder mit Aufopferung und
Kraftanstrengung, mit Leiden und Kämpfen den kürzeren Weg der Erkenntnis
gehend: Das ist das Los der Geister und der von Mir geschaffenen Wesen, sowie
der ganzen Menschheit. [PH.01_045,19] Geladen sind sie alle
als Geister; doch wehe, wer ohne Hochzeitskleid ins Reich des Lichts
eindringen wollte! Es würde ihm ergehen wie dem, von dem dieses Gleichnis
erzählt: er würde hinausgestoßen werden in die Finsternis, bis es in seinem
Innern von selbst zu dämmern anfängt! So wie Ich in jener Zeit Meines
sichtbaren Wandels auf eurer Erde durch Meine Worte alle finsteren Winkel des
menschlichen Herzens erleuchten wollte, ebenso müssen auch bei Meiner nahen
Ankunft alle Herzen Licht haben oder doch wenigstens für das Licht aufnahmefähig
gemacht sein, damit das Hochzeitsfest gefeiert werden kann. Dann werde Ich
als König und Vater dem Sohn, Meinen Geistern, den Hochzeitstisch bereiten,
und wir werden, ein Herz und ein Sinn, das Jubelfest der größten geistigen
Einigung feiern, deswegen Ich in jenen Zeiten das größte Beispiel der Demut
und Liebe für euch alle gegeben habe. Amen. 46. Predigt – Am 20. Trinitatissonntage. Die Heilung
des Sohnes eines Königlichen. [PH.01_046] Joh.4,47-53: Es war ein
Königischer, dessen Sohn lag krank zu Kapernaum. Dieser hörte, daß Jesus kam
aus Judäa nach Galiläa. Und er ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinabkäme
und hülfe seinem Sohne; denn er war todkrank. Und Jesus sprach zu ihm: „Wenn
ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht.“ Der Königische
sprach zu ihm: „Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt!“ Jesus spricht
zu ihm: „Gehe hin, dein Sohn lebt!“ Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu
ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinabging, begegneten ihm seine
Knechte, verkündigten ihm und sprachen: „Dein Kind lebt!“ Da forschte er von
ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen
zu ihm: „Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber.“ Da merkte
der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte:
„Dein Sohn lebt!“ Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. 27. April 1872 [PH.01_046,01] Dieses Kapitel gibt
eine Tat kund, da Ich einem sterbenden Kinde nur durch das Wort seine
Gesundheit wiedergab. Es beweist euch, wie mächtig das Wort ist, und wie es,
begleitet vom festen Willen, Dinge bewirken kann, welche dem gewöhnlichen Menschen
unmöglich erscheinen. [PH.01_046,02] Auch dieser Königische
erfuhr dasselbe, als er heimkehrend schon durch seine ihm entgegeneilenden
Knechte vernahm, daß sein Kind im gleichen Augenblick das Leben
zurückerhielt, als Ich das bedeutsame Wort ausgesprochen hatte. [PH.01_046,03] Bei dieser Tat hatte
Ich dreierlei Absichten. Ich wollte Meinen Jüngern und den Mir Angehörigen
zeigen, daß der Königische erstens ein Mann aus einem höheren Stande und
zweitens noch dazu ein Heide war, und drittens sollte seine Erprobung als
Festgläubiger allen, die anwesend waren, die Augen öffnen über das, was ihnen
noch am meisten fehlte. [PH.01_046,04] Schon an anderer Stelle
sagte Ich zu den Juden, daß ihnen alles genommen und den Heiden übergeben
werde, weil gerade sie, die an erster Stelle Auserkorenen, so halsstarrig
waren, Mich und Meine Mission nicht anzuerkennen, – daß ihnen dieser Segen
genommen und den Heiden gegeben werde, weil bei diesen Meine Lehre einen
besseren Acker finden werde. [PH.01_046,05] Dann wollte Ich ihnen
zeigen, daß nicht nur unverständliches Volk der niedersten Klasse zu Mir kam,
sondern auch Leute aus höheren Ständen, welche mit wissenschaftlicher Bildung
ausgezeichnet waren, sich nicht schämten, zu Mir zu eilen und Mich um Hilfe
durch Wort und Tat anzuflehen. [PH.01_046,06] Hier war es wohl nicht
die Überzeugung von Meiner Macht allein, sondern vielmehr die Liebe zu seinem
Kinde, die diesen Römer zu Mir trieb; denn der Heilung erst folgte die
Überzeugung auf dem Fuße. Deswegen sagte Ich auch ihm: „Wenn ihr nicht
Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht!“ Ich sagte das, weil Ich wohl
wußte, daß dieser Mann nach der Heilung seines Kindes nicht anders konnte,
als zu glauben. Die Tatsache stand doch greifbar vor ihm, nämlich: statt
seines toten, sein genesenes Kind. [PH.01_046,07] Am allerwichtigsten
aber war die dritte Absicht. Ich wollte Meinen Jüngern und sonstigen
Verehrern Meines Wortes mit Beispielen zeigen, daß zu allen Taten als
Hauptfaktor von seiten der Bittenden das Vertrauen auf Mein Wort nötig sei,
das ihnen gerade vielmals mangelte. So war diese Begebenheit geeignet, ihnen
zu zeigen, daß man nie betrogen sein wird, wenn man Meinem Wort unbedingt
glaubt und darauf vertraut. [PH.01_046,08] Der Königische ging von
Mir hinweg und hatte eine weite Strecke bis zu seinem Hause zu gehen; aber er
verließ Mich mit dem festen Vertrauen, daß sein Sohn leben müsse, weil Ich
ihm sagte: „Dein Sohn lebt!“ Eben dieses Vertrauen auf Meine Worte und dieses
feste Glauben, das möglich sein kann und stets vorhanden sein soll, wollte
Ich Meinen Jüngern und Zuhörern durch eine Tat zeigen. [PH.01_046,09] So war diese Tat für
Meine Umgebung fruchtbringend; denn Ich unterließ nicht, ihr diese drei
Gründe und Meine damit verbundenen Absichten auseinanderzusetzen. [PH.01_046,10] Zweifler gab es auch
dort; ja selbst dieser Königische war ein Zweifler, trotz seines Glaubens an
Mich. Er forschte bei seinen Knechten nach, wann diese Umwandlung in dem
kranken Zustand seines Sohnes stattgefunden habe. Und erst als er erfuhr, daß
es in dem gleichen Augenblick war, als Ich es zu ihm gesagt hatte, da erst
war er von Meiner Göttlichkeit fest überzeugt, und er, sowie sein ganzes Haus
glaubten an Mich und Meine Sendung. [PH.01_046,11] Seht nun, wie dieses
Beispiel – als ein Glied der großen Kette, mit welcher Ich Meine Lehre auf
Erden befestigen und dauernd verankern wollte – euch zeigt, daß ein
glücklicher Erfolg nur dann zu verzeichnen ist, wenn das feste Zutrauen des
Flehenden dabei ist. Auch jetzt will Ich euch in Erinnerung bringen, daß ohne
festes Vertrauen auf Mich und ohne Zutrauen auf die Verheißungen, welche Ich
euch oft gebe, kein befriedigendes Resultat erwartet werden kann. So wie bei
einer körperlichen Heilung nicht der Arzt allein der Gesundheitsbringer ist,
sondern das Vertrauen zu ihm und die feste Überzeugung von der Wirksamkeit
der Mittel, welche er anwendet, ein Hauptfaktor, ja oft der Hauptfaktor sind,
welcher die Genesung herbeiführen kann, ebenso ist bei jeder Bitte an Mich –
um geistige und auch weltliche Dinge – das Vertrauen oder Zutrauen zu Mir der
mächtigste Hebel, welcher die Erfüllung beschleunigen und verwirklichen kann.
Dieses feste Vertrauen bindet Mich direkt, das zu gewähren, was Mein Kind von
Mir als seinem Vater erbittet; wo anders sollte die Vaterliebe sich zeigen
können, als eben im Gewähren? Im Verweigern gewiß nicht! [PH.01_046,12] Schon früher habe Ich
euch ein Wort über ,Vertrauen‘ gegeben, vor kurzem ein anderes über
,Glauben‘, und jetzt soll diese Ausführung von beiden – aber in einem andern
Sinn – handeln. Das Vertrauen soll hier als Zutrauen zu Mir erklärt werden
und der Glaube nicht als der mächtige Hebel, selbst Taten zu vollbringen,
sondern als feste Überzeugung von dem Gewicht Meiner Worte und Meiner Verheißungen. [PH.01_046,13] Jener Hauptmann im
Evangelium hatte das Zutrauen und die feste Überzeugung, daß Meine Worte
nicht trügen können, deshalb verließ er Mich getrost und ging nach Hause. Er
war überzeugt, er müsse sein Kind gesund wiederfinden. [PH.01_046,14] Begreift ihr, was das
für ein Glaube ist, der in der Brust eines Vaters so mächtig wirken kann, daß
er auf Meine persönliche Ankunft in seinem Hause verzichtet und nur Meinen
Worten, Meiner Versicherung glaubt, da es sich um das Leben seines einzigen
Kindes handelt? [PH.01_046,15] Wo habt ihr dieses
Vertrauen schon gezeigt, ihr, die Ich mit so vielen Gnadenworten überschüttet
und so oft durch die Tat gezeigt habe, wie Ich stets mit euch bin? – Legt die
Hand aufs Herz und bekennt offen und frei, daß ihr im Glauben und Zutrauen
noch weit hinter diesem Manne im Evangelium zurück seid! [PH.01_046,16] Ihr seid bei dem
kleinsten Mißgeschick, das euch trifft, verzagt. Sogleich eilt ihr zu Meinem
Schreiber und verlangt direkte Worte von Mir, weil ihr noch taub gegen Meine
Stimme seid, die euch in eurem Herzen so oft Trost zusprechen will. So seid
ihr, die ihr euch zu den Auserwählten zählen wollt! [PH.01_046,17] Ich will euch durch
dieses Beispiel wieder auf das rechte Maß der Selbstschätzung zurückführen,
damit ihr erkennt, was euch abgeht, und wieweit ihr noch von dem eigentlichen
Ziel eines Wiedergeborenen entfernt seid. [PH.01_046,18] Wenn ihr Bevorzugten so
seid, was soll Ich von denen erwarten, denen diese Gnadenworte mangeln, die
im Strom des Weltgewirrs hin- und hergeworfen werden und trotz aller
Mahnworte und Leiden, die Ich über sie hereinbrechen lasse, nicht zur
Besinnung kommen können? [PH.01_046,19] Hier in diesem Wort
will Ich euch zeigen, wo der Grenzstein des Fragens an Mich sein sollte,
damit ihr nicht bei jeder Gelegenheit fragt und von Mir Bescheid haben wollt. [PH.01_046,20] Jede Frage von euch an
Mich ist ein Beweis von Mangel an Zutrauen, Mangel an Vertrauen, Mangel an
Glauben, Mangel an dem eigentlichen Verständnis Meiner Worte und Mangel an
der Erkenntnis, was es eigentlich heißt, Mich fragen zu wollen. Hättet ihr
einen rechten Begriff von Meiner Größe und Meiner Heiligkeit, so wäre auch
die Wahrheit Meiner Worte festgestellt, die Ich euch in den Evangelien, in
Antworten auf eure oft einfältigen Fragen gegeben habe. Ich verfolgte den
Zweck, euch alle Geheimnisse Meiner Natur, eures Herzens, Meiner
Darniederkunft und Meines künftigen Wiederkommens klar zu machen. [PH.01_046,21] Allein, ihr seid noch
lange nicht zur Einsicht gekommen, was ein Schöpfer und Herr des Universums
ist, deswegen übernehmt ihr euch oft in euren Fragen, auf welche Ich
natürlich nicht als Herr, sondern als liebender Vater geduldig antworte. Aber
es stünde euch zu, etwas reifer darüber nachzudenken, wozu die vielen Worte
da sind, welche Ich euch durch Meinen Schreiber bis jetzt gegeben habe. Ihr
sollt sie nicht bloß lesen, abschreiben und in Bücher binden lassen, nein,
ihr sollt euch bestreben, sie zu eurem eigenen Ich zu machen. Ihr sollt durch
sie Meine ganze materielle Schöpfung, den eigentlichen Wert der weltlichen
Güter und eure Mission und Stellung im Weltall immer mehr begreifen lernen.
Ihr sollt in dem kleinsten Atom und Sonnenstäubchen, das in der Luft
herumfliegt, bis zu dem größten, fernsten Stern, der als eine Zentralsonne
euch sein Licht aus Millionen und Millionen Meilen zusendet, überall euern
Vater erkennen, der obwohl groß, im Kleinsten und im Geringsten gerade am
mächtigsten erscheint. [PH.01_046,22] Aus diesen
Betrachtungen sollt ihr den Beweis schöpfen, daß Seine Wort gerade so wahr
und wirkend sind wie die Sprache Seiner Schöpfung, und wie Er so groß,
unermeßlich, gut und liebend ist. Seinen Versprechungen und Verheißungen muß
der größte Glaube geschenkt werden, weil es nicht Worte eines endlichen, wohl
aber eines unendlichen, höchsten Wesens sind, das sich in geringer Menschengestalt
herabgelassen hat, euch den Beweis der größten Demut und der größten
Verleugnung seiner selbst zu geben. [PH.01_046,23] Lernt von jenem
Hauptmann im Evangelium, was es heißen will, Vertrauen auf Meine Worte haben!
Er stellte im höchsten Schmerz, dem Verlust seines Kindes, Meine Worte höher
als diesen Schmerz, warf sich vertrauensvoll in Meine Arme und wurde in
seinen Erwartungen nicht betrogen. [PH.01_046,24] Diese euch im
Evangelium Johannes mitgeteilte Tat nahm Ich zum Gegenstand der Belehrung,
nicht um der ganzen künftigen Menschheit, sondern um Meinen Auserwählten einen
Maßstab zu geben, wie sie alle Meine Worte auffassen und auf sie vertrauen
sollen; denn nur dann, wenn sie in diesem Vertrauen fest und wahres Zutrauen
zu Mir haben werden, können sie auch hoffen, ähnliches bei andern zu
erwecken. Sonst sind sie den meisten Priestern eurer Zeit gleich, die etwas
predigen, was sie selbst nicht glauben. So kann Mein Reich auf Erden nicht gefestigt,
nicht einmal gegründet werden. [PH.01_046,25] Zuerst müßt ihr und
alle späteren Erwählten, wie einst Meine Jünger, mit gutem Beispiel
vorangehen, wenn ihr wollt, daß euch jemand folgen soll! [PH.01_046,26] So nehmt euch diesen
Königischen zum Beispiel! Erstarkt im Vertrauen und Glauben, und ihr werdet
Ruhe und Frieden haben und beides überall verbreiten können! Amen. 47. Predigt – Am 21. Trinitatissonntage. Das Gleichnis
vom Schalksknecht. [PH.01_047] Matth.18,23-35: Darum ist
das Himmelreich gleich einem König, der mit seinen Knechten rechnen wollte.
Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend
Pfund schuldig. Da er's nun nicht hatte, zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen
ihn, sein Weib, seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel
der Knecht nieder und betete ihn an, und sprach: „Herr, habe Geduld mit mir,
ich will dir alles bezahlen!“ Da jammerte den Herrn des Knechtes, und er ließ
ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbe Knecht hinaus
und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und
er griff ihn an, würgte ihn und sprach: „Bezahle mir, was du mir schuldig
bist!“ Da fiel sein Mitknecht nieder, bat ihn und sprach: „Habe Geduld mit
mir, ich will dir alles bezahlen!“ Er wollte aber nicht, sondern ging hin und
warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber
seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und
brachten vor ihren Herrn alles, das sich begeben hatte. Da forderte ihn sein
Herr vor sich und sprach zu ihm: „Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe
ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch
erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe?“ Und
sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte
alles, was er ihm schuldig war. – Also wird euch mein himmlischer Vater auch
tun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder
seine Fehle. 28. April 1872 [PH.01_047,01] Schon öfters habe Ich
euch gesagt, daß Ich Meinen Jüngern und sonstigen Anhängern alles einzeln
auslegen mußte, was in Meinen zwei Liebesgeboten gesagt und in den zehn
Geboten Mosis noch deutlicher erklärt ist. Allein, da Ich mit Leuten zu tun
hatte, die gern ausführliche Gebote wollten, damit sie genau wüßten, wie sie
sich in verschiedenen Fällen zu benehmen hätten, so war Ich gezwungen, dieser
Neigung wegen alles zu erläutern, ihnen bei allen Gelegenheiten die Gebote
entweder durch nähere Erklärungen oder durch Gleichnisse so darzustellen, daß
sie für jeden vorkommenden Fall im Leben einen Anhaltspunkt boten. [PH.01_047,02] So findet ihr in diesem
Kapitel vom Anfang bis zum Ende Verhaltungsmaßregeln, teils klar, teils in
Bildern und Gleichnissen ausgesprochen, um Meine Jünger und künftigen
Anhänger Meiner Lehre nicht im Zweifel zu lassen, wie sie sich bei allen
vorkommenden Fällen benehmen sollten, und wie sie auch andere erfolgreich
darüber belehren könnten. [PH.01_047,03] Meine Jünger waren noch
wie unmündige Kinder, die anfangs von Mir und Meinem Reich nicht die hohen
Begriffe fassen konnten wie später nach dem Überkommen Meines Geistes. So
findet ihr oft Fragen, so unschuldig und einfach, daß es zum Verwundern ist.
Wie konnten Meine Jünger, stets unter dem Einfluß Meiner Gegenwart, Meiner
Worte und Taten, noch fragen: „Wer ist der Größte im Himmel?“ Wenn nun Meine
Jünger noch so fragen konnten, so könnt ihr euch denken, wie erst die andern,
minder Eingeweihten dachten. Deswegen ist auch die Antwort, die Ich ihnen
darauf gab, und das Folgende in den anderen Versen einfach. [PH.01_047,04] Ich verglich die
Einfalt des Kindes mit dem Engelsinn Meiner Mir am nächsten stehenden Wesen.
Wie Meine Engel nicht beleidigt werden sollen, so sollen auch die an
Kindeseinfalt reichen Gemüter nicht erzürnt werden, weil in ihnen kein Falsch
ist und die Kinder im allgemeinen mit vollem Vertrauen einem jeden
entgegenkommen, der sich ihnen nähert. Deswegen ist es die größte Sünde,
dieser Einfalt mit Falsch, Hohn, Spott und Haß entgegenzutreten. Darauf
beziehen sich die andern Verse, in denen bildlich gesagt ist, daß, wenn eine
Leidenschaft die Seele eines Menschen beherrscht, es besser ist, diese zu
überwinden zu suchen, als daß die ganze Seele durch diese einzige
Leidenschaft verlorengehe. [PH.01_047,05] Diese Beispiele und
Gleichnisse sind in Bildern der Sprache jener Zeit gegeben, wie auch heute
noch im Orient die Bildersprache gang und gäbe ist. [PH.01_047,06] Nachdem Ich Meinen
Jüngern vorgestellt hatte, daß es besser sei, einen Teil des Ichs anstatt den
ganzen Seelenmenschen zu opfern, deutete Ich ihnen in den nachfolgenden
Versen die Freude an, die Ich als Schöpfer habe, wenn nichts verlorengeht,
was Ich in die Welt hinausgesetzt habe, sondern alles einst gereinigt und
vergeistigt zu Mir zurückkehrt. Das ist in den Gleichnissen vom Hirten und
dem verlorenen Schaf zur Genüge ausgedrückt. [PH.01_047,07] Um die Verlorenen zu
gewinnen, gab Ich – wie die weiteren Verse berichten – Meinen Jüngern die
Mittel an, wie sie die Verirrten und Fehlenden, ohne ihrer Eigenliebe zu nahe
zu treten, bessern könnten. Ich gab ihnen Ratschläge, was bei verstockten
Sündern oder minder hartnäckigen zu tun sei. Ich gab ihnen ferner die
Versicherung, daß wenn zwei sich vereinigt haben, in ihren Ansichten eins
geworden sind und Mich um Meinen Segen bitten, Ich ihnen diesen nie
verweigern werde. Ich sagte ihnen, daß, wo zwei in Meinem Namen versammelt
sind, Ich als Dritter, als Vereinigungs- und Friedensgeist mitten unter ihnen
sein werde. Ich stellte ihnen vor, daß dem reuigen Bruder seine Fehler nicht
nur einmal, sondern unendliche Male vergeben werden sollen, um seine
Besserung zu ermöglichen. Ich sagte ihnen auch: wenn sie, mit der Tugend der
Duldung ausgerüstet, einem Bruder seine Fehler vergeben, so würden sie ihm
auch von Mir vergeben und vergessen werden. [PH.01_047,08] Ich führte ihnen das
Gleichnis vom Schalksknecht vor Augen. Mit diesem Gleichnisse wollte Ich
sagen, was Ich schon in dem ihnen von Mir hinterlassenen Gebet lehrte, in
welchem es heißt: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!“,
– daß sie in hartnäckigen Fällen nicht die Geduld verlieren, nicht verdammen,
wo sie verzeihen, nicht fluchen, wo sie segnen sollten. [PH.01_047,09] Ich stellte das
Beispiel des Schalksknechts deshalb in so grellem Licht dar, damit sie keinen
Grund finden sollten, hart zu sein – auch nicht in einzelnen Worten –, sei es
aus übertriebenem Eifer, sei es aus wirklicher, falscher Beurteilung und
Intoleranz gegenüber den menschlichen Fehlern. So lehrte Ich sie Meine
Langmut und Meine unbegrenzte Geduld begreifen, so bewies Ich ihnen, warum
Ich Meine Sonne über Gute und Böse aufgehen lasse, weil eben Mein Ich nur
Liebe ist und Liebe nicht strafen, sondern nur bessern will. [PH.01_047,10] In diesem Kapitel
findet ihr das ganze menschliche Leben geschildert, wie es sein sollte: wie
der Mensch, nur durch Liebe geleitet, vorerst wie ein Kind vertrauensvoll auf
Mich blicken, alles ohne Falsch und ohne Hintergedanken tun und keinen andern
Zweck im Auge haben soll, als nur Mir, seinem Vater, zu gefallen um so des
Namens ,Mein Kind‘ würdig zu werden. Ferner wird gezeigt, wie der Mensch mit
Kindeseinfalt stets wieder Liebe erwecken soll und es böse wäre, einem
solchen mit aller Einfalt und Zutrauen entgegenkommenden Menschen das Gute,
das er will, mit Bösem zu vergelten. Es wird gezeigt, wie der Mensch die
Nächstenliebe verstehen und höchst zart und sanft versuchen soll, seinen Bruder
auf seine Fehler aufmerksam zu machen und nur in den schlimmsten Fällen zu
strengen Mitteln greifen, aber stets verzeihen, vergessen und sogar am Ende
Böses mit Gutem vergelten soll. [PH.01_047,11] In diesem Kapitel liegt
die ganze geistige Mission des Menschen, wie er sich selbst zu dem Kinde
erziehen soll, wie Ich es wünsche, und wie er auf seine Mitwelt einwirken
soll, um auch sie Mir in die Arme zu führen, um dann im Jenseits als das dazustehen,
was Ich bei Erschaffung des ersten Menschen gewollt habe, nämlich als Mein
würdiges Ebenbild. [PH.01_047,12] So sollt ihr Meine
Evangelien lesen und auffassen, dann wird euch das Gnadenlicht erleuchten,
und ihr werdet in den Gleichnissen nicht die harte Rinde des Lebensbaumes,
sondern den hinter ihr versteckten Kern der göttlichen Wahrheit erkennen. Um
dieses zu vermögen und zu verstehen, was dem profanen Auge verborgen ist,
dazu gehören geistige Augen und ein tiefes Verständnis. [PH.01_047,13] So wird die Bibel eine
Fundgrube und eine Lichtquelle für alle menschlichen Verhältnisse, und der
verständige Leser wird finden, daß schon seit mehr als tausend Jahren die
höchsten Schätze in diesem Buch aufbewahrt liegen, um der Menschheit einziger
Führer und Leiter zu sein, und ihr zu zeigen, wie Ich schon in jenen Zeiten
gesorgt habe, daß nichts von dem verlorengehe, was für alle Zeiten und Ewigkeiten
gesagt wurde. [PH.01_047,14] Jetzt, da bald die Zeit
herannaht, wo die Menschen strenger gefragt werden, ob sie denn eigentlich
wissen, wozu sie auf der Welt sind, und ob sie auch wissen, warum Ich auf
diese Erde kam, jetzt ist es an der Zeit, die Rinde des Buchstabens und
Wortlauts Meiner Evangelien wegzunehmen und den Menschen unter dieser
scheinbar harten Rinde den glänzenden Strom des göttlichen Lichts zu zeigen,
damit sie in dieser letzten Zeit noch das Versäumte an sich und an anderen
einholen und so ihre Mission erfüllen können. Deswegen Meine vielen Erläuterungen
und Erklärungen an euch, deswegen diese ganze Reihe von Sonntagspredigten,
damit ja niemand sagen kann, dieses oder jenes habe er nicht gewußt, nicht
verstanden. [PH.01_047,15] Ich bin der Gott des
Lichts, der Liebe und der Weisheit. Wenn Ich einst wiederkomme, kann keine
Finsternis neben Mir bestehen. Es muß deshalb in den Herzen aller Menschen
Licht werden. Sie müssen alle lieben lernen, um diese Liebe, mit Weisheit
verbunden, an ihren Nächsten anzuwenden. [PH.01_047,16] Der Grund Meiner Worte,
die Ursache Meiner Mahnungen und das Endziel Meines Strebens ist, euch auf
diese Art zu Meinen Kindern zu machen und die Welt wieder in ein Paradies zu
verwandeln, wie sie zur Zeit der ersten Menschen war, in dem kein Haß, kein
Zorn, kein Spott, sondern Liebe, Friede und Ruhe alle Geschöpfe beseelte und
der Mensch, das letzte Schöpfungswerk der Erde, alle die göttlichen
Eigenschaften in sich vereinte. [PH.01_047,17] So muß es kommen, und
dahin muß alles streben! Trachtet danach – ihr und alle Menschen –, eure
Mission zu erfüllen, indem ihr so gut als möglich werdet! Tragt aus allen
Kräften dazu bei, euren Mitmenschen den Weg zu dem gleichen Ziel zu zeigen,
dann sind Meine Worte an euch nicht verschwendet, und ihr werdet, des Namens
Meiner Kinder würdig, auch den Vater im Jenseits finden, der hier schon mit
so viel Liebe und Geduld Seine verirrten Schafe zu retten sucht! Amen. 48. Predigt – Am 22. Trinitatissonntage. Die Stellung
des Herrn zur Obrigkeit. [PH.01_048] Matth.22,15-22: Da gingen
die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie Jesus fingen in seiner Rede.
Sie sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Dienern und sprachen:
„Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht
und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen.
Darum sage uns, was dünkt dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe
oder nicht?“ Da nun Jesus ihre Schalkheit merkte, sprach er: „Ihr Heuchler,
was versuchet ihr mich? Weist mir die Zinsmünze!“ Und sie reichten ihm einen
Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: „Wes ist das Bild und die Überschrift?“
Sie sprachen zu ihm: „Des Kaisers.“ Da sprach er zu ihnen: „So gebet dem Kaiser,
was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Da sie das hörten,
verwunderten sie sich, ließen ihn und gingen davon. 29. April 1872 [PH.01_048,01] Dieses 22. Kapitel ist
voller Gleichnisse, die Ich den Pharisäern und Schriftgelehrten vortrug, um
allen ihren Einwürfen richtig zu begegnen. [PH.01_048,02] Die obigen Verse
behandeln eine jener Fallen, welche Mir die Pharisäer legten, um Mich durch
eine unvorsichtige Antwort der Obrigkeit überliefern zu können. [PH.01_048,03] Die Römer, als ihre
Herren, kümmerten sich um nichts anderes als um ihre Oberherrschaft im
Judenland; was aber die Religion der Juden und ihre Reformatoren – seien es
Propheten oder Prediger, wie Mein Vorläufer Johannes oder gar der erwartete
Messias, wie Ich ihn vorstellte – betrifft, so war ihnen dies ganz
gleichgültig, solange diese Neuerungen auf kirchlichem Gebiet blieben und
nicht ins Politische hinüberreichten. Deswegen war es den Pharisäern
hauptsächlich darum zu tun, eine Frage zu finden, bei deren gewissenhafter
Beantwortung Ich unmöglich das Politische umgehen konnte. [PH.01_048,04] So sandten denn die
Pharisäer ihre Jünger samt einigen Dienern des Herodes zu Mir mit der
zweideutigen Frage: „Ist es recht, dem Kaiser den Zinsgroschen zu
entrichten?“ [PH.01_048,05] Es war dies eine Frage,
bei der sie vermuteten, daß Ich ihnen zur Antwort geben würde, vor allem gehe
das Opfer des Tempels vor, und die Steuer für den Kaiser sei eine ungerechte,
durch die Macht des Schwertes aufgedrungene Last. – Indem sie durch solch
eine Antwort die schlagendsten Beweise dafür in der Hand hätten, daß Ich das
Volk mit schlechten Erklärungen betöre und es feindlich gegen die Regierung
stimme, glaubten sie, Mich mit der Obrigkeit verwickeln zu können. Damit aber
nicht der Schein auf sie fiele und sie im Falle des Leugnens Meinerseits auch
Zeugen hätten, schickten sie Diener des Herodes mit, welche Meine von ihnen
erwarteten Aussagen bestätigen sollten. [PH.01_048,06] Ich muß gestehen, die
Frage war verfänglich. Da die Römer nicht die rechtmäßigen Herren, sondern
nur die durch die Umstände aufgedrungenen Besitzer dieses Landes waren,
vermuteten die Pharisäer, daß Ich als geborener Jude die Fremdherrschaft
verachten und derselben entgegentreten werde. Ich aber, der Herzen und Nieren
der Menschen erforscht und wohl wußte, was die Pharisäer wollten, antwortete
ihnen mit wenigen Worten so, daß eine weitere Frage ihrerseits unmöglich
wurde. Denn in der Antwort: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was
Gottes ist!“ lag schon die ganze Erklärung, die nur Ich als Der, welcher Ich
war, geben konnte, – die aber eben nicht die von ihnen erwartete Antwort war. [PH.01_048,07] Da Ich ihnen auf der
Mir dargereichten Münze das Bildnis des Kaisers und seine Überschrift gezeigt
hatte, konnte Ich nicht anders sprechen als: „Dieses Bildnis auf der einen
Seite der Münze zeigt euch, wessen Untertanen ihr seid; und wenn ihr die
Bedeutung des Bildnisses nicht verstehen wollt, so beweist es euch die
Aufschrift auf der andern Seite noch besser. Diese Münze ist eine Scheidemünze,
mit welcher ihr Handel und Wandel treiben und damit eure weltlichen
Bedürfnisse befriedigen könnt; das Geistige aber ist erhaben über alle Münzen
– sie mögen von Gold oder sonstigem Metall sein –, das Geistige hat einen
anderen Anfang, einen anderen Grund und ein anderes Ziel!“ Damit schied Ich
streng den pflichtmäßigen Tribut der weltlichen Macht gegenüber dem der
geistigen. [PH.01_048,08] Meine an sie gerichtete
Antwort sollte ihnen sagen: „Mit den Abgaben an den Kaiser erkauft ihr euch
eure weltliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit; mit den geistigen Opfern aber
verschafft ihr euch Ordnung in eurem Innern, die Ruhe eines reinen Gewissens
und die Sicherheit im Handeln, so daß ihr wißt, was und warum ihr etwas tut.
