Von Wilhelm
Erdmann, Deutschland
In einer Oktober-Ausgabe schreibt
Klaus Opitz:
„Über die Erde geht jetzt eine
geistige Sintflut, wie einst vor mehr als viertausend irdischen Jahren zur Zeit
Noahs eine materielle Flut über sie kam. Damals
tötete sie bei jedem den Leib, diese aber tötet beides – nämlich Seele und
Leib.“
(HiG.03_48.11.17,02 – 1848)
Diese geistige Sintflut wirkt
insbesondere durch den Geist der Herrschsucht. In den Neuoffenbarungen Jakob Lorbers werden sechs göttliche Grundkräfte beschrieben, die
– sinnbildlich wie auf einer Jakobsleiter – vom tiefsten Zustand der Seele bis
zur höchsten Gottesnähe führen. Dabei
werden jedem dieser Geister
symbolische Entsprechungen zugeordnet:
·
Liebe: Sie steht für die
göttliche Urkraft der Liebe und entspricht dem Mann in fester Verbindung zu
Gott.
·
Weisheit: Sie versinnbildlicht
die Nächstenliebe und wird mit dem Weiblichen und dem Raum des äußeren Lebens
verbunden.
·
Wille: Er steht für die
Eigenliebe und die Leiblichkeit des Menschen.
·
Göttliche Ordnung: Sie bezieht sich auf
das Eigeninteresse und findet ihre Entsprechung im Tierreich.
·
Ernst: Er steht in dieser
Symbolik für den Hochmut und wird dem Pflanzenreich zugeordnet.
·
Geduld: Sie wird mit der
Herrschsucht in Verbindung gebracht und dem Mineralreich zugewiesen.
Demnach heißt es, man solle in Zeiten dieser geistigen Sintflut besonders
Geduld üben gegenüber den Wirkungen der Mineralien, da durch deren Einfluss
Seele und Leib leicht gestört werden könnten. Interessanterweise betreffe
dieser Einfluss laut Opitz besonders Fenster und Türen – möglicherweise im
übertragenen Sinn als Schnittstellen zwischen innen und außen –, was er mit der
verstärkten Nutzung mineralischer Substanzen seit dem Aufkommen der
Neuoffenbarungen in Verbindung bringt.
So seien mineralische Substanzen, insbesondere Mineralwasser, gleichsam
eine „verdünnte Blütenessenz“, die zur Herrschsucht neige. Pflanzen wiederum
würden Hochmut fördern, Tiere den Eigennutz, die Konzentration auf den Körper
rufe die Eigenliebe hervor, Frauen forderten zur Nächstenliebe heraus, Männer
zur Gottesliebe.
Auch werde behauptet, dass durch kraftlose Nahrungsmittel aus Supermärkten
die Menschen zunehmend von Herrschsucht durchdrungen seien – ein Zustand, der
sie an der Entwicklung zur Nächstenliebe hindere und letztlich Leib und Seele
schade.
Rudolf Steiner, so wird vermutet, habe nach heimlicher Lektüre von Lorbers Werken diese geistige Gefahr erkannt und deshalb
den Weg für Reformhäuser geebnet – allerdings ohne auf Lorber
selbst zu verweisen. Die heutige Lorberbewegung
wiederum schütze sich vor der geistigen Sintflut durch den Aufbau von Bioläden.
In den Originalschriften Jakob Lorbers habe ich keine Stelle gefunden, in der Pflanzen als
hochmütig bezeichnet werden. Natürlich unterscheidet Lorber
zwischen edlen und unedlen Pflanzen, wie auch zwischen guten und schlechten
Tieren oder Menschen. Hierzu einige Belegstellen:
„[...] Oder welchen Segen wird er mit seinen unreifen Pflanzen verbreiten,
von denen er selbst noch keineswegs weiß und auch nicht wissen kann, ob sie
rein oder unrein sind – vielleicht sind sie sogar ganz voll tödlichen Giftes?!“
(HGt.01_121,20 – Haushaltung Gottes, Band 1)
Und weiter:
„Da jedoch auch unter den
Pflanzen ein gewaltiger Unterschied besteht – denn es gibt edle und unedle,
gute und schlechte –, folgt daraus, dass vor allem die edlen Pflanzen dem
Tierstadium nahe stehen und die edelsten sogar so nahe dem Menschenstadium,
dass sie bald – wenigstens teilweise – in das menschliche Wesen aufgenommen
werden können.“ (Mond und Erde, Kap. 15:3)
Ebenso heißt es:
„Denn es gibt gute und bösartige
Sterne, wie es infolgedessen auch gute und bösartige Pflanzen und Tiere gibt.“
(Mond und Erde, Kap. 21:10)
Die von Klaus Opitz dargestellte
Symbolik der sechs göttlichen Eigenschaften weicht in mehreren Punkten von dem
ab, was man aus den Hauptwerken Lorbers kennt. So
wird etwa behauptet, dass allein Frauen die Nächstenliebe herausfordern –
Männer hingegen ausschließlich zur Gottesliebe führen. Auch die Behauptung,
alle Tiere seien eigennützig und alle Mineralien herrschsüchtig, lässt sich so
nicht direkt aus Lorbers Aussagen ableiten.
Weitere relevante Stellen:
„Siehe, auf dieser Erde gibt es
giftige Mineralien, giftige Pflanzen und ebenso bekannte giftige Tiere! [...]
Die Seelen der Menschen, die rein von dieser Erde sind, sind ein Konglomerat
(eine Ansammlung) von Mineral-, Pflanzen- und Tierseelen.“
(GJE.04-158:03)
„Zuerst befinden sich die
Giftstoffe in der groben Materie der Mineralien. Dann kommen sie bereits in
milderer Form im Pflanzenreich vor, und in noch milderer Form in bestimmten
Tieren. Unter bestimmten Umständen können sie aber auch das innere Leben des
Menschen stören.“ (GJE.04-158:08)
„Diese spezifischen Seelenkräfte [...] verbinden sich schließlich zu einer
Gestalt – aber immer zu einer weiblichen, die dann auch stets eine besonders
giftige Eigenschaft hat.“ (GJE.04-158:09)
Der siebte Geist Gottes – die
Barmherzigkeit – überragt letztlich alle sechs Eigenschaften. Sie
bereitet den Weg der Erlösung, indem sie das Gleichgewicht zwischen ihnen
herstellt.
Und schließlich: In den Lorberwerken wird die
Frau zwar oft in ihrer dienenden, empfangenden Rolle geschildert – etwa als
„Köchin am Herd der Liebe“ –, doch ist es gerade die Liebe, die in der Frau
ihren Ausdruck findet und durch sie zur Weisheit veredelt wird. Eine
polarisierende Zuordnung allein zur „Nächstenliebe“ wird der inneren Tiefe der
göttlichen Schöpfungsordnung nicht gerecht.
