|
Schöpfungsgeheimnisse Kundgaben über Dinge der Natur 1. Kapitel – Das Evangelium der Natur und über die Mission des Menschen
auf Erden. 22. Januar 1872 [Sg.01_001,01]
Mein lieber Sohn, du hast deiner Geistesschwester einen langen Brief
geschrieben, und zwar vom Standpunkte deines Wissens aus, worauf sie als Weib
dir nicht antworten kann. Und eben in dieser Klemme zwischen „nicht können“
und „doch mögen“ wandte sie sich an Meinen Schreiber, ihn bittend, er möchte
bei Mir um Belehrung und Rat bitten, damit dir geschehe, wie es recht ist. [Sg.01_001,02]
Nun denn, du sagst in deinem Brief, du möchtest von einem Meister eine
Antwort und eine Beurteilung desselben erfahren, so nehme denn Ich es auf,
Mich mit dir in einen theologischen Streit einzulassen, damit du deinen
Meister erkennen mögest, der dir so wie allen lebend-denkenden Wesen der
ganzen Schöpfung auf ihre Fragen wohl Bescheid geben kann. [Sg.01_001,03]
Bevor Ich aber zum eigentlichen Inhalt deines Briefes übergehe, muß Ich dir
vorerst helfen, deine Zweifel zu beseitigen, als wäre dieses Wort, das Ich
dir hier gebe, nicht direkt von Mir, sondern entweder nur menschliches
Machwerk oder ein unter Einfluß eines höheren Geistes diktiertes Wort. [Sg.01_001,04]
Du selbst gestehst zwar in deinem eigenen Brief, daß auch nicht alles, was du
schreibst, auf deinem eigenen Grunde gewachsen sei; auch das lichtvoll und
umfassend neu geoffenbarte Große Evangelium Johannes, welches du eben jetzt
gelesen hast, dieses „Machwerk“ nimmst du nicht so ganz als Meines an, du
glaubst, es sei für Lehrlinge, nicht für tief Eingeweihte in der
Gottesgelehrtheit, wie ihr es nennt, geschrieben; es sei nur zu süß,
höchstens für Kinder, Laien und Unmündige, aber nicht für Männer
geschrieben!? Hier irrst du gewaltig! und diesen Irrtum dir zu benehmen und
die Wahrheit festzustellen, daß alles, was du eben jetzt gelesen, nur von Mir
und von niemand anderem sei, dieses soll Mein erstes sein, worauf dann die
Nähereingehung auf deinen langen Brief folgen wird, um auch dir zu leuchten
als Morgensonne, die dich durchs materielle Leben zum geistigen Himmel
geleiten soll. – [Sg.01_001,05]
Siehe, Mein Sohn, in dir lebt ein Geist, der eben deine Seele über die Tierseele
erhöht, der dich als freien Menschen hinstellt, während das Tier am
Gängelbande des Instinkts seiner Bestimmung entgegengeführt wird. [Sg.01_001,06]
Dieser Geist nun, ein Funke aus Mir, den Ich nach Moses dem ersten Menschen
einblies und durch welchen Ich den Menschen, abgesehen von seinem Äußern,
nach Meinem Ebenbild geschaffen habe – dieser Geist ist es, welcher der Vermittler
zwischen Mir, Meinem Geisterreich und den Menschen ist. [Sg.01_001,07]
Vermittels dieses Geistes spreche Ich zum Menschen in seinem Herzen, ermahne,
rate und tröste Ich, als etwas, was sich trotz mancher Abneigung nicht
hinwegdisputieren läßt; weswegen ihr es auch „Gewissen“ nennt, weil es etwas
Gewisses ist. – [Sg.01_001,08]
Durch diese Stimme gab Ich den Propheten im Alten Testament Meinen Willen
kund, und eben durch diese Stimme leite und führe Ich jetzt die Menschheit zu
ihrem nahestehenden Ziel, zur Sichtung; denn es ist die Zeit gekommen, wo
bald der Weizen von der Spreu gesäubert werden wird, dahin deuten die großen
politischen, weltlichen und geistigen Umwälzungen, die sich auf eurer ganzen
Erde kundgeben. [Sg.01_001,09]
Zu diesem Zweck Meiner direkten Mitteilung diente Mir auch ein Mann von
schlichtem Charakter, welcher mehr als viele sich angewöhnt hatte, auf seine
innere Stimme zu horchen, die Phantasiegemälde seines Gehirns von Meiner
Stimme der Liebe unterscheiden lernte und so geeignet war, alles das zu
Papier zu bringen, was bestimmt ist, nicht bloß für den kleinen Leserkreis,
der jetzt diese Schriften kennt, sondern für die ganze Menschheit als das zukünftige
Religionssystem zu dienen, welches bloß auf Meine eigenen Aussagen während
Meines Erdenwandels basiert, den Kultus und das ganze Lehrgebäude der
Religion auf das zurückführen soll, wie Ich es einst Meinen Aposteln,
einfachen Männern aus dem Volke, gegeben habe; denn das kannst du dir wohl
denken, daß Ich nicht umsonst auf eure Erde herabgestiegen bin und euch das
Beispiel größter Demütigung und Aufopferung gegeben habe. Dieses Mitteilen an
Mir ergebene Männer und Weiber war nach Meinem Heimgehen stets in Intervallen
wiederholt worden; stets gab es solche Hellersehende als andere; die von
ihnen übriggebliebenen Mitteilungen sind natürlich stets der Zeit und der
Auffassung des mit ihnen lebenden Volkes angemessen, so daß ihre Sprache in
verschiedenen Jahrhunderten voneinander abwich. Sind ja bei euch die Bücher,
welche eigens für Kinder bestimmt sind, auch in einem andern Stil geschrieben
als jene, welche, vielleicht den nämlichen Gegenstand behandelnd, für erwachsene
Männer abgefaßt sind. [Sg.01_001,10]
War das Volk in den Kinderschuhen, so erhielt es Kindermärchen und
Erzählungen, hinter denen die eigentliche Weisheit verborgen ward, und war
das Volk im Mannesalter, so erhielt es Kundgebungen, die einem helleren Geiste
angemessen waren. Stets war es aber immer ein und dieselbe Quelle, stets war
es Meine direkte Mitteilung, die so langsam auf die Menschen einwirkend, sie
von einer Stufe zur andern vorbereitete. In der jetzigen Zeit, nachdem der
genannte Schreiber von Mir abberufen ward, habe Ich Mir wieder einen andern
ausgesucht, der die Eigenschaften besitzt, Mir und der Menschheit durch diese
Mitteilungen zu nützen. – Durch diesen empfängst du hier diese Zeilen, welche
deine guten Eigenschaften und dein eifriges Suchen nach Licht wohl in
Anschlag bringend, dir nicht allein Meinen Willen kundgeben, sondern nebenbei
auch den großen Strom von Gelehrsamkeit, welchen du aus deinen (theologischen
und philosophischen) Studien hergeleitet, in ein gewisses begrenztes Strombett
eindämmen und so durch geregelten Lauf deines Lebensflusses dich langsam zum
Meere des ewigen Lichtes und der ewigen Seligkeit und Wonne zurückführen
sollen. [Sg.01_001,11]
Siehe, du hast sehr viele Stellen aus dem Alten und Neuen Testament
angeführt, um deine geistige Richtung und deine persönliche Anschauungsweise
zu rechtfertigen, so will auch Ich mit einem Spruch aus Meinem Erdenwandel beginnen,
der gerade hier am besten paßt, und der wichtigste und erste ist: „Wenn ihr
nicht werdet wie diese da (nämlich die Kinder), so werdet ihr nie ins
Himmelreich eingehen!“ [Sg.01_001,12]
Siehe, dieser Ausspruch ist der erste, welchen Ich dir zur Danachachtung ans
Herz lege; werde Kind und laß die Manneskost liegen, bleibe beim Einfachsten!
und suche nicht weit von dir, was dir eben so nahe liegt. [Sg.01_001,13]
Siehe, du hast die Dreieinigkeit, die Schöpfungsgeschichte, die Persönlichkeit
Christi, Seine Geburt, ja noch vieles andere aus den alten Kirchenvätern
zitiert, du hast diese Erklärungen, welche oft sehr scharfsinnig waren, als
Belege des einzigen Themas, nämlich die Göttlichkeit Christi, das Dasein
Gottes, Seines Geisterreiches und noch mehreres dartun wollen. – Als du diese
Erklärungen in den alten Büchern der Kirchenväter lasest, schienen sie dir
sehr geistreich, sehr wahr, und warum? Weil sie den Gesetzen deines
Verstandes entsprachen. Ich muß dir aber sagen, daß alle diese alten
Schriftsteller und Erklärer Meines Wortes, sowohl des Alten wie des Neuen
Testaments, nur gleichsam Nagewürmer waren, welche wohl durch die rauhe und
materielle Schale des Lebensbaumes durchgedrungen, sich ins Innere desselben
vergraben haben, weil sie ahnten, daß etwas Besseres, Feineres noch hinter
und unter dieser Schale verborgen liegt, und auch sie, wie die Nagewürmer an
einem Baume, je weiter sie in ihn hineindringen, desto vergeistigter sie
selbst durch die stets feinere Nahrung werden. Allein es erging ihnen wie
eben den Nagewürmern eines Baumes: Zu hoch in den Baum konnten sie nicht
dringen, weil ihnen die Kost nicht mehr zusagte, und so waren alle Forschungen
und Erklärungen im allgemeinen nur immer aus der gleichen Sphäre, hellten die
Zweifel einer suchenden Seele doch nicht ganz auf und trieben die Sucher nur
im Kreise herum, um einen Mittelpunkt, den alle ahnten, aber keiner imstande
war, ihn zu erreichen. – [Sg.01_001,14]
Da Ich aber von ganz anderen Ansichten ausgehe und weitersehe als alle
Bibelausleger, so will Ich dir, statt wieder ein Buch eines Propheten oder
alten Kirchenvaters aufzuschlagen, Mein eigenes Buch zur Durchlesung anraten,
nämlich das Buch Meiner sichtbaren und unsichtbaren Natur, will dir dort das
nämliche zeigen, was du durch Bibelerklärung beweisen wolltest, und wo du es
stets neu und immer finden kannst, daß Ich, Gott, die Liebe, Mein Sohn die
Weisheit, und der Heilige Geist die Verbindung beider zur Ausführung der
Schöpfung ist. [Sg.01_001,15]
Sieh, Mein Kind, Ich erschuf das ganze Universum mit all seinen lebenden
Wesen, weil Ich, als die Liebe Selbst, von andern geliebt sein wollte; denn
Liebe ohne Gegenstand ist eine Unmöglichkeit. Also Meine Liebe, diese
unbegrenzte göttliche, von euch Geschöpfen nicht faßbare Liebe, erschuf Wesen
und Welten, materielle und geistige große Reiche, wo intelligente Wesen, sich
an den Schöpfungen freuend, den Schöpfer lieben lernen und so auf diese Art
Mir Meine Liebe wieder zurückgeben sollten. [Sg.01_001,16]
Diese göttliche unbegrenzte Liebe mußte auch einen Zweck, ein Warum, ein „bis
hierher und nicht weiter“ haben, und dieses Begrenzende war die Weisheit.
Mithin Liebe mit Weisheit gepaart waren die Faktoren, welche die Ideen zur
Schöpfung ausreiften, und der Geist der Erhaltung krönte das Werk mit dem
Stempel der Unendlichkeit, weil, was ein Gott geschaffen, ebenfalls göttlich
sein muß, und was ein unendliches Wesen ins Leben rief, ebenfalls unendlich
sein wird. [Sg.01_001,17]
So ward die große Dreieinigkeit gegründet, welche im Materiell-Sichtbaren
stets durch ebenfalls drei Dinge sich ausdrückt, als Länge, Breite und Dicke
– oder Form, Gehalt und Dichtigkeit, oder wie bei dem Menschen Geist, Seele
und Leib, und in jedem geschaffenen Ding ein Äußeres, Inneres und Innerstes. [Sg.01_001,18]
Dieser Dreieinigkeit huldigt alles, alle Produkte der Erde, sowohl in als
außer derselben. [Sg.01_001,19]
Die Liebe war es also, welche alles schuf, alles erhält und alles vervollkommnet;
ohne diese Liebe leuchtete keine Sonne, ohne Liebe wäre keine Wärme, kein
Leben. Sie ist die große Triebfeder, welche alles seinem Ziele entgegenzuführen
strebt. Sieh Meine ganze Schöpfung, wo du nur ein Produkt ansehen willst,
magst du erkennen, eben aus seiner Vollkommenheit im Kleinsten wie im
Größten, daß der Schöpfer, stets sich gleich bleibend, alles mit gleich
liebenden Armen umfaßt. – [Sg.01_001,20]
Fliehe hinauf in jene Räume, wo Millionen von Jahren nicht genügen, um dir
einen Lichtstrahl von dort zuzusenden, oder steige hinab bis zu den kleinsten
Atomen im unendlichen Äther – und du wirst denselben liebenden Schöpfer antreffen. [Sg.01_001,21]
Siehe, deine kleine Erde kreiset um die Sonne, diese mit all ihren Planeten
und Kometen um eine andere, größere, im Verein mit anderen Sonnensystemen;
diese Zentralsonne mit ihrem Gefolge wieder um eine größere, und so fort, bis
das ganze Weltensystem ausgefüllt, geordnet ist, wie es sich dir teilweise am
nächtlichen Himmel zeigt. [Sg.01_001,22]
Wie dieses große Sternenzelt nur ein System wieder für sich ausmacht, so gibt
es deren noch Millionen viele, wovon ihr einzelne unter dem Namen
Nebelflecken kennt. Wenn du nun diesen Sternenwelten folgst und fort und fort
neue entdecken wirst, so wirst du am Ende an ein anderes Reich stoßen, wo
alle diese früheren Gebilde ihre geistigen Entsprechungen haben, und wo nach
und nach die ganze Schöpfung, sich stets vergeistigend, endlich in diesem
aufgehen wird, um dort einen neuen Zyklus von Schöpfungen, aber nur geistiger
– hervorzurufen. [Sg.01_001,23]
Nun, in jenem Geisterreich, wo alles in seiner höchsten Potenz sich
vorfindet, dort ist auch Mein Sitz; von dort aus regiere Ich, von dort aus
sandte Ich Meinen Sohn, die Weisheit, bis herunter auf dieses kleine
Sandkorn, damit Er allen Geistern und Wesen als Beispiel diene, was die Liebe
vermag, wenn es sich um einen hohen, großen Zweck handelt. Alle andern Sonnen
und Welten nicht achtend, wo Menschen von euch nie geahnten Größen, Geistes-
und Leibeskräften in einer Welt voll Wunder leben, mußte Meine eigene
Göttlichkeit sich zur größten Demütigung herablassen und eben diese
Demütigung auf einem Stern vollführen, der kleiner als ein Sandkorn im Meere
und dessen Bewohner infusorienartig in körperlicher Ausdehnung doch den
größten Geist in sich tragen, so wie bei euch eben gerade dort, wo der Nerv
in die kleinsten Spitzen auslaufend, der größten Gefühle, sei es der Wonne
oder des Schmerzes, fähig ist. [Sg.01_001,24]
Auf diese dunkle Erde stieg Ich (als göttliche Weisheit, als Lehrer) einst
herunter, entkleidete Mich alles Göttlichen, fing als unmündiges Kindlein in
der dürftigsten Stellung an und beschloß diesen Lebenswandel durch den
entehrendsten Tod am Schandpfahle. Und alles dieses aus Liebe, um Meinen
Geistern zu zeigen, was ein geistiges Wesen tun muß, soll es einst Mir
gleichen. [Sg.01_001,25]
Ich kam auf eure Erde, um, wie du selbst sagst, die Morgenröte eines neu
anbrechenden Tages zu verkünden, den Tag der Liebe, den Tag des Friedens und
der Versöhnung, den Tag der zur Geltung bringenden Würde Meines in euch gelegten
göttlichen Funkens. [Sg.01_001,26]
Diese aufopfernde Liebe ohne alle Hintergedanken, diese Liebe begreife!
bedenke sie, auf daß auch dein Herz sich erweitere, sich über die ganze Menschheit
ausdehne, in deinen Mitmenschen dich nur verirrte Kinder erblicken lasse,
diese Liebe erwärme dich und sei die Grundlage für alle deine Handlungen,
dann wirst du wieder neu geboren, du wirst wieder Kind, das mit Vertrauen auf
seinen Vater sieht, von Ihm alles annimmt, was da kommen mag, weil es weiß,
daß der Vater nicht straft, nicht Sich rächt, sondern nur verzeiht, nur
vergißt. [Sg.01_001,27]
So betrachte Mich als ewig liebenden Gott, als sanft- und demütigen Jesus und
folge Meinen Fußstapfen, und du wirst in der materiellen Natur die Stimme
dieser Liebe überall entdecken, sie wird dir im warmen Sonnenstrahl, im
sanften Säuseln einer milden Frühlingsluft und in dem dir von Millionen und
Millionen Meilen entfernten Sternen auf dein Auge treffenden Lichtstrahl
immer das nämliche sagen: Gott ist die Liebe! [Sg.01_001,28]
Auf deinen Spaziergängen werden es dir die Vögel in der Luft und die Blumen
auf der Erde zurufen: „Werde auch du – was wir sind, die Geschöpfe, die ihren
Zweck vollkommen erfüllen!“ Wenn diese Liebe einst deine Brust durchzieht,
wenn du das große Wort Meiner Liebe zu euch verstanden hast, dann breite
deine Arme aus gegen die ganze Welt – alles wird dir rosiger, friedlicher
erscheinen, du wirst Harmonien entdecken, wo du früher kaum einzelne Töne
wahrnahmst, neugeboren wirst du Mich und deine Nebenmenschen in einem ganz
anderen Lichte sehen; denn das Buch Meiner Schöpfung ist dir leserlich,
verständlich geworden, du wirst dann erst erfahren, daß dieses Bild der Liebe
du schon längst in deiner eigenen Brust trägst, nur es nicht verstehen
konntest, es nicht zu deuten wußtest. Dann wirst du deine Kirchenväter wohl
in Ruhe lassen, wirst ihres Strebens stets ehrend gedenken; aber Mein Buch
des Lebens werden sie nicht verdrängen können! – [Sg.01_001,29]
Und warum schuf Ich denn die ganze Natur? Warum stattete Ich sie mit so
vielen Reizen aus? Eben deswegen, damit dadurch Meine Kinder Mich, den Geber,
zuerst als Schöpfer achten und dann als Vater lieben lernen. Sieh, wie ein
Tautropfen auf einem Blättchen die ganze ihn umgebende Welt abspiegelt, so
soll dein Inneres durch den himmlischen Frieden, der dann darin eingezogen
ist, die ganze Harmonie Meiner Schöpfung widerspiegeln, und dann wirst du
fühlen, was es heißt: „Dem Reinen ist alles rein.“ [Sg.01_001,30]
So ausgerüstet mit dieser großen Liebe für deine Mitmenschen sorge, sorge für
die Seelen deiner dir anvertrauten Menschen, in diesem Sinne werde
„Seelsorger“, in diesem Sinne, wenn du dein Meßopfer Mir darbringst, wird der
„Dominus nobiscum“ – und „pax nobiscum“ ein wahrer Segen für deine Gemeinde
werden, wenn du auch sie belehrt hast, aus dem Materiellen das Geistige, aus
dem praktischen Leben das Seelische zu entwickeln und sich so zu verbessern. [Sg.01_001,31]
So stehst du als Priester, als Arbeiter in Meinem Weinberg, am rechten Platz,
und Ich werde dich, so wie alle, die du Mir zuführen wirst, mit gleichem Maße
und Gewichte belohnen, das heißt, sie werden alle an Mir den Vater, den liebenden
Jesus, als Heiland finden, der ihnen ihre Last abnehmen und ihre Wunden
heilen wird! [Sg.01_001,32]
So nimm du Meine Welt als das große Evangelium zur Hand, sehe darin, wie dort
Meine Liebe alles weise geordnet, wie dort alles dazu bestimmt ist, dem
Menschen als Endziel aller Schöpfungen auf jedem Erd-, Sonnen- oder Kometen-Körper
im Kleinsten wie im Größten Meine Liebe, Meine Weisheit und Meinen
schöpferischen Geist zu zeigen, welcher alle diese Wunder erschuf, um bei den
intelligent denkenden Wesen den nämlichen Trieb zu wecken, der im Schöpfer
und Herrn aller Kreatur Sein einziges Ich ausmacht. [Sg.01_001,33]
Aus Liebe erschuf Ich diese Welten, damit durch das Verständnis des
Geschaffenen diese Liebe wieder zu Mir zurückkehre. Sieh, der große Baum des
Lebens, er hat wie der dir sichtbare Baum auf deiner Erde die Wurzeln im
Materiellen; dort wie bei jedem andern Baume sucht die Wurzel dasjenige aus
dem ihn umgebenden Erdreich herauszuziehen, was zum Aufbau ihrer eigenen
Individualität nötig ist. Dieses Aufgesogene leitet die Seele des Baumes aufwärts,
aus dem Finstern zum Licht, aus der Kälte zur Wärme, aus dem Groben zur
feinern, leichtern Erd-Luft. Je mehr diese Säfte höhersteigen, in der Rinde,
im Zellengewebe verarbeitet werden, je mehr sie das Festere zurücklassen, das
Feinere vorwärts schieben, desto mehr tritt der Einfluß der Erde zurück und
der mächtigere des Lichtes, der Luft und der Wärme macht sich geltend; die
Produkte des Prozesses werden stets feiner, stets leichter, es drängt alles
zur näheren, direkteren Einwirkung der Substanzen aus Meinen Himmeln, das
Holz des Stammes wird weicher schon in den Ästen, die Vorbereitungen zur
Entwicklung des Blattes, der Blüte und dem Endziel: der Frucht, werden beschleunigt,
alles geht eins aus dem andern hervor, bis als Frucht, angelangt am Ziel
ihrer Bestimmung, sie dann zu anderen Zwecken und unter anderen Formen einen
ähnlichen Kreislauf mittels Stoffwechsels anfangen muß, um eine andere, geistigere
Stufe zu erreichen. [Sg.01_001,34]
Und so wie diesen Weg das ganze Pflanzenreich macht, so geht auch die
Menschenseele in ihrer eigenen Art den nämlichen Weg, soll sie je zu Mir gelangen
wollen. [Sg.01_001,35]
Auch sie soll aus dem gewöhnlichen Leben (Materie) das Geistige aufsaugen, es
verfeinern, vergeistigen, soll stets aufwärtssteigend zur Blüte, zur Frucht
dringen; damit auch sie, ist ihre Zeit des Prüfungslebens vorüber, im
Jenseits unter anderen Verhältnissen den weiteren und größeren Weg mit
Leichtigkeit antreten könne. [Sg.01_001,36]
Wolltest du Meine Natur mit geistigen Augen betrachten, wie viele Andeutungen
und geistige Entsprechungen würden dir da zeigen, zu was Ich eigentlich die
materielle Welt, und zu was Ich euch Menschen bestimmt habe. Alles, was du
siehst in der Natur körperlich, ist geistig im Lebenslauf der Menschheit, der
Völker und des einzelnen Individuums ausgedrückt. [Sg.01_001,37]
In der Natur siehst du das Ringen nach Licht, nach Freiheit, nach
Vervollkommnung, du siehst nebenbei Entstehen und Vergehen, ewigen Stoffwechsel,
ewigen Kampf, stets ein geistiges Resultat aus materieller Vernichtung hervorgehen.
Die Menschheit seit ihrem Entstehen folgte den nämlichen Weg wie die Säfte
des Baumes von Nacht zum Licht, und so ward ihre Kulturbewegung, so war der
Geistes-Stufen-Zyklus, der sie reif machte, Mein Herniedersteigen
vorzubereiten und notwendig zu machen. So geht die Menschheit zwischen
Entstehen und Vergehen, zwischen Kampf, Niederlage und Sieg doch vorwärts zu
dem Ziel, zu welchem Ich sie erschaffen habe. [Sg.01_001,38]
So die Völker, jedes nach seiner Geistesreife, so der einzelne Mensch, sich
durchwindend zwischen Freuden und Leiden, falschen und rechten Ansichten,
zwischen Wahn und Wahrheit. So war selbst Mein eigener kurzer Lebenswandel
auf Erden; zwischen Verachtung, Kampf und Leiden, zwischen Rache, Haß und
Verfolgung, stets das Banner der geistigen Freiheit und der göttlichen Würde
des Menschen – hoch über alle Kalamitäten des irdischen Lebens hinaufhebend,
besiegelte Ich Meine Mission mit Meiner glorreichen Auferstehung! Ich rief am
Kreuze den Menschen und den Völkern das „Es ist vollbracht!“ zu, was nur für
Mich den Wert und Sinn hatte, indem Ich ihnen das Vollbringen ihrerseits für
die Zukunft selbst überlassen mußte; zwar sie unterstützend bei ihrem Streben
dahin. [Sg.01_001,39]
Und wie Ich während Meiner Lehrjahre durch all diese bitteren Kämpfe
durchgehen mußte und Mein Kreuz willig trug, so müssen auch jetzt die
Menschen, jeder für sich und alle miteinander, ebenfalls durch Kämpfe und
Leiden zum Siege, zur glorreichen Auferstehung geführt werden. [Sg.01_001,40]
Betrachte die jetzigen Weltereignisse, die Verwirrung der Meinungs-Ansichten
in religiöser Hinsicht, alles drängt nach Läuterung, nach Gewißheit, alles
will von Nacht zum Licht! Lerne also auch du in Meinem großen Buche lesen,
lerne erkennen, daß überall, im materiellen und geistigen Reiche, nur ein
Gesetz und ein Ziel ist, welches alles Erschaffene vorwärts schiebt, es ist
das Ziel, allem, was man tut, sieht, spricht und erlebt, einen geistigen Wert
abzugewinnen, alles auf Mich zu beziehen; denn nur von Mir kam alles und zu
Mir will alles! [Sg.01_001,41]
Ihr habt eurem Gott Bethäuser gebaut, habt dort einen zeremoniellen Kultus
eingeführt, in welcher Weise dieser Gott verehrt werden solle; lerne nun aus
Meinen Worten an dich erkennen, daß in jenen Bethäusern Ich nicht bin, nicht
in jenen Zeremonien, wenn nicht ihr im Herzen Mich dorthin mitbringet. [Sg.01_001,42]
Mein Bethaus ist die ganze Schöpfung, die euch, ohne es zu wollen, stets
zuruft: „Gott ist die Liebe!“ – Sobald also der Mensch die Sprache Meiner
Natur gelernt hat, dann wird er auch in einem zum Beten eigens gebauten Hause
mit mehr Andacht und nicht gewohnheitshalber erscheinen; selbst der die Messe
zelebrierende Priester wird seine eigene Funktion als Messelesender
andächtiger vollführen, wenn er sich des Schöpfers erinnert, welcher ihn mit
jedem Atemzuge mit tausend Gnaden überschüttet. Der Priester wird erst dann
begreifen, welche Verantwortlichkeit ihm obliegt, seine Untergeordneten auf
geistigem Wege vorwärts zu bringen; er wird, Meine Liebe in ihrem ganzen
Umfange kennend, beschämt oft zu Mir aufblicken, wenn im schönsten und
aufrichtigsten Seelendrange, das Beste zu wollen, seine Hoffnungen nicht
realisiert werden! Allein er weiß, daß jener Spruch, den Ich als Mensch im Garten
von Gethsemane getan, auch für ihn gelten muß. Auch er muß ausrufen: „Nicht
mein – sondern, o Herr, Dein Wille geschehe!“ [Sg.01_001,43]
Die Entsagung, welche in diesen Worten liegt, wird ihm sein Vertrauen zu Mir
wiedergeben und sein Bewußtsein stärken; denn er weiß ja: die Liebe, welche
in der ganzen Natur Sich kundgibt und unter Zerstörung und Vernichtung, unter
Elend und Unglück nur Segen bewirkt, diese Liebe kann nicht wanken, nicht
fehlgreifen! [Sg.01_001,44]
Und wenn er so oft abends nach mühseliger Arbeit seinen Blick zum gestirnten
Sternenhimmel erhebt, wenn er diese tausend und tausend Liebesflammen im
großen Äther wie leichte Öltropfen auf dem Wasser schwimmen sieht, wenn dieses
unermeßliche Buch Meiner großen Schöpfung sich zeigt, dann, wenn er, erdrückt
durch diese Größe, gezwungen wird zum Rufe: Herr! was bin ich, daß Du meiner
gedenkest! dann senke Ich den Strahl der Ruhe in sein Herz, indem Ich ihm antworte:
„Du bist und sollst ,Mein Kind‘, Kind eben dieses großen Schöpfers werden!
Daher öffne dein Herz, erweitere es, daß der Gedanke Meiner Schöpfung, der
Gedanke Meiner unendlichen Liebe dort Platz finde! Breite auch du deine Arme
aus, umfasse geistig alles Geschaffene – alles ist Produkt Meiner Liebe,
alles hat wenigstens einen Funken Meines Ichs in sich! Ehre Meine Schöpfung,
du ehrest so Mich – und dich selbst!“ [Sg.01_001,45]
Diese allumfassende Liebe laß einziehen in dein Herz, diesen großen Gedanken
des Allumfassens laß Platz nehmen in deinem Herzen, und du wirst alles, was
in klarer Sprache, im Gleichnis oder in verhüllter Entsprechung im Alten und
Neuen Testament verhüllt liegt, klar vor dir stehen sehen mit ewig
unauslöschlichen Buchstaben in allem Erschaffenen und selbst in deinem
eigenen Ich wieder lesen können und erkennen, was all dieser vielen Worte
kurzer Sinn ist, nämlich: „Gott ist die Liebe“, aus Liebe erschuf Er dich und
durch Liebe will Er dich zu Sich zurückführen. [Sg.01_001,46]
Dieses bedenke und werde Kind, und zwar Mein Kind! Das ist deine Aufgabe, die
Ich dir als Prüfung auf dieser Erde zu lösen gegeben habe! – Amen! 22. Oktober 1870 [Sg.01_002,01]
Schon heute mittag wurde diese Frage angeregt, und da die Besprechung dieses
Gegenstandes, das heißt unter Meinen Händen, einige Streiflichter zum Teil
auf eure Ideen, zum Teil aber auch auf den eigentlichen Gegenstand werfen
könnte, die für euch zum Nutzen und zur Lehre dienen sollen, so will Ich dir
denn einige Worte darüber sagen. [Sg.01_002,02]
Schon in einem früheren Diktat habe Ich euch gesagt, was eigentlich
Magnetismus ist, nämlich – Mein Wille. Allein der Magnetismus ist eine Kraft,
die ihr auch in den Metallen und Steinen antrefft und die auch in den Tieren
und endlich im menschlichen Organismus ebenfalls sich kundgibt. [Sg.01_002,03]
Es handelt sich nur darum: Was ist denn eigentlich dieser Magnetismus in den
Mineralien und im Eisen? Ferner, was ist derjenige in den Tieren? und welcher
Unterschied ist in all diesen gegenüber dem Magnetismus, der auch im menschlichen
Körper und endlich in der Seele des Menschen selbst ist? [Sg.01_002,04]
Nun, um dieses alles zu erörtern, müssen wir zunächst mit dem ersten Begriff
dieser Kraft anfangen, wie sie im Mineralreich euch ansichtig wird. – [Sg.01_002,05]
Die magnetische Kraft ist, soweit ihr sie kennt, eine anziehende, welche nur
Gleiches anzieht, wie das magnetisierte Eisen nur Eisen anzieht; auch andere
Dinge gibt es, die magnetische Kräfte äußern, aber nicht gerade Eisen, sondern
auch andere Dinge anziehen, wie ihr oft spielend gesehen habt, daß zum Beispiel
Siegellack, ein wenig gerieben, auch Papierstückchen anzog; ebenso Bernstein
sowie alle Harzarten haben diese Eigenschaft. – [Sg.01_002,06]
Nun, diese Eigenschaft des Anziehens, welches ihr im kleinen mit dem
Magnetstein oder bestrichenen Eisen und mit der Magnetnadel seht, welche eine
stete Richtung nach Norden zeigt, bis da, wo sie auf einem gewissen Punkte
angekommen, statt nach Norden, den Punkt ihres Strebens als in der Erde
selbst andeutet. Dieses Andeuten allein beweist euch, daß diese Kraft, welche
ihr mineralen Magnetismus heißet, in der Erde ihren Sitz hat; und eben
nachdem sie bloß eine anziehende und nicht eine zurückstoßende ist, so ist
sie als Attraktionskraft (Anziehungskraft) eigentlich das einzige Element,
das die ganze Erde samt ihrer Atmosphäre zu einem Ganzen verbindet. [Sg.01_002,07]
Diese Kraft ist wohl, wie Ich es einst sagte, nur Mein Wille; allein die
materielle Äußerung des Magnetismus ist nicht mehr als Mein direkter Wille,
sondern nur als eine seiner vielfältigen Ideen anzusehen. [Sg.01_002,08]
Die magnetische Kraft, welche die Magnetnadel nach Norden zieht, ist ein
Zeuge des großen Stromes, der alles durchweht und alles zum Zusammenwirken
zwingt; darin liegt der große Zweck verborgen, wo jedes einzelne als Teil des
Ganzen nur einem Zuge folgen muß; ihr nennt es den Zug der Schwere, und Ich
nenne es den vollgewichtigen „Zug der Liebe“. [Sg.01_002,09]
Was bei der ganzen Erde ohne Bewußtsein geschieht, wo alles fest
aneinandergeschlossen seinen großen Zweck vollführen muß, das ist schon nicht
mehr so gefestet im Tierreich, wo es freier auftritt und nur einzelnen, dem
einen oder andern Tier zu seinem eigenen Aufbau nötig ist; es ist da die
erste stumme und strenge Kraft gelockert und verfeinert in bezug auf das
Wirken des einen auf das andere. [Sg.01_002,10]
Nachdem aber die Tiere stufenweise aufwärts gehen und ihre magnetischen
Eigenheiten sich stets verfeinern, so gelangen sie auch endlich als letzte
Stufe zum Menschen, der ebenfalls eine magnetisch anziehende Kraft besitzt,
welche jedoch ausgebreiteter und weitreichender ist als die der Tiere und des
Mineralreiches. [Sg.01_002,11]
Der Mensch hat nämlich ebenfalls ein von seinem Körper ausgehendes
„magnetisches Fluidum“ und hat nebenbei aber auch noch ein von seiner Seele
hergeleitetes höheres oder eigentlich von Mir stammendes Erbteil, mit welchem
er, wenn er es zu benutzen wüßte, Mir gleich „schaffen“ und walten könnte! [Sg.01_002,12]
Sein körperliches Fluidum oder die willenlos ausströmende Kraft, die er
jedoch durch seinen Willen noch mehr aus seinem Körper treiben und dorthin
richten kann, wohin er will – diese Kraft ist ebenfalls die nämliche, welche,
wie sie bei der Erde alles fest zusammenhält, auch seinen Körper zu einem
Ganzen gestaltet, in seinen Adern rollt und sogar seine äußerste geistige
Sphäre ausmacht. Diese Macht oder Kraft kann er als freies Wesen gebrauchen
wie er will, entweder zum Guten oder zum Schlechten. [Sg.01_002,13]
In jetziger Zeit ist schon viel von den Eigenschaften dieser allgemeinen
Naturkraft entdeckt worden, und einzelnen ließ Ich es angedeihen, daß sie mit
dieser Kraft zum Besten der kranken Menschheit heilend auftreten konnten. [Sg.01_002,14]
Jedoch über dieser Kraft und allen früher angeführten untergeordneten Stufen
steht noch eine höhere, und dies ist die Kraft, die direkt vom Geiste, von
Mir Selbst kommt und die vom gewöhnlichen magnetischen Einwirken so weit verschieden
ist wie augenscheinlich Geist und Materie. [Sg.01_002,15]
Diese Kraft als Ausfluß Meines Geistes ist ebenfalls das Band, das alles
zusammenhält, was geistig oder Mir gleich ist, jedoch aber mit dem Unterschied,
daß, während die Natur ihre verschiedenen Elemente mit Zwang zusammengefügt
hat, beim Menschen und seinem geistigen Verbande mit anderen höheren Wesen
und Mir Selbst nur ein zartes Band, das Band der Liebe, um alles gezogen ist,
das, statt durch strenge Gesetze, nur durch Liebe wirken soll. [Sg.01_002,16]
Wenn also jemand einen andern, sei es Bruder oder Schwester, seinen
natürlich-magnetischen Strom fühlen läßt, so wirkt bloß das
Seelisch-Körperliche auf das Entsprechende im andern Körper, es legt die
Nerven des Magnetisierten bloß, erleichtert ihm die Last des Körpers und
lockert seine Bande; darum auch der Magnetisierte im Hellschlafe Dinge sieht
und spricht, die der Magnetisierende vielleicht gar nicht kennt! [Sg.01_002,17]
Sobald aber der geistige Magnetismus eintritt, der Mein Wille, Meine Kraft
und Mein „Segen“ ist, so ist es möglich, daß nicht nur allein der
Magnetisierte, sondern auch der Magnetisierende, beide gleiche Wonne, gleiche
Seligkeiten genießen können; denn sie haben durch dieses geistige Band der
Liebe, das sich bei dieser Verbindung um ihre Herzen schlingt, gleiche
Seligkeiten aufgedeckt, welche ihr einst, fällt die schwere Hülle ab, dauernd
genießen werdet. [Sg.01_002,18]
Begreifet ihr jetzt den großen Unterschied zwischen den verschiedenen
Wesenheiten des Magnetisierens, begreifet ihr den Unterschied, wo einerseits
nur mehr rohe, ungeläuterte Gewalten ihren Einfluß ausüben, und wo reine
Himmelsluft andererseits weht, wo nicht der Zwang des „Muß“ eines Magnetiseurs
den andern zwingt, seinem Willen zu folgen, sondern wo beide vereint den
Hochgenuß schwach verschmecken werden, welcher jeden Gereiften in Meinem
Reiche einst erwarten wird. [Sg.01_002,19]
Der erstere Magnetismus ist eine Ausgabe eures Lebenskapitals, der zweite
eine Einnahme eures himmlischen Erbteils! [Sg.01_002,20]
Befleißiget euch daher, wenn ihr je die Hand ausstreckt zum Magnetisieren,
nicht bloß die körperlich-seelische Kraft aus euch strömen zu lassen, sondern
vergeistiget und läutert sie durch den Gedanken an Mich, an Meine Worte, an
Meine Liebe! und ihr werdet, statt nur andere zu erhöhen, zuerst selbst
erhoben werden, diese Empfindung sodann dem andern mitteilen, mit ihm
mitfühlen, und so gleiche Genüsse der einst zu erwartenden Seligkeiten haben. [Sg.01_002,21]
Ich sagte im Anfang: der Magnetismus ist das Band, das alles zusammenzieht,
verbindet, und so den Bestand des Erscheinlich-Materiellen ausmacht; ebenso
ist der geistige Magnetismus das ewige Band, das Mich mit Meinen Geistern und
mit Meinen Kindern auf ewig verbinden soll, damit wir einst alle als Eins
ebenfalls so zusammengeschmiegt durch Liebe sein mögen, wie es jetzt eure kompakte
Erde und alle andern Erdkörper durch Zwang sind. [Sg.01_002,22]
Dieser magnetische Zug der Liebe zog euch zu Mir – und Mich zu euch; lasset
ihn stets walten, und es wird euch nicht an Hochgenüssen einer jetzt nie zu
ahnenden Seligkeit fehlen, und Ich werde auch dabei mehr und mehr die Freude
haben, euch Mir näher und näher zu ziehen, bis der immerwährende Zug euch Meinem
Vaterherzen ganz genähert hat, wie Ich es gerne möchte, und wozu Ich euch alle
Mittel angedeihen lassen will, daß ihr dieses erreichen könnt! – Amen. 3. Kapitel – Die Elektrizität. 23. Oktober 1870 [Sg.01_003,01]
Nachdem Ich dir gestern abend eine kleine Aufklärung über den Magnetismus
gegeben habe, wie Ich ihn verstehe, und auch will, daß ihr ihn im nämlichen
Sinne, würdig Meiner Kinder, auffassen sollet, so will Ich heute zu der gestrigen
Aufklärung eine andere hinzugeben, und zwar über Elektrizität, eine Kraft,
von der ihr und eure sogenannten Gelehrten zwar die Wirkungen zum Teil kennt,
allein nicht genau wißt, was sie eigentlich ist, und wie Ich sie möchte von
euch verstanden sehen. [Sg.01_003,02]
Nun, um auch dieser Kraft auf den Grund zu kommen, müssen wir von der ersten
Idee einer Schöpfung im allgemeinen ausgehen, sodann den notwendigen Bestand
einer forttreibenden Kraft bestätigen; diese Kraft sodann in ihren einzelnen
Wirkungen verfolgen und sie am Ende wieder zurückführen zu Dem, von wo sie
ausgegangen als sich äußernde Kraft und als geistige Potenz zurückgekehrt ist
und nun eine Meiner Haupteigenschaften als Gott und Schöpfer ausmacht. [Sg.01_003,03]
Nun sehet denn, Meine lieben Kinder, denen Ich schon so viel über Meinen
Schöpfungsbau gesagt habe – da dieser Bau aber unendlich ist in seiner
Ausdehnung, so kann er von euch Endlichen nur zum Teil verstanden und manches
nur geahnt werden, woraus hervorgeht, daß soviel Ich euch auch in die
Geheimnisse Meiner Schöpfung einweihen würde, ihr doch nach Millionen von
Jahren nur teilweise die Wunder Meiner Werke begreifen könntet. [Sg.01_003,04]
Nachdem aber ein Vater, so wie Ich es sein will und auch bin, vor seinen
Kindern keine Geheimnisse haben soll, damit die Kinder, je mehr der Vater
ihnen seine weisen Einrichtungen zeigt, durch Achtung vor ihm gezwungen, ihn
auch mehr lieben werden, so will Ich von Zeit zu Zeit euch in diese
Werkstätte Meiner unendlichen Macht einen Blick werfen lassen, damit ihr
immer mehr erkennen möget, wer Der ist, der an euch so viele Gnaden austeilt,
und was es heißt: von Gott belehrt zu werden, wo doch schon mancher auf eurer
Erde glaubt wunder, was er ist, wenn er sich rühmen kann, er sei der Schüler
von dem oder dem großen Gelehrten oder Künstler! [Sg.01_003,05]
Um so mehr müßtet ihr euch einbilden, wenn ihr bedenket, daß Ich, der Herr
alles Geschaffenen, Mich herabgelassen habe in Meiner väterlichen Liebe, euch
als Schüler zu unterrichten! [Sg.01_003,06]
Da aber in Meiner Schule nicht Stolz als erster Grundsatz, sondern nur die
Demut als solcher aufgestellt ist, so will Ich euch eben deswegen noch manches
sagen über Meine große Schöpfung und hoffe, daß ihr ob des Erlernten nicht
stolz, sondern nur stets demütiger werdet. [Sg.01_003,07]
Also kehren wir zu unserer Elektrizität zurück. So höret denn: [Sg.01_003,08]
Als im unendlichen Raum Meine ersten Ideen sich zu verwirklichen anfingen und
Welten auf Welten geschaffen wurden, da herrschte nur das Gesetz der
Anziehung und der Abstoßung, welches sie zur Umdrehung um ihre Achsen und
ihre Zentralsonnen zwang. [Sg.01_003,09]
Dort in jener Zeit waren es also nur zwei Kräfte, die alles dieses verrichteten,
die anziehende und die abstoßende. [Sg.01_003,10]
Die eine wollte alles an sich reißen, die andere alles in die Unendlichkeit
hinaustreiben. Nun, aus dem Konflikt dieser beiden Kräfte, der einzigen Motoren
einer jeden Sache, die geschaffen ist und bestehen soll, entstand die
drehende Bewegung; und so wurde durch diese Kräfte das ganze Universum mit
Welten bevölkert, ihre Ausbildung eingeleitet, und noch jetzt sind diese
beiden Kräfte die Hauptträger alles Lebens und alles Geschaffenen und werden
es auch bleiben, solange Ich Derjenige bin, welcher in Wirklichkeit alles
leitet und zum allgemeinen Endziele führt! – [Sg.01_003,11]
Die erste dieser Kräfte ist, wie Ich es schon im gestrigen Diktat gesagt
habe, die Liebe. [Sg.01_003,12]
Die Liebe will alles an sich reißen und um keinen Preis mehr sich davon
trennen lassen, will alles bei sich haben; die Folge davon wäre ein endliches
Erdrücken, ein Tod, und zwar aus Liebe – also kein Leben! – [Sg.01_003,13]
Um also diesen mächtigen Trieb Meines Ichs in seine gerechten Schranken zu
weisen, trat die Weisheit hinzu, die zwar das Anziehen der Liebe nicht
hinderte, sondern sie nur bis zu einem gewissen Grade zuläßt und wieder die
Entfernung und Loslassung bedingt. [Sg.01_003,14]
Nun, durch dieses Anziehen und Loslassen entstand das erste, was in Meiner
Schöpfung notwendig ist: die Bewegung! Was ist aber Bewegung? Bewegung ist –
Leben! [Sg.01_003,15]
Es war also das rege Leben das Produkt von zwei Kräften, die stets
miteinander im Streit die wohltätige Wirkung hervorbrachten, des Schaffens,
Vergehens und wieder neu Aufbauens, des Kommens, Gehens, und dieses als
Gesetz der ewigen Erneuerung und Fortdauer festsetzten. [Sg.01_003,16]
Kampf ist Leben, und Ruhe ist Tod! [Sg.01_003,17]
Nun, wo Kampf, da ist Reibung; wo Reibung, da ist ein Erzürnen der einzelnen
Teile, die sich aus ihrer Ruhe nicht wollen stören lassen, wo der Zorn, erweckt
sich die Wärme, wo die Wärme in ihrer höchsten Vibration, da entwickelt sich
das Licht! – [Sg.01_003,18]
Nun sehet! Aus den einfachen ersten Gesetzen des Anziehens und des Abstoßens
entwickelt sich das zum Leben allein notwendige Licht, denn ohne Licht kein
Leben. Da aber das Licht nur das Produkt der Wärme ist, so ist wo Leben –
auch Wärme! wo keine Bewegung, keine Wärme, sondern Kälte oder Tod, das heißt
ein Stillstehen; da bleibt ein jedes Ding in diesem Zustande wie es ist, hat
keinen Drang, weder zur Veränderung noch Vervollkommnung, noch Auflösung. [Sg.01_003,19]
Hier haben wir also schon zwei weitere Haupteigenschaften aus den ersten zwei
primitiven Kräften herausgefunden, nämlich aus Abstoßen und Anziehen – Licht
und Wärme! [Sg.01_003,20]
Dem Lichte und der Wärme entwuchs daher alles Geschaffene. Die Liebe baut,
die Weisheit erhält. Die Liebe ist gleichbedeutend mit Magnetismus – die
Weisheit mit Elektrizität. [Sg.01_003,21]
Wie Meine Gedanken mit Blitzesschnelle die Unendlichkeit durchfliegen, so
strömt die Elektrizität in die weiten Fernen hinaus, Gleiches mit Gleichem
verbindend, Harmonie hervorbringend, durch die Anregung der „schlummernden
Kräfte“ oder der „gebundenen Geister“ im Weltall. [Sg.01_003,22]
Die Elektrizität ist der Träger des Lebens; in ihrer positiven Gestalt
befördert sie die Erhaltung des Geschaffenen, und in ihrem negativen Wert
bringt sie Zerstörung (Auflösung) und reizt so wieder zum Neuaufbau! [Sg.01_003,23]
So geht der ganze Schöpfungsbau aus zwei Grundgesetzen, aus zwei
Haupteigenschaften Meines Ichs hervor: aus Magnetismus und Elektrizität oder
aus Liebe und Weisheit. [Sg.01_003,24]
Ja, auch Ich Selbst, um tätig zu sein und stets eine Anregung zur
Weiterbildung zu haben, ließ es zu, daß einer Meiner größten Geister von Mir
abfiel und als Prinzip des Bösen sich Mir gegenüberstellte, um das Werden und
Entwickeln zu befördern, bis es eine gewisse Periode erreicht haben wird, wo
das materielle Schaffen aufgehört, kein Vergehen mehr notwendig und eine
geistige Ära für alle Welten und alle Wesen eingetreten sein wird. [Sg.01_003,25]
Was (negative) Elektrizität in der Schöpfung, das ist der Satan in der
geistigen Welt; auch er hat seine Aufgabe, welche er vollführen muß, nur mit
dem Unterschied, daß er wähnt, sein Bleiben in seinem geistigen Zustande
währe ewig. [Sg.01_003,26]
Hier irrt er sich gewaltig. Er bleibt, solange Meine großen Grundprinzipien
für die Welten und alles Geschaffene notwendig sind. Vollendet sich diese Periode,
so wird auch die Liebe – Magnetismus – und die Weisheit – Elektrizität – eine
andere Form bekommen und eine andere Richtung erhalten; dem einen wie dem andern
werden die Extreme genommen werden (des Anziehens und der Abstoßung), und es
wird ein friedliches, harmonisches, gemeinschaftliches Wirken dem früheren
Platz machen, wo der Bestand des einen auf die Zerstörung des andern gebaut
war. [Sg.01_003,27]
Die Elektrizität als latente (gebundene) Wärme, das heißt als Licht, ist aus
euren physikalischen Versuchen und auch aus deren Anwendung in Krankheitsfällen
genug bekannt, überall manipuliert ihr mit ihr, und doch wißt ihr nicht, was
ihr eigentlich tut, weil für euch die bemerkbaren Resultate und Tatsachen
(also die Erscheinungen) bloß etwas Beständiges sind. Was aber das geistige
Wirken und den geistigen Grund dabei anbelangt, der hinter diesen Versuchen
verborgen liegt, das erkennt ihr nicht, weil ihr keine Augen für geistiges
Wirken habt, und weil die schnelle Wirkung der Elektrizität und des Lichtes
in so kurzen Zeiträumen erfolgt, die einem Menschenverstand zu geschwind
sind, als daß er sich diese tatsächlich vorstellen könnte. [Sg.01_003,28]
Würdet ihr aber sehen, wie bei jedem Experiment mit der galvanischen Batterie
sich wundervolle Erscheinungen und Prozesse entwickeln, nur aus zwei
Grundursachen hervorgehend, ihr müßtet vergehen vor Andacht vor Mir, dem
Schöpfer alles Daseienden, gleichwie ihr aus den kleinsten Atomen des Lichtes
und der Wärme die größten und wichtigsten Faktoren zur Erschaffung von
Millionen Meilen großen Weltkörpern aus eben diesen kleinen Produkten der
Vibration und der Anziehung hervorgebracht sehet. [Sg.01_003,29]
Wenn ihr da sehen würdet, wie dieses mächtige Fluidum durch sein billionen-
und trillionenmaliges Erzittern der kleinsten Atome in einer Sekunde in der
großen Schöpfung das intensivste Licht und die größte Wärme verbreitet, so
könnt ihr euch einen kleinen Begriff machen davon, wenn Ich als Gott Meine
Liebe und Weisheit in ihrer ganzen Macht jemand fühlen lassen wollte, er
müßte in einem Augenblick vergehen, und wenn auch sein Geistiges widerstände,
sein Materielles aber würde aufgelöst bis in die kleinsten ersten
Schöpfungsatome! [Sg.01_003,30]
Wenn ihr sehen würdet, wie der elektrische Strom in eurem Blute in einem
Moment die augenblickliche Veränderung aller Bestandteile desselben bewirkt,
alles Gestorbene in Lebendiges verwandelt und das Krankhafte ausscheidet –
nicht der Gedanke mit der Zeit ihn zu denken reicht hin, um das zu begreifen,
was da in einem Nu geschieht, wozu ihr Tage brauchen würdet, alles einzelne
zu verstehen, wie eines aus dem andern hervorgegangen ist. [Sg.01_003,31]
Und sollte es nicht so sein?! wo wäre eine Schöpfung und wo ihr Erhalten,
wenn nicht Kräfte wirken würden, die Meine Gedanken sogleich mit für euch
unbegreiflicher Schnelligkeit den weiten Schöpfungsraum durchfliegend ausführen
würden, um überall Leben zu erhalten und neues Leben zu bringen; in jene
Räume, wo Äonen von Lichtweiten nur eine kurze Spanne Zeit von einer Sekunde
ausdrücken! – [Sg.01_003,32]
Eben diese Elektrizität, der Hauptträger alles Geschaffenen ist es, welcher
als Meine Weisheit alles durchdringt, alles zum Leben und zur Vervollkommnung
treibt. Die Elektrizität als Meine Weisheit schreibt dem Materiellen Gesetze
vor, dem Geistigen aber gibt sie nur Ratschläge. Bei dem Ersten ist es
notwendiger Zwang, bei dem Zweiten nur sehnlichster Wunsch. [Sg.01_003,33]
Elektrizität erhöht das Leben, wo dessen Strom hingeleitet wird. – [Sg.01_003,34]
Laßt auch ihr euch elektrisieren von Meiner Weisheit, die Ich euch als Vater
begreiflich machen, und von Meiner Liebe, die euch anziehen will! [Sg.01_003,35]
Ich als Schöpfer blieb einst als Liebe in den Himmeln, und als „Sohn“ oder
Weisheit stieg ich zur Erde nieder. [Sg.01_003,36]
Als Liebe, das ewig verbindende Mittel harmonischer Geister, inspirierte Ich
Meine Weisheit, um euch Gesetze und Lehren zu geben, gegründet auf Liebe;
elektrisiert euch dafür! lasset euch durch diesen Strom anfüllen mit
geistiger Liebe zu Mir, lasset alle eure Herzensfibern erzittern und vibrieren,
damit sich dort die Wärme der Liebe entwickelt und das Licht des Glaubens an
Mich und Meine Sendung zu euch, als Sohn, stets mächtiger eure Herzen
durchdringe! [Sg.01_003,37]
So soll die Elektrizität als großer Wärme- und Lichtleiter in der Schöpfung
auch der geistige Liebe- und Weisheitsleiter in eure Herzen werden. [Sg.01_003,38]
Alle geistigen Zustände, alle mächtigen Gemütsbewegungen, alle sind
ausgedrückt in der Natur, im Leben und – im elektrischen Funken. [Sg.01_003,39]
Auflösend, alle Hindernisse überspringend, eilt der elektrische Funke mit
Lichteseile durch die wetterschweren Wolken, Licht und Wärme, aber auch Kälte
und Zerstörung verbreitend; er durchzuckt die Elemente, löst Metalle, Steine
und alles, was ihr bisher für unauflöslich hieltet, in einem Augenblick auf;
ihm widersteht nichts. [Sg.01_003,40]
Ebenso ist Meine Weisheit, Meine Lehre. Wo sie eindringt, löst sie alles
Harte auf, bringt Wärme, Licht und Leben, Begeisterung für Höheres,
Geistiges, und Kälte für Weltliches hervor, zerstört alle alten, angelernten
Vorurteile und baut neues Leben auf alten Ruinen! [Sg.01_003,41]
So ist Elektrizität das Sinnbild und das Produkt Meiner Weisheit, und
Magnetismus das Bild Meiner Liebe! [Sg.01_003,42]
Lasset euch durch erstere zum zweiten führen; und wenn euch der Strahl des
Lichtes und der Wärme für Mich durchzuckt, als elektrischer Funke, so
schmiegt euch an Meine Liebe an; dort wird dieser Funke euch erwärmen, erleuchten,
und euch ganz klar zeigen, daß, wie Ich aus zwei Kräften eine ganze Unendlichkeit
voll Welten aufbauen konnte, es auch zwei geistige Kräfte für alle Himmelreiche
gibt, die aber beide ihren Ruhepunkt nur in einer finden, das ist: in Meiner
Liebe! [Sg.01_003,43]
Denn die Liebe schickte die Weisheit hinaus in alle Fernen, um zu erleuchten
und zu erwärmen alles Geschaffene; sie verlangt aber auch, daß der von ihr ausgehende
Strahl nicht mit leeren Händen zurückkehre, und so geht es auch mit der
Elektrizität: hinaus strömt sie in die unermeßlichen Fernen, auflösend, zerstörend,
aber auch neu erweckend und aufbauend; überall wird durch sie die Finsternis
in Licht, die Kälte in Wärme und Tod in Leben verwandelt. [Sg.01_003,44]
So auch soll Mein Wort, Meine Lehre in euch alles Finstere in Licht, alles
Gestorbene in lebendige Taten verwandeln, damit ihr einst geläutert,
gereinigt, wie ein Lichtstrahl in Meinen Himmeln ankommen möget und Den von
Angesicht zu Angesicht schauen könnt, der euch jetzt mit Seinen Worten zu
göttlichen Taten anspornen oder elektrisieren möchte! Amen. 4. Kapitel – Die Adelsberger Grotte. 7. Juni 1870 [Sg.01_004,01]
Du möchtest gern einige Zeilen über die geistige Bedeutung haben, was denn
eigentlich diese Bildungen sagen wollen, welche die in der Erde wohnenden
Geister mittels des heraustropfenden Wassers bilden. [Sg.01_004,02]
Mein lieber Sohn! Die Sprache der Zeichen, welche in der Grotte geschrieben
sind, wo gestern dein Bruder war, und wovon er heute noch begeistert, eben
jetzt einen von den zahllosen Eindrücken euch kundgab – diese Sprache ist die
in Bildern ausgedrückte Sprache der Geister, die emsig im Innern der Erde
schaffen und weben fürs künftige Leben! [Sg.01_004,03]
Was das heruntertropfende Wasser an Steinen und Sand auflöst, das sammeln sie
zusammen und binden es nach ihrer Intelligenz, wie bei euch die Hausfrau die
Wohnung ausschmückt und dort ebenfalls fegt und webt, um ihre Wohnung als den
Aufenthalt, wo sie die meiste Zeit zubringt, so gemütlich als möglich zu machen. [Sg.01_004,04]
Sehet, so eine Hausfrau setzt da einen Tisch, dort ein Bett; den Tisch
bedeckt sie mit einer Decke, das Bett behängt sie mit Vorhängen; hier pflegt
sie eine kleine Blume, und dort ziert sie mit ebensolchen ein Fenster. So
machen es die Geister auch, und wenn ihr in das Innere der Erdrinde eindringen
könntet, so würdet ihr Dinge schauen von solcher Schönheit, wogegen das
gestern in der Grotte Gesehene nur ein Kinderspiel ist; denn im Innern der
Erde, wo verschiedene Metalle gebunden zwischen Stein und Sand und Erde
liegen, werden auch die Tropfsteingebilde nicht immer weiß, sondern gefärbt,
so zwar, daß ihr da ganze feurigrote (von Eisen herrührend) oder grüne
Vorhänge von ungeheurer Höhe und noch alle möglichen Formen sehen könntet. [Sg.01_004,05]
Was Ich in der Unendlichkeit geschaffen, was die Menschen Meinen Schöpfungen
nachgemacht haben, das ahmen dann die Geister nach, nur in anderen Typen und
Formen, die aber mehr Meinen großen Grund-Ideen der Schöpfung entsprechen als
alles zusammengestoppelte Machwerk der Menschen. [Sg.01_004,06]
Jede Figur, die der Tropfstein unter den Händen Meiner Erdgeister bildet, hat
eine geistige Bedeutung, ist immer ein Lobgesang für Mich und Meine
Schöpfung. [Sg.01_004,07]
Da seht ihr einen Schleier, der leicht und zart gebildet dem leisen Wirken
eines jungfräulichen Geistes entspricht, er bildet ihn mit zarter Hand, webt
nach seiner Intelligenz Formen und Gebilde hinein, die zusammen in der Geistersprache
mit wenig Worten sagen wollen: [Sg.01_004,08]
„Sei gelobt! o Du großer Gott und Herr der Heerscharen! und Dein zartes
Liebesweben, wie Du uns alle führest unter sanfter Leitung auf dem Wege der
Vervollkommnung! Du wirkest, ohne daß wir es merken, unter einem Schleier,
und wenn er auch noch so zart, so erkennen und fühlen wir Deine mächtige und
liebende Hand zugleich! [Sg.01_004,09]
Sei gepriesen! auch in unsern schwachen Formen, die Du nach Deinen großen
Gesetzen uns erlaubst, nur aus Wasser und aufgelöstem Gestein zu bauen; wir
wollen diese finsteren Gewölbe und Dome unter der festen Rinde der Erde zu
geistigen Domen machen, und wenn dann nach Deiner Zulassung manchmal Deinen
Kindern es erlaubt ist, diese nur für uns bestimmten, finsteren Höhlen zu betreten,
daß auch sie bei ihren Lichtern sich ergötzen mögen an unseren Werken unter
Deiner Führung und in allen den Formen, die wir hier in verschiedenen Arten,
gleich der Ausdrucksweise unserer Geistessprache, zusammengestellt haben,
erkennen mögen, daß Du, die Liebe Selbst, auch dort wo kein Licht hindringt,
ewig stets der Gleiche bist und ewig nur die einzige, unverwüstliche Liebe!“ [Sg.01_004,10]
Sieh, Mein Sohn, solche Gedanken sollten die Menschen in diesen
unterirdischen Tempeln begeistern für Mich, wo Ich mit großen Buchstaben von
Meinen Geistern die nämlichen Worte schreiben ließ, wie sie am Firmament in
noch größerer – einer Ewigkeit gleichenden Schrift – jede Nacht vor euch
stehen, und diese Worte heißen: [Sg.01_004,11]
„Wanderer, stehe still, es wehet dich hier ein Geisterhauch einer
immerwährend wirkenden Macht an; du stehest vor Gebilden, von Geisterhand geformt,
noch ehe lebende Wesen diesen Erdball bewohnten, und du, nun später Nachkömmling
eines längst verschollenen Geschlechts, bewundere die Liebe und Geduld deines
Schöpfers, der dich, sei es mit großen oder auch mit den kleinsten Produkten
Seiner Gedanken, an Sein liebend Herz ziehen möchte!“ [Sg.01_004,12]
Aber – – o ihr armen Menschen, wie entweihet ihr Meine Tempel der höchsten
Andacht mit profaner Unterhaltung! [Sg.01_004,13]
Ich sollte wohl anders mit euch verfahren, wären nicht auch immer einige
unter den Besuchern solcher Höhlen, die doch mit andern Eindrücken herausgehen,
als sie hineingegangen sind; nun, eben wegen diesen lasse Ich diese Feste so
ruhig verlaufen, da Mir eine andächtige Seele lieber als Tausende, denen
alles das eine Null ist. [Sg.01_004,14]
Jetzt hast du in kurzem eine Idee, wie ihr Meine Werke betrachten sollt, um
daraus immer die nämliche Lehre zu ziehen, die sich mit wenigen Worten sagen
läßt: [Sg.01_004,15]
„Liebet den Vater! denn es gibt außer Ihm nichts, das Ihm gliche!“ [Sg.01_004,16]
Soviel für heute; jetzt lese es deinen Brüdern und Schwestern vor, damit auch
sie dann in den Chor Meiner Geister einstimmen und wie jene nur Mich, als
ewigen Vater und Herrn, preisen mögen! Amen. 5. Kapitel – Schmetterling und Schwalbe. 10. November 1870 [Sg.01_005,01]
Deine Schwester wünscht eine Aufklärung zu haben, was denn eigentlich, im
geistigen Sinne, die Schwalbe und der Schmetterling sind, oder was für
geistige Urtypen unter diesen beiden Bildern aus Meinem Schöpfungsreich
verborgen liegen? [Sg.01_005,02]
Nachdem Ich in alles etwas Geistiges gelegt habe, so ist freilich auch in
diesen beiden Tieren, als einzelne Glieder von zwei Gattungen, ebenfalls etwas
daran, welches auf euch Menschen bezogen als ein erhabenes Beispiel dienen
könnte; nun denn, so will Ich deiner Schwester sagen, daß diese beiden
Gattungen von Tieren die nämlichen Stufen, das eine unter allen geflügelten
Käfern und Insekten und das andere unter den fröhlich die Luft durchziehenden
Vögeln einnehmen. [Sg.01_005,03]
Um nun zur rechten Aufklärung zu gelangen, müssen wir erst die Frage
beantworten: Was ist der Schmetterling? Siehe nun, Mein liebes Kind, der
Schmetterling ist eines dieser Gattung Tiere, die, wie die fliegenden
Insekten als Übergangsstufe dienend – vom kriechenden Wurm oder der Raupe und
dem Vogel – ein Mittelglied bilden. Und von diesem ist wieder der
Schmetterling insbesondere dasjenige Tier, welches in seinem Körper seine
Abhängigkeit von den Erdelementen und in seinen buntgeschmückten Flügeln die
Verwandtschaft mit den Licht- und Sonnenspezifika kundgibt. – [Sg.01_005,04]
Seine und der ganzen Gattung eigene Metamorphose – zuerst als Wurm und Raupe
die ihr angemessenen Erdbestandteile in sich aufnehmend und dann als
Schmetterling sie durch die Sonnenlicht-Produkte, als die feinsten Säfte der
Blumenkelche, vergeistigend – gibt euch, Meine lieben Kinder, ein sehr schönes
Beispiel für euer eigenes Wirken und Leben, daß Ich nicht umhin kann, es euch
näher zu erklären und es euch ans Herz zu legen. So höret denn: [Sg.01_005,05]
Im Staube kriecht der Wurm, und die Raupe nährt sich von dem inneren Teil der
Baum- und Gesträucher-Knospen, beide saugen dadurch und nehmen aus der Erde
kommende Elemente auf. [Sg.01_005,06]
So geht es auch mit euch Menschen. [Sg.01_005,07]
Von Kindheit auf wird auch euch meistens durch die jetzt herkömmliche
Erziehung zunächst nur Weltliches gegeben und mit oberflächlichen Wissenschaften
euer kindliches Herz vollgepfropft. [Sg.01_005,08]
So beladen mit eitlem Wissen geht ihr dann dem reiferen Alter entgegen, wie
die Raupe dem Stande, wo sie verpuppt den Winterschlaf und die bessere
Entwicklung zu einem von ihr ganz verschiedenen Wesen antritt. [Sg.01_005,09]
Und ihr, was geschieht denn mit euch? Sehet, auch ihr geht so dem
Frühlingsstande eures Lebens entgegen. Eingesponnen und eingewickelt in
lauter konventionelle Verhaltungs-Maßregeln und Begriffe, glaubet ihr dem
eigenen Berufe ganz zu entsprechen, haltet nur die Gesetze für wichtig, welche
der Staat oder die übliche Sitte euch auferlegen, und käme kein anderer
mächtigerer Wecker, ihr würdet ebenfalls, wie die Puppe des Schmetterlings
oder die Larve eines fliegenden Insektes, euer ganzes Leben das bleiben, zu
was euch die Schul- und häusliche Erziehung gemacht hat! [Sg.01_005,10]
Aber wie beim Schmetterling in seiner Puppe sich schon das Bild zu seiner
künftigen Existenz formt und sein Leib schon vorbereitet ist, nicht wie
früher schwer dem Boden entlangzukriechen, sondern von zwei leichten Flügelpaaren
durch die Lüfte getragen zu werden – so ist auch trotz aller verkehrten
Erziehung in euch Menschen ein höherer geistiger Mensch eingeschlossen, der
nur verdeckt, aber nicht vernichtet worden ist, und bei dem es, wie bei der
Puppe des Schmetterlings, nur eines Anstoßes bedarf, um die Larve zu
zersprengen, damit ihm die Flügel auswachsen können und er als freies
luftiges Wesen, im wärmenden Sonnenstrahle seine Flügel leicht ausbreitend,
sich eines höheren geistigen Lebens freuen könne, und mit seinen neuen, statt
früher Freßwerkzeugen jetzt Saugorganen, von den mit ihm gleich stehenden Gliedern
des Pflanzenreiches, den mit Farben bekleideten Blumen, seine Lichtkost zur
weiteren Erhaltung seines Ichs saugen zu können. – [Sg.01_005,11]
So ist es mit euch, Meine lieben Kinder, ebenfalls. [Sg.01_005,12]
Sobald die reifere, ernstere Zeit eures Lebens herannaht, sende Ich die
erwärmenden Strahlen Meiner Liebe, gebe den ersten Anstoß durch verschiedene
Leiden und Unglücksfälle, um die harte weltliche Kruste der angelernten
Vorurteile zu durchbrechen, damit ihr einsehen lernt, daß in vielen Fällen
das Angelernte nicht hinreicht, euch Trost zu geben; der innere geistige
Mensch rührt sich, pocht an seinen weltlichen Panzer, will seine Flügel
ausbreiten, denn er fühlt, daß er zu einer höheren Existenz geschaffen ist
als die, zu welcher ihr ihn verdammen wollt; die Leiden von außen, das
Drängen von innen wirken zusammen, und bei manchem berstet die weltliche
Schale, welche den geistigen Menschen umgab, und frei wie ein Schmetterling,
jubelnd und dankend, schwebt er der geistig ihn erwärmenden Sonne zu, fühlt
sich in ihren Strahlen wohl, saugt nur die geistigen, ewig nie vergehenden
Lehren Meiner Liebe als feinste Blütensäfte Meiner Weisheit und wird dann,
was der Schmetterling auf der Erde, er im geistigen Himmel, er wird ein Kind
des Lichtes oder – „Mein Kind“! [Sg.01_005,13]
So fasset den Schmetterling auf, und wie er geziert mit den schönsten Farben
in zartem Staube, der seine Flügel bedeckt, sich seines Lebens freut, so
sollt auch ihr eure Seelenflügel mit dem Blütenstaube der göttlichen
Eigenschaften übersäet haben und, statt dem niedrigen Erd- und Welt-Gewühle,
Sonnenlicht-Nahrung Meiner göttlichen Liebe und Weisheit zu eurer Erhaltung
allen anderen Speisen vorziehen. [Sg.01_005,14]
Dies, Mein Kind, ist der symbolische Typus, den ein Mir zugewendetes Herz aus
dem Schmetterling und seiner Erscheinung in der Natur ziehen kann, werde auch
du, was er ist, und du wirst dich stets Meiner Gnadensonne im heiteren Geistesfluge
durch die Wunder der Schöpfung erfreuen können! [Sg.01_005,15]
Und nun gehen wir zu dem zweiten Tier über, welches dich interessiert und von
dem du seine geistige Bedeutung wissen möchtest; so höre denn: [Sg.01_005,16]
Schon im Anfange habe Ich gesagt, daß was der Schmetterling unter den
fliegenden Insekten, das ist die Schwalbe unter den Vögeln; nun denn, um das
zu beweisen, müssen wir die Gattung, welcher sie angehört, etwas näher betrachten. [Sg.01_005,17]
Sieh nun, Mein liebes Kind, wenn zwischen Tieren eine geistige Ähnlichkeit
herrscht, so muß diese so verstanden werden, daß nicht alle Bedingungen des
einen Tieres bildlich im andern genau wiederholt werden, sondern daß Ich als
Schöpfer beim einen wie beim andern Tier nur eine gleichmäßige, geregelte Vorrückung
in der Ordnung beabsichtige. [Sg.01_005,18]
Nun sieh, bei den Vögeln gibt es verschiedene Arten, ihr Unterschied besteht
entweder im Gefieder, Gesang oder Bau, gemäß der Nahrung, die sie nehmen, um
Niederes in Höheres zu verwandeln. [Sg.01_005,19]
Nun, unter dieser Gattung gibt es Tiere, die aus gröberen Elementen ihre
Nahrung ziehen oder die Pflanzen- und Körnerfressende sind, und endlich noch
eine andere Gattung, die von fliegenden Insekten lebt, welche Insekten selbst
wieder in ihrer Gattung die ausgebildetsten in geistiger Hinsicht,
„Sonnenlicht-Sammler“ sind. [Sg.01_005,20]
Nun, diese letztgenannte Nahrung ist eben den Schwalben, den Vögeln, die dir
so sympathisch sind, angewiesen, und eben in dieser Beziehung gleichen die
Schwalben den Schmetterlingen, weil auch sie nur die feinste Kost verzehren,
damit dann aus ihnen die nächste Stufe, die schon mit edlerem Gesang begabte
Vogelgattung hervorgehe. In ihrem (der Schwalbe) Organismus sammelt sich
schon all das Geistige, was – obwohl beinahe stumm oder doch nur im einfachen
Gezwitscher ausgeprägt bei ihnen – erst in den andern höher gestellten
Gattungen lauter jubelnde Stimmen, ein Dankeslied für Mich wird! [Sg.01_005,21]
Und so sind die Schwalben diejenigen Tiere, welche von Sonnenkost genährt,
sich auch mit dem Menschen, der ja auch der geistigen Sonne näher steht,
stets befreunden. [Sg.01_005,22]
Sie, die Schwalben, wählen sich zum Nestbau menschliche Wohnungen, durch ihre
Nahrung befreien sie euch von vielen anderen Plagen, und wenngleich der
Mensch gegen viele andere ihrer Gattung grausam ist und sie tötet, teils um
seinem verwöhnten Gaumen einen Leckerbissen zu bereiten, teils aus Langeweile
und Mordsucht sie vertilgend, so ist er doch gegen diese Gattung von Vögeln
mehr tolerant. Es ist eine gewisse Scheu, welche ihn abhält, diese Tiere von
seiner Behausung zu verjagen, welche so vertrauensvoll sich ihm genähert
haben, und er tut nicht unrecht daran; denn solange Schwalben unter seinem
Dache nisten und um dasselbe herumflattern, so lange ist es ein Zeichen, daß
eine gesunde Luft es umgibt, wo auch die fliegenden Insekten, die ihnen zur
Nahrung bestimmt sind, sich aufhalten können. Mangeln aber einmal die einen
oder die andern, dann mag der Mensch überzeugt sein, daß bald Krankheit und
Tod in sein Haus und in sein Land einziehen werden; ebenso wenn Blumen und
die von ihren Säften lebenden Schmetterlinge mangeln. [Sg.01_005,23]
Wo beides fehlt, da ist Mein Segen ferne, und leider wird dort über ein
unverbesserliches Volk die Zuchtrute geschwungen, nachdem Meine Liebes- und
Gnadenworte nur taube Ohren fanden. [Sg.01_005,24]
Also auch ihr alle, Meine Kinder, seid tätig in Meiner Schule, daß Ich nicht gezwungen
werde, Meine Friedensboten auf eurer Erde von euren Wohnungen zurückzuziehen;
denn dann hilft das Hilfeflehen nichts mehr, und ihr müsset euch herberen
Heilmitteln unterziehen, welche Ich, aber wohlgemerkt nur im allerletzten
Falle, anzuwenden genötigt sein würde. [Sg.01_005,25]
Jetzt, Meine liebe Tochter, hast du ungefähr einen schwachen Begriff, wie
man, wenn man geistig forscht, Meine Natur und ihre einzelnen Glieder betrachten
und auffassen soll. [Sg.01_005,26]
Daß aber noch vieles und Merkwürdiges über diese beiden Tierchen zu sagen
wäre, kannst du dir denken; denn sie sind Geschöpfe eines Gottes; und
deswegen ist ihre Bedeutung ebenfalls unendlich! Amen. 6. Kapitel – Vergißmeinnicht und Klapperschlange. 23. November 1870 [Sg.01_006,01]
Meine lieben Kinder! Oft kommt es euch vor in eurem Leben, daß ihr ganz
verschiedene Gegenstände miteinander zusammenbringt, die nicht im mindesten
eine Verbindung unter sich zu haben scheinen, und es entsteigt dann eurem
Herzen die Frage: „Diese kuriosen Dinge, die mir eben jetzt eingefallen,
möchte doch wissen, so fremdartig eines dem andern ist, ob nicht doch eine
geistige Verbindung zwischen ihnen obwaltet, weil eben diese Gegenstände ohne
meinen Willen sich so zufällig in meinem Kopfe begegneten?“ [Sg.01_006,02]
Auf diese vorausgeschickte Bemerkung kann Ich nur antworten, daß es manchmal
auch in Träumen geschieht, daß nie geahnte Gegenstände sich vor eurer Seele
im Gehirn abspiegeln und wie in einem Kaleidoskop die bizarrsten Dinge in
sich vereinen. Es liegt in dieser euch nicht bekannten Verwandtschaft von
Dingen, die nach der Außenseite betrachtet, wohl keinen Rapport (Beziehung)
miteinander haben, in geistiger Hinsicht und in geistiger Auslegung aber gar
vieles, worin sie sich näherstehen, als ihr gerade wegen ihrer äußerlichen
Verschiedenheit ahnet. – [Sg.01_006,03]
Schon letzthin wies Ich euch das enge geistige Verhältnis nach, welches
zwischen einem Schmetterling und einer Schwalbe besteht. Hier liegen zwei
andere Dinge vor, die gemäß dem gewöhnlichen Menschenverstande nicht im mindesten
verwandt erscheinen, denn ein Blümchen und eine Schlange sind gewiß nicht
Gegenstände, die eine geistige Verwandtschaft ahnen lassen; so wie ihr zu
denken gewohnt seid, gewiß nicht! [Sg.01_006,04]
Aber wie Ich die Sache ansehe, so muß Ich euch gestehen, daß ihr wohl kein
besseres Verhältnis hättet finden können als das zwischen der Blume und der
in Frage gestellten Schlange. – Wie ist es doch möglich? werdet ihr fragen,
und Ich antworte, nur eine kleine Geduld, es wird sich alles auf ganz
natürlichem Wege beweisen lassen. [Sg.01_006,05]
Die erstere und jüngere Fragestellerin fragte: Was bedeutet das Blümlein
„Vergißmeinnicht“? Nun, die Antwort ist leicht gegeben. [Sg.01_006,06]
Es bedeutet, daß der oder die, welche das Blümchen einer geehrten oder
geliebten Person gibt, ihr damit sagen will, daß diese Person die Geberin des
Blümchens nicht vergessen solle, damit nicht mit dem Entfernen auch das
Vergessen eintreten möchte. [Sg.01_006,07]
Gut, jetzt gehen wir etwas weiter und fragen erstens: Dieses Blümchen,
welches ihr Deutsche mit solchem Namen belegt habt, ist es denn ein eigentlicher
Zug der Blume oder sonst etwas, warum gerade diese Blume in der sogenannten
Blumensprache dieses stete Erinnern bedeuten solle? [Sg.01_006,08]
So muß Ich antworten, daß nur ihr Deutsche diesem Blümchen diesen Namen
gegeben habt, und viele andere Nationen in ihrer Sprache dieses Blümchen
entweder gar nicht kennen oder es mit ganz verschiedenen Namen benennen. – [Sg.01_006,09]
Das, was ihr „Blumensprache“ nennt, und so manche ihrer Bedeutungen kennt,
was diese oder jene Blume bedeuten oder ausdrücken solle, ist eine Sprache
aus den Vorzeiten des alten Asien und hat einen tiefen und geistigen Ursprung,
aber der Schlüssel zur Erklärung dieser Beziehungen ist längst für euch verlorengegangen,
und ihr kennt höchstens nur die Beziehungen, aber das „Warum“ bleibt euch
unentziffert. [Sg.01_006,10]
Auch dieser Name „Vergiß-mein-nicht“ stammt aus einer solchen
Entsprechungssprache. [Sg.01_006,11]
Wir wollen also sehen, wie denn so ganz eigentlich auf geistige Weise diese
Worte, als Blume ausgedrückt, sie treffend bezeichnen. [Sg.01_006,12]
Sehet also: Dieses Blümchen, welches weder durch Geruch noch durch andere
auffallende Schönheit sich auszeichnet, nur am Ufer frischer, klarer,
rieselnder Bächlein wächst, ist geistig genommen das Ergebnis der
Einwirkungen von Naturkräften, die im stillen unter schattigen Gesträuchen
und Bäumen und hochwallenden Gräsern ein Blümlein aufbauen, das gleichsam
seine Wurzeln in stets bewegtem Wasser hat und auch fern von den brennenden
Sonnenstrahlen unter kühlen Lüften und wassergeschwängerten Düften seine
blauen Blättchen entfaltet, sie mit den Himmelsfarben bekleidet und so,
bescheiden ohne Prunk und Glanz, seine Bestimmung, die es unter den Pflanzen
hat, getreu erfüllt. [Sg.01_006,13]
Das Geistige also, oder die geistige Tendenz und Eigenschaft dieser Blume ist
– die Demut, Bescheidenheit und Einfachheit in Sitten und Gedanken ausgedrückt. [Sg.01_006,14]
Manch gemütvoller Mensch, der am einsamen Ufer eines kleinen rieselnden
Bächleins wandelnd, mit einer ihm geistig verwandten Seele die Natur, ihr
stilles Wirken und ihre sanften Reize bewunderte, fühlte sich hingezogen, der
andern Seele diese göttlich reinen Stunden, genossen am ewig gleichen Busen
der Natur, dadurch zu verewigen, daß er eben, unbewußt warum, gerade diese
Blume zum Ausdruck seiner Gefühle wählte, um in der Brust des Empfängers die
Erinnerung stets wach zu erhalten an Stunden des reinsten Genusses, indem er
damit sagen wollte: [Sg.01_006,15]
„Vergiß-mein-nicht! wenn im Gewühle der Welt andere Verhältnisse dir diese
sanft genossenen Stunden zu verwischen trachten, bleibe einfach, demütig und
bescheiden wie dieses Blümchen; suche nie den Glanz der Weltsonne auf, darin
zu prangen und zu glänzen, sondern wie dieses Blümchen nur den Schatten, das
heißt, zurückgezogen von allem großen Lärm auf anderen blumenreichen Wiesen,
von tausend und abertausend Honigsaugern umschwärmt, so bleibe auch du fern
davon im Schatten deines eigenen Ichs; suche diese Ruhe und Einfachheit dir
zu erhalten, die wie dem Blümchen die notwendige Lebensluft, so auch dir der
einzige innere Lebens-Preis werden solle! [Sg.01_006,16]
Vergiß-mein-nicht in schweren Stunden, es ist der Freund oder die Freundin,
die an deinem Schicksal Anteil nimmt!“ [Sg.01_006,17]
So ist dieses Blümchen als Typus der Bescheidenheit, der sanften Erinnerung
tieffühlender Herzen geblieben; und wie die reine Luft am rieselnden Quell
das Blümchen erhält und erfrischt, so soll auch dieser Freundesruf dem wandernden
Pilgermenschen auf seiner Lebensbahn ebenfalls wie dieses Blümlein ähnliche
Gefühle erwecken, ihn zurückführen an den ewig gleich klaren rieselnden
Urquell seines inneren Lebenswassers, um dort seine eigene Nahrung zu suchen,
die ihm dann auch alles andere ersetzen wird. [Sg.01_006,18]
Hier habt ihr die eigentliche geistige, mit eurer künftigen Bestimmung eng
zusammenhängende Entsprechung eines schlichten Blümchens, des Vergißmeinnicht! [Sg.01_006,19]
Nun wollen wir zur Klapperschlange uns wenden, und wollen sehen, was dieses
Tier uns für Lehren und Entsprechungen gibt, die Ich in ihr Wesen gelegt und
die nur der geistig wiedergeborene Mensch aus ihr ohne Meine Hilfe
herauslesen könnte! Nun, so höret denn! Wie das Blümchen unter schattigen
Bäumen im stillen blüht und wächst, so hält sich diese Schlange, wie die
meisten anderen ihrer Gattung, ebenfalls am liebsten an einsamen stillen
Orten auf. Was die Blume dort unschuldig bezeichnet, das bezeichnet hier
dieses todbringende und kriechende, schleichende Wesen, nur auf eine andere
Art! [Sg.01_006,20]
Dort zieht es den Menschen in die schattigen Haine, und hier warnt es ihn
vorm Dickicht. Dort blüht ein Blümchen, ohne Scheu kann es der Kenner
pflücken und, dessen Namen gemäß, an Freunde zum Andenken geben. Hier lauert
der Tod zwischen üppiger Natur, und wenn dort das Blümlein ihm zurief, seine
jetzigen Gefühle gehörig auszudrücken: „vergißmeinnicht“! – so muß aber hier
die Natur und Vorsicht ihm zurufen: „Vergiß mein nicht, du, o Mensch, daß ich
dort vielleicht lauernd verberge den Tod, wo sonst nur Friede sein sollte!“ [Sg.01_006,21]
Der Klapperschlange wurde eine Reihe beweglicher Schuppen am Rücken gegeben,
wodurch sie einen eigentümlichen Lärm machen kann, der dem Klappern oder
Aneinanderschlagen von metallenen Schalen ähnlich ist. Diese Vorrichtung gebraucht
dieses Tier meist, wenn es, auf Nahrung ausgehend, seine Beute dann vor sich
sieht. [Sg.01_006,22]
Durch dieses Geräusch, welches eine Art von magnetischem Einfluß auf ihre
Opfer ausübt, betäubt sie ihre Beute, wenn diese einmal in ihren Bereich
getreten ist, daß sie von dort nicht mehr fliehen kann. Und je mehr sich dann
die Mord- und Freßlust in der Schlange steigert, desto mehr entwickelt sie
ihren seelischmagnetischen Einfluß auf ihr Opfer, bis sie es ergreift, mit
ihrem Geifer überzieht und zermalmt, nachdem sie es durch einen giftigen Biß
des Lebens beraubte, und sodann nach und nach in ihren Rachen hinunterwürgt. [Sg.01_006,23]
Seht, welch geistiges Entsprechungsbild ist uns in der Schlange gegeben, für
den, welcher des Freundes Ruf nicht hörend, und unter dem Getümmel und
Geklapper der verführerischen Welt, sich in seinem Taumel hinreißen läßt, bis
er, ganz unfähig, sich loszumachen, durch den giftigen Biß des Lasters
geistig getötet, nach und nach in die Welt und seine Seele in seinem Fleische
untergeht! [Sg.01_006,24]
Auch ihm hätte man zurufen sollen: „Vergiß mein nicht im wilden Lärm der
Welt; im schattigen Hain, im Grün des Waldes, am Rande eines klaren Bächleins
blühte eine schlichte Blume – und lauerte auch der Verrat! Du warst nicht
vorsichtig genug, vertrautest deiner Stärke, achtetest am Ende nicht des
Freundes Ruf, und statt dem edleren, zarten und schöneren Bilde der stillen
Natur nachzugehen, vergaßest du der Schlange der Verführung, die wohl auch
unter der blühenden Decke des weltlichen Lebens den giftigen Schlangenbiß
verbirgt, bis dann der rechte Moment gekommen, wo, statt daß der Freund dir
sagen sollte: du vergaßest mein sanftes Mahnen, so daß du der Schlange
vergessen hast, die jetzt dich gänzlich umstrickt in den geistigen Tod zieht. [Sg.01_006,25]
So hat, wie Ich es vor kurzem sagte, jedes Ding zwei Seiten, die Licht-
sowohl als die Schattenseite. [Sg.01_006,26]
Nur der Geweckte kann unterscheiden und wittert die Gefahr, wenn sie auch mit
Blumen verdeckt ist. [Sg.01_006,27]
Auch Ich, Meine lieben Kinder, rufe euch zu: [Sg.01_006,28]
„Vergesset nicht die Bescheidenheit des Blümchens und seine Bedeutung! Und vergesset
nicht, daß oft auch unter Rosenhecken die Schlange der Verführung lauert! [Sg.01_006,29]
Vergesset aber ewig auch Meiner nicht! der Ich euch stets führen will, daß
ihr die Gefahr, so versteckt sie auch sei, doch ahnen möget! Und so gedenket
dieser beiden Bilder, das eine das Bild der Sanftmut und Bescheidenheit, das
andere als geistiges Warnungszeichen eben dort, wo man den Feind nicht
glaubt, und beide rufen euch zu: „Vergesset Meiner nicht!“ oder mit
evangelischen Worten gesagt: „Seid listig wie die Schlangen, aber arglos wie
die Tauben!“ Amen. 7. Kapitel – Tai-fun oder eine Riesenwasserhose im Stillen Ozean. 19. Februar 1871 [Sg.01_007,01]
Dein Bruder hat dich gebeten um eine geistige Erklärung des Sturmes, dem sein
Freund im Stillen Ozean beinahe zum Opfer gefallen wäre. [Sg.01_007,02]
Ich sehe das Bestreben deines Bruders wohl, wie er diesen Freund in den
Bereich eurer Glaubens- und Lebenslehre ziehen möchte. [Sg.01_007,03]
Der Wunsch ist aller Ehren wert, und auch für Mich wäre es angenehm, wenn er
erfüllt würde; aber die Verwirklichung ist nicht so leicht, wie dein Bruder
glaubt. [Sg.01_007,04]
Schon vielmals habe Ich euch gesagt, daß Menschen, die von der Not oder
andern traurigen Verhältnissen nicht geplagt und nicht gemahnt werden, den
weltlichen Freuden und Interessen den Rücken zu wenden, schwer für Mein Reich
zu gewinnen sind. Sie sind entwöhnt, ein Kreuz auf ihren Schultern zu tragen,
und wenn es auch noch so leicht wäre. [Sg.01_007,05]
Die Mahnungen, welche Ich ihnen manchmal zukommen lasse durch Gefahren und Unglücksfälle,
denen sie jedoch stets glücklich entkommen, weil es so Mein Wille ist, haben
auf sie nur momentanen Einfluß und deren Eindrücke sind, wie die Leiden im
Krankenbett nach Herstellung der Gesundheit, sogleich vergessen. [Sg.01_007,06]
So ist es auch mit dem Freunde deines Bruders: Dieser Freund, wohl mit einem
edlen Herzen, wie ihr zu sagen pflegt, und mit kosmopolitischen (weltbürgerlichen)
Ansichten ausgerüstet, hat ebenfalls so manches erlebt, wobei ihm die andere
Welt oder der Übergang in dieselbe sehr nahe gestanden ist; er hat auch in
jenen Augenblicken, gedrungen durch die Umstände, an Mich gedacht; aber, die
Gefahr vorbei – und Ich wurde wieder beiseite gesetzt, wie es die Chinesen
(wo er jetzt war) mit ihren Hausgöttern machen, denen sie nur dann den Ehrenplatz
im Hause einräumen, wenn sie die Hilfe eines solchen Gottes brauchen; ist das
erreicht, was man wollte, so wird der Gott wieder abgesetzt, in eine finstere
Kammer verschlossen und kann dort warten, bis eine andere schwierige
Angelegenheit ihn aus seinem Versteck hervorruft. Dein Bruder möchte diesen
Freund für Mich gewinnen, so urteilt er, aber ob sein Freund sich gewinnen
lassen will, das ist eine andere Sache! [Sg.01_007,07]
Dein Bruder fragt um die geistige Erklärung eines „Tai-fun“ oder
„Zyklonen-Wirbelwindes“ oder einer „Riesenwasserhose“, wie ihr es heißet, was
es in bezug auf seinen Freund geistig hätte bedeuten sollen. [Sg.01_007,08]
Nun, das ist mit zwei Worten sogleich erledigt: Geistig will dieser Sturm
zeigen: der Menschen Ohn- und Meine Allmacht; hier habt ihr seine geistige
Erklärung und Bedeutung. [Sg.01_007,09]
Was deines Bruders Freund aber persönlich angeht, so ist dieser Sturm, wie
auch so manches, was dieser Freund erlebte, nur ein geistiger Fingerzeig
gewesen, daß über aller Wissenschaft und kluger Berechnung doch noch Jemand
steht, der mit einfachen Mitteln oft die größten Wirkungen hervorzubringen
versteht. [Sg.01_007,10]
Siehe, dieser Freund hat jetzt beinahe den ganzen Erdkreis umschifft, er hat
viele Länder und Menschen, andere Tiere, Gewächse und Blumen gesehen, hat
eine andere Luft als die eurige eingeatmet und dadurch auf sein Inneres
einwirken lassen; überall, wo er stand und ging, habe Ich ihn geführt und ihm
viele lehrreiche Winke gegeben von Meinem Dasein; allein er war zu
beschäftigt mit seiner Mission, als daß er die geistige Stimme in seinem
Innern hätte vernehmen können. [Sg.01_007,11]
Jetzt aber, da er wieder zu seinem häuslichen Herde zurückgekehrt, seine
Kinder und sein Weib wieder begrüßt, jetzt wird wohl mancherlei getrieben
werden, um die Zeit totzuschlagen, wie ihr zu sagen pflegt, alle erlebten
Ereignisse werden als naturgemäß angesehen und auch so erklärt werden, was im
allgemeinen noch dazu beiträgt, den Stolz eines Rückkehrenden von langer
Fahrt zu vermehren, weil er diese Gefahren überstanden hat; die geistigen
Warnungen und Winke, die in solchen Momenten liegen, werden am wenigsten
gerechnet und noch weniger verstanden. [Sg.01_007,12]
Liegt ja doch im ganzen Leben eines Menschen soviel Geistiges, das er nicht
versteht, daß dazu nicht gerade solche Momente gezählt werden müssen, wo das
Hereinragen einer andern Welt mit so großen Natur- oder andern wichtigen
Ereignissen mit dem menschlichen Leben verschmolzen ist! Wie oft mahne Ich
Meine Kinder, und wie wenig verstehen sie Meine Mahnungen und glauben, es
wäre nur Spiel des Zufalls. [Sg.01_007,13]
Dein Bruder möchte aber gern im einzelnen erfahren, was dieser Sturm im
Stillen Ozean zu bedeuten habe, wo sein Freund mit seinem Schiff tagelang in
Gefahr war, aus dem irdischen Leben hinausgeschleudert und in wenigen Tagen
nachher dem ewigen Vergessen anheimzufallen. [Sg.01_007,14]
Ich sagte es schon früher, es war nur ein Zeichen der menschlichen Ohnmacht
gegen Meine Allmacht; es war ein Fingerzeig, wie wenig die Berechnung der
Fahrt, der Kreuzung der Winde oder der Strömung des Wassers hilft, wenn Ich,
zum Beispiel, wie es dort geschah, das Steuer zerbrechen lasse. [Sg.01_007,15]
Was will das geistig sagen? Es will geistig sagen: Was hilft alles
Auf-sich-selbst-Vertrauen, wenn der Hauptfaktor, das Vertrauen zu Mir fehlt! [Sg.01_007,16]
Freilich, in der Gefahr werde Ich dann angerufen, da solle Ich helfen, aber
früher wäre Ich überflüssig gewesen; da fuhr der Mensch, stolz auf sein
bißchen Wissenschaft sich brüstend, über Abgründe und Gefahren hinweg, traute
sich alles zu, als hätte er niemand Höheren nötig und genügte sich selbst. [Sg.01_007,17]
Eben um diesen Eigendünkel etwas herabzustimmen, schicke Ich so
unvorhergesehene Naturereignisse und lasse die Menschen, ohne daß sie es
wissen, großen Naturphänomenen sich nahen, wo wieder große in bezug auf das
Wohl des Erdballs nötige Prozesse vorgehen, um die Menschen ihre Nichtigkeit
fühlen zu lassen und wenigstens doch auf Augenblicke zu zeigen, daß nicht sie
die Herren der Welt sind, sondern daß nur Ich der Herr bin! [Sg.01_007,18]
Deinem Freunde ging es ebenso, er kam einem jener großen Wirbelwinde zu nahe,
welche im Stillen Ozean einer großen Ausgeburt von Naturgeistern vorangehen,
wo diese gerade in der Mitte des Stillen Ozeans, von wo auch einst der Mond
an derselben Stelle von der Erde getrennt wurde, aus ihrer Gefangenschaft befreit,
in die leichtere bewegliche Luft übergehen, um dort ihrer weiteren Ausbildung
entgegengehen zu dürfen; dort rotten sie sich zusammen, und wo kegelförmig
die Luftsäule mit reinen Naturgeistern sich herabsenkt, um die niederen nach
und nach in ihr Reich aufzunehmen, dort erhebt sich auch kegelförmig ein
Wasserberg, geschwängert mit diesen Naturelementen. [Sg.01_007,19]
Das gierige Aufsaugen von oben und das schnelle Hindrängen von unten
verursacht eine kreisförmige Bewegung, welche sodann immer heftiger wird, je
mehr der Drang nach oben zunimmt und das Heraufsteigen von unten beschleunigt,
wie eine Windsbraut dann über die weite Meeresfläche hinzieht und alles in diesen
Wirbeltanz mit hineinzieht, was ihm auf seinem Wege begegnet. [Sg.01_007,20]
Bildlich gleicht dieses Ereignis dem Wirbeltanz des Lebens und der darin mit
fortgerissenen Menschen selbst; auch sie sind in dieses kreisförmige Treiben
von Interessen, Begierden und Wünschen hineingezogen, können zu keinem
rechten Bewußtsein kommen; ein Ereignis drängt das andere, Gegenden, Landschaften,
Länder, alles flieht an ihnen vorüber, wie die Menschen, die sie bewohnen;
alle Laster, alle Tugenden, Gebräuche und Sitten geben diesen vorübereilenden
Reisenden so ganz die Gestalt eines „Tai-fun“ oder Wirbelwindes in geistiger
Beziehung, daß nur der Kopf als geistiges Steuer noch zur Not die ganze
Beurteilungskraft aufrechterhält, damit sie nicht ganz verlorengehe. [Sg.01_007,21]
Eben das wollte Ich den Schiffenden zeigen, wenn ihr vermeintliches Steuer
gebrochen, daß sie selbst nicht mehr wissen, an was sie sich halten sollen.