So erlangt ihr auf beiden Wegen das gleiche Ziel, hier im Geistigen und dort
im Weltlichen. Beide müssen bestehen; denn ohne sie ist kein Zusammenleben
mehrerer möglich, und ohne sie ist nicht klar ausgesprochen, was eigentlich
das Wichtigere ist: die Schätze der Welt oder die Schätze des Geistes. [PH.01_048,09] Was Ich zu den
Pharisäern sprach, das hat auch für alle späteren Zeiten seine Geltung gehabt
und wird sie noch ferner haben, solange Menschen in Städten und Dörfern
beisammenleben, und solange noch Religion und Glauben an ein höchstes Wesen
in ihren Herzen leben. So gut wie ein Herrscher als weltliches Oberhaupt
nötig ist, ebensogut ist auch ein Gott nötig, der das ganze Universum zusammenhält.
Beide sind Ordnungsstifter, Ordnungserhalter und darum auch die alleinigen Gesetzgeber.
Die weltlichen Herrscher mögen heißen wie sie wollen, stets wird die
Exekutivgewalt nur einem einzigen übertragen werden; ebenso kann es auch in
geistiger Beziehung nur einen Regenten und nicht mehrere Götter geben. [PH.01_048,10] Daß es immer Menschen
gegeben hat, welche als Herrscher ihre Gewalt mißbrauchten und andere, die
keine Macht über sich anerkennen wollten, ist ebenso natürlich, wie es
Menschen und Völker gegeben hat, denen ein Gott nicht genügte, und die sich
ein ganzes Heer von Göttern und Göttinnen schufen, um bequem ihren weltlichen
Leidenschaften leben zu können, – in welchem Falle aber auch wieder jede Tat
durch einen göttlichen Beschluß sanktioniert war. Ebenso gab und gibt es noch
Menschen, die gar keinen Herrscher, gar keinen Gott haben wollen – als nur
ihr eigenes Ich. [PH.01_048,11] Und doch – die Menschen
mögen es machen, wie sie wollen, den Zinsgroschen müssen sie überall zahlen!
Sie müssen dem weltlichen Herrscher einen Teil ihres Erwerbs und dem
geistigen Herrscher, nämlich Gott, alle weltlichen Leidenschaften opfern,
wollen sie bei ersterem in gutem Ansehen stehen und bei letzterem das Ziel
erreichen, das Er ihnen gesetzt hat. [PH.01_048,12] Überall droht Strafe
beim Nichtbezahlen – hier weltliche, dort geistige –, und so hatte Ich wohl
recht, wenn Ich den Pharisäern sagte: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und
Gott, was Gottes ist!“; das heißt: „Erfüllt eure sozialen Pflichten so gut
wie die geistigen! Erkennt eure Stellung als Menschen zu euren Nächsten und
zu dem weltlichen Herrscher! Vergeßt aber dabei eure Verpflichtungen nicht,
die ihr gegen Den habt, der euch in die Welt setzte und euch Talente oder
Pfunde gab, von denen Er einst den Zehent oder Zinsgroschen fordern wird!
Vermengt beide Pflichten nicht und trachtet nicht danach, auf einem Weg beide
zufriedenstellen zu wollen, was nicht möglich ist; denn ihr könnt euch des
Weltlichen sowenig wie des Geistigen ganz entledigen!“ [PH.01_048,13] Was für euch aus diesem
Spruch an die Pharisäer erhellt, ist, daß auch ihr der Welt den Zinsgroschen
nicht verweigern sollt, ohne jedoch das Geistige eures Wesens dabei
einzubüßen, ohne aber auch dabei ganz Geist sein zu wollen, solange ihr noch
in der Körperhülle diesen Erdball bewohnen müßt! Es ist so nötig, sowohl hier
im irdischen Leben, wie auch jenseits im höchsten Geistleben die rechte
Mittelstraße zu kennen, damit niemand in die Extreme verfällt, in welchen er
niemand nützen kann, sondern sich und andern nur schadet. [PH.01_048,14] Daher beachtet auch ihr
dieses Wort an die Pharisäer, dessen tiefer Sinn euer ganzes irdisches und
künftiges Leben beleuchtet, damit nicht eine falsche Auffassung verkehrte
Resultate hervorbringe! Wie Ich sagte, daß die Liebe, als Liebe allein, dem
Liebenden wie dem Geliebten nur verderblich wäre, würde sie nicht durch die
Weisheit geleitet und gemildert, ebenso kann eine jede Tugend – auch die
beste – verderblich werden, sobald sie über die Grenzen des Möglichen
hinauswill. [PH.01_048,15] Vergeßt nie in eurem
ganzen irdischen Lebenswandel, der Welt das zu geben, was sie von euch zu
verlangen berechtigt ist! [PH.01_048,16] Gebt der Welt, was der
Welt ist, laßt aber nicht weltliche Triebe ins Geistige hinüberschweifen!
Vergeistigt, wenn ihr wollt, alle möglichen Beschäftigungen, aber
verweltlicht nicht eure heiligen, geistigen Eigenschaften, die für länger als
für dieses kleine Pilgerleben dauern sollen! Gebt Gott, was Gottes ist!
Betrachtet auch die weltlichen Güter als Geschenke des Himmels; vergeßt aber
ob der vergänglichen, weltlichen Glücksgüter die ewigen, bleibenden nicht!
Obwohl Welt und Gott dem Anscheine nach zwei verschiedene Dinge sind, die verschiedene
Ziele verfolgen, so ist es doch möglich, beiden nicht nur zu genügen, sondern
sie auch zu vereinen, insofern als auch die Welt von Gott als Mittel
erschaffen wurde, die geistigen Eigenschaften Seiner Wesen zu steigern und zu
kräftigen und so auf diese Art das Weltlich-Grobe oder Materielle wieder zu
seinem Ursprung zurückzuführen, von dem es ausgegangen ist. [PH.01_048,17] Der Tribut oder
Zinsgroschen muß der Welt gegeben werden; denn sie ist die Führerin zum
Geistigen. Wie man das Licht nur deswegen schätzt, weil man die Finsternis
kennt, so wird man auch das Unvergängliche dann höher schätzen, wenn man das
Vergängliche, das Weltliche kennt. Der Zinsgroschen, den ihr der Welt geben
müßt, besteht in der Bekämpfung ihrer Versuchungen, ferner in der klaren Ansicht
über den eigentlichen Wert ihrer Güter, welche nur dann gut verwertet sind,
wenn sie ein geistiges Produkt der Liebe liefern können. Auch der materielle
Zinsgroschen an den Kaiser gibt dem Menschen, dem Untertan die Ruhe, seinen
friedlichen Arbeiten nachzugehen und dadurch für sich und das Wohl seiner
Familie sorgen zu können. So sorgt der Richter fürs allgemeine und der Bürger
fürs eigene Wohl. [PH.01_048,18] So ist das irdische
Leben nur der Grund eines höheren Baues, welcher auf den rohen Steinen der
materiellen Wirklichkeit angefangen, in den letzten, geistigen Lichtelementen
einer anderen, höheren Welt enden soll. Um das höhere Leben zu erreichen, muß
der weltliche Zinsgroschen reichlich fließen, damit er viel Gutes und
Erhabenes im Geistigen erwirkt. Auf diese Art kann das, was des Kaisers ist,
und das, was Gottes ist, vereinigt werden. Dies kann das geistige Leben der
einzelnen Menschen nur fördern und entspricht dem eigentlichen Zweck, warum
Ich euch in die Welt setzte und mit so vielen, verschiedenen Eigenschaften –
guten sowohl wie schlechten – ausrüstete. Die letzteren bekämpft, sie sollen
zur Stärkung der ersteren beitragen und werden euch zu Meinem geistigen
Ebenbild gestalten. [PH.01_048,19] Beachtet daher dieses
Wort, das Ich euch in diesem Evangelium gegeben habe; auch in ihm liegt des
Tiefen viel, woraus der Verständige und Umsichtige Regeln für sein ganzes
Leben ziehen kann! Er wird dann nicht Extreme von sich, von seinem Nächsten
und von der Welt verlangen, sondern den rechten Mittelweg wandeln, indem er
durch Zahlung des Zinsgroschens seinem Nächsten das Beibringen des Tributs
erleichtert. So wird er seine Mission und Meinen Zweck erfüllen, deswegen Ich
überhaupt Geister und Materie erschuf, welch letztere, das Bindungsmittel der
ersteren, am Ende auflösen und das wiedervereinigen soll und muß, was Ich
getrennt in den großen Weltschöpfungsraum hinausgestellt habe. [PH.01_048,20] So wollt auch ihr,
indem ihr den Mittelweg geht, dazu beitragen, daß das Materielle vergeistigt
werde, damit Mein Wiederkommen auf eurer Erde durch eure und der Menschheit
Vergeistigung gerechtfertigt werde. Dann wird es sich herausstellen, was ihr
dem Kaiser, und was ihr Gott gegeben habt, und inwieweit in diesem Geben das
rechte Maß und das rechte Gewicht vorherrschte. Nur wenn ihr fähig geworden
seid, auch das geringste Meiner Worte im rechten, tiefen und geistigen Sinn
aufzufassen, ist eine Vereinigung mit Mir und Meiner Geisterwelt möglich. Ich
unterlasse zu diesem Zweck kein Mittel, euch zu zeigen, was der Welt oder des
Kaisers ist; Ich erinnere euch aber auch stets daran, was Gottes oder Mein
ist, und wie beides, obwohl getrennt, doch vereint werden kann, wenn zum
rechten Verständnis auch die rechte Ausführung kommt. Amen. 49. Predigt – Am 23. Trinitatissonntage. Die Erweckung
der Tochter des Jairus. [PH.01_049] Matth.9.18-19, 23-25: Es
kam der Obersten einer, fiel vor Jesus nieder und sprach: „Herr, meine
Tochter ist jetzt gestorben! Komm, und lege deine Hand auf sie, so wird sie
lebendig!“ Und Jesus stand auf und folgte ihm nach und seine Jünger. – Als er
in des Obersten Haus kam und die Pfeifer und das Getümmel des Volks sah,
sprach er zu ihnen: „Weichet; denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es
schläft!“ Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er
hinein und ergriff sie bei der Hand. Da stand das Mägdlein auf. 30. April 1872 [PH.01_049,01] Dieses Kapitel handelt
wieder von Heilungen, teils durch Auflegen der Hände, teils durch den festen
Glauben der Leidenden; und unser Text behandelt sogar die Wiedererweckung der
toten Tochter eines Obersten, der so viel Glauben und Vertrauen auf Meine
Macht hatte, daß – wie das Evangelium sagt – er Mich bat, in sein Haus zu
kommen, damit seine Tochter durch Auflegung Meiner Hände lebendig würde. [PH.01_049,02] Seht, wo sich so viel
Vertrauen zu Mir zeigt, da kann Ich nicht anders, als dem Flehenden seine
Bitte zu gewähren, um allen zu zeigen, was man durch unbedingtes Vertrauen
auf Mich erlangen kann. Wenn ein Kind mit Inbrunst seinen Vater um Erfüllung
seiner Wünsche bittet, so erhört er es gewiß. Was vom rechten Glauben schon
früher gesagt wurde, bezieht sich auch auf diesen Akt der Totenerweckung, und
es wäre überflüssig, dasselbe zu wiederholen. Diese Beispiele zeigen euch
alle nur zu deutlich, welchen Weg die Menschen einschlagen sollen, um der
Erfüllung ihrer Wünsche – vorausgesetzt, daß sie gerecht sind – gewiß zu
sein. [PH.01_049,03] Wenngleich Ich in jenen
Zeiten körperlich sichtbar diese Handlung vollbrachte, so kann
nichtsdestoweniger jetzt das gleiche geschehen; denn der Körper gibt hier
nicht den Ausschlag, sondern Mein Geist. Wie er dort unter Meinen Jüngern und
Verehrern Meines Wortes weilte, so ist er auch bei euch. Nur die Sichtbarkeit
Meiner Person mangelt; diese dürfte euch aber, die ihr wißt, wer Ich
eigentlich bin, nur stören. Bei Meinen Jüngern und dem Mir nachfolgenden Volk
war das anders, da sie in Mir wohl einen mächtigen Propheten oder den von
ihnen erwarteten Messias, aber nicht den Herrn der Schöpfung, der alles
erschaffen hat, zu sehen glaubten. [PH.01_049,04] Was die Erweckung der
Tochter des Obersten betrifft, so war sie der Lohn für den unbegrenzten
Glauben des Vaters und zugleich ein Wegweiser und Fingerzeig für die erweckte
Tochter. [PH.01_049,05] Dieses körperliche Erwecken
in jener Zeit ist dem geistigen der Jetztzeit entsprechend; denn was in jener
Zeit durch Mich geschah, bewirkt und von Mir gesprochen wurde, das geht jetzt
wieder vor sich, nur in geistiger Beziehung. In jenen Zeiten zog Ich von
Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, predigte, heilte und tat Gutes, gab den
halb Eingeschlafenen wieder Anregung und erweckte körperlich und geistig
Tote. Und auch jetzt, schon seit langer Zeit geschieht das gleiche. Überall
erwecke Ich durch einen unbewußten Trieb der Seelen innerste Eigenschaften,
erwecke durch Verkettung von Verhältnissen, durch Unglücksfälle und Leiden
aller Art die Menschen, auf daß sie nicht ganz vergessen, daß sie aus mehr
als einer Substanz geformt sind, und damit sie das Geistig-Seelische nicht
ganz hinwegleugnen. Überall treibe Ich, wie bei dem Obersten, die Pfeifer und
Schmauser, welche einer Totenfeier sogar den Anschein einer fröhlichen Szene
geben wollen, aus dem Hause. Das Leben und sein Zweck sind zu ernst, als daß
man mit seinen Perioden und Wechselfällen wie mit Kinderspielsachen tändeln
dürfte. [PH.01_049,06] Es muß, ehe die wahre
Einsicht kommt, im innern Hause stille werden, damit die Seele Zeit gewinnt,
sich in ihrer Lage wieder zurechtzufinden, damit sie nach und nach darauf
aufmerksam gemacht werden kann, wie wenig Gehalt und Dauer im Weltlichen ist,
damit sie das Geistige vorzieht und keine Mühe und kein Opfer scheut, sich
dieses anzueignen. [PH.01_049,07] So erwecke Ich manchen
von seinem geistigen Schlaf. Ich lege ihm Meine Hand auf oder rühre ihn nur
mit einem Finger an, damit er nicht ganz verlorengehe und im Materiellen
seinen geistigen Untergang finde; denn aus dieser Nacht ist nur ein langsames
Erwachen möglich. [PH.01_049,08] Wie Ich zu den
Umstehenden sagte: „Das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft nur!“, so
zeige Ich auch jetzt den Menschen oft, daß manche, dem Anschein nach die
verdorbensten Menschen, nur in den geistigen Schlaf versunken sind und es des
rechten Weckrufs bedarf, um diese Lethargie zu beheben und aus dem Siebenschläfer
einen tätigen Arbeiter in Meinem Weinberg zu machen. [PH.01_049,09] Wie viele habe Ich
schon erweckt, die es Mir jetzt tausendmal danken, wenngleich die Art und
Weise des Erkennens nicht nach ihrem Geschmack war. Jedoch, gemäß der
geistigen Individualität waren oft Reizmittel nötig, die allein den Endzweck
zu fördern vermochten. Auch euch, die ihr alle in einen gemächlichen
Geistesschlaf eingewiegt wart, indem ihr euch eure Glaubensanschauung so
bequem wie möglich machtet, habe Ich durch verschiedene Mittel erweckt, um
die ruhenden Eigenschaften der Seele wieder in Anregung zu bringen. Auch
unter euch legte Ich so manchem Meine Hand auf, und manchen berührte Ich mit
