Swedenborg schreibt:
Hierzu will ich diese Denkwürdigkeiten hinzufügen:
Eines Morgens, als ich aus dem Schlaf erwachte, sah ich zwei Engel vom
Himmel herabsteigen, der eine aus dem Süden, der andere aus dem Osten des
Himmels. Beide fuhren in Wagen, vor die weiße Pferde gespannt waren.
Der Wagen des Engels aus dem Süden des Himmels glänzte wie Silber, der des
Engels aus dem Osten wie Gold. Die Zügel, die sie in den Händen hielten,
glühten wie das flammende Licht der Morgenröte.
So erschienen mir die beiden Engel aus der Ferne; doch als sie näher kamen,
sah ich sie nicht mehr in einem Wagen, sondern in ihrer Engelsgestalt, die der
menschlichen Form gleicht. Der Engel aus dem Osten trug ein glänzendes,
purpurfarbenes Gewand, der aus dem Süden ein leuchtend hyazinthblaues.
Als sie sich in die unteren Regionen unterhalb der Himmel begaben, eilte
der eine dem anderen entgegen, als wetteiferten sie, wer zuerst ankomme; sie
umarmten und küssten sich.
Ich hörte, dass diese beiden Engel, als sie noch in der Welt lebten, durch
innige Freundschaft verbunden gewesen waren, nun aber der eine im östlichen,
der andere im südlichen Himmel weilt: Im östlichen Himmel leben jene, die vom
Herrn in der Liebe sind, im südlichen jene, die vom Herrn in der Weisheit sind.
Nachdem sie einige Zeit über die Herrlichkeiten ihrer Himmel gesprochen
hatten, kam während des Gesprächs die Frage auf, ob das Wesen des Himmels in
der Liebe oder in der Weisheit bestehe. Sie stimmten sofort darin überein, dass
das eine vom anderen komme, diskutierten jedoch weiter darüber, welches der
Ursprung sei – dies war ihnen ein Gegenstand tieferer Erwägung.
Der Engel aus dem Himmel der Weisheit fragte den anderen: „Was ist Liebe?“ Und
dieser antwortete: Die Liebe, die vom Herrn als Sonne ausgeht, ist die Wärme
des Lebens der Engel und Menschen, ja ihr Leben selbst; die Ableitungen der
Liebe werden Affekte genannt, und durch diese entstehen Einsicht und somit das
Denken. Daraus folgt, dass die Weisheit ihrem Ursprung nach die Liebe ist, und
das Denken im Ursprung ein Affekt dieser Liebe. Betrachtet man die Ableitungen
in ihrer Ordnung, so erkennt man, dass das Denken nichts anderes ist als die
Form des Affekts. Dies ist dem Menschen nicht bewusst, weil das Denken im Licht
liegt, die Affekte jedoch in der Wärme – darum denkt man über das Denken nach,
nicht aber über die Affekte. Ebenso verhält es sich mit dem Klang und der
Sprache.
Dass das Denken nichts anderes ist als die Form des Affekts, lässt sich
auch durch die Sprache erläutern: Diese ist nichts anderes als die Form des
Klangs. Es verhält sich ebenso, denn der Klang entspricht dem Affekt, und die
Sprache dem Denken – daher erklingt der Affekt und das Denken spricht. Dies
wird deutlich, wenn man fragt: Nimm den Klang von der Sprache weg – bleibt dann
noch Sprache?
Ebenso: Nimm den Affekt vom Denken weg – bleibt dann noch Denken?
Daraus folgt also, dass die Liebe das Ganze der Weisheit ist und daher das
Wesen des Himmels die Liebe, sein Dasein aber die Weisheit ist; oder, was
dasselbe bedeutet: Die Himmel sind aus der göttlichen Liebe und existieren
aus der göttlichen Liebe durch die göttliche Weisheit. Deshalb ist, wie bereits
gesagt, das eine aus dem anderen.