Und so brach deinem Freunde und seinen Gefährten auf ihrem Schiff auch das
Steuer, und sie waren den Wellen, Winden und Meinem Willen preisgegeben, wie
sie auch ohne ihre Vernunft auf den Wellen des Lebens allen Leidenschaften
und Begierden als Beute anheimfallen müssen und nicht mehr wissen, wo ihnen
eigentlich der Kopf steht. [Sg.01_007,22]
Als ihnen das Steuer am Schiff gebrochen war, sahen sie erst ein, es gibt
doch etwas Höheres, ein höheres Wesen, zu Dem wandten sie sich, und still im
Innern flehten sie um Hilfe. Was wollte das sagen? „Wenn in deinem
berechnenden irdischen Leben dir das Steuer der Vernunft nicht mehr auslangt,
dann steige hinunter in dein Herz, dort wirst du eine Fülle von Reichtum
finden, die dich ebenfalls wieder zu dem nämlichen Gott führen wird, den du
notgedrungen mitten im Meer zwischen Wellen und Winden angerufen hast. [Sg.01_007,23]
Dort suche deinen Frieden und deinen Anhaltspunkt, wenn das Vernunftsteuer
bricht, dort wirst du erst erfahren, daß weit über alle Berechnung hinaus und
weit über alle irdischen, vergänglichen Schätze ein noch Höheres dort
verborgen liegt, das dich erst dahin führen wird, wo du den eigentlichen Wert
der Welt und deines eigenen Ichs kennenlernen wirst! – –“ [Sg.01_007,24]
Dein Bruder will nun durch solch geistige Erklärung des Sturmes im Stillen
Ozean seinen Freund dahin bringen, daß auch er jetzt, nachdem er den weltlichen
Großen Ozean glücklich durchschifft hat, den nämlichen Weg betrete im Stillen
Ozean des häuslichen Friedens und der Ruhe, der diesen Namen eher verdient,
als jene große Wasserfläche, wo zwar in der Erde im stillen große Entwicklungsprozesse
vollbracht werden, die aber für die Menschen nicht immer so still ablaufen,
wie es der diesem Meere gegebene Name andeutet. [Sg.01_007,25]
Dein Bruder möchte seinem Freunde sagen, wenn er wieder im Kreise seiner
Familie ist: „Sieh, Bruder, jetzt hast du viel in der Welt gesehen, viel erfahren,
und doch mit all diesem Gesehenen und Erlebten bist du noch nicht an der Quelle
angelangt, wo Ruhe und Frieden wohnt und der Mensch sich seiner geistigen
Existenz und seiner Mission freuen kann. [Sg.01_007,26]
Du hast während deines ganzen Aufenthalts in fremden Ländern viel für andere
und wenig für dich getan; du wirst auch dafür auf weltliche Art belohnt und
entschädigt werden; jetzt kommt die Zeit der körperlichen Ruhe, ein
Stillstand im häuslichen Leben, wo nicht mehr Neues mit Neuem wechselt,
sondern andere Verpflichtungen an dich herantreten, die du deiner Familie und
deinen Kindern schuldig bist. Sieh, jetzt, wo die Neugierde, andere Länder,
andere Völker zu sehen, befriedigt ist, jetzt, wo du, geehrt von deinen
Kameraden und geschätzt von deinem Monarchen, genug entschädigt sein wirst,
jetzt komme ich, alter Freund, und möchte auch dir einen freundlichen Rat
geben. Siehe, mich Leidenden, seit Jahren nur an eine Kammer mit vier Mauern
gebunden, höchstens fähig, mittels langsamer Bewegung einen kleinen
Spaziergang in freier Luft zu machen, siehe, mich hat der Herr der großen
Schöpfung, wovon du mehr Wunder gesehen hast, als ich je gelesen, dieser Herr
voll Gnade hat mir mein Herz aufgetan, hat mir gezeigt, wieviel Schönes und
Erhabenes dort vergraben liegt, und jetzt, wo ich durch dieses Finden Ruhe
und Trost, ja göttliche Seligkeit gefunden habe, jetzt steigt in mir der Wunsch
auf, auch dich, mein alter Freund, das nämliche genießen zu lassen, und um so
mehr, da auch du Kinder hast und gewiß sie zu Menschen nach Gottes Ebenbild
erziehen möchtest. [Sg.01_007,27]
Jetzt drängt es mich, dir diesen Weg zu öffnen, o schenke meinen Worten
Gehör, laß jetzt, wo die Außenwelt dir genug unvergeßliche Eindrücke zurückgelassen
hat, laß jetzt dir deine Goldgrube im Innern durch mich eröffnen, damit auch
du, der du in so manchen Dingen mit mir gleich denkst und fühlst, auch in diesem
reinen, heiligsten und erhabensten Punkte mit mir übereinstimmen mögest!
Dieses ist auch der Grund, warum ich in meiner Einfalt den Herrn bat, mir zu
helfen und mit Seinen Worten das auszudrücken, was meiner schwachen Zunge
nicht möglich ist. [Sg.01_007,28]
Nachdem wir nun in unserm Kreise diese hohe Gnade der direkten Mitteilung des
Herrn genießen, so nimm du, o Freund, diese Zeilen von Ihm, dem alliebenden
Vater, der, so wie Er uns alle gezogen, auch dich und die deinigen in den
Kreis der Verehrer Seines Wortes aufnehmen möchte; lasse dich von Ihm ziehen,
und du wirst sehen, daß, wohin Er dich führt, dich der Weg nicht gereuen
wird; denn wie ich und viele andere dir bezeugen können, dieser Weg führt zum
einzigen Glück, das dem Menschen zu erreichen auf dieser Welt möglich ist –
zum Glück, sich selbst und seinen Schöpfer als Vater kennenzulernen!“ – – [Sg.01_007,29]
Wenn dein Bruder so seinem rückkehrenden Freunde euer Streben und Mein
Einfließen in euch vorstellen wird, so seid überzeugt, er wird nicht ungerührt
dabei bleiben, und wenn er auch nicht gleich der eurige wird, so werde ich
schon dafür sorgen, daß von Zeit zu Zeit die Eindrücke dieses geschriebenen
Wortes wieder durch Ereignisse aufgefrischt werden, damit er Gott und seinen
h. Vater nicht ganz vergißt, den Gott, der im Schlachtengetümmel wie im
Zyklon-Wirbelwinde ihn nicht vergaß, als er dort flehend Ihn um Hilfe anrief,
die ihm auch zuteil geworden, was seine Rückkehr in bester Gesundheit
beweist. [Sg.01_007,30]
Dein Bruder gedulde sich nur etwas, vertraue auf Mich, und das Weitere wird
ihn dann lehren, inwieweit sein Vertrauen gegründet war oder nicht! Amen. 8. Kapitel – Luft, Wasser, Erde und Feuer. 25. Juni 1871 [Sg.01_008,01]
Dieses waren geraume Zeit die vier Elemente, aus denen, wie früher die Menschen
glaubten, das ganze Universum oder doch wenigstens die Erde und alle
Weltkörper beständen. [Sg.01_008,02]
Lange blieb dieser Glaube feststehend, bis die Scheidekunst, „Chemie“ bei
euch genannt, noch mehrere Elemente herausfand, die sich jeder weiteren
Zersetzung (Zerlegung) widersetzten und deren Anzahl jetzt (1871) auf etwa 70
angewachsen ist. [Sg.01_008,03]
Was die Männer der Wissenschaft als primitive Elemente ansehen und sie als
Urprinzipien darstellen, sind aber noch lange nicht die letzten Stoffe, aus
denen Meine Schöpfung zusammengesetzt ist, sondern den Forschern auf diesem
Gebiet fehlen erstens die Mittel zur weiteren Teilung der Stoffe und zweitens
die Sinne, um die geteilten Substanzen wahrnehmen zu können. [Sg.01_008,04]
Daß diese Grübler in Meinen Werken nicht weiter gelangten, als sie bis jetzt
sind, wo ihre ganze Wissenschaft am Ende dahin geht, im praktischen Leben
alle ihre Entdeckungen nur zu weltlichen Zwecken zu verwenden, geschieht deswegen,
weil es noch keinem Chemiker eingefallen ist – Mich als den ersten Scheidekünstler
anzuerkennen, zu begreifen und lieben zu lernen! [Sg.01_008,05]
Eben deswegen lasse Ich sie auch alle da, wohin sie jetzt gekommen sind, wo
sie genug Erfahrungen aus Meiner Natur gesogen haben, die wohl den Eigennutz
der Menschen, aber nicht ihre Nächstenliebe fördern halfen. [Sg.01_008,06]
Es ist auch hier nicht der Zweck, euch mit chemischen Analysen zu unterhalten
oder Neues aufzudecken; es ist des Alten genug! [Sg.01_008,07]
Was aber die Herren der Wissenschaft nicht erkennen wollen, ist, daß, obwohl
sie in der Chemie gerade den strengsten Gesetzen begegnen, sie doch keinen
Gesetzgeber anerkennen wollen, wenngleich sie bei jedem Schritt auf Seine
Spur stoßen; wären sie vorurteilsfrei, könnten sie Denselben gewiß nicht
verleugnen. [Sg.01_008,08]
Wir wollen aber jetzt zu unseren erstgenannten „vier Elementen“ zurückkehren
und sehen, was dort für eine Beziehung in geistiger Hinsicht mit Meiner
Schöpfung und mit Mir Selbst besteht, die euch vielleicht lehrreicher sein
kann als alle Regeln der Scheidekunst nebst ihren Tausenden von Namen aus
allen schon längst außer Brauch gekommenen Sprachen. [Sg.01_008,09]
Seht, Meine Kinder, wenn ihr diese vier Elemente genau und aufmerksam
betrachtet, als Luft, Wasser, Erde und Feuer, so sollte euch vorerst auffallen,
daß die Luft das zarteste, leicht beweglichste Element, das Wasser schon
dichter – euren Augen zwar schon als Körper, wenngleich noch im flüssigen
Zustande bemerkbar, die Erde ein Konglomerat (Gemengsel) von lauter festen
Gegenständen, wie Steine, Sand und verfaulte und zersetzte Überreste der auf
ihr bestehenden Tier- und Pflanzenwelt, und endlich das Feuer das alles
zerstörende und wieder in andere Formen organisierende Element ist. [Sg.01_008,10]
Nun sehet, die Luft ist geistig gleichbedeutend mit Meinen Schöpfer-Gedanken,
wo noch alles, ohne Selbständigkeit gewonnen zu haben, beisammen ruht, nur
des ersten Winkes zur weiteren Entwicklung harrend; das Wasser, als verdichtete
Luft, ist geistig: kondensierte Gedanken zu Ideen, welche dann ausgeführt
stetige Größen geistig, wie die Erde, bilden; und wo in ihnen endlich als ein
zersetzendes Prinzip zu ewiger Erneuerung antreibend, die Liebe dem Feuer
gleichend auftritt, welche, stets neu schaffend, das Abgenutzte in neuen Formen
wieder herstellt. [Sg.01_008,11]
Nun, wie diese vier Elemente eure ganze Erdkugel, das in ihr Bestehende
sowohl, als das sie Umgebende ausdrückt, ebenso stellen auch diese Eigenschaften,
als: Gedanke, Idee, Tat und erhaltende und umgestaltende Liebe, Mein Ich als
schaffender Gott vor. [Sg.01_008,12]
Denn auch Ich schaffe vorerst Meine Gedanken, forme sie dann zu Ideen, gebe
diesen Ideen den Impuls, in die Wirklichkeit zu treten, sich zu gestalten,
und wenn die so dargestellten Dinge ihre Lebensbahn durchgemacht, das
Geistige in ihnen sie höheren Stufen zugeführt hat, so tritt Meine Liebe
hinzu als verzehrendes, zersetzendes Element, als Feuer, und befähigt durch
Verbrennung das übriggebliebene Gröbere zu neuer Tätigkeit in anderen Formen,
so zwar, daß was einmal geschaffen, nie mehr vergehen kann. [Sg.01_008,13]
In der euren Erdball umgebenden Luft liegen alle Stoffe in aufgelöstem
Zustand, welche zum Bestand der Erde, ihrer Atmosphäre, ihres Gedeihens,
sowohl der grobmateriellen Teile als der auf ihr lebenden Pflanzen- und
Tierwelt gehören. [Sg.01_008,14]
Sie liegen dort als Embryonen verschlossen wie die ersten Urkeime zur
weiteren Ausbildung. [Sg.01_008,15]
Der Einfluß des Äthers auf die Atmosphäre, der Einfluß des Sonnenlichtes
sowie deren Wärmestrahlen und der Einfluß aller fern und nahe stehenden
größeren Weltkörper und Sonnen tragen dazu bei, die noch im Kindesschlummer
ruhenden Elemente zu wecken, zu entwickeln und sie zu ihrer weiteren
Bestimmung vorzubereiten, wo sie, beim flüchtig-beweglichen Wasser anfangend,
dann zum Starren übergehend, wieder ins lebendige Geistige verwandelt, durch
das Verzehren mittels erhöhter Wärme ihrer Fesseln entbunden, als primitive
Elemente auftreten, um von dort einen neuen Kreislauf von Schöpfungen
anzufangen. [Sg.01_008,16]
So ist das Wasser eigentlich die Mutter oder Ausgebärerin gewesen aller jetzt
als Festland bestehenden Weltteile. So war und ist noch im Meer, als großem
Behälter alles zu Erzeugenden, alles in aufgelöstem Zustande vorhanden, was
dann durch Ausdünstung, Niederschlag, unterirdische Verbrennung usw. wieder
der Atmosphäre zurückgegeben wird, um wieder neue Verbindungen anzutreten,
nachdem vorher aus allen diesen Elementen das Geistige sich auf höhere Stufen
geschwungen und nur das Gröbere, Schwerauflösliche, als materielle Bestandteile
zurückgeblieben ist. [Sg.01_008,17]
So sehet ihr vom härtesten Stein der Grundfesten der Erde bis zum weichsten
Lehm eine Reihe von stufenartiger Entwicklungen der in der Luft, gleich den
Gedanken, gelegenen Urelemente, im Wasser als verdichteter Luft, gleich den
kondensierten Gedanken zu Ideen; in der Erde als materielle Bestandteile
derselben ausgebildet, gleich der Tat; und endlich in der steten Veränderung,
Zersetzung, Verbrennung des Daseienden die ewige Wirkung der stets
neuschaffenden Liebe, wo aus Altem Neues erbaut und zum großen
Entwicklungsprozeß angetrieben wird, und zwar so lange fort, bis auch das
letzte Materielle geistig geworden ist. [Sg.01_008,18]
Was ihr also in den vier Elementen bildlich vor euren Augen seht, das ist der
geistige Rundgang all Meiner Schöpfungsgedanken, es ist der Weg alles
Geschaffenen, es ist auch euer Weg! [Sg.01_008,19]
Denn auch in euch selbst, nämlich im geistigen Seelenmenschen, entwickeln
sich vorerst die Gedanken; ohne gewisse oder bestimmte Tendenzen schweben sie
im Gehirn, im Herzen, und warten des Anstoßes, sich zu etwas Gediegenem zu
vereinen; sie sind wie die Luft, leicht beweglich und schnell ihre Form ändernd. [Sg.01_008,20]
Sobald ihr dann einem Gedanken mehr nachhängt, sammeln sich um ihn seine
nötigen Mithelfer, erzeugen und scheiden aus, was gleich dem Prozesse des
Wassers ist – so die Ideen-Verbindung in der menschlichen Seele: die Ideen
verwirklichen sich zur Tat, zu fest ausgeprägter Tat, gleich dem aus dem
Wasser entstandenen Festland, welche Taten-Gesamtheit eigentlich den
Geistesmenschen zu dem stempelt, was er in Meinem Reiche einst sein wird. [Sg.01_008,21]
Nachdem aber die Tat als Produkt der Gedanken und Ideen ebenfalls auf andere
einwirkt, so wird auch sie durch die geistige Zersetzung der Liebe in ihre
ersten Uranfangstriebe entweder zur göttlichen, erhabenen oder zur bösen,
niedrigen gemacht, wo sodann ihre Folgen auf ihren eigenen Urheber
zurückfallen müssen; denn es gilt im Geistigen nicht die Vollziehung einer
Tat, sondern das: unter welchen Beweggründen sie gedacht und zur Ausführung
gebracht wurde. [Sg.01_008,22]
Daher soll sich auch ein jeder Mensch vorher wohl besinnen, ehe er sich zur
Tat entschließt, daß diese ja auf reinstem moralischem Grunde gebaut und
ausgeboren ist, damit sie für ihn nie üble Folgen auf sein Bewußtsein haben
kann, damit am Ende seines reinen Willens wegen, das Beste zu tun, die üblen
Folgen, herbeigeführt durch Mißbrauch oder Mißverständnis, nicht auf ihn als
Urheber, sondern auf den diese Tat zum eigenen Vorteil ausbeutenden Verwender
fallen möge. [Sg.01_008,23]
Ihr seht hier den geistigen Weg einer Tat, sie wie Luft, Wasser, Erde und
Feuer den nämlichen Weg gehen, den Meine Schöpfungsgedanken, den die Materie
und endlich auch Meine Geister sowie ihr als Geistesmenschen durchlaufen
müssen. [Sg.01_008,24]
Denn das geistige Kleid im Jenseits ist der Ausdruck der Gesamtheit der
Gedanken, geformt zu Ideen, ausgebildet zur Tat und vergeistigt durch die
Liebe. [Sg.01_008,25]
So, Meine Kinder, wie die Luft der Träger alles künftigen Körperlichen, das
Wasser die Gebärerin des festeren, solideren Ganzen ist, so sollen auch eure
Gedanken, Ideen und Taten nur aus reinster göttlicher Quelle fließen, um
einst durch die Liebe geläutert, vergeistigt, euch als Krone zu dienen,
welche ihr als Produkt des irdischen Lebens mit ins andere Leben hinüber
nehmt. Wie die Luft, als leicht beweglich, auch Stürme und Verwüstungen
bringt, so auch die Flut der Gedanken, wenn diese nicht vorher reiflich
überlegt, einer den andern überwältigen will; und wie die starken Bewegungen
der Luft auch auf dem Meere große Wogen hervorrufen, so zeigt auch diese
bildliche Folge in der Natur, daß auch stürmisch bewegte Gedanken nur
aufgeregte Ideen hervorrufen, die selten etwas Gutes zur Folge haben. [Sg.01_008,26]
Und wie endlich die Erde oft in ihren Eingeweiden durch heftige Erdbeben und
vulkanische Ausbrüche erzittert, die teilweise Zerstörung und Verwüstung
bringen, ebenso die unüberlegte Tat, als Produkt eines wirren
Gedankenschwarmes und stürmischer Ideen, welche als unausgegorene Tat nie Segen
verbreiten wird und seinem Urheber nur Reue hinterläßt. [Sg.01_008,27]
Trachtet daher auch ihr, wie die vier Elemente, daß auch ihr euren Zweck so
erfüllt wie Luft, Wasser, Erde und Feuer, das heißt, daß bei euch nur reine
Gedanken geduldet werden, welche einem Menschen, als Meinem Ebenbild, stets
würdig sind, daß eure Ideen stets menschenfreundlich, wie das Wasser, gern an
andere abgeben, was denselben zum Besten gereichen kann, und sie dann als
Taten das nämliche Produkt haben wie die feste Erdrinde, welche ausgeboren
aus dem Wasser und dieses aus seiner erzeugenden Schwester, der Luft, dann
dasteht, geziert mit allen Schönheiten, die eine liebende Hand eines
Schöpfers hineinlegen konnte; damit auch eure Taten die zersetzende Liebe
nicht zu scheuen haben, sondern wie die Erde beim Erzittern durch vulkanische
Ausbrüche als Endresultat nur ihre eigene Tätigkeit erhöht, und das Gute euch
als lohnendes Bewußtsein und das Schlechte den falschen Auslegern
anheimfällt. [Sg.01_008,28]
So folget Mir, folget in ihren Prinzipien euren vier Elementen und euer
Geistesmensch wird einst ebenso im ganzen Maße das sein können, zu dem Ich
ihn geschaffen habe, wenn er, gleich der Erde, seine Stürme und Revolutionen
glücklich überstanden hat, die zu seinem geistigen Fortbestande ebenso
notwendig waren wie jene großen Umwälzungen, die euer Erdball durchmachen
mußte, ehe er das wurde, was er jetzt ist, das heißt: ein paradiesischer
Garten, für Meine Kinder! Amen. 7. Juli 1871 [Sg.01_009,01]
Der Sohn deines Bruders hat dich gebeten um ein Wort in bezug auf den
Vergleich, welchen Ich in der Geistigen Sonne mit einem Apfel machte. [Sg.01_009,02]
Aber das liebe Kind hat also den eigentlichen Sinn dieser Rede nicht
verstanden. Ich führte den Apfel als Beispiel an, daß überall in allen
Produkten und Formen ein noch tieferes geistiges Etwas verborgen liegt, es
muß nicht gerade ein Apfel sein, sondern jeder Gegenstand in seinem Naturzustande
hat eine geistige Bedeutung, das heißt eine geistige, korrespondierende
Ähnlichkeit mit etwas aus dem Geister-Himmel und seinen ätherischen Produkten. [Sg.01_009,03]
Da aber dieses Kind doch speziell etwas vom Apfel wissen möchte, so will Ich
ihn denn auf manche Eigenheiten dieser Frucht aufmerksam machen, was ihre
Form und ihr Inhalt geistig – und noch tiefer himmlisch ausdrückt. [Sg.01_009,04]
Ehe wir aber zum Apfel selbst übergehen, wollen wir zuerst seine Entstehung
aus der Blüte leicht berühren und dann zu dieser Frucht selbst übergehen. [Sg.01_009,05]
Nun, so höre denn, Mein liebes Kind: [Sg.01_009,06]
Du wirst dich erinnern, daß Ich in einem andern Wort an eine liebe Tochter
gesagt habe: „die Blume sei der Brautstand“. So ist es auch die Blüte eines
Baumes, auch sie ist die vorletzte Stufe seiner eigentlichen Bestimmung als
Baum, denn die letzte ist die Frucht selbst. [Sg.01_009,07]
Und wenn du eine Blüte genau ansiehst, so wirst du bemerken, daß sie außer
den weißen Blütenblättern auch noch Staubfäden und in der Mitte derselben den
eigentlichen Zeugungsapparat hat. [Sg.01_009,08]
Sobald nun die Blüte der Vollreife entgegengeht und als Blüte in ihr letztes
Stadium tritt, wo die Staubfäden als Befruchter anfangen, sich mit dem feinsten
Saft des Baumes zu füllen und dieser Saft dann durch das Sonnenlicht vergeistigt
wird, so nähert sich der Moment, wo sodann diese Staubfäden sich einwärtsbiegen
in den Mutterkelch der Blüte, dort diese Feuchtigkeit entladen und sodann den
Mutterkelch zur Schließung zwingen. [Sg.01_009,09]
Die Blätter der Blüten, ebenso die leeren Staubfäden fallen ab, der untere
Teil der Blüte schließt sich zu, und ein aus dem Innern aufsteigender Saft
fängt dann an, diese zugeschlossene Kapsel nach und nach aufzutreiben und so
die Frucht oder den Apfel zu bilden. [Sg.01_009,10]
Dort, wo die Einimpfung durch die Staubfäden vor sich ging, bildet sich
vorerst der Hauptteil der Frucht, es sind die Kerne, und um sie ganz auszubilden,
ziehen fortwährend Säfte aus dem Innern des Baumes heran, umlagern die Kerne,
um sie vor den Einflüssen der Witterung zu schützen, teils aber auch, um
ihnen durch die in ihren Zellen aufgespeicherte Feuchtigkeit Nahrung zukommen
zu lassen, bis sie sich selbst entwickelt, ihren inneren sowohl als ihren
äußeren Teil ausgebaut haben. [Sg.01_009,11]
Die Tausende und Tausende von Zellen, die den Kern umgeben, sind also die,
welche stets mehr und mehr angefüllt und in Größe getrieben werden und so die
Krone des Apfels bilden, der auch gerade dem Mutterkelch entgegengesetzt, am
Ende noch die Einbiegung zeigt, wo die Befruchtung vor sich ging. [Sg.01_009,12]
So sammeln sich diese Säfte, werden durch das Sonnenlicht und die Sonnenwärme
ihres größeren sauren Stoffes beraubt, das Wässerige verdunstet und das
übrige wird in mehr süßen als sauren Geschmack Tragendes verwandelt. [Sg.01_009,13]
So bleibt der Apfel, tritt zuvor noch in den Prozeß der Oxydation auf seiner
Oberfläche ein, weswegen seine Schale an manchen Seiten, welche der Sonne
zugewendet sind, gefärbt wird und so schon eine Veränderung der inneren
Substanz anzeigt, die, am letzten Entwicklungspunkt angekommen, schon wieder
durch Zersetzung ihrer Elemente in andere Formen übergehen möchte. [Sg.01_009,14]
Das geistige Analogon (Ähnlichkeit) des Apfels ist, daß er die Form eurer
Erde hat, worauf er selbst wächst und der er auch seine Entstehung verdankt. [Sg.01_009,15]
Die Äpfel sind an Geschmack verschieden je nachdem im Grunde, worauf der Stamm
wächst, salpetersaure Substanzen die Wurzeln umgeben, und es trifft auch zu,
daß, wo die Äpfel zu größerem als gewöhnlichem Volumen aufgetrieben worden,
sie auch im rohen Naturzustande nicht zu den angenehmsten im Essen gehören
der großen Masse von Säure wegen, welche sie durch den Stamm von der Erde
aufgesogen haben; sie verarbeiten wohl in ihrem Zellgewebe mittels der Sonnenwärme
die Säure, allein ganz läßt sie sich nicht entfernen, und sie entweicht dann
erst teilweise beim Zubereiten zur Speise mittels des Feuers. – [Sg.01_009,16]
Die weitere geistige Bedeutung des Apfels ist eine für euer ganzes Geschlecht
wichtige, da es gerade ein Apfel war, welchen Ich als Probe des Gehorsams den
ersten Menschen zu essen verbot und ihnen bildlich damit sagen wollte: [Sg.01_009,17]
„Beißet nicht – in diesen sauren Apfel, denn ihr und das ganze nachkommende Geschlecht
werdet es büßen müssen!“ [Sg.01_009,18]
Ich wählte dazu den Apfel, als Symbol die Erde vorstellend, welche auch des
Sauren genug für ihre künftigen Bewohner aufbewahrt hatte, und es war gerade
die Eva, welche vollführte, was Ich ihr ersparen wollte, sie biß in die
süß-saure Frucht und vererbte so auf ihr ganzes Geschlecht die unter süßem
Gewande verborgenen sauren und bitteren Leiden, denen das weibliche
Geschlecht bis zum Ende des Lebens ausgesetzt ist. [Sg.01_009,19]
Auch bei den Weibern gilt es im allgemeinen, daß je mehr sie aufgetrieben und
schwülstig einhergehen, desto mehr Saures und Bittres ihr Gemüt birgt, und
auch sie sind nicht zu genießen, bis das starke Reinigungsfeuer ihnen mit Gewalt
die Säure benimmt und sie dadurch der menschlichen Gesellschaft erträglicher
werden. [Sg.01_009,20]
Wie beim Apfel, je kleiner, je rotbackiger seine Außenseite ist, gleich einem
Mädchen, welchem die Gesundheit auf der Stirn geschrieben steht, desto süßer
ist auch der Apfel und desto besser auch das Gemüt des Mädchens. [Sg.01_009,21]
Je grüner, härter und aufgetriebener der Apfel ist, desto mehr gleicht ihm
auch das weibliche Wesen, welches fast grün vor Zorn und Neid aufgeblasen
einhergeht und gleichsam niemanden neben sich dulden will! [Sg.01_009,22]
Der Apfel war der erste Verführungsgrund für das erste Weib der Erde und
gleichsam das Bild für ihr ganzes Geschlecht geblieben, er drückt auch nebenbei
das Leben dieser Erde aus, wo, um zur Erkenntnis seiner selbst zu kommen, der
Mensch im Schweiße seines Angesichts sein Brot sauer erwerben muß, wo er mit
allen Lastern und Leidenschaften ringend, sich zu Meinem einstigen Kinde
ausbilden muß und, durch bittere und saure Erfahrungen seine Mission
beendigend, erst dann als ein anderer, Besserer, Geistigerer ins jenseitige
Leben eintritt. [Sg.01_009,23]
Was beim Baum dessen Blüte ist, das ist beim Menschen sein erstes Erwachen
zum irdischen Leben, wo er kein Leid noch kennt, bis die Staubfäden des
menschlichen Lebens ihm die ersten Wunden beibringen und ihn durch dieses
Ätzen zum Kampf und Streit mit seiner eigenen Natur und der ihn umgebenden
Welt anreizen. [Sg.01_009,24]
Und wie der Mutterkelch der Blüte sich schließt und dann die inneren Säfte
die Frucht auftreiben, so schließt sich auch das junge verwundete Herz, und
von innen die Lebens-Elemente seiner eigenen Natur und von außen die seiner
Mutter Erde als Nahrung empfangend, wird auch er ein Behältnis von guten und
schlechten, süßen und sauren Leidenschaften und Eigenheiten, bis endlich im
Kampf mit sich selbst, das Bittere ausgemerzt, er seiner höheren Bestimmung
entgegengeht – und wie beim Apfel das den Kern umgebende Zellgewebe die
Mittel in sich trägt zur ferneren Entwicklung eines anderen Baumes, so sind
es auch die guten Eigenschaften, welche die Seele als Kern mit ihren Kleidern
umgebend und schützend, den Menschen fähig machen sollten für eine Reihe von
höheren und größeren Ausbildungsstufen. [Sg.01_009,25]
Was der Apfel als Saures in sich enthält, das sind die unreinen Triebe im
Menschen, die auf der einen Seite ihn reizen zu ihrer Gewährung, auf der andern
Seite aber das bessere Ich zur Gegenwehr anspornen und so aus dem Kampfe des
Süß-Sauren ein auflösendes Prinzip hervorbringen, welches zum Heile des Menschen,
wenn es zu seinem Besten als geschmackvoller Saft, wenn er unterliegt als
bitterer Essig oder berauschender Wein das Resultat seiner Lebensexistenz
geworden ist. [Sg.01_009,26]
Daher sehe auch du, Mein liebes Kind, in dem noch alles Süße und Saure, wie
im aufkeimenden Apfel, im Gärungsprozeß in dir begriffen ist, daß nicht das
Saure die Oberhand bekommt, denn was die Liebe eigentlich als Wärme ist, das
ist der Zuckerstoff als Gegensatz zum Haß, Zorn und anderen Leidenschaften,
die der Galle entsteigen und als gleichbedeutend mit dem Sauren zu verstehen
sind. [Sg.01_009,27]
Strebe vorwärts! sei aufmerksam auf dich und auf die Regungen in deinem
Herzen, damit nicht auch du, wie ein Sprichwort sagt: einst „in einen sauren
Apfel beißen“ mußt, sondern daß du noch zur Zeit ausscheidend, nur das Gute
in Taten um dich scharest und so getrost den Weg der zweiten, geistigen Reihe
im Jenseits antreten kannst! [Sg.01_009,28]
Hier hast du das dreifache Bild des Apfels: als Frucht, als Symbol der Erde
und als Entsprechung für das menschliche Leben. [Sg.01_009,29]
Nimm dir die gehörige Lehre daraus, damit dieses Wort dir nicht umsonst
gegeben worden ist. Dieses sagt dir dein Vater, der im Handeln dich stets
segnend stärken wird! Amen. 10. - 12. Kapitel – Von Nacht zum Licht. 3. Mai 1871 [Sg.01_010,01]
Nun, hier will Ich dir das vor kurzem geschaute geistige Gesicht, welches
dich überkam beim Anblick eines abgerissenen Tannenreises, nicht nur allein
näher erklären, sondern auch dir noch weitere Eröffnungen über das geistige
Verhältnis machen, das zwischen allen materiellen Produkten und der geistigen
Welt besteht, und wie in einem jeden Pflänzchen schon die ganze geistige
Laufbahn eines Menschen, wie eines Geistes oder Engels, begründet, angedeutet
und genau bezeichnet ist. [Sg.01_010,02]
Es gehört nur die innere Sehe dazu, um diese geistige Schrift der
Entsprechungen lesen und deuten zu können. [Sg.01_010,03]
Dich überkam solch ein lichter Moment, als du nur in die Schönheiten eines
Tannenreises dich vertieftest, auf welchem auch seine künftige Frucht schon
angesetzt war, eine Stimmung, in welcher du Meine Gnade, Huld und Liebe in
diesem kleinen Produkte lesen und schauen konntest. [Sg.01_010,04]
Es ließ dir den ganzen Tag eine sanfte Stimmung zurück, du warst auch einige
Momente ausgesöhnt mit deinem Schicksal, zufrieden mit dem, was Ich dich in
einem Blick in Meine Natur geistig sehen und fühlen ließ. [Sg.01_010,05]
Da Ich aber dich zum Lehrer und Führer für die andern aufgestellt habe und
die Kundgebungen, die du durch Mich erhältst, noch weiter hinausreichen
sollen, als dein Wirkungskreis und deine eigene Lebensdauer umfaßt, so soll
auch dieses geistige Gesicht nicht dir allein gegeben, sondern es soll ein
allgemeiner, geistiger Blick werden, den dann jeder machen kann, wenn er
nicht oberflächlich Meine Natur, sondern geistig mit großen Buchstaben geschrieben
lesen will, was die einzigen Worte sind, welche aus allen Winkeln
hervorleuchten, heraustönen und hervortreten, nämlich: „Gott ist die Liebe!“ [Sg.01_010,06]
Diese Worte will Ich dir, euch, und der ganzen Menschheit in diesen folgenden
Worten zurufen, zeigen und womöglich in jedem Herzen erwecken, damit ihr alle
den großen Plan und Zweck eures Schöpfers erkennt, achtet und begreifen
lernet. Ich will euch alle führen „Von Nacht zum Licht“, wie dein getreuer
Mitarbeiter in Meinem Weingarten, der unermüdliche Busch in Dresden dir erst
vor kurzem geschrieben hat! [Sg.01_010,07]
Ja, Gott ist die Liebe! Die Liebe ist es, welche die Welten erschuf, sie
erhält, und sie auch bis zu ihrer Vollendung weiter befördern wird. [Sg.01_010,08]
Die Liebe ist es, die in jedes materielle oder geistig Geschaffene ihre ganze
Macht, ihre ganze Glut und ihren Eifer hineingelegt hat. [Sg.01_010,09]
Gott ist diese Liebe, Er, der euch führt, euch leitet, mit euch und eurem
Halbwesen nachsichtig, euch doch stets mit Gnaden und Wohltaten überhäuft;
Er, der euch an allem Geschaffenen geistig zeigen will, daß nur immer der nämliche
Zweck, das nämliche Prinzip Ihn geleitet hat, und wenn euer Auge vom
Weltlichen abgewendet, ihr einst das Geistige der Formen und Bildungen der materiellen
Welt erschauen könnt, ihr auch dort schon seit der Erschaffung der
materiellen Welt alles längst vorbereitet finden werdet, was dann geistig
gelesen euch nötig ist, um euch aufwärts in jene Region zu führen, wo Materie
aufgehört und das Geistige angefangen, und wo das Körperliche, Vergängliche
mit dem Ewigen gewechselt, euch im Kleinen wie im Großen die nämlichen Worte
in tausend und tausend Formen, Bildern und Gebilden zeigt, die alle miteinander
nur Liebe atmen, Liebe sind und Liebe verbreiten und so euch von der
finstern, materiellen Welt, von Nacht zur geistig-hellen, ewig nie
vergehenden Welt, zum Lichte führen sollen! [Sg.01_010,10]
So war es auch dir, als du in dem Tannenzweig Meine ganze Schöpfung in ihrem
größten Liebesreiz erblicktest, so war es dir, als ob der geistige Himmel, wie
bei einem trüben Wetter die Sonne, dir einen Lichtstrahl aus seinen Räumen zusandte,
wo Sorgen, Kummer und Leiden aufgehört und nur Freude, Wonne und Seligkeit
ihren bleibenden Aufenthalt haben. [Sg.01_010,11]
Dir diese Stimmung zu lassen, war nicht möglich; denn du bist noch Erdenkind
und bist noch zu sehr an die Materie gebunden. Kommt einst die Zeit der
geistigen Vollreife, wo die Materie als Hülle deinen Geist freilassen muß,
dann wirst du diese nur in flüchtigen Augenblicken genossene Stimmung als bleibendes
Kleid anziehen können, wirst damit Licht verbreiten für andere und Licht
einsaugen von andern; aber noch ist es nicht möglich, dich bleibend genießen
zu lassen, was nur geistigen und nicht körperlich-seelischen Wesen förderlich
sein kann. [Sg.01_010,12]
Um dir aber den Weg zu zeigen, den alle Meine Wesen gehen müssen, so gebe Ich
diesem Wort eben gerade den Titel: „Von Nacht zum Licht, oder die Blume“,
weil Ich dir und euch allen in der Blume zeigen will, daß der Weg zu diesem
geistig erhabenen Standpunkt der Liebe der nämliche Weg ist, welchen jedes
materiell Geschaffene, bis zu Meinen höchsten Engelsgeistern, durchmachen muß
und teils schon durchgemacht hat! [Sg.01_010,13]
Ich wählte die Blume oder jedes Gewächs, weil der materielle Prozeß dieses
geschaffenen Symbols der Liebe euch mehr bekannt und daher leichter verständlich
ist; Ich wählte es auch nebenbei, damit ihr nicht so gedankenlosen Mißbrauch
mit Meinen Schöpfungen machen sollt, wie es gerade mit diesen Erzeugnissen
aus zwei Welten geschieht, nämlich als Produkten der Erd- und Lichtwelt,
damit ihr beim Anblick oder Geruch des duftenden Balsamgeruches einer Blume
nicht bloß eure Seh- und Geruchsnerven ergötzen sollt, sondern, tiefer in den
Kelch der offenen Blume hineinschauend, das Geistige, weit Höhere und
Schönere erkennen möget, das Ich hineingelegt habe, um euch bei jeder Blume
ins Gedächtnis zurückzurufen: „Gott ist die Liebe!“ [Sg.01_010,14]
Sehet, Ich habe soeben gesagt: „Die Blume ist ein Produkt aus der Erd- und
Licht-Welt!“ Nun, solch ein Produkt seid auch ihr; auch ihr seid aus Erde und
Licht, seid Körper und Seele, als Überkleidung Meines göttlichen Geistes,
auch ihr ringet von Nacht zum Licht, wie der Same, der eingelegt in die Erde
nach oben strebt, die Erdscholle durchbricht, nach dem Licht der Sonne, sein
Geistig-Höchstes, sich wendet. [Sg.01_010,15]
Sehet also und leset in dem Beispiel eines Gewächses, das eine Blume oder
Frucht zum Endzweck hat, leset darin eure ganze Lebensgeschichte, wie sie
dort ebenfalls so klar geschrieben steht wie in eurem Ich! [Sg.01_010,16]
Kurzsichtige, gleichgültige Menschen! öffnet eure materiellen und geistigen
Augen! erhebet euren Blick etwas höher, als nur bis an die Grenzen des
sichtbaren Materiellen; und ihr werdet eben gerade in einem Gewächs so klar geschrieben
finden, was Ich euch auch mit tausend Worten stets zurufe: „Gott – ist – die
Liebe!“ [Sg.01_010,17]
Erkennet doch den Vater! Wenn ihr Ihn nicht geistig sehen könnt, erkennet Ihn
doch in Seinen Werken! [Sg.01_010,18]
Wandelt nicht so gedankenlos in Seinen Wundern herum; schämet euch eurer
selbst, diese von Mir so deutlich geschriebene Geisterschrift (in der
Schöpfung) nicht verstehen zu können! [Sg.01_010,19]
Ist es doch schon traurig auf eurer Welt, wenn ein Kind seinen Vater nicht kennt,
um so mehr, wenn ein Kind, das Kind eines Schöpfers von so vielen Wundern und
Schönheiten, Seinen Vater so ganz und gar ignoriert (vergißt), als wäre Er
für es ganz und gar nicht bestehend, oder nur dann, wenn es gerade Hilfe
braucht! [Sg.01_010,20]
Sehet, dieses ist der Zweck Meines heutigen Wortes an euch, daß ihr alle mehr
das Geistige in der Welt begreifen lernen sollt und nicht die gewöhnlichen,
trivialen Lebensbedürfnisse und weltlichen Sorgen nur, eure geistige Bestimmung
und Mich vergessend, auf Meinen Wundern herumwandelt wie Tote unter Lebenden,
wie Blinde unter Schauenden. [Sg.01_010,21]
Wüßte Ich nicht, wie lau und gleichgültig ihr alle Meine Worte nehmt, so
würde Ich nicht wieder auf einem anderen Weg euch das nämliche wiederholen,
was ihr schon auf vielerlei Art und Weise gelesen, aber leider sehr wenig
ausgeübt habt. [Sg.01_010,22]
Ich will alles tun, euch zu wecken, euch zu etwas Besserem zu erziehen; wenn
ihr aber euch nicht wecken lassen wollt, wenn ihr den geistigen Schlaf
vorzieht, so gebt dann nicht Mir die Schuld, wenn Umstände und Ereignisse
hereinbrechen werden, die euch in eurem weltlichen Taumel nicht mit Liebe,
sondern mit Schrecken und Verzweiflung aufwecken werden; ihr habt es so
gewollt, so genießet auch die Früchte eurer weltlichen Sorgen für Magen und
Körper, dann wird aber der Weg „von Nacht zum Licht“ etwas schwerer und
langsamer gehen als jetzt, wo Ich euch als sanfter, geduldiger Führer durch
Erklärung Meiner Wunder in der materiellen Schöpfung euch ins Reich der
geistigen Wonne und Seligkeit einführen will. [Sg.01_010,23]
Nun, jetzt will Ich wieder zu Meinem gewählten Bilde „die Blume“ oder „das
Gewächs“ zurückkehren. [Sg.01_010,24]
Ich habe euch nur Mahnworte dazwischen gegeben, damit ihr den Ernst Meiner
Worte, wie auch die Größe Meiner Liebe begreifet, die sich soviel Mühe gibt,
euch Harthörigen das Gehör für Geistiges zu eröffnen! [Sg.01_010,25]
Sehet, die Pflanze wird als Same ins Erdreich gelegt; in dem Samen liegt
schon für seine künftige Bestimmung alles vorbereitet, es liegen darin alle
Mittel zur Ausfüllung seines Zweckes und zur ewigen Erhaltung seiner Gattung
durch die Wiedererzeugung neuen Samens. Es liegen in einem Samenkorn einer
einzigen Pflanze die Elemente ihres stufenweisen Fortschreitens zu einer
höheren Klasse, und von dort fort und fort, bis zum Bestandteil eines seelischen
und endlich geistig-seelischen Wesens, bis wo die Pflanze ebenfalls
vervollkommnet ins Geisterreich übergeht und dort eine Integrität eines
geringsten Wesens bis zum höchsten Engelsgeist ausmacht. [Sg.01_010,26]
So sehet ihr in einer Pflanze eine folgerechte Fortschreitung vom
Grob-Materiellen bis zum höchsten Geistigen. [Sg.01_010,27]
Sobald der Same in die Erde gelegt wird, gesellt sich zu seinen schlummernden
Elementen der erste Faktor seiner Umgebung dazu, es ist die Feuchtigkeit,
welche als Produkt von zwei andern wirkenden Elementen besteht, nämlich aus
verdichteter Luft oder Wasser und Wärme, letztere das Produkt des Prozesses
der Scheidung und Entwicklung. [Sg.01_010,28]
Durch diese Feuchtigkeit angeregt, schwillt der Same auf, seine Außenteile
werden erweicht und die inneren zur Entwicklung angeregt; von außen wirkt die
Natur der ihn umgebenden Erde und von innen seine eigene Individualität. [Sg.01_010,29]
So gedrängt durch zwei Faktoren, entsteht der Kampf, der Kampf der Außen- mit
der Innenwelt, wo am Ende das Innere siegt, die Schale, welche es von seiner
Umgebung getrennt hielt, zersprengt und dann seinem Aufbau nur obliegend, das
Taugliche aus den ihn umgebenden Elementen heraussaugt und zum weiteren
Fortschreiten ausbeutet, nach und nach einen ersten Sproß aufwärts und Wurzeln
abwärts treibt, damit zwischen beiden: Nacht und Licht, Erde und Sonne, das
Gleichgewicht hergestellt werde und der Same seinem Zwecke gemäß sich zu dem
ausbilden kann, wozu Mein Wille ihn geschaffen hat. [Sg.01_010,30]
So dringt das Pflänzchen, genährt durch die aus der Erde aufgesogenen und
individuell verarbeiteten Elemente, stets aufwärts. Je höher es dringt, desto
weniger lastet die Schwere der es umgebenden Erde auf ihm, desto leichter
kann es die Schwierigkeiten überwinden, es geht mit Sturmschritt dem Lichte,
dem noch nicht geschauten, aber geahnten Licht der Sonne entgegen, die Wärme
derselben fühlt es schon, je höher es dringen kann, bis endlich, angekommen
im Lichte des großen Wohltatenbringers jeder Kreatur, das Pflänzchen anfängt,
das Mehr aus dem Lichte und das Wenigere aus der Erde zu ziehen. [Sg.01_010,31]
Farbe, Substanz, alles wird dann gewechselt, die unteren Kräfte der Nacht
müssen entweder weichen oder sich in Lichtelemente verkehren lassen, wobei
die Pflanze wieder einen anderen Prozeß vollführen hilft, indem sie, sich
selbst aufbauend, ihre Umgebung bis zur Wurzel vom Groben zum Feineren
ausbildet und indirekt, abgesehen vom eigenen Aufbau, auch das Vergeistigen
der sie umgebenden Erdwelt mitbefördern hilft. [Sg.01_010,32]
Je weiter das Pflänzchen im Licht-, Luft- und Wärme-Strahl der Außen-Atmosphären-Welt
aufwärts dringt, desto mehr verfeinern sich seine Bestandteile, seine aus der
Erde aufgesogenen Elemente. [Sg.01_010,33]
Verfeinerte Substanzen müssen auch Verfeinertes hervorbringen, daher die
Stengel und Blätter zarter und weicher als der Stamm oder Stiel sind, welcher
noch unter dem Einfluß der Erde, als Nacht, stets Gröberes erhält. Doch
dieses alles genügt noch nicht. Ein ungewisses Drängen treibt die intellektuellen
Teile eines Gewächses fort nach einem unbekannten Etwas. Aufwärts und
aufwärts geht es. Die Blätter werden zarter und zarter. Je weiter der Weg von
der Erde bis zum Gipfel, desto mehr müssen die Substanzen der Erde
verarbeitet, durch die Intelligenz der Pflanze selbst feiner werden, sie
gehören endlich nicht mehr zu Blättern, Stiel und Stengel; alles Grobe ist
dann zurückgeblieben, alles das schon früher aufgesaugt worden, und doch hat
das Treiben nach Entwicklung noch kein Ende – noch steckt im Keim tief in der
Erde Nacht das Beste verschlossen, das Geistige der Pflanzenindividualität,
das ihren Zweck und ihren Fortbestand bezeichnet. [Sg.01_010,34]
Bisher hatte diese Individualität nur das verarbeitet, was ihr zwar als eigen
gehörte, jedoch aber nur Mittel zum Zweck war, dieses mußte früher ausgeschieden,
früher verarbeitet werden. [Sg.01_010,35]
Jetzt kommt das, was beim Mädchen die höchste Illusion, der letzte Wunsch
ist, es drängt zum Brautstande, zur Vermählung des Materiellen mit dem
Geistigen, es drängt zur Blume, wo das Ende einer materiellen und der Anfang
einer geistigen Welt ist, nämlich aus der Blume wieder die Erzeugung des
Samens oder der Frucht! [Sg.01_010,36]
Alle Säfte waren verbraucht, die zum Unterbau gehörten; sie, die Blume,
prangt nun im schönsten Licht, duftend und geistig ihren Schöpfer lobend, als
Endresultat des ersten Prozesses, als höchste Stufe des Samens und als niedrigste
wieder der geistigen Reproduktionskraft, wo der Same wieder erzeugt, das
früher Verarbeitete der Atmosphäre in anderen Formen und das Übriggebliebene
in Samenform oder Frucht zum nämlichen Prozeß der Erde wieder zurückzugeben
bereit ist, was er von ihr empfangen hatte, um dort wieder Neues aus ihr zu
entbinden, so die Materie nach und nach zu vergeistigen, und wenn ihr euch
auf den höheren Standpunkt erheben wollt, den ganzen Erdball durch die
Vegetation einer höheren, geistigeren Stufe entgegenzuführen. [Sg.01_010,37]
Also „von Nacht zum Licht“ strebt der Same empor, strahlt endlich in aller
Schönheit, balsamische Düfte verbreitend, als Blume euch auf euren Spaziergängen
entgegen, ruft euch überall zu: [Sg.01_010,38]
„Gott ist die Liebe!“ – „Sieh, Wanderer, mein Ringen, mein Streben und mein
Ende auf ihr (der Erde)! [Sg.01_010,39]
Folge auch du mir nach, denn auch du bist ebenfalls ein in körperliche Hülle
gelegter Same; erfülle auch du deinen Zweck, wie ich den meinen erfülle, und du
wirst wie ich mit Schönheit und Duft, mit geistigem Genuß und Wonne bekleidet
werden!“ [Sg.01_010,40]
Ja, so ist es, Meine Kinder! Höret diesen Ruf eines winzigen Pflänzchens, das
auf dem Felde für den gewöhnlichen Menschen sprachlos, für den geistigen aber
ein ganzes Evangelium der Liebe und Gnade seines Schöpfers ist. [Sg.01_010,41]
Folget diesem Pflänzchen – von Nacht zum Licht, und erfüllet auch ihr euren
Zweck wie dieser Same, und ihr könnt versichert sein, auch ihr werdet dann
als geistige Blumen in Meinem Reiche glänzen und duften! [Sg.01_010,42]
Wenn ihr alle Phasen aufmerksam betrachtet, welche die Pflanze durchmachen
muß bis zu ihrer Entwicklung, da werdet ihr die nämlichen in eurem Leben
nicht verkennen. [Sg.01_010,43]
Auch in eure Körperhülle ist die Seele und als letzter Intelligenzfunke ein
Strahl Meiner Liebe gelegt; auch ihr seid vom Anfange als Kind bis zum Greise
von der Wärme oder Liebe geweckt, getrieben zur höheren Entwicklung, seid von
der Außenwelt umgeben und müßt von selber aufsaugen, was euch tauglich, und
ausscheiden, was untauglich ist; auch euch drängt es, als körperliche Wesen –
wegen Naturbedürfnissen, Weltsorgen – die Wurzeln nach unten zu treiben; für
euch ist die Außenwelt ebenfalls die Nacht, doch ein innerer Trieb, der Trieb
des Geistes – treibt euch nach oben, nach dem Geistigen, und wenn ihr das
Geistige auch verleugnen wolltet, dieser Trieb schweigt nicht, es ist der
Trieb des Gewissens. [Sg.01_010,44]
So geht es vorwärts bei der Pflanze, so beim Menschen; durch Verirrungen,
Leiden und Kämpfe ziehe Ich euch zu geistigen Pflanzen für Meinen Garten. [Sg.01_010,45]
Viele fallen unter dem Einfluß der Leidenschaften, wie die Pflanzen und
Blumen unter dem Einfluß der Witterungselemente. Wie diese dann unter anderen
Formen einer andern Bestimmung folgend, den für sie bestimmten Zweck doch
erreichen, ebenso auch die verirrten Geisteskinder – sie müssen den längeren
Reinigungsweg betreten, um die Erreichung der Blume, den Brautstand, die
Krone alles Treibens und Kämpfens, welches Ziel andere eher erreichten, auf
längerem Wege und auf längere Zeiten hinauszuschieben. [Sg.01_010,46]
Daher, Meine Kinder, nehmt euch die Blumen oder Pflanzen als Beispiel;
scheidet auch ihr alle gröberen Elemente aus, vergeistigt das Aufgesaugte!
Ihr vergeistigt durch eure Reinigung auch eure Umgebung und zieht mit euch,
einem besseren Sein entgegen, auch andere mit. [Sg.01_010,47]
Aufwärts! Meine Kinder! Nach den zarten Blättern und Stengeln, nach diesen
erwächst die Blume eines ruhigen, gottergebenen Bewußtseins, erwächst die
himmlische Ruhe; und wie die Blume freudig und sanft ihr Köpfchen bewegt und
in den balsamischen Lüften wiegt, die sie umfächeln, so auch ihr im höheren
Geisterreiche, wo statt der materiellen Sonne Licht und Wärme, geistiges
Licht „Erkenntnis“ und geistige Wärme „Liebe“ euch sanft umwehen! [Sg.01_010,48]
Strebet dahin, zu was Ich euch schuf: Meine Kinder zu werden! Lasset euch
nicht von einer Blume oder Pflanze beschämen! [Sg.01_010,49]
So wie Ich einst sagte: „Sehet an die Blumen auf dem Felde, sie arbeiten
nicht“, ebenso lasset auch ihr euch nicht durch weltliche Sorge zu sehr betören;
gebet der Welt, was der Welt ist, „und Mir, was Mein ist“ – werdet Blumen in
Meinem geistigen Garten und ihr habt euer Ziel auf dieser Welt erreicht –
seid auf der höchsten Stufe als Erdenkinder angelangt, um auf der niedrigsten
als Geisteskinder euren Weg weiter durch Millionen von Himmeln und Äonen von
Zeiten verfolgend, stets euch Mir nähernd – den ganzen Prozeß des Samens bis
hin zur Blume und Frucht geistig wiederholen zu können! [Sg.01_010,50]
Seht, dieses alles sagt euch ein Blümchen, das ihr oft schon gedankenlos mit
euren Füßen daniedergetreten habt. [Sg.01_010,51]
Lernet doch einmal die Sprache Meiner Natur begreifen! [Sg.01_010,52]
Lernet lesen diese zarte und sanfte Schrift, mit welcher Ich, euer Schöpfer,
Herr und Vater in jedes Sandkorn, in jedes Blümchen, bis hinauf in die
größten Sonnenwelten die nämlichen Worte stets geschrieben habe: Gott ist –
die Liebe! [Sg.01_010,53]
Dieses predigt euch die Natur im Kleinen und im Großen. [Sg.01_010,54]
Dieses ruft euch euer eigenes Herz bei jedem Atemzuge zu. Dieses sende Ich
euch in tausend verschiedenen Formen und Worten durch Meine Knechte und
Schreiber. [Sg.01_010,55]
Höret doch einmal diese große Sphärenharmonie, diesen Choralgesang, der aus
Millionen Wesen und Produkten Tag und Nacht Mein Loblied singt; seid nicht
kalt gegen alle diese großartigen Deutungen, gehet vorwärts „von Nacht zum
Licht“! von Welt zum Geist! und werdet Blumen der Demut, Liebe und Sanftmut
in Meinen himmlischen Gefilden! [Sg.01_010,56]
Dieses allein bezweckt oder will euer Vater mit all diesen Worten, die Er
euch fortwährend aus Seinen Himmeln zur Aufklärung zusendet – beachtet sie
wohl! – denn sie sollen euch führen, dem Samen gleich, „von Nacht zum Licht“!
Amen. [Sg.01_011,00]
II. Eine Jakobsleiter. 26. Juli 1871 [Sg.01_011,01]
Du wünschest diesen freien Flug durch Meine Schöpfung, den du vor einigen
Tagen an Meiner Hand gemacht hast, auch anderen mitteilen und mitfühlen zu
lassen, damit auch sie Meine Macht, Meine Liebe und ihren eigenen Wert kennenlernen. [Sg.01_011,02]
Nun, da überhaupt alles, was durch deine Seele zieht, nicht für dich allein,
sondern für einen bei weitem größeren Zweck in dir geweckt wird, so soll auch
dieses geistige Gesicht, wo du die Stufenreihe alles Geistigen sahest bis zu
Mir, nun wiederholt vor deine Seele geführt werden, um dir und allen zu
beweisen, was es heißt – einen Ableger von Meinem Ich, einen göttlichen
Funken in sich zu tragen. [Sg.01_011,03]
Denn, was nützeten all die Schöpfungen mit ihren großen Wundern, wenn ihr
nicht einen intelligenten Geist besäßet, der all dieses Geschaute, Geahnte
auffassen kann; was nützte euch der Anblick des gestirnten Himmels, wo
Millionen von Schwestersonnen ihr Licht auf eure Erde herabsendend, euch
zurufen: [Sg.01_011,04]
„Auch wir senden euch kleinen Würmchen unser Licht aus weiten, unermeßlichen
Fernen, ihr bemerkt es aber nur dann, wenn eure Sonne für euch zu leuchten
aufgehört hat! Nehmt diesen unsern Ruf als geistiges Trost- und Mahnwort, und
übersetzt ihn so: [Sg.01_011,05]
Auch eine unermeßliche Geisterwelt sendet euch großen Geistern göttlichen
Ursprungs ihre Grüße von fern her, ihr – oder doch viele – bemerken und
fühlen diesen Gruß der Geisterwelt nicht, weil ihnen noch zu sehr die
Weltsonne leuchtet, aber wenn diese anfängt, sich ihrem Untergange zuzuneigen,
wenn das Nichtige und Vergängliche, das euch an ein anderes, höheres Leben
erinnert, sich bemerklich macht, wenn es im weltlichen Herzen anfängt, Nacht
zu werden, dann beginnen die Einflüsse einer hohen Geisterwelt wie die
flimmernden Sterne einer nach dem andern am unermeßlichen Firmament aufzutauchen,
dann beginnen die Geisterstimmen euch einzuflüstern, was dem Menschen auch
die Sterne oft sagen, das heißt: – es gibt noch eine andere Welt, eine
geistige, wie eine große materielle unendliche Welt, wo stufenweise
aufgebaut, die Geister nach und nach ihrer Vollendung entgegengehen, bis sie
alle in Meinem Geisterhimmel, weit über alle geschaffenen Welten hinaus, erst
den rechten Zweck ihres Lebens und ihres Strebens erkennen werden.“ – [Sg.01_011,06]
Dorthin drängt sich das kleinste Infusionstierchen ebenso gut wie der größte
Engelsgeist, dort findet alles seinen Abschluß, sein materielles Ende und
seinen geistigen Anfang. [Sg.01_011,07]
Dort beginnt erst das rechte Geistesleben, im Himmel aller Urtypen der
Schöpfung; von dort gehen alle Strahlen Meiner göttlichen Macht und Liebe
aus, weit hinaus alle Sonnen- und Welten-Systeme mit Geistigem befruchtend,
von dort geht der Liebe Gedanke, wie der elektrische Strahl und das schnelle
Licht hinaus nach allen Richtungen, regt an, verkörpert, vergeistigt,
gebäret, erziehet und entwickelt vom kleinsten Atom bis zur größten Weltensonne
alles nach ein und demselben Plan, nach ein und demselben Gesetz, nach dem
Gesetz der Liebe, damit es einst seinem Schöpfer sich nähernd, Ihn begreifen,
Ihn lieben lerne. [Sg.01_011,08]
Geist ist alles. Überall ist der Geist der Wecker, der Träger, der Entwickler. [Sg.01_011,09]
In der festen Materie gebunden, ist er der Erhalter des beständigen
Stoffwechsels, vom Starren zum Flüssigen, vom Flüssigen zum Luftartigen, vom
Luft- zum Gasartigen, bis zum feinsten flüchtigen Ätherteilchen. [Sg.01_011,10]
Im Pflanzen- und Tierreich ist es der Geist, der instinktmäßig die Wurzel
dahin leitet, wo sie das ihr Geeignete zur Nahrung, zur weiteren Entwicklung
findet. [Sg.01_011,11]
Beim Tier treibt der Geist zur Aufsuchung der Nahrung, zum Bauen der
Wohnungen, zur Fortpflanzung; und so stets sich mehr frei machend, steigt der
Geist aufwärts von Stufe zu Stufe, vom ersten Tastsinn und mangelnder freier
Bewegung bis zum selbstbewußten Begriff des Seins im letzten Glied aller
materiellen Schöpfungen, bis zum Menschen, der sodann als erstes Glied in
einer Reihe von geistigen Bildungen mit verschiedenen Fakultäten
(Fähigkeiten) bereichert, die ganze Schöpfung in sich trägt und der
Wendepunkt zwischen zwei Welten seiend, die materielle mit der geistigen
verbindet. [Sg.01_011,12]
Daher die verschiedenen Arten von Geschöpfen auf all Meinen Welten, mehr oder
weniger mit materiellen Körpern angetan, je nachdem sie Mir nahe oder fern
stehen; verschieden in ihrer Größe, in ihrer Lebensdauer und stufenartigen
Fortschreitung gehen sie alle den Weg zu Mir, zu ihrem Schöpfer zurück, von
dem sie ausgegangen sind. [Sg.01_011,13]
Wie der Baumeister vorerst, ehe sein Haus fertig dasteht, nur mit rohen
Materialien zu tun hat, sie nach und nach durch verschiedene Prozesse erst zu
seinem Zwecke tauglich machen muß, daß sie ihm nützlich sein können; ebenso
ist das Heer von Geschöpfen auf allen Welten, je nach der Welt, die sie
bewohnen, ebenfalls teilweise rohes unbearbeitetes Baumaterial. [Sg.01_011,14]
Wie es mit dem Holz zum Beispiel geht, welches ein Baumeister zu seinen
Zwecken braucht, so geht es mit den Menschen auf den verschiedenen Welten. [Sg.01_011,15]
Das Holz als roher Stamm muß zuerst behauen werden, eine andere Form
erhalten, zu Balken (als Stützen des ganzen Gebäudes) zugerichtet, sodann
müssen die Balken auseinandergesägt werden zu verschiedenen kleineren
Bedürfnissen wie Latten, Bretter, Pfosten (Verbindungsmittel), endlich wird
das Holz zur Einrichtung des Hauses noch mehrfach durch kunstfertige Hände zu
Hausgeräten verwendet, von der ersten rohen Ruhebank bis zum feinsten
polierten Lehnsessel und anderen verschiedenen Gegenständen (alles
entsprechend vergeistigte Potenz in Stufen bis zur höchsten, die, als fertig
poliert, wie ein Spiegel alles Licht aufnehmend und wieder zurückgebend, es
auch andern mitteilen kann). [Sg.01_011,16]
So geht es mit dem Eisen, mit dem Stein, wo beide, mittels des Feuers ihrer
primitiven Härte beraubt, hier leicht biegsam der willigen Hand folgen, wie
auch der Mörtel ebenfalls ein Bindungs- und Erhaltungsmittel des ganzen Gebäudes
ist. [Sg.01_011,17]
So ist auch in Meiner Schöpfung alles Lebende, Organische und Unorganische in
Millionen von Bedürfnissen geteilt; aber alles nur einem Ziele dienend. [Sg.01_011,18]
Die Menschen auf allen Sonnen sind gleich dem Holze, dem Eisen, dem Steine,
sie müssen vorerst alle Läuterungsprozesse durchmachen, ehe sie fähig sind,
in Meine direkte Nähe, in Mein Geisterreich übergehen zu können. [Sg.01_011,19]
Ebenso wie aus dem Holz tausenderlei Gerätschaften und nützliche Dinge
verfertigt werden, beim Eisen noch mehr, ja bis ins Unendliche, ebenso ist
die verschiedene Stufenleiter der Menschen und Geister. [Sg.01_011,20]
Die einen bewohnen noch unausgeführte Häuser, die andern schon bessere;
wieder andere Paläste, und so fort bis zur höchsten Vollendung. [Sg.01_011,21]
Überall ist es das geistige Prinzip, das alles klassifiziert, ordnet und so
der Entwicklung entgegenführt. [Sg.01_011,22]
Schon aus dem, was Ich euch von der Sonne und euren Planeten kundgegeben
habe, ersehet ihr – von den pedantischen Merkurbewohnern anfangend bis zu den
musizierenden Miron-(Neptun-)Menschen – ein nach und nach geistiges Fortschreiten,
sehet schon in der Sonne geistig höherstehende Menschen mit mehr Einsicht in
die geistige Schöpfung. [Sg.01_011,23]
Das, was die Saturnbewohner nur als großen Geist ahnen, wissen die
Sonnenbewohner schon besser. [Sg.01_011,24]
So geht es fort und fort bei allen Welten; bei allen Sonnen und Weltallen
geht es stufenweise, gemäß den Welten selbst, mit deren Bewohnern ebenso;
vorwärts drängt sie alle Meine Liebe, und wie auf jeder dieser Millionen von
Welten, ebenfalls von der untersten Pflanze und dem Tiere angefangen, die
Stufenreihe zu ihren Weltenmenschen vorwärts geht, ebenso geht es dann von
den Weltenmenschen aufwärts in geistige, höhere Stufen. [Sg.01_011,25]
Betrachtet hier nicht weder die Größe noch die Schönheit der Welten, noch die
Eigentümlichkeiten ihrer Bewohner, sei es in Form oder Intelligenz. Dieses
alles entspricht nur der Welt, auf der sie leben, mit der sie auch in einer gewissen
Analogie (Entsprechung) stehen müssen, betrachtet bloß ihre geistige Stufe,
diese ist die bedingende. Dann sehet, auf eurer Erde habt ihr ja auch genug
der Beispiele, wo eben nicht die äußere Form dem Inneren, Geistigen
entspricht. Nehmet nur den Papagei und andere schön gefiederte Vögel des
Südens, wo ist da der seelenvolle Gesang als Ausdruck der inneren Gefühlsstufe? [Sg.01_011,26]
Ebenso bei den Welten. Könntet ihr eine dieser großen Welten mit geistigem
Auge überblicken, ihr würdet in der Farbenpracht und Schönheit der Formen,
die dort herrschen, eine geistige Intelligenz vermuten, die die Bewohner
einer solchen Welt zu Göttern machen sollte – und doch, eben diese Bewohner,
euer Inneres erblickend, würden in Staub zusammensinken ob der Größe und
Erhabenheit eurer göttlichen Natur, die eben ihnen gänzlich fehlt, da sie
mehr nur ein Traumleben haben; während ihr, von Mir zu Meinen Kindern
auserkoren, mit einem Blick gleich dem des Adlers Meine weiten
Schöpfungsräume durchfliegen könnt, um dort mit intelligentem Geistesfunken
klar zu lesen, was Ich bin und was ihr einst werden könnet. [Sg.01_011,27]
Millionen und Millionen von solchen Welten kreisen im unendlichen Äther,
ausgestattet mit Schönheiten, die ihr nie begreifen, ja kaum ahnen könnt, dem
Anschein nach wahre Paradiese des ewigen Friedens und der ewigen Seligkeit;
und doch, hinter diesen großen lichtvollen Welten steckt die geistige
Finsternis, steckt das Nichterkennen, Nichtwissen, zu was all dieses Schöne
und Große geschaffen ist! [Sg.01_011,28]
Und auch hier seht ihr wieder, daß Ich nur groß im Kleinsten bin. Eure Erde,
millionenfach kleiner als ein Atom einer solchen Welt, birgt die größten
Geister, beherbergt die Wesen, derentwegen Ich Mensch geworden bin und Mich
sogar von ihnen, aus Liebe zu ihnen, töten ließ! [Sg.01_011,29]
O begreifet doch einmal, was das heißen will, in einer solch unendlichen
Schöpfung voll des Großen und Erhabenen diejenigen Wesen zu sein, die alle
diese langen Wege zu Mir nicht mehr brauchen, Wesen zu sein, mit denen ich
direkt unterhandle, sie lehre, sie führe, und während andere, Mich ebenso
liebende Wesen, nur ahnen können, habt ihr die klarsten Beweise Meines
Daseins, Meines Wirkens und Meines fortwährenden Segens. [Sg.01_011,30]
Dort in jenen Welten ist wohl der ewige Friede, dort ist wenig Kampf, es ist
aber auch wenig Verdienst, dort Mensch zu sein, es ist bei weitem leichter,
als auf eurer Erde Mein Kind werden zu wollen. [Sg.01_011,31]
Dort oben, müsset ihr bedenken, leben diese Menschen gemäß dem, was ihre Welt
in geistiger Hinsicht von ihnen verlangt, und es geht von dort höchstens nur
wieder in eine neue, höhere oder analoge Geisterwelt; aber bei euch ist es
anders, die ihr hier kämpfen, euch verleugnen müßt, das Herbste ertragen und
doch das Vertrauen zu Mir nicht verlieren sollt; hier, wo Ich Selbst als
Schöpfer Mensch geworden bin, das größte Beispiel gegeben habe der tiefsten
Demütigung, hier seid ihr in einer Pflanzschule für Meine großen
Geisterreiche, für Meine Geisterhimmel, und wie euren intelligenten Augen am
Abend die ganze weite Schöpfung mit ihren Millionen Welten lesbar und
verständlich ist, so ist eurem von Mir in euch gelegten Geist der ganze
Geisterhimmel, seine Stufen, seine Ausdehnung, seine Seligkeiten, alles
begreiflich und faßbar; alles dieses, was Millionen von anderen Weltenbewohnern
für immer verschlossen ist und nur erst sich auftut, sobald auch sie euren, obwohl
oft bitteren, aber zur höchsten Seligkeit führenden Weg durchmachen wollen. [Sg.01_011,32]
Daher jetzt, nachdem Ich vor euren Augen das geistige Bild Meiner materiellen
Schöpfung entrollt habe, wo dann an dieselbe der nie endende Geisterhimmel
sich anschließt, jetzt bedenket – was ihr werden könnt, zu was ihr bestimmt
seid! [Sg.01_011,33]
Lasset euch also nicht abschrecken von den Widerwärtigkeiten dieses Lebens!
Lasset euch nicht vom Licht der Weltsonne blenden! Sehet, erst wenn ihr
dieser den Rücken kehrt, wenn sie für euch nicht mehr existiert, öffnet sich
wie am Abend der gestirnte Himmel die Geisterwelt für euch, in welcher ihr
ebenfalls so viele Wohnungen und Stufen entdecken könnt, als wie ihr am Abend
Sterne, Sonnen und Welten seht und noch mehr voraussetzen könnt, deren Licht
wegen zu großer Ferne eurem Auge nicht zukommt! Ebenso viele geistige Welten
und Stufen warten auf euch, ihr Kinder, für die Ich so viel gelitten, getan
und geschaffen habe! [Sg.01_011,34]
Erkennet aus dem unendlichen Äther Meine unendliche Liebe und aus den euch
jeden Abend entgegenleuchtenden Sternen ebenso viele Gnadenstrahlen und
Lichtwege, die alle Meine Wesen ob auf kurzen oder langgedehnten Wegen doch
einst zu Mir, dem Vater alles Geschaffenen, führen werden! – [Sg.01_011,35]
Nicht umsonst gab Ich Meinem Geheimschreiber dieses Bild und Einsicht in
Meine geistige Schöpfung; jetzt geschrieben, wird sie vorerst seiner kleinen
Gesellschaft und einst der ganzen Menschheit ein fester Zeuge sein, wie Ich
Meine Kinder führte und auf was für Wegen und mit welchen Mitteln Ich ihnen
zeigen wollte, daß es eine große Gnade ist, ein Mensch auf dieser Erde zu
sein, und noch eine größere, so direkt geführt und geleitet zu werden, wie
Ich es jetzt schon seit einer geraumen Zeit euch angedeihen lasse. [Sg.01_011,36]
Betrachtet also auch diese Worte wohl; jeder Abend soll euch im Aufblick zum
Sternengezelt als Buch Meiner Liebe die Worte ins Gedächtnis rufen: „Herr,
was bin ich, daß Du meiner gedenkst!“ Und aus allen Welten jubelt es dann
euch zu: „Frohlocke, du kleiner Erdenmensch, was du so leicht werden kannst,
um das beneiden dich alle unsere Bewohner! Frohlocke und sinke in Andacht vor
deinem Schöpfer nieder, der den Herrn in sich vergaß und dir als Vater, als
liebender Vater Seiner Kinder, die offenen Arme entgegenhält!“ Amen. [Sg.01_012,00]
III. Fortsetzung. 27. Juli 1871 [Sg.01_012,01]
Ja frohlocket, Meine Kinder, über diese geistige Stufe, auf die Ich euch
gestellt habe, und hängt nicht gleich die Köpfe, wenn kleine Widerwärtigkeiten
euren Sinn verdüstern oder einzelne Entbehrungen im weltlichen Leben euch
daran erinnern, daß eben dieses Weltliche von kurzer Dauer ist und keinen
Bestand hat, damit ihr daraus erkennen sollt, daß der Drang nach dem
Geistigen, nach höherer, dauernder Glückseligkeit nicht im Befriedigen von
körperlichen und sozialen Bequemlichkeiten, sondern in der Befriedigung des
geistigen Wertes eurer Seele liegt, die danach dürstet, mit dem von Mir in
euch gelegten Geiste sich zu vereinigen, um in Meiner geistigen Welt den
Platz einzunehmen, welchen bis jetzt der Geist allein inne hatte, nicht aber
die Seele, bevor sie nicht die Taufe der Wiedergeburt erlangt hat. [Sg.01_012,02]
Wenn Ich euch in dem früher Gesagten Meine ganze Schöpfung und ihre Bewohner
in geistiger Hinsicht vorgeführt habe, wie sie geistig verschieden auf
verschiedenen Wegen ihr vorgesetztes Ziel erreichen müssen, welches für euch
bedeutend abgekürzt ist, so war es nur, um euch zu beweisen und begreiflich
zu machen, um wieviel mehr euer Eifer angeregt werden sollte, dieser Stellung
in Meinem Geisterreiche zu genügen und auch alle Kräfte aufzuwenden, nachdem
eben der Weg zu Mir euch nicht verschlossen ist, ihn fortzuwandeln und, kein
Hindernis scheuend, stets den Blick nach Mir gerichtet, alles, was euch
begegnen mag, nur als Glied einer Kette zu betrachten, die stufenartig euch
ausbildet, veredelt und schon in diesem irdischen Leben euch so vorbereitet
auf das Jenseits, daß ihr das meiste hier, und zwar leichter als dort
vollbringen könnt, damit ihr dann ohne Rückschritt sogleich zu eurer höheren
Mission euch tüchtig erweisen möget. [Sg.01_012,03]
Und besonders ihr, denen Ich mit so vieler Sorgfalt Mein Licht aus den
Himmeln zukommen lasse, bedenket wohl, daß Ich, eben weil Ich dieses tue, mit
euch außer dem Zweck der Menschheit im allgemeinen noch sogenannte spezielle
Zwecke im Auge habe. [Sg.01_012,04]
Zeiget euch also eurer Mission und Meiner Gnade würdig; denn wenn Ich euch
wichtige Aufgaben zugedacht habe, so müsset ihr auch dabei bedenken, daß, um
solche würdige Werkzeuge Meines heiligen Willens zu werden, ihr auch vorerst
selbst gereinigt, geläutert und mit festem Eifer gestählt werden müßt, ehe
Ich euch als Stützen für andere gebrauchen kann! [Sg.01_012,05]
Daher nehmt alle Ereignisse, die euch treffen, als Übungsschule, um in euch
selbst erst das fest zu begründen, was ihr andern nicht bloß in Worten, sondern
in Taten zeigen sollet, nämlich: daß die Lehre, wie Ich sie euch gegeben, die
wahre und einzige ist, die aus Menschen – geläuterte Geister und aus Geistern
– Meine Kinder machen kann! [Sg.01_012,06]
Viele von euch wollen diese Idee nicht fassen, sie möchten noch immer ihr
bequemes Weltleben mit Meinem Geistigen verbinden; sie scheuen Verleugnung,
Entbehrung, Aufopferung; allein es ist umsonst; wollet ihr Meine Kinder
werden, so müsset ihr, wie einst Ich, den Kelch des Leidens bis zum letzten
Tropfen leeren! Auch Ich habe im Garten zu Gethsemane ausgerufen: „Vater,
nimm den Kelch von Mir!“ Ich tat es, als Ich (momentan) von Meiner Liebe
verlassen, Meine Lage als Mensch ganz fühlen mußte, und doch, so gerne die
Liebe nur beglücken, nur selig machen will, so mußte sie dort ihre
Grundeigenschaft verleugnen, eines höheren Zweckes wegen, und Ich trank den
Becher des Leidens bis zur Neige aus. [Sg.01_012,07]
So ruft auch so mancher von euch: „Herr, nimm den Kelch des Leidens von mir!“
Und Ich, der alles liebende Vater, der Ich Meine Kinder nur glücklich sehen
möchte, kann um seiner selbst willen diesem Wunsche nicht willfahren, muß zum
Besten seines eigenen Ichs und zum Besten Meiner großen Zwecke ihn leiden,
ihn den Becher ganz leeren lassen, damit er auch, wie einst Ich Selbst, dann
nach ausgestandenem Kampfe, glorreich daraus hervorgehend, die Hand segnen
lerne, die ihn aus der bitteren Nacht des Leidens zum hellen Lichte der
Seligkeit geführt hat. [Sg.01_012,08]
Alle möglichen mißlichen Verhältnisse, die euch begegnen können, sie sind
alle von Mir Selbst einst auch durchgemacht worden; eben deswegen wurde Ich
ganz Mensch, so wie ihr es seid, ließ über Mich alle möglichen Weltstürme hereinbrechen,
damit nie ein Mensch sagen kann: „Predigen ist leicht, aber selbst ausführen
und durch Taten beweisen ist schwer!“ [Sg.01_012,09]
Daher machte Ich euer ganzes menschliches Leben von der Wiege an durch, um
euch zu zeigen, daß, wenn der Geist stark ist, er alles überwinden, alles
besiegen und alles ertragen kann, nur muß er vorausgesetzt fest überzeugt
sein von seiner Mission und von seiner geistigen Bestimmung, von welchem
Gesichtspunkte aus dann alle Mißhelligkeiten ihren rechten Wert und
Aufklärung erhalten werden. [Sg.01_012,10]
Ihr müsset also, wollt ihr wirklich Meine Kinder werden, vorerst fest
überzeugt sein, daß ihr auch als Beispiel zuerst rein dastehen müßt, daß aber
dieses „Reinsein“ ohne vorheriges Abwaschen der Fehler und falschen Ansichten
nicht geht! [Sg.01_012,11]
Ich habe euch die großen Welten und ihre Bewohner vor euer geistiges Auge
geführt. Ihr erkennt jetzt, wieviel ihr bevorzugt seid, erkennt aber auch,
daß jeder Vorzug nur darin besteht: wenn man mit Kampf erringt, was man anstrebt;
denn wenn einem, wie euer Sprichwort sagt, die gebratenen Vögel in den Mund
fliegen, da ist kein Verdienst! – [Sg.01_012,12]
Das Errungenhaben ist dasjenige Bewußtsein, welches der Seele den Adel gibt
und ihr zuflüstert: Ich habe gekämpft, habe aber auch gesiegt (mit des h.
Vaters Gnade). [Sg.01_012,13]
Sehet die Millionen von Welten und ihre Bewohner, wie viele möchten kämpfen,
um das zu erringen, und zwar mit noch größeren Opfern, als ihr es erringen
müßt, und doch, Meine väterliche Liebe, die jene ebensosehr liebt wie euch,
kann ihnen diesen Kampf im ganzen nicht bewilligen, sondern nur einzelnen von
ihnen diese Versetzung erlauben, daß er durch den Verlust der geistigen
Freiheit auf seiner Welt die Knechtschaft und den Kampf auf der eurigen
vorzieht. [Sg.01_012,14]
Ihr seid von Millionen und Millionen von Geistern beneidet, und doch, blind
wie ihr sein wollt, begreifet ihr noch nicht, was es heißen soll, zu Meinen
Kindern auserlesen zu sein! [Sg.01_012,15]
Lasset es nicht darauf ankommen, einst in der anderen Welt ausrufen zu
müssen: „Ja, wenn ich das gewußt hätte, so hätte ich anders gehandelt!“ [Sg.01_012,16]
Sollte einem von euch in der andern Welt dieser Ausruf entschlüpfen, so ist
es zu spät und dort nur unter langen Kämpfen und Irrwegen erreichbar, was
hier mit so wenigem hätte vollführt werden können. [Sg.01_012,17]
Daher, Kinder, wachet auf! erhebet euch zu Mir! – horchet auf die Stimme der
Liebe, die aus allen Winkeln der Schöpfung euch entgegenströmt; kehret der
Weltsonne den Rücken und versenket euch ins unendliche Lichtmeer des Geisterreiches,
aus dem ihr gekommen seid; dort lebt euer Vater, dort ist euer künftiger
Wohnsitz und dort werden einst alle Fragen und Zweifel eine Lösung finden,
die euch hier unauflösbar schienen. [Sg.01_012,18]
Dorthin strebet! und es werden auch euch, wie manchmal Meinen Schreiber,
Gesichte überkommen, die euch den Einblick in jene Sphären gewähren, wo nur
die Liebe ihr sanftes Licht verbreitend, alles beseligt und beruhigt, und von
wo aus gesehen alle Leiden und Mißhelligkeiten dieses Lebens und sonstige
Wünsche von weltlicher, sozialer und pekuniärer Stellung wie nichts
verschwinden werden im Vergleiche des geistigen Genusses, der euch weit über
das alles erhebt und dann erst euch fühlen macht die Kraft Meiner Liebe und
die hohe Seligkeit eines Bewußtseins, endlich über die Schlacken dieses
Lebens hinaus in das Eden des Friedens gelangt zu sein, wo kein Mißton die
Harmonie der Geister-Chöre unterbricht, und alle darin übereinstimmen und
ewig das Loblied Meiner Liebe, nicht als Schöpfer, nicht als Herr, sondern
als Vater Mir darbringen. [Sg.01_012,19]
Wachet auf! daß jetzt schon sanfte Ahnungen von solcher Seligkeit eure Herzen
durchziehen; lernet in einsamen Stunden euer geistiges Auge stärken, daß es
hinüber sieht, weit über alles Materielle, hinüber in jene Geisterwelt, die
zwar teils weit von euch und doch auch, wenn ihr wollt, ganz nahe, in eurer
eigenen Brust liegt. [Sg.01_012,20]
Habt ihr erst solche Momente der geistigen Weihe genossen, dann fängt schon
die weltliche Sonne an – sich ihrem Untergange zuzuneigen, und das Heer der
Geisterhimmel, wie die bei der Nacht funkelnden Sterne, werden euch die Größe
eines künftigen Seins, die Größe eures eigentlichen Wohnortes faßlich machen! [Sg.01_012,21]
Dieses bedenket, handelt und lebt danach, um einst Meiner würdig zu sein!