dem Finger, je nachdem der eine eine leise, der andere eine stärkere, einflußreichere
Berührung nötig hatte, um zur Erkenntnis zu kommen, wo er eigentlich steht,
und wieviel ihm noch fehlt, um zu dem angestrebten Ziel zu gelangen oder es
wenigstens zu erkennen. Da Mein euch vorgestecktes Ziel nicht so nahe und
nicht so leicht zu erreichen ist, so mußte Ich bei euch, so wie Ich einst die
Musikanten bei Trauerfällen auswies, zuvor die alt angewöhnten Vorurteile
ausmerzen, ehe zur Kenntnis Meiner Lehre geschritten werden konnte. [PH.01_049,10] Was Ich bei euch in so
verschiedener Weise bewirkte, das geschieht auch jetzt noch mit ganzen
Völkern. Auch bei ihnen vertreibe Ich die lärmenden Musikanten, Pfeifer und
Trommler, die selbst über Gräbern noch Freudentage anregen möchten. Ich mache
die Völker durch Not nüchtern. Ich reiße sie aus dem Wahn heraus, daß die
weltliche, nur nach Genuß strebende Sucht das erste sei, was der Mensch
suchen müsse. Ich lehre sie – leider durch unangenehme Ereignisse – die
Vergänglichkeit weltlichen Eigendünkels, weltlichen Ruhmes und weltlicher
Glücksgüter und beweise ihnen nebenbei die ewige Dauer geistiger Schätze. [PH.01_049,11] So ergeht es dem
einzelnen, so den Völkern, so den Herrschern, so den Priestern. Allen zeige
Ich, daß über ihnen noch ein anderer steht, der sie zwar machen läßt, was sie
wollen, der aber die Fäden der Verkettung der Umstände und Verhältnisse
allein in der Hand hält und alles – selbst das Schlechteste, von Menschen
ausgeführt – zum Besten der Gesamtmenschheit wie auch des einzelnen zu verwerten
weiß. [PH.01_049,12] So geht der Entwicklungsprozeß
zwar langsam vorwärts, nähert sich aber unaufhaltsam seinem Ziel. Ich erwecke
alle Menschen, alle Völker, alle Könige und Priester. Alle sollen einsehen
und begreifen, daß sie vorher geschlafen haben. Alle sollen aber auch
erkennen, daß man nicht immer schlafen kann, und daß der Schlaf, nur dann gut
und nützlich ist, wenn er dazu dient, die verbrauchten Kräfte
wiederzuersetzen. Wo er aber dieses nicht bewirkt, ist er nutzlos, schädlich
und verschlimmert nur. So ist der geistige Schlaf, in den viele eingelullt
wurden oder sich selbst eingewiegt haben, nur als eine große Versäumnis auf
der Bahn der geistigen Entwicklung zu betrachten. Daher ist das Erwecken
nötig, umsomehr jetzt in dieser Zeit, in der die Lösung der ganzen geistigen
Bestimmungsfrage des Menschengeschlechts vor der Tür steht und die meisten
Menschen sich so in das weltliche, egoistische Treiben hineingelebt haben,
daß durch leise Berührung mit einem Finger fast niemand mehr erweckt werden
kann, sondern für die so tief in den Schlamm der Welt Versunkenen zumeist
Gewaltmittel angewendet werden müssen, um sie herauszuziehen. [PH.01_049,13] Die Menschen sind jetzt
so weit von ihrem eigentlichen Ziel abgekommen, daß keine menschliche Macht
mehr imstande wäre, sie aus ihren Träumen zu erwecken und sie von ihrem Jagen
nach Genuß abzubringen. Jetzt muß Ich Mich mehr als sonst ins Mittel legen,
da auch die Herrscher wie ihre Völker, vom gleichen Wahn befangen sind. Eben
deswegen ertönt überall und unter verschiedenen Formen der Weckruf sowohl an
einzelne, als auch an ganze Völker. [PH.01_049,14] Bis jetzt sind sich
weder die Menschen noch die Völker darüber klar, was sie wollen. Doch, nur
Geduld! Laßt erst die Musikanten vertrieben sein, dann wird die ernstere
Stimmung, die Besinnung schon nachkommen! Die Verhältnisse werden sich
klären, und das Unnatürliche, Ungesetzliche und Überspannte wird dem Reellen,
dem Unvergänglichen Platz machen müssen. Des Sträubens von seiten vieler wird
übergenug sein, – doch, die Arznei muß genommen und der Kelch des Bitteren
bis auf die Hefe geleert werden! [PH.01_049,15] Sind die Menschen
einmal so weit vom rechten Weg abgekommen, so muß natürlich auch der Rückweg
ein längerer sein, – aber umgekehrt muß werden! Sie müssen zur Einsicht
kommen, daß es nur einen Gott und ein Geisterreich gibt, dem alles andere zum
Fußschemel dienen muß, und daß das Materielle, mag es noch so verehrt werden,
doch keinen bleibenden Gehalt hat und keinen bleibenden Genuß gewähren kann. [PH.01_049,16] Tausende von Verirrten
eilen auf dem Irrweg ins frühe Grab. Sie gehen unreif aus dieser Welt und
kommen noch unreifer drüben an. Was soll aus solchen werden? Hier konnten sie
nicht bleiben, und dort behagt es ihnen auch nicht. Oh, ihr kennt nicht die
Qualen solcher Seelen, die unentschlossen umherirren! Das verlorene Irdische
ist ihnen nicht mehr zugänglich, und das Geistige ist für ihre Ansichten und
ihr Wesen nicht passend. [PH.01_049,17] So geht es, wenn
Menschen, ja ganze Völker ihr geistiges Glück mit Füßen treten, nur dem
Weltlichen nachhängend und am Ende, nachdem sie das Weltliche verloren haben,
nicht fähig sind, sich das Geistige anzueignen. Es ist ihre eigene Schuld. –
Dies ist der Grund des Erweckens Meinerseits. Nicht umsonst sagte Ich: „Wenn
dich ein Auge ärgert, so reiße es aus; denn es ist besser, daß du mit einem
Auge in einer besseren Welt ankommst, als daß du dich mit zwei Augen der
größten, geistigen Qual aussetzest!“ [PH.01_049,18] Nehmt alle Ereignisse,
wie und wann sie kommen mögen, als Gaben der Liebe an; denn Ich weiß am
besten, wie, wann und womit Ich verwahrloste Menschen und verirrte Völker auf
den rechten Weg bringen und sie so noch beizeiten vom gänzlichen Verfall
retten kann! [PH.01_049,19] Man lehrte euch ein
Fegefeuer, worin die Seelen von den schlechten Leidenschaften gereinigt
werden sollen, ehe sie ins Paradies oder in den Himmel aufgenommen werden
könnten. Ich sage euch: So, wie man euch das Fegefeuer beschrieb, ist es ein
wahrer Unsinn; aber geistig existiert es wohl, nämlich im Menschen selbst.
Dort muß alles Schlechte erst weggefegt werden, bis man sich in besseren
Verhältnissen heimisch fühlen kann, und zu diesem Wegfegen trage Ich durch
Schickung von allerlei Kämpfen und Leiden bei. Ich erwecke dadurch die
schlummernden guten Eigenschaften in der menschlichen Seele, damit sie sich
ermannen und aufraffen soll, das Böse mit Energie zu bekämpfen und alles
wegzufegen, was ihr Schaden bringen könnte. [PH.01_049,20] Als Ich einst sagte:
„Das Mägdlein ist nicht tot, es schläft nur!“, wurde Ich von den andern verlacht.
Ebenso werde Ich auch heute von den wenigsten verstanden, wenn Ich sie
erwecken will, obgleich es zu ihrem Besten ist. Daher trachtet danach, Meine
Winke und Mahnungen zu verstehen, damit ihr es merkt, wenn Ich euch zu eurem
Besten auch nur mit dem Finger berühre! Denn ein liebender Vater, dem es um
das Wohl seiner Kinder zu tun ist, kann nur bessern, nie strafen. Dessen seid
stets eingedenk! Amen. 50. Predigt – Am 24. Trinitatissonntage. Die Stillung
des Sturmes. [PH.01_050] Matth.8,23-27: Jesus trat
in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein
großes Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt
ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, weckten ihn auf und
sprachen: „Herr, hilf uns, wir verderben!“ Da sagte er zu ihnen: „Ihr
Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?“ Er stand auf und bedrohte den
Wind und das Meer. Da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten
sich und sprachen: „Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam
ist?“ 1. Mai 1872 [PH.01_050,01] Dieses Evangelium
erzählt davon, wie Ich einst in ein Schiff stieg und, als sich ein großer
Sturm erhob und Ich eingeschlafen war, von Meinen Jüngern aufgeweckt wurde,
damit Ich dem Sturm und dem Meer Ruhe gebieten möchte. [PH.01_050,02] Diese Tat geschah nur
vor den Augen Meiner Jünger, obwohl auch am Land stehende Menschen beobachtet
hatten, wie auf Mein Geheiß die Wogen sich legten und der Sturm verstummte.
So gab Ich Meinen Begleitern einen neuen Beweis, daß Ich nicht allein Herr
des Todes und des Lebens, sondern auch Herr der ganzen sichtbaren Natur bin. [PH.01_050,03] Obwohl diese Tat
manchem hätte die Augen öffnen können, mit wem er es zu tun habe, begriffen
doch wenige, daß Ich mehr als Mensch, daß Ich Gottes Sohn oder Gott selbst
war. Meine Jünger verloren den Mut, als der Sturm seine Kraft vermehrte, und
weckten Mich voll Angst, weil sie glaubten, ihr Ende sei nahe. Sie hätten das
nicht denken sollen, da sie Mich so ruhig schlafen sahen. Aber ihnen war der
Begriff ,Sohn Gottes‘ noch nicht klar, und deswegen seht ihr sie in
verschiedenen Fällen verzagt und an Meiner Allmacht zweifeln, obgleich sie
Mich erst einige Augenblicke vorher Taten verrichten sahen, die kein
gewöhnlicher Mensch, sondern nur Der verrichten kann, der weit über alles
Körperlich-Materielle hinaus die Fäden der ganzen Schöpfung fest in Seiner
Hand hält. Meinen Jüngern zeigte Ich oftmals durch Wundertaten Meine Macht,
und doch konnten sie sich nicht ganz mit dem Gedanken befreunden, daß sie es
mit keinem gewöhnlichen Erden-, sondern mit einem Gottmenschen zu tun hätten.
Stets ließ Ich die Umstände sich so gestalten, daß außer Meiner Lehre Meine
Taten noch deutlicher von Dem zeugen sollten, der Mich gesandt hatte. Sogar
nach Meinem Tode, bei Meinem Wiedererscheinen unter Meinen Jüngern, gab es
noch Zweifler, wie Thomas zum Beispiel einer war. [PH.01_050,04] Was in jenen Zeiten
unter Meinem direkten, sichtbaren Einfluß so schwer war, ist jetzt, wo Ich
entweder durch eigens dazu bestimmte Schreiber oder durchs Herz eines jeden
Menschen mit ihm rede, noch schwerer und zweifelhafter geworden. Jetzt sollen
und müssen Meine Worte genügen, da die Zeit des notgedrungenen Glaubens
vorbei ist und keine Wundertaten mehr ausgeführt, noch durch Mitwirkung anderer
Menschen zugelassen werden. Die meisten, welche jetzt an Mein Wort glauben,
sind nicht im mindesten von der Unfehlbarkeit desselben überzeugt. Auch ihnen
ergeht es bei der geringsten Gefahr wie den Jüngern, d.h. auch sie zweifeln
an Meinen Versprechungen, an Meinen Worten. [PH.01_050,05] Die Lage, als Ich mit
Meinen Jüngern in einem Schiff weilte, entspricht bei einem jeden Menschen
seinem eigenen Lebensschiff, in welchem Ich als göttlicher Funke schlummere,
bis Unglücksfälle aller Art den Menschen drängen, seine Zuflucht bei Mir zu
suchen. [PH.01_050,06] Es geht den meisten
Menschen wie Meinen Jüngern. Solange es ihnen nicht schlecht geht, kommen sie
nicht zu Mir. Meine Jünger glaubten sich verloren und riefen Mich an. Der
Mensch sucht in bedrängten Lagen, in denen ihm die Gebrechlichkeit alles
Irdischen die Maske der nackten Wirklichkeit zeigt, im Innern seines Herzens
Trost und Ruhe zu gewinnen, welche er von der Außenwelt umsonst erwartet. Bis
dahin schlummerte Ich auch bei diesem Menschen. Er betrachtete Mich nicht als
etwas Notwendiges und Wirkliches, sondern als etwas Eingebildetes, ihm von
anderen, z.B. von Priestern Eingeredetes, das aller Realität entbehrend den
Menschen nur aus dem Grunde gelehrt wurde, um die Macht der Priester zu
vermehren, während das geistige Wohl der Menschen gar nicht in Betracht
gezogen wurde. [PH.01_050,07] Wenn dann das
Lebensschifflein, von weltlichen Stürmen gepeitscht, umhergeworfen wird, dann
kommen Angst, Zweifel und Furcht. Man sucht alle Lehren hervor, die der Seele
durch die Erziehung eingebleut wurden, erfährt aber mit Schaudern, daß alle
diese Dogmen und schönen Sprüche nicht geeignet sind, der geängstigten Seele
Ruhe und Frieden zu geben. Dann wendet sich der Mensch an den in ihm
schlummernden göttlichen Geist. Dann sucht er in der bis dahin nicht
beachteten Innenseite des menschlichen Lebens eine Stütze, damit er unter der
Macht der Umstände nicht zugrunde gehe. Und wenn er diesen inneren Schatz
gefunden hat, wenn er begriffen hat, wie wenig alles Materielle gegen einen
einzigen Gedankenblitz aus diesem Heiligtum ausmacht, dann glätten sich die
Wellen. Es schweigen die Winde der Leidenschaften, der Besorgnisse, und Ruhe
und Frieden kehren mit ihm in die Außenwelt zurück; denn die Außenwelt selbst
war nicht trüber, sondern nur der Blick in diese war getrübt. Da sagt dann
der im Innern geweckte göttliche Funken zur geängstigten Seele: „Aber warum
bist du denn so kleinmütig, wo du doch einen solchen Herrn über alles
Leibliche in dir trägst?“ [PH.01_050,08] Seht, so hat diese Tat
auf dem See ihre geistige Entsprechung im menschlichen Einzelleben. [PH.01_050,09] Auch im Leben der
Völker ist ein Funken göttlicher Triebkraft, welcher sie zuzeiten zum Denken
anregt, damit ebenso wie der einzelne auch ein ganzes Volk sich seiner
Mission auf dieser Erde bewußt werde. Denn alles, was auf dieser sichtbaren
Welt vorgeht, ist nur ein einfaches Wirken der Liebe, um das
Seelisch-Geistige im Menschen zur Geltung zu bringen. [PH.01_050,10] Es geht dieser Prozeß
aber auch im Leben der Tiere, Pflanzen und Steine vor sich, ist dort aber nur
geistigen Augen sichtbar. Das Sich-Gestalten, Sich-Formen und
Sich-wieder-Zersetzen aller Materie ist kein anderer Drang als der des erweckten
Geistes, welcher in der Materie gebunden und schlummernd lag. Das
Aufwärtsschreiten von Stufe zu Stufe, das Sich-Vervollkommnen könnte nicht
stattfinden, wäre nicht im Innersten der Materie der durch äußere Umstände
geweckte Geist. [PH.01_050,11] Wie in jener Zeit das
Schifflein mit Meinen Jüngern und mit Mir die ganze Welt ausmachte, welche
auf dem beweglichen Element, dem Wasser, herumgeschleudert wurde, ebenso ist
das durch äußere Einwirkung hervorgerufene Anregen des in der Materie
liegenden Geistes das gleiche, das zum Fortschreiten und zur Vervollkommnung drängt.