Amen. 13. Kapitel – Die Schöpfung der materiellen und geistigen Welt. 15. Januar 1871 [Sg.01_013,01]
Mein lieber Sohn, du willst von Mir eine Erklärung Meiner Schöpfung haben; du
winziger Wurm möchtest, als kleinster Punkt im Raume, die Unermeßlichkeit
Meines Reiches erschauen und erfassen seine Größe, seine Ausdehnung! [Sg.01_013,02]
Wenn Ich sie dir zeigen könnte mit Meinem Geistesblick, so wäre es wohl
möglich, daß du eine ferne Ahnung ihrer Größe erlangen könntest; aber so, als
endliches Geschöpf, wie soll Ich dir die Unendlichkeit begreiflich machen?
wie soll Ich dir verständlich zeigen, daß wenn du die ganze materielle
Schöpfung in all ihren Dimensionen dir denken kannst (da, ja auch da noch, wo
der letzte Stern oder die letzte Sonne eines Systems flimmert, wieder aus neuer
Ferne ein anderes seinen Anfang hat), daß – wo alle Materie ihr Ende hat,
erst das ewige Geisterreich beginnt? [Sg.01_013,03]
Wie kannst du dieses alles fassen? Bedenke deine Frage an Mich wohl! Ich weiß,
du fußest dich darauf, indem du Mir entgegenhältst, sagend: „Ja, ein winziger
Wurm bin ich wohl, doch mein Geist, meine Seele sind es nicht, sie tragen
einen Funken von Dir, und mittels dieses Funkens wage ich als Kind eines
unendlichen Vaters die Frage, und sage: Vater! um Dich ganz zu begreifen,
bitte, zeige mir Deine Macht, zeige mir Dein Haus, wo ich einst wohnen und
die Seligkeit genießen soll, die Du den Kindern beschert hast, die Dich
lieben und Deiner Lehre folgen!“ [Sg.01_013,04]
Auf diese Frage will Ich dir auch antworten und sagen: Sieh, Mein lieber
Sohn, du hast die Sache am rechten Punkte angegriffen. Als Mensch bist du zu
unbedeutend, aber als Geist groß genug, mit Mir in die tiefsten
Schöpfungsräume zu dringen, dort Wunder zu schauen und auch, vermöge deines
von Mir abstammenden Geistes, das Warum zu begreifen. Und so will Ich dich in
Meine geistigen Arme nehmen und mit dir die unermeßlichen Räume durchfliegen,
wohin noch kein menschliches Auge seine Strahlen gesendet und wo Millionen
von Wundern der Schöpfung und zahllose Geschöpfe Mir, dem Herrn und Schöpfer,
als dem großen Geiste, ein immerwährendes Lob- und Danklied singen. [Sg.01_013,05]
Ich will dich hinführen in jene Räume, wo es nur einem geistigen Auge möglich
ist, die Entfernungen zu messen, da eure Art, zu zählen, längst aufgehört
hat. [Sg.01_013,06]
Ich will dich hinführen an den Born des Lebens, von wo alles Leben für die
materielle Welt ausfließt, und von dort wieder mit Lichtes- und Gedankenschnelle
hinführen bis an die Außenseite des Großen Schöpfungsmenschen, wo das Erscheinliche
aufhört und erst der geistige, noch bei weitem größere Weltenmensch seinen
Anfang nimmt! [Sg.01_013,07]
Du sollst mit Mir die Idee Meiner Größe genießen und nebenbei erstaunend in
den Staub sinken vor Meiner anderen Haupteigenschaft, der Demut! [Sg.01_013,08]
So komme also, erhebe dich mit Mir! Laß das irdische Getriebe vergänglicher
Wünsche und Sorgen und folge Mir in den nie verwelkenden Blumengarten deines
himmlischen Vaters, der dich dort Genüsse ahnen lassen will, wovon noch kein
Sterblicher die wahre Ahnung hatte. [Sg.01_013,09]
Hier siehst du den großen materiellen Weltenmenschen vor dir, wie er mit
dichter ätherischer Haut umgeben, ein Begrenztes im Unbegrenzten ist. Du
siehst, wie er mit Gedankenschnelle seinen Flug in dem unermeßlichen Raum um
ein ihm selbst unbekanntes Zentrum fortsetzt; du siehst, wie er mit allen
seinen Organen aus dem ewigen Uräther durch seine Haut-Poren alles
Lebensfähige einschlürft und nebenbei auch das Verbrauchte dem Äther wieder zurückgibt;
du siehst seine Form oder Gestalt, der deinen gleich. [Sg.01_013,10]
Jetzt fragst du, warum hat er diese Form? [Sg.01_013,11]
Nun, hier wollen wir nebst der Erklärung des Daseienden auch das Warum dabei
erörtern, und so folge Mir denn auch im Gedankenflug, wie im Raume, und
ersehe, daß Konsequenz (Beharrlichkeit) oder Durchführung eines Grundprinzips
das erste Fundament Meiner Göttlichkeit ist und auch bei dem Menschen als
geistiges Wesen seine erste Stütze sein sollte. [Sg.01_013,12]
Sieh nun, Mein Sohn, die menschliche Gestalt, oder eigentlich gesagt – Meine
eigene, habe Ich als ersten Grundtypus in der ganzen Schöpfung aufgestellt
und demgemäß auch alle Wesen, von den kleinsten Infusorien bis zum Menschen
stufenweise diese Gestalt nach und nach entwickelnd, geschaffen. [Sg.01_013,13]
Was für Tiere und lebende Wesen es auch im ganzen materiellen Universum gibt,
alle tragen wenigstens in ein oder dem andern Teil Anklänge der Grundformen
eines menschlichen Körpers als Grundidee an sich, welche gemäß ihrer
Eigentümlichkeit und für sie bestimmte Lebensweise dann weiter veredelt,
besser vervollkommnet zu einer höheren Stufe vorrücken, bis nach langem
Ringen der Kulminationspunkt, die menschliche Form, erreicht ist. [Sg.01_013,14]
Neben diesem Ringen alles Geschaffenen nach dieser Form gibt es noch einen
anderen Hauptfaktor in der ganzen Schöpfung, welchen Ich als solchen
festgestellt habe und ohne den nichts bestehen könnte; es ist das Prinzip der
Selbsterhaltung. Denn nur einmal schuf und dachte Ich Mir die materielle Welt
in ihrem ganzen Bereich und Umfang, und da ward auch ihre fernere
Selbständigkeit durch Selbsterhaltung bestimmt, bis, wie im Kleinen so im
Großen, die Körper und Welten und alle geschaffenen Wesen soweit ausgebildet
sind, daß sie dann für eine höhere Stufe geeignet wären, wo der erstgegebene
Leib seine Mission erfüllt hat und am Endpunkt seiner Existenz angekommen mit
dem Zerfall desselben den ersten Schritt zu einem besseren Sein machen. [Sg.01_013,15]
Um diese Selbsterhaltung herzustellen, mußte Ich nebst der Außenseite eines
jeden Wesens ihm eine innere Organisation geben, die alle Bedingungen
erfüllt, damit das Verbrauchte ausgeschieden und Neues dafür eingesaugt wird;
durch welchen Austausch das Leben bedungen und die weitere Selbsterhaltung
vollführt wird. [Sg.01_013,16]
Nun, hier siehst du also, warum alles, was lebt, innere Organe und Teile hat,
die alle zu diesem Prozesse geschaffen worden sind. [Sg.01_013,17]
Was wir im Kleinsten gesehen, das siehst du auch wieder im Größten, wo da
kreiset der Schöpfungs-Mensch, Meine oder auch deine Form, nur aber in
Dimensionen, welche nur einem hohen Geiste faßbar sind. [Sg.01_013,18]
Analog der Erhaltungs-Ordnung eines kleinsten Wesens hat auch er seine innere
Einrichtung, die ebenfalls wie beim Menschen zum Austausch des Verbrauchten
gegen Neues geordnet und gebaut ist. [Sg.01_013,19]
Auch in ihm schlägt und pulsiert ein Herz, das alles erhält und seine
Lebenskräfte bis in die letzten Sonnensysteme der Außenhaut hinaustreibt;
auch er hat seine Lunge, um die ätherischen Substanzen, wie die menschliche
die Luft, in seine eigenen brauchbaren Elemente zu verkehren; auch er hat
alle Organe wie ihr, und in diesen Organen leben ebenfalls wieder Wesen, wie
in denen eures Leibes, der für eure Augen auch eine ganze Welt unsichtbarer
Tiere ist; ähnlich wie bei eurem Körper machen alle diese Organe ebenfalls
bei dem großen Weltenmenschen ein Ganzes aus; überall herrscht die nämliche
Ordnung wie im menschlichen Organismus. [Sg.01_013,20]
Wesen, die in dem Organ der entsprechenden Leber oder Lunge des großen Weltenmenschen
leben, können nicht zu Herz- oder Nieren-Menschen geformt werden. Sie sind
glücklich in ihrer Existenz und erwarten dort ihre Verwandlung, um wie alle
geschaffenen Wesen nach Ablegung ihres Leibes in ähnliche Organe des
geistigen großen Weltenmenschen versetzt zu werden oder schon im Weltenmenschen
in edleren Organen ihrer Bestimmung näher zu rücken. [Sg.01_013,21]
Nun sehe Ich in dir die Frage auftauchen: Welches ist wohl der Unterschied
zwischen unseren Leibes-Funktionen und der Aufgabe dieser Sonnen-Komplexe,
die hier das Herz, dort die Lunge und dort das Haupt vorstellen? [Sg.01_013,22]
Da sage Ich dir: Die nämliche Aufgabe wie im menschlichen Körper. Hier treibt
das Herz das mit neuen Lebenskräften geschwängerte Blut durch die Adern und
Venen, dort ist das große Sonnensystem, welches dem Herzen gleich ist, mit
eben den Mitteln ausgerüstet, vermittels seiner Organe das aus dem Äther eingeschlürfte
neue Lebensprinzip den anderen Teilen des großen materiellen Weltenmenschen
mitzuteilen und so seinen Bestand zu sichern. Die Lungen, andere Sonnen- und
Planeten-Systeme von verschiedener Beschaffenheit, empfangen das mit dem
Verbrauchten geschwängerte Weltenmenschenblut, und durch den Einfluß des
unermeßlichen Äthers und dessen Einatmung verkehren auch sie das Verbrauchte
wieder in Lebendiges und stoßen durch Ausatmung das Unnütze aus, und zwar in
den großen Ätherraum durch Mund und Nase wie ihr. [Sg.01_013,23]
Die großen und kleinen Kanäle, als Adern, Venen und Kapillargefäße, die den
menschlichen Körper durchziehen, werden dort durch untergeordnete Systeme und
Kometen vertreten; besonders letztere sind die Licht- und Lebensbringer, welche,
während sie mit ihrer eigenen Bildung beschäftigt sind, auch bis in die
entferntesten Teile des Weltenmenschen durch ihre langgestreckten Bahnen bis
zur Außenhaut desselben den Lebensstoff hinaustragen und das Abgelebte
entweder wieder selbst verdauen oder es zum entsprechenden Organ oder Sonnen-All
wieder zurückbringen. [Sg.01_013,24]
Deswegen sind sie frei von der Anziehungskraft, nicht wie die Planeten,
welche diese zwingt, in kurzen Bahnen um ihre Sonnen zu kreisen, ohne aus
ihnen entweichen zu können. Frei schwebt der Komet, als eine künftige Welt
sich ausbildend, durch alle Weltensysteme hindurch, von ihnen aufnehmend, was
zu seinem Ich ihm angemessen ist. Nichts hält ihn auf, er vollführt seinen
Zweck, bis auch er schwerer und dichter geworden ist, seinen Lauf verkürzt
und als umkreisender Planet oder selbständige Sonne sich einem Sonnensystem
anschließt, wo auch er seine Entwicklungsperiode durchmacht, bis auch ihm,
nach erloschener Tätigkeit seines Innern, die Auflösung höhere Aufgaben
zuweist. [Sg.01_013,25]
So siehst du alle Organe ihre Funktionen erfüllen, das Gehirn erfaßt
Geistiges, gibt es an die in seinen Organen lebenden Wesen ab, diese verbreiten
es durch die Nerven oder geistigen Leiter in die anderen Sonnensysteme und
Sonnen-Alle. [Sg.01_013,26]
Das Auge sieht hinaus in die Weite der Unendlichkeit, sieht von fern das Ziel
und erkennt seine Bestimmung als Weltenauge und teilt es dem Gehirne mit; es
ist der Vermittler des Innern mit dem Äußern; das Gehirn empfängt durch das
Auge die Eindrücke von außen und teilt es den im ganzen Organismus lebenden
Wesen mit. [Sg.01_013,27]
Das Ohr vernimmt die großen Weltenharmonien, ergötzt durch sie die geistigen
Bewohner seines Organs. Was im Auge durch Licht bewirkt wird, ersetzt in
diesem Sonnenkomplex der Ton; und wie im menschlichen Körper stets ein Organ
in Verbindung mit dem andern steht, so ist es auch im großen Weltenmenschen,
wo ein geistiger Genuß in einem Organ dem andern mitgeteilt und von demselben
mitgefühlt wird. [Sg.01_013,28]
Im Auge brechen die sieben Farben sich in seinem Licht- und Sehprozeß; dort
in jenen Konstellationen sind diese Farben in ganze Weltensysteme verteilt,
wovon das eine die blaue, das andere die rote Farbe usw. vertritt. Dort in
dem großen Weltenmenschen gibt es Sonnen von verschiedenen Farben, den Regenbogenfarben
gleich. [Sg.01_013,29]
Die Menschen selbst sind dort in Farbe, obwohl in schwächerem Grade in ihren
Augen, danach geformt. Dort sind Wunder in Größe und Intensität, wovon ihr
kleinen Geschöpfe keine Ahnung je haben könnt. So im Organ des Ohres, wo die
Harmonien und das Gesetz derselben so ausgebreitet und vervollkommnet sind,
daß eure Art, Musik zu machen, gar keinen Vergleich damit aushält. Diese Wesen
genießen demnach Seligkeiten, von denen ihr keinen Begriff habt. [Sg.01_013,30]
Im Gehirn-Komplex mit seinen großen Zentralsonnen-Allen ist alles Licht,
alles Weisheit, dort versteht und sieht der Mensch den ganzen Weltenmenschen,
kennt dessen Mission, kennt auch Mich als größten Geist. Wie im menschlichen
Gehirn der Phosphor, so ist dort in diesem System alles Licht, alles klar, so
zwar, daß Schatten zu den nichtgekannten Dingen gehört. [Sg.01_013,31]
Im Herzen, dem Sitz des Lebens, bewegt sich alles und treibt die große
Maschine; die schönsten, erhabensten Gefühle der Seligkeit sind dort
bleibend, bewegen sich aus und ein. Alles kennt Meine Liebe und Meine Huld
und weiß, warum sie da und was ihre Aufgaben sind, und besonders der kleine
anregende Bewegungsnerv desselben ist auch der Ort, wo nicht fern davon euer
Sonnensystem seinen Platz hat. [Sg.01_013,32]
Alle Organe, selbst diejenigen der Ausscheidungen und Ausleerungen, so wie
die zeugenden, den männlichen gleichkommend, sind dort zu den nämlichen
Zwecken bestimmt, zu welchen Funktionen sie auch im menschlichen Körper da
sind; sie gehören zum Ausscheiden des Verbrauchten und müssen ebensogut vorhanden
sein wie diejenigen zum Einsaugen, soll eine Selbsterhaltung des großen
Weltenmenschen bestehen. Die Analogien der Bewohner dieser unermeßlichen Welten
sind ebenfalls so verschiedenartig wie ihre eigenen Organe selbst. Sie euch begreiflich
und faßbar zu machen, wäre vergebliche Mühe. [Sg.01_013,33]
Seht nur die Erde an, wo ist hier Anfang, wo ein Ende ihrer Schöpfungen, und
so überall. Ein unendlicher Gott kann ja nur Unendliches schaffen, daher
verlange auch du keine Beschreibung von Weltensonnen, ihrer Größen, ihrer um
sie kreisenden Sonnen und Planeten, deren eine Unzahl ist, ihrer
Schwestersonnen mit verschiedenen Farben, ihrer Einwohner und Geschöpfe, wo
kein Schreibmaterial ausreichen würde, je nur die kleinste Welt zu beschreiben,
geschweige jene Welten, wo euer Licht, als schnellste Bewegung bekannt, doch
nur ein langsamer und kurzer Zeit- und Raummesser wäre. [Sg.01_013,34]
Diese Einzelheiten können nur mit geistigen Augen erfaßt und mit Geistes-Gedanken
gedacht werden. Solange ihr in dieser irdischen Hülle lebt, ist eine andere
Verständigung unmöglich. Dort im Jenseits, mit gesteigerter Sehkraft des
Geistes versehen, werdet ihr leichter begreifen, was hier zu erklären Ich
Selbst nicht imstande bin. – Soviel kann Ich dir und euch allen nur sagen,
daß überall, wo euer Auge oder Gedanke nur hinreichen würde, die menschliche
Gestalt als einzig allein herrschende Form festgestellt worden ist; daß diese
aber in Hinsicht der Größe und Farbe gemäß den entsprechenden Welten
natürlich auch anders sein muß, das versteht sich von selbst. Überall aber
ist Meine Liebe und Meine Gnade tätig gewesen, den Geschöpfen, welche Ich ins
Leben gerufen, die größtmöglichste Seligkeit zu bereiten, deren sie auf ihrem
Standpunkte fähig sind, und welche Seligkeit dann von Stufe zu Stufe vermehrt
wird, bis die letzte, Mein Kind zu werden, alles Mühen und Ringen mit Meiner
Nähe krönt. [Sg.01_013,35]
Gemäß allem diesen möget ihr begreifen, zu was Ich euch auserkoren und zu
welch großer Mission und Befähigung Ich euch den Weg geöffnet habe. [Sg.01_013,36]
Millionen von Wesen entbehren dieser Gnade, die ihr in vollstem Maße genießt,
und während diese große Anzahl geschaffener Wesen Mich nur durch Meine Werke
oder durch Lehrer kennt, die Ich in ihre Gefilde sende, um sie zu leiten und
zu führen, lasse Ich Mich hier auf eurer kleinen Erde so weit herab, um euch
mit eignem Munde, vermittels Meiner Schreiber, Brot aus den Himmeln zu geben. [Sg.01_013,37]
Bedenket doch einmal, was das sagen will! Denket an die All-Größe Meiner
Schöpfung, an Meine eigene Macht und Zusage, und vergleicht eure Winzigkeit,
und ihr müßt zusammensinken in ein Nichts vor der Gnade, die Ich euch angedeihen
lasse, wo ihr wirklich ausrufen sollt: „Vater und Herr! was bin ich, daß Du
meiner gedenkest!“ – Und wenn ihr erst bedenkt die Opfer, die Ich für euch
brachte, um euch zu dem zu machen, was ihr in bezug auf den Nervenkomplex des
Weltenherzens selbst sein sollet; das heißt: die bewegende allgemeine Triebfeder
Meiner ganzen materiellen Schöpfung! [Sg.01_013,38]
Nachdem im menschlichen Körper auch nicht das kleinste Zellgewebe oder
Kapillargefäß umsonst vorhanden ist, da alles nur zur Erhaltung des Ganzen in
seiner Weise beitragen muß, so ist auch im großen Weltenmenschen nicht die
kleinste Faser des menschlichen Körpers vergessen und alles findet sich dort
entsprechend nachgebildet vor; nur müßt ihr euch die Funktionen des
Weltenmenschen nicht so denken wie die eures Körpers, sondern in analogen
Entsprechungen, wo ganze Sonnensysteme in bezug auf ihre Stellung,
Beschaffenheit und Anzahl genau das ausdrücken und vollführen, was ein oder
das andere Organ im menschlichen Körper ebenfalls in bezug auf das Ganze zu
tun hat. – So ist zum Beispiel die Milz die elektrische Batterie oder der
Feuerherd, wo das Blut nach seinem kleinen Umlauf wieder neu belebt wird.
Also ist im Großen Schöpfungsmenschen das entsprechende große Sonnen-All mit
seinen tausend und tausend Sonnen und Planeten auch nichts anderes als der
große Lebensverteiler an viele andere ihm nahe stehende und von ihm
abhängende Welten, welche dann ebenfalls wieder, mit mehr als verbrauchbarer
Kraft und Licht begabt, es wieder ausstrahlend, durch Millionen weite
Lichträume an andere Sonnen und Welten ihr Überflüssiges verteilen. Diese
verarbeiten dann, gemäß ihrer Stellung zum Ganzen, das für sie Taugliche und
geben ebenfalls wieder durch ihre magnetisch-elektrische Ausströmung den
Impuls zu tausenderlei verschiedenen Prozessen und so fort, bis alles seinen
Kreislauf durchgemacht und das Verbrauchte mittels der Ausscheidungs-Organe
dem Äther wieder zurückgegeben wird. [Sg.01_013,39]
Dieses ist der Erhaltungsprozeß des großen Weltenmenschen, der durch seine
schnelle Bewegung im unendlichen Raum vermittels der Reibung, die seine
eigene Bewegung verursacht, die im Äther liegenden Lebens-Elemente erweckt
und sie dann durch seine Billionen und Billionen von Aufsaugungs-Organen, wie
bei der menschlichen Haut durch die Poren, den inneren Organen zum weiteren Gebrauch
und zu seinem eigenen ferneren Bestand übergibt. [Sg.01_013,40]
Sieh nun, Mein lieber Sohn, so lebenerweckend und lebengebend flieht unser
Großer Schöpfungsmensch im unendlichen Raum ohne Grenzen Äonen und Äonen von
Zeiträumen fort, bis er auch sich innerlich und äußerlich abgenutzt hat und
seinem Verfall entgegengeht. Und was mit dem menschlichen Körper nach seinem
Tode geschieht, das geht auch dort vor sich. Auch er (der Weltenmensch) wird
aufgelöst werden in andere Elemente; andere Produkte werden sich aus seinen
Überbleibseln bilden, die wieder, wie es bei den verwesenden menschlichen
Körpern der Fall ist, zu neuen Schöpfungen leiten werden. [Sg.01_013,41]
Die Materie, aus der er geschaffen ist, wird sich scheiden lassen müssen. Das
Geistige wird geistige und das Materielle materielle Verbindungen eingehen,
wo jedes für sich, den Bau zur ferneren Selbsterhaltung in sich tragend, dann
von neuem einen großen Kreis der Entwicklung antreten und sich wieder unter
der Form des menschlichen Körpers organisieren wird, nur mit dem Unterschied,
daß wie im menschlichen Körper die irdischen Organe zu ihren künftigen
geistigen sich verhalten, so auch im großen Weltenmenschen dieselben in
geistigen Entsprechungen vertreten sind. – [Sg.01_013,42]
So geht dann aus dem Zusammensturz des jetzigen großen Weltenmenschen ein anderer
hervor, der, aus feineren geistigen Elementen zusammengesetzt, wieder ein
großer Weltenmensch sein wird; aber alles darin, seine Bewohner und sonst
lebende Wesen, mehr geistiger Natur. [Sg.01_013,43]
Dasjenige, was im Körper des Menschen die in ihm gebundene Seele und der
Geist waren als Leiter des Ganzen, das wird im großen Weltenmenschen der
Trieb sein, der alles Geschaffene seiner Erlösung und alles Geistige seiner
Vergeistigung entgegentreibt. [Sg.01_013,44]
Sieh den großen Weltenmenschen an, lauter Sonnen bilden sein Inneres; lauter
Licht durchströmt als lebendes Fluidum seine weitgedehnten Räume. Gleich dem
Blute im menschlichen Körper trägt er es überall hin, wo dafür Bedarf ist;
entwickelt Wärme, die Wärme zersetzt, behält das Gedeihliche und stößt das
Unnötige aus. Letzteres, getrieben durch die Kraft der Abstoßung, durchflieht
den Raum, vereint sich mit anderem Verwandten, wird wieder durchdrungen vom
beleuchtenden Lichte und gebäret Neues für andere Sonnenwelten; und so
verwandelt sich das Unbrauchbare des einen zum Segen fürs andere. [Sg.01_013,45]
So geht es fort in unendlichen Zeiträumen, wo Millionen von Jahren ein
kleinster Zeitabschnitt ist; stets erneuernd, stets bildend, stets zerstörend;
und aus allem diesem Regen, Bilden und Zerstören entwickelt sich das in der
Materie gebundene Geistige zu höheren Stufen. Stets höher und höher
verfeinert es sich von Potenz zu Potenz, wird reiner, geistiger, göttlicher,
bis es als göttlich Geistiges in den noch größeren Geist-Weltenmenschen
übergehen und dort seine Verwendung vorerst auf der untersten Stufe finden
kann, wovon dann eine noch höhere Stufenleiter beginnt, die aufwärts und
aufwärts steigt – bis zu Mir, zu Meinem Reich, zu Meinen Himmeln der höchsten
geistigen Ruhe und der höchsten ewigen Seligkeit. [Sg.01_013,46]
Daß dieses Streben der in der Materie gebundenen geistigen Macht fortgeht,
bis alles entbunden ist, und so wie beim Menschen die Knochen mit der Zeit
vom flexiblen, elastischen Knorpel zum starren Kalk übergehen, ähnlich auch
in dem großen Weltenmenschen, bis die den menschlichen Organen entsprechenden
Weltensysteme sich ausgelebt haben, alles Lebende, Tätige, für Licht und Wärme
Aufnahmefähige entflohen und nur das gleichsam zum harten Stein Gewordene
übriggeblieben ist. [Sg.01_013,47]
Wenn nach unendlichen Zeiträumen dieser Fall eingetreten sein wird, dann hat
der Organismus aufgehört zu sein; die Reproduktionskraft der Lunge, die
galligen Ausscheidungen der Leber, die Ausscheidungen des Verbrauchten, die
Zeugung neuer Welten, alles hat seinen Ruhestand erreicht, die Poren der
dichten Ätherhaut des großen Weltenmenschen stehen offen, der Äther dringt
ein und zieht wieder unverrichtetersache auf der entgegengesetzten Seite
hinaus, kein Organ saugt seine Elemente auf, kein Licht verzehrt gierig seine
Leben bringenden Substanzen, starr prallt es ab von den verkalkten Wänden der
Sonnen und Welten, das Leben ist entflohen und hat sich geborgen in höheren
geistigeren Räumen, wo der Tod nie geherrscht und nur ewiges Licht, ewige
Liebe und ewiges Leben seinen Sitz aufgeschlagen hat. [Sg.01_013,48]
Wenn dieser Zustand eingetreten ist, dann wird durch Mein mächtiges Wollen
der große Weltenmensch aufgelöst; er geht wie der menschliche Körper seiner
Verwandlung entgegen, und aus dem starren, verkalkten, leblosen Gestein geht
wieder, wie der Phönix nach einer alten weltlichen Sage, eine neue, schönere,
geistigere Welt hervor, die alles enthält, was der frühere Weltenmensch
besaß, all seine Organe, alle seine Funktionen, nur feiner, geistiger. Ein
neues stufenweises Schaffen beginnt, Leben und Wärme strömt wieder in den neu
sich lebendig bewußten Weltenmenschen ein; die Sonnen leuchten, die Erden
kreisen wieder freudig in ihrem fruchtbringenden Wirbeltanze um sie, und neue
Wesen, neue Kreaturen mit ebenfalls geistigeren Leibern angetan, beginnen
ihren neuen Lebenslauf, wo dann der Tod und die Zerstörung nicht mehr als
notwendiges Grundprinzip festgestellt als eine Unterlage zu einer neuen
Schöpfung dienen muß, wo dann nur ein sanfter Übergang von einer Stufe zur
andern das Vorwärtsschreiten bezeichnet, wo das Materielle aufhört und die
geistige Welt ihren Anfang genommen hat. [Sg.01_013,49]
Dort beginnt das Leben im großen Geistes-Menschen, dort bewegt sich der
frühere, jetzt vergeistigte Weltenmensch um Meine im tiefsten Hintergrunde
leuchtende Zentralsonne, oder das Herz der ganzen geistigen Welt; saugt nun
nicht in sich Ätherisches, sondern Geistiges durch seine neutätige
Überzugs-Haut ein, vergeistigt so sein Inneres, welches dann wieder nach und
nach sich auflöst in seiner Individualität entsprechende Organe des geistigen
übergroßen Weltenmenschen. [Sg.01_013,50]
Wie nun der materielle Weltenmensch so im Äther seine Bahn durchfliegt, nach
Vergeistigung ringend, so gibt es ätherische, in geistiger Entsprechung,
Millionen und Millionen, die alle ähnliche Prozesse in höhere Stufen durchgemacht
und noch fortwährend durchmachend und vergeistigt wieder einzelne Organe des
großen Geistes-Menschen bilden, der ebenfalls in den weiten unendlichen Räumen
sich fortbewegend, aus dem ihn umgebenden feineren, geistigeren Äther seine
eigenen Lebensprinzipien zur Selbsterhaltung aufsaugt und so ein ewiges Fortschreiten,
ein ewiges Verwandeln, Neuschaffen und Neubeglücken der auf solchen Welten
lebenden Geister begründet und erhält. [Sg.01_013,51]
Im Geistesmenschen ist der Lebenszweck aller geschaffenen Geister, die
Minderfähigen zu führen, sie zu leiten, ihre Wohnorte zu vervollkommnen und
so ihre Welten und ihre Seelen Mir näher und näher zu führen. Und nachdem in
dem geistigen Weltenmenschen das Schaffen und Erziehen nie ein Ende nimmt, so
ist auch der Tätigkeit aller Geister dort kein Ziel gesetzt, sie können und
müssen stets arbeiten, teils an ihrem eigenen, teils an dem Ich anderer
Wesen, und so Meine Pläne erfüllen helfen. – [Sg.01_013,52]
Und sieh, als Ich diese große Geisterwelt mit ihrer unermeßlichen Ausdehnung
erschuf, als Ich den Geistern in jener Zeit diese großen Vollmachten
erteilte, da stellte ich den größten Geist, geboren aus Mir, wie Weisheit aus
Liebe, wie Eigen- zur Nächstenliebe, aus Mir hin in die weite Schöpfung;
übertrug ihm alle Geisterwelten, befähigte ihn zu wirken und zu schaffen, gab
ihm den Namen „Lichtträger oder Satana“ in der himmlischen Sphärensprache.
Und er, seiner ungeheuren Gewalt sich bewußt, übernahm sich, seine Eigenliebe
verblendete ihn, und er verleitete Millionen von Geistern zum Abfall und wurde
so mit ihnen Mein ärgster Gegner. Sein sanftes Licht der Liebe rötete sich
zum Zornfeuer, und so ist er samt seinen mit ihm abgefallenen Geistern derjenige,
welcher nach Meiner Macht trachtet, Mir Meine Liebe, Gnade und Huld gegen
alles Erschaffene in Zorn und Haß verwandeln möchte und jeden auflösenden
Hauch Meiner Liebe mit Spott und Hohn daniedertritt. [Sg.01_013,53]
So ward er aus dem großen Reich des Geistes-Menschen, aus Meinem Himmelreich
verbannt, oder anders gesagt, er verbannte sich selbst daraus, weil ihm die
dort herrschende Friedens- und Liebeluft nicht behagte; er floh weit hinaus
in die ewige Unendlichkeit. Und damit auch er, obwohl Gegensatz von Mir, doch
nur Meinen Zweck erfüllen muß, so erschuf Ich eine materielle Welt aus seinen
und seiner Geister Substanzen, kleidete ihn und die Seinigen dort in die
Materie ein, um, wenn auch nicht ganz, doch dann in kleine Parzellen
aufgelöst, sich zu Mir zurückbegeben zu können. [Sg.01_013,54]
Dieses ist das Auflösungsgesetz der Materie, welche gezwungen nach und nach
hergeben muß, was freiwillig sich nicht Meinem Willen fügen wollte. Und so
ist Satan selbst mit dem, was ihm nach seiner Materialisierung geblieben, auf
und in der Erde gebannt, als dem Wohnort, wo gerade Ich schon vor Äonen und Äonen
Jahren bestimmt hatte, das große Demütigungs- und Erlösungswerk für alle
Menschen und Geister zu vollbringen. – Und eben dort, wo Ich den meisten
Segen und die größten Gnaden spenden und von da verbreiten will, auch er die
größte Macht haben soll, Meine einst zu werdenden Kinder zu verführen, soviel
es ihm möglich, damit gerade aus diesem Kampf, gegen und mit ihm, die
herrlichsten Blumen und Geister für Mein Reich hervorgehen, und er so, statt
Mir zum Trotz arbeitend, Meinen Kindern zum größten Sieg, zur größten
Seligkeit verhelfen muß. [Sg.01_013,55]
So muß Satan, frei wie Ich ihn schuf, doch nur Mir und nicht seinen Plänen in
die Hand arbeiten und den großen Prozeß der Vergeistigung alles Materiellen
befördern helfen. [Sg.01_013,56]
In dem geistigen großen Schöpfungsmenschen lebt und webt stets das große Organisieren
und Schaffen fort, dort leben die Geister ebenfalls wie in dem materiellen
Weltenmenschen gemäß den Organen des menschlichen Körpers in den den Organen
entsprechenden Himmeln; dort ist alles anders als im Weltenmenschen. Was in
ihm in Form der Materie ausgedrückt ist, lebt und besteht dort im Geistigen;
dort ist die gröbste Materie Licht und die feinste Geist. [Sg.01_013,57]
Wie beim Weltenmenschen sein Auge, ein großer Sonnen- und Weltenkomplex
elektrisch leuchtend weit in den Äther hinaus seine Strahlen sendet, um von
dort den Lebensstoff für die Kopfnerven oder die geistigen Weisheits-Welten
einzusaugen, so ist das geistige Auge des großen Geistesmenschen das
Liebe-leuchtende, welches die zartesten Elemente aus dem unendlichen
Gnadenlichte in sich aufnimmt, um sie seinem großen Gehirn-Nerven-System oder
Weisheits-Himmel zu übermachen, wo die Schöpfung, ihr Entstehen, ihr Zweck
und Mein Wille von allen Geistern und Weisheitsengeln wohl verstanden wird.
Ebenso verrichtet jedes andere Organ des Geistesmenschen seine ihm
angewiesene Bestimmung, und die dort lebenden Geister haben demgemäß ihren Beruf
und ihre Seligkeit in ihm. [Sg.01_013,58]
In Meinem Geist-Schöpfungsmenschen sind Liebe und Weisheit die Hauptsubstanz,
wie beim Menschen das Blut und die Luft und beim Weltenmenschen das Licht und
die Wärme. [Sg.01_013,59]
Die Liebe ist der erste Bewegungs-Faktor im geistigen Leben, sie begleitend –
die Weisheit. Liebe regt an, Weisheit erläutert – im Weltenmenschen das
Licht, und Wärme dehnt aus. Oder im menschlichen Körper – das Herzblut belebt,
und im kleinen Blutumlauf der Leber scheidet es die Galle aus, die dann als erregendes
Prinzip wieder den Scheidungs-Prozeß in der Verdauung bewirkt, wie im
Weltenmenschen die zersetzende Wärme und im Geistes-Menschen die erläuternde
Weisheit. [Sg.01_013,60]
Wer dann dem einen oder dem andern allein huldigt, verfehlt seine Mission.
Liebe allein ist vernichtend und die bis an Meine Grenzen reichen wollende
Weisheit ebenfalls; Licht (intensives) ist blendend und Wärme zündend.
Blutumlauf ohne Austausch der abgelebten Elemente mit neuen hat keinen Zweck,
wie die Galle ohne dem Verdauungs-Prozeß dienend ebenfalls. [Sg.01_013,61]
So sind Meine Grundeigenschaften überall vertreten, und selbst bei Meinem
Daniedersteigen auf eure Erde, wo Ich das größte Werk für die Materie- und
Geister-Welt vollführte, trennte sich einige Augenblicke Meine Liebe von der
Weisheit; letztere stieg zu euch hernieder und lehrte euch die erstere kennen
und besiegelte ihre Lehre und deren Richtigkeit, daß Liebe ohne Weisheit und
Weisheit ohne Liebe nicht bestehen kann, mit dem größten Demütigungs-Akt, den
ein Gott vollziehen konnte. [Sg.01_013,62]
Durch diesen großen Akt der Demütigung von Meiner Seite wurde der ganzen
Geisterwelt der rechte Maßstab ihrer Aufopferungen und Verleugnungen erst
klargemacht, wurde allen Geistern der Weg zu Mir geöffnet; und seit jener
Zeit belebt sie alle ein anderer Geist als vorher, nämlich nicht die Furcht
vor Meiner Macht, sondern die Liebe zu Meinem Ich; früher sahen sie den Herrn
in Mir und jetzt nur den Vater! – – [Sg.01_013,63]
Meine ganze Schöpfung strahlt seit diesem Akt in schönerem Licht als früher.
Verehrende, anbetende Geister fielen einst vor Meinem Throne aus Ehrfurcht
nieder und beteten stumm Meine Größe an; jetzt drängt sich alles jubelnd zu
Mir, dem Vater, der jetzt auch die ganze Seligkeit Seiner Schöpfung doppelt
fühlt – Er fühlt sie als mächtiger Schöpfer und Herr und fühlt sie, indem Er
Sein eigenes Gefühl in dem Herzen Seiner Kinder sich dankbar abspiegeln
sieht. [Sg.01_013,64]
So (und dadurch) ist die ganze Welten- und Geistesschöpfung erst ein wahres
Triumphlied für Mein Herz geworden. Auch Ich kam jetzt nicht umsonst, auch
Ich habe Mir für Meine Liebe Organe geschaffen, in denen Mein Streben und
Wirken den Widerhall Meiner Freude im ewigen Danklied Meiner Kinder wieder
zurückerhält. [Sg.01_013,65]
So hat diese Schöpfung ihren unendlich ewigen Zweck; ewig sich erneuernd,
bereitet sie Mir und den Meinigen ein ewiges Glück und eine fortdauernde Seligkeit. [Sg.01_013,66]
Ein ewiges Glück für Meine Kinder; denn sie finden Stoff zur Tätigkeit, Stoff
zur Bewunderung und Stoff zur Anbetung; und Ich Selbst finde Stoff zu nie
endender Vaterliebe, Stoff zu neuer Befriedigung, Meine Pläne und Zwecke
erfüllt zu sehen, und Stoff zum weiteren Schaffen und zum ewigen Beglücken
Meiner Kinder. [Sg.01_013,67]
Die Liebe als Licht, wie das Blut im menschlichen Körper, durchzieht die
Adern des geistigen und materiellen Weltenmenschen, wie den menschlichen
Körper, überall Heil, Segen und Leben verbreitend; die Weisheit erleuchtet
Meine Wunder dem forschenden Geist; die Wärme erregt die ruhende Materie, sie
zur Verwandlung anreizend, die Galle zündet im Magenbrei und scheidet Gutes
vom Schlechten. So ist überall der nämliche Wechsel, das nämliche Regen und
das nämliche Streben. [Sg.01_013,68]
Was Meine höchsten Engel und Geister vergeistigt im großen Geistesmenschen
klar vor sich sehen, das ahnen die Sonnen- und Weltenbewohner des materiellen
Weltenmenschen und suchen die Forschenden in der Materie. [Sg.01_013,69]
Dort oben, wo der Tod seinen Grenzstein im ewigen Licht-, Liebe- und
Geister-Reich hat, ist Seligkeit, ist ewiger Austausch alles Geschaffenen und
Gefühlten; dort herrscht nur Liebe mit Weisheit gepaart, dort leben Meine
Kinder erst das Wonneleben, welches allen versprochen und bereitet ist, die
nach Meinen Lehren und Meinem Beispiele leben. [Sg.01_013,70]
Im Weltenmenschen sind zahllose Menschen und Geister, die der Erlösung
harren; sie alle gehen dem Verwandlungs-Prozeß zum Geisterreich entgegen,
aber nur langsam. Kein Wesen, auf welchen Welten oder Sonnen es auch lebe,
kann sich rühmen, diesen Vorteil zu haben wie ihr, ihr winzigen Bewohner
dieser Erde, dieses kleinen Sandkorns im Universum. [Sg.01_013,71]
Auf keinem dieser großen Körper bin Ich persönlich gewesen, wie gerade auf
eurer Erde, überall zeigte Ich Mich nur manchmal als Herr und Schöpfer, Meine
Geschöpfe leitend oder durch Meine Geister belehren lassend. Nur hier auf diesem
nichtigen Klumpen gefesteter, bösester Materie, dem Verbannungsort Meines
größten Gegners, vollbrachte ich die Tat Meiner größten Erniedrigung – und
eurer größten Erhöhung. [Sg.01_013,72]
O bedenket doch diesen Schritt! Vergleichet euch mit allen übrigen im weiten
Schöpfungsraume lebenden Wesen, vergleichet euch mit den im Geistes-Menschen
Lebenden; welcher Vorzug ist euch gegeben durch diesen Schritt von Mir; und
jetzt durch die Gnade der direkten Mitteilung, wo Ich euch alles aufdecke,
Meine Schöpfung euch klarmache und euch hineinschauen lasse in die bisher von
niemandem, auch nicht den höchsten Engeln enthüllten Geheimnisse Meiner Macht
und Meiner Liebe. [Sg.01_013,73]
Und wie benehmt ihr euch dagegen! Wie kalt, wie herzlos, bloß aus Neugierde
zum Teil getrieben, haschet ihr nach neuen Mitteilungen und vergeßt dabei,
daß jedes Wort aus Meinem Munde ein Strom geistigen Lichtes ist, das weit
über alle denkbaren Entfernungen hinaus aus dem Zentrum Meiner Himmel, aus
dem Zentrum Meines Herzens und Meiner väterlichen Liebe zu euch kommt, um
euch zu erleuchten, zu erwärmen und euch Mir näher zu ziehen. [Sg.01_013,74]
Begreifet doch einmal, wie es Meinem Vaterherzen wohltut, wenn Ich sehe, daß
Meine Worte so verstanden werden, wie Ich sie euch gebe, wenn Ich sehe, wie
Mein großer geistiger Himmel sich in euren Herzen abspiegelt, wenn Ich sehe,
daß alle Meine Worte, alle Meine materiellen und geistigen Schöpfungen von
euch begriffen oder doch wenigstens geahnt werden. [Sg.01_013,75]
Für wen erschuf Ich denn diese zahllosen Wunder, diese zahllosen Licht- und
Wärmeträger, die großen Welten und Sonnen; für wen erschuf Ich Meine
Geisterhimmel mit all ihren nie versiegenden Freuden, wo eine Minute Äonen
Zeitalter des Genusses auf andern Sonnen und Welten aufhebt. Für wen erschuf
Ich alles dieses, alles, was wieder in bildlicher Form Mein eigenes Ich
ausdrückt, damit ihr auch bildlich Den sehen und erkennen sollet, der euch
alle ans Vaterherz drücken möchte; für wen erschuf Ich denn alles dieses,
leite und führe es, legte in alles den Trieb der Selbsterhaltung, damit ja
nichts vergehe, was Meinen Kindern einst Freude machen könnte oder beim
Anblick ihnen eine Freuden- oder Dankesträne ausgepreßt hätte! Für wen anders
erschuf ich es als nur für euch, die Ich durch Meine größte Erniedrigung
erkaufte, erlöste, und erhoben habe. [Sg.01_013,76]
O bedenket doch alles dieses! bedenket, wenn ihr die unermeßlichen
Schöpfungen und den unendlichen Raum in Gedanken durchfliegt; bedenket, Der,
welcher alles dieses schuf, Der ist es, welcher nichts zum Ersatz will als
nur eure Liebe, als nur die Liebe Seines Kindes zu Ihm, dem Vater! [Sg.01_013,77]
Wo ist ein Vater auf eurer Erde, der solch einer Aufopferung fähig wäre, wie
Ich sie euch bewiesen habe? – und was verlange Ich? [Sg.01_013,78]
In zwei Gesetzen habe Ich es mit großer Flammenschrift auf die
Schöpfungstafeln Meines Himmels- und Welten-Reiches geschrieben: [Sg.01_013,79]
„Liebet – Gott über alles! und den Nächsten wie euch selbst.“ [Sg.01_013,80]
Da habt ihr der vielen Worte kurzen, aber großen Sinn. Vollführet diese
beiden Liebes-Gebote eures Vaters im Himmel, und Er wird euch dafür Seligkeiten
bereiten, die keines Menschen Auge je gesehen und keine Menschenbrust je
gefühlt hat. [Sg.01_013,81]
Hier habt ihr dieses langen Wortes kurze Deutung. Die Erschaffung des großen
Weltenmenschen, die Erschaffung des großen Geistesmenschen, alles dieses
stürzete in ein Chaos zusammen, wäre ohne Zweck und Grund, würde die Liebe mangeln. [Sg.01_013,82]
Liebe, Licht und Leben, drei lebendige Worte Meiner Schöpfung; beherziget sie
wohl! Ohne Liebe – kein Licht, und ohne Licht keine Wärme! [Sg.01_013,83]
Wo in eurem Taten-Leben diese drei Worte nicht gegründet sind, ist Haß,
Finsternis und Tod! [Sg.01_013,84]
Liebet Mich! – erleuchtet euer Herz! und erwärmet eure Nächsten! und die
ganze Schöpfung jubelt euch entgegen; denn ihr habt mit diesen das Vaterherz
besiegt, habt euch zu Seinen Kindern erhoben und dem Himmel Gewalt angetan! [Sg.01_013,85]
Dieses bedenkt, und erkennet einmal ganz die Wichtigkeit Meiner Mitteilungen!
Amen. 12. April 1871 [Sg.01_014,01]
Hier, Meine Kinder, will Ich euch jetzt wieder zeigen, wie in einer einzigen
Form eines Gegenstandes weit mehr Geistiges liegt, und wie der Inhalt dieses
oben genannten Eies mit Meinen anderen Schöpfungen geistig verwandt ist, und
auch, könntet ihr die Sprache des Geistes verstehen, es weit mehr euch sagen
würde, als was die Gelehrten und Chemiker bis jetzt aus demselben
herausgebracht haben. [Sg.01_014,02]
Nun, wir wollen mit seiner Form anfangen und diese ein wenig näher
betrachten, damit ihr dort schon ein Licht aufgehen sehen möget, welches weit
über den sichtbaren Horizont eures Gesichtskreises hinausreicht und bis ins
tiefste Seelenleben hinabführt. [Sg.01_014,03]
Sehet, das Ei ist in der Form eines länglichen, plattgedrückten Kreises euch
bekannt, welche Form bei den verschiedenen Gattungen der Eier mehr gewölbt
oder mehr spitz ist. [Sg.01_014,04]
Diese Form des Eies kommt einer euch bekannten mathematischen Linie nahe, und
ihr kennet sie unter dem Namen Ellipse oder Ovale. Nun, diese Linie, die ihr
auch, wenigstens wer etwas mehr in die Gesetze der Rechenkunst (Mathematik)
eingedrungen ist, berechnen könnt, deren genaue Konstruktion ihr kennt, von
der es euch auch bekannt ist, daß in dieser Form Welten um Welten, Sonnen um
Sonnen kreisen, was ihr von Astronomen und Mathematikern vernommen habt, so
muß Ich euch sagen, ihr wisset dennoch die eigentliche Bedeutung, nämlich die
geistige dieser Form nicht! [Sg.01_014,05]
Nun sehet, wenn ihr euch die Unendlichkeit sinnbildlich vorstellen wollt, so
wählet ihr gewöhnlich die Form eines Kreises als Sinnbild dafür; also ein
Kreis, ein körperlicher Ring oder eine Kugel wäre nach euren Begriffen dem
der Unendlichkeit nahe, weil da nirgends ein Anfang, nirgends ein eigentliches
Ende ist. [Sg.01_014,06]
Soviel nach menschlichen Begriffen. Aber nach Geisterbegriffen oder nach
Meinen Begriffen ist die Unendlichkeit nicht im mindesten mit dem Kreise ausgedrückt,
und das einfach deswegen, weil in einem Kreise sowohl als in einem Ring oder
in einer Kugel alle Teile der Außenseite von ihrem Mittelpunkt gleich weit abstehen,
was in geistiger Hinsicht nicht der Fall ist, wo Ich der Mittelpunkt und die
geistige und materielle Welt, die Mich umgibt, nicht überall gleich weit von
Mir entfernt ist, sondern stufenweise je nach der Entwicklung der geistigen
Elemente das eine mehr, das andere weniger in Meine Nähe zu stehen kommt,
daher eine Ellipse oder ein Oval eher den geistigen Begriff einer
Unendlichkeit und des ganzen Universums bezeichnet. [Sg.01_014,07]
Die Oval-Linie hat auch kein Ende, nur ist der Unterschied, daß das Oval als
Linie oder Körper zwei mathematische Kreis-Zentral-Punkte und einen Mittelpunkt
hat, der aber nicht von allen Seiten gleich absteht, sondern von den längeren
weniger und von den kürzeren mehr. [Sg.01_014,08]
Nun, um euch diese Figur oder Form geistig zu erklären, will Ich euch sagen,
daß in der ersten Schöpfungsperiode der Geister- und Materie-Welt die Geister
weit von Mir in die Unendlichkeit hinausgestellt waren, um nicht durch Meinen
Einfluß gezwungen so handeln zu müssen, wie Ich es wollte; sie mußten frei
ohne die mindeste Abhängigkeit sein. [Sg.01_014,09]
Sobald aber das Bewußtsein in ihnen aufzuwachen begann, sobald der Streit
zwischen freiem Willen und Gehorsam sich zeigte, da formte sich sodann das
nämliche, was bei einem materiellen Gegenstand geschieht, auf den zwei an
Kraft verschiedene Faktoren zu gleicher Zeit einwirken, das heißt, die
Stellung der Geister um ihr Zentrum, um Mich herum, richtete sich nach der
Größe der Einwirkung dieser zwei Kräfte; wie bei einem Körper nach den
Naturgesetzen, wo dieser von der einen Kraft angezogen und von der andern
fortgerissen wird, weder der einen noch der andern ganz folgend, er den Mittelweg
zwischen Fortbewegung und Kreisbewegung einschlägt, welcher Weg endlich nicht
der Kreis, wohl aber der Ovalform oder der Ellipse ähnlich ist. [Sg.01_014,10]
So war auch die Stellung der Geister zu Mir gemäß ihres mehr oder wenigeren
Gehorsams und Freilebens in einer ellipsenartigen Form ausgedrückt, wo Ich
nicht im Zentrum stand, sondern in einem der, wie ihr sagt, Brennpunkte, von
wo Ich die Geisterwelten in die Unendlichkeit hinausgesetzt habe, welche dann
nach und nach sich Mir nähernd zu Mir wieder zurückkehren, geistig beinahe
der Form eines Eies entsprechen, wo der entfernte Kreis der größere und der
Mir nähere der kleinere ist. [Sg.01_014,11]
Eure Astronomen bezeichnen zwar die Planeten- und teilweise auch die Kometenbahnen
in der Form der Ellipse; allein diese Bahnen sind mehr der Form eines Eies
ähnlich; wie auch die Planeten, je weiter von ihrem Zentrum entfernt,
langsamer und in der Nähe der Sonne geschwinder ihre Bahn durchlaufen,
schneller sich um ihre Beherrscherin und Mutter bewegen müssen. [Sg.01_014,12]
Diese Form des Eies ist eine der Haupt- und Primärformen Meiner Schöpfung;
überall ist sie ausgedrückt, im Mineral-, Pflanzen- und Tier-Reich. [Sg.01_014,13]
Überall ist der Grund des Anziehungsprinzips darin verborgen, welches die
gröberen Teile mehr anzieht und die leichteren sich weiter von sich entfernen
läßt. [Sg.01_014,14]
Selbst die Formen der Welten, Sonnen und Planeten formten sich nach diesem
Prinzip; eine Kugel im reinsten Sinne gibt es nirgends, nur Ovale in verschiedenen
Gestalten; und wenn auch andere Formen in der materiellen Welt vorkommen, so
sind ihre kleinsten Atome, aus denen sie zusammengesetzt sind, doch wieder
nur Ovale oder Ellipsen, und warum? [Sg.01_014,15]
Weil eben diese Form Meiner Schöpfungs-Idee entspricht und, geistig in Meinem
Ich selbst begründet, als Typus von Mir allen Produkten und Wesen eingeprägt
ist. [Sg.01_014,16]
Als Typus von Mir ist die Ovalform, nämlich geistig, so verstanden, wie die
Unendlichkeit als Mein zweites Ich es verkörpert oder plastisch ausdrückt in
einem Zentrum, und wo das zweite Zentrum oder der zweite Brennpunkt des geistigen
Ovals weiter entfernt von Mir zwar keine so große Anziehungskraft auszuüben
imstande ist wie Mein geistiges Ich, jedoch noch immer Einfluß auf das Werden
und Vergehen hat. [Sg.01_014,17]
Dort in seiner Nähe (Satans) bewegt sich zwar alles wohl um ihn herum, aber
statt die Kreisbewegung zu vollenden, entfernt es sich, und ein unwiderstehlicher
Zug zieht es zu Mir, dem ersten Brennpunkt, um den sich alles scharen möchte. [Sg.01_014,18]
Also in Ellipsen oder Ovalformen steht die geistig materielle Schöpfung um
ihren Schöpfer herum; diese Form als Typus beibehaltend bildet sich in ihr
alles wieder aus dieser (Ur-)Form, die Pflanzen, ihre Blätter, die Tiere,
ihre einzelnen Teile, Knochen enden und verbinden sich in Ovalen (auch der
Querschnitt der Langknochen und der Zweige und Stengel sind Ovale, und diese
Knochen sind somit nur sehr langgezogene Eiformen), selbst die ganzen Figuren
der Tiere und Menschen könnt ihr geistig in Ellipsenformen einschließen, wo
das Herz der eine und die Zeugungsteile der andere Brennpunkt, oder ersteres
geistig, zweites materiell den Fortpflanzungspunkt bildet, der zum Bestehen
des Ganzen notwendig ist. [Sg.01_014,19]
Euer Kopf hat eine Ellipsen- oder ovale Wölbung, im Innern desselben, wie im
Angesicht des Menschen selbst, ist die schönste Form das Oval. Jede Form, die
geistig erhaben oder schön genannt werden kann, besteht aus Teilen von
Ovalen, aber nicht aus Teilen von Kreisen. [Sg.01_014,20]
Überall leuchtet das Grundprinzip Meines eigenen Ichs durch, ein Herrscher,
umgeben von Seiner Schöpfung, je nach der moralischen Geistesschwere
geordnet, inmitten seines Universums! Wie da alles sich Mir entgegendrängt, in
Meine Nähe zu kommen strebt, weil dort nur Wonne, Liebe und Seligkeit ist, so
ist auch, würdet ihr alle Ovalformen in der Schöpfung untersuchen können,
dort ebenfalls wieder das nämliche im Größten wie im Kleinsten zu ersehen,
nämlich, daß Ich als Gott und Schöpfer nicht viele Formen brauche, sondern
nur eine genügt, aus der Ich dann Welten und geistige und materielle Weltenmenschen
aufbaue, die eben deswegen, weil sie alle nach einem Prinzip gebaut, auch
alle wieder zu dem Gründer und Erbauer zurückkehren müssen! [Sg.01_014,21]
Das Ei ist die Geburtsstätte von vielen körperlichen Wesen; alles was lebt,
oder doch wenigstens der größte Teil davon, wird aus dem Ei geboren, welches
in seinem Innern ebenfalls wieder so geformt, gebaut ist wie der große
Geistes- und der materielle Welten-Mensch. Denn von dem Ei eines kleinen
Tierchens angefangen, bis zum großen Welten- und Geistesmenschen besteht das
nämliche Prinzip seines Baues, die nämlichen analogen Elemente und das
nämliche Endresultat. [Sg.01_014,22]
Im Ei ist vorerst die harte, kalkartige Schale, die überall, wo diese Form
auftritt, die Außenseite ist, welche das Innere als getrennt von der ganzen
übrigen Schöpfung als ein für sich Dastehendes bezeichnet und zusammenhält.
Diese feste Schale ist die ätherische Außenseite, die auch den großen Welten-
und Geistesmenschen vom allgemeinen Äther trennt. Alsdann kommt eine feinere
Haut, die das Flüssige des Eies vom Durchdringen und Zersetzen der äußeren
Schale abhält. Diese feinere Haut ist auch im großen Geistes- und
Weltenmenschen der feinere Äther, der die Welten alle umgibt und sich, wie im
Ei als Flüssigkeit, im Äther dann als Atmosphäre der einzelnen Sonnensysteme
und der in ihnen kreisenden Sonnen und Planeten verdichtet. [Sg.01_014,23]
Der Eidotter, wieder durch eine andere Haut von der übrigen Flüssigkeit
getrennt, ist im großen Welten- und Geistesmenschen die den Welten zu ihrem
weiteren Bestehen nötige, nähere, dichtere Luftschicht, wo sich alles in aufgelöstem
Zustand befindet, was dann durch andere Verbindungen als feste Materie der
Erd- und Sonnen-Körper deren Bestand selbst ausmacht. [Sg.01_014,24]
Inmitten des Eies liegt dann der eigentliche geistige Feuerpunkt eines ewigen
Lebens, der nur durch Wärme (der Liebe gleich) geweckt, die ihn umgebenden Substanzen
zu seinem verkörperten, individuellen Ich dann aufbaut und so aus dem Ei und
seiner flüssigen und festen Materie das Geschöpf formt, zu dessen Form die
Elemente in ihm selbst lagen. [Sg.01_014,25]
Im Welten- und Geistesmenschen ist es ebenfalls wieder der innere, mehr dem
Herzen gleichkommende geistige Teil, wo der Trieb zum Aufbau, zur Erhaltung
des Bestehenden durch das Vorhandene, aufsaugend den Äther- und Lichtstoff
und ihn verarbeitend, die Sonnen- und Weltensysteme aufbaut, sie erhält und
so sie weiter befördert zur geistigen Entwicklung, wie im
Geistes-Weltenmenschen die entsprechenden Himmel, wo auch Ich endlich im
Zentrum gelagert, um Mich herum die geistigsten, großartigsten Schöpfungen,
Geister und Wesen vereint habe, die alles von außen Kommende zur
Weiterbeförderung reifen, es immer mehr vergeistigend Mir näher bringen, wo
es dann – wie im Weltenmenschen Licht und Äther, hier Geist im intensivsten
Licht, dort durch die Wärme, hier durch die nie versiegende Liebe – zu neuen,
höheren Schöpfungen verbraucht und so Mein höchstes Ideal des Guten und
Schönen entwickelt wird. [Sg.01_014,26]
So sehet ihr im Ei, für euch ein unansehnlich Ding, die höchste Potenz, Mein
Ich, Meine Schöpfung, das stufenweise Fortschreiten des Geschaffenen, Mein
ewiges Neubauen, alles, was ihr euch nur denken könnt, geistig vertreten. [Sg.01_014,27]
Das Ei drückt euch im Dotter Meine Liebe, im Eiweiß Mein Geisterreich und in
der harten Schale die materielle Welt aus. Im Zentrum stehe Ich, als Lebens-,
Feuer- und Liebe-Kern alles bewegend, alles der großen Lösung entgegentreibend. [Sg.01_014,28]
Die Mich umgebenden Geister schließen Meine Himmel von der materiellen Welt
ab. Aber auch diese Wand, wie beim Ei die Kalkschale, wird zerbrochen; das
Innere des Eies wird aufgesaugt, zu einer höheren Geburt verwendet, und aus
all den Konglomeraten von Schöpfungselementen wird, wie ein Phönix unversehrt
aus der Flamme, einst Meine geistige, innerste, aber erhabenste Welt treten,
wo alles Geist, Licht und Wärme oder Weisheit und Liebe ist und ewig so
fortbestehen wird. [Sg.01_014,29]
Dorthin drängt sich alles, Ich bin der Brennpunkt, das Zentrum, der
Lebensfunken, der alles belebt, alles erhält, und wenn er auch Formen ändert,
sie doch wieder neu schafft! [Sg.01_014,30]
So sehet ihr im Ei eine ganze Schöpfung, eine ganze Unendlichkeit und ein
geistiges Bild eures Ichs und Meiner Person Selbst. [Sg.01_014,31]
Auch ihr seid wie das Ei, von außen mit einer Schale, die einst der Erde
angehören wird, von dem übrigen geistigen Leben getrennt, auch in euch bewegen
sich ätherische Flüssigkeiten, geistig eure guten und schlechten Eigenschaften,
und im Zentrum, als geistiges Triebrad, das pulsierende Herz mit dem ewig nie
vergehenden Geistesfunken aus Mir! [Sg.01_014,32]
Auch dieser Funke wird die andern geistigen Elemente nach und nach aufsaugen,
das Gute behalten und das Schlechte ausscheiden, wird dann bei Vollreife die
Erdschale zersprengen und als eine geistige Welt im Kleinen, getrennt von der
großen, seinen Himmel und seine Wonne bei Mir, seinem Gründer suchen. – [Sg.01_014,33]
Trachtet also ihr alle, die ihr so viel Geistiges von Mir erhalten habt, es
zu eurem Besten zu verarbeiten; trachtet diesen inneren Brennpunkt, den Liebefunken
aus Mir, Mir einst wiederzugeben wie Ich ihn euch überlieferte, und ihr
werdet im großen Schöpfungs-Ei auch nicht im weitern Kreise desselben, weit
weg von Mir, sondern in den nächsten an Meinem Herzen den Wohnsitz haben, von
wo ihr das ganze Universum übersehen, begreifen und beurteilen könnt, soweit
es einem Geiste möglich ist – und dann werdet ihr in der Oval- oder
Ellipsenform das Urbild der ersten göttlichen Idee im Großen und an euch
selbst, an der Schönheit und Erhabenheit der Geister und der Geisterwelt ganz
verstehen, und es wird euch erst dann einleuchtend sein, daß nur ein Gott aus
so kleinen nichtigen Formen und den Eigenschaften derselben so Großes
schaffen kann, welches am Ende doch nur den Zweck hat, Seinen Kindern einen
Begriff Seiner Größe, Seiner Liebe, Seiner Sanftmut zu geben, und ihnen zu
zeigen, daß Er nicht im Großen allein groß, sondern gerade im Kleinsten am
größten ist! Amen. 11. Juni 1876 [Sg.01_015,01]
Was ist der Regen? Auf diese Frage werden viele gleich mit der Antwort fertig
sein: „Es ist verdichtete Dunst-Atmosphäre, die plötzlich zu Wasser verdichtet
in Tropfen vom Himmel herabfällt.“ [Sg.01_015,02]
Diese (oberflächliche) Antwort genügt den meisten, aber vielleicht doch nicht
allen; denn wenn sie die Wirkung des Regens auf Menschen, Tiere und Pflanzen
aufmerksam betrachten, so muß ihnen auffallen, daß das Wasser, das aus den
Wolken sich (als Regen) ergießt auf die Erde, nicht allein der Grund sein
kann, warum eben die ganze Natur nebst allen lebenden Wesen nach einem Regen
sich gestärkt und erquickt fühlen und Pflanzen aller Art dann besser
gedeihen. [Sg.01_015,03]
Bei euch gilt die Meinung, daß Regen ebenso wie destilliertes Wasser die
wenigsten Erdelemente enthalte, und daß nur die durch den Regen erzeugte
Feuchtigkeit oder Nässe das Gedeihen der Pflanzenwelt befördert oder durch
das Herabdrücken der Temperatur erfrischend auf Menschen und Tiere einwirke. [Sg.01_015,04]
Nun sehet, hier will Ich wieder belehrend auftreten, um diesen altherkömmlichen
Sentenzen und Vorurteilen entgegenzuarbeiten, damit ihr auch hier wieder
sehen möget, wie in den allergewöhnlichsten Dingen – die euch gewöhnlich
erscheinen, eben weil sie euch fast alle Tage vor die Augen treten – doch
noch etwas anderes verborgen ist, was ihr noch nicht wisset, das aber, weil
doch zur geistigen Erkenntnis nötig, ihr mit der Zeit erfahren sollt. So
höret also: [Sg.01_015,05]
Es ist wahr, der Regen ist, wie das Wasser, verdichtete Luft; aber nun frage
ich, was ist denn die Luft? Denn wenn ich weiß, was diese ist, aus was sie
besteht, so kann ich stets annehmen, daß, selbst in anderen Formen
auftretend, sie (die Luft) doch immer der Hauptbestandteil sein wird. [Sg.01_015,06]
Nun, die Luft, so wie sie euch umgibt, ist ein Dunstkreis oder „die
Atmo-Sphäre“, die, wie Ich euch anderswo gesagt, in aufgelöstem Zustand alles
enthält, aus was euer Erdball zusammengesetzt ist. [Sg.01_015,07]
Ob nun leicht oder schwer, verdichtet oder gar gefestet, wie zum Beispiel im
Eise, so enthält auch diese Form doch nur stets die nämlichen Bestandteile,
welche die Luft selbst auch innehat. [Sg.01_015,08]
Wenn es also regnet, oder wenn das Wasser in Form von Tropfen auf die Erde
fällt, so bringt es in dieser Form alle Bestandteile der Erde verdichtet (und
gereinigt) wieder (zurück), was als Dünste von ihr früher in die Luft
aufgestiegen war. Nur ist in der Luft ein Zersetzungsprozeß (mit diesen
Dünsten) durch das Sonnenlicht bewerkstelligt worden, welches die verwesten
Elemente von den neu zu bildenden ausschied und so nur das wieder der Erde
zuführt, was zu ihrem und dem Fortbestehen der darauf lebenden Menschen sowie
der Tier- und Pflanzenwelt nötig ist, während das gröbere Verweste einen
längeren Zersetzungsprozeß durchmachen muß, bis es tauglich wird, der Erde
(und ihren Wesen) wieder nützlich zu sein. – [Sg.01_015,09]
Nun ist aber noch ein anderer Faktor, welcher bei dieser Naturerscheinung,
dem Regen nämlich, zu beachten und welcher eigentlich das Wesentlichste dabei
ist. [Sg.01_015,10]
Sehet, wenn ihr den Himmel betrachtet und die daran schwebenden Wolken, die
zwar schon verdichtete Dünste sind, aber nur in der Wärmeschicht, wo sie
gerade schweben, noch nicht bis zur Wasserform gezwungen als Regen herabfallen,
so werdet ihr finden, daß sie in steter Bewegung und steter Veränderung der
Form sind. Denn die Strömungen, welche im Meere dasselbe bewegen und durch
diese Bewegung es vor Fäulnis bewahren, diese Strömungen sind in dem noch
leichteren Element der Luft noch größer, noch vielfältiger und beständiger,
weil es nur einer Erwärmung oder Abkühlung der Luftschichten bedarf, um das
zu erzeugen, was ihr „Winde“ heißet, welche vom leisesten Zephir bis zum
größten Sturmwind nur dadurch entstehen, weil die abgekühlte oder erwärmte
Luftschicht sich mit ihrer Umgebung ins Gleichgewicht setzen will und zwar
nach dem nämlichen Gesetz der Schwere wie das Wasser, wie selbst die gröbste
gebundene Materie. [Sg.01_015,11]
Nun, durch die Winde werden die in die Luft aufgestiegenen Dünste als Wolken
von einem Ort zum andern getrieben, und so geschieht es, daß das in einer Gegend
in Dunstform aufgestiegene in einer anderen Gegend als Wasser, als Regen herunterfällt
und so Elemente aus einem Breitengrad in andere führt, wo sie in gröberer
Form mangeln, aber in Dunstform dahin gebracht werden können. [Sg.01_015,12]
Aus diesem (nun Gezeigten) könnt ihr ersehen, wie also der Regen nicht bloß
Wasser ist, wie dasjenige, welches in euren Brunnen oder Flüssen sich findet,
sondern daß der Regen als ein Wasser aus anderen Gegenden auch andere
Elemente in sich haben wird als das eurige, weil dieses aus fremden Elementen
zusammengesetzte Wasser auch das Produkt aus anderen verwesten und verbrauchten
Erdstoffen ist, welche zum Beispiel bei euch gar nicht vorkommen oder, wenn
sie da wären, wegen des Klimas und anderen Gründen nicht in der Ausbildung
bestehen würden. [Sg.01_015,13]
Nun gehen wir wieder um einen Schritt weiter und sagen: Wenn also diese aus
der Luft als Regen herabfallenden Elemente dem Erdreich, wo sie auffallen,
fremd sind, warum ist dieses bei euch und vielen anderen Welten so eingerichtet?
– so antworte Ich darauf: Deswegen, weil eine jede Pflanze, Tier oder Mensch
aus seiner Erde und seiner umgebenden Atmosphäre gewisse Elemente aufsaugt,
sie zu seinem Bestande verbraucht, und wenn es so fortginge, diese am Ende in
und um ihn nicht mehr vorhanden sein würden. [Sg.01_015,14]
So will Ich euch aus euren wissenschaftlichen Entdeckungen vorführen, wo es
bewiesen ist, daß der Mensch oder das Tier Sauerstoff aus der Luft zu seinem
Lebensbedarf einsaugt und als Verbrauchtes, für ihn gänzlich Unnützes,
Kohlenstoff aushaucht, während die Pflanzenwelt bei Tage Kohlenstoff in sich
aufnimmt und bei Nachtzeit den Sauerstoff wieder neu bereitet ausstößt;
ferner wisset ihr, daß diese ausgehauchte Luft von lebenden Wesen für sie
keine Elemente mehr enthält, welche ihnen nützlich wären, und der Tod die
Folge davon sein müßte, wenn kein anderes Respirations-Mittel das Verbrauchte
ersetzte. [Sg.01_015,15]
Nun, dieses alles ist ganz richtig, und eure Chemiker haben in dieser
Beziehung den großen Stoffwechsel in Meiner Natur angedeutet, nur ist ihnen
noch etwas anderes entgangen, nämlich daß beim Verbrauch des Sauerstoffes
oder bei Bereitung des Kohlenstoffes noch lange nicht alle Elemente genannt
sind, die in der Luft zum Gedeihen alles Lebenden oder Vegetierenden nötig
sind. [Sg.01_015,16]
Noch Tausende von feinen Partikeln sind es, welche in aufgelöstem Zustande in
der Luft und gebunden in der Erdrinde und unter ihr liegen, und die alle dazu
beitragen müssen, daß alles lebt und gedeiht. [Sg.01_015,17]
Da aber an jedem Ort in dieser Hinsicht eine ewige Verschiedenheit des
Verbrauchens aller Elemente und Stoffe bedingt ist, die zum Leben nötig sind,
um hier das Gleichgewicht stets zu erhalten, damit ein Land oder ein Ort
stets dem Charakter seiner Lage entspricht, so bringen die Winde aus anderen
Gegenden geschwängerte Wolken, welche in ihren verdichteten Dünsten dasjenige
mitbringen, was da mit der Zeit mangeln könnte. Und so ist der Regen das
Verbindungsmittel, welches Verbrauchtes wieder ersetzt, in leichten luftigen
Elementen aus weiter Ferne herführt (was mangelt), um das Gedeihen von
Menschen, Tieren und Pflanzen zu befördern, die alle nicht ahnen, daß dieses
herabströmende Wasser im Regen oft Zonen entnommen ist, wo keine einzige
Pflanze, kein Tier und kein Mensch diesen gleicht, auf welche der Regen jetzt
erfrischend und befruchtend einwirkt. [Sg.01_015,18]
Die Naturforscher und Chemiker sagen, ebenso wie der Landwirt und Gärtner,
daß der Gewitter-Regen befruchtender als der gewöhnliche (Land-)Regen ist,
weil er, wie bei jedem Blitz, die Elektrizität in der Luft zersetzt mit sich
auf die Erde herunterführt und durch diese Elektrizität die Pflanzen besser
wachsen. [Sg.01_015,19]
Ja sie haben recht, aber sie vergessen, daß eben diese Wolken vielleicht aus
Gegenden herkommen, wo die Elektrizität stets überwiegend ist, und von wo sie
durch die Winde getragen erst in diese Gegenden geführt werden, denen es an
Elektrizität gebricht. [Sg.01_015,20]
Was das Blitzen und Wetterleuchten anbelangt, so ist diese Entwicklung der
Elektrizität deswegen, weil eben in manchen Gegenden der Mangel dieses
Fluidums in kurzer Zeit ersetzt werden muß, weil die Winde die Gewitterwolken
zwar mit Sturmeseile bringen, sie aber auch diesen Gegenden mit der nämlichen
Hast entführen würden, wie sie sie gebracht haben. Der Ausgleich mußte
geschehen, und so bedurfte es der großen Elementar-Faktoren, um dieses zu
bewerkstelligen. [Sg.01_015,21]
So seht ihr also, wie der Regen, der Ausgleicher zwischen verschiedenen
Breitegraden, als Mittel dient, das Verbrauchte in Dunstform zu ersetzen und
dem Erdreich wiederzugeben, was es für immer verloren hätte, wäre nicht die
Wechselwirkung durch die eure Erde umgebende Atmosphäre hergestellt. [Sg.01_015,22]
Aus Asiens hohen Gebirgen oder aus Afrikas Sandwüsten oder fruchtbaren
Gegenden des Binnenlandes, wohin noch kein Europäer seinen Fuß gesetzt,
strömen euch die Ausdünstungen von Vegetationen und lebenden Wesen zu, die
ihr nie gekannt oder gesehen habt. [Sg.01_015,23]
Der Luftzug bringt euch das Verbrauchte einer tropischen Pflanzenwelt und
entladet es über euren Häuptern als Erfrischendes, Fruchtbringendes, nicht
ahnend noch wissend, daß später die Dünste eures Landes in der großen
Regenzeit auch zu jenen fernen Gegenden getragen werden, um dort Ströme des
Segens zu bringen, aus Elementen zusammengesetzt, die dort als sichtbar
unbekannt, geistig aber zum Gedeihen stets nötig waren. [Sg.01_015,24]
So möget ihr erkennen, wie einfach Meine Haushaltung es anzufangen weiß, um
Verbrauchtes zu beseitigen und das Nötige zu ergänzen, ebenso wie den
Menschen und Tieren die mit anderen Dünsten geschwängerte Luft nach einem
Regen auch andere Lebenselemente zuführt, welche sie einatmen und verarbeiten
und so mit neuen Stoffen ihr Verlorenes ergänzen und ihnen den Eindruck des
Neubelebens, des Erfrischens geben. [Sg.01_015,25]
Die aromatischen Dünste einer Tropenwelt mußten, durch die Luft und das Licht
zersetzt und verwandelt, Tausende von Meilen hereilen, um euren Blumengewächsen
zu ihrem Gedeihen zu verhelfen, damit überall der Grund des Entzückens und
die Anregung zur Freude in Meiner Natur vorherrsche. [Sg.01_015,26]
In der nichtssagenden Form des Regens, welchen die meisten Menschen nur als
Wasser betrachten, liegt so viel Geistiges, so viel Göttliches von Mir, daß,
würden die Menschen nur ein wenig über alles nachdenken, was sich fast
täglich vor ihren Augen abwickelt, sie erstaunen müßten, wie Ich so an alles
gedacht habe, den Menschen, Tieren und selbst den Pflanzen ihr Dasein zu
versüßen und zu erleichtern. [Sg.01_015,27]
Aus dem einfachen Regentropfen, der schnell zur Erde fällt und dem erstaunten
Auge unter günstigen Verhältnissen noch im Regenbogen die Zersetzung in die
sieben Farben zeigt, wo eine jede eine andere Segensgabe auf die Erde mitbringt
– aus diesem könnten sie einsehen, was Moses in seinen Büchern erzählt, daß
es ein Friedenszeichen ist, war und ewig bleiben wird, weil es euch zeigt,
daß selbst im fallenden Regen nur Segen, nur Liebe, aber auch geistiges
Erkennen ist, für solche, die die Natur mit offenem Herzen und liebendem
Gemüt aufzufassen gewohnt sind und nicht überall nur „Stoffe“ oder „Elemente“
und deren Wechselwirkung sehen. [Sg.01_015,28]
In allem liegt etwas Geistiges, bin ja doch auch Ich ein Geist und kann daher
nichts anderes geschaffen haben als eben nur Geistiges. [Sg.01_015,29]
So ist auch in jedem Prozesse der sichtbaren Natur ein geistiger Grund
verborgen, und nur der kann ihn begreifen, der geistig erzogen und geistig
sich Mir, dem Schöpfer alles Wesenden, nähern will. [Sg.01_015,30]
Wie der Regen von einer Zone der andern nur Segen und Gedeihen bringt, so
sind auch „Meine Worte“ nichts anderes als geistige Produkte oder Elemente
Meines Ichs, die Ich in menschliche Worte geformt, den Regentropfen gleich,
auf euch heruntergieße. [Sg.01_015,31]
Wie der Regentropfen mit Tausenden fruchtbringender Elemente geschwängert auf
eure Erde fällt, so ist „das Wort“ in seiner geistigen Bedeutung, in seiner
Tiefe ebenfalls voll des Segens. [Sg.01_015,32]
Der Regen kommt aus fremden Ländern, und Mein Wort ebenfalls aus andern, und
zwar aus höheren Regionen, wo alles in Fülle vorhanden, was zum geistigen
Fortschritt nötig ist. [Sg.01_015,33]
So nehmet den Regen als Segensmittel eures Gedeihens und Mein Wort als
Lebenstropfen eures ewigen Lebens, damit auch sie euer Herz befruchten mögen
mit dem, was dort meistens fehlt, aber in Meinem Reiche in Fülle zu haben
ist, nämlich: Liebe zu Mir und euren Nächsten! [Sg.01_015,34]
Wie die Zonen und Breitegrade eurer Erde wechselwirkend aneinander abgeben,
was eine jede bedarf, ebenso gebet auch ihr, jedoch mit Vorsicht, euren
Brüdern und Schwestern, was sie bedürfen, d.i. geistige Speise: führet auch
sie dahin, wo Ich euch schon seit langer Zeit zu leiten bemüht bin, damit
auch sie erkennen mögen, wie ewig die Liebe, wie tätig sie, selbst in den
unschuldigsten und alltäglichsten Dingen, nur das nämliche Prinzip verfolgt,
Freuden und Trost zu verbreiten, wo es nur möglich ist. Amen. 29. April 1871 [Sg.01_016,01]
„Was bedeutet der Regen in geistiger Beziehung – und wie verhalten sich dabei
die unzähligen kleinen Tierchen, deren Wohnung die Erde ist?“ [Sg.01_016,02]
So hörtest du, Meine Tochter, in nächtlicher Stille von einer Stimme dich
fragen; und da dir diese Frage nicht weiter beantwortet wurde, so muß eben
jetzt erst dieselbe Stimme dir die Antwort durch die Vermittlung ihres
Schreibers zusenden. Nun sieh denn, Mein liebes Kind: [Sg.01_016,03]
„Der Regen – ist ein Segen.“ Er ist ein Segen, weil er von oben kommt; er ist
ein Segen, weil er Kräftiges, Belebendes in sich schließend, ebenfalls auch
alles wieder neu belebt, wo er hinfällt und eindringt; er ist ein Segen, weil
mit ihm die Liebe oder materiell die Wärme entwickelt wird, und er ist ein
Segen, und zwar ein göttlicher Segen, weil er alles beglückt und neu belebt –
und wie einst Ich als Jesus sagte von der Sonne, daß der Vater im Himmel sie
über Gute und Schlechte aufgehen läßt, ebenso träufelt der Regen über
nützliche und schädliche Pflanzen gleichermaßen herab. Was die Tierchen im
Erdboden betrifft, so hast du in deinem Brief selbst die Antwort angedeutet,
wenn du schreibst: „Als ich über die wahre Liebe nachdachte, da ersah ich so
manches als Sünde, was man oft als Tugend taxierte.“ – [Sg.01_016,04]
Sieh, Mein Kind, die im Erdboden lebenden Tierchen, Larven und Puppen, die
einen schon im äußerlichen Leben entwickelt, die andern der Entwicklung
harrend, gleichen den kleinen Fehlern, die der Mensch oft nicht als Fehler,
sondern sogar als Tugenden oder gute Eigenschaften ansieht. [Sg.01_016,05]
Nun, wenn der Regen auf die Erde fällt und so manches Tierchen seines Lebens
oder seiner Behausung beraubt, sie erbarmungslos wegschwemmt, so gleicht
dieses eurem Herzen, auf welches auch Mein Gnadenregen herunterträufelt oder,
bei geeigneter Disposition, gar in Überfülle herabströmt. [Sg.01_016,06]
Dieser Gnaden-Regen bewirkt das nämliche Resultat wie der Regen am Erdboden.
Der Regen erweicht zuerst die hartgewesenen Teile der Erde; die herabträufelnde
Gnade muß in einem Meiner Stimme geneigten Herzen ebenfalls die dort hartnäckigen,
angewöhnten schlechten Eigenschaften und Begierden erweichen. Der Regen
erwärmt den Erdboden, bringt Leben in seine Vegetation, gestattet den
Wurzeln, sich dann mit mehr Kraft und Elastizität weiter zu verbreiten. [Sg.01_016,07]
Der Gnaden- und Liebe-Regen bewegt das Herz freudig, es wird weich, scheidet
dann mit Vergnügen diese kleinen Gewohnheiten und Fehler aus und belebt das
Gute von neuem. Und wie dann im Erdboden die Tierchen rege werden, um teils
sich vorm Wasser zu schützen, teils erst durch das Wasser von ihrem Winterschlaf
erweckt zu werden, wie die harte Erdscholle, welche sie jetzt leichter durchbrechen
können, um auch sie dem Lichte und der Sonnenwärme entgegenzuführen – ebenso
der Liebe- und Gnaden-Regen im menschlichen Herzen. Auch er erweckt die
besseren und erhabeneren Eigenschaften der menschlichen Natur, läßt ihnen
Kraft zukommen, die harte Schale, die bis jetzt die Welt um sie gezogen hat,
leichter zu durchbrechen, damit auch sie den Menschen zum Lichte der Wahrheit
und der Liebe geleiten sollen. [Sg.01_016,08]
Was der Regen vernichtet und wegschwemmt, was er an Tierchen, deren Eiern und
Behausungen verdirbt, das gedeiht auf einer andern Seite wieder. Nach einem
Regen wird in der Natur-Hauswirtschaft das Gleichgewicht zwischen Produzenten
und Konsumenten wieder hergestellt. Und nach einer tüchtigen Reinigung des
menschlichen Herzens wird auch dort alles wieder ausgeglichen, da das Gröbere
vertilgt, ausgemerzt wurde, aber doch noch so viel übriggeblieben ist, um den
Kampf des Guten mit dem Bösen nicht einschlafen zu lassen; denn nur Kampf
bedingt ein tätiges Leben, weil ohne ihn kein Reiz und kein „Warum“ vorhanden
wäre. [Sg.01_016,09]
Im menschlichen Herzen müssen, wie im Erdboden die kleinen Tierchen durch den
Regen angeregt werden zur Tätigkeit – es müssen sich die guten Eigenschaften
entwickeln können und die schlechten weggeschwemmt, vertilgt, das noch ungeborene
Geschlecht der Puppen und Larven aber ebenso durch diesen geistigen
Gärungs-Prozeß in ihrer Entwicklung beschleunigt werden. [Sg.01_016,10]
Auch auf dein Herz, Mein Kind, träufelt schon lange Mein Gnadenregen herab,
auch bei dir wird es rege in deinem Herzen. Gewisse kleine Eigenheiten, den
Tierchen der Erde gleich, verkrochen sich vor diesem Gnaden- und
Liebe-Wasser, sie wollten sich nicht von dir wegschwemmen, nicht verjagen
lassen. Allein der Regen hörte nicht auf, ja er vermehrte sich, und sieh,
Mein liebes Kind, jetzt da der Grund deines Herzens durch den Liebe- und
Gnaden-Regen erweicht, erwärmt und zur Tätigkeit gekräftigt worden ist, jetzt
wo die Wurzeln deiner guten Eigenschaften sich ausgebreitet haben gegen das
Licht, jetzt beginnt ebenfalls der Gnaden-Regen auf dich dichter zu fallen.
Du beginnst jetzt, wo die meisten überflüssigen kleinen Eigenschaften und
Eigentümlichkeiten entfernt sind, erst anzufangen noch mehr auszuräumen, was
in dir als Unkraut sich noch vorfand, und du stehst nun da wie eine Blume
nach dem Regen, wo brillantene Tropfen des gefallenen Regens auf ihren
Blättern und Blumenkelchen das ganze Universum abspiegeln, dein Herz zu Mir
erhebend, offen zur Schau tragend die herrlichen Resultate der allumfassenden,
nie versiegenden Liebe deines Vaters im Himmel, der auch dich durch Nacht zum
Licht, durch Regen und Wind geistig geführt, dich fähig gemacht hat, jetzt
erst so ganz die balsamischen Düfte einzuatmen, die dem erquickenden Regen,
sei es in der materiellen als auch in der geistigen Welt, stets folgen. [Sg.01_016,11]
Stehe fest! als die schöne, geistige Blume, die Ich Mir in dir erzogen habe;
sei Mir eine Freude und ein Trost deiner Umgebung; und wie eine Blume nur
balsamischen Duft um sich verbreitet, so verbreite auch du lindernde Liebe,
Toleranz und Liebe erweckende Sanftmut um dich! [Sg.01_016,12]
Das soll das Resultat des geistigen Regens sein, den Ich jetzt auf dich
herabströmen lasse. Und wie der Regen und die Sonne, beide über Gute und Schlechte
nur Wohltaten ausgießen, so verbreite auch du nur Gutes um dich herum.
Kümmere dich nicht, wie dieses Gute verstanden und verwertet wird, du tue es,
weil du Mir, dem Spender alles Guten, gleichen willst, ob es die andern zum
Guten benutzen oder nicht, das sei dir gleichgültig. Du, Gutes tuend,
sammelst dir diamantene Perlen des Wohltaten-Regens auf deinem Haupte; die
andern, welche die Gaben nicht zu benutzen wissen, oder oft nicht benutzen
wollen, oder gar mißbrauchen, diese sammeln sich statt (reine) Wasserperlen,
die in ihrem Glanze die Unendlichkeit abzuspiegeln fähig sind, nur
schmutziges Wasser, das ihre Sehe noch mehr trübt als stärkt. [Sg.01_016,13]
Sei Mir gleich! Betrachte die ganze Natur – was tue Ich nicht jeden Tag, jede
Stunde, ja in jedem Pulsschlag oder geringsten Zeitabschnitt! Wie viele
Gnaden-Regen sende Ich über die ganze Menschheit, und wo sind die, welche
dies alles begreifen, wo die, welche je nur einen Blick zu Mir erheben und
ausrufen möchten: „Herr, was sind wir, daß du unser gedenkest!“ [Sg.01_016,14]
Und doch höre Ich nicht auf, Gnaden auf Gnaden zu häufen, um doch zuletzt
auch den Verstocktesten, nicht durch Strafe, sondern durch Liebe zur Umkehr
zu zwingen. [Sg.01_016,15]
So mache es auch du, Mein liebes Kind, lasse Gnade auf Gnade, Wohltaten auf
Wohltaten auf deine Mitmenschen träufeln; sie sind alle Stufen zu Mir, zu
Mir, deinem Vater, der schon längst dich führte und mit ausgebreiteten Armen
Sein Kind erwartet, wenn es einst, nach langen Kämpfen, siegestrunken in
diese sinken wird. [Sg.01_016,16]
Dieses schöne Ziel habe Ich dir zugedacht! Lasse also den Gnadenregen nicht
umsonst auf dich herabströmen, lasse ihn alles fortschwemmen aus deinem
Herzen, was nicht hineingehört, und es wird der Gnaden-Regen, der von oben
kam, dich auch wieder nach oben führen. [Sg.01_016,17]
Also – ausgeharret! Das Ziel ist des Ringens wert. Verzage nicht, Der,
welcher dir dieses schreiben ließ, wird stets dich unterstützen, solange du
auf Seinen Pfaden wandelst! – Amen. 17. Kapitel – Der Mensch und die Schöpfung, I. 27. Februar 1871 [Sg.01_017,01]
Schon mancher von euch und viele andere, denen Meine Worte nicht so zuteil
geworden wie eben gerade euch, haben oft nachgedacht über das menschliche
Leben; wie viele Leiden und bittere Erfahrungen den Menschen von Anfang an,
von der Wiege bis zum Sarge begleiten, wie viele eitle Hoffnungen und Wünsche
sich auflösen wie leichte Nebelgebilde in leeres Nichts, und so mancher
dachte da in seinem Innern eben – zu was so viel des Bitteren auf einer so
kurzen Spanne Zeit der menschlichen Lebensbahn! [Sg.01_017,02]
Manche beschuldigten Mich der Grausamkeit, der Lieblosigkeit und wer weiß was
noch. Manche andere leugneten Mir ab ein Gefühl für Schmerz und Leidwesen,
und manche endlich verleugneten Mich ganz, nahmen wie einst die Heidenvölker
ein Fatum oder blindes Schicksal an, dem niemand entrinnen könne und das in
seinem unaufhörlichen Rollen wie eine Kugel alles zermalmt, was ihm unter
seine Wege kommt. [Sg.01_017,03]
Dem Anscheine nach spricht vieles für die Gültigkeit solcher Annahme, wo am
Ende der Verzweifler sogar auch das Dasein eines waltenden Gottes verwerfen
muß. [Sg.01_017,04]
Aber in der Wirklichkeit ist es nicht so, nur muß man die Dinge und
Verhältnisse von einem anderen Standpunkte aus betrachten und beurteilen, als
wie sie sich dem gewöhnlichen Weltverstand vorstellen und von ihm beurteilt
und bekrittelt werden. [Sg.01_017,05]
Wer die Welt von dieser Seite betrachtet, der kann freilich zu keiner
trostreichen, freudigen Ansicht kommen; denn wenn er auch eine göttliche
Lehre von Gerechtigkeit, Wiedervergeltung, Belohnung oder Bestrafung annehmen
möchte, so sieht er gerade von allem dem meistens das Gegenteil, und es
verwirklicht sich ihm täglich mehr die Wahrheit so mancher im Volke
eingewurzelter Sprichwörter, wie: [Sg.01_017,06]
„Je größer der Lump, je größer das Glück!“ oder: „Die großen Diebe läßt man
laufen, und die kleinen hängt man“; oder wie im ehelichen Leben: „Mann und
Weib sind ein Leib, aber nicht ein Magen!“, wo der Mensch dann stets mehr
fühlt, daß von den so schön geschriebenen Worten auf dieser Erde sich keines
erfüllt, wie von der Wiege an Krankheiten dem jungen Leben drohen, mehr
erwachsen, die moralischen Versuchungen zum Laster und zu allerlei Untugenden
reizen; wenn er sieht, wie im Jünglingsalter, wo die schönsten Blumen blühen
möchten, um den Lenz des physischen Lebens zu einem paradiesischen Garten
umzugestalten, wenn er sieht, daß gerade dort die harte, erbarmungslose Hand
der Welt alle diese Blumen knickt, damit sie verwelken, um nie wieder
aufzustehen; wenn er sieht, wie dort alle Laster des berechnenden Verstandes
blühen und von der Masse gerechtfertigt werden; wenn er sieht, wie einer auf
den Schultern des andern emporsteigen möchte, wie ein jeder nur ans
Herrschen, aber nicht ans Gehorchen denkt; wenn er sieht, wie alles nur ums
Wohlleben und um die Befriedigung der menschlich-irdischen Bedürfnisse sich
gegenseitig bekämpft und abplagt; wenn er sieht, daß je weiter man hinauf
kommt in die höheren Kreise der menschlichen Gesellschaft, dort oben oft das
eine Tugend ist, was bei den niederen Ständen ein Laster genannt wird; wenn
er sieht, daß, will man in solch einer Welt fortkommen und sein Brot in Ruhe
verzehren, wie ihr sagt, „man mit den Wölfen heulen muß“ und alle sonstigen,
edlen und schönen Grundsätze des Knaben- und Jünglingsalters über Bord
geworfen werden müssen, wenn man nicht vor Hunger sterben oder als Narr vor
der Welt erklärt werden will; wenn er endlich sieht, daß, ist ein
Familienkreis gegründet, die Sorgen in seiner eigenen Kindheit, welche er
dort seinen Eltern unbewußt bereitete, nun an ihn selbst herantreten, sich
auch bei ihm fühlbar anmelden; wenn er dann sieht, wie ein mit großer Sorge,
Kummer und Furcht erzogenes Kind durch Krankheit, später durch Entartung oder
gar durch den Tod ihm entrissen wird; wenn er sieht, wie er oft nach allem,
was er für seine Kinder tut, von ihnen nicht die geringste Anerkennung seiner
Opfer, nicht einen Dankesblick, nicht ein Dankeswort empfängt; wenn er sieht,
wie da der Sohn, dort die Tochter nur wartet, bis der Tod ihn aus der Welt
schafft, damit der eine oder die andere das Erbe ungestört genießen könne,
das er im Schweiße des Angesichts und auch manchmal nicht gerade auf ganz
rechtlichem Wege gesammelt hat, weil er dabei dachte: „Der Zweck heiligt die
Mittel!“ Und wenn er so nun selbst dem Greisenalter näher gerückt ist, wenn
seine physischen Kräfte und Fakultäten (Fähigkeiten) abnehmen, wenn
Krankheiten sich einstellen (oft Folgen früherer Verirrungen), wenn er dann
sieht, daß er, unbehilflich, den andern stets mehr zur Last fallen muß und so
langsam dem Grabe entgegengeht, welches er fürchtet, weil es ein ihm
unbekanntes Land bedeckt, indem es materiell sein Zunichtewerden, seine
gänzliche Auflösung zu sein scheint; – – – usw. – – – [Sg.01_017,07]
Wer gibt da dem gequälten Menschen nicht recht, wenn er von allen Hoffnungen
enttäuscht, all der schönen Bilder seiner Jugend durch die spätere Laufbahn
in der kalten Wirklichkeit beraubt, leer, mit sterilem – Gemüt und voll
Erbitterung wegen der Enttäuschungen den Gott verfluchen will, der ihn in dieses
Jammertal setzte, um mit Schmerzen geboren zu werden, mit Leiden zu kämpfen,
und mit schmerzlichem Todeskampf ihn wieder aus dieser Welt führt, die er
nicht verstanden, weder bei seinem Eintritt, und noch weniger sich klar
gewesen bei seinem Austritt aus ihr, ihn endlich in ein Jenseits führt, von
wo, wie er sagt, „noch niemand zurückgekehrt ist“. [Sg.01_017,08]
So ist das Bild, welches die Welt einem Verstandesmenschen vorhält. So wie
Ich es hier geschildert, hat so mancher schon Mich, die Vorsehung und sein
eigenes Schicksal angeklagt; so hat so mancher im stillen Gebet, wenn auf ihn
zu viel einstürmte, Mich um Abberufung aus diesem Leben angefleht! [Sg.01_017,09]
Jeder glaubt, er habe am meisten geduldet, gelitten, geopfert; ein jeder
glaubt, er hätte ein besseres Los verdient, weil er weit schlechtere als er
ist alles das im Überfluß genießen sieht, was er sich als einziges Glück auf
dieser Erde erträumt hatte. Und eben deswegen, weil solche Anklagen, solche
Ideen noch in so manchem von euren Herzen stecken, eben deswegen wählte Ich
diese beiden Worte, die bei diesem Diktat obenan stehen, um aus diesen
wankelmütigen Herzen den letzten Funken der Anklage ihres Schicksals oder
Meiner Führung zu verwischen, damit sie sehen, daß hinter diesem vermeintlichen
Bilde einer menschlichen Laufbahn der herrlichste Zweck und die größte
Seligkeit verborgen liegen, und daß nicht ein blindes Fatum, sondern eine
liebende Hand eines allwaltenden Schöpfers, eines euch alle liebenden Vaters
die Fäden spinnt, welche euch aus diesem Labyrinth von Kalamitäten heraus in
Seine Arme, in Seine Himmel führen. [Sg.01_017,10]
Sehet, Meine Kinder, es herrscht ein heiliges, großes Gesetz in der ganzen
materiellen und geistigen Schöpfung, ohne welches diese nicht bestehen
könnte, und dieses Gesetz hat zwei große, einzige Lebensfaktoren, der eine
heißt (Willens-)Freiheit und der andere (ewige) Vervollkommnung. [Sg.01_017,11]
Wo keine Freiheit ist, wäre keine Vervollkommnung, kein Fortschritt; und wo
kein Fortschritt – kein Zweck; und wo kein Zweck – kein Endresultat. [Sg.01_017,12]
Nun, als die große Schöpfung von Mir gedacht, geschaffen und verwirklicht
wurde, da mußte Ich, als Geist Geistiges schaffend, auch diesen Geistern das
erstere Prinzip lassen, wollte Ich das andere erreichen; das heißt, Ich mußte
ihnen Freiheit, ja unantastbare Freiheit geben, sollten sie nicht Maschinen,
sondern selbsthandelnde Wesen werden: Diese Geschöpfe mußten Wesen Meiner
würdig sein! [Sg.01_017,13]
Daß, wo jemand eine Macht an einen oder an viele verleiht, diese auch
mißbraucht werden kann, weil dieses in der Freiheit selbst begründet ist, das
versteht sich von selbst. [Sg.01_017,14]
Ich wußte also zum voraus, daß Mißbrauch von dieser Freiheit gemacht werden
wird, ja gemacht werden muß! [Sg.01_017,15]
Daher war schon im zweiten Lebensfaktor „Vervollkommnung“ der Grund gelegt,
daß bei Meinem Schaffen kein Stillstand, sondern nur eine Verbesserung
eintreten kann, woraus also hervorgeht, daß, wer nur stehen bleiben will, während
andere fortschreiten, rückwärts gegangen ist! [Sg.01_017,16]
Denn wo Vervollkommnung, da muß auch ihr Gegensatz möglich sein –
Verschlimmerung; wo Fortschritt – ist Rückschritt, wo Annäherung – ist Entfernen,
wo Licht – ist Schatten, wo Wärme – ist Kälte, wo Bewegung – ist Ruhe, wo
Leben – ist Tod bedingt. [Sg.01_017,17]
Ihr seht also, daß nicht Ich das Böse erschuf, nicht Ich die Schattenseiten
aller möglichen geistigen Eigenschaften in die Welt setzte als ordnungsmäßig;
nein! sie bildeten sich selbst durch das einzige große Grundgesetz Meines
Ichs und Meiner Schöpfung, durch das große Wort „Freiheit“! [Sg.01_017,18]
Wie nun diese Freiheit gebraucht und mißbraucht wurde von Meinen
erstgeschaffenen Geistern, wie sie noch bis auf den heutigen Tag gehandhabt
wird, oft nicht zum Besten der lebenden Wesen und ihrer eigenen Bestimmung,
das erseht ihr aus den vorangeschickten Klagen eines Menschen über seine
irdische Laufbahn. [Sg.01_017,19]
Nun wollen oder müssen wir annehmen, daß zwischen einem Schöpfer und Seinen geschaffenen
Wesen stets eine ungeheure Kluft bestehen muß, die nie überschritten werden
kann, wo, wie in eurer Mathematik die Asymptoten (krumme Linien, Kurven, die
ewig sich einer Geraden nähern, dieselbe aber nie berühren), alles Geistige
sich Mir ewig nähern, aber Mir nie gleich (nur immer ähnlicher) werden kann,
so seht ihr das zweite große Prinzip – die Vervollkommnung – als unumgänglich
notwendig aus dem ersten hervorgehen. [Sg.01_017,20]
Die abgefallenen Geister, die sich zwar freiwillig von Mir entfernt und den
verkehrten Weg angetreten hatten, konnten oder wollten nichts von Vervollkommnung,
von Fortschritt wissen. [Sg.01_017,21]
Um aber auch ihnen diesen Weg nicht gänzlich abzusperren, mußten sie in
Verhältnisse gebracht werden, wo, unbeirrt ihrer eigenen Freiheit, sie umkehren
können, wann sie wollen. [Sg.01_017,22]
Hierzu nun wurde die materielle Welt oder das ganze Universum oder der
materielle Schöpfungs-Mensch gegründet; in ihm wurden die Geister, nach dem
Grade ihrer Böswilligkeit, in die Materie eingehüllt (eingekleidet), Kämpfen,
Versuchungen und Leiden ausgesetzt, erstens, um sie nach und nach zur
Einsicht ihrer eigenen Fehler durch auf sie einwirkende Verhältnisse zu
bringen, und zweitens auf diese Art ihre freiwillige Rückkehr selbst einzuleiten. [Sg.01_017,23]
Nun, so viel es Welten, so viel es Sonnen und Planeten gibt, ebenso viele
Millionen und Millionen Abstufungen der Geister gibt es, die alle den Weg zu
ihrem Schöpfer noch einst zurückmachen werden, und überall könnet ihr sehen,
ist das Prinzip „Freiheit“ als Erstes und das Prinzip der Vervollkommnung
(Fortschritt) als Zweites festgestellt. [Sg.01_017,24]
Auch die in der Materie gebundenen Geister wollen sich befreien; die Befreiung
führt zur Verwandlung der Materie, die weniger Schlechten wirken auf die
andern ein, das ist das Zersetzen der Materie, ist ihre Verwandlung, ihre
Auflösung. [Sg.01_017,25]
Das Gröbere löst sich in immer Leichteres, das Festere in Weicheres auf, wo
dann immer mehr der Wirkungskreis erweitert, die Einsicht des Verbesserns
mehr klar, mehr gefühlt wird. [Sg.01_017,26]
Von der groben, mineralischen Materie geht es zu den pflanzlichen Stoffen,
die lebend, obwohl an einen Ort gebunden, bis auf wenige Ausnahmen doch schon
freiere Geister enthalten; von den pflanzlichen zu den tierischen und von den
tierischen zu den letzten in der materiellen Schöpfung, zu den menschlichen
Geistern oder Seelen über. [Sg.01_017,27]
Überall sind, wegen der Vervollkommnung, die Kämpfe mit der andern auf sie einwirkenden
Welt, überall ein Streben nach oben, nach Freierwerden; überall bedingt die
Auflösung oder Zerstörung den Schritt zu einer höheren Stufe. [Sg.01_017,28]
Auch in der kleinsten Pflanzenseele sind Kämpfe durchzumachen, das Pflänzchen
hat bis zum ausgewachsenen Baume mit allerlei Widerwärtigkeiten (seiner
Wesenheit gemäß) zu kämpfen, wie auch der Mensch von der Wiege bis zum Grabe. [Sg.01_017,29]
Jedes Tier lebt in dem nämlichen Falle, unmündig zur Welt kommend, bereitet
es seinen eigenen Erzeugern Sorgen, hat dann alle Gefahren zwischen
Elementareinflüssen und Feinden, die danach streben, seinen geistigen oder
körperlichen Organismus zu zerstören, durchzumachen. Je höher das Tier steht,
desto empfindlicher mehren sich die Gefühle bei solchen Gefahren und so
weiter. [Sg.01_017,30]
Während die niedrigsten Tiere, kaum dem Ei entschlüpft, schon so beschaffen
sind, daß sie sich ihre Nahrung selbst suchen können, von einer Anhänglichkeit
gegen ihre Erzeuger nicht viel oder gar nichts verspüren, entwickelt sich mit
höher steigender Stufe das geistige Innere, dieses Gefühl für die Brut, die
Sorge für die Ernährung der Jungen, die Schmerzen, wenn entweder gewaltsame
Hände diese kleine Welt zerstören oder wenn andere Umstände die Entfernung
oder Vernichtung derselben herbeigeführt haben. [Sg.01_017,31]
Je höher das Tier steigt, desto tiefer, anhaltender und dauernder sind diese
Zeichen einer höheren geistigen Stufe. [Sg.01_017,32]
Es wiederholen sich zum Beispiel in einem Vogel ebenfalls alle Mißhelligkeiten,
welche der Mensch erfährt und weswegen er sein Schicksal als grausam anklagt.
Auch diese kleinen, luftigen Bewohner eurer Atmosphäre haben ihre Leiden,
ihre Kämpfe und ihre Befürchtungen. [Sg.01_017,33]
Hilflos im Neste liegend, der Wiege gleich, hängen sie von ihren Eltern ab;
dann einst von diesem Zwang befreit, gleichsam im Jünglingsalter, kommen die
Gefühle der geschlechtlichen Vereinigung, Familienleben in Aussicht; da singt
der Vogel seine Dankeslieder seinem ihm unbekannten Schöpfer, jubelt der
aufgehenden Sonne entgegen, er freut sich seines Lebens, denn er kennt keine
Gefahr. [Sg.01_017,34]
Doch eben durch dieses Lautwerden seiner Brust gibt er sich auch seinen
Feinden kund, überall lauert Verrat und Enttäuschung; es kommt die Zeit der
Begattung, und die Sorgen, die er seinen Erzeugern verursachte, fühlt er
jetzt selbst; dann naht das Alter heran, wo das Nahrungssuchen und das den
Gefahren Ausweichen schwerer wird; die Elemente wirken mehr schädlich auf ihn
ein, er fällt unter ihrem Einfluß oder unter dem anderer Umstände dem
Schicksal seiner Gattung anheim; alles geht bei ihm wie bei einem andern
Wesen vor sich, nur eins weiß er nicht, was nur dem Letzten in der Schöpfung
vorbehalten wurde, das heißt, er (als Tier) kennt den Tod nicht; er fühlt
wohl, daß eine Verwandlung mit ihm vorgehen will, aber er weiß durch sein
ganzes Leben kein ähnliches Gefühl – er floh bis jetzt nur den Schmerz, aber
die Auflösung, die Transformation oder das Übergehen in eine andere Stufe zu etwas
Höherem kennt er nicht. [Sg.01_017,35]
Dieses ist nur den Wesen, die sich, ihres Ursprungs bewußt, Mir nähern
sollten – diesen Wesen, die Ich nach Meinem Ebenbilde schuf, diesen allein
ward es vorbehalten, nebst allen irdischen Leiden und Kämpfen das Bewußtsein
des Todes zu kennen und eben diesem anscheinlich schrecklichen, für alle
Sterblichen unausweichlichen Gaste mit kaltem Blut ins Antlitz sehen zu
müssen. [Sg.01_017,36]
Aber eben deswegen haben auch diese Wesen den höchsten Geist in sich, den Ich
in materielle Geschöpfe gelegt habe, damit sie auch dem materiellen Vergehen
ein ewiges Bleiben als Geist entgegenhalten können. [Sg.01_017,37]
Um aber diesen höchsten geschaffenen Geist, das heißt eine Menschenseele zu
erziehen, daß sie, Meiner würdig, Mir einst gleichen sollte, und daß sie
einst in Meiner nächsten Nähe bestehen kann, eben deswegen ist der Mensch von
der Wiege an das unbehilflichste und am meisten der Fürsorge anderer
überlassene Geschöpf; deswegen sind seine Versuchungen und Prüfungen so
stark, damit überall, wo er sich ans Weltliche anklammern oder es zur Hauptsache
machen möchte, es ihn stets zurückstößt, ihm sagend: „Was willst du von mir,
Sprößling einer höheren, geistigen Welt; bei mir findest du nur Enttäuschung
und Betrug, dort in jenem geistigen Reiche ist, was du bei mir vergeblich
suchst!“ [Sg.01_017,38]
Deswegen die verschiedenen Zulassungen von allen möglichen Unglücksfällen,
Entbehrungen, Beispielen, wo der eine momentan glücklich wird, der es nicht
verdient, während der Unschuldige leiden, darben und dulden muß. Deswegen das
göttliche „Wort“, die Lehre von einem schöneren, höheren Leben, damit der
Mensch nicht verzweifle, wenn die Welt ihn hart behandelt, wenn er sich mit
aller Gewalt in ihre Arme werfen möchte und sie ihn mit Hohn zurückweist, ihm
zurufend: „Du bist nicht für diese, noch von dieser Welt!“ [Sg.01_017,39]
So gehen diese Prinzipien „Freiheit“, „Vervollkommnung“ und „Fortschritt“
wieder, auch im menschlichen Leben, ihren Gang. [Sg.01_017,40]
Freiheit lädt zum Mißbrauch derselben ein; der Mißbrauch, als gegen Meine
Ordnung, straft sich von selbst, und um zur Vervollkommnung zu gelangen,
müssen diese Fehler gegen Meine Gesetze diese großen Enttäuschungen hervorbringen,
wo am Ende der Mensch, notgedrungen freilich, wieder zu dem zurückkehrt,
wovon er ausgegangen, das heißt – zu Mir! [Sg.01_017,41]
Was ihm hier nicht gelingt, wird in der anderen, längeren Lebensdauer wohl
ersetzt werden können. [Sg.01_017,42]
Daher, Meine Kinder, klaget nicht die Welt, nicht die Verhältnisse, nicht
Mich an, wenn Unglücksfälle euer Haupt treffen, eure Familien lichten: Es ist
überall nur das zweite, große Naturprinzip, ohne welches nichts bestehen
kann; es ist die notwendige, bedingte Vervollkommnung, die alles zu diesen
Schritten antreibt, und wo Ich Selbst durch Mein Daniedersteigen auf diese
Erde euch den kürzesten Weg gezeigt habe, und welchen Ich jetzt durch Meine
vielen direkten Mitteilungen euch noch bedeutend verkürzen will. [Sg.01_017,43]
Alles ist so angeordnet, um euer geistiges Ich zur Vervollkommnung des, wie
alles in der ganzen materiellen Welt, auf einer niederen Stufe Stehenden aus
den Ruinen dieser Stufen zu einer höheren zu führen, wo nach Auflösung des
materiellen Lebens Meine Hand euch auf eine höhere, geistigere Stufe erheben
will, wo ihr noch mehr Meine Macht, Meine Liebe und eure Mission erkennen
sollt. [Sg.01_017,44]
Begreifet es doch einmal, es liegt eine noch weit höhere, größere und
schönere Welt vor euch, die ihr zu erringen habt und die ihr nur dann
erreicht, wenn ihr, das Weltliche ganz außer acht lassend, euer Schicksal
geistig auffasset, es in Meine Hände legt und fest überzeugt seid, daß ein
Vater nur liebend, aber nie strafend gegen seine Kinder handeln kann. [Sg.01_017,45]
Dann gewinnt die Welt für euch ein anderes Ansehen. Lasset sie dem, dem die
Welt ihre Ehre, ihr Geld gibt; die Welt gibt ihm dieses, aber Ich nehme ihm
dafür seinen geistigen Schatz; der Weltschatz wird zerstäuben unter den Verhältnissen
der Welt, die im großen ganzen ebenfalls ihrem Vervollkommnungsprozeß
entgegengeht, wie jeder einzelne Mensch. [Sg.01_017,46]
Ihr aber, Meine lieben Kinder, bleibet bei eurem geistigen Goldbergwerk im
Innern eures Herzens! Dorthin nur dringt die Welt nicht; dort herrscht ein
anderes Prinzip, und das heißt: das von Mir für alle Schöpfungen gegründete
Prinzip der geistigen Freiheit! [Sg.01_017,47]
Wenn ihr diesem huldigt und geistig euch vervollkommnen wollt, so bleibt der
Fortschritt dann nicht aus, der euch von der Welt weg stets näher zu Mir
führt, und wo ihr den Weltsorgen und weltlichen Unglücksfällen nur so viel
Wert beilegen werdet, wie sie eigentlich haben, um euer Inneres wieder um
einen Schritt vorwärts zu bringen. [Sg.01_017,48]
Daher bewahret eure geistige Freiheit, werdet vollkommen, wie euer Vater im
Himmel ist, und eure Mission wird erfüllt, und ihr werdet ganz Mir, eurem
Schöpfer und Vater, würdig sein! Amen. 18. Kapitel – Der Mensch und die Schöpfung, II. 17. September 1871 [Sg.01_018,01]
Wenn ihr die menschliche Gestalt aufmerksam betrachtet und nebenbei noch in
Erwägung zieht, daß die Form des Menschen als Letztes in der ganzen Schöpfung
dasteht, nach dem alles ringt, zu dem alles treibt, und welche Form Ich als
„Mein Ebenbild“ bezeichnet habe, so müsset ihr euch doch denken, daß dieser
Form und auch der inneren Einrichtung des menschlichen Baues eine große,
geistige Grund-Idee zugrunde liege, die der Typus und das Endziel alles
Geschaffenen ist; ihr müsset doch öfter in einsamen Stunden bemerkt haben,
daß so mancher Gedanke darauf hingezielt hat, eben dieses Rätsel und sein
„Warum“ zu entziffern. [Sg.01_018,02]
Jetzt will Ich euch wieder ein kleines Stück Meiner Weisheit aufdecken, damit
wieder neuer Impuls in euch kommt und ihr wieder, und zwar von einer andern
Seite, euren Vater als Schöpfer und höchstes Wesen kennenlernen möget. Ich
tue das, damit nicht Erschlaffung in eurem Fortschreiten eintritt und ihr
euer Herz dem Geistigen mehr als dem Weltlichen zuneigen möget! [Sg.01_018,03]
Sehet, Meine Kinder, schon oft habe Ich euch gesagt: Alles, was geschaffen
wurde, hat einen geistigen, höheren Zweck! Jetzt muß Ich euch noch nebenbei
dazufügen, daß unter allen möglichen Formen und Organismen eine geistige
Wahrheit, eine geistige Idee verborgen liegt, die nur so und nicht anders
sein kann, weil Ich als höchstes, geistiges Wesen ja nur hohe geistige
Wahrheiten und Ideen haben und diese nur als Gott in alles Geschaffene legen
kann! Denn wäre es nicht also, dann wäre Ich kein Gott, kein höchstes Wesen,
und vielleicht von manchem großen Engelsgeist erreichbar, vielleicht sogar
übertreffbar. – [Sg.01_018,04]
Aus diesem Grunde sind also alle geschaffenen Dinge und Wesen, die in der
ganzen materiellen und geistigen Schöpfung existieren, nur Ausdruck Meiner
höchsten Weisheit, und es würde viel Papier verschrieben werden müssen,
wollte Ich euch nur das kleinste Ding in seiner materiellen und geistigen
Wichtigkeit erklären, denn wenngleich auf eurer Erde viele Menschen sich mit
Forschen in allen Gebieten der Wissenschaften abgeben, so ist doch keiner
unter ihnen allen, der bei einer Form oder Einrichtung nur ein einziges
„Warum“ gerecht und bündig erklären könnte. – [Sg.01_018,05]
Was beim kleinsten Atom im großen Äther der Fall ist, das ist ebenfalls überall.
Überall ist Meine Weisheit, Mein Grundgedanke des Schaffens verborgen, und
überall, wenn eure Gelehrten fragen möchten: „Aber warum so und nicht
anders?“, ertönt ihnen keine andere Antwort als: „Weil es eben so sein muß!“ [Sg.01_018,06]
Daß diese Antwort wenigen genügen kann, versteht sich von selbst, allein sie
müssen sich mit dem begnügen, da nichts anderes herauszufinden ist. [Sg.01_018,07]
Wie oft handle Ich ihren mathematischen, mechanischen oder chemischen
Gesetzen zuwider, und was kommt am Ende überall heraus? Daß ihre Lehren, so
gescheit sie oft ausgedacht sind, doch nur Produkte eines Menschenverstandes
und nicht eines höheren Wesens, eines göttlichen Schöpfers sind. [Sg.01_018,08]
Die Menschen schuf Ich begrenzt, in gewisse Schranken eingeengt, aus denen
sie auf weltlichem Verstandeswege nicht herauskommen können, sondern nur in
einem Kreise herumgehen, wo sie von dem Unerklärlichen ausgegangen, wieder zu
dem Unerklärlichen zurückkehren müssen, und die ägyptische Götterlehre der
Isis oder Göttin der Weisheit stets wahr bleibt, wo es hieß: [Sg.01_018,09]
„Kein Sterblicher kann den Schleier der Wahrheit lüften und fortleben!“ [Sg.01_018,10]
Die Ägypter wußten wohl, was sie mit diesen Worten sagen wollten; nur die
jetzigen Gelehrten verstehen es nicht, denn die Ägypter standen der Wahrheit
zu nahe, als daß sie nicht genug gewußt hätten, daß mit dem Spekulationsgeiste
der Vernunft nicht gar weit zu kommen ist, und daß, will man weiter dringen,
man mit dem Herzen sich in die Schöpfung vertiefen muß, dort den
Geistesfunken, ähnlich dem nämlichen, den Ich in jeden Menschen legte, erst
herausfinden muß, um dadurch dann eine leise Ahnung von dem zu erhalten, was
nicht Begriffs-, sondern nur Gefühlssache sein kann! [Sg.01_018,11]
Wer dort angelangt ist, wer seinen göttlichen inwohnenden Geist zu wecken und
ihn mit seiner Seele zu vereinen weiß, für den gibt es kein Geheimnis mehr,
er sieht die Schöpfung durchsichtig wie ein Glas mit Wasser gefüllt; er sieht
das geistige Wirken, erkennt leicht die einfachen, aber großen Gesetze,
welche alles erschufen, alles erhalten, und alles zu höheren Stufen treiben;
er erkennt Meine Liebe in Meinen Werken, er ahnt Meine Größe; und wenn auch
bei jedem Blick tausend „Warum“ aufsteigen, so gibt ein Blick zu Mir ihm die
ganze Seligkeit eines Kindes zu genießen, welches dort erfährt, daß alle
diese Wunder, alle diese Welten nur für ihn, das kleine schwache Ebenbild
seines großen, überguten Vaters und Schöpfers, ins Leben gerufen worden sind! [Sg.01_018,12]
So begreift denn der wiedergeborene, geistige Mensch seinen Vater und sich
selbst und sinkt in Andacht und Anbetung vor Ihm nieder, der, in Staub und
Erde eingehüllt, Seinen göttlichen Funken herlieh, die Wunder alle zu
beschauen und zu begreifen, die nur für diese höchste und letzte Idee, den
Verein aller andern, die menschliche Form und menschlich geistige und
materielle Organisation geschaffen wurde. [Sg.01_018,13]
Damit also ihr doch wenigstens in leiser Ahnung erschauen könnt, was euer
Körper und seine Einrichtung Geistiges in sich trägt, damit ihr doch in kurzen
Abrissen nur erblicken möget, was dieser Körper, den ihr auf so kurze
Lebenszeit mit herumschleppt, der euer geistiges und seelisches Gewand
verdeckt, und welchen Körper ihr so oft mißbraucht, so will Ich wieder eine
andere geistige Fernsicht Meines Schreibers euch kundgeben, damit ihr in
diesem Bilde wieder Mein und euer Ziel erkennen sollt; so höret also: [Sg.01_018,14]
Der menschliche Körper, so wie ihr ihn vor euch seht, mit seinen Millionen
und Millionen von Verschiedenheiten im einzelnen Individuum, ist der Abdruck
Meiner einzigen und höchsten Schöpfungs-Idee, ist das Ebenbild Meines geistigen
Ichs verkörpert! Denn auch alle Geister bis zu den größten und nächsten bei
Mir, sie alle haben diese menschliche Form; nur ist die Ausbildung dieser
Form, ihre Schönheit noch so weit ausdehnbar und erhaben, daß ihr euch nicht
einmal von den nächsten geistigen Wesen über euch, geschweige erst von jenen
Gestalten eine Idee machen könnt, wo die äußere Form der höchste Ausdruck des
inneren, geistig Erhabensten ist. [Sg.01_018,15]
Diese menschliche Form, die, wie ihr wißt, sogar die materielle Welt als
letzten Typus, als großen Weltenmenschen, in dem sich Myriaden von Sonnen
bewegen, ausdrückt – diese Form, in welcher auch alle geistigen Himmel wieder
zu einem Ganzen abgeschlossen sind, diese Form hat überall die nämliche
geistige Bedeutung, ihre einzelnen Teile die nämlichen, dem Geistigen
entsprechenden Ausbildungen und Funktionen. – – Und überall, wo ihr nur
anfangen wollt, würdet ihr sehen, daß nur eine Grundidee und ein Grundprinzip
Meiner höchsten Weisheit einfach und klar durchleuchtet, da mit kleinen
Mitteln die größten Zwecke erreicht sind. [Sg.01_018,16]
Sehet, wie alle Hülsengloben eine dichtere Atmosphäre umgibt und so die ganze
materielle Welt als ein isoliertes Ganzes in den unendlichen Äther-Raum
hinausstellt, wo dieser große Weltenmensch auf einer zu durchlaufenden Bahn
stets neues Leben erhält und seinen inneren Teilen dasselbe mitteilt – ebenso
ist die Haut bei allen geschaffenen, lebenden und nicht lebenden Wesen das,
was sie als einzeln dastehend vom Ganzen absondert und so deren Auflösung in
die große materielle Welt verhindert. [Sg.01_018,17]
Unter der Gehirnschale, welche sich halbkugelförmig oder mehr ellipsenartig
über den Sitz des menschlich geistigen Lebens wölbt, unter dieser Schale, als
Knochengebäude das Härteste, lebt und webt das zarteste Organ, das Gehirn mit
seinen geistigen Funktionen. [Sg.01_018,18]
Daß die Schale halbkugelig oder gewölbt geformt ist, deutet darauf hin, daß
als Halbkugel sie geistig innerlich einen Mittelpunkt hat, von welchem aus
sie geformt, oder als Ellipse eigentlich zwei Brennpunkte besitzt, wovon der
eine im Vorderhirn, der andere im Hinterhirn liegt. [Sg.01_018,19]
Im Vorderhirn, dem Sitz der Intelligenz, tritt das Außenleben mit dem
Innenleben in Verbindung, so zwar, daß seine geistigen Fenster, die Augen und
Ohren, ihm die Eindrücke der Außenwelt überbringen, während im Unterteil des
Kopfes der Sprachapparat die inneren Eindrücke der Außenwelt kundgibt. [Sg.01_018,20]
Das Hinterhirn, als weltlicher Brennpunkt, besorgt die Funktionen des
materiellen Fortbestandes, treibt die Maschine zum Ausbilden des Körpers, zu
seiner Erhaltung und Fortpflanzung an. [Sg.01_018,21]
Was das Vorderhirn bei Menschen und auch bei Tieren ist, das sind im großen
Weltenkomplex große Weltalle, welche ebenfalls die nämlichen Funktionen haben
wie hier im Kleinen. [Sg.01_018,22]
Die Atmungswerkzeuge, wie im Kopf die Nase und der Mund, sind Respirationskanäle,
einesteils zur Verbindung der Außenwelt mit dem inneren Organismus, teils
auch, besonders der Mund, Mittel, nebst weltlicher Erhaltung auch, was noch
wichtiger ist, geistigen Stoff herausfördernd – durchs Wort, durch den Ton zu
bekräftigen, daß eine materielle Hülle ein noch weit Geistigeres umgibt,
welche mit ihrer Ausbildung auch zur Vervollkommnung des Geistigen beiträgt. [Sg.01_018,23]
Was dann die Lungen, das Herz, letzteres als allgemeine Triebfeder der ganzen
Maschine, den Magen, die Leber und die Milz anbelangt, so sind ihre
Funktionen alle geistig ausgedrückt. [Sg.01_018,24]
Erstens die Lunge – Empfangsort des von außen in sie einströmenden
Lebensstoffes, wie im geistigen Menschen die geistige Wahrheit; die Lunge ist
ebenfalls der Ort, wo materiell Verbrauchtes durch geistig Neues gewechselt
wird, im geistigen Menschen der Ort der Ausscheidung zwischen bezähmten Leidenschaften
und neu erworbenen Tugenden. [Sg.01_018,25]
Das Herz als allgemeines, einziges Lebensprinzip, der ewige unermüdliche Beweger
oder Motor, der an alle Teile stets nur Neues abgibt, das Alte gern
übernimmt, weiter befördert – dieses Herz, geistig betrachtet, ist ebenfalls
der Sitz des ewigen geistigen Wirkens, der Sitz der ewigen geistigen Tatkraft,
die den Menschen (den geistigen) stets antreibt weiterzugehen, auszuscheiden,
was in ihm Schlechtes ist und es durch Besseres zu ersetzen. Dieses Herz ist
als einziger Lebenspunkt der Herd und Sitz der Seele und des von Mir
hineingelegten Geistes. In seiner Form, breit oben (gefäßartig) und spitz
unten auslaufend, bezeichnet es, daß das menschliche Leben auf breiter Basis
angefangen und in spitzer oder zugespitzter Form auf einen Zielpunkt
hinarbeiten solle! [Sg.01_018,26]
Die Leber, als Scheidungs-Apparat der galligen Teile vom Blut, die darin
unbrauchbar geworden, doch beim Ernährungsprozeß als Anreger des Verdauens
und Scheidens in die primitiven Elemente nötig sind, sie gleicht im
geistig-seelischen Menschen dem menschlichen Lebenslauf, wo ebenfalls das
Bittere ausgeschieden, doch zur Erhaltung und richtigen Beurteilung des
Lebenswandels notwendig ist; denn ohne bittere Erfahrungen gäbe es keine
geistige Erhebung, ohne das Bittere, Zusammenziehende gäbe es kein freudiges,
seliges Erweitern oder Ausdehnen der menschlichen Gefühle, weit über die
Grenzen des materiellen Lebens hinaus. [Sg.01_018,27]
Was den Magen anbetrifft, den Erhalter des materiellen Lebens, den
Aufnahmeort von so verschiedenen Produkten, um aus ihnen dann das für den Körper
Notwendige herauszufinden, so entspricht er geistig dem Kreise der Taten und
Eindrücke der Außenwelt auf den menschlichen Geist oder seine Seele. [Sg.01_018,28]
Wie im Magen die Speisen sich vermischen, dann im weiteren Verlaufe der Verdauung,
jedoch in anderen Verbindungen, als wie sie in den Magen geschafft wurden,
sich wieder trennen, ebenso sind das Tatenleben und die Eindrücke von außen
das Material, aus dem sich die Seele ihre geistige Hülle aufbaut. Auch sie
nimmt alles auf, was von außen auf sie eindringt. Sie scheidet dann aus,
reinigt durch bittere Erfahrungen gewitzigt das übrige, und stets kämpfend
und das Gute vom Schlechten absondernd, behält sie das Bleibende, nie
Verwesende und scheidet, wie in den Gedärmen, am Ende das Überflüssige, nicht
mehr zum Leben Gehörige aus. [Sg.01_018,29]
Die Milz, dieser Feuerherd und Beleber des Blutes (durch Elektrizität),
welcher gleich einer elektrischen Batterie das Blut mit neuem Wärmestoff schwängert
und so zum Leben verbreiten mithilft und am meisten beiträgt, denn ohne Wärme
kein Leben; dieses ist im geistigen Menschen die Liebe, die allumfassende
Liebe, die dem geistigen Menschen die geistige Wärme oder das geistige Leben
gibt; denn wo keine Liebe, da ist keine Wärme, wo keine Wärme – kein Leben! [Sg.01_018,30]
So entsprechen durchgängig alle anderen Organe und ihre Funktionen geistig
den nämlichen geistigen Bedürfnissen des Menschen ohne körperliche Hülle. [Sg.01_018,31]
Die Organe, ihre Formen und ihre Einrichtungen sind stets nur immer die
Wiederholungen einer und derselben Form, der Ei oder Ellipsenform, und ein
und derselben Kraft, der anziehenden oder abstoßenden; was geistig genommen
ebenfalls in Meinem eigenen Ich die Liebe als anziehende Kraft und die
Weisheit als modifizierender (formender, umformender) Faktor derselben ist.
In dieser Ellipsenform bin auch Ich ein Brennpunkt, um welchen sich alles
bewegt und zu welchem alles hinfliehen möchte, wäre nicht der andere
Brennpunkt, die Materie, die wieder von Mir abzieht, die wieder bindet, was
sich gelöst, um es dann in neuer, höherer Form wieder zurückzugeben. [Sg.01_018,32]
Aus diesen drei Faktoren: Ovalform, Magnetismus und Elektrizität, besteht das
ganze Universum, bestehen alle organischen und unorganischen Wesen, bestehen
alle Formen und inneren Einrichtungen derselben, besteht der große Weltenmensch,
der noch größere Himmelsmensch, und bestehen Meine Engelsgeister; alle sind
Abdrücke, wie ihr in Menschengestalt, dieser geistigen Formen, gepaart mit
Liebe und Weisheit. [Sg.01_018,33]
Alle einzelnen Teile eures Körpers, vom Knochenbau angefangen bis zum letzten
Blutkügelchen, sind teils Ellipsen, teils dieser entnommene Formen, der
geistige Ausdruck Meines Zentralwesens als alleinherrschender und regierender
Gott, wie auch in den Weltenbahnen das nämliche System befolgt ist; auch dort
steht eine jede Zentralsonne in einem Brennpunkt als geistiges Zentrum, um
den die andern Welten und Erden kreisen müssen. [Sg.01_018,34]
Ich bin der Zentralpunkt der ganzen geistigen und materiellen Schöpfung – ihr
seid der Zentralpunkt alles Geschaffenen, zu euch drängt alles, nach eurer
Form strebt alles, wird alles in Stufen weiterbefördert. – – [Sg.01_018,35]
Wie ihr als Menschen, als letzte Schöpfungen der materiellen Welt, Meinen
Willen, Meine Gesetze und eure hohe Bestimmung ausdrückt, der ihr nachkommen
sollt, so stehe Ich als Zentralpunkt alles Geistigen einzig und allein da –
auch zu Mir drängt sich alles, nach Mir sehnt sich alles, und Mich zu
erreichen geht alles seinen planmäßigen Gang. So ist ein ewiges Fortschreiten
begründet. „Aufwärts!“ und „Vorwärts!“ ist der Ruf, der durch alle weiten
Räume der Schöpfung tönt. [Sg.01_018,36]
Mühsam ringt sich das kleinste Infusionstierchen hinauf bis zu einer höheren
Klasse; Millionen von ihnen sind die Unterlage eines höher stehenden Wesens;
die Sinne, welche den Menschen über alles Geschaffene hinausstellen, liegen
dort noch verborgen, nur ein oder der andere wird stufenartig ausgebildet. So
geht es aufwärts und vorwärts, in der Materie Gebundenes befreit sich, bindet
sich unter neuen Verhältnissen zu neuen Formen, und so geht es fort und fort;
zum Höchsten der materiellen Schöpfung – zum Menschen drängt alles, ihn sucht
alles zu erreichen. Allein wenn auch angekommen an der letzten Stufe der
tierischen Intelligenz, eine weite, unübersteigliche Kluft trennt das letzte
Tier vom ersten Menschen. Es ist die nämliche Kluft, wie vom letzten
Engelsgeiste bis zu Mir: eine Annäherung ist möglich, aber keine Erreichung.
– So wie das Tier nur im Verein mit vielen anderen Seelen aus dem Tierreich
erst zu dem materiellen Bau des menschlichen Körpers mitwirken und so auf
diesem weiten Wege sein Ich mit dem des Menschen identifizieren kann, so ist
es auch mit den Engelsgeistern und nächsten Wesen in Meiner Nähe, auch sie
können nur in Meiner geschaffenen Geisterwelt die höchsten Stufen einnehmen,
am nächsten Mir sich nahen; aber mit Mir (absolut) eins werden nicht; was
eigentlich (auch) nichts zur Sache hat, denn ein allerhöchster Geist genießt
schon eine solche sättigende Glückseligkeit, wie er keine andere weder
verlangt, noch auch ertragen könnte! [Sg.01_018,37]
So, Meine Kinder, lernet begreifen, wie das Geistige überall der Hauptgrund
und das Hauptprinzip alles Geschaffenen ist. In allen Formen liegt der
nämliche Gedanke Meiner Allmacht mit Liebe verbunden verborgen; überall gilt
das nämliche Gesetz, welches eure Knochen formt, euch ein liebliches Äußeres
gibt, oder welches Weltenalle zusammenhält. Fraget nicht nach dem „Warum“, es
ist nicht für Geschaffene erklärbar. Sehet euer Auge, in welchem die ganze
materielle Welt sich abspiegelt, mit welchem ihr Kunde erhaltet von den
Schöpfungen Meiner Liebe, sei es in eurer nächsten Nähe, sei es von Welten,
deren Lichtstrahl euer Auge erst nach Tausenden von Jahren trifft! [Sg.01_018,38]
Sehet, wenn ihr da fragen wolltet, aber warum denn eine gläserne, warum denn
eine wäßrige Feuchtigkeit, warum eine Kristall-Linse, warum die schwarze
Netz-, warum die Regenbogenhaut, warum alle diese Stoffe und Körper, und
diese erst auch noch wieder aus andern kleinen Atomen zusammengesetzt – da,
Meine Kinder, kann Ich euch nur sagen, weil es eben so und nicht anders sein
mußte. Das „Warum“ in Meinem Sinne zu begreifen, müßtet ihr wie Ich Götter
sein, ausgestattet mit der nämlichen Weisheit und Tatkraft wie Ich Selbst! [Sg.01_018,39]
Begnüget euch daher mit dem, daß Ich euch Organe gegeben habe, damit ihr
Meine Schöpfungen bewundern und ihre Harmonien vernehmen könnt; begnüget euch
mit dem, was ein liebender Vater Seinen Kindern gegeben hat, damit sie durch
Seine Werke Ihn lieben, Ihn schätzen und verstehen lernen; den Schleier der
göttlichen Schöpfungswahrheit kann kein geschaffenes Wesen lüften. Lasset ihn
unberührt und denket, daß ein Vater seinen Kindern ebenfalls nur so viel sagt
und sie lehrt, als ihrem Verstande angemessen ist. [Sg.01_018,40]
Würde Ich euch ein kleines Ding erschöpfend erklären wollen, was glaubet ihr
denn, daß das Endresultat davon wäre? Sehet, Ich will es euch mit wenigen
Worten sagen: [Sg.01_018,41]
Ein kleines Ding für eure Augen würde Ich in noch kleinere Dinge zerteilen,
diese kleinen Teile würden wieder teilbar sein, mit jeder Teilung würden
andere Formen, andere Substanzen sich zeigen, in die Unendlichkeit sich zwar
stets verändern, zerteilen lassen, aber doch kein Ende je haben! – [Sg.01_018,42]
Wenn ihr nun da fragen wolltet bei jeder Zerteilung – Warum? bei jeder
Veränderung – Warum? was würde da herauskommen? – Sehet, es würde am Ende
herauskommen, daß ihr Mich bitten würdet, aufzuhören zu erklären, zu zerteilen;
denn es würde die zweite, dritte Veränderung oder Teilung schon über euer Begriffsvermögen
weit hinausgehen! – [Sg.01_018,43]
Daher lasset Gott, was Gottes ist! und bleibet bei dem, was ein Mensch, und
später ein Geist, fassen kann, das heißt: bleibet bei der Liebe zu Mir! so
wie ein geschaffenes Wesen Mich lieben kann; eure Liebe ist gegen die Meine
ebenfalls wie Endlichkeit zur Unendlichkeit. Liebet Mich! beweiset es in euren
Taten! und ihr werdet dann ahnen können mit dem Herzen, was euer Verstand nie
fassen kann. [Sg.01_018,44]
So beurteilt die Form des Menschen, ihre geistigen Entsprechungen, und ihr
werdet finden, daß überall nur Meine Vaterhand liebend alles so gestaltet
hat, daß ihr den Weg zu Mir finden könnt und Ich, durch eure Liebe beseligt,
wieder in reichem Maße vergelten kann, was ihr als Meine Kinder während eures
Lebenslaufes Mir zum Opfer bringt. [Sg.01_018,45]
Seid ihr bei Mir, verstehet ihr die Geistersprache in Form und Wort, dann
wird euch die Harmonie in allem leicht einleuchtend sein, und dann wird ein
kindliches Gemüt im Aufblick zu Mir mehr ahnen und wissen als ein gelehrter
Weltweiser, der jahrelang seinen Kopf mit Wissenschaften füllte und sein Herz
dabei leer gelassen hat. – [Sg.01_018,46]
Daß eine geistige Idee, nur von einem Geiste wie Ich kommend, in allem
Geschaffenen liegen muß, ist ja einleuchtend; daß aber diese geistige Idee
nicht stets durchschaut werden kann von niedereren Geistern als Ich Selbst
bin, ist ebenfalls natürlich. – Haltet doch ihr auf eurer Erde die Konsequenz
für eine Haupteigenschaft des menschlichen Geistes; wer hat denn diese Idee
in euch gelegt? Sehet, die Konsequenz Meiner Schöpfung war es, die euch zu
ihr hinführte. Wollet ihr konsequent und beharrlich im Durchführen eines
Planes sein, warum sollte Ich es nicht sein, Der eher war, als nur ein Wesen
je geschaffen wurde, und Der sein wird, wenn alle materielle Einkleidung
aufgehört hat und nur Geistiges, Mir gleich, fortbestehen wird. [Sg.01_018,47]
Daher trachtet auf geistigem Wege zu ahnen, was im Materiellen verborgen
liegt, und ihr werdet stets finden, daß ein Gott, der solches schuf, nur ein
Gott der Liebe ist und sein kann, der natürlich Seine geschaffenen Wesen
ebenfalls nur deswegen ins Leben rief, damit sie alle Ihm wiedergeben, was Er
für sie nur allein gebildet hat. – – [Sg.01_018,48]
So sah Mein Schreiber den innigen Verband der großen Schöpfung mit der Form
eines Menschen, so waren ihm alle inneren Teile wie durchleuchtet hell und
verständlich; er staunte stumm das Geschaute an, sein Herz füllte sich mit
Liebe zu Mir, die Liebe erleuchtete ihn stets mehr und mehr; klarer und
lichter traten die Formen auf, er erkannte immer mehr die weisen
Einrichtungen seines eigenen Ichs; er erkannte das sanfte Band, das die
geistige und materielle Welt verbindet, erkannte Meine Liebe und Gnade, die
es ihn ahnen und fühlen ließ. – Jetzt, wo es geschrieben steht, was er in
jener Stunde genossen hat, jetzt ist es an euch: Erhebet auch ihr euch von
dem Weltschlamme! schüttelt den Staub des Eigennutzes von euren Füßen!
erhebet den Blick nach oben, auf daß auch euch eine solche Stunde der Wonne
und des Friedens zuteil werde! Dieses ist Mein Zweck, weswegen Ich euch diese
von Meinem Schreiber erlebte Stunde als Gemeingut gebe; trachtet danach –
Mich zu lieben, wie Ich es eigentlich will, und auch gewiß verdiene; dann
werdet auch ihr genießen in Meinem geistigen Reiche, was das Weltliche euch
nicht geben kann. [Sg.01_018,49]
Dieses ruft euch euer Vater zu, der schon so viel euch gespendet hat und noch
mehr zu geben gesonnen ist; es genügt, daß ihr es nur ernstlich fassen wollet
und nicht bloß oberflächlich in Wonne schwebet, sondern es tatkräftig in euer
praktisches Leben aufnehmt; dies ist Mein Rat, die Befolgung ist bei euch,
wozu euch Meine Hilfe und Unterstützung nicht fehlen soll! Amen. 29. Juni 1873 [Sg.01_019,01]
Du hast gestern abend eine Beschreibung des Niagarafalles gelesen und dabei
Meiner und der Schönheit Meiner Natur gedacht. [Sg.01_019,02]
Da aber in allem, was sichtbar vor euren Augen steht, ein noch tieferer Grund
des Bestehens sowohl, als der Wirkung des Einzelnen auf das Ganze besteht, so
will Ich dir hier wieder mit einigen Worten beweisen, daß in allem noch etwas
ganz anderes steckt, als die Menschen oft wähnen. [Sg.01_019,03]
Gut, der Beschreiber des Niagara-Falles hat Meine Natur, das heißt ein
kleines Stück derselben bewundert; die Großartigkeit des Schauspiels, der
Lärm, das Gebrause der Wasser hat in ihm Gefühle erregt, die er nicht
umhinkonnte wiederzugeben, um auch andern einen Begriff zu machen von dem
ewig gleichen Triebe, der in Meiner ganzen Natur herrscht und „Leben“ heißt. [Sg.01_019,04]
Hier bei diesem Wasserfall donnerte ihm die Wassersäule ins Ohr, was er bei
einem leichten Säuseln des Windes oder bei einem Lichtstrahl aus fernen
Sonnen ebenfalls hätte vernehmen können, wenn er Ohren dafür hätte. Allein
der gewaltige Wassersturz übertäubt oder betäubt das menschlich-irdische
Gefühl, und unter diesem mächtigen Kampf von Wasser, Luft und Erde kam ihm
der Mensch so winzig, so klein vor, daß er nicht umhinkonnte, Meine Macht,
wenn er es gleich nicht wollte, doch als bestehend anzuerkennen. [Sg.01_019,05]
Nun, solche Natur-Szenen haben immer das demütigende Gefühl zur Folge, welches
den Menschen zwingt, seine eigene Größe in nichts zusammensinken zu sehen. [Sg.01_019,06]
Erfreulich ist es doch, wenn auch nur wenigstens ein Ahnen eines geistigen
Reiches anerkannt wird, welches durch dieses großartige Naturschauspiel
hervorleuchtet und den Menschen zwingt zu gestehen, was er eben unter anderen
Umständen nicht will, nämlich: daß es doch einen Gott geben muß, der dieses
alles geschaffen hat, und zwar zum Nutzen und zur geistigen Sprache für den
Menschen, damit er doch manchmal erinnert werde, daß alle seine Erfindungen,
seine eingebildete Größe eine Null sind – und bei Natur- und
Elementarereignissen er eben diese Nichtigkeit selbst eingestehen muß. [Sg.01_019,07]
Dieses alles ist aber nicht der Zweck dieses Wortes, sondern Ich will den
Niagara-Wasserfall zu etwas anderem benutzen, und zwar zur Frage: [Sg.01_019,08]
Warum ist denn eigentlich ein Wasserfall, groß oder klein, da? [Sg.01_019,09]
Hätte Ich nicht die Erde so gestalten können, daß sie keine Gebirge und keine
Vertiefungen hätte, daß überall Flachland und die Bäche, Flüsse und Ströme
ganz ruhig in ihrem Bett dem Meere zuliefen? [Sg.01_019,10]
Auf diese Frage eine genügende, aber geistige Antwort zu geben, das soll der
Zweck dieses Wortes sein, und Ich will euch wieder beweisen, wie viel des
Tiefen, Geistigen, auch notwendig Materiellen dazu gehört, einen Weltkörper
zu erschaffen, daß er sich dann selbst erhält, vervollkommnet und so seine
Mission zu höheren Zwecken erfüllt. [Sg.01_019,11]
Nun sehet, Meine Kinder, das Leben, sei es materielles, das heißt geistig
gebundenes, oder freies, seelisches, kann sich überall nur so manifestieren,
daß ein Entstehen, dann ein teilweises Verbleiben und dann ein endliches
Vergehen seine Phasen der Entwicklung bezeichnet. [Sg.01_019,12]
Das Leben im materiell Sichtbaren ist Reibung, Entwicklung der Wärme, des
Lichtes, nach und nach langsam fortschreitendes Zersetzen oder Verwandeln in
andere Formen, um so stufenartig zu höheren Bestimmungen sich tauglich zu
machen. [Sg.01_019,13]
So kennt ihr das Leben und sagt: „es bewegt sich, es lebt.“ [Sg.01_019,14]
Was Ruhe hat, scheint leblos, scheint tot. [Sg.01_019,15]
Dieses Leben oder der immerwährende Kreislauf des Bestehens und Vergehens
geht nach einmal festgesetzten Grundprinzipien in einem fort; „Leben“ nennt
ihr es, und „Kampf“ heiße Ich es. [Sg.01_019,16]
Kampf ums Bestehen, Kampf um den Fortschritt, Kampf, um zu einer höheren
Stufe zu gelangen. [Sg.01_019,17]
Nun, dieses Prinzip, welches im letzten Infusionstierchen wie in der größten
Zentralsonne das gleiche ist – dieses Prinzip ist auch in den Elementen, welche
in flüssigem Zustand sowohl die Atmosphäre der Welten als auch ihr Inneres
ausmachen. [Sg.01_019,18]
Ohne diesen Kampf würde alles verwesen, sich zersetzen und der Fäulnis oder
dem materiellen Tod entgegengehen. [Sg.01_019,19]
In eurer Atmosphäre zum Beispiel ist die Luft ein leichtbewegliches Element,
das nie ruhig steht, so wie auf der Oberfläche der Erde das Wasser, welches
als verdichtete Luft die nämliche Unruhe oder das Bestreben hat, stets dem
Zuge der Schwere folgend, dorthin zu fließen, wo es einen Ruhepunkt erreichen
kann! [Sg.01_019,20]
Im Innern der Erde sind Metalle und Mineralien, verdichtete Gase und
Licht-Elemente, welche wie das Wasser auf der Oberfläche zum Gedeihen derselben,
jene im Innern denselben Prozeß vollführen müssen. Ruhe ist nirgends! [Sg.01_019,21]
In der Luft, könntet ihr sie vor euren Augen sehen, sind „Luft-Fälle“, welche
oft an Großartigkeit eure Wasserfälle bei weitem übertreffen. Dort ist ebendiese
notwendige Bewegung euch als Wind fühlbar ebendasselbe, welches durch Bewegung
die einzelnen Bestandteile der Luft in steter Tätigkeit erhält, sie zu Verbindungen
anregt, sie bewegt, durch Bewegung erwärmt und lebendig erhält. [Sg.01_019,22]
Was in der Luft geschieht, das ist im Wasser ebenso der Fall. Wasser ohne
Bewegung verfault, zersetzt sich, löst seine Bestandteile, sonst so fruchtbringend
und nützlich, in schädliche Dünste auf, sobald die Wirkung des Bewegens
fehlt. [Sg.01_019,23]
Wasser also, würde es nur so ruhig dahinfließen, hätte nicht die geeignete
Lebenskraft, heilbringend auf Pflanzen, Tiere und Menschen einzuwirken, es
muß durch Bewegung in steter Tätigkeit erhalten werden. Und wie in der Luft
oft Stürme und heftige Winde diese Lebenskraft noch erhöhen müssen, so ist
der Wasserfall eben dasselbe Ereignis, welches in großem oder kleinem Maßstab
manchmal zugelassen oder voraus bestimmt ist, um einem Fluß oder Strom auf
seinem langen Lauf bis ins Meer wieder neue Tatkraft, neues Leben
beizubringen, damit er seinen Zweck erfüllen, fruchtbringend auf seine
Umgebung einwirken kann. [Sg.01_019,24]
Daher sind Wasserfälle, mit geistigen Augen angesehen, die Lebensretter, die
das Bestehende vor dem Zerfall hüten und Leben und Tätigkeit um sich
verbreiten; denn nicht allein der Fall des Wassers, sondern auch der Fall der
über ihnen schwebenden Luft, die Reibung der einzelnen Teile beider Elemente,
das Zersetzen, wieder Neubeleben sind es eigentlich, die dem Wasser neue
Lebenskraft und so der Erde größere Tätigkeit bereiten. [Sg.01_019,25]
Wie das Wasser als flüssiges Element an den starren Felsen sich stoßend, sich
reibt, durch Reibung Lebenstätigkeit entwickelt, so sind die Gebirge als
große Höhen oder einzelne Berge die Felsen im Luftstrom; wo auch dieser dort
anstoßend, sich reiben, seine Tätigkeit vermehren muß und so auf die
Oberfläche der Erde und auf die lebenden Pflanzen und die Tierwelt seinen
Einfluß ausübt. [Sg.01_019,26]
In der Luft, wo noch nebenbei Licht als zersetzender Faktor die einzelnen
Atome zu Verbindungen anregt, steht das nämliche Gesetz fest wie in allem:
„Leben“ heißt bewegen, heißt kämpfen, heißt erzeugen und durch kosmische
Prozesse wieder in andere Formen auflösen, so im Wasser. Das Wasser zerstört
die ihm unterliegende feste Materie durch Reibung, zersetzt durch seine
Bewegung bei Wasserfällen besonders die Luft seiner Umgebung und seine
eigenen Bestandteile; und es ist also ein Strom der Träger des Lebens, der
überall, wo er hinfließt, Ströme des Segens durch den ihn begleitenden
Luftstrom ausströmt, bis er im Meere angekommen, seines Besten und
Kräftigsten entledigt, statt untätig zu ruhen, durch die bitteren und
salzigen Bestandteile des Ozeans wieder zu anderen Verbindungen, aber „unter
der Erde“ angeregt, seinen Kreislauf in anderen Formen und auf anderen Wegen
wieder beginnen muß. [Sg.01_019,27]
So sind die Gebirge als Aufnahmebehälter der neu belebten Wasser von unten
„Ventilatoren des Luftstroms“, die auf der Oberfläche der Erde sich bewegenden
Ströme mit ihren Katarakten (Wasserfällen) – „Ventilatoren des
Wasser-Stromes“; und was ihr in der sichtbaren Natur, in der Luft oft mit
Schrecken und an den Wasserfällen mit Staunen bewundert, das durchzieht auch
das geistige Leben nach denselben Prinzipien und Grundsätzen, wo auch, um
geistig fortzuschreiten, gekämpft und gestritten werden muß, damit das
geistige Leben tauglich werde für eine Ewigkeit, nicht versaure oder gar in
Fäulnis übergehe! [Sg.01_019,28]
Denn sehet, wie die Luft in ihrem Dahinströmen auf Hindernisse stößt, welches
die Gebirgsmassen als feste Gegenstände sind, oder wie das Wasser während
seines Laufes auf Widerstände stößt, welche seinen Lauf beengen wollen und so
Luft wie Wasser zu Kraftanstrengungen nötigen, ebenso im geistigen Leben die
Hindernisse erst den geistigen Charakter erwecken, ihn stählen, ihn zur
größeren Tätigkeit anfachen. [Sg.01_019,29]
Wie es in der Luft unter Donner und Blitz brauset und die Windsbraut drohend
einherzieht oder das Wasser auf einmal unter donnerndem Lärm in eine nicht
vorgeahnte Tiefe fallen muß, dort wirbelnd und brausend sich zerstoßen und an
festen Felsen sich reiben muß – so sind es die Hindernisse im menschlichen
Leben, welche die Fälle verursachen, wo der Mensch, aus seiner geträumten
Ruhe herausgeworfen, im Strudel des Lebens alle Kraft braucht, um aus dem
Gewirr der Lebensfelsen herauszukommen. [Sg.01_019,30]
Mit Gewalt muß gekämpft werden, und wenn, wie beim Wasser, oft ein Hindernis
überwältigt ist, so droht vielleicht nach kurzem Verlauf ein neues, ebenso
unvorhergesehen wie das erste. So geht es fort, das ruhig ersehnte Fließen
zwischen blumenreichen Gestaden wird dem Menschen hier nicht zuteil, und
kommt er auch am Ende in breiteres Stromgebiet, so geht es seiner geistigen
Bestimmung entgegen, wo, wie das Wasser im Meer, er im geistigen Reich des
ganzen Universums andere Gesetze, andere Verhältnisse antrifft, die ihn
zwingen, alles Überflüssige wegzulassen und nur mit dem weiterzusegeln, was
seiner Umgebung, als dem großen Geisterreich, anpassend ist. – [Sg.01_019,31]
So ist ein Sturm in der Luft, ein Wasserfall zwischen hohen Ufern das
geistige Symbol des menschlichen Lebens, wo überall eben nur durch Kampf das
eigene und das Leben anderer bedingt ist. [Sg.01_019,32]
Sehet den großen Strom an, wie langsam fließt er dahin; ebenso ein Leben ohne
geistige Tätigkeit. Der Strom trägt zwar Schiffe, führt aber meistens Schlamm
und nicht trinkbares Wasser mit sich; seine größte Lebenskraft ist von ihm
gewichen, er eilt seiner Bestimmung zu, anderen mehr als sich selbst nützend.
– So das menschliche Leben; auch hier, im Greisenalter, wo die
Lebenstätigkeit auf weniges beschränkt nur noch dem vegetativen Fortgange
dienen muß, geht der Greis wie der große Strom seiner Verwandlung entgegen. [Sg.01_019,33]
Wohl beiden, wenn sie früher ihrer Umgebung viel genützt und Leben und
Tätigkeit an andere gespendet haben! [Sg.01_019,34]
Mit diesem Bewußtsein möge auch der Mensch dann ausrufen können: „Ich habe
nicht umsonst gelebt!“ Dann kann er ruhig abwarten, wenn ihn der große Ozean
der Geisterwelt in seinen Schoß aufnimmt, wo nur der Lohn des Getanen ihn
erwartet, und er durch das Vollbrachte geeignet ist, in höheren Stufen ein
neues Vollbringen zu beginnen. – [Sg.01_019,35]
So, Meine Kinder, nehmt euch das Beispiel an Meiner materiellen Natur, wie
ihr in eurer geistigen alle Verhältnisse betrachten sollt, welche euch begegnen. [Sg.01_019,36]
Wasserfälle! Das Wasser fällt von einer Höhe herab, zerstäubt sich,
verdunstet und belebt sich neu. Wenn auch ihr oft von einer geträumten Höhe
herabfallet, macht es wie das Wasser, erneuert eure Kraft, durchbrecht die
Felsen alter Gewohnheiten, kämpfet und streitet, denn Kampf ist Leben! Und
wie der rauschende Bergstrom frisches belebendes Wasser enthält, wie er eine
fruchtbare Feuchtigkeit seiner Umgebung mitteilt, so sollt auch ihr, neu
belebt durch eure Kraftanstrengung, euch frisch, das heißt lebensfähig
erhalten, um eure Mission für euch selbst und die gegen eure Umgebung oder
Mitmenschen zu erfüllen. [Sg.01_019,37]
Wie in der Nähe eines Bergstroms alles schöner blüht, alles in schönerem Grün
erglänzt und die Natur sich mehr zu entwickeln scheint, so soll auch eure
Umgebung eure Gegenwart fühlen; ihr sollt auch auf sie die Lebenstätigkeit verbreiten,
damit, wenn ihr in schönerem Glanze eines moralischen Bewußtseins frisch und
kühn durchs Leben schreitet, auch alle Mitgehenden verstehen und begreifen mögen,
wo die geistige Feuchtigkeit herkommt und wie sie es ist, die Licht und Farbenpracht
im reichsten Maße erzeugen kann, wo ihre Wirksamkeit hinzudringen imstande
ist. [Sg.01_019,38]
So möge dir und allen anderen das schäumende Gebrause des Niagara- oder jedes
anderen Falles ein geistiges Beispiel sein, daß „Fallen“ notwendig ist, um
desto größer geistig wieder aufzustehen; und daß eben, wie bei Wasserfällen
der Bogen des Friedens in den sieben Farben oft den bewundernden Zuschauer ergötzt,
das Licht es ist, welches diesen Zauber bewirkt, wie bei einem moralischen
Falle das Licht des göttlichen Wortes mit den sieben göttlichen Eigenschaften
es ebenfalls ist, welches dem Gefallenen wieder aufhilft und zu seinem
weiteren Verlaufe während der kurzen Lebenszeit stets behilflich sein wird,
wie die Luft beim Wasser, an andere zu übertragen, was im eigenen Leben erfahren
worden ist. – [Sg.01_019,39]
O könntet ihr doch deutlicher in Meinem Buche der Natur lesen, wie viele
lehrreiche Beispiele stehen dort geschrieben, deren geistige Entzifferung
euch manchen seligen Genuß gewähren könnte, mehr als alles weltliche
Vergnügen, und ihr würdet nebenbei noch sehen, wie im materiell Sichtbaren
wie im geistig Unsichtbaren stets das nämliche Gesetz der Liebe, der Duldung,
der Verzeihung herrscht, und wie auch bei anscheinlichen Zerstörungen doch
nur ein liebender Zweck und Grund verborgen ist, der zwar viel Materielles
vertilgt, um Geistiges zu retten! – [Sg.01_019,40]
So soll euch dieses Wort wieder faktisch beweisen, wie viel geistiges Licht
um euch her während des Tages schon ist, und wenn die Nacht hereinbricht,
euch erinnern, daß über diesem kurzen Sonnenlicht eines verschwindenden Tages
noch ein höheres, ewiges aus den Sternen euch entgegenleuchtet, welches ihr
aber erst dann ganz verstehen werdet, wenn das irdische für euch für immer
vergangen und euer Auge ganz fähig ist, nur geistiges, und zwar stetiges
Licht aufzunehmen; während es hier im Prüfungsleben nur auf manche Momente,
angeregt durch Naturereignisse, euch ahnen läßt, was hinter dem Sargdeckel
für eine Sonne, für eine Welt ist, und was für ein Vater dort steht, der hier
schon in so manchen großartigen Naturszenen euch begreiflich machen möchte,
daß ihr nicht für dieses kurze, sondern für ein ewiges, nie endendes Leben
geschaffen seid! [Sg.01_019,41]
Betrachtet also Meine Natur! lernet in ihr lesen die heilige Schrift Meiner
Liebe, die im Donner der Gewitterwolken oder eines stürzenden Wasserfalls
oder im leisen Murmeln eines Baches oder im sanften Fächeln eines Lüftchens
euch stets zuruft: Gott ist die Liebe! lernet Ihn verstehen, und Ich versichere
euch, auch ihr müsset Ihn lieben! – [Sg.01_019,42]
Lerne auch du nun, der du dieses Wort für andere geschrieben hast, lerne auch
du in der Natur, die dir bald gegenüberstehen wird, lesen, wie groß und gut
dein Vater und Herr ist, der dir solche Worte für andere und dir die
Gelegenheit gibt, an Ort und Stelle geistig zu genießen, was du anderen eben
schildern mußtest; lerne auch du begreifen, wie es eben dein Vater und Herr
ist, welcher dich hinausschickt in Seine weite Natur, damit du neben deinem
materiellen Interesse dein geistiges nicht vergissest; wo dir zwischen Bergen,
Gletschern und brausenden Waldbächen jedes Geräusch derselben die nämlichen
Worte zuflüstern möge, die du vorher hier auch für andere geschrieben hast! [Sg.01_019,43]
Soviel für dich und das Vorhergehende für die andern zur Danachachtung und
Kenntnisnahme! Amen. 20. Kapitel – Ein Wort für Kurzsichtige. 20. Januar 1873 [Sg.01_020,01]
Du hast vor kurzem wieder angefangen, dich in ein Studium zu vertiefen,
welches dir einst in deinen jüngeren Jahren viel Genuß und erhabene Stunden
gegeben hat (Anm.), und wo du schon in jener Zeit nur Mich suchtest, aber
doch nicht den rechten Weg einschlagend, Mich nur ahnen, aber nicht so klar
vor dir sehen konntest wie jetzt, wo Ich dich manchmal mit einer geistigen
Fernsicht beschenke, die, weit hinaus über Zeit und Raum, den unendlichen
Gott dich im unendlichen Weltall fühlen läßt. [Sg.01_020,02]
Da aber du nichts allein genießen, nichts allein fühlen willst, und dabei
glaubst, ein jeder Lichtfunke, den Ich in deine Brust senke, gehöre nicht nur
dir, sondern auch deinen Brüdern, deinen Mitmenschen, deinen nachkommenden
Freunden der wahren Gotteslehre, so will Ich dir auch deine Bitte gewähren
und dir wieder ein Wort voll des Geistes der Liebe, der Gnade und der
Erbarmung geben, damit dein Wunsch erfüllt werde und die Menschen jetzt und
einst noch erkennen mögen, wo Ich am leichtesten zu begreifen und am
leichtesten zu finden bin. – [Sg.01_020,03]
Du durchlasest jüngst ein Werk eines Mir sehr lieben Mannes, der nicht wie
die gewöhnlichen Gelehrten sich nur, sondern bei allem, was er in Meiner
großen Haushaltung findet, Mir die Ehre gibt. [Sg.01_020,04]
Dort begannst du eben mit dem aus deiner früheren Jugend erwähnten Studium,
mit der Sternkunde, durchflogst mit dem Schreiber dieses Buches die großen
Räume der Unendlichkeit, wo du eben im Unendlichen den Unendlichen mehr als woanders
so ganz fühltest, wo du Seine Größe und deine Winzigkeit als Mensch dieser
Erde so ganz verstanden und begriffen hast! [Sg.01_020,05]
Die Zahlenwerte der wahrscheinlichen Größen von Welten und Sonnen sowohl, als
die Entfernung derselben voneinander, ihre wechselseitige Verbindung, die
Harmonie der Bewegungen, die dabei herrscht, die unwandelbaren Gesetze und
noch mehreres – alles dieses erhob dich auf einer Seite und drückte dich auf
der andern nieder. Und als du zu Mir deinen Blick erhobst und Mich anriefst:
„Was bin ich, o Herr, daß Du meiner gedenkest!“ und Ich dir im Herzen
antwortete: (Du bist) „Mein Kind!“ – nur dann bekamst du Fassung und das
moralische Gleichgewicht wieder, weil du in Mir nicht allein den mächtigen
unbegrenzten Schöpfer eines solchen Weltalls sahst, wie es vor deinen
geistigen Augen gleich einem Buche aufgerollt ward, sondern weil du, wie es
in der Schöpfung bei allem Wesenden zu sehen ist, daraus verstanden hast, daß
nur ein Gott wie Ich so Sich gegen Seine geschaffenen Wesen verhalten kann,
daß Er auch dem Kleinsten ebensoviel Sorgfalt zur Erreichung der
Vollkommenheit zugewendet hat als es notwendig ist, auf daß ein jedes seiner
Bestimmung genüge und ungestört den Weg zu höheren Stufen fortsetzen kann! – [Sg.01_020,06]
Ja, Mein Kind, den großen Schöpfer kann man am leichtesten im Großen finden,
denn während man Seine Größe im Kleinen erst suchen muß und Denk- und
Gefühlskraft dazu gehört, das Gefundene zu würdigen, so drängt sich unwillkürlich
die Macht eines großen Werkmeisters dem Beschauer auf, wenn letzterer vor
Bauresten steht, die über seinen gewöhnlichen Begriff hinausgehen. [Sg.01_020,07]
Da steht dann der Bewunderer erstaunt und verblüfft vor einem schaffenden
Geiste, wo sein eigenes Ich ihm als nichts oder gleichsam als eigentliche
Null erscheint. Es ist der unabweisbare Vergleich zwischen beiden, was ist Er
und was bin ich, welcher sich nicht wegleugnen läßt. [Sg.01_020,08]
So erging es auch dir beim Durchlesen des Fixsternhimmels, wobei seine Größe,
seine Entfernungen, sein gesetzliches Wirken untereinander, alle diese
Größen, wo eure menschliche Körperausdehnung oder euer winziger Maßstab, der
Fuß, sowie der Durchmesser eurer Erde oder der Durchmesser eurer Erdbahn, ja
der Durchmesser eures ganzen Sonnensystems und seine Entfernung vom nächsten
Fixstern in nichts zusammenschrumpfen und alle diese Größen, irdisch
genommene Zahlen nicht ausreichen, Meine Schöpfung und ihre Räume oder Zeiten
auszumessen. [Sg.01_020,09]
Selbst als sich das Licht mit seinem Fluge kaum als Rechnungsfaktor bewährte
(weil wieder Zahlen zum Vorschein kommen, welche eurem menschlichen Verstande
nicht mehr faßbar sind, und höchstens nur noch der etwas geschwindere elektrische
Funke sich erweisen könnte als ein Maßstab, mit welchem ihr aber eben
außerhalb eurer Atmosphäre nichts messen könntet), da erst griff die bedrängte
Seele zu dem geschwindesten Zeit- und Raummesser, zum Gedanken, dem Maßstab,
welchen Ich als Gottesgedanken in euch gelegt habe, um wenigstens doch die
Annäherung zu ahnen, wie groß selbst die begrenzte materielle Sonnen- und
Welten-Schöpfung sein mag, wo alle anderen Versuche, eine auch nur geringe Vorstellung
von ihr zu haben, nicht ausreichten. [Sg.01_020,10]
In Anbetracht alles dieses Gefühlten und Geahnten durchströmte dich ein
Gefühl der Wehmut, der Zerknirschung, und doch wieder eine süße Ahnung wie
ein Heimweh nach jenen Gegenden und Gefilden, von wo vielleicht seit ihrer
Schöpfung noch kein Lichtstrahl zu deinem Auge gedrungen ist! – Du fühltest,
weit über Zeit und Raum hinaus, das Wehen eines höheren, größeren
Liebegeistes, der, obwohl für dich und deinen Verstand unmeßbar, doch für
dein Herz fühlbar war, ist und sein wird. – Da sankst du hin im Gebet vor dem
Throne deines Schöpfers, der auch dein Vater ist; es kam dir unbegreiflich
vor, wie eben dieser Vater unter so vielen Millionen von Welten gerade diese
deine kleine Erde ausgesucht haben solle, um hier die Geister alle, und euch
winzige Menschen, zu einem Ehrenposten zu erheben, den nach menschlichen
Begriffen du vielleicht anderen, schöneren, riesigeren Welten zugedacht hättest. [Sg.01_020,11]
In diesem Drange der Wonne, der Liebe, der Zweifel und Fragen wandtest du
dich an Mich um ein tröstend Wort, weil auch du Mein Kind bist; und jetzt
will Ich dir die Auflösung aller dieser Rätsel, und zwar von einem
Standpunkte geben, von dem du und deine Freunde und Brüder wohl noch keinen
Begriff und auch keine Idee gehabt habet. [Sg.01_020,12]
Wenn Ich auch wohl schon in anderen Worten über Meine Schöpfung, über Mein
Ich, euch viel gegeben habe, so möget ihr versichert sein: Es gibt noch immer
neue Seiten, von welchen ihr die materielle wie die geistige Schöpfung nicht
betrachtet und auch nicht im mindesten geahnt habt, daß über diese Dinge noch
etwas Neues gesagt werden könnte. Und so will Ich auch eben in diesem Wort
wieder zeigen, daß Meine Schöpfung noch lange nicht so klar vor euren Augen
liegt, wie es Meinen Kindern geziemt, daß sie sie begreifen sollten; und um
kein Mittel ungenutzt zu lassen, euch den leichteren Weg zur Kenntnis zu
führen, so folget Mir denn auf einem Spaziergange durch Mein Haus, wo Ich
ebenfalls, wie Meine (parodierenden) „Stellvertreter auf Erden“, der
Wohnungen in Unzahl habe. – [Sg.01_020,13]
Sehet, Meine Kinder, es ist eine allgemeine Geisteskrankheit der meisten
Menschen, daß sie sich nicht mit dem beschäftigen wollen, was sie Mir näher
bringen könnte, und zwar leichter als anderes, und daß sie meistens
anderswohin sich wenden, wo mit abstrakten Begriffen, mit mühsam
hergekünstelten süßen Momenten und Erhebungen sie sich selbst geistige
Genüsse zu bereiten suchen, um mit Mir in Gemeinschaft zu treten. [Sg.01_020,14]
Ihr alle, die ihr seit Jahren Worte von Mir direkt erhaltet, ihr alle seid
mit dem materiellen Leben, mit euren Leibessorgen so verwachsen, daß nur bei
einem neuen Wort, bei einer neuen, schönen Phrase euer innerstes
Liebesfünklein aufleuchtet, wie bei einem Nachtlicht, das anfängt wegen
Mangels an Nahrung zu verlöschen, wo oft ebenfalls solche Lichtmomente
vorkommen, denen aber gleich darauf eine um so größere Finsternis folgt. [Sg.01_020,15]
Diese Art, Meine Worte aufzufassen, ist bei euch am meisten wahrzunehmen, und
warum? Sehet, eben weil ihr nicht dem nächsten Wege, euch in Stimmungen zu
halten, in welchen ihr die Menschheit, die Welt und Mich in schönerem,
ruhigem Lichte sehen könntet, nachkommt. [Sg.01_020,16]
Diese momentanen Erhebungen sind als Nervenreizungen nur für kurze Zeit
möglich. Um eine solche ruhige, erhabene Ansicht des euch Umgebenden zu
gewinnen, muß auf anderen Grund gebaut werden, auf Grund von Ideen, welche
euch überall begleiten, auf welche ihr alle Ereignisse und Erlebnisse
zurückführen könnt. Solange ihr diese Fertigkeit nicht habt, werdet ihr stets
teils im Handeln wanken, teils so manches schwärzer ansehen, als es wirklich
ist, oder ihm mehr Wert beilegen, als es in der Tat hat. [Sg.01_020,17]
Sehet, schon in eurem gewöhnlichen irdischen Leben wißt ihr wohl aus eigener
Erfahrung, daß wenn das menschliche Herz etwas mit ganzer Liebe erfaßt, wie
bei Lieblings-Ideen oder gar beim Verliebtsein, wie da diese Ideen oder das
Bild des geliebten Gegenstandes euch überall folgt, von morgens bis abends
bei allen Handlungen euch begleitet, alles Erlebte auf ihn bezogen wird, ja
selbst noch in Träumen es euren Geist beschäftigt! [Sg.01_020,18]
Wenn ihr das aus Erfahrung erlebt habt und jetzt nach genauerer Kenntnisnahme
Meines direkten Wortes euch rühmen möchtet mit den Worten, wie Ich sie einst
sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“, so glaube Ich, daß es
ebenfalls in eurem Herzen so aussehen sollte in bezug auf Mich, wie einst in
bezug auf einen irdischen geliebten Gegenstand. Und doch, wenn ihr Mich
fragt, so sage Ich es euch, bei euch ist das nicht der Fall, sondern nur bei
einem oder dem andern sind die Momente der höheren geistigen
Genuß-Augenblicke länger als bei andern, aber Augenblicke, vorübergehend
bleiben sie doch immer! [Sg.01_020,19]
Um euch also auch hier wieder den Weg zu zeigen, wie man so ganz mit Mir in
Gemeinschaft treten, mit Mir so ganz vertraut werden und durch ein immerwährendes
Zwiegespräch stets höher und höher steigen und ruhiger werden kann, so höret
also Meine Worte an euch in dieser Beziehung, welche so lauten: [Sg.01_020,20]
„Betrachtet Meine Natur! Sie ist die einzige wahre Vermittlerin zwischen Mir
und euch; denn Ich bin ein Geist, als Geist euch nicht sichtbar, nur ahnen
könnt ihr Mich, während Ich Meine eigene Liebessprache nur zu deutlich in
alles Materielle gelegt habe, wo es dann nur an dem aufmerksamen Beobachter
fehlt, der dieses Buch lesen und verstehen will – [Sg.01_020,21]
Mein Schöpfungsbuch ist unendlich! Und so wie es vor euch liegt, besonders im
Kleinen, könnt ihr es nur dann verstehen, wenn ihr euren wissenschaftlichen Forschern
folgt, die mit viel Zeit und Aufwand von Geduld euch langsam in die Geheimnisse
der Schöpfung einführen, soweit es ihre Verstandesleuchte und ihre
menschlichen Hilfsmittel erlauben. [Sg.01_020,22]
Wenn aber manchmal die Schlußfolgen dieser Gelehrten andere sind als die
euren, so stoßet euch nicht daran: [Sg.01_020,23]
Alle Entdeckungen auf wissenschaftlichem Gebiet sind nur dann fruchtbringend
für das höhere geistige Leben, wenn sie sich auf Mich, auf Meine Lehre, auf
Meine Liebe beziehen! [Sg.01_020,24]
So müsset ihr die Schöpfung verstehen, so dann auch Meine Natur lesen, und es
wird euch bald ein Geist des Friedens und der Ordnung aus allem entgegenleuchten,
der euch gerade das als stetige Größe in der Natur zeigt, was euch im ganzen
fehlt. [Sg.01_020,25]
Wenigen von euch und auch von den meisten Menschen ist es gegönnt, in die
Geheimnisse des Mikrokosmos einzudringen; entweder fehlt ihnen der Sinn für
diese Beschäftigung oder fehlen die Mittel oder sind es Berufsgeschäfte, alltägliche,
geistlose, welche sie am Weiterforschen in dieser Hinsicht hindern, und es
bleibt ihnen nichts übrig, als bei einem Spaziergang in freier Natur nach
ermüdender Arbeit ausrufen zu können: „Ach wie schön!“ „Wie herrlich ist
alles!“ Aber das Warum zu wissen, dazu fehlen ihnen die nötigen Kenntnisse. [Sg.01_020,26]
Das leise Wirken der Natur also näher zu verstehen, bleibt und blieb bis
jetzt nur denen vorbehalten, welche tiefer eindrangen in das Gewebe, welches
wie ein Netz alles Sichtbare übersponnen hat. Dem ernsten Beobachter, dem
tiefen Denker war es vorbehalten, die hieroglyphische Schrift zu entziffern,
welche auf so manchem Tautropfen, der an einem Moosblatte hängt, sich zeigt
und welche Ich als Vater alles Geschaffenen ebensogut in den Tautropfen wie
in eine mächtige Zentralsonne von tausend Millionen eurer Meilen im
Durchmesser gelegt habe! [Sg.01_020,27]
Diese geheimnisvolle Liebessprache ist wenigen vorbehalten; aber leichter ist
sie zu entziffern, wenn nachts das ganze große Sternenzelt sich über euren
Häuptern ausbreitet, wo ihr nur zu oft, statt dort in jene bis jetzt
ungemessenen Räume einen Blick zu tun, schlaftrunken eure Fenster und Vorhänge
schließt und im irdischen Schlafe die euch umgebende und die über euch
ausgebreitete Welt vergessen wollt und euch materiell gesinnt ins Bett legt,
um am Morgen wieder nur zu oft noch materieller aufzustehen. [Sg.01_020,28]
Die Sterne, die doch jedem Menschen die Frage abdringen müssen: zu was sind
sie dann da? zum Leuchten – gewiß nicht, denn es fehlt ihnen an geeigneter
Helle; zur Erwärmung ebenfalls nicht; also die Sterne, als daseiende, geschaffene
Dinge, müssen einem jeden Menschen, der nur im mindesten denken gelernt hat,
den Wunsch abdringen: [Sg.01_020,29]
„Ich möchte doch wissen, was sind denn diese glänzenden Punkte am nächtlichen
Himmel?“ – [Sg.01_020,30]
Wer nun dieser Frage Gehör gibt und nicht zu sehr ins weltliche, irdische
Treiben vertieft seinem Interesse nachsucht, wie das Vieh dem Futter, der
wird auch bald Bücher und Menschen finden, die ihm dann so einen kleinen Wink
geben von dem, was bis jetzt aufmerksame Beobachter aus dem gestirnten Himmel
herausgelesen haben, während Millionen Menschen im Schlafe unbewußt nur ihr
irdisches Leben fristeten. [Sg.01_020,31]
Nicht umsonst habe Ich die Menschen Erfindungen machen lassen, um in diesem
großen Schöpfungsreich lesen zu können, nicht umsonst habe Ich durch langes
Arbeiten und Suchen auf berechnendem Wege die Bahnelemente von Sonnen,
Planeten und Kometen, Fixsternen, Sternenlinsen, Nebelflecken und Sternenhaufen
entdecken lassen. Ich wollte damit eben dieses große Buch, wo Ich als
Schöpfer und Meine Schöpfung als Größtes dasteht, dem Menschen näherrücken,
damit er Meiner gedenkt, sich seiner eigenen Würde bewußt wird und nicht den
Blick nach unten, wie die Tiere, sondern nach oben richtet – als die
Richtung, von wannen er gekommen und wohin er wieder gehen wird, um wie alle
kreisenden Sterne auch seine Bahn zu vollenden auf Erden. [Sg.01_020,32]
Wie auf dem Felde Blumen von allerlei Farben prangen und alle Zeugen Meiner
Liebe und Gnade sind, so kreisen auch dort oben Sterne um Sterne verschieden
an Farbenglanz und Lichtstärke; sie sind auch Blumen in dem großen Garten
Meiner unendlichen Schöpfung, sie duften zwar nicht, doch ihr Glanz, ihr
Licht hat etwas Geistiges, Erhabenes, was in ein Auge dringend, euch Gefühle
der Weltenharmonie erweckt, der Einheit von Gesetzen, wie ihr solche auf
Erden in eurem eigenen Lebenswandel selbst nicht habt. [Sg.01_020,33]
Die Berechnung zeigt euch Größen, die über eure Phantasie hinausgehen, sie
sind (für euch) unaussprechlich, undenkbar, wie ihr Schöpfer Selbst. [Sg.01_020,34]
Von Millionen und Millionen Zeiträumen her fliegt das Licht, auch nur ein
materieller Stoff, um doch einst dem aufmerksamen Beobachter Zeugnis zu
bringen von einem geistigen Schöpfer, der jene Welten hervorrief, noch ehe
die eurige als Dunstball nur die mindeste Neigung hatte, sich von der
Gesamtmasse zu trennen und ein abgetrenntes Ganzes zu machen, um dann erst
wieder nach und nach sich verhärtend und sich entwickelnd ein Wohnort von
lebenden Wesen zu werden, Mich ebenso wie viele Millionen andere Geschaffene
zu loben, zu lieben und zu verehren! [Sg.01_020,35]
Dieser gestirnte Himmel mit seinen Millionen von Sonnen, mit seinen
Entfernungen, mit seiner Größe ist das einzige wahre Bild, unter welchem ihr
kleinen winzigen Erdgeschöpfe Mich als Schöpfer erkennen oder ahnen könnt! [Sg.01_020,36]
Er (der Sternenhimmel) drängt euch die Ahnung auf, daß da oben mit anderen
Größen, mit anderen Zeiten gemessen werden muß, um dieses große, unendliche
Werk zu begreifen, welches in sich unendlich, eben den Unendlichen und die
Unendlichkeit am meisten ausdrückt. [Sg.01_020,37]
Dieser über eurem Haupte täglich ausgebreitete Sternenhimmel sollte euch zum
Nachdenken, zum Forschen anregen, damit, wenn euch auch der Mikrokosmos
undeutlich und verschlossen, doch der Makrokosmos zum Teil erklärbar sei,
damit ihr dort in großen Weltschöpfungsbuchstaben lesen könnt, was in kleinen
Lettern auch auf jeder Moospflanze, auf jedem Infusorienwesen geschrieben
steht: „Gott ist die Liebe“ [Sg.01_020,38]
„Und wer Ihn anbeten will, muß Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten!“ [Sg.01_020,39]
„Im Geiste anbeten“ will heißen, wenn ihr Meine materielle Welt, wo Ich alle
Meine Gedanken aufgezeichnet habe, geistig versteht, und „in der Wahrheit“
will sagen, wenn ihr in den gefundenen und entdeckten Geheimnissen aller
Forscher das Wahre vom Falschen, die richtige von der falschen
Schlußfolgerung unterscheiden gelernt habt. [Sg.01_020,40]
Dort oben, in den unermeßlichen Räumen seht ihr einen Gott rechnen und bauen
nach Seiner Weise, nicht nach Pygmäen-Weise, sondern nach dem Maße Seines
Ichs, nach dem Maße der Unendlichkeit. – Dort wo alle materiellen
Hilfsquellen nicht ausreichen, Distanzen (Entfernungen) und Größen zu messen,
dort steht nur – Gott als höchster Gedanke, und nur mit dem Gedanken kann
gemessen, beurteilt werden, was eben nur der Gedanke schuf. [Sg.01_020,41]
Daher dein Zusammensinken in Nichtigkeit, du Mein lieber Schreiber, weil du
dir vorstellen wolltest, was nur denkbar dem Geiste und ahnbar dem Herzen,
aber dem Verstande unerreichbar ist. [Sg.01_020,42]
Darum riefst du aus: „Was bin ich, daß Du meiner gedenkest!“ Die Wucht der Größen
war dir zu groß, du wolltest die Unendlichkeit fassen, die doch nur Ich, aber
du endliches Wesen nie ganz begreifen wirst! [Sg.01_020,43]
Ich gab dir dieses Wort zu deiner Beruhigung und zur Aufmunterung anderer,
daß sie diese Wissenschaft, welche ihnen den größten Genuß und die höchste
Idee eines Schöpfers nur ahnend zwar beizubringen imstande ist, nicht für so
gering halten sollten, daß sie nicht glauben sollten, es sei bloß ein
Studium, um ein paar Sonnen- oder Mondfinsternisse im voraus zu berechnen,
oder den Schiffern wegen der Verfinsterung der Jupiter-Monde in ihrer
Berechnung zu helfen. [Sg.01_020,44]
Nein! die Astronomie ließ Ich deswegen gedeihen unter euch, um euch dieses
große Buch, das jede Nacht sich vor euren Augen entrollt, leserlich und
verständlich zu machen und gerade den Ungläubigsten, den Gottesleugnern und Materialisten
den Beweis aufzuzwingen, daß wo so geordnete Gesetze wie dort oben herrschen,
auch ein Gesetzgeber da sein muß, und die Millionen und Millionen kreisenden
Welten nur zu deutlich zeigen, daß ein Gott als Schöpfer das mit und durch
Liebe bewirken will, was Er auf anderem Wege nicht so leicht erreichen konnte! [Sg.01_020,45]
Was deine andere Frage betrifft, wie und warum Ich gerade den Stern, „Erde“
genannt, auserwählt habe, um auf ihm das größte Werk der Demut für euch und
die ganze Geisterwelt zu vollführen, so genüge dir zur Antwort: Wenn du den
Bau des Fixsternhimmels genau mit geistigen Augen betrachtet hast, so wirst
du finden, daß erstens euer Sonnensystem, wovon die Erde ein Glied ist,
beinahe in der Mitte dieser Sternenlinse steht, und zweitens, daß eben dieses
System mit allen seinen Kometen und Planeten eine der jüngsten Schöpfungen
ist, die aus Meiner Hand entstanden und noch immer im Vervollkommnen sich
befindet. [Sg.01_020,46]
Du hast gelesen, daß über 6000 Kometen (was für euch so scheint, es sind
deren aber eine Unzahl) noch um diese Sonnen kreisen. „Was sind aber Kometen?“
Siehe, Kometen sind ebenfalls nur Weltsysteme, die wieder Planeten und Erden
werden, damit auch sie einst im engeren Kreise um ihre Mittelsonne kreisend,
dem Lobgesang aller anderen Sphärenharmonien beistimmen können! [Sg.01_020,47]
In eurem Sonnensystem selbst wirst du finden, daß der in der gerechten
Ordnung als vierter Planet gesetzte Stern, jetzt zertrümmert in viele kleine
Stücke, seinen Kreislauf fortsetzt. Dieser Stern ward einst bestimmt, wie Ich
es woanders sagte, zu Meinem Daniederkommen auf eine Welt, ein Zeuge Meiner
Macht und Meiner Liebe zu werden. [Sg.01_020,48]
Doch er hat sich, oder eigentlich seine Bewohner haben sich nicht würdig
gezeigt einer solchen Gnade, und so wurde er zertrümmert, wie ihr ihn jetzt
noch findet, und es wurde dann die Erde ausersehen, als Mittelglied zwischen
den Vorder- und Hinter-Planeten, Zeuge Meines Demuts-Aktes zu sein! [Sg.01_020,49]
Wenn Ich sage: „Jüngstes Sonnensystem“, so mußt du dir nicht diese Zeit in
Jahren vorstellen wollen, dort oben gibt es keine Jahre, keine Tage, sondern
die Zeit ist Mein ewiges Vervollkommnungs-Gesetz, das kein anderes Maß als
die Unendlichkeit selbst hat, aus welcher sie kommt und in welche sie wieder
verrinnt. [Sg.01_020,50]
Daher ist auch die Schöpfungszeit eures Planeten bis zu seiner Bewohnbarkeit
nicht so alt wie jene Welten, die vor euch unberechenbaren Zeiten oder Äonen
von Jahren ihren Kreislauf begannen und wo jede von euch denkbare Jahreszahl,
von ihrem Werden bis zu ihrem jetzigen Bestand, nicht ausreichen würde, dir
einen Begriff zu geben von der Dauer einer solchen Weltkugel, noch von ihrer
Größe, noch von ihrer Beschaffenheit und ihren Einwohnern. [Sg.01_020,51]
In diesem Punkte muß der menschliche Verstand zurücksinken in ein Nichts
gegen Meinen allmächtigen Willen, gegen Meine Weisheit und gegen Meine
Anordnungen, wo, was eben ihr alle nicht begreifet, Ich im endlosen Raume
schaffe, während ihr nur endliche Räume kennt! [Sg.01_020,52]
Alle diese Welten, obwohl geschaffen, hatten noch keine letzte Weihe des
höchsten Geistigen erhalten, bis Ich den Impuls zum Werden des letzten, eures
Sonnensystems gab, wo sodann die materielle Welt, bis dorthin überkleidete
Geisterwelt, erst ihren Zweck, ihre Bestimmung und ihre Mission erhalten hat! [Sg.01_020,53]
Nach Meinem Daniedersteigen auf eure Erde und Meiner Heimkehr begann erst
eine neue Ära für alle geschaffenen Wesen, ob Geister ob Menschen, auf allen
Welten und Sonnen. [Sg.01_020,54]
Was die ersteren als Gewißheit hatten, konnten die andern als Ahnung
erfassen, und so wurde das Prinzip der Liebe als allgemeines Gesetz überall
erkannt, befolgt und bei minder begabten Wesen geahnt. [Sg.01_020,55]
Nur durch die große Probe Meiner eigenen Demütigung erhob sich erst das
Bewußtsein aller lebenden, denkenden Geschöpfe; denn wenngleich sie Mich
nicht als Vater, als Träger der Schöpfung, als personifizierte Liebe erkannten,
so verehrten sie Mich als „großen Geist“, als geistiges und nicht als materielles
Wesen. [Sg.01_020,56]
So hat der große materielle Weltenmensch seine geistige Bestimmung erhalten,
so hat der geistige Weltenmensch sein eigenes Dasein erst erkannt, warum er,
warum die Materie da ist und warum Ich auf ein kleines Sandkorn im Ozean
Meiner Schöpfung herunterstieg, um unter diesen kleinen Geschöpfen den größten
Akt der Liebe und der Demut zu vollführen! [Sg.01_020,57]
Jetzt, wo dieses alles geschehen ist, jetzt geht der Welten-Mensch,
zusammengesetzt aus der ganzen sichtbaren Schöpfung, seinem Lösungsprozeß
entgegen. [Sg.01_020,58]
Die Geisterwelt weiß, wohin sie gehen muß, um die Kindschaft ihres Herrn zu
erlangen, und die materielle Welt empfindet durch die in sie gebundenen
Geister das Bedürfnis, dorthin zu drängen, aus Dessen Schoße sie
hervorgegangen, um dort den Kreislauf ihres Werdens, Bildens und Vervollkommnens
zu vollenden. Eine Kette, ein Band umschlingt die beiden großen Welten, die
Geister- und die Materie-Welt, ein Band, eine Kette bindet alles Geschaffene
gegenseitig untereinander und verbindet es mit der Geisterwelt – es ist das
Band der Liebe, das Band, welches der Schöpfer deswegen um sie alle zog, weil
die Liebe als Erhaltungs-Prinzip das einmal Gewonnene, dessen Ausbildung und
weiteres Fortschreiten, Streben und Vervollkommnen in sich trägt. [Sg.01_020,59]
Deswegen, wenn bei nächtlichem Himmel euer Auge ein Lichtstrahl aus so fernen
Zonen Meiner Schöpfung noch trifft, so denket auch dabei, daß es der
Lichtstrahl, von der Hand der Liebe gesandt ist, der euch Kunde gibt von
einer unermeßlichen Welt in weiter Ferne, und daß dieser Lichtstrahl eben
beim Auffallen auf euer Auge – von einer Welt, die vielleicht tausend
Millionen Lichtweiten Entfernung hat, sich in eurem Auge verkörpert mit eurem
materiellen Ich und ihr so ein Teil jener (materiellen) Welt werdet, während
ihr auf Erden wandelnd, aus anderen Stoffen zusammengesetzt, eben diesen
Lichtstrahl braucht, um nicht isoliert, sondern Verbindungsglieder solch
ferner Welten mit dem kleinen Planeten Erde zu sein. – [Sg.01_020,60]
Licht ist Materie, euer Auge ebenfalls, und so verbindend bleibt die Kette,
die geistig dadurch sich äußert, daß ein gefühlvoller Mensch die sanfte Liebessprache
dieser für ihn entfernten Welten ahnt, ohne zu wissen, warum eben dieser
Lichtstrahl vielleicht gerade der Träger der Liebe ist, welcher dort aus
Meiner Gnade entsprossen nach Millionen und Millionen Jahren erst in einem
menschlichen Auge seine letzte Mission vollführen mußte, warum er von dort
ausgegangen ist. [Sg.01_020,61]
O Meine Kinder, wie wenig kennt ihr noch Meine Natur, wie wenig kennt ihr
ihre Sprache, wie wenig die Deutung aller dieser Liebeszeichen, die aus allen
Winkeln, von oben und unten, euch entgegenkommen und von euch verstanden sein
wollen. [Sg.01_020,62]
Das große Buch Meiner Unendlichkeit, jede Nacht liegt es vor euch
aufgeschlagen, Trost und Ruhe dem von harter Tagesarbeit Ermüdeten spendend
mit der Hoffnung: dort oben in heiliger Ruhe wird Vergeltung, wird Liebe
sein; und wenn bei einsamen Spaziergängen in Meiner schönen Natur das ganze
Kleintiergeschlecht euch durch seine Freudenbezeugungen zu erkennen gibt, daß
auch es nicht gefühllos ist gegen die Einwirkungen des Sonnenlichtes und der
Sonnenwärme, beides Träger des Lebens und der Liebe! [Sg.01_020,63]
Lernet verstehen diesen Harmoniengesang, lernet begreifen, was hier aus tausend
Kehlen euch entgegenjauchzt, es ist die Liebe, das unbewußte Behaglichkeits-Gefühl
von Millionen von Geschöpfen, die durch das Licht der Sonne – welches auf
ihre Augen fallend, eben auch ihr eigenes wird – die nämliche sanfte Sprache
verspüren wie ihr denkenden Menschen, wenn in ruhiger Nacht vom gestirnten
Himmel Millionen und Millionen Strahlen heruntersteigen, die Erde auf ihrem
Lauf um die Mutter Sonne begrüßen, euch ebenfalls vermittels eurer Sehorgane
Produkte von entfernten Welten zuschicken, damit auch ihr von dem Jubelglanze
dieser großen Schöpfungen eine leise Ahnung empfangen solltet, um zu
begreifen, was Ich einst zu Meinen Aposteln sagte: [Sg.01_020,64]
„In Meines Vaters Hause sind viele Wohnungen!“ [Sg.01_020,65]
Ja viele, unzählbare und unermeßlich große Wohnungen sind in dem Hause Meiner
Schöpfung, Meiner „gefesteten Liebe“, alle gehören dazu, Meine Macht, Meine
Unendlichkeit den endlichen Geschöpfen darzulegen. [Sg.01_020,66]
Wenn auch der Lichtstrahl Millionen und Millionen Jahre braucht, um euch
Kunde zu geben von Fernen, wo noch Welten kreisen, wo noch die Liebe nicht
ihren Grenzstein aufgepflanzt hat, so ist es stets ein Beweis, daß, eben weil
die Liebe unendlich, auch ihre Schöpfungen unendlich, ohne Grenzen sind. [Sg.01_020,67]
Daher, du, Mein Schreiber, sinke nicht zusammen in ein Nichts vor der
Schöpfungsgröße der materiellen Welt, erschrecke nicht vor Entfernungen, vor
Größen, die dein Verstand allerdings nicht fassen kann. – [Sg.01_020,68]
Der, welcher diese Schöpfungen in die Unendlichkeit hinausstellte als Zeugen
Seiner Macht, Seiner Größe, Seiner Liebe, hat alle wesenden Geschöpfe auf
ihnen nur deswegen erzeugt, auf daß sie alle Zeugen sein sollen, wie Gott,
ein Gott der Liebe, es versteht, das Unbegreifliche begreiflich zu machen,
wie Gott versteht, auch im kleinsten Atom wie in der größten Weltkugel Sich
gleichzubleiben, indem beide perfekt ohne alles Zusatz- oder
Wegnahme-Bedürfnis in der Schöpfungskette dastehen als das, was sie sein
sollen. [Sg.01_020,69]
Auch du, Mein Kind, bist ein Glied jener großen Kette aller Schöpfungen, auch
du hängst mit der größten Zentralsonne wie mit dem kleinsten Atom im
unendlichen Äther zusammen, auch du bist auf deinem Platz, mußt und wirst
deinen Platz ausfüllen, wie es Mein liebender Wille ordnet. [Sg.01_020,70]
Verzage nicht, die Größe Meiner Schöpfung zu fassen; groß bin Ich in allem,
groß muß Ich sein, sonst wäre Ich kein Schöpfer. Beurteilt man doch euch
Menschen nach eurem Schaffen – gut, so beurteilet auch Mich nach Meinem
Geschaffenen, und wenn ihr vor manchem Menschen ob seiner Gelehrsamkeit den
Hut abziehen müßt, wie ihr sagt, so gebet auch Mir die Verehrung und den
Dank, der Mir gebührt, nicht allein weil Ich alles so geschaffen und geordnet
habe, sondern weil Ich euch inmitten Millionen anderer lebender Wesen mit
einem Geiste ausgerüstet habe, um, wenn nicht Mich ganz zu begreifen, doch
aber Meine Größe zu ahnen, indem ihr die Sprache Meiner Werke verstehen
lernt. [Sg.01_020,71]
Den Charakter eines anderen Volkes zu verstehen, mit ihnen zu verkehren, dazu
erlernt ihr fremde Sprachen, weil es eurem materiellen Interesse anpaßt; gut,
Meine Gemeinschaft, Meinen Charakter zu studieren, lernet also Meine Sprache!