Meine Jünger mußten ebenfalls durch verschiedene Ereignisse zum Fortschreiten
im Glauben und Vertrauen veranlaßt werden. Sie mußten erstarken, damit sie in
den künftigen Lebensstürmen nicht zweifelten, sondern fest vertrauten. [PH.01_050,12] Der Geist ist in der
festen Materie ein unbewußter Trieb, offenbart sich beim Tier als Instinkt
und ist beim Menschen der am höchsten ausgebildete göttliche Funken. Der
Mensch soll erstarken in dem Bewußtsein, daß er nicht nur ein Erden-, sondern
auch ein Weltenbürger ist, der zwischen zwei Welten stehend auf dieser Erde
zwar die materielle Überkleidung hat, dabei aber auch das geistige Ebenbild
eines höchsten Wesens, des Schöpfers ist, der weit hinaus über alle
Vergänglichkeit im Unendlichen wohnt. Er will Seine Abkömmlinge zu dem
erziehen, wozu Er sie erschaffen hat, zu Veredlern der Materie, zu
Vergeistigern des Groben und Festen und zu ewigen Bewohnern eines
Geisterreiches, in dem die Materie einst ihren ersten Ursprung genommen hat
und ihr letztes Ende finden muß und wird. [PH.01_050,13] Daher seid auch ihr
beflissen, den göttlichen Funken im Innern zu wecken, zu kultivieren und zu
verstehen, damit ihr auf des Lebens bewegten Wogen, unter den Stürmen der
Leidenschaften, Verhältnisse und Ereignisse nicht den Mut verliert wie einst
Meine Jünger im Schifflein, sondern stets dessen eingedenk seid, daß euer
Vater bei euch ist. Wenn auch Seine Stimme nicht immer vernehmbar ist, so
schläft Er doch nicht, sowenig als Mein göttlicher Geist in dem Schifflein
Meiner Jünger geschlafen hat, sondern nur geduldig abwartete, bis eine neue
Kleinmütigkeit die Schwäche Meiner Jünger offen an den Tag legte. [PH.01_050,14] Dort gebot Ich den
Winden und dem Meer Ruhe; ebenso wird der, welcher Mich in seinem Innern
suchen wird, durch den in ihm geweckten göttlichen Geist auch Ruhe und
Frieden – vorerst in seinem Innern – haben und dann diese Ruhe auch auf die
Außenwelt übertragen können. [PH.01_050,15] Dies merket euch, und
verzweifelt nicht sogleich, wenn eure Wünsche nicht immer so erfüllt werden,
wie ihr es gerne haben möchtet! Erstarket auch ihr im Glauben und im
Vertrauen auf euren in euch gelegten göttlichen Geist! Amen. 51. Predigt – Am 25. Trinitatissonntage. Das Gleichnis
vom Unkraut auf dem Acker. [PH.01_051] Matth.13,24-30: Jesus
legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: „Das Himmelreich ist gleich
einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Da aber die Leute
schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.
Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da
traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: ,Herr, hast du nicht guten
Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?‘ Er sprach zu
ihnen: ,Das hat der Feind getan.‘ Da sprachen die Knechte: ,Willst du denn,
daß wir hingehen und es ausjäten?‘ Er sprach: ,Nein, auf daß ihr nicht
zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausjätet! Lasset beides
miteinander wachsen bis zu der Ernte, und um der Ernte Zeit will ich zu den
Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß
man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuer!‘“ 2. Mai 1872 [PH.01_051,01] Die Gleichnisse dieses
Kapitels enthalten die ganze Geschichte Meiner Lehre und die Geschichte
Meiner Schöpfung vom Anfang bis zum Ende. Die Geschichte Meiner Lehre, weil
sie euch zeigt, auf welch verschiedenen Boden Meine Lehre und Meine Worte
fallen, und die Geschichte Meiner Schöpfung, weil sie euch klar vor Augen
stellt, wie das göttliche Wort der höchsten Geistesweihe, von Stufe zu Stufe
aufwärts steigend, in den Millionen von Welten seinen Ausdruck findet. Und
wie der Eindruck, den Mein Wort auf Millionen von Menschen macht, bei jedem
verschieden ist, so ist auch der Entwicklungsprozeß einer jeden Welt
verschieden von dem einer anderen. [PH.01_051,02] Diese Gleichnisse, wie
Ich sie zum Volke Israel redete, waren dem gewöhnlichen Leben entnommen,
damit sie die Zuhörer leicht verstehen konnten. Aber sie begriffen in dem
Gleichnis, welches für diesen Sonntag bestimmt ist, trotzdem nicht, wer unter
ihnen mit dem guten, wer mit dem steinigten Boden, und wer mit dem Wege, auf
den der ausgestreute Samen fällt, zu vergleichen sei. [PH.01_051,03] Dieses Gleichnis
bezeugt, daß Ich wohl durch Taten und Worte die Leute zum Besseren bekehren
möchte, daß aber der gute Same, da die Welt mit ihren Genüssen sich darein
mengt, nur vereinzelt an manchen Stellen gedeiht, doch im allgemeinen nicht
solche Frucht bringt, wie es den Worten aus Meinem Munde gemäß verlangt
werden könnte. Es bezeugt euch, daß das Ende, die Ernte, Gutes vom Schlechten
scheiden wird und die Guten den gerechten Lohn empfangen werden, die
Halsstarrigen und Bösen aber den langen Weg der Materie werden durchmachen
müssen, bis sie alles Unreine abgelegt haben und sich in Meinem Himmel- und
Geisterreich als ein geistiger Ton zur dort herrschenden Harmonie gesellen
können. [PH.01_051,04] Seht, seit dem Abfall
Luzifers hat in der ganzen Schöpfung das Gute oder Leichte, Geistige – im
Bösen oder Schweren, Materiellen seinen Gegensatz! [PH.01_051,05] Die ungeheure Menge
abgefallener Geister, welche mit Luzifer fielen und dann als Träger der
Materie in ihr gebunden wurden, sie alle klassifizieren die ganze
Weltenschöpfung nach dem geistigen Inhalt, und die Welten sind deswegen mehr
oder minder moralisch-geistig leicht oder schwer, was nichts anderes heißt
als: Auf allen Welten ist das große Prinzip der höchsten Eigenschaften Meines
eigenen Ichs als höchste Liebe mit allen von ihr abhängenden Eigenschaften
ausgedrückt. [PH.01_051,06] Wenn Ich Meine Jünger
lehrte und selbst auf eure Erde kam, so hatte dies keinen andern Zweck, als
allen geschaffenen Wesen Mein geistiges Reich, seine Gesetze und seine
Grundprinzipien kundzugeben. Als Ich auf Erden lehrte, sagte Ich nichts
Neues, sondern immer das gleiche, was Ich von Anbeginn der Welt all Meinen
Geistern eingeprägt hatte, nämlich: was ihr endliches Ziel und ihr ganzes Streben
sein soll. Selbst der Materie mit ihren in sie eingeschlossenen Geistern
legte Ich den Trieb ein, nach Vervollkommnung zu ringen, um so die
Außenseite, die Bestandteile der Materie zu vergeistigen, bis diese endlich,
mit dem Innern in Übereinstimmung, sich zu höheren Potenzen der
Lebensentwicklung, vom schweren Gestein bis zum sich seiner selbst bewußten
Menschen aufschwingen kann, der dann – mit dem Bewußtsein seiner Mission –
sein eigenes Materielles vergeistigen muß, bis er, wenn sein Äußeres mit seinem
Inneren gleich geistig geworden ist, zur Aufnahme in Mein Reich reif ist. [PH.01_051,07] Dem Durchlaufen dieser
Phasen entsprechen die Gleichnisse mit dem Samen; denn der ausgestreute Samen
wird, auf verschiedenes Erdreich fallend, verschiedene Produkte
hervorbringen, je nachdem, was für Elemente er zu seinem Gedeihen dort
vorfindet. Das Freigeben der menschlichen Natur, d.h. der freie Wille,
bedingt diese verschiedene Auffassung Meiner Lehre, so wie Ich sie einst
Meinen Jüngern predigte und jetzt nur wenigen auf dieser Erde wieder
kundgebe. Die Menschen, mitten zwischen den beiden Polen von Gut und Böse
stehend, mußten natürlich auch verschiedene Reaktionen zeigen, wie sie Meine
Lehre auffassen wollten oder konnten. [PH.01_051,08] Wie die Welten in
Meiner ganzen Schöpfung millionenartig verschieden sind und dadurch bildlich
das verschiedene Auffassen der reinen Wahrheit ausdrücken, ebenso verschieden
mit Millionen von Abweichungen sind die Menschen, ein jeder einzelne als
geistige Welt für sich betrachtet. [PH.01_051,09] Ihr erseht also aus
diesen Gleichnissen die weitgehende Bedeutung des Samens, des Wortes „Es
werde!“, das Ich einst gesprochen habe, das heute noch fortwirkt und am Ende
alle Geister in einem Geisterreich vereinen wird, wenngleich einzelne Welten
und Individuen längere und andere kürzere Wege dahin zurücklegen müssen. [PH.01_051,10] Mein Wort, oder der
Ausdruck der Liebe in jeder Bedeutung, enthält die ganze Schöpfung und
enthält Meine ganze Lehre. Das beweist, daß Ich nur Gesetze der Liebe, und
zwar nur zwei, gegeben habe, die aber nur dann von Wert sind, wenn eins das andere
ergänzt. [PH.01_051,11] Diese Gesetze der Liebe
sind der Same, den Ich materiell in Meiner ganzen Schöpfung und geistig in
den Herzen aller vernünftigen Wesen gesät habe. Das Aufkeimen dieses Samens,
je nach dem mehr oder minder großen Einfluß der materiellen Welt, bedingt das
Fortschreiten zum Guten oder das Zurückschreiten zum Bösen, zum Materiellen. [PH.01_051,12] Eingedenk der Freiheit
des Menschen und aller geschaffenen Geister mußte auch unterm guten Weizen
Unkraut aufkeimen, wie Ich es im Gleichnis bildlich sagte. In diesem Fall
werden die Menschen, welche nicht auf rechten Wegen gehen, erst am Ende ihrer
irdischen Lebensbahn erkennen, wie weit sie von der eigentlichen Straße zu
ihrem Heil abgekommen sind. In der andern Welt muß dann dieser Kampf, den so
manche mit dem Ende auf dieser Welt beendet glaubten, unter anderen
Verhältnissen und mit wenig Mitteln und großen Hindernissen von innen nach
außen wieder neu begonnen werden. [PH.01_051,13] Was für einen jeden
Menschen als kleine geistige Welt der Körpertod ist, das ist für die
Menschheit auf der Erde das Ende alles Materiellen, das Ende aller weltlichen
Versuchungen, welches noch vor Meiner Wiederkunft eintreten wird, da nach derselben
das geistige Reich auf eurer Erde seinen Anfang nehmen und Mein Same oder
Mein Wort überall gleiche Früchte tragen wird. [PH.01_051,14] Dahin zielen alle Meine
Vorbereitungen in eurer Zeit; denn auf eurer Erde ist leider schon mehr das
Unkraut als der gute Weizen vorherrschend, es ist beinahe nur noch steiniger
und sandiger Boden zu finden, und Disteln und Dornen sind die Hauptgewächse,
die die Oberfläche eurer Erde verunzieren. Meine Schnitter sind schon längst
in Tätigkeit und rotten das wuchernde Unkraut mit allen Mitteln aus; aber es
wird noch ärger kommen, weil eben der freie Mensch wirklich ein beinahe
steinernes Herz bekommen hat, auf dem, wie auf einem harten Stein, eine
Berührung keine Spur mehr zurückläßt, sondern über dessen Oberfläche alles
spurlos weggleitet. [PH.01_051,15] Seht euch vor, daß in
euren Herzen nicht so manches Unkraut schlechter Leidenschaften, durch
weltliche Einflüsse begünstigt, aufkeimt! Ich sage euch wie einst Meinen
Zuhörern: „Wer Ohren hat, der höre, und wer Augen hat, der sehe!“ Denn leider
gibt es noch viele, die Ohren haben, aber den geistigen Wind, der durch die
ganze Schöpfung geht, nicht hören, und die Augen haben und nichts bemerken
von dem Lichtstrahl aus Meinem ewigen Geisterreich, welcher anfängt, nach und
nach alle Winkel eurer finsteren Erde zu erleuchten, damit bei Meiner Ankunft
als König des Lichts kein Schatten, keine Finsternis mehr vorhanden sei. [PH.01_051,16] Viele gibt es noch,
die, bloß weltlichen Genüssen und weltlichen Gütern nachjagend, keine
geistige Welt, kein höheres geistiges Prinzip, keinen Gott als Schöpfer
anerkennen wollen. Sie sind wie die Disteln und Dornen. Entfernt euch von
ihnen! Ihre Stacheln lassen es euch wahrnehmen, daß ihr euch solchen
Scheinphilosophen und Gelehrten nur mit Vorsicht nähern dürft. Sie werden,
wie es geschrieben steht, ins Feuer geworfen, ins Feuer der Drangsal und
Leiden. Dann erst, nach langem Kampf geläutert, werden sie an dem geistigen
Reich teilnehmen können, das sie vorher so fest hinweggeleugnet haben. [PH.01_051,17] Ihnen gelten die
Naturereignisse und Epidemien, welche sie in Massen hinwegraffen. Andere
werden durch den Verlust geliebter Personen daran gemahnt, daß es noch eine
andere als nur diese natürlichmaterielle Welt gibt. Ihr Erwachen wird traurig
sein, – und doch muß Ich sie erwecken, weil Ich nicht ein Atom, viel weniger
eine Menschenseele, die Ich einst von innen wie außen nach Meinem Ebenbilde
geschaffen habe, verlieren möchte. [PH.01_051,18] Lernt auch ihr zu
hören, aber mit geistigen Ohren, was Ich euch sage, was die Ereignisse der
Welt euch sagen, und was die ganze Natur euch zuruft: ,Es ist ein Gott, und
dieser ist ein Gott der Liebe!‘ [PH.01_051,19] Unbekümmert um den
Boden sät Er Seinen Samen aus, es mag die Heerstraße oder steiniger Boden
oder auch zwischen Dornen und Disteln sein. Frei ist der Mensch, und der Same
kann daher je nach der Individualität des einzelnen wirken; aber am Ende wird
doch der Zweck erfüllt werden, den Ich als Sämann im Auge hatte. [PH.01_051,20] Es wird trotz des
verschiedenen Ackerbodens am Ende doch eine reichliche Ernte kommen, die
Ewigkeit sichert Mir den Erfolg. Mein Wort, nachdem es alle Phasen