Lernet diese Zeichensprache Meiner Natur geistig deuten, lernet, ihr Abkömmlinge
eines großen Geistes, Seine Liebe und Gnade bemessen, wenn Er es zuläßt, daß
ihr – sei es in weiter Ferne oder in nächster Nähe – Seine Wunder kennenlernt
und so, statt zusammenzusinken unter der Wucht Seiner Größe, euch wie eine
Efeuranke am Stamme des ewigen Lebensbaumes hinaufwindet, von Ihm Lebenskraft
einsaugt, welche euch dann stets mehr fähig macht, Ihn durch Seine Worte zu
schätzen, zu lieben und zu begreifen. [Sg.01_020,72]
Werdet fernsichtig, erkennet in der Ferne zuerst aus Meinem großen
Lebensbuche des nächtlichen Himmels Meine Liebe, Meine Sorgfalt und Meine
Macht, und es werden diese funkelnden Sternchen euch gar manches erzählen von
den großen Harmonien im Weltengebäude, die sich überall bis zu den kleinsten
Infusorien wiederholen und überall die Größe eines Schöpfers mit der Liebe
eines Vaters für Seine Kinder in Verbindung bringen! [Sg.01_020,73]
Welten wurden, Welten vergingen und werden, von denen euer Auge keine Kunde
erhalten, aber die Stimme des Vaters in eines jeden Herzen wird nicht
versiegen, sobald nur dieses Herz ihr geöffnet und für sie empfänglich ist! [Sg.01_020,74]
Mag die Sprache aus der Sternenwelt mittels Teleskop oder aus dem
Wassertropfen mittels Mikroskop euch Wunder über Wunder zeigen, sie ist doch
stets dieselbe, nur lernet sie verstehen, und Ruhe und Frieden, das
Grundprinzip Meiner Schöpfung, wird in euer Gemüt einziehen. Meine
Geistessprache in eurem Innern wird euch stets begleiten und euch führen vom
Nahen zum Fernen oder vom Fernen zum Nächsten, nämlich: vom letzten
Lichtstrahl einer unendlich weit entfernten Weltensonne bis zum Sitz aller
Liebe, bis zum eigenen Herzen, wo immer der nämliche Spruch lauten wird: [Sg.01_020,75]
„Preiset hoch den Vater! denn Er ist, war und wird ewig sein: der Gott der
Liebe!“ Amen. 23. Januar
1873 [Sg.01_020,76]
Du fragst Mich – wie werden wohl alle diese Welten beschaffen, eingerichtet
und bevölkert sein? [Sg.01_020,77]
Sieh, Mein Kind, das ist wieder eine ganz menschliche Frage, und auf diese
muß Ich dir auch wieder eine menschliche Antwort geben, das heißt, Ich muß
dir zeigen, daß die Antwort dir so nahe liegt und es nur deiner Kurzsichtigkeit
zur Schuld angerechnet werden muß, wenn du sie bis jetzt noch nicht selbst
gefunden hast. So höre also: Du wirst schon aus allem, was du gelernt,
gelesen und was Ich dir gesagt habe, ersehen haben, daß überall nur ein
Gedanke, in Millionen von Formen das ganze Universum durchdringend, diesem
zur Grundlage dient und natürlich auch eben in Mir, als geistiger Ausdruck alles
materiell Geschaffenen, seine letzte Lösung findet. [Sg.01_020,78]
Selbst in den Worten von Mir von Anfang an, in den Urzeiten den Vätern
gegeben bis auf die Mitteilungen, die du heute von Mir empfängst, überall
herrscht Konsequenz, Logik oder eine richtige Folgerung, ein geregeltes
Schließen; Ursache und Wirkung ergänzen sich, Lücken füllen sich aus, wo
solche entstehen, damit das Band, welches alles umfassen soll, keine Störung,
keine Trennung erleidet! [Sg.01_020,79]
Und eben diese Konsequenz (beharrliche Folgerichtigkeit), dieses
Zusammenwirken von allem zu einem Zweck ist es, welches auch die Verschiedenheit
der Weltkörper, Sonnen und Planeten ebenso leicht natürlich gestaltet, wie
aus einem Baum der Zweig, aus dem Zweige das Blatt, die Blüte und Frucht
erwachsen müssen. [Sg.01_020,80]
Es ist keine kopfzerbrechende Arbeit, wie du als Mensch es dir vorstellst,
welche Ich haben müßte, wo, nachdem so viele Welten erschaffen waren, Ich
etwa in Verlegenheit war, sie äußerlich auszustatten, sie zu bevölkern und
den geistigen Wesen auf ihnen ihre Richtung und Lebensbahn zu bestimmen. [Sg.01_020,81]
Das, was der Grund dessen war, wie diese Welten im Raume verteilt wurden,
warum sie so groß waren und in welchen Zeitverhältnissen sie, eine um die
andere kreisend, ihren materiellen Kreislauf, ihre materielle Bestimmung
erfüllen sollten – alles dieses bedingte auch ihre Außenseite, ihre Produkte
und ihre auf ihnen lebenden Geschöpfe und Wesen. – [Sg.01_020,82]
Siehe, auf der Erde, wo du lebst, gibt es ja ebenfalls tausenderlei
Tiergattungen und doch sind bei den Gattungen die einzelnen Tiergeschöpfe
auch wieder individuell oft himmelweit voneinander unterschieden. [Sg.01_020,83]
Bei den Menschen ist dieses eben auch der Fall. Millionen von Menschen leben
auf dem Erdball und doch gleicht keiner (völlig) dem andern, während die Form
als Mensch überall eine und die nämliche ist. [Sg.01_020,84]
Nicht nur in der geistigen Individualität ist kein lebendes Geschöpf dem
andern gleich. Und so wie die Geschöpfe verschieden sind, welche Verschiedenheit
sich nach Klima, Boden und Kulturverhältnissen richtet, wo dann die geistige
Differenz zwischen den Gliedern der einzelnen Gattungen dadurch bedingt und
beeinflußt wird, ebenso sind bei den Welten ihre äußere Ausstattung, ihre
Produkte und ihre Geschöpfe nur die Folge des inneren Baues und ihrer
gegenseitigen Stellung zueinander. [Sg.01_020,85]
So wie in jedem Geschöpf Organe sind, wo die einen zu edleren, geistigeren,
die anderen zu materiellen, gröberen Verrichtungen bestimmt sind, ebenso sind
im Weltenbau die einzelnen Sonnen, Planeten und Kometen ähnlich verschiedene
Organe, welche gemäß ihren Funktionen im ganzen großen Weltengebäude ebenso
verschieden innerlich gestaltet, ebenso verschieden äußerlich geformt und
bevölkert sind! – [Sg.01_020,86]
Auch in deinem Körper taugt der Magen bloß zur Aufnehmen der Speise und nicht
zum Atmen oder wie das Gehirn zum Denken, und ebenso die Welten, die einen
gemäß ihrer Stellung, Entfernung, Leuchtkraft, Wärme usf. sind nur geeignet,
solche Produkte hervorzubringen, welche ihrer Stellung gemäß sind, und die
darauf lebenden Geschöpfe werden auch geistig das ausdrücken, was materiell
im Boden zugrunde liegt, welchen sie bewohnen. [Sg.01_020,87]
Es gehört also nicht das Spiel der Phantasie dazu, um Welten zu bevölkern und
sie mit allen möglichen Schönheiten auszustatten, sondern sie tragen diesen
Trieb in sich selbst schon, er wurde ihnen eingelegt bei dem ersten Moment
ihrer materiellen Formation (Gestaltung), wie bei dem Kinde im Embryo schon
alles vorausbestimmt und vorbereitet liegt, was es infolge der Zeit werden
soll, und wo dann nur die Umstände und Verhältnisse der Außenwelt dazutreten,
um diesen Zweck zu beschleunigen (oder auch zu verzögern). [Sg.01_020,88]
So ist alles durch sich selbst bedingt. Wie der Mensch, das Tier, die Pflanze
und das Gestein geschaffen den Keim in sich haben zur Ausbildung dessen, was
jedes werden soll, so haben alle Welten denselben Drang, das zur Vollendung
zu bringen, was in ihnen noch unausgebildet schläft. So ist die Verschiedenheit
des inneren Baues einer Zentralsonne ebenso der Grund ihrer Produkte und
Geschöpfe, als wie Menschen nur Menschen, Tiere nur Tiere und Pflanzen nur
Pflanzen hervorbringen können! [Sg.01_020,89]
Die mathematische Konsequenz als richtige Folge, in welcher eines sich aus
dem andern entwickeln muß, diese ist in Meinem Ich wesentlich vorhanden und
kann ebendeswegen in Meinen Schöpfungen, weil sie von Mir sind, wiedergefunden
werden. [Sg.01_020,90]
Das Hervorgehen des einen aus dem andern, das „wenn das so ist, so muß dieses
so werden“ – dieses Prinzip, geleitet durch Meine unendliche Weisheit, ist
der Grundstein des geschaffenen Universums, ist der Grundstein des geistigen
Weltenreiches, ist die Basis jeder regelrechten Denkungsweise eines
vernünftigen Wesens, welches dann ebenfalls nur so und nicht anders, folgend
Meiner Natur, Mein Schaffen begreifen und Mein Ich ahnen kann! – [Sg.01_020,91]
So mußt du dir die Welt denken als ein Buch von lauter aufgelösten
mathematischen Problemen, die natürlich auch nur der lesen und verstehen
kann, der selbst Mathematiker und logischer Denker ist. [Sg.01_020,92]
Trachte du – und ihr alle, die ihr dieses und Mein voriges Wort leset, das zu
werden, und es wird euch gewiß gelingen, auch in eurem Tun und Lassen eine
Regel, eine Ordnung hineinzubringen, die menschlich genommen Verstand, göttlich
ausgedrückt „höchste Weisheit“ heißt. [Sg.01_020,93]
So werdet ihr euren Zweck und die Mittel dazu nie verfehlen, und euer Leben
wird dann dem Meiner ganzen organischen und geistigen Schöpfung gleichen, wo
alles in Ordnung seiner Bestimmung entgegengeht und alles am rechten Flecke
steht, um zur rechten Zeit die Wechselwirkung der Welten untereinander, die
Einigkeit des ganzen Riesenbaues zu befördern und die Weisheit ihres
Schöpfers auf jedem Schritt zu beurkunden. [Sg.01_020,94]
So soll auch euer Leben beschaffen sein! [Sg.01_020,95]
So wie das unbewußte Tier am Gängelbande Meiner Hand geführt seinen Zweck
erfüllt, so sollet ihr als freie Wesen trachten, ebenfalls Meinen Absichten
zu entsprechen, weswegen Ich euch erschaffen und gerade auf diesen und keinen
andern Wandelstern oder keine andere Sonne gesetzt habe! [Sg.01_020,96]
So nur seid ihr die wahren Glieder in dieser großen Kette, welche ebenso wie
die Millionen verschiedener Geschöpfe auf anderen Welten den Zweck ihres
Daseins erfüllen, zuerst körperlich sich ausbildend, um so dem Geiste im
Innern die möglichsten Mittel zu verschaffen zu seiner hohen Mission, welche
auf allen Welten zu erfüllen alle lebenden denkenden Wesen, in was immer für
einer Verschiedenheit der menschlichen Form, ebendenselben Zweck verfolgen! – [Sg.01_020,97]
Hier hast du ein kurzes Wort zur Aufklärung deiner Frage und zur Beruhigung
deiner Neugier. [Sg.01_020,98]
Im „Saturn“ habe Ich euch schon ein Beispiel gegeben, wie ungefähr eine
andere Welt ausschauen kann gemäß ihren Dimensionen und Verhältnissen, so wie
du weißt, wie annähernd auch die übrigen Planeten eures Sonnensystems beschaffen
sind, wovon deine kleine Welt auch ein Glied ist; selbst „Die Sonne“ ist dir
nicht unbekannt. Lerne nur vorerst in jenen Kundgebungen zwischen den Zeilen
lesen, lerne die Ursache und Wirkung vom einen und dem andern verstehen,
warum es so und nicht anders sein kann, und du wirst bald den Faden haben,
der dich sicher in dem Labyrinth Meiner Schöpfung führt, aber auch sicher
dich wieder herausgeleiten wird, wo dann das Endresultat all deiner
Forschungen sein wird, daß nur deine menschlich-schwachen Schlüsse daran
schuld waren, wenn du nicht im vornherein erkanntest, daß die Lösung, welche
du auf tausend Millionen Lichtweiten gesucht, dir am nächsten, ja sogar nicht
außer, sondern in dir lag! [Sg.01_020,99]
Dieses zum Verständnis der großen Schöpfung, die jedoch nur entstanden ist
und noch bestehen wird, um mittels Geist in Materie gebunden den ersteren von
letzterer zu erlösen und also das gereinigt und geläutert zu Mir zurückzuführen,
was unbehilflich und schwach von Mir in den großen Äther-Raum hinausgestellt
wurde! [Sg.01_020,100]
Mache deine geistigen Augen weit auf und lasse das Licht Meiner Weisheit und
Liebe dir leuchten, damit du überall erkennen mögest: „es gibt nur einen
Schöpfer“, „einen Gott“ und „einen liebenden Vater“, der dich mit so vielen
Gnaden überhäuft, obwohl du, strenggenommen, keiner einzigen würdig bist!
Amen. 21. Kapitel – Die Schöpfungs-Pyramide. 15. Januar 1872 [Sg.01_021,00]
Diese Kundgabe folgte auf eine Frage des damaligen Verlegers Johannes Busch
bezüglich einiger Stellen des Wortes über den Kuß, wo es heißt: „und das soll
die Geistergemeinschaft sein, welche dann noch weit über das kurze
Erden-Wanderleben hinaus erst da recht begriffen wird, wo kein fester
materieller Körper die Schwingen der Seele mehr hemmt, sich mit dem geliebten
ergänzenden Geist – Meinen Gesetzen gemäß – zu vereinigen, um Mir in
unendlicher Liebe wieder zurückzugeben, was Ich in sie hineingelegt habe“. – [Sg.01_021,01]
Sieh, Mein Sohn, dieses sind die von dir in deinem Briefe angeführten Worte,
welche in dir die Fragen anregen, was ist eigentlich das: „Ich bin die Liebe
in Person“, und wie ist obiges aus den Worten vom 24. Dezember 1871 an dich
zu verstehen? [Sg.01_021,02]
Nun, da Ich will, daß dir alles klar werden solle und du Mich und Meine Liebe
begreifen lernest sowie auch alle Worte, welche schon über dieses Wort
gegeben sind und noch ferner mitgeteilt werden sollen, so will Ich dich in
jene Sphären führen, von wo aus du wie bei euch auf einem hohen Berge eine
größere Rundschau nehmen kannst, indem da der Horizont für deine geistige
Sehe um vieles sich erweitern kann. [Sg.01_021,03]
Schwinge dich also mit deinem Geiste hinauf in jene Räume, wo der Zeiten und
Größen Maß längst aufgehört hat, in jene Fernen, wo kein Lichtstrahl
weltlicher Sonnen mehr hindringt, in jene Orte der großen Geisterwelt, wo
schon in einem einzigen Haargefäß (dieses Geisterweltenmenschen) euer euch
bekanntes, sichtbares Weltsystem Platz hätte. [Sg.01_021,04]
Schwinge dich hinauf in jene Gegenden, wo es weder links noch rechts, wo es
kein „Unten“ und kein „Oben“ mehr gibt, sondern wo der unendliche Äther dem
großen Geister-Weltenmenschen ewig in seinem Laufe neue Nahrung zufließen
läßt und wo ewig nur Licht ist und Finsternis zu den unbekannten Größen
gehört. [Sg.01_021,05]
Dort in jenem Geisterhimmel ist Mein Wohnsitz, Mein Aufenthalt, von dort aus
regiere Ich die ganze Geister- und materielle Welt, und wie, um es dir
verständlicher zu machen, deine Seele in deinem Körper ebenfalls überall und
doch nirgends ist, aber dennoch einen Hauptsitz inmitten dieser dir gegebenen
Körperhülle hat und von dort aus die Bedürfnisse deines Leibes besorgt,
ebenso bin auch Ich, obwohl weit von euch entfernt, doch euch stets nahe –
leite, führe und erhalte alles von Mir Erschaffene und lenke so alles,
Geister- und Materie-Welt zu dem ihnen vorgesetzten Ziel. [Sg.01_021,06]
Von diesem Standpunkte aus sieh dir nun die ganze unendliche Schöpfung an;
sieh dieses Treiben, dieses geschäftige Wirken, dieses Schaffen und
Verändern, dieses stufenweise Sich-Entwickeln vom letzten, kleinsten Atom des
großen unendlichen Äthers bis zum größten Engelsgeiste, so wirst du bemerken,
daß alles den Stempel der Göttlichkeit oder der Unverwesbarkeit, der Ewigkeit
an sich trägt. [Sg.01_021,07]
Die größten Übelstände, die grellsten Disharmonien siehst du sich auflösen in
Segnungen, in Gnadenspenden von Mir, überall bemerkst du das nämliche Gesetz,
das Gesetz der Annäherung und Abstoßung, Gleiches sucht Gleiches und
Liebendes umfaßt nur Geliebtes. [Sg.01_021,08]
Wenn du nun so aufmerksam diese große Weltenuhr betrachtet haben wirst, so
muß dir doch das allgemeine Triebrad all dessen näher bekannt werden, dieses
Triebrad, welches seine Kraft allen anderen kleineren Rädern, Walzen, Stiften
und selbst den Elementen, aus denen diese Werkzeuge zusammengesetzt sind,
mitteilt, indem diese Kraft als Bewegungsmotor alles in vibrierende Bewegung
setzt, dadurch Leben, Wärme, Licht, Fortbestehen und Vergehen bedingt, wo aus
letzterem wieder Neues erstehen muß, nur nicht das schon Dagewesene, sondern
Höheres, Besseres, Geistiges. [Sg.01_021,09]
Nun, dieses große Triebrad ist Mein Liebe-Wille, ist diejenige Kraft, die
Mein Ich ausmacht, aus der Ich alles schaffe, alles leite, und in welcher nur
Mein geistig-göttlich-persönliches Leben besteht. [Sg.01_021,10]
Um dir all dieses deutlicher zu machen, so will Ich dir einige Beispiele aus
dem Bereich des Erdenlebens vorführen, wo du das nämliche bemerken kannst;
denn ihr habt und könnt nichts formen, nichts tun, was nicht seine Wurzeln
teils in Meiner geistigen, teils in Meiner materiellen Welt hat. [Sg.01_021,11]
Sieh, zum Beispiel einen Musiker, einen Maler, einen Mathematiker, einen
Naturforscher, einen Mechaniker usw., wenn diese Menschen so recht bloß ihrem
Lebensberufe leben oder sich demselben ganz hingeben, so wirst du finden,
könntest du in ihrem Seelenleben lesen, wie alle alles, was sich ihrer
Aufmerksamkeit aufdrängt, nur auf ihre Lieblingsneigung beziehen. [Sg.01_021,12]
Der Musiker lauscht den Weisen, wie sie in der Natur überall ihm
entgegentönen, findet überall geistige Nahrung, für ihn ist alles Musik. Der
Maler forscht nach den Formen, nach den Farben zu einem ästhetischen Ganzen,
welches er dann als Bild seinen Mitmenschen zur geistigen Anregung mitteilen
will. Der Maler ist ganz Form, ganz Farbe. [Sg.01_021,13]
Der Mathematiker sieht in der Natur nur seine mathematischen Linien, seine
mathematischen Gesetze, so wie er jede Bewegung, jedes Vorkommnis auf seine
Lieblingswissenschaft reduziert. Ein Beispiel davon mag dir der englische Astronom
Newton sein, welcher einen Apfel vom Baume fallen sehend, die Gesetze der
Schwere oder der Anziehungskraft entdeckte. [Sg.01_021,14]
Der Naturforscher lebt in den Perioden, die Meine Schöpfung durchgemacht, bis
zum Beispiel eure Erde als Wohnort für Menschen eingerichtet ward, er wandert
nicht auf Spazierwegen, nein auf Überbleibseln der zerstörten und wieder neu
aufgebauten Erdrinde, er sieht im Gestein, im Wasser, in der Atmosphäre nicht
Stein, nicht Wasser, nicht Luft, sondern die Urstoffe, aus denen sie
zusammengesetzt sind, die Elemente, welche wieder in ihrer Auflösung neue
Verbindungen anknüpfend, neues, für ihn Interessantes hervorbringen werden.
Er ist ganz nur Betrachter und Forscher nach Meinen in die materielle Welt
gelegten Gesetzen, die, wenn er einige entdeckt, er den anderen Menschen zu
ihrem materiellen Wohle mitteilt. [Sg.01_021,15]
Der Mechaniker sieht nur bewegende Kräfte und ihre Gesetze, erkennt überall
nur das starre „Muß“, warum das so und so sein muß, er belauscht die Kraft
der bewegenden Natur, sucht sie zu seinen Plänen auszubeuten, baut und lebt
nur in Maschinen, und so der Chemiker in der Zersetzung und Verschmelzung
Meiner Welt-Substanzen. – [Sg.01_021,16]
So wie alle diese verschiedenen Menschen die Natur und ihre Gesetze jeder mit
anderen Augen ansieht und sie meist nur für sich auszubeuten sucht, ebenso
ist auch die in dir wohnende Seele nur auf deinen Körper bedacht, auf dessen
Gesundheit, und wenn sie geistig geweckt ist, auch auf ihre geistige
Ausbildung mehr aufmerksam. [Sg.01_021,17]
Siehe, wenn zum Beispiel im Körper eines Menschen ein kleiner Fehler, eine
kleine Störung einer Funktion der Organe sich zeigt, wie schnell sucht da die
Seele diesen Fehler auszubessern. Den Ameisen gleich, wenn ihnen Gefahr
droht, schickt sie Blutwelle auf Blutwelle nach dem schadhaft gewordenen Ort,
damit rasche Hilfe werde, sie beschleunigt den Stoffwechsel, um so ihre
Behausung wiederherzustellen. Ihr nennt dieses Drängen des Blutes „Fieber“
und „Entzündung“ und glaubt da einen Krankheitsfall vor euch zu haben, hemmt
oft mit Gewalt, was langsam zum Ausgleich geführt hätte! Nun, so wie die
Seele ebenfalls nur für ihren Körper sowohl seelisch als materiell lebt,
ebenso lebe auch Ich nur Meiner von Mir geschaffenen Welt, lebe in ihr und
für sie, und nachdem Ich alles erschuf aus Liebe, so lebe Ich und bin Ich
auch ganz für Liebe. [Sg.01_021,18]
Wie die früher angeführten Fachmänner nur ihren Lieblingsideen und Neigungen
ihr ganzes Leben widmen, ebenso auch Ich, da Ich stets besorgt bin, das
Geschaffene zu erhalten, das in Materie Gebundene zu vergeistigen und das
Geistige durch die Materie geläutert zu Mir zurückzuführen. [Sg.01_021,19]
Weil Ich nun die Welt, sowohl die Geister- als die Materie-Welt, erschaffen
habe, so ist die nächste Frage – warum und für wen? – [Sg.01_021,20]
Diese Frage nun beantwortet sich durch das Gesetz der Liebe. Ich erschuf die
Welt, belebte sie mit intelligenten Geisterwesen, um an den Freuden der
letzteren – die Meinigen zu verdoppeln! Du mußt also die Liebe in ihrem
tiefsten Sinne auffassen, wie sie beschaffen ist, so höre: Liebe ist Zuneigung
für etwas. Neigen heißt sich beugen, das heißt von der geraden Linie
abweichen und eine gebogene bilden. Wenn nun zwei solch gebogene Linien sich
vereinigen, so werden sie sich endlich schließen und es wird ein Kreis, eine
Ellipse oder eine Ei-Form daraus, welche dann ohne Anfang und ohne Ende, unendlich,
also Mein Wesen, Mein Ich ausdrückt. [Sg.01_021,21]
Die gerade Linie bezeichnet die Selbstsucht, die gebogene – die
Nächstenliebe. Die gerade Linie sucht und hat keine Vereinigung mit einer ihr
gleichlaufenden. Die gebogene hingegen nähert sich der andern, kann sich mit
ihr vereinigen; angeschlossen haben wir dann das Bild einer ganzen Figur,
zusammengesetzt aus (entsprechenden) zweien. Diese Figur ist die geistige
Entsprechung der Geister- und Materie-Welt – mit Mir und ist die Entsprechung
der Vereinigung zweier liebender Wesen zu einem Gedanken, in welchem sie sich
ergänzen wie in der Form eines Kreises oder Ovals, wo eine gekrümmte Linie
die andere ihr entgegenkommende ergänzt. [Sg.01_021,22]
Der Vereinigungspunkt, das ewige Zusammenhalten und Zusammenwandern nach gemeinschaftlichem
Ziel, ist der Kuß, welcher die nämliche Vereinigung schon in der Körperwelt
erzielen möchte, wo sie jedoch nicht bleibend ausführbar ist. [Sg.01_021,23]
Hier hast du einen Teil deiner Zweifel erledigt. Jetzt kommen wir an den zweiten
Teil, nämlich wie du dir diese Vereinigung Meiner Geisterwelt mit Mir
vorstellen sollst? [Sg.01_021,24]
Siehe, so viele Atome es im unendlichen Äther gibt, ebenfalls so viele
Geister-Partikel gibt es; denn kein Atom ist ohne Leben, das heißt, in jedem
wohnt ein von Mir hineingelegter Geist, welcher von dort an seine Rundreise
antreten muß, um einst zu Mir zurückgelangen zu können mit dem Bewußtsein
seiner göttlichen Abkunft. [Sg.01_021,25]
Alle diese Geister, welche so stufenweise pyramidalisch ihrer Spitze zu gegen
Mich gerichtet sind, haben ihre verschiedenen Aufgaben, welche sie lösen
müssen, soll ein Vorrücken möglich werden. [Sg.01_021,26]
Je mehr aber diese (noch rohen) Natur-Geister sich Meinen (persönlichen)
Geistern nähern, desto klarer wird ihr Bewußtsein und ihre Fernsicht, wo sie
gewahren, was sie waren und was sie werden müssen. Diese Intelligenz wächst
wie bei euch vom saugenden Kinde, welches noch ein bei ihm unbewußtes
Pflanzenleben führt, bis zum gereiften Manne, wo, wie ein von euch gefeierter
Dichter sagt, das Kleine, nämlich die Wiege, dem Säugling zu groß, und wenn
er selbst groß geworden, die unendliche Welt seinem forschenden Geiste zu
klein ist. [Sg.01_021,27]
So schreitet auch die Vorstellung von Mir und Meiner Schöpfung mit dem Grade
der Erkenntnis weiter. [Sg.01_021,28]
Nicht daß ein Engelsgeist Mich wirklich sieht, wie Ich persönlich (als
absoluter Gott) bin; denn dies erträgt kein erschaffener Geist, nein, sondern
ein jeder Geist sieht Mich, wie sein Inneres ist. Gemäß der geistigen
Bildungsstufe eines jeden formt sich sein Ideal, Mein Ich, und eben auch nur
so bin Ich allen gleich zugänglich, da ein jeder Mich im Herzen tragen kann,
wie er Mich fühlt und wie Ich seiner Erkenntnis faßbar bin. [Sg.01_021,29]
Sieh zum Beispiel den Säugling an der Mutterbrust, begreift oder versteht er
die Liebesworte seiner Mutter, ihren sanften Blick? – nein, er versteht
nichts davon; erst mit der Zeit wächst sein Erkenntnisvermögen und so
stufenweise die Verbindung und gegenseitige Liebe, welche aber meist von dem
Kinde ganz anders aufgefaßt wird, bis dann der Verlust der Mutter ihm den
ganzen Wert eines sich für ihn aufopfernden Herzens in seinem ganzen Gewicht
fühlen läßt. [Sg.01_021,30]
So wie diese Liebe, ebenso ist die Liebe Meiner Geschöpfe zu Mir. Alle
schreiten vorwärts, erkennen vorerst Meine Schöpfung mehr und mehr, und dieser
Erkenntnis gemäß wird auch ihre Liebe sein. [Sg.01_021,31]
Da alles in Meiner Schöpfung einen Zweck hat, warum es da ist, so ist auch
natürlich die ganze große Geisterwelt geschaffen, um gemäß ihrer Bestimmung
und ihrer Intelligenz mitzuhelfen am Aufbauen, Erhalten und Weiterbefördern
des Geringeren zu etwas Höherem. [Sg.01_021,32]
Wie bei euch ebenfalls ein ganzes Staatsgebäude nur das ist, was es sein soll
durch das Zusammenwirken vieler, ebenso ist auch in Meinem Geisterreich kein
Stillstand. Leben ist Grundprinzip alles Bestehenden, und dieses Leben ist ja
nichts anderes als Tätigkeit! Wie die materielle Welt durch Vibrieren ihrer
einzelnen Atome oder Moleküle zur Ausbildung gelangt, und wie aus Kleinem
sich Großes bildet, so ist auch im Geisterleben das nämliche Gesetz –
gearbeitet werden muß überall. Ruhe wäre gleichbedeutend mit Tod, und
eigentlichen Tod gibt es in Meiner Schöpfung keinen. [Sg.01_021,33]
Daher werden auch den Geistern gemäß ihrer Intelligenz und geistigen Höhe
Wirkungskreise angewiesen, wo sie für sich fortschreitend auch zur Vorrückung
anderer Welten, anderer Wesen beitragend, stete Übung haben, teils ihre
moralisch-geistige Höhe zu verbessern, und teils beitragend zum Bestande des
Ganzen, sich selbst eine ewig dauernde Seligkeit und Mir stets Freude zu
bereiten. [Sg.01_021,34]
Damit aber diese Geister einen Maßstab haben, inwieweit sie den göttlichen
Eigenschaften nachkommen können, und ob es möglich sei, das von ihnen
Verlangte zu erfüllen, deshalb beschloß Ich durch Meine Menschwerdung, durch
Meine Einkleidung in diese kleine Hülle eines Erdenmenschen, der großen
Geisterwelt damit einen Beweis zu geben, daß wer Göttliches in sich tragen
will und es verwerten möchte, wie es ihm geziemt, im Kleinsten die größten
Endzwecke, im Kleinsten die größten Wirkungen erzielen kann. [Sg.01_021,35]
So ward Meine Menschwerdung vorerst mit ihrer Demütigung, Verleugnung und
Aufopferung der Maßstab zur Kindeswürde für alle jene Geister, welche in Mir
neben dem Schöpfer auch den liebenden Vater erblicken wollten. [Sg.01_021,36]
So ward der Grundstein gelegt zu dem großen Gebäude der geistig möglichen
Höhe, die ein geschaffenes Wesen erreichen kann. Das Band, welches alles
zusammenhalten sollte – die Liebe – ward erst durch Meinen Erniedrigungs- und
Aufopferungs-Akt fester gebunden, es zog die Gleichgesinnten enger
aneinander, um vereinigt den Weg der Vervollkommnung gemeinschaftlich zu
gehen. Und wie in der ganzen Schöpfung nichts perfekt ist, außer Mir, so
fühlte ein jeder etwas klar sehende Geist die Mängel, die an seinem Wesen
hafteten, er suchte daher an anderen Geistern das Fehlende, suchte durch die
Verbindung seines eigenen Ichs mit einem andern dasselbe zu ergänzen, damit
er dann von dem anderen Geist lerne, was ihm selbst fehlt, und er ein beständiges
Vorbild um sich habe dessen, was ein Geist in bezug auf den Schöpfer und
Herrn der ganzen Unendlichkeit sein und werden kann. [Sg.01_021,37]
So fortschreitend, sich ergänzend, stets das nämliche fühlend wie Ich Selbst,
nur im endlichen Maße, streben die Geister aufwärts, stets Mir und Meinen
Liebesgesetzen entsprechend – werden auch, je höher sie steigen, gemäß ihrer
tieferen Einsicht in Meine Schöpfung zu größeren Missionen verwendet, wo sie,
sich selbst immer mehr läuternd, auch andern den Weg zu Mir anbahnen können. [Sg.01_021,38]
Dieses ist der große Lehrzweck Meiner Geisterwelt, ihre beständige
Beschäftigung und ihre eigentliche Aufgabe. [Sg.01_021,39]
Wie in Mir die Dreieinigkeit als Ganzes personifiziert sich darstellt,
nämlich – Liebe, geregelt durch Weisheit und ausgeführt durch Beharrung
(Wille), ebenso bei ihnen die Dreizahl als wichtiger Hauptfaktor ihres Wesens
im Sein – Werden – und Hoffen besteht, das heißt in dem Bewußtsein, was sie
sind, in dem gewissen Wege, was sie werden sollen, und in dem festen
Vertrauen, daß sie dies auch in stetem Aufblick zu Mir erringen werden. [Sg.01_021,40]
So wie bei euch ein ganzer Staat eine Menge von Beamten niederer und höherer
Art hat, die alle dazu beitragen müssen, das ganze Staatsgebäude zu erhalten
und zu lenken, ebenso Meine Geister mit ihren verschiedenen Missionen alle
dazu mitwirken, um das Leben, die Tätigkeit, den Fortschreitungs- und Entwicklungsprozeß
zu befördern, nur mit dem Unterschied, daß während bei euch und auf jeder
andern Welt der Untergeordnete dem höher Gestellten falsche Berichte über den
Stand des ihm anvertrauten Wirkungskreises machen kann, im Geisterreiche eben
kein Verhüllen der Gedanken möglich ist und die Oberen die Unteren klar durchschauen
können. Die Welt der Verstellung und der Lüge existiert dort nicht, sondern
das Reich der Wahrheit, wo Ich als deren Urtypus obenan stehe. [Sg.01_021,41]
So ist die Stufenreihe der Geister in der Materie gebunden – mit beschränktem
Wirkungskreis und beschränkter Fernsicht. [Sg.01_021,42]
Frei von der Materie – mit unbegrenzter Vollmacht des Willens und mit
göttlicher Ahnung des Unerreichbaren! Ewiges Streben und ewiges
Fortschreiten, ewige Geburt und ewige Verwandlung; ewiges Ausscheiden und
ewiges Einsaugen; ewiges Leben und ewiger Formwechsel! [Sg.01_021,43]
So bringen Mir Meine Geister das vor Äonen von Zeiträumen hinausgesandte
Göttliche wieder auf langsamen Läuterungswegen zurück, geprüft, gedemütigt
und zu größerem Aufschwung fähig. [Sg.01_021,44]
Wenn du so deinen Blick in die Unendlichkeit hinausschweifen lässest, welch
geschäftiges Leben erblickst du da, welch reges Treiben in und außer der
Materie, in und auf den großen Welten wie auf den sie umkreisenden Sonnen,
Planeten und Schweifsternen. Überall der nämliche Zweck, überall das nämliche
Resultat: Vergeistigung des Gröberen, Erlösung des Gebundenen. [Sg.01_021,45]
Und was so in der Materie- und Geister-Welt ewig fort sich bewegt, lebt und vergeht
und sich wieder erzeugt, was im Großen ebenso wie im kleinsten materiellen
Atom geschieht, dieses findest du auch in dir, in deinem Leben, wie in der
großen Geisterwelt wieder. [Sg.01_021,46]
Das gleiche sucht sich durch das Mangelnde zu ergänzen, der Hunger sucht die
Nahrung, der Durst die Sättigung seines Bedürfnisses, um dann vereint mit dem
ihm Fehlenden wieder weiter und höher zu steigen, (was alles sich darstellt)
in Form einer Pyramide, auf deren Spitze als End- und Schlußpunkt Ich als
Schlußstein, der breiten Basis letzter Punkt, alles zusammenhalte, alles
übersehe und für alle der Gipfelpunkt ihres Sehnens bin. – – [Sg.01_021,47]
Nicht umsonst haben die alten Ägypter die Pyramidenform zu Grabmälern und
Schulgebäuden gewählt. Die Pyramide war ihnen in geistiger Entsprechung
wohlbekannt, es war die geeignetste Form des Ausdrucks „Alle für einen, und
einer für alle!“ oder Pirami-dai. So wie bei den Pyramiden von oben her ein
gleicher Druck auf alles Unterliegende ausgeübt wird, so wie in einer Pyramide
alle einzelnen Bauteile nicht jeder für sich, sondern alle für alle da sind,
so ist auch in der Geisterwelt keiner für sich. Keiner arbeitet und lebt für
sein eigenes Emporkommen nur, nein, die Erhaltung des eigenen Ichs ist zwar
notwendig, aber es bedingt sich wegen der Erhaltung der andern, wegen der
Erhaltung des Ganzen. [Sg.01_021,48]
Auch in den Pyramiden sind die Massen im Grunde dichter, kompakter und von
festerer Natur und je höher hinauf, desto leichter, desto geringere Dimensionen,
bis endlich ein einziger leichter Stein, dem ganzen Werk als Schlußstein
dienend, dessen Krone und Ende ist. Pyramidalisch ist das geistige
Fortschreiten vom Großen zum Kleinen, wohl aber auch vom Schwereren,
Materiellen zum Geistigen. Und wie mit der Zeit die Steine der Pyramiden
durch den Druck von oben ihre Höhe vermindern und wohl gar einst zu Staub
zerfallen werden, indem der auf der höchsten Spitze gewesene Schlußstein ebenfalls
der Grundbasis immer näher und näher gerückt wird – ebenso wird auch im
Geisterreich durch immerwährende Vergeistigung des Niederen die Entfernung
von Mir bis zum untersten Geiste stets eine geringere, wodurch Ich, wie der
Schlußstein einer Pyramide, einst ebenfalls bis ganz nahe an die Überreste
der Basis ankommen werde, – aber was werde Ich dort dann finden? [Sg.01_021,49]
Nicht mehr die grobe Masse der Pyramiden-Basis, nicht hartes Gestein, sondern
Material, welches, eben seiner früheren Existenz ledig, sich anschickt, neues
Leben durch andere Verbindungen einzugehen, welche, während die erste
Verbindung hart und fest war, jetzt brauchbar und fähig ist, Leichteres und
Geistigeres aufzunehmen und so einen Kreislauf von neuen Stufen zu
unternehmen, die Mich, als ehemaligen Schlußstein über ihnen, dann zum
Führer, Leiter und Vater unter ihnen haben sollen. [Sg.01_021,50]
So war die Schöpfung einst pyramidalisch aufgestellt, und durch Meine
Daniederkunft auf eure Erde wurde das Signal gegeben zur Vergeistigung dieser
Form, zur Auflösung derselben, damit nichts fern, sondern alles nahe aneinandergereiht
mit Mir und durch Meine Lehre den Weg des Geistes antreten und sich
vervollkommnen kann. – [Sg.01_021,51]
Dieses große Vereinigungsfest hat, wenigstens für euch auf dieser kleinen
Erde lebenden Menschen, die Ich einst zu Meinen Kindern bestimmt habe,
begonnen. [Sg.01_021,52]
Die Spitze der Pyramide senkt sich allmählich herab, das Unerreichbare nähert
sich euch, um euch vergeistigt in Sein Reich, in das große Reich der
Geisterwelt einzuführen, wo dann kein Unten noch Oben, sondern nur ein Zentrum,
Ich und eine Schar liebender Geister um Mich ist – und ewig sein wird! (Ein
Hirt und eine Herde.) [Sg.01_021,53]
Hier hast du deine Fragen erledigt, wie sie dir faßlich sein können. Ja, es
gibt und muß eine unendliche Stufenleiter geben, da die Geister zu Mir aufsteigen,
wo sie vereint alle wirken müssen, Meine Herrlichkeit zu vermehren und Meine
Liebe besser zu begreifen. [Sg.01_021,54]
Auch du, Mein Sohn, wirst einst deine geistige Bestimmung klarer ersehen und
Den noch mehr begreifen, was Er, was Seine Liebe ist, denn Er und Seine Liebe
sind unendlich und daher nie von geschaffenen Wesen völlig zu fassen, wohl
aber zu ahnen, daß es ein ewig dauerndes Fortschreiten gibt. – Aber die
letzte Sprosse dieser Stufenleiter könnet ihr geschaffene Wesen weder sehen
noch erreichen: denn solche habe Ich inne, und von dort übersehe Ich ganz,
was ihr, Geister und Abkömmlinge von Mir (individuell mehr und mehr, aber
stets nur partiell), je nach der Höhe eurer Stufenleiter erkennen könnt. [Sg.01_021,55]
Vorwärts! ist das Losungswort in Meiner Schöpfung; arbeitet alle – mit Liebe,
durch Liebe – zur Liebe! Amen! 22. Kapitel – Zur Schöpfungsgeschichte. 16. April 1871 [Sg.01_022,01]
Nachdem dein Bruder so sehnlichst „von der Nacht – zum Licht“, wie er sich
ausdrückt, gelangen möchte, so will Ich denn auch ihm diese Bitte gewähren
und somit ihm den Weg zeigen, den er zwar schon längst geht, aber doch sich
alles dessen nicht klar bewußt ist, was ihm auf diesem Wege schon gesagt und
gelehrt worden ist. [Sg.01_022,02]
Nun sieh, Mein lieber Sohn, da du schon lange in Meinem Garten arbeitest und
unverdrossen den Samen ausstreust nach allen vier Weltgegenden – – siehe,
schon manches ist dir unter die Hände gekommen und du hast es, wenngleich
aufgefaßt, aber doch nicht so recht verstanden, wie Ich es will, und so ist
auch diese Frage deines letzten Briefes wieder ein Beweis, daß du weder Meine
Geister- noch Welten- noch Menschen-Erschaffung ganz richtig in ihrem
tiefsten Sinn begriffen hast. [Sg.01_022,03]
Um dir dieses alles deutlicher zu machen, um was du Mich jetzt bittest, muß
Ich dir nichts Neues sagen, sondern nur das Alte, schon in verschiedenen
Worten von Mir Gegebene näher erklären und dich an vergessene Stellen
erinnern, welche dir dann den Leitfaden aus dem Labyrinth geben werden, damit
du (auch darin) „von Nacht zum Lichte kommst“. Nun, so höre also: [Sg.01_022,04]
Du wirst dich erinnern, daß schon in der „Haushaltung“, wo es von der
Schöpfung der Geister- und Materie-Welt handelt, Ich sagte, daß zuerst die
Geister und aus und unter ihnen der größte – „Satana“ oder Luzifer erschaffen
wurde, welch letzterer aber statt Lichtträger, nebst seinen Gefährten von Mir
abfallend, Träger und Vertreter der Finsternis geworden ist. [Sg.01_022,05]
Du wirst dich ferner erinnern, daß Ich dann, um diesen abgefallenen Geistern
einen Weg zur Rückkehr anzubahnen, die materielle Welt erschuf, dort sie in
die Materie einkleidete und sie so wieder, obwohl unfreiwillig, die Schule
der Demut und der Verleugnung durchzumachen nötigte. [Sg.01_022,06]
Du wirst dich auch erinnern, daß, nachdem auf diese Weise die Bahn angedeutet
wurde, auf welcher die Geister, von der härtesten Masse angefangen bis zum
Menschen als letzte Stufe der materiellen Schöpfung, stets mehr sich läuternd
emporsteigen können; daß aber im Menschen, wie du erwähnst, „drei Tage vor
der Geburt ein kleines Bläschen von der feinsten, solidesten Seelensubstanz
den einst böse gewordenen Geist einschließt, in dessen Innerstem aber doch
der eigentliche Gottesfunken der Liebe selbst seinen Sitz hat, welch
letzterer dann diesem bösen Geistesfunken erstens die Möglichkeit gibt, sich
für das Gute auszubilden, und zweitens ihn auch stets zu diesem antreibt“. [Sg.01_022,07]
Nun siehe, wenn du das Vorausgesagte nur ein wenig überdenkst, so muß in dir
die Frage aufsteigen: Wenn dieser Geist in dieses Bläschen erst drei Tage vor
der Geburt eingelegt wird, wer bildet dann den Körper des Kindes bis dorthin
aus? Wer sorgte für seine innere, wer für seine äußere Form und Beschaffenheit
als Mensch, auf daß wenigstens doch die Mittel schon alle vorhanden sind, die
dazu benötigt wären, einen Menschen nach Meinem Sinn daraus zu machen? [Sg.01_022,08]
Siehe, hier muß Ich dir antworten: [Sg.01_022,09]
Hast du denn vergessen, daß alle abgefallenen Geister in Materie gebunden die
Materie selbst ausmachen! [Sg.01_022,10]
Wer ist nun die Bildnerin des Kindes, vom Embryo angefangen bis zu dieser
erwähnten Zeit vor der Geburt? Siehe, das sind die nämlichen namenlosen
Geister-Parzellen, die – als seelischer Prozeß geführt durch die Mutter-Seele
– selbst die Entwicklung, Aufbauung und Einrichtung des Kindesleibes
betreiben, die aber wie in einer Pflanze oder sonst einem materiellen Produkt
den materiellen Aufbau genauso wie dort gemäß ihrer Gattung vollziehen. [Sg.01_022,11]
Das Kind, ehe es geboren wird, hat ein Pflanzen-(vegetatives) und kein
intellektuelles Leben noch Bewußtsein; es wird von den Geistern ausgebaut gemäß
seiner Gattung wie jedes Tier im Mutterleibe oder im Ei. Sobald aber der
Austritt aus dieser inneren Welt sich nähert und das Pflanzenleben des Kindes
nicht mehr genügt, sondern eben der große Schritt getan werden muß, der den
Menschen vom Tier unterscheidet, da wird diesem zu weiterem geistigen Aufbau
fertigen Apparate der eigentliche Pulsator, Wecker und Weiterbeförderer in
dieses Bläschen gelegt, das heißt ein Funke jenes großen Geistes, der hier im
Kleinen das aus der Finsternis des Mutterleibes kommende unmündige Kind, wie
du Mein Sohn es sagst, „von Nacht zum Licht“ führen muß! [Sg.01_022,12]
Dieser Funke des einst abgefallenen großen Lichtgeistes hat allerdings
Tendenzen seines Ursprungs in sich, da der Weg der Menschen stets der nämliche
ist, und zwar vom Schlechten zum Guten vorwärts zu schreiten, allein – wie
auch im großen, gefallenen Geist nur Mein Liebesfunke lag, der von ihm
verkannt, mißbraucht wurde, ebenso liegt in diesem kleinen einst abgefallenen
Geistesfunken derjenige Strahl Meiner nie zu vernichtenden Liebe, wodurch
dann mit dem Austreten des Kindes und seinem Trennen von dem Leben der Mutter
sein eigenes beginnt, wo, wie im großen Luzifer, der Streit zwischen dem
Guten und Bösen seinen Anfang nimmt (als menschliches Leben), das nur das
Produkt aus dem Kampfe dieser beiden sich entgegenwirkenden Prinzipien und
Tendenzen (Neigungen) ist. [Sg.01_022,13]
So auf diese Art ist der Zweck des Lebens und die geistige Vorwärtsschreitung
gesichert, von Nacht – zum Licht! So besteht sie, und muß die Welt sich
selbst erhalten. [Sg.01_022,14]
Daß im Anfang, bei Erschaffung des ersten Menschen Adam nicht so zu Werke
gegangen werden konnte, ist ganz natürlich. Denn wie die erste Pflanze, das
erste Tier usw. ohne Samen, ohne Geburt nur aus Meinen Händen direkt hervorgehen
mußte, das war auch beim Menschen der Fall. Auch er ging aus Meiner Hand
direkt hervor, war nach Meinem Ebenbild geschaffen, hatte in dieser Erschaffungsperiode
eine andere Organisation, eine andere Gestalt und andere Geistesvermögen, war
für eine längere Lebensdauer bestimmt, wenn er seinen Bestimmungen gemäß
leben würde, welche Ich auch den Geistern und Luzifer oder Satana selbst als
„Sollte“ und nicht als „Muß“ vorgezeichnet hatte. [Sg.01_022,15]
Dieses Alleinleben des ersten Menschen war nicht bedungen, sondern es war
schon nicht allein vorausgesehen, sondern es lag selbst in Meinem eigenen
Ich, daß Ich ihm ein Wesen beigeben mußte, das mit ihm fühlen, mit ihm denken
sollte, und so Leid und Freud miteinander tragend, sie den Lebens- und Prüfungsweg
gemeinschaftlich fortwandeln sollten. [Sg.01_022,16]
Auch Ich Selbst wollte nicht allein leben, nicht allein sein, bloß Meiner
Macht Mir bewußt. Deswegen erschuf Ich Wesen, die dann an Meinen Schöpfungen
sich ergötzend, sich freuend, Mir Meine Freude, Schöpfer zu sein, verdoppeln
konnten. [Sg.01_022,17]
So schuf Ich die Geister, schuf große, Mir würdige Ebenbilder – und was
geschah mit dem Größten unter allen? Ihr wisset es, er fiel, fiel von Mir ab
– und was geschah mit dem Menschen? – auch er fiel, fiel ebenfalls von Mir
ab. Beide, Luzifer und Mensch, achteten nicht das Gesetz der Liebe, wollten
als freie Wesen ihren eigenen Weg gehen, und so mußte das Gesetz der Liebe
wohl auf anderen Wegen, aber doch zum gemeinschaftlichen Ziele führen. [Sg.01_022,18]
Der Satan oder Luzifer verwandelte seine Liebe in Haß, Übermut und Stolz. –
Die eigentlichen geistigen Eigenschaften des Mannes aber waren luziferischer
Abkunft. [Sg.01_022,19]
Um dem Menschen auf einer Seite zu erleichtern, auf der andern aber ihm mehr
Gelegenheit zu geben, seine geistigen Fakultäten (Fähigkeiten) mehr
auszubilden, sie zu stärken und auf diese Art eher Mir gleich zu werden, nahm
Ich diese verkehrte Liebe, das ist die Eigenliebe, die mehr zum Bösen als zum
Guten sich neigen wollte, aus dem Manne heraus und stellte sie ihm als
Gefährtin, als Begleiterin und Fortpflanzerin seines eigenen Geschlechtes und
seiner Gattung zur Seite. [Sg.01_022,20]
So wurde das Weib geschaffen, ausgestattet mit allen körperlichen und
innerlichen Reizen, die Ich einst in die Satana hineingelegt hatte, um als
Typus ewiger Liebe in der Schöpfung zu glänzen; und so sollte auch das Weib,
als selbständig, diese ihre eigene Eigenliebe dem Manne gegenüber bekämpfen,
gehorchen, und dem Manne seine Last der Lebensbahn erleichtern. – [Sg.01_022,21]
Das einzige, was Ich dem Menschen als Meinem Ebenbilde vorenthielt und es zum
Eckstein des ganzen geistigen Weltgebäudes machte, war die sinnliche Zeugung. [Sg.01_022,22]
Diese sollte nicht den Tieren gleich stattfinden, sondern den Geistes-Wesen gleich
geschehen. Allein frei gab Ich dem Menschen seinen Willen. Das in ihn gelegte
Prinzip des Luzifers, das Prinzip der Opposition siegte, was Ich wohl vorauswußte
und danach schon alles im voraus bestimmt hatte. – Allein Ich wollte, daß der
Mensch und die Geister nie Mir die Schuld, sondern nur sich selbst beimessen
sollten, wenn ihre gewünschte Glückseligkeit nicht auf dem Wege erreicht
wurde, den sie, und nicht Ich, gehen wollten. [Sg.01_022,23]
Die Satana benutzte diese von ihr in den Menschen gelegten Eigenschaften,
verführte den Menschen, machte auch ihn zum Teil zum Mitschuldigen ihres
eigenen Falles, um sich mit ihren gefallenen Geistern stets konsequent als Gegenpol
von Mir zu benehmen. [Sg.01_022,24]
So wurde denn die Welt mit allen ihren Einrichtungen umgeändert, damit gerade
dieser größte Schritt Luzifers, oder der Satana, zum größten Vorteil Meines
geistigen Aufbaues werde: und zwar so, wie die abgefallenen Geister jetzt
erst recht dazu beitragen müssen, Mein Reich zu befördern und ihre eigene
Rückkehr zu erleichtern. Ich mußte, als freier Gott freie Wesen schaffend,
ihnen auch diese Freiheit nicht schmälern. Und als endlich die Satana durch
die Reize der Weiber und den Ehrgeiz der Männer die Menschheit so nach und
nach von Mir abtrünnig machen wollte, mußte Ich durch eine teilweise Vernichtung
des Menschengeschlechts dem Keim des Bösen Schranken setzen, durch die
Sündflut; mußte die Menschen wieder erinnern, daß Ich der Herr und Satan nur
Mein Diener ist und bleiben wird. – [Sg.01_022,25]
Als Satan Mir dann Versprechungen der Rückkehr machte und wenigstens dem
Anscheine nach von seinem Treiben nachließ, da setzte Ich ihn auf die letzte
Probe. Ich Selbst beschloß in Menschengestalt und im Ganz-Mensch-Sein Mich
seinen Versuchungen auszusetzen, um durch tatsächlichen Beweis ihn zu überzeugen,
daß all sein Bestreben umsonst, daß alles Ankämpfen gegen Meinen Willen und
Meine heiligen Gesetze vergebens ist. [Sg.01_022,26]
Ich wurde Mensch, predigte und lehrte, unter steter Einwirkung des Satans,
Meine sanften Lehren; er nebenbei verleitete die Menschen bis zur tollsten
und frechsten Sünde, nämlich daß sie ihren Schöpfer und Herrn leiblich töten
sollten, was sie auch taten; und sie krönten gerade dadurch das größte Werk,
das Ich als Gott schon längst vorausbestimmt und vorausgesehen hatte, um
Meinen Geistern und Menschen mit dem Beispiel zu zeigen, was sie durch Worte
nicht glauben wollten. – – – [Sg.01_022,27]
Jetzt geht die Welt wieder in ihrem satanischen Treiben so weit, daß sie mit
Hilfe Satans nochmals die ganze Saat des Göttlichen ausrotten möchte; denn
Satan kann von Meiner Langmut zwei Proben aufweisen – allein er weiß auch von
Meinem Wiederkommen besonders auf diese Erde; er weiß, daß Ich Mich nicht
umsonst vor tausend und so vielen Jahren kreuzigen ließ; er weiß, daß Ich
Mein Mir vorgenommenes Werk nicht unvollendet lassen will; und so tut er
jetzt noch alles mögliche, beraubt die Menschen alles Guten und Seligen und
treibt sie ins materielle Elend, wo dann gerade Mein Reich als letzter
Rettungsanker wieder leuchtend auftauchen und wo dann wieder nicht sein Plan,
sondern Mein großes Friedenswerk gekrönt sein wird. [Sg.01_022,28]
Denn die große Liebe wird wieder alle Verirrten in ihre Arme nehmen, wird
ihnen mit Wohltaten vergelten, was sie Böses getan und besonders gegen Mich
verübt zu haben glauben, und wird ihnen die Hand der Verzeihung darreichen;
und alle Menschen werden dann begreifen, daß sie nicht Mir, sondern sich
selbst den größten und schlechtesten Streich gespielt haben. [Sg.01_022,29]
So wird Mein Triumph sein. So wird die Liebe, die einst die ersten Geister
und Wesen schuf, wieder diese verirrten Wesen mit der nämlichen Liebe ans
Vaterherz drücken wie einst die geschaffenen Geister; und Luzifer mit leeren
Händen ausgehend, wird wieder eingestehen müssen, daß er wie die Menschen
nicht Mir, sondern sich selbst am meisten geschadet hat. [Sg.01_022,30]
Das ist der Triumph der Wahrheit und der Liebe und der mit ihr verbundenen
Weisheit, daß aus all dem Preisgeben des eigenen Willens, aus all dem frei
ausgeübten Bösen oder Guten doch nur stets das Endresultat das nämliche ist,
das heißt der Schritt- „von Nacht zum Licht!“ [Sg.01_022,31]
Begreifst du jetzt, Mein Sohn, Meine Schöpfung der Geister, des Adams, Meine
Menschwerdung und dein eigenes Heil! Sieh, Mein Kind, so mußt du diese Dinge
auffassen. [Sg.01_022,32]
In allen Meinen Worten liegt Unendliches, und wenn dir manchmal Zweifel
aufsteigen, so nimm ein Wort von Mir zur Hand, und mit Nachdenken und Meiner
Hilfe wirst du bald auch dort von Nacht zum Licht getrieben werden, wo du
dann stets im Lichte deinen dich liebenden Vater mit ausgebreiteten Armen
erblicken wirst, der dir und allen zuruft: „Kommet her, ihr alle, die ihr
beladen seid, auf daß Ich euch eure Last abnehme und euch erquicke!“ – Amen. 23. Kapitel – Das Kreuz in der Schöpfung. 1. Februar 1872 [Sg.01_023,01]
In Meinem letzten Wort habe Ich euch gezeigt, wie die Form des Kreuzes in
geistiger Entsprechung aufgefaßt werden solle. Ich habe euch ferner bewiesen,
wie zwischen geistigem Streben und weltlichem Handeln die Kreuzform wieder
das Wirken des einen gegen das andere ausdrückt, Ich habe euch belehrt, wie
in dieser Form bildlich stets zwei sich widerstrebende, seien es materielle
Kräfte, seien es geistige Eigenschaften, stets sich zu durchkreuzen suchen.
Ich habe euch ferner den Weg vorgezeichnet, welchen ihr gehen sollt unter der
Last des Kreuzes, wenn menschliche, weltliche Verhältnisse eure geistige
Richtung „durchkreuzen“. Und jetzt will Ich euch noch weiter andere Tiefen
auftun, wo eben dieses Kreuz als Symbol Meiner Erniedrigung und Verherrlichung
zugleich in allen Formen der geschaffenen Wesen entweder klar dargestellt
oder verdeckt darin verborgen liegt, und euch zeigen, wie selbst im Gang der
Welten, in der Form ihrer Bahnen und im materiellen und geistigen
Weltenmenschen immer diese Form herausleuchtet; damit ihr ersehen möget, daß
es nicht unbedeutend in Meinem Lebenswandel war, daß Ich, der Schöpfer alles
Daseienden, gerade nur auf diese Art den leiblichen Tod erleiden mußte, wo,
wie bei Meiner Geburt, auch die Umstände und Orte dazu beitrugen, das
Herniedersteigen des höchsten Wesens würdig zu bezeichnen, so auch Dessen Heimgang
in der Art und Weise, wie er geschah, eben in seiner geistigen Entsprechung
dem Schöpfer alles Wesenden würdig war und den Stempel göttlicher Eigenschaften
trug. [Sg.01_023,02]
Denn ihr müsset wohl bedenken, daß als Todesart, durch welche Ich nach den
Begriffen der Menschen „Meinen Geist aushauchen“ sollte, nicht gerade die
nächstliegende genügte, sondern daß da eine solche gewählt werden mußte,
welche, wenngleich für die Menschen ein Zeichen der Schande, für Mich aber
das Zeichen der Göttlichkeit tragen sollte. [Sg.01_023,03]
Nun sehet, die Form des Kreuzes, wie sie bestand, als Ich daran geheftet wurde,
war so, daß das Querholz nicht in der Mitte, sondern im oberen Dritteile den
Hauptbalken durchschnitt. [Sg.01_023,04]
Auch dieser Durchschnitt im oberen Dritteil ist nicht ohne Bedeutung,
sondern, wie beim weltlichen Kreuz, von großer Wichtigkeit in geistiger Entsprechung. [Sg.01_023,05]
Denn so wenig ein Mensch ans Kreuz genagelt werden könnte, wenn dieser
Querbalken nicht mit der Höhe seiner Arme korrespondierte, ebenso in geistiger
Hinsicht ist es die Lebensbedingung des Bestehens aller Welten, daß gerade
eben dieser Durchschnittspunkt in den Weltenbahnen in die obere Hälfte fällt,
weil dadurch der Zweck der Erhaltung und Fortdauer ihrer eigenen Existenz
gesichert liegt. [Sg.01_023,06]
Ich habe euch in einem andern Wort einst erklärt, wie die Oval-, Ellipsen-
oder Ei-Form diejenige ist, in welcher Welten um Welten, Systeme um Systeme
kreisen, und wie fast alle Formen der geschaffenen Dinge im Kleinen und im
Großen sich auf diese Form zurückführen lassen. Ich habe euch ferner gesagt,
wie im großen Weltenall, sei es geistig oder materiell, in einem der
Brennpunkte Mein Sitz ist, von wo aus Ich alles leite; ferner, daß dieser
Brennpunkt und Bewegungsfaktor bei allen Weltenbahnen ebenfalls stets der
wichtigste ist, wo sich immer die Zentralsonnen befinden, und daß selbst in jedem
geschaffenen Ding dieser geistige Punkt als Attraktionspunkt
(Anziehungspunkt) besteht, welcher sowohl die kleinsten Atome zu einem großen
Körper verbindet, als auch im großen Geistes- und Welten-Schöpfungs-Menschen
der Knotenpunkt allen Lebens ist. [Sg.01_023,07]
Nun, wenn ihr diese Ei-, Ellipsen- oder Oval-Form genau betrachtet, und wenn
ihr aus ihren beiden Brennpunkten Linien gegen ihre Peripherie zieht, welche
senkrecht die große Achse der Ellipse, eines Eies oder Ovals durchschneiden,
so habt ihr wieder ein Kreuz, geformt aus der großen Achse und dem Radius des
Kreises, welcher bei Konstruktion dieser Ovalform angewendet und eigentlich
ihr Hauptfaktor ist (siehe Figur 4). [Sg.01_023,08]
In der Ellipse oder Ovalform, wo die Kreise – aus den beiden Brennpunkten
beschrieben gleich sind (siehe Figur 5), ist es einerlei, wie ihr diese
Ellipse anschauen oder umdrehen möget, es ist immer die nämliche Form. Im Ei
ist es anders, da bekommt ihr zwei Kreise zu sehen, wovon der eine ein großer,
der andere ein kleiner ist. Wie ich es im Ei erklärte, ist dort der kleine
der wichtigere geistige Lebensträger und der größere der minder bedeutende,
materielle Erhaltungs-Koeffizient (siehe Figur 6). Dort breitet sich in
weiten Bahnen das Materielle über diesem Brennpunkte des großen Kreises aus,
und hier (bei 0) vereint sich und nähert sich mehr alles dem kleineren, aber
geistig mächtigeren Kreise, von welchem aus die ganze Peripherie der Ei-Form
und der andere große Kreis beherrscht wird. – Nun, wenn ihr diese Figur des
Kreuzes im großen Weltenbau betrachten wollt, so werdet ihr finden, daß die
auf dem Brennpunkte oder Mittelpunkte errichtete senkrechte Linie die
Peripherie auf beiden Seiten durchschneidet, und zwar oben dort, wo die
Kreislinie ihren Halbkreis vollendet und die eiförmige Verlängerung der
ganzen Umfassungslinie dann nach und nach sich neigend gegen den kleinen
Kreis hinführt (siehe Figur 6). [Sg.01_023,09]
Dieser Punkt also ist es, wo die Querlinie die Peripherie, durch den
Mittelpunkt gehend, durchbricht und gleichsam einen auf der Peripherielinie
sich fortbewegenden Körper ebenfalls in zwei Hälften teilt, sobald er an
diesem Punkte angekommen ist. [Sg.01_023,10]
Nun fragt sich, was ist in der geistigen Entsprechung die große Achse einer
Ellipsen-, Oval- oder Ei-Form und was ist diese quer sie durchschneidende
andere, ihr entgegengesetzte Richtung? (siehe Figur 4) [Sg.01_023,11]
Nun sehet, nachdem alle Weltensysteme in Form des Eies sich nebst ihren
Satelliten (Begleitern) von Erden, Monden und Kometen wieder um andere
größere Zentralsonnen bewegen, so bezeichnet diese große, aufrechte Achse die
geistige Richtung aller in der Materie gebundenen Geister und die Querlinie,
welche vom Brennpunkt aus bis zur Peripherie geht, die materielle Tendenz,
stets der geistigen Widerstand zu leisten, ja selbst beim Durchschnitt der
Peripherie ihr Einhalt zu tun. [Sg.01_023,12]
Es streiten sich also auch hier wieder zwei Mächte, die geistige und die
materielle um ihren bleibenden Bestand (siehe Figur 4). [Sg.01_023,13]
In den großen Weltensystemen ist der Brennpunkt des kleinen Kreises stets der
mächtigere, geistig genommen, um welchen die Planeten und Nebensonnen mit
größerer Schnelligkeit herumgetrieben werden, während in weiter Ferne beim großen
Kreise ihre Bewegung in Abnahme ist (siehe Figur 6). [Sg.01_023,14]
Hier, in der Nähe des kleinen Kreises, entwickelt sich in raschem Fluge
Geistiges; dort im großen Kreise in langsamem Fortschreiten Materielles. [Sg.01_023,15]
Hier trifft die Linie, welche durch den Brennpunkt des kleineren Kreises
geht, die Peripherie der Ei-Form in kurzer Nähe von ihrem Mittelpunkt; es ist
das Göttliche, welches das Geistige durchschneidet oder berührt, und dort ist
es das Geistige, welches die Materie vergeistigen will. [Sg.01_023,16]
Was hier in der Ellipsen- oder Ei-Form in jedem Planetensystem gegründet und
in größeren Systemen stets wiederholt wird, das ist auch im Welten- und
Geistes-Menschen zu finden, wo die Richtung von den Füßen bis zum Kopfe die
geistige und die der ausgebreiteten Arme jene der materiellen Richtung in
Entsprechungen ausdrückt (siehe Figur 3). [Sg.01_023,17]
Es ist die Kreuzesform, welche hier als zwei verschiedene Richtungen Leben
erweckt, bedingt, erhält und so den Bestand alles Geschaffenen sichert. [Sg.01_023,18]
Wenn ihr die menschliche Form aufmerksam betrachtet, so findet ihr, daß wenn
ihr euch einen mit ausgebreiteten Armen wie ans Kreuz gehefteten Menschen
denkt, ihr durch die Endpunkte seines Körpers, das heißt durch Kopf, Hände
und Füße ebenfalls eine Linie ziehen könnt, welche der Eiform entspricht
(siehe Figur 3). [Sg.01_023,19]
Nur ist der Unterschied, daß hier der große Kreis dorthin fällt, wo der Kopf
ist, und der kleine in die Nähe der Füße zu stehen kommt. – [Sg.01_023,20]
Dieses ist so zu verstehen: Die große Achse der Eiform bedingt die geistige
Richtung des Menschen, von unten nach oben, von der Erde zum Himmel, vom
Materiellen zum Geistigen! Es ist diese Richtung, als die eines geschaffenen
Wesens, der Meinen und Meiner Geisterwelt entgegengesetzt; denn bei Mir hieß
es – vom Geistigen zum Materiellen, von oben nach unten, und beim Menschen
vom Materiellen zum Geistigen. [Sg.01_023,21]
Deswegen bezeichnet beim Menschen der über und an seinem Haupte vorbeigehende
große Kreis die große materielle Schöpfung, die über seinem Haupte sich ins
Unendliche ausbreitet, wie der gestirnte Himmel des Nachts es zeigt. [Sg.01_023,22]
Dort ist der Brennpunkt sein Herz, als die Gemeinschaft des Geistigen mit der
Welt, und das Organ des Verstandes der Kopf, der dem Herzen untergeordnet
nicht selbständig handelnd, sondern nur dem Herzen helfend auftreten sollte. [Sg.01_023,23]
Die ausgebreiteten Hände sind der Durchschnittspunkt oder die Gegensatzlinie
aller geistigen Handlungen und Bestrebungen durch seelische und weltliche
Leidenschaften. [Sg.01_023,24]
Der Brennpunkt des großen Kreises also ist es, welcher beim Menschen die
Hauptrolle spielt, während der kleinere gar nicht als festgebahnt existiert,
sondern nur als der göttliche Funke dem seelischen Ich des Menschen
beigegeben ist, um es zu vergeistigen. [Sg.01_023,25]
Bei den Tieren findet ihr die Kreuzform ebenfalls, wie bei Vögeln, fliegenden
Insekten; bei den vierfüßigen Tieren sind es ebenfalls die nämlichen Kräfte und
geistigen Brennpunkte, nur ist bei letzteren die Hauptrichtung parallel mit
der Erdoberfläche, und ihre doppelten Durchschnittspunkte wie ihre vier Füße
– als noch zweifach an die Erdscholle geheftet – des Zweckes ihres Daseins
gemäß, und der Instinkt seelischer Richtung entsprechend. [Sg.01_023,26]
Am Gängelbande der Natur werden die Tiere noch durch ihren Instinkt von Stufe
zu Stufe geleitet, die materielle Richtung ist die vorherrschende, die
geistig-seelische die untergeordnete. [Sg.01_023,27]
Auch ihre beim Menschen zu „Hand“-lungen bestimmten Hände sind noch als Füße,
als Stützen des Ganzen benutzt, und nur wenige außer dem Affengeschlecht
können diese zu etwas anderem als zum Gehen benützen. Bei ihnen ist die
Kreuzform wohl da, aber nicht zum Zwecke des Ausdrucks verwendet wie beim Menschen,
wo in ihm erst das geistig-seelische Prinzip frei dasteht und nach geistiger
Entwicklung sich immer mehr sehnt. Je mehr vervielfältigt die Kreuzform bei
den Insekten und Würmern auftritt, desto mehr möget ihr erkennen, wie
vielfach das Materielle den geistigen Weg durchschneidet und so der höheren
Entwicklung entgegensteht und sie nur auf vielen und langsamen Wegen es
vollführen läßt. [Sg.01_023,28]
So ist die Kreuzform erstens: Träger und Gründer der Ei- oder Ellipsenform;
zweitens: einziger Faktor des bewegenden Lebens, des Erhaltens und Bestehens
und fortwährender Anreger zu größerer Tätigkeit, zu weiterem Vorrücken auf
der geistigen Stufenleiter bis zu Mir, als höchstem Endziel aller
geschaffenen Geister. [Sg.01_023,29]
Sehet, so wie bei eurem Erdball eine Achse existiert, welche von Süden nach
Norden ihn durchzieht, aber nicht wie ihr solche auf euren bildlich nachgemachten
Erdgloben sehet, sondern wie sie von einem magnetischen (nicht mathematischen)
Pol zum andern gezogen gedacht werden soll, wo sodann im oberen Dritteil eine
andere Kraft ihn durchzieht, das heißt die Kraft der Intelligenz und geistiger
Fähigkeiten – so sehet ihr auch eben diese Weltteile, welche im oberen
Dritteil liegen, geistiger, geweckter, weil sie, durch diese ihnen
entgegenstehende Kraft angeregt, zum höheren geistigen Leben gedrängt werden;
während im Süden der materielle Teil wie gleichsam eingeschlafen noch im
halben Traumleben diese Fähigkeiten mehr entbehrt, und, wie eben im Traume,
wohl eine schöner ausgestattete (Natur-)Welt besitzt, jedoch geistig genommen
als entsprechend den Phantasie-Gebilden des Traumlebens im Vergleich zum erwachten
geistigen Verstandes- und Gemüts-Leben zu vergleichen ist. [Sg.01_023,30]
So wie euer Erdball auch hier die Form des Kreuzes zeigt, so spricht sie sich
überall aus im Bestehen und Vergehen der Materie, im Geistigen als Richtung
nach oben oder unten; nur im Göttlichen gibt es keine Gegenrichtung mehr,
denn dort ist als Stützpunkt alles Geschaffenen Stillstand, Ruhe und ewiges
festgestelltes Grundprinzip: nur, obwohl nach einem Zwecke strebend, nach
Liebe und Weisheit zu rechnen, wo letztere die erstere bedingt und modifiziert. [Sg.01_023,31]
Aber während das Kreuz überall den Kampf zweier sich widerstrebender
Richtungen anzeigt, so sind im Göttlichen die Liebe und Weisheit insoweit
vereint, als wie zwei parallel laufende Linien, welche – nach gleicher
Richtung und gleichem Zwecke strebend – nur das ewige Bestehen des
Geschaffenen zum Zwecke haben, und eben Liebe und Weisheit oder Mein eigenes
Ich darin Seine Befriedigung findet, wenn alles von beiden Geschaffene seinen
Zweck und seine Mission richtig erkennt, und wenn die Liebe – auf diese Art
ihre Gedanken durch die Weisheit verwirklicht sehend – die als primitive
Ideen hinausgestellten Geistesfunken dann als helleuchtende Sterne
zurückkommen sieht. [Sg.01_023,32]
So war, ist und wird das Kreuz das Symbol des geistigen und materiellen
Lebens bleiben, wo stets das Produkt von zwei sich widerstrebenden, sich
kreuzenden Faktoren als Resultat eine höhere Geistesstufe sein soll, von wo
aus die eine Richtung nach oben stets mächtiger, die andere sie durchschneidende
immer schwächer, kürzer und ohnmächtiger wird – bis auch in dem verklärten
Geiste nur zwei gleichlaufende Potenzen, Weisheit und Liebe, seine
Richtschnur geworden sind und, alle Einflüsse materieller Ereignisse
aufgehört, das Geistige allein den Weg der Verklärung weitergehen wird. [Sg.01_023,33]
In dieser Kreuzesform lebt der große Triumph des Geistigen über das
Materielle, bildlich dargestellt durch Meine Kreuzigung, ewig fort; diese
Form, geistig genommen, bildet die Schule eures Prüfungslebens, diese
Kreuzesform ist der Lebensfaktor Meiner Weltensysteme, Meines geistigen und
materiellen großen Weltenmenschen. [Sg.01_023,34]
Überall ist sie die vorherrschende Form, denn sie bedingt zwei kämpfende
Elemente, und durch Kampf entsteht das Leben, das ewig fortschreitende, zu
höheren Stufen ringende Leben. [Sg.01_023,35]
Hinauf! – Wie Ich am Kreuze geheftet, als symbolisches Bild von der Erde
gegen den Himmel gerichtet dahing, ebenso hinauf nach oben, nach jener großen
Geisterwelt ist der große Drang alles Wesenden. – Vorwärts! drängt es
unbewußt das kleinste Atom im Äther wie den großen Engelsgeist im Geisterreich;
und nur durch die divergierenden, kreuzenden Nebenrichtungen, welche
niemanden das erreichen lassen, was er sehnlichst wünschte; eben durch dieses
Hemmen wird der Drang des Widerstandes, des Kampfes und des endlichen Sieges
bezweckt, durch welchen die materielle, geistige und göttliche Welt bestehen
und fortdauern kann. [Sg.01_023,36]
Daher befleißiget euch, auch unterm Kreuze oder unter dem Druck der
weltlichen Verhältnisse nicht die Hauptrichtung nach oben zu vergessen. Dort
hört aller Widerstand auf, und ihr werdet in Kreuzesform ebenfalls einst
euren himmlischen Vater wiederfinden, der aufrecht stehend, mit ausgebreiteten
Armen die Dulder und Kämpfer alle liebend empfangen will, die unter dem
Kreuze, als symbolisches Bild des Leidens und des Kampfes, doch während ihrer
Prüfungsschule Ihn und Seine Lehre nicht vergessen, nicht verleugnet haben! – [Sg.01_023,37]
Deswegen ehret das Kreuz! welches im großen Maßstabe in Meiner Schöpfung und
im kleinen auf Golgatha zu Meiner Verherrlichung beigetragen hat und das auch
euch durch die Erniedrigung zur geistigen Erhöhung verhelfen wird. – [Sg.01_023,38]
Es ist das Symbol von Leiden; deswegen erinnert euch Meiner Worte, als Ich
einst sagte: „Wer sich erniedrigt, der wird erhöht werden!“ – [Sg.01_023,39]
Auch die Juden erniedrigten Mich, erhöhten Mich dann am Schandpfahle, aber
die geistige Verherrlichung, die sie durch diese Erhöhung bewirkten, begriffen
sie nicht! – [Sg.01_023,40]
Was in jenen Zeiten nur von wenigen gefühlt und geahnt wurde, das könnt ihr
jetzt ganz klar vor euren Augen sehen; euch zeigte Ich, wie auch diese Form
und ihr späteres bildliches Ausdrücken als Leiden und Kämpfe, als geistiges
Kreuz, nur der alleinige Weg ist zu Mir, den Ich euch glorreich vorausging
und auf dem ihr mit Demut folgen sollet; denn auch eure Erniedrigung wird
einst bei Mir zur größten Erhöhung werden, und ihr werdet dann erst erkennen,
daß nicht genossene Freuden, nein, sondern überstandene Leiden den Hochgenuß
einer Seligkeit geben können, welche auch Ich genoß, als Ich, Meine Mission
vollendet, zu Meiner Liebe wieder zurückkehrte und Meinen Engeln und Geistern
allen zeigte, daß das Kreuz nicht ein Schandpfahl, sondern ein Zeichen des
Sieges ist für den, der sich demselben geduldig unterziehen will! Amen. 3. Februar 1872 [Sg.01_024,01]
Ein gewichtiges, tiefes und von euch Menschen in verschiedener Art
verstandenes Wort. [Sg.01_024,02]
Wäre es Mir nicht darum zu tun, euch und alle Meine neu ankommenden Kinder der
Zukunft in die Geheimnisse Meines Ichs, Meiner Schöpfung, ja Selbst Meiner
Weisheit einzuweihen, Ich würde euch bei euren Begriffen lassen, die ebenso
viele sind, als es Menschen auf Erden gibt. [Sg.01_024,03]
Und doch, wenn überhaupt ein Begriff, eine Idee unter euch gangbar ist, so
muß sie, wenngleich sie nach der Eigentümlichkeit der Individualität verschieden
aufgefaßt wird, doch eine Grundbasis, einen Grundgedanken haben, wovon alle
anderen Begriffe nur Ableger oder Variationen sind – wie bei einem Baum seine
Zweige nur von den Wurzeln und diese selbst von einem Zentrum ihre ganze Tätigkeit,
ihr ganzes Leben erhalten, ebenso diese individuellen Ideen von einer Grundidee
abhängen. [Sg.01_024,04]
Um nun diese Grundidee euch klar vor Augen zu stellen und euch dadurch zu
beweisen, wo doch immer der Sitz alles Wesenden und Sichtbaren liegt, so will
Ich daher euch in dieser Hinsicht in jene Sphären führen, von wo alle Anfänge
ausgehen und wohin alle wieder einst zurückkehrend sich zu einem Ganzen verbinden. [Sg.01_024,05]
Nun sehet! Worte sind sichtbare oder, wie ihr sagen möchtet, euch hörbare
Ausdrücke eines geistigen Gedankens oder einer in Worte gehüllten Idee; Worte
haben daher also immer – als Produkte einer andern Macht – woanders ihr
Anfänge, ihre Wurzeln; Worte drücken Lebendiges, drücken Geistiges, drücken
Göttliches aus, und eben deswegen ist ihre Wirkung von ewiger Dauer, und der
Apostel Paulus hatte wohl recht, wenn er an die Korinther schrieb: „Alles
Herrliche wird vergehen, doch Gottes Worte werden ewig bestehen!“ [Sg.01_024,06]
Im Worte liegt wie in einem Samenkorn der ewige Keim zu weiterer Saat, im
Worte liegt eine ungeheure Triebkraft. Sehet euer ganzes Leben, die Geschichte
der Menschheit und endlich Meine Lehre selbst an – wo ist größere Wirkung
aufzuweisen, in allen grausam geführten Kriegen, die materiell viel
zerstörten und geistig nichts aufbauen konnten, im Vergleich mit dem Wort; es
liegt eine unendliche Tiefe in dem Wort, ebendeswegen sagte auch Johannes:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott!“ [Sg.01_024,07]
Das Wort ist und war der Träger der Schöpfung, ist der Träger eures geistigen
Lebens, ist der Träger allen Fortschritts; ohne Wort ist kein geistiges Leben
zwischen Menschen möglich. [Sg.01_024,08]
Das Wort verbindet Seelen, zieht sie aneinander in Verehrung eines höheren
Wesens oder Zieles. [Sg.01_024,09]
Das Wort ist die einzige verständliche, begreifbare Brücke, wo ein Mensch dem
andern begreiflich machen kann, was in seinem Innern vorgeht. [Sg.01_024,10]
Und wenngleich auch der Blick, der Druck der Hand, eine Umarmung usw. noch
Größeres birgt und nicht in eure Sprache übersetzbar ist, so ist es eben nur
das Wort, welches als artikulierte Laute, hervorgebracht mittels der Stimmwerkzeuge
und der euch umgebenden Luft, es euch möglich macht, von den Tiefen, die in
eurem Innern wohnen, den Nebenmenschen und der ganzen Menschheit einen leisen
Begriff zu geben. [Sg.01_024,11]
Daher vertiefet euch vorerst in die Idee, was „Wort“ heißt, damit ihr dann
desto leichter fassen könnt, was ein Wort sagen will, das so wie keines Meine
ganze Schöpfung umfaßt, überall in mehr oder minderem Grade ausgeprägt ist
und in Mir Selbst, als vollendetes Ganzes, seine eigentliche Lösung findet. [Sg.01_024,12]
Ich mußte diese Erklärung vorausschicken, damit ihr die Worte, die Ich euch
sende – nicht so leicht hinnehmt und doch leise ahnen lernt, was unter einem
Wort für Schätze unberechenbaren Genusses liegen, wenn man gelernt hat, sich
darin so ganz zu vertiefen. [Sg.01_024,13]
Auf diese Art ließen sich ganze Bücher schreiben über einzelne Worte, welche
von vielumfassenden Begriffen oder Ideen der sicht- oder hörbare Ausdruck
sind. – [Sg.01_024,14]
Nun, um das Wort „Schönheit“ zu begreifen, so müssen wir natürlich vorerst
mit der Frage beginnen: was heißet ihr denn eigentlich „schön“? Hier wird die
Antwort sein: Schön ist ein Begriff von einem gewissen Eindruck, der
wohltuend auf die Seele wirkt, indem sie im harmonischen Einklang der Formen
eine geistige Idee ausgedrückt sieht. [Sg.01_024,15]
Dieses Sehen der harmonischen oder, wie ihr sagt, der „ästhetischen“ Formen
ist so individuell verschieden, hängt so von der geistigen Bildungsstufe des
Menschen und seines Innern ab, daß „schön“ ebenso viele Deutungen zuläßt, als
es Menschen selbst gibt; denn wenn auch einige oder viele Menschen im Urteil
über einen Gegenstand, sei es welcher es wolle, übereinstimmen, so ist es
nicht die gleiche Ansicht aller, sondern nur weil so viele (Menschen-)Seelen
mehr oder minder ihre Idee, die sie von einem solchen Gegenstand hatten,
verwirklicht sehen – wo jedoch ein jeder Mensch nicht den Gegenstand selbst,
sondern im Gegenstand das wiederzufinden glaubt, was er als Bild im Innern
trägt. [Sg.01_024,16]
Also die Harmonie der Formen ist es eigentlich, was den Begriff Schönheit
bedingt. [Sg.01_024,17]
Nun frage Ich: Wie müssen denn diese Formen beschaffen sein, daß sie im
Menschen solchen Eindruck hervorrufen, und warum rufen sie ihn hervor? [Sg.01_024,18]
Sehet, der Kreis des Begriffs von Schönheit zieht sich stets enger zusammen
und wird eben deswegen, seinem Zentrum sich nähernd, leichter erfaßbar. [Sg.01_024,19]
Um die erste Frage zu beantworten, muß Ich euch an ein früheres Wort
erinnern, wo Ich die zwei Linien, die gerade und die gebogene kreis- oder ovalförmige
(Ei), als Hauptträger alles Geschaffenen und auch als symbolische Entsprechungen
gebraucht habe. [Sg.01_024,20]
Von den dort angeführten Eigenschaften gibt es aber neben der materiellen und
der geistigen auch noch die göttliche Bedeutung, nämlich – gebogen, wellenförmig
laufende Linien sind Produkte der Liebe, sich gerade zu Formen zusammenfügende,
Produkte der Weisheit. [Sg.01_024,21]
So auch der Eindruck von geformten Gegenständen. Solche aus lauter runden,
gebogenen, wellenartig laufenden Linien zusammengesetzt, haben als
Gesamteindruck den des Lieblichen, die aus geraden Linien zusammengefügten jenen
des Ernsten, der Weisheit ähnelnden. [Sg.01_024,22]
Wie Ich sagte in einem anderen Wort, daß eine gebogene Linie der Liebe
gleicht, welche Mithilfe, Mitgefühl anstrebt, so die gerade für sich selbst
bestehende Linie sich selbst genügt und die Weisheit personifiziert, wie die
krumme, sich neigende Linie – die Liebe ausdrückt. – [Sg.01_024,23]
Wie nun in Meinem eigenen Ich – Liebe mit Weisheit gepaart, vereinigt zu einem
Ganzen sich darstellt, wo Ich Schöpfer, Richter und doch Vater bin, so sehet
ihr in euren Tempeln, Kirchen und Bauten, welche alle als Ausdruck einer geistigen
Idee dienen sollen, wo man „ein Wohnhaus für Mich“ bauen wollte, den Ernst
mit der Liebe verbunden; daher der hohe Eindruck, welchen euch solche
Monumente machen, wo ihr in ihnen den Gottesgedanken in geraden und gebogenen
Linien verschmolzen findet. [Sg.01_024,24]
Hier spricht die künstlich zusammengeformte Materie als ausgehend vom
Innersten der Seele, verwirklicht durch den Verstand. [Sg.01_024,25]
Ich fing hier mit den größten Werken an, die Menschenhände vollbringen
können, gehe nun, wie ihr selbst, von jenen auf Meine eigenen Schöpfungen
über; denn auch ihr, wüßtet ihr nicht, welche Schwierigkeiten es kostet, ein
Wohn-, ein Bethaus oder einen Palast zu erbauen, wieviel Studium, Talent und
Ausdauer, wieviel Aufwand von Kräften dazu gehört, Bauten aufzuführen, ihr
würdet Meine Bauten: eure Erde, die sichtbaren Planeten, Monde und Sonnen
nicht zu schätzen wissen. [Sg.01_024,26]
Aber so, eure eigene Ohnmacht fühlend, erkennet ihr erst die Allmacht eures
Schöpfers; die eigene Nichtigkeit recht ins Auge fassend, die Höhe Dessen,
der aber am Ende eben doch nur im „Kleinsten am Größten“ ist! – [Sg.01_024,27]
Nachdem nun Meine ganze sichtbare Natur nur ein Wiederholtes alles dessen
ist, was ihr Menschen künstlich hervorbringen wollt, und ihr nichts schaffen
könnt, was ihr nicht in Meiner Schöpfung vorher gesehen habt und wovon euer
Inneres stets schon lange den Urtypus in sich trug, so macht euch natürlich
auch in Meiner Natur alles einen angenehmen Eindruck, was eurem Innern entspricht,
wo ihr individuell das Studium der Formen mehr oder weniger ausgebildet habt. [Sg.01_024,28]
Je mehr also ein Gegenstand, sei er von euch künstlich hervorgebracht oder
schon unübertrefflich in Meiner eigenen Schöpfung vorhanden, in eurem Innern
geistig vorhanden ist, desto mehr erwacht in euch das Gefühl des Wohlbehagens
bei seinem Anblick, welches ihr dann mit dem Namen „schön“ bezeichnet. [Sg.01_024,29]
Je feiner dieses Formgefühl im Menschen ist, desto mehr Schönheiten wird er
in dem Geschaffenen entdecken, wo auch nebenbei stets das Nützliche mit dem
Schönen Hand in Hand geht. [Sg.01_024,30]
So wird aber auch nur der Geist-Gebildetere, oder mit andern Worten gesagt –
der mehr in der Liebessphäre Lebende überall Schönheiten in Formen, in
harmonischen Verhältnissen entdecken, wo ein anderer gleichgültig
vorübergeht; daher der verschiedene Begriff von „schön“, weil er stets nicht
bloß von dem Gegenstand, sondern auch von dem geistigen Innenmenschen des
Beschauers abhängt. [Sg.01_024,31]
Würdet ihr die Menschen geistig beurteilen können, so wäre es euch leicht,
aus dem, was ein Mensch schön oder häßlich findet, sein Inneres zu erkennen,
inwiefern es Liebe besitzt; denn je mehr Liebe, desto mehr sucht der Liebende
in allen Gegenständen diese Eigenschaft auf, welche seine eigene Liebe
erweckend, ihm das angenehme Gefühl des „ästhetischen Genusses“ macht; denn
er, ohne es zu wissen, vergeistigt die vor ihm stehenden Formen und sieht
eben da, wo ein anderer nur Materie sieht, den Ausdruck einer nie
verwelkenden Liebe, welche auch im Größten wie im Kleinsten nur seligen Genuß
verschaffen will und kann. [Sg.01_024,32]
Wenden wir nun diesen Begriff „Schönheit“ auf das letzte Produkt der Erde
oder der Welten an, nämlich auf den Menschen selbst, so ist auch hier wieder
die Idee von Schönheit ebenso verschieden, als es geistige Stufen in der menschlichen
Seele geben kann. [Sg.01_024,33]
So wie beim einen der Anblick eines schönen Weibes zur höchsten Begeisterung,
zur höchsten Liebe und Verehrung führen kann, weil er hier das Abbild der
Liebe, der Unschuld in Formen ausgedrückt, vor sich stehen sieht – ebenso können
diese Formen bei einem andern nur sinnlich-tierische Gefühle erwecken, welche
nicht der Form eigen, sondern vom Beschauer derselben hineingelegt werden. [Sg.01_024,34]
Das könnet ihr euch wohl vorstellen, daß, als Ich den ersten Menschen schuf,
als Ich ihn nach Meinem Ebenbilde formte, Ich alles in seine Formen
hineinlegte, was möglich war, um eine göttliche Idee in menschlichen Formen
auszudrücken. Ich formte den Mann als Ausdruck der Kraft, entsprechend der
Weisheit, und das Weib als Ausdruck der Milde, entsprechend der Liebe. [Sg.01_024,35]
Beide vereint sollten geistig das werden, was Ich in Mir vereine, das heißt
Liebe mit Weisheit gepaart, so sollten sie dem Vereinigungsakt der höchsten
geistigen Stufe entgegeneilen, wo sie gebunden durch den Drang zum Dritten,
zu Mir, die reinste Seligkeit genießen könnten, weil jede Freude des einen in
dem andern widerhallend ihren Ausdruck gefunden hätte. [Sg.01_024,36]
So war Mein erstes oder letztes Werk auf den Welten, vom letzten Atom bis zum
Menschen in der Form stets Liebe und Weisheit entwickelnd, und gestaltete
sich in der menschlichen Form zum harmonischen Ganzen, zu jener Form, wo aus
der kleinsten Wellenlinie des Körpers die größte geistige Idee stets hervorleuchten
sollte und jedem zurufen möchte: [Sg.01_024,37]
„Gedenket, daß ihr nach Meinem Ebenbilde, nach dem Ebenbilde eines Gottes,
nach dem Ebenbilde der unbegrenzten Liebe und der unbegrenzten Weisheit
geformt seid!“ [Sg.01_024,38]
Daß dann die Menschen als freie Wesen diese Form geschändet, mißbraucht und
verdorben haben, das war Sache ihres freien Willens; jedoch in Mein Reich
werden sie nicht eingehen können, bis nicht ihre äußere Umkleidung, von so
feinen Stoffen sie auch geformt sei, den Typus einer reinen, einer schönen
Seele trägt. So wie Ich einst den Menschen als Mein Ebenbild in die Schöpfung
hinausstellte, so muß er wieder zu Mir zurückkommen, das heißt geistig und
körperlich schön, wo die Außenhülle der Abdruck des in ihm wohnenden
göttlichen Geistes ist. – [Sg.01_024,39]
Nach diesem Gesagten seht ihr, wie vielseitig die Auffassung vom Worte
Schönheit ist, so vielfach ist auch der Weg, den alle Geister und Seelen durchzumachen
haben, bis sie zu Mir, das heißt in Meine Nähe gelangen und diese unbeschadet
ertragen können. [Sg.01_024,40]
Der Begriff vom Worte Schönheit zeigt euch klar die namenlosen Abstufungen,
welche bestehen im Geisterreich; es zeigt euch deutlich dieser Begriff, wie
Menschen, wie Völker auf ihrer geistigen Kulturstufe fallen oder sich
erheben; denn mit jeder höheren Stufe formt sich ein neues, schöneres,
geistigeres Ideal vom Worte „schön“. [Sg.01_024,41]
Schön ist der Ausdruck der Liebe. Schön kann eigentlich nichts sein, was
nicht gut ist, denn da die Form selbst nur die Hülle eines in ihr wohnenden
Prinzips ist, so kann nur das „schön“ genannt werden, wo das Äußere dem
Inneren entspricht (und letzteres „gut“ ist). [Sg.01_024,42]
Wenn auch die Natur und Verhältnisse manches Geschöpf zieren, daß dessen
erstes Erscheinen wohltätig wirkt, so ist doch oft bei näherer Bekanntschaft
diese Wirkung nicht von Dauer, und statt Begeisterung tritt Bedauern ein,
weil der Beschauer leicht bemerkt, daß das Äußere nicht mit dem Inneren
korrespondiert. [Sg.01_024,43]
Ein geistiges Auge sieht alles geistig, und nur ein materielles kann dort
Schönheiten finden, wo es selbst nichts als in einer andern Form sein eigenes
Ich bewundern kann. [Sg.01_024,44]
Die wahre Schönheit ist also im reinsten und tiefsten Sinne nur Ausfluß eines
göttlichen Funkens, sichtbar in der materiellen Form. [Sg.01_024,45]
Nachdem nun Ich nur Liebe bin und diese Liebe gepaart mit Weisheit diese
sichtbare und unsichtbare Welt erschaffen hat, so kann auch in ihr, so wie
sie aus Meinen Händen hervorging, nur Liebliches und Weises herrschen. [Sg.01_024,46]
Wenn der Mensch diese Urtypen verfälscht hat und nur in seltenen Fällen in
einer oder der andern Form solche Vereinigung von höchster Weisheit mit Güte
und Liebe erblickt, so ist es nicht Meine Schuld. Ich schuf die Welt voll
Engel, die Teufel haben die Menschen selbst daraus gemacht! [Sg.01_024,47]
Da Ich aber nicht umsonst erschaffen habe, und es (das Geschaffene) nur so
anerkenne, wie Ich es Mir dachte, so müssen diese Urtypen Mir wieder
zurückgegeben werden, ob über kurz oder lang, die Zeit hat dabei nichts zu
sagen, denn es ist eine Ewigkeit immer lang genug dazu! [Sg.01_024,48]
Befleißiget also auch ihr euch alle, diesen Meinen Ideen der Schönheit der
Seele zu entsprechen, dann wird auch das äußere Kleid in jener ewigen
Lichtwelt so ausfallen, daß es ein reiner, geistig-seelischer Abdruck eures Innersten
für euch sein wird. [Sg.01_024,49]
Dieses ist der Begriff von Schönheit, wie Ich ihn auf seine Wurzel, auf Mich,
auf Meine Liebe zurückgeführt habe. [Sg.01_024,50]
Schön ist alles, was aus Meinen Händen hervorging. Nur einem unschönen Gemüt
sind jene Formen gleichgültig und nicht faßbar, welche teilweise oder ganz
den Abdruck des Göttlichen durch sie hindurchleuchten lassen – daher der
große Grad von verschiedenen Begriffen der Schönheit. Und wie Ich einst
sagte: „Dem Reinen ist alles rein!“, so sage Ich jetzt noch diesem
hinzufügend: „Dem Schönen ist alles schön!“ [Sg.01_024,51]
Hier habt ihr wieder ein Wort geistig erklärt vor euch. Begreifet die Fülle
des Geistigen eines solchen Wortes, und ihr könnt im Kleinen ahnen, was es
erst in der Sprache der Geister ist, wo mit jedem Worte die ganze unendliche
Bedeutung desselben durchgefühlt und geahnt und eben dadurch die
Geistessprache bedingt wird, welche manchmal auch – aber nur in höchsten
Momenten – an euren geistigen Ohren vorüberflutet, um euch anzuspornen, geistig
heller sehen und besser hören zu lernen! Amen. 25. Kapitel – Das Licht – Welten-, Sonnen- und Sternen-Licht. 4. Mai 1873 [Sg.01_025,01]
Schon früher habe Ich euch öfter über das Wort „Licht“, was Licht ist und wie
es entsteht, wie es Leben verbreitet, Leben erregt und selbst Leben ist, so
manches gesagt, und doch wisset ihr vom Licht weniges zu sagen, begreifet
noch gar nicht, was Licht ist, und eben deswegen soll ein neues Wort an euch
erklären, was oft dämmernd aus den früheren nur durchgeschimmert hat und nur
einzelne ahnen ließ, daß Licht eine Emanation (Ausfluß) Meines eigenen Ichs
oder Ich Selbst bin! [Sg.01_025,02]
Wenige von euch geben sich damit ab oder haben die Lust, sich mit den
physikalischen Gesetzen, insoweit es (das Licht) auf eurer Erde auftritt, zu
befassen. Wenige fühlen in sich den Drang, je nachzuspüren, was denn
eigentlich der Lichtstrahl ist, welcher doch in jeder Sekunde, wo er euer
Auge trifft und in dieses eindringt, euch Wunder über Wunder erzählen könnte,
wie Meine Schöpfung verstanden sein sollte und wieviel schon nur ein einziger
Lichtstrahl des Wonne- und Liebevollen enthält, welches euch euren Schöpfer
in Seiner schönsten Glorie – als liebenden Vater zeigen müßte! [Sg.01_025,03]
Blind seid ihr alle, blind gegen das kleinste, blind und gefühllos gegen das
größte Liebeswerk, welches stets von Mir, von Meiner Größe und von Meiner
Allmacht zeugt! [Sg.01_025,04]
Und eben daher, weil gerade in den alltäglichen Begegnissen des menschlichen
und materiellen Lebens aus Gewohnheit Meine Wunderwerke nicht bemerkt, nicht
beurteilt werden, so sollet ihr heute durch dieses Wort wieder angeregt
werden, aus eurem lethargischen Schlaf zu erwachen, um das Geistige der
Schöpfung in eurer nächsten Umgebung wahrzunehmen, wie der liebeschmeichelnde
Lichtstrahl aus eurer Sonne und der nämliche aus Millionen Meilen weit
entfernten Gestirnen euch, eben durch ihn, mit Meiner ganzen materiellen und
geistigen Welt verbindet! [Sg.01_025,05]
Ihr sollt verstehen und begreifen lernen, wie das geistige Reich, Mein
eigener Wohnort, einst auch euch aufnehmen, euch näher ziehen soll; damit ihr
erkennen möget, was ein einziger Lichtstrahl euch zu sagen vermag,
geschweige, was erst eine Lichtwelt euch sagen wird! [Sg.01_025,06]
Sehet, Meine Kinder, Ich will euch nur einmal eine Frage stellen, um euch zu
beweisen, wie wenig ihr wisset! Die Frage heißt: „Was ist Licht?“ [Sg.01_025,07]
Nun, die Antwort gemäß euren menschlich-wissenschaftlichen Entdeckungen,
gemäß Meiner euch gegebenen Worte wird sich auf Folgendes beschränken lassen:
Licht ist eine „Emanation“, hervorgebracht durch schnelles, ja billionenmaliges
Vibrieren der kleinsten Atome in einem Augenblick, welche sodann, vorerst
durch Wärme, dann im Licht, als Resultat sichtbar dem Menschen sich
offenbart! [Sg.01_025,08]
Wissenschaftlich wird es heißen: Licht durch ein Prisma geleitet, läßt sich
in Farbenstrahlen brechen oder zerteilen; jeder dieser Farbenstrahlen ist wie
ein drei- oder vierschneidiger Stockdegen geformt, wo stets die eine Kante
mit der entgegengesetzten elektrisch-positiv oder elektrisch-negativ sich
verhält; im Lichtstrahl sind auch noch dunkle Strahlen, die eure Forscher als
„Wärmestrahlen“ qualifiziert haben. [Sg.01_025,09]
Das alles ist gut und schön, nur muß Ich aber noch eine andere Frage
aufwerfen, denn diese Antwort genügt Mir nicht; Ich frage nämlich eure
Naturforscher und Astronomen: „Wo kommt denn das Licht her?“ [Sg.01_025,10]
Auf dieses antworten sie Mir: „Von der Sonne, welche eine feurige Kugel ist
(?) und die im Verbrennungsprozeß ihrer Außenatmosphäre den Glanz, nämlich
Licht und Wärme entwickelt und dasselbe zu uns auf Erden und zu den sie
umgebenden Planeten und Kometen sendet und so Leben, Tätigkeit, Entwicklung,
Bestehen und Vergehen aller in allem veranlaßt.“ [Sg.01_025,11]
Gut, auch diese Antwort hat ihr Wahres, aber sie genügt Mir noch nicht, Ich
frage weiter: „Von wo hat denn die Sonne dieses Licht hergenommen?“ Ist es
erborgtes oder eigenes Licht? [Sg.01_025,12]
Sehet, hier fängt es schon an, Meinungen verschiedener Art zu geben, und hier
läßt schon der menschliche Verstand seine Schwächen sehen; denn es sind bloß
Hypothesen, welche da aufgestellt werden können, aber Gewißheit fehlt, weil
die nähere Untersuchung des Sonnenlichtes außer eurem Bereich liegt und um so
mehr noch das Licht einer anderen Sonne, die vielleicht nicht Millionen,
sondern Billionen Meilen entfernt ihr Licht darleiht, um eure Sonne zu
erleuchten und so seinen Glanz auf Tausenden von andern ihr unterstellten
Welten zu verbreiten. [Sg.01_025,13]
Und wenn ihr auch faktisch beweisen könntet, daß von dem oder jenem Sterne
eure Sonne ihr Licht erhält, so bleibt doch noch immer die Frage: und von
welch einer anderen entfernteren Sonne erhielt diese wieder ihr Licht? und so
ins Unendliche hinaus. [Sg.01_025,14]
Nachdem also ihr Menschen aus diesem Wust von Fragen nicht mehr herauskommen
würdet, so muß Ich Mich ins Mittel legen und, statt daß ihr in Billionen
Meilen entfernten Räumen den Grund und die Lösung eurer Frage suchet, vorerst
mit euch vom Nahen anfangend, das Ferne erklären. [Sg.01_025,15]
Nun sehet, fangen wir wieder von vorne an, und zwar mit der Frage: „Was ist
Licht?“ und „wie gibt es sich kund? und warum muß es da sein? [Sg.01_025,16]
Ihr wißt – Licht entsteht durch Vibration der Atome, die Farben entstehen
ebenfalls durch billionenmaliges Vibrieren der Materie, und je nach der
Anzahl dieser Vibrationen werden eurem Auge die Farben sichtbar – gut, was
regt aber die Materie an zu vibrieren? was gibt ihr Leben? daß sie durch
solch heftiges Schwingen und Erzittern sich als Leben manifestiert? [Sg.01_025,17]
Sehet, hier tritt nun das Grundprinzip der ganzen Schöpfung auf und sagt
euch: Das bewegende Element, welches alles durchdringt, in so ungeheuren
Schwingungen den ganzen Ätherraum beben macht, ist: [Sg.01_025,18]
Mein Wille, ist Mein Ich Selbst, ist nicht materiell Bedingtes, sondern
Geistiges, Unbedingtes, ist nicht Vergängliches – ist unendliches Leben! [Sg.01_025,19]
Dieses große Geistesleben Meines eigenen Ichs ist es, welches entsprechend
der Liebe, entsprechend der Weisheit sich als Farbe, sich als Wärme kundgibt. [Sg.01_025,20]
Ohne diesen Meinen allmächtigen Willen würde kein Atom im großen Ätherraum
erzittern, kein Wärmestoff entwickelt, kein Licht ausgestrahlt werden! [Sg.01_025,21]
Und warum geschieht dieses? so fragt vielleicht mancher. Auch auf diese Frage
soll Antwort werden: weil Licht – Leben, und Finsternis – Tod bedingt. [Sg.01_025,22]
Was ist Finsternis? oder gibt es eine Welt, wo Finsternis waltet? gibt es
Leben, ist es denkbar da, wo Finsternis, gleichbedeutend mit „Ruhe“, alles in
einem Zustande verharren müßte, der ewig der gleiche wäre! – ? – – – [Sg.01_025,23]
Ihr habt noch nie begriffen, was eigentlich „Finsternis“ ist; denn wenn ihr
nicht mehr sehet, das ist noch nicht Finsternis, sondern nur relative, für
eure Sehorgane. Es gibt zum Beispiel viele Tiere, die noch ganz gut sehen, wo
es für euch die tiefste Nacht scheint; wo also diese Tiere sehen, da muß auch
Licht sein, nur nicht in dem Maße, wie ihr gewohnt seid, Licht und Finsternis
zu qualifizieren. [Sg.01_025,24]
Ebenso ist es auch mit der Wärme. Wer von euch hat denn schon bestimmt oder
bemessen, wo Wärme aufhört, wo also das Wärme bewirkende Vibrieren der
einzelnen Atome aufgehört hat. [Sg.01_025,25]
In euren kältesten Regionen ist noch Wärme, wenngleich ihr es als „Kälte“ mit
so und soviel Graden benennt. [Sg.01_025,26]
Diese absolute Finsternis also existiert nirgends, kann nicht existieren in
einer Schöpfung, in welcher Ich der Herr und Erschaffer davon bin. [Sg.01_025,27]
Licht ist gleichbedeutend mit „Erkenntnis“; denn wie nur im Licht ein
Erkennen der Gegenstände, ein Sehen möglich, so ist auch Erkenntnis dem Bewußtsein
entsprechend: ich erkenne mich und kann die mich umgebende Welt beurteilen. [Sg.01_025,28]
Dieses geistige Erkennen, welches den Geschöpfen, seien es Geister oder
körperliche Wesen, ihren eigenen moralischen Wert gibt, sie antreibt zur Vervollkommnung
ihres eigenen Ichs – dieses Erkennen kann nur im Lichte, im geistigen Licht
Meines eigenen Ichs möglich sein, da im Finstern weder geistiges Erkennen
gefördert noch weltliches möglich wäre! [Sg.01_025,29]
Wie aus der Mosaischen Schöpfungsgeschichte das Wort bis auf euch gekommen
ist, wo Ich aussprach: „Es werde Licht!“, so möget ihr in diesem Ausspruch
die ganze große Bedeutung erkennen, welche darin liegt – denn ohne Licht,
ohne Tageshelle kein materielles, ohne Geisteshelle kein höheres Leben! [Sg.01_025,30]
Wenn ihr so Meine ganze Schöpfung betrachten könntet, so müßtet ihr daraus
den notwendigen Schluß ziehen, daß nur wo Licht, wo wahrgenommen werden
können die Millionen von Wundern, welche Meine Allmacht beurkunden – nur da,
nur im Lichte ein Schöpfer, ein liebender Vater denkbar ist! – [Sg.01_025,31]
So war das erste Wort „Es werde Licht“ der erste Impuls alles Werdens, der
erste Anfang einer materiellen Schöpfung und der erste Gedanke zu einem
geistigen ewigen Lichtreiche! – [Sg.01_025,32]
„Licht“, als geistige Entsprechung Erkennung alles Wesenden, war notwendig, und
eben dieses Wort, welches alle Atome des Äthers in Schwingungen versetzte,
welches Leben und Wärme hervorrief – eben dieses Wort erzeugte auch in dem
Geisterhimmel die Unzahl von Abkömmlingen von Mir, die licht- (und liebe-)
fähig, das heißt sich selbst bewußt, Meine Welt und Meine Liebe erkennen
sollten. – [Sg.01_025,33]
Dieses Licht, von Mir ausströmend, durch alle Räume dringend, alles belebend,
schuf die materielle Welt, kleidete Geister in Materie, um aus letzterer
wieder erstere, aber unter anderen Verhältnissen zu befreien! [Sg.01_025,34]
Licht, gleichbedeutend mit Meinem ewigen Leben, war in Mir und erfüllte Mich
stets; nur als Ich das Wort aussprach: „Es werde Licht!“, da begann es
auszustrahlen durch alle unbegrenzten Ätherregionen und regte die Materie zum
Leben, zum Anziehen, zum Abstoßen, zur Vereinigung, zur Trennung, zum Entstehen,
zum Vergehen an. Ohne Mein Wort „Es werde!“ und „Es werde Licht!“ hätte nie
am Firmament eine Sonne geleuchtet, hätte nie ein Weltkoloß um einen noch
größeren sich geschwungen. [Sg.01_025,35]
Allein Mein Machtspruch „Es werde!“ und Mein Liebewort „Es werde Licht!“ war
es, welches den unendlichen Äther bevölkerte, welches die sichtbare Welt mit
Wundern erfüllte und welches den Impuls gab, daß in Materie eingekleidete Wesen,
sich ihres Ursprungs erinnernd, erst verstanden – warum sie eingekleidet wurden
und warum sie wieder nach Befreiung der Einkleidung trachten müssen. [Sg.01_025,36]
So ist die Welt erst sichtbar geworden und dem mit geistigem Auge Begabten
kein materielles Konglomerat von Stoffen, sondern eine große Prüfungsschule
geworden, wo Geister, ewige Lichtgeister sich bestreben müssen, durch verschiedene
Stufen gehend dahin zu gelangen, von wo sie ausgegangen sind, das heißt zu
Mir, dem Schöpfer, der alles mit gleicher Liebe erschuf, es erhalten und auch
zur geistigen Vollkommenheit führen will! [Sg.01_025,37]
So ist das Weltenlicht gleichbedeutend mit Weltenleben; denn die Welten, im
Lichte lebend, verbreiten Licht und Leben in ihrer Umgebung, beleben die Materie
und die darin schlummernden Geister wecken sie auf, nach Höherem sie ziehend
– und so ist das Licht, welches eine Welt der andern zusendet, nichts anderes
als das freudige Erzittern der Materie, welche, erregt durch die Wärme, den
eingeschlossenen Geistern Kunde gibt von der liebenden Hand, die sie zwar in
erstere eingeschlossen hat, aber sie auch aus ihr befreien will! – [Sg.01_025,38]
Dieses Vibrieren, dieses Lichtverbreiten ist es, welches von der Geisterwelt
ausgehend in die materielle herüberstrahlt, in ihr an den entferntesten Sonnen
sich kundgibt – und als Farbenbündel alle göttlichen Eigenschaften entsprechend
in Vibrationen ausdrückt. [Sg.01_025,39]
Nicht umsonst geht bei euch die Sage, daß gewisse Farben gewissen geistigen
Eigenschaften entsprechen. Es ist eine Ahnung, die durch die Seele zieht,
wenn sie im rosenfarbigen Licht den Strahl der Liebe, im grünen den der Hoffnung,
im blauen den des Glaubens wähnt. [Sg.01_025,40]
Alle prismatischen Farben haben geistigen Sinn und entsprechen – gemäß den
Vibrationen, welche sie hervorbringen – den eigentlichen Wirkungen Meiner
göttlichen Eigenschaften! [Sg.01_025,41]
Es ist ja wie in allem Sichtbaren – ebenso in den Farben, und zwar mehr als
in andern Dingen, Meine Liebe, Meine Gnade, Meine Weisheit, Meine Demut
ausgedrückt – und wenn „Weiß“ die Farbe der Unschuld ist, so will das nichts
anderes sagen, als daß in dem ungebrochenen Lichtstrahl als weißer Strahl
alle göttlichen Eigenschaften vereint liegen, welche so wie sie von Meiner
Geisterwelt ausgehen bis zu euch als Sternen- oder Sonnenlicht, euch dann
mahnen sollen, daß auch ihr in Unschuld gekleidet alle andern göttlichen
Eigenschaften an euch traget, die aber erst mit anderen Wesen in Berührung
kommend teilweise in Anwendung gebracht werden, so wie der weiße Lichtstrahl
von Millionen Sonnenfernen erst beim Auffallen auf Materielles sich in seine
Farbenstrahlen bricht und durch solches Anmut, Glanz und Schimmer den
Gegenständen verleiht! [Sg.01_025,42]
Dieses ist die geistige Kette, welche das kleinste Würmchen mit dem letzten
Weltall verbindet, welches an den Grenzen Meiner Geisterwelt kreiset. [Sg.01_025,43]
Und wenn ein Lichtstrahl aus fernen Sternen auf euer Auge fällt, so bedenket,
daß, wäre nicht euer Auge von Sonnennatur, ihr die Sonne nicht bemerken
würdet! [Sg.01_025,44]
In eurem Auge ruht schon in seinen verschiedenen Feuchtigkeiten eine
Lichtwelt, die dem vom ganzen Universum euch zugesandten Lichte homogen
ebenfalls in euch das Leben oder den nämlichen Prozeß hervorruft, welchen das
Licht in der ganzen Schöpfung bewirkt. [Sg.01_025,45]
Euer Seh-Organ ist einer von jenen Vermittlern, welche die Seele mit und
durch das Sichtbare zum Geistigen und Unsichtbaren erheben. [Sg.01_025,46]
Daher das Sprichwort bei euch: „Das Auge ist der Spiegel der Seele“. Ja, in
eben dem Grade, wie auf eurem Auge von außen sich die unendliche materielle
Welt abspiegelt, in demselben Maße leuchtet eure geistige Welt durch dieses
hindurch hervor. [Sg.01_025,47]
Was ihr unbewußt aus weiter Ferne durch Sternen- und Sonnenlicht empfanget,
das strahlt wieder vergeistigt aus dem kleinen Sehapparate heraus und
verbindet so unendliche Welten als Materie mit unendlichen Geistern in
Materie gekleidet. [Sg.01_025,48]
Licht, materielles, erweckt Licht, geistiges. Das Licht zeigt euch Meine
Schöpfung in ihren wunderbaren Reizen, um geistiges Licht in euch zu wecken.
– [Sg.01_025,49]
„Es werde Licht!“ so scholl es einst in alle weiten Räume und „es werde
Licht!“ so will Ich auch in eure Herzen rufen. [Sg.01_025,50]
Ja, es werde Licht – in eurem Ich! damit ihr Mich, Meine Schöpfung und Meine
Liebe erkennen möget, damit ihr begreifen und verstehen möget, daß Licht,
gleichbedeutend mit Liebe und Weisheit vereint, das ganze Weltall belebt, in
ungeheuren Schwingungen alle Atome erhält, und dieses Erzittern nicht ein
schmerzliches, sondern ein wonnevolles ist. [Sg.01_025,51]
Licht werde es in eurem Gemüt! Wärme entwickle sich in euren Herzen! und so
werden auch – wie in Meiner Schöpfung durch Licht Meine Gedanken, so in eurem
Schalten und Walten eure Handlungen sichtbar werden, welche ebenso wie Meine
Schöpfungen den Stempel der Liebe, den Stempel der Weisheit tragen sollten! [Sg.01_025,52]
Fühlet euch erhoben, Meine Kinder, wenn ihr die Welt um euch erblickt in
rosigem Morgenschimmer oder wenn am nächtlichen Himmel euch Millionen Sterne
und ferne Welten den „Gruß der Weihe“ senden! [Sg.01_025,53]
Trachtet euch einzuweihen in Meine Schöpfungsgeheimnisse! Lernet das große
Buch Meines Universums, Meiner Lichtwelt verstehen, damit es auch in euch
Licht werde und ihr sowohl im Lichtstrahl einer entfernten Welt, wie im Lichtstrahl,
der an einem Tautropfen glänzt, die nämliche Liebe und die nämliche Weisheit
erkennen möget, welche einst den schlummernden Elementen zurief: „Es werde!“
und um den geschaffenen Wesen den Genuß des Bewußtseins zu verstärken, das
„Licht“ dazu setzte. Licht, ja Licht! unendliches, großes, geistiges,
leuchtet euch aus allem entgegen. Licht ist's, wonach der kaum geborene
Säugling strebt, und Licht, geistiges, ewiges ist es, welches trotz aller
Schranken des Todes noch durch Sargdeckel schimmert, wo es klar bewiesen sein
wird, daß ein Gott, ein Vater, der die Welt, das ganze Universum so mit
Wundern ausstattete, der so alles in Lichtformen und Lichtkleider webte, auch
noch am Ende der materiellen Zersetzung eines Geistergewandes stets wieder
Licht verbreiten wird – nur insofern verschieden, daß während des Lebens viel
materielles, geringes geistiges, dann nach Abfall der materiellen Hülle kein
materielles, aber desto mehr geistiges Licht euch leuchten, euch führen soll
zu dem Urquell, aus welchem alle Lichtbündel vor Äonen von Zeiträumen
ausströmten und zu welchem alle Lichtstrahlen, sowohl die geistigen als
materiellen, wieder zurückkehren müssen. [Sg.01_025,54]
„Licht!“ Meine Kinder, „Licht!“ so wird euer Ruf einst ertönen, wie bei
verirrten Schiffern auf hoher See nach langem Sehnen der Ruf: „Land! Land!“
ertönt. Wie dort dann alles freudig sich umarmt, da man des Reisens Ziel
entdeckt, so wird einst nach Abschluß dieses Lebens in euch der Ruf ertönen
nach Licht, wenn ihr in andere Verhältnisse, andere Räume gelangen werdet, wo
euer materielles Sonnenlicht hier auf Erden nur wie finstere Straßenlaternen
leuchten wird im Vergleich des Liebelichts, das in jenen Räumen strahlt, wo
vergeistigte Geschöpfe sich ihres Sieges über die Materie erfreuen! [Sg.01_025,55]
Um euch an dieses Licht zu gewöhnen, das jetzt schon, wenngleich spärlich,
aber bei manchen schon im irdischen Leben leuchtet, um euch den Weg dazu zu
erleuchten, um euch das geistige Licht, den großen Faktor Meiner Schöpfung
kennenzulehren, scheue Ich keine Mühe, auch in eure Seelen hineinzurufen: „Es
werde Licht!“ [Sg.01_025,56]
Schauet die Natur, schauet die Welten, die Gestirne, selbst eure Sonne an –
alle zeugen vom geistigen, ewigen Licht, vom Licht, das aus Mir ausgehend
Wärme und Liebe verbreitet, wo es auftritt. [Sg.01_025,57]
Lasset es ein in euer Herz! Erkennet aus den Gegenständen, welche mit
materiellem Licht erleuchtet sind, das Geistige, was aus diesen sichtbaren Zeugen
Meiner Macht und Meiner Liebe euch zuruft: [Sg.01_025,58]
„Vom Lichte der Sonne beleuchtet erfreuen wir uns unserer Existenz, alles
jubelt, zittert, vibriert, sei es in stummer Farbenpracht, sei es in hellem
Lobgesange. Lasset auch ihr euch erwecken, o ihr Lieblinge eines Gottes und
eines liebenden Vaters! Erkennet aus uns nur durch sichtbares Licht Lebenden
das geistige, in euch selbst liegende Gotteslicht, erkennet die Kette oder
das sanfte Band, welche alles verbindet und von der weit entfernten
Geisterwelt herabeilend in Form des Gedankens, dann von den letzten Weltallen
als materielles Licht euch den Geistergruß vermaterialisiert als Lichtstrahl
bis zu eurem Auge bringt, der euch kundgeben soll, daß es nur einen Gott,
einen Schöpfer – aber auch nur einen liebenden Vater gibt, der Geistiges
durch Materielles verwirklichend auch dem letzten Tierchen nicht versagt,
welches im Staube seine Wege fortkriecht, und auch euch, ihr Ebenbilder
Seiner eigenen Macht, zu Lichtträgern, zu Verbreitern geistigen Lichtes
machen will! Um aber dieses zu werden, müsset ihr selbst vorerst recht
verstehen, was Licht, was materielles, was geistiges Licht ist; nur dann
könnet ihr auch andern mitteilen, was in euch lebt!“ [Sg.01_025,59]
So redet die ganze Natur, so rede Ich zu euch, damit ihr begreift, daß
„Licht“ gleichbedeutend mit „Erkennen“ ist, entsprechend dem Bewußtsein: Ich
bin nicht von dieser, bin von einer andern Welt, bin kein Erden-, sondern ein
Himmelsbürger, nur hierhergestellt, um Meine Fakultäten zu üben, die da oben
im ewigen Licht allein nur „gang und gäbe“ sind! [Sg.01_025,60]
Daher lasset das Licht durch euer körperliches Auge eindringen, euch das
geistige innere erwecken, damit ihr begreifet Meine Liebe, welche so viele
Worte verschwendet, um ein kleines geistiges Flämmchen in euren Herzen anzuzünden
– während sie mit einem Machtwort Sonnen von ungeheuren Größen angezündet
hat, die zwar materiell des Wunderbaren in Unmasse haben, aber doch nicht mit
dem einzigen sich selbstbewußten Gottesfunken verglichen werden können,
welcher mitten in der Schöpfung stehend ausrufen kann, während aus Myriaden
Welten die Lichtstrahlen auf sein Auge fallen: [Sg.01_025,61]
„Ich bin erkoren, ein Kind eures Schöpfers zu werden, für mich geschah es, daß
Er Sein Leben einst hingab, dort verleugnete Er Sein geistiges Licht, um in
meinem Herzen das Fünkchen anzuzünden, das, ein Ableger von Ihm, geläutert
und verklärt einst Ihm wieder zurückgegeben werden soll!“ [Sg.01_025,62]
So werde es Licht in euren Herzen! Jede dunkle Stelle, jeder Zweifel, jede
Schattenseite soll verschwinden; denn wo Ich einst wohnen soll, da muß es
licht werden – Licht ist Wahrheit, Licht ist Liebe! Licht ist Wärme oder
Begeisterung fürs Göttliche! Diese Eigenschaften sollet ihr euch aneignen,
Licht muß es werden in euch! Und dazu soll auch dieses Wort wieder beitragen,
euch zu zeigen, wie selbst in wissenschaftlichen Entdeckungen und Forschungen
nur geistiges Licht verborgen ist, welches aber nur dem zuteil wird, der
inmitten materieller oder chemischer Prozesse doch nur ersteres als notwendig
erkennt, um Geistiges zu erfassen! [Sg.01_025,63]
Wenn der Sterbende auf dem Totenbett liegt und öfter ausruft: „Licht!
Licht!“, weil seine Sinne nach und nach sich verdunkeln und schwächer werden,
so ist es veranlaßt in dem Drange, weil „Licht“ auch „Leben“ bedeutet. [Sg.01_025,64]
Jetzt, wo ihr ebenfalls auch im Scheidungsprozeß vom Materiellen zum
Geistigen begriffen seid; jetzt entsteht auch in euch oft der Ruf: „Licht!
Licht! geistiges Licht!“ Hier gebe ich es euch, nehmet es auf in eure Herzen! [Sg.01_025,65]
Lasset dort die Sonne der geistigen Wahrheit scheinen, damit auch sie dort
verkehre was finster in Lichtes, damit das Liebe-, das Gnadenlicht Meiner
Worte euch erwärme und belebe und ihr in jedem Wort von Mir nur Zeichen
erkennen möget, wie sehr es Mir daran gelegen ist, euch zu Lichtträgern, zu
Kindern des Lichtes zu erziehen, nachdem leider eben jetzt so viele Kinder
der Finsternis ihr Wesen auf dieser Erde treiben. [Sg.01_025,66]
Licht, Welten-, Sonnen- und Sternen-Licht, es ist alles nur immer das
nämliche – es ist der große Strom des geistigen Liebe-Lichtes, das in großen
Massen große Welten dort belebt und kleine Geister zur Vervollkommnung
treibt. [Sg.01_025,67]
Es ist dasselbe Licht, welches aus weiter Ferne herstrahlend Ähnliches im
Sehorgan des lebenden Wesens erweckt und durch Materielles Geistiges hervorruft!
So wird die Materie vergeistigt, und so kehrt die Materie zu Mir einst
zurück, von Dem sie ausgegangen ist. [Sg.01_025,68]
Licht in den unermeßlichen Räumen verbreitend, erfüllt dieser materielle
Glanz durch die Strahlenbrechung in Farben, was das geistige Licht im Worte
bewirkt. [Sg.01_025,69]
Mein Licht macht Stoffe vibrieren und Mein Wort Geister erzittern! [Sg.01_025,70]
So ist die Vibration der Licht- und Wärme-Erzeuger, Verbreiter und
Vervollkommner, und Mein Wort der Anreger zu guten Gedanken, Entschlüssen und
gesegneten Handlungen. [Sg.01_025,71]
Daher befleißiget euch in eurem Pilgerleben, soviel geistiges Licht ausstrahlen
zu lassen, als die Umstände es erlauben, damit ihr als kleine Menschen auf
eurem kleinen Erdball das nämliche vollführet, was Ich im großen Universum
tue! [Sg.01_025,72]
Dort bin Ich der große Lichtverbreiter, und das sollet ihr hier im Kleinen werden!
Aber um zu schimmern und Licht zu verbreiten, muß man desselben mehr, als
sein eigener Bedarf erheischt, besitzen! [Sg.01_025,73]
Daher trachtet das Geisteslicht in Fülle aus Meinen Worten zu ziehen und daß,
wenngleich ihr anderen davon mitteilet, euch doch noch zum Selbst-Fortschritt
genug übrigbleibt! [Sg.01_025,74]
Dieses ist der Zweck Meiner Worte, der Zweck Meiner direkten Eingabe an
einzelne, um wo möglich noch Licht zu verbreiten, ehe die ganze moralische
Finsternis eintritt, welche leider schon mehr als Dreivierteile der lebenden
Menschheit in ihren Armen verschlungen hält und sie dem ewigen geistigen Tode
zuführen will! [Sg.01_025,75]
Noch fließt euch die Quelle Meiner direkten Mitteilung, noch habt ihr Worte
über Worte des Trostes, der Liebe, der Aufklärung und des Gnadenlichtes, allein,
es könnte sich auch ereignen, daß euch diese Quelle ihren Dienst versagt, und
dann wird es bei weitem schwerer sein, sich Licht zu verschaffen, da ihr bei
einer solchen Masse von Licht nicht sehen wolltet. [Sg.01_025,76]
Nicht Neugierde, sondern Wißbegierde nach göttlichen Dingen soll euch
beseelen; denn je mehr ihr wisset, desto mehr Licht ist in eurem Innern; und
je finsterer es von außen wird, desto mehr bedarf ein jeder seine eigene
geistige Leuchte! [Sg.01_025,77]
Also – wachet und betet! auf daß ihr nicht – dem Schlafe der Finsternis
anheimfallet! Das Tageslicht macht euch so manches weniger schrecklich, was
bei Nacht in eurer Phantasie zu riesengroßen Formen anwächst; und geistiges
Licht läßt euch auch die kommenden Ereignisse weniger schrecklich fühlen:
denn das Licht in euch ist das Gnadenlicht von Mir, das – je mehr das
Welt-Licht sich verdunkelt, desto schöner leuchtet! [Sg.01_025,78]
Ich müßte nicht ein allmächtiger Gott sein, wenn nicht Mein Licht über alle
Finsternis herrschen könnte! [Sg.01_025,79]
Vertrauet euch nur Meiner Führung, Meinem geistigen Lichte an, und ihr werdet
in Bälde ersehen, daß Mein geistiges Licht der Liebe und der Gnade euch
führen, euch leiten wird, das zu werden, zu was Ich euch alle erschaffen habe
und jetzt erziehen will, das heißt: zu reifen Bewohnern einer Geisterwelt, wo
Schatten und Finsternis fehlen und nur das ewige Licht der Liebe euch
leuchten und euch zu eurem liebenden Vater führen soll! Amen. 26. Kapitel – Ein Blick in den Orion, Sirius und die Plejaden, I. 2. Dezember 1875 [Sg.01_026,01]
Vor einigen Tagen, als du in später nächtlicher Stunde die Fenster deines
Zimmers schließen wolltest, sandtest du einen Blick nach dem Sternbild, das
bei euch unter dem Namen „Orion“ bekannt ist, neben welchem in kurzer
Entfernung der Sirius sein helles Licht dir entgegenwarf und auf der andern
Seite das sogenannte „Siebengestirn“ oder „die Plejaden“ dich an deine Jugend
erinnerten, wo du im Militär-Erziehungshause (oder „Kadetten-Schule“) oft in
den winterlichen Abenden diese Sterne mit einem ahnungsvollen Gefühl
betrachtetest, ohne zu wissen, was sie sind, woher ihr Licht stammt und wie
sie in jenen Räumen frei im Äther stets in derselben Entfernung voneinander
sich zeigen. [Sg.01_026,02]
Die Zeiten und Jahre verrannen, mancher Winter strich über dein Haupt dahin
mit seinen Freuden und Leiden, und jetzt, beinahe am Ende deiner irdischen
Laufbahn, sandtest du wieder einen Blick nach diesen Sternbildern, und wenn
einst nur Ahnung deine Seele schwellte, so hat jetzt ein geistiger Blick dir
zum Teil eröffnet, was du als Jüngling nie hättest begreifen können! [Sg.01_026,03]
So, Mein Sohn, reift der Jüngling zum Manne und der Mann zum Greise, so
wechseln Ideen und Begriffe, je nach den Lebenserfahrungen und der intellektuellen
Bildung; so reift von dem einst gelegten Samen nach und nach die Blüte und
Frucht, und so wird von Mir so mancher Mensch nach und nach zum Übergang ins
Geisterreich, zur Vorbereitung für höhere Missionen erzogen. [Sg.01_026,04]
So erging es auch dir: durch viele Widerwärtigkeiten geschult, lerntest du
nach und nach „ertragen“ (dulden), lerntest du die Demut und Sanftmut ausüben,
lerntest du den Weg erkennen und gehen, der allein zu Mir führt, und so
stehst du jetzt als Greis oder gereifter Mann wieder vor einem Stück Meiner
Schöpfung, vor einem Sternbild, und erkennst in diesen leuchtenden Welten den
großen und mächtigen Geist, Der solche ungeheure Massen frei im Raume
erhaltend ruhig ihre Wege führt; und es mögen noch Tausende und Tausende von
Jahren vergehen, so werden sie den Einwohnern noch immer als das erscheinen,
was sie jetzt sind: flimmernde Sternchen am dunklen nächtlichen Horizont. [Sg.01_026,05]
Du und das ganze Menschengeschlecht mit eurer kurzen Lebensdauer, was seid
ihr gegen solche Welten! was eure Erde gegen einen solchen Stern nur! Selbst
eure Sonne, die doch beinahe hundertmal größeren Durchmesser als eure Erde
hat, selbst diese ist gegen den Sirius oder einen Stern im Orion ein Sandkorn
nur; was seid dann ihr erst im Vergleich mit den Bewohnern, die jene Sterne
bevölkern! An körperlicher Größe wohl ebenfalls nur sehr unbedeutend, kaum
sichtbar; aber an Geist doch mehr als sie. [Sg.01_026,06]
Würde Ich euch diese Welt schildern, ihre Oberfläche, Vegetation, Formation
und ihr Licht, ihr würdet zusammensinken in ein Nichts vor der Pracht und
Herrlichkeit dieser Schöpfungen und würdet dann erst so recht einsehen, was
der Menschenstolz eigentlich wert ist, der hier auf Erden manchen so sehr
aufbläht. [Sg.01_026,07]
Allein diese Erklärungen würden höchstens eure Neugier befriedigen; aber
moralisch geistig euch nicht weiter befördern (voranbringen), da ihr eben als
geistige Menschen Mich auch im Kleinsten erkennen solltet, und es nicht nötig
noch angemessen ist, eure Einbildungskraft durch Aufzeichnen von Schöpfungen
zu erdrücken, wovon ihr trotz des Erklärens nicht den zehnten Teil fassen
oder begreifen könntet; denn ihr müsset stets bedenken, daß ihr Menschen seid
und über euren Horizont hinaus alles andere euch schwer begreiflich sein muß. [Sg.01_026,08]
So viel sage ich euch nur, daß diese Sterne, welche für euch das Sternbild
des Orion bilden, von ungeheurer Größe sind, und daß eine Masse von anderen
Welten um jeden dieser Sterne sich bewegen; und daß der Sirius, als der für
euch nächste Fixstern, eben jene Sonne ist, um welche euer ganzes
Sonnensystem seine Bahn beschreiben muß, daß – während eure Sonne
Hunderttausende von Meilen im Durchmesser hat – der Durchmesser des Sirius
nach Millionen von Meilen gemessen werden muß. [Sg.01_026,09]
Aus diesem könnt ihr folgerecht schließen, daß auf diesen Welten alles so
eingerichtet sein muß, daß das nötige Verhältnis zwischen Tier- und Pflanzenwelt
auch menschliche Geschöpfe bedingt, die über eure Fassung hinausgehen. [Sg.01_026,10]
Nebenbei muß Ich noch bemerken, daß der Sirius, wie ihr ihn nennt, bei weitem
euch näher steht als der Orion, der Millionen Meilen weit von ihm, und das
Siebengestirn, ein Sternenkomplex von mehr als fünfhundert Sonnen, noch weiter
hinter ihm in seiner Herrlichkeit prangt. – [Sg.01_026,11]
Von dem großen „Nebel im Orion“ will Ich gar nicht reden, denn dieser ist ja
so nur eine ganze großartige Hülsenglobe, die nur im nächtlichen Dunkel
zwischen den Sternen des Orion hindurch nach vielen tausend Jahren erst (das
heißt so lange braucht das Licht) ihr herrliches Licht euch sendet! [Sg.01_026,12]
Sehet, in diesem Sternbild des Orion allein steht vor euch ein kleines Stück
Meiner Schöpfung, wovon der erste Stern, der Sirius, in nächster Wechselwirkung
mit eurem Sonnen-System und demgemäß mit euch selbst steht. [Sg.01_026,13]
Der Orion, scheinbar hinter ihm stehend, zeigt euch in regelmäßigen Linien
ein Sternbild, das ebenfalls durch gegenseitige Anziehungskraft auf ungeheure
Entfernung verbunden euch stets das nämliche Bild zeigt, und dann die
Plejaden, eine kleine Hülsenglobe in einer anderen großen euch in noch
weitere Entfernungen führt, und endlich der Nebel im Orion euch an Distanzen
mahnt, wo eure Zahlenrechnung schon längst keine Ziffern mehr hat, sie nur annäherungsweise
auszudrücken! [Sg.01_026,14]
Und glaubt ihr vielleicht, daß dort, wo dieser Nebel sich zu Sternenkomplexen
gestaltet, schon das Ende Meiner Schöpfung sei? Mitnichten! Weit noch hinter
ihm schweben Welten im freien Raum, deren Licht seit Erschaffung der Erde
noch nicht zu euren Augen dringen konnte; und wenn es auch einst geschieht,
sie den Erdbewohnern mit den schärfsten Fernrohren kaum sichtbar sein werden. [Sg.01_026,15]
Noch lange nicht ist dort der Markstein Meiner materiellen Schöpfung gesetzt,
weiter und weiter geht es, von Nebelflecken zu Nebelflecken, sich bildend,
sich vervollkommnend, sich auflösend. [Sg.01_026,16]
Dort in jenen Räumen ist selbst euer Maß der Zeit nicht mehr möglich, denn
was ist euer Jahr! Schon Moses sagte euch, „bei Mir seien tausend Jahre wie
bei euch nur ein Tag“, und Ich setze hinzu – selbst diese tausend Jahre sind
noch zu klein für eine Zeitrechnung Meiner Schöpfung! – [Sg.01_026,17]
So, Mein Sohn, durchdrang dein Auge jene Sternbilder mit geistigem Blick,
durchflog die unermeßlichen Räume eben wie der Gedanke, erkannte in jener
stufenweisen Entfernung die langsam fortschreitende Bahn, wie die Materie vom
Grob-Gebundenen zum Feineren, vom Seelischen zum Geistigen, vom Geistigen zum
Göttlichen sich fort erstreckt – dein geistiger Blick umfaßte in diesem
Sternbild Meine Allmacht, Meine Größe und Meine Liebe; denn das nämliche
Leben, das dein langsam pulsierendes Herz in rascheren Schlägen bewegte, das
nämliche Leben blickte dir im Flimmern solcher entfernter Welten entgegen. [Sg.01_026,18]
Du erkanntest im Lichte den Träger des Lebens, aber auch den Grund der Liebe,
denn ohne Licht wäre kein Leben und ohne Leben kein Denkvermögen. Um die
Wunder eines liebenden Vaters zu begreifen, muß man sie erst sehen können,
welches Sehen zum Fühlen und alsdann zum Fassen leitet. [Sg.01_026,19]
So war für dich das Flimmern des Sternenlichtes ein Liebes-Geflüster deines
Vaters, und du erinnertest dich an deine Jugendjahre, wo du manchmal jene
schönen Sterne fragend anblicktest und gleichsam ihnen sagen wolltest: „Was
seid ihr, liebliche Lichter, am dunklen Horizont der Welt? Tausende von
Jahren der Erde vergingen, und so manche Generation verging und wußte das
ebensowenig wie ich, und Tausende von Erdjahren hindurch noch werden euch
ihre Bewohner winters im Osten aufsteigen sehen und es ebensowenig wissen wie
alle ihre Vorgänger! Unlüftbarer Schleier! Nichts als Ahnungen und nicht ein
Zollbreit Gewißheit!“ [Sg.01_026,20]
So dachtest du oft, wenn diese Sterne jeden Winter wieder am Horizonte
standen, und beinahe siebzig Jahre mußten vergehen, ehe du begreifen und
fassen konntest, was Ich euch andeutete, wenn Ich sagte: „In Meines Vaters
Hause sind viele Wohnungen!“ [Sg.01_026,21]
Jetzt weißt du mehr als damals, jetzt kannst du auch mehr ahnen, mehr fassen,
aber auch deinen Schöpfer, deinen Vater mehr lieben als damals; denn jetzt
weißt du sicherer, was du einst nur in Ahnung suchen wolltest. [Sg.01_026,22]
Du weißt auch noch mehr, nämlich daß hinter dieser großen materiellen Welt
eine noch größere Geisterwelt ist, daß diese Geisterwelt sogar bis in deine
Nähe reichend dich umgibt und daß du dort schon Freunde hast, die deiner mit
Sehnsucht warten, und daß, wenn du auch mit deinem Verstande eine
Unendlichkeit der materiellen Welt begreifen könntest, du jetzt auch mit
deinem Herzen eine Unendlichkeit des menschlichen Geistes fühlst, die dir
beweist, daß wenn all diese Welten in Äonen von Jahren vergangen oder
verwandelt sein werden, du immer doch ein Zeuge ihrer gesetzmäßigen Revolutionen
und Umgestaltungen sein wirst. [Sg.01_026,23]
Du hast aus allem ersehen und begriffen, daß neben diesem Heer von Welten ein
großer mächtiger Schöpfer ist, der liebend als Vater neben diesen großen
Schöpfungen auch die kleinsten Wesen nicht vergißt und im großen wie im
kleinen stets der Gleiche ist, daß Liebe Seine Haupteigenschaft, daß Liebe
der Grund ist, warum Er solche Welten schuf, daß Liebe der Faktor ist, der
alles Materielle zum Geistigen drängt, daß Liebe nur allein dann als Leben
betrachtet werden kann, wenn das kleinste Wesen denselben Trieben folgt,
welche den Schöpfer bewogen, die ganze Welt zu erschaffen! [Sg.01_026,24]
Der kaltberechnende Verstand mag hundertmal die Distanzen der Welt abmessen,
soweit es seine Instrumente und seine Rechenwissenschaft erlauben, und noch
umkreisende Planeten entdecken, die alle nur einem Gesetz gehorchen; aber
kein einziger Liebes-Gedanke wird sein Herz erwärmen, er wird vor den Welten,
ihren Entfernungen erstaunen; aber vor Bewunderung und heiliger Begeisterung
sinkt nur das liebende Herz nieder, welches erkennt, wie mitten durch alle Materie,
mitten durch alle leuchtenden Welten und Sonnen nur der Liebe Strahl allein
erwärmen kann! [Sg.01_026,25]
Was ist eure ganze Astronomie? Ein kaltes Aufzählen der Sterne, ihrer Bahnen,
und höchstens ihres verschiedenen Lichtes – allein dieses alles gibt euch
noch nicht den Schlüssel zu Meiner Schöpfung: [Sg.01_026,26]
Wenn ihr Gesetze entdeckt, so vergesset den Gesetzgeber nicht, Er kann euch
erst das Geschaffene wert machen! [Sg.01_026,27]
Wenn Er aus Liebe erschuf, so muß ja ebenfalls wieder „die Liebe“ zuerst es
sein, die den Strahl der Liebe aufsaugt und, ihn erwidernd, ihr wieder zurückgeben
kann. [Sg.01_026,28]
So war dein geistiger Blick in das Sternbild des Orion, du sahst in ihm dein
ganzes Leben, deine Mission, deine künftige Bestimmung, es leuchtete dir aus
allen flimmernden Strahlen dieser Sterne die Liebe deines Vaters entgegen,
vor Dem du hättest niedersinken mögen und ausrufen: „Was bin ich, o Herr, daß
Du meiner gedenkest!“ [Sg.01_026,29]
Und Ich antwortete dir: „Steh auf, Mein Kind! Ich kenne dein Herz und weiß,
was du sagen willst; deine Sprache hat keine Worte, sie ist irdisches Produkt,
mit welchem du überirdische Gefühle nicht ausdrücken kannst.“ Beruhige dich,
und harre aus auf dem Posten, auf welchen Ich dich gestellt habe; nicht lange
mehr wird es währen und du wirst diese unermeßlichen Räume mit den geistigen
Augen bemessen und begreifen lernen, wirst überall in und auf allen Welten stets
deinen Vater finden, der liebend alles geordnet hat, alles weiter führt und
alles beseligend um sich vereinigen will. [Sg.01_026,30]
Laß nur das Licht der fernen Welten auf deine Augen einfallen, laß es in dir
diese angenehme Regung hervorbringen, die alle Herzen friedlich stimmt; wisse
– das Licht aus allen Sternen ist Liebe-Licht! ist reines geistiges Fluidum,
noch nicht verunreinigt mit Grob-Materiellem – es ist geistiges Leben,
verwandelt in die feinsten Stoffe des Schöpfungsraumes. So wie deine Sonne
der Träger allen Lebens auf deiner kleinen Erde ist, ebenso das Licht der
Sterne, obwohl von weit herkommend, stets ein Träger jener geistigen
Potenzen, die in dir und euch allen Menschen dasjenige ergänzen müssen, was
eure Sonne nicht zu bringen vermag. [Sg.01_026,31]
So regte in dir das Licht des Sternbildes des Orion, des Sirius und der
Plejaden die zarten Fäden deines Herzens an; das Licht aus jenen Welten als
Liebelicht war deinen Gefühlen geistig verwandt, und so entstand jener
geistige Fernblick in die Räume, wo das Zählen aufhört und selbst die Geschwindigkeit
des Lichtes zur Null wird. [Sg.01_026,32]
Verwandtes vereinigte sich mit Ähnlichem, und so verstandest du die Sprache
eines Lichtstrahls, der von Millionen Meilen weit her dir das nämliche sagte,
was dir das winzige Staubkörnchen ebenfalls predigt, das heißt: „Gott ist die
Liebe!“ [Sg.01_026,33]
So wird es jedem ergehen, wenn er mit rein-kindlichem Gemüt zu seinem Vater
und Seiner Schöpfung den Blick erhebt. Meine Schöpfung und Mich zu begreifen,
ist nicht Verstandessache, es ist Sache des Herzens, des Gefühls! [Sg.01_026,34]
Die Gefühls-Sprache kennet ihr nicht, ihr ahnet sie nur; aber in anderen
geistigen Verhältnissen wird auch diese Sprache dem geistigen Menschen verständlich
werden; denn er muß sie ja haben, wenn sie sein eigener Stufengang von Gefühl
zu Gefühl, von Seligkeit zu Seligkeit sein soll! [Sg.01_026,35]
Glaubst du denn, diese Seligkeiten, man ertrage sie alle so ganz allein und
stumm! – ? – – – – Nein – nur durch Mitteilung an andere genießt man ganz; so
genieße Ich durch die Freude Meiner Kinder, und so müssen auch sie eine
Ausdrucksweise haben, sie kundzutun. [Sg.01_026,36]
In einzelnen Momenten eures Lebens fühlt ihr, daß solch eine Sprache existiert;
aber ihr fühlt zu gleicher Zeit, daß ihr derselben nicht mächtig seid! [Sg.01_026,37]
Eben deswegen gebe Ich auch dir den Ausdruck eines einzigen Momentes
geistiger Erhebung in so vielen Worten, damit auch andere fassen mögen, was
ein gefühlvolles Herz in einem Moment empfinden kann, um auch andere anzuregen,
Meine Natur doch nicht gar so geistlos zu betrachten, sondern damit sie sich
daran gewöhnen sollten, die materiellen Eindrücke von sich zu entfernen, und
wenn sie doch wirken, sie geistig zu übersetzen; – – – denn die Menschen sind
Geister, und Geistiges ist ihre erste Nahrung, und die Geisterwelt am Ende
ihr längster Aufenthalt. [Sg.01_026,38]
Wie viele Tausende gehen abends gedankenlos unter Meinem Sternenzelte hin, es
keines einzigen Blickes würdigend schleichen sie in ihre kalten vier Mauern,
rein dem tierischen Bedürfnisse nachjagend, um im Schlafe sich, Mich und
Meine Welt zu vergessen. [Sg.01_026,39]
Das Reich der Unendlichkeit, über ihren Häuptern ausgebreitet, ist als nicht
daseiend betrachtet, das Reich unter ihnen ein verschlossenes Buch; so
wandeln sie zwischen zwei Wunderschöpfungen, wo selbst ihre eigene Existenz
für sie ein Rätsel ist. So gehen sie Tag für Tag der Auflösung, der
Verwandlung entgegen; kamen in die Welt, wußten nicht warum, und gehen wieder
aus ihr fort, ohne nur ein Haarbreit gescheiter geworden zu sein! [Sg.01_026,40]
O armes Menschengeschlecht! wie wird es dir in der andern Welt ergehen? wenn
ihr in jene nicht hineinpasset und in diese nicht zurückkönnet! – ! – [Sg.01_026,41]
Allein so ist es, frei sind sie, und so sollen sie genießen, was sie sich
selbst geschaffen haben. [Sg.01_026,42]
Wer Tier sein will, der bleibe Tier; und wer Geist werden will, der werde es
und erfahre schon im irdischen Leben, in einzelnen Momenten, daß die
sichtbare Welt ganz etwas anderes ist als sie scheint; und daß über ihr und
inmitten derselben noch ein geistiges Reich ist, welches kein Ende hat und
keinen Anfang und wo als Mittelpunkt alles Geschaffenen Ich als Vater, als
personifizierte Liebe allen mit Liebe entgegenkomme und sie schon öfter
selbst im irdischen Leben fühlen lasse, was eigentlich erst im Geisterreich
seinen ganzen Ausdruck finden wird. [Sg.01_026,43]
So war es auch bei dir, Mein Sohn, so möchte Ich es bei allen Meinen Kindern
wissen, so nur erlangen sie alle, was sie sehnlichst suchen: Ruhe und Trost
im Erdenleben und noch geistigen Genuß in der Geisterwelt! [Sg.01_026,44]
So erzielen sie einen regelmäßigen Fortschritt und so können sie sich die
Stunden geistiger Erhebung öfter wiederholen, bis in der andern Welt sie
bleibend ihr Leben ausmachen werden. [Sg.01_026,45]
Immer predige Ich: Erhebet euch vom Schlamme des irdischen Lebens! Es ist
umsonst, nie werdet ihr in seinen Genüssen dasjenige finden, was ihr sucht.
Geister seid ihr, und geistig sollet ihr genießen lernen. [Sg.01_026,46]
Selbst das Materiellste hat geistige Seiten, und wer noch nicht soweit
gekommen ist, allem einen geistigen Anstrich zu geben, aus allem geistigen
Gewinn zu ziehen, der ist noch weit weg von dem Ziel, welches er als Mensch
hier auf Erden erreichen sollte, worauf er dann das andere, höhere im
Jenseits erst erreichen kann. [Sg.01_026,47]
Alles, was euch umgibt, sind Wunder; ihr selbst, eure körperliche und
geistige Organisation, überall ist Materielles nur die Unterlage eines allgemeinen
großen Geisterreiches! [Sg.01_026,48]
Was ist Leben?! Was ist Licht?! Was ist Wärme, was Magnetismus, was
Elektrizität?! usw. – lauter Fragen, die Ich euch zur Genüge schon beantwortet
habe, und doch schleicht ihr wie Blinde in diesem Garten voll herrlicher
Produkte einer göttlichen Liebe herum, den Kopf tief gebeugt, vergesset ob
eurer materiellen Bedürfnisse eure geistige Mission, eure geistige
Ausbildung. [Sg.01_026,49]
O verdorbenes Menschengeschlecht, was wirst du dir für bittere Erfahrungen
selbst bereiten! Mein Auge sah es längst voraus, doch aufhalten kann Ich es
nicht; und so muß Ich Mich mit den wenigen zufrieden geben, welche, obwohl
erst nach harten Prüfungen, Meine Stimme hören und nicht so gedankenlos
dahinwandeln wollen, da die Zeit des Wandelns kurz und das Ziel fern ist! [Sg.01_026,50]
Daher beherzigt auch dieses Wort! Es war zwar im Anfang nur an Meinen
Schreiber allein gerichtet; aber alles, was Ich sage, ist und muß Gemeingut
werden. Und so möge dieser Blick eines einzigen die Augen vieler eröffnen,
auf daß sie alle erkennen mögen, was ihnen zu Gebote steht (wenn sie nur
ernstlich wollen), um sich in diesem Prüfungsleben schon Genüsse zu bereiten,
die erst die wahre Deutung finden werden in jenem Leben, wo die Zeit ein
anderes Maß, das Maß der Ewigkeit angenommen, unendlichen Geistern auch
unendliche Freuden bieten kann! – Amen. 27. Kapitel – Blick in den Orion u. a., II. 21. Dezember 1875 [Sg.01_027,01]
Im letzten Wort führte Ich dich hinaus in jene Fernen, von wo nach
Jahrtausenden erst ein Lichtstrahl zu euch dringt, zeigte dir in einem
Sternbild ein kleines Stück Meiner unendlichen Schöpfung, zeigte dir die
großen Weltensonnen, die in Nebelflecken zusammengeschart dort ein Reich des
Glanzes und der Farbenpracht bilden, wovon keine menschliche Phantasie sich
einen Begriff machen kann, noch je ein festgeformtes Bild davon zustande
bringen wird. [Sg.01_027,02]
Ich sagte dir, wie viele Wunder Ich im Raume hingestellt habe, nur um für die
Geister, die Mich lieben und erkennen, Seligkeiten vorzubereiten, welche sie
nach erfolgtem Sieg als eine geeignete Belohnung für ihr kampf- und sorgenvolles
Leben erhalten und genießen sollen. [Sg.01_027,03]
Ich bewies dir durch Aufzählung aller dich selbst umgebenden Wunder, durch
die Organisation deines und jedes fühlenden Wesens von Mir euch geschenkten
Körpers, wie weit ihr alle entfernt seid trotz aller Worte und faktischen
Beweise, euren eigenen geistigen Standpunkt zu erkennen. [Sg.01_027,04]
Ich sagte dir, wie die meisten deiner Brüder und Schwestern stumpf und
nichtsdenkend oft unter Meinem gestirnten Himmelszelt dahingehen, ohne im
mindesten zu ahnen, geschweige zu wissen, was sich über ihren Häuptern
ausbreitet und wieviel Lehrreiches dort zu lesen wäre, wenn sie fähig wären,
diese großen Schriftzüge Meiner ewigen Liebe zu entziffern! [Sg.01_027,05]
Ich ließ dich beim letzten Wort all die Größe Meiner Schöpfung ahnen und
deine eigene Ohnmacht daneben fühlen; Ich sprach Mahn- und Trostworte zu dir
und zu allen, und doch ist es nicht genug, was Ich über diesen Geistesblick
sagte, welchen du in Meine Schöpfung getan hast. – [Sg.01_027,06]
Noch bleibt viel, ja sehr viel zu sagen übrig, ehe es auch andern
verständlich wird, was dieser große Ätherraum ist, welcher sich über ihren
Häuptern zu wölben scheint, und was der Mensch inmitten dieses unendlichen
unbegrenzten Raumes eigentlich für eine Stellung einnimmt. [Sg.01_027,07]
Die Zahlen reichen nicht aus, Meine Welten und ihre Entfernungen zu messen,
die Worte vermögen nicht alle Schönheiten dieser Schöpfungen zu schildern,
und kein menschlicher Geist, weder hier noch dort, wird je einen vollkommenen
Überblick erhalten über Mein ganzes materielles und geistiges Reich. [Sg.01_027,08]
Unendlich dehnt sich die eine (Welt) – aber noch unendlicher ist die zweite –
aus; denn wenn das Materielle teilweise vom Raume beschränkt erscheint, so
ist die Ausdehnung des Geister-Reiches eine unbeschränkte, weil eben die aus
allen bis jetzt bestehenden Welten absterbenden Menschen ein Geisterreich
erfüllen, wo neben ihnen noch eine Unzahl anderer Geister sich ihrer Existenz
freuen, welche noch nie in materielle Hülle eingekleidet waren. [Sg.01_027,09]
Dort aber herrschen andere Gesetze und belebt alles eine andere Ordnung, die
nicht Zeit und Raum als Maß anerkennt, sondern wo neben der ewigen Existenz
selbst alles sie Umgebende den Tempel der Unendlichkeit noch besser ausgeprägt
an sich trägt. [Sg.01_027,10]
Du hast einen Blick in und durch ein Sternbild in Meine Schöpfung getan, hast
gesehen, wie Millionen Sonnen aus weiter Ferne dir die Strahlen ihres Lichtes
zusenden, wo der jetzt in dein Auge fallende Lichtstrahl vor Jahrtausenden
aus jenen Räumen hervorging und nun, wo derselbe dir erst bemerkbar wird,
dort schon längst wieder tausendfache Veränderungen auf diesen großen Sonnen
und in deren Licht vorgegangen sind – so zwar, daß bei allem, was du aus
jenen Fernen siehst, nur eine längst vergangene Zeit dir entgegenleuchtet und
nur Vergangenheit, nicht Gegenwart noch Zukunft, du aus denselben herauslesen
kannst. [Sg.01_027,11]
So ist diese große geistige Kette, welche alles zu Einem verbindet und bis in
das Kleinste sich verzweigt, um das ewige Walten aller Meiner Gesetze, wie Ich
sie vom Anfang her festsetzte, zur Selbsterhaltung des Geschaffenen zu begründen. [Sg.01_027,12]
Da der Lichtstrahl eben nicht allein zum Leuchten, sondern auch Träger einer
ewigen Lebenskraft ist, so verstehst du wohl, daß er ebenfalls, wo er
auffällt, einen lebentreibenden Einfluß haben muß; denn keinem Lichtstrahl,
selbst von den entferntesten Sonnen und Welten herkommend und etwa erst nach
Jahrtausenden auf einen Gegenstand fallend, ist die primitive Kraft
verlorengegangen, welche er jedoch erst äußern kann, sobald ein Gegenstand
sich seiner Bahn entgegenstellt. [Sg.01_027,13]
So traten neue Welten ins Leben, deren jungfräuliches Licht noch nicht zu
euch gelangt ist: und so sehet ihr Sonnen leuchten, deren Existenz schon
längst als Sonnen im Raume aufgehört hat. [Sg.01_027,14]
Die sogenannte siderische Einwirkung der Außenwelt auf euer körperliches und
geistiges Leben könnet ihr alle nicht begreifen, noch euch deutlich machen,
da diese zu sanft und nicht zerstörend ist. [Sg.01_027,15]
Sie sind aber da, diese Einflüsse, und fortwährend wirken sie, dieses kann
Ich euch versichern, wenngleich ihr sie nicht fühlt und eure Gelehrten sie ableugnen.