durchlaufen hat, indem es von den einen mit Füßen getreten und von den andern
mit freudigem Herzen begrüßt wurde, muß doch das gleiche Resultat
hervorbringen; denn Mein Wort – der Same – ist göttliches Wort, und deswegen
kann und muß es den Boden, worauf es fällt, verbessern und vergeistigen, wenn
auch nicht auf dieser Erde, so doch gewiß jenseits. [PH.01_051,21] Mein Streben und der
Zweck dieser Mitteilung ist ja nur, den Menschen diesen Weg zu verkürzen und
ihnen das Vorwärtsschreiten zu erleichtern. Daher der wiederholte Mahnruf in
diesem Kapitel: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ [PH.01_051,22] Versteht und faßt es
wohl und handelt danach, und ihr werdet es an euch selbst verspüren, ob der
Same auf guten oder steinigen Boden gefallen ist! Amen! 52. Predigt – Am 26. Trinitatissonntage. Die Erklärung
des Himmelreiches. [PH.01_052] Matth.13,31-33, 44-50: Ein
anderes Gleichnis legte er ihnen vor, und sprach: „Das Himmelreich ist gleich
einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säte es auf seinen Acker, welches das
kleinste ist unter allem Samen. Wenn es aber erwächst, so ist es das größte
unter dem Kohl und wird ein Baum, daß die Vögel unter dem Himmel kommen und
wohnen unter seinen Zweigen.“ [PH.01_052] Ein ander Gleichnis redete
er zu ihnen: „Das Himmelreich ist einem Sauerteig gleich, den ein Weib nahm
und vermengte ihn unter drei Scheffel Mehl, bis daß es ganz durchsäuert
ward.“ [PH.01_052] „Abermals ist gleich das
Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand, und
verbarg ihn. Er ging hin vor Freuden über denselben, verkaufte alles, was er
hatte, und kaufte den Acker. [PH.01_052] „Abermals ist gleich das
Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine köstliche
Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. [PH.01_052] „Abermals ist gleich das
Himmelreich einem Netze, das ins Meer geworfen ist, damit man allerlei
Gattung fängt. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer,
sitzen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen; aber die faulen werfen sie
weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen, die
Bösen von den Gerechten scheiden und sie in den Feuerofen werfen; da wird
Heulen und Zähneklappern sein.“ 3. Mai. 1872 [PH.01_052,01] In diesen Versen ist
das Himmelreich mit verschiedenen Dingen bildlich verglichen, um Meinen
Jüngern und dem um Mich versammelten Volk begreiflich zu machen, was für ein
Reich sie alle nach ihrem Lebensende erwartet, um ferner darauf aufmerksam zu
machen, wie sie dessen teilhaftig werden können, aber auch, was ihr Los sein
wird, wenn sie, den göttlichen Gesetzen zuwiderhandelnd, sich desselben
unwürdig machen. [PH.01_052,02] Vom Himmelreich, von
der andern geistigen Welt haben die Menschen leider nie den rechten und
wahren Begriff; denn hätten sie diesen, so würden sie gewiß alles aufbieten,
es zu gewinnen und es sich nicht so leichtsinnig verscherzen, wie sie es
heutzutage tun. [PH.01_052,03] Alles, was in der Welt
sichtbar ist, hat durch seine Sicht- und Tastbarkeit bei weitem mehr
Beweisendes an sich als eine geistige Potenz, welche sich nicht sehen, nicht
greifen, nicht wiegen läßt. Deswegen auch der größere Einfluß dieser materiellen
Welt auf das Gemüt der Menschen im Vergleich zu dem der geistigen Welt! Es
ist wahr, würden die Menschen die materielle Welt recht begreifen und beurteilen,
wie sie wirklich ist, woraus sie besteht, wie sie erhalten wird, und zu
welchem Zweck sie da ist, so würden sie auch aus diesem großen Buch Meiner
Schöpfung so manches herauslesen können, was ihnen die Türe zur geistigen
Welt leicht öffnet. [PH.01_052,04] Wenn man irgendeine
Maschine betrachtet und deren Einrichtung begreifen gelernt hat, wird man
anerkennen müssen, daß diese jemand gemacht haben muß, und man wird vor ihrem
Erbauer immer mehr Achtung bekommen, je mehr man in die Geheimnisse dieser
Maschine eindringt. Es leuchtet einem ein, daß kein Zufall, sondern ein
wohlberechnetes System alles so und nicht anders geordnet sein läßt. [PH.01_052,05] Daß man es bei
Betrachtung Meiner Natur ebenfalls so halten sollte, wäre zu wünschen, aber
leider geschieht es nicht. Eine jede Entdeckung auf naturwissenschaftlichem
Gebiet wird von euren Gelehrten auf falsche Art erklärt und nur zu materiellen
Zwecken ausgebeutet, woraus wenig Gewinn für den Schöpfer dieser
kunstfertigen Maschine der Natur herausschaut. Findet auch der eine oder
andere Spuren einer höheren, geistigen Macht als gerade die schon längst
bekannten Elemente, so gibt er sich alle Mühe, auf weiten Umwegen und mit
großen, wissenschaftlich gelehrten Worten das wegzuleugnen, was so nahe vor
ihm liegt, oder er erklärt es nach seinem Gutdünken anders, weil er keinen
Gott anerkennen will. Wenn es einen geben muß, so möchte er es selbst sein! [PH.01_052,06] Diese falsche
Auffassung Meiner Natur ist schuld, daß gerade das größte Buch irreführt, das
vor den Augen der Menschheit Tag und Nacht offen daliegt. Ein jeder könnte
darin lesen, was Ich alles tue, um Meinen Geschöpfen Meine Liebe begreiflich
zu machen, und wie kurz der Weg zu Mir wäre, wenn die Menschen diese Natur
und ihre Gesetze beachten, und nicht den göttlichen Gesetzen zuwiderhandelnd,
sich durch die verkehrte Auffassung der materiellen, sichtbaren Welt die weit
größere, ewige unzugänglich machten. [PH.01_052,07] In jener Zeit, in der
Ich diese im Evangelium erwähnten Gleichnisse dem Volk zur geistigen
Verarbeitung gab, mußte Ich alle wissenschaftlichen Vergleiche weglassen und
Mich nur solcher bedienen, welche als bekanntes Bild leichter verstanden
werden konnten. [PH.01_052,08] Das zuerst angeführte
Gleichnis vom Senfkörnlein bezeugt schon, daß Ich einen Vergleich mit einem
Samenkorn machte, das sowohl als Same wie auch als Pflanze dem Volk
wohlbekannt war. So wollte Ich ihnen andeuten: Wie in diesem kleinsten Samen
eine so große Pflanze eingeschlossen ist, ebenso ruht in dem menschlichen
Herzen das ganze künftige Geisterreich, das Himmelreich verborgen. Es braucht
nur beim menschlichen Herzen, wie beim Samen die Feuchtigkeit, die
allmächtige Liebe als geistiger Wecker hinzuzukommen, um diesen eingeschlossenen
Keim göttlicher Abkunft zu entwickeln, welche Entwicklung dann in einem so
großen Maße fortschreitet, daß – wie das Evangelium sagt – selbst die Vögel
unter dem Himmel kommen und unter den Zweigen Wohnung nehmen. Geistig will
das besagen, daß selbst die Engel, die leichten, seligen Bewohner der
geistigen Sphären – wie die Vögel, die Bewohner der Luft –, an dem Himmel,
welcher von einem gottbegeisterten Herzen ausgeht und Friede und Freude
überall umher verbreitet, Anteil nehmen. [PH.01_052,09] So wollte Ich mit
diesem Gleichnis von einem kleinen Samenkörnchen und dessen Entwicklung
beweisen, wie unendlich die Kraft des göttlichen Wortes ist, wenn es gleich
dem Samen auf guten Grund fällt und somit Stoff zu seiner Entwicklung findet. [PH.01_052,10] Das weitere Gleichnis,
in dem das Himmelreich mit einem Sauerteig verglichen wird, stellt den
geistigen Prozeß dar, der in einem menschlichen Herzen vor sich geht, sobald
dasselbe das Wort in sich aufnimmt und anfängt, das Gute vom Bösen zu
scheiden, wie auch der Sauerteig unter dem mit Wasser zubereiteten Mehl einen
Gärungsprozeß bewirkt, wodurch die verschiedenen Elemente der Mehlsubstanz in
Streit geraten. Dieser Prozeß endet damit, daß durch ihn das erzeugte Brot
dem menschlichen Organismus weniger schädlich gemacht wird, was besonders bei
verschiedenen künstlich erzielten Mehlgattungen beinahe unumgänglich
notwendig ist. [PH.01_052,11] So sollte mit diesem
Gleichnis der Kampf angezeigt werden, der beginnt, sobald sich das
menschliche Herz vom Weltlichen ab- und dem Geistigen zuwendet. [PH.01_052,12] Weiter ist ein
Gleichnis erwähnt von einem Menschen, der einen verborgenen Schatz in einem
Acker fand und alles verkaufte, um Eigentümer dieses Ackers und somit des
Schatzes zu werden. Das will besagen: Wer einmal erkannt hat, welche Genüsse
und Freuden von nie geahnter Seligkeit aus der Aufnahme des göttlichen Wortes
und dessen Befolgung erwachsen, der läßt alles andere hinter sich und folgt
nur dem Trieb, diese geistigen Genüsse ja nicht mehr entbehren zu müssen,
ebenso wie der Kaufmann, welcher einer Perle zuliebe alles opferte, um sich
deren Besitz zu sichern. [PH.01_052,13] So waren diese
Gleichnisse Bilder vom Himmelreich, welche alle etwas Wichtiges bezeichnen
sollten. Das erste zeigt die großartige Entwicklung des Himmelreichs, wenn es
einmal im menschlichen Herzen Wurzel gefaßt hat; das zweite den Kampf, den
das Himmelreich zwischen Welt und Himmel oder Materie und Geist hervorruft;
das dritte den Wert des Himmelreiches und die damit verbundene Ruhe und
Seligkeit. Mit diesem Schatz kann sich alles Irdische nicht messen oder mit
ihm in die Schranken treten. [PH.01_052,14] Es liegt uns noch ein
anderes Gleichnis vor, nämlich das mit dem Netz, das im großen Meer
ausgeworfen wird, um reiche Beute aufzunehmen. Dieses Gleichnis besagt, daß
das göttliche Wort für alle zugänglich ist, für Schwache und Starke, für Gute
und Böse, und daß erst am Ende der Fang gesichtet wird und die Guten ihren
Lohn empfangen werden, während die Verächter dieses Wortes die Folgen sich
selbst zuzuschreiben haben. [PH.01_052,15] Wie dieses Gleichnis
sagt, wird eine Sichtung zwischen denen stattfinden, die Mein Wort, das allen
gegeben wurde, geistig in sich aufgenommen haben, und denen, die es
unbeachtet ließen. Das sollte Meinen Zuhörern in jenen Zeiten begreiflich
machen, daß es nicht gerade in ihrem Ermessen stehe, Mein Wort anzunehmen
oder nicht, sondern daß die Menschen durch mancherlei Umstände gezwungen
werden können, ihrem freien Willen eine bessere Richtung zu geben. [PH.01_052,16] Ich schilderte ihnen
die Folgen der Nichtbeachtung Meiner Lehre mit den Ausdrücken ,Ins Feuer
werfen‘ und ,Ewige Finsternis‘, was gleichbedeutend ist mit geistig peinigenden
Vorwürfen und einem vernachlässigten Herzen. Mein Geist sollte doch Licht und
nicht Finsternis verbreiten! [PH.01_052,17] So sagte Ich ihnen das
Ende oder die Scheidung voraus, die endlich zwischen Hell und Dunkel kommen
muß, damit alle begreifen sollten, daß ein Gott mit dem was Er schuf auch
einen Zweck verband, den Er aber nicht wegen der Halsstarrigkeit der einen
oder der andern aufzugeben gewillt ist. [PH.01_052,18] Daß solche und ähnliche
Reden unter dem Volk Aufsehen erregten, war vorauszusehen, da ihnen von ihren
Priestern und Gelehrten der Weg zum künftigen Genusse geistiger Seligkeiten
und selbst das nach ihren Begriffen rechtliche Handeln sehr leicht und bequem
gemacht wurde, während Ich zwar die gleichen Seligkeiten versprach, ihnen jedoch
den Gewinn nicht gar so leicht darstellte und sie vor den Folgen der
Übertretung der gegebenen Gesetze warnte. [PH.01_052,19] Daher ihr Entsetzen
über Meine Sprache, und daher ihr Ärger über Mich, was Mich zu dem Ausspruch
veranlaßte: „Der Prophet gilt in seinem eigenen Lande nie etwas!“, ein
Sprichwort, welches noch heutzutage bei euch gang und gäbe ist und durch
Tausende von Beispielen bestätigt werden kann. [PH.01_052,20] Die Welt ist noch immer
dieselbe, wie sie zur Zeit Meines Erdenwandels war. Damals predigte Ich
vielen tauben Ohren, und jetzt ist ebenfalls die Taubheit in geistigen Dingen
Mode geworden. Ein jeder glaubt, er wäre kein gebildeter Mensch, wenn er sich
nicht dieser Taubheit rühmen könnte. In jenen Zeiten war es öfter der Fall,
daß man seine Taubheit hinter schön tönenden Worten verbarg, in der jetzigen
Zeit der Aufklärung aber schämt man sich der geistigen Taubheit nicht mehr,
sondern man legt gerade ein großes Gewicht darauf, so recht stocktaub zu sein
und auf diese Art gleichsam Mich selbst zum Wettkampf herauszufordern, etwas
Besseres zu beweisen, wenn Ich dazu imstande sei. [PH.01_052,21] Nun, diesen sogenannten
starken Geistern setze Ich eine unendlich große Langmut entgegen, und am Ende
werden wir schon sehen, ob sich nicht ein Mittel finden läßt, auch ihre
Taubheit zu heilen. Den übrigen aber – bei weitem kleiner an der Zahl –,
welche von Meinem Himmelreich eine leise Ahnung haben, lasse Ich ein
Senfkörnchen Meiner Liebe zukommen. Ich beobachte, ob das Körnchen die Macht
hat, in ihren Herzen zu wachsen und einen Kampf, gleich dem des Scheidungs-
oder Gärungsprozesses im Sauerteig hervorzurufen, und ob es fähig ist, ihnen
den verborgenen Wert des Schatzes in ihrem eigenen Herzen erkennbar zu machen,
damit sie alles andere über Bord werfen, um diesen Schatz allein zu besitzen.