Es muß ja eine solche Wechselwirkung vorhanden sein, sonst ließe sich nichts
Einheitliches darstellen! [Sg.01_027,16]
Wie wäre bei solchen Entfernungen und bei solchen Größen eine gegenseitige
Verbindung möglich, wenn nicht neben der Anziehungskraft auch der
immerwährende Austausch der geistigen und materiellen Bestandteile vermittels
des Lichtes befördert und bewerkstelligt würde! [Sg.01_027,17]
Das Licht ist der Träger und der Erwecker allen Lebens, ohne Licht wäre kein
Bewegen, keine Wärme-Entwicklung möglich, wo die Wärme als Erwecker und
Zersetzer alles Geschaffenen eben dasjenige bewirkt, was ihr alle „Leben“ heißet. [Sg.01_027,18]
Der Zersetzungs- und Verbrennungs-Prozeß befördert alle Elemente von Stufe zu
Stufe, vervollkommnet, indem er zerstört, und so ist ewige Neubildung das
Resultat des einst geschaffenen Grundprinzips, wodurch die unendliche Fortdauer
alles materiell Gebildeten bedingt und festgestellt werden konnte! [Sg.01_027,19]
Was ihr hier alle Tage in der materiellen Welt sehen könnt, das nämliche geht
in der Geisterwelt ebenfalls vor sich. [Sg.01_027,20]
Die geistige Verbindung, der schnelle Flug des Gedankens bringt ebenfalls das
nämliche Resultat wie das Licht in der materiellen Schöpfung hervor. [Sg.01_027,21]
Die lebendige Kraft, die im geistigen Lichte wohnt, ist der Gedanke – und das
Materielle des geistigen Lichtes ist das mitgeteilte Wort. [Sg.01_027,22]
Körperlos ist die Kraft, indem sie sich nur in ihren Wirkungen kundgibt, so
wie auch der Gedanke erst durch das ausgesprochene Wort oder die ausgeführte
Tat dem andern fühlbar wird. [Sg.01_027,23]
Das Reich der Gedanken ist unendlich, kennt keine Grenzen, und der Gedanke
selbst hat noch schnelleren Flug als das Licht. [Sg.01_027,24]
Der Gedanke belebt wie die im Lichte geborgene lebenstätige Kraft. Aber wie
das Licht erst dann zu wirken anfängt und sichtbar wird, wenn es auf einen
festen Gegenstand anprallend davon zurückstrahlt (reflektiert), so ist auch
der Gedanke erst dann bemerkbar, wenn er in Form verdichtet, in Worten sich
anderen vernehmbar macht. – [Sg.01_027,25]
Und wie im Lichte längst verschwundener Welten doch die Neues gebärende Kraft
noch ist, ebenso das Wort, welches, wenngleich vor Jahrtausenden gesprochen,
doch seine Wirkung nicht verfehlen wird. [Sg.01_027,26]
Siehe, was Ich vor mehr als tausend Jahren gesprochen habe, und wo nun wieder
Mein Daniedersteigen auf eure kleine Welt in einigen Tagen als Erinnerungsfest
an jene Zeiten bei euch gefeiert wird – jetzt noch ist es in seiner ganzen
Kraft! Und wie das Licht, so bewirkt auch das Wort, wo es auffällt und Wurzel
fassen kann, das nämliche, was das Licht hervorbringt, das heißt Wärme oder
geistige Liebe und mit der Wärme der Liebe Tätigkeit oder Ausscheidung des
Untauglichen und Vervollkommnung des Bessern. [Sg.01_027,27]
Nie hat Mein Wort aus jenen Zeiten seine Macht verloren, sondern, um es
besser zu sagen, es hat noch nie seit jener Zeit seine ganze Macht entfaltet,
aber bald wird die Zeit kommen, wo es in seinem ganzen Glanze als dasjenige
dastehen wird, als was Ich es einst gegeben: als einziges Bindemittel
zwischen dem geistigen und materiellen Reich. [Sg.01_027,28]
Bald wird die Zeit kommen, wo von einem Ende der Schöpfung bis zum andern der
Licht-Gedanke der Liebe verstanden und ausgeübt werden wird! [Sg.01_027,29]
Auf eurer Erde weht schon der Wind geistiger Erkenntnis. Und wie der
Morgenwind jedem Sonnenaufgange vorausgeht, wo die von der Sonne erwärmte
Luft mit der kalten der Nacht in Berührung kommt und sich mit ihr ins
Gleichgewicht zu setzen strebt, so wird auch Mein göttlicher Gedanke, welchen
Ich in jener Zeit als Samen auf diese kleine Erde brachte, Wärme und Licht
verbreiten und die kalte Luft des Egoismus und der tierischen Leidenschaften
zu vertreiben beginnen. [Sg.01_027,30]
Immer und überall das nämliche Prinzip – Licht und Wärme im Materiellen,
Gedanke und Ausdruck desselben durch Wort und Tat im Geistigen. Das sind die
Verbindungsmittel, die alles aneinanderketten, ein jedes vom andern abhängig
machen! [Sg.01_027,31]
So besteht Mein Reich im ewigen Fort-Leben, Fort-Bilden und
Sich-Vervollkommnen. [Sg.01_027,32]
In allen Räumen lebt und webt die Macht der Liebe, das nämliche im
Materiellen wie im Geistigen hervorbringend, und wenn dein Blick die Fernen
im Raume nicht ermessen kann, so kann auch deine Einbildung die Wirkungen
eines ausgesprochenen Gedankens nicht verfolgen. Ewig fort wirkt das eine wie
das andere. Wo Licht einen Gegenstand antrifft, muß er sich seinem Einflusse
unterziehen; wo ein Gedanke als Wort ein Herz berührt, da bleibt der Erfolg
nicht aus, welcher bei der Verschiedenheit der geschaffenen Wesen, wegen
ihrer Individualität ebenfalls nie der gleiche sein kann. [Sg.01_027,33]
So ist auch im Geistigen die Gedankenwirkung eine fortwährende, weil
wenngleich sie bei den höher gestellten Geistern das ihrige getan, doch bei
allen andern auf niedereren Stufen stehenden ebenfalls einwirkt, sobald ein oder
das andere denkende Wesen in ihren Bereich kommt. – [Sg.01_027,34]
Ein Blick in das Sternbild des Orion hat dir geistig die weiten Räume Meiner
Schöpfung eröffnet, und du sankst zusammen vor der Größe der Entfernungen,
vor der Größe der Weltkörper; und jetzt ein Blick in die Unendlichkeit der Gedankenwelt
erfüllt dich mit Andacht und Liebe für Mich, da Ich in väterlicher Huld dir
und den andern schon manche geistige Gabe geschenkt habe, aus welcher alle erkennen
sollten, was ihre Stellung in dieser Welt sein sollte und könnte, wären sie
geistig besser erzogen! [Sg.01_027,35]
Das Weihnachtsfest, der Neujahrswechsel, beide erinnern dich, das erste an
Meine große Liebestat, das zweite an den Flug der Zeit, wo ihr euch jetzt
weit weg in ganz anderen Räumen befindet als wie im vorigen Jahre, indem eure
Sonne samt ihrer Begleitung mit großer Schnelle forttreibend euch anderen
kosmischen Räumen entgegenführt, als wie die waren, in deren Nähe ihr euch
vorigen Jahres befandet. [Sg.01_027,36]
Fraget nicht nach dem Ändern von klimatischen Verhältnissen, nicht nach dem
Ändern der Geistes-Gesinnungen der Menschheit sowohl, als des einzelnen
Menschen; ihr wisset ja nicht, wo ihr jetzt seid und wohin die Gesetze Meiner
Schöpfung euch führen! [Sg.01_027,37]
Im unendlichen Raum bewegen sich die Sonnen um Sonnen, und die Planeten
müssen stets unter dem Einflusse derselben auch ihre Veränderungen, auch ihre
Wechselwirkungen mitfühlen. [Sg.01_027,38]
Alles hat seinen Endzweck, so auch das Kreisen der Welten um Welten. Im ganzen
Äther ist nicht ein Ort, wenn auch noch so klein, dem andern völlig gleich,
da eben dort bestehende Verhältnisse wieder andere Lebensbedingungen erfordern. [Sg.01_027,39]
Es ist bei euch auf der kleinen Erde ebenso, am Meeresstrande ist ein anderes
Leben als im Gebirge, in Sumpfländern anders als in der Steppe oder in der
Wüste – überall leidet selbst die Organisation der lebenden Wesen unter
diesen klimatisch verschiedenen Verhältnissen, und diese bedingen wieder
teilweise die geistige Entwicklung. [Sg.01_027,40]
So wie dieses Beispiel im kleinen, so am Sternenhimmel im großen: auch dort
bedingen andere Einflüsse andere Wirkungen und andere Zwecke. [Sg.01_027,41]
Nicht umsonst sind Millionen von Meilen die nötigen Entfernungen für das
Bestehen des einen oder anderen Weltkörpers; nicht umsonst sind noch größere
Entfernungen für noch größere Sonnen nötig. Sie müssen Raum haben zu ihrer
materiellen Ausbildung und zur Vervollkommnung aller von ihnen abhängigen
kleineren Welten. [Sg.01_027,42]
Nichts ist umsonst so gestellt, wie es nun eben ist, einst war und ewig sein
wird. [Sg.01_027,43]
Ein unendlich dauerndes Werk muß auf breiterer Basis gebaut sein, wenn es
nebst dem Ins-Leben-treten auch noch sich selbst erhalten, sich selbst vervollkommnen
und sich selbst zu einem bestimmten Endresultat bringen muß. [Sg.01_027,44]
Den ersten Impuls des Bestehens gab Ich, das weitere muß sich aus sich selbst
entwickeln. [Sg.01_027,45]
In eurem Seelenleben ist es ja ebenso, der erste Lichtstrahl der Liebe zu
Gott und Menschen muß vorerst gelegt werden, und dann obliegt es einem jeden
Menschen, sich zu dem heranzubilden, zu was Ich ihn eigentlich geschaffen
habe; der Gedankenstrahl „das Wort“ muß ihn erwecken, den übrigen
Zersetzungs- und Vervollkommnungsprozeß muß er demgemäß selbst durchführen. [Sg.01_027,46]
Wie die Welten durch weite Räume geführt werden, um überall aus dem Äther
aufzusaugen, was sie zu ihrer Erhaltung und Ausbildung nötig haben, ebenso
der Menschengeist im großen Gedankenreich, wo auch er aus den hinterlassenen
Worten, seien es göttliche oder menschliche, seine Mission zu begreifen und
ihr nachzukommen die Aufgabe hat. [Sg.01_027,47]
Weit hinter der materiellen Schöpfung wohnt „der große Geist“ inmitten Seines
Geisterreiches, und weit über der Gedankenwelt lebt eigentlich erst der Quell
des geistigen Verständnisses der gegebenen Worte! [Sg.01_027,48]
Nicht die Worte, nicht die Gedanken sind es, welche die Menschen zum Ziele
führen müssen, sondern deren geistig richtige Auffassung, deren praktische
Verwirklichung. [Sg.01_027,49]
Ebenso wie das Licht mit all seiner Schöpfungskraft nur dann erst wirkt, wenn
es auf einen festen Gegenstand fällt; ebenso die ganze Gedankenwelt erst dann
fruchtbringend wird, wenn sie auf empfänglichen Boden fallend auch Früchte
tragen kann. – [Sg.01_027,50]
Siehe Meine Lehre an, wie einfach gab Ich sie selbst ungebildeten Leuten, wie
Meine Apostel nur Fischer usw. und keine Gelehrte waren! Und heutzutage mit
aller Gelehrsamkeit der ganzen Welt gibt es noch niemanden, der sie den
Menschen so wiedergeben könnte, wie Ich sie gesprochen und wie Ich sie
verstanden sehen möchte; sondern Ich Selbst muß wieder gleichsam von neuem
anfangen und vorerst nur wenigen alles wieder einzeln erklären, wenn Ich
will, daß Meine Worte, Worte des höchsten Geistes, auch geistig aufgefaßt
werden sollen. – [Sg.01_027,51]
Wie oft versuchte ich dieses Mittel. Von Jahrhunderten zu Jahrhunderten
sprach Ich durch verschiedene Menschen, stets dem Zeitgeiste gemäß, allein
vergebens! Meine Worte wurden nicht gehört oder überhört oder falsch
ausgelegt; und jetzt bist auch du wieder einer jener Auserwählten, mittels
welchen Ich Meinen Lehrplan ergänzen will, und trotzdem, sieh deine Anhänger
an, wie wenige verstehen, was du schreiben mußt und was Ich ihnen in Meiner
unendlichen Gnade sagen lasse. [Sg.01_027,52]
Aus allen Reichen der Natur, aus allen Winkeln der Erde und der Schöpfung
suche Ich Gegenstände hervor, welche unter Meiner Hand eine Wichtigkeit
empfangen, wie sie noch kein Mensch erahnte. [Sg.01_027,53]
Ich zergliedere ihnen das Nächststehende so gut wie das Fernste, überall
zeige Ich ihnen den nämlichen Zweck, den nämlichen liebenden Vater und die
nämliche Ursache. [Sg.01_027,54]
Überall erkläre Ich ihnen, was der Urgrund alles Geschaffenen ist, ob nun durchs
Mikro- oder Tele-skop (Fernrohr) sie Meine Wunder betrachten wollen – überall
ist, war und wird es die Liebe sein, welche alles schuf, alles erhält und
alles vervollkommnet. [Sg.01_027,55]
Im Orion wie im kleinsten Atom des Welten-Äthers ruft es euch allen zu, das,
was einst Meine Engel bei Meiner Geburt gesungen: [Sg.01_027,56]
„Friede“ mit der Welt! „Friede“ predigt Meine Schöpfung, „Friede“ ist mein
Endziel – und „Friede“ soll auch unter euch herrschen! – – [Sg.01_027,57]
Sehet hin, wohin ihr wollt, so werdet ihr finden, daß die Natur stets den
Frieden herstellen will, wo er durch Elementarereignisse oder sonst etwas
gestört wurde. Nach Frieden sehnt sich jedes geschaffene Wesen. [Sg.01_027,58]
Das herannahende Weihnachtsfest soll auch euch diesen Frieden wieder ins
Gedächtnis rufen. [Sg.01_027,59]
„Frieden mit der Welt, mit euch selbst“ sei auch euer Losungswort für das
kommende Jahr, damit ihr ihn verbreiten möget, wo auch eure Stellung sei! – [Sg.01_027,60]
So möge das Licht aus den letzten Nebeln des Orion euch ebenso den Frieden
zusenden, wo Welten prangen, deren Entfernung und Größe zwar für euch
unberechenbar, aber deren Tendenz und Existenz ebenso nur Friedensgesetzen
gehorchend euch den sanften Liebesstrahl ihres Lichtes herabschicken, damit
ihr erkennen sollt, daß auch dort noch das nämliche Gesetz, die nämliche
Fürsorge waltet, welche auch hier auf eurer kleinen Erde den letzten Wurm
nicht vergißt und überall nur Frieden verbreiten möchte, weil nur im Frieden
die Liebe allein tätig sein kann! Amen. 4. Januar 1876 [Sg.01_028,01]
In Meinen letzten zwei Worten über das Sternbild des Orion habe ich dir schon
einige und zwar die Haupteigenschaften des Lichtes auseinandergesetzt,
nämlich als erste – „die anregende, belebende Kraft“ und als zweite „die
Entwicklung der Wärme oder des Lebens“. [Sg.01_028,02]
Jetzt will Ich dir aber andere Eigenschaften des Lichtes zeigen, welche
teilweise wohl manchmal von einzelnen geahnt wurden, aber deren Begriff ihnen
doch nie zum klaren Bewußtsein geworden ist. [Sg.01_028,03]
Schon vor Jahren sagte Ich in einem Wort an euch, daß „Licht, Leben und
Liebe“ so miteinander verbunden sind, daß eines aus dem andern hervorgeht;
aber nun will Ich euch auch noch näher erklären, wie es sich damit verhält,
damit ihr wieder erkennen sollt, wie vieles noch in einem Lichtstrahl
vorhanden ist und sein muß, soll er Meinen Ideen entsprechen und ewig fort
ein Träger Meines Willens und ein Erwecker von Leben und Liebe sein! [Sg.01_028,04]
Sehet, Meine Kinder, der ganze unermeßliche Äther ist ein finsterer Raum, in
welchem die kosmischen Kräfte nur allein wirken. [Sg.01_028,05]
Der Äther selbst hat aber in sich alle Elemente, welche zur Erschaffung der einzelnen
Welten und zu deren Erhaltung nötig sind. In dem kleinsten Äther-Atom liegt
diese Ur-Kraft, und zwar gemäß seiner Lage stets so eingerichtet, daß sie
entweder eine anziehende oder eine abstoßende ist, wodurch eben selbst der
Äther keine Ruhe genießt, sondern beide Kräfte, die anziehende wie die
abstoßende, in ihm die nötige Bewegung und das eigentliche kosmische Leben
erhalten, welches allein geeignet ist, erstens den bestehenden Welten zu
ihrer Erhaltung das Nötige zu geben oder daraus das Unnötige, Verbrauchte zu
entfernen, und zweitens – welches Ätherleben eben dadurch in den Stand
gesetzt wird, aus den in ihm liegenden Elementarstoffen neue Welten
hervorgehen zu lassen. [Sg.01_028,06]
Nun, inmitten dieses großen Äther-Raumes, wo kein unten und kein oben, kein
rechts und kein links denkbar ist, in diesem finstern Raume schwimmen gleich
Öltropfen auf dem Wasser ohne Schwere die großen Welten und Sonnen nebst
allen sie umkreisenden Planeten und Kometen – gegenseitig bloß durch die
wechselseitige Anziehung oder Abstoßungs-Kraft gehalten – in lang
gestreckten, elliptischen oder auch in beinahe kreisförmigen Bahnen. – [Sg.01_028,07]
Im Äther, wie Ich sagte, herrscht durch diese zwei Kräfte, welche ihr auch
„Elektrizität und Magnetismus“ nennen könnt, ewige Bewegung, durch welche die
Welten-, Sonnen- und Planeten-Bahnen bestimmt oder beeinflußt werden. [Sg.01_028,08]
Diese Bewegung bedingt eine Reibung, die Reibung erzeugt Wärme, und Wärme endlich
auch Licht, und Licht mit seinen Kraftäußerungen, wie Ich schon oben gesagt,
Leben oder ein gesetzliches Bestreben, sich zu gestalten, sich zu erhalten
und durch Abnutzung, Zerstören oder Verwandeln alles zu vergeistigen; so daß
alle Welten, die Sonnen und ihre Satelliten endlich wieder, nach ihrer materiellen
Zerstörung oder ihrem Zerfall, als neue, aber geistige Welten einen Schritt
weitergehend den nämlichen Bildungsprozeß durchmachen müssen, welchen sie als
gebundene Materie vom Äther-Atom bis zur Welten- und Sonnen-Gestaltung
durchgemacht haben. [Sg.01_028,09]
Da nun die Welten und Sonnen nicht alle gleich, ja eigentlich gesagt, keine
der andern gleicht, so ist auch ihr Entwicklungs-Prozeß auf verschiedene
Zeitepochen begrenzt, wo die eine in soviel Millionen und die andere erst in
Äonen von Jahren ihren Entwicklungs-, Vervollkommnungs- und Neubildungs-Prozeß
ganz vollführen kann. [Sg.01_028,10]
Eure Gelehrten haben im Licht Eigenschaften entdeckt, welche – da sie nicht
allen bekannt sein können – Ich hier aufzählen will, wo sodann an diese
kleinen Errungenschaften große, wichtige Eröffnungen angeknüpft werden
sollen; damit ihr seht, daß alles, was die Gelehrten durch Versuche oder Instrumente
finden, zwar wohl wahr ist, aber daß ihnen dessen richtige Beurteilung fehlt,
da sie es nicht als Gnadengabe des Schöpfers eines Universums betrachten
wollen. [Sg.01_028,11]
Sehet also, die Gelehrten haben im Licht gefunden, erstens: daß das Licht
(Ich rede vorderhand vom Sonnenlicht) aus einem Büschel von Strahlen besteht
und ein jeder Strahl in der Form eines vierkantigen Sterns (im Querschnitt) –
stets eine positive und eine negative elektrische Kante hat. Ferner
entdeckten sie, daß neben diesen leuchtenden Strahlen sich noch dunkle
schwarze Linien zeigen, welche sie „Wärmestrahlen“ genannt haben. Auch haben
sie noch gefunden, daß der Lichtstrahl selbst, wenn er auf chemisch
präparierte Metalle fällt, gewisse Farben erzeugt, mittels welcher Entdeckung
sie ihre Untersuchung so weit ausdehnen wollten, um die materiellen
Bestandteile weit entfernter Welten und Sonnen zu bestimmen, ob diese aus
ähnlichem Material wie eure kleine Erde bestehen! [Sg.01_028,12]
Die Gelehrten haben nebenbei durch das Prisma den Lichtstrahl in seine sieben
Farben gebrochen, wie ihr sie an allen Produkten und im Regenbogen mit ihren
verschiedenen Mischungen stets beobachten könnt. [Sg.01_028,13]
Nun, alle diese auf mühsamem Wege gemachten, teils wahren, teils falschen
Entdeckungen hätten die Gelehrten schon noch einen Schritt weiter führen
können; allein da hätten sie ihre Gelehrsamkeit aufgeben müssen, um sich vor
ihrem Herrn, vor Mir zu beugen; dieses sagte aber ihrem Stolz nicht zu, und
so blieben sie bei dem Gefundenen stehen. [Sg.01_028,14]
Da Ich aber andere Ansichten von der Welt habe als sie und eben kein
Privilegium aus Meiner Erkenntnis der Dinge machen will, wie sie, sondern von
dem Prinzip ausgehe: „Mich kennt man nur dann erst ganz, wenn man Meine Werke
verstehen lernt“, so ist und war es stets Meine Fürsorge: Meinen Kindern
(seien es materiell geschaffene Menschen oder Geister) soviel von Meinem
Geiste mitzuteilen, wie sie begreifen und fassen können. Und so will Ich auch
jetzt wieder, an diese eben angeführten Entdeckungen anknüpfend, Mein Wort
über das Licht weiterführen, damit es in eurem Kopfe licht werde und ihr
selbst die Entdeckungen eurer Naturforscher im rechten Maße würdigen könnt. [Sg.01_028,15]
Ich sagte euch im letzten Wort, daß das Licht eine belebende Kraft hat; und
eben jetzt sagte Ich auch, daß im Äther sich zwei Kräfte stets gegenüberstehen,
nämlich Anziehung und Abstoßung, welche das Leben, das heißt Licht und Wärme
und aus diesen das Leben bewirken. [Sg.01_028,16]
Nun, die Entdeckungen eurer Gelehrten in dem vierkantigen Lichtstrahl sind
ebenfalls nichts anderes als diese beiden Kräfte, welche, wo sie auf feste
oder dichtere Gegenstände auffallen, diesen Kampf der beiden Grundkräfte
alles Bestehenden in Tätigkeit setzen und so den ganzen Lebensprozeß vom
Entstehen bis zum Vergehen oder Verwandeln weiterführen oder bedingen. [Sg.01_028,17]
Die sogenannten „schwarzen Linien“ der Wärmestrahlen sind nichts anderes als
dichtere Stoffe, welche aus dem Ätherraum vom Lichtstrahl in seinem schnellen
Lauf mitgeführt werden, und welche – eben wegen der Schnelligkeit des Lichtes
natürlich aneinander sich reibend – Wärme selbst im Lichtstrahl erzeugen und
so „Wärmestrahlen“ genannt werden können, da gerade, je direkter sie auf
einen Gegenstand auffallen, durch ihre Wärme und durch ihre Schnelligkeit sie
auch die latente Wärme der Körperwelt desto mehr entwickeln. [Sg.01_028,18]
Was aber hauptsächlich zu dieser Wärme-Entwicklung beiträgt, ist die Brechung
des Lichtstrahls, vorerst in seine drei Hauptfarben: rot, blau und gelb, und
ferner die Vermischung dieser zu den andern (sekundären und tertiären
Farben), da die Körper teilweise die Farben aufsaugen und nur die nicht
verbrauchten zurückstrahlen, durch welche sie dann dem menschlichen Auge
sichtbar werden. [Sg.01_028,19]
Sehet, Ich habe euch im letzten Wort gesagt, daß, wo ein Lichtstrahl
auffällt, er Leben und Wärme hervorbringt, das „Wie“ aber findet ihr in der
Farbenbrechung und Farbenzerteilung. Denn sobald ein Lichtstrahl mit seiner
Lebenskraft einen Gegenstand berührt, so fängt dieser Gegenstand oder dessen
Stoffteilchen an zu vibrieren, so zwar, daß einzelne Teile desselben billionenmal
in einer Sekunde vibrierend, diese oder jene Farbe aus sich ausscheidend, als
zurückstrahlende dem Beobachter auf ihrer Oberfläche sich zeigen; wozu noch
eingerechnet werden muß die Reaktion, welche in den Elementen eures Auges vor
sich geht durch die erneuerte Brechung der zurückgestrahlten Farben in der
Regenbogenhaut und den übrigen Teilen der Sehorgane. [Sg.01_028,20]
„Sehen“ heißt also nichts anderes, als jeden Gegenstand in der Farbe
bemerken, welche er als nicht sein eigen betrachtet zurückwirft, während er
alle andern, sowohl Haupt- als Mischungs-Farben, aufgesaugt hat, da sie zu
seinem Bestehen notwendig sind. [Sg.01_028,21]
So ist die schwarze Farbe keine Farbe, weil der Gegenstand alle Farben
aufgesaugt hat, und „Weiß“ ebenfalls keine Farbe, weil der Gegenstand, der
euch weiß erscheint, die Gabe der Aufsaugung gänzlich entbehrt und alle Lichtstrahlen
zurückwirft, wie sie auf ihn auffallen, ohne sie zu seinem Bedarf zu zersetzen. [Sg.01_028,22]
Ihr seht also aus allem, daß ihr die ganze Farbenpracht der Natur anders
beurteilen müßt, als sie dem irdischen Auge erscheint; denn dem geistigen
Auge zeigt sich dort ein fieberhaftes Regen, wo Ruhe scheint, welches zum
Gestalten, Erhalten, Entwickeln und Verwandeln angeregt ist, und zwar nur
durch den einfach dort auffallenden Lichtstrahl. [Sg.01_028,23]
Im großen Äther-Raume, sagte Ich euch, regt sich ebenfalls alles, bedingt
durch die zwei Elementar-Kräfte der Anziehung und Abstoßung; aber in der
scheinbar festen Materie ist ebenfalls keine Ruhe, denn mit dem ersten
Lichtstrahl, welcher auf sie fällt, geht der nämliche Prozeß vor sich; auch
in ihr regt sich alles, und zwar mit einer Schnelligkeit, die kein
menschlicher Sinn fassen und kein menschliches Auge je bemerken kann. [Sg.01_028,24]
So ist die Wirkung des einfachen Lichtstrahls der große Faktor alles Lebens. [Sg.01_028,25]
Was eure Gelehrten erfunden zu haben glauben, nämlich eine Vorrichtung,
selbst die Elementar-Bestandteile entfernter Welten zu bestimmen mittels
Reaktion des Lichtstrahls auf chemisch präparierte Stoffe, so sind sie sehr
im Irrtum, welchen sie leicht erkennen könnten, wenn sie ihre Versuche nur
vergleichen möchten, wo bei allen Sternen und Sonnen nur immer das nämliche
Resultat zum Vorschein kommt, weil sie eben den Faktor dabei, die
Erd-Atmosphäre, ganz außer acht lassen, durch welche doch ein jeder
Lichtstrahl hindurchgehen muß, ehe er auf die Oberfläche der Erde kommt. [Sg.01_028,26]
Nun, so frage Ich diese Gelehrten, glauben sie denn nicht, daß im Dunstkreis
der Erde die nämlichen Stoffe alle vorhanden sind, und zwar in aufgelöstem
Zustand, welche festgebunden im Erdkörper selbst sich finden! [Sg.01_028,27]
Mit wenig Nachdenken müßte da eine Bejahung herauskommen, denn aus der
Atmosphäre entstand ja einst der Erdball, und in diese wird er sich einst
wieder als Nebelball auflösen, wie er schon jetzt in jeder Sekunde seine verbrauchten
Elemente an diese abgibt. [Sg.01_028,28]
Wenn nun ein Lichtstrahl von fern herkommend den Dunstkreis der Erde berührt,
in ihn eindringt, so muß er sich dem Einflusse desselben teilweise unterziehen
und dann also zersetzt auf die Oberfläche der Erde die nämlichen Stoffe auch
mitbringen, aus welchen die Atmosphäre besteht. [Sg.01_028,29]
Zum Beispiel „Eisen“ ist in der Erd-Atmosphäre in aufgelöstem Zustande
vorhanden, der Lichtstrahl kommt also schon mit solchen Elementen belastet
auf das chemisch präparierte Papier und reagiert daher natürlich auch wieder
darauf eisenhaltig, aber nicht als reiner Lichtstrahl von einer entfernten
Sonne oder Welt, sondern als veränderter Faktor, beeinflußt durch den
tellurischen (irdischen) Dunstkreis unseres Planeten selbst. [Sg.01_028,30]
Wenn es möglich wäre, den Lichtstrahl einer Sonne oder sonstigen Welt direkt
aus dem Äther-Raume zu bekommen, ohne daß er anderen chemischen Prozessen
unterliegen müßte, die er beim Durchgang durch Atmosphären nicht vermeiden
kann, dann würden eure Gelehrten andere und auch manchmal gar keine Resultate
erhalten. [Sg.01_028,31]
Dieses ist aber unmöglich, da ohne einen Dunstkreis kein lebendes Wesen
existieren kann, obwohl im Äther die Urstoffe der Schöpfung alle bereit sind,
aber erst durch viele Verwandlungen den lebenden Geschöpfen brauch- und genießbar
gemacht werden müssen. [Sg.01_028,32]
Deswegen begnügt euch mit dem, was Ich euch als zu eurem Besten angewiesen
habe, und suchet nicht Dinge zu erforschen, die doch zu keinem andern
Resultat führen als zu der Erkenntnis, daß es andere Weltkörper gibt, die
Erden oder Sonnen wie die eurige sind, deren innere Einrichtung sowie deren
Oberfläche, Vegetation und Geschöpfe aber so weit von euren geträumten
Gestalten und Formen abweichen, daß ihr eurer Phantasie den ganzen Spielraum
freilassen könnt und doch um keine Haaresbreite der Wahrheit näherkommen
werdet. [Sg.01_028,33]
Meine Welten sind Wohnungen von Geschöpfen, die Ich alle aus Liebe schuf, aus
Liebe erhalte, erziehe und vervollkommnen will, bis auch sie alle aus dem
Kampfe mit der Materie als reine Geisteskinder ihres großen Vaters und Schöpfers
hervorgehend, Ihn erkennen, begreifen und lieben gelernt haben. [Sg.01_028,34]
Das eine bleibt bei allem feststehen: Das Licht ist der Träger Meiner Liebe,
der Erwecker alles Lebens – und wenn es auch auf noch so verschiedene Weise
geschieht, so wird doch ein geistiger Mensch stets vor Erstaunen
zusammensinken müssen, wenn er erfährt, wie das ganze große Schöpfungs-Gebäude
all sein ewiges Fortbestehen, seine Vervollkommnung, seine Entwicklung und
endliche Vergeistigung nur dem Lichtstrahl zu verdanken hat, der mit so
großer Schnelle Welten aneinander bindet, ihre Bedürfnisse ausgleicht, Leben
und Liebe erregt, wo er nur seine Macht fühlen lassen kann. [Sg.01_028,35]
Hier sprach Ich nur vom einzelnen Lichtstrahl und dessen Eigenschaften. Wenn
ihr aber nur eure Sonne betrachten wollt, wo ein Lichtmeer von Strahlen aus
ihrer großen Atmosphäre in jeder Sekunde auf eure Erde fällt, jenes
Lichtmeer, welches kein menschliches Auge, obwohl auch dieses mit Sonnenlichtelementen
gefüllt ist, ungestraft betrachten kann, – wenn ihr euch dann größere Sonnen
denkt, deren Durchmesser und Dunstkreis weit über die Bahn eurer letzten Planeten
(von unserer Sonne als Mittelpunkt an) hinausreicht, und ahnt, welche Masse
von Licht dort ausströmt, welche Bewegung, Leben und Wärme es hervorrufen
muß, welchen Farbenglanz und welche Farbenpracht jene Lichtstrahlen, wo sie
auffallen, hervorzubringen imstande sind, dann könnt ihr euch schon einen
Begriff machen von der Herrlichkeit, welche in Meiner Schöpfung ist, wo eure
Sonne im Vergleich zu den andern nur als ein schwaches Nachtlichtchen vor dem
Glanze größerer Sonnen verschwinden müßte. Und auf solchen Welten leben
Wesen, die, obwohl den menschlichen Typus beibehaltend, eine Schönheit in
Form und Ausdruck haben, daß all eure Begriffe von Schönheit ungenügend, unzulänglich
wären; denn ihr habt noch keinen Begriff von höhergestellten Seelen; von
deren geistiger Bildung, wo aber auch die Außenseite dem Innern entspricht
und ein Engels-Angesicht – wie ihr oft sagt – bei all eurer Phantasie nach
menschlichen Begriffen noch nicht zureichend ist, wie ihr dergleichen in andern
Welten der Unzahl nach antreffen könntet. [Sg.01_028,36]
Oh, Meine Schöpfung ist groß, sie ist aber auch herrlich und erhaben, voll
von Seligkeiten und geistigen Genüssen, wobei eure Erde, einer wüsten Einöde
gleich, nur den schwächsten Vergleich aushalten könnte. [Sg.01_028,37]
Warum aber Ich gerade eben diese kleine Erde zu Meiner größten Tat ausersehen
habe, warum ihr vor vielen andern bevorzugt seid, um einst nach Müh und Kampf
Meine wahren Kinder zu werden, das hat einen andern, großen, geistigen Zweck,
welchen Ich euch anderswo schon früher erörtert habe und hier nun nicht
wiederholen will! [Sg.01_028,38]
Zu diesem Schritt bewog Mich die geistige Lichtverbreitung, und deswegen fing
Ich dort an, wo es gerade am finstersten war – und leider noch ist; während
in jenen anderen Welten die Menschen in Seligkeit schwelgen, von keinem
Kampf, von keiner Sorge etwas wissen, aber auch deswegen kein Verdienst
haben. Sie schreiten langsam vorwärts und werden auch längere Bildungsphasen
durchzumachen haben, bis sie dahin kommen, wo ihr jetzt – von Meiner Hand
geführt – schon sein könntet! [Sg.01_028,39]
Es ist eben im geistigen Fortschreiten ein anderes Gesetz und ein anderes
Warum als im Materiellen. Und deswegen beneidet nicht jene, welche nie den
Drang nach Geistigem fühlten, weil ihre Zustände sie schon so selig machen,
daß ein Scheiden von dort sie unendlich schmerzt; während ihr arme Wanderer
auf dürrem Boden, mitten unter einer verwahrlosten Welt die Fahne des
geistigen Adels hochtragen und also sauer erkämpfen müßt, was anderen
Geschöpfen willenlos und im Überfluß in den Schoß gefallen ist. [Sg.01_028,40]
Licht, der Träger und Vervollkommner des Materiellen, hat ihnen in Fülle
gegeben, was andern mangelt; aber Licht, geistiges Licht mit den nämlichen
Faktoren wie das materielle, es erhellt euer Herz, verschönert euch selbst
die langweiligste Einöde, weil sie durch dieses Licht betrachtet anders
gedeutet (und selbst ihre Eigenschaften anders verwertet), andere Resultate
hervorbringen kann. – [Sg.01_028,41]
Das Licht mit seinen zersetzenden Farben, entsprechend den sieben
Eigenschaften Meines göttlichen Ichs, vollführt materiell, was diese geistig
vollbringen. [Sg.01_028,42]
Das Licht macht alles materiell Gebundene vibrieren und erzittern. Auch das
geistige Licht, wenn es in seine Eigenschaften zersetzt die Seele oder das
menschliche Herz bewegt, macht auch dieses vor Wonne erbeben, macht es
fühlen, daß ein liebender Schöpfer nur solche veredelnde Genüsse bereiten
will, und daß wie beim materiellen Licht die Reaktion folgt – wo es auffällt,
so auch das geistige Licht alles verschönert und mit demselben zeigt, was
seine Eigenschaften: Liebe, Toleranz, Barmherzigkeit, Vergebung und Ergebung
in den höchsten Willen als wahre Demut selbst bei den größten Aufopferungen
zu leisten fähig sind. – [Sg.01_028,43]
So wie das Licht, wenn es als erster Sonnenstrahl am Morgen auf die kalte
Erde fällt, alles belebt, auf alles einwirkt, daß es sich rege und bewege,
ebenso das geistige Licht, welches alle geistigen Fähigkeiten in Bewegung
setzt, um die Mission zu erfüllen, weswegen die Menschen dieses kurze Wanderleben
betreten haben. [Sg.01_028,44]
Die ganze Tierwelt mit nur wenig Ausnahmen fühlt den ersten Lichtstrahl.
Selbst der schlaftrunkene Mensch, trifft ein Sonnenstrahl sein Lager, fühlt
sich beunruhigt, es drängt ihn, unruhig wälzt er sich herum, nicht wissend
und nicht ahnend, daß es eine Ewigkeit ist, welche in dem Lichtstrahl der aufgehenden
Sonne ihm einen Beweis von seiner nie versiegenden Kraft geben will. [Sg.01_028,45]
Die fleißige Ameise streckt ihre Fühlhörner aus ihrem Loch in der Erde
heraus, denn es mahnt sie der Lichtstrahl zur Arbeit. Dort sitzt auf einem dürren
Reis ein kleines Vögelchen, der erste Morgenstrahl der allbelebenden Sonne bewegt
es, sein Morgenlied zu zwitschern, und die Biene verläßt summend ihren Bau,
um von Blume zu Blume den süßen Saft einzusammeln, den sie für ihre Genossen
im Bienenstock für Winterszeiten aufzubewahren glaubt, den aber der
genußsüchtige Mensch ihr leider wieder raubt. [Sg.01_028,46]
Überall regt es sich, in und auf der Erde, – alles jubelt diesem wiederkehrenden
Sonnenstrahl entgegen, denn in ihm ist Leben und von ihm hängt das Leben ab. [Sg.01_028,47]
Selbst im fernen Norden, während alles vom Einfluß der großen Kälte
erstarrte, ist das Licht der einzige Zeuge von der Tätigkeit der Natur,
während sonst alles kein Lebens-, kein Wärme-Zeichen gibt. [Sg.01_028,48]
Im Süden eures Erdballs, am Pol desselben entsteigen ihm verbrauchte Stoffe
des Erdorganismus, sie taten das ihrige und gleich leuchtenden Bändern kehren
sie wieder gegen Norden zurück dorthin, wo die
magnetisch-siderisch-(ätherische) Kraft in das Erdinnere einströmt, dorthin
zieht sie das geheimnisvolle Wehen der Erd-Atmosphäre. Und kaum in der Nähe
des magnetischen Pols angekommen, wo zwei Kräfte sich begegnen – Magnetismus
und Elektrizität, entzünden sich durch Reibung ihrer Elementar-Atome diese
Dünste und verbreiten als Nordlicht euer bekanntes elektrisches Licht. In verschiedenen
Strahlenbrechungen und verschiedenen Formen geht der Zersetzungs- und
Verbrennungs-Prozeß vor sich, bis alles für den Erdorganismus Tote wieder
brauchbar geworden als tätige magnetische Kraft in das Erdinnere als
belebender Stoff wieder einströmen kann, damit alles auf der Oberfläche dieses
kleinen Planeten gedeihe, sich verschönere, in steter Wechselwirkung mit der
Außenwelt auch im Innern die nämliche Harmonie hergestellt und der nämliche
Zweck erfüllt werde. [Sg.01_028,49]
So wie ihr Menschen und das ganze Tierreich den „Sauer- und Lebensstoff“
einatmet und ihn verbraucht als Kohlenstoff wieder ausatmet, welch letzteren
die ganze Pflanzenwelt zu ihrem Gedeihen gierig einsaugt und den Austauschkreislauf
vollendet, indem sie zur Nachtzeit den Sauerstoff zubereitet – ebenso saugt
die Erde als lebendes pulsierendes Wesen im Norden magnetisches Fluidum ein,
stößt im Süden elektrisches aus und schickt es wieder gegen Norden hin, wo
gerade inmitten des Starren auf Erden in der Atmosphäre der geistige
Reinigungs-Prozeß vorgeht, welcher das Verbrauchte mit neuen lebensfähigen
Elementen ergänzt. [Sg.01_028,50]
Überall ist es das Licht, welches Wärme und Leben verbreitet. Und gerade
dort, wo der Mensch mit seiner Habsucht nichts mehr zu gewinnen findet, und
in jener Höhe eures Dunstkreises, wo tierisches Leben unmöglich geworden,
dort ist die Werkstätte Meiner Allmacht, die ewig erneuert, was in Millionen
täglich verbraucht wird. [Sg.01_028,51]
Im großen Äther-Raume ist es ebenso. Nur das Licht durchkreuzt mit seinem
schnellen Fluge diese ewige Finsternis. Lichtstrahlen von Millionen von
Sonnen und Welten begegnen, durchkreuzen sich dort, da gibt ein Strahl an den
andern ab, was er selbst nicht mehr braucht, was über Millionen von Meilen
hinaus einer andern Sonne, einem andern Planeten partielle vergeistigte
Speise werden soll, damit das einzelne im Ganzen sich erhalte. [Sg.01_028,52]
Der vierkantige Lichtstrahl mit seiner positiven und negativen Elektrizität
ist es, welcher Meine Schöpfung erhält und sie zum Ziele führen hilft. [Sg.01_028,53]
Zwischen den Kreisen ganzer Welten-Systeme bewegt sich eine Kometenschar als
werdende Sonnen mit ihren zukünftigen Planeten. In langgestreckten Bahnen
durchziehen sie den dunklen Äther, einen langen Streifen leuchtend zurücklassend,
welcher ebenfalls nur ihre Elementarstoffe enthält und der von ihrer Größe
und ihrer Geschwindigkeit zeugen soll. – [Sg.01_028,54]
Hier ist ein Stern, der nach von euch eingeführter Klassifikation der
zwölften Klasse angehört, stets leuchtender, stets größer werdend bis zum
Stern erster Größe im Glanze heranwächst und dann wieder nach einigen Jahren
an Licht abnimmt, bis er euren Augen ganz entschwunden ist. [Sg.01_028,55]
Er zeigte euch den Prozeß seines Werdens und seines Vergehens, aber sein
Werden ging dem Lichtstrahl längst voraus, und seine Auflösung erfolgte, da
ihr ihn im höchsten Glanze geschaut. [Sg.01_028,56]
Hier ein Komet, ein künftiges Sonnensystem im Bildungsprozeß und dort ein
geendetes Weltenleben, wo vielleicht einzelne Trümmer von ihm im Weltenraum
herumkreisend von seiner einstigen Größe Zeugnis geben könnten. [Sg.01_028,57]
Von all diesem großen Schöpfungsleben gibt euch niemand Kunde, wenn es nicht
der flüchtige Lichtstrahl ist, der wie die schnell vergehende Zeit an die
Vergänglichkeit des Bestehenden mahnt, wo nur der Zweck, Neues zu schaffen,
vorwärts zu gehen, das Hauptprinzip in der ganzen Schöpfung ist. [Sg.01_028,58]
O wie wenige kennen den wahren Wert des Lichtes, weder in geistiger
Entsprechung, vermöge welcher es als Lichtstrahl dem Menschen oft große und
fruchtbare Lehren geben könnte, wenn er fähig wäre, sie aufzunehmen oder
geistig zu begreifen, noch in materieller Hinsicht, wie aus dem Lichtstrahl
alles Gute und Schöne emporkeimt! [Sg.01_028,59]
Du, Mein Sohn, sahst im Lichtstrahl von ein paar Sternen eine ganze große
Welt. Ich half dir diesen Augenblick für immer festzuhalten, damit, wenn du
auch einst von hinnen gegangen bist, dein und Mein Wort Früchte trage. Und
jetzt habe Ich wieder das nämliche Thema ergriffen und habe euch allen den
Lichtstrahl gerade wie ein Professor erklärt, ferner den geistigen
Lichtstrahl Meines Wortes euch fühlen lassen, – und nun sende Ich euch
wiederholt das Licht als Urstoff Meiner Eigenschaften als liebendes Wesen,
gleichbedeutend und gleichwirkend überall, wo stets das Licht, Leben
erregend, das Mangelnde ersetzen kann. [Sg.01_028,60]
Ich habe euch gezeigt, wie das Licht allein der einzige Faktor ist, welcher
euch von dem Dasein ferner Welten Kunde gibt und so euch mit Welten in
Verbindung setzt, wo geistig verwandte, liebende Seelen ebenfalls der
Erlösung aus der Materie warten, um einst als geistige Wesen alle Seligkeiten
genießen zu können, welche eben nur geistig, also nur von Geistern errungen
und gefühlt werden können. [Sg.01_028,61]
Ich zeigte euch im Nordlicht den Ausgleich des Verbrauchten mit Neuerworbenem
im Stoffwechsel eurer Erde, belehrte euch, wie überall das Licht als
Verbreiter des Lebens wirkt, webt und erhält, und wie eben im dunklen
Ätherraume auch dort, wo auf eurer Erde alles erstarrt ist, erst die geistige
Wirkung aller Elementarstoffe anfängt, der kleinen Erde im Innern und Äußern
nützlich zu sein. [Sg.01_028,62]
So habt ihr einen Komplex aller möglichen Erklärungen des Lichtes, habt im
einzelnen Strahl wie im Lichtmeer einer Zentralsonne das Wort vernommen,
welches euch ein geistiges Licht anzünden soll, damit ihr Denjenigen nicht
vergessen möget, welcher keine Gelegenheit unterläßt, auf die Wunder und
Gesetze Seiner Schöpfung aufmerksam zu machen, damit ihr die ersteren als
Zeugen Seiner Liebe betrachten und nie gegen die letzteren sündigen solltet.
Denn nur ihr selbst werdet der Strafe unterliegen müssen, so wie auch nur ihr
die Seligkeiten genießen könnt und sollt, wenn ihr durch Meine Schöpfung Mich
erst recht kennen und lieben gelernt habt. [Sg.01_028,63]
Immer und immer wiederhole Ich es und auch heute wieder: Ich bin die Liebe!
Nur so begreifet ihr Mich, könnt Meine Worte schätzen und Meine Werke würdigen
lernen; und nur durch die Liebe findet ihr den Schlüssel zum Reiche der
Geister, dessen Bewohner ihr bei weitem länger sein werdet, als dieses kurze
Erdenleben ist! – – [Sg.01_028,64]
Wo Liebe im Herzen ist, da leuchtet der erste Strahl, um den Weg zu Mir zu
finden; denn auch diese Liebe, Wärme und Leben verbreitend, wird wie der
Lichtstrahl ewig der Träger alles Guten und Erhabenen sein. [Sg.01_028,65]
Ohne Liebe können Meine sieben Eigenschaften nicht ausgedrückt werden, denn
alle entspringen aus ihr. Und wie das Licht in seine sieben Farben sich
teilend die sichtbare Welt verschönert, so versüßt auch die Liebe sich in
ihren Eigenschaften tätig zeigend dem Menschen seinen Lebenswandel, wo er
gegen seinen Nächsten dieselben ausübend erst die Gottesliebe recht begreifen
wird, welche ohne die Nächstenliebe nicht bestehen kann. [Sg.01_028,66]
Denn der Nächstenliebe wegen erschuf Ich das ganze Weltall, leitete das Licht
hindurch, und selbst Ich fühle nur Meine Eigenschaften wieder, wenn ich sie
an lebenden Wesen verwirklicht finde. [Sg.01_028,67]
So muß der Lichtstrahl von einem Pol der Schöpfung zum andern die Harmonie
und gegenseitige Wechselwirkung herstellen und erhalten, und so knüpft sich
durch ihn das Band zwischen liebenden Wesen, zwischen Vater und Kindern stets
enger, bis einst – wie Ich es auf Erden sagte: „ein Hirt und eine Herde“ sein
wird, wo Ich dann nicht mehr in die weiten Räume Meiner Schöpfung das Wort
werde ertönen lassen: Es werde Licht! denn es wird überall Licht geworden
sein, im Innern der Herzen wie im Äußern der materiellen Welt, wo dem
geistigen Auge bei Aufsuchung Meiner Werke kein dunkler Fleck sich entgegenstellen
wird! [Sg.01_028,68]
So soll euch das Licht als Symbol Meiner Liebe führen, weit hinaus zu jenen
fernen Welten und weit hinein in die Eingeweide der Planeten und Sonnen, wo
ebenfalls die Liebe als Ersatz des materiellen Lichtes alles tut und
bereitet, um den auf der Oberfläche lebenden Geschöpfen ein erträgliches,
glückliches Leben zu verschaffen, wo die Erhaltung des physischen Lebens
leicht und die Ausbildung des geistigen durch nichts gestört werden soll,
damit, wie Ich es euch schon vor Jahren sagte: Licht, Leben und Liebe das
Kleeblatt der Dreieinigkeit sei, welches euch auf allen Wegen leiten und
endlich euch zu Mir ins Geisterreich führen soll, wo das Licht, das Leben und
die Liebe kein Ende mehr haben werden – und ihr stets „mehr Licht“ im
geistigen Leben und „mehr Liebe“ im geistigen Lichte finden werdet, welches
von Mir ausgehend, vorerst das ganze Geisterreich belebend, das materielle
Leben erleichternd und die Menschenherzen erwärmend, einen Bund fester
schließen solle, worin vom Vater zum Kinde nur sanfte Abstufungen sind und
also nie die Allmacht des ersteren letzteres erschrecken, sondern Seine Liebe
alles vergessen macht, was das Leben im großen Geisterreich erschweren
könnte. [Sg.01_028,69]
So habt ihr nun hier wieder ein Wort, ein Wort von Meinen Wundern, um euch zu
zeigen, daß, wenn ihr auch vor der Größe Meiner Welt erstaunen müßt, ihr doch
vor dem Schöpfer, der nur ein Vater sein will, nicht zurückschrecken sollt,
sondern festes Vertrauen haben möget, daß Er so wie ein Vater auf Erden
ebensowenig etwas anderes euch zukommen lassen will als Freuden – und zwar
Freuden ohne Ende! Amen. 29. Kapitel – Ergänzung zum Wort über „Das Licht“, III. (Ergänzungen). 14. Januar 1876 [Sg.01_029,01]
Was Ich dir sagte in bezug auf die Bewohner anderer Welten, daß sie in
besseren Verhältnissen und glücklicheren Umständen leben als ihr, und daß
sie, obwohl sie schon Seligkeiten genießen, doch in geistiger Hinsicht hinter
euch stehen – dieses Beispiel könnt ihr auch auf eurer Erde selbst sehen,
wenn ihr die nördliche und südliche Hälfte eures Erdballs, deren Bewohner und
klimatischen Verhältnisse betrachten wollet. [Sg.01_029,02]
Auch hier ist Natur, Klima und leichtere Ernährungssorgen den südlichen
Bewohnern anheimgefallen, während die nördlichen, mit den Elementen kämpfend,
mehr den Ausspruch des Alten Testaments: „Du sollst dein Brot im Schweiße
deines Angesichts verdienen“, beinahe täglich verspüren müssen. [Sg.01_029,03]
Auch hier seht ihr die geistigen Fakultäten im Norden mehr entwickelt, weil
gerade die äußeren klimatischen Verhältnisse den Menschen zum Suchen nach
Ruhe und Trost in seinem Innern drängen, während die mildere Temperatur,
stets heiterer Himmel und üppige Vegetation im Außenleben den Südländer von
seinem Innenleben fast gänzlich abziehen. [Sg.01_029,04]
Auch hier auf eurem Erdball könnt ihr euch den Vergleich bildlich vorstellen
– zwischen den Bewohnern der herrlichen Welten und euch auf eurer kleinen
Erde. [Sg.01_029,05]
Alle Menschen sind zum gleichen Ziel berufen, so wie alle Bewohner der
anderen Sonnen und Welten; aber der Prozeß der geistigen Bildung geht, gemäß
der Empfänglichkeit der Seelen – bei der einen geschwinder, bei der anderen
langsamer, und so ist es auch auf eurer Erde. Der Südländer braucht länger
zur geistigen Reife als der Nordländer, eben weil er weniger um seine Nahrung
zu kämpfen hat, weniger durch äußerliche Verhältnisse zur Einkehr in sein
Inneres angespornt wird. [Sg.01_029,06]
Er hat nebenbei aber auch seine tierischen Leidenschaften mehr zu bekämpfen,
und der Nordländer kennt manche Seite der menschlichen Seele gar nicht,
welche den Südländer am meisten beunruhigt. [Sg.01_029,07]
Der Südländer entspricht der auf der südlichen Halbkugel vorherrschenden
Elektrizität und der Nordländer jener des Magnetismus. [Sg.01_029,08]
So ist es auch mit den Welten gemeint. Je schöner die Welt und je behaglicher
das Leben auf ihr – desto langsamer der geistige Fortschritt; und je mehr
Kampf, desto mehr ist schon der Schatten eines geistigen Lebens dem Dulder
eine Belohnung. [Sg.01_029,09]
Es ist in diesem das Gesetz der Einkleidung der Geister in andere Welten so
geordnet, daß sie nicht einen zu großen Sprung machen müssen, sondern im
Süden der weniger ausgestatteten Welten solche ähnliche Verhältnisse
vorfinden. [Sg.01_029,10]
Dieses wollte Ich euch mit dem Erklären der anderen Welten sagen und lasse es
hier nachfolgen, damit ihr stets besser die Ordnung Meiner Schöpfung erkennen
möget, wo alles nach ein und demselben Prinzip geleitet und geordnet ist und
ihr die Analogie (Ähnlichkeit) finden könnt, wenn ihr die Sache nur mit geistigem
Auge ansehen wollt. – [Sg.01_029,11]
Selbst die Pflanzen- und Tierwelt zeigt euch das nämliche, so wie Ich es
woanders einst sagte. [Sg.01_029,12]
Vergleichet die Pflanzen und Früchte des Südens mit denen im Norden. Welche
Farbenpracht der gefiederten Welt, ohne melodischen Gesang; welch einfaches
Kleid mit seelenvollem Ausdruck – im Norden (Nachtigall)! Im Norden gibt es
Singvögel und im Süden mit Farben gezierte, aber schreiende oder kreischende
Luftbewohner; das heißt, hier üppiger Schein mit wenig innerem Gehalt und
dort harmonisches Sein mit vernachlässigter Gestalt! [Sg.01_029,13]
Selbst eure geschätztesten Metalle und Edelsteine findet ihr im Süden mehr
als im Norden, weil dort alles für das irdische Scheinleben und im Norden
mehr für das praktische Erdenleben, nur dem Geistigen nützen sollend,
vorhanden ist. [Sg.01_029,14]
Im Süden bei den meisten Völkerschaften Hang zur Kleiderpracht, gleich ihrer
sie umgebenden Natur; im Norden, dem Lande des Eisens, mehr dem Festen,
Nützlichen huldigender Sinn. Während im Süden Weichlichkeit vorherrscht, gilt
im Norden als Hauptprinzip, sich allem kampffertig entgegenzustellen, was der
geistigen Entwicklung hinderlich ist. [Sg.01_029,15]
Eben deswegen auch der Nordländer eher als der Bewohner des Südens für
Geistiges empfänglich ist, weil seine Seele mehr an Kampf gewöhnt, diesen
nicht scheut, ihm gerade entgegengeht, während der Südländer ihm behutsam ausweicht. [Sg.01_029,16]
Durchleset die Geschichte, so werdet ihr finden, daß selbst im Kriege
zwischen Völkerstämmen ihre Bewaffnung, dem Charakter derselben entsprechend,
im Norden und Süden stets sehr verschieden war. [Sg.01_029,17]
Die Zeit des Mittelalters hieß man im Norden die Zeit des Eisens oder „die
eiserne Zeit“, weil dort alles in schweres Eisen gehüllt sich wohl befand. [Sg.01_029,18]
Der Zug zum Eisen ist nicht gerade wegen der Sicherheit, die man unter
solcher Bekleidung hatte, er liegt noch tiefer, es ist der verwandte
magnetische Stoff, welcher im Eisen und in der ihm verwandten Menschenseele
lag. [Sg.01_029,19]
Sehet eure Bewohner des Flachlandes an, wie hebt sich ihre Brust, wie groß
wird ihre Begeisterung, wenn sie bedeutenden Gebirgsländern sich nahen, wenn
sie zwischen ihren saftigen Talgründen, ihren Schluchten wandeln, wenn sie
auf schwindelnden Höhen den Gebirgsbewohnern folgen bis an die Grenzlinie der
Vegetation und auf zerrissenen Felsenklippen oder ewig überdeckten Schnee-
und Eisfeldern in der Ferne ihre Heimat erblicken! [Sg.01_029,20]
Sehet, es sind nicht sowohl die Massen der Gebirge, es ist ihr inneres
Gefüge, welches verwandte Elemente enthält, die der Menschenseele nahestehend
eben zur nördlichen Hälfte des Erdballs gehören. [Sg.01_029,21]
Der Südländer verlangt nach keinem Gebirge, nach keiner großartigen
Naturszene, er will Ruhe haben und Bequemlichkeit, weil schon die Temperatur
seines Landes ihm nicht viel Bewegung erlaubt, ohne große Opfer von
Kraftaufwand zu bringen. [Sg.01_029,22]
So sind die großen und schönen Welten ebenfalls nur für solche Menschen
geschaffen, denen langsame Ausreife allein zuträglich ist, und so sollt ihr
Meine ersten Worte und diese nachfolgenden deuten, wenn ihr in dem
anscheinlich Ungerechten doch eine gerechte Logik finden wollt. [Sg.01_029,23]
Ich führte euch geflissentlich diese Vergleiche auf eurer Erde zwischen Süden
und Norden vor, damit ihr im Nahen das Ferne leichter begreifen könnt. [Sg.01_029,24]
Ich könnte euch noch so manches als Beleg des Unterschieds aufzählen, welches
ebenfalls darin seinen Grund hat, wie die kleinen Bestandteile selbst der
Erdoberfläche oder ihres Innern unwillkürlich auf die geistige
Entwicklungsperiode der Völker einwirken, inwiefern sie im Süden oder im
Norden wohnen. [Sg.01_029,25]
Nehmt zum Beispiel die Religionen mit ihren Kulten, wie weichlich, wie
sinnlich sind sie bei den Südländern ausgeartet, während sie im Norden stets
strenger den sittlichen Charakter trugen. Selbst die Vorstellung einer
künftigen Dauer nach dem Tode mußte unter diesem Einflusse leiden und so ihre
Mission erschweren, statt sie zu erleichtern. [Sg.01_029,26]
Wie wenige unter euch sind fähig, den eigentlichen Stand, sei es der
Völkerkultur, als ihrer Entwicklung gerade richtig so zu beurteilen, weil die
meisten Geschichtsschreiber und Ethnologen den Menschen nur nach dem sichtbar
Geschehenen, nicht aber nach dem geheimen Zuge beurteilen, welcher
unwillkürlich oft der Hauptfaktor ist. [Sg.01_029,27]
Sehet, klimatische Verhältnisse beeinflussen den Körper, Nahrungsmittel und
Lebensbeschäftigung die Seele, Erziehung und soziale Stellung den Geist! Die
große Kette, welche alle Wesen verbindet, nebenbei aber den einzelnen die
Stelle anweist, wo sie am ehesten wirken können und am leichtesten fortschreiten,
diese große Verbindung kennt ihr nicht; denn sie fängt außerhalb eures kleinen
Planeten an und geht weit über eure Sonnen- und Weltensysteme hinaus. [Sg.01_029,28]
Es ist kein Zufall, wenn der eine in diesen, der andere in jenen Verhältnissen
geboren oder erzogen worden ist; es ist kein willkürliches Zusammentreffen
von Umständen, welche bestimmten, den einen so, den andern anders zu leben
und zu wirken. [Sg.01_029,29]
Überall, seid versichert, ist ein geistiges „Warum“, welches sodann das
praktische „Darum“ festsetzte. [Sg.01_029,30]
Das, was die südlichen Völker „Fatum“ und ihr „Schicksal“ nennen, wo die
Freiheit des Menschen im Handeln dadurch beschränkt wäre, ist nirgends vorhanden. [Sg.01_029,31]
Wahr ist es, klimatische Verhältnisse, Nahrung, soziale Stellung und
Erziehung stempeln den Menschen auf Erden zu dem, was er scheint; aber doch
ist ebenfalls wieder der Seele die Macht gegeben und durch den ihr
beigegebenen Gottesfunken fest bedingt, alle diese Einwirkungen insofern zu
beherrschen und zum geistigen Nutzen zu verwerten, daß das Geist-Seelische
stets die Oberhand behält und der Körper, wenn er durch diese Beschränkung
auch leidet, doch der Seele gehorchen muß. [Sg.01_029,32]
Und hier seht ihr oder könnet wenigstens ahnen, wie viele Umstände oft
eintreten müssen, um die verschiedenen Seelen mit all ihren verschiedenen geistigen
Anlagen doch zu einem gemeinsamen Ziel zu führen. [Sg.01_029,33]
Hier könnt ihr begreifen lernen, wie Ich das Regiment führe, da Ich alle
Handlungen der Menschen, alle ihre Taten doch wieder so verwende, daß Mein
Zweck, das heißt ein allmählicher Fortschritt in der ganzen geschaffenen Welt
dadurch gefördert wird, indem selbst das Schlechteste, von Menschen
ausgeheckt und vollführt, doch nur Gutes hervorbringen muß. – [Sg.01_029,34]
Ich habe diese Worte als ein Anhängsel zu Meinem vorigen gegeben, auf daß es
bezwecke, noch mehr Licht in euren Herzen anzuzünden, und ihr in diesem Blick
in das große Regiment der Geister ahnen könntet, was in den Worten, welche
Ich euch einst unter dem Titel „Die Gedankenwelt“ und „Das Wort“ gab, eigentlich
noch mehr enthalten ist. Es soll dieses Wort euch neben seiner eigenen Wichtigkeit
den Wert des früheren erst in sein wahres Licht stellen; denn „Licht“ war
auch der Titel jenes Wortes, und licht soll und muß es werden, wenngleich bei
eurer Lauheit es sich nur langsam verbreiten kann. [Sg.01_029,35]
Die magnetische und elektrische Kraft, diese großen Faktoren Meines
Welten-Reiches, sind zu gewichtig, als daß sie übersehen oder mißverstanden
werden sollen, und wenn Ich sagte, es ist eine Kette, welche alles verbindet
und zusammenhält, so sind diese zwei Faktoren das Bindungsmittel in der
materiellen Welt, welchen in der geistigen Mein Wille und Mein Ernst
entsprechen, alles doch dahin zu führen, wohin Ich will und zu was Ich alles
bestimmt habe. [Sg.01_029,36]
Aus diesen beiden eben angeführten Kräften entwickelt sich das Licht. Das
Licht bestimmt den Bestand der Welten, ihre klimatischen Verhältnisse, ihre
Produkte, welche sodann als Unterlage zum Seelenleben aller Wesen werden, die
unter all diesen Einflüssen sich erst durch Kampf und Streit mit der eigenen
Natur den Stempel des geistigen Adels oder geistiger Höhe aufdrücken müssen. [Sg.01_029,37]
Wenn der Mensch nichts hätte, was ihm auf seiner irdischen Lebensbahn
hinderlich in den Weg tritt, so würde er dem geistigen Verwesungsprozeß
anheimfallen, wie ein stehendes Wasser, welches ohne Bewegung den auf es
einwirkenden Luft-, Licht- und Wärmestrahlen unterliegen muß. [Sg.01_029,38]
Wie die Luft, die Winde, das Meer, die Wellen und das Innere der Erde ihr
magnetisch-elektrisches Leben stets in Bewegung erhalten, so im Geistigen der
menschlichen Lebensbahnen die Widerwärtigkeiten und die verschiedenen Verhältnisse,
welche stets anregend, fördernd auf Geist und Seele einwirken, damit auch
dort, wie im Meere stets Ebbe und Flut, so sie das geistige Seelenleben vor Fäulnis
retten. [Sg.01_029,39]
So seht ihr die große Kette, welche auch im Geisterreich noch nicht ihr Ende
hat, sondern die Geister an die Welt und die lebenden Wesen an die Hinübergegangenen
(Seelen) anknüpft und stets diese Verbindung erhält, sobald sich nur ein
geeignetes Organ vorfindet, das diese auch sichtbar herstellen kann. [Sg.01_029,40]
Überall ist es die große geistige Potenz Meines Willens, die sanfte
Einwirkung Meiner göttlichen Eigenschaften, welche dieses ungeheure Gebäude,
das ihr als Universum kennt, erhält, und wo eben die Erhaltung auch noch ein
Fortschritt ist, indem es überall nur Anfänge, stufenweise Vorrückung, aber
nirgends eine Vollendung gibt! [Sg.01_029,41]
Der einfache Faktor „Licht“ ist der Träger alles Daseienden, und das einfache
„Wort“ als sichtbar ausgedrückter Gedanke ist das geistige Licht, welches
alles bewegt und alles zu Mir zurückführen wird, von wo es ausgegangen ist. [Sg.01_029,42]
Das Licht mit seinen Strahlenbrechungen bewirkt eure Farben, belebt eure
Erde, hilft sie bekleiden, verschönern und euch erträglich machen. [Sg.01_029,43]
Das Licht zieht aus dem finsteren Erdreich die Säfte empor und führt vom
kleinsten Moospflänzchen angefangen bis zum größten Baume ein jedes Gewächs
zu seiner Bestimmung. [Sg.01_029,44]
Blau, weiß oder rot gefärbt sind die ersten Anfänge einer jeden Pflanze, ehe
sie aus der finsteren Erde emporsteigt; ihr Blut oder der rollende Saft,
Kügelchen wie die eures Blutes, machen die Hauptsubstanz aus und bewegen sich
dort in geregeltem Lauf. [Sg.01_029,45]
Noch sind sie nicht grün gefärbt, blaß steigen sie aus dem Boden empor, aber
kaum erreicht sie das Licht mit seiner Strahlenbrechung, mit seiner erregenden
Kraft, so beginnt ein anderes Leben, das Blasse, Fahle wird gefärbt, wird
grün in allen Abwechslungen, der Individualität der Pflanze angemessen –
alles lebt, alles arbeitet, zersetzt, formt und bildet sich, wird aber wieder
zersetzt, wieder geformt und wieder zu einem andern Zweck verwendet. [Sg.01_029,46]
Stets steigen neue Kräfte aus der Erde empor, die gröberen und dichteren
bleiben gemäß ihrer Schwere unten zurück, die feineren gehen weiter; es
bilden sich aus ihnen die Knospe, die Blume, die Frucht. [Sg.01_029,47]
Immer ist das Licht der Anreger. Was die Blätter an Farbenpracht einsaugten und
dann nur die grüne Farbe zurückstrahlen, das geben sie nun wieder verfeinert
in der Blume, in deren verschiedenen Farben zurück, indem sie in der Blume
das Grüne für sich behalten und die andern Farben euren Augen sichtbar zeigen
und so dem aufmerksamen Beschauer von ihrem inneren Wirken Kunde geben. [Sg.01_029,48]
Neben dem Farbenspiel ist das Licht noch als Wärme-Entwickler der
Hauptfaktor, welcher das Ätherische in den feinsten Säften der Gewächse herauszieht
als süßen Saft oder feinen Wohlgeruch, der Tier- und Menschenwelt angenehme
Sinnes-Einwirkungen bereitet. [Sg.01_029,49]
So seht ihr, wie das Licht treibend, arbeitend in jedem Organismus zu dessen
Entwicklung und dessen Endzweck hilft. Und wie das materielle Licht aus dem
finsteren Boden der Erdscholle alles dieses hervorzieht und zur Oberfläche
bringt, wo es dann als weitere Unterlage für Tiere und Menschen dienen muß –
ebenso ist Mein Wort als göttliches Licht, welches auf den finsteren Herzensgrund
fallend, dort die schlummernden Geisteskräfte weckt. Und wie das Licht mit
seinen sieben Farben, ebenso Meine sieben Eigenschaften sich darin entzünden,
welche sodann – wie beim Blatt anfangs als Hauptfarbe das Grün
zurückstrahlend – die Tugend der festen Willenskraft im Außenleben zeigen,
sodann, wenn alle sieben Eigenschaften geistig verdaut, die Willenskraft für
sich behaltend, die übrigen Eigenschaften als Lebensblume oder Krone allen
geistigen Strebens dem Nächsten entgegenhalten, um durch Ausübung dieser
göttlichen Eigenschaften geistig seine Mission zu erfüllen. Wie die Blume zur
Frucht übergeht, so soll aus dem Tatenleben der eigentliche große edle Geistesmensch
als Resultat herauswachsen. [Sg.01_029,50]
So seht ihr die Lichtverbreitung auch im Geistigen als den nämlichen Leiter
und Führer, und es werden nun so manche begreifen, was Ich damit sagen
wollte, als Ich in dem letzten Wort folgendes sprach: „daß, wenn ihr das
Licht und seine Bedeutung auch in geistiger Entsprechung ganz kennen würdet,
es euch manche fruchtbare Lehre geben könnte“. [Sg.01_029,51]
Hier habt ihr noch in kleinen Umrissen den Prozeß des Lichtes als Wirkung der
Elektrizität und des Magnetismus und am Ende selbst das geistige Licht oder
das klare Verständnis Meiner Worte beisammen, welches teils in Vergleichungen,
teils in Bildern euch die große Wechselwirkung zeigen soll, welche in Meinem
Reiche herrscht, wo weder Materie noch Geist sich deren Einfluß entziehen
kann, sondern alles miteinander verbunden nur eines ausmacht, welches ihr
Universum oder Weltall, Ich aber nur den sicht- oder unsichtbaren Ausdruck
Meines Willens und Meiner Eigenschaften nenne – und ebendeswegen, weil es
dieses auch ist und ebensolange wie Ich Selbst dauern wird, das heißt:
unendlich und ewig, wie sein Schöpfer und euer Vater ist, war und sein wird!
Amen. 26. Januar 1876 [Sg.01_030,01]
Schon seit dem Blick in den Orion und später im Wort über „Das Licht“ habe
Ich dir vieles gesagt über Meine Schöpfung, über die ersten Faktoren
derselben, welche sie entstehen machen, sie verwandeln und zum immerwährenden
Fortschreiten drängen; habe dir in den letzten zwei Worten das Licht mit all
seinen Eigenschaften, Wirkungen und chemischen Prozessen erklärt, und es
blieb Mir also nichts übrig, als euch noch dieses kleine Werkzeug näher vor
eure geistigen Sinne zu führen, mit welchem ihr eben Meine Schöpfung ermessen
und des Lichtes Wunder begreifen könnt – und dieser große, in kleinem Raume
eingeschlossene Apparat ist euer Auge, so wie es bei jedem lebenden Wesen
dasjenige Vermittlungsglied ist, welches alle mit der um sie lebenden Natur
und ihren Einwirkungen verbindet. [Sg.01_030,02]
Was ein lebendes Wesen ohne Auge ist, und was ein Mensch ohne diesen
Organismus wäre, darüber befragt nur einen Blindgewordenen, welcher zwar die
wohltätige Einwirkung der Wärmestrahlen seiner Mittagssonne fühlt, aber den
Anblick der ihn umgebenden Natur entbehren muß, welche wie zum Beispiel im
Frühling oder Sommer in ihrem Festgewande um ihn her ausgebreitet ist. [Sg.01_030,03]
Niemand von euch Menschen weiß den Wert eines Organs seines Körpers oder
sonst ein Gnadengeschenk von Mir gehörig zu schätzen, als erst dann, wenn er
es verloren hat. [Sg.01_030,04]
Diesen Satz könnt ihr alle Tage bewährt finden, wenn ihr seht, wie die
Menschen besonders in Krankheitsfällen nach Herstellung ihrer Gesundheit seufzen,
welches Gnadengeschenk sie jedoch vorher mit Füßen getreten haben, indem sie
dann erst wußten, was sie wert ist, wenn sie sie nicht mehr besaßen. [Sg.01_030,05]
Ebendaher wird auch der Sinn des Sehens, des Hörens, der Sprache, erst dann
in seiner ganzen Größe begriffen, wenn er der Seele mangelt. Dann erst lernt
der Mensch einsehen, welch große Himmelsgabe es ist, nicht allein nur ein
Glied der großen Schöpfungskette zu sein, sondern auch alles sehen, hören und
dann auch andern mitteilen zu können. [Sg.01_030,06]
Wenn Ich euch jetzt in diesem Wort das Auge beschreiben werde, so ist damit
nicht gesagt, daß es das einzige Werkzeug ist, mit welchem ihr euch mit Meiner
Welt in Verbindung setzet, sondern es ist nur einer jener Faktoren, welcher
zum geistigen Fortschritt der menschlichen Seele notwendig ist, denn mit dem
Sehen allein ist es nicht abgetan, wenn der Vorteil mangeln würde, das
Gesehene auch andern mitzuteilen. Und so ist der nächste verwandte Organismus
des Auges die Gabe der Mitteilung – die Sprache, welche ebenfalls das ewig
belebende Element Meiner Schöpfung, da wo es sich bis zum Tone steigert,
entweder geistig fühlend wiedergibt oder zu ahnen sucht und so mit dem Gehör
als Vorausgesetztes in nächster Verbindung ist; denn zuerst muß man hören,
ehe man sprechen, ehe man das Gehörte, sei es in Sprache, Gesang oder Musik,
mitteilen kann. [Sg.01_030,07]
Hier habt ihr wieder eine Dreifaltigkeit, nämlich: Sehen, Hören und Sprechen,
welche zusammen ein Etwas, das heißt – die Individualität der Geistesbildung
ausmachen und durch welche die Außenwelt mit der Innenwelt verbunden ist,
indem die ersten beiden dem Innern mitteilen, was außer ihm vorgeht, und die
letztere, die Sprache wiedergibt, wie das Aufgenommene im Innern verstanden
und begriffen worden ist. [Sg.01_030,08]
Daß bei einzelnen Individuen, wo die eine oder die andere Fakultät entweder
verlorengegangen oder der Mangel gar schon bei der Geburt mit auf die Welt
gebracht wurde, wo ein Organ schwach durch das andere ersetzt wird – dieses
sind einzelne Fälle, welche nur beweisen, daß die Seele alle drei Motoren
haben muß, um sich auszubilden, und nur durch Übung der andern das Verlorene
zu ergänzen sucht. [Sg.01_030,09]
Kehren wir nun einstweilen wieder zum Auge zurück, dessen Titel dieses Wort
trägt, so sehet ihr klar, daß alle Wunder Meiner Schöpfung umsonst dastünden,
wären die Wesen nicht mit einem Organismus (Sinneswerkzeug) ausgerüstet,
welcher ihnen die Möglichkeit gibt, sie wahrzunehmen oder zu sehen – denn was
ist das Licht ohne das Auge? Ein halbangefangenes Werk, wo der Anfang eben zu
keinem Zwecke führt. [Sg.01_030,10]
Es muß also vorausgesetzt werden, daß Ich als logischer Schöpfer, sobald Ich
eine Welt erschaffen wollte, sobald Ich auf sie Wesen setzen wollte, die Mich
erkennen, die Mich lieben, Mich begreifen sollten, und zwar, da Ich Selbst unsichtbar,
nur ein Geist bin, sie aus Meinen Schöpfungen den Schluß ziehen könnten, daß
ein Wesen, welches solche Welten ins Leben rufen konnte, neben Seiner Macht
auch ein liebender Vater sein muß, welcher alles eben diesen von Ihm ins
Leben gerufenen Geschöpfen zuliebe so und nicht anders eingerichtet hat, und
Ich deshalb auch Meinen Geschöpfen die geeigneten Organe geben mußte, mit
welchen sie alles dieses wahrnehmen, begreifen und fühlen können – oder mit
wenigen Worten: Als Ich das Licht erschuf, da mußte Ich auch das Auge
erschaffen als einziges Aufnahmegefäß des Lichtes, welches – da Gleiches nur
Gleiches anziehen und verwerten kann – ebenfalls aus jenen Elementen
zusammengesetzt ist und sein muß, welche im Lichte die vorherrschenden sind.
Ferner mußte das Auge so gebaut sein, daß der Lichtstrahl mit seiner großen
Schnelligkeit, mit welcher er darin eindringt, nicht allein demselben nicht
schadet, sondern auch der Seele Zeit läßt, ihre durch das Auge ihr gegebenen
Bilder zu geistigen Vorstellungen des Gesehenen zu ergänzen. [Sg.01_030,11]
Da nun aber die Seele mittels des Gehirns durch einen Nerv mit dem Auge in
Verbindung steht und im Gehirn die geistigen Fakultäten der Seele mittels der
Materie der Gehirnmasse erst einen geistigen Prozeß durchmachen müssen, der
langsamer als das Licht selbst ist, so mußten im Auge Vorkehrungen getroffen
werden, den schnellen Lichtstrahl zu verlangsamen, wozu nun eben die verschiedenen
Feuchtigkeiten, welche das Innere des Auges ausmachen, als Vermittler und
Zersetzer desselben dienen. [Sg.01_030,12]
Siehe, das Blut, welches mit großer Kraft durch den Druck des Herzens in alle
Teile des Körpers bis zu den feinsten Kapillar-Gefäßen geleitet wird, dieses
Blut darf, sobald es gegen das Gehirn seinen Lauf fortsetzt, nicht mit
solcher Hast eindringen, sondern muß seinen Lauf verlangsamen, damit die
Vermittlung zwischen Geist und Materie, welche in allen seinen Teilen (des
Gehirns) vorgeht, langsam geschehe; und ebendeswegen findet ihr, daß die große
Schlagader, sobald sie gegen den Kopf sich wendet, dort nicht gerade, sondern
in Windungen das Gehirn erreicht, um den Andrang des Blutes dort zu schwächen
und so der Seele Zeit zu lassen, aus dem durch Materie Empfangenen Geistiges
zu bilden. [Sg.01_030,13]
So wie es hier für das Gehirn beschrieben ist, so ist es im Auge mit dessen
Inhalt, so mit dem Knochenbau des Organismus im Ohr, wodurch ebenfalls die
Schwingungen der Schallwellen verkürzt und modifiziert zu einem Etwas sich
gestalten können. [Sg.01_030,14]
Es ist in Meinem Reiche so, daß Ich nur wenige Faktoren brauche, um große
Resultate zu erzielen. Und so sehet ihr auch hier wieder, wie Ich vorgesorgt
habe, hier durch die Biegung einer Pulsader, daß ihr denken, dort durch einige
wäßrige Feuchtigkeiten bewerkstelligte, daß ihr sehen könnt, das heißt: daß
ihr mit dem ersteren das ganze Reich der Gedanken und mit dem zweiten das
große Reich Meiner sichtbaren Schöpfung umfassen könnt! [Sg.01_030,15]
Das Durchdringen der Lichtstrahlen durch die Substanzen, welche in eurem Auge
sich befinden und dem Lichte verwandt sind, das heißt Magnetismus und
Elektrizität, im Phosphor enthalten, wäre nicht genug. Ich mußte auch dafür
sorgen, daß der Lichtstrahl nicht als unaufgelöster, als weißer darin
eindringe, sondern Ich mußte diesen Stoffen noch Elemente beifügen, welche
ihn zerteilen helfen, und daß ihr so bemerken könnt, wo der Lichtstrahl auf feste
Gegenstände auffallend, ebenfalls nach den nämlichen Gesetzen zerteilt, seine
Farben kundgibt nach den chemisch-physikalischen Prozessen, welche Ich euch
in den vorhergehenden Worten zur Genüge gezeigt habe. [Sg.01_030,16]
Auch dieses genügte noch nicht, denn nachdem Ich euch lebenden Wesen Meine
große Schöpfung durch ein so kleines Organ begreiflich machen wollte, so war
es ja natürlich, daß eine Vorrichtung dazu gehörte, um im Kleinen das Bild
des Großen wieder zu erzeugen. [Sg.01_030,17]
Es mußten also vorerst die vielen Lichtstrahlen der Gegenstände im Großen
„gesammelt“ werden, um im kleinen Auge sich wieder „zerstreuend“, „divergierend“,
ein verjüngtes Bild der vor euch und außer euch sich befindenden Gegenstände
wiederzugeben. [Sg.01_030,18]
Hierzu stellte Ich hinter die Pupille eures Auges die Kristall-Linse, welche
die Strahlen aufnimmt, sie konzentriert und dann im Pigment der Netzhaut
wieder auseinandergehen läßt, um auf dem schwarzen spiegelgleichen samtenen
Grunde das Bild des gesehenen Gegenstandes wieder zu erzeugen. [Sg.01_030,19]
Eure Theorie, daß beim Sehen auf der Nervenhaut sich das Bild verkehrt zeigt
und dann durch das Zurückstrahlen aus dem Auge sich wieder umkehre und sodann
als gerade sichtbar ist, diese Theorie beruht auf einem großen Irrtum; denn
eure Optiker haben wohl mit einem Glas, welches so wie die Kristall-Linse geschliffen
ist, das heißt auf beiden Seiten konvex (erhaben, nach außen gewölbt), dieses
Resultat des Umkehrens des Bildes gefunden; allein sie haben dabei vergessen,
daß das Glas leblos und die Brechung des Lichtstrahls darin ebendeswegen eine
andere ist, weil im Auge alles lebt, teils materiell, teils geistig, und die
Seele dort mit dem Sehprozeß ganz anders zu Werke geht, als es eben die
Optiker glauben. [Sg.01_030,20]
Ich möchte diese Herren nur auf etwas aufmerksam machen. Wenn ihre Theorie
wahr ist und sie den ganzen Sehprozeß nur auf die mathematischen Linien des
Kreises beschränken wollen, wie werden sie denn ein Bild konstruieren, welches
in das Auge einer Ziege, eines Pferdes, Ochsen usw. geht, wo die Pupille
nicht rund, sondern ein längliches Viereck ist? – [Sg.01_030,21]
Freilich liegt ihnen nichts daran, wie und was die Tiere sehen, auch können
sie es nicht erfahren, weil die Tiere es ihnen nicht sagen können. Jedoch mögen
sie versichert sein, daß die Tiere ebenfalls trotz der viereckigen Pupille so
gut wie die Menschen und manche noch weit besser und schärfer sehen als sie. [Sg.01_030,22]
Sie mögen überzeugt sein, daß überall, wo Ich einem lebenden Wesen ein
Seh-Organ gegeben, es ihm so angepaßt habe, wie es seine Bedürfnisse erheischen.
Und so können eure Gelehrten bemerken, wenngleich sie es nicht begreifen, wie
selbst der Maulwurf in der finsteren Erde doch noch sieht, also Licht da sein
muß, wo sie, die Herren, keines mehr wahrnehmen können; sehen, wie die Fledermaus
noch in später Nacht die kleinen Mücken in der Luft sieht, sehen, wie der
Adler in erstaunlicher Höhe sich wiegend – doch die am Boden schleichende
Nahrung erspäht; wozu natürlich ganz andere Augen gehören als wie diese, die
Ich dem Menschen gegeben, welche den direkten Sonnenstrahl nicht ertragen
können, während zum Beispiel eine Fliege und all das summende Geschlecht,
deren Kopf nur aus zwei kugelförmigen Augen besteht, stets den ganzen Halbkreis
des Himmelsgewölbes nebst dem starken Glanz der Sonne ruhig ertragen und sich
desselben noch erfreuen, ohne Schaden dabei zu erleiden. [Sg.01_030,23]
In den meisten Erfindungen und Entdeckungen haben die Menschen stets vom
Leblosen auf das Belebte geschlossen und eben hier die größten Irrtümer mit
ihren eigenen Wissenschaften verbreitet, wodurch sodann viele Widersprüche
zum Vorschein kommen, welche sie nicht erklären können. [Sg.01_030,24]
So zum Beispiel ist das Zerschneiden der Leichen ein Mittel, die gröbsten
Fehler im menschlichen Körper zu entdecken, warum dieser oder jene ins andere
Leben hinübergehen mußte; allein bildlich gesagt: Die Uhr ist stillgestanden
und die lebende Kraft, welche sie gehen machte, entwichen. Teilweise können
es die Räder, die Feder oder das Öl sein, welche den Gang der Uhr anfangs
hinderten, endlich ganz aufhoben; aber es gibt noch viele Einwirkungen, die
der Triebkraft der Uhr die Energie raubten, weswegen sie stehenbleiben mußte.
Das ist beim Menschen das seelische Lebens-Prinzip, welches am Ende auf die
zwei großen Faktoren hinausläuft, die in Meiner Schöpfung das Leben allein
bewirken, nämlich Magnetismus und Elektrizität. [Sg.01_030,25]
Solange diese im rechten Maße im menschlichen Körper aus- und einströmen
können, das Abgestorbene beseitigen und Neues amalgamieren (einverleiben)
helfen, so lange ist normale Gesundheit, normales Fortbestehen möglich. Sobald
aber dieses, und zwar meist durch die Fehler der Menschen selbst, zerstört
und aufgehoben wird, ist kein Fortleben mehr möglich, und wenn der Mensch tot
ist, so ist im zerschnittenen Leichnam höchstens die Zerstörung als Wirkung
wahrzunehmen, welche die Unregelmäßigkeit der Ein- und Ausströmung dieser
Hauptelemente hervorgebracht haben, aber der eigentliche Lebensfaktor ist
entflohen und mit ihm die Möglichkeit, den Grund oder das Warum zu
entziffern. [Sg.01_030,26]
So seht ihr überall, daß „Leben“, wenn auch nur sichtbares, materielles
Leben, ein ganz anderer Faktor ist, als bloß durch chemische Analyse die
Körper und Stoffe zu zersetzen. Denn nehmet diese analysierten Bestandteile,
mischet sie zusammen, und Ich will sehen, ob sich da nur zum Beispiel die
Bestandteile einer menschlichen Lunge ergänzen lassen, oder ob ihr aus dem
kleinsten Sandkörnchen, zersetzt in seine primitiven Elemente, wieder ein
ähnliches Sandkorn herauskonstruieren werdet können. Etwas anderes wird das
Resultat der Zersetzung sein; aber das Zersetzte wird es nie! [Sg.01_030,27]
So, Meine Kinder, sehet ihr, wie Ich auch im Auge Stoffe und Elemente, wie in
dem Pigment oder der Netzhaut, in der gläsernen oder wäßrigen Feuchtigkeit,
in der Kristall-Linse, in der Regenbogenhaut, in der Hornhaut, zusammengestellt
habe, die alle von Sonnen-Natur sind, also nur Lichtstoffe in sich tragen;
aber im Auge, vergeistigt, noch ganz anderen Prozessen unterliegen, indem
dort noch ganz andere Verwandlungen vorgehen, wovon ihr wohl Zeuge sein
könnt, aber nicht wisset, wie solches vor sich geht. [Sg.01_030,28]
Was beim materiellen Sehen der Prozeß ist, wie die Seele das Gesehene
aufnimmt, das ist eben auch im geistigen Verhältnis, wo selbst die Seele, und
oft ohne zu wollen, durch das Auge von dem Zeichen gibt, was in ihr vorgeht.
Und hier sehet ihr wieder einen anderen großartigen Faktor auftreten, welcher
euch von Seelen-Zuständen Kunde gibt, welche im Innersten des geistigen
Lebens vorgehen und im Auge sich abspiegeln, ohne weder seine Stoffe, noch
seine äußere sichtbare Form zu verändern. [Sg.01_030,29]
Und wenn Ich da wieder eure Herren Doktoren, eure Optiker frage, was ist
dieses für ein Fluidum, welches das zornglühende, das listige, das schlaue
oder das liebende Auge auszeichnet, wo ein jedes anders ist und aus anderer
Quelle entsteht und doch nur immer das nämliche Auge ist?!! – – [Sg.01_030,30]
Sehet, Meine Herren, dieses geistige Leben, welches bei solchen
Gemütszuständen das Auge durchdringt, ist eben wieder ein Imponderables (Unwägbares),
welches nicht gefaßt, nicht gemessen, wohl aber von den Menschen gefühlt
werden kann, wenn ein solcher Strahl geistigen Lichtes aus dem Auge des Gegners
sein eigenes trifft, ohne ihm erklären zu können, woher es kommt, was es bewirkt
und wie es selbst trotz des Menschen Willen oft doch nicht zu verbergen ist. [Sg.01_030,31]
Es ist eben derjenige Faktor des Lichtes, welchen Ich im vorigen Worte „die
geistige Potenz“ desselben nannte! [Sg.01_030,32]
Diese Potenz nährt, belebt und füllt die menschliche Seele ganz aus, treibt
sie vorwärts; und wenn Verirrungen oder Störungen in dieser Lebens-Potenz
eintreten, so entströmt das Überflüssige, welches dann in der Seele und durch
sie im ganzen Körper vorherrschend ist, was ihr sodann im Auge und auch, wenn
ihr wollt – in der Sprache, am Ton derselben wahrnehmen könnt. Dieser
ausstrahlende Überfluß begegnet in dem ihm gegenüberstehenden Auge einem
negativen Element, stößt sich daran ab und wird ebendeswegen bemerkbar, wo es
dann öfter durch diese Abstoßung nach und nach das gleiche hervorzurufen
imstande ist. [Sg.01_030,33]
Hier ist es die geistige Seelenwelt, welche die Materie durchdringt,
durchleuchtet und sie beherrscht. Und wenn bei edlen Bewegungen des Herzens,
bei Begeisterung für Höheres, für Geistigeres, der Drang noch wächst, so
ereignet es sich sogar, daß selbst der gewöhnliche Seh-Prozeß aufgehoben und
ein anderer dafür eintritt, welcher dem erstaunten Menschen sodann eine
Geisterwelt zeigt, welche er vielleicht als nicht daseiend geglaubt hatte. [Sg.01_030,34]
Dieses ist der geistige Blick eines Menschen, welcher sich so an die Grenze
zwischen Leben und Tod zu versetzen weiß, wo schon das Geisterreich ihm näher
als das irdische ist. [Sg.01_030,35]
Ein dritter Grund des Sehens ist derjenige, welcher dem geistig Gebildeten
oder „wiedergeborenen“ Menschen das ganze große Verhältnis Meiner Schöpfung
zeigt, wo die Verbindungen und das Warum gelöst ist, das
Also-und-nicht-anders, welches sogar mittels des körperlichen Auges erspäht,
nur mit dem geistigen Auge oder seinem feineren Gefühl begriffen werden kann. [Sg.01_030,36]
Dieses geistige Auge ist dasjenige, welches dann nach dem Tode im
Geisterreich alles klar demjenigen zeigen wird, welcher bestrebt war, Mich
durch Meine Werke und Worte kennenzulernen. [Sg.01_030,37]
Denn dort ist, wie vom ganzen menschlichen Körper so auch von seinem
Organismus und Auge, nur der geistige Bestandteil mit ins Jenseits hinübergegangen,
welcher, würde er schon im irdischen Leben kultiviert, auch da schon von manchem
Nutzen gewesen wäre, was aber leider nicht so leicht zu erreichen ist, da den
meisten Menschen eine mehr als dreifache Decke wie einst dem Moses vor den
Augen hängt. [Sg.01_030,38]
Würden die Menschen geistig sehen, so würden sie eine andere Welt als die
körperliche vor sich erblicken, sie würden überall den Grund, die Ursache,
aber nicht die Wirkung nur erblicken, das menschliche Auge würde die
Zerteilung des Lichtes so gut wie die Ausströmung des geistigen Lichtes aus
dem Auge wahrnehmen können. [Sg.01_030,39]
Der Mensch würde, stets mehr Meine Schöpfung begreifend, sich selbst
veredeln, sich schon hier auf eine Stufe erhöhen, welche ihm den Fortschritt
dort oben leichter machen würde; würde sein eigener Lehrmeister, sein eigener
Doktor sein; nichts würde ihm Zweifel erregen, überall würde er klar sehen,
wie Ich alles und warum Ich es so geordnet habe. – [Sg.01_030,40]
Sein Blick würde nicht so nichtssagend über Tausende von Gegenständen
hinwegschweifen, ohne sich das mindeste dabei zu denken. [Sg.01_030,41]
Intelligent, geistig, würde sein Blick überall auch nur Intelligenz, Ursache
und Wirkung erkennen; würde in den Werken den Meister erkennen und auch
nebenbei so manches große Rätsel begreifen, vor welchem er jetzt oft staunend
stehenbleibt, weil er seinen menschlichen Eigendünkel nicht abstreifen will
und sogar die Welt nach seinen Plänen einrichten möchte – während die Welt
unabänderlich größeren geistigen Gesetzen folgt, die höher stehen als das
winzige Kind von einem Erdenmenschen auf diesem mikroskopischen Sandkorn,
Erde genannt. [Sg.01_030,42]
Das materielle Verständnis des Licht-Prozesses, das klare Begreifen des
Prozesses, welcher beim Sehen vorgeht, das sichere Beurteilen alles
Sichtbaren und das gläubige Vertrauen von der Existenz des Unsichtbaren und
Geistigen erwächst nur dann aus all diesem Gesagten, wenn der Mensch durch
sein materielles Organ, das Auge, durch den materiellen Vorgang in seinem
Gehirn fähig geworden ist, seiner Seele nebst den materiellen Bildern, nebst
den Melodien und Harmonien das Geistige verständlich machen kann, was hinter
der Materie verborgen ihr Träger, ihr Erhalter und ihr Zerstörer ist. [Sg.01_030,43]
Das Resultat des Außenlebens, so wie es durch Auge und Ohr in die Seele
dringt – ist nur ein geistiges, welches höher hinaufführt, welches die Seele
des Menschen erhebt, veredelt, durchgeistigt, damit, wenn einst die letzte
irdische Lebensstunde schlägt, der Sprung kein großer, sondern nur als ein
sanfter Übergang die Seele dorthin geleiten kann, wo schon zu Lebzeiten sie
mehr als Dreivierteile gelebt und gewirkt hat. [Sg.01_030,44]
Dieses zu erreichen, sende Ich euch Worte über Worte; dahin geht Mein
Streben, euch begreiflich zu machen, wieviel Geistiges in allem Geschaffenen
verborgen liegt, damit ihr nicht allein auf dieser Welt Zeugen abgeben sollt,
was eine Gott ergebene Seele vermag, sondern damit ihr, wie Ich es klar
sagte, schon hier Meine Kinder sein sollt und nicht in der andern Welt es
erst zu werden braucht. [Sg.01_030,45]
Ich erklärte euch das Auge im Verhältnis zum Licht, Ich könnte euch
ebensoviel vom Ohr als Aufnahmeorgan des Schalls und der Töne in bezug auf
ihre Wirkung auf die Seele sagen. [Sg.01_030,46]
Ich erklärte euch, wie diese beiden Organe die Verbindungskanäle sind, mit
welchen die Seele die Eindrücke von außen erhält, und die Sprache, der Mund
mit seinen Sprech- und Respirationsorganen (Atmungsorganen) das Werkzeug ist,
wodurch das verdaute Materielle geistig wiedergegeben werden kann. [Sg.01_030,47]
Ich beschrieb euch diese Organe als Dreifaltigkeit, Ich sagte euch nebenbei,
daß selbst das Sehen dreifach ist, nämlich das gewöhnliche Sehen, das
vergeistigte Sehen und das geistig höhere Sehen oder Schauen. [Sg.01_030,48]
Überall ist „Drei“ die Grundzahl, die Zahl Meines Ichs, die Zahl auch des
eurigen, denn auch ihr besteht aus Körper, Seele und Geist. [Sg.01_030,49]
Körperlich sehet ihr, menschlich-seelisch fühlt ihr und geistig durch Meinen
Lebensfunken wird alles vergeistigt, veredelt – verschönert geschaut. [Sg.01_030,50]
So begreifet doch einmal nach so vielen Worten, daß es eine ganz andere Welt
ist, welche euch umgibt, als wie sie dem materiellen Auge und dem
menschlichen Verstande erscheint. [Sg.01_030,51]
Lasset euer Verständnis, euer geistiges Auge leuchten, durchdringt die
Materie bis zu ihrem Seelischen und verwandelt dann alles zum geistigen künftigen
Seelenmenschen, der nach Meinem körperlichen und geistigen Ebenbilde geschaffen
wurde – wo seine Außenform eine göttliche Schönheit und ein großer geistiger
Strahl des reinsten Bewußtseins aus seinem Blick ausstrahlen wird, in welches
Auge hier schon vergeistigter Lichtstrahl fällt, aber im Jenseits die
geistige Sonne Meiner Weisheit und Liebe alles ergänzen wird, was euch hier
wohl als Ahnung, nicht aber als Wirklichkeit gegeben werden kann. [Sg.01_030,52]
So nehmt dieses Wort „Das Auge“. Machet eure Augen weit auf, damit dieser
geistige Lichtstrahl Meines Wortes bis zu eurem geistigen Verständnis dringe
und euch auch in diesen Zeilen wieder beweise, daß nur richtiges Verstehen
des Sichtbaren zur wahren Würdigung des Unsichtbaren und Geistigen führen
kann! Amen. 31. Kapitel – Der gestirnte Himmel. 16. Januar 1877 [Sg.01_031,01]
Wenn Ich euch über diesen Gegenstand wieder ein Wort gebe, so hat es
eigentlich keinen anderen Zweck, als teilweise so manches früher Gesagte zu
ergänzen, wie auch als Wink, nicht in wissenschaftlichen Forschungen und
gelehrten Abhandlungen Mich und Meine Worte erkennen zu wollen, sondern in
dem Allernächstliegenden, dem nächtlichen Sternenhimmel, welchen ihr bei
heiterer Luft jede Nacht über euch sich ausbreiten sehet, Gott den Schöpfer
und Herrn zu finden, der stets zu euch gesprochen hat und täglich noch immer
Seine Stimme nicht verstummen läßt. – [Sg.01_031,02]
Sehet, wenn ihr wissenschaftliche Bücher studieren wollt und in ihnen die
Naturgesetze, die Kombinationen der Urstoffe, die chemischen Verwandtschaften,
den Kristallisationsprozeß der Mineralien, das Gesetz der Zellenbildung bei
den Pflanzen, den Bau der Tierwelt und des Menschen, soweit es euch Menschen
möglich ist, erklärt findet, so ist dieses Studium nur ein Studium einzelner
oder des einzelnen, der, wenn er will – hinter den Gesetzen auch den
Gesetzgeberfinden kann. Denn wer Mich wirklich sucht, der findet Mich auch
überall; denn es genügt, daß er Mich finden will! – [Sg.01_031,03]
Diese einzelnen Studien, selbst auch das Studium der Astronomie, erfordern,
wo es nicht Berufsgeschäft ist, viel Zeit, viel Geduld und Ausharrung, um
nicht inmitten derselben wieder alles fallenzulassen. [Sg.01_031,04]
Vieles habe Ich euch Selbst aus allen Zweigen der Naturwissenschaft erklärt,
erläutert und das Fehlende ergänzt, euch gezeigt, wenn man sie studieren
will, wie man sie auffassen solle, damit sie geistiges Resultat ergeben und
nicht bloß die materiellen Vermischungen und Verwandlungen euch lehren, wo
selbst so mancher Naturforscher die Materie höherstellt als das Geistige und
den Begriff „Gott“ ganz beiseite setzt. [Sg.01_031,05]
Ich habe euch in religiösen Glaubenssachen, in dem Alten und Neuen Testament
manche Stellen erklärt, wie sie aufgefaßt werden sollten, habe euch dadurch
klar bewiesen, daß zwischen Lesen und Verstehen des Gelesenen ein großer
Unterschied ist, daß der beschränkte Geist pedantisch an dem
Wort(-Buchstaben) hängt und nur eine aufgeklärte Seele verstehen kann, was,
vor mehr als tausend Jahren geschrieben, stets als Wahrheit sich gleich
bleiben wird. [Sg.01_031,06]
Von allen Seiten und in all den Büchern mangelt es nicht an Worten an euch,
um euren Geist zu erheben, um ihn zu erziehen, Höheres zu suchen und auch zu
fassen, aber umsonst. Dem einen ist es zu mühevoll, über etwas nur ein paar
Minuten nachzudenken, der andere wehrt sich mit aller Kraft und will nur beim
Angelernten bleiben oder höchstens annehmen, was ihm konveniert (behagt).