Dann warte Ich ab, wieviel des Ausgestreuten in Mein geistiges Netz
zurückkehrt. Endlich wird die Sichtung vorgenommen und entschieden, ob der
Mensch der geistigen Seligkeit würdig ist, oder ob er erst durch langes
Umhertappen im Finstern zu der Erkenntnis gelangen muß, daß es doch göttliche
Gesetze gibt, die man ungestraft nicht übertreten darf. [PH.01_052,22] Um die Menschen
allgemein zu dieser Ansicht zu bringen, und damit es ihnen nicht an Gelegenheit
fehle, auch den kleinsten Funken ihres besseren Ichs in Tätigkeit zu
erhalten, sind schon längst alle Vorbereitungen getroffen worden. Schon
längere Zeit gehen alle Weltereignisse, wie auch die Schicksale der einzelnen
Menschen darauf hinaus, den Boden zuzubereiten, damit Mein Wort dort, wo es
noch keinen oder nur wenig Anklang gefunden hat, aufgenommen werde und als
Senfkörnlein seine allmächtige Entwicklung beginne. [PH.01_052,23] An euch habt ihr es
selbst schon erfahren, wie, wann und womit Ich die Menschen zu wecken
verstehe. Ihr selbst kennt Meine Mittel. Es ist wahr, sie waren und sind
nicht immer die angenehmsten; allein, Ich als der größte und einzige Seelenarzt
weiß am besten, welcher Reizmittel es bedarf, um die in scheinbar religiösen
Schlummer versunkenen Seelen zu erwecken. [PH.01_052,24] Ich habe euch geweckt
und dann in eure blutenden Herzen durch Mitteilung Meines Wortes das
Senfkörnlein der Liebe gelegt, und wenngleich der erste Moment ein Reiz und
nicht gerade angenehm war, so habt ihr doch in der Folge erkannt, daß ihr Mir
danken müßt für das, was Ich euch als Ersatz für das Genommene gegeben habe. [PH.01_052,25] So ist bei euch der
Gärungsprozeß eingetreten, und ihr habt dann endlich den Wert des verborgenen
Schatzes in eurem Innern selbst erkannt und die kostbare Perle gegen alles
andere eingetauscht. So habt ihr Mir beim Netzauswerfen den Fang und das
Scheiden der Guten und Bösen erleichtert, indem ihr durch euer eigenes
Beispiel andere vom geistigen Verderben errettet und ihnen den Weg zu Mir
bedeutend verkürzt und erleichtert habt. [PH.01_052,26] Fahrt daher fort, die
Senfkörnlein der Liebe in euren Herzen zu pflegen; denn das Himmelreich – wie
Ich einst Meinen Zuhörern sagte – liegt in euch und nicht außer euch! Ihr
könnt es überall finden, wenn ihr es dorthin mitbringt. Durch euer Inneres
wird alles vergeistigt werden, wenn nur das Innerste, euer Herz Geist ist. [PH.01_052,27] Daher laßt nicht ab von
dem Streben nach Vergeistigung! Mit dem Fortschreiten darin wachsen die
wahren Genüsse, und mit dem Fortschreiten in der Lehre wächst auch eure
Erkenntnis. Dann werdet ihr reif sein für die andere, ewige, große, geistige
Welt, der alles Wirken und Handeln hier als Grundlage dienen muß, und in der
ihr Mir mit reichem Segen die euch anvertrauten Pfunde reichlich zurückgeben
könnt! [PH.01_052,28] Bereitet euch vor und
fürchtet euch nicht! Wer bei Mir ist und auf Mich vertraut, der wird auch bei
allen Schrecknissen, die vielleicht noch über eure kleine Erde hereinbrechen
werden – gleich einem Gärungs-Prozeß, weil Ich Mein Wort als Sauerteig, als
ätzendes Mittel in die Herzen der Völker geworfen habe –, nicht verzagen. Er
weiß, daß der Vater Sein Netz in das große Meer der Seelen und Geister
auswarf. Und wenn er auch dadurch mitgefangen wird, so kann doch der Gute
stets wieder nur Gutes ernten. [PH.01_052,29] So mit der Perle des
Vertrauens und der Liebe ausgerüstet, bewahrt euren Schatz bis zur
Umwandlung! Ich werde dann in anderen Welten und unter anderen Verhältnissen
diesen hier auf Erden erworbenen Schatz mit einem größeren vertauschen, der
als Ergänzung des früheren, des Senfkörnleins, den großen Baum darstellen
wird, in dessen Zweigen dann die Engel mit euch Mir den Lobgesang der Liebe
und des Vertrauens anstimmen werden. Amen. 53. Predigt – Am 27. Trinitatissonntage. Die letzte
Zeit. [PH.01_053] Matth.24,15-28: Wenn ihr
nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den
Propheten Daniel, daß er steht an der heiligen Stätte, alsdann fliehe auf die
Berge, wer im jüdischen Lande ist; wer auf dem Dach ist, der steige nicht
hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen; wer auf dem Felde ist, der kehre
nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangeren und Säugerinnen
zu der Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am
Sabbat! Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen
ist von Anfang der Welt bis her und auch nicht mehr werden wird. Und wo diese
Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig: aber um der
Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. So alsdann jemand zu euch wird
sagen: „Siehe, hier ist Christus!“, oder: „da!“, so sollt ihr's nicht
glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und
große Zeichen und Wunder tun, daß verführt werden in den Irrtum, wo es möglich
wäre, auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt! Darum,
wenn sie zu euch sagen werden: „Siehe, er ist in der Wüste!“, so gehet nicht
hinaus, – „Siehe, er ist in der Kammer!“, so glaubet nicht! Denn gleich wie
der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch
sein die Zukunft des Menschensohns. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die
Adler. 4. Mai 1872 [PH.01_053,01] Dieses Wort ist das
letzte Evangelium, welches Ich euch erklären will. Es behandelt die letzte
Zeit des Judentums, sowie die letzten Zustände der Menschheit und endlich
sogar die letzten Ereignisse am Ende der sichtbaren Welt, welche wieder, in
andere Formen und in höhere Stufen übergehend, einen neuen Kreislauf beginnen
wird. [PH.01_053,02] Einst sagte Ich Meinen
Jüngern den Untergang des Tempels in Jerusalem voraus, den ersten Akt des
Endes der Juden als Volk. Sie hatten damals als solches ihre Rolle
ausgespielt und waren nicht weiter wert, im Verbande miteinander auf diesem
Erdboden ein Reich zu bilden, nachdem sie das größte Reich, welches es je
gegeben, Mein ewiges, geistiges Reich zerstören wollten. So wie sie vom Anfang
an auserkoren waren, durch ihre Religion und ihre Propheten dasjenige Volk zu
sein, in dessen Mitte Ich Mein Darniederkommen auf diese eure Erde bewirken
konnte, so untauglich zeigten sie sich später, diese Meine Lehre anzunehmen
und weiterzuverbreiten. [PH.01_053,03] Nur Meinen Jüngern und
wenigen Auserwählten dieses Volkes ward das Licht der Wahrheit gegeben. Die
übrigen verschmähten es und zogen ihm die Finsternis und das Festhalten am
toten Buchstaben vor, eine Eigenschaft, die sie, obwohl sie unter allen
Völkern zerstreut leben müssen, heutzutage noch nicht abgelegt haben. [PH.01_053,04] Die Geschichte erzählt
euch deutlich, daß alles, was Ich voraussagte, wirklich eingetroffen ist, und
zwar kurze Zeit nach Meinem Hingange in Mein Reich. So endete mit dem Tempel,
der geistig zwar schon längst zerstört war, auch die Geschichte eines Volkes,
welches Ich aus vielen auserwählt hatte, Träger und Förderer Meiner ewigen
Wahrheit zu werden. [PH.01_053,05] Ich sagte Meinen
Jüngern auch voraus, wie in der Folge Meine Religion, Meine Lehre, im Kampf
mit dem Judentume sich nach und nach stets kräftigen und stets
vorwärtsschreitend auch ihre Verehrer stets mehr fördern werde, während das
Judentum mit seinem Kultus bis auf eure Zeiten, statt vorwärtszugehen,
stehengeblieben ist und die an ihm Hängenden noch heute ihren Messias mit denselben
weltlichen Ideen wie vor mehr als tausend Jahren erwarten. Über die
Unrichtigkeit ihrer Vorstellungen suchte Ich sie schon damals aufzuklären;
aber an der Halsstarrigkeit der Juden hatte Ich den größten Gegner. [PH.01_053,06] Alles in Meiner Schöpfung
schreitet vorwärts. Alles verändert sich und vervollkommnet sich in der
Veränderung. Nur die Juden wollten keine Neuerung, keine Veränderung, und so
müssen sie ihr jetziges Los sich selbst zuschreiben, indem sie, nur dem
Niedrigsten auf Erden, dem Mammon allein huldigend, von allen andern Völkern
verachtet sind. So straft sich, wer nach dem Materiellen und nicht nach dem
Geistigen strebt; denn Mein Reich, obgleich es sichtbar Materie zu sein
scheint, ist doch nur Geist und nicht Materie. [PH.01_053,07] Was den Juden zur Zeit
der Zerstörung Jerusalems begegnete, das wird sich auch als Ende der jetzt
lebenden Menschheit wiederholen; denn die Greuel des Krieges und der
Zerstörung werden wieder auftreten, nur in anderen Formen. Und wie in jenen
Zeiten nur die wenigen, die an Mich glaubten, entweder ein besseres Los
hatten, oder wenn es schon hart war, es leichter zu ertragen vermochten, weil
sie im Glauben und im Vertrauen auf Mich nicht wankten, so wird es auch in
der Zeit sein, die Meiner Wiederkunft vorausgeht. Auch dann werden Treue und
Glauben auf Erden verschwunden sein, da die Menschheit oder wenigstens der
größte Teil der Menschen, der Materie, der Welt und ihren Genüssen huldigt,
wie ihr es jetzt schon überall bemerken könnt. [PH.01_053,08] So muß die Reinigung
und Läuterung des geistigen Seelenreichs vorgenommen werden, wie Ich es im
Evangelium vom Feigenbaume sagte. Wenn er anfängt, seine Blätter zu treiben
und saftig zu werden, so ist das die Vorzeit des Sommers, die Vorzeit der
Entwicklungs- und Fruchtbildungsperiode, welche uns geistig an die
Scheidungs- und Prüfungszeit erinnert, in der Rechenschaft über das den Menschen
anvertraute geistige Gut gefordert werden wird. [PH.01_053,09] Die
Elementarereignisse, die Unglücksfälle und Krankheiten, welche dieser Zeit vorangehen,
sind die letzten Versuche, noch zu retten, was zu retten möglich ist, damit
nicht alle im Schlamm des Egoismus ersticken. Nur durch Unglück und herbe
Schicksalsschläge wird das stolze Menschenherz mürbe. [PH.01_053,10] Die Wahrheit muß sich
wie die Wirklichkeit nackt zeigen, damit keine Illusion sie verschönt. Nur so
wirkt sie heilend. Und wenn die materielle Welt sich in ihrem eigentlichen
Gewand der Vergänglichkeit und des Truges zeigt, wenn sie den Menschen mit
Hohn zurückstößt und ihm, der sie liebkosen wollte, mit Verachtung den Rücken
wendet, dann erst – meist leider nur zu spät – beginnt das Geistige seinen
Einfluß auszuüben, dann erst erwachen bessere Gedanken und reinere Gefühle.
So muß Ich als liebender Vater den Menschen führen, damit er den wahren Wert
der Dinge erkennt und Den findet, der die stete Ruhe ist. [PH.01_053,11] Daß gegen diese sich
steigernden Versuche, den Menschen in die Enge zu treiben, mit allen
möglichen Mitteln gearbeitet wird, daß Spott, Rache und Verfolgung die
Gläubigen treffen, daß falsche, aber auch wahre Propheten das Volk zu belehren
suchen werden, daß am Ende bei den meisten eine gänzliche Verwirrung der
Begriffe eintreten wird – das versteht sich von selbst. Alle Meine Mahnungen
werden, wie vor der Sündflut, bei vielen fruchtlos bleiben, und nur wenige
werden sich bekehren. Wenn die Ereignisse sich aber überstürzen, so wird doch
die Mehrzahl geistig gerettet werden, und sie werden Mir danken, daß Ich sie
durch solche strengen Mittel der allgemeinen Verderbnis entrissen habe. [PH.01_053,12] Wenn all diese
unglücklichen Ereignisse über die Menschheit hereinbrechen werden, wie einst
bei den Juden die Zerstörung des Tempels und Jerusalems – wer ist dann schuld
daran? Bin Ich ein Rachegott, der das Blut und das Elend von so vielen
Tausenden will? Oder sind sie es nicht vielmehr selbst, die alles unter ihren
Sinn beugen und selbst die großen Gesetze der materiellen und geistigen Welt
– wenn es nur möglich wäre! – umstoßen möchten? [PH.01_053,13] Seht, Ich lasse es hier
niederschreiben, damit alle Welt es weiß! Wie Ich einst den Verfall des
Judenvolkes voraussagte und derselbe auch wirklich eintraf, so habt ihr hier
in 53 Predigten der Mahnungen und Voraussagungen genug, in denen Ich euch
deutlich gesagt habe, was kommen wird, wie und wann es eintreffen muß, um
Meine verirrten Kinder auf den rechten Weg zu bringen. Schon in jener Zeit
sagte Ich zu Meinen Jüngern: „Es wird gepredigt werden das Evangelium vom
Reiche Gottes in der ganzen Welt!“, und dieses Evangelium ist dieses Werk,
das Ich euch hier als Zeichen Meiner Liebe und Gnade überlasse. [PH.01_053,14] Die Zeit der Greuel und
der Verwüstung ist mehr geistig als materiell zu verstehen; denn was im
Evangelium steht, wie z.B.: „Wer auf dem Dache ist, der steige nicht
hernieder!“ usw., dies alles besagt: Laßt das Weltliche fahren und haltet
euch an das Unverwesliche, Geistige! Dort ist der Anker, der euer
Lebensschiff in den Stürmen des materiellen Unglücks und der geistigen Not
festhalten kann! Ohne diesen Anker findet ihr keine Ruhe, keinen Frieden! [PH.01_053,15] Deswegen sammelt euch
um Mich und haltet fest an Mir und Meiner Lehre! Denn – wie geschrieben steht
–: „Himmel und Erde werden vergehen!“ Ja, Himmel und Erde werden vergehen;
sie werden sich in andere Elemente auflösen, und aus ihnen werden andere
Formen und andere Welten hervorgehen. Die ganze Schöpfung wird den gleichen
Prozeß durchmachen, den auch das Judenvolk, welches mit seinen Traditionen
und mit seiner Religion die Grundlage Meiner Lehre war, durchzumachen hatte. [PH.01_053,16] Ich habe bei der
Schöpfung in alles, auch in das geringste Atom, Meinen Geist hineingelegt, um
die Materie fähig zu machen, sich zu etwas Größerem und Höherem zu
entwickeln. Ebenso war das Judenvolk das geeignete Element, in welchem Ich
Meine Darniederkunft bewerkstelligen und – ähnlich wie in der ganzen
sichtbaren Schöpfung – Mein großes Geisteswerk vollenden konnte. Jedoch wie
das Judenvolk nach seiner Mission aufhörte ein Volk zu sein, und wie die
Menschheit nach ihrer Läuterung aufhören wird, Träger aller egoistischen
Leidenschaften zu sein, weil Besserem Platz gemacht werden muß, ebenso wird
die ganze Schöpfung, die bis jetzt noch die Grundlage Meiner Liebe zu allen
geschaffenen Wesen ist, einst auch aufhören müssen, der Ausdruck Meiner
göttlichen Gedanken zu sein. [PH.01_053,17] Wenn die Wesen der
Schöpfung, der Vergeistigung reif, an dem Punkt angekommen sein werden, wo
auch die feinste Materie noch als grob erscheinen muß, dann ist diese, mit so
vielen Wundern und Schönheiten ausgestattete Welt ein zu grober Träger für
das Rein-Geistige, und es muß dann die ganze Schöpfung als Wohnort den
Wohnenden gemäß eingerichtet werden, was die Auflösung bedingt. Zu dieser
Zeit wird der Menschensohn in aller Herrlichkeit erscheinen – wie Ich einst
sagte –, weil auch die geschaffenen Wesen in einem geistigen Verfassungszustand
sein werden, diesen Glanz und diese Herrlichkeit ertragen zu können. Dann
werden die höchsten Geister und Engel die Auserwählten aus allen vier Winden
und von einem Ende des Himmels zum andern sammeln. [PH.01_053,18] Ja, so wird es noch oft
geschehen, stets auf höheren Stufen und verbunden mit größeren Seligkeiten.
Ich kann Mich Meinen Geistern immer nur so zeigen, wie sie Mich fassen
können. Da Ich aber unendlich bin, so sind auch die Auffassungen von Mir
unendlich, und Mein Reich wäre kein unendliches, wenn nicht eine stete
Steigerung der geistigen Potenzen möglich wäre. [PH.01_053,19] Dies alles sagte Ich in
jener Zeit Meinen Jüngern in Bildern voraus, nicht nur damit sie es wissen,
sondern damit bewiesen werde, daß Meine Worte nie vergänglich sind und stets
wahr bleiben werden! Glaubt ja nicht, daß Ich für euch allein auf die Welt
kam, daß Ich alles der kleinen Erde und ihrer Bewohner wegen erduldete, nein,
Meine Taten sind Taten der Unendlichkeit! Auch die Bibel, worin zum Teil
Meine Worte, die Ich während Meiner Erdenjahre sprach, geschrieben stehen,
ist nicht für euch allein – sie gehört der ganzen Schöpfung. [PH.01_053,20] Und wenn Millionen von
Welten von Meiner Existenz bis jetzt noch nichts wissen, so wird doch die
Zeit kommen, wo auch diese Worte Gottes zu ihnen dringen und von ihnen,
entsprechend ihrer geistigen Bildung, verstanden werden. Dann wird bei den
geistig vollkommen Wiedergeborenen die harte Rinde des Buchstabens und die
wörtliche Auffassung verschwinden, und es wird der reine und tiefe Sinn der
Worte Gottes, der Worte eines liebenden Vaters, klar und helleuchtend, der
ganzen Schöpfung verständlich, allen zurufen: „Liebet, o liebet nur alle einander!“
Denn aus Liebe habe Ich die Welt erschaffen, aus Liebe den größten Akt der
Demut auf eurer Erde vollführt, aus Liebe die Menschheit geläutert durch
Drangsale und Leiden, damit Meine Worte, die Ich einst sprach und in diesem
Evangelium erklärte, stets wahr bleiben! Sie haben keinen anderen Zweck, als
Meine Kinder wirklich zu dem zu machen, was viele nur dem Namen nach waren. [PH.01_053,21] So soll nach dem Greuel
der Verwüstung, wie nach Gewitter, Regen und Sturm, allen wieder die
Gnadensonne in ihrem ganzen Glanze leuchten! Wenn die geistige Luft von allen
schlechten Giften gereinigt sein wird, dann bereitet sich, wie die erfrischte
Erde nach einem Gewitter, alles zu einem neuen, tätigen Leben vor. Amen. [PH.01_000,01] So sind nun diese 53
Predigten vollendet, und ihr habt einen Schatz vor euch, den ihr, wenn ihr
ihn gleich hochschätzt, dennoch nicht ganz fassen könnt; denn in Meinen
Worten liegt Unendliches. Individuell genommen, seid auch ihr unendlich
verschieden, daher die geistige Auffassung, wenngleich sie auch schon geistig
ist, stets doch noch eine höhere zuläßt. [PH.01_000,02] Das Wort ist einem
Senfkorn gleich, das wachsend stets Neues gebiert und aus einem Wunder das
andere entwickelt. So ist auch dieses Buch bestimmt, euch Wunder über Wunder
zu zeigen, je mehr ihr in der Erkenntnis fortschreitet. [PH.01_000,03] Nehmt daher am Sonntag
die betreffende Predigt zur Hand, lest sie und feiert wenigstens ihr unter
vielen Tausenden von Menschen den Sonn- oder Ruhetag nach materieller Arbeit
auf eine Weise, die Meiner und euer würdig ist! [PH.01_000,04] So wird Ruhe und
Zufriedenheit in euer Herz fließen, und ihr werdet in manchen Fällen erleben,
wie gerade die eine oder die andere Predigt aus Meinem Munde so recht den
Umständen angemessen und geeignet ist, in euch das geistige Gleichgewicht
wieder herzustellen, das ihr wahrscheinlich auf eine andere Art nicht
erlangt. [PH.01_000,05] Der Mensch muß einen
Trost haben! Die Welt mit ihren Ereignissen, die Verwicklungen im
Gesellschafts- und Familienleben rauben ihm oft in einem Augenblick längst
genährte Hoffnungen und lassen in ihm Enttäuschungen zurück. Wo soll nun der
Mensch, von allen möglichen Leiden und Mißhelligkeiten verfolgt, einen
besseren Trost finden als in den Worten, die aus Meinem Munde flossen? [PH.01_000,06] Seht, Meine Kinder,
jeder Tag hat seine Sorgen, jede Woche bringt euch – wenigstens von außen –
mehr Bitteres als Angenehmes! Wo soll da das durch äußere Einflüsse
halbgeknickte Blümchen des Vertrauens und der Liebe zu Mir eine bessere
Stütze und einen stärkeren Nährstoff finden als wieder in Meinem Wort, durch
die Tröstungen eures liebenden Vaters, der sie schon vor mehr als tausend
Jahren für euch bestimmt hatte? [PH.01_000,07] Sie liegen im Buch der
Bibel vor euch; aber kurzsichtig, wie ihr seid, erkennt ihr nicht, was aus
ihren Worten hervorleuchtet. Darum habe Ich Mich herbeigelassen, euch diesen
Schleier lüften zu helfen. Ich sage euch: Arme Kinder, was blickt ihr oft so
trostlos in die Ferne, in den unendlichen, blauen Himmel hinauf, wo doch der
Himmel mit seinem Glanz und seinem Licht so nahe liegt? Nehmt diese Predigten
zur Hand, lest vorher das dort angeführte Evangelium der Bibel, vertieft euch
in den Sinn des angeführten Textes, und ihr werdet bald gewahr werden, welche
Helle und welche Wärme euch aus diesen Worten väterlicher Liebe
entgegenstrahlen wird! Fühlt ihr euch öfters getroffen und erschreckt selbst
vor eurem Innern, wenn ihr gewahr werdet, wie weit ihr noch von dem entfernt
seid, was ihr schon lange zu sein glaubtet, so tröstet euch damit, daß jeder
Fehler verbessert werden kann, wenn man ihn kennt! Hat euch die Predigt den
Fehler aufgedeckt, so dankt Mir, daß Ich euch zeigte, wo es euch fehlt! Es
liegt dann allein in euren Händen, diesen Fehler, den ihr früher nicht einmal
für einen Fehler gehalten habt, sorgfältigst zu vermeiden. [PH.01_000,08] Stets werden euch diese
hier niedergelegten Worte Ruhe und Trost schaffen, wenn auch nicht
augenblicklich. Sie werden euch oft den Anstoß geben und euch als Leitfaden
dienen, wie beides gewonnen werden kann. [PH.01_000,09] So sollen diese
Predigten Stufen gleichen, die euch nach und nach Mich, Meine Worte und euch
selbst stets mehr kennen und eure Einsicht erweitern lehren, denn was in
Meinen zwei einzigen Geboten der Liebe enthalten ist, das alles zu erläutern,
würden Äonen von Zeiten nicht ausreichen. [PH.01_000,10] Und nun du, Mein lieber
Schreiber, der du mit fester Beharrung dieses Werk zu Ende geführt hast, und
zwar nicht immer unter den günstigsten Umständen, da dich äußerlich und
innerlich manche Stürme aus dem Geleise brachten, – tröste dich! Wenn Ich dir
auch Bitteres schickte, so, weil nur durch Herbes die beste Heilung erzielt
werden kann. [PH.01_000,11] Du wirst geheilt werden,
und durch das, was Ich durch deinen Stift für andere schreiben ließ, werden
auch sie der Heilung und der Erkenntnis ihrer selbst näherkommen. Damit hast
du zwei Dinge im gleichen Werk erfüllt. Du hast es zwar unter bitteren
Umständen geschrieben, aber Segen wird dir daraus erwachsen; denn du hast
anderen Hohes, Göttliches gegeben, das ebenfalls für sie Segen, Ruhe und
Frieden in bewegten Augenblicken bringen wird. So hast du deine Aufgabe
gelöst. [PH.01_000,12] Das lebende und
künftige Geschlecht wird in diesem Buch den Schlüssel finden, seine Mission
und seine Bestimmung besser zu verstehen, wozu Ich allen und überall Meinen
väterlichen Segen geben werde. 1. Predigt Am 1. Advent. Die Zeichen der Zukunft. 2. Predigt Am 2. Advent. Die Anfrage des Johannes. 3. Predigt Am 3. Advent. Das Zeugnis des Johannes 4. Predigt Am 4. Advent. Die Bußpredigt Johannes des
Täufers. 5. Predigt Am Weihnachtstage. Die Geburt Jesu. 6. Predigt Am Sonntage nach Weihnachten. Die
Darstellung Jesu im Tempel. 7. Predigt Am 1. Sonntage nach Epiphanias. Der
zwölfjährige Jesus im Tempel. 8. Predigt Am 2. Sonntage nach Epiphanias. Die
Hochzeit zu Kana. 9. Predigt Am 3. Sonntage nach Epiphanias. Die Heilung
eines Aussätzigen. 10. Predit Am Sonntage Septuagesimä. Gleichnis von den
Arbeitern im Weinberge. 11. Predigt Am Sonntage Sexagesimä. Das Gleichnis vom
Sämann. 12. Predigt Am Sonntage Estomihi. Die Heilung eines
Blinden. 13. Predigt Am Sonntage Invokavit. Die Versuchung des
Herrn. 14. Predigt Am Sonntage Reminiszere. Die Verklärung
Jesu. 15. Predigt Am Sonntage Okuli. Die Austreibung eines
Teufels. 16. Predigt Am Sonntage Lätare. Die Speisung der
Fünftausend. 17. Predigt Am Sonntage Judika. Der Juden Versuch, Jesus
zu steinigen. 18. Predigt Am Palmsonntage. Der Einzug Jesu in
Jerusalem. 19. Predigt Am Ostersonntage. Die Auferstehung des
Herrn. 20. Predigt Am Sonntage Quasimodogeniti. Die Erscheinung
des Herrn bei den Jüngern. 21. Predigt Am Sonntage Miserikordias Domini. Der gute
Hirte. 22. Predigt Am Sonntage Jubilate. Die Vorbereitung auf
den Heimgang des Herrn. 23. Predigt Am Sonntage Kantate. Die Frage nach der
ewigen Heimat. 24. Predigt Am Sonntage Rogate. Die rechte Bitte. 25. Predigt Am Sonntage Exaudi. Die Verheißung des
Trösters. 26. Predigt Am Pfingstsonntage. Der Herr und Seine
Kinder. 27. Predigt Am Dreifaltigkeitssonntage. Der Abschied des
Herrn. 28. Predigt Am 2. Trinitatissonntage. Das Gleichnis vom
großen Abendmahle. 29. Predigt Am 3. Trinitatissonntage. Vom verlorenen
Schafe. 30. Predigt Am 4. Trinitatissonntage. Der reiche
Fischzug. 31. Predigt Am 5. Trinitatissonntage. Die echte
Gerechtigkeit. 32. Predigt Am 6. Trinitatissonntage. Die Speisung der
Viertausend. 33. Predigt Am 7. Trinitatissonntage. Von den falschen
Propheten. 34. Predigt Am 8. Trinitatissonntage. Das Gleichnis vom
ungerechten Haushalter. 35. Predigt Am 9. Trinitatissonntage. Die Trauer des
Herrn über Jerusalem. 36. Predigt Am 10. Trinitatissonntage. Das Gleichnis vom
Pharisäer und Zöllner. 37. Predigt Am 11. Trinitatissonntage. Die Heilung eines
Taubstummen. 38. Predigt Am 12. Trinitatissonntage. Das Gleichnis vom
barmherzigen Samariter. 39. Predigt Am 13. Trinitatissonntage. Die Heilung der
zehn Aussätzigen. 40. Predigt Am 14. Trinitatissonntage. Die Warnung des
Herrn vor irdischem Sinn. 41. Predigt Am 15. Trinitatissonntage. Die Erweckung des
Jünglings zu Nain. 42. Predigt Am 16. Trinitatissonntage. Die wahre
Sabbatfeier. 43. Predigt Am 17. Trinitatissonntage. Das größte Gebot. 44. Predigt Am 18. Trinitatissonntage. Die Heilung eines
Gichtbrüchigen. 45. Predigt Am 19. Trinitatissonntage. Das Gleichnis von
der königlichen Hochzeit. 46. Predigt Am 20. Trinitatissonntage. Die Heilung des
Sohnes eines Königlichen. 47. Predigt Am 21. Trinitatissonntage. Das Gleichnis vom
Schalksknecht. 48. Predigt Am 22. Trinitatissonntage. Die Stellung des
Herrn zur Obrigkeit. 49. Predigt Am 23. Trinitatissonntage. Die Erweckung der
Tochter des Jairus. 50. Predigt Am 24. Trinitatissonntage. Die Stillung des
Sturmes. 51. Predigt Am 25. Trinitatissonntage. Das Gleichnis vom
Unkraut auf dem Acker. 52. Predigt Am 26. Trinitatissonntage. Die Erklärung des
Himmelreiches. 53. Predigt Am 27. Trinitatissonntage. Die letzte Zeit. 1. _______ * _______ |