Wird ihm ein etwas größeres Gesichtsfeld gezeigt, so verschließt er Augen und
Ohren, kommen Zahlengrößen in der Astronomie vor seine Augen, so wendet er seinen
Kopf ab, will nichts wissen, höchstens von der Liebe ein paar Worte hören,
die ihn momentan rühren, aber von ihm vielleicht doch nicht ausgeübt werden
und daher so ganz gemütlich nur auf dem Papier stehenbleiben. [Sg.01_031,07]
So hat ein jeder und eine jede ihre Ansichten, läßt davon nicht ab, hängt am
Materiellen, treibt das Geistige nur nebenbei, mehr zum Zeitvertreib als zum
ernsten Studium, um sich auf die Reise ins Jenseits vorzubereiten, die doch
nicht unterbleiben wird. [Sg.01_031,08]
Nun, um auf unser Titelwort zurückzukommen, so sage Ich euch, daß Ich es
gewählt habe, weil eben der nächtliche Himmel alle Tage sichtbar ist, und
wenn jemand alles Gesagte, Geschriebene und Vollzogene in Zweifel zieht, er
doch beim Anblick dieses gestirnten Himmels nicht umhin kann, an sich selbst
die Frage zu stellen: [Sg.01_031,09]
„Was sind denn diese leuchtenden Punkte am schwarzen Horizont der Nacht?“ Die
Antwort darauf wurde den Fragenden schon in frühester Jugend in der Schule
gegeben, welche also lautete: „Es sind Sterne, das heißt leuchtende Körper
wie unsere Sonne!“ – [Sg.01_031,10]
Nun, wenn dieses angenommen ist, so wird eine zweite Frage auftauchen, welche
heißen wird: „Sind diese Sterne oder Sonnen dort oben an etwas befestigt,
denn sonst würden sie ja herunterfallen?“ [Sg.01_031,11]
Auch dafür hat die populäre Astronomie für die Jugend gesorgt und hat
erklärt: „Es sind Welten, sphärische Kugeln, welche sich bewegen.“ – – [Sg.01_031,12]
Weiter wird eine andere Frage auftauchen, welche heißt: „Sind diese Sterne
oder Welten weit von uns entfernt?“ Und auch hier hat die Astronomie, soviel
es möglich, annäherungsweise Zahlen aufgestellt, die zwar dem menschlichen
Geiste nicht mehr faßlich, doch beiläufig einen Wert für die Entfernung
ergeben. [Sg.01_031,13]
Nun, an diese Fragen knüpfen sich noch ein paar andere an, nämlich die erste
würde heißen: „Da uns Bewohnern dieser Erde die Sterne zu nichts nütze sind,
zu was sind sie denn eigentlich da?“ und die zweite Frage würde heißen: „Da
also diese großen Welten nicht befestigt sind, wer hält sie denn so
freischwebend im Raum?“ [Sg.01_031,14]
Auf die erste dieser Fragen haben so manche Gelehrte und Astronomen
geantwortet, haben auch bewiesen, daß diese Welten systematisch gruppiert
einander umkreisen, haben auch gesagt, daß ähnlich wie unser kleiner Erdball
eingerichtet ist, ebenso diese Welten mit allem ausgestattet sein werden, was
den dort lebenden Wesen ihr Dasein angenehm machen kann. [Sg.01_031,15]
In weiteren Details konnten sie euch keine Auskunft geben, weil sie es selbst
nicht wissen. Und da taten sie sehr wohl daran; denn dem Menschen ist es
unmöglich, über seine eigene Existenz hinaus etwas anderes zu erfinden, was
nicht in seiner eigenen Natur vorhanden ist. [Sg.01_031,16]
Die letzte Frage nun: „Wer hat diese Welten so gestellt, daß sie nicht
herunterfallen, daß sie in elliptischen Kreisen sich umeinander bewegen?“ – [Sg.01_031,17]
Diese Frage zu beantworten soll nun Meine Sache sein, um euch verfinsterte
Geister, die ihr nur euren Gelüsten und Leidenschaften Gehör gebet, in
wenigen Worten zu sagen, daß es ein Gott ist, welcher diese funkelnden Sterne
oder unermeßlichen Welten geschaffen hat als Schule für Millionen und Millionen
Geister, die alle den Weg zur Vervollkommnung durchmachen müssen, um das zu
werden, was Ich euch Menschenkindern freiwillig eingeräumt habe. – [Sg.01_031,18]
Dort oben in jenen unermeßlichen Räumen schwimmen diese Welten wie Öltropfen
auf einer Wasserfläche, gehalten von Meiner Allmacht, umher. Keine stört die
andere, alle vollführen ihre Bahnen in regelmäßiger Umlaufzeit, überall
herrscht Ordnung, weil überall nur ein Gesetz obwaltet, das Gesetz der
Anziehungskraft. [Sg.01_031,19]
Eine jede solche Sonnenwelt hat ihre sie umkreisenden Planeten und Kometen,
welche jedoch wegen ihren geringen Dimensionen und zu großer Entfernung der
Sterne selbst von hier aus nicht sichtbar sind. [Sg.01_031,20]
Unzählige Millionen von Jahren brauchte es zur Entwicklung eines solchen
Welten-Systems und ebenso viele wieder zu seiner gänzlichen Auflösung, so daß
es von der Erde aus gar nicht bemerkt wird – ob es erst entstanden oder
längst vergangen ist. [Sg.01_031,21]
Sehet, alle diese unendlichen Schöpfungen, die wie funkelnde Sternchen jede
Nacht über euren Häuptern glänzen, diese großen Welten (wäre nur eine kleine
Intelligenz für Höheres in eurer menschlichen Seele) sollten für euch
Menschen nicht unbeachtet bleiben; denn sie allein ohne alles Vorstudium sind
fähig, den Menschen erstens zu oben angeführten Fragen zu führen und zweitens
ihm eine ernstere Stimmung zu verleihen, welche mit der Frage enden sollte:
„Was bin ich denn eigentlich, ich gebrechliches Werkzeug, mit dem Fuße auf
einer Erde haftend, die ich nicht kenne, und meinen Blick sehnsüchtig in die
Höhe richtend, und: – Was seid ihr Sterne, ihr stummen Zeugen so vieler
tausend Generationen, wo so mancher dieselben Fragen auf den Lippen hatte und
ebensowenig eine entscheidende Antwort erhielt wie ich?“ – – – [Sg.01_031,22]
Solche Gedanken sollten freilich einen jeden Menschen beseelen, wenn er den
nächtlichen Himmel in seinem geheimnisvollen Dunkel vor sich erblickt, und
doch wie wenige Menschen würdigen den Sternenhimmel eines Blickes, und wie
noch viel wenigere denken sich etwas dabei! während doch in der ganzen Natur
es nichts gibt, das so tiefen Eindruck auf ein Herz machen kann als eben
dieser gestirnte Himmel in nächtlicher Stille, wo alles Weltgetümmel ein Ende
hat und selbst die grünblühende Natur sich bloß in schwarzen Umrissen zeigt
und so dem Menschen Zeit und Gelegenheit gibt, gewissen Ahnungen freien
Spielraum zu lassen, welche in solchen Momenten die Seele beschleichen, die
so manche Frage gelöst haben möchte. [Sg.01_031,23]
Leider ist es im allgemeinen das Gegenteil. Die meisten Menschen, wenn sie
abends oder spät in der Nacht von weltlichen Vergnügungen, trivialen Unterhaltungen
heimkehren, schleichen so dahin, den Kopf zur Erde geneigt, schwelgend noch
in dem kürzlich Erlebten – das große Universum über ihren Häuptern kaum eines
Blickes würdigend – – sie sind wie die Tiere, die ihr Haupt nicht nach oben
richten können, sondern ihre Blicke der Erde zuwenden, welche nach kurzer
Zeit ihr letzter Wohnort sein wird. [Sg.01_031,24]
Wer würde es wagen, solchen Tiermenschen von etwas anderem zu sprechen als
von dem eben Erlebten, wer würde es wagen, ihnen zu sagen: [Sg.01_031,25]
„Erhebet doch ein wenig euren Blick über euch! Da oben steht eine
geheimnisvolle Welt, die bald euer längerer Aufenthalt sein wird, wo andere
Verhältnisse, andere Umstände euch und euren Lebenswandel bestimmen werden;
dort oben wird der Eigendünkel von so manchem in nichts zusammensinken. Alle
Würden, Schätze, Reichtümer, alles müßt ihr hier zurücklassen – arm tratet
ihr in die Welt ein und arm kommt ihr in jener Welt an, welche ihr hier nicht
einmal eines Blickes wertgehalten habt.“ [Sg.01_031,26]
Tier-Menschen wie ihr seid, Ich weiß wohl, warum ihr den Anblick des
Sternenhimmels scheut – weil er euer Gewissen aufregt, weil gewisse Gefühle
in euch wach werden könnten, die ihr gern unterdrücken möchtet. Ihr vermeidet
alle ernsten Fragen, vermeidet selbst die Antworten darauf, weil sie nicht
mit euren weltlichen Ideen zusammenstimmen. [Sg.01_031,27]
Das Reich der Toten und ewig Lebenden steht in einer sternhellen Nacht vor
euch – ihr fürchtet euch vor dem ersteren und glaubet nicht an das zweite.
Daher hinweg von diesem schwarzen, geheimnisvollen Schleier der Zukunft
flüchtet ihr euch in einen mit Kerzen und Lampen erleuchteten Salon, schaut
dort wie einer den andern betrügt, indem er ihm eine bessere Meinung
aufdrängen möchte, als er selbst von sich hat; schwelget dort an Tafeln voll
gekünstelter Speisen (und Getränke), die euch noch eher dahin verhelfen,
wohin ihr eben so spät wie möglich kommen möchtet. Durchschwärmet die Nächte
im Rausche sinnlicher Genüsse, bis die Sonne das finstere Gespenst der Nacht
verscheucht hat, taumelt dann nach Hause, um im Morgenschlaf das zu ersetzen,
was ihr bis dorthin vergeudet habt, und ihr werdet in Bälde erfahren, was es
euch genützt hat, das Unabweisbare ganz zu ignorieren und niemand mehr als
euch selbst zu betrügen! – – – [Sg.01_031,28]
Der gestirnte Himmel ist ein so einfaches Bild der großen Schöpfung, daß es
nicht besser gegeben werden kann; denn ihr seht an dem beschränkten Horizont,
welcher in Halbkugelform sich über eurem Haupte wölbt, in kleinen
Sternbildern, Nebeln und Kometen ein Reich vor euch, welches unendlich ist. [Sg.01_031,29]
Diese großen Welten, wofür eure Phantasie keine Zahl mehr hat, erscheinen
euch als kleine Sternchen, flimmernd und glänzend im reinsten Licht. [Sg.01_031,30]
Ihr sehet sie ihre Stellung wechseln, sie gehen auf und gehen unter, das
heißt, eure Erde in ihrer Achsen- und Sonnenbewegung führt euch im Fluge an
diesen Welten vorbei. [Sg.01_031,31]
Gewißheit habt ihr keine von ihnen über das „was sind sie?“ – „wie groß sind
sie?“ – „wie sind sie eingerichtet?“ usw., lauter Fragen, die wissenschaftlich
unbeantwortet bleiben werden; wo euer Verstand sagt, ich weiß keinen Bescheid
darüber zu geben, und euch auf euer Herz hinweist, wo ahnungsvolle Gefühle
ersetzen müssen, was astronomisches Kalkül nicht mehr beantworten kann. [Sg.01_031,32]
So lasset also euer Herz fühlen, was der Sternenhimmel euch unwillkürlich
aufdrängt. Vertiefet euch in diese Schöpfungsgedanken, welche den Urheber
dieses sichtbaren Universums bestimmt haben mögen, so viele, so große und so
herrliche Welten zu schaffen! [Sg.01_031,33]
Lasset den Gedanken Raum gewinnen, der euch oft überkommt, wenn
Mißhelligkeiten und Unglücke euch verfolgen, wenn die Welt mit allen ihren
materiellen Freuden sich für euch verschlossen hat, daß doch vielleicht
woanders ein besseres Sein, ein ruhiger Wohnort nach den Tagesmühen des Erdenlebens
sein könnte, wo nichts beständig und selbst das vermeinte Glück von kurzer
Dauer war. [Sg.01_031,34]
Sehet, der Verstand hat keinen Trost für euch, aber das Herz, welchem Ich die
Gabe verliehen habe – wenn es will, sich weit über das Weltliche, über die
Materie emporzuschwingen; laßt es sprechen in trostvollen Worten! denn – – –
„Herz“ und „Liebe“ sind gleichbedeutend. Lasset euch sagen, daß alles, was
die beiden Testamente in religiösen Sachen euch lehrten, Meine Lehre, Meine
Gegenwart auf Erden, Mein Tod, Meine Auferstehung, daß alles dieses kein
leerer Wahn war, lasset euch sagen, daß schon in jener Zeit Ich sprach: „In
Meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“ – daß Ich schon in jener Zeit auf
eine ewige Dauer alles Geschaffenen hinwies. Lasset dieses alles vor eurer
Seele vorüberziehen und der nächtlich gestirnte Himmel wird euch anders
erscheinen – er wird eine verständliche Sprache führen. Nicht bloß leuchtende
Sternchen von verschiedenen Größen, selbst nicht materiell ausgeschmückte
große Sonnenkörper, sondern Wohnorte für Millionen und Millionen Geschöpfe
werdet ihr dort erblicken, welche alle nach geregelten Gesetzen ihre Laufbahn
beschreiben, stufenweise sich nach und nach entwickeln, freilich nicht nach
eurer winzigen Jahresrechnung, sondern wozu nach dem Maßstabe des ganzen
Weltgebäudes auch die Entwicklungs-Perioden in anderen Zahlenwerten
ausgedrückt werden müssen. [Sg.01_031,35]
Ihr werdet dort einen großen Schöpfungs-Gedanken ausgeführt sehen, der
erstens die Liebe zur Grundbasis und zweitens eine gewisse geistige
Vervollkommnung als höchstes Ziel sich gesteckt hat; denn so wie es eure
Ahnung sagen wird, daß unter diesen Millionen von Welten eine Rangordnung,
ein Höheres oder Niederes sein muß, ebenso müssen auch die auf ihnen lebenden
Wesen geistig mehr oder weniger vervollkommnet sein, wo sodann das Weitere
während ihres Lebens ihnen selbst überlassen wird. [Sg.01_031,36]
Wo eine Regel, ein Gesetz und der Übergang von einer Stufe zur andern nur
sanft geschieht, da kann ja der Schöpfer dieses unermeßlichen Reiches nicht
anders als wie ein Vater zu Seinen Kindern betrachtet werden. Wo aber dieses
Verhältnis aus allen Schöpfungen herausleuchtet, da ist es ganz natürlich,
daß wenn die Sonne untersinkt und der nächtlich gestirnte Himmel sich euren
Blicken zeigt, ihr keine andere Sprache, kein anderes Gefühl in eurem Herzen
verspüren solltet als die Sprache der Liebe, des sanften Gefühls, der
Vaterliebe, wodurch Er euch allen sagt: „Sehet um euch! dieses alles schuf
Ich für euch, schuf Ich für Meine Kinder, die Mir die Liebe wiedergeben
sollen, welche Ich in alles Geschaffene ausgegossen habe!“ – – [Sg.01_031,37]
Wenn diese Sprache in euren Herzen Platz findet, dann ist der gestirnte
Himmel ein Jubelgesang geistiger Harmonien und jeder Lichtstrahl aus einer
entfernten Sonne ein Geisterkuß aus einer weit von euch entfernten, aber doch
noch verwandten Welt. Dann werdet ihr die nächtliche Stille, das bunte
Flimmern von Millionen von Welten anders beurteilen, wenn euch der geistige
Schöpfungshauch sanft anweht, der alles umfaßt, alles zur Vervollkommnung
treibt, um alle geprüften Geister endlich in einem Orte zu vereinigen, wo Tag
und Nacht, Geburt und Tod aufgehört hat, alles Materielle verschwunden ist,
geistiges Licht, geistige Freuden, und zwar ewige Genüsse, alles ersetzen
werden, was die Geister, in Körper eingekleidet oder nicht, durchmachen
mußten. [Sg.01_031,38]
Deswegen rate Ich euch, so ihr nicht studieren, Mich nicht in Meinen Werken
im Kleinen suchen wolltet – verschmähet wenigstens den Eindruck nicht, welchen
der nächtlich mit Sternen geschmückte Himmel auf euch macht. Glaubet nicht,
mit ein paar Worten von Mir gelesen seiet ihr schon bei Mir – o nein! da ist
noch ein weiter Weg; denn mit Worten will Ich euch weder zu Tränen rühren,
noch genügen Mir eure Versprechungen! [Sg.01_031,39]
Taten will Ich haben! will in eurem Gebaren sehen, daß Meine Worte ins Blut
gedrungen sind, daß Sanftmut, Toleranz (das heißt Duldung) besonders gegen
Niederstehende, gegen die Dienerschaft, die Brutalität verscheucht haben – will
sehen, daß ihr ein Herz nicht nur für euch, sondern auch für andere habt! – –
– [Sg.01_031,40]
Solange diese sanfte Stimmung in eurem Herzen nicht Platz gewonnen hat, nützt
euch alles Lesen, alles Schwärmen für Meine Worte nichts. Und ebendeswegen
gab Ich euch dieses Wort, damit ihr vielleicht am Abend oder in der Nacht
manchmal dort hinaufblicket, wo euch eine ewige Welt erwartet, die ihr aber
nicht mit Sang und Klang betreten werdet, wenn ihr nicht die ganze Harmonie
im Herzen mitbringt. Denn merket es euch, dort wird nach anderem Maßstabe
gemessen, als ihr eure Worte und Taten gerne abwägen möchtet; dort fragt man
nach eurem geistigen Wert und nicht: wie viele Diktate ihr gelesen oder
abgeschrieben habt. Es wäre zu wünschen, daß ihr doch wenigstens eines ganz
verstanden hättet, um geistig fortzuschreiten; aber leider kann Ich euch
selbst dieses Zeugnis nicht geben! – – [Sg.01_031,41]
Daher gehet hinaus ins nächtliche Dunkel! Schauet das große Universum an,
lernet es mit geistigen Augen betrachten, stellt eure Winzigkeit mit ihm in
Vergleich, und sinket dann zusammen vor der Macht eines Schöpfers, der neben
dieser Unermeßlichkeit doch nur Liebe spendet und nur Liebe wiederempfangen
will! [Sg.01_031,42]
Wenn aber das Resultat einer solchen Betrachtung bei euch euren Eigendünkel,
euren Stolz, eure Kommandierwut nicht besänftigen kann; wenn ihr es nicht
übers Herz bringen könnt, alle Menschen als eure Brüder und Schwestern mit
gleicher Liebe zu behandeln, dann lasset das Lesen Meiner Worte; denn dann
ist eine Kruste schmutzigen Eigendünkels und materieller Interessen über euer
Herz gezogen, welche es unmöglich macht, daß bessere Gefühle, menschlichere
Ansichten darin auftauchen können. [Sg.01_031,43]
Dann hilft kein Sternenhimmel als leuchtendes Evangelium, ebensowenig wie das
geschriebene, und es muß anderen Umständen und Verhältnissen überlassen
bleiben, euch dorthin zu bringen, wohin am Ende doch alle kommen müssen. – [Sg.01_031,44]
Also, jetzt wisset ihr, was ihr zu tun habt – – die Wege zu Mir habe ich euch
gezeigt. Mangelt euch die Kraft, sie zu gehen, so gehet die eurigen, der
Erfolg wird euch dann schon zeigen, wo eigentlich der rechte gewesen wäre!
Amen. 19. Dezember 1874 [Sg.01_032,01]
Hier, Meine Kinder, will Ich euch wieder ein großes Gesetz Meiner Schöpfung
aufdecken, woraus ihr erkennen sollt, wie es möglich ist, durch eine einzige
Linie, wie die euch bekannte „Schraubenlinie“, ein Universum in Gang zu
bringen, es von selbst zur Vervollkommnung zu drängen und so mit dem ersten
Impuls eines Schöpfungsaktes sogleich seine ewige Bestandsdauer zu begründen. [Sg.01_032,02]
Sehet, alles was euch sicht- und unsichtbar umgibt, hat, sei es in Form,
Gehalt oder Dauer, seinen besonderen Zweck, zum Bestande des Ganzen
beizutragen! [Sg.01_032,03]
Ein jedes Ding bis auf die letzten Atome folgt dem großen Schöpfungs-Gesetz,
welches Ich in alles gelegt habe: der Entstehung, Vervollkommnung und
Verwandlung, und nur so war es möglich, einmal das „Werde!“ auszusprechen, da
das fernere Werden sich dadurch von selbst bedingt. [Sg.01_032,04]
Nun, unter diesen großen Schöpfungsgesetzen sind gerade eben die
Anfangs-Prinzipien die wichtigsten, welche als Grund und Basis allem
Erschaffenen dienen. Und von diesen Prinzipien, wovon Ich euch schon so manches
erklärt und entwickelt habe, ist eben auch die Schraubenlinie, die ihr Meiner
Natur abgelauscht und sie in euer praktisches Leben aufgenommen habt, eine
der wichtigsten, weil eben gerade sie oder die Anwendung ihrer Form ein
Hauptfaktor alles Bestehenden ist! [Sg.01_032,05]
Die Schraube kennt ihr alle, ihre Anwendung seht ihr tausendfach in vielen
Dingen. Eure Mathematiker haben ihre Gesetze berechnet, ihre verschiedenen
Formen einzeln euch dargelegt, die Mechaniker haben die bewegende Kraft in spiralartiger
Form angewandt zu Wasser und zu Lande. In der Natur findet ihr sie überall,
selbst in eurem Körper kennt ihr die peristaltische Kraft eurer Eingeweide.
Eure eigene Erde erhält Bewegung, Nahrung und Wärme durch die in Windungen
vom Nordpol her in sie einströmende und am Südpol austretende Kraft. [Sg.01_032,06]
Überall im Kleinen und im Großen würdet ihr sie bemerken, hättet ihr noch
schärfere oder geistigere Augen, – und doch fehlt bei all diesem noch der
eigentliche Grund, um die große Wichtigkeit der Schraube und Spiral-Linie zu
erspähen, inwiefern sie im Universum begründet, eine solch große Wichtigkeit
erlangt hat und haben muß, da ohne sie nichts bestehen, nichts fortschreiten
könnte! [Sg.01_032,07]
Nun, um euch wieder einen Beweis zu geben, wie sehr es Mir daran liegt, von
euch durch Meine Worte verstanden zu werden, so will Ich euch hier wieder
beweisen, daß in dem Unbedeutendsten oft bei weitem größere, tiefere Weisheit
liegt, als wenn ihr Meinen ganzen Sternenhimmel anstaunend, dort Meine Größe
bewundernd, in den Staub vor Mir niedersinken wolltet. [Sg.01_032,08]
Noch haben wenige von euch begriffen, daß im unendlichen Raum, in der
unendlichen Schöpfung es nur leichte, zarte Anfänge sind von ganz unbedeutend
scheinenden Dingen, deren Tragweite freilich nur ein Gott, aber nicht ein
endliches Wesen ermessen kann! [Sg.01_032,09]
Sehet sie an, die Schraube, ihre spiralförmigen Windungen, und versucht, aus
ihr neben ihren mathematischen Gesetzen und ihrer Konstruktion noch etwas
Tieferes, Geistigeres zu entdecken – und wir wollen sehen, ob euer Geist von
der materiellen Anschauung der gekrümmten Linie sich hinaufschwingen kann ins
höhere Reich des Geistigen, welches eben im Kleinsten oft das Größte
verbirgt! [Sg.01_032,10]
Ich weiß es im voraus, euer Suchen ist vergebens, und deswegen will Ich mit
einem kurzen Bericht des Lichtes in Überfülle über euren Geist ausschütten,
damit ihr wieder erkennen sollt, wie ein liebender Vater stets bemüht ist,
euch zu dem heranzuziehen, zu dem Er euch erschaffen hat, das heißt zu Seinen
Ihm ebenbürtigen Kindern. [Sg.01_032,11]
Um also mit euch verständlich und begreiflich zu reden, so muß Ich euch erst
auf die Form einer Spiral-Linie aufmerksam machen, sodann auf ihren Zweck und
zuletzt auf ihre geistige Entsprechung übergehen; denn nur so ist es möglich,
vom Materiellen euch ins Geistige einzuführen. So höret denn! [Sg.01_032,12]
Wenn ihr eine Schraube oder jede Spiral-Linie aufmerksam betrachtet, so
werdet ihr leicht erkennen, daß so wie sie bei euch im Gebrauch verschieden
angewendet wird, sie den Zweck hat, entweder einen Gegenstand an den andern
stärker zu befestigen oder, wie bei euren Schiffen und mechanischen
Apparaten, eine vorwärtstreibende Bewegung hervorzubringen. – [Sg.01_032,13]
Nun sehet, hier sind wir schon dem großen Grund des allgemeinen
Schöpfungs-Gesetzes nähergerückt. Die Schraube also oder jede spiralförmige
Linie hat den Trieb nach „vorwärts“ in ihrer Form begründet, so brauchet ihr
sie in eurem Leben. [Sg.01_032,14]
Das Geistige dieser Form ist also entsprechend dem Materiellen, das heißt
„vorwärts“ ist die eigentliche Idee dabei. Nun, mit diesem Vorwärtstreiben
oder -drängen im Materiellen verbindet sich wie gewöhnlich noch ein anderer
Faktor oder eigentlich entsteht aus dem Mehr oder Minder des Vorwärtsgehens,
nämlich die Erzeugung der Wärme durch die Reibung des vorwärtsgehenden
Gegenstandes. Hier habt ihr einen zweiten Faktor Meiner großen
Weltenschöpfung, nämlich die Entwicklung des Wärmestoffes – aus der Bewegung! [Sg.01_032,15]
Weiter in unserer Betrachtung fortschreitend, ergibt sich bei der Schraube
und Spiral-Linie, daß ihre Fortbewegung keine plötzliche, zerstörende,
sondern eine langsame, aber stetige und nicht zurückweichende ist, welches
bei Meiner Schöpfung wohl in Betracht gezogen werden muß, da Ich kein Freund
von großen Kraft-Äußerungen bin, sondern lieber alles mit Liebe und Sanftmut
als mit Gewalt erreichen will! Nun, bis hierher könnte euch schon manches in
Meiner Schöpfung mehr einleuchtend sein, wolltet ihr darüber nachdenken,
allein Ich will euch nicht auf halbem Wege steckenlassen, und so gehen wir
weiter! [Sg.01_032,16]
Wir haben also drei Eigenschaften an der Schraubenlinie entdeckt:
Vorwärtsschreiten, Tiefereindringen und nie mit Gewalt, sondern langsam nur.
Gut, jetzt wollen wir diese Eigenschaften im Naturreich des Sichtbaren
vorerst auch aufsuchen, so finden wir sie überall, bei euch im gewöhnlichen Leben
und bei Mir im großen Sternenkomplex. [Sg.01_032,17]
Sehet, alle Welten, Planeten und Kometen bewegen sich vorwärts im Äther, sie
bewegen sich aber nicht, wie ihr es im allgemeinen glaubt, nur um sich selbst
und durch eine andere Triebkraft nach vorwärts – oder um eine Zentral-Sonne,
das heißt in Ellipse, nein! hier muß Ich sagen: sie bewegen sich alle in
spiralförmigen Linien, sie schrauben sich in den Äther-Raum hinein, erwecken
durch diese Bewegung durch Reibung – Leben und Wärme im Äther, die sie sodann
den auf ihnen lebenden Wesen mitteilen. Es ist nicht möglich, daß ein Körper,
wie zum Beispiel eure Erde, die durch das Einfließen eines magnetischen
(Fluid-) Stromes in ihr Inneres vom Nordpol aus in schraubenförmiger Bewegung
fortgeht, nicht ebenfalls auch im Weltenraum noch eine andere Bewegung haben
soll. Die Erde bewegt sich spiralförmig weiter, die Welten alle ebenfalls;
denn nur so geht ihr Fortschreiten sanft und gleichmäßig vor sich. [Sg.01_032,18]
Wäre es nur ein gerade eindringendes Bewegen, so müßte endlich die
Geschwindigkeit durch den Widerstand des Äthers entweder vermindert oder gar
aufgehoben werden, was nicht in Meinem Schöpfungsgedanken liegt. [Sg.01_032,19]
Selbst das Licht, das mit so großer Geschwindigkeit von einer Sonne zur
andern fliegt, es schraubt sich in den Äther hinein, und ebendeswegen ist das
Licht auch Wärmeträger, welche (Wärme) sich kundgibt, wo das Licht auf feste
Gegenstände auffällt. [Sg.01_032,20]
Ihr selbst in eurem praktischen Leben habt diese spiralförmige Bewegung zum
Fortbewegen oft benutzt. [Sg.01_032,21]
Schauet eure Schießwaffen an, gezogene Gewehre und Kanonen habt ihr erfunden,
wo der Kugel nächst der treibenden Flugbewegung auch die spiralförmige
mitgeteilt wird, damit sie die Luft als den Gegenstand, welchen sie bei ihrem
Fluge überwinden muß, leichter durchdringt. [Sg.01_032,22]
Was die Wärme-Entwicklung anbelangt, so nehmet einen Bohrer zur Hand,
versuchet ein Loch in was immer für einen Gegenstand zu machen, und ihr
werdet leicht wahrnehmen, wie der Bohrer sich erwärmt eben durch seine
Umdrehung in spiraliger Form. [Sg.01_032,23]
In eurem Körper rollt das Blut, aber seine einzelnen Kügelchen schieben sich
wurmartig vorwärts, denn durch diese Bewegung entwickeln sie Wärme da, wo sie
durch den Stoß des Herzens hingetrieben werden. [Sg.01_032,24]
Eure Eingeweide haben den peristaltischen Gang, um das nicht Benutzbare aus dem
Körper zu entfernen. Es ist aber diese Bewegung nicht allein deswegen,
sondern um durch Entwicklung der Wärme bei der Reibung noch gasartiger und
feiner die Teile zu entwickeln, welche bei diesem letzten Gang der
Nahrungsmittel aufgesogen werden sollen. [Sg.01_032,25]
Überall ist diese spiralförmige Bewegung sichtbar. Pflanzen, Bäume, in- und
auswendig winden oder schrauben sich aufwärts in die Luft, dem Licht und der
Wärme entgegen, ihre Wurzeln winden sich zwischen Steinen und Felsen durch
und entwickeln auf diese Weise Kraftäußerungen, die auf anderem Wege weder
möglich noch ausführbar wären. [Sg.01_032,26]
Des Wurmes Leben ist bekannt durch seine spiralförmige Bewegung, selbst im
Meere gibt es Tiere, deren Form noch weit zurück ist und ihr Organismus an
Wärmebereitung leidet, welche zum Fortschreiten eine um sich selbst
spiralförmig vorwärtsschreitende Bewegung haben, um so die Wärme durch
Reibung zu erhalten, die der in ihnen zirkulierende Lebenssaft entbehrt. [Sg.01_032,27]
So sehet ihr überall die schraubenartige Bewegung als Lebens-Prinzip, als
Bewegungs-, Lebens- und Wärme-Erzeuger. [Sg.01_032,28]
So entstehen, bilden und vervollkommnen sich die Welten im großen, so geht
alles vorwärts, langsam aber sicher, stets seinem Endzweck entgegen, und so erkennet
ihr im Materiellen sehr leicht, wie nötig und allein nur möglich diese Bewegung
ist, um einmal Geschaffenes für immer zu erhalten, auf daß es seinen Zweck
erreiche. [Sg.01_032,29]
Das Geistige dieser Bewegung oder ihre geistige Entsprechung liegt klar am
Tage, denn wie die Schraube sich wendet, nach und nach alle Hindernisse
„über-windet“, um vorwärts zu dringen, ebenso ist im geistigen Leben das
stete Vordringen von Stufe zu Stufe ebenfalls eine geistig entsprechende
Schraubenbewegung. „Um sich selbst drehen“ heißt ja so nichts anderes, als
einem vor mir stehenden Gegenstande alle Seiten Meines Ichs entgegenzustellen.
So stellt auch geistig ein jedes Wesen den Widerwärtigkeiten des weltlich
materiellen Lebens alle seine geistigen Eigen- und Leidenschaften entgegen.
Durch das Fortbewegen werden die Teile abgeschliffen, poliert, die Wärme,
welche der Liebe gleich dabei erzeugt wird, besänftigt die Reibung; langsam,
wie zwischen Hartem und Weichem geht es vorwärts, unaufhaltsam dringt der
Lebensbohrer ins geistige Reich ein, erringt sich stets einen festeren Stand
und gelangt so nach und nach dazu, sich eine feste Stellung zu gründen! [Sg.01_032,30]
So ist im geistigen großen Weltenreich, wo das Materielle nur als Umkleidung
dient, diese langsam vorwärtsschreitende Bewegung die einzig mögliche,
vermöge welcher die Geister auf verschiedenen Stufen nach und nach höhere
erringen können! [Sg.01_032,31]
Die Bewegung selbst erregt Liebe, der Wärme gleich, und Licht, der Weisheit
entsprechend, und so bringt auch ein jeder fortstrebende Geist das Resultat
obengenannter Faktoren: Leben, geistiges Leben, wo er nur hinkommt oder wo er
sich wie eine Schraube langsam hineinschraubt. [Sg.01_032,32]
So, Meine Kinder, ist diese euch unscheinbare Linie so oft und vielmals in
eurem Leben angewandt, eben gerade die Form, ohne welche kein Stern, keine
Sonne am Himmel leuchten, kein Herz warm schlagen und kein Leben wo immer
sich äußern würde. [Sg.01_032,33]
So ist diese Linie geistig der große Trieb, der Geist zu Geist, Mensch zu
Mensch und endlich alles zu Mir treibt; weil Liebe – das Hauptmittel Seelen
an Seelen kettet, sie miteinander verbindet, sie einander näher führt, und so
alles um alles, Materielles und Immaterielles zu Mir in schraubenförmiger
Bewegung wieder zurückbringt, von wo es ausgegangen ist. [Sg.01_032,34]
Sehet also, Meine Kinder, im Kleinen in dieser unbedeutenden Schraubenform
liegt so viel Großes, liegt so viel Tiefes, daß wenngleich die Menschen die
mathematischen Gesetze der Spirallinie fanden, sie doch nur die Anfänge einer
Weisheit entdecken konnten, welche weit über das Materielle hinaus im
Unendlichen ihren Ursprung, im Geistigen ihre Entsprechung und im Materiellen
ihre praktische Ausführung gefunden hat, wie sie gerade für euer Erdenleben
paßt! [Sg.01_032,35]
Lernet aus diesen Worten, wie geringscheinend die Anfänge Meiner Schöpfung
sind und welche Resultate sie zu erzielen imstande sind. [Sg.01_032,36]
Euch gab Ich diese Worte, damit ihr wieder euren Schöpfer, aber auch euren
Vater erkennen sollt, der nie aufhören wird, Seine Kinder in die Geheimnisse
Seines Reiches einzuführen; denn nur wenn ihr den Bau Meines Werkes begreifen
oder wenigstens ahnen könnet, nur dann erst seid ihr fähig einer Liebe, die
euch fest an Mich ketten kann. [Sg.01_032,37]
Ein Kind muß seinen Vater ganz begreifen und erkennen lernen, es muß im
Innersten überzeugt sein von des Vaters Größe, Milde und Liebe, und nur dann
wird es Seine Gesetze gern erfüllen; denn dann haben sie aufgehört, „Gesetze“
für es zu sein, das Kind tut dann alles aus Liebe. Liebe aber verbietet
nichts, sondern gewährt alles, und eben deswegen muß das Kind ganz genau
wissen, was es heißen will, Kind zu sein, damit es nicht begehre, was gegen
die Liebe ist! [Sg.01_032,38]
So schreitet auch ihr alle vorwärts, windet euch durch die Mißhelligkeiten
dieses Lebens hindurch, damit eure moralische Seite ebenfalls vom Groben
abgeschliffen werde; dringet tagtäglich wie eine Schraube tiefer ins geistige
Leben ein, um vorwärtszukommen, bis hinter dem Sargdeckel, den ihr
durchbrechen müßt, das helle Wahrheitslicht Meiner ewigen Liebe leuchtet.
Dort werdet ihr dann erst begreifen, warum so manches Hemmende, so manches
Unangenehme im menschlichen irdischen Leben euch begegnete, denn dort werdet
ihr erst ersehen, daß ohne diese stets vorwärtsschreitende Bewegung gleich
der Schraube, die nichts mehr ausläßt, was sie in ihren Gewinden erfaßt hat –
ihr ohne dieses langsame, aber stete Fortschreiten nicht eingedrungen wäret
in jene geistige Tiefe Meiner Schöpfung, wo aus jedem Atom euch Liebe
zulächelt, und wo vom ersten Augenblick eines seelischen Bewußtseins bis zum
Übergang ins Geisterreich die spiralförmige geistige und weltliche Bewegung
nötig war, um euch vorwärtszubringen, Leben und Wärme in euch zu entwickeln
und so sanft aber sicher den Zweck zu erfüllen, den Ich in diese Linien
legte, als Ich das große „Es werde!“ aussprach, wo alles, diesem Worte gehorchend,
seine kreisende, aber vorwärtsschreitende Bewegung begonnen hat und wie die
gleichlaufende Schraube nie aufhören wird, stets um Mich als den Mittelpunkt
sich bewegend, mit Mir in gleicher Nähe des Lichtes und der Wonne teilhaftig
werden kann, welche für alle bestimmt ist, die ihrem Zweck entsprechend ihre
Aufgabe zu Meiner und ihrer Zufriedenheit gelöst haben! Amen. 33. Kapitel – Mikro- und Makro-Kosmos. 20. Juli 1875 [Sg.01_033,01]
Sehet, Meine lieben Kinder, mit diesen zwei Worten hat die Wissenschaft ihre
Namensammlung bereichert, aber ohne eigentlich zu wissen, was sie mit diesen
Worten sagen wollte, oder anders gesagt – ohne zu begreifen, daß wenn Ich die
Unendlichkeit als bestehend annehme, Mikro- und Makro-Kosmos – natürlich in
einem gewissen beschränkten Sinne – das nämliche bezeichnen. Nur ist bei
dieser Benennung der letztere Name „Makro-Kosmos“ früher schon, und zwar von
den Astronomen gebraucht worden, ehe ein anderer Forscher auf weit kleinerem
Gebiet mittels des Mikroskops (Vergrößerungsgerät) eine ganz neue Welt
entdeckte, zum Gegensatz von dem, wo das Teleskop (Fernrohr) im weiten Raum
keine Grenzen fand. [Sg.01_033,02]
So entstanden diese Worte, ohne jedoch den mindesten Gedanken an einen
unendlichen Schöpfer des Universums zu fassen, wodurch diese Eigenschaften
der Unendlichkeit im Großen und im Kleinen von selbst begründet gewesen
wären. [Sg.01_033,03]
Wenn die Astronomen von Stern zu Stern mit stets verbesserten Fernrohren
immer neue Welten entdecken und vor den Entfernungen derselben
zurückschaudern, weil sie keine Zahlen mehr dafür finden oder diese Distanzen
mit dem menschlichen Verstande nicht mehr fassen; wenn von einem unauflösbaren
Nebel zum andern am nächtlichen Himmel stets neue Schöpfungen auftauchen, wo
nur die größten Sternenkomplexe sichtbar sind, auch alle diese Sonnen und
Welten umkreisenden Planeten und Erden aber ewig dem menschlichen Auge
unerforschlich bleiben werden, so sollten doch sie dabei an den Anordner
alles dieses gedacht haben, da schon nach ihren schwachen Berechnungen trotz
scheinbarer Störungen doch alles seinen geregelten Lauf geht. Allein wenige
von ihnen bezogen alle Entdeckungen auf diesem Gebiete auf Mich, sondern
betitelten das Ganze nur als „Kosmos“, und weil die Entfernung ohne Ende ist,
als „Makrokosmos“, und ließen es bei diesem Ausdruck bewenden, den jetzt
beinahe ein jeder Schulknabe auch schon weiß, aber dabei sich ebensowenig
denkt wie der größte Sternenbeobachter. [Sg.01_033,04]
Der zweite Weg zur „Unendlichkeit“, welchen ein anderer Forscher (Ehrenberg)
und nach ihm auch andere einschlugen, war der, indem sie erstens das
tierische Leben verfolgten, soweit es ihre von Mikroskopen unterstützte
Sehkraft erlaubte, ferner mit diesem Instrument die Zellgewebe der Pflanzen
und die Bestandteile des Mineralreiches untersuchten. [Sg.01_033,05]
Da sie auch hier die Grenze nicht fanden, wo das tierische Leben aufhört und
wo die Bestandteile der einzelnen Elemente ihre Teilchen wieder in andere
zersetzend ebenfalls „Leben“ zeigten, so nannten sie auch diese ganze ihnen
sichtbar gewordene und neuentdeckte Welt „Mikrokosmos“, wo ebenfalls dem
Forscher noch kein Grenzstein begegnet ist, der ihm das Ende der Welt, wohl
aber das Ende seines schwachen Verstandes und Forschergeistes gezeigt hat,
indem er ihm zurief: „Bis hierher und nicht weiter!“ – ebenso wie den
Astronomen die weit entfernten Sterngruppen oder Hülsengloben nur ahnen
ließen, daß dort noch lange kein Ende, sondern nur für ihn ein „Halt“ ist, wo
der Menschenverstand nichts mehr fassen kann, was ein Schöpfer nach Seiner
Größe, nicht aber nach der körperlichen Größe eines winzigen Menschen
geschaffen hat. [Sg.01_033,06]
Auch diese letzteren Forscher schreiben ganze Bücher über die immerwährend
neuen und wieder neuen Entdeckungen auf diesem Gebiet, aber auch dort werdet
ihr Meinen Namen wenig zu lesen bekommen; nur in der Materie wühlen sie
herum, und eben materiell wie ihr Suchen finden sie auch nichts als ebenfalls
wieder Materie. [Sg.01_033,07]
Nachdem Ich aber so „Meine Kinder“ nicht erzogen haben möchte, und wenn auch
eure Gelehrten gewisse Namen für unaussprechliche Dinge gemacht haben, sollet
ihr doch eigentlich wissen, was hinter diesen Namen steckt oder wie sie zu
deuten sind. Deshalb ergriff Ich eben wieder das Wort, um euch von neuem zu
zeigen, daß wenngleich schon oft gezeigt, doch stets neue Ansichten von
Meiner Schöpfung gewonnen werden können, wenn man mit geistigen Augen selbst
menschlich erfundene Worte aufmerksam betrachten will. [Sg.01_033,08]
Alles, was Ich euch bis jetzt noch durch Meinen Knecht schreiben ließ, hat ja
eben den Zweck, euch und Tausenden nach euch kommenden Geschlechtern Meine
Schöpfung ins rechte Licht zu stellen; denn es mögen die sozialen
Verhältnisse sich wandeln wie sie wollen, es mögen Regierungsformen
auftauchen in noch so verschiedenen Formen, zwei Sachen und Dinge werden
stets bestehen: ihr Bewohner der Erde sowie auch andere von größeren Welten
werdet stets eine je nach Maßgabe körperliche oder materielle Umkleidung
haben, und eure oder jede Welt wird ebenfalls stets aus Materie bestehen, die
Leben in sich birgt, um dadurch ihre Mission erfüllen zu können. [Sg.01_033,09]
Solange also Materie besteht, solange der Entstehungs-, Erhaltungs- und
Verwandlungs-Prozeß in und auf den Welten vorgeht, so lange werden Mikro- und
Makro-Kosmos sich vorfinden, und ganz natürlich eben darum, weil Ich als Schöpfer
des Ganzen unendlich bin und also Meine Schöpfung ebenfalls unendlich sein
muß. [Sg.01_033,10]
Wenn der menschliche Geist auch mit den besten Fernrohren in die weiten Räume
des Universums hinausblickt, so wird er – da eben Materie, angefangen vom feinsten
Atom, stets wieder Materie bildet – nur neue Welten entdecken, die (wieder
alles in sich enthalten), wie, wenn Ich ein euch naheliegendes Beispiel dafür
setzen will, ein jedwelches Samenkorn schon im einzelnen Körnchen die
unendliche Fähigkeit enthält, daraus die Pflanze, aus der Pflanze die Blüte
und aus der Blüte wieder den Samen zu erzeugen. Wie hier, wenn ihr es
aufmerksam betrachten wollt, ebenfalls kein Ende vorauszusehen ist, ebenso in
dem Makro-Kosmos sich Welten aus Welten bilden, wo natürlich nicht der
Maßstab eurer kurzen Lebenszeit in Rechnung gebracht werden kann. [Sg.01_033,11]
So im Großen und so im Kleinen, wo das Leben stets einfacher, beschränkter,
immer als Grund eines höherliegenden das Gedeihen alles Lebenden hervorrufen
muß, und im Pflanzenleben, wo alles, was besteht und sichtbar dem bewaffneten
Auge des menschlichen Forschers entgegentritt, ebenfalls bei jeder Entdeckung
eines neuen Zellgewebes vorausgesetzt werden muß, daß eben diese kleinste
Zelle wieder ihre Bestandteile, ihre Organe, ihr eigenes Leben haben muß,
welches sie zur Ausbildung des Künftigen antreibt, bis endlich dem
gewöhnlichen Menschenauge auf einer höheren Stufe das ganze aus Millionen
kleiner Gewebe Zusammengesetzte, sei es Pflanze, Mineral oder lebendes Wesen,
erst zeigt, wieviel dazu gehört, um auch nur ein unscheinbares Pflänzchen
oder ein Infusionstierchen zu erschaffen und zu erhalten! [Sg.01_033,12]
Wären die Menschen geistig aufmerksame Beobachter eines einzelnen
Gegenstandes in Meiner Schöpfung, so würden sie den Schöpfer mit großen
Buchstaben in jedem erschaffenen Ding oder Wesen erkennen und gewiß nicht so
geist- und sorglos oft aus Mutwillen Dinge zerstören, die für sie als
Menschen die größten Wunder sind. [Sg.01_033,13]
Allein, leider ist der Mensch im allgemeinen so, alles was er täglich sieht,
was er, wie Pflanzen wachsen, gedeihen und wieder verwesen sieht, es reizt
ihn nicht zur weiteren Forschung oder zu weiterem Nachdenken; er nimmt es als
Daseiendes, Bestehendes an, gebraucht es nach seinem Gutdünken, ohne im
mindesten an den Geber oder Spender desselben zu denken. Gedankenlos gehen so
Millionen durchs Leben, werden geboren, erzogen und sterben, ohne je gewußt
zu haben, was „geboren werden“ heißt, wie man erzogen werden sollte und was
eigentlich „Sterben“ heißt oder ist. Alle glauben – dazu habe es in der
andern Welt auch noch Zeit, wenn es überhaupt eine gebe? – ! [Sg.01_033,14]
Deswegen die Klagen und das Flehen der Hinübergegangenen, wenn sie dort zu
ahnen anfangen, wie sie hätten leben sollen und leider nicht gelebt haben;
wenn sie sehen, wie viele Mittel ihnen auf Erden zu Gebote standen und sie
doch keines benutzen wollten, sondern in dummem Eigendünkel und Wahn von
Großmacht als Menschen – sie so ganz Den vergessen hatten, der sie aus Liebe
in die Welt setzte und keine Gelegenheit unterließ, ihnen bei jedem
Pulsschlag zuzurufen: [Sg.01_033,15]
„Gedenke, o Mensch, daß außer dir, in dir und über dir eine geistige Welt
ist, welcher du nicht entrinnen kannst und die dich nach geistigen Gesetzen
erschaffen hat und nach dem Tode nach geistigen Gesetzen auch dich richten
wird!“ [Sg.01_033,16]
Daher folgt ein Wort auf das andere, welches Ich euch gebe; denn in allem und
überall suche Ich euch zu beweisen, daß ihr nicht allein für diese Welt leben
sollt und geboren seid; sondern in allem suche Ich euch aufzuklären, damit
ihr den Weg zu Mir finden könnt, der, eben weil ihr materiell und mit materiellen
Schöpfungen umgeben seid, deshalb auch durch die Materie nur allein gefunden
werden kann – denn in der materiellen Schöpfung sollt ihr die geistige und in
der geistigen Meine unendliche wiederfinden, denn nur so könnt ihr moralisch
von Stufe zu Stufe schreiten. Die Lehre allein nützt euch nichts, wenn ihr
nicht das Gelesene in euer Gemüt einprägt, mit euch geistig vermengt, damit
auch bei euch wahr werde, was einst ein Apostel sagte: „Nicht mehr ich,
sondern Christus lebt in mir!“ [Sg.01_033,17]
Ebenso sollt auch ihr nicht frömmelnde Worte, nicht immer den Ausdruck „der
Herr“ im Munde führen, sondern in eurer Denkungs- und Handlungsweise sollt
ihr zeigen, daß ihr nicht anders denken könnt, als wie eben euer Gott,
Schöpfer und Vater Selbst denkt, Ihn sollt ihr überall fühlen: im Makro- wie
im Mikro-Kosmos. Im Lichte des letzten Sterns, welches auf euer Auge fällt,
sollt ihr die nämliche Sprache der Liebe erkennen, welche gleich und
unwandelbar im kleinsten Tierchen ebenso mit Sorgfalt und Liebe alles so
geordnet hat, daß dieses euch sichtbare letzte Infusionstierchen ebenso
relativ seiner Organisation Freude und Glückseligkeit in seinem beschränkten
Leben genießt, wie der erhabenste Engel, der in Meiner Nähe Mir ähnlich mit
einem Blick Äonen von Welten überblickt. – – Deswegen wählte Ich auch diese
zwei Wörter, damit ihr nicht bei dem oberflächlichen Ausdruck stehenbleibend,
gedankenlos über Wunder hinwegschreitet, die überall gleich, in den großen
Welten-Komplexen oder im kleinsten Zellgewebe einer mikroskopischen Faser
eines Pflänzchens, euch stets entgegenrufen: „Blick auf, du menschlicher
Geist, und verträume deine kurze Spanne Lebenszeit nicht! Überall lächelt dir
die Liebe des Vaters entgegen, der dir schon so manches gezeigt, aber noch
vieles vorenthalten hat, welches nur ein Wiedergeborener zu sehen fähig ist,
welcher dann erkennen wird, daß es nicht große Naturszenen, erhebende
Augenblicke von hoher Begeisterung und die namenlosen Entfernungen von
Weltenkörpern vonnöten hat, um die Liebe eines Schöpfers zu begreifen,
sondern daß es weit näher an dir und in dir selbst liegt, wo du dann
ebenfalls die nämlichen Gesetze, die nämliche Fürsorge überall antreffen
wirst, wie ein Gott, verstehe das o Mensch, wie ein Gott! erschafft! – – wie
ein Vater Seine Welten einrichtete, wo eben in der Materie das höchste
Geistige – Seine Liebe allein – dazu beiträgt, das Erschaffene zu erhalten
und es höheren Stufen zuzuführen!“ – [Sg.01_033,18]
So denket auch ihr, Meine Kinder, oder so lernt auch ihr denken, fühlen und
danach handeln! So bemühet euch, wenn die beschränkte Wissenschaft euch Namen
aus toten Sprachen hinwirft, daß oft auch unter diesen Namen bei weitem mehr
Geistiges verborgen liegt, als derjenige ahnt, welcher sie zum erstenmal
gebrauchte. [Sg.01_033,19]
Ich lasse es zu, daß viele von euren Gelehrten und Forschern so manches aus
Meinem Gebiet der Natur entdecken, Ich lasse es zu, daß vieles von dem
Entdeckten zu eurem sozialen Leben verwertet wird, Ich lasse es sogar zu, daß
selbst diese Entdeckungen statt zum Besten der Menschheit auch zum Betrug und
Mißbrauch verwendet werden! – – [Sg.01_033,20]
Aber neben diesen „Zulassungen“ bleiben doch Meine primitiven Naturgesetze
aufrecht stehen, wo der Verfälscher derselben sich selbst straft, wenigstens
in seiner moralischen Würde, und der Unachtsame, den oft Geiz und Habsucht
dazu verleiten, auch im Körperlichen die Folgen seiner eigenen Leidenschaften
büßen muß! [Sg.01_033,21]
Aber unter all diesem Für und Wider habe Ich Mir doch Meinen eigenen Weg
auserkoren, wo Ich teilweise schon lange die Bausteine bereite, die einst
nötig sein werden, um das große geistige Haus zu errichten, wo alle
Fälschung, alle Täuschung ein Ende haben wird und Meine Kinder ihren Vater in
all Seinen Werken erkennen und in all Seinen schon früher gegebenen Worten
das Zeugnis haben werden, daß eben wie in der Materie die Grenze eines Mikro-
und Makro-Kosmos nicht zu bestimmen ist, so auch in der geistigen Auffassung
Meiner Worte oder in ihrer Ausübung ebenfalls unendlich fortwirkend das Kleinste
oft die größten Folgen hat, oder von den unscheinbarsten Ursachen die
weittragendsten Wirkungen erzielt werden können! [Sg.01_033,22]
Der Blick eines emsigen Forschers sucht vergebens die letzte Welt zu
erblicken, wobei er stets vergißt, daß die letzte Sonne, welche durch sein
Fernrohr den Strahl auf sein Auge sendet, ihm erborgtes Licht zeigt, dahinter
eben wieder die andere größere Sonne ihm verborgen bleiben wird. [Sg.01_033,23]
Und wenn er wieder in die kleinsten Räume eindringt, wo tausend
Vergrößerungen ihm wieder stets andere Gebilde zeigen, die eben deswegen,
weil sie dem Auge noch sichtbar sind, wieder aus kleinen Gefäßen bestehen
müssen, wo „das Leben“ wohnt, so ist auch im geistigen Erkennen die nämliche
endlose Stufenfolge, welche im höchsten Geiste, den ein Erschaffenes ahnen
kann, nicht die Grenze erreicht, wo Ich als Zentrum oder Endpunkt alles
wieder in Mir vereinigend, einfach und doch vielseitig das ganze geistige und
materielle Gebiet in Mir allein wieder vertrete, bis zum einfachsten
Gedanken, der doch vorausgehen mußte, um ein Äther-Atom zu schaffen, welches
ebenfalls sobald es „Atom“ noch aus kleineren Bestandteilen zusammengesetzt
ist, bis in die Grenze der Luft-, Gas- oder Geister-Form hinreichend, alles
in allem vorstellend, ebenfalls die Welt im Kleinen, wie ersteres die Welt im
Großen vorstellt! [Sg.01_033,24]
So fasset die Welt auf! So leset und begreifet alle Worte, die Ich euch
gegeben! – – Begnügt euch nicht mit dem flüchtigen Eindruck; denn deswegen
habt ihr alle diese Worte nicht erhalten, sondern suchet, wie Ich oben schon
sagte, als stoffumhüllte Geister geistig aufzufassen, was euch zu Meinen
Kindern stempeln soll! – Denn wo Ich und wie Ich denke, so müssen oder
sollten wenigstens alle diese denken, welche Ich nach Meinem Ebenbild geschaffen
habe. [Sg.01_033,25]
Unter Meinem Ebenbild ist aber eigentlich Mein geistiges Ich gemeint, welches
nur dann zu erreichen, wenn die Schale der Materie durchsichtig geworden ist,
man überall nur Geistiges erblickt, und da wo der Blick nicht mehr hinreicht,
es doch ahnungsvoll gefühlt wird. [Sg.01_033,26]
Mein Ich als Gott hat keinen Anfang und kein Ende, Meine Schöpfung ebenfalls
nicht, und euer bis jetzt so betitelter Makro- und Mikro-Kosmos ist ebenfalls
unendlich, wo nie ein menschlicher Geist die Grenzen weder des Anfangs noch
des Endes entdecken wird! [Sg.01_033,27]
Stolz solltet ihr eigentlich hinaufblicken in jene unermeßlichen Räume, von
wo nach Tausenden von Jahren erst ein Lichtstrahl auf euer Auge fällt, daß
ihr gemäß eurer Organisation fähig seid, solches zu ahnen, oder wenn ihr in
die Tiefen des Kleinsten hinabsteigt, wo ein Wassertropfen Millionen von
Wundern enthält – aber demütig solltet ihr zugleich dabei zu eurem Schöpfer
aufblicken, der trotz eurer körperlichen Winzigkeit euch diesen Geistesfunken
ins Herz legte, daß ihr die Größe der Unendlichkeit teilweise fassen könnt,
und vor Liebe und Andacht solltet ihr vor Meiner Allmacht niedersinken, die
in ihrer unendlichen Barmherzigkeit euch als geistige Wesen anerkennt, statt
als unbedeutende Wesen euch betrachtend, euch an Seine Brust ziehen, euch als
Seine Kinder erziehen und euch fühlen lassen will, daß wenngleich eine
Vaterliebe auch auf Erden ist, diese doch bei weitem kein schwacher
Schattenabriß gegen jene ist, die Ich, als allmächtiger Schöpfer, gegen euch
sowie gegen den letzten Wurm im Staube fühle, da Ich alle geschaffenen Wesen
stufenweise nach und nach Mir näher führend, alle in einem „Reich der Liebe“
vereinigen will, wo die Materie aufgehört hat und, Geistiges nur Geistiges
bildend, eine ewige, stete Seligkeit den Vater mit Seinen Kindern vereinigen
soll! [Sg.01_033,28]
Dazu die Mühen und dies der Zweck all Meiner Worte, all Meiner Führungen und
all Meiner Schöpfungen, welche, vom Mikro-Kosmos angefangen, selbst beim
Makro-Kosmos noch nicht das Ende erreicht haben werden, sondern dort erst
wieder in ähnlichen Verhältnissen eine neue Schöpfung ihre Anfänge zu zählen
beginnen wird, damit das Wort „Unendlichkeit“ in seiner ganzen Bedeutung von
allen erfaßt und begriffen, gefühlt und genossen werde! Amen. 34. Kapitel – Urerschaffung der Menschenseele. 3. November 1872 [Sg.01_034,01]
Mein Sohn! So manche Frage hast du an Mich gestellt, und Ich als dein Vater
habe dir geantwortet, mit vielen oder wenigen Worten, je nachdem deine Frage
eine größere Erklärung oder Auseinandersetzung beanspruchte. [Sg.01_034,02]
Immer noch tauchen in deinem Gemüt neue Fragen auf, wie in deinem letzten an
Meinen Schreiber gerichteten Brief. Du sagst unter anderm, daß die
Beantwortung dieser Frage dich besonders beruhigen würde vor deinem Hingang
aus dem irdischen Leben! Hier muß Ich dich aber doch fragen, wenn du nun
alles erfährst, was du wissen möchtest, was nützt es dir dann? – Nützt es
dir, deinen moralischen Zustand zu erhöhen? nützt es dir, Mich und Meine
Lehre besser kennen und begreifen zu lernen? kann dieses Wissen einen Einfluß
auf dein Denken und Handeln in bezug auf deine Nebenmenschen haben? – Sieh,
auf alle diese von Mir an dich gerichteten Fragen mußt du Mir mit Nein
antworten. [Sg.01_034,03]
Was du wissen willst, ist eine Frage, um in Meine Schöpfungsgeschichte einen
tieferen Blick zu werfen, und wenn du es genau betrachten willst, so wären
solcher Fragen, wie die, welche du an Mich gestellt hast, noch Millionen
vorhanden; denn ein jedes lebende Wesen, eine jede Pflanze, selbst das tote
Gestein könnte dich zur Frage reizen: Welches war doch der erste Prozeß bei
jeder Einzelerschaffung? oder was war doch zuerst vorhanden – das Ei oder das
Huhn? der Same oder die Pflanze? – Lauter Fragen, welche, wenn sie dir von
Mir getreu und faßlich beantwortet würden, dich um kein Haarbreit weiter auf
deiner geistigen Stufe bringen würden. [Sg.01_034,04]
Um dich aber doch in etwas zu befriedigen, so will Ich dir auf deine
gestellten Fragen antworten, so weit du als ein geschaffenes Wesen in Meine
Schöpfung einen Einblick tun kannst. Nun, so höre denn! Daß du Mich überhaupt
in dieser Beziehung fragst, ist ein Zeichen, daß das wenige, was Ich euch
hierüber gegeben habe, dir nicht verständlich ist; denn es ist eine leise
Andeutung eines schöpferischen Aktes, welcher nicht nur allein beim Menschen,
sondern bei jedem Wesen vollzogen wurde, nur mit dem Unterschied der Stufe,
auf welche ein solches Wesen hingestellt wurde. [Sg.01_034,05]
Du weißt, auch die Tiere haben Seelen; es wäre also auch das eine Frage, wie,
wann und von wo ward auf Erden einem jeden Tier als Gattung bei seiner
Erschaffung die Seele gegeben oder, wie die Bibel in der Mosaischen
Schöpfungsgeschichte sagt, eingehaucht?! Wo kam sie her, was war ihr Ursprung? [Sg.01_034,06]
Auf diese und alle ähnliche Fragen antworte Ich das, daß bei allen
geschaffenen Wesen gebundene Partikel des großen gefallenen Geistes
eingekleidet wurden; ferner, daß der große gefallene Geist selbst als ein
Ableger von Mir frei in die weite Schöpfung hinausgestellt ward, wo er wie
ein jedes begrenzte Ganze eine innere und eine äußere Organisation besaß,
nebstbei noch als drittes einen großen Teil Meines eigenen göttlichen Lebens,
welches als Funken von Mir ihn über alles grob Materielle hinaushob. [Sg.01_034,07]
Von seiner Außenseite oder ätherischen Umkleidung wurden und werden ihm
tagtäglich Parzellen (Teilchen) für die materiellen Leiber als eure
Umkleidung gebundene, ihm entnommene Geister genommen und verwendet. – Von
seiner Seele stammen alle geschaffenen Wesen ab in bezug auf ihr seelisches
Leben, und nur sein göttliches Erbteil von Mir ward ihm gelassen, weil eben
dieses es ist, welches, wie bei euch das Gewissen, ihn fortwährend anspornt,
anregt, zu Mir zurückzukehren. [Sg.01_034,08]
So siehst du die Dreieinigkeit, wie Vater, Sohn und Geist – Materie, Seele
und göttlicher Funke, auch in ihm konsequent vertreten, wie eben auch jedes
geschaffene Wesen aus diesen drei Teilen besteht, welche in der materiellen
Schöpfung, im geistigen Himmel und in Meiner Person Selbst wieder auf
ähnliche Weise sich dargestellt finden. [Sg.01_034,09]
So ist also der Ursprung der Seele, wie bei euch in der Zeugung, immer das
nämliche, wo auch ihr etwas von eurem geistigen Wesen abgebet, ohne doch
dabei einen Mangel zu fühlen. – So ward alles Lebende in der ganzen
materiellen Welt geschaffen, und wenn in der Mosaischen Schöpfungsgeschichte
die Schöpfung des Menschen ausführlicher besprochen wurde, so wie in dem
Werke, welches Ich einst Meinem früheren Schreiber gab, so hat es darin
seinen Grund, weil erstens der Mensch das letzte Schöpfungsglied auf eurer
Erde war, und zweitens, weil eben ihr Menschen mehr Interesse daran findet,
die Entstehung eurer eigenen Rasse etwas näher zu erfahren. – [Sg.01_034,10]
Wie die Eva aus dem inneren und äußeren Leibe des ersten Menschen erschaffen
wurde und warum so und nicht anders, das liegt einfach darin, weil dem ersten
Menschen eine Gefährtin, eine Lebensbegleiterin geschaffen wurde, welche
natürlich aus dem letzten feinsten Material, welches Ich als Mein Ebenbild
schaffen wollte, genommen werden mußte. [Sg.01_034,11]
So entstand das erste Weib, wie bei jeder Vermischung der Geschlechter eins
aus dem andern, und dieser notwendige Prozeß, welcher bei den meisten
lebenden Wesen ihren Fortbestand gründet – nur mit dem Unterschied, daß zur
Erschaffung des ersten Weibes Ich eine Verfahrensart annahm, die materiell
genommen das vollzog, was geistig bei der Erschaffung von Millionen anderer
Kreaturen ebenfalls geschehen ist. – [Sg.01_034,12]
Dir weiter zu erklären, warum so und nicht anders, ist mit menschlichen
Begriffen nicht faßbar, so wenig als wenn du von Mir eine Antwort verlangen
würdest auf die Frage: Wer hat denn Mich geschaffen, oder woher ist der erste
Keim, welcher Mein Wesen hervorbrachte?! – [Sg.01_034,13]
Euer Begriffsvermögen hat seine Grenzen, über welche hinaus es euch an
geistigen Bildern fehlt, um gewisse Anordnungen, Raum- und Zeitverhältnisse
zu bemessen. Ihr habt ja ein altes Sprichwort, an welches Ich auch dich
erinnern will, und das heißt: Schuster bleib beim Leisten! Dieses Sprichwort
will Ich dir ins Gedächtnis rufen, und wenn Ich euch gleichwohl manchmal den
kleinen Finger reiche, so verlangt nicht auch die Hand; denn sie ist zu groß,
weil in ihr die ganze Schöpfung ruht, wo euer Ich und eure Erde wie ein
Infusions-Tierchen im großen Äther verschwinden muß. [Sg.01_034,14]
Du selbst bestehst ja aus Körper, Seele und Geist. Sage Mir einmal, welches
von diesen dreien, die doch dir nahe genug sind, weil sie dein eigenes Ich
ausmachen – welches von diesen dreien begreifst du, oder kannst du dessen
Bau, dessen Organisation richtig klar durchschauen?! – Siehe, Mein lieber
Sohn, Dinge ergründen zu wollen, die gerade nicht zu wirklichem Nutzen oder
Fortschritt beitragen, das sind unnütze Grübeleien, die dich nicht fertiger,
nicht besser machen. [Sg.01_034,15]
Du hast Mein Wort, daß neben der Seele dir noch ein göttlicher Funke
innewohnt – suche diesem Funken gleich zu werden, da du geistig von Mir
abstammst, wie Ich es euch Selbst kundgegeben habe. [Sg.01_034,16]
Trachte dieser Abstammung würdig zu werden, durch Denken, Reden und Handeln,
wie es einem Gotteskinde geziemt, das übrige überlasse Mir! Wenn du einst in
leichterer Hülle auch mit geistigen Augen Meine Schöpfung anschauen kannst,
dann wirst du wieder einen weiteren Aufschluß und Sättigung für deine
Neugierde haben, aber Mich und Mein Schaffen ganz verstehen zu wollen, das
lasse beruhen, denn es ist solches nicht für endliche Wesen – einen
unendlichen Gott und Schöpfer verstehen und begreifen zu wollen, weder hier –
noch dort! Amen. 35. Kapitel – Gott ist die Liebe. Werde Sein Kind! Unsere Aufgabe hier! 1. März 1872 [Sg.01_035,01]
Mein lieber Sohn! Du hast dich gehoben gefühlt durch diesen Titel, den Ich
dir gegeben habe, und hast zum ersten Male vielleicht bemerken müssen, welche
Kraft und geistige Bedeutung in einem Worte liegt, wenn man sich in es
vertiefen will, wie du es auch bewiesen hast durch das zweite Wort „Liebe“,
welches du lang und breit definiert hast. [Sg.01_035,02]
Ich wußte wohl schon lange, nach was du suchest, und leitete daher auch die
Umstände so, daß das Finden des Längstersehnten dir bei weitem erleichtert
wurde. [Sg.01_035,03]
Du suchtest in allen Wissenschaften, in allen Auslegungen Meiner der
Menschheit hinterlassenen Lehre, aber beim Suchen fehlte dir immer der
Hauptschlüssel, du suchtest mit dem Verstande und vergaßest darob das Herz! [Sg.01_035,04]
In allen Wissenschaften ist dir oft Mein Ich entgegengetreten, wie es aus
allen Schöpfungen herausleuchtet, aber nur stets nach Fernem forschend,
bemerktest du nicht das Zunächstliegende, bemerktest du nicht, wie überall
die Stimme der Liebe, der allgemeinen Gottesliebe dir zurief: „Aber eifriger
Forscher, bemerkst du denn in deinem Herzen keine Frage, warum dieses alles
so und nicht anders geschaffen wurde? bemerkst du nicht, daß es nur aus Liebe
und für wieder zu erweckende Liebe ins Dasein gerufen ist?“ – [Sg.01_035,05]
Sieh die Erde an mit allen ihren Wundern im Innern, soweit sie euch bekannt
sind, im Äußern, womit ihre Oberfläche ausgestattet ist, und du wirst das
Streben einer allerbarmenden Liebe leicht herauslesen können, um so mehr,
wenn dein Blick, geistig geschärft, nicht die rohe Materie als Hauptsache
annehmend, diese nur als Überkleidung einer andern geistigen Stufenleiter
betrachtet, wo sodann auch alle scheinbaren Grausamkeiten der lebenden
Geschöpfe sowie die zerstörenden Wirkungen der Elementarereignisse einem
geistigen höheren Zuge folgend, nicht als Übel angesehen werden, die zwar
einzelnen zum Schaden, dem ganzen aber zu seinem Fortbestand unumgänglich
notwendig sind. [Sg.01_035,06]
Hättest du so die Geologie studiert, so wäre, während du deinen Verstand mit
Kenntnissen bereichert hast, dein Herz nicht leer ausgegangen; überall
hättest du den leitenden Faden der Liebe gefunden, der in verschiedener Form,
aber immer in derselben Weise, alles seinem Vollendungsziel entgegenführt. [Sg.01_035,07]
Und wenn du aufmerksam das Gelernte durchgegangen hättest, so würdest du
bemerkt haben, daß nur das grob-rohe Sichtbare euren Sinnen zugänglich ist
und das weit Größere und Erhabenere dem Forschungsgeiste eines
Verstandesmenschen verschlossen und nur dem liebenden Herzen offensteht. [Sg.01_035,08]
Was lerntest du aus der Sternkunde? Einzelne Gesetze und Bewegungen deines
eigenen Sonnensystems und Entfernungen, die schon bei eurem Monde für
menschliche Begriffe nicht faßbar sind. Was ist aber euer Sonnensystem gegen
die Hülsengloben, wovon dieses System einen Teil ausmacht; was ist diese
Hülsenglobe gegen das ganze Universum, worin materielle Körper als Planeten und
Sonnen immer wieder um größere kreisen? – nur wie ein Tropfen Wasser in eurem
großen Ozean! Und was ist diese ganze Schöpfung gegen jene, welche außer dem
Bereich des Materiellen geistig eine noch höhere und größere vorstellt, aus
welcher alle Welten hervorgegangen sind und in welche einst, vergeistigt, geläutert,
alle wieder zurückkehren werden! – [Sg.01_035,09]
Siehe Mein Sohn! diese Größen, diese Liebeswerke deines Gottes und Vaters
kannst du mit dem Verstande nie, mit dem Herzen jedoch ganz fassen. [Sg.01_035,10]
Bei diesem Gedanken der Größe und der Unendlichkeit muß dir dein von Mir in
dich gelegter Gottesfunke helfen, dich über das Irdische, über das Materielle
bis ins Geistige hinaufzuschwingen. Denn dort reicht dein Verstand nicht mehr
aus, dort hört die Seelenfähigkeit auf, wenn sie nicht, durch Meinen Geist
unterstützt, begreifen und fassen lernt, daß nur ein ewiger Gott Ewiges
schaffen konnte und ein endliches Wesen nur dadurch erst recht inne wird, was
der Name „Gott“ bezeichnen will und was es heißt, „Sein Kind“ werden zu
können! [Sg.01_035,11]
Du fühltest dich stolz beim Lesen des Wortes, welches Ich an dich richtete,
indem Ich dich ansprach: „Mein Sohn!“ – Ja, fühle dich stolz, daß du auf
dieser Sprosse der Stufenleiter stehst, wo du schon Millionen und Millionen
anderer Übergänge hinter dir siehst und nur wenige vor dir hast, die, insofern
du eifrig willst, dich leicht die ganze Bedeutung fühlen lassen können, was
es heißen will, „Mein Sohn“ genannt zu werden und solches auch sein oder werden
zu können! [Sg.01_035,12]
Um einen Meister kennenzulernen, muß man vorerst die Größe Seiner Werke
begreifen, muß deren Grund, ihr Warum ganz klar vor sich sehen, weswegen, aus
welchen edlen oder großen Beweggründen Er sie geschaffen hat, und dann erst
fängt die Bewunderung an, ein geistiges Resultat zu haben, dann begreift man
erst, was es heißt, ein Meister wie Er und ein Schüler von Ihm zu sein! [Sg.01_035,13]
Hättest du so alle Wissenschaften studiert, so wären dir auf jedem Schritt im
Mikro- und Makro-Kosmos die zwei Hauptprinzipien Meines Ichs
entgegengetreten: die Liebe und die Weisheit, der Ich alles erschuf, um
wieder Liebe zu erwecken und das von Mir aus Liebe hinausgestellte
Körperliche vergeistigt und veredelt wieder durch Meine geschaffenen Wesen
zurückzuerhalten. [Sg.01_035,14]
Es wäre dir klar geworden, wie Ich alles nur erschaffen habe, nicht für Mich,
sondern für alle denkenden und fühlenden Geschöpfe, wo ihr Dank- und
Lobgesang die einzige Belohnung ist, die Ich von ihnen, ein Unendlicher vom
Endlichen, verlangen konnte! – [Sg.01_035,15]
So fasse Meine Welt des Sichtbaren auf und die Decke vor deinen geistigen
Augen wird fallen – du wirst den geistigen Grund und das Warum überall leicht
entziffern, sowohl im leisesten Gesumse eines Insektes wie in der edelsten
reinsten Rede eines von Gott begeisterten Menschen oder in den Tiefen Meiner
Worte selbst! [Sg.01_035,16]
Dann wirst du Wonnen erschauen in einem Blümchen auf der Wiese und
Seligkeiten entdecken in dem Ausdruck eines Wortes, welches unendlich wie Ich
Selbst – dich von einer Freude zur andern, von einer Seligkeit zur andern
führen kann; es genügt, daß du dich darin zu vertiefen verstehst. Denn nicht
nur das Wort „Sohn“ oder „Liebe“ sind so reich an hohen Genüssen, nein, ein
jedes Wort; denn jedes Wort kommt von Mir, ist geistiges Produkt einer weit
höheren Welt als die vergängliche materielle. Mit dem Wort schuf Ich die
Welt, mit dem Wort beseelte Ich sie, mit dem Wort erhalte und führe und
läutere Ich sie, bis sie als vergeistigtes Wort einst in Mein Reich des
Geistes zurückkehren wird – und dieses eine und große Wort, das alles
ausdrückt, alles besagt, dieses Wort ist „Liebe“! Fasse die Liebe in ihrem ganzen
Bereich, fasse sie als Mensch zu deinem Nächsten, als Mitleid zu den dir
unterstehenden Geschöpfen und fasse sie als Ausdruck und Beweggrund, warum
Ich, der große, unendliche Gott, einst herunterstieg auf eure finstere Erde
und dort den größten Liebesakt vollzog, den ein Gott begehen konnte, und es
werden sich dir noch größere Tiefen erschließen, die in diesem Wort und in
dem Wort „Sohn“ liegen, wenn du bedenkst, daß eben Ich – die Liebe Selbst –
dieses alles geschaffen, dieses alles getan, und in dich den Funken gelegt
habe – ganz zu begreifen, was es sagen will – die Kindschaft eines solchen
Gottes und liebenden Vaters nur eben um den leichten Preis von Liebe erwerben
zu können – und du wirst in Meiner sichtbaren Natur und im eigenen Herzen
Stoff genug finden, alles zu tun, um dieses Namens dich wert zu machen! Amen. 7. August 1872 [Sg.01_036,01]
Du willst auch noch dieses Wort erklärt haben – nun, so schreibe denn, da
doch nichts mehr vergeudet wird von euch Menschen als eben gerade die Zeit,
das heißt diejenige, welche euch als Prüfungsleben zugemessen ist. [Sg.01_036,02]
Seht, ihr wisset alle nicht, was Zeit ist, was sie bedeutet und welchen Wert
sie hat, sonst würdet ihr alle anders leben, als ihr es wirklich tut. Um euch
aber doch einen Begriff von diesem Wort beizubringen, der einem geistigen
Wesen, wie ihr Menschen es sein sollt, würdig ist, so will Ich denn euch
diesen Begriff so viel erklären, als endliche Wesen Unendliches fassen
können. [Sg.01_036,03]
Was ist also Zeit? Und wie erkennt ihr, daß es wirklich eine Zeit gibt? „Zeit
ist nichts anderes als ein Abschnitt des Gedankens der Ewigkeit, ein kleines
Bruchstück eines großen unendlichen Ganzen!“ Ihr würdet nicht wissen, was
Zeit ist, könntet ihr sie nicht an materiellen Dingen ermessen, wo zwischen
Kommen und Entstehen und Verschwinden und Vergehen ein Zeitraum verflossen
ist, welcher, wie ihr es auch tut, gemessen oder mit Zahlen ausgedrückt
werden kann. [Sg.01_036,04]
Nur im Sichtbaren ist die Zeit zählbar, in der Ewigkeit, wo der Raum keine
Dimensionen mehr hat, dort hat auch das Maß der Zeit aufgehört, dort
herrschen Begriffe und Ideen, die für endliche Wesen nicht faßbar, nicht
begreiflich sind. [Sg.01_036,05]
Ein endliches Wesen kann eben deswegen Mich, den Zeitlosen, nie begreifen;
denn wenngleich die ewige Fortdauer zu denken möglich ist, so ist doch das:
nie einen Anfang gehabt zu haben, für geschaffene Wesen ein Absurdum, ein Unbegreifliches,
Undenkbares – und darin besteht der Unterschied zwischen Mir und aller
Geisterwelt. Es ist dieses Wort „Zeit“, welches Meine Göttlichkeit präzisiert,
mehr als alles andere; denn auch der Raum selbst ist ohne Zeit nicht meßbar,
nicht begreifbar. [Sg.01_036,06]
Also die Zeit ist eigentlich symbolisch der geeignetste Ausdruck für Meine
Größe; denn Zeit als Begriff gab es immer und wird es immer geben, ob man sie
messen will oder nicht. Seht also, wenn ihr diesen großen Faktor – die Zeit –
von dieser Seite anseht, so ist er es allein, welcher euch eine Idee von Mir
und einen Begriff von Meiner Schöpfung geben kann. In Zeiträumen erfolgte die
Schöpfung, eine aus der andern, eine nach der andern, und in Zeiträumen
werden diese von Mir geschaffenen Welten sich entwickeln, sich
vervollkommnen, und in Zeiträumen werden sie wieder vergehen und neuen
Formen, neuen Welten, neuen Schöpfungen Platz machen. So ist die Zeit der
einzige Messer, nach welchem Meine Schöpfung beurteilt werden kann; denn die
Zeit als Größe, die Zeit als Entfernung und die Zeit als Dauer eines
geschaffenen Gegenstandes gibt dessen Wert, dessen Inhalt und dessen
Wirkungskreis an. Was dort im unendlichen ewigen Äther in Zeitabschnitten
Meine Welten vollführen, das ist wieder im Kleinen bei jedem erschaffenen
Ding und bei dessen Dauer der Fall. Nur die Zeit gibt dem Stein seine Größe,
seine Dauer, und bei lebenden Wesen ist es wieder die Zeit, die ihren
Lebenswert bestimmt. [Sg.01_036,07]
So ist also der Begriff „Zeit“ ebensowenig aus der Schöpfung zu vertilgen wie
Ich Selbst. Ohne Zeit gibt es keine Welt, und ohne Mich gibt es keine Zeit! –
Was ist der Zeitraum des Menschenlebens von der Wiege bis zum Grabe? Er ist
nichts anderes als ein nur durch Zahlen ausgedrückter Abschnitt der
Unendlichkeit, welcher an einem sichtbaren, geschaffenen Wesen in seinem
Entstehen, seiner Entwicklung und seinem Vergehen sichtbar ist. Ohne diese
sichtbaren Veränderungen wäre keine Zeit zu messen, wenn ihr nicht gerade den
Wechsel der Tage oder den Wechsel zwischen Tag und Nacht zählend einen
Zeitmesser dadurch gewonnen hättet. [Sg.01_036,08]
Die Zeit hat keinen Anfang und hat kein Ende, sie kommt aus der Unendlichkeit
und verrinnt wieder spurlos in sie. Nur sichtbare Schöpfungen zeugen von
ihrem Kommen und Gehen, sonst wäre sie unmeßbar. Diese Zeit also, welche als
Maß jedem geschaffenen Ding seine Dauer angibt, binnen welcher es sich
geeignet haben muß, auf der großen Stufenleiter zum Geisterreich
fortzuschreiten, diese Zeit ist eben auch das Maß für geistige Wesen, binnen
welcher es ihnen auferlegt ist, gewisse Missionen zu erfüllen; denn so wie
die großen Welten und Sonnensysteme ihre angemessene Zeit der Dauer haben,
ebenso haben auch alle geschaffenen Wesen eine gewisse Zahl von
Zeitabschnitten, welche ihr Leben bis zur nächsten Verwandlung bestimmen. [Sg.01_036,09]
Die Zeit für den großen Weltenbau ist eine bestimmte, denn nach deren Verlauf
treten andere Verhältnisse ein, welche von anderen Welten bedingt nun
geregelt werden. Diese Zeit also ist gemessen, und es muß während derselben
vollführt werden, was nach dem Plane des Ganzen gerade zur Erhaltung des
Einzelnen wie des Ganzen nötig ist. Was nun bei den Welten der Fall ist, das
gilt auch für jedes einzelne Geschaffene, auch für den Menschen; denn auch
ihm ist von der Geburt bis zum Tode ein Zeitraum angemessen, währenddem er
seine Mission des Prüfungslebens vollenden sollte! Da aber der Mensch ein
freies Wesen ist, und da er eben auch ein Komplex von Geistigem und
Materiellem ist, so ist es ihm allein gestattet, was er hier während seiner
körperlich-irdischen Lebensbahn nicht erreichen konnte, im Jenseits noch zu
vollenden; denn der Mensch ist ein Kind zweier Welten, der geistigen und der
materiellen. Eben wegen dieses Verhältnisses sind im Äther so viele Räume mit
unreif verstorbenen Seelen angefüllt, die dort vollenden müssen, was sie hier
nicht konnten, sonst wäre ein Übergang von der materiellen Welt zu den geistigen
Wohnorten für sie direkt möglich, welches aber so nicht stattfinden kann, da
die Seelen der Menschen, leider die meisten, unreif in der anderen Welt
ankommen. [Sg.01_036,10]
Was erhellt aber aus dieser Kundgebung? Seht, es erhellt daraus, daß die Menschen
ihre Lebensdauer, das heißt die Zeit ihres Erdenwandels soviel als möglich
benützen sollten, ihren Geist reif für die andere Welt zu machen, damit ihnen
diese Zwischenreiche erspart würden. Und darum gebe Ich euch dieses Wort über
die Zeit, damit ihr aufmerksam werden sollt, wie groß der Wert der Zeit ist
und daß dieses vergeudete Gut für euch ewig verloren ist. Ihr müßt euer Leben
bei weitem ernster auffassen als bisher; ihr müsset der Zeit einen bei weitem
größeren Wert beilegen, als ihr bisher getan; es sollen nicht in euren Mund
kommen die Worte wie „Zeitvertreib“, denn, nehmet euch in acht, die Zeit
vertreibt euch, oder: „die Zeit totschlagen“, denn die Zeit ist's, welche
euch den Tod bringt, nicht ihr der Zeit! Die Zeit, zerfallend in kleine Parzellen,
sollte jeder dieser Teile als geistiger Baustein fürs künftige Leben einen
Wert haben, wenn auch noch so klein, allein wertlos soll er nicht sein. Die
Zeit ist der strengste Rechner eurer Taten, und alles Gute und Schlechte,
Überlegte und Unüberlegte, Übereilte – in der Zeit findet es seinen
Schätzmeister. Nachdem die Zeit das Geschehene nicht wieder zurückgibt, so
müsset ihr alles aufwenden, sowenig als möglich in diese Zeitregister eingeschrieben
zu sehen, was ihr zurückhaben möchtet; denn es bleibt eben wegen seiner
Unwiederbringlichkeit ein ewiger Vorwurf, ein ewiger Dorn – und Dornen
verwunden, stechen. Wäre nicht Meine allerbarmende Liebe, was würde der
Mensch wohl tun müssen, um das Andenken an manches Getane zu verwischen, das
die Zeit hartnäckig ihm nicht zurückgibt? – Nur Meine Vaterhand kann diese Wunden
heilen, die die Dornen des Vergangenen, Gemißbilligten verursacht haben. [Sg.01_036,11]
Daher nützet eure Zeit! Vertändelt sie nicht, die Zeit bin Ich, die Zeit ist
das euch gegebene Prüfungs-, das Lebens- oder Wandel-Maß, welches ihr getreu
verwaltend als geliehenes Gut einst Mir zurückgeben müßt! Die Zeit ist das
Talent, welches Ich einem jeden bei seiner Geburt als Angebinde gebe,
vergrabt es nicht, sondern benützet dieses Talent, auf daß es euch recht
viele und große Zinsen im Jenseits abwerfe. Bedenkt, mit allem, was ihr hier
gewinnt, verkürzt ihr eure Wanderjahre jenseits im Mittelreich, wo das
Fortschreiten und der Zeitmesser weit schwerer ist! Es ist wahr, Ich habe für
Meine Kinder große Seligkeiten bereitet; aber nur die genießen sie einst,
welche in jene Räume gelangen können, wo sie gespendet werden, und welche nur
die ertragen können, die auch dort sich nur wohl befinden. Solange euch noch
Erdenschlacken von Leidenschaften anhängen, könnt ihr nicht dorthin gelangen,
wo die Zeit euch kein strenger Richter, sondern ein lieblicher Freund ist,
welcher zwischen seligen Genüssen und Freuden euch langsam vorwärts führt,
und wo ihr, getrost rückwärts sehend, wenig oder gar nichts zu bereuen haben
werdet. [Sg.01_036,12]
Nehmt euch diese Worte zu Herzen! Es sind Worte eines Vaters, der Seine
Kinder das, was Er ihnen vorbehalten hat, auch genießen lassen möchte und
ebendaher euch mahnt: die Zeit, Ausfluß Seiner Göttlichkeit, nicht zu viel zu
Materiellem, wohl aber zu geistigen Genüssen zu benützen, denn die Zeit
vergeht, führt euch auch zum Vergehen und Verwandeln. – Wohl euch, wenn diese
Verwandlung euch in Räume führen wird, wo euch Der, der euch schon so vieles
gegeben, auch fühlbar sein kann und nicht, wie im Mittelreich, bloß geahnt
werden muß! Die Zeit ist das Maß der Dauer der Welten, sie ist aber auch das
Maß eurer Taten und Werke, benützet sie also so, wie es sich geistigen, und
nicht materiellen, Menschen geziemt, die Mir ähnlich werden wollen; denn zu
diesem Zweck gab Ich euch dieses Wort. 1. Kapitel – Das Evangelium der Natur und über die Mission des
Menschen auf Erden. 3. Kapitel – Die Elektrizität. 4. Kapitel – Die Adelsberger Grotte. 5. Kapitel – Schmetterling und Schwalbe. 6. Kapitel – Vergißmeinnicht und
Klapperschlange. 7. Kapitel – Tai-fun oder eine
Riesenwasserhose im Stillen Ozean. 8. Kapitel – Luft, Wasser, Erde und Feuer. 10. - 12. Kapitel – Von Nacht zum Licht. 13. Kapitel – Die Schöpfung der materiellen
und geistigen Welt. 17. Kapitel – Der Mensch und die Schöpfung,
I. 18. Kapitel – Der Mensch und die Schöpfung,
II. 20. Kapitel – Ein Wort für Kurzsichtige. 21. Kapitel – Die Schöpfungs-Pyramide. 22. Kapitel – Zur Schöpfungsgeschichte. 23. Kapitel – Das Kreuz in der Schöpfung. 25. Kapitel – Das Licht – Welten-, Sonnen-
und Sternen-Licht. 26. Kapitel – Ein Blick in den Orion,
Sirius und die Plejaden, I. 27. Kapitel – Blick in den Orion u. a., II. 29. Kapitel – Ergänzung zum Wort über „Das
Licht“, III. (Ergänzungen). 31. Kapitel – Der gestirnte Himmel. 33. Kapitel – Mikro- und Makro-Kosmos. 34. Kapitel – Urerschaffung der
Menschenseele. 35. Kapitel – Gott ist die Liebe. Werde
Sein Kind! Unsere Aufgabe hier! _______ * _______ |
|